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Atomstreitkraft

Atomstreitkraft

Mit Atomstreitkraft ist im allgemeinen die Militärmacht einer Nation gemeint, die in Kombination mit den klassischen Teilstreitkräften zu Lande, zu Wasser und in der Luft eine Streitkraft bereitstellt, die den Einsatz von Atomwaffen ermöglicht bzw. ein entsprechendes Potenzial als Abschreckung gegen mögliche Feinde unterhält. Hierzu halten die Atommächte jeweils permanent einsatzfähige militärische Einrichtungen in Betrieb, die einer größeren Sicherheitsstufe unterliegen. Zugleich verfügen Atomstreitkräfte über kürzere Befehlsstrukturen, um ihre Einsatzbereitschaft durch einen Oberbefehlshaber in kürzester Zeit herbeiführen zu können. Zur Aufrechterhaltung einer Atomstreitkraft müssen die Atommächte neben Fachpersonal auch hohe Betriebskosten einkalkulieren, die entsprechenden Einrichtungen unter besonderen Schutz stellen und zudem permanent warten. Moderne Atomstreitkräfte verteilen ihr Atomwaffen-Arsenal auf mehrere Trägersysteme und mobile Einheiten. Ihr Abschreckungspotenzial stützt sich dann auch darauf, dass nicht alle eigenen Trägersysteme zerstört werden können und dadurch ein atomarer Gegenangriff möglich ist, die sogenannte Zweitschlagskapazität. Moderne Trägersysteme können neben landgestützten Interkontinentalraketen auch Atom-U-Boote, Bomberflugzeuge und Kampfflugzeuge sein, die über entsprechende Atomwaffen verfügen. Hier aufgelistet sind Atomstreitkräfte mit Daten zum atomaren Rüstungspotenzial einer Nation und deren Einsatzmöglichkeiten durch verschiedene Trägersysteme. Nach dem Ende des Kalten Krieges gibt es auch heute noch zahlreiche Manöver von Atomstreitkräften und auch Überlegungen und Tests zur Verbesserung von Sprengköpfen und Trägersystemen bis hin zum möglichen Einsatz von Atomwaffen als taktische Waffe gegen sehr harte Ziele wie beispielsweise besonders massiv geschützte Bunker oder unter Gebirgsmassiven vorhandene Kommandozentren. Nicht zuletzt durch den Krieg der USA gegen den Terrorismus, wie z.B. der Operation Enduring Freedom in Afghanistan 2001, werden neue nukleare Einsatzmöglichkeiten für zukünftige Militäroperationen ausgearbeitet.

US-Atomstreitkräfte (US Nuclear Forces)

Anzahl der Sprengköpfe und die geplante Verringerung
- 2002: 7.600 Sprengköpfe und ca. 3.000 „inaktiv“
- 2007: 3.800 Sprengköpfe
- 2012: 1.700 bis 2.200 Sprengköpfe

Landgestützte Atomwaffen

Interkontinentalraketen (ICBM, Intercontinental Ballistic Missile, Reichweite über 5500 km).
- 150 Stück LGM-3DG Minuteman III Mk 12 mit Sprengkopf 1 x W62 und einer Sprengkraft von 170 kt. In Dienst seit 1970 und stationiert auf der F.E. Warren Air Force Base in Wyoming.
- 50 Stück LGM-3DG Minuteman III Mk 12 mit jeweils drei Sprengköpfen 3 x W62 MIRV (= 150 Sprengköpfe) mit 170 kt Sprengkraft. In Dienst seit 1970 und stationiert auf der Malmstrom Air Force Base im US-Bundesstaat Montana
- 300 Stück LGM-3DG Minuteman III Mk 12A mit jeweils drei Sprengköpfen 3 x W78 MIRV (= 900 Sprengköpfe) mit 335 kt Sprengkraft. In Dienst seit 1979 und stationiert auf der Malmstrom Air Force Base in Montana und auf der Minot Air Force Base in North Dakota. Insgesamt verfügten die USA im Jahr 2002 über 1.700 Sprengköpfe für landgestützte Interkontinentalraketen. Alle LGM-3DG Minuteman III-Interkontinentalraketen Mk12 und einige Mk12A sollen bis 2007/2009 durch den neuen Sprengkopf W87 ersetzt werden. Die 50 LGM-118A MX/Peacekeeper waren die modernsten US-Interkontinentalraketen, bis sie nach dem START II-Abkommen und neueren Vereinbarungen von Oktober 2002 bis September 2005 schrittweise deaktiviert wurden. Mit dem 250 Millionen US-Dollar teuren Umrüstprogramm SERV (Safety Enhanced Reenetry Vehicle) sollen noch Flugtests der Minuteman III mit W87-Sprengköpfen durchgeführt werden. Ab 2018 plant das US-Verteidigungsministerium den Bau von neuen Interkontinentalraketen als Ersatz für die von Boeing entwickelten Minuteman III.

Seegestützte Atomwaffen

SLBM (Sea-Launched Ballistic (Cruise) Missile)
- 168 Stück UGM-96A Trident I C4 mit jeweils sechs Sprengköpfen 6 x W76 MIRV (= 1008 Sprengköpfe)und je 100 kt Sprengkraft. In Dienst seit 1979 und stationiert auf sieben Atom-U-Booten (SSBN) der Ohio-Klasse.
- 216 Stück UGM-133A Trident II D5 Mk-4 mit jeweils acht Sprengköpfen 8 x W76 MIRV (= 1728 Sprengköpfe) und je 100 kt Sprengkraft. In Dienst seit 1992 und stationiert auf acht Atom-U-Booten (SSBN) der Ohio-Klasse.
- 48 Stück UGM-133A Trident II D5 Mk-5 mit jeweils acht Sprengköpfen 8 x W88 MIRV (= 384 Sprengköpfe) und je 475 kt Sprengkraft. In Dienst seit 1990 und stationiert auf zwei Atom-U-Booten (SSBN) der Ohio-Klasse. Insgesamt verfügen die USA über 3.120 Sprengköpfe für Atom-U-Boote. Die seegestützte amerikanische Atomstreitmacht besitzt rund die Hälfte der strategischen Nuklearsprengköpfe der Vereinten Staaten und ist verteilt auf insgesamt 18 Atom-U-Boote der Ohio-Klasse. 7 U-Boote sind an der Pazifikküste stationiert und ausgerüstet mit UGM-96A Trident I C4. Im Rahmen des START I-Abkommens wurden die Sprengköpfe auf diesen U-Booten bis 2001 von 8 auf 6 verringert. Die anderen 11 U-Boote sind mit den moderneren und größeren UGM-133A Trident II D5 Mk-4- und Mk-5-Raketen ausgerüstet und befinden sich an der Ostküste. Überwasserkampfschiffe: Mit Atomsprengköpfen ausgerüstete Marschflugkörper vom Typ BGM-109 Tomahawk befinden sich seit 1994 nicht mehr an Bord. Allerdings können die Schiffe die Versorgung von Angriffs-U-Booten (SSNs) mit Cruise Missiles übernehmen. Die Angriffs-U-Boote (SSN) der Seawolf- und Los-Angeles-Klasse sind nur noch mit konventionellen Tomahawks und Mk-48-Torpedos bestückt. Um die seegestützten Marschflugkörper mit einem einheitlichen Sprengkopf auszustatten, entwickelt die US Navy mit ihrem SWPP (SLBM Warhead Protection Program) einen neuen Sprengkopf, der die W76 und W88 ersetzen soll. Lockheed Martin produzierte seit 1976 rund 5.000 Sprengköpfe W76 für die Trident I C4 der amerikanischen und britischen U-Bootflotte.
- UGM-96A Trident I C4 Die seit 1976 im Einsatz befindliche Trident I C4 wird nach und nach ausgemustert. Bis 1986 wurden insgesamt 570 Stück produziert und 117 Flugtests mit 222 Trident I-Raketen durchgeführt. Die Trident I C4 hatte danach eine Startzuverlässigkeit von 85 % (188), 34 Teststarts (15 %) schlugen fehl. Ab 1990 wurden auch im Atlantik Tests durchgeführt und ab 1993 im Testgebiet bei Florida. Zuletzt verschoss unter anderem die USS Ohio (SSBN-726) vier SLBM des Typs Trident I C4 am 9. Dezember 2001.
- UGM-133A Trident II D5 Rund 390 Trident II D5 mit einer Reichweite von über 11.000 km sind im Besitz der USA und weitere 35 Stück sollen beschafft werden, vor allem wegen der Umrüstung einiger U-Boote. Von den 425 Stück sollen 228 Stück mit Sprengköpfen auf 12 U-Booten ausgerüstet werden, 137 Stück dienen zu Testzwecken bis 2014. Seit 1987 wurden 116 Tests durchgeführt und nur 5 Tests (4 %) schlugen fehl. Die Bestückung der Trident II D5 auf den US-Booten beträgt 8 Sprengköpfe, obwohl auch 12 möglich wären. Auch Großbritannien besitzt für seine strategische U-Bootflotte diesen Typ auf der Vanguard-Klasse, stationiert in Faslane, Schottland. Die vier ältesten U-Boote der Ohio-Klasse (gebaut 1974-1976), die ihren Heimathafen an der Pazifikküste (Bangor, Washington) haben: USS Ohio (SSBN-726), USS Michigan (SSBN-727) USS Florida (SSBN-728) und USS Georgia (SSBN-729), wurden ab 2003 umgerüstet und mit 154 konventionellen Cruise Missiles bestückt. Bis 2006 sollen nur noch 14 U-Boote mit Atomsprengköpfen im Einsatz sein, u.a. auch um die jährlichen Unterhaltskosten von über 500 Millionen US-Dollar zu reduzieren. Durch die Verringerung verlegt die amerikanische U-Boot-Flotte 4 U-Boote der Ohio-Klasse von der Ostküste (Kings Bay, Georgia) zur Westküste (Bangor, Washington). Sodann verbleiben jeweils 7 strategische U-Boote an beiden US-Küsten. Ab 2029 sollen die ersten SSBN's mit Trident-SLBM's außer Dienst gestellt werden. Ersetzt werden sollen diese U-Boote der Ohio-Klasse in naher Zukunft durch eine modifizierte Version der Angriffs-U-Boote (SSN) der Virginia-Klasse (u.a. SSN-774) mit ihrer vertikalen Abschussvorrichtung (VLS-System) oder durch einen völlig neuen U-Boottyp, der ab 2016 gebaut werden soll. 16 Flugzeuge des Typs Boeing E-6B Tacamo (steht für take charge and move out) sollen modernisiert werden und dienen als Kommando- und Verbindungsflugzeug zu den strategischen U-Booten (SSBNs).

Strategische Bomber

Strategische Langstrecken-Bomberflugzeuge der USA
- 20 Raketen für Bomber des Typs Boeing B-52H Stratofortress mit 400 Stück ALCM (Air-Launched Cruise Missile); Reserve: 100 der Typen AGM-86B oder ACM AGM-129A mit je einem Sprengkopf 1 x W80 mit bis zu 150 kt Sprengkraft. Insgesamt 860 Sprengköpfe für die Bomberflotte. Die Langstreckenbomber B-52 sind seit 1955 in Dienst. Die strategische Bomberflotte der B-52H ist auf der Barksdale Air Force Base (Louisiana) und der Minot Air Force Base (North Dakota) stationiert und soll durch Materialerhaltungsmaßnahmen bis 2044 im Einsatz bleiben.
- 21 Raketen für die Bomber Northrop B-2 Spirit, deren Flotte 21 Bomber umfasst und auf der Whiteman Air Force Base in Missouri stationiert ist. In Dienst seit 1994 mit dem Sprengkopf 1 x B61-7 oder B61-11 oder als Bombe B83-1 mit bis zu 170 kt Sprengkraft. Insgesamt 800 Sprengköpfe für die B-2-Bomber. Sie soll als strategischer Bomber bis 2040 im Einsatz bleiben. Die großen B-52H Stratofortress-Bomber können im Gegensatz zu der B-2 Spirit alternativ auch gleichzeitig Cruise Missiles oder frei fallende Nuklearbomben Typ B-61 mit sich führen. Die B-52H kann AGM-86 Cruise Missile oder AGM-129 Advanced Cruise Missile (beide mit W80 Sprengkopf) transportieren. Im Gegensatz zu der AGM-86 verfügt die weiterentwickelte AGM-129A über eine größere Reichweite und Stealth-Eigenschaften. Die US Air Force verfügt insgesamt über 1.142 ALCMs und 460 ACMs. Die Lockheed F-117 Nighthawk kann Atomwaffen mit sich führen, ist aber nicht vom Air Combat Command dafür vorgesehen. Stattdessen erfolgt nur das Training hiermit. Die gegenwärtig in der Entwicklung befindliche Lockheed Martin F-35, auch Joint Strike Fighter (JSF) genannt, wird voraussichtlich ab 2008 in Dienst gestellt und soll in die Planung zum Tragen von Atomsprengköpfen einbezogen werden. Auch NATO-Partner mit General Dynamics F-16 oder Panavia Tornado-Kampfflugzeugen verfügen über die pontielle Möglichkeit, Atombomben US-amerikanischer Herstellung abzuwerfen.

Taktische Atomwaffen

Taktische Atomstreitmacht (SLCM, Atombomben)
- 325 Raketen Cruise Missiles TLAM/N Tomahawk mit Sprengkopf W80. In Dienst seit 1984.
- 800 Atombomben, darunter die Typen B-61-3, B-61-4 und B-61-10. In Dienst seit 1979. Insgesamt 1120 Sprengköpfe als taktische Atomwaffen. Nach Ende des Kalten Krieges wurden die taktischen Atomwaffen drastisch verringert. Die USA haben ungefähr 1.620 taktische Atomsprengköpfe, davon rund 1.300 B-61 in 3 verschiedenen Versionen und 320 TLAM/N (Tomahawk Land-Attack Cruise Missile), teilweise als Reserve oder "inaktiv". Die taktischen Nuklearbomben B-61 lagern auf der Kirtland Air Force Base (New Mexico) und der Nellis Air Force Base (Nevada) und stehen im Kriegsfall den Kampfflugzeugtypen F-16C, F-16D Fighting Falcon und F-15E Strike Eagle zur Verfügung. Ungefähr 150 der B-61 befinden sich in Europa, verteilt auf 10 Luftwaffenstützpunkten in 7 NATO-Ländern. Die TLAM/N befinden sich seit 1997 nahe den U-Bootbasen Bangor (Washington/Westküste) und Kings Bay (Georgia/Ostküste).

Britische Atomstreitkräfte (UK Nuclear Deterrent Forces)

Großbritannien ist die bislang einzige Atommacht, die ausschließlich auf seegestützte Systeme setzt. 1998 wurden die letzten für den Einsatz durch Kampfflugzeuge bestimmten Atombomben ausgemustert. Großbritannien verfügt heute über vier ballistische Atom-U-Boote der Vanguard-Klasse, die im schottischen Faslane-on-Clyde stationiert sind. Jedes U-Boot kann mit maximal 16 Trident II D5 SLBM ausgestattet werden. Großbritannien verfügt über insgesamt 64 Trident-Raketen, von denen 58 mit Atomsprengköpfen bestückt sind und sechs zu Testzwecken dienen. Regulär sind jeweils zwei der vier U-Boote weltweit im Einsatz, von denen jedoch nur eines tatsächlich mit Atomraketen bestückt ist. Ein drittes U-Boot befindet sich in Faslane-on-Clyde auf Standby, während das vierte gewartet, repariert oder modernisiert wird. Diese Praxis geht auf den Beschluss der britischen Regierung aus dem Jahr 1998 zurück, nur noch jeweils ein U-Boot im Rahmen der nuklearen Abschreckungspolitik einzusetzen. Die Anzahl der Sprengköpfe wurde auf 48 Stück pro U-Boot begrenzt. Somit trägt jede Trident-Rakete durchschnittlich drei Sprengköpfe. Großbritannien verfügt vermutlich über vier verschiedene Arten von Sprengköpfen, die eine Sprengkraft von 0,3 kt, 6 kt, 12 kt und 100 kt haben. Insgesamt wird das britische Arsenal auf etwa 200 Sprengköpfe geschätzt.

Abkürzungen


- ACM - Advanced Cruise Missile (größere Reichweite als die ALCM)
- ALCM - Air-Launched Cruise Missile (luftgestützter Marschflugkörper)
- ICBM - Intercontinental Ballistic Missile (Interkontinentalrakete)
- LGM - Silo-Launched Surface Attack Guided Missile
- UGM - Underwater-Launched Surface Attack Guided Missile
- MIRV - Multiple Indepedently Targetable Reentry Vehicles
- SERV - Safety Enhanced Reentry Vehicle
- SLBM - Strategic Submarine-Launched Ballistic Missile (Vom Atom-U-Boot gestartete strategische ballistische Rakete)
- SSBN - Nuclear-Powered Strategic Ballistic Missile Submarine (Atom-U-Boot mit strategischen ballistischen Raketen)
- SSN - Nuclear-Powered Attack Submarine (Angriffs-Atom-U-Boot) Siehe auch: Atommacht, Atomwaffen, Atomwaffensperrvertrag, Marschflugkörper, Verzicht auf den Ersteinsatz Kategorie:Atomwaffe

Militärmacht

Als Streitkräfte oder Militär (von frz. militaire, was auf das lat. militaris (den Kriegsdienst betreffend) zurückgeht, das wiederum von lat. miles (Soldat) kommt) bezeichnet man die bewaffneten Verbände eines Staates oder eines Bündnisses, die dieser zur Verteidigung gegen einen Angriff von außen, oder eben um einen solchen Angriff nach außen zu führen, aufstellt. Meist haben sie aber auch den Auftrag zur Gewährleistung der inneren Sicherheit eines Staates. Zweck des Militärs ist nicht ausschließlich die Führung von Kriegen, sondern heute zunehmend die Führung von multinationalen Operationen zur Friedenssicherung und -erhaltung wie beispielsweise in Afghanistan oder Bosnien. Wobei in Afghanistan der Frieden durch die Amerikaner ursprünglich erzwungen wurde. Heute wird das Militär in die drei Teilstreitkräfte Landstreitkräfte (Heer), Seestreitkräfte (Marine) und Luftstreitkräfte (Luftwaffe) unterteilt. Manche Nationen ergänzen ihre Streitkäfte durch weitere Teilstreitkräfte. Die deutsche Bundeswehr, die neben den drei genannten noch den Zentralen Sanitätsdienst und die Streitkräftebasis ausweist, bezeichnet diese jedoch als Organisationsbereich. Diese sind damit wie die Nationalgarde in den USA ausdrücklich keine eigenen Teilstreitkräfte. In demokratisch organisierten Gesellschaften wird heute zwischen der Rolle des Militärs und der der innerstaatlichen Sicherheitskräfte (Polizei) unterschieden. Dagegen sind in vielen Diktaturen diese beiden Funktionen vermischt, und das Militär übernimmt innenpolitische Aufgaben (oft mit dem Ziel der Repression). Ausdruck für diesen Dualismus ist die Miliz, die für Militär und Polizei steht (der Begriff steht auch für Miliz (Volksheer), dem Gegenteil einer Berufsarmee). Ein anderer Ausdruck hierfür ist auch Gendarmerie. Gendarmen sind ebenfalls häufig Teil der Streitkräfte wie in Frankreich oder unterstanden historisch einmal dem Verteidigungsresort wie die frühere Bundesgendarmerie in Österreich. Verfassungsrechtliche und verwaltungsrechtliche Normen stellen dabei sicher, dass solche Einheiten im Frieden dem Innen- bzw. dem Justizresort unterstehen. Militärische Organisationen zeichnen sich durch eine hierarchische Struktur mit einer Befehlsgewalt der Militärführung aus. Mitglieder einer militärischen Organisation verzichten auf einen Teil ihrer Freiheiten und Grundrechte. Alle Militärapparate reproduzieren ihren inneren Zusammenhalt durch die periodische Veranstaltung verschiedener Militärrituale. Werden letztere als öffentliches Zeremoniell veranstaltet, dann dienen sie darüberhinaus der symbolischen Unterstreichung der Bedeutung von Militär im nicht-militärischen Teil der Gesellschaft und sind daher oft umstritten. So genannte paramilitärische Organisationen, die in vielen nicht als Krieg bezeichneten bewaffneten Konflikten (etwa Bürgerkriegen) teilnehmen, gelten nicht als Militär und werden nach internationalen Konventionen auch anders behandelt. Die Militärtechnik hat traditionell eine wichtige Vorreiter- und Schrittmacherrolle bei der allgemeinen technischen Entwicklung inne. So wurden beispielsweise das Fernsehen, das Internet oder GPS ursprünglich im militärischen Auftrag entwickelt und anfangs nur vom Militär genutzt. Alle Streitkräfte müssen
- sich unter einem einheitlichen Kommando befinden, das dem Staat gegenüber für die Führung der Unterstellten verantwortlich ist,
- sich durch Uniformen, Abzeichen, Zeichen oder andere aus der Ferne erkennbare äußere Merkmale von der Zivilbevölkerung unterscheiden,
- einem internen Disziplinarsystem unterliegen, das im Einsatzfall auch die Regeln der Kriegsführung durchsetzt,
- die Waffen offen führen.

Umgangssprache

Umgangssprachlich bezeichnet man mit ein Militär auch ein führendes Mitglied im Militär, in einer Junta oder in einer Militärdiktatur.

Siehe auch


- Portal:Militär
- Atomstreitkräfte
- Militärbasen im Ausland
- Armeegruppe
- Militärischer Befehl
- Preußische Armee
- Bundeswehr
- Schweizer Armee
- Österreichisches Bundesheer
- NVA
- US-Armee
- Fremdenlegion
- Kindersoldat
- Milizen
- Söldner
- Krieg
- Kriegsgefangene
- Haager Landkriegsordnung
- Neutralität

Literatur


- Friedrich Engels: Armee in: The New American Cyclopædia, 1857: http://www.mlwerke.de/me/me14/me14_005.htm ja:軍隊 simple:Military zh-cn:武装力量 Kategorie:Militärwesen

Teilstreitkräfte

Teilstreitkräfte (TSK) ist ein Begriff für die Unterteilung der Armee eines Volkes. Sie hat sich historisch entwickelt, da nicht zu jeder Zeit eine Teilstreitkraft aus technischen Gründen "zur Verfügung" stand. Die modernen Armeen bestehen heute aus den folgenden drei Teilstreitkräften: # Heer # Luftwaffe # Marine Je nach geographischer "Lage" eines Landes verfügt eine Armee überhaupt nicht über die Teilstreitkraft Marine bzw. variiert die Größe dieser Teilstreitkraft erheblich im Verhältnis zum Heer und zur Luftwaffe. Als letzte Teilstreitkraft hat sich Anfang des 20. Jahrhunderts - bedingt durch den technischen Fortschritt - die Luftwaffe etabliert, die zuvor noch dem Heer untergeordnet war. In Deutschland ist traditionell das Heer die größte Streitkraft, gefolgt von der Luftwaffe und der Marine.

Organisationsbereiche

Im Zuge der derzeitigen Bundeswehrreform sind in Deutschland außerdem zwei weitere selbstständige militärische Organisationsbereiche geschaffen bzw. erweitert worden, die Streitkräftebasis (SKB) und der Zentrale Sanitätsdienst. Diese beiden "querschnittlichen" Organisationsbereiche sind unabhängig von den Teilstreitkräften, werden aber aufgrund ihrer "lediglich" unterstützenden und nicht kämpfenden Aufgabe per Definition nicht als eigene Teilstreitkraft geführt. Die ihnen zugehörigen Soldaten werden laufbahntechnisch im wesentlichen auch weiterhin durch ihre eigene Teilstreitkraft bestimmt. So erhalten beispielsweise auch die der SKB unterstellten Heeresoffiziere weiterhin ihre nicht-fachbezogene Offizierausbildung an der Offizierschule des Heeres in Dresden. Für die Soldaten die einem der beiden Organisationsbereiche unterstellt sind, gibt es auch keine eigene Uniform, getragen wird die Uniform der Teilstreitkraft, aus der ihre Einheit oder ihr Verband ausgegliedert wurden. Als militärische "Heimat" gilt weiterhin ihre eigentliche Teilstreitkraft, auch für militärsiche Laufbahn ist maßgeblich die Teilstreitkraft maßgebend. Da es sich bei diesen Soldaten aber während der Zeit der Unterstellung unter einen der beiden Organisationsbereiche strengenommen nicht mehr um "Heeres-, Luftwaffen- oder Marinesoldaten handelt, wurde die Bezeichnung "Uniformträger Heer/Luftwaffe/Marine" neu geschaffen. Zusätzlich zu den bereits oben genannten Teilstreitkräften gibt es in Italien die Carabinieri, in Frankreich die Gendarmerie und in den USA das US Marine Corps sowie die Coast Guard.

siehe auch


- Bundeswehr
- Österreichisches Bundesheer Kategorie:Truppengattung Kategorie:Bundeswehr Kategorie:Bundesheer

Potenzial

Das Potenzial (eng. potential) (lat.: potentialis, von potentia Macht, Kraft, Leistung) kennzeichnet die einem System oder einer Person innewohnende Fähigkeit, Macht, Kraft zur Verrichtung einer Aufgabe.

Das Potential in der Physik

In der Physik ist das Potential die Fähigkeit eines Feldes, eine Arbeit zu verrichten, unabhängig von den beteiligten Körpern. In diesem Zusammenhang wird das Potential häufig durch den Buchstaben \phi\! bezeichnet. U\! verwendet man meist für eine Potentialdifferenz (Spannung) U = \Delta \phi = \; \phi_2-\phi_1\!. Das Potential beschreibt die Wirkung des Feldes auf Massen, Ladungen, etc. unabhängig von den Massen, Ladungen, etc. selbst. Das Kraftfeld erhält man durch partielle Ableitung des Potentials nach dem Ort (Position), also sozusagen aus dem Gefälle des Potentials: :\vec G = -\mbox\,\phi = -\vec\,\phi = -\partial\,\phi/\partial\vec r. Die Ableitung nach \vec r bei der Bildung des Gradienten \vec\phi von \phi\! symbolisiert dabei eine Ableitung nach allen Komponenten (Koordinaten) von \vec r. Im eindimensionalen Fall ist der Gradient die gewöhnliche Ableitung. Die tatsächlich wirkende Kraft hängt von der Masse, Ladung, etc. ab. Man erhält sie aus: :\vec F=m \cdot \vec G.

Energie und Potential

Energie und Potential werden oft nicht genau unterschieden, da sie beide ihre Ursache im Kraftfeld haben. Das Potential ist eine dem Kraftfeld äquivalente Felddarstellung. Der oben erwähnte Zusammenhang ermöglicht es, das im Allgemeinen dreidimensionale Kraft-Vektorfeld mit Hilfe von Skalaren darzustellen, ohne dass dabei Informationen über das Feld verloren gehen. Das führt zur Vereinfachung vieler Rechnungen. Allerdings ist der Rückschluss auf den das Feld verursachenden Körper nicht mehr eindeutig. So hat z.B. eine homogene Vollkugel das gleiche Gravitationspotential wie eine Punktmasse (zumindest außerhalb der Vollkugel). Die Energie ist aus physikalischer Sicht die Fähigkeit eines Körpers, Arbeit zu verrichten. Das Potential dient zur Beschreibung der Fähigkeit eines Feldes, einen Körper Arbeit verrichten zu lassen. Eine Potentialdifferenz ist also ein körperunabhängiges Maß für die Stärke eines Feldes. Der Zusammenhang zwischen Energie und Potential ist: E=m \cdot \phi.

Beispiel: Gravitationspotential und Schwerefeld

Experimentell ist zwischen zwei Massen die Kraft :F = \gamma\,\frac feststellbar, wobei :\gamma = 6,6742 \cdot 10^\;\frac die Gravitationskonstante (die oft auch mit G\! bezeichnet wird) und r der Abstand der beiden Massen m1 und m2 zueinander sind. Für die Erde und einen Körper der Masse m gilt für r > rE: :F=m\cdot \gamma \frac \mathrm\ M_E:\ \mathrm\ r_E:\ \mathrm\! Man nennt g=\gamma \frac das Schwerefeld der Erde. Mit Hilfe des Schwerefeldes kann man leicht die Schwerkraft F_g\! auf Körper ermitteln: F_g=m\cdot g.\! Das Potential P berechnet sich aus dem Zusammenhang: \vec G = -\mbox\,\phi. Im Eindimensionalen vereinfacht sich das zu g = -\frac. Damit ergibt sich das Potential der Erde: P=-\int_ g\, \mathrmr=-\int_^ \gamma \frac\, \mathrmr=\gamma \frac. Die Energie einer Masse m in der Höhe h über der Erdoberfläche ist: E=m \cdot P(h+r_E).

Anschauliche Erklärung

Das Gravitations- und das elektrische Potential lassen sich gut mit einem Wasserlauf vergleichen. Zwischen der Quelle des Wassers auf einem Berg (Punkt mit höherem Potential) und der Mündung im Meer (Punkt mit niedrigerem Potential) gibt es einen Höhenunterschied (Potentialdifferenz, Spannung). Das Wasser fließt bergab (vom Berg zum Meer) - es folgt dem Gefälle und damit der Schwerkraft. Ebenso fließen im Leiter die Ladungsträger, die den elektrischen Strom bilden, vom Punkt mit dem höheren Potential zum Punkt mit dem niedrigeren Potential.

Siehe auch


- Geopotenzial
- elektrisches Potential, siehe auch Elektrizität
- Vektorpotential des Magnetfelds
- elektrochemisches Potential
- thermodynamisches Potential
- Strömungspotential
- Potenzialtheorie
- Coulombwall
- Yukawa-Potenzial
- Potential eines Harmonischen Oszillators

Weblinks


- http://www.tf.uni-kiel.de/matwis/amat/mw1_ge/kap_2/basics/b2_1_7.html (Definition math.-vektoriell)
- http://www.uni-tuebingen.de/uni/pki/skripten/V6_1A_Potvgl.DOC (elektr.-mechanisch) Kategorie:Physik

Abschreckung

Unter Abschreckung versteht man die Ergreifung oder Androhung von Maßnahmen mit dem Ziel eine andere Person oder eine andere Gruppe von Personen von bestimmten nicht gewünschten Handlungen abzuhalten.

Abschreckung als Strafziel

Im Strafrecht sollen die angedrohten Sanktionen (Geldstrafe, Haftstrafe) potentielle Täter von Angriffen auf geschützte Rechtsgüter abhalten.

Militärische Abschreckung

siehe Hauptartikel: MAD Mutual assured destruction Im Kalten Krieg zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt war die Abschreckung des Gegners durch Konventionelle Waffen und Massenvernichtungswaffen (siehe auch: Atomwaffe) auf beiden Seiten ein zentraler Bestandteil der strategieschen Planungen. Eine typische Abschreckungswaffe ist z.B. das mit Interkontinentalraketen bestückte Atom U-Boot. Sein Aufenthaltsort ist dem Gegner auf hoher See meist nicht bekannt und es kann selbst bei völliger Zerstörung des Mutterlandes noch einen nuklearen Gegenschlag gegen den Gegner führen (Zweitschlagkapazität). Diese Strategie führte maßgeblich zum nuklearen Wettrüsten der beiden Machtblöcke, welche in der Fähigkeit, den Gegner vielfach völlig zu vernichten, gipfelte. Auch im 2. Weltkrieg wurde das Mittel der Abschreckung auf grausame Weise angewandt. Beispiel dafür ist die jugoslawische Stadt Pancevo: Am 22.Apr.1941 wurden 18 von der SS wahllos ausgesuchte Bewohner der Stadt als Vergeltungsaktion eines von jugoslawischen Partisanen verübten Attentats auf zwei SS- Männer hingerichtet. Zur Abschreckung vor weiteren Attentaten auf die SS wurden die Leichen drei Tage lang aufgebart. In allen Konflikten ist die Abschreckung des Gegners ein integraler Bestandteil der Politik. Diese Abschreckung soll den Gegner von Übergriffen abhalten, wird aber oftmals als aggressive Geste gedeutet und so provoziert gerade diese Abschreckung erst eine aggressive Handlung des Gegners. Ein Beispiel hierfür wäre ein Truppenaufmarsch an der Grenze, welche dem Gegner Invasionspläne verleiden soll, von diesem aber als gegen ihn gerichtete Invasionsvorbereitungen gedeutet werden und so einen Präventivschlag provozieren können. siehe auch: Gleichgewicht des Schreckens Kategorie:Allgemeine Strafrechtslehre Kategorie:Kriegs- und Gefechtsführung Kategorie:Sicherheitspolitik

Atommächte

Als Atommacht bezeichnet man einen Staat, der über Atomwaffen verfügt und zusätzlich die geeigneten Trägersysteme besitzt, um die Atomwaffen militärisch einsetzen zu können. Dabei unterscheidet man bei den Atommächten die so genannte Erstschlagfähigkeit und die Zweitschlagfähigkeit. Erstere ist gegeben, wenn dem betreffenden Staat geeignete Trägersysteme zur Verfügung stehen, um das Territorium eines anderen Staates anzugreifen (Flugzeuge, Raketen). Als Zweitschlagfähigkeit bezeichnet man die Fähigkeit eines Staates, auch nach einem nuklearen Angriff auf das eigene Territorium nuklear zurückschlagen zu können. Nötig sind Trägersysteme, die einen nuklearen Angriff überstehen. Möglich wird dies durch unterirdische Bunkeranlagen oder U-Boot-gestützte Atomwaffen, die eine genügende Überlebensfähigkeit besitzen.

Offizielle Atommächte

U-Boot Diese Atommächte sind im Atomwaffensperrvertrag als Staaten genannt, die über Atomwaffen verfügen. Die Daten beziehen sich auf die Erstzündung. Die Zahl unter "Sprengköpfe" beziffert die Zahl von allen Sprengköpfen insgesamt, die Zahl in Klammern dahinter die Anzahl der sich in Einsatzbereitschaft befindlichen. Die genannten Zahlen beruhen auf offiziellen Angaben der einzelnen Staaten. Insbesondere die offiziellen Daten der Volksrepublik China und Großbritanniens werden in Expertenkreisen sowie von ehemaligen Mitarbeitern der IAEO öffentlich angezweifelt. China hat angekündigt innerhalb weniger Jahre ein ebenso großes Arsenal zu haben wie die USA. Großbritannien stellte 1997 die Veröffentlichung eines jährlichen Bestandsberichts zu seinem Atomwaffenprogramm ein [http://www.cnduk.org/pages/binfo/ttfut.html] und soll, entgegen offiziellen Stellungsnahmen, gemeinsam mit den USA an der Entwicklung neuer Atomwaffen arbeiten [http://www.basicint.org/pubs/Research/UKtrident.pdf]. Zudem wird behauptet, der neue MOX-Reaktor in Sellafield werde für die Herstellung von waffenfähigem Plutonium zweckentfremdet (Newsweek, 11. Februar 2002).

Faktische Atommächte

Diese Staaten sind entweder im Atomwaffensperrvertrag nicht als Staaten mit Atomwaffen aufgeführt oder sie sind dem Vertrag nicht beigetreten. MOX-Reaktor
- Indien: Seit dem 18. Mai 1974, besitzt nach eigener Angabe Atomwaffen, Atomtests durchgeführt. Das Bulletin of the Atomic Scientists schätzte Indiens Arsenal 2002 auf 30 bis 35 Sprengköpfe, globalsecurity.org 2005 auf bis zu 150.
- Pakistan: Seit 1998, besitzt nach eigener Angabe Atomwaffen, Atomtests durchgeführt. Das Arsenal wird auf 24 - 48 Sprengköpfe geschätzt, einige Quellen (z.B. globalsecurity.org) schätzen die Zahl auf bis zu 75.
- Israel: Vermutlich seit 1967 verfügt Israel mit französischer Hilfe über die Atombombe, seit 1979 möglicherweise auch über die Wasserstoffbombe. Der Atomwaffenbesitz wurde von der israelischen Regierung bisher weder offiziell bestätigt noch dementiert, der Besitz von ca. 200 Atomsprengköpfen gilt aber als gesichert. 1986 hat Mordechai Vanunu, ein ehemaliger Techniker des Atomforschungszentrums von Dimona, Fotos und Unterlagen über das israelische Atomprogramm an die Presse weitergegeben. 1973 soll in der Wüste Sinai ein unterirdischer Atombombentest durchgeführt worden sein. Über spätere Tests ist nichts bekannt geworden.

Fraglich

Diesen Staaten wird vorgeworfen, sie hegten oder hegen die Absicht, Atomwaffen zu erzeugen. Allerdings ist der Status von derartigen Programmen nicht offiziell gesichert.
- Iran: Verfügt nach eigenen Angaben über kein Atomwaffenprogramm.
- Nordkorea: Hat nach eigenen Angaben ein Atomwaffenprogramm, in dessen Rahmen es Plutonium für mehrere Atombomben hergestellt hat. Im Februar 2005 erklärte das Land, Atomwaffen zu besitzen. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, daß alle technologisch entwickelten Staaten mit genügend Einsatz von Geld und Personal innerhalb sehr kurzer Zeit in der Lage sind, eine Atombombe zu entwickeln. Das technologische Wissen ist in allen Industriestaaten vorhanden, die benötigten industriellen Anlagen ebenfalls.

Ehemalige Atommächte und nukleare Ambitionen

2005 Die folgenden Staaten haben ehemals Atomwaffen besessen oder an entsprechenden Programmen gearbeitet.
- Argentinien und Brasilien haben ihre Programme aufgegeben.
- Deutschland: Franz Josef Strauß plante nach 1955 als Bundesminister für Atomfragen Deutschland im Rahmen des Atoms-for-Peace-Programms den technologischen Anschluss an diese Technik und Zugang zu den notwendigen Materialien zu beschaffen. Ein Atomwaffenprogramm wurde aber nie gestartet. Deutschland besitzt daher auch keine eigenen Atomwaffen und hat auch nie welche besessen (Es werden allerdings auf deutschem Boden Atomwaffen der USA gelagert). Wie andere NATO-Staaten auch verfügt Deutschland über Flugzeuge, die mit Atomwaffen bestückt werden könnten. (Siehe auch nukleare Teilhabe).
- Irak: Das irakische Atomwaffenprogramm begann vermutlich bereits Ende der 60er Jahre, ohne dass es den irakischen Wissenschaftlern je gelang eine funktionsfähige Bombe herzustellen. Das Programm erlitt Rückschläge durch die Zerstörung des mit französischer Hilfe gebauten Reaktors Osirak durch Israel im Jahr 1981 sowie durch das Technologie-Embargo während und nach des Iran-Irak-Krieges 1980 bis 1988, an das sich auch Russland und China hielten. Im zweiten Golfkrieg "Desert Storm" 1991 wurde der Großteil der Anlagen zerstört. Nach dem Einmarsch der USA in den Irak 2003 wurden keine Beweise für eine Wiederaufnahme des Atomwaffenprogramms und für die Existenz von atomaren Massenvernichtungswaffen gefunden.
- Libyen hat im Dezember 2003 angekündigt, alle Programme für Massenvernichtungswaffen aufzugeben und internationale Inspektionen zuzulassen.
- Schweiz: 1945 Bildung der geheimen Studienkommision für Atomenergie (SKA) unter Vorsitz des Physikers Paul Scherrer mit dem Ziel eine Schweizer Atombombe anzustreben. Diese Bestrebungen wurden letztlich erst in den 1970ern durch die Ratifizierung des Atomwaffensperrvertrages durch die Schweiz endgültig beendet.
- Südafrika entwickelte unter der Apartheid-Regierung mit israelischer Hilfe eine Atomwaffe und führte im September 1979 einen Test vor der Küste durch. Kurz vor dem Ende der Apartheid zerstörte Südafrika seine sechs Atomwaffen, um dem Atomwaffensperrvertrag 1991 beizutreten und sich damit wieder in die internationale Gesellschaft eingliedern zu können. Bis 1994 wurden alle südafrikanischen Atomwaffenanlagen komplett abgebaut.
- Kasachstan und Weißrussland haben nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Atomwaffen besessen, diese aber an Russland abgetreten. Die Ukraine hat ihre Atomwaffen selbst abgerüstet und besitzt noch immer die Trägerraketen.

Siehe auch


- Atomstreitkräfte
- Verzicht auf den Ersteinsatz

Weblinks


- [http://www.thebulletin.org/index.htm Bulletin of the Atomic Scientists] Kategorie:Atomwaffe

Trägersystem

Trägersysteme sind Fahrzeuge, deren Aufgabe es ist, Waffen möglichst nahe an den Feind zu bringen. Es gibt see-, luft- und landgestützte Trägersysteme:
- seegestützt: Schiffe und U-Boote
- luftgestützt: Flugzeuge
- landgestützt: Pkw, Lkw und Panzer Die Aufgabe des Trägersystems ist es die Waffe zu tragen und zu bewegen, um sie auf Kampfdistanz zu bringen. Kategorie:Militärtechnik Kategorie:Atomwaffe

Interkontinentalrakete

Als Interkontinentalrakete (:en:ICBM: InterContinental Ballistic Missile) wird eine Boden-Boden-Rakete hoher Reichweite bezeichnet. Nach dem raketengetriebenen Start dringt das Projektil in den Weltraum ein, der weitgehend antriebslos (= ballistisch) bis zum Ziel durchflogen wird. Im Gegensatz dazu fliegen Kurz- und Mittelstreckenraketen in den unteren Bereichen der Erdatmosphäre, sie haben eine kleinere Reichweite. Die Abgrenzung des Begriffs Interkontinentalrakete zu Begriffen wie Langstreckenrakete, Mittelstreckenrakete, ist uneinheitlich.

Antrieb

Während die ersten Generation Interkontinentalraketen durchwegs Raketentriebwerke mit teilweise cryogenem Flüssigtreibstoff hatten, ging man mehr und mehr zu lagerfähigen Flüssigtreibstoffen und Feststoffantrieb über. Raketentriebwerke mit Feststoffantrieb haben zwar eine geringere Effizienz, sind jedoch in der Handhabung einfacher und besitzen eine kürzere Reaktionszeit - das Betanken der Rakete entfällt. Moderne Interkontinentalraketen haben teilweise in der letzten Antriebsstufe wieder einen Raketenmotor mit Flüssigtreibstoff, allerdings regelbar. Diese Raketenstufen sind heute durchweg lagerfähig, der Treibstoff lagert dabei über Jahre in der Rakete und muss nicht kurz vor Start getankt werden. Durch die Regelmöglichkeit ist der Flug nicht mehr rein ballistisch und der Flugkörper kann bis kurz vor den Einschlag manövriert werden. Dies verbessert zum einen die Genauigkeit und zum anderen erschwert es die Abwehr, da die Flugbahn nicht mehr deterministisch durch die Gesetze der Ballistik vorgegeben ist.

Reichweite

Beliebige Reichweiten sind möglich - üblich sind Reichweiten bis ca. 15.000 km. Die nicht mehr in Truppendienst befindliche russische Rakete SS-9 hatte in einer ihrer Varianten beispielsweise einen teilorbitalen Sprengkopf, der jeden Punkt der Erde aus jeder Richtung erreichen konnte (FOBS). Aufgrund der hohen Leistungsfähigkeit dieser Raketen werden veraltete Interkontinentalraketen auch zum Start von Satelliten eingesetzt, beispielsweise die russischen Raketen vom Typ SS-19 als Rockot-Trägerrakete.

Sprengkopf

Typen

ICBMs sind ausschließlich mit nuklearen Sprengköpfen bestückt. Hier kommen seit der zweiten Generation fast ausschließlich Mehrfachsprengköpfe zum Einsatz (MIRV), d. h. spätestens beim Wiedereintritt in die Atmosphäre teilt sich die Spitze in mehrere (meist) auf verschiedene Ziele programmierte Gefechtsköpfe. Die sog. Warheads liegen meist bei einer Sprengkraft von hunderten kt. Bei der sowjetischen R-36M (SS-18 Satan) Mod 2 war die Sprengkraft pro Sprengkopf bis zu 1,3 MT.

Wiedereintrittskapsel

Da Interkontinentalraketen durchwegs einen Großteil der Flugbahn im Weltraum zurücklegen, müssen sie zum Erreichen ihres Zieles wieder in die Erdatmosphäre eindringen. Um nicht zu verglühen, benötigen sie eine wärmeresistente Wiedereintrittskapsel.

Vielfachwiedereintrittskörper

Aus Gründen der Effizienz werden Interkontinentalraketen oft nicht nur mit einem Sprengkopf ausgerüstet, sondern mit mehreren kleinen Sprengköpfen. Die erste Generation mehrfacher Sprengköpfe war in ihren Fähigkeiten begrenzt. Die Gefechtsköpfe konnten noch nicht voneinander unabhängig gesteuert werden (MRV - Multiple Re-Entry Vehicle). So zum Beispiel die SS-9 Mod 4. Bei späteren ballistischen Trägersystemen wurde schon möglich, Gefechtsköpfe unabhängig voneinander zu steuern(engl. MIRV: Multiple Independently targetable Re-entry Vehicle). Diese Sprengköpfe sind bei modernen Raketen unabhängig voneinander manövrierbar und können innerhalb des Zielgebiets mit meist mehreren hundert Kilometer Durchmesser beliebig platziert werden. In den 80er Jahren hat die US Navy das System weiterentwickelt. Die MARV (Maneuvering Re-Entry Vehicle) sollte begrenzt manövrierfähig sein und so die Raketenabwehr rund um Moskau und Leningrad penetrieren können. Als Trägerrakete war die sehr genaue (CEP 120 m) UGM-93B Trident II D-5 geplant. Es wurde jedoch nicht mehr in Dienst gestellt.

FOBS

Bei FOBS (Fractional Orbital Bombardment System) wird der Gefechtskopf in eine niedrige Erdumlaufbahn gebracht, von wo aus er jeden Punkt der Erde auf seiner Flugbahn erreichen kann. Um das System einzusetzen, muss der Gefechtskopf lediglich in der Atmosphäre abgebremst werden. Da die Abbremsung zu jedem beliebigen Zeitpunkt erfolgen kann und die Zeitspanne zwischen der Abbremsung und dem Aufschlag auf der Erde nur wenige Minuten beträgt, ist die Vorwarnzeit sehr gering, was auch zum späteren Verbot dieser Art von Waffen führte. Außerdem flogen diese Geschosse in niedrigeren Höhen, so dass die Entdeckung durch Radarsysteme dadurch erschwert wurde. Die Raketen würden über den Südpol fliegen und die USA vom Süden aus angreifen. Damit umging man das US-Radarnetz das in Richtung Norden ausgerichtet war. Die Trägerrakete war die sowjetische R-36O (SS-9 Scarp Mod 3). Es wurde im November 1968 voll Einsatzbereit. Es transportierte einen Gefechtskopf mit einer Sprengkraft von 1-3 MT. Dieses System wurde allerdings nur für kurze Zeit in Dienst gestellt und war nie in ausreichenden Zahlen verfügbar. Außerdem war es sehr ungenau (CEP bis zu 5 km) und dadurch für den Angriff auf gehärtete Ziele (z.B. Raketensilos) ungeeignet.

Abwehr

Im Allgemeinen wird heute davon ausgegangen, dass Interkontinentalraketen auf Grund ihrer hohen Geschwindigkeit - circa 20-fache Schallgeschwindigkeit - und Flughöhe nur mit nuklear bestückten Abfangraketen sicher abgewehrt werden können. Da die amerikanischen und sowjetischen Interkontinentalraketen vielfach für einen Flug über den Nordpol programmiert waren, sind die entsprechenden Abwehranlagen jeweils nach Norden ausgerichtet. Aus diesem Grund befinden sich in Alaska amerikanische Anlagen zur Raketenortung und -abwehr. Während des kalten Krieges handelten die USA und die UdSSR ein Abkommen aus, das es jeder Seite erlaubte, eine Anlage zur Raketenabwehr einzurichten. Während die USA ihre Raketenfelder schützten, aber die Anlage bereits nach kurzer Zeit (gerüchteweise 1 Tag) wieder außer Betrieb nahmen, sind die ABM Raketen des heutigen Russland nach wie vor rund um Moskau stationiert. Die US-amerikanischen Bestrebungen zum Bau nicht-nuklearer Abwehrmethoden sind - nach heute allgemeine anerkannter Sichtweise - nur gegen einfache Interkontinentalraketen die über keine Köder (:en:Decoy), sonstige Gegenmaßnahmen oder MIRVs verfügen. Beispielsweise chinesischer- (Ausnahme DF-31 CSS-9) oder nordkoreanischer Herkunft geeignet.

Typen

(Kursiv = nicht in Dienst, entweder obsolet, oder noch in der Entwicklung) USA
- landgestützt: [http://www.globalsecurity.org/wmd/systems/icbm.htm]
  - CGM-16 Atlas
  - HGM-25A Titan I
  - LGM-25C Titan II
  - LGM-30A/B Minuteman I
  - LGM-30F Minuteman II
  - LGM-30G Minuteman III
  - LGM-118 Peacekeeper
  - MGM-134 Midgetman Small ICBM (nicht in Dienst gestellt)
- seegestützt: [http://www.globalsecurity.org/wmd/systems/slbm.htm]
  - UGM-27A Polaris A-1
  - UGM-27B Polaris A-2
  - UGM-27C Polaris A-3
  - UGM-73 Poseidon C-3
  - UGM-93 Trident I C-4
  - UGM-133 Trident II D-5 UdSSR / Russland
- landgestützt (Sowjetische Bezeichnung. Defense Intelligence Agency-, Nato-Code in Klammern).
  - R-7 (SS-6, Sapwood)
  - R-9 (SS-8, Sasin)
  - GR-1 (SS-10 Scragg, nicht in Dienst gestellt)
  - R-16 (SS-7 Saddler)
  - R-26 (SS-8 Sasin, Verwechslung mit R-9, nicht in Dienst gestellt)
  - R-36 (SS-9 Scarp)
  - R-36-O (SS-9 FOBS, orbitalfähige R-36)
  - R-36M "Voivode" (:en:SS-18 Satan) (verschiedene Versionen)
  - UR-100 (SS-11 Sego)
  - UR-100MR "Sotka" (SS-17 Spanker)
  - UR-100N (SS-19 Stiletto)
  - UR-200 (SS-X-10 Scragg, Verwechslung mit GR-1, nicht in Dienst gestellt)
  - UR-500 "Proton" (nicht in Dienst gestellt)
  - RT-1 (kein Nato-Code vorhanden, nicht in Dienst gestellt)
  - RT-2 (SS-13 Savage)
  - RT-20P (SS-15 Scrooge)
  - RT-21 "Temp-2S" (SS-16 Sinner)
  - RT-2PM "Topol" (SS-25 Sickle)
  - RT-2UTTH "Topol-M" (SS-27 :en:Topol-M)
  - RT-23 "Molodets" (SS-24 Scalpel)
  - RSS-40 "Kuryer" (Nato-Code SS-X-26 ist obsolet, Projekt wurde aufgegeben)
- seegestützt China
- landgestützt:
  - DF-3 (Projekt wurde aufgegeben)
  - DF-5 (andere Bezeichnung CSS-4)
  - DF-6 (Projekt wurde aufgegeben)
  - DF-22 (andere Bezeichnung DF-14, Projekt wurde aufgegeben)
  - DF-31 (andere Bezeichnung CSS-X-9 bzw. CSS-9 bei Indienststellung)
  - DF-41 (andere Bezeichnung CSS-X-10, geplante Indienststellung 2010) Nordkorea:
  - No-dong-B (vorläufige Bezeichnung)
  - Taep´o-dong-1
  - Taep´o-dong-2
  - NKSL-1 (Taep´o-dong-1 mit dritter Stufe, kann Satelliten in den Orbit bringen, vorläufige Bezeichnung)
  - NKSL-X-2 (Taep´o-dong-2 mit dritter Stufe, kann Satelliten in den Orbit bringen, vorläufige Bezeichnung) Großbritannien
- (seegestützt, U-Boote):
  - Polaris (SLBM) (US-Rakete mit britischen Sprengköpfen)
  - Trident (SLBM) II (US-Raketen mit britischen Sprengköpfen) Frankreich
- (seegestützt, U-Boot):
  - M-1
  - M-2
  - M-20
  - M-4 bzw. M-45 nach Umrüstung
  - M-5 bzw. M-51 nach Umrüstung Indien
  - Surya (vermutlich in Entwicklung, Status unklar): Pakistan
  - Tipu (vielleicht in Entwicklung oder Verwechslung mit anderer Rakete)

Abrüstung


- ABM-Vertrag
- START-Vertrag

Weblinks


- [http://www.globalsecurity.org/wmd Massenvernichtungswaffen der Welt Global Security (en). Sehr ausführlich]
- [http://www.nrdc.org/nuclear/nudb/datainx.asp NRDC Archive of Nuclear Data. Viele wichtige Zahlen]
- [http://www.globaldefence.net/deutsch/nordamerika/usa/strategisch.htm US-Atomstreitkräfte(de)]
- [http://www.russianforces.com Atomstreitkräfte Russlands]
- [http://space.huerz.ch/htm/startplaetze.htm Raketenstartplätze UdSSR]
- [http://www.peterhall.de/lexikon/lexikon2.html Interkontinentalraketen] Kategorie:Atomwaffe !Interkontinentalrakete Kategorie:Raketentyp ja:大陸間弾道ミサイル ms:Peluru berpandu balistik jarak benua

Bomber

Ein Bomber ist ein militärisches Flugzeug, das dazu dient, Bodenziele mit Fliegerbomben und Luft-Boden-Raketen anzugreifen. Luft-Boden-Rakete

Geschichte des Bombers

Die Anfänge

Erstmals kamen strategische Bomber im Ersten Weltkrieg zum Einsatz. Den ersten Ofiziellen Bomberangriff fand jedoch im Osmanischen Krieg statt. Ein Englischer Aufklährer bewarf die Türkischen Stellungen mit Granaten. Dabei war der moralische Schaden grösser als der Schaden, der durch die Granaten entschtanden ist. Anfangs waren nur Militärluftschiffe in der Lage, eine große Bombenlast über große Entfernungen zu tragen. Viele Nationen setzten sie ein, um militärische Ziele, aber auch Industrieanlagen oder Innenstädte anzugreifen Sie konnten damals höher fahren als alle Flugzeuge oder Flugabwehrwaffen reichten. Dies sollte sich jedoch im Laufe des Krieges ändern. Im Juni 1915 gelang es erstmals einem englischen Jagdflugzeug, ein deutsches Luftschiff abzuschießen. Ab 1917 wurden in Deutschland als strategische Bomber Großflugzeuge, später auch Riesenflugzeuge gebaut. Dabei handelte es sich um viermotorige Doppeldecker, deren Spannweite über 40 Meter betragen konnte. Manche Bomber des Ersten Weltkriegs verfügten bereits über einen Abwurfmechanismus, mit dem die am unteren Flügel oder am Rumpf angebrachten Bomben ausgeklinkt wurden. Bomberangriffe wurden tags oder nachts durchgeführt und richteten sich unter anderem gegen Großstädte und Industrieanlagen.Aber auch gegen feindliche Flughafen und Bodenziele. Nach Kriegsende wurden viele Bomber für eine Nutzung im kommerziellen Luftverkehr umfunktioniert. Doppel Bomber des Ersten Weltkriegs:
- Zeppelin (Luftschiff)
- Schütte-Lanz (Luftschiff)
- Gotha G.III
- AEG G.IV
- Staaken R.III
- Handley Page O/400
- Vickers FB.27 Vimy
- Caproni Ca.3
- Caproni Ca.42

Zweiter Weltkrieg

Im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges kam es im spanischen Bürgerkrieg 1937 erstmals zu Flächenbombardements. Die Zerstörung der Stadt Guernica durch die deutsche Legion Condor legte den Grundstein für diese neue Art der Kriegführung. Von 1940 bis 1941 griffen deutsche Bomber etliche Städte in Südengland an. Die größten Angriffe wurden gegen Coventry und London geflogen, jedoch auch andere Städte wie Southampton oder Dover, die von strategischer Bedeutung waren, wurden mehrfach angegriffen. Letztendlich führten jedoch vor allem die begrenzte Reichtweite der Begleitjäger und die hohen Verluste dazu, dass die Angriffe 1941 weitgehend eingestellt wurden. 1941 begannen die Briten, später auch die Amerikaner, gegen Deutschland zurückzuschlagen, während sie sich auf die Invasion Europas vorbereiteten. Bei frühen Missionen wurden bis zu 50% der Flugzeuge abgeschossen, doch als Formationstaktik und Begleitschutz durch Jäger verbessert wurden, drangen die Bomber weiter und weiter in deutsches Kernland vor, wo ihre aus bis zu 1000 Bombern bestehenden Formationen verheerende Verwüstungen anrichteten. Besonders schwere Angriffe wurden u.a. gegen Hamburg, Dresden, Essen und Hildesheim geflogen. Während des Krieges setzten die US Air Force und die Royal Air Force auch erstmals Napalm ein, insbesondere bei Angriffen 1944/45. 45 Ein von den Briten eingesetzter Bomber war die Avro Lancaster. Die Lancaster war das Rückgrat der Bombenangriffe des Bomber Command gegen Deutschland. Sie setzte neue Maßstäbe bei Bombenlastkapazität und Transporthöhe. Für gewöhnlich trug sie 6350 kg auf 7300 Meter Höhe, doch sie konnte auch eine einzelne, 9980 kg schwere Bombe auf Ziele wie etwa Viadukte abwerfen. Hinzu kam eine Reichweite von über 4.000 km, die damals kaum ein anderer Bomber erreichte. Innerhalb des Zweiten Weltkrieges entwickelten sich die Anfänge der Marschflugkörper und Raketen als Bombenträger, die im weiteren Verlauf der Militärgeschichte einen Teil der Aufgaben von Bombern übernahmen, sie jedoch nicht vollständig ablösten. Bomber des Zweiten Weltkriegs (Auswahl):
- Avro Manchester
- Avro Lancaster
- Vickers Wellington
- Boeing B-17
- Boeing B-29
- Consolidated B-24
- Heinkel He 111
- Heinkel He 177
- Junkers Ju 88
- Arado Ar 234
- Savoia Marchetti SM.79
- CRDA Cant Z.1007
- Piaggio P.108

50er bis heute

Piaggio P.108 Piaggio P.108] Das Strategic Air Command der USA hatte im Kalten Krieg bis zu 2600 Bomber einsatzbereit, um Ziele in mehr als 6.400 km Entfernung mit konventionellen und nuklearen Bomben angreifen zu können. Die britische Royal Air Force unterhielt für diesen Zweck bis zu 280 strategische Bomber, die sog. V-Force. Bomber des Kalten Krieges und von Heute:
- Rockwell B-1
- Boeing B-47 Stratojet
- Boeing B-52 Stratofortress
- Northrop B-2
- Tupolew Tu-160 Blackjack
- Tupolew Tu-95 Bear
- Tupolew Tu-16 Badger
- Handley Page Victor
- Avro Vulcan
- Vickers Valiant
- Mil Mi-24 (Hubschrauber)

Entwicklung der Technik

Bomberangriffe waren zunächst nur bei guter Sicht möglich. Im Zweiten Weltkrieg ermöglichten Leitstrahlverfahren, Funknavigation und Radar auch Angriffe nachts und bei geschlossener Wolkendecke. Später wurden Trägheitsnavigationssysteme eingeführt, die die Position eines Bombers mit großer Genauigkeit bestimmen konnten. Heutzutage wird das Ziel oft mit GPS geortet, so dass Bombenangriffe auch bei Bewölkung und nachts möglich sind.

Eingesetzte Waffen

Zu den ersten Zielen von Bombern zählt meist die gegnerische Luftabwehr. Einige Bomber sind auch mit von Bordschützen bedienten Maschinengewehren oder Bordkanonen ausgestattet, trotzdem sind Bomber durch gegnerische Jagdflugzeuge leicht verwundbar und werden deshalb oft durch Begleitjäger eskortiert.

Konventionell

Begleitjäger ab]] Die Bomben werden von der Besatzung über dem Zielgebiet abgeworfen; dabei kann es sich um ungelenkte dumb bombs oder um präzisere, etwa lasergesteuerte, smart bombs handeln. Umstritten sind so genannte Bombenteppiche sowie Streubomben, welche am Boden in viele Sprengköpfe (bomblets) zerfallen, von denen oft einige nicht sofort detonieren und Zivilisten gefährden. Zivilist

Frei fallende Nuklearbomben

In der Frühphase des kalten Kriegs war der Einsatz strategischer Bomber zentraler Bestandteil einer angedachten atomaren Kriegführung. Mit der Einführung und Weiterentwicklung von Interkontinentalraketen als Trägersystem wurde die strategische Bomberflotte zunehmend obsolet. Dennoch sind praktisch alle amerikanischen Bomber dafür ausgelegt, auch Nuklearwaffen ins Ziel zu tragen. Bei vielen modernen Nuklearbomben kann die Sprengkraft der nuklearen Explosion vom unteren (Kilotonnenbereich) für den taktischen Gefechtsfeldeinsatz bis zu mehreren (Megatonnen) zur Bekämpfung sogenannter "hardened targets" (z.B. unterirdische Kommandobunker, Raketensilos) eingestellt werden.

Kurzstreckenraketen

Die mit nuklearen Sprenkopf bestückte Boeing AGM-69A SRAM (Short Range Attack Missile = Kurzstreckenrakete) wurde für kleinere Ziele, wie etwa Boden-Luft-Raketenabschussbasen konzipiert. Sie eignet sich dazu besonders gut, weil ihr Trägheitslenksystem nicht durch feindliche ECMs gestört werden kann. Die SRAM ist jene Art von Waffe, mit der man einem Krieg "begrenzen" könnte, weil sie sie auf militärische Ziele gerichtet wird. Sie würde jede Art von fixer Abwehr in einer bestimmten Gegend ausschalten und dem Feind keine Chance geben, zurückzuschlagen, z.B. gegen die B-1B die die SRAMs transportiert. Eine B-1B kann zwei Dutzend SRAMs an Bord nehmen. Jede ist 4,30 m lang, wiegt 1000 kg und trifft mit Mach 2,5 ihr Ziel. Wenn sie in großer Höhe abgefeuert wird, kann sie 200 km weit fliegen, aus geringer Höhe fliegt sie 56 km.

Luftgestützte Marschflugkörper

Mach Da aus der Luft abgefeuerte Marschflugkörper (oder auch Raketen) in der Lage sind, weit entfernte Ziele zu erreichen, haben sie den Vorteil, dass für die Bombermannschaft, die sie transportiert, wenig Risiko besteht. Jene Marschflugkörper, die derzeit bei der USAF für die B-1B und die B-52 in Verwendung stehen, werden von Boeing produziert wie z.B. die Boeing AGM-86 Cruise Missile. Sie haben ihren eigenen Turbofan-Antrieb und rudimentäre Steuerelemente sowie elektronische Geräte, die mit Zielinformationen vorprogrammiert sind. Wenn sie abgefeuert sind, folgen sie automatisch (auch mit Hilfe von GPS) ihren Befehlen bis zum Ziel.

Einteilung

Spezialfälle von Bombern sind
- Strategische Bomber, z. B. die US-amerikanische Boeing B-52
- Jagdbomber, beispielsweise der europäische Panavia Tornado (auch taktischer Bomber genannt)
- Stealth-Bomber, z. B. die US-amerikanische Northrop B-2 Northrop B-2 Im Zweiten Weltkrieg unterschied man:
- Leichte Bomber mit meist einem Motor, z. B. die Fairey Battle
- Mittlere Bomber mit meist zwei Motoren, z. B. die Junkers Ju 88
- Schwere Bomber (Viermots) mit meist vier Motoren, z. B. die Boeing B-29 Superfortress
- Sturzkampfflugzeuge, beispielsweise die Junkers Ju 87 Stuka
- Torpedobomber, z. B. die Fairey Swordfish
- Schnellbomber, z. B. die De Havilland D.H.98 Mosquito
- Schlachtflugzeuge - Erdkampfflugzeuge, die im frontnahen Bereich operierten, z. B. die Henschel Hs 123 oder die Il-2 Sturmowik
- Jagdbomber (Jabos), z. B. die Republic P-47 (Bis 1945 wurde Kampfflugzeug als Synonym für Bomber verwendet.)

Siehe auch

Luftkrieg, Kampfflugzeug, Tankflugzeug, Aufklärungsflugzeug, Liste von Flugzeugtypen, Listen zu Flugzeugen des Zweiten Weltkrieges

Literatur


- Wilfried Kopenhagen: Sowjetische Bombenflugzeuge, Berlin 1989, transpress-Verlag für Verkehrswesen, ISBN 3-344-00391-7 Bomber ja:爆撃機 ko:폭격기 ms:Pesawat pengebom

Kampfflugzeug

In der modernen Terminologie bezeichnet Kampfflugzeug jedes militärische Flugzeug, das für Kampfzwecke eingesetzt wird. In der Verwendung bis 1945 bezog sich Kampfflugzeug hingegen ausschließlich auf Bomber.

Einsatz

Heutzutage sind die meisten Kampfflugzeuge nicht mehr eindeutig einer Rolle als Jagdflugzeug, Bomber oder Schlachtflugzeug zuzurordnen. Die Beladung kann individuell an die jeweilige Aufgabe angepasst werden. Allerdings sind durch die Auslegung des jeweiligen Typs bestimmte Aufgaben besser als andere zu erfüllen. Kampfflugzeuge sind typischerweise mit Maschinenkanonen und mit Luft-Boden- oder Luft-Luft-Raketen ausgestattet. Sie haben außerdem oft ein Radar, um gegnerische Flugzeuge zu lokalisieren. Die meisten Waffen sind häufig an Aussenlaststationen untergebracht, dadurch ist ein schneller Austausch gewährleistet. In manchen Kampfflugzeugen wird der Pilot durch einen Waffensystemoffizier, der für die Bedienung der Waffensysteme zuständig ist, unterstützt. So kann sich der Pilot auf den Flug konzentrieren. Üblicherweise gibt es sowohl für den Piloten als auch für den Bordschützen einen Schleudersitz.

Technik

Nachbrenner

Der Nachbrenner bietet eine signifikante Steigerung der Geschwindigkeit düsengetriebener Kampfflugzeuge auf Kosten der Reichweite. Hierbei wird Treibstoff direkt in den Abgasstrahl des Triebwerks eingesprüht. Der Treibstoff verbrennt dabei explosionsartig außerhalb der Turbine, die heißen Gase werden dann durch die Triebwerksdüse nach Außen geleitet und erzeugen Schub. Da der Treibstoffverbrauch des Nachbrenners um bis zum Faktor 10 über dem normalen Verbrauch des Triebwerks liegt, wird er nur in besonderen Situationen, wenn kurzfristig mehr Schub benötigt wird, zugeschaltet. Nachbrenner ermöglichen Kampfflugzeugen, Überschallgeschwindigkeit zu erreichen. Die Jets der neuesten Generation, z. B. die amerikanischen Lockheed F/A-22 und F-35 Joint Strike Fighter sowie der europäische Eurofighter Typhoon, können die Schallmauer im Horizontalflug auch ohne Nachbrenner mit dem Trockenschub (Maß für den Schub eines Triebwerks ohne zugeschalteten Nachbrenner) ihrer normalen Turbinen-Triebwerke durchbrechen. Diese Fähigkeit nennt man Supercruise.

Marinekampfflugzeug

Speziell konstruierte Kampfflugzeuge können auf Flugzeugträgern landen und starten: Zum Start werden auf aktuellen Flugzeugträgern die Flugzeuge in einen Schlitten eines Dampfkatapults auf dem Flugdeck eingehakt und unterstützen den Startvorgang mittels Nachbrenners, da auf dem kurzen Deck sonst nicht die nötige Geschwindigkeit erreicht werden kann. In den Anfangsjahren wurden die Flugzeuge mittels Stahlseil an den Schlitten befestigt. Diese Seile fielen nach dem Start über Bord und begrenzten somit die maximale Anzahl an Starts vom Flugzeugträger und erhöhten die laufenden Kosten. Diese Technik wird auch heute noch z. B. auf den französischen Flugzeugträgern Foch/Clemenceau eingesetzt, da hierbei das Stahlseil am Rumpf der Maschine eingehakt wird und nicht am Bugrad wie bei der US Navy. Dadurch muss das Bugrad der französischen Trägerflugzeuge nicht so massiv und damit schwer sein wie bei ihren amerikanischen Pendants. Darüber hinaus benötigen die Flugzeuge einen Landehaken, der sich bei der Landung in ein Fangseil einhakt.

Schwenkflügel

Eine weitere (auch bei einigen Bombern zu findende) Spezialität sind Schwenkflügel (variable Flügelgeometrie). Durch Veränderung der Flügelpfeilung im Flug erreicht man ein für die jeweilige Geschwindigkeit optimales Flugverhalten: im Langsamflug benötigt man einen möglichst großen Auftriebsbeiwert, um mehr Auftrieb zu erreichen. Bei hohen Geschwindigkeiten werden die Flügel weiter nach hinten geschwenkt, und so der Luftwiderstand und die Schockeffekte bei Überschallgeschwindigkeit verringert. Als Nebeneffekt ergibt sich ein geringerer Platzbedarf der Maschinen auf Flugzeugträgern. Siehe: F-111, Panavia Tornado, Suchoi Su-24, F-14, B-1, Tupolew Tu-22M, Tu-160.

Senkrechtstarter

Außerdem gibt es den britischen Hawker Siddeley Harrier, die russischen Jakowlew Jak-38 und Jakowlew Jak-141 sowie die amerikanische Lockheed Martin F-35, die senkrecht starten und landen können. Von diesen drei Typen steht derzeit nur der Harrier im aktiven Dienst.

Sonderformen

Eine Sonderform von Kampfflugzeugen sind die zur Erdkampfunterstützung eingesetzten Gunships. Dabei handelt es sich um umgebaute Transportflugzeuge mit einer seitlichen Bewaffnung, um Bodenziele aus dem Kreisflug heraus unter Feuer zu nehmen.

Weblinks


- [http://www.fighter-jets.de Fighter-Jets.de]
- [http://www.fighter-planes.com Fighter Planes]
- [http://www.luftfahrtmuseum.com Luftfahrtmuseum]

Literatur


- Thomas Bättig, Moderne Kampfflugzeuge (2000), Verlag E.S. Mittler & Sohn GmbH, ISBN 3-8132-0717-X
- Tom Clancy, Fighter Wing (1998), Heyne Verlag, ISBN 3453141326

Siehe auch


- Jagdflugzeug
- Abfangjäger
- Gunship
- Jagdbomber
- Bomber
- Luftkampf
- Luftkrieg
- Luftbetankung
- Aufklärungsflugzeug
- Seeaufklärer
- Kampfhubschrauber
- Liste von Flugzeugtypen
- Listen zu Flugzeugen des Zweiten Weltkrieges
- Düsenjäger Kategorie:Flugzeugtyp Kampfflugzeug ja:戦闘機 ko:전투기 ms:Pesawat pejuang zh-min-nan:Chiàn-tàu-ki

Kalter Krieg

Der Ausdruck "Kalter Krieg" bezeichnet den welthistorischen Gegensatz, den die beiden Supermächte USA und Sowjetunion zwischen 1945 und 1990 mit allen verfügbaren Mitteln, aber unterhalb der Schwelle eines offenen Krieges anführten und austrugen.

Überblick

1990 1990 Der Ost-West-Konflikt führte zur Bildung von zwei feindlichen Machtblöcken und dazugehörigen Militärbündnissen der NATO und des Warschauer Paktes, die sich hochgerüstet gegenüberstanden und eine bipolare Welt dominierten. Die Entwicklung dorthin begann schon mit der Entstehung der Sowjetunion 1917, verfestigte sich aber erst seit dem Zerfall der Anti-Hitler-Koalition ab 1944 und der darauf folgenden Teilung Europas zu jenem Beinahe-Kriegszustand, der die Politik beider Seiten bis zum Zerfall der Sowjetunion 1991 maßgeblich bestimmte. 1947 prägte der US-amerikanische Journalist Walter Lippmann dafür den englischen Begriff cold war. Der Kalte Krieg war Ausdruck eines fundamentalen Systemgegensatzes: Zu den machtpolitischen Interessensphären, die auch sonst internationale Beziehungen bestimmen, traten konträre Ideologien. Aus westlicher Sicht standen dabei stets "Freiheit und Demokratie" gegen "totalitäre Diktatur" sowie "Marktwirtschaft" gegen "Planwirtschaft". Aus östlicher Sicht stand gegen das "Wolfsgesetz der Ausbeutung" im "Kapitalismus" die von der Staatspartei realisierte "allseitige Entfaltung" des "neuen Menschen" im "Kommunismus", der sich der Zukunft gewiss wähnte. Die Supermächte vermieden zwar den "heißen" Krieg mit direkten Militäraktionen gegeneinander, trieben aber ein beispielloses Wettrüsten vor allem auf dem Gebiet der Atomwaffen voran. Die Drohung des Atomkriegs, den beide Seiten einkalkulierten, beschwor erstmals in der Menschheitsgeschichte die Gefahr der Selbstauslöschung herauf. Der Interessenkonflikt drohte mehrmals militärisch zu eskalieren: in der Berlin-Blockade 1948, aus Anlass des Mauerbaus 1961 und besonders in der Kuba-Krise 1962. Dort konnte der direkte Krieg zwischen den Supermächten, der zum Einsatz von Atomwaffen geführt hätte, nur äußerst knapp vermieden werden. Seitdem wurde der Konflikt auf bilateraler Ebene zwar durch Krisendialog und Rüstungskontrollverträge reguliert, erzeugte aber weiterhin viele Stellvertreterkriege: etwa den Vietnamkrieg, Kriege in Kambodscha, Angola, Afghanistan sowie bewaffnete Konflikte in Afrika, Mittel- und Südamerika. Der Wettkampf der Systeme verlief auch auf technologischem, kulturellem und sportlichem Gebiet. So wurden das US-amerikanische wie das sowjetische Weltraumprogramm maßgeblich vorangetrieben, um dem Gegner die eigene wissenschaftlich-technische Überlegenheit zu demonstrieren. Dadurch entstanden viele Technologien, die heute zivil genutzt werden, so auch das Internet. Der Kalte Krieg spaltete Europa und Deutschland durch den sogenannten "Eisernen Vorhang". Er spiegelte sich auch in der Rivalität der zwei miteinander konkurrierenden deutschen Staaten. In Westdeutschland wurde die DDR während ihres gesamten Bestehens nicht als eigenständiger Staat anerkannt. Das Grundgesetz hielt in der Präambel „... Das gesamte Deutsche Volk bleibt aufgefordert, in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands zu vollenden“ bis zur tatsächlichen Wiedervereinigung 1990 am Wiedervereinigungsgebot fest. Bis 1969 erhob die Bundesrepublik Deutschland sogar einen außenpolitischen Alleinvertretungsanspruch auf Gesamtdeutschland (Hallstein-Doktrin). Die Springerpresse, besonders die Bild-Zeitung, druckte die Abkürzung "DDR" daher stets in Anführungszeichen. Die DDR-Regierung hingegen bezeichnete Ostberlin entgegen dem Viermächte-Status von ganz Berlin stets als "Hauptstadt der DDR", um als eigener Staat anerkannt zu werden. Obwohl die Bundesrepublik dieses offiziell vermied - etwa mit einer "Ständigen Vertretung" statt einer Botschaft - behandelte sie die DDR seit den Ostverträgen der Regierung Willy Brandt de facto als selbstständigen Staat. Dem folgte auch die konservative Regierung Helmut Kohls. Wann der Kalte Krieg endete, ist unter Historikern umstritten. Politische Entspannungsbemühungen begannen schon bald nach Stalins Tod 1953, erfuhren aber immer neue Rückschläge. US-Präsident John F. Kennedy proklamierte 1961 nach seinem Wahlsieg das Ende des Konflikts, worauf aber mit der Kuba-Krise ein weiterer Höhepunkt folgte. Auch während der anschließend ausgerufenen "friedlichen Koexistenz" setzten beide Supermächte das Wettrüsten und Stellvertreterkriege unvermindert fort. Erst mit dem Führungswechsel im Kreml zu Michail Gorbatschow eröffneten sich ernsthafte Chancen zu militärischer Abrüstung und politischer Annäherung der Blöcke. Diese zog ab 1989 die Selbstbestimmung der Völker Osteuropas, den Zerfall des Ostblocks und 1991 die Auflösung der Sowjetunion nach sich. Damit endete zumindest vorläufig die bipolare Weltaufteilung.

Die Vorgeschichte (1917–1944)

1917 ergriffen in Russland die Bolschewisten unter Führung Lenins die Macht. Die USA und andere westliche Mächte sandten Interventionstruppen, um diese Oktoberrevolution im Keim zu ersticken. Zwar misslang dies, aber der Versuch markiert den Beginn der latenten Phase des Kalten Krieges. Erst 1933 erkannten die USA den neuen Staat UdSSR an. Im Zweiten Weltkrieg kämpften beide dann als Alliierte gegen Nazi-Deutschland. Die Beziehung des damaligen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt zum sowjetischen Diktator Stalin war wegen des gemeinsamen Interesses am Sieg über Adolf Hitler relativ freundschaftlich; die Sowjetunion wurde z.B. auch mit Kriegsmaterial beliefert.

Von Jalta bis zur Teilung Deutschlands (1944–1949)

1944 zeigte die Anti-Hitler-Koalition erste Risse: Roosevelt lehnte auf der Konferenz von Jalta konkrete Garantien und Vereinbarungen mit der SU für die Nachkriegszeit ab, obwohl diese die Hauptlast des Krieges, nämlich den verlustreichen Vormarsch der Roten Armee am Boden trug und zudem durch Hitlers Überfall auf ihr Gebiet und die deutschen Vernichtungs- und Arbeitslager für ihre Soldaten die weitaus größten Kriegszerstörungen erlitten hatte. Stalin versuchte die Konferenzergebnisse als Freibrief zur Durchsetzung sowjetischer Sicherheitsinteressen ohne Rücksprache mit den Westalliierten zu benutzen: Er etablierte zum Teil gewaltsam in Mittel- und Osteuropa kommunistische Regierungen. 1945 nach Roosevelts Tod (12. April) zerbrach die Anti-Hitler-Koalition: Sein Nachfolger Harry S. Truman schwenkte auf einen strikt antisowjetischen und antikommunistischen Kurs um. Als er auf der Konferenz von Potsdam vom ersten erfolgreichen Test einer Atombombe erfuhr (16. Juli 1945), stellte er Stalin Bedingungen für seine - von Roosevelt noch gewünschte - Kriegserklärung an Japan (8. August) und gab den Befehl für den Einsatz der ersten Atombomben. Diese wurden am 6. August auf Hiroshima, am 9. August auf Nagasaki abgeworfen. Sie sollten die bedingungslose Kapitulation Japans beschleunigen, auch um dem weiterem Vorrücken Stalins in Ostasien zuvorzukommen. Zugleich wurde die Wirkungsweise zweier unterschiedlicher Bombentypen am "lebenden Objekt" ausprobiert. Die Abwürfe waren u.a. nach Ansicht des US-Historikers David Horowitz eine gezielte Machtdemonstration an die SU für die Nachkriegszeit. Seit der Nachkriegskonferenz in London stützten sich die USA dann auch politisch gegenüber der SU auf ihre Wirtschaftsüberlegenheit und ihr Atomwaffenmonopol, das bis 1949 bestand. Sie wollten auf dieser Basis ein vereintes Europa mit privatwirtschaftlichen und parlamentarischen Strukturen und eine Weltordnung unter ihrer Führung schaffen. Die SU wiederum wollte ihre vorgelagerte Sicherheitssphäre in Osteuropa nicht aufweichen. Die USA erkannten dieses Interesse und die dazu getroffenen sowjetischen Maßnahmen nicht an. Auch die Nachkriegsordnung Deutschlands war umstritten. Dies und die der SU versprochenen Reparationen wurden vertagt. Damit war der weitere Konflikt vorprogrammiert. Das gegenseitige Misstrauen wuchs: Die USA schätzten die SU als aggressiv-expansionistisch ein und wollten ihre Ausdehnung nach außen hin eindämmen (Containment-Politik: Irankrise 1946, Türkeikrise). Wie Geheimdokumente des Pentagon von 1950 zeigen, ging es schon früh auch darum, Osteuropa unter westlichen Einfluss zu bringen (roll back) und die SU durch Aufrüstung zu destabilisieren. Ab 1946 nahmen die USA ein geteiltes Deutschland in Kauf. Die SU bevorzugte ein vereintes, neutrales Deutschland mit Mitspracherecht aller Sieger. Sie versuchte, zunächst die eigene Wirtschaft und Innenpolitik zu konsolidieren; Expansion konnte sie sich daher nicht leisten. 1947 verpflichtete die Truman-Doktrin die USA, alle freien Völker zu unterstützen, die sich der Unterwerfung durch bewaffnete Minderheiten oder durch Druck von außen widersetzen. Anlass dafür war die Situation in Griechenland und der Türkei, die keine kommunistischen Regimes erhalten sollten. Um Unterstützung im US-Kongress und der eigenen Bevölkerung zu erhalten, stilisierte Truman die SU nun zum Feindbild der "freien Welt". Die geistige Vorlage für seine Doktrin war das long telegram des amerikanischen Diplomaten George F. Kennan. Darin schloss Kennan jeden modus vivendi (Weise des Miteinanders, politisches Arrangement) mit der SU aus. Der Marshall-Plan bot allen europäischen Staaten, auch der SU, Unterstützung zum Wiederaufbau. Die Verhandlungen dazu in Paris brach die SU ab, da die USA politische Zugeständnisse verlangten. Dadurch erhielten auch die Länder des Ostblocks keine westliche Wirtschaftshilfe und schlossen sich daraufhin ihrerseits wirtschaftlich enger zusammen. 1947/48 führten die Westalliierten eine Währungsreform in den drei Westzonen Deutschlands und Berlins durch. Die SU betrachtete dies als Bruch der Potsdamer Beschlüsse, wonach Deutschland als politische und wirtschaftliche Einheit zu wahren war, und antwortete mit der Blockade Berlins. Diese verstärkte die westliche Furcht vor einer sowjetischen Expansion in Europa. Der Westen reagierte mit der Luftbrücke. 1949 wurden die drei Westzonen zur Bundesrepublik Deutschland vereint. Mit der Gründung der NATO begann deren auch militärische Westintegration. Die SU antwortete mit der Gründung der DDR. Damit waren Deutschlands und Europas Teilung vollends institutionalisiert und die bipolare Weltordnung zementiert. Die SU zündete ihre erste Atombombe; doch erst ihr Nachziehen auch bei den Wasserstoffbomben und neuen Flugzeugen mit interkontinentaler Reichweite etablierte 1954 das so genannte "Gleichgewicht des Schreckens". Dessen Erhaltung bestimmte fortan ihre Beziehungen zu den USA und trieb den Rüstungswettlauf im ganzen Kalten Krieg zusätzlich voran. China wurde im selben Jahr kommunistisch. Daraufhin verschärften die USA ihre Eindämmungspolitik: Sie erkannten die chinesische Regierung nicht an und verweigerten China die UNO-Mitgliedschaft. Sie engagierten sich nun verstärkt in Japan, um es zu einem antikommunistischen Gegenpol aufzubauen. Ihre auch für die NATO verbindliche Militärstrategie basierte bis 1954 auf der Drohung mit "massiver Vergeltung" (massive retaliance) "an Orten und mit Mitteln eigener Wahl" für jeden nicht näher definierten kommunistischen Expansionsversuch. Damit verfolgten die USA nun offen eine Politik des roll back, d.h. ein Zurückdrängen des Staatskommunismus in Ost-, Ostmitteleuropa und Asien.

Vom Koreakrieg bis zur Kubakrise (1950–1962)

Japan-UN-Einheiten überqueren 1950 den 38. Breitengrad]] 1950 war der vorläufige Höhepunkt des Kalten Krieges: Er eskalierte in Südostasien zum Koreakrieg. Dieser war ein Stellvertreterkrieg vor allem zwischen den USA, die Südkorea unterstützten, und China, das Nordkorea unterstützte. Korea war nach der Kapitulation Japans bis 1949 von der UdSSR im Norden und den USA im Süden besetzt worden, die das Land am 38. Breitengrad entlang teilten. 1949 zogen beide Supermächte ab. Daraufhin wollte der Kommunist Kim Il-sung in Nordkorea den Diktator Syngman Rhee in Südkorea verdrängen und Korea unter seiner Führung vereinigen. Die USA intervenierten mit eigenen Truppen. Nur das Eingreifen chinesischer "Freiwilliger" bewahrte Nordkorea vor der amerikanischen Besetzung. Weil die UdSSR den UN-Sicherheitsrat vorübergehend boykottierte, segnete dieser die US-Intervention nachträglich ab. Fortan blieb Korea geteilt. 1952 bot Stalin den drei Westmächten in den Deutschland-Noten die Wiedervereinigung Deutschlands an. Es sollte ein neutraler, aber zur Selbstverteidigung fähiger Staat in den von der Potsdamer Konferenz festgelegten Grenzen werden. Damit wollte Stalin die voraussehbare NATO-Mitgliedschaft Westdeutschlands abwenden und Russland klare Vorteile verschaffen:
- Es wäre für den Fall militärischer Konflikte eine Art "Pufferzone" zwischen Ost und West entstanden.
- Der Westen hätte mit den drei Westzonen einen größeren Einflussbereich aufgeben müssen als der Osten mit der Sowjetischen Besatzungszone.
- Deutschland wäre eventuell ungeschützt gewesen, da es als neutrales entmilitarisiertes Land keinem Militärbündnis angehört hätte. Eine andere damalige Ansicht, vertreten etwa von Gustav Heinemann, sah die Neutralität zwischen den Machtblöcken gerade als größeren Schutz und langfristig tragfähigere Perspektive an, weil damit mitten in Europa ein großer weitgehend abgerüsteter Flächenstaat entstanden wäre, der keinem Militärbündnis angehört hätte und daher auch größere politische Handlungsfreiheit gegenüber beiden Supermächten gehabt hätte. Dies hätte auf die Nachbarstaaten ausstrahlen und ein erster Schritt in Richtung Entspannung zwischen den Blöcken sein können. Den Westmächten und der konservativen westdeutschen Regierung erschienen diese Vorschläge jedoch nachteilig. Deshalb teilte man Stalin nach einer Rücksprache mit Adenauer mit, dass man erst auf dieses Angebot eingehen werde, wenn er freie Wahlen garantieren würde und Deutschland die Wahl eines Bündnisses überließe. Stalin gab unerwartet nach und gestattete freie Wahlen, jedoch unter Aufsicht der vier Siegermächte. Die Westalliierten antworteten mit dem Verweis auf 1948, als eine Viermächteverwaltung in Deutschland gescheitert war. Damit war der Vorschlag abgelehnt und eine Chance zur deutschen Wiedervereinigung, die nicht von einem vorherigen Systemwandel im Ostblock abhing, zunächst für lange Zeit aufgegeben. 1955 wurde ein ähnliches Angebot für Österreich jedoch angenommen. Damit war die Nord-Süd-Verbindung der NATO in Europa unterbrochen, unter anderem auch durch die neutrale Schweiz. Außerdem begann 1952 die Wiederbewaffnung der BRD mit dem Amt Blank. Amt Blank Seite für den Beginn des kalten Krieges stand, starb am 5. März 1953]] Amt Blank Amt Blank führte die Welt 1962 an den Rand eines 3. Weltkriegs]] 1953, am 5. März, starb Stalin. Damit boten sich Chancen zur "Entstalinisierung" der UdSSR. Doch deren Verhandlungsbereitschaft endete mit dem Aufstand in der DDR am 17. Juni 1953. Dennoch versuchte Chruschtschow angesichts der atomaren Pattsituation und massiver innenpolitischer Probleme einen Entspannungskurs und leitete die Politik der "friedlichen Koexistenz" ein. In den USA nahm der Antikommunismus in den 50er Jahren auch innenpolitisch enorm zu. 1950 wurde das Komitee für unamerikanische Aktivitäten eingerichtet, sein Leiter, der Senator McCarthy führte bis 1954 den Ausschuss zur Untersuchung "antiamerikanischer Umtriebe". Er suchte systematisch nicht nur Kommunisten, sondern alle möglichen liberalen Intellektuellen als vermutete Spione und Systemgegner ausfindig zu machen, um sie zu verhören, einzuschüchtern, zu verurteilen und ihrer Ämter zu berauben ("McCarthyism"). Er wurde schließlich abgelöst und gerügt. 1955 wurde der Warschauer Pakt gebildet, die Gegenorganisation der Sowjetunion zur NATO. In den Pariser Verträgen wurde die Bundesrepublik in die NATO aufgenommen, wo sie jedoch nur begrenzte militärische Mitspracherechte erhielt. Damit war die Bundeswehr in ein atomar bewaffnetes Bündnis integriert, dessen Führungsmacht seit 1954 die Abschreckungsdoktrin der "Massiven Vergeltung" vertrat und im "Verteidigungsfall" das Entscheidungsmonopol zur atomaren Eskalation innehatten. Dies beruhte ursprünglich auf dem Monopol der USA an H-Bomben und Flugzeugen mit großer Reichweite. Nachdem die SU hier 1954 gleichzog, stationierten die USA auch auf westdeutschem Boden atomar bestückbare Kurzstreckenraketen, über deren Einsatz nur sie zu entscheiden hatten. Dies war ein Anlass für die UdSSR, ihrerseits den Warschauer Pakt atomar aufzurüsten. So kam es zu den Plänen von Konrad Adenauer und dem damaligen Verteidigungsminister Franz Joseph Strauß, auch die Bundeswehr atomar zu bewaffnen, um mehr eigene Druckmittel gegen die UdSSR und volle Gleichberechtigung in der NATO zu erlangen. Als dies im April 1957 öffentlich bekannt wurde, entstand mit dem "Göttinger Manifest" von 18 Physikern die erste breite außerparlamentarische Opposition in der Bundesrepublik: die Kampf-dem-Atomtod-Bewegung, die vor allem von SPD, Kirchen und Gewerkschaften getragen wurde. 1957, am 2. Oktober, schlug der polnische Außenminister