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AufzugsanlageEine Aufzugsanlage, kurz Aufzug oder Lift genannt, ist eine Anlage, mit der Personen, Fahrzeuge oder Waren in einer beweglichen Kabine, einem Fahrkorb oder auf einer Plattform in vertikaler Richtung zwischen zwei oder mehreren Ebenen transportiert werden können. Der bewegliche Teil wird dabei auf senkrecht verlaufenden Schienen geführt.
Plattform
Plattform
Antriebsarten
Seilaufzug
Plattform
Beim Seilaufzug hängt die Kabine an Tragseilen. Die älteste Form des Seilaufzugs war der Trommelaufzug, bei dem die Seile auf einer Trommel aufgewickelt wurden, ähnlich einer Angelschnur. Die Seile sind mit dem einen Ende fest an der Trommel befestigt. Die ersten Trommelaufzüge wurden in der Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut und von Dampfmaschinen angetrieben. Da die Länge der Seile durch die Größe der Trommel begrenzt ist und sich der Trommelaufzug daher nicht für große Förderhöhen eignet, wurde er zunehmend vom Treibscheibenaufzug verdrängt.
Beim Treibscheibenaufzug werden die Tragseile, die am einen Ende die Kabine und am anderen Ende ein Gegengewicht tragen, über eine angetriebene Rolle (Treibscheibe) geführt. Die Seile sind nicht an der Treibscheibe befestigt, sondern werden durch die Reibung gehalten und bewegt. Außerdem besitzt die Treibscheibe V-förmige Rillen, in die die Seile durch die Zugspannung gepresst werden. Der Vorteil des Treibscheibenaufzugs besteht darin, dass beliebig lange Tragseile verwendet werden können und er sich somit auch für die höchsten Hochhäuser eignet.
Das Treibscheibenprinzip wurde erstmals 1877 vom deutschen Bauingenieur Friedrich Koepe eingesetzt.
Man unterscheidet verschiedene Aufhängungsarten:
Bei der 1:1-Aufhängung ist die Kabine direkt an den Seilenden befestigt. Bei der 2:1-Aufhängung sind die Seilenden an der Decke ( Schachtkopf ) des Aufzugsschachts befestigt, während Kabine und Gegengewicht je mittels einer Umlenkrolle an den Seilen hängen. So wird ein einfacher Flaschenzug erzeugt, mit dem die doppelte Nutzlast (bei halber Geschwindigkeit) gehoben werden kann.
Hydraulischer Aufzug
Bei hydraulischen Aufzügen wird die Kabine durch einen, oder mehrere, Hydraulikkolben bewegt, der gewöhnlich am Boden des Aufzugsschachts vertikal eingebaut ist. Im Gegensatz zu Seilaufzügen eignen sie sich nur für kleinere Förderhöhen. Der Vorteil eines hydraulischen Aufzugs ist, dass der Antrieb (Aggregat mit Motor und Pumpe) nicht zwingend am Aufzugsschacht anliegend sein muss, sondern bei problematischen Platzverhältnissen bis zu 20 m entfernt sein kann. Es reicht eine Hydraulik-Leitung vom Kolben zum Aggregat. Ist die Kabine fest mit dem Kolben verbunden, spricht man von einem direkt hydraulischen Aufzug. Wird die Kraft über Tragseile und Rollen übertragen, wird er als indirekt hydraulischer Aufzug bezeichnet. Beim indirekt hydraulischen Aufzug handelt es sich im Prinzip um einen umgekehrt betriebenen Flaschenzug, bei dem die lose Rolle durch die Hydraulik bewegt wird. Dadurch wird eine größere Förderhöhe und höhere Fahrgeschwindigkeit erreicht, dafür ist nur eine entsprechend kleinere Nutzlast möglich.
Kletteraufzug
Ein Kletteraufzug ist ein selbstfahrender Aufzug mit eigenem Antrieb.
Der Antrieb kann mit einem Elektromotor oder einem Verbrennungsmotor erfolgen.
Kletteraufzüge werden insbesondere in abgespannten Sendemasten oder ähnlichen Konstruktionen installiert, um die Flugsicherheitslampen oder anderen Anlagenteile leichter warten zu können.
- Beispiele für installierte Kletteraufzüge
- Tragmasten der Elbekreuzung 2
- Sendemast des WDR in Velbert-Langenberg
Bau- und Betriebsweisen
Nach der europäischen Harmonisierung ist heute die Europäische Norm EN 81-1 für Seilaufzüge und EN 81-2 für Hydraulikaufzüge maßgebend. Diese Normen gelten in allen EU-Mitgliedsstaaten.
In Deutschland wurden juristisch (Aufzugsverordnung) zwischen folgenden unterschieden:
Lastenaufzug
Ein Lastenaufzug war nach der Betriebssicherheitsverordnung(BetrSichV), ehem. Aufzugsverordnung eine Aufzugsanlage zum Transport von Waren mit/ohne Beförderung von Personen. Voraussetzung war, dass die Personen Arbeitnehmer beim Betreiber der Anlage waren (z. B. Aufzug in der Liegenschaft einer Firma).
Für Lastenaufzüge gab es Erleichterungen hinsichtlich der Bauweise, was auf die Lobbyarbeit beteiligter Kreise zurückzuführen war.
So durfte in der Vergangenheit auf die Fahrkorbtüren verzichtet werden. Nach einigen schweren Unfällen mit teilweise tödlichem Ausgang mussten die Lastenaufzüge zumindest mit Lichtvorhängen als Sicherung nachgerüstet werden.
Neue Lastenaufzüge benötigen nun nach der EN 81 grundsätzlich Fahrkorbtüren.
Güteraufzug
Ein Güteraufzug ist nach der bisherigen deutschen Aufzugsverordnung eine Aufzugsanlage, die ausschließlich zum Transport von Waren ohne die Begleitung von Personen gedacht ist.
Aus diesem Grund dürfen die Güteraufzüge nur von außen herbeigeholt oder bedient werden. In der Kabine darf sich kein Bedientableau befinden.
Personenaufzug
Ein Personenaufzug ist nach der alten, deutschen Aufzugsverordnung eine Aufzugsanlage zur Beförderung von Personen. Ein solcher Aufzug muss in Deutschland eine Fahrkorbtür besitzen, so dass niemand während der Fahrt die Fahrschachtwand berühren kann. Aufzüge sind das sicherste Verkehrsmittel.
Fassadenaufzug
Ein Fassadenaufzug ist eine Sonderform einer Aufzugsanlage und wird an hohen Fassaden von Gebäuden zu Reinigungs- und Wartungszwecken installiert.
Es existieren festmontierte Fassadenaufzüge, ebenso wie mobile.
Weitere Formen
- Bauaufzug
- Baugüteraufzug
- Personenbauaufzug
- Mühlenaufzug
Steuerungskonzepte
Handsteuerung
Bis Mitte des 20. Jahrhundert hinein waren Aufzüge überwiegend handgesteuert (Hebelsteuerung). Ein Aufzugführer wurde mit einer Rufanlage auf Fahrgäste aufmerksam, öffnete und schloss die Türen, bediente einen Fahrschalter und fuhr die Stockwerke auf mündlichen Wunsch an.
Sammelsteuerung
Die Steuerung verfügt über eine Speicherung von Außenrufen und Innenkommandos. Diese werden in der Reihenfolge ihrer Eingabe und der jeweils vorliegenden Fahrtrichtung der Kabine abgearbeitet.
Man unterscheidet zwischen abwärtsammelnd, Zweiknopfsammelsteuerung (Auf- und Ab-sammelnd) und bei Aufzugsgruppen die Gruppensammelsteuerung. Hier kann ebenfalls je nach Ausstattung eine Abwärtssammelsteuerung oder Zweiknopfsammelsteuerung vorliegen.
Nach Eingabe eines Fahrtwunsches über die Außentableaus (Ruf) oder vom Kabinentableau (Kommando) wird in der Vorsteuerung die Richtungsauswahl bestimmt (Ruf ober- oder unterhalb des jeweiligen Kabinenstandortes). Ist die Kabine in Fahrt, hält sie beim nächsten in der Fahrtrichtung liegenden Ruf oder Kommando. Nach Abarbeitung aller in der Fahrtrichtung liegenden Rufe, wechselt die Fahrtrichtung und der nächste Ruf wird abgearbeitet.
Druckknopfsteuerung
im Gegensatz zur Sammelsteuerung wird jeweils nur ein Kommando oder Ruf gespeichert. Kabinenkommandos haben Vorrang vor Aussenrufen. Nach Eingabe eines Kommandos oder Rufes wird dieser gespeichert und blockiert bis zum Ende der Fahrt alle weiteren Eingaben. War bis Anfang der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts Standard in Wohnhausaufzügen. Wird auch heute noch auf Kundenwunsch meist bei Lastenaufzügen verwendet.
Zielauswahlsteuerung
Bei der Zielauswahlsteuerung muss beim Rufen des Aufzugs bereits das Zielstockwerk eingegeben werden. Dies erlaubt der Steuerung ein gezieltes Disponieren und steigert die Kapazität erheblich. Ein System mit Express- und Nahaufzügen kann so flexibler betrieben werden: Der Fahrgast braucht gar nicht mehr zu wissen, welcher Aufzug der Expressaufzug ist, und Einschränkungen wie "Halt nur an jedem 10. Stockwerk" sind nicht nötig.
Sicherheitskonzept
Aufzüge sind aufgrund hoher Sicherheitsanforderungen heute allgemein mit einem Sicherheitssystem versehen, das Abweichungen vom Normalbetrieb, wie z.B. zu hohe Geschwindigkeiten oder gar ein Abstürzen der Aufzugkabine verhindert, selbst wenn alle Tragseile reißen sollten.
So sind die Aufzugkabinen in seilaufgehängten Konstruktionen durch mehrere, üblicherweise drei bis zehn, parallel laufende Seile aufgehängt, die derart dimensioniert sind, dass der Bruch von einem oder gar mehreren Seilen nicht gleich zu einem Bruch des gesamten Seil-Sets führt.
Zur Überwachung der Geschwindigkeit der Aufzugkabine ist ein Geschwindigkeitsbegrenzer vorgesehen. Dieser verhindert, dass die Aufzugkabine eine zulässige Maximalgeschwindigkeit überschreitet. Falls dies, z.B. bei Überladung der Kabine oder Bruch aller Aufzugseile, doch passiert, wird zuerst der Aufzugmotor abgeschaltet und dann eine Fangvorrichtung ausgelöst, mit welcher die Aufzugskabine an einer festen Aufzugstruktur, in der Regel den senkrecht im Aufzugschacht verlaufenden Aufzugführungsschienen, festgeklemmt und damit zum Stillstand gebracht wird.
Der Geschwindigkeitsbegrenzer besteht meistens aus einer Anordnung umfassend eine Seilschlinge, die über Umlenkrollen an der Ober- und Unterseite des Aufzugschachtes läuft und an der Aufzugkabine festgelegt ist. Mit einer Bewegung der Aufzugkabine werden über die Seilschlinge die Umlenkrollen am oberen und unteren Ende des Schachtes in Drehung versetzt. Eine der Umlenkrollen ist mit einer Fliehkraft gesteuerten Anordnung versehen, die auslöst, wenn die Rotationsgeschwindigkeit der Umlenkrolle einen zulässigen Wert überschreitet. Bei Auslösung wird der Aufzugmotor abgeschaltet. Wenn die Geschwindikeit trotzdem weiter zunimmt, wird die Fangvorrichtung ausgelöst. Die Fangvorrichtung besteht üblicherweise aus Backen, die die Aufzugführungsschienen umgreifen und im Falle der Auslösung festklemmen, womit die unzulässig schnelle Fahrt der Aufzugkabine definiert gestoppt wird.
