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August Hermann Francke

August Hermann Francke

August Hermann Francke (
- 22. März 1663 in Lübeck; † 8. Juni 1727 in Halle an der Saale) war ein deutscher Theologe und Pädagoge. Früh lernte er in Gotha die sozialen Reformmaßnahmen kennen, die Ernst der Fromme betreibt. In Erfurt beginnt er das Studium der Theologie, welches er nach Kiel und Hamburg in Leipzig fortsetzt. Maßgeblichen Einfluss übt auf ihn Philipp Jacob Spener aus.
1687 erlebt er seine mit Glaubenskrise und Neuanfang verbundene Bekehrung. Nachdem er als Wegbereiter des Pietismus, zunächst in Leipzig, dann in Erfurt jeweils mit Unruhen und Ausweisungen begleitet für Aufsehen sorgt, wird er an der Philosophischen Fakultät der Universität Halle Professor für Griechisch und Orientalische Sprachen. Auch hier ist sein Auftreten von heftigen Auseinandersetzungen mit der lutherischen Orthodoxie begleitet. Kontakte zu maßgeblichen Persönlichkeiten (Canstein, dem Militär, bis zum preußischen Herrscherhaus) ermöglichen ihm schließlich 1715 eine Berufung in die Stadt. Die Begründung der Franckeschen Stiftungen stellt sein eigentliches Lebenswerk dar. 1695 begann Francke Kinder in seiner Gemeinde Glaucha zu unterrichten und zu versorgen. Am 18. September 1698 wurde der Grundstein für ein neues Waisenhaus gelegt. Innerhalb von 30 Jahren entstanden Schul- und Wohngebäude, Werkstätten und Gärten. In insgesamt 50jähriger Bautätigkeit wuchs eine Schulstadt heran, in der bis zu 2500 Menschen lebten und an der Konzeption einer christlich inspirierten Gesellschaftsreform arbeiteten. Francke war zunächst auf direkte Spenden für sein Unternehmen angewiesen, vermochte aber durch Publizistik, anstaltseigene Betriebe, fiskalische Privilegien etc. die Einkünfte zu steigern. In seinem Halleschen Unternehmen sah Francke gewissermaßen einen Anfang für eine weltweite "Generalreformation", die er insbesondere durch Missionsprojekte und Bibelanstalten zu fördern suchte. August Hermann Francke starb am 8. Juni 1727 im Alter von 64 Jahren in Halle. Sein Grab und das seiner Familie befindet sich auf dem hallischen Stadtgottesacker. Der Francke-Schüler Johann Julius Hecker gründete 1747 in Berlin die erste praxisorientierte Realschule, war 1748 Begründer des ersten preußischen Lehrerseminars und hatte das Generallandschulreglement vom 12. August 1763 maßgeblich vorbereitet. Das Reglement bildete die Grundlage für die Entwicklung des preußischen Volksschulwesens. August Hermann Niemeyer wird bis heute zweiter Gründer der Franckeschen Stiftungen genannt.

Privatbibliothek

August Hermann Francke war nicht nur Benutzer der "Bibliothek des Waisenhauses", die den Hauptteil der heutigen Bibliothek der Franckeschen Stiftungen ausmacht, sondern besaß selbst eine umfangreiche Privatbibliothek, über die erst seit 2001 Näheres bekannt geworden ist. Ein großer Teil von ihr ging als Erbe an Franckes Sohn Gotthilf August Francke und wurde zusammen mit dessen Privatbibliothek 1770 in Halle an der Saale versteigert.

Literatur


- Reinhard Breymayer: Zum Schicksal der Privatbibliothek August Hermann Franckes. Über den wiedergefundenen Auktionskatalog der Privatbibliothek seines Sohnes Gotthilf August Francke. 3., verbesserte Auflage. Tübingen: Noûs-Verlag Thomas Leon Heck 2002. – 32 S. – ISBN 3-924249-42-3. Franckes Reform- und Programmschrift des Halleschen Pietismus:
- Francke, August Hermann (1704): August Hermann Franckes Schrift über eine Reform des Erziehungs- und Bildungswesens als Ausgangspunkt einer geistlichen und sozialen Neuordnung der Evangelischen Kirche des 18. Jahrhunderts: der Grosse Aufsatz. Mit einer quellenkundlichen Einführung. Hrsg. v. Otto Podczech. Berlin. Akademie 1962.

Weblinks


-
- [http://www.bautz.de/bbkl/f/francke_a_h.shtml Artikel im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon]
- [http://www.franckesche-stiftungen.uni-halle.de/ Franckesche Stiftungen in Halle]
- [http://www.aebs.de Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Bekenntnisschulen - Schulen, die sich auf A. H. Francke beziehen und in einigen Fällen seinen Namen tragen]
- [http://www.ahfs-hamburg.de/ahfs/grundlagen/a_h_francke.htm Ausführlicherer Artikel über Franckes Leben auf der Homepage der August-Hermann-Francke-Schulen Hamburg]
- [http://www.glaubensstimme.de/neuzeit/francke/index.html Texte von August Hermann Francke] Francke, August Hermann Francke, August Hermann Francke, August Hermann Francke, August Hermann Francke, August Hermann Francke, August Hermann Francke, August Hermann Francke, August Hermann Francke, August Hermann

22. März

Der 22. März ist der 81. Tag des Gregorianischen Kalenders (der 82. in Schaltjahren) - somit bleiben 284 Tage bis zum Jahresende.

Ereignisse


- 238 - Gordianus I. und sein Sohn Gordianus II. werden als römischer Kaiser bzw. Mitregent ernannt.
- 1499 - Gefecht am Bruderholz (Schwabenkrieg)
- 1848 - Bestattung der Märzgefallenen in Berlin; zweite Verbeugung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV.
- 1939 - Zweiter Weltkrieg: Truppen der deutschen Wehrmacht besetzen Klaipėda in Litauen.
- 1944 - in Ungarn wird eine deutschfreundliche Regierung unter Döme Sztójay eingesetzt.
- 1945 - Bei der Bombardierung Hildesheims werden der Dom und die historische Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern fast vollständig zerstört.
- 1945 - Die Arabische Liga wird in Kairo zwecks außenpolitischer Zusammenarbeit und friedlicher Beilegung gegenseitiger Konflikte gegründet .
- 1946 - Gründung der „Deutschen Konservativen Partei – Deutschen Rechtspartei“ DKP-DRP als Fusion der „Deutschen Aufbau-Partei“ und der „Deutschen Konservativen Partei“.
- 1962 - Der Grundwehrdienst wird in Deutschland auf 18 Monate verlängert.
- 1965 - Nicolae Ceauşescu wird Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Rumäniens.
- 1966 - Konrad Adenauer gibt den CDU-Parteivorsitz ab
- 1968 - Finnland. Mauno Koivisto wird Ministerpräsident.
- 1974 - Der Bundestag beschließt das Volljährigkeitsalter zum 1. Januar 1975 von 21 auf 18 Jahre herabzusetzen.
- 1993 - Volksrepublik China. Jiang Zemin wird Staatspräsident.
- 1999 - Estland. Mart Laar wird wieder Regierungschef.
- 2001 - Benin. Staatspräsident Mathieu Kérékou wird in seinem Amt bestätigt.
- 2003 - Weltweit werden Friedensdemonstrationen gegen den von den USA und ihren Verbündeten geführten Irak-Krieg abgehalten.
- 2004 - Der Gründer der radikalislamischen Hamas-Bewegung, Scheich Ahmad Jassin, wird am frühen Morgen bei einem Angriff israelischer Kampfhubschrauber in Gaza-Stadt getötet.

