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Atomstreitkräfte

Atomstreitkräfte

Mit Atomstreitkraft ist im allgemeinen die Militärmacht einer Nation gemeint, die in Kombination mit den klassischen Teilstreitkräften zu Lande, zu Wasser und in der Luft eine Streitkraft bereitstellt, die den Einsatz von Atomwaffen ermöglicht bzw. ein entsprechendes Potenzial als Abschreckung gegen mögliche Feinde unterhält. Hierzu halten die Atommächte jeweils permanent einsatzfähige militärische Einrichtungen in Betrieb, die einer größeren Sicherheitsstufe unterliegen. Zugleich verfügen Atomstreitkräfte über kürzere Befehlsstrukturen, um ihre Einsatzbereitschaft durch einen Oberbefehlshaber in kürzester Zeit herbeiführen zu können. Zur Aufrechterhaltung einer Atomstreitkraft müssen die Atommächte neben Fachpersonal auch hohe Betriebskosten einkalkulieren, die entsprechenden Einrichtungen unter besonderen Schutz stellen und zudem permanent warten. Moderne Atomstreitkräfte verteilen ihr Atomwaffen-Arsenal auf mehrere Trägersysteme und mobile Einheiten. Ihr Abschreckungspotenzial stützt sich dann auch darauf, dass nicht alle eigenen Trägersysteme zerstört werden können und dadurch ein atomarer Gegenangriff möglich ist, die sogenannte Zweitschlagskapazität. Moderne Trägersysteme können neben landgestützten Interkontinentalraketen auch Atom-U-Boote, Bomberflugzeuge und Kampfflugzeuge sein, die über entsprechende Atomwaffen verfügen. Hier aufgelistet sind Atomstreitkräfte mit Daten zum atomaren Rüstungspotenzial einer Nation und deren Einsatzmöglichkeiten durch verschiedene Trägersysteme. Nach dem Ende des Kalten Krieges gibt es auch heute noch zahlreiche Manöver von Atomstreitkräften und auch Überlegungen und Tests zur Verbesserung von Sprengköpfen und Trägersystemen bis hin zum möglichen Einsatz von Atomwaffen als taktische Waffe gegen sehr harte Ziele wie beispielsweise besonders massiv geschützte Bunker oder unter Gebirgsmassiven vorhandene Kommandozentren. Nicht zuletzt durch den Krieg der USA gegen den Terrorismus, wie z.B. der Operation Enduring Freedom in Afghanistan 2001, werden neue nukleare Einsatzmöglichkeiten für zukünftige Militäroperationen ausgearbeitet.

US-Atomstreitkräfte (US Nuclear Forces)

Anzahl der Sprengköpfe und die geplante Verringerung
- 2002: 7.600 Sprengköpfe und ca. 3.000 „inaktiv“
- 2007: 3.800 Sprengköpfe
- 2012: 1.700 bis 2.200 Sprengköpfe

Landgestützte Atomwaffen

Interkontinentalraketen (ICBM, Intercontinental Ballistic Missile, Reichweite über 5500 km).
- 150 Stück LGM-3DG Minuteman III Mk 12 mit Sprengkopf 1 x W62 und einer Sprengkraft von 170 kt. In Dienst seit 1970 und stationiert auf der F.E. Warren Air Force Base in Wyoming.
- 50 Stück LGM-3DG Minuteman III Mk 12 mit jeweils drei Sprengköpfen 3 x W62 MIRV (= 150 Sprengköpfe) mit 170 kt Sprengkraft. In Dienst seit 1970 und stationiert auf der Malmstrom Air Force Base im US-Bundesstaat Montana
- 300 Stück LGM-3DG Minuteman III Mk 12A mit jeweils drei Sprengköpfen 3 x W78 MIRV (= 900 Sprengköpfe) mit 335 kt Sprengkraft. In Dienst seit 1979 und stationiert auf der Malmstrom Air Force Base in Montana und auf der Minot Air Force Base in North Dakota. Insgesamt verfügten die USA im Jahr 2002 über 1.700 Sprengköpfe für landgestützte Interkontinentalraketen. Alle LGM-3DG Minuteman III-Interkontinentalraketen Mk12 und einige Mk12A sollen bis 2007/2009 durch den neuen Sprengkopf W87 ersetzt werden. Die 50 LGM-118A MX/Peacekeeper waren die modernsten US-Interkontinentalraketen, bis sie nach dem START II-Abkommen und neueren Vereinbarungen von Oktober 2002 bis September 2005 schrittweise deaktiviert wurden. Mit dem 250 Millionen US-Dollar teuren Umrüstprogramm SERV (Safety Enhanced Reenetry Vehicle) sollen noch Flugtests der Minuteman III mit W87-Sprengköpfen durchgeführt werden. Ab 2018 plant das US-Verteidigungsministerium den Bau von neuen Interkontinentalraketen als Ersatz für die von Boeing entwickelten Minuteman III.

Seegestützte Atomwaffen

SLBM (Sea-Launched Ballistic (Cruise) Missile)
- 168 Stück UGM-96A Trident I C4 mit jeweils sechs Sprengköpfen 6 x W76 MIRV (= 1008 Sprengköpfe)und je 100 kt Sprengkraft. In Dienst seit 1979 und stationiert auf sieben Atom-U-Booten (SSBN) der Ohio-Klasse.
- 216 Stück UGM-133A Trident II D5 Mk-4 mit jeweils acht Sprengköpfen 8 x W76 MIRV (= 1728 Sprengköpfe) und je 100 kt Sprengkraft. In Dienst seit 1992 und stationiert auf acht Atom-U-Booten (SSBN) der Ohio-Klasse.
- 48 Stück UGM-133A Trident II D5 Mk-5 mit jeweils acht Sprengköpfen 8 x W88 MIRV (= 384 Sprengköpfe) und je 475 kt Sprengkraft. In Dienst seit 1990 und stationiert auf zwei Atom-U-Booten (SSBN) der Ohio-Klasse. Insgesamt verfügen die USA über 3.120 Sprengköpfe für Atom-U-Boote. Die seegestützte amerikanische Atomstreitmacht besitzt rund die Hälfte der strategischen Nuklearsprengköpfe der Vereinten Staaten und ist verteilt auf insgesamt 18 Atom-U-Boote der Ohio-Klasse. 7 U-Boote sind an der Pazifikküste stationiert und ausgerüstet mit UGM-96A Trident I C4. Im Rahmen des START I-Abkommens wurden die Sprengköpfe auf diesen U-Booten bis 2001 von 8 auf 6 verringert. Die anderen 11 U-Boote sind mit den moderneren und größeren UGM-133A Trident II D5 Mk-4- und Mk-5-Raketen ausgerüstet und befinden sich an der Ostküste. Überwasserkampfschiffe: Mit Atomsprengköpfen ausgerüstete Marschflugkörper vom Typ BGM-109 Tomahawk befinden sich seit 1994 nicht mehr an Bord. Allerdings können die Schiffe die Versorgung von Angriffs-U-Booten (SSNs) mit Cruise Missiles übernehmen. Die Angriffs-U-Boote (SSN) der Seawolf- und Los-Angeles-Klasse sind nur noch mit konventionellen Tomahawks und Mk-48-Torpedos bestückt. Um die seegestützten Marschflugkörper mit einem einheitlichen Sprengkopf auszustatten, entwickelt die US Navy mit ihrem SWPP (SLBM Warhead Protection Program) einen neuen Sprengkopf, der die W76 und W88 ersetzen soll. Lockheed Martin produzierte seit 1976 rund 5.000 Sprengköpfe W76 für die Trident I C4 der amerikanischen und britischen U-Bootflotte.
- UGM-96A Trident I C4 Die seit 1976 im Einsatz befindliche Trident I C4 wird nach und nach ausgemustert. Bis 1986 wurden insgesamt 570 Stück produziert und 117 Flugtests mit 222 Trident I-Raketen durchgeführt. Die Trident I C4 hatte danach eine Startzuverlässigkeit von 85 % (188), 34 Teststarts (15 %) schlugen fehl. Ab 1990 wurden auch im Atlantik Tests durchgeführt und ab 1993 im Testgebiet bei Florida. Zuletzt verschoss unter anderem die USS Ohio (SSBN-726) vier SLBM des Typs Trident I C4 am 9. Dezember 2001.
- UGM-133A Trident II D5 Rund 390 Trident II D5 mit einer Reichweite von über 11.000 km sind im Besitz der USA und weitere 35 Stück sollen beschafft werden, vor allem wegen der Umrüstung einiger U-Boote. Von den 425 Stück sollen 228 Stück mit Sprengköpfen auf 12 U-Booten ausgerüstet werden, 137 Stück dienen zu Testzwecken bis 2014. Seit 1987 wurden 116 Tests durchgeführt und nur 5 Tests (4 %) schlugen fehl. Die Bestückung der Trident II D5 auf den US-Booten beträgt 8 Sprengköpfe, obwohl auch 12 möglich wären. Auch Großbritannien besitzt für seine strategische U-Bootflotte diesen Typ auf der Vanguard-Klasse, stationiert in Faslane, Schottland. Die vier ältesten U-Boote der Ohio-Klasse (gebaut 1974-1976), die ihren Heimathafen an der Pazifikküste (Bangor, Washington) haben: USS Ohio (SSBN-726), USS Michigan (SSBN-727) USS Florida (SSBN-728) und USS Georgia (SSBN-729), wurden ab 2003 umgerüstet und mit 154 konventionellen Cruise Missiles bestückt. Bis 2006 sollen nur noch 14 U-Boote mit Atomsprengköpfen im Einsatz sein, u.a. auch um die jährlichen Unterhaltskosten von über 500 Millionen US-Dollar zu reduzieren. Durch die Verringerung verlegt die amerikanische U-Boot-Flotte 4 U-Boote der Ohio-Klasse von der Ostküste (Kings Bay, Georgia) zur Westküste (Bangor, Washington). Sodann verbleiben jeweils 7 strategische U-Boote an beiden US-Küsten. Ab 2029 sollen die ersten SSBN's mit Trident-SLBM's außer Dienst gestellt werden. Ersetzt werden sollen diese U-Boote der Ohio-Klasse in naher Zukunft durch eine modifizierte Version der Angriffs-U-Boote (SSN) der Virginia-Klasse (u.a. SSN-774) mit ihrer vertikalen Abschussvorrichtung (VLS-System) oder durch einen völlig neuen U-Boottyp, der ab 2016 gebaut werden soll. 16 Flugzeuge des Typs Boeing E-6B Tacamo (steht für take charge and move out) sollen modernisiert werden und dienen als Kommando- und Verbindungsflugzeug zu den strategischen U-Booten (SSBNs).

Strategische Bomber

Strategische Langstrecken-Bomberflugzeuge der USA
- 20 Raketen für Bomber des Typs Boeing B-52H Stratofortress mit 400 Stück ALCM (Air-Launched Cruise Missile); Reserve: 100 der Typen AGM-86B oder ACM AGM-129A mit je einem Sprengkopf 1 x W80 mit bis zu 150 kt Sprengkraft. Insgesamt 860 Sprengköpfe für die Bomberflotte. Die Langstreckenbomber B-52 sind seit 1955 in Dienst. Die strategische Bomberflotte der B-52H ist auf der Barksdale Air Force Base (Louisiana) und der Minot Air Force Base (North Dakota) stationiert und soll durch Materialerhaltungsmaßnahmen bis 2044 im Einsatz bleiben.
- 21 Raketen für die Bomber Northrop B-2 Spirit, deren Flotte 21 Bomber umfasst und auf der Whiteman Air Force Base in Missouri stationiert ist. In Dienst seit 1994 mit dem Sprengkopf 1 x B61-7 oder B61-11 oder als Bombe B83-1 mit bis zu 170 kt Sprengkraft. Insgesamt 800 Sprengköpfe für die B-2-Bomber. Sie soll als strategischer Bomber bis 2040 im Einsatz bleiben. Die großen B-52H Stratofortress-Bomber können im Gegensatz zu der B-2 Spirit alternativ auch gleichzeitig Cruise Missiles oder frei fallende Nuklearbomben Typ B-61 mit sich führen. Die B-52H kann AGM-86 Cruise Missile oder AGM-129 Advanced Cruise Missile (beide mit W80 Sprengkopf) transportieren. Im Gegensatz zu der AGM-86 verfügt die weiterentwickelte AGM-129A über eine größere Reichweite und Stealth-Eigenschaften. Die US Air Force verfügt insgesamt über 1.142 ALCMs und 460 ACMs. Die Lockheed F-117 Nighthawk kann Atomwaffen mit sich führen, ist aber nicht vom Air Combat Command dafür vorgesehen. Stattdessen erfolgt nur das Training hiermit. Die gegenwärtig in der Entwicklung befindliche Lockheed Martin F-35, auch Joint Strike Fighter (JSF) genannt, wird voraussichtlich ab 2008 in Dienst gestellt und soll in die Planung zum Tragen von Atomsprengköpfen einbezogen werden. Auch NATO-Partner mit General Dynamics F-16 oder Panavia Tornado-Kampfflugzeugen verfügen über die pontielle Möglichkeit, Atombomben US-amerikanischer Herstellung abzuwerfen.