Bei hydraulischen Aufzügen die direkt angelenkt sind, bei denen also keine Seile nötig sind, wird direkt an den Anschluss des Zylinders eine Rohrbruchsicherung eingebaut. Diese verhindert mit einem vorgespannten Rückschlagventil, dass sich die Kabine mit überhöhter Geschwindigkeit in Abwärtsrichtung bewegt.
Sonderbauformen
Mehrkabinenaufzüge (Twin-System)
Seit kurzem gibt es Aufzüge in ansonsten konventioneller Treibscheibentechnik, bei denen zwei Kabinen im selben Schacht verkehren. Die untere Kabine wird dabei von zwei Tragseilen, die seitlich an der oberen Kabine vorbeilaufen, getragen. Durch eine Zielauswahlsteuerung sind dem Leitrechner Start und Ziel jeder Fahrt schon vor Fahrtbeginn bekannt; Kollisionen werden in der Steuerung ausgeschlossen. Gegenüber von zwei Aufzugsanlagen übereinander im selben Schacht hat das System den Vorteil, dass es keine starre Grenze gibt, die von den Kabinen nicht überquert werden kann. Mangels Kreuzungsmöglichkeiten ist es jedoch immer nötig, noch einen konventionellen Aufzug für weite Fahrten zu installieren.
Theoretisch sind nach diesem Prinzip Anlagen auch mit drei oder mehr Kabinen in einem Schacht denkbar.
Doppelstockaufzüge
Doppelstockaufzüge haben zwei fest miteinander verbundene Kabinen und fahren damit immer zwei benachbarte Stockwerke gleichzeitig an. Dabei ist eine flexible Steuerung möglich, aber auch eine paarweise Gruppierung, so dass einer der Aufzüge die ungeraden, ein anderer die geraden Stockwerke verbindet. An Halten mit hohem Fahrgastaufkommen (Eingangshalle oder Sky Lobbies) kann man die Decke aufbrechen und z.B. über Rolltreppen beide Decks des Aufzugs zugänglich machen.
Um den Einsatz von Doppelstockaufzügen in Gebäuden mit unterschiedlichen Stockwerkshöhen zu ermöglichen, gibt es Konstruktionen, bei denen die beiden Kabinen über Schraubenspindeltriebe verbunden sind. Die Steuerung passt dann während der Fahrt den Kabinenabstand an.
Weitere Sonderbauformen
- Paternosteraufzug
- Autoaufzug
- Schrägaufzug (Rolltreppe)
- Schiffshebewerk
Geschichte
Kleinere Warenlifte wurden schon sehr früh dazu benutzt, Waren aus der Küche in die Speisesäle zu transportieren. Erst später wurden auch Personenlifte gebaut.
1853 erfand der US-Amerikaner und Gründer der Otis Elevator Company Elisha Graves Otis den absturzsicheren (dampfgetriebenen) Aufzug. Eine Fangvorrichtung stoppte den Aufzug kurz nachdem das einzige Tragseil durchtrennt wurde. Damit begann der Siegeszug der Wolkenkratzer, deren obere Stockwerke erst durch Aufzüge bequem zu erreichen waren.
1880 wurde von Werner von Siemens der erste elektrische Aufzug in Mannheim vorgestellt.
Die Otis Elevator Company lieferte 1903 die ersten getriebelosen Aufzüge für das Beaver Building in New York und das Majestic Building in Chicago.
Der Aufzug ist das sicherste Massentransportmittel. In 72 Stunden fährt, statistisch gesehen, jeder Mensch auf der Erde einmal Aufzug. Heute wird der Aufzugbau weiter entwickelt, spezielle Anlagen wie Aufzüge ohne Triebwerkraum oder frequenzgeregelte Anlagen verbreiten sich immer mehr.
Verweise auf verwandte Themen
Im Wintersport bezeichnet das Wort Lift auch Anlagen, um Personen schräg aufwärts zu befördern, vor allem den Schlepplift und den Sessellift (Einzel- bis Vierfach-Lift).
Standseilbahnen werden manchmal auch als Schrägaufzug bezeichnet.
Siehe auch
Aufzug, Seilbahn, Skilift, Aufzugsmonteur, Fahrtreppe, Kletteraufzug, Katarinahissen
Kategorie:Bauteil (Erschließung)
Kategorie:Transport & Verkehr
Weblinks
- [http://www.aser.uni-wuppertal.de/prg/lastenaufzug/index.htm Online-Werkzeug zur Gefährdungsbeurteilung von Lastenaufzügen]
- [http://www.vma.de/ Vereinigung mittelständischer Aufzugsunternehmen]
- [http://www.winmos.de/ Ferndiagnosewerkzeug für Aufzüge]
- [http://www.CANwizard.de/ Konfigurationstool für CANopen-Netzwerke in Aufzüge]
- [http://www.CANopen-Lift.org/ Portal der CANopen-Community Lift]
- [http://www.infoline-aufzuege.de Infoline-Aufzüge] - Online-Lexikon mit Basiswissen, Beispielen, Terminen, Adressen, ...
ja:エレベーター
zh-min-nan:Liû-lông
KabineEine Kabine ist ein oft nach allen Seiten geschlosser Raum (bzw. Gehäuse), welcher in der Regel Menschen in Fortbewegungsmitteln oder anderen Situationen umgibt, beispielsweise auf einem Schiff, in einem Flugzeug, in einem Verkehrsluftschiff, einem Aufzug oder bei einer Seilbahn. Hierzu enthalten Kabinen oftmals verglaste Fenster und Türen.
Die Besonderheiten bzw. Herausforderungen von Kabinen liegen aufgrund der beschriebenen Besonderheiten in den Bereichen Sicherheit und Design.
Auch geschlossene Telefonzellen oder -räume werden als Kabinen bezeichnet, ebenso Toilettenabteile. In Umkleidekabinen (z.B. in Schwimmbädern oder Sportstätten) wird die Kleidung gegen die spezielle Sportbekleidung getauscht, in einer Anprobe(kabine) in einem Modegeschäft testet man die zu erwerbenden Textilien auf Passgenauigkeit. Musiker kennen die Übungskabine bei der durch Schalldämmung verhindert wird, dass störender Schall nach draußen tritt.
Unterteilungen von Waggons werden dagegen Abteil genannt.
Siehe auch
- | Zimmer | Raumkabine | Kabinenroller | Sicherheitszelle <
Kategorie:Raum
PlattformEine Plattform bezeichnet
- eine ebene, meist erhöht liegende Fläche (z. B. Aussichtsplattform, Landeplattform),
- verkürzend eine Ölplattform oder Bohrinsel,
- verkürzend als Anglizismus den Bahnsteig
- einen gedachten Ort, über den man Inhalte an ein Publikum bringen kann (z. B. Werbeplattform),
- die Basis eines Kraftfahrzeuges, siehe Plattform (Automobil),
- eine Ablaufumgebung für Software, siehe Plattform (Computer),
- einen Roman des französischen Autors Michel Houellebecq, siehe Plattform (Roman),
- Ein Trägersystem für die Nutzlast eines Satelliten, siehe Satellitenbus.
19. Jahrhundert
Das 19. Jahrhundert begann am 1. Januar 1801 und endete am 31. Dezember 1900. Es gehört zur Epoche der Neuzeit, die um die Jahrhundertwende zum 16. Jahrhundert begonnen hatte.
Neue Organisationsformen: Der Nationalstaat
Fragt man nach den Organisationsformen, danach in welchen Einheiten sich die Menschen wahrnahmen, dann dürfte dies die große Veränderung sein, die mit den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts eintrat: Der Nationalstaat wurde als neue politische Institution aufgebaut. Er forderte neue Themen, neue Bildungssysteme, neue wirtschaftliche Strukturen, eine neue Vorstellung seitens derer, die in ihm lebten: die Bereitschaft, sich als Bürger zu sehen und sich dementsprechend zu organisieren.
Herrschaft geht im 18. Jahrhundert noch von den Herrschaftshäusern und politischen Parteiungen aus, sowie von mächtigen Adeligen, die hinter den Parteiungen stehen. Kriege werden im 18. Jahrhundert dementsprechend wahrgenommen: Regenten wollen sie, und lassen "ihr" Geld in sie fließen. Militärische Niederlagen werden im 18. Jahrhundert nicht als nationale Demütigungen empfunden, sondern als Teil einer von Regenten gestalteten Machtpolitik. Hier entwickelt sich im 19. Jahrhundert eine ganz neue Wahrnehmung. Sie ist vor allem eine Folge der Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege, die von einem ganz neuen Heer getragen werden - einem aus Staatsbürgern zusammengesetzten. Insbesondere Deutschland hat dem französischen Nationalismus zu Beginn des 19. Jahrhunderts wenig entgegenzustellen. Das Heilige Römische Reich ist in Einzelstaaten zersplittert, die von Napoleon gegeneinander ausgespielt werden. Der Reichsverband wird aufgelöst. Deutschlands Intellektuelle fordern in der Reaktion auf die Bedrohung einen Nationalstaat, der erst noch gegründet werden muss, der jedoch auf diesem Weg mit einem ganz neuen Bewusstsein von Staatsbürgerlichkeit ausgestattet wird. Ende des 19. Jahrhunderts sind militärische Niederlagen dann mit enormen nationalen Gesichtsverlusten verbunden. Ein deutsches Heer zieht 1870 durch Frankreich und erzwingt in Versailles, dem traditionelle Ort der von Frankreich ausgehenden Herrschaft ein Eingeständnis der Niederlage, das als nationale Schmach empfunden werden muss (und 1918 eine internationale Gegenantwort, eine verheerende Demütigung Deutschlands nach sich zieht).
Nationale Euphorien, wie sie in der Befreiung Griechenlands von den Türken in den 1820ern und im Einigungsprozess Italiens Mitte des 19. Jahrhunderts aufkommen, bleiben ohne Parallele im 18. Jahrhundert - weder die englische Glorious Revolution von 1688 noch die Französische Revolution waren von vergleichbaren nationalen Sentimenten der Vereinigung begleitet. Europas Intellektuelle wie der Romantiker Lord Byron, der bei einem militärischen Kommando in Griechenland stirbt, entwickeln eine romantische Identifikation mit den neuen nationalen Bewegungen, die vom Volk getragen werden müssen, um zu funktionieren. Authentischer als Politik des 18. Jahrhunderts, echter, den Wurzeln näher, erscheint der neue Nationalismus.
Das 19. Jahrhundert legte hier Grundsteine für Entwicklungen die im 20. neue Ausprägungen und globale Dimensionen gewinnen sollten. Der Faschismus und der Nationalsozialismus des 20. Jahrhunderts werden sich als national-völkischen Bewegungen manifestieren. Hochtechnisierte und hochgerüsteten Staaten werden sich hier in romantischen Rückbesinnungen auf Völkische Ursprünge definieren und Konflikte globaler Dimensionen austragen, die die Welt neu ordnen werden.
Die Nation als von ihrer Wirtschaft lebende Einheit
Entscheidende Bedeutung für die Ausbildung des Nationalstaates gewinnt im Verlauf des 19. Jahrhunderts die Industrialisierung, die ein Ringen um wirtschaftliche Macht zwischen Europas Nationen auslöst. Im 18. Jahrhundert suchen die Regenten Europas nach Möglichkeiten, ihre Staatshaushalte zu sanieren - Staatshaushalte, die im wesentlichen ihre persönlichen familiären Haushalte sind. Geld leihen sie sich von privaten Finanziers, Steuereinnahmen erhöhen sie, soweit dies geht, im besonderen Fall ziehen sie Geld aus der kursierenden Münze. Es geht aus der Sicht der Haushalte des 17. und 18. Jahrhunderts darum, den Abfluss von Edelmetall ins Ausland verhindern. Infrastrukturmaßnahmen, wie die Ansiedlung von Manufakturen, bleiben im 18. Jahrhundert von den Regenten gesteuerte Maßnahmen. Der Kameralismus entwickelt sich als eigene Wissenschaft der wirtschaftlichen Sanierung eines Territoriums durch den Landesherrn.
