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AttentatDer Begriff Attentat (v. lat.: attentatum = versuchtes Verbrechen) bezeichnet einen geplanten, versuchten oder verübten Mord an einer öffentlichen Symbolfigur.
Begriff
Ziel des Attentats ist meist eine prominente politische Person; die Aktion erfolgt durch einen Einzelnen oder eine kleine Gruppe ("Attentäter") und wendet sich demonstrativ gegen die herrschende Macht.
Dabei ist zwischen politischer Hinrichtung und Attentat zu unterscheiden. Eine Hinrichtung kann als politische Tötung angesehen werden, aber erfolgt durch die staatlichen Organe, während ein Attentat immer als illegale Tat anzusehen ist.
Ein Attentat hat stets eine einzelne prominente Person oder Personengruppe zum Ziel; die wahllose Tötung mehrerer Angehöriger einer politischen Körperschaft bzw. eines Gemeinwesens wird als Terroranschlag bezeichnet. Gleichwohl können gezielte Attentate auch Werkzeuge des Terrorismus sein.
Das Ziel des Anschlags ist bei einem Attentat eine Persönlichkeit von hohem politischem, religiösem oder gesellschaftlichem Rang, nicht eine private Person.
So ist die Tötung eines Staatsoberhaupts durch ein Mitglied einer Rebellen- oder Untergrundbewegung ein Attentat.
Attentate können auch von Agenten fremder Mächte verübt werden.
Weiterhin kommen geplante Attentate hinzu, obwohl sie von den versuchten Attentaten zu unterscheiden sind.
Es ist nicht immer möglich, festzustellen, ob ein Plan tatsächlich bestand und durch die Regierung aufgedeckt wurde oder ob er nur als Vorwand für politische Verfolgungen diente.
Der Kreis der prominenten öffentlichen Persönlichkeiten umfasst zum Beispiel Staatsoberhäupter, Regierungsmitglieder, Richter, hochrangige Militärs, aber auch Journalisten oder Wirtschaftsführer, wenn sie eine besondere Rolle in der Politik spielen. Auch örtliche Beamte wie Oberbürgermeister oder Polizeichefs zählen zu den prominenten Personen.
Darüber hinaus umfasst der Kreis die Führer der politischen Parteien, der großen Gewerkschaften, sozialer und religiöser Organisationen, die Führer von Minderheiten und andere prominente Mitglieder wichtiger sozialer Institutionen.
Attentate werden auch als Aktionen psychisch desorientierter Menschen verübt.
Aus diesem Täterkreis werden häufig Attentate nicht auf politisch, sondern anderweitig hervorgehobene Persönlichkeiten wie Sportler oder Künstler verübt.
Neben konventionellen Waffen gebrauchen Attentäter eine Reihe alternativer Tötungsmittel (Gift, Briefbomben, Autobomben).
Literatur
- Alexander Demandt (Hrsg.): Das Attentat in der Geschichte. Bechtermünz, Augsburg 2000, ISBN 3-8289-0339-8
- Jörg von Uthmann: Attentat – Mord mit gutem Gewissen. Siedler, Berlin 2001, ISBN 3-572-01263-5
Siehe auch
- Chronik der Attentate
- Terrorismus, Terroranschlag
- Heckenschütze
- Selbstmordattentat
- Gezielte Tötung
!
ja:暗殺
Latein
Als Latein bzw. Lateinisch (lat. lingua Latina: „lateinische Sprache“) bezeichnet man die Sprache, die ursprünglich vom Volksstamm der Latiner gesprochen wurde, der Bewohner von Latium mit Rom als Zentrum.
Innerhalb der indogermanischen Sprachen gehört Latein zur Gruppe der italischen Sprachen. Es bildete die Grundlage für alle heutigen romanischen Sprachen.
Entwicklung
romanischen Sprachen
Ursprünglich in Rom und dem umliegenden Gebiet (Latium) gesprochen, wurde Latein später an humanistischen Gymnasien unterrichtet. Neben Griechisch war Latein die Amtssprache des römischen Reiches. Wegen der kulturellen Überlegenheit des Ostens verlor es dabei zeitweise in Nordafrika und selbst in Rom seine Vorrangstellung. So war die Liturgiesprache der römischen Christen bis um 300 das Griechische. In dieser Zeit drangen viele griechische Lehnwörter ins Lateinische ein.
Während der Spätantike begannen sich verschiedene Volkssprachen, aus denen im Mittelalter die romanischen Sprachen entstehen sollten, phonetisch und grammatikalisch von der lateinischen Hochsprache wegzuentwickeln. Doch noch im 6. Jahrhundert entstanden hochsprachliche lateinische Werke. Im Oströmischen Reich war Latein bis ins frühe 7. Jahrhundert neben Griechisch eine der beiden Amtssprachen.
Im Westen übernahmen die Germanen mit den Grundelementen der spätrömischen Verwaltung auch die lateinische Sprache, die in der Administration bis in die frühe Neuzeit vorherrschend blieb. Seit der Völkerwanderung und der Christianisierung der (zunächst zumeist arianischen) Germanenvölker wurde Latein im Westen des früheren Römischen Reiches und in den römisch-katholischen Folgestaaten die Sprache des Klerus (Kirchenlatein), der Rechtswissenschaft (Glossatoren) und der sich bildenden Hochschulen (studia generalia). Es bildete somit die Schriftsprache, vor allem für das kirchliche und weltliche Urkundenwesen (Diplomatik) im frühen Europa.
In völkerrechtlichen Verträgen (z. B. im Westfälischen Frieden von 1648) dominierte Latein bis in das 17. Jahrhundert hinein. Es bildet noch bis ins 20. Jahrhundert den Affixvorrat für die Fachterminologie in den Wissenschaften und verliert durch die fortschreitende Absorption in die englische und andere Sprachen lediglich an direkter, nicht jedoch an indirekter Bedeutung. Es wird noch an vielen Schulen unterrichtet.
Antike
Antike Schreibweise
Die lateinische Sprache wurde ursprünglich als scriptio continua, d. h. als zusammenhängender Fluss von Zeichen ohne Zwischenräume geschrieben. Auch Satzzeichen und Kleinbuchstaben wurden in der Antike nicht verwendet. Auf Wachstafeln war nämlich wenig Platz zum Schreiben, und Papyrus war teuer. Die antiken lateinischen Texte sind für uns heute daher schwer zu lesen.
Vergleiche folgendes Beispiel:
Alte Schreibweise:
AVREAPRIMASATAESTAETASQVAEVINDICENVLLO
SPONTESVASINELEGEFIDEMRECTVMQVECOLEBAT
POENAMETVSQVEABERANTNECVERBAMINANTIAFIXO
AERELEGEBANTVRNECSVPPLEXTVRBATIMEBAT
IVDICISORASVISEDERANTSINEVINDICETVTI
NONDVMCAESASVISPEREGRINVMVTVISERETORBEM
MONTIBVSINLIQVIDASPINVSDESCENDERATVNDAS
NVLLAQVEMORTALESPRAETERSVALITORANORANT
NONDVMPRAECIPITESCINGEBANTOPPIDAFOSSAE
NONTVBADIRECTINONAERISCORNVAFLEXI
NONGALEAENONENSISERANTSINEMILITISVSV
MOLLIASECVRAEPERAGEBANTOTIAGENTES
Heutige Schreibweise:
Aurea prima sata est aetas, quae vindice nullo,
sponte sua, sine lege fidem rectumque colebat.
poena metusque aberant nec verba minantia fixo
aere legebantur, nec supplex turba timebat
iudicis ora sui, sed erant sine vindice tuti.
nondum caesa suis, peregrinum ut viseret orbem,
montibus in liquidas pinus descenderat undas,
nullaque mortales praeter sua litora norant.
nondum praecipites cingebant oppida fossae,
non tuba directi, non aeris cornua flexi,
non galeae, non ensis erant: sine militis usu
mollia securae peragebant otia gentes.
Auszug aus Ovids Metamorphosen: Die Schöpfung (Das goldene Zeitalter)
Details zu den verwendeten Buchstaben finden sich in dem Artikel Lateinisches Alphabet. Siehe zu diesem Thema auch: Paläografie (dort Lateinische Paläografie), Capitalis, Versalschrift und Majuskel.
Antike Aussprache
Auf die antike Aussprache der lateinischen Sprache wird im Artikel Lateinische Aussprache eingegangen.
Literatur
Mit Antiker Literatur des Lateinischen beschäftigt sich u. a. der Artikel Lateinische Literatur.
Gegenwart
Auch heute ist Latein noch an vielen Gymnasien aller Fachrichtungen zu finden. Etwa ein Drittel aller Gymnasiasten im deutschen Sprachraum lernt Latein als erste, zweite oder dritte Fremdsprache. An humanistischen Gymnasien wird dem Lateinischen, neben dem Griechischen, noch eine herausgehobene Bedeutung zugemessen, was früher auf eine aktive Beherrschung des Lateinischen zielte.
Tatsächlich werden auch heute noch für zahlreiche Studiengänge das Latinum oder Lateinkenntnisse gefordert, insbesondere in zahlreichen geisteswissenschaftlichen Fächern. Das Latinum ist als Studienvoraussetzung für die Fächer Medizin und Jura weitestgehend abgeschafft, häufig aber nicht in Fächern wie Anglistik, Philosophie oder sogar Musikwissenschaften.
Unabhängig von den Studienanforderungen wird von Befürwortern des Lateins betont, dass das Erlernen der lateinischen Sprache weiterhin Basis für die korrekte Verwendung von Fremdwörtern sei, das Erlernen anderer romanischer Sprachen wesentlich erleichtere und erhebliche Transfer-Effekte für die Denkschulung aufträten. Das Übersetzen lateinischer Texte fördere auf Grund der erheblichen Komplexität vieler lateinischer Sätze auch das logische Denken. Von den Gegnern ist hingegen zu hören, dass die Auseinandersetzung mit jeder Art von Grammatik, egal welcher Sprache, das strukturierte Denken fördere, und dass das Erlernen moderner romanischer Sprachen, welche im Gegensatz zu Latein noch gebraucht werden, mindestens ebenso gut dazu geeignet sei, die zahlreichen lateinischen Lehnwörter im Deutschen korrekt zu verwenden und andere romanische Sprachen zu erlernen. In der Tat sind viele gesamtromanische, also in allen romanischen Sprachen auftretende Wörter nicht im klassischen Latein vorhanden und müssen dann neu gelernt werden: guerra „Krieg“, testa „Kopf“, cavallo „Pferd“, mangiare/manger „essen“, andare - „gehen“ , boc(c)a/bouche „Mund“, blanco/blanc „weiß“, die Himmelsrichtungen etc. Viele dieser Wörter erklären sich nämlich aus dem umgangssprachlichen oder dem späten Latein oder stammen aus der Soldatensprache, also aus Varietäten, die nicht in der Schule gelehrt werden.