Taktische Atomwaffen

Taktische Atomstreitmacht (SLCM, Atombomben)
- 325 Raketen Cruise Missiles TLAM/N Tomahawk mit Sprengkopf W80. In Dienst seit 1984.
- 800 Atombomben, darunter die Typen B-61-3, B-61-4 und B-61-10. In Dienst seit 1979. Insgesamt 1120 Sprengköpfe als taktische Atomwaffen. Nach Ende des Kalten Krieges wurden die taktischen Atomwaffen drastisch verringert. Die USA haben ungefähr 1.620 taktische Atomsprengköpfe, davon rund 1.300 B-61 in 3 verschiedenen Versionen und 320 TLAM/N (Tomahawk Land-Attack Cruise Missile), teilweise als Reserve oder "inaktiv". Die taktischen Nuklearbomben B-61 lagern auf der Kirtland Air Force Base (New Mexico) und der Nellis Air Force Base (Nevada) und stehen im Kriegsfall den Kampfflugzeugtypen F-16C, F-16D Fighting Falcon und F-15E Strike Eagle zur Verfügung. Ungefähr 150 der B-61 befinden sich in Europa, verteilt auf 10 Luftwaffenstützpunkten in 7 NATO-Ländern. Die TLAM/N befinden sich seit 1997 nahe den U-Bootbasen Bangor (Washington/Westküste) und Kings Bay (Georgia/Ostküste).

Britische Atomstreitkräfte (UK Nuclear Deterrent Forces)

Großbritannien ist die bislang einzige Atommacht, die ausschließlich auf seegestützte Systeme setzt. 1998 wurden die letzten für den Einsatz durch Kampfflugzeuge bestimmten Atombomben ausgemustert. Großbritannien verfügt heute über vier ballistische Atom-U-Boote der Vanguard-Klasse, die im schottischen Faslane-on-Clyde stationiert sind. Jedes U-Boot kann mit maximal 16 Trident II D5 SLBM ausgestattet werden. Großbritannien verfügt über insgesamt 64 Trident-Raketen, von denen 58 mit Atomsprengköpfen bestückt sind und sechs zu Testzwecken dienen. Regulär sind jeweils zwei der vier U-Boote weltweit im Einsatz, von denen jedoch nur eines tatsächlich mit Atomraketen bestückt ist. Ein drittes U-Boot befindet sich in Faslane-on-Clyde auf Standby, während das vierte gewartet, repariert oder modernisiert wird. Diese Praxis geht auf den Beschluss der britischen Regierung aus dem Jahr 1998 zurück, nur noch jeweils ein U-Boot im Rahmen der nuklearen Abschreckungspolitik einzusetzen. Die Anzahl der Sprengköpfe wurde auf 48 Stück pro U-Boot begrenzt. Somit trägt jede Trident-Rakete durchschnittlich drei Sprengköpfe. Großbritannien verfügt vermutlich über vier verschiedene Arten von Sprengköpfen, die eine Sprengkraft von 0,3 kt, 6 kt, 12 kt und 100 kt haben. Insgesamt wird das britische Arsenal auf etwa 200 Sprengköpfe geschätzt.

Abkürzungen


- ACM - Advanced Cruise Missile (größere Reichweite als die ALCM)
- ALCM - Air-Launched Cruise Missile (luftgestützter Marschflugkörper)
- ICBM - Intercontinental Ballistic Missile (Interkontinentalrakete)
- LGM - Silo-Launched Surface Attack Guided Missile
- UGM - Underwater-Launched Surface Attack Guided Missile
- MIRV - Multiple Indepedently Targetable Reentry Vehicles
- SERV - Safety Enhanced Reentry Vehicle
- SLBM - Strategic Submarine-Launched Ballistic Missile (Vom Atom-U-Boot gestartete strategische ballistische Rakete)
- SSBN - Nuclear-Powered Strategic Ballistic Missile Submarine (Atom-U-Boot mit strategischen ballistischen Raketen)
- SSN - Nuclear-Powered Attack Submarine (Angriffs-Atom-U-Boot) Siehe auch: Atommacht, Atomwaffen, Atomwaffensperrvertrag, Marschflugkörper, Verzicht auf den Ersteinsatz Kategorie:Atomwaffe

Militärmacht

Als Streitkräfte oder Militär (von frz. militaire, was auf das lat. militaris (den Kriegsdienst betreffend) zurückgeht, das wiederum von lat. miles (Soldat) kommt) bezeichnet man die bewaffneten Verbände eines Staates oder eines Bündnisses, die dieser zur Verteidigung gegen einen Angriff von außen, oder eben um einen solchen Angriff nach außen zu führen, aufstellt. Meist haben sie aber auch den Auftrag zur Gewährleistung der inneren Sicherheit eines Staates. Zweck des Militärs ist nicht ausschließlich die Führung von Kriegen, sondern heute zunehmend die Führung von multinationalen Operationen zur Friedenssicherung und -erhaltung wie beispielsweise in Afghanistan oder Bosnien. Wobei in Afghanistan der Frieden durch die Amerikaner ursprünglich erzwungen wurde. Heute wird das Militär in die drei Teilstreitkräfte Landstreitkräfte (Heer), Seestreitkräfte (Marine) und Luftstreitkräfte (Luftwaffe) unterteilt. Manche Nationen ergänzen ihre Streitkäfte durch weitere Teilstreitkräfte. Die deutsche Bundeswehr, die neben den drei genannten noch den Zentralen Sanitätsdienst und die Streitkräftebasis ausweist, bezeichnet diese jedoch als Organisationsbereich. Diese sind damit wie die Nationalgarde in den USA ausdrücklich keine eigenen Teilstreitkräfte. In demokratisch organisierten Gesellschaften wird heute zwischen der Rolle des Militärs und der der innerstaatlichen Sicherheitskräfte (Polizei) unterschieden. Dagegen sind in vielen Diktaturen diese beiden Funktionen vermischt, und das Militär übernimmt innenpolitische Aufgaben (oft mit dem Ziel der Repression). Ausdruck für diesen Dualismus ist die Miliz, die für Militär und Polizei steht (der Begriff steht auch für Miliz (Volksheer), dem Gegenteil einer Berufsarmee). Ein anderer Ausdruck hierfür ist auch Gendarmerie. Gendarmen sind ebenfalls häufig Teil der Streitkräfte wie in Frankreich oder unterstanden historisch einmal dem Verteidigungsresort wie die frühere Bundesgendarmerie in Österreich. Verfassungsrechtliche und verwaltungsrechtliche Normen stellen dabei sicher, dass solche Einheiten im Frieden dem Innen- bzw. dem Justizresort unterstehen. Militärische Organisationen zeichnen sich durch eine hierarchische Struktur mit einer Befehlsgewalt der Militärführung aus. Mitglieder einer militärischen Organisation verzichten auf einen Teil ihrer Freiheiten und Grundrechte. Alle Militärapparate reproduzieren ihren inneren Zusammenhalt durch die periodische Veranstaltung verschiedener Militärrituale. Werden letztere als öffentliches Zeremoniell veranstaltet, dann dienen sie darüberhinaus der symbolischen Unterstreichung der Bedeutung von Militär im nicht-militärischen Teil der Gesellschaft und sind daher oft umstritten. So genannte paramilitärische Organisationen, die in vielen nicht als Krieg bezeichneten bewaffneten Konflikten (etwa Bürgerkriegen) teilnehmen, gelten nicht als Militär und werden nach internationalen Konventionen auch anders behandelt. Die Militärtechnik hat traditionell eine wichtige Vorreiter- und Schrittmacherrolle bei der allgemeinen technischen Entwicklung inne. So wurden beispielsweise das Fernsehen, das Internet oder GPS ursprünglich im militärischen Auftrag entwickelt und anfangs nur vom Militär genutzt. Alle Streitkräfte müssen
- sich unter einem einheitlichen Kommando befinden, das dem Staat gegenüber für die Führung der Unterstellten verantwortlich ist,
- sich durch Uniformen, Abzeichen, Zeichen oder andere aus der Ferne erkennbare äußere Merkmale von der Zivilbevölkerung unterscheiden,
- einem internen Disziplinarsystem unterliegen, das im Einsatzfall auch die Regeln der Kriegsführung durchsetzt,
- die Waffen offen führen.

Umgangssprache

Umgangssprachlich bezeichnet man mit ein Militär auch ein führendes Mitglied im Militär, in einer Junta oder in einer Militärdiktatur.

Siehe auch


- Portal:Militär
- Atomstreitkräfte
- Militärbasen im Ausland
- Armeegruppe
- Militärischer Befehl
- Preußische Armee
- Bundeswehr
- Schweizer Armee
- Österreichisches Bundesheer
- NVA
- US-Armee
- Fremdenlegion
- Kindersoldat
- Milizen
- Söldner
- Krieg
- Kriegsgefangene
- Haager Landkriegsordnung
- Neutralität

Literatur


- Friedrich Engels: Armee in: The New American Cyclopædia, 1857: http://www.mlwerke.de/me/me14/me14_005.htm ja:軍隊 simple:Military zh-cn:武装力量 Kategorie:Militärwesen

Teilstreitkräfte

Teilstreitkräfte (TSK) ist ein Begriff für die Unterteilung der Armee eines Volkes. Sie hat sich historisch entwickelt, da nicht zu jeder Zeit eine Teilstreitkraft aus technischen Gründen "zur Verfügung" stand. Die modernen Armeen bestehen heute aus den folgenden drei Teilstreitkräften: # Heer # Luftwaffe # Marine Je nach geographischer "Lage" eines Landes verfügt eine Armee überhaupt nicht über die Teilstreitkraft Marine bzw. variiert die Größe dieser Teilstreitkraft erheblich im Verhältnis zum Heer und zur Luftwaffe. Als letzte Teilstreitkraft hat sich Anfang des 20. Jahrhunderts - bedingt durch den technischen Fortschritt - die Luftwaffe etabliert, die zuvor noch dem Heer untergeordnet war. In Deutschland ist traditionell das Heer die größte Streitkraft, gefolgt von der Luftwaffe und der Marine.

Organisationsbereiche

Im Zuge der derzeitigen Bundeswehrreform sind in Deutschland außerdem zwei weitere selbstständige militärische Organisationsbereiche geschaffen bzw. erweitert worden, die Streitkräftebasis (SKB) und der Zentrale Sanitätsdienst. Diese beiden "querschnittlichen" Organisationsbereiche sind unabhängig von den Teilstreitkräften, werden aber aufgrund ihrer "lediglich" unterstützenden und nicht kämpfenden Aufgabe per Definition nicht als eigene Teilstreitkraft geführt. Die ihnen zugehörigen Soldaten werden laufbahntechnisch im wesentlichen auch weiterhin durch ihre eigene Teilstreitkraft bestimmt. So erhalten beispielsweise auch die der SKB unterstellten Heeresoffiziere weiterhin ihre nicht-fachbezogene Offizierausbildung an der Offizierschule des Heeres in Dresden. Für die Soldaten die einem der beiden Organisationsbereiche unterstellt sind, gibt es auch keine eigene Uniform, getragen wird die Uniform der Teilstreitkraft, aus der ihre Einheit oder ihr Verband ausgegliedert wurden. Als militärische "Heimat" gilt weiterhin ihre eigentliche Teilstreitkraft, auch für militärsiche Laufbahn ist maßgeblich die Teilstreitkraft maßgebend. Da es sich bei diesen Soldaten aber während der Zeit der Unterstellung unter einen der beiden Organisationsbereiche strengenommen nicht mehr um "Heeres-, Luftwaffen- oder Marinesoldaten handelt, wurde die Bezeichnung "Uniformträger Heer/Luftwaffe/Marine" neu geschaffen. Zusätzlich zu den bereits oben genannten Teilstreitkräften gibt es in Italien die Carabinieri, in Frankreich die Gendarmerie und in den USA das US Marine Corps sowie die Coast Guard.

siehe auch


- Bundeswehr
- Österreichisches Bundesheer Kategorie:Truppengattung Kategorie:Bundeswehr Kategorie:Bundesheer

Atomwaffen

Zu den Kernwaffen, auch als Atomwaffen oder Nuklearwaffen bezeichnet, gehören alle Waffen, die ihre Explosionsenergie aus der Umwandlung von Atomkernen bei der Kernspaltung oder Kernfusion gewinnen (im Gegensatz zu konventionellen Waffen, die ihre Explosionsenergie aus chemischen Reaktionen erhalten, bei denen die Atomkerne unverändert bleiben). Sie gehören zu den ABC-Waffen (auch Massenvernichtungswaffen). Eine Beschreibung über den Explosionsvorgang nach Abschluss der nuklearen Kettenreaktion und über dessen Auswirkungen findet sich unter Kernwaffenexplosion. Der Artikel Zivile Atombomben beschreibt die bisherigen nicht-militärischen Atomexplosionen.

Einführung

Die Entwicklung der Kernwaffen stellt einen Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit dar. Bereits die ersten Kernwaffen mit nur 1%-iger Effizienz erreichten Explosionsenergien, die mehr als zehntausend Tonnen konventionellen Sprengstoffs entsprachen. Damit setzten sie genug Energie frei, um im August 1945 die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki fast vollständig zu zerstören und Hunderttausende von Menschen zu töten. Während des Kalten Krieges entwickelten vor allem die USA und die Sowjetunion Kernwaffen mit teilweise mehr als zehn Millionen Tonnen TNT-Äquivalent. Die stärkste jemals explodierte Bombe war die sowjetische Zar-Bombe. Sie wurde am 30. Oktober 1961 bei einem atmosphärischen Kernwaffentest gezündet und setzte eine Energie von etwa 57.000 Kilotonnen (= 57 Megatonnen) TNT-Äquivalent frei. Zum Vergleich: die Hiroshima-Bombe hatte eine Sprengkraft von 13 Kilotonnen TNT. Eine Bombe mit derartiger Kraft hätte im Kriegseinsatz ganze Ballungsgebiete verwüstet. Die Temperatur, die bei einer nuklearen Explosion erzeugt wird, beträgt zwischen 200.000.000 °C und 300.000.000 °C. Durch ihre große Zerstörungskraft, aber mehr noch durch die bei der Explosion freigesetzten radioaktiven Rückstände stellen Kernwaffen eine ernste existenzielle Bedrohung für die Menschheit und das Leben auf der Erde dar. Auch nach dem Zusammenbruch des Ostblocks ist die Gefahr eines Atomkrieges nicht gebannt. Eine zunehmende Zahl kleinerer Staaten strebt, teilweise bereits mit Erfolg, nach atomarer Aufrüstung. Der Umgang mit dieser Gefahr wird von vielen Politikwissenschaftlern als eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts angesehen. siehe auch: Atomstreitkräfte Die technische Entwicklung der Kernwaffen seit den 40er Jahren hat eine große Vielfalt unterschiedlicher Varianten hervorgebracht. Unterschieden werden grundsätzlich Atombomben nach dem Kernspaltungs- oder Fissionsprinzip (»klassische« Atombombe) und nach dem Kernfusionsprinzip (Wasserstoff- oder H-Bombe). Bei der Kernspaltungsbombe wird eine überkritische Menge (wie viel das ist, ist geometrie- bzw. konstruktionsabhängig – die kleinste kritische Masse erreicht man mit einer Kugel) Uran 235 oder Plutonium 239 durch Sprengstoff auf engem Raum zusammengebracht. Ab einem bestimmten Verhältnis von Masse zu Oberfläche des Spaltmaterials können Neutronen, die beim spontanen Zerfall einzelner Kerne entstehen, weitere Kerne im Material spalten, wobei diese wiederum einige Neutronen liefern. Es kommt zur nuklearen Kettenreaktion, in deren Verlauf immer weitere Kerne gespalten werden. Bei der Fusionsbombe wird zunächst eine Kernspaltungsbombe gezündet. Die dadurch im Inneren der Bombe erzeugten Drücke und Temperaturen reichen aus, um in dem in ihr enthaltenen schweren Wasserstoff (Deuterium) die Fusionsreaktion zu zünden. Mehr dazu: Kernwaffentechnik

Detonation von Atombomben

Um Atombomben zur Detonation zu bringen, d.h. den Kernspaltungs- oder Fusionsprozess in Gang zu setzen, wurden mehrere verschiedene Systeme entwickelt.

Explosion

Das einfachste Prinzip besteht darin, dass soviel zusätzliches spaltbares Material durch den Zünder auf den Kernsprengstoffvorrat geschossen wird, dass die spaltbaren Materialien desselben Stoffes verschmelzen und eine kritische bzw. superkritische Masse entsteht. Diese führt dann zum Kernspaltungs- bzw. Kernfusionsprozess und es kommt zur Atombombenexplosion. Einen solchen Aufbau einer Atombombe nennt man "Gun-Design". Die von den USA am 6. August 1945 auf Hiroshima abgeworfene Atombombe besaß dieses System und hatte eine Sprengkraft von 13 Kilotonnen TNT.

Implosion

Eine weitere Methode ist die "Implosion" und wird in einer kugelförmigen Waffe angewandt. Der äußere Teil der Kugel besteht aus einer Schicht aus hochexplosiven Material. Jeder Abschnitt dieses Materials ist mit einer Sprengkapsel versehen, wobei die Abschnitte untereinander mit Drähten verbunden sind. Durch einen elektrischen Impuls werden alle Teile des Materials exakt gleichzeitig gezündet. Die entstehende Druckwelle der Detonation läuft im Zentrum der Waffe zusammen. Die sich dort befindliche Kugel aus spaltbarem Material wird durch den enormen nach innen gerichteten Druck (Implosion) zusammengedrückt. Dadurch erhöht sich die Dichte des Elementes und eine superkritische Anordnung entsteht. Sowohl bei der Testbombe von Alamogordo, als auch bei der am 9. August 1945 auf Nagasaki abgeworfenen Atombombe, handelte es sich um Implosionsbomben. Diese hatten beide eine Sprengkraft von 20 Kilotonnen TNT.

Klassifizierung

Die Explosionsenergie reicht von der Sprengkraft weniger hundert Kilogramm TNT bis zu einigen Megatonnen (1 Megatonne = 1 Million Tonnen bzw. 1 Milliarde Kilogramm) TNT-Äquivalent. Neben der reinen Sprengkraft sind folgende militärische »Maßeinheiten« in Verwendung:
- Totaler Zerstörungsradius: Radius um das Explosionszentrum in dem alles tierische und menschliche Leben und alle Gebäude, Pflanzen usw. komplett vernichtet werden. Reicht je nach Größe der Bombe bis zu 50 km (bei der experimentellen sowjetischen Tsar Bomba sogar bis zu 100 km).
- Millionen Tote: Anzahl der Getöteten bei Detonation in einem Ballungsgebiet
- Zahl der Sprengköpfe: viele Kernwaffen verfügen heute über mehrere Sprengköpfe, die dann in großer Höhe von der Trägerrakete getrennt werden. So kann eine einzige Rakete riesige Gebiete verwüsten, so etwa die sowjetische SS-18 Satan je nach Ausrüstung ein Areal von bis zu 60.000 km². Die stärksten als reguläre militärische Sprengköpfe konstruierte Kernwaffen sind Wasserstoffbomben mit bis zu 25 MT Sprengkraft. Typischerweise sind es aber nicht mehr als die Hälfte davon. Ohne Kernfusion, das heißt nur mit Spaltung von Uran- oder Plutoniumkernen, erreicht man rund 500 (amerikanischer Ivy King-Test) bis 800 kT (stärkste französische Militärwaffe). Fat Man, über Nagasaki abgeworfen, hatte demgegenüber nur 25 kT Sprengkraft.

Strategische Kernwaffen

Strategische Kernwaffen sind Kernwaffen mit großer Sprengkraft, die nicht auf dem Gefechtsfeld eingesetzt werden, sondern Ziele im gegnerischen Hinterland zerstören sollen, wie z. B. ganze Städte oder Raketensilos von Interkontinentalraketen. Ihre Sprengkraft reicht vom Kilotonnenbereich bis zu theoretisch über 100 Megatonnen TNT bei der Wasserstoffbombe. ]]n (MRBM, IRBM) mit nuklearem Sprengkopf, die in Silos oder auf mobilen Abschussrampen montiert sind. Ein besonderes Problem dieser Waffen ist die heute lediglich noch von solchen Staaten stationiert, denen die Technik von Interkontinentalraketen fehlt, wie Pakistan oder Israel.
- U-Boot- Eine Rakete kann je nach Bauart auch mehrere nukleare Sprengköpfe transportieren (sogenannte MIRV-Bauweise, Multiple Independently targetable Re-entry Vehicle).

Taktische Kernwaffen

Taktische Kernwaffen (auch atomare oder nukleare Gefechtsfeldwaffen genannt) werden ähnlich wie konventionelle Waffen gezielt gegen gegnerische Verbände oder Einheiten eingesetzt. Ihre Sprengkraft reicht bis zu einigen hundert Kilotonnen und ist damit im Vergleich den strategischen Kernwaffen relativ niedrig. Die kleinste taktische Atomwaffe im Truppendienst hat eine Sprengkraft von circa 0,3 KT. Derartig kleine Atomwaffen erlauben einen Einsatz vergleichsweise nahe an den eigenen Truppen. Taktische Kernwaffen gibt oder gab es als
- Freifallbombe
- Artilleriegranaten, die von normalen Artilleriegeschützen verschossen werden können
- Raketen zur U-Boot-Abwehr
- Taktische Raketen kurzer Reichweite (z. B. »Lance«, »Honest John«)
- Luft-Luft-Raketen zur Bekämpfung von Flugzeugen (heute nicht mehr verwendet)
- Boden-Luft-Raketen (z. B. Bomarc) zur Bekämpfung von Flugzeugen und, beispielsweise im Rahmen des amerikanischen Safeguard-Systems, zur Abwehr von Interkontinentalraketen.
- Raketen zur Bekämpfung von Satelliten
- Nukleare Wasserbomben zum Einsatz gegen U-Boote
- Atomminen, die auch an der innerdeutschen Grenze zum Einsatz kommen sollten. Diskutiert wurden daneben auch
- im Weltraum stationierte Kernwaffen
- Torpedos zur U-Boot-Abwehr

Neutronenbomben

Neutronenbomben sind taktische Kernwaffen mit verhältnismäßig geringer Sprengkraft (ca. 1 KT). Im Vergleich zu herkömmlichen Kernwaffen zeichnen sie sich durch eine verstärkte Neutronenstrahlung aus. Daher haben sie eine erhöhte Effektivität gegen gepanzerte Streitkräfte, denn für die Zerstörung von Panzern muss eine Bombe normalerweise in der unmittelbaren Umgebung detonieren, da die Panzerung einen gewissen Schutz gegen Druckwelle und Hitzeentwicklung bietet. Gegen Neutronenstrahlung hingegen ist es keine effektive Panzerung. Das Panzergehäuse wird dabei durch Neutroneneinfang radioaktiv aktiviert, wodurch bei weiterer Nutzung die Besatzung häufig ausgewechselt werden muss. Außerdem können Neutronenbomben gegnerische Kernwaffen (z.B. anfliegende Raketen) durch Zerstören der Zündelektronik unbrauchbar machen. Der Glaube, dass Neutronenbomben Waffen sind, die Menschen töten, aber die Infrastruktur unbeschädigt lassen, ist zwar weit verbreitet, aber falsch. In dem Gebiet, in dem die Neutronenstrahlung tödlich wirkt, ist Druck- und Hitzewirkung der Neutronenbombe so groß, dass ungeschützte Personen schon durch sie allein getötet würden, ebenso werden Gebäude in diesem Gebiet schwer beschädigt oder zerstört. Außerdem wird die Neutronenstrahlung »eingefangen« und macht das bestrahlte Material selbst radioaktiv. Auch diese Art von Atombomben sind daher alles andere als »sauber«. In den USA wurden seit 1974 etwa 800 Neutronensprengsätze gebaut. Die letzten wurden 1992 verschrottet.