Mit dem 19. Jahrhundert verändert sich die Sicht auf wirtschaftliche Entwicklungen. Großbritannien wurde als Kolonialmacht und als Land der hier früh einsetzenden Industrialisierung bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zum Wirtschaftsimperium. Amsterdam verlor seine Stellung als zentraler Handelsplatz. London, die Hauptstadt des Commonwealth übernahm diese Position. Die nationale Einigung Deutschlands geschieht am Ende im 19. Jahrhundert maßgeblich in einem Aufholprozess, der auf dem Gebiet des Nationalismus mit Frankreich konkurriert, wirtschaftlich und militärisch jedoch mit dem industrialisierten und hochgerüsteten Großbritannien. Ohne die Industrialisierung, wie sie England leistete, kann das aufstrebende Preußen, die Kernmacht des neuen deutschen Reichs, Großbritannien keine Flotte entgegenstellen, und ohne eine Flotte wird die neue Nation keine Chance haben, noch Kolonien zu akquirieren.
Europas Nationen müssen die Rahmenbedingungen für die Industrialisierung stellen, wollen sie einander gegenüber bestehen.
Der wirtschaftliche Konzentrationsprozess wird von neuen Debatten begleitet: Mit der Auseinandersetzung um den Liberalismus geht es im 19. Jahrhundert um die Kernfrage, ob dem Nationalstaat mehr mit einer staatlich gelenkten Wirtschaft gedient ist, oder damit, dass er seinen Bürgern und ihrer Initiative größte Freiheit lässt. Der Kommunismus gewinnt in der Auseinandersetzung zwischen deutschen Debatten und der Realität des englischen Wirtschaftssystems Mitte des 19. Jahrhunderts seine Programmatik. Er prognostiziert, dass mit der neuen wirtschaftliche Integration die Klasse der Arbeiter eigene Kontur gewinnt - eine Klasse, die am Ende das Ende der Nationalstaaten herbeiführen wird, eine Weltherrschaft der Arbeiterklasse, gestützt auf die Produktion, die letztlich von der Arbeiterklasse ausgehen muss.
Der Sozialismus strebt Kompromisse mit dem Nationalstaat an, soziale Sicherungssysteme, die Massenarmut verhindern und den Staat stabilisieren.
Europas Nationen im Wettbewerb um Kolonien
Der Kolonialismus des 19. Jahrhunderts geht im wesentlichen bis in das 16. und 17. Jahrhundert zurück, er weist jedoch gänzlich neue Züge auf. Spanien und Portugal nutzten ihr Kolonien vordringlich, um Gold aus ihnen zu beziehen - das Edelmetall war von kurzem Profit, der Goldfluss führte zu einem Preisverfall, weniger jedoch zum Aufbau sich selbst erhaltender wirtschaftlicher Strukturen. Einen zweiten Entwicklungsschub leistete der niederländische Kolonialismus des 17. Jahrhunderts, der Amsterdam zum Weltfinanzort machte. Ihn prägte der Zusammenschluss Amsterdamer Kaufleute in Handelsgesellschaften, die die größere Erschließung von Wirtschaftsräumen zwischenfinanzierten. Importiert wurden aus den Kolonien Handelswaren. Der Reichtum der Niederlande resultierte aus dem Zwischenhandel und der Veredelung von Rohstoffen in Manufakturen des Landes.
Was dem niederländischen Kolonialismus fehlte, war die staatliche Deckung, die er in Großbritannien entwickelte. Die Unterwerfung des Mogul-Reichs Mitte des 18. Jahrhunderts mit britischer Militärmacht bedeutet hier am Ende eine Weichenstellung in den Kolonialismus des 19. Jahrhunderts. Private Kapitalgesellschaften bilden das Rückgrat des britischen Kolonialismus. Der Staat deckt sie durch den Aufbau der Nationalbank. In den Kolonien baut der erstarkende Staat Substrukturen seiner selbst auf: Eigene Bildungszentren, eine eigene ständige Armee als Ordnungsmacht, eigene staatliche Strukturen, aus denen im 20. Jahrhundert führende Nationen der Dritten Welt hervorgehen.
Der Wettstreit der Nationen um Kolonien wird im 19. Jahrhundert zum zentralen Thema europäischer nationaler Selbstwahrnehmung. Große Projekte wie der Bau des Sueskanals werden zu Kristallisationspunkten des neuen Bewusstseins. Die eigene, europäische Überlegenheit gegenüber dem kolonialen Raum schafft einen Rassismus, der im 18. Jahrhundert nicht bestand, und ein eigenes Feld der Kulturtheorie, in dem es um die Frage geht, unter welcher Bedingung sich Kulturnationen entwickeln.
Rohstoffe, Energiereserven und Industrie
Innerhalb der einzelnen Länder wird die Industrialisierung und die Erschließung der Kohlevorkommen zum Gegenpol des Kolonialismus. Zu verarbeitende Güter werden importiert, Energiereserven müssen im Land für ihre Verarbeitung erschlossen werden. Die Kohlevorkommen Nord und West Englands, Lothringens und des Rheinlands werden der Reihe nach wirtschaftlich nutzbar gemacht. Großbritannien muss sich Ende des 19. Jahrhunderts der wirtschaftlichen Konkurrenz des erstarkten europäischen Kontinents stellen, bevor die USA im 20. Jahrhundert mit einer eigenen Wirtschaftspolitik und Dank ihrer schieren Marktgröße Europas Nationen überholen.
Die Erfindung der Dampfmaschine geht in das frühe 18. Jahrhundert zurück. Im Zusammenspiel mit der Erschließung neuer Energievorkommen und dem Rohstoffimport aus den Kolonien erlaubt sie den Aufbau des industrialisierten Europas. Europas Landkarte verändert sich im Prozess. Reich waren im 17. und 18. Jahrhundert vor allem die Herrschaftszentren. Mit der Erschließung von Rohstoffvorkommen werden Regionen, die bislang uninteressant waren, als Wirtschaftsstandorte attraktiv. Das Rheinland und der Raum um Lüttich machen hier Karrieren.
Neue Verkehrsmittel und Medien
Mit der Industrialisierung wird die Eisenbahn und die Dampfschifffahrt aufgebaut - beides Erfindungen, die nötig sind, um die flächendeckende Erschließung von Wirtschaftsräumen überhaupt zu durchzuführen. Auf dem Kontinent erlaubte die Eisenbahn Mitte des 19. Jahrhunderts den Transport von Waren, die verarbeitet werden sollen an die Orte, an denen Rohstoffvorkommen die Energiereserven stellen. Zwischen den Kohleabbaugebieten, den industrialisierten Zentren, und den bestehenden Handelsmetropolen entwickeln sich Verkehrsnetze.
Mit der Ausdehnung der wirtschaftlich nutzbaren Fläche wächst die Bevölkerung im 19. Jahrhundert. Zu den neuen Verkehrsmitteln kommt ab Mitte des 19. Jahrhunderts der Aufbau der modernen Telekommunikation. Das erste Transatlantikkabel wird in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelegt. Nachrichten können wenig später mit Lichtgeschwindigkeit weltweit transportiert werden - für den Wettstreit zwischen den USA und Europa, der mit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beginnt, ist das fast die entscheidende Voraussetzung.
Mit den neuen Medien nimmt die staatliche Struktur selbst neue Formen an. Herrschaft bedurfte im Mittelalter immer wieder der persönlichen Präsenz des Regenten, der im Bedarfsfall von Pfalz zu Pfalz reiste, um Herrschaftsansprüche zu vor Ort geltend zu machen. Die frühe Neuzeit erlaubte die zentrale Machtausübung, den Absolutismus als neue Herrschaftsform. Eine zentrale Steuer- und Geldpolitik und eine bis an die Landesgrenzen reichende militärische Präsenz sicherten die neue Herrschaftsform wie die neuen Medien des Informationsmarkts: der Druck machte im 17. Jahrhundert Zeitungen allerorten verfügbar. Noch breiteten sich Nachrichten jedoch mit der Geschwindigkeit des Postverkehrs aus, und dieser Informationsfluss ließ bis in das 19. Jahrhundert kaum beschleunigen.
Die Kommunikation über die Telegrafie erlaubt Mitte des 19. Jahrhunderts die Produktion von Zeitungen und Journalen, in denen weltweit am selben Tag dieselben Nachrichten verfügbar werden. Die Machtausübung zwischen Regierungszentralen und lokalen Behörden gewinnt Intensität. Das Gefühl jederzeit und an jedem Ort des Landes von den Entscheidungen der Regierung betroffen zu sein, von Entscheidungen die ihre Informationen vorort erheben, schafft ein neues Bewusstsein bei den Bürgern von der übergeordneten staatlichen, das gesamte Gebiet erfassenden Einheit.
Bürgertum und Interessenverbände
Die Beziehungen zwischen dem Einzelnen und dem Staat werden im Verlauf des 19. Jahrhunderts in den Nationalstaaten grundlegend neu organisiert. Das 18. Jahrhundert trug noch immer den Traditionen der Ständegesellschaft Rechnung. Privilegien wurden einzelnen Ständen garantiert. In den Städten wurden Berufsgruppen mit Privilegien ausgestattet. Wirtschaftlichem Wachstum waren im 18. Jahrhundert ganz handfeste Grenzen gesetzt: Die meisten Städte Europas waren im 18. Jahrhundert ummauert. Manufakturen mussten vor den Stadtmauern ohne den Schutz errichtet werden, den die Stadt gewährte. In der Stadt wiederum wurden die einzelnen Handelsbefugnisse vom Rat der Stadt verwaltet und nicht vermehrt. Wer im 18. Jahrhundert in einer Stadt ein neues Geschäft aufmachen wollte, musste in eine Familie mit der Gewerbebefugnis seiner Wahl einheiraten oder eine verwaiste Gewerbebefugnis erwerben.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts schleifen die größeren Städte Europas ihre Befestigungsanlagen. Wo die Mauern standen, entstehen Ringstraßen. Wirtschaftliche Ansiedlungen und Villenviertel greifen an den neuen Sternstraßen aus, die die Städte des 19. Jahrhunderts anlegen. Die Voraussetzung dieser Entwicklung war der militärtechnischer Fortschritt: Als sich Städte nicht mehr verteidigen ließen, wurden ihre großen Befestigungsanlagen unnütz, neue Armeen mussten die Landessicherung vornehmen. Mit dem 19. Jahrhundert entwickeln sich die Großstädte Europas zu Wirtschaftszentren.
Zutrittsbedingungen zu den Berufen werden liberalisiert. Neuansiedlungen von Unternehmen werden gefördert. Ein neues Verständnis staatsbürgerlicher Initiative und privaten Unternehmertums ist die Folge. Das Bürgertum, das zur treibenden initiativen Kraft wird, benötigt und schafft neue Organisationsformen. Berufsverbände und ein komplexes Geflecht an Gesellschaften und Interessengruppen, die das wirtschaftliche Leben bestimmen und den kulturellen Austausch prägen.
Nation und Bildung
Eines der wichtigsten Probleme, das die Französische Revolution Europas Nationen hinterließ war das der stabilen sozialen Ordnung. Eigene Ideologien nehmen sich im 19. Jahrhundert der zentralen Frage der sozialen Mobilität und ihrer konfliktfreien Gewährleistung an - der Positivismus, der anfänglich der französische Revolution nahe steht und dann mit dem Liberalismus einhergeht, begründet die Soziologie als Wissenschaft des geregelten und für die Menschheit fruchtbaren Zusammenlebens. Der Sozialismus und der Kommunismus knüpfen weiterreichende politische Forderungen an die Entwicklung der Staaten.
Eine ganz andere Lösung des Problems sozialer Mobilität richtet sich mit den Bildungssystemen ein. Die Nationen Europas garantieren ihren Bürgern - unabhängig von Schicht und Konfession - gleiche Aufstiegschancen. Statt der Revolution einer Klasse, kann das Individuum versuchen, in privater Initiative sich empor zu arbeiten.
Die Chancen dazu muss das Bildungssystem liefern, das allen offen steht. Die Schulpflicht wird eingeführt. Zu sozialer Unruhe führt das neue System dabei gerade nicht: Jeder einzelne kann theoretisch aufsteigen, wenn er den entsprechenden Bildungsweg nimmt. Praktisch haben die finanzstarken Schichten des Bürgertums und des Adels nicht wettzumachende Vorteile, ihren Kindern in den nationalstaatlich organisierten Bildungssytemen die optimalen Startbedingungen zu geben. Arbeiterkinder werden frühzeitig aus der Schulbildung genommen, um für den Familienunterhalt zu sorgen.
Mindestens so wichtig für die soziale Stabilisierung werden die nationalen Diskussionsthemen, die in den Schulunterricht eingeführt werden. Sie sorgen für ein tiefergehendes Klassenbewusstsein. Über Kunst, Literatur und Musik spricht man in den oberen Schichten - gebildet. In den unteren Schichten bietet eine populäre Kultur eigene Diskursgegenstände an mit dem Ergebnis, dass eine Vermischung der Schichten für alle Beteiligten unattraktiv wird. Man teilt die Themen nicht, die in den verschiedenen Schichten interessant sind, sobald man Schichten wechselt.
Kulturnationen und Säkularisation
Die Schulbildung und alle nationalen Debatten blieben im 18. Jahrhundert mit religiösen Themen ausgestattet. Die Religionen stellten entscheidend die Öffentlichkeit her, innerhalb derer Diskussionen stattfinden konnten. Europas Landkarte war nicht nur territorial zersplittert, sie war zudem nach den drei Konfessionen geteilt, ohne das dabei ein einheitliches Muster zustande kam. Die Konflikte zwischen den Nationen deckten sich nicht mit der konfessionellen Landkarte. Konflikte einzelner Nationen mit Interessengruppen, die konfessionell gebunden waren, führten in der Regel darum immer sofort auch Konflikte zwischen den Nationen herbei, die sich für die benachteiligten religiösen Gruppen verantwortlicher fühlten.
Anfang des 19. Jahrhunderts erfasst eine Säkularisations-Welle Kontinentaleuropa. Die Kirche wird dem Staat untergeordnet. Einzelne Territorien wie Bayern und Württemberg überwinden ihre Zersplitterung in kleine isolierten regionale Gebiete durch spektakuläre Aneignungen kirchlichen Besitzes. Eine Verlagerung gesellschaftlicher Debatten muss die Säkularisation absichern. Die Nation muss die Diskussionen dominieren, will sie die Macht der Kirchen zurückdrängen. Sie tut dies indem sie gerade den Schutz der bürgerlichen Freiheiten anbietet.
Der Nationalstaat des 19. Jahrhunderts führt die Gleichberechtigung der Religionen ein, bevor er den Bürgern gänzliche Freiheit des Bekenntnisses einräumt. Von entscheidender Bedeutung wird diese Entwicklung für Europas Juden, die bislang in allen Territorien eine diskriminierte Minderheit waren. Wohl finden sie auch jetzt kaum Zugang zu Positionen in Militär und Politik, doch können sie in Wirtschaft und Bildung zunehmend frei investieren und eine eigene Bedeutung in der Gesellschaft damit entwickeln.
Gegenüber den von der Religion dominierten Debatten kommen neue Debatten- und Bildungsgegenstände auf: Nationaltheater werden in den Städten aufgebaut, um der Nationalliteratur einen Raum zu geben. Auf dem Buchmarkt werden die Veränderungen mit einer Umstrukturierung des Angebots greifbar: Die Buchhandlungen des 18. Jahrhunderts boten überwiegend Theologica - kontroverse Theologica, große Lehrwerke, "praktische" Theologie vom Gebetbuch bis zum religiösen Verhaltensratgeber. Im 19. Jahrhundert verliert die Theologie ihre Marktbedeutung, die Belletristik und in dieser die Nationalliteratur nehmen ihren Platz ein. Zusatzdiskussionen kommen auf: Die Kunstdebatte, die jetzt bildende Kunst zum neuen Gegenstand hat, die ernste Musik, die einen eigenen Konzertbetrieb aufbaut.
Mit beiden Debattenfeldern wird die nationale Literaturdiskussion um zwei internationale Plattformen erweitert. Alle drei großen Debatten werden im Austausch über die "Kultur" zusammengefasst. Die Frage, was eine Kulturnation auszeichnet, beschäftigte Europas Intellektuelle im Blick auf die "unterentwickelten" Länder Afrikas wie im Wettstreit der europäischen Kulturnationen um nationale Identität. Er findet auf dem Gebiet der Kultur seinen Hauptaustragungsort.
Identifizierten sich Großbritannien und Frankreich mit längerer Tradition als Nachfahren Roms, so wählt Deutschland im 19. Jahrhundert einen folgenschweren nationalen Sonderweg. Das Mittelalter wird zur eigenen großen Phase der Nation gemacht. Über das Mittelalter gründet sich die neue Nation auf "germanische" Wurzeln. Als Option war dies bereits in Debatten der Humanisten angelegt. Nun jedoch wird ein spezifischer Nationalcharakter und eine neue Ethik hinzuentwickelt. Deutschland bricht im 19. Jahrhundert mit Idealen des christlichen Humanismus. Das Germanische wird als Gegenkultur aufgebaut, in der das Volk am Ende die Ethik rechtfertigen soll - es wird zur vitalen biologischen Einheit, die die Nation als Organisationsform hervorbringt, und die von der Nation aggressiv gegen Einfluss der Nachbarnationen geschützt werden muss. Von der Romantik geht hier eine Entwicklung in die Philosophie Friedrich Nietzsches, die einen über der Moral stehenden Übermenschen denkbar macht, in den Nationalsozialismus des 20. Jahrhunderts, wo der Übermensch und das Volk rassistische Qualitäten gewinnen gegenüber den "Untermenschen" im Land und "in den slawischen Völkern" des Ostens, deren Unterwerfung und Ausrottung Programm des wirtschaftlich und militärisch modernen Nationalstaates werden - eines Nationalstaats, der die verqueren Traditionsangebote des 19. Jahrhunderts zusammenbringt und der schließlich zum Schutz der "arischen Rasse" schreitet.
Die Literatur, die Kunst und die Musik werden zu Bereichen eines pluralistischen Austauschs
Die Literatur, jetzt definiert als der Bereich der nationalsprachlichen Überlieferung (siehe hierzu eingehender den Artikel Literatur), die Kunst, jetzt definiert als Feld der Dinge, die ob ihrer Ästhetik gewürdigt sein wollen und die Musik werden in Europas Nationen zu privilegierten Debattenfeldern. Die Entwicklung kommt maßgeblich über die Sekundären Diskurse zustande, die sich diesen Produktionen im Feuilleton und an den Schulen und Universitäten annehmen.
Eine Neuordnung des Marktes ist die Folge: Hoch stehen die kulturtragenden national gewürdigten Produktionen, niedrig dagegen eine neue kommerzielle Kultur, die im Verlauf des 19. Jahrhunderts zunehmend auf die Vermarktung gegenüber den unteren Schichten als neuem Massenpublikum abzielt.
Die hohe Produktion der anspruchsvollen Kunst, Literatur und Musik, die die Kunstausstellungen, die Konzertsäle und die Literaturzeitschriften erobert, wird unter der massiven gesellschaftlichen Würdigung, die sie erfährt, mit der Wende ins 19. Jahrhundert zum Austragungsort aller wichtigen Debatten. Staatstragender Kunst steht dabei eine permanente Revolte der Kunst gegen bestehende Moral und Ästhetik gegenüber. Eine übergreifende Debatte begleitet den Weg der Kunst und der Literatur in die gesellschaftsweiten Diskussionen: Die Debatte, wie weit Kunst sich anderen Zwecken zur Verfügung stellen kann, respektive wie stark der Künster auf der Autonomie der Kunst beharren kann, sich ganz seiner Arbeit verpflichtet fühlen darf - einer Arbeit, auf die der sekundäre Diskurs zukommen muss, und die durchaus nicht einfach nach seinen Ansprüchen gebildet wird. Unter dem Motto L’art pour l’art erweitert die als Ästhetizismus ausgewiesene Option das Spektrum bis dahin bestehender Schulen, die zu unterschiedlichen Interessengruppen unterschiedliche Nähe entwickelten - von der staatsragenden Kunst des akademischen Historismus bis zu den Schulen, die die Kunst in den Dienst sozialer Anliegen stellen.
Unterhalb dieser in der hohen Kultur ausgefochtenen Kämpfe entwickelt sich eine breite Produktion, die an kommerziellen Bühnen und im Angebot der Trivialliteratur ein Massenpublikum erobert, bevor dieses mit dem Sport als neuem Ereignislieferanten und einer allgemeinen Massenpresse einen eigenen Status als politische Macht und ganz eigene Medien und in ihnen transportierte Informationen gewinnt.
Wissenschaften
Massiv zeichnen sich die skizzierten Veränderungen im Wissenschaftsbetrieb ab: Bis in das 18. Jahrhundert hinein wurden die Wissenschaften an kirchlichen und landesherrlichen Institutionen unterrichtet. Die Fächer Theologie, Jurisprudenz, Medizin und Philosophie teilten den Wissenschaftsbetrieb unter sich auf. Nationale Akademien der Wissenschaften kamen mit dem 17. Jahrhundert ins Spiel und gaben der "Gelehrtenrepublik" neue Dachstrukturen. Die Naturwissenschaften blieben jedoch bis in das späte 18. Jahrhundert trotz der spektakulären Erkenntnisse seit Galilei und Newton eine Domäne für Liebhaber. Es gibt für sie im 18. Jahrhundert keinen wirtschaftlichen Nutzen und keine Berufe, in denen sie sich auszahlen könnten.
Die Sicht auf die Naturwissenschaften ändert sich im 18. Jahrhundert maßgeblich durch die Leistungen der Royal Society, die als Wissenslieferantin den Aufbau der Kolonien begleitet. Die Verbesserung der Navigation und ihr dienend der Zeitmessung, die Sammlung geographischer Informationen gehören zu den ersten Angeboten der auf die Naturwissenschaften ausgerichteten wissenschaftlichen Gesellschaft.
Verbesserungen landwirtschaftlicher Anbauverfahren, die am Ende wirtschaftliche Profite abwerfen, kommen als Errungenschaft der Wissenschaften im späten 18. Jahrhundert in die Diskussion. Mit der Industrialisierung wird in den Nationen Europas diskutierbar, dass technische Universitäten aufgebaut werden müssen, um Grundlagenwissen zu produzieren. Das alte Gefüge der Wissenschaften wird aufgebrochen:
- Die Naturwissenschaften beliefern die technischen Wissenschaften mit Erkenntnis,
- die Ingenieurwissenschaften greifen in die Praxis aus,
- die Geisteswissenschaften werden aufgebaut, um die großen gesellschaftlichen Debattengegenstände mit hierarchisierbaren Diskussion auszustatten: Die Geschichte, die Literatur, die Kunst, die Musik werden Bereiche des Universitätsbetriebs,
- Sozialwissenschaften kommen im 19. Jahrhundert hinzu, behalten aber einen Außenseiterstatus.
Europa und die Welt
Der Nationalstaat wurde in der größeren Perspektive die Einheit, die die weltweite Expansion mit neuer Koordinationskraft übernehmen konnte. Afrika hatte dem europäischen Konzept ethnische Kulturen entgegenzustellen und wurde am härtesten von der neuen Entwicklung getroffen: Europas Nationen teilten Afrika unter sich auf und schufen eigene Pseudonationen in Afrika: Gebiete, deren Grenzen mit dem Lineal auf der Landkarte gezogen wurden, Gebiete wie sie in Europa Nationen praktisch gewesen wären, die lange in einzelne Machtdomänen zersplittert waren. In Afrika konnten die Nationen ihre eigenen Organisationsstrukturen auf in ihren Augen kaum vorhandene Organisationsstrukturen aufsetzen, ein Problem, das Sprengkraft im 20. Jahrhundert entfaltete, als dieselben künstliche geschaffenen Einheiten in "Unabhängigkeiten" entlassen wurden, die letztlich alles andere als Unabhängigkeit erlaubten.
Anders entfaltete sich der Nationalismus in Asien: Hier traf Europa im 18. Jahrhundert auf politische Einheiten, die ganz wie europäische Einheiten organisiert waren. Das Kaiserreich China schien europäischen Beobachtern überlegen in seiner Organisation, hier hatte man einen vollendet zentral organisierten Staat aufgebaut. Indien schien Europa dagegen unterlegen: das Moghul-Imperium blieb das Projekt einer einzelnen Dynastie, die am Ende in blutigen Erbschaftsquerelen unterging. Großbritannien, Frankreich und Dänemark suchten das Machtvakuum zu nutzen, das sich Mitte des 18. Jahrhunderts in Indien abzeichnete, Großbritannien blieb dabei erfolgreich. Mit dem 19. Jahrhundert und dem Aufbau der europäischen Nationalstaaten errangen diese eine überlegene Organisationsstruktur: die Integration wirtschaftlicher, militärischer Macht unter dem Dach einer zentralen Außenpolitik staatlicher Deckung. Die Nationen Europas handelten am Ende untereinander ihre Machtansprüche aus. Die Länder Asiens mussten den Weg eigener Nationalstaatlichkeit wählen. Japan ging ihn mit der Revolution der 1860er als einzige asiatische Nation erfolgreich mit einer Übernahme politischer Strukturen von Großbritannien und einer Übernahme des Bildungssystems insbesondere von Deutschland. Der Aufbau einer Militärmacht und einer Wirtschaftsmacht folgte mit verheerenden Konsequenzen für die benachbarten asiatischen Nationen.
Die unterlegenen Nationen Asiens gerieten mit dem 20. Jahrhundert in Europas Machtgeschiebe, und gewannen erst hier die Chance, Gegengewichte zur europäischen und amerikanischen Macht als aufsteigende Nationen aufzubauen.
Sich verändernde Wahrnehmungen: Entwicklungen werden ein zentrales Thema
Bestimmte Worte waren dem 18. Jahrhundert weitgehend fremd. Das Wort "Entwicklung" gehört zu ihnen. "Veränderung" ist das Wort, das sich im frühen 18. Jahrhundert überall dort findet, wo man im 19. Jahrhundert Entwicklungsthesen sucht. Eine Veränderung kann in einem Menschen vorgehen, er fasst einen neuen Entschluss, wird von einer neuen Stimmung erfasst, verändert sich von da auf grundlegend. Veränderungen, Revolutionen, sind im 18. Jahrhundert nicht minder in allen historischen Prozessen gesucht. Reiche gehen unter, andere werden gegründet. Man geht im 18. Jahrhundert davon aus, dass Kultur des Entschlusses bedarf. Adam entschied sich, erwachsen auf die Welt gekommen, am ersten Tag seiner Existenz, die Dinge zu benennen und aus einer einfachen Kombination von Vorstellungen die wesentlichen Erfindungen wie Schiffe, Häuser, und Städte zu begründen.
Der historischer Raum war für das 18. Jahrhundert kurz. Auf die Weltschöpfung folgten etwa 1600 Jahre bis zur Sintflut, dann um das Jahr 2300 v. Chr. kam es mit der erneuten Besiedelung der Welt durch die drei Söhne Noahs zum Aufbau der jetzige Kulturräume - 1000 Jahre später war dieses Werk abgeschlossen, die Antike Welt lag so besiedelt vor, wie die ersten antiken Schriftsteller und die Schreiber des Alten Testaments sie wahrnahmen.
Europa rühmte sich seiner Aufklärung gerade da es von einer kurzen Geschichte ausging, die verworrenen langen Regentenreihen mied, mit denen die Chinesen etwa ihre Geschichte ausstatteten. Die Welt müsste, so europäische Aufklärer im 18. Jahrhundert, von antiken Ruinen übersät sein, wäre die Welt älter und schon länger von Menschen besiedelt.
Zur kurzen Weltgeschichte gehört das Individuum, das Kultur jederzeit und aus dem beliebigen Entschluss hervorbringt, ein Indivduum, mit dem das 19. Jahrhundert bricht.
Geschichte als Entwicklungsraum
Die Geschichte der Welt und der Menschheit wird bereits mit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts länger. Versteinerungen, Fossile, erfordern neue geologische Theorien - bislang hatte man sie ohne weiteres als Beweis der Sintflut gesehen. Die Bibel wird im ersten Anlauf durch Auslegungen verteidigt, die den Schöpfungsmythos symbolisch lesen. Aus den einzelnen Tagen werden Jahrtausende der Entwicklung.
Der Zunehmende Kontakt mit außereuropäischen Kulturen macht es Ende des 18. Jahrhunderts denkbar, dass kulturelle Entwicklungen lange menschheitsgeschichtliche Prozesse voraussetzen. Gleichzeitig entwickelt gerade die Romantik des frühen 19. Jahrhunderts eine große Begeisterung für die "Naturvölker", deren eigene Kultur der hohen westlichen Zivilisation in manchen Aspekten plötzlich überlegen scheint.
Das 19. Jahrhundert zeigt sich begeistert von Kulturunterschieden, von der Option, dass gerade sehr lange Entwicklungen zu dem Zivilisationsstand führten, der in Europa herrscht. Die Andersartigkeit der Antike und des Mittelalters werden Untersuchungsgegenstände. Kulturelle Fremdheit wird produziert und im Historismus gegenüber der Vergangenheit in Anschlag gebracht.
Maler des 17. und 18. Jahrhunderts hatten historische Szenen zumeist nur geringfügig mit fremdem Zeitkolorit versehen, der aktuelle Orient inspirierte dabei. Maler des 19. Jahrhunderts entdecken fremde Ästhetiken. Die Gotik wird als eigene Ästhetik konstruiert und von den Romantikern in großen Gemälden inszeniert. Die Antike findet eine neue, archäologische Forschung, in der es um die Rekonstruktion fremder Sitten, und vergangener Formen des Zusammenlebens geht.
Die Sprachwissenschaft des 18. Jahrhunderts kannte keine Sprachentwicklungen, sie ging von Sprüngen und Neuschöpfungen aus. Anders die Sprachwissenschaft, die im 19. Jahrhundert aufkommt und die Entwicklungsgesetze postuliert und untergegangene Sprachstufen wie das Indogermanische rekonstruiert.
Einen tiefen Einschnitt bedeutet für die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts das Aufkommen der Evolutionstheorie und des Darwinismus. Die Abstammung des Menschen vom Affen ist weniger als Bruch mit der biblischen Überlieferung problematisch - von ihr hatte man sich an den entscheidenden Stellen bereits getrennt. Die Verwandtschaft des Menschen mit dem Affen wird vielmehr als provokante Kulturthese wahrgenommen. Sie kratzt am Selbstverständnis, mit dem sich die Menschen in den Nationen
Europas als Kulturträger feiern, bevor ein eigener Rassismus sich von derselben These abspaltet: Die Theorie, die weiße Rasse könnte in der Evolution eine höhere Entwicklungsstufe erreicht haben, als die anderen Rassen der Welt.
Die Zukunft als neues Thema
Die utopischen Entwürfe des 16. und des 17. Jahrhunderts kamen bezeichnenderweise alle ohne die Zukunft als Projektionsfläche aus. Utopia, wie es Thomas Morus entwarf, war ein fiktives Eiland. Großbritannien konnte, den Entschluss vorausgesetzt, sofort einen vergleichbaren Staat einrichten.
Zukunftsprospekte bleiben im 17. und 18. Jahrhundert selten. Die Memoirs of the Twentieth Century mit denen Samuel Madden 1731 sich in der Phantasie der Romanwelt bis in das Jahr 1999 wagt zeichnen eine kaum veränderte Welt des frühen 18. Jahrhunderts. Welche Erfindungen sollten noch kommen, so musste sich der Autor des frühen 18. Jahrhunderts fragen, wo doch alle Erfindungen in jedem Moment möglich waren.
Mit der Ausdehnung der Vergangenheit wird in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Zukunft zum Raum, in dem eine neue Menschheit leben könnte. Louis-Sébastien Mercier wagt sich hier 1770 mit seinem Roman L'An 2440 in eine aufgeklärtere Zukunft, die sich erheblich von der Gegenwart unterscheidet.
Im 19. Jahrhundert kommen technologische Phantasien auf, die Science Fiction entsteht mit Welten, in denen die Wissenschaften und die Technik für ganz neue Formen des Zusammenlebens sorgen.
Politische Richtungen und philosophische Schulen entwickeln ein dem gleichkommendes Interesse an der Zukunft als Raum politischer Zielsetzungen.
Der Positivismus geht im frühen 18. Jahrhundert aus den Erfahrungen der französischen Revolution und den Diskussionen der neuen Naturwissenschaften hervor. Sein Gründer Auguste Comte konzipiert einen Siegeszug der Wissenschaften, der am Ende das menschliche Zusammenleben revolutionieren soll. Die Soziologie wird als Wissenschaft aufgebaut, um das Zusammenleben zu erforschen und Modelle eines bestmöglichen Zusammenlebens zu entwickeln. Der Positivismus selbst wird zum wissenschaftlichen Ersatz der Religionen ausgebaut. Ihn trägt die größere Kulturthese, nach der die Menschheit sich über die Religion zu den Wissenschaften entwickeln muss, die am Ende als Produzenten des Fortschritts das beste Zusammenleben ermöglichen.
Gegenüber dem Positivismus positioniert sich Mitte des 19. Jahrhunderts der Marxismus mit dem Kommunismus. Statt einer fließenden kulturellen Entwicklung fordert er den Bruch, die Weltrevolution, einen Siegeszug der benachteiligten Klassen, die den neuen Lebensstandard des 19. Jahrhunderts als billige austauschbare Arbeitskräfte ermöglichen.
Zukunftsprognosen bestimmen die Debatten des 19. Jahrhunderts neben historischen Entwicklungsthesen, die dieselben Zukunftsprognosen beweisen müssen. Gerade die Zeit, die davon ausgeht, dass alle Entwicklungen langsam verlaufen, produziert im Gegenzug extrem beschleunigte Entwicklungen. Die Welt, wie sie zu Beginn des 19. Jahrhunderts aussah, unterschied sich in vielem nicht von der Welt des Mittelalters - Informationen benötigten ebenso lange auf ihren Wegen durch Europa wie Jahrhunderte zuvor, die Verkehrsmittel waren dieselben, in Dörfern und Städten lebte man ähnlich.
Ende des 19. Jahrhunderts sind Europas Metropolen weitgehend elektrifiziert, Schienennetze verbinden sie miteinander, Informationen werden ohne Zeitverzug elektronisch vermittelt. Reisegeschwindigkeiten sind durch den Zugverkehr verkürzt. Die Dampfschifffahrt verbindet die Kontinente. Die Wirtschaft ist Ende des 19. Jahrhunderts weltweit eng vernetzt. Im 20. Jahrhundert wird sie ihre erste weltweite Katastrophe erleben.
Das Individuum als Entwicklungsraum
Bis in das 18. Jahrhundert war vor allem die Religion für das Individuum und sein Innenleben zuständig. Die Medizin entwickelte grundlegende Theorien zu bestimmten Gemütsverstimmungen, die sie auf Ungleichgewichte im Säftehaushalt zurückbezog. Eine Wissenschaft der Psychologie brachte das 18. Jahrhundert nicht hervor. Sie entsteht in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts durch die Konzeption eines neuen Individuums, das sich durch persönliche Schwächen definiert und "sympathisch", wörtlich attraktiv für Mitgefühl, macht. Attraktivität lag im frühen 18. Jahrhundert in der Bereitschaft, die eigene Reputation zu verteidigen. Im späten 18. Jahrhundert werden zartfühlende Helden attraktiv, die das Verständnis ihrer Umwelt einfordern, deren Schutz verlangen.
Eine eigene Wissenschaft entwickelt sich mit dem neuen Individuum. Sie kümmert sich um dessen Bildung, die nun zur entscheidenden Prämisse späterer Chancen im gemeinen Leben wird. Die Erziehung wird mit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zum zentralen Thema - eine Erziehung, die die Möglichkeiten ausbilden muss, die im Individuum je nach seinen persönlichen Fähigkeiten schlummern.
Für Persönlichkeitsprobleme werden im Verlauf des 19. Jahrhunderts in der Folge eigene Humanwissenschaften zuständig. Die Medizin erforscht persönliche Anlagen. Grundsätzliche Fragen gelten der Asozialität, die womöglich vererbbar ist, zumindest aber Zeichen einer Degeneration sein muss, für die das Individuum oder die Gesellschaft Verantwortung tragen.
Der Strafvollzug wird auf Korrektion ausgerichtet. Die Erziehungsanstalten werden auf die Formung des Menschen verpflichtet. Geistige und körperliche Ertüchtigung werden Themen. Die Abhärtung und Sport kommen in Mode - beides Lebensbereiche die im frühen 18. Jahrhundert noch undenkbar waren.
Das späte 19. und frühe 20. Jahrhundert werden am Ende zur Epoche der modernen Psychologie - der Wissenschaft, die Fehlentwicklungen in Dispositionen und schlecht verarbeiteten Erfahrungen aufspürt. Mit ihr ist der Zustand erreicht, an dem das Individuum der Theorie nach über sich weniger weiß als die neuen Humanwissenschaften, die Daten erheben, klassifizieren, Schädel vermessen, Krankengeschichten sammeln - ein komplexes Inventar an Interaktionen eingerichtet haben, mit denen die Wissenschaften dem Individuum begegnen. Eigene Phantasien setzte das im 18. Jahrhundert frei - von der Frankensteinphantasie bis zur Phantasie der positivistische wohlgeordneten Welt. Neue Phantasien werden dies im 20. Jahrhundert freisetzen: Die von Zwangsstaaten, die dem Individuum keinen eigenen Entwicklungsraum mehr lassen werden.
Ereignisse
Überblick
Den wichtigsten organisatorischen Modernisierungsschub bringt in Frankreich die Französische Revolution. Mit den Napoleonischen Kriegen sehen sich zwei Jahrzehnte später Europas Nationen gezwungen, adäquate Organisationsstrukturen zu entwickeln.
Napoléon Bonaparte verbreitet zu Beginn des 19. Jahrhunderts in seinen Eroberungsfeldzügen die Ideen der Französischen Revolution europaweit Der Code Civil, die bürgerlichen Gesetzesgrundlagen werden in seinem zeitweiligen Herrschaftsbereich ausgebreitet. Trotz seiner letztlichen Niederlage und dem Versuch der europäischen Fürsten, mit der Politik der Restauration nach dem Wiener Kongress von 1815, die bürgerlichen Fortschritte rückgängig zu machen, bleiben die neuen Ideen von nationaler Einheit und liberaleren Rechten in den Gesellschaften Europas, vor allem unter den intellektuellen Eliten festgesetzt.
Der deutsche Sprachraum ist zu Beginn des 19. Jahrhunderts politisch zersplittert. Deutsche Intellektuelle sehen im deutschen Nationalstaat die einzige Option, bürgerliche Freiheiten zu erlangen sowie eine Organisationsstruktur aufzubauen, die sich gegenüber Frankreich und Großbritannien verteidigen kann. Der Nationalstaat unter Führung der Gebildeten scheitert 1849. Die wirtschaftliche Entwicklung lässt in den meisten Territorien zu wünschen übrig. Preußen nutzt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die militärische Vormachtstellung, um die politische Vereinigung von oben herab durchzusetzen. Eine eigene Sozialstaatlichkeit wird unter Bismarck von oben herab eingeführt.
Großbritannien ist seit 1703 vereinigt und verfügt seit der Glorious Revolution über eine funktionale Machtaufteilung zwischen König, Parlament und Parteiensystem. Modernisierungsschübe, wie sie Frankreich nahm, folgen in Großbritannien glimpflich, insbesondere da die wachsende Prosperität Konflikte in der Klassengesellschaft entschärft. Großbritannien kann seine Vorreiterrolle als Wirtschaftsmacht bis an das Ende des Jahrhunderts verteidigen.
Der katholische Mittelmeerraum kam mit der Neuzeit in ein technologisches Hintertreffen gegenüber den nördlicheren Nationen. Das 19. Jahrhundert bringt Griechenland und Italien nationale Bewegungen und den Aufbau moderner staatlicher Strukturen.
Die USA haben 1776 die nationale Unabhängigkeit errungen, bleiben jedoch bis Mitte des 19. Jahrhunderts technologisch rückständig. Hiefür ist sowohl die Sklaverei verantwortlich, die Aufbau einer industrialisierten Gesellschaft lange entbehrlich macht wie die Ausrichtung des Südens auf eine agrarische Produktion. Einen technologischen Schub brachte der Bürgerkrieg Mitte des 19. Jahrhunderts mit sich. Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts steht insbesondere in den Nordstaaten unter dem Zeichen einer wirtschaftlichen Aufholjagd. Der Kapitalismus findet mit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten von Amerika dank der schieren Größe des Wirtschaftsraums, dem Bevölkerungszuwachs (vor allem durch Immigration) und der sehr viel freieren Entwicklungsmöglichkeiten (im gesellschaftlich nicht durch Traditionen gehinderten Kulturraum eine eigene Ausprägung - jene die es den USA im 20. Jahrhundert erlauben sollten die Führungsrolle als Weltmacht zu übernehmen. Eigene Kolonien bauten die USA dabei nicht auf, als zukunftweisend erwies sich dagegen eine Politik gegenüber dem "Hinterhof" der USA - die zweite Erschließung Südamerikas durch amerikanische Konzerne.
Südamerika prosperierte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunehmend durch europäische Emigranten, die die wirtschaftliche Erschließung vorantrieben, bleibt jedoch im der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts hinter Nordamerika zurück.
Afrika und Asien geraten im 19. Jahrhundert in ein epochales Abseits, aus dem Ende des 19. Jahrhunderts allein Japan als zukünftige Wirtschafts- und Militärmacht heraustritt.
Klima
- Die Kleine Eiszeit endet.
- Das Jahr 1816 geht als Jahr ohne Sommer in die Klimageschichte ein: der Ausbruch eines Vulkans in Indonesien im April 1815 hat zur Folge, dass in Nordamerika und Europa im Juli und August Temperaturen unter Null Grad herrschen.
Europa
- Kaiser Napoléon Bonaparte von Frankreich erobert Anfang des 19. Jahrhunderts große Teile Europas. Er reformiert viele Fürstentümer mit dem Code Civil und exportiert damit einige Errungenschaften der französischen Revolution, bis nach dem Scheitern des Russlandfeldzuges sein Niedergang beginnt.
- 1806 endet das Heilige Römische Reich deutscher Nation. Unter der Federführung Napoleons werden die nordwestdeutschen Staaten zum Rheinbund zusammengeschlossen.
- In den Befreiungskriegen werden die napoleonischen Truppen besiegt (Völkerschlacht bei Leipzig). Napoleon wird auf die Mittelmeerinsel Elba verbannt, von wo er 1815 nach Frankreich zurück kehrt und die Macht für kurze Zeit zurück erobert.
- Napoleon wird 1815 in der Schlacht bei Waterloo endgültig besiegt. Als Gefangener Englands wird er auf die Atlantikinsel St. Helena verbannt; der Wiener Kongress leitet die Restaurationszeit ein. (siehe: Metternich, Vormärz, Heilige Allianz, Karlsbader Beschlüsse, Biedermeier)
- Im Wiener Kongress 1815 wird das politische Europa neu geordnet. Die Staaten des vormaligen Heiligen Römischen Reichs in den Grenzen von 1783 mit Ausnahme von Belgien formen den Deutschen Bund als losen Zusammenschluss unabhängiger deutscher Fürstentümer einschließlich der mächtigen Monarchien Preußen und Österreich.
- Auf Initiative Russlands wird im September 1815 zusammen mit Österreich und Preußen die Heilige Allianz gegründet, der sich in kurzer Zeit fast alle europäischen Staaten anschließen. Das Bündnis hat eine europäische Friedensordnung und die Durchsetzung der Restauration in den europäischen Fürstentümern zum Ziel. Es zerfällt erst in Folge des Pariser Friedens von 1856, als nach dem Krimkrieg die Mächtekonstellation in Europa wieder neu geordnet wird.
- Europäer erobern und kolonisieren große Teile von Afrika and Asien.
- Massenauswanderungswellen von Europa in die USA in Folge von Hungersnöten (vor allem in Irland) oder von politischer Unterdrückung und Verfolgung.
- Politische Revolutionen und Verfassungsreformen in Europa beschränken die Monarchien zugunsten demokratischer beziehungsweise liberaler Reformen. (siehe: Julirevolution 1830 in Frankreich, Februarrevolution 1848 in Frankreich, Märzrevolution 1848 in den Staaten des Deutschen Bundes, in Ungarn, Österreich, den italienischen Staaten unter anderem )
- Im Krimkrieg von 1853 bis 1856 versucht Russland gegen das Osmanische Reich seinen Machteinfluss auf das östliche Mittelmeer und den Balkan auszudehnen. Russland unterliegt letztlich gegen die alliierten Armeen der Osmanen, Großbritanniens, Frankreichs und Sardinien-Piemonts beim Kampf um Sewastopol. Durch den Frieden von Paris 1856 zerbricht die Heilige Allianz zwischen Preußen, Österreich und Russland. Die europäische Mächtekonstellation wird neu strukturiert. Preußen erlangt die Dominanz im Deutschen Bund. Österreichs machtpolitischer Einfluss in Europa wird nachhaltig geschwächt, was unter anderem zum Erstarken der italienischen Einigungsbewegung (Risorgimento) unter sardinischer Dominanz führt.
- Nach der Niederlage Frankreichs im deutsch-französischen Krieg und dem Sturz von Kaiser Napoleon III. kommt es in Paris zur ersten proletarisch-sozialistischen Revolution, der Pariser Kommune, die nach kurzer Zeit niedergeschlagen wird.
- 1871 wird in Folge der deutschen Einigungskriege, zuletzt nach dem Sieg des von Preußen dominierten Norddeutschen Bundes über Frankreich das deutsche Kaiserreich unter Kaiser Wilhelm I. als kleindeutsche Variante (ohne Österreich) ausgerufen.
- Der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck schafft mit einem komplexen internationalen Bündnissystem ein europäisches Sicherheitssystem, das einige Jahrzehnte stabil bleibt. Innenpolitisch ist er mit den Sozialistengesetzen und dem Kulturkampf etwas weniger erfolgreich. Den Wahlerfolgen der Sozialdemokraten stellt Bismarck eine für die Zeit relativ moderne Sozialgesetzgebung entgegen.
- 1861 kommt es zur Vereinigung der italienischen Fürstentümer als Königreich Italien unter sardinischer Führung. Viktor Emanuel II. wird zum italienischen König ausgerufen. 1870 kommt es nach der Einnahme Roms und dem Sieg über den Kirchenstaat nach einer über ein halbes Jahrhundert andauernden Epoche verschiedener Aufstände, Revolutionen und Kriege in Italien zur Vollendung der italienischen Einigung (siehe: Risorgimento)
- Karl Marx verfasst 1848 zusammen mit Friedrich Engels das Kommunistische Manifest, das die Arbeiter zur revolutionären Überwindung des Kapitalismus mobilisieren soll. Die Arbeiterbewegung beginnt sich in Arbeitervereinen und Gewerkschaften zu organisieren. Ab Mitte des Jahrhunderts werden am Marxismus orientierte sozialistische und sozialdemokratische Parteien gegründet. (siehe: Kommunistische Partei)
- Briefmarken werden in Großbritannien und bald darauf in vielen anderen Ländern eingeführt.
- Die Inquisition wird in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts beendet. Danach existiert beim Vatikan aber noch bis 1965 die Kongregation des heiligen Offiziums. Dies ist die Nachfolgeinstitution der heiligen Inquisition.
Amerika
- Im mexikanisch-amerikanischen Krieg gewinnen die USA große Teile des heutigen Südwestens der USA zu ihrem Territorium hinzu. Schon vorher hatte Napoleon Louisiana an die USA verkauft. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts erwerben die USA Alaska von Russland.
- In den briti
ReibungReibung ist eine physikalische Kraft, die einer Relativbewegung zwischen zwei sich berührenden Körpern entgegenwirkt. Im weiteren Sinne erfahren auch bewegte Flüssigkeiten und Gase Reibungskräfte.
Reibung gehört zu den unzähligen physikalischen Begriffen, die metaphorisch auch in der Alltagssprache gebraucht werden (es hat eine Reiberei zwischen ihnen gegeben; die Verwaltungsabläufe bringen Reibungsverluste mit sich).
In der Technik schmiert (siehe Schmierung) man Lager, um die Reibung herabzusetzen. Das Fachgebiet heißt Tribologie, ein Teilgebiet des Maschinenbaus.
Überblick
Reibung hängt von Materialeigenschaften der sich reibenden Körper ab; physikalische Aussagen über Reibung sind deshalb weniger allgemein und ungenauer, als man es von anderen physikalischen Gesetzmäßigkeiten gewohnt ist. Die Herleitung der Grundgesetze der Mechanik ist überhaupt nur möglich gewesen, indem man Reibung vernachlässigt hat.
Nichtsdestoweniger ist Reibung eine Grundtatsache unserer Welt: ohne Reibung könnte man sich weder die Schuhe zuknoten, noch Gegenstände mit Nägeln oder Schrauben befestigen.
Schraube
Aussagen zur Reibung können nie für einen Körper oder Stoff allein gemacht werden, dazu betrachtet die Tribologie immer ein sog. Tribosystem, bestehend aus Grundkörper, Gegenkörper, Zwischenstoff und Umgebungsmedium. Bei einem Kugellager ist die Lagerschale der Grundkörper, die Kugeln sind Gegenkörper, das Öl ist der Zwischenstoff und Luft ist das Umgebungsmedium. Es werden die Stoffeigenschaften der Medien, die Stoff- und Formeigenschaften der Körper und die Oberflächeneigenschaften der Körper betrachtet.
Grundlegend ist die Unterscheidung zwischen der Haftreibung und allen übrigen Formen der Reibung; es wird die Meinung vertreten, dass Haftreibung besser gar nicht Reibung genannt werden sollte. Mit Ausnahme der Haftreibung bewirkt jede Reibung Dissipation: sie bremst die Relativbewegung der beteiligten Körper, wandelt mechanische Energie in Wärme um und erzeugt dadurch Entropie.
Bei der Reibung zwischen Festkörperoberflächen unterscheidet man je nach Geometrie zwischen Gleitreibung, Rollreibung, Wälzreibung und Bohrreibung (siehe unten im Artikel). In der Technik verwendet man Schmierung, um die Reibung herabzusetzen; je nachdem, ob die gegeneinander bewegten Flächen durch einen vollständigen oder unvollständigen Flüssigkeitsfilm getrennt sind, kann Flüssigkeitsreibung oder Mischreibung vorliegen.
Wenn ein Schmierstofffilm, eine andere Flüssigkeit oder ein Gas (verallgemeinert: ein Fluid) an einer Festkörperoberfläche entlang strömt, wird diese Strömung durch Reibung behindert: das Fluid wird abgebremst, sofern die Strömung nicht durch eine Druckdifferenz aufrecht erhalten wird. Diese Reibung hängt weniger von der Beschaffenheit der Wand, als vielmehr vom Querschnitt der Strömung ab, denn die Dissipation ist nicht auf die Grenzfläche zwischen Fluid und Wand beschränkt, sondern erfolgt als innere Reibung (Rheologie) zwischen verschiedenen Schichten des Fluids, die je nach Nähe zur Wand unterschiedlich schnell strömen.
Ein relativ zu einem Fluid bewegter Körper erfährt diese Reibung als Strömungswiderstand (eigener Artikel; für Formeln und ausführlichere Information siehe dort). Er erfährt eine Kraft, die seiner Geschwindigkeit v entgegengerichtet ist und die bei laminarer Strömung (Stokesreibung) proportional zu v, bei turbulenter Strömung (Newtonreibung) proportional zu v2 ist. Ein Körper kann gleichzeitig Strömungswiderstand und Festkörperreibung erfahren: zum Energieverbrauch von Autos tragen sowohl die Luftverwirbelung als auch die Rollreibung der Reifen bei.
Durch Reibung entsteht Verschleiß. Es wirken die Verschleißmechanismen Adhäsion, Abrasion, Deformation und Triboxidation.
Reibung zwischen Festkörpern
Das Gleiten eines Festkörpers entlang einem anderen kann einerseits durch molekulare Anziehungskräfte (Adhäsion) der Kontaktflächen oder ihre mechanische Verklammerung (ähnlich dem Feilen) behindert werden.
Allgemeines
Wenn die Relativgeschwindigkeit zwischen Körper 1 und Körper 2 am Kontaktpunkt ungleich Null ist, reiben die Körper an diesem Kontaktpunkt. Für die auf Körper 1 wirkende Reibkraft gilt nach Coulomb
wobei die Normalkraft (senkrecht zur Berührebene am Kontaktpunkt) ist und als Reibbeiwert bezeichnet wird. Für die auf Körper zwei wirkende Reibkraft gilt entsprechend
Die Modellierung der Reibung nach diesem Gesetz ist eine grobe Näherung, wird aber bei technischen Problemen häufig verwendet.
Rollreibung
Rollreibung (oder Rollwiderstand) entsteht, wenn ein Körper auf einer Unterlage rollt. Wenn die Haftreibung zwischen Körper und Unterlage größer ist als die Summe der übrigen im Auflagepunkt auf den Körper wirkenden Kräfte, dann rollt der Körper ohne Schlupf, und es wirkt auf ihn reine Rollreibung; bei Gleitschlupf kommen Gleitreibungsanteile dazu.
Näheres im Artikel Rollwiderstand.
Wälzreibung
Treten Gleit- und Rollreibung gleichzeitig auf, bezeichnet man diese Mischform als Wälzreibung (siehe auch wälzen).
Bohrreibung
Bohrreibung entsteht, wenn sich eine Kugel um die vertikale Achse auf einer horizontalen Ebene dreht. Sie ist ein Gleichgewichtszustand zwischen Reibungswiderstand und Drehmoment T.
Koeffizient der Bohrreibung :
: in cm
Reibung in der Schmierungsstechnik
Festkörperreibung
Bei der Festkörperreibung berühren sich die aufeinander gleitenden Flächen. Dabei werden Oberflächenerhöhungen eingeebnet (Abrieb oder Verschleiß). Bei ungünstiger Werkstoffpaarung und großer Flächenpressung verschweißen die Oberflächen miteinander (Adhäsion). Festkörperreibung tritt beispielsweise auf, wenn kein Schmierstoff verwendet wird, oder die Schmierung versagt.
Mischreibung
Die Mischreibung kann bei unzureichender Schmierung oder zu Beginn der Bewegung zweier Reibpartner mit Schmierung auftreten.
Dabei berühren sich die Gleitflächen punktuell.
Reibungskraft und Verschleiß sind geringer als bei der Festkörperreibung.
Dieser Zustand sollte im Dauerbetrieb vermieden werden, wird aber in der Technik gelegentlich geduldet.
Flüssigkeitsreibung
Die Flüssigkeitsreibung tritt dann auf, wenn sich zwischen den Gleitflächen ein permanenter Schmierfilm bildet. Typische Schmierstoffe sind Öle, Wasser aber auch Gase (siehe Luftlager). Die Gleitflächen sind vollständig voneinander getrennt.
Die entstehende Reibung beruht darauf, dass die Schmierstoffmoleküle aufeinander gleiten. Diese Scherkräfte führen zu einer Temperaturerhöhung des Schmierstoffes. Diese muß auf geeignete Weise abgeführt werden.
Flüssigkeitsreibung ist der gewünschte Zustand in Lagern und Führungen, wenn Dauerhaltbarkeit, hohe Gleitgeschwindigkeit und hohe Belastung benötigt werden.
Der Übergang von der Mischreibung zur Flüssigkeitsreibung wird durch die Stribeck-Kurve dargestellt. Die Flüssigkeitsreibung ist bei laminarer Strömung proportional zur Geschwindigkeit v, bei turbulenter Strömung proportional zu v2.
Innere Reibung
Innere Reibung ist ein Energieverzehr bei Bewegung der Atome bzw. Moleküle eines Stoffes gegeneinander, zum Beispiel bei Strömungen innerhalb eines Öles. Es können äußere Kräfte wie die Schwerkraft auf jedes Flüssigkeitsteilchen wirken und Druckdifferenzen können Beschleunigungen hervorrufen. Reibungskräfte bewirken die Zähigkeit von Materialien bzw. die Viskosität in Flüssigkeiten. Für jedes Flüssigkeitsteilchen müssen sich die äußeren Kräfte, die Druckkräfte, die Reibungskräfte und die Trägheitskräfte das Gleichgewicht halten.
Die innere Reibung ist mit den Mitteln der statistischen Physik einer ganz anderen und ungleich präziseren Beschreibung zugänglich als die Reibung zwischen unsauberen Festkörperoberflächen. Anders als in der Mechanik, in der Reibung so lange wie möglich vernachlässigt wird, ist innere Reibung in der Standardtheorie der Hydrodynamik - den Navier-Stokes-Gleichungen - fest enthalten.
Die Rheologie befasst sich mit Reibung in komplexen Flüssigkeiten, zum Beispiel Polymeren und Dispersionen, zu deren Beschreibung die linearen Navier-Stokes-Gleichungen nicht ausreichen. Nichtlinear ist auch die Reibung, die bei Verformung in Festkörpern auftritt.
Gasreibung
Bei der Gasreibung handelt es sich beispielsweise um den Luftwiderstand eines Fahrzeuges.
Gasreibung wird in einigen Fällen speziell genutzt:
- Fallschirme, damit aus dem freien Fall ein kontrolliertes Sinken wird
- Luftbremsen am Flugzeug, um den Abriss der Strömung zu erzwingen
- Drosseln in Gasleitungen zur Begrenzung der Durchflussmenge
- Erzeugen von Verdichtungswärme, z.B. zur Selbstzündung in Dieselmotoren und Turbinen (untergeordneter Effekt, da die Temperaturerhöhung bei Verdichtung durch Verringerung der Wärmekapazität des Gases entsteht.)
Die Gasreibung ist annähernd proportional zum Quadrat der Strömungsgeschwindigkeit v des Gases.
Siehe auch
- Stick-Slip-Effekt
Literatur
- Gerd Fleischer (Hsg.): Grundlagen zu Reibung und Verschleiß. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig, 1983
Weblinks
- [http://www.physik.uni-muenchen.de/leifiphysik/web_ph09/materialseiten/03_reibung.htm Versuche und Aufgaben zur Reibung]
Kategorie:Technik
Kategorie:Tribologie
Kategorie:Physik
ja:摩擦
ko:마찰력
1877
- 1. Januar: Königin Victoria von Großbritannien wird Kaiserin von Indien
- 9. Mai: Rumänien erhält die Unabhängigkeit.
- 10. Mai: Erdbeben unbekannter Stärke auf Hawaii, USA, 5 Tote. Ein Tsunami trifft Südamerika
- 1. Juli: Das deutsche Patentgesetz tritt in Kraft.
- 6. November: Georg Jennerwein, bayrischer Wildschütz, wird erschossen
- Lord Kelvin gelingt die Verflüssigung von Luft
- Ludwig Boltzmann veröffentlicht seine Arbeit über die Energieverteilung einer Gesamtheit aus N Teilsystemen (Boltzmann-Statistik).
- Giovanni Schiaparelli, Mailand beobachtet auf dem Mars feine Linien „Canali“. Ungenau ins Englische übersetzt, lösen die Marskanäle den Mythos von Marsmenschen aus (Science Fiction ab 1898), aber auch den Bau spezieller Sternwarten (Percival Lowell)
- Asaph Hall entdeckt die beiden Monde des Mars, Phobos und Deimos
- Der Deutsche Schachbund wird gegründet
- Thomas Alva Edison entwickelt den Phonographen
Kultur
- 10. März: Uraufführung der Operette Nanon, die Wirthin vom Goldenen Lamm von Richard Genée am Theater an der Wien in Wien
- 21. März: Uraufführung der Oper Die Folkunger von Edmund Kretschmer in Dresden.
- 27. April: Uraufführung der Oper Le Roi de Lahore von Jules Massenet an der Grand Opéra Paris
- 23. September: Uraufführung der Oper Francesca von Rimini von Hermann Goetz in Mannheim.
- 2. Dezember: Uraufführung der Oper Samson et Dalila (Samson und Dalila) von Camille Saint-Saëns in Weimar
- 8. Dezember: Uraufführung der Oper Heinrich der Löwe von Edmund Kretschmer in Leipzig.
- 4. Januar: Marsden Hartley, US-amerikanischer Maler († 1943)
- 18. Januar: Karl Hans Strobl, Schriftsteller († 1946)
- 22. Januar: Hjalmar Schacht, deutscher Politiker, Minister und Reichsbankpräsident († 1970)
- 29. Januar: Georges Catroux, französischer General und Diplomat († 1969)
- 30. Januar: Sigfús Einarsson, isländischer Komponist († 1939)
- 1. Februar: Thomas Dunhill, englischer Komponist († 1946)
- 7. Februar: Godfrey Harold Hardy, britischer Mathematiker († 1947)
- 8. Februar: Albert Vögler, Manager, deutscher Politiker († 1945)
- 9. Februar: Hermann Föttinger, deutscher Elektroingenieur und Erfinder († 1945)
- 14. Februar: Edmund Landau, deutscher Mathematiker († 1938)
- 15. Februar: Louis Renault, französischer Ingenieur und Mitgründer der Automarke Renault († 1944)
- 16. Februar: Sergej Eduardowitsch Bortkiewicz, russischer Komponist († 1952)
- 17. Februar: André Maginot, französischer Politiker († 1932)
- 19. Februar: Alban Haas, deutscher Theologe und Historiker († 1968)
- 19. Februar: Gabriele Münter, Malerin des Expressionismus († 1962)
- 24. Februar: Rudolph Ganz, Schweizer Komponist, Pianist und Dirigent († 1972)
- 25. Februar: Erich von Hornbostel. österreichischer Musikethnologe († 1935)
- 28. Februar: Emil Teubner, Holzschnitzer und Bildhauer aus dem Erzgebirge († 1958)
- 28. Februar: Rupert Egenberger, deutscher Sonderpädagoge
- 2. März: Luigi Maglione, Kardinal der römisch-katholischen Kirche († 1944)
- 4. März: Alexander Goedicke, russischer Musiker und Komponist († 1957)
- 8. März: Carl Mannich, deutscher Chemiker († 1947)
- 9. März: Emil Abderhalden, Schweizer Physiologe († 1950)
- 12. März: Wilhelm Frick, nationalsozialistischer Politiker und Funktionär († 1946)
- 17. März: Otto Gross, österreichischer Arzt und Revolutionär († 1920)
- 20. März: Tiberiu Brediceanu, rumänischer Komponist († 1968)
- 22. März: Waldemar Mitscherlich, deutscher Staatswissenschaftler († 1961)
- 24. März: Alexei Silytsch Nowikow-Priboi, russischer Schriftsteller († 1944)
- 29. März: Alois Kayser, deutscher Missionar in Nauru († 1944)
- 2. April: Otto Bruchwitz, detscher Pädagoge und Heimatforscher († 1956)
- 4. April: Carl Albert Loosli, Schweizer Schriftsteller und Journalist († 1959)
- 6. April: Karl Tellenbach, Stadtoriginal in Bern († 1931)
- 8. April: Karl Walser, Schweizer Maler, Bühnenbildner und Illustrator († 1943)
- 10. April: Alfred Kubin, österreichischer Grafiker und Buchillustrator († 1959)
- 10. April: Massimo Massimi, Kardinal († 1954)
- 15. April: Georg Kolbe, deutscher Bildhauer († 1947)
- 26. April: Alliott Verdon Roe, britischer Luftfahrtpionier († 1958)
- 30. April: Alice B. Toklas, US-amerikanische Kochbuchautorin († 1967)
- 1. Mai: Otto Palandt, deutscher Jurist und Herausgeber († 1951)
- 5. Mai: Georgi Jakowlewitsch Sedow, russischer Marineleutnant und Polarforscher († 1914)
- 8. Mai: Adolf Meschendörfer, siebenbürgisch-sächsischer Schriftsteller († 1962)
- 27. Mai: Isadora Duncan, US-amerikanische Tänzerin († 1927)
- 3. Juni: Raoul Dufy, französischer Maler († 1953)
- 4. Juni: Heinrich Otto Wieland, deutscher Chemiker († 1957)
- 7. Juni: Charles Glover Barkla, britischer Physiker und Nobelpreisträger († 1944)
- 9. Juni: Rudolf Borchardt, deutscher Schriftsteller, Lyriker und Übersetzer († 1945)
- 12. Juni: Fritz Höger, Architekt († 1949)
- 18. Juni: James Montgomery Flagg, US-amerikanischer Zeichner und Illustrator († 1960)
- 26. Juni: Jan Frizewitsch Fabrizius, Brigadekommandeur der Roten Armee († 1929)
- 2. Juli: Hermann Hesse, deutsch-schweizererischer Schriftsteller († 1962)
- 10. Juli: Hélène Dutrieu, belgische Pilotin († 1961)
- 14. Juli: Karl Illner, österreichischer Flugpionier († 1935)
- 27. Juli: Ernst von Dohnányi, ungarischer Pianist und Komponist († 1960)
- 5. August: Hermann Maas, christlicher Widerstandskämpfer, Theologe († 1970)
- 7. August: Ulrich Salchow, schwedischer Eiskunstläufer († 1949)
- 10. August: Frank Marshall, US-amerikanischer Schachspieler († 1944)
- 10. August: Rudolf Hilferding, deutsch-österreichischer Politiker († 1941)
- 14. August: Friedrich von Bodelschwingh der Jüngere, deutscher Theologe († 1946)
- 27. August: Charles Stewart Rolls, britischer Unternehmer und Mitgründer von Rolls-Royce († 1910)
- 27. August: Ernst Wetter, Schweizer Politiker († 1963)
- 1. September: Francis William Aston, englischer Physiker († 1945)
- 2. September: Frederick Soddy, britischer Chemiker und Nobelpreisträger († 1956)
- 6. September: Buddy Bolden, Trompeter in New Orleans († 1931)
- 11. September: Felix Edmundowitsch Dserschinski, polnischer Chef des KGB-Vorgängers († 1926)
- 13. September: Wilhelm Filchner, deutscher Geophysiker und Forschungsreisender († 1957)
- 25. September: Calles Elías Plutarco, mexikanischer Politiker und Offizier († 1945)
- 25. September: Oswald Bumke, deutscher Psychiater und Neurologe († 1950)
- 15. Oktober: Wilhelm Stockums, Weihbischof in Köln († 1956)
- 19. Oktober: Käte Schaller-Härlin, deutsche Portraitmalerin († 1973)
- 21. Oktober: Oswald Avery, kanadischer Arzt und Begründer der Molekulargenetik († 1955)
- 25. Oktober: Henry Norris Russell, US-amerikanischer Astronom († 1957)
- 25. Oktober: Richard E. Byrd, Entdecker († 1957)
- 30. Oktober: Salman Schocken, Verleger († 1959)
- 1. November: Else Ury, deutsche Schriftstellerin und Kinderbuchautorin († 1943)
- 3. November: Carlos Ibáñez del Campo, chilenischer Militär und Politiker († 1960)
- 9. November: Muhammad Iqbal, Nationaldichter und geistiger Vater Pakistans
- 15. November: William Hope Hodgson, englischer Fantasy-Schriftsteller († 1918)
- 17. November: Isabelle Eberhardt, russisch-schweizerische Entdeckerin und Reiseschriftstellerin († 1904)
- 18. November: Arthur Cecil Pigou, englischer Ökonom († 1959)
- 19. November: Wilhelm Laforet, deutscher Politiker der CSU († 1959)
- 21. November: Sigfrid Karg-Elert, Komponiste († 1933)
- 22. November: Hans Gamper, FC Barcelona Mitbegründer († 1930)
- 24. November: Alben W. Barkley, amerikanischer Senator und US-Vizepräsident († 1956)
- 6. Dezember: Paul Bonatz, deutscher Architekt und Brückenbauer († 1956)
- 7. Dezember: Walter Abbott, britischer Fußballspieler († 1941)
- 18. Dezember: Max Pallenberg, österreichischer Sänger, Schauspieler und Komiker († 1934)
- 25. Dezember: Emil Adamič, slowenischer Komponist († 1936)
- 30. Dezember: Heinrich Hermelink, evangelischer Kirchenhistoriker († 1958)
- 31. Dezember: August Frölich, deutscher Politiker († 1966)
- 1. Januar: Karl Freiherr von Urban, österreichischer Feldmarschallleutnant ( - 1802)
- 2. Januar: Alexander Bain (Uhrmacher), schottischer Erfinder ( - 1811)
- 4. Januar: Cornelius Vanderbilt, einer der reichsten Unternehmer der USA ( - 1794)
- 12. Januar: Wilhelm Hofmeister, deutscher Botaniker und Professor ( - 1824)
- 24. Januar: Johann Christian Poggendorff, deutscher Physiker ( - 1796)
- 8. Februar: Charles Wilkes, US-amerikanischer Marineoffizier und Polarforscher ( - 1798)
- 17. Februar: Salomon Hermann Mosenthal, Dramatiker und Librettist ( - 1821)
- 5. März: Ernst Julius Otto, deutscher Komponist, Chorleiter und Kreuzkantor ( - 180 | | |