Aus deutschen und US-amerikanischen Untersuchungen geht hervor, dass zwischen absolviertem Lateinunterricht und der Beherrschung der englischen Sprache in Schrift und vor allem Wort eine signifikante Korrelation besteht. Ein kausaler Zusammenhang ist allerdings nicht nachgewiesen worden – möglicherweise macht eine hohe sprachliche Begabung eines Kindes die Wahl des als schwierig geltenden Latein wahrscheinlicher.
Da auch im modernen Lateinunterricht die Sprachproduktion eindeutig der Rezeption (Leseverstehen) untergeordnet ist, glauben viele, Latein falle Menschen mit ausgeprägter Begabung für Mathematik und formelle Denkvorgänge generell leichter als andere Fremdsprachen, wohingegen Menschen mit ausgeprägter Begabung für intuitives Erlernen von Sprachen andere Fremdsprachen leichter fänden. Dieser Zusammenhang lässt sich allerdings nicht häufig verifizieren: Die Erfahrung zeigt, dass die Schülerleistungen in Latein überwiegend Hand in Hand mit denen in der Muttersprache und anderen Fremdsprachen gehen.
Modernes Latein
Auch heute werden deutsch-lateinische Lexika aufgrund neulateinischen Wortgutes herausgegeben, z. B. das „lexicon auxiliare“ oder das vom Vatikan herausgegebene „lexicon recentis latinitatis“, welches erst im Jahre 2004 eine Neubearbeitung erfuhr.
Der finnische Rundfunksender YLE (Yleisradio) verbreitet Wochennachrichten in neulateinischer Sprache. Radio Bremen veröffentlicht regelmäßig die Nuntii Latini in schriftlicher und gesprochener Version. Seit April 2004 veröffentlicht auch die deutschsprachige Redaktion bei Radio Vatikan Nachrichten auf Lateinisch. Dabei handelt es sich um ursprünglich deutsche Meldungen. Gero P. Weishaupt übersetzt sie für die Redaktion ins Lateinische. Sehr beliebt ist auch die lateinische Fassung der Asterix-Comics, die der deutsche Altphilologe Graf v. Rothenburg (Rubricastellanus) verfasst hat.
Der Autor Nikolaus Groß, beruflich seit zehn Jahren Deutsch-Lektor in der südkoreanischen Hauptstadt, hat 2004 eine komplett latinisierte Übertragung von Patrick Süskinds Das Parfum im Brüsseler Verlag der Fundatio Melissa, einem überregionalen Verein zur Pflege des gesprochenen Lateins, veröffentlicht. Dem Buch ist mit dem „Glossarium Fragrantiae“ eine größere Liste aktualisierter Neuschöpfungen beigegeben. Vom selben Wortartisten existiert des weiteren ein Buch über den Baron Mynchusanus (Münchhausen). 2003 erschien bereits der erste Teil der Harry Potter-Bücher von J. K. Rowling auf Latein (Harrius Potter et Philosophi Lapis). Daneben gibt es noch viele weitere Übersetzungen „klassischer“ Werke ins Lateinische, so zum Beispiel Karl Mays Winnetou III, oder Der kleine Prinz (Regulus) von St. Exupéry.
Durch das Internet ist die Verfügbarkeit alter lateinischer Texte sowie das Entstehen neuer lateinischer Texte erheblich begünstigt worden. Inzwischen gibt es sogar lateinische Fassungen von Popsongs. Daneben entstehen auch neue Popsongs in lateinischer Sprache, etwa Cursum Perficio, gesungen von Enya, Liberatio, eines von vielen lateinischen Musikstücken der Gruppe „Krypteria“, oder bei Gruppen der Dark Wave bzw. Gothic (Jugendkultur). Roma Ryan hat neben Cursum Perficio für Enya noch weitere Songs in lateinischer Sprache verfasst. In Internetforen wie Grex Latine Loquentium kommunizieren Teilnehmer aus vielen Ländern ausschließlich in Latein.
In der klassischen beziehungsweise neoklassischen Musik findet Latein ebenfalls Verwendung. So hat etwa der niederländische Komponist Nicholas Lens auf seinem Werk Flamma Flamma ein lateinisches Libretto vertont, für sein Werk Terra Terra hat Lens selbst ein Libretto in lateinischer Sprache verfasst. Nicht zu vergessen sind auch die zahlreichen Vertonungen lateinischer Gedichte wie z. B. von Jan Novák. Carl Orff unterlegte mehreren seiner Vokal-Kompositionen Texte in Latein oder Griechisch. Igor Strawinski ließ das nach Sophokles von Jean Cocteau in französischen Versen verfasste Libretto zu „Ödipus Rex“ von Jean Daniélou ins Lateinische übersetzen.
Das Lehrbuch Lingua Latina per se illustrata des dänischen Autors Hans H. Ørberg hat die bisher hauptsächlich für den Unterricht in modernen Sprachen eingesetzte einsprachige Lehrmethode auf den altsprachlichen Unterricht übertragen. Das Lehrbuch erfreut sich in verschiedenen Ländern einer steigenden Beliebtheit.
Latein in den Wissenschaften
In der Biologie erfolgt die Namensbildung der wissenschaftlichen Namen lateinisch und griechisch, wobei neuere Vorschläge vorsehen, die Regeln nur aus der lateinischen Sprache zu entnehmen. In der Medizin sind die anatomischen Fachbegriffe lateinisch, für die einzelnen Organe wird zusätzlich auch latinisiertes Griechisch verwendet. Die Krankheitsbezeichnungen leiten sich aus dem Griechischen ab. Zahlreiche Sprichwörter haben einen lateinischen Ursprung und sind teilweise auch in der deutschen Übersetzung zu geflügelten Worten geworden. In den Rechtswissenschaften existieren verschiedene lateinische Lehrsätze und Fachbegriffe (Latein im Recht). Auch in der Geschichtswissenschaft spielt vor allem Latein weiterhin eine große Rolle. In der Meteorologie werden lateinische Begriffe in der Wolkenklassifikation eingesetzt.
Latein in der katholischen Kirche
Latein ist neben Italienisch die Amtssprache des Vatikanstaats. Die katholische Kirche veröffentlicht alle amtlichen Texte von weltkirchlicher Bedeutung in Latein. Das gilt für die liturgischen Bücher, den Katechismus, den Codex des kanonischen Rechts sowie die päpstlichen Rechtsvorschriften (canones, decretales) und Rundschreiben (Enzykliken).
Bis zum zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) war Latein die offizielle Gottesdienstsprache und ist dies (laut Sacrosanctum Concilium) offiziell noch heute, wobei andere Sprachen jedoch gleichfalls erlaubt sind. Tatsächlich werden nur noch sehr wenige Gottesdienste in Latein gehalten. Der gegenwärtig amtierende Papst Benedikt XVI. bevorzugt bei seinen Messen aber das Lateinische vor dem Italienischen.
Siehe auch: Lateinische Kirche
Referenzlisten
- Lateinische Präpositionen
- Liste lateinischer Ortsnamen
- Liste lateinischer Präfixe
- Liste lateinischer Redewendungen
- Liste lateinischer Suffixe
- Liste von lateinischen Palindromen
- Lateinische Zahlwörter
Siehe auch
- Grammatik des Lateinischen
- Lateinische Aussprache
- Lateinische Sprichwörter
- Küchenlatein
- Vulgärlatein
- Mittellatein
- Lateinische Literatur
- Sprachen im Römischen Reich
- Jägerlatein
- Panlatinismus
Weblinks
- [http://www.commtec.de/wb/ Wörterbuch Latein-Deutsch-Latein auxilium online (mit Download-Möglichkeit)]
- [http://www.latein-pagina.de/iexplorer/stil.htm Lateinische Stilblüten]
- [http://www.thelatinlibrary.com/ The Latin Library – klassische Texte im Original]
- [http://www.albertmartin.de/latein/ Latein-Deutsch-, Deutsch-Latein-Wörterbuch mit hilfreichen Extras]
- [http://www.radiobremen.de/online/latein/ Nuntii latini bei Radio Bremen]
- [http://www.latein-pagina.de/ Latein-Pagina]
- [http://www.antikeundeuropa.de/Alte_Sprachen_heute/alte_sprachen_heute.html Alte Sprachen heute]
- [http://www.fh-augsburg.de/~harsch/a_chron.html Sammlung lateinischer Texte/bibliotheca Augustana]
- [http://www.music.indiana.edu/tml/ Lateinische Musiktraktate im Original]
- [http://www.lateinservice.de/index.htm Die deutsche Latein-Seite]
- [http://www.alcuinus.net/GLL/ Grex Latine Loquentium (Internetforum in lateinischer Sprache)]
- [http://www.kreienbuehl.ch/lat/ Latein und Altgriechisch Site]
- [http://www.latein24.de/ Übersetzungen vieler klassischer lateinischer Texte bei Latein24.de]
Kategorie:Einzelsprache
-
als:Latein
ja:ラテン語
ko:라틴어
simple:Latin language
th:ภาษาละติน
zh-min-nan:Latin-gí
Hinrichtung
Eine Hinrichtung ist die Tötung eines sich in der Gewalt der Hinrichtenden befindlichen, gefangenen Menschen, meist als Vollzug einer von den Justizbehörden eines Landes ausgesprochenen Todesstrafe.