Wirtschaft


- 1765 - Das britische Parlament verabschiedet die Stamp Act über die Besteuerung der nordamerikanischen Kolonien.
- 1989 - Das Basler Übereinkommen zur Kontrolle der grenzüberschreitenden Abfallwirtschaft wird in Basel zur Unterzeichnung aufgelegt.

Wissenschaft und Technik


- 1911 - In Kiel läuft die „Kaiser“ als das erstes mit Turbinen angetriebenes Linienschiff der Welt vom Stapel.
- 1935 - Vom Funkturm Berlin wird das erste reguläre Fernsehprogramm der Welt abgestrahlt.

Kultur


- 1836 - Uraufführung der Oper I Briganti von Saverio Mercadante am Théâtre Italien in Paris.
- 1854 - Uraufführung der Oper Die Nibelungen von Heinrich Dorn in Weimar.
- 1963 - In Großbritannien erscheint die erste LP der Beatles: Please Please Me.
- 1994 - Steven Spielbergs Holocaust-Drama „Schindlers Liste“ wird mit sieben Academy Awards ausgezeichnet.

Religion


- 1312 - Papst Klemens V. hebt den Templerorden auf.

Katastrophen


- 1952 - In Frankfurt am Main verunglückt eine DC-6 der KLM während der Landung wegen starken Nebels und heftigem Regen. 42 der 47 Menschen an Bord sterben.
- 1955 - Nahe Honolulu, Hawaii, prallt ein Flugzeug der US Navy gegen die Klippen, wobei alle 66 Personen an Bord sterben.
- 1992 - In New York stürzt eine Fokker F-28 der USAir wegen vereister Tragflächen beim Start ab. Von 51 Menschen an Bord sterben 27.
- 2005 - In dem US Staat Minnesota läuft der Schüler Jeffrey Weise der örtlichen Highschool Amok. Er erschiesst zuhause zuerst seinen Grossvater und dessen Lebensgefährtin, führte danach das Massaker in der Schule weiter. Fazit: 10 Tote, inklusive dem Täter.

Sport


- Ereignisse aus dem Bereich der Formel 1 siehe dort.
- Einträge von Leichtathletik-Weltrekorden s. u. der jeweiligen Disziplin unter Leichtathletik.
- 1986 - Trevor Berbick gewinnt seinen Boxkampf und Weltmeistertitel im Schwergewicht gegen Pinklon Thomas in Las Vegas durch einen Sieg nach Punkten.

Geboren

Las Vegas Las Vegas
- 1212 - Go-Horikawa, 86. Kaiser von Japan
- 1459 - Maximilian I., Kaiser des Heiligen Römischen Reichs
- 1599 - Anton van Dyck, flämischer Maler
- 1609 - Johann II. Kasimir, polnischer König
- 1663 - August Hermann Francke, deutscher Theologe und Sozialpädagoge
- 1688 - Joachim Daniel von Jauch, deutscher Ingenieuroffizier und Architekt
- 1699 - Johann Georg von Langen, deutscher Forst- und Oberjägermeister
- 1720 - Nicolas-Henri Jardin, französischer Architekt
- 1728 - Anton Raphael Mengs, deutscher Maler
- 1750 - Gustav Graf von Schlabrendorf, politischer Schriftsteller
- 1763 - Eva König, Frau von Gotthold Ephraim Lessing
- 1768 - Jean Baptiste Joseph Fourier, französischer Mathematiker und Physiker
- 1785 - Adam Sedgwick, britischer Begründer der modernen Geologie
- 1786 - Joachim Lelewel, polnischer Historiker und Freiheitskämpfer
- 1797 - Wilhelm I., deutscher Kaiser
- 1799 - Friedrich Wilhelm August Argelander, deutscher Astronom
- 1858 - Adolph Hoffmann, Abgeordneter im Reichstag
- 1858 - Hans Meyer (Afrikaforscher), deutscher Geograph und Verleger
- 1863 - Albertine Assor, Mitbegründerin der evangelisch-freikirchlichen Diakonie
- 1868 - Robert Andrews Millikan, US-amerikanischer Physiker und Nobelpreisträger
- 1871 - Franz Adam Beyerlein, deutscher Schriftsteller
- 1873 - Ole Hjellemo, norwegischer Komponist
- 1875 - Hans Grimm, deutscher Schriftsteller und Publizist
- 1877 - Waldemar Mitscherlich, deutscher Staatswissenschaftler
- 1878 - Michel Théato, luxemburgischer Leichtathlet
- 1885 - Eugen Fürst zu Oettingen-Wallerstein, deutscher Politiker
- 1887 - Chico Marx, US-amerikanischer Schapieler und Komiker
- 1903 - Jochen Klepper, deutscher Erzähler
- 1908 - Hernando Téllez, kolumbianischer Schriftsteller
- 1909 - Nathan Rosen, amerikanisch-israelischer Physiker
- 1911 - Blue Barron, US-amerikanischer Bandleader
- 1912 - Karl Malden, US-amerikanischer Schauspieler
- 1912 - Agnes Martin, US-amerikanische Künstlerin
- 1912 - Martha Mödl, deutsche Opernsängerin (Sopran)
- 1921 - Johnny Bruck, deutscher Zeichner und Photolithograph
- 1921 - Nino Manfredi, italienischer Schauspieler
- 1923 - Marcel Marceau, französischer Pantomime
- 1925 - Wolfgang Bächler, deutscher Schriftsteller (Gruppe 47)
- 1928 - Käte Jaenicke, deutsche Schauspielerin
- 1930 - Stephen Sondheim, US-amerikanischer Musicalkomponist und -texter
- 1931 - Burton Richter, US-amerikanischer Physiker und Nobelpreisträger
- 1931 - William Shatner, kanadischer Schauspieler und Autor
- 1933 - Eveline Hasler, schweizerische Schriftstellerin
- 1936 - Ria Keel-Traber, schweizerische Textilkünstlerin
- 1936 - Roger Whittaker, kenianischer Sänger
- 1937 - Armin Hary, deutscher Leichtathlet und Olympiasieger
- 1937 - Johnny Fergson, US-amerikanischer Sänger
- 1937 - Angelo Badalamenti, Komponist für Fernsehserien
- 1941 - Bruno Ganz, schweizerischer Schauspieler
- 1942 - Bernd Herzsprung, deutscher Schauspieler
- 1943 - George Benson, US-amerikanischer Jazz-Gitarrist und Sänger
- 1943 - Keith Relf, britischer Musiker
- 1944 - Jeremy Clyde, britischer Musiker
- 1944 - Tony McPhee, britischer Musiker
- 1945 - Chuck Jackson, US-amerikanischer Sänger
- 1947 - André Heller, österreichischer Sänger, Autor und Aktionskünstler
- 1947 - Harry Vanda, niederländischer Musiker
- 1947 - Jelena Hoffmann, SPD-MdB seit 1994
- 1947 - Patrick Olive, britischer Musiker
- 1948 - Andrew Lloyd Webber, britischer Musiker und Komponist
- 1948 - Bernard Dietz, deutscher Fußballspieler
- 1948 - Randy Hobbs, britischer Musiker
- 1949 - Fanny Ardant, französische Schauspielerin
- 1950 - Goran Bregovic, bosnischer Musiker
- 1950 - Hugo Egon Balder, deutscher Schauspieler und Kabarettist
- 1952 - Francesco Clemente, italienischer Maler
- 1952 - Janez Potočnik, slowenischer Politiker und EU-Kommissar
- 1954 - Ute Schäfer, deutsche SPD-Politikerin, Ministerin in NRW
- 1955 - Andreas Hauffe, deutscher Autor
- 1960 - Annette Ramelsberger, deutsche Journalistin
- 1961 - Hubert Kah, deutscher Musiker und Produzent
- 1961 - Ingolf Roßberg, Oberbürgermeister von Dresden
- 1967 - Jan Udo Holey, deutscher Autor
- 1967 - Mario Cipollini, italienischer Radrennfahrer
- 1970 - Hwang Young-Cho, koreanischern Marathonläufer
- 1970 - Leontien Zijlaard-van Moorsel, niederländische Radrennfahrerin und Olympiasiegerin
- 1970 - Mariah Carey, US-amerikanische Sängerin
- 1976 - Reese Witherspoon, US-amerikanische Schauspielerin
- 1978 - Heinz Winckler, südafrikanischer Sänger
- 1979 - Silvano Beltrametti, schweizerischer Ex-Skirennläufer
- 1981 - Imre Szabics, ungarischer Fußballspieler