Mini-Nukes

So genannte Mini-Nukes sind Kernwaffen mit einer Sprengkraft unter fünf Kilotonnen. Die neue Forschung über kleine, technisch hoch entwickelte Kernwaffen ist in den USA geplant. Der US-Senat hob im Mai 2003 ein 10 Jahre altes Verbot der Entwicklung von Mini-Nukes auf. Diese Entscheidung wurde im Kongress durch eine Resolution geschwächt, die die Forschung erlaubt, jedoch ein Verbot der Entwicklung oder Herstellung neuer Atomwaffen mit geringer Sprengkraft beibehält. Kofferbomben, beispielsweise zum Einsatz durch Geheimdienste oder Terroristen, wurden beschrieben und werden auch auf dem High Energy Weapons Archive vorgestellt; dort wird aber auch betont, dass die physikalische Umsetzbarkeit mehr als zweifelhaft ist (beispielsweise bräuchte man zu hohe Mengen an konventionellem Sprengstoff zur Zündung), was sie mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Urban Legend macht.

Bunker Buster

Nukleare bunkerbrechende Waffen sollen tief in die Erde eindringen, um unterirdische und gehärtete Bunker zu zerstören. Es ist ausgeschlossen, dass die Bomben, aus der Luft abgeworfen, tief genug unter die Oberfläche eindringen und die Explosion vollkommen unterirdisch abläuft. Somit wird ein Bombenkrater erzeugt und hochradioaktives Material in die Luft ausgeworfen. Ebenso sind durch die erzeugten Erschütterungen großflächige Zerstörungen um das eigentliche Ziel herum zu befürchten. Es gibt im US-Arsenal bereits eine »Bunker Buster«: die B-61-11, die laut des im Januar 2002 veröffentlichten Überprüfungsberichts (NPR = Nuclear Posture Review) der US-Atomwaffenpolitik eine Sprengkraftgröße von mehr als fünf Kilotonnen hat und damit keine »Mini-Nuke« ist. Diese Waffe dringt aus einer Höhe von gut 13.000 Metern nur bis zu sieben Meter in die Erde und 2–3 Meter in gefrorenen Boden ein. Die USA haben etwa 50 dieser Bomben zur Verfügung.

Schmutzige Bombe

Bei einer sogenannten »schmutzigen Bombe« wird die ohnehin vernichtende Wirkung während der Explosion mit der großflächigen und jahrelangen Verstrahlung durch radioaktiven Fallout weiter gesteigert. Dies wird durch den Aufbau oder durch eine Kernexplosion auf dem Erdboden erreicht (für letzteres siehe Atomexplosion). Insbesondere wurde die Kobaltbombe als schmutzige Bombe bezeichnet. In dieser Bauform wird wo möglich Kobalt für die Fertigung der Einzelteile verwendet. Dieses Metall wird durch die Explosion in stark strahlende Isotope langer Halbwertszeit umgewandelt. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde der Begriff »schmutzige Bombe« erheblich umgeprägt. Derzeit bezeichnet man als schmutzige Bombe einen Sprengsatz aus konventionellem Sprengstoff, dem radioaktives Material beigemischt wurde. Im Vergleich zu einer echten Atombombe besitzt sie nicht deren enorme Sprengkraft, da keine Nuklearexplosion ausgelöst wird. Ziel ihres Einsatzes ist es, radioaktives Material über ganze Stadtteile zu verstreuen und diese auf lange Sicht unbewohnbar zu machen. Eine solche Waffe ist daher eher zu den Chemiewaffen zu zählen. Im Gegensatz zu chemischen Waffen tötet das strahlende Material nicht sofort sondern erhöht die Sterblichkeit längerfristig. Da sich die tödliche Wirkung nur bei einem weiteren Aufenthalt in dem verstrahlten Gebiet entfaltet, versuchen einige Experten die "Schmutzige Bombe" zu den nicht tödlichen Waffen zu rechnen. Nach Ansicht von Experten können auch nur schwach verstrahlte Landstriche über Jahre hinweg die Gefahr von Krebserkrankungen für die Bevölkerung erhöhen. Auch wenn die Verschmutzung nur oberflächlich und daher (mit enormem Aufwand allerdings) dekontaminierbar wäre, könnte die psychologische Wirkung eines solchen Anschlages verheerend sein, da z.B. Arbeitnehmer eine schnelle Rückkehr an den Ort des Anschlags verweigern könnten. Der radioaktive Inhalt schmutziger Bomben setzt sich aus strahlenden Substanzen zusammen, wie sie unter anderem in der Industrie oder Medizin zum Einsatz kommen, z.B. radioaktives Spaltmaterial aus Kernkraftwerken oder radioaktive Stoffe aus medizinischen Geräten. Die Zutaten für eine schmutzige Bombe sind im Unterschied zu echten Kernwaffen also verhältnismäßig leicht zu beschaffen. Bereits seit längerem warnt die Internationale Kernenergieorganisation davor, dass Terroristen radioaktives Material aus der ehemaligen Sowjetunion kaufen könnten. Dort verschwinden immer wieder aus Industrie, Forschungseinrichtungen oder Krankenhäusern radioaktive Strahlenquellen. Selbst in den USA kommt regelmäßig radioaktives Material abhanden. Da das Material für die schmutzige Bombe aus der normalen (friedlichen) Kerntechnik gewinnbar ist, muss die gesamte Kerntechnik zu den Dual Use Anlagen gezählt werden. Als Gradmesser für die Folgen einer schmutzigen Bombe wird oft der Goiânia-Unfall in Brasilien herangezogen. 1987 brachen Obdachlose in ein leerstehendes, verwahrlostes Spital ein und stahlen einen Behälter mit hochradioaktivem 137Cäsiumchlorid, welches dort früher für medizinische Bestrahlungen verwendet wurde. Aus Neugier und Unwissenheit hantierten viele mit dem bläulich fluoreszierenden Material und wollten sogar einen Fingerring daraus schmieden. Auch trugen viele Menschen radioaktiven Staub, den sie von dem CsCl-Stab abkratzten, in ihren Kleidern herum. Vier Menschen starben an der Strahlenkrankheit, zehn brauchten intensive medizinische Behandlung.

Geschichte

Anfänge

Allgemein bekannt für ihre Arbeit bei der Entwicklung von Kernwaffen sind Robert Oppenheimer und Edward Teller.
Jedoch der wohl erste Wissenschaftler, der ernsthaft über den tatsächlichen Bau einer Kernwaffe nachdachte, war der Physiker Leó Szilárd. Bereits im September 1933 dachte er an die Möglichkeit mittels Beschuss durch Neutronen Atomkerne zu einer Kettenreaktion anzuregen. Diese Idee war zu jener Zeit noch sehr umstritten, später auf diesem Gebiet sehr erfolgreiche Forscher wie Ernest Rutherford, Enrico Fermi und Otto Hahn glaubten damals noch nicht daran, dass Kerne sich überhaupt spalten lassen. Nach einigen Jahren der Grundlagenforschung (u.a. von Otto Hahn, Fritz Straßmann, Frédéric Joliot-Curie, Enrico Fermi) war es im Frühsommer 1939 soweit, dass die notwendigen theoretischen Grundlagen veröffentlicht waren, um bei ausreichender Verfügbarkeit von spaltbarem Uran eine Kernwaffe zu bauen. Schon vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939 richteten die drei in den Vereinigten Staaten lebenden Physiker Leó Szilárd, Albert Einstein und Eugene Paul Wigner im August 1939 einen Brief an den damaligen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt, um ihn vor der Möglichkeit der Entwicklung einer Atombombe in Deutschland zu warnen und ihn im Gegenzug zu der Entwicklung einer eigenen Atombombe anzuregen. Doch es sollte noch bis zum Herbst 1940 dauern, bis Enrico Fermi und Leó Szilárd genügend finanzielle Mittel erhielten, um mit der Entwicklung eines Kernreaktors zu beginnen. Als die amerikanische Regierung durch die Erfolge an dieser Arbeit davon überzeugt wurde, dass die Entwicklung einer Atombombe grundsätzlich möglich ist, und dass auch der Kriegsgegner Deutschland diese Möglichkeit besitzt, wurden die Forschungen intensiviert und führten schließlich zum Manhattan-Projekt.

Deutsches Kernwaffenprojekt

In Deutschland arbeiteten während des Zweiten Weltkrieges Wissenschaftler wie u.a. Werner Heisenberg, Carl Friedrich von Weizsäcker, Walther Gerlach, Kurt Diebner und Otto Hahn u.a. im Rahmen des „Uranprojektes“ an der militärischen Nutzbarmachung der Kernspaltung zur Erreichung deutscher Kriegsziele. Die Befürchtung der USA, Deutschland könnte so einen eigenen nuklearen Sprengsatz entwickeln, war ein wichtiger Anlass, ein eigenes Atombombenprogramm zu initiieren. Viele, über das Gebiet des Deutschen Reiches verteilte (z.T. unabhängig voneinander arbeitende) Forschergruppen arbeiteten bis zum Kriegsende an der Entwicklung einer deutschen Kernwaffe. Nach dem Krieg wurde jedoch festgestellt, dass im „Uranprojekt“ keine Kernwaffen entwickelt wurden. Ausführlicher Artikel: Uranprojekt

Manhattan-Projekt

1942 wurde unter größter Geheimhaltung unter dem Decknamen "Projekt Y" (als Teil des Manhattan-Projekts) das Forschungslaboratorium Los Alamos im US-Bundesstaat New Mexico konzipiert. Von 1943 an arbeiteten dort unter der wissenschaftlichen Leitung Robert Oppenheimers mehrere tausend Menschen, vielfach Wissenschaftler und Techniker. Am 16. Juli 1945 wurde die erste Atombombe oberirdisch bei Alamogordo gezündet (Trinity-Test). Das in der Bombe verwendete nukleare Brennmaterial war Plutonium und besaß eine Sprengkraft von etwa 20 Kilotonnen. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde ein deutsches Fern-U-Boot (U 234) nach Japan entsandt, das neben Kisten voll Dokumenten und Verfahrensanweisungen auch etwa eine halbe Tonne Uran-Oxid beförderte. Es ist unklar, wofür die Japaner dieses Uran verwenden wollten. Angeblich soll es sich um Natururan gehandelt haben, sodass auch nach technischer Anreicherung keine ausreichende Menge für eine Atombombe hätte daraus gewonnen werden können. Die Besatzung des U-Bootes ergab sich, auf Anweisung von Dönitz, nach der deutschen Kapitulation den Amerikanern. Ausführlicher Artikel: Manhattan-Projekt Das eigentlich als Gegengewicht zum vermuteten deutschen Atomprojekt begonnene, und auch aufgrund Einsteins Brief deswegen an den US-Präsidenten forcierte, amerikanische Atomprojekt kam nicht gegen Nazi-Deutschland zum Einsatz. Aussagen hochrangiger amerikanischer Militärs ist zu entnehmen, dass dies vor allem aufgrund der Befürchtung nicht geschah, ein abgeworfener Blindgänger könne den deutschen Wissenschaftlern in die Hände fallen und wertvolle Hinweise liefern - der Krieg selbst war ohnehin gewonnen. Stattdessen wurden die ersten Luftangriffe mit Atombomben am 6. und 9. August 1945 gegen die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki geflogen. Die Herstellung von Atomwaffen war während des Zweiten Weltkrieges noch aufwändig und teuer. Das atomare Arsenal war nach Trinity, Hiroshima und Nagasaki bereits aufgebraucht; einer verzögerten Kapitulation Japans hätte mit dem Fortführen des konventionellen Bombardements begegnet werden müssen. Anders hätte es ausgesehen, wenn etwa der andauernde Einsatz von vielen Atomwaffen die Eroberung von Pazifikinseln durch die USA massiv beschleunigt hätte.

Einsatz gegen Hiroshima und Nagasaki

Am 6. August 1945, also 21 Tage nach dem ersten erfolgreichen Test bei Alamogordo, warf der Bomber Enola Gay die erste Atombombe (Sprengstoff: Uran-235), Little Boy genannt, über der Küstenstadt Hiroshima ab, wo sie um 8.16 Uhr Ortszeit in etwa 600 m Höhe über dem Boden detonierte. Rund 90.000 Menschen starben sofort, weitere 50.000 Menschen starben Jahre bis Jahrzehnte später an der Strahlenkrankheit. Am 9. August 1945 sollte der Bomber Bockscar die zweite Atombombe (Sprengstoff: Plutonium-239), Fat Man genannt, eigentlich über Kokura abwerfen. Als dort auch nach drei Anflügen noch schlechte Sicht herrschte, wich der Kommandant aufgrund Treibstoffmangels auf das Alternativziel, die Küstenstadt Nagasaki, aus. Da auch dort die Wolkendecke zu dicht war, wurde das Stadtzentrum um mehrere Kilometer verfehlt. Weil zudem das Stadtgebiet hügeliger als das Hiroshimas ist, was die Ausbreitung der Druckwelle behinderte, waren dort weniger Opfer zu beklagen - obwohl Fat Mans Sprengkraft rund doppelt so stark war wie die Little Boys. Dennoch kamen bei diesem Angriff 36.000 Menschen sofort ums Leben, weitere 40.000 Menschen wurden so stark verstrahlt, dass sie Jahre bis Jahrzehnte später starben. Die militärische Notwendigkeit des Atombombeneinsatzes ist umstritten, denn diesen zwei Städten wurde der Angriff mit konventionellen (Brand-)Bomben bis zuletzt erspart, um dann den Effekt einer nuklearen Explosion auf eine Großstadt testen zu können. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass der japanische Kaiser zum Zeitpunkt des atomaren Angriffs schon zu einer Aufgabe bereit war. Weiterhin muss der Atombombeneinsatz auf Hiroshima und Nagasaki mit der Bombardierung von Tokio verglichen werden. Dort starben während der Nacht vom 9. März 1945 mehr als 100.000 Menschen. Die Legitimität des Atombombeneinsatzes steht und fällt also mit jener des konventionellen Bombenkriegs. Noch heute wird jährlich der tausenden Opfer gedacht. Als Symbol für den Frieden werden dabei einige weiße Tauben fliegen gelassen. Siehe auch: Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki [http://www.pcf.city.hiroshima.jp/peacesite/BPW/english/index.html Zeichnungen von Hiroshima-Augenzeugen (englisch)]

Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg

Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki Die Zeit unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg war zunächst von einer langsamen Weiterentwicklung der Atombombe geprägt. Während die USA unterschiedliche Tests wie eine Unterwasserexplosion durchführten, arbeiteten Großbritannien und die Sowjetunion an eigenen Atombomben. 1948 besaßen die USA rund 50 einsatzbereite Sprengköpfe. Die Sowjetunion wurde schon während des Zweiten Weltkriegs von Klaus Fuchs über das Atombombenprogramm informiert und zündete ihre erste Atombombe am 29. August 1949, Großbritannien erst am 2. Oktober 1952. In dieser Zeit entstand auch das nebenstehende Bild eines amerikanischen Truppenversuchs mit Soldaten in geringer Entfernung zur Atomexplosion, das den teilweise sorglosen, teilweise rücksichtslosen Umgang mit Radioaktivität in der damaligen Zeit dokumentiert.

Entwicklung der Wasserstoffbombe

Die weitere Entwicklung von Kernwaffen führte zur Wasserstoffbombe. Die erste Zündung einer Wasserstoffbombe mit dem Codenamen Ivy Mike erfolgte am 31. Oktober 1952 über dem Eniwetok-Atoll und setzte eine Energie wie 10,4 Megatonnen TNT-Äquivalent frei. Diese Sprengkraft entspricht dem 830-fachen der Hiroshima Bombe. Die Notwendigkeit, angereichertes Uran und Plutonium zum Kernwaffenbau herzustellen, führte zur Entwicklung von Urananreicherungsanlagen sowie den ersten Kernreaktoren. Die hierdurch gewonnenen Erfahrungen beschleunigten den Aufbau einer zivilen Nutzung der Kernenergie. Weltweit, teilweise auch in den USA selbst, wird der Einsatz dieser Massenvernichtungswaffen hauptsächlich gegen die Zivilbevölkerung als ungerechtfertigt verurteilt. Die Entwicklung der Atombombe wird heute allgemein als das dunkelste Kapitel der Technik- und Wissenschaftsgeschichte angesehen. Die Atombombe ist der Inbegriff des "Fluches der Technik". Die Erfindung der Kernwaffen löste ein beispielloses Wettrüsten - insbesondere zwischen den USA und der Sowjetunion - aus und war die schwerste Bedrohung in der Zeit des Kalten Krieges. Die Kernwaffe hatte hier andererseits möglicherweise eine hemmende Wirkung im positiven Sinne, weil die direkte Konfrontation auf beiden Seiten nicht zuletzt wegen dieser übermächtigen Bedrohung einer nuklearen Explosion gescheut wurde. Unter diesem Eindruck wurden die Risiken des technischen Fortschritts insbesondere in der Literatur vielfach erörtert ...

Entwicklung nach dem Kalten Krieg

Nach dem Zerfall der Sowjetunion zu Beginn der 1990er Jahre bezweifeln Experten den militärischen Sinn von Kernwaffen, da jedes Ziel auch mit konventionellen Waffen der gewünschten Größenordnung zerstört werden kann. Als größte Gefahr der atomaren Bewaffnung wird daher ein Einsatz durch Terroristen angesehen, denn diese könnten bei Verwendung von Atomwaffen mit geringem Aufwand großen Schaden anrichten (siehe Hiroshima bzw. Nagasaki), während Atomwaffen im Kampf gegen den Terrorismus vollkommen ungeeignet sind. Unabhängig von dieser Entwicklung blieben die USA und Russland als Nachfolgestaat der Sowjetunion diejenigen Staaten mit den meisten Kernwaffen. Ihr Arsenal wird auch weiterhin gepflegt, entzog sich jedoch nach Ende des Kalten Krieges mehr und mehr der öffentlichen Aufmerksamkeit. Während zunächst die Entwicklungstätigkeit in diesem Bereich erlahmte, werden in den USA seit Ende der neunziger Jahre sogenannte Bunker Buster entwickelt. Diese Atomwaffen kleiner Sprengkraft dienen der Vernichtung unterirdischer Anlagen. Sie werden mit hoher Geschwindigkeit in den Boden geschossen, dringen in diesen ein und explodieren dann unterirdisch. Dadurch lösen sie eine Schockwelle im Boden aus, die die angegriffenen Anlagen zerstört. Politischer Hintergrund dieser Entwicklung sind vermehrte Anstrengungen einiger Staaten der Dritten Welt wie dem Iran, wichtige militärische Bauten unterirdisch anzulegen, um sie im Kriegsfall den Angriffen durch überlegene Luftstreitkräfte zu entziehen. Die Entwicklung solcher kleiner Kernwaffen wird in der Fachwelt als eine Gefahr eingeschätzt, da ihr Einsatz kaum Aufsehen erregen würde. Statt zerstörter Städte und tausender Toter würde die Weltöffentlichkeit lediglich einen kleinen Krater sehen. In der Konsequenz würde die Hemmschwelle sinken, Atomwaffen einzusetzen und auf diese Weise vergleichsweise preiswert - ohne Verlust eigener Soldaten und ohne allzu negatives Image - Kriege in der Dritten Welt zu führen.

Kernwaffen in Europa

Die in Europa gelagerten Kernwaffen sind nach Ende des Kalten Krieges drastisch reduziert worden. Auf den europäischen Luftwaffenstützpunkten sind von 1990 bis 1996 rund 208 Kernwaffensilos der NATO gebaut worden. Ursprünglich waren hierfür 438 NATO-Bunker vorgesehen, die aber nicht mehr benötigt wurden. Die von den US-Streitkräften kontrollierten Bunker für Bomben, die im Ernstfall den NATO-Streitkräften zur Verfügung standen, waren nicht alle bestückt worden. Bis 1998 hatte Großbritannien sein Arsenal an Fallbomben auf den Stützpunkten abgebaut. Ab 1996 wurden dann die weiteren Arsenale geleert. Die deutschen Luftwaffenstützpunkte in Memmingen und Nörvenich verfügten schon ab 1995 über keinerlei Kernwaffen mehr. Nur in Büchel trainiert die Deutsche Luftwaffe weiterhin den nuklearen Einsatz durch Jagdbomber vom Typ Tornado. Die USA und Großbritannien lagerten während des Kalten Krieges bis zu 5.000 Kernwaffen in deutschen Bunkern. Heute existieren in Deutschland noch 65 Wasserstoffbomben in den Bunkern der Luftwaffenstützpunkte Ramstein und Büchel; hier besteht die sogenannte Nukleare Teilhabe. Die beiden westeuropäischen Atommächte Großbritannien und Frankreich begannen bereits in den 1960ern bzw. 70ern Teile ihrer Arsenale auf seegestützte Systeme umzustellen. Beide Staaten unterhalten heute je vier ballistische Atom-U-Boote, von denen jedes mit jeweils 16 Atomraketen ausgestattet werden kann. Frankreich hält lediglich noch 60 Sprengköpfe zum Einsatz durch Bomber bereit, Großbritannien verfügt seit dem Jahr 2000 ausschließlich über seegestützte Systeme. Infolge dieser Veränderung wurde auch die Anzahl der Lagerstätten auf Luftwaffenstützpunkten reduziert. Die etwa 490 seegestützten Sprengköpfe machen heute den größten Teil der in Europa stationierten Atomwaffen aus. Die britischen Sprengköpfe werden komplett in der Marinebasis Clyde gelagert, die französischen in Brest.

NATO-Luftwaffenstützpunkte mit Kernwaffen

(Auswahl, Stand: 1997)
- Großbritannien
  - Lakenheath
  - Marham
  - Wittering
- Niederlande
  - Volkel
- Belgien
  - Kleine Brogel
- Deutschland
  - Ramstein (54 WS3-Lagersysteme)
  - Büchel (elf WS3-Lagersysteme für 22 Bomben B-61)
  - Nörvenich (elf WS3-Lagersysteme für 22 Bomben B-61, z.Zt keine Waffen gelagert)
  - Brüggen
- Italien
  - Aviano (achtzehn WS3-Lagersysteme für 36 Bomben B-61)
  - Ghedi-Torre (elf WS3-Lagersysteme für 22 Bomben B-61)
- Griechenland
  - Araxos (geschlossen)
- Türkei
  - Balikesir (sechs Unterflurdepots, z.Zt keine Waffen gelagert)
  - Incirlik (nicht fertiggestellt)
  - Murted (sechs Unterflurdepots, z.Zt keine Waffen gelagert)

Aktueller Stand

Aktuell verfügen folgende Staaten über Kernwaffen und gelten daher als Atommächte:
- China: ca. 400
- Frankreich: 348 - 350
- Großbritannien: 185 - 200
- Indien: 30 - 35
- Israel: 75 - 200
- Nordkorea: 0 - 10
- Pakistan: 24 - 48
- Russland: 6000 - 8400
- USA: 7200 - 10240 Nordkorea erklärte im Frühjahr 2005 ebenfalls, Kernwaffen zur Abschreckung entwickelt zu haben, die Aussage wird jedoch auch von verschiedenen Seiten bezweifelt. Unstrittig ist jedoch, dass Nordkorea ein ambitioniertes Programm zum Erlangen von Kernwaffen unterhält. Unter anderem wird Nordkorea vorgeworfen, dass sie die Brennstäbe ihrer Einrichtungen zu lange im Reaktor belassen, als es die rein zivile Energieerzeugung verlangt. Der verlängerte Gebrauch erhöht den Plutoniumgehalt der Stäbe. Obwohl nie von offizieller Seite bestätigt, gilt es als unstrittig, dass auch Israel seit den 70er Jahren im Besitz von ca. 200 Kernwaffen ist, da das Land in der Vergangenheit seinen Nachbarländern mehrfach mit deren Einsatz gedroht hat. Mordechai Vanunu hat die Welt vom israelischen Kernwaffenprojekt unterrichtet, nachdem er am Dimona-Reaktor arbeitete. Beim Iran gilt der Besitz einer Kernwaffe als möglich, ist aber nicht gesichert, auch hier ist das Kernwaffenprogramm ambitioniert, der Zweck ist jedoch laut Iran die zivile Nutzung der Kernkraft. Südafrika hat 1979 einen Kernwaffentest durchgeführt aber keine einsatzfähigen Atomwaffen entwickelt und das Programm später aufgegeben. Argentinien, Brasilien, Libyen, und die Schweiz verfügten in der Vergangenheit über Kernwaffenprogramme, haben diese aber aufgegeben und offiziell beendet. Kasachstan, die Ukraine und Weißrussland kamen durch den Zerfall der Sowjetunion an Atomwaffen, die auf ihrem Gebiet stationiert waren, haben diese dann später aber an Russland abgetreten. Einen Überblick über die verschiedenen Kernwaffenprogramme gibt der Artikel über Atommächte.

Unfälle mit Kernwaffen

Zwischen 1950 und 1980 wurden 32 Unfälle allein mit US-amerikanischen Kernwaffen bekannt. Vor allem in den 1950er und 1960er Jahren mussten viele Waffen bei Notlandungen von Bombern abgeworfen werden. Manche der Waffen wurden nie wieder gefunden, weil sie in den Ozeanen abgeworfen (aber nicht gezündet) wurden. Nach Schätzungen von Greenpeace gingen etwa 50 Atombomben verloren. 11 Bomben vermissen die USA offiziell. Radioaktive Verseuchung wurde nur in wenigen Fällen festgestellt. Abstürze von Atombombern und andere Unfälle sind deshalb sehr problematisch, weil die Bombe zwar nicht zur Zündung kommt, aber durch den Aufprall das spaltbare Material in der Umgebung verstreut werden kann. Im Falle des extrem giftigen Plutoniums – bei welchem die Inhalation eines Millionstel Gramms bereits Krebs auslösen kann – ist dies äußerst gefährlich. Eine Übersicht der Unfälle kann auf der Liste der nuklearen Unfälle gefunden werden.

Atomteststoppabkommen

Am 10. Oktober 1963 trat das Teststoppabkommen in Kraft, worin sich einige Großmächte einigten, keine Nuklearwaffen im Wasser, im All und in der Atmosphäre zu zünden. Unterirdische Tests sollten eine bestimmte Stärke nicht überschreiten. Diesem Abkommen sind bisher 120 Nationen beigetreten. Seit 1996 liegt der Vertrag zum umfassenden Verbot von Nuklearversuchen (CTBT) zur Unterzeichnung auf. Er tritt erst in Kraft, wenn eine bestimmte Gruppe von Ländern ihn ratifiziert hat, u.a. die USA. Die Ratifizierungen einiger wichtiger Länder stehen derzeit noch aus. Vor allem die USA lehnen Rüstungskontrollen ab. Die Einhaltung der Verträge wird durch verschiedene Techniken verifiziert: Erdbebenmessstationen reagieren bereits auf kleinste Vibrationen und ermöglichen eine recht genaue Ortung von unterirdischen Detonationen. Sie können auch die seismographischen Signaturen von Erdbeben und Atomwaffentests deutlich unterscheiden. Hydroakustik kann Unterwasserexplosionen aufspüren und lokalisieren. Spezialmikrophone und Radionuklid-Detektoren können atmosphärische Kernexplosionen entdecken, identifizieren und lokalisieren. Die Messstationen sind über die ganze Welt verteilt. Wenn der Vertrag in Kraft tritt, wird es auch noch die Möglichkeit der Vor-Ort-Inspektion geben. Die Implementation des Vertrages wird von der Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBTO) vorbereitet.

Zitate

Ich bin nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten werden die Menschen mit Stöcken und Steinen kämpfen, Albert Einstein

Weitere Informationen/Quellen

Siehe auch

Uranmunition, Atommacht, Atomkrieg, Atomstreitkräfte, Nuklearer Holocaust, Kernwaffen-Effekt, Plutoniumbombe, Atombombentest, EMP, Kalter Krieg, Wettrüsten, Strategic Defense Initiative (SDI), Atomkriegsuhr (Doomsday clock), Demonstrative Use, Robert McNamara, Nukleare Basiswelle, Nukleare Teilhabe, Radiologische Waffe (schmutzige Bombe)

Literatur

Sachbücher
- Florian Coulmas, Hiroshima : Geschichte und Nachgeschichte, München : Beck, 2005, ISBN 3406527973
- Klaus Fuchs, Ruth Werner, Eberhard Panitz: Treffpunkt Banbury oder Wie die Atombombe zu den Russen kam. 2003, ISBN 3360009908
- Robert Jungk: Heller als tausend Sonnen. 1958, ISBN B0000BJWE0
- Paul Takashi Nagai, Die Glocken von Nagasaki : Geschichte der Atombombe, - München : Rex-Verlag, 1955 - Bericht eines überlebenden Arztes ISBN 3895750565
- Gian L. Nespoli, Giuseppe Zambon: Hiroschima, Nagasaki. 1997, ISBN 3889750559
- Wolfgang Sternstein: Atomwaffen abschaffen!. 2001, ISBN 3933325056
- Edgar Mayer, Thomas Mehner Das Geheimnis der deutschen Atombombe. Gewannen Hitlers Wissenschaftler den nuklearen Wettlauf doch?. 2001, ISBN 3930219360
- Edgar Mayer, Thomas Mehner: Die Atombombe und das Dritte Reich. 2002, ISBN 3930219506
- Rainer Karlsch, Zbynek Zeman: Urangeheimnisse. 2002, ISBN 386153276X
- Richard Rhodes: The Making of the Atomic Bomb. 1995, ISBN 0684813785
- Helmut Simon (Vorwort): Atomwaffen vor dem Internationalen Gerichtshof. ISBN 3825832430 Romane und Theaterstücke
- Heinar Kipphardt: In der Sache J. Robert Oppenheimer ISBN 3499121115
- Masuji Ibuse, Schwarzer Regen, Frankfurt am Main : Fischer-Taschenbuch-Verlag, 1985, ISBN 3596258464

Weblinks


- [http://nuclearweaponarchive.org/Nwfaq/Nfaq0.html Nuclear Weapons FAQ (auf Englisch, aber sehr informativ)]
- [http://www.safog.com/home/atombombe.html Dokumentationen und Diagramme zur Atombombe]
- [http://www.armscontrol.de Überblicksseite zu Rüstungskontrolle und Abrüstung]
- [http://www.zeit.de/2005/32/Atombomenabwurf Thomas Macho, Still ruht die Bombe - Es gibt immer mehr Kernwaffen auf der Welt. Warum fühlt sich keiner mehr bedroht?]
("Die Zeit" Nr. 32/2005)
- [http://www.heise.de/tp/r4/artikel/19/19994/1.html Florian Rötzer, Es gibt keine harmlosen Mini-Nukes] (Telepolis, 29. April 2005)
- [http://www.cdi.org/program/issue/index.cfm?ProgramID=32&issueid=110 Center for Defense Information (USA) - Kolumne zu aktuellen Risiken betr. Kernwaffen]
- [http://www.politikerscreen.de/t-online/lexikon_detail.asp?ID=398 Schmutzige Bombe]
- [http://www.atomwaffena-z.info/home.html Geschichte/Wissen/Aktuelles über die Atombomben]
- [http://www.glasnost.de/militaer/95atomstud.html Atomwaffentests]
- [http://www.ippnw.org International Physicians for the Prevention of Nuclear War]
- [http://www.kernwaffe.de www.kernwaffe.de - Große Bilder und Video-Sammlung über A-Waffen]
- [http://www.atomwaffena-z.info www.atomwaffena-z.info]
- [http://www.ippnw.de IPPNW Deutschland]
- [http://www.lebenshaus-alb.de/mt/archives/subcategories/atomwaffen.html Schwerpunkt: Atomwaffen]
- [http://www.kernenergie-wissen.de/kernwaffen.html Basiswissen Kernenergie]
- [http://www.ga.gov.au/oracle/nukexp_query.html Nuclear Explosion Database]
- [http://nuclearweaponarchive.org/Usa/Tests/Crossrd.html Die Atombombentests der USA (ausführliche Beschreibung!)]
- [http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/kino/18295/1.html Heise-Telepolis-Artikel über verschwundene Atombomben in den USA im Kalten Krieg]
- [http://www.archive.org/movies/details-db.php?collection=prelinger&collectionid=19069 Duck and Cover], ein naiver Aufklärungsfilm von 1951, wie man sich bei der Explosion einer A-Waffe zu verhalten hat.
- [http://www.ctbto.org Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBTO)] Kategorie:Militärtechnik ! ja:核兵器 ko:핵무기 ms:Senjata nuklear simple:Nuclear weapon th:อาวุธนิวเคลียร์

Potenzial

Das Potenzial (eng. potential) (lat.: potentialis, von potentia Macht, Kraft, Leistung) kennzeichnet die einem System oder einer Person innewohnende Fähigkeit, Macht, Kraft zur Verrichtung einer Aufgabe.

Das Potential in der Physik

In der Physik ist das Potential die Fähigkeit eines Feldes, eine Arbeit zu verrichten, unabhängig von den beteiligten Körpern. In diesem Zusammenhang wird das Potential häufig durch den Buchstaben \phi\! bezeichnet. U\! verwendet man meist für eine Potentialdifferenz (Spannung) U = \Delta \phi = \; \phi_2-\phi_1\!. Das Potential beschreibt die Wirkung des Feldes auf Massen, Ladungen, etc. unabhängig von den Massen, Ladungen, etc. selbst. Das Kraftfeld erhält man durch partielle Ableitung des Potentials nach dem Ort (Position), also sozusagen aus dem Gefälle des Potentials: :\vec G = -\mbox\,\phi = -\vec\,\phi = -\partial\,\phi/\partial\vec r. Die Ableitung nach \vec r bei der Bildung des Gradienten \vec\phi von \phi\! symbolisiert dabei eine Ableitung nach allen Komponenten (Koordinaten) von \vec r. Im eindimensionalen Fall ist der Gradient die gewöhnliche Ableitung. Die tatsächlich wirkende Kraft hängt von der Masse, Ladung, etc. ab. Man erhält sie aus: :\vec F=m \cdot \vec G.

Energie und Potential

Energie und Potential werden oft nicht genau unterschieden, da sie beide ihre Ursache im Kraftfeld haben. Das Potential ist eine dem Kraftfeld äquivalente Felddarstellung. Der oben erwähnte Zusammenhang ermöglicht es, das im Allgemeinen dreidimensionale Kraft-Vektorfeld mit Hilfe von Skalaren darzustellen, ohne dass dabei Informationen über das Feld verloren gehen. Das führt zur Vereinfachung vieler Rechnungen. Allerdings ist der Rückschluss auf den das Feld verursachenden Körper nicht mehr eindeutig. So hat z.B. eine homogene Vollkugel das gleiche Gravitationspotential wie eine Punktmasse (zumindest außerhalb der Vollkugel). Die Energie ist aus physikalischer Sicht die Fähigkeit eines Körpers, Arbeit zu verrichten. Das Potential dient zur Beschreibung der Fähigkeit eines Feldes, einen Körper Arbeit verrichten zu lassen. Eine Potentialdifferenz ist also ein körperunabhängiges Maß für die Stärke eines Feldes. Der Zusammenhang zwischen Energie und Potential ist: E=m \cdot \phi.

Beispiel: Gravitationspotential und Schwerefeld

Experimentell ist zwischen zwei Massen die Kraft :F = \gamma\,\frac feststellbar, wobei :\gamma = 6,6742 \cdot 10^\;\frac die Gravitationskonstante (die oft auch mit G\! bezeichnet wird) und r der Abstand der beiden Massen m1 und m2 zueinander sind. Für die Erde und einen Körper der Masse m gilt für r > rE: :F=m\cdot \gamma \frac \mathrm\ M_E:\ \mathrm\ r_E:\ \mathrm\! Man nennt g=\gamma \frac das Schwerefeld der Erde. Mit Hilfe des Schwerefeldes kann man leicht die Schwerkraft F_g\! auf Körper ermitteln: F_g=m\cdot g.\! Das Potential P berechnet sich aus dem Zusammenhang: \vec G = -\mbox\,\phi. Im Eindimensionalen vereinfacht sich das zu g = -\frac. Damit ergibt sich das Potential der Erde: P=-\int_ g\, \mathrmr=-\int_^ \gamma \frac\, \mathrmr=\gamma \frac. Die Energie einer Masse m in der Höhe h über der Erdoberfläche ist: E=m \cdot P(h+r_E).

Anschauliche Erklärung

Das Gravitations- und das elektrische Potential lassen sich gut mit einem Wasserlauf vergleichen. Zwischen der Quelle des Wassers auf einem Berg (Punkt mit höherem Potential) und der Mündung im Meer (Punkt mit niedrigerem Potential) gibt es einen Höhenunterschied (Potentialdifferenz, Spannung). Das Wasser fließt bergab (vom Berg zum Meer) - es folgt dem Gefälle und damit der Schwerkraft. Ebenso fließen im Leiter die Ladungsträger, die den elektrischen Strom bilden, vom Punkt mit dem höheren Potential zum Punkt mit dem niedrigeren Potential.

Siehe auch


- Geopotenzial
- elektrisches Potential, siehe auch Elektrizität
- Vektorpotential des Magnetfelds
- elektrochemisches Potential
- thermodynamisches Potential
- Strömungspotential
- Potenzialtheorie
- Coulombwall
- Yukawa-Potenzial
- Potential eines Harmonischen Oszillators

Weblinks


- http://www.tf.uni-kiel.de/matwis/amat/mw1_ge/kap_2/basics/b2_1_7.html (Definition math.-vektoriell)
- http://www.uni-tuebingen.de/uni/pki/skripten/V6_1A_Potvgl.DOC (elektr.-mechanisch) Kategorie:Physik

Abschreckung

Unter Abschreckung versteht man die Ergreifung oder Androhung von Maßnahmen mit dem Ziel eine andere Person oder eine andere Gruppe von Personen von bestimmten nicht gewünschten Handlungen abzuhalten.

Abschreckung als Strafziel

Im Strafrecht sollen die angedrohten Sanktionen (Geldstrafe, Haftstrafe) potentielle Täter von Angriffen auf geschützte Rechtsgüter abhalten.

Militärische Abschreckung

siehe Hauptartikel: MAD Mutual assured destruction Im Kalten Krieg zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt war die Abschreckung des Gegners durch Konventionelle Waffen und Massenvernichtungswaffen (siehe auch: Atomwaffe) auf beiden Seiten ein zentraler Bestandteil der strategieschen Planungen. Eine typische Abschreckungswaffe ist z.B. das mit Interkontinentalraketen bestückte Atom U-Boot. Sein Aufenthaltsort ist dem Gegner auf hoher See meist nicht bekannt und es kann selbst bei völliger Zerstörung des Mutterlandes noch einen nuklearen Gegenschlag gegen den Gegner führen (Zweitschlagkapazität). Diese Strategie führte maßgeblich zum nuklearen Wettrüsten der beiden Machtblöcke, welche in der Fähigkeit, den Gegner vielfach völlig zu vernichten, gipfelte. Auch im 2. Weltkrieg wurde das Mittel der Abschreckung auf grausame Weise angewandt. Beispiel dafür ist die jugoslawische Stadt Pancevo: Am 22.Apr.1941 wurden 18 von der SS wahllos ausgesuchte Bewohner der Stadt als Vergeltungsaktion eines von jugoslawischen Partisanen verübten Attentats auf zwei SS- Männer hingerichtet. Zur Abschreckung vor weiteren Attentaten auf die SS wurden die Leichen drei Tage lang aufgebart. In allen Konflikten ist die Abschreckung des Gegners ein integraler Bestandteil der Politik. Diese Abschreckung soll den Gegner von Übergriffen abhalten, wird aber oftmals als aggressive Geste gedeutet und so provoziert gerade diese Abschreckung erst eine aggressive Handlung des Gegners. Ein Beispiel hierfür wäre ein Truppenaufmarsch an der Grenze, welche dem Gegner Invasionspläne verleiden soll, von diesem aber als gegen ihn gerichtete Invasionsvorbereitungen gedeutet werden und so einen Präventivschlag provozieren können. siehe auch: Gleichgewicht des Schreckens Kategorie:Allgemeine Strafrechtslehre Kategorie:Kriegs- und Gefechtsführung Kategorie:Sicherheitspolitik

Atommächte

Als Atommacht bezeichnet man einen Staat, der über Atomwaffen verfügt und zusätzlich die geeigneten Trägersysteme besitzt, um die Atomwaffen militärisch einsetzen zu können. Dabei unterscheidet man bei den Atommächten die so genannte Erstschlagfähigkeit und die Zweitschlagfähigkeit. Erstere ist gegeben, wenn dem betreffenden Staat geeignete Trägersysteme zur Verfügung stehen, um das Territorium eines anderen Staates anzugreifen (Flugzeuge, Raketen). Als Zweitschlagfähigkeit bezeichnet man die Fähigkeit eines Staates, auch nach einem nuklearen Angriff auf das eigene Territorium nuklear zurückschlagen zu können. Nötig sind Trägersysteme, die einen nuklearen Angriff überstehen. Möglich wird dies durch unterirdische Bunkeranlagen oder U-Boot-gestützte Atomwaffen, die eine genügende Überlebensfähigkeit besitzen.

Offizielle Atommächte

U-Boot Diese Atommächte sind im Atomwaffensperrvertrag als Staaten genannt, die über Atomwaffen verfügen. Die Daten beziehen sich auf die Erstzündung. Die Zahl unter "Sprengköpfe" beziffert die Zahl von allen Sprengköpfen insgesamt, die Zahl in Klammern dahinter die Anzahl der sich in Einsatzbereitschaft befindlichen. Die genannten Zahlen beruhen auf offiziellen Angaben der einzelnen Staaten. Insbesondere die offiziellen Daten der Volksrepublik China und Großbritanniens werden in Expertenkreisen sowie von ehemaligen Mitarbeitern der IAEO öffentlich angezweifelt. China hat angekündigt innerhalb weniger Jahre ein ebenso großes Arsenal zu haben wie die USA. Großbritannien stellte 1997 die Veröffentlichung eines jährlichen Bestandsberichts zu seinem Atomwaffenprogramm ein [http://www.cnduk.org/pages/binfo/ttfut.html] und soll, entgegen offiziellen Stellungsnahmen, gemeinsam mit den USA an der Entwicklung neuer Atomwaffen arbeiten [http://www.basicint.org/pubs/Research/UKtrident.pdf]. Zudem wird behauptet, der neue MOX-Reaktor in Sellafield werde für die Herstellung von waffenfähigem Plutonium zweckentfremdet (Newsweek, 11. Februar 2002).

Faktische Atommächte

Diese Staaten sind entweder im Atomwaffensperrvertrag nicht als Staaten mit Atomwaffen aufgeführt oder sie sind dem Vertrag nicht beigetreten. MOX-Reaktor
- Indien: Seit dem 18. Mai 1974, besitzt nach eigener Angabe Atomwaffen, Atomtests durchgeführt. Das Bulletin of the Atomic Scientists schätzte Indiens Arsenal 2002 auf 30 bis 35 Sprengköpfe, globalsecurity.org 2005 auf bis zu 150.
- Pakistan: Seit 1998, besitzt nach eigener Angabe Atomwaffen, Atomtests durchgeführt. Das Arsenal wird auf 24 - 48 Sprengköpfe geschätzt, einige Quellen (z.B. globalsecurity.org) schätzen die Zahl auf bis zu 75.
- Israel: Vermutlich seit 1967 verfügt Israel mit französischer Hilfe über die Atombombe, seit 1979 möglicherweise auch über die Wasserstoffbombe. Der Atomwaffenbesitz wurde von der israelischen Regierung bisher weder offiziell bestätigt noch dementiert, der Besitz von ca. 200 Atomsprengköpfen gilt aber als gesichert. 1986 hat Mordechai Vanunu, ein ehemaliger Techniker des Atomforschungszentrums von Dimona, Fotos und Unterlagen über das israelische Atomprogramm an die Presse weitergegeben. 1973 soll in der Wüste Sinai ein unterirdischer Atombombentest durchgeführt worden sein. Über spätere Tests ist nichts bekannt geworden.

Fraglich

Diesen Staaten wird vorgeworfen, sie hegten oder hegen die Absicht, Atomwaffen zu erzeugen. Allerdings ist der Status von derartigen Programmen nicht offiziell gesichert.
- Iran: Verfügt nach eigenen Angaben über kein Atomwaffenprogramm.
- Nordkorea: Hat nach eigenen Angaben ein Atomwaffenprogramm, in dessen Rahmen es Plutonium für mehrere Atombomben hergestellt hat. Im Februar 2005 erklärte das Land, Atomwaffen zu besitzen. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, daß alle technologisch entwickelten Staaten mit genügend Einsatz von Geld und Personal innerhalb sehr kurzer Zeit in der Lage sind, eine Atombombe zu entwickeln. Das technologische Wissen ist in allen Industriestaaten vorhanden, die benötigten industriellen Anlagen ebenfalls.

Ehemalige Atommächte und nukleare Ambitionen

2005 Die folgenden Staaten haben ehemals Atomwaffen besessen oder an entsprechenden Programmen gearbeitet.
- Argentinien und Brasilien haben ihre Programme aufgegeben.
- Deutschland: Franz Josef Strauß plante nach 1955 als Bundesminister für Atomfragen Deutschland im Rahmen des Atoms-for-Peace-Programms den technologischen Anschluss an diese Technik und Zugang zu den notwendigen Materialien zu beschaffen. Ein Atomwaffenprogramm wurde aber nie gestartet. Deutschland besitzt daher auch keine eigenen Atomwaffen und hat auch nie welche besessen (Es werden allerdings auf deutschem Boden Atomwaffen der USA gelagert). Wie andere NATO-Staaten auch verfügt Deutschland über Flugzeuge, die mit Atomwaffen bestückt werden könnten. (Siehe auch nukleare Teilhabe).
- Irak: Das irakische Atomwaffenprogramm begann vermutlich bereits Ende der 60er Jahre, ohne dass es den irakischen Wissenschaftlern je gelang eine funktionsfähige Bombe herzustellen. Das Programm erlitt Rückschläge durch die Zerstörung des mit französischer Hilfe gebauten Reaktors Osirak durch Israel im Jahr 1981 sowie durch das Technologie-Embargo während und nach des Iran-Irak-Krieges 1980 bis 1988, an das sich auch Russland und China hielten. Im zweiten Golfkrieg "Desert Storm" 1991 wurde der Großteil der Anlagen zerstört. Nach dem Einmarsch der USA in den Irak 2003 wurden keine Beweise für eine Wiederaufnahme des Atomwaffenprogramms und für die Existenz von atomaren Massenvernichtungswaffen gefunden.
- Libyen hat im Dezember 2003 angekündigt, alle Programme für Massenvernichtungswaffen aufzugeben und internationale Inspektionen zuzulassen.
- Schweiz: 1945 Bildung der geheimen Studienkommision für Atomenergie (SKA) unter Vorsitz des Physikers Paul Scherrer mit dem Ziel eine Schweizer Atombombe anzustreben. Diese Bestrebungen wurden letztlich erst in den 1970ern durch die Ratifizierung des Atomwaffensperrvertrages durch die Schweiz endgültig beendet.
- Südafrika entwickelte unter der Apartheid-Regierung mit israelischer Hilfe eine Atomwaffe und führte im September 1979 einen Test vor der Küste durch. Kurz vor dem Ende der Apartheid zerstörte Südafrika seine sechs Atomwaffen, um dem Atomwaffensperrvertrag 1991 beizutreten und sich damit wieder in die internationale Gesellschaft eingliedern zu können. Bis 1994 wurden alle südafrikanischen Atomwaffenanlagen komplett abgebaut.
- Kasachstan und Weißrussland haben nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Atomwaffen besessen, diese aber an Russland abgetreten. Die Ukraine hat ihre Atomwaffen selbst abgerüstet und besitzt noch immer die Trägerraketen.

Siehe auch


- Atomstreitkräfte
- Verzicht auf den Ersteinsatz

Weblinks


- [http://www.thebulletin.org/index.htm Bulletin of the Atomic Scientists] Kategorie:Atomwaffe

Trägersystem

Trägersysteme sind Fahrzeuge, deren Aufgabe es ist, Waffen möglichst nahe an den Feind zu bringen. Es gibt see-, luft- und landgestützte Trägersysteme:
- seegestützt: Schiffe und U-Boote
- luftgestützt: Flugzeuge
- landgestützt: Pkw, Lkw und Panzer Die Aufgabe des Trägersystems ist es die Waffe zu tragen und zu bewegen, um sie auf Kampfdistanz zu bringen. Kategorie:Militärtechnik Kategorie:Atomwaffe

Zweitschlagskapazität

Unter Zweitschlagskapazität versteht man die Möglichkeit eines atomaren Gegenschlages nach dem Erstangriff, dem Erstschlag, des Feindes mit nuklearen Waffen. Auch wenn durch einen Erstschlag große Landstriche des Feindes sowie dessen Infrastruktur zerstört werden könnte, besäße dieser dennoch die Möglichkeit einen verheerenden Gegenangriff, gestützt durch unterirdisch gelagerte oder auf U-Booten stationierte Interkontinentalraketen, durchzuführen. Die Zweitschlagskapazität spielte eine entscheidende Rolle bei der atomaren Abschreckung in der Zeit des Kalten Krieges. Das Bewusstsein, trotz der Durchführung eines atomaren Erstschlags dennoch durch den nuklearen Gegenschlag des Feindes enorme Verluste zu erleiden, war ein wichtiger Faktor, der einen Angriff vermied und somit den Frieden sicherte. Wichtigste Waffensysteme für den atomaren Zweitschlag in der Zeit des Kalten Krieges waren U-Boote mit Interkontinentalraketen – vor allem die sowjetische ICBM SS-18 sowie die amerikanischen Peacekeeper Interkontinentalraketen –, Raketensilos, mobile Abschussrampen (besonders SSSR) auf Straße und Schiene, und Kriegsschiffe. Kategorie:Kalter Krieg

Interkontinentalrakete

Als Interkontinentalrakete (:en:ICBM: InterContinental Ballistic Missile) wird eine Boden-Boden-Rakete hoher Reichweite bezeichnet. Nach dem raketengetriebenen Start dringt das Projektil in den Weltraum ein, der weitgehend antriebslos (= ballistisch) bis zum Ziel durchflogen wird. Im Gegensatz dazu fliegen Kurz- und Mittelstreckenraketen in den unteren Bereichen der Erdatmosphäre, sie haben eine kleinere Reichweite. Die Abgrenzung des Begriffs Interkontinentalrakete zu Begriffen wie Langstreckenrakete, Mittelstreckenrakete, ist uneinheitlich.

Antrieb

Während die ersten Generation Interkontinentalraketen durchwegs Raketentriebwerke mit teilweise cryogenem Flüssigtreibstoff hatten, ging man mehr und mehr zu lagerfähigen Flüssigtreibstoffen und Feststoffantrieb über. Raketentriebwerke mit Feststoffantrieb haben zwar eine geringere Effizienz, sind jedoch in der Handhabung einfacher und besitzen eine kürzere Reaktionszeit - das Betanken der Rakete entfällt. Moderne Interkontinentalraketen haben teilweise in der letzten Antriebsstufe wieder einen Raketenmotor mit Flüssigtreibstoff, allerdings regelbar. Diese Raketenstufen sind heute durchweg lagerfähig, der Treibstoff lagert dabei über Jahre in der Rakete und muss nicht kurz vor Start getankt werden. Durch die Regelmöglichkeit ist der Flug nicht mehr rein ballistisch und der Flugkörper kann bis kurz vor den Einschlag manövriert werden. Dies verbessert zum einen die Genauigkeit und zum anderen erschwert es die Abwehr, da die Flugbahn nicht mehr deterministisch durch die Gesetze der Ballistik vorgegeben ist.

Reichweite

Beliebige Reichweiten sind möglich - üblich sind Reichweiten bis ca. 15.000 km. Die nicht mehr in Truppendienst befindliche russische Rakete SS-9 hatte in einer ihrer Varianten beispielsweise einen teilorbitalen Sprengkopf, der jeden Punkt der Erde aus jeder Richtung erreichen konnte (FOBS). Aufgrund der hohen Leistungsfähigkeit dieser Raketen werden veraltete Interkontinentalraketen auch zum Start von Satelliten eingesetzt, beispielsweise die russischen Raketen vom Typ SS-19 als Rockot-Trägerrakete.

Sprengkopf

Typen

ICBMs sind ausschließlich mit nuklearen Sprengköpfen bestückt. Hier kommen seit der zweiten Generation fast ausschließlich Mehrfachsprengköpfe zum Einsatz (MIRV), d. h. spätestens beim Wiedereintritt in die Atmosphäre teilt sich die Spitze in mehrere (meist) auf verschiedene Ziele programmierte Gefechtsköpfe. Die sog. Warheads liegen meist bei einer Sprengkraft von hunderten kt. Bei der sowjetischen R-36M (SS-18 Satan) Mod 2 war die Sprengkraft pro Sprengkopf bis zu 1,3 MT.

Wiedereintrittskapsel

Da Interkontinentalraketen durchwegs einen Großteil der Flugbahn im Weltraum zurücklegen, müssen sie zum Erreichen ihres Zieles wieder in die Erdatmosphäre eindringen. Um nicht zu verglühen, benötigen sie eine wärmeresistente Wiedereintrittskapsel.

Vielfachwiedereintrittskörper

Aus Gründen der Effizienz werden Interkontinentalraketen oft nicht nur mit einem Sprengkopf ausgerüstet, sondern mit mehreren kleinen Sprengköpfen. Die erste Generation mehrfacher Sprengköpfe war in ihren Fähigkeiten begrenzt. Die Gefechtsköpfe konnten noch nicht voneinander unabhängig gesteuert werden (MRV - Multiple Re-Entry Vehicle). So zum Beispiel die SS-9 Mod 4. Bei späteren ballistischen Trägersystemen wurde schon möglich, Gefechtsköpfe unabhängig voneinander zu steuern(engl. MIRV: Multiple Independently targetable Re-entry Vehicle). Diese Sprengköpfe sind bei modernen Raketen unabhängig voneinander manövrierbar und können innerhalb des Zielgebiets mit meist mehreren hundert Kilometer Durchmesser beliebig platziert werden. In den 80er Jahren hat die US Navy das System weiterentwickelt. Die MARV (Maneuvering Re-Entry Vehicle) sollte begrenzt manövrierfähig sein und so die Raketenabwehr rund um Moskau und Leningrad penetrieren können. Als Trägerrakete war die sehr genaue (CEP 120 m) UGM-93B Trident II D-5 geplant. Es wurde jedoch nicht mehr in Dienst gestellt.

FOBS

Bei FOBS (Fractional Orbital Bombardment System) wird der Gefechtskopf in eine niedrige Erdumlaufbahn gebracht, von wo aus er jeden Punkt der Erde auf seiner Flugbahn erreichen kann. Um das System einzusetzen, muss der Gefechtskopf lediglich in der Atmosphäre abgebremst werden. Da die Abbremsung zu jedem beliebigen Zeitpunkt erfolgen kann und die Zeitspanne zwischen der Abbremsung und dem Aufschlag auf der Erde nur wenige Minuten beträgt, ist die Vorwarnzeit sehr gering, was auch zum späteren Verbot dieser Art von Waffen führte. Außerdem flogen diese Geschosse in niedrigeren Höhen, so dass die Entdeckung durch Radarsysteme dadurch erschwert wurde. Die Raketen würden über den Südpol fliegen und die USA vom Süden aus angreifen. Damit umging man das US-Radarnetz das in Richtung Norden ausgerichtet war. Die Trägerrakete war die sowjetische R-36O (SS-9 Scarp Mod 3). Es wurde im November 1968 voll Einsatzbereit. Es transportierte einen Gefechtskopf mit einer Sprengkraft von 1-3 MT. Dieses System wurde allerdings nur für kurze Zeit in Dienst gestellt und war nie in ausreichenden Zahlen verfügbar. Außerdem war es sehr ungenau (CEP bis zu 5 km) und dadurch für den Angriff auf gehärtete Ziele (z.B. Raketensilos) ungeeignet.

Abwehr

Im Allgemeinen wird heute davon ausgegangen, dass Interkontinentalraketen auf Grund ihrer hohen Geschwindigkeit - circa 20-fache Schallgeschwindigkeit - und Flughöhe nur mit nuklear bestückten Abfangraketen sicher abgewehrt werden können. Da die amerikanischen und sowjetischen Interkontinentalraketen vielfach für einen Flug über den Nordpol programmiert waren, sind die entsprechenden Abwehranlagen jeweils nach Norden ausgerichtet. Aus diesem Grund befinden sich in Alaska amerikanische Anlagen zur Raketenortung und -abwehr. Während des kalten Krieges handelten die USA und die UdSSR ein Abkommen aus, das es jeder Seite erlaubte, eine Anlage zur Raketenabwehr einzurichten. Während die USA ihre Raketenfelder schützten, aber die Anlage bereits nach kurzer Zeit (gerüchteweise 1 Tag) wieder außer Betrieb nahmen, sind die ABM Raketen des heutigen Russland nach wie vor rund um Moskau stationiert. Die US-amerikanischen Bestrebungen zum Bau nicht-nuklearer Abwehrmethoden sind - nach heute allgemeine anerkannter Sichtweise - nur gegen einfache Interkontinentalraketen die über keine Köder (:en:Decoy), sonstige Gegenmaßnahmen oder MIRVs verfügen. Beispielsweise chinesischer- (Ausnahme DF-31 CSS-9) oder nordkoreanischer Herkunft geeignet.

Typen

(Kursiv = nicht in Dienst, entweder obsolet, oder noch in der Entwicklung) USA
- landgestützt: [http://www.globalsecurity.org/wmd/systems/icbm.htm]
  - CGM-16 Atlas
  - HGM-25A Titan I
  - LGM-25C Titan II
  - LGM-30A/B Minuteman I
  - LGM-30F Minuteman II
  - LGM-30G Minuteman III
  - LGM-118 Peacekeeper
  - MGM-134 Midgetman Small ICBM (nicht in Dienst gestellt)
- seegestützt: [http://www.globalsecurity.org/wmd/systems/slbm.htm]
  - UGM-27A Polaris A-1
  - UGM-27B Polaris A-2
  - UGM-27C Polaris A-3
  - UGM-73 Poseidon C-3
  - UGM-93 Trident I C-4
  - UGM-133 Trident II D-5 UdSSR / Russland
- landgestützt (Sowjetische Bezeichnung. Defense Intelligence Agency-, Nato-Code in Klammern).
  - R-7 (SS-6, Sapwood)
  - R-9 (SS-8, Sasin)
  - GR-1 (SS-10 Scragg, nicht in Dienst gestellt)
  - R-16 (SS-7 Saddler)
  - R-26 (SS-8 Sasin, Verwechslung mit R-9, nicht in Dienst gestellt)
  - R-36 (SS-9 Scarp)
  - R-36-O (SS-9 FOBS, orbitalfähige R-36)
  - R-36M "Voivode" (:en:SS-18 Satan) (verschiedene Versionen)
  - UR-100 (SS-11 Sego)
  - UR-100MR "Sotka" (SS-17 Spanker)
  - UR-100N (SS-19 Stiletto)
  - UR-200 (SS-X-10 Scragg, Verwechslung mit GR-1, nicht in Dienst gestellt)
  - UR-500 "Proton" (nicht in Dienst gestellt)
  - RT-1 (kein Nato-Code vorhanden, nicht in Dienst gestellt)
  - RT-2 (SS-13 Savage)
  - RT-20P (SS-15 Scrooge)
  - RT-21 "Temp-2S" (SS-16 Sinner)
  - RT-2PM "Topol" (SS-25 Sickle)
  - RT-2UTTH "Topol-M" (SS-27 :en:Topol-M)
  - RT-23 "Molodets" (SS-24 Scalpel)
  - RSS-40 "Kuryer" (Nato-Code SS-X-26 ist obsolet, Projekt wurde aufgegeben)
- seegestützt China
- landgestützt:
  - DF-3 (Projekt wurde aufgegeben)
  - DF-5 (andere Bezeichnung CSS-4)
  - DF-6 (Projekt wurde aufgegeben)
  - DF-22 (andere Bezeichnung DF-14, Projekt wurde aufgegeben)
  - DF-31 (andere Bezeichnung CSS-X-9 bzw. CSS-9 bei Indienststellung)
  - DF-41 (andere Bezeichnung CSS-X-10, geplante Indienststellung 2010) Nordkorea:
  - No-dong-B (vorläufige Bezeichnung)
  - Taep´o-dong-1
  - Taep´o-dong-2
  - NKSL-1 (Taep´o-dong-1 mit dritter Stufe, kann Satelliten in den Orbit bringen, vorläufige Bezeichnung)
  - NKSL-X-2 (Taep´o-dong-2 mit dritter Stufe, kann Satelliten in den Orbit bringen, vorläufige Bezeichnung) Großbritannien
- (seegestützt, U-Boote):
  - Polaris (SLBM) (US-Rakete mit britischen Sprengköpfen)
  - Trident (SLBM) II (US-Raketen mit britischen Sprengköpfen) Frankreich
- (seegestützt, U-Boot):
  - M-1
  - M-2
  - M-20
  - M-4 bzw. M-45 nach Umrüstung
  - M-5 bzw. M-51 nach Umrüstung Indien
  - Surya (vermutlich in Entwicklung, Status unklar): Pakistan
  - Tipu (vielleicht in Entwicklung oder Verwechslung mit anderer Rakete)

Abrüstung


- ABM-Vertrag
- START-Vertrag

Weblinks


- [http://www.globalsecurity.org/wmd Massenvernichtungswaffen der Welt Global Security (en). Sehr ausführlich]
- [http://www.nrdc.org/nuclear/nudb/datainx.asp NRDC Archive of Nuclear Data. Viele wichtige Zahlen]
- [http://www.globaldefence.net/deutsch/nordamerika/usa/strategisch.htm US-Atomstreitkräfte(de)]
- [http://www.russianforces.com Atomstreitkräfte Russlands]
- [http://space.huerz.ch/htm/startplaetze.htm Raketenstartplätze UdSSR]
- [http://www.peterhall.de/lexikon/lexikon2.html Interkontinentalraketen] Kategorie:Atomwaffe !Interkontinentalrakete Kategorie:Raketentyp