Hinrichtungsarten
Zur Hinrichtung wurden und werden folgende Hinrichtungsarten verwendet:
- Tod durch Erhängen (Galgen; Genickbruch oder Ersticken)
- Tod durch Genickbruch (Galgen; Garrotte)
- Tod durch Erschießen (Erschießung, Kopfschuss, Genickschussanlage), im militärischen Bereich spricht man von Füsilieren
- Tod durch Kreuzigung (im römischen Reich)
- Tod durch Vergiftung (Gaskammer, Giftspritze oder Einspritzung von Barbiturat (Hexobarbital), Muskelrelaxans (Pancuronium) und Kaliumchloridlösung; die möglicherweise bekannteste historische Hinrichtung mit Gift: der Schierlingsbecher des Sokrates)
- Tod durch Ersticken bzw. Ertränken (Gaskammer, Garrotte, Kreuzigung, Säcken oder Lebendigbegraben)
- Tod durch Enthauptung (mit Guillotine/Fallbeil, Handbeil oder Schwert), wenn öffentlich, dann auf dem Schafott
- Tod durch Auseinanderreißen des Körpers (Vierteilung)
- Tod durch Verbrennen (Scheiterhaufen)
- Tod durch Verfaulen (Hinrichtung mit den Mulden)
- Tod durch Erschlagen (Rädern, Fustuarium, Herabstürzen aus großer Höhe, z. B. von Türmen, Brücken), Steinigung (im alten Testament und in der Schari'a des fundamentalistischen Islam, Katapultieren)
- Tod durch Verbluten (Pfählen)
- Tod auf dem elektrischen Stuhl (nur in den USA, seit 1889 und Philippinen 1924 - 1976 )
- Tod durch Tiere: Schlangengrube, Zerreißen durch Löwen, Zertrampeln durch Elefanten, den Haien oder Krokodilen vorwerfen, u.a. (siehe auch Christenverfolgung und Tierhetzen im Römischen Reich)
- Tod durch Verhungern und Verdursten (durch Einmauern, Hungerbunker)
Symbolische Hinrichtung
In manchen Fällen wird das Schauspiel einer öffentlichen Hinrichtung vollzogen ohne dabei tatsächlich jemanden zu töten:
- Wenn das Opfer bereits tot ist (posthume Hinrichtung), so geschehen z.B. bei dem englischen Politiker Oliver Cromwell oder bei der Leichensynode.
- Wenn das Opfer nicht zugreifbar ist, z.B. wurden von der spanischen Inquisition geflohene Ketzer häufig in effigie, also in Gestalt einer Strohpuppe verbrannt. Auch heute noch ist bei radikalisierten politischen Kundgebungen manchmal das Verbrennen oder Erhängen von Puppen zu beobachten, die besonders gehasste Personen darstellen.
Offenbar ist in solchen Fällen die Propagandawirkung der Hinrichtung, also die drastische Darstellung des Missfalles der durchführenden Partei gegenüber dem Hingerichteten, als Abschreckung oder verbindendes Gemeinschaftserlebnis, trotzdem noch vorhanden.
Deutsche Geschichte
Im Mittelalter wurden auch Arten der Folter angewandt, die schließlich zum Tode führten (z. B. während der Hexenverfolgung).
Die einzelnen Hinrichtungsmethoden sind meist bestimmten Delikten zugeordnet, gelegentlich in Form spiegelnder Strafen. Bloße Lust an der Grausamkeit spielte wohl eine deutlich geringere Rolle als der unbefangene neuzeitliche Blick auf die Rechtspraxis des Mittelalters vortäuscht. Todesurteile wurden oft öffentlich grausamer vollstreckt als sie tatsächlich waren. Betäubungsmittel wurden bei der Folter, beim Gottesurteil und bei der sogenannten verschärften Hinrichtung eingesetzt. Das Retentum, eine Milderung, die man in Form einer geheimen Urteilsklausel einfügte, konnte z.B. bestimmen, dass der Hinzurichtende vor dem Rädern heimlich zu erdrosseln sei, der Hexe solle vor dem Verbrennen ein Sack mit Schießpulver um den Hals gehängt oder dem Delinquenten ein Betäubungsmittel eingegeben werden. Ein »Taumelbecher« als Gnadenakt wird bereits im Bibelbuch Sprüche (31,6f.) und bei Christi Kreuzigung (Myrrhen- bzw. Gallenwein) erwähnt (Lexikon des Mittelalters Bd. 1, Sp. 2083).
Deutsches Reich
Im Deutschen Reich fand die Hinrichtung in einem umschlossenen Raum statt. Teilnahmeverpflichtung bestand für zwei Personen des Gerichts der ersten Instanz, einen Gerichtsschreiber, einen Gefängnisbeamten und einen Vertreter der Staatsanwaltschaft. Der Ort, in dem die Hinrichtung stattfand, konnte zwölf ehrenwerte Bürger abstellen, die freiwillig an der Hinrichtung teilnehmen konnten. Diese sollten die früher übliche Öffentlichkeit darstellen, die jedoch mit vielen unangenehmen Begleiterscheinungen einhergegangen war. Der Verteidiger und andere Personen (Geistliche, Verwandte) konnten auf Antrag ebenfalls der Hinrichtung beiwohnen. Über den Vorgang war stets ein Protokoll aufzunehmen.
Der Leichnam des Hingerichteten war den Verwandten auszuhändigen, die ihn ohne größere Feierlichkeiten zu bestatten hatten.
Die letzten Hinrichtungen in Deutschland
Die letzte Hinrichtung in Deutschland fand am 26. Juni 1981 in der DDR, im Keller des Gefängnisses von Leipzig, statt: der 39-jährige Stasi-Hauptmann Dr. Werner Teske, dem vorgeworfen wurde, dass er sich mit Akten in den Westen absetzten wollte (Spionagetatbestand), wurde mittels des "unerwarteten Nahschuss" hingerichtet. Hierbei verkündete der Staatsanwalt dem völlig ahnungslosen Delinquenten die beiden Sätze "Das Gnadengesuch ist abgelehnt. Ihre Hinrichtung steht unmittelbar bevor." Daraufhin trat hinter Teskes Rücken und unbemerkt von diesem der letzte deutsche Henker Hermann Lorenz an das Opfer heran. Ohne weitere Umschweife schoss dieser Teske mit seiner Armeepistole in den Hinterkopf. Lorenz hat auf diese Weise etwa zwanzig Hinrichtungen vollstreckt und wurde für seine fragwürdigen Verdienste später zum Major befördert.
Das letzte zivile, nicht-militärische Todesurteil in der DDR wurde am 15. September 1972 an dem Kindermörder Erwin Hagedorn aus Eberswalde vollzogen.
In Westdeutschland wurde am 12. Mai 1949 der 24-jährige Raubmörder Berthold Wehmeyer mit dem Fallbeil hingerichtet. Dies war die letzte von einem westdeutschen Gericht angeordnete Hinrichtung. Nur wenige Tage später, am 23. Mai 1949, wurde mit der Verkündung des Grundgesetzes die Todesstrafe in Westdeutschland abgeschaft. Ungeachtet dessen wurden auf westdeutschem Boden am 7. Juni 1951 weitere Hinrichtungen vorgenommen: Im Kriegsverbrechergefängnis Landsberg wurden sieben zum Tode verurteilte deutsche Kriegsverbrecher erhängt, darunter Oswald Pohl, Otto Ohlendorf und Werner Braune.
Siehe auch: Exekution, Tierprozesse, Todesstrafe
Weblinks
- [http://www.todesstrafe.de todesstrafe.de]
- [http://www.tdcj.state.tx.us/stat/deathrow.htm Todesstrafe in Texas]
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ja:刑罰の一覧
simple:Execute
TötungTötung im weitesten Sinn heißt Herbeiführung des Todes eines Lebewesens, sei dies Mensch, Tier, Pflanze oder auch Mikroorganismus.
Es "töten" also gewissermaßen auch Ereignisse, die durch kein menschliches Handeln oder das Verhalten einer anderen Spezies beeinflusst sind, z.B. ein Unwetter oder ein Erdbeben. Weder diese Todesursachen noch die von Tieren und Pflanzen "betriebenen" Tötungen sollen im folgenden aufgefächert werden, sondern allein das menschliche Töten, das auch als einziges strafrechtlich von Belang ist.
Tötung von Menschen
- Selbsttötung: Freitod (aufwertend), Sati, Seppuku: Harakiri, Selbstmord (abwertend), Suizid (neutral)
- Tötung auf Verlangen: Euthanasie, Sterbehilfe
- Tötung eines ungeborenen Kindes: Abtreibung, Schwangerschaftsabbruch
- Tötungen von Amts wegen: Exekution, Hinrichtung, Liquidierung, Todesstrafe, gezielte Tötung
- Tötung im Duell oder Kriegsgefecht: Blutige Auseinandersetzung, Waffengang, Gefallene
- Tötung im Straßenverkehr: Verkehrstote
- Fahrlässige Tötung
- Körperverletzung mit Todesfolge
- Tötung im Affekt: Totschlag (nach angels. Recht)
- Absichtliche Tötung: Totschlag, Mord - Mordversuch: Attentat
- Tötung großer Menschenmassen: Genozid, Völkermord
- Tötung aus Rache: Blutrache
- Blindwütige - oft tödliche - Verletzung mehrerer Personen: Amoklauf
Tötung anderer Lebewesen
- Massentötungen von Lebewesen: Ausrottung, Vertilgung
- Tötung von Tieren: Infantizid (Zoologie), Fischfang, Jagd, Schädlingsbekämpfung, Schlachtung, Stierkampf
- Tötung von Pflanzen: Rodung, Unkrautbekämpfung
- Tötung von Mikroorganismen: Reinigungs- und Hygienemaßnahmen
Siehe auch Abtötung
Tötungsarten
Enthauptung: Guillotinierung, Erschießung, Erschlagung, Erstechung, Erstickung, Ertränkung, Zu-Tode-Folterung, Kreuzigung, Nahrungsentzug, Steinigung, Strangulation (Erdrosselung, Erhängung, Erwürgung), Todessturz, Tötung durch Kampfhunde u.ä., Verbrennung (Autodafé), Vergiftung (Gaskammer)
Zitat
- Und heißt töten notwendigerweise: umbringen? Nicht auch: 'sterben lassen' [...], 'nicht wissen wollen, dass man sterben lässt' (Hunderte Millionen menschlicher Wesen, vor Hunger, an Aids, wegen mangelnder medizinischer Versorgung usw.)[?] – Jacques Derrida (2001; in: Philosophie in Zeiten des Terrors, ISBN 3865723586, S. 144)
Kategorie:Tod
simple:Kill
Terrorismus
Der Terminus Terrorismus (von lateinisch terror „Furcht, Schrecken“) umfasst taktisch orientierte Gewalttaten (Terror) zur Erzielung von Angst und Schrecken, meist um Aufmerksamkeit für politisch oder ideologisch motivierte Ziele zu erreichen.
Die Gesamtheit der Personen, die Terrorakte verüben, werden als Terroristen bzw. Terrororganisationen („der internationale Terrorismus”) bezeichnet. Terrorismus ist weltweit verbreitet und kein neues Phänomen. Terrorismus wird in der Regel mit einer Ideologie begründet, die der jeweils terrorisierten Gesellschaft entgegensteht und mit friedlichen Mitteln nicht durchsetzbar ist oder scheint (siehe dazu auch Fundamentalismus und Extremismus).
Ziele des Terrorismus
Ziel der Terroristen ist, auf ihre politischen, moralischen oder religiösen Anliegen aufmerksam zu machen und deren Beachtung oder Umsetzung mit Gewalt zu erzwingen. Die Gewalt richtet sich physisch gegen eine bestimmte Opfer-Gruppe, die jedoch auch eine gesamte Gesellschaft umfassen kann. Dabei soll Betroffenheit, Angst und Unsicherheit bei den potentiellen Opfern und den Adressaten einer gewaltsamen Botschaft erzielt werden. Häufig (aber nicht immer) veröffentlichen Terror-Gruppen Bekennerschreiben, die die Motivation ihrer Gewalttaten darzulegen versuchen. Die Motivation und Zielsetzung der Terroristen variiert dabei sehr stark.
Durch die in der Bevölkerung durch Anschläge aufkommende Angst, wächst der Glaube, die Regierung könne nicht für den Schutz der Bürger im Lande sorgen. Die Macht der Regierung wird somit von "innen" geschwächt.
Abgrenzung
Von Widerstandsbewegungen, Guerillas oder nationalen Befreiungsbewegungen unterscheidet sich der Terrorismus weniger durch die Wahl seiner Waffen als in der Wahl seiner Ziele: Eine nationale Befreiungsbewegung oder Widerstandsbewegung richtet sich strikt gegen die bewaffneten Kräfte des Gegners oder gegen die ihrer Meinung nach für die Unterdrückung Verantwortlichen. Der Terrorismus dagegen versucht, mit seinen Gewaltakten möglichst große Aufmerksamkeit zu erlangen, um ein Klima der Angst in der Bevölkerung zu erzeugen. Daher können terroristische Attentate sich auch gezielt gegen unschuldige Dritte wenden. Wenn eine Widerstandsbewegung nicht zwischen bewaffneten Kräften des Gegners und unschuldigen Dritten differenziert, wird sie in diesem Fall (nicht generell) als terroristisch bezeichnet.
Insgesamt ist eine objektive Eingrenzung des Begriffs Terrorismus umstritten, da er von jeweils herrschenden Regierungen sehr oft zur Denunzierung ihrer Gegner (manchmal auch unabhängig davon, ob diese Gewalt anwenden oder nicht) und zur Rechtfertigung eigener Gewaltanwendung gegen diese auch vermeintlichen Feinde der gegenwärtigen Staatsform als Legitimation herangezogen wird.
Wissenschaftliche Abgrenzungen
„Guerilla muss den Raum besetzen, Terroristen wollen dagegen das Denken besetzen.“ Dieses Zitat von Wördemann 1977, zitiert in Nohlen 2001 ist möglicherweise die umfassendste Begriffsdefinition von Terrorismus. Sie grenzt den Terrorismus von anderen Gewaltkonflikten, wie zwischenstaatlichen Kriegen, Guerillakriegen und dem Kriegsunternehmertum, ab. Dies schließt jedoch nicht aus, dass sich Akteure letztgenannter Konflikte terroristischer Mittel bedienen.
Terroristische Aktionen sind nach gängiger Auffassung Gewaltanwendungen gegen zivile Ziele und Nicht-Kombattanten mit dem Ziel, Furcht und Schrecken zu verbreiten, sowie möglicherweise bei einer Drittpartei um Sympathie und Schadenfreude zu werben mit dem Ziel, das bestehende Herrschaftssystem auszuhöhlen und umzustürzen.
Anstelle eines Versuches, den Begriff Terrorismus an sich zu definieren, soll das schon beschriebene moralische Dilemma am Beispiel des Umgangs der Vereinten Nationen mit dem Terrorismus illustriert werden, das auch von Hoffman 2002 beschrieben wird:
Beispiel: Nach dem Anschlag bei den Olympischen Spielen 1972, bei dem 12 israelische Sportler getötet wurden, schlug der damalige UN-Generalsekretär vor, dass die Vereinten Nationen sich aktiv im Kampf gegen den Terrorismus engagieren sollten. Dem widersprachen verschiedene arabische, afrikanische und asiatische Mitgliederstaaten mit der Begründung, dass jede Befreiungsbewegung von den Unterdrückern unausweichlich als Terrorismus bezeichnet würde. Völker aber, die unterdrückt und ausgebeutet werden, hätten jedes Recht, sich zur Wehr zu setzen, einschließlich der Gewalt. Daher würde eine Entscheidung für einen aktiven „Kampf gegen den Terrorismus“ die etablierten Strukturen über die nicht etablierten Herausforderungen stellen und damit den status quo festigen. Syrien fügte hinzu, dass es die moralische und rechtliche Pflicht der Vereinten Nationen sei, den Kampf für Befreiung zu unterstützen.
Aus dieser Debatte ergab sich eine definitorische Lähmung der Vereinten Nationen, die bis heute nicht überwunden wurde. Auch in der Mitteilung vom 08. Dezember 2004 zu der 59. Vollversammlung der Vereinten Nationen ist zu lesen, dass es empfohlen wird, die bislang ausstehende Definition von Terrorismus vorzunehmen. Dies war allerdings auch schon in vorangegangenen Mitteilungen der Fall, einschließlich der Deklaration zur Terrorismusbekämpfung.
Nach Kofi Annans Definition, handelt es sich bei all jenen Handlungen um Terrorismus, die die Absicht haben, den Tod oder schwere körperliche Verletzungen bei Zivilisten und nicht Kämpfenden herbeizuführen mit dem Ziel, die Bevölkerung einzuschüchtern oder eine Regierung oder eine internationale Organisation dazu zu zwingen, etwas zu tun oder zu unterlassen. Dabei sei es nicht nötig, darüber zu diskutieren, ob Staaten sich des Terrorismus schuldig machen können oder nicht, denn der uneingeschränkte Einsatz von Waffengewalt seitens eines Staates gegen eine Zivilbevölkerung sei durch das internationale Recht klar untersagt.[http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/Terrorismus/annan.html]
Charakteristika des Terrorismus: Strategie und Vorgehen
Terrorismus ist eine Gewaltstrategie oft nicht-staatlicher Akteure, die damit ihre eigenen politischen Ziele durchsetzen wollen. In Bezug auf das Verhältnis von Aufwand und Ergebnis kann Terrorismus gleichzeitig eine sehr „effektive“ Form der Kriegsführung sein. Ohne großen Aufwand bzw. Ausrüstung kann sehr großer Schaden angerichtet werden.
Die Strategie des Terrorismus setzt vor allem auf psychische Effekte. Die betroffene Zielgruppe soll schockiert und eingeschüchtert, der Krieg somit in das vermeintlich sichere Hinterland des Feindes getragen werden. Durch diese Verbreitung von Unsicherheit und Chaos soll die eigene Ideologie der Terroristen durchgesetzt werden.
Die Gewalt richtet sich häufig gegen Ziele mit hohem Symbolgehalt (z.B. religiöse Orte, Regierungsgebäude), um den Gegner zu demütigen und zu provozieren, vermehrt aber auch gegen sogenannte weiche Ziele, also Plätze des öffentlichen Lebens, die nur schwer geschützt werden können (z.B. öffentliche Verkehrsmittel, Restaurants,...). Ferner kommt es zu Geiselnahmen und Entführungen, u.a. auch von offiziellen Vertretern des „Gegners“.
Die Wirkung terroristischer Aktivitäten kann durch die Berichterstattung in den Medien verstärkt werden; einige Terroristen missbrauchen diesen Effekt bewusst, etwa durch die Verbreitung von Hinrichtungs-Videos von Entführungsopfern.
Ein weiteres Ziel terroristischer Aktivitäten ist die Mobilisierung von Sympathisanten bzw. die Radikalisierung politisch nahe stehender Bewegungen. Hierbei sehen sich Terroristen als Befreier der „Unterdrückten“.
Die Mobilisierung von Unterstützern wird oft vor allem durch die Gegenreaktionen des „Gegners“ auf Anschläge erreicht. Lässt dieser sich zu unverhältnismäßigen, brutal wirkenden Maßnahmen provozieren, so soll ihn dies „entlegitimieren“ (z.B. Einschränkung der Grundfreiheiten durch Videoüberwachung öffentlicher Plätze). Auf diese Weise können Terroristen in die Rolle des Angegriffenen wechseln.
In jüngster Zeit zielt die Gewaltstrategie von Terroristen auch auf die Erzeugung von wirtschaftlichen Effekten. Indem schwer zu schützende Ziele von wirtschaftlicher Bedeutung angegriffen werden (z.B. der Anschlag auf einen Tanker vor der jemenitischen Küste oder Anschläge auf Touristenzentren), sollen die Ökonomie und die Regierungen der „Gegner“ destabilisiert und die eigenen politischen Ideologien durchgesetzt werden.
Ein bedeutendes Merkmal terroristischer Gruppen ist, dass sie meistens als Terrorzellen taktisch völlig unabhängig voneinander operieren. Jede Terrorzelle entscheidet autonom, wann sie die Initiative ergreift. Das führt dazu, dass Terroristen nicht als Einheiten angreifbar sind (s. Terrorismusbekämpfung).
Terroristische Gruppen entfalten häufig auch kriminelle Aktivitäten, die nicht primär politisch motiviert sind, sondern auch der Beschaffung von Finanzen dienen. Daher weisen sie (wie z.B. die ETA oder die PKK) oft zwangsläufig eine Verbindung zur organisierten Kriminalität auf.
Begriffsgeschichte
Das Wort Terrorismus (lat. terror: Furcht, Schrecken) (sowie Terrorist und terrorisieren) wurde erstmals zur Bezeichnung einer gewaltsamen Regierungsmaßnahme im 18. Jahrhundert verwendet. Im Zusammenhang mit der Französischen Revolution wurde der „Terror des Konvents“ von 1793 bis 1794 ausgerufen, als die Regierung alle als konterrevolutionär eingestuften Personen hinrichten oder inhaftieren ließ. Dabei wurden unter anderem guillotiniert: Ludwig XVI., Marie Antoinette und Gräfin Dubarry. 1796 fand es Eingang in den deutschen Sprachgebrauch.
Nach dem 11. September 2001 wurde der Begriff „Krieg gegen den Terrorismus“ (war on terrorism) geprägt.
Arten von Terrorismus
Zwei Möglichkeiten, Terrorismus zu untergliedern, erscheinen sinnvoll. Zum einen nach der räumlichen Ausdehnung, und zum anderen nach Motivation und Zielsetzung. Nach der räumlichen Ausdehnung lassen sich drei Typen des Terrorismus unterscheiden:
- Nationaler Terrorismus beschränkt sich in Zielsetzung und Aktionsradius auf das Territorium eines Staates. Beispiele dafür sind die maoistischen Bewegungen in Nepal, Bhutan, Bangladesch, Indonesien und auf den Philippinen oder auch die RAF in Deutschland.
- Internationaler Terrorismus hat zwar staatsinterne Ziele, der Aktionsradius geht jedoch über die Grenzen des Landes hinaus, und unbeteiligte Dritte werden zu Opfern gemacht. Beispiele dafür sind die palästinensische Hamas und die philippinische Abu Sayyaf.
- Transnationaler Terrorismus hat weite Teile der Welt als Ziele im Visier und zielt auf die Änderung der internationalen Ordnung ab. Das Terrornetzwerk Al-Qaida ist die einzige Vereinigung, auf die das zutrifft. Der transnationale Terrorismus wird oft auch als internationaler Terrorismus bezeichnet.
Legt man Motivation und Zielsetzung zu Grunde, so lassen sich vier Hauptformen des Terrorismus erkennen: (Vgl. hierzu Nohlen 2001, S. 514-518.)
Der sozialrevolutionäre Terrorismus
Diese Art des Terrorismus hat ihren geistigen Ursprung im Umfeld der „Neuen Linken“ in den 60er Jahren. Anschläge zielen auf die Umwälzung bestehender Herrschafts- und Besitzverhältnisse im betroffenen Land ab. In den Ländern der westlichen Welt scheiterten derartige Bewegungen durchweg und verloren mit dem Fall des Eisernen Vorhangs völlig an Bedeutung. In Lateinamerika war er Ursprung für heutige Guerillavereinigungen, wie die FARC oder ELN. Gegenwärtig gibt es diesen marxistisch inspirierten Terrorismus in Form von „maoist movements“ in Ländern Süd- und Südostasiens.
Der (ethnisch-) nationalistische Terrorismus
Er wird von militanten Organisationen von Minderheitspopulationen verübt. Die Minderheiten haben ein bestimmtes Identitätsbewusstsein, das sich auf einer eigenen Kultur und Sprache begründet, die sich von der Mehrheit der Bevölkerung des Landes unterscheidet. Das Ziel ist oft die Abkopplung eines Gebietes von einem Nationalstaat.
Beispiele siehe Terrororganisation
Religiöser Terrorismus
Der Ausdruck "religiöser Terrorismus" stößt weithin auf Widerspruch; sowohl bei den Vertretern der Religionen selbst als auch bei Außenstehenden, die die Rolle der Religionen als Korrektiv u. a. zu terroristischer Gewalt aufzeigen.
Eine differenzierte Betrachtung der geschichtlichen Erfahrung belegt jedoch, dass als terroristisch einzustufende Aktionen vielfach in durchaus religiösem Kontext erfolgen. (siehe dazu auch Fundamentalismus)
Eine Betrachtung des religiösen Terrorismus verzichtet nicht – ebenso wie die Betrachtung anderer Spielarten des Terrorismus – auf die Analyse der jeweiligen sozialen, nationalen etc. Umstände. Sie konzentriert ihr Augenmerk aber auf das besondere Motiv, das religiöse Menschen zu terroristischen Aktionen bewegt. Man könnte daher auch angemessen von jeweils religiös/national/sozial motiviertem Terrorismus sprechen.
Als Merkmal des religiösen Terrorismus ist in erster Linie die persönliche Überzeugung der Täter zu betrachten. Der Philosoph Jakob Friedrich Fries schuf im 19. Jh. hier nicht nur für religiöse Attentäter eine theoretische Grundlage.
Motive und Ziele religiösen terroristischen Handelns können u. a. sein
- die Überzeugung absoluten göttlichen Rechts, (z.B. eine "Eingebung")
- die Verteidigung der Religion gegen fremde Religionen
- die Verbreitung der eigenen Religion
- die Deklaration terroristischen Handelns als Opfer "zur höheren Ehre Gottes"
Religiöser Terrorismus trat historisch wie lokal auf sehr unterschiedliche Weise zutage. Sein Erscheinungsbild ist so vielschichtig, dass Definitionen immer wieder umstritten sind. Gleichwohl unterscheidet er sich signifikant von anderen Spielarten des Terrorismus und macht eine gesonderte Betrachtung und Darstellung unverzichtbar.
Er hat vor allem seit Mitte der 80er Jahre an Bedeutung gewonnen. Er geht aus Sekten oder fundamentalistischen Strömungen innerhalb bestimmter Religionen hervor. Insbesondere islamistische Organisationen wie die palästinensische Hamas, die libanesische Hisbollah und nicht zuletzt das Terrornetzwerk Al-Qaida und Ansar al-Islam sind bekannte Beispiele für religiös motivierten Terrorismus. Aber auch unter Protestanten in den USA gibt es extremistische Strömungen, die letztendlich den Anschlag in Oklahoma City 1995 zu verantworten hatten.
Der vigilantistische Terrorismus zielt, im Gegensatz zu anderen Formen des Terrorismus, auf die Stärkung der bestehenden staatlichen Ordnung ab, allerdings indem die Gesetze, auf denen diese Ordnung beruht, gebrochen werden. Paramilitärische Milizen und der Ku-Klux-Klan in den USA, paramilitärische Gruppierungen in Lateinamerika und auch aggressive rechtsextremistische Bewegungen in Deutschland sind als vigilantistischer Terrorismus zu bezeichnen.
Terrorismus als Kriegsform
Im unsachlichen Sprachgebrauch eventorientierter Medien und Politiker wird aber im Zusammenhang mit dem Terrorismus oft von "Krieg" gesprochen und auch die vom Grundgesetz eng begrenzte Einsatzmöglichkeit der Bundeswehr im Inneren gefordert.
Entsprechend sprechen einige Politikwissenschaftler vom modernen Terrorismus durchaus als einer Form von Krieg. Elliot Cohen, AEI-Fellow und Mitglied des Defence Policy Boards, Berater des Verteidigungsministers Donald Rumsfeld in Fragen der "großen Strategie", bekannt durch die Aussage "Der Feind in diesem Krieg ist nicht der Terrorismus … sondern der militante Islam", hat schon während des Kalten Krieges vom vierten Weltkrieg gesprochen und dabei auf den sich anbahnenden Konflikt zwischen westlicher Welt und radikalem Islamismus Bezug genommen. In diesem modernen "Krieg" nach Elliot Cohen hat der Gegner lediglich eine neue Form. Er ist "unsichtbar" und unberechenbar; Angriffe können weltweit und unvorhergesehen erfolgen. Konventionelle Armeen können in dieser Form des Krieges nicht eingesetzt werden, da er "ohne Fronten" verläuft und der "Gegner" an sich nicht existiert. Allerdings sind derartige auf eine Guerilla basierende Konzepte schon seit Napoleon bekannt.
Staatsterrorismus
Hauptartikel: Staatsterrorismus
Ob man dies unter dem Begriff „Terrorismus“ fassen kann, ist umstritten. Gehen staatliche Armeen oder zumindest informell staatlich kontrollierte paramilitärische Truppen (so genannte Todesschwadrone) gegen Widerstandsbewegungen mit der oben genannten Methode des Terrors vor, vor allem, um die nicht direkt Betroffenen (Verhaftete, Verdächtige) einzuschüchtern, so spricht man immer häufiger von Staatsterrorismus.
Der Einsatz willkürlicher und terroristischer Gewalt, im Einzelfall auch der Gebrauch von Terror gegen den politischen Gegner, prägte zum Beispiel die Schreckensherrschaft Robespierres in der Französischen Revolution (1793 - 1794) oder auch den „Roten Terror“ nach der Oktoberrevolution unter Lenin in Russland.
In der Moderne gelten insbesondere die nationalsozialistische Diktatur in Deutschland unter Adolf Hitler von 1933 bis 1945, das faschistische Italien unter Benito Mussolini von 1922 bis 1943 sowie einige postfaschistische Regime wie beispielsweise die chilenische Militärdiktatur der 1970er und 1980er Jahre unter Augusto Pinochet als Diktaturen, die staatsterroristische Methoden zur Aufrechterhaltung ihrer Macht anwandten.
Auf der Gegenseite gelten auch verschiedene nominell kommunistische Regime als Beispiele, in denen terroristische Mittel angewandt wurden, um tatsächliche oder auch nur vermeintliche Regimegegner als „Konterrevolutionäre“ „auszuschalten“. Beispielgebend hierfür gilt insbesondere die UdSSR unter Stalin zwischen 1924 und 1953, oder die Volksrepublik China, vor allem unter Mao Tse Tung während der Kulturrevolution, sowie das Pol Pot-Regime in Kambodscha in den 1970er Jahren.
Terrorismusabwehr
Hauptartikel: Terrorismusbekämpfung
Im Wesentlichen kann man hier zwei Ansätze unterscheiden: Bekämpfung des Terrorismus durch tatsächliche Kampfhandlungen und Gewaltanwendung (operative Maßnahmen) und andererseits das mit größtmöglicher Friedlichkeit geplante Vorgehen der Friedensforschung (strukturelle Maßnahmen).
Terroranschläge
Hauptartikel: Terroranschlag
Die bekanntesten und verherendsten internationalen Anschläge waren:
- die Anschläge auf die US-Botschaften in Nairobi und Daressalam am 9. August 1998
- die Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA
- die Terroranschläge am 12. Oktober 2002 in Bali
- die Terroranschläge am 11. März 2004 in Madrid
- die Terroranschläge am 7. Juli 2005 in London
Terroristische Vereinigungen
Hauptartikel: Terroristische Vereinigung
Die bekanntesten Terrororganisationen sind:
- PKK
- Al Qaida
- IRA
- die baskische ETA
Literatur
- Mark A. Gabriel: Islam und Terrorismus Resch-Verlag 2004, ISBN 3-935197-39-X
- Paul Berman: Terror und Liberalismus. Bundeszentrale für Politische Bildung, Bonn 2004 (Lizenzausgabe der Europäischen Verlags-Anstalt), ISBN 3-89331-548-9
- Ellen Bos (Hrsg.): Neue Bedrohung Terrorismus: der 11. September 2001 und die Folgen. Lit, Münster 2003, ISBN 3-8258-7099-5
- Henryk M. Broder, Segner, Hans-Eckhard (Red.): Terror: der Krieg des 21. Jahrhunderts. Spiegel-Verlag Augstein, Hamburg 2004, ISBN
- Noam Chomsky: The attack: Hintergründe und Folgen. Europa-Verlag, Hamburg 2002 ISBN 3-203-76013-4
- Peter Fuchs: Das System „Terror“: Versuch über eine kommunikative Eskalation der Moderne. transcript Verlag, Bielefeld 2004, ISBN 3-89942-247-3
- Roslyn Fuller: ISAK. Mayer-Scholz, Mammendorf 2005, ISBN 3-86611-075-8
- Mark A. Gabriel: Islam und Terrorismus: Was der Koran wirklich über Christentum, Gewalt und die Ziele des Djihad lehrt. Resch-Verlag, Gräfelfing 2004, ISBN 3-935197-39-X
- David Hamilton, Stephen Lungu, Walid Shoebat: Terror – Wie drei Terroristen aus drei Kontinenten der Ausstieg aus dem Terror-Wahnsinn gelingt. clv, Bielefeld 2004, [http://clv.dyndns.info/pdf/255538.pdf Online-Version] (PDF, 250 kB)
- Peter Heine: Terror in Allahs Namen: Extremistische Kräfte im Islam. Herder, Freiburg im Breisgau 2004, ISBN 3-451-05546-5
- Thomas Hoeps: Arbeit am Widerspruch: „Terrorismus“ in deutschen Romanen und Erzählungen (1837-1992). Thelem bei w.e.b., Dresden 2001, ISBN 3-933592-24-0
- Bruce Hoffman: Terrorismus - der unerklärte Krieg: neue Gefahren politischer Gewalt. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-596-15614-9
- Josef Isensee (Hrsg.): Der Terror, der Staat und das Recht. Duncker und Humblot, Berlin 2004, ISBN 3-428-11127-3
- Heinrich von Kleist: Michael Kohlhaas. [http://gutenberg.spiegel.de/kleist/kohlhaas/kohlhaas.htm (Projekt Gutenberg)], 1810 (ein literarischer Zugang zum Thema)
- Walter Laqueur: Krieg dem Westen: Terrorismus im 21. Jahrhundert. Propyläen, Berlin 2003, ISBN 3-549-07173-6
- Stephen Lungu, Anne Coomes: Der aus dem Schatten trat: vom Bombenleger zum Missionar. Francke, Marburg an der Lahn 2003, ISBN 3-86122-597-2
- Errico Malatesta: Revolutionärer Terror. 1924, [http://www.anarchismus.at/txt4/malatestaterror.htm]
- Georg Meggle (Hrsg.): Terror & der Krieg gegen ihn. Mentis, Paderborn 2003, ISBN 3-89785-381-7
- Maurice Merleau-Ponty: Humanismus und Terror. Hain, Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-445-04744-8 (Athenäums Taschenbuch; 144)
- Dieter Nohlen (Hrsg.): Kleines Lexikon der Politik. Beck, München 2001, ISBN 3-406-45958-7
- Herfried Münkler: Die neuen Kriege. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2002, ISBN 3-499-61653-X
- Goedart Palm, Florian Rötzer (Hrsg.): MedienTerrorKrieg: zum neuen Kriegsparadigma des 21. Jahrhunderts. Heise, Hannover 2002, ISBN 3882291990
- Jürgen Roth: Netzwerke des Terrors. Europa-Verlag, Hamburg 2001, ISBN 3-203-81529-X
- Sebastian Scheerer: Die Zukunft des Terrorismus: drei Szenarien. zu Klampen, Lüneburg 2002, ISBN 3-934920-16-0
- Wolfgang Schluchter (Hrsg.): Fundamentalismus, Terrorismus, Krieg. Velbrück Wiss., Weilerswist 2003, ISBN 3-934730-67-1
- Carl Schmitt: Theorie des Partisanen. Duncker & Humblot, Berlin 1963, ISBN 3-428-08439-X
- Strobe Talbott (Hrsg.): Das Zeitalter des Terrors: Amerika und die Welt nach dem 11. September. Propyläen, München 2002, ISBN 3-549-07159-0
- UN 59th General Assembly: Press Release GA/10314. http://www.un.org/News/Press/docs/2004/ga10314.doc.htm 2004.
- Peter Waldmann: Terrorismus und Bürgerkrieg: der Staat in Bedrängnis. Gerling Akademie Verl., München 2003, ISBN 3-932425-57-X
- Peter Waldmann: Terrorismus: Provokation der Macht. Gerling-Akad.-Verl., München 2001, ISBN 3-932425-09-X
- Werner Weidenfeld (Hrsg.): Herausforderung Terrorismus: die Zukunft der Sicherheit. VS, Verlag für Sozialwiss., Wiesbaden 2004, ISBN 3-531-14171-6
- Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Die Terroristen. Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, Reinbek bei Hamburg 2004, ISBN 3-499-22960-9 (Kriminalroman)
Siehe auch
- Asymmetrische Bedrohung
- Partisan
- Thomas-Theorem
Weblinks
- [http://www.weltpolitik.net/Sachgebiete/Internationale%20Sicherheitspolitik/Problembereiche%20und%20L%F6sungsans%E4tze/Terrorismus/ Kommentare und Analysen zum Terrorismus bei Weltpolitik.net]
- [http://www.uni-kassel.de/fb10/frieden/themen/Terrorismus/Welcome.html Dokumente und Texte zum Terrorismus bei der Arbeitsgemeinschaft Friedensforschung an der Uni-Kassel]
- [http://www.stura.uni-leipzig.de/~farao/gruppen.html Beschreibungen terroristischer und ähnlicher Gruppen der islamischen Welt vom Orientalischen Institut Leipzig]
- [http://www.disaster-management.net/terror_chrono.htm Kurzbeschreibungen terroristischer Aktionen von 1972 bis 2002]
ja:テロリズム
AgentEin Agent (lat. Handelnder) handelt im Auftrag eines anderen für dessen Interessen. Agenten können somit Aufträge von Staaten, Wirtschaftsunternehmen oder Privatpersonen ausführen.
Agenten im Staatsauftrag
Im Staatsauftrag haben Agenten im Unterschied zu Diplomaten einen besonderen, offenen oder verdeckten, häufig einmaligen Auftrag und genießen meist keinen diplomatischen Schutz.
Agenten als Makler
Im Wirtschaftsauftrag ist die Bezeichnung Agent in Deutschland veraltet und durch den Handelsvertreter oder Makler ersetzt. Anders in Österreich und der Schweiz, vgl. ([http://www.admin.ch/ch/d/sr/220/a418a.html. Art. 418 OR]), wo man diese Bezeichnung noch offiziell antrifft (Obligationenrecht des schweizerischen Zivilgesetzbuch).
Im Bereich der Vermittlung künstlerischer Engagements ist der Begriff für berufsmäßige Agenten und deren Büros (= Agenturen) aber auch in Deutschland noch gebräuchlich, ebenso in der Buchbranche, wo ein Literaturagent nicht nur im englischsprachigen Raum zwischen Autor und Verlag vermittelt. Er sucht er einen passenden Verlag, verhandelt, so auf der Frankfurter Buchmesse in einem eigenen Bereich, den nur die Agenten betreten dürfen. Auch Verlagsmitarbeiter sind hier anders als auf anderen grossen Buchmessen wie der wichtigen Lizenz-Buchmesse London, wo sie direkt handeln dürfen, ausgeschlossen.
Seit den 90er Jahren gibt es auch sogenannte Software-Agenten. Dies sind Programme die das Internet nach vorher festgelegten Kriterien durchforsten.
Kognitionswissenschaft
In der AI-Forschung und der neueren Kognitionswissenschaft werden Menschen, Tiere und künstliche Wesen gleichermaßen als Agent bezeichnet. Ein Complete agent ist dabei ein natürliches oder künstliches System, das ständig mit seiner Umwelt interagiert; dabei werden die Sensoren des Agent selbst beeinflusst, während dieser wiederum auf seine Umwelt einwirkt. Bei ihm ist das eigene sensorische System engstens mit dem eigenen motorischen System gekoppelt.
Oft verwendet man in diesem Bereich auch den Begriff des Software-Agenten.
Agenten im Geheimdienst
Schon im Römischen Kaiserreich kannte man den verdeckten Ermittler der obersten Verwaltung, den so genannten agentus in rebus.
Agenten können offen die Interessen ihrer Auftraggeber vertreten (im polizeilichen Umfeld spricht man dann von Detektiv) oder verdeckt arbeiten (Verdeckter Ermittler, V-Mann, Inoffizieller Mitarbeiter, Geheimagent, Spion, Agent provocateur).
- Der Detektiv handelt typischerweise im privaten Auftrag (oder für Unternehmen) und hat ein thematisch eng begrenztes Einsatzgebiet, zu dem er mehr oder weniger regelmäßig Berichte abliefert.
- Der V-Mann (Verbindungsmann) dient der Ausforschung von Gruppen, die als gefährlich eingestuft werden. Er ist einerseits Element des Einsatzgebiets, andererseits wird er als Quelle abgeschöpft.
- Der Spion dient der Beschaffung von Informationen im Ausland. Er ist sinnvollerweise an verantwortlicher Stelle tätig oder hat Zugang zu vertraulichen Unterlagen, die zu kennen seinen Einsatz lohnenswert erscheinen lässt. Die Unterlagen können politische, technische und wirtschaftliche Informationen betreffen. Siehe auch: Spionage (dort befindet sich auch eine ausführliche Agentenliste)
Bekannte Agenten mit Spionageauftrag waren:
- Mata Hari
- Dr. Richard Sorge
- Günter Guillaume
- Werner Mauss
- Victor Ostrovsky
Software-Agent
Als Software-Agent bezeichnet man ein Computerprogramm, das weitgehend unabhängig von Benutzereingriffen arbeitet, es löst Aktionen aufgrund eigener Initiative aus (proaktiv), reagiert auf Änderung der Umgebung (reaktiv), es kommuniziert mit anderen Agenten und lernt aufgrund zuvor getätigter Entscheidungen bzw. Beobachtungen.
Animated Pedagogical Agent
Ein Animated Pedagogical Agent ist eine animierte Computerfigur, die in Software oder auf Webseiten eingebunden werden kann. Ein solcher Agent kann verschiedene Aufgaben übernehmen wie Hilfe geben, durch das Programm führen, lehren, Tipps und Ratschläge geben usw.
Merkmale pädagogischer Agenten können sein: anthropomorphisches Aussehen und menschliche Stimme, Bewegung, Gestik, Mimik u.a. Pädagogischen Agenten wird eine positive Wirkung auf die Motivation z.B. beim Lernen zugeschrieben. Außerdem lenken sie den Lerner, wodurch er sich auf das Wesentliche konzentrieren kann.
Englischer Begriff Agent
Das englische Wort agent wird oft mit Agent übersetzt, kann jedoch auch andere Bedeutungen haben. So ist ein FBI agent eigentlich kein FBI-Agent, sondern ein FBI-Beamter. Ein baking agent ist kein Back-Agent, sondern Backpulver. Agent Orange heißt jenes Giftpulver, mit dem im Vietnamkrieg der Dschungel entlaubt wurde.
Kategorie:Beruf
Kategorie:Nachrichtendienstlicher Begriff
Kategorie:Kognitionswissenschaft
ja:エージェント
StaatsoberhauptDas Staatsoberhaupt steht an der Spitze der staatlichen Ämterhierarchie. Es repräsentiert den Staat nach innen und außen (Im Sinne des Völkerrechts) und bestätigt formal die Ernennung in Staatsämter und die Ausfertigung von Gesetzen. Die Ausgestaltung des Staatsoberhaupt (Auswahl und Funktion) ist zentrales Merkmal der Staatsform.
In einer Monarchie ist das Staatsoberhaupt der Monarch (beispielsweise ein König wie in Großbritannien oder Thailand). In den meisten Monarchien im Commonwealth (Commonwealth Realms) z.B. Australien, Kanada, oder Jamaika, ist das Staatsoberhaupt der König oder die Königin von Großbritannien (siehe Britische Monarchie). Die Funktionen des Staatsoberhaupts werden dann vom jeweiligen Generalgouverneur ausgeübt. Der Generalgouverneur wird vom Monarchen gemäß dem Vorschlag der jeweiligen Regierung ernannt.
In einer präsidialen Republik wird das Staatsoberhaupt Präsident genannt. Beispiel sind der Präsident der USA, Bundespräsident in Deutschland oder Österreich und der französische Staatspräsident (Präsident der Republik).
Einige wenige moderne Staaten kennen kein Staatsoberhaupt. Dazu zählen Japan, die Schweiz und San Marino. Das Schweizer Parlament wählt zyklisch ein Mitglied des Bundesrates zum "Bundespräsidenten". Allerdings ist dieser nur primus inter pares (erster unter gleichen) - lediglich auf internationaler Ebene wird er als Staatsoberhaupt behandelt. Der Tennō (Kaiser) von Japan ist laut Verfassung nur "Symbol des Volkes", nicht Staatsoberhaupt.
Die Funktion von Staatsoberhaupt und Regierungschef können in einem Amt vereint sein. Die USA als Präsidentielles Regierungssystem oder Südafrika sind hierfür Beispiele. Auch die meisten Autokratien besitzen nur ein Amt für beide Funktionen. Die Ministerpräsidenten der deutschen Bundesländer sind auch zugleich Staatsoberhaupt. Die genauen Befugnisse des jeweiligen Staatsoberhaupts können in den verschieden politischen Systemen stark von einander abweichen.
Siehe auch: Staatsform, Parlamentarisches Regierungssystem, Liste der Staatsoberhäupter nach Amtszeiten
Kategorie:Politischer Begriff
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ja:元首
ko:국가 원수
simple:Head of state
zh-min-nan:Kok-ka ê thâu-lâng
Richter
Ein Richter ist Inhaber eines öffentlichen Amtes bei einem Gericht, der Aufgaben der rechtsprechenden Gewalt wahrnimmt. Er trifft als neutrale Person allein oder zusammen mit anderen Richtern in einem Spruchkörper Entscheidungen über konkrete Sachverhalte, zum Beispiel im Zivilprozess in einem Streit zwischen zwei oder mehr Parteien über privatrechtliche Ansprüche, im Strafprozess über die Verurteilung eines Angeklagten oder im Verwaltungsgerichtsprozess über die Rechtmäßigkeit von Verwaltungshandeln, wie z. B. Verwaltungsakten. Dabei soll er unparteiisch die Wahrheit erkennen und Gerechtigkeit üben. Der Richter ist bei seiner Entscheidungsfindung an Gesetze und an die in seinem Land geltende Verfassung gebunden.
In einigen Ländern hat eine Jury aus Geschworenen die Entscheidung über die Schuld zu treffen. Die Aufgabe des Richters ist es dann, die Gesetze zu benennen, unter denen die Verurteilung erfolgt, und das Strafmaß zu bestimmen.
In Großbritannien trägt der Richter noch die Allongeperücke. Diese wird im restlichen Europa seit etwa dem 18. Jh. nicht mehr verwendet.
Richter in Deutschland
In Deutschland ist dem Richter nach Artikel 92 Grundgesetz die rechtsprechende Gewalt anvertraut. Nach Artikel 97 Grundgesetz sind die Richter sachlich und persönlich unabhängig; das heißt, sie sind im Rahmen der rechtsprechenden Tätigkeit keinen Weisungen, nur dem Gesetz unterworfen. Die persönliche Unabhängigkeit bezieht sich nur auf die Berufsrichter; sie können nur unter ganz besonderen Voraussetzungen und gegen ihren Willen nur kraft richterlicher Entscheidung abberufen werden. Berufsrichter kann nur sein, wer die Befähigung zum Richteramt erworben hat. Diese setzt ein rechtswissenschaftliches Studium mit einer ersten Prüfung und einen anschließenden Vorbereitungsdienst mit Abschluss der zweiten Staatsprüfung voraus.
Richter stehen nicht in einem Arbeitsverhältnis, sondern beim Bund oder einem Land in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis eigener Art, dem Richterverhältnis, das in mancher Hinsicht Ähnlichkeiten mit dem Dienstverhältnis eines Beamten hat.
Die Rechtsprechung wird von Berufsrichtern und ehrenamtlichen Richtern ausgeübt.
Berühmte Personen die (auch) als Richter fungierten
- Salomon
- Solon
- Pontius Pilatus
- Francis Bacon
- Thomas More
- E.T.A. Hoffmann
- Thurgood Marshall
- Herbert Rosendorfer
- Roman Herzog
Siehe auch: Einzelrichter, Kollegialgericht
Kategorie:Gerichtsverfassungsrecht
Kategorie:Dienstleistungsberuf
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OberbürgermeisterIn größeren Städten Deutschlands (in kreisfreien Städten, großen Kreisstädten sowie großen selbständigen Städten bzw. großen kreisangehörigen Städten) gibt es nicht nur einen Bürgermeister, sondern einen Oberbürgermeister und einen oder mehrere andere, diesem untergeordnete, für spezielle Themen zuständige Bürgermeister oder Dezernenten. Einzelheiten - wie etwa die Frage, wer den Oberbürgermeister oder die Oberbürgermeisterin wählt - sind je nach Bundesland unterschiedlich und in der jeweiligen Kommunalverfassung geregelt.
Amtierende deutsche Oberbürgermeister
:alphabetisch sortiert - mit eigenem Wikipedia-Eintrag:
A - F
- Frank Baranowski, Gelsenkirchen, seit 2004, SPD
- Pia Beckmann, Würzburg, seit 2002, CSU
- Jens Beutel, Mainz, seit 1997, SPD
- Peter Braun, Germering, seit 1991, SPD
- Charlotte Britz, Saarbrücken, seit 2004, SPD
- Peter Bürgel, Dachau, seit 2002, CSU
- Eberhard David, Bielefeld, seit 1999, CDU
- Peter Demnitz, Hagen, seit 1999, SPD
- Bärbel Dieckmann, Bonn, seit 1994, SPD
- Hildebrand Diehl, Wiesbaden, seit 1997, CDU
- Joachim Erwin, Düsseldorf, seit 1999, CDU
- Hans-Jürgen Fip, Osnabrück, seit 1991, SPD
- Horst Frank, Konstanz, seit 1996, Bündnis 90/Die Grünen
G - R
- Stefan Gieltowski, Rüsselsheim am Main, seit 2000, SPD
- Ivo Gönner, Ulm, seit 1992, SPD
- Gerhard Grandke, Offenbach am Main, seit 1993, SPD
- Gert Hoffmann, Braunschweig, seit 2001, CDU
- Claus Kaminsky, Hanau, seit 2003, SPD
- Arthur König, Greifswald, seit 2001, CDU
- Johann Krieger, Ehingen (Donau), seit 1986, CDU
- Ulrich Kumme , Hildesheim, seit 2002,CDU
- Ernst Küchler, Leverkusen, seit 2004, SPD
- Gerhard Langemeyer, Dortmund, seit 1999, SPD
- Jürgen Linden, Aachen, seit 1989, SPD
- Eva Lohse, Ludwigshafen, seit 2001, CDU
- Ulrich Mädge, Lüneburg, seit 1996, SPD
- Ulrich Maly, Nürnberg, seit 2002, SPD
- Roland Methling, Rostock, seit 2005, parteilos
- Dagmar Mühlenfeld, Mülheim an der Ruhr, seit 2003, SPD
- Joachim Paulick, Görlitz, seit 1. Juli 2005, CDU
- Hans Rampf, Landshut, seit 2005, Mitglied der CSU, Kandidat der Bürger für Landshut
- Wolfgang Reiniger, Essen, seit 1999, CDU
- Peter Röhlinger, Jena, seit 1990, FDP
- Petra Roth, Frankfurt am Main, seit 1995, CDU
- Ingolf Roßberg, Dresden, seit 2001, FDP
S - Z
- Dieter Salomon, Freiburg im Breisgau, seit 2002, Bündnis 90/Die Grünen
- Adolf Sauerland, Duisburg, seit 2004, CDU
- Hans Schaidinger, Regensburg, seit 1996, CSU
- Herbert Schmalstieg, Hannover, seit 1972, SPD
- Rolf Schnellecke, Wolfsburg. seit 2002, CDU
- Fritz Schramma, Köln, seit 2000, CDU
- Hans Schröpf, Weiden in der Oberpfalz, seit 1976, CSU
- Eberhard Schulte-Wissermann, Koblenz, seit 1994, SPD
- Wolfgang Schuster, Stuttgart, seit 1996, CDU
- Bernhard Sterz, Burg bei Magdeburg, seit 1998, SPD
- Michael Theurer, Horb am Neckar, seit 1995, FDP
- Wolfgang Tiefensee, Leipzig, seit 1998, SPD
- Berthold Tillmann, Münster, seit 1999, CDU
- Klaus Tscheuschner, Flensburg, seit 2005, parteilos
- Christian Ude, München, seit 1993, SPD
- Egon Vaupel, Marburg, seit 2005, SPD
- Dietmar Vettermann, Zwickau, seit 2001, CDU
- Angelika Volquartz, Kiel, seit 2003, CDU
- Beate Weber, Heidelberg, seit 1990, SPD
- Bert Wendsche, Radebeul, seit 2001, parteilos
- Paul Wengert, Augsburg, seit 2002, SPD
- Gerhard Widder, Mannheim, seit 1983, SPD
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Kategorie:Kommunalrecht
Kategorie:Liste (Politik)
Kategorie:Liste (Personen)
ReligionAls Religion wird oftmals ein in größeren Bevölkerungsgruppen verankertes System von Vorstellungen über die Existenz von Gegebenheiten jenseits des sinnlich Erfahrbaren, bezeichnet.
Diese in langen Traditionen entstandene Welterklärung bzw. Anleitung zur Lebensbewältigung wird in der westlichen Welt aufgrund christlicher Traditionen häufig mit der Kurzformel "Glaube" zusammengefasst. Hierbei handelt es sich um den zumeist institutionalisierten und organisierten Glauben an eine oder mehrere persönliche oder auch unpersönliche transzendente Wesenheiten, z.B. eine Gottheit, Geister und Ahnen) und/oder Prinzipien (z.B. Dao, Dhamma) und/oder andere Vorstellungen, wie z.B. Nirvana und Jenseits.
Nähere Bestimmung
Allerdings erfasst dieser westliche Ansatz einer Definition mit Hilfe des Begriffs "Glauben" nicht alle Religionen, da dieser Terminus in einigen Religionen nicht oder kaum existiert und damit nicht das eigentliche Merkmal dieser Religion sein kann.
Ein weiteres Problem stellt die Bestimmung einer Gemeinschaft als Religion dar. Einige Religionen beruhen auf philosophischen Systemen, bei anderen ist die politische Orientierung oder die Spiritualität sehr ausgeprägt. Eine klare Abgrenzung ist kaum möglich, Überschneidungen finden sich in nahezu allen Religionen und insbesondere bei der Rezeption durch einzelne Menschen. Den meisten Religionen sind Heilslehren, Symbolsysteme und Rituale zu eigen. Auf diesem Hintergund werden populäre Einteilungen vorgenommen.
Religiöse Vorstellungsbilder weiterzugeben und damit zu vergesellschaften, ist an die Sprachfähigkeit des Menschen gekoppelt und daher so alt wie das Sprachvermögen der Hominiden.
Als Hochreligionen werden meist Christentum, Islam, Judentum, Hinduismus, Buddhismus, Daoismus, Sikhismus, Konfuzianismus, Baha'i und Shinto verstanden (siehe auch Liste der Religionen der Welt).
Mit der wissenschaftlichen Erforschung von Religionen befassen sich insbesondere die Religionswissenschaft/Religionsgeschichte, die Religionssoziologie, die Religionsphänomenologie und die Religionsphilosophie.
Begriff und Etymologie
religio hatte im Lateinischen die unterschiedlichsten Bedeutungen: "Gottesfurcht", "Frömmigkeit", "Heiligkeit", aber auch "Rücksicht", "Bedenken", "Skrupel", "Gewissenhaftigkeit" oder "Aberglaube".
Die weitere Etymologie des Begriffs ist nicht mit Sicherheit geklärt. religare bedeutet im Lateinischen "anbinden, zurückbinden" und auch "festhalten, an etwas festmachen".
Der Begriff religio ist kein Terminus altrömischer Religion. Die frühesten Belege finden sich vielmehr erst in den Komödien des Plautus (ca. 250-184 v. Chr.) und in den politischen Reden des Cato (234-149 v. Chr.).
Nach Cicero (De Natura Deorum 2, 72) geht religio zurück auf relegere, was wörtlich "wieder aufwickeln", im übertragenen Sinn "bedenken, Acht geben" bedeutet. Cicero dachte dabei an den Tempelkult, den es sorgsam zu beachten galt. Lactantius (Divinae Institutiones 4, 28) führt das Wort zurück auf religare: "an-, zurückbinden". Mögliche ursprüngliche Bedeutungen von "Religion" sind demnach "frommes Bedenken" oder die "Rückbindung" an einen von Gläubigen an- bzw. wahrgenommenen universellen göttlichen Ursprung oder an sonstiges Höheres.
Religion und Religiosität
Der Begriff religio bzw. religiosus wurde im Mittelalter vor allem für den Ordensstand benutzt. Diese Bedeutung hat der Begriff bis heute im römisch-katholischen Kirchenrecht. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit waren für das Wort "Religion" die Bezeichnungen fides (Glaube), lex (Gesetz) und secta (Richtung, Partei) gebräuchlich. Der heutige Begriff "Religion" wurde erst nach der Reformation eingeführt. Darunter verstand man zunächst Lehren, die je nach Auffassung, entweder richtig oder falsch sein sollten. In der Aufklärung entwickelte sich dann ein abstrakterer Religionsbegriff, auf den die gegenwärtigen Definitionsansätze zurückgehen.
Im Deutschen sind die Begriffe Religion und Religiosität zu unterscheiden. Der Begriff Religiosität wird seit Ende des 18. Jh. verwendet. Religion bezeichnet demgemäß ein System - also das Äußerliche, Strukturelle, Gemeinschaftliche -, während Religiosität auf das Subjektiv-Individuelle bezogen ist, insbesondere auf das Erleben des Einzelnen.
Begriffliche Problematik
Religiosität
Wichtig bei der Betrachtung der Herkunft des Wortes ist die kritische Beobachtung seiner (ideologischen) Verwendung. Abgesehen von diesen etymologischen Unsicherheiten ist der Terminus auch heute noch problematisch. Mit der europäischen "Entdeckung" bisher in der so genannten Alten Welt unbekannter Kulturen wurde der Begriff auf Sachverhalte angewendet, die zwar Ähnlichkeiten mit dem europäischen Religionskonzept haben (zum Beispiel die Gottesverehrung), in mancher Hinsicht aber auch sehr gegensätzlich sind (zum Beispiel der Ausschließlichkeitsanspruch). Diese Differenz besteht auch zu den östlichen Religionen, was z.B. an den Übersetzungen des Wortes Religion in der jeweiligen Sprache zu erkennen ist.
Eine Folge ist, dass heute zwar viele verschiedene Religionen und Religionsformen bekannt und erforscht sind, jedoch eine auf alle Religionsgemeinschaften und -formen anzuwendende Definition aussteht und wahrscheinlich - wegen der heterogenen Theoriesysteme - auch in Zukunft nicht existieren wird.
Wissenschaftliche Ansätze zur Definition von Religion
Die Religionssoziologie und Religionswissenschaft untersuchen seit ca. 100 Jahren auf empirischer und theoretischer Grundlage Religionen als gesellschaftliche Phänomene. Dabei gibt es unterschiedliche Auffassungen über Definition und Funktion von Religion. In beiden Wissenschaften konnte man sich bisher auf eine wissenschaftliche Definition, die beschreibt, was Erkennungsmerkmale von Religionen sind und wann eine Weltanschauung als Religion bezeichnet wird, nicht einigen. Dennoch gab es vielversprechende Ansätze, an die die weitere Forschung anknüpfen kann.
Religionswissenschaft
Nach Karl Marx u. a. sind Religionen ursprünglich an eine unilaterale gesellschaftliche Praxis gekoppelt. Demnach sind Jäger-, Nomaden- und Ackerbauernreligionen (als Basalreligionen) zu unterscheiden. Nur die Nachfolger der beiden letzteren, mit dem Neolithikum entstandenen Religionen hatten noch wesentlichen Einfluß auf die heutigen Religionen Europas.
Erich Fromm bildete eine weite, sozialpsychologische Definition von Religion als jedes von einer Gruppe geteilte System des Denkens und Handelns, das dem einzelnen einen Rahmen der Orientierung und ein Objekt der Hingabe bietet.
Religionssoziologische Ansätze
- Nach Émile Durkheim, Begründer der Soziologie, trägt Religion zur Festigung sozialer Strukturen aber auch zur Stabilisierung des Einzelnen bei. Sein Religionsbegriff ist somit ein funktionalistischer. Gemäß Durkheim ist die Religion ein solidarisches System, das sich auf Überzeugungen und Praktiken bezieht, die heilige Dinge beinhalten und in einer moralischen Gemeinschaft wie beispielsweise der Kirche, alle vereinen, die dieser angehören. Daraus ergeben sich drei Aspekte von Religion, die Glaubensüberzeugungen (Mythen), die Praktiken (Riten) und die Gemeinschaft, auf die diese bezogen sind. Durkheim bezeichnet unter anderen Faktoren den Glauben als ein Element der Macht, die die Gesellschaft über ihre Mitglieder ausübt.
- Ferdinand Tönnies unterscheidet Ende des 19. Jh. zwischen 'Gesellschaft' und 'Gemeinschaft'. Er betont die sinnstiftende Funktion von Religion als typisch "gemeinschaftlich" und erforscht ihre Symbolsysteme. Religiöse Gemeinschaften - wie andere traditionelle Gemeinschaften - dienen demnach der kulturellen Bindung des Individuums. Sie verlieren zugunsten der Prägung durch die Gesellschaft in der Moderne an Bedeutung für den Einzelnen. Als Kirche, das heißt als Institution, behalten sie jedoch hohen gesellschaftlichen Einfluss. Laut Tönnies ("Geist der Neuzeit") folgt gegenwärtig einem Zeitalter der Gemeinschaft ein Zeitalter der Gesellschaft. Die Funktion der Religion im ersteren werde nunmehr von der öffentlichen Meinung mehr und mehr übernommen.
- Max Weber, der sich Anfang des 20. Jahrhunderts ausführlich mit dem Phänomen "Religion" aus soziologischer Sicht befasste, unterschied zwischen Religion und Magie. Unter Religion versteht er ein dauerhaftes, ethisch fundiertes System mit hauptamtlichen Funktionären, | | |