Gestorben


- 1081 - Boleslaw II., König von Polen
- 1471 - Georg von Podiebrad, König von Böhmen
- 1540 - Hans Kohlhase, Bürger und Kaufmann in Cölln an der Spree (heute Berlin)
- 1687 - Jean-Baptiste Lully, italienischer Komponist
- 1758 - Jonathan Edwards, US-amerikanischer Prediger
- 1767 - Johann Peter Süßmilch, deutscher Pfarrer und Statistiker
- 1772 - John Canton, englischer Physiker
- 1777 - Maxim Sosontowitsch Beresowski, russischer Komponist
- 1832 - Johann Wolfgang von Goethe, deutscher Dichter und Naturwissenschaftler
- 1851 - Göran Wahlenberg, schwedischer Botaniker
- 1852 - Sir John Harvey, britischer General und Kolonialadministrator
- 1874 - Richard Brenner, deutscher Afrikaforscher
- 1880 - Anton von Stabel, Regierungschef, Justiz- und Außenminister in Baden
- 1916 - Ferdinand Fellner d. J., österreichischer Architekt
- 1925 - Julian Balthasar Marchlewski, Politiker und Mitgründer des Spartakusbundes
- 1929 - Anton Beer-Walbrunn, deutscher Komponist
- 1931 - Hermann Kutter, bedeutender evangelischer Theologe in der Schweiz
- 1935 - Alexander Moissi, österreichischer Schauspieler
- 1946 - Clemens August Graf von Galen, deutscher Bischof und Kardinal
- 1951 - Peter August Böckstiegel, Maler
- 1951 - Willem Mengelberg, niederländischer Dirigent
- 1952 - Uncle Dave Macon, US-amerikanischer Country-Musiker
- 1963 - Cilly Aussem, deutsche Tennisspielerin
- 1965 - Wilhelm Schapp, deutscher Philosoph und Jurist
- 1969 - Ernst Deutsch, deutscher Schauspieler
- 1969 - Gerhard Fritsch, österreichischer Schriftsteller
- 1974 - Edward Molyneux, französischer Modedesigner
- 1974 - Roland Rohlfs, Testpilot
- 1975 - Paul Verhoeven, deutscher Schauspieler, Regisseur und Theaterdirektor
- 1976 - Hans Thirring, österreichischer Physiker
- 1979 - Paul Nevermann, deutscher Jurist und Politiker, Bürgermeister von Hamburg
- 1986 - Mark Dinning, US-amerikanischer Sänger
- 1986 - Michele Sindona, italienischer Rechtsanwalt und Bankier
- 1993 - Gret Palucca, deutsche Tänzerin und Tanzpädagogin
- 1995 - Henri Xhonneux, belgischer Filmemacher
- 2000 - Max Epstein, US-amerikanischer Klezmer-Musiker
- 2001 - Sabiha Gökçen, Kampfpilotin
- 2001 - William Hanna, US-amerikanischer Zeichentrickfilmer und Produzent
- 2002 - Rudolf Baumgartner, Schweizer Violinist und Dirigent
- 2003 - Gordian Troeller, luxemburgischer Dokumentarfilmer
- 2003 - Harry Fisher, Interbrigadist im spanischen Bürgerkrieg und Friedensaktivist
- 2004 - Ahmad Jassin, führenden Begründer der militanten Hamas
- 2005 - Josefine Hawelka, Wiener Kaffeehauselegende
- 2005 - Kenzo Tange, japanischer Architekt
- 2005 - Jeffrey Weise, amerikanischer Amokläufer

Feier- und Gedenktage


- Weltwassertag (UNO)

Siehe auch


- 21. März - 23. März
- 22. Februar - 22. April
- Historische Jahrestage - Zeitskala - Osterdatum
- Wikipedia:Glaskugel - Wikipedia:Formatvorlage Tag 0322 ja:3月22日 ko:3월 22일 simple:March 22 th:22 มีนาคม

Lübeck

Die Hansestadt Lübeck (regional [], sonst []; Adj. auch lübsch; dän. Lybæk, ital. Lubecca, poln. Lubeka, finn. Lyypekki) ist eine kreisfreie Stadt im Norden Deutschlands und im Südosten Schleswig-Holsteins an der Ostsee (Lübecker Bucht). Sie hat nach der Landeshauptstadt Kiel die meisten Einwohner und ist eines der drei Oberzentren des Landes. Flächenmäßig ist sie die größte Stadt in Schleswig-Holstein. Die aus dem Mittelalter erhaltene Altstadt ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Nächstgrößere Städte sind Hamburg etwa 58 km südwestlich, Kiel etwa 63 km nordwestlich und Schwerin etwa 54 km südöstlich. Die Einwohnerzahl überschritt im Jahr 1911 die Grenze von 100.000, wodurch Lübeck zur Großstadt im modernen Sinne wurde. Lübeck grenzt unmittelbar an die Europäische Metropolregion Hamburg an. Lübecks Selbstwertgefühl definiert sich am besten als das „Tor zum Norden“.

Geografie

Bilder rechts: Lübeck vom Turm der St.-Petri-Kirche aus gesehen Metropolregion Hamburg Metropolregion Hamburg Metropolregion Hamburg Metropolregion Hamburg Metropolregion Hamburg Metropolregion Hamburg Metropolregion Hamburg Metropolregion Hamburg Die Stadt liegt an der unteren Trave, einem schiffbaren Fluss, der in Richtung Nordosten das Stadtgebiet durchfließt und etwa 17km von der Altstadt entfernt im Stadtteil Travemünde in die Ostsee (Lübecker Bucht) fließt. Die Altstadt liegt auf einem mäßigen Hügel, der einen Werder zwischen den Wasserläufen der Trave und der hineinmündenden Wakenitz bildet. Ferner durchzieht der Elbe-Lübeck-Kanal das Stadtgebiet von Krummesse bis zur Trave. Lübeck ist eine bedeutende Hafenstadt mit Fährverbindungen nach Skandinavien, Finnland, Russland und in das Baltikum.

Nachbargemeinden

Folgende Gemeinden, benannt nach dem Uhrzeigersinn beginnend im Osten, grenzen an die Stadt Lübeck. Sie gehören mit Ausnahme von drei Gemeinden, die in Mecklenburg-Vorpommern liegen, alle zu Schleswig-Holstein.
- Landkreis Nordwestmecklenburg in Mecklenburg-Vorpommern: Stadt Dassow (Ortsteil Pötenitz), Selmsdorf und Lüdersdorf (alle Amt Schönberger Land)
- Kreis Herzogtum Lauenburg: Groß Grönau und Groß Sarau (beide Amt Ratzeburg-Land), Klempau, Krummesse, Rondeshagen und Bliestorf (alle Amt Berkenthin) sowie Groß Schenkenberg (Amt Sandesneben)
- Kreis Stormarn: Klein Wesenberg, Wesenberg, Hamberge, Badendorf, Heilshoop und Mönkhagen (alle Amt Nordstormarn)
- Kreis Ostholstein: Stockelsdorf (amtsfreie Gemeinde), Bad Schwartau (amtsfreie Stadt) sowie Ratekau und Timmendorfer Strand (beides amtsfreie Gemeinden) Die Kreise Herzogtum Lauenburg und Stormarn gehören bereits zur Europäischen Metropolregion Hamburg. Lübeck als Oberzentrum bildet aus Sicht der Raumordnung mit Stockelsdorf, Bad Schwartau, Ratekau und Groß Grönau eine Agglomeration, auch in den mecklenburgischen Nachbargemeinden entwickelt sich durch das Fördergefälle ein Speckgürtel. In den Gemeinden der Konglomeration wohnen in etwa weitere 70.000 Einwohner, so dass der Ballungsraum Lübeck in etwa 283.000 Einwohner hat.

Stadtgliederung

Das Stadtgebiet Lübecks ist in 10 Stadtteile eingeteilt. Diese wiederum sind in insgesamt 35 Stadtbezirke gegliedert. Die 10 Stadtteile mit ihrer amtlichen Nummern, ihren zugehörigen Stadtbezirken und den Einwohnerzahlen der Stadtteile:
- 01 Innenstadt (etwa 12.000 Einwohner)
- 02 St. Jürgen (etwa 40.000 Einwohner)
  - Hüxtertor/Mühlentor/Gärtnergasse, Strecknitz/Rothebek, Blankensee, Wulfsdorf, Beidendorf, Krummesse, Kronsforde, Niederbüssau, Vorrade, Schiereichenkoppel, Oberbüssau, Hochschulstadtteil
- 03 Moisling (etwa 10.000 Einwohner)
  - Niendorf/Moorgarten, Reecke, Alt-Moisling/Genin
- 04 Buntekuh (etwa 10.000 Einwohner)
- 05 St. Lorenz-Süd (etwa 12.000 Einwohner)
- 06 St. Lorenz-Nord (etwa 40.000 Einwohner)
  - Holstentor-Nord, Falkenfeld/Vorwerk/Teerhof, Groß-Steinrade/Schönböcken, Dornbreite/Krempelsdorf
- 07 St. Gertrud (etwa 40.000 Einwohner)
  - Burgtor/Stadtpark, Marli/Brandenbaum, Eichholz, Karlshof/Israelsdorf/Gothmund
- 08 Schlutup (etwa 6.000 Einwohner)
- 09 Kücknitz (etwa 20.000 Einwohner)
  - Dänischburg/Siems/Rangenberg/Wallberg, Herrenwyk, Alt-Kücknitz/Dummersdorf/Roter Hahn, Pöppendorf
- 10 Travemünde (etwa 15.000 Einwohner)
  - Ivendorf, Alt-Travemünde/Rönnau, Priwall, Teutendorf, Brodten Die Lübecker Stadtteile haben im Laufe der Zeit jeweils ihr eigenes Bild entwickeln können. Die Innenstadt ist das touristische Kernstück Lübecks, der flächenmäßig kleinste Stadtteil und der am längsten besiedelte. Die Innenstadt liegt hauptsächlich auf der Altstadtinsel zwischen Trave und Wakenitz, die in etwa eine Ausdehnung von 2 km von Nord nach Süd und 1,5 km von West nach Ost hat, auch wenn sich einige wesentliche Gebäude, die zur Innenstadt gerechnet werden, auch auf darumliegenden kleineren Inseln liegen (so z. B. das Holstentor, das am Fuß der sogenannten Wallhalbinsel liegt, die aber letzten Endes auch eine Insel zwischen Trave und Stadtgraben ist). Das zieht nach sich, dass man, um die Innenstadt zu verlassen, jeweils eine Brücke im alten Befestigungsgürtel um die Stadt (Wallanlagen) überqueren muss, um die direkten Vorstädte zu erreichen, so dass sich nicht wie in anderen Städten die Neustädte unmittelbar an die mittelalterliche Altstadt anschließen. Westlich des Holstentors liegen die beiden Vorstädte Sankt Lorenz-Nord und Sankt Lorenz-Süd, die durch die Eisenbahn getrennt werden. Hier wird das Bild hauptsächlich vom Bahnhof geprägt, um den herum sich Ende des 19. Jahrhunderts eine Vorstadt für die Unter- bis Mittelschicht entwickelt hat. Auch heute werden die beiden Stadtteile durch viele Wohnblocks und nur durch wenig Grünanlagen geprägt. Jenseits der Bahnschienen in St. Lorenz-Süd folgen dann die beiden Stadtteile Buntekuh und Moisling, die einerseits durch viele Wohnblocks aus den 60er-Jahren geprägt sind, andererseits finden sich gerade in Buntekuh auch weitläufige Gewerbegebiete entlang der A 1. Moisling blickt im Unterschied zu Buntekuh auf eine jahrhundertealte Geschichte zurück: bereits im 17. Jahrhundert gab es hier eine damals noch zu Dänemark gehörende Siedlung, die v. a. von Juden bewohnt war. Auch heute findet sich hier noch ein jüdischer Friedhof. Der Stadtteil Buntekuh verdankt seinen Namen einem Gut, das hier bis Ende der 1950er-Jahre existierte und Landwirtschaft betrieb. Das Gut wiederum wurde nach der HansekoggeBunte Kuh“ benannt, die 1401 den Angriff auf den Seeräuber Klaus Störtebeker führte. Im Süden der Altstadt und auf der Wakenitzhalbinsel auch den östlichen Altstadtrand umfassend liegt der Stadtteil St. Jürgen, der gerade im nördlichen Anteil durch gründerzeitliche Villenviertel, dann südlich des St.-Jürgen-Rings eher durch Wohnblocks der 50er- bis 70er-Jahre geprägt ist. Im Süden läuft St. Jürgen in die lauenburgische Landschaft aus und bietet hier einen breiten Grüngürtel voller Felder und Wiesen, im Osten wird der Stadtteil von der Wakenitz begrenzt, wo sich in den Auen aufgrund der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze ein reichhaltiges Naturschutzgebiet erhalten hat. In St. Jürgen liegen die beiden größten Hochschulen Lübecks, die Universität und die Fachhochschule, daher ist St. Jürgen neben der Innenstadt der Stadtteil mit der größten Studentendichte. Ganz im Süden schließen sich mehrere dörfliche Stadtteile an wie z. B. Vorrade, Beidendorf, Wulfsdorf, Blankensee oder das teilweise zu Lübeck, teilweise zum Herzogtum Lauenburg gehörende Krummesse. St. Jürgen war ursprünglich eine Vorstadt mit Gärtnereien und Weiden. Heute sind nur noch vier Gärtnereien erhalten, denn die Grünflächen bieten den meisten Raum für den Bau von Siedlungen, wie den Hochschulstadtteil, welcher in den letzten Jahren auf dem Gebiet des alten Mönkhofs entstanden ist. St. Gertrud im Norden der Altstadt ist ebenso wie St. Jürgen direkt in Altstadtnähe durch klassizistische Sommerhäuser und Gründerzeitvillen rund um den Stadtpark und die Wakenitz geprägt, weiter im Osten dann auch durch modernere Wohnviertel für alle sozialen Schichten. An der Trave findet sich das auch sehr sehenswerte Fischerdorf Gothmund mit einigen reetgedeckten Fischerkaten. Hier liegt auch der Lübecker Stadtwald Lauerholz, in dem sich auch heute noch die Grenze zur ehemaligen DDR nachvollziehen lässt. Jenseits des Stadtwaldes Lauerholz liegt der kleine Stadtteil Schlutup, der v. a. durch seinen an der Trave gelegenen Fischereihafen geprägt ist, der sich heute zu einem modernen Papierumschlaghafen wandelt. In Schlutup befand sich vor der Wende der nördlichste Grenzübergang zwischen der Bundesrepublik und der DDR, die Transitstrecke nach Rostock und Sassnitz im Zuge der B 105. Nördlich der Trave liegt Kücknitz, das alte Industrieviertel von Lübeck. Hier wurde bis in die 80er-Jahre in der Siemser Hütte Stahl verarbeitet und auch heute liegt hier noch ein wichtiger Teil des Lübecker Hafens, u. a. mit dem neu erbauten Containerterminal. Die Flenderwerft, die traditionsreiche Werft des Stadtteils, musste hingegen vor zwei Jahren Konkurs anmelden. An der Mündung der Trave liegt schließlich Travemünde, das bereits im 14. Jahrhundert von Lübeck erworben wurde und seit 1801 als Seebad anerkannt ist. Hier lockt ein breiter Sandstrand sowohl am eigentlich Ortskern als auch auf der Priwallhalbinsel, die zu Vor-Wende-Zeiten nur per Fähre erreicht werden konnte, weil sie am Ende von der DDR begrenzt wurde. Südlich der Priwallhalbinsel, der Ostsee abgewandt, liegt das Pötenitzer Wiek, eine große Bucht der Trave, die aufgrund ihrer Grenznähe auch als artenreiches Gebiet konserviert werden konnte. In Travemünde liegt aber auch der Skandinavienkai, der größte Ostseefährhafen Deutschlands, von wo aus Fähren in viele Ostseehäfen (u. a. Trelleborg, Helsinki, Klaipėda) starten.

Geschichte

Erste Besiedlung

Im Osten Holsteins findet die slawische Besiedelung um ca. 700 statt. Bereits auf die Zeit Karls des Großen geht eine erste Ansiedelung nördlich der Lübecker Altstadtinsel zurück. Dieses slawische Liubice (lieblich), das sich an der Mündung der Schwartau in die Trave befand und heute nach den Ausgrabungen ein wichtiges Bodendenkmal ist, war seit dem 10. Jahrhundert neben Oldenburg in Holstein (Starigard) die wichtigste Siedlung der Abodriten. Das in Liubice sesshafte Geschlecht der Nakoniden lag mit den Wilzen in ständigen kriegerischen Auseinandersetzungen. Eine burgartige Befestigung für diese Zeit ist wahrscheinlich. Nach einer Erwähnung 819 wurde Liubicen erneut um das Jahr 1076 von Adam von Bremen in seiner Gesta Hammburgensis ecclesiae pontificum erwähnt, in der auch von der Steinigung des Ansverus im Jahr 1066 bei Einhaus berichtet wird. Im Jahr 1093 wurden dann die Abodriten in der Herrschaft durch die Wagrier abgelöst. Im Jahr 1138 wurde der Ort von Slawen niedergebrannt.

Deutsche Kolonisation

Die Stadt Lübeck in der heutigen Lage, auf dem Hügel Buku zwischen Trave und Wakenitz, wurde dann 1143 durch Adolf II., Graf von Schauenburg und Holstein neu begründet. 1149 wird Vizelin Bischof in Oldenburg.

Zeit der Hanse

Nach einem Brand 1157 wird Lübeck 1159 durch Heinrich den Löwen wiederaufgebaut. Dieser Zeitpunkt wird heute von Historikern als der Beginn der Kaufmannshanse (im Gegensatz zur späteren Städtehanse) angesehen. Mit der Chronica Slavorum sowohl des Helmold von Bosau wie in seiner Nachfolge des Arnold von Lübeck setzt während dieser Zeit auch die umfassendere schriftliche Überlieferung des Zeitgeschehens in Nordostdeutschland als geschichtliche Quelle ein. 1181 belehnt Kaiser Friedrich Barbarossa in Lübeck Herzog Bogislav I. mit dem Herzogtum Pommern, das dadurch reichsunmittelbar wird. Das Barbarossa-Privileg von 1188 sichert der Neugründung den territorialen Bestand und die Handelsmöglichkeiten. 1226 erlangte Lübeck von Kaiser Friedrich II. mit dem Reichsfreiheitsbrief die Reichsfreiheit und wird reichsunmittelbare Stadt. Die Stadt nahm rasch Aufschwung. Die Bedrohung der Eigenständigkeit durch die dänische Machtausdehnung unter Waldemar II wurde in der Schlacht von Bornhöved erfolgreich abgewehrt. Lübeck wurde zum Hauptort der Hanse und entwickelte sich zur zeitweise wichtigsten Handelsstadt des nördlichen Europas. Mitte des 13. Jahrhunderts entsteht der Verband der wendischen Städte unter Lübecks Führung und die Hanse wandelt sich zur Städtehanse. 1356 findet der erste allgemeine Hansetag in Lübeck statt. Die ständigen Auseinandersetzungen mit Dänemark wurden 1370 mit dem Frieden von Stralsund zu einem für die Hanse günstigen Abschluss gebracht. Damit erreichte Lübeck den Höhepunkt seiner Macht im Ostseeraum. Im 14. Jahrhundert war Lübeck nach Köln die zweitgrößte Stadt Deutschlands und neben Rom, Venedig, Pisa und Florenz eine der fünf Herrlichkeiten des Reiches, gemäß Edikt von Kaiser Karl IV. vom 20. Oktober 1375. Allerdings kommt es um 1380 zu inneren Unruhen, den Knochenhaueraufständen unter Hinrik Paternostermaker, dessen Verschwörung aber 1384 scheitert. 1384 Das Lübecker Stadtrecht (lübisches Recht) galt in vielen Hansestädten, und der Lübecker Rat war Appellationsinstanz für alle Hansestädte des Lübecker Rechtskreises. Hamburg und Lübeck arbeiteten eng zusammen, während Hamburg insbesondere den Nordseeraum und Westeuropa abdeckte, orientierte sich der Seeverkehr Lübecks besonders nach Skandinavien und in den gesamten Ostseeraum bis nach Nowgorod. Der Handelsverkehr zwischen den beiden Hansestädten wurde vorwiegend über Land durchgeführt, aber auch per Binnenschiff durch den Stecknitz-Kanal, über den auch das Salz aus Lüneburg (siehe auch: Alte Salzstraße), eines der wichtigsten Exportgüter Lübecks in Richtung Norden und Osten, transportiert wurde. Das Salz wurde im Ostseeraum benötigt, um Fisch zu konservieren. Der Hering war im Mittelalter im Binnenland eine beliebte Fastenspeise. Der von den Hamburgern mit erheblichem Aufwand betriebene Bau eines Kanals zwischen beiden Städten, des Alster-Beste-Kanals, führte hingegen nicht zum gewünschten Erfolg. Lübeck unterhielt auch eine bedeutende Kriegsmarine zum Schutz der Handelsinteressen der Hanse, auch zum Schutz gegen Seeräuber, wie die Vitalienbrüder. Auch der Beginn des 15. Jahrhunderts ist durch innere Unruhen von 1408–1415 geprägt, in deren Verlauf es zur Absetzung des Rates kommt, so dass Lübeck 1410 vorübergehend in Reichsacht gerät. Der Ostseehandel der Lübecker in dieser Zeit ist nicht nur von Salz, Heringen und Stockfisch geprägt. Ganz Nordeuropa wird von hier aus mit allen Waren des täglichen Bedarfs versorgt, eine herausragende Stellung nimmt auch der Handel mit Kunstgegenständen ein. Ein gutes Beispiel ist der bedeutende Maler und Bildhauer Bernt Notke, dessen Werke im gesamten Ostseeraum zu den herausragendsten Beispielen mittelalterlicher Kunst gehören. Die Handelsbeziehungen der Hanse förderten auch den Absatz von Büchern. Mit dem Aufkommen des Buchdrucks wird Lübeck Ende des 15. Jahrhunderts durch Drucker wie Steffen Arndes (Niederdeutsche Bibel, 1494) und später Johann Balhorn zum Druck- und Buchvertriebszentrum des Ostseeraums. 1500 wird Lübeck Teil des Niedersächsischen Reichskreises. Die Fehden mit Dänemark nehmen ab 1509 wieder zu, werden zunächst im Frieden von Malmö (1512) beigelegt. Die Fehden lodern jedoch bald wieder auf. Im Ergebnis verhilft Lübeck Gustav I. Wasa 1523 auf den schwedischen Thron; im Gegenzug wird die Insel Bornholm von 15251576 lübisch. 1576 Die Zeit von etwa 1522 bis 1530 ist geprägt von der im Vordringen befindlichen Reformation. 1531 berief der Rat Johannes Bugenhagen, um das Gemeinwesen (Kirche, Schule, Sozialfürsorge) im reformatorischen Sinn neu zu ordnen. Seine Der Keyserliken Stadt Lübeck christlike Ordeninge erschien im Mai 1531; Ende des Jahres zwang der Rat das Domkapitel in einem Vertrag zum Verzicht auf das Kirchenvermögen in der Stadt. Hermann Bonnus wurde erster Superintendent und Rektor der neugegründeten Lateinschule Katharineum. Jürgen Wullenwever, der im März 1533 durch eine umsturzartige Machtübernahme Bürgermeister wurde, versuchte mit militärischen Mitteln, die alte Vormachtstellung im Osteeraum wiederherzustellen und die Grafenfehde zu Gunsten Lübecks zu beeinflussen. Zur Finanzierung seiner militärischen Abenteuer ließ er unter anderem den Kirchenschatz einschmelzen. Doch er scheiterte dramatisch, musste 1535 die Stadt verlassen und wurde vom Erzbischof von Bremen gefangengenommen und 1537 hingerichtet. 1615 erhielt Lübeck eine der stärksten Befestigungsanlagen in Europa, die westlichen Wälle. Im Dreißigjährigen Krieg gelingt es Lübeck, neutral zu bleiben. 1629 wird hier der Friede von Lübeck zwischen den kaiserlichen Truppen und König Christian IV. von Dänemark geschlossen. Doch durch die Wirren des jahrzehntelangen Krieges, das völlige Ausbleiben der Heringschwärme in der Ostsee ab Mitte des 16. Jahrhunderts, aber auch durch die Umorientierung der europäischen Handelsströme nach Westen verlor die Hanse zunehmend an Bedeutung und Einfluss. 1630 löste sich diese auf und Lübeck blieb, genau wie Hamburg und Bremen, eine freie Hansestadt. Der letzte Hansetag fand 1669 in Lübeck statt. Die drei Städte Lübeck, Hamburg und Bremen wurden zu Sachwaltern der Hanse und ihres Restvermögens eingesetzt. Mit dem Ende der Hansezeit verlor Lübeck die überragende Bedeutung, blieb aber wichtige Handelsstadt nach Norden und Osten.

Von der Aufklärung zur Moderne

1669 Mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 bleibt Lübeck noch reichsunmittelbare Stadt, um dann mit Fortfall des Heilgen Römischen Reiches 1806 ein souveräner deutscher Staat zu werden. Allerdings erfolgt am 6. November 1806 in Folge der für Blücher vernichtenden Schlacht von Lübeck die Besetzung der neutralen Stadt durch die Truppen Napoleons und 1811–1813 findet sich Lübeck wider Willen vorübergehend als Teil des französischen Kaiserreiches wieder; es wurde Arrondissement im Département Bouches-de-l'Elbe. Die wirtschaftlichen Folgen der Ausblutung durch die Besatzung werden für die Stadt bis zur Mitte des Jahrhunderts spürbar andauern. 1815 wird Lübeck auf dem Wiener Kongress völkerrechtlich souveränes Mitglied des Deutschen Bundes. 1835 stiftete der Senat die Bene Merenti für herausragende Dienste um und in Lübeck. Sie ist bis heute die bedeutendste Auszeichnung der Hansestadt. Lübeck wird tritt 1866 dem Norddeutschen Bund bei und wird 1871 Teilstaat des Deutschen Reiches. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzt die Industrialisierung ein. Die Bevölkerungszahl wächst und die Vorstädte breiten sich aus.

Die Geschichte der Juden in Moisling und Lübeck

Die ersten jüdischen Familien, die sich 1656 im Dorf Moisling – außerhalb der Lübecker Landwehr gelegen – niederließen, waren vor den Pogromen des ukrainischen Kosakenaufstandes (1648–1657) unter Hetman Bogdan Chmelniecki aus dem multinationalen Großreich Polen-Litauen geflohen. Der Eigentümer von Dorf und Gut Moisling, der Lübecker Bürgermeister Gotthard von Höveln (1603–1671), der die aschkenasischen Juden aus ökonomischen Erwägungen ansiedelte, stieß damit auf starken Widerstand bei Rat und Bürgerschaft, die bis dahin eine jüdische Ansiedlung sowohl im Lübecker Stadt- als auch Landgebiet verhindert hatten. Nach einer Eskalation des Streits unterstellte von Höveln sein Dorf 1667 königlich-dänischer Territorialhoheit. Der Erbe, sein Schwiegersohn von Wickede, erlangte 1686 und 1697 auf Grund königlicher Konzessionen das Niederlassungsrecht für Juden in Moisling und deren unbeschränkte Handels- und Verkehrsfreiheit im dänischen Gesamtstaat. Doch die holsteinischen Landjuden bedurften, um den täglichen Lebensunterhalt zu bestreiten, für ihre Handelstätigkeit des Lübecker Marktes. Der aber blieb ihnen bis 1852 weitgehend verschlossen. Zwischen 1702 und 1762 gehörte das Dorf gottorfischen bzw. dänischen Eigentümern. Die autonome jüdische Zivil- und Zeremonialgerichtsbarkeit des Unterrabbinats Moisling stand dem Altonaer Oberrabbiner zu. 1762 wurde das Dorf lübeckisches Privateigentum, so dass die Stadt ihre antijüdische Politik kontinuierlich durchzusetzen vermochte. Per Staatsvertrag zwischen Dänemark und Lübeck gelangte 1806 die Landeshoheit über Moisling an die Reichsstadt, wodurch die nunmehr 300 rechtlosen Landjuden Lübecker Staatsangehörige wurden; deren ungeregelter Rechtsstatus blieb bis 1848 unverändert. Die in der napoleonischen Phase (1811–1813) oktroyierte bürgerliche Gleichstellung der Juden, die u. a. zur Folge hatte, dass die Hälfte der Moislinger jüdischen Gemeinde nach Lübeck gezogen war, nahm der Senat 1814 zurück und vertrieb die Juden aus der Stadt. Im abseitigen Moislinger Zwangsgetto ernährten sich die kontinuierlich verarmenden Juden hauptsächlich vom Hausierhandel in benachbarten Territorien. Die traditionell gesetzestreue Gemeinde stellte 1825 einen altfrommen polnischen Rabbiner auf Lebenszeit an, konnte 1827 eine neue Synagoge weihen und 1837 eine Elementarschule einrichten. In der internen Auseinandersetzung um die Reform des Judentums obsiegten die Traditionalisten. Ihre politisch-rechtliche Emanzipation erlangten die Juden 1848 im Rahmen eines verfassungsrechtlichen Modernisierungsprozesses der freien Hansestadt Lübeck. Die ökonomisch-soziale Emanzipation bekräftigte abschließend und unwiderrufen ein 1852 verkündetes Gesetz, ebenso wie die Zulässigkeit einer interkonfessionellen Eheschließung (Mischehe).

20. Jahrhundert

Der Zusammenbruch des Kaiserreichs 1918 führt in Lübeck zwar nicht zu übermäßigen revolutionären Verwerfungen, aber bereits 1918 zu einem neuen, zeitgemäßen Wahlrecht des Staates und im Mai 1920 zu einer neuen, ersten demokratischen Verfassung im modernen Sinne. Die Gemeinsamkeit der Hanse endet in diesem Jahr insofern, als die Freien Städte nunmehr keine gemeinsame, sondern fortan jeweils eigenständige Vertretungen beim Reich unterhalten. Wahlrecht Nach dem tragischen Lübecker Impfunglück erregte der anschließende Calmette-Prozess international Aufsehen und schrieb im Ergebnis Rechtsgeschichte. Im März 1933 setzt die NSDAP in Lübeck die Gleichschaltung durch und die demokratischen Verfassungsprinzipien außer Kraft. Durch das Groß-Hamburg-Gesetz verlor Lübeck 1937 seine 711 Jahre andauernde territoriale Eigenständigkeit und wurde zu einem Teil der preußischen Provinz Schleswig-Holstein. In der Nacht zum Palmsonntag vom 28. März auf den 29. März 1942 wurde Lübeck als erste deutsche Großstadt mit einem Flächenbombardement von der britischen Royal Air Force bombardiert, als „Vergeltung“ für den deutschen Angriff auf die englische Stadt Coventry. In Lübeck wurden bei dem Bombenangriff 320 Menschen getötet, 1044 Gebäude der Stadt zerstört oder beschädigt, unter ihnen die Marienkirche, die Petrikirche und der Dom. Die Altstadt mit ihren schönen, mittelalterlichen Häusern trug bleibende Schäden davon. Der Schweizer Diplomat und Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz Carl Jacob Burckhardt 1944 erreichte, dass der Lübecker Hafen zum Umschlaghafen für Schiffe des Roten Kreuzes wurde und die Stadt somit vor weiteren Bombardierungen geschützt werden konnte. Hierfür wurde ihm die Ehrenbürgerschaft der Stadt zu teil. Nach 1945 vergrößerte sich Lübecks Einwohnerzahl erheblich durch Zuzug von Flüchtlingen aus den deutschen Ostgebieten. Bis 1989 blieb Lübeck Grenzstadt an der innerdeutschen Grenze mit einer gesamten Grenzlänge von ca. 44 km. In Schlutup befand sich dabei der nördlichste innerdeutsche Grenzübergang. Seit der Wiedervereinigung ist Lübeck wieder Oberzentrum auch für das westliche Mecklenburg.

Weltkulturerbe

1987 wurden die erhaltenen Teile des mittelalterlichen Stadtkerns auf der Altstadtinsel von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Damit wurde erstmals in Nordeuropa eine ganze Altstadt als Weltkulturerbe anerkannt. Ausschlaggebend waren dabei der exemplarische Charakter der Altstadt für die mittelalterliche Stadtentwicklung im Ostseeraum, die markante Stadtsilhouette mit den sieben Türmen der fünf Hauptkirchen und die geschlossen erhaltene vorindustrielle Bausubstanz. Hinzu kam als weitere schützenswerte Besonderheit der für die archäologische Erforschung des mittelalterlichen Städtewesens außerordentlich ergiebige Untergrund. Der von der UNESCO geschützte Bereich bezieht die wichtigsten Bauwerke Lübecks ein: den Baukomplex des Rathauses, das Burgkloster, den Koberg – ein vollständig erhaltenes Viertel des späten 13. Jh. – mit Jakobikirche, Heiligengeist-Spital und den Baublöcken zwischen Glockengießer- und Aegidienstraße, das Viertel der Patrizierhäuser des 15. und 16. Jh. zwischen Petrikirche und Dom, das Holstentor und die Salzspeicher am linken Traveufer.

Geschichte der Eingemeindungen und Gebietsänderungen

Wie die meisten ehemaligen Freien Reichsstädte konnte auch Lübeck im Laufe der Geschichte neben dem eigentlichen Stadtgebiet umliegende Dörfer und Städte (etwa Travemünde im Jahre 1329) erwerben. Das Staatsgebiet der Freien Reichsstadt Lübeck bestand daher bis 1937 aus dem eigentlichen Stadtgebiet und dem sog. Landgebiet, also einer Vielzahl von Landgemeinden, die zum Teil auch als Exklave außerhalb des sonst geschlossenen Gebiets lagen. Die Gemeinden des Landgebiets hatten eine eigene Verwaltung beziehungsweise die Bewohner dieser Orte des Landgebietes des Lübschen Staates (des Niederstadtgebietes unter Verwaltung des Niederstadtprokurators) hatten andere Rechte als die der eigentlichen Stadt. Auch die Gerichtsbarkeit war eine andere, nämlich die des Niedergerichts, das in der Gerichtslaube auf dem Koberg Recht sprach. Das Landgebiet war in folgende Teilgebiete eingeteilt: „Vor dem Burgtor“, „Vor dem Holstentor“, „Vor dem Mühlentor“ und „Gebiet außerhalb der Landwehr (inclusive Exklaven)“. Für das Bewaffnungswesen war das gesamte Staatsgebiet Lübecks in fünf Bezirke eingeteilt: Holstentor-, Mühlentor-, Burgtor-, Ritzerauer und Travemünder Bezirk. 1804 vergrößerte sich das Landgebiet erheblich, als der Senat durch einen Vergleich mit dem Herzog von Oldenburg das durch den Reichsdeputationshauptschluss säkularisierte Stiftsland des Domkapitels und den Landbesitz des St. Johannisklosters aufteilte. In der Mitte des 19. Jahrhunderts setzten sich für die Vorstädte, also die Gebiete vor den Stadttoren, eigene Bezeichnungen durch: St. Jürgen, St. Gertrud, St. Lorenz. 1861 wurden die Grenzen der Vorstädte offiziell festgelegt. Später wurden die Vorstädte um Gebiete der angrenzenden Landgemeinden vergrößert. Die erste größere Eingemeindung wurde 1913 vollzogen, als Travemünde und 11 Landgemeinden mit der Stadt Lübeck vereinigt wurden. Das Stadtgebiet umfasste danach zunächst noch zwei getrennte Teile. Dazwischen lagen mehrere Landgemeinden. 1935 wurden jedoch beide Teile des Stadtgebiets durch die Eingliederung weiterer Landgemeinden geschlossen. Die Landgemeinden außerhalb des geschlossenen Gebiets (Exklaven) blieben zunächst noch bei Lübeck. Sie wurden 1937 mit dem Groß-Hamburg-Gesetz, als die Stadt Teil der Provinz Schleswig-Holstein wurde, vollständig von Lübeck abgetrennt und den benachbarten Landkreisen zugeordnet. Im einzelnen wurden die Landgemeinden des Staates Lübeck wie folgt in die Stadt Lübeck eingegliedert:
- 1903: ein Teil der Landgemeinde Vorwerk
- am 1. April 1913: (die eingegliederten Gemeinden waren danach „Vorstädte“)
  - Stadt Travemünde und Landgemeinde Gneversdorf: Sie bildeten fortan den Stadtteil „Kurort und Seebad Travemünde“
  - Landgemeinde Siems: Sie bildete mit dem Gebiet der Trave von der Mündung der Schwartau abwärts bis zum Durchstich bei der Herrenfähre den Stadtteil „Siems-Dänischburg“
  - Landgemeinden Kücknitz (zum Teil, der Rest kam zur Landgemeinde Pöppendorf) und Herrenwyk sowie kleinere umliegende Gebiete: Sie bildeten den Stadtteil „Kücknitz-Herrenwyk“
  - Landgemeinden Krempelsdorf, Vorwerk, Moisling und Genin: Sie wurden jeweils eigenständige Stadtteile
  - Landgemeinde Schlutup: Sie bildete mit umliegenden Gebieten den Stadtteil Schlutup.
  - Landgemeinden Gothmund und Israelsdorf (zum Teil, der Rest kam zur Landgemeinde Wesloe): Sie gehörten fortan zur Vorstadt St. Gertrud
- am 12. September 1921: Landgemeinden Schönböcken und Wesloe
- am 1. April 1927: Landgemeinde Strecknitz (nördlicher Teil)
- am 12. März 1932: Rest der Landgemeinde Strecknitz (sie wurde Teil von St. Jürgen)
- am 1. Mai 1935: (die eingegliederten Landgemeinden wurden danach zu äußeren Vorstädten)
  - Landgemeinden Beidendorf, Blankensee, Brodten, Dummersdorf, Ivendorf, Kronsforde, Krummesse, Moorgarten, Niederbüssau, Niendorf, Oberbüssau, Pöppendorf, Reecke, Rönnau, Teutendorf, Vorrade und Wulfsdorf

Historische Einwohnerentwicklung

Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1870 handelt es sich meist um Schätzungen, danach um Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter beziehungsweise der Stadtverwaltung selbst. Provinz Schleswig-Holstein Zukunftsforscher sagen für die weitere Entwicklung bis 2020 einen Einwohnerverlust von ca. 5–6 % voraus. In Anbetracht der Alterstruktur der Stadt ist diese Zahl im Vergleich gering; allerdings soll die Geburtendifferenz im Wesentlichen durch den Zuzug von sog. Alten ausgeglichen werden, die das kompakte und konzentrierte kulturelle Angebot der Stadt mit ihrer daraus resultierenden besonderen Lebensqualität zu schätzen wissen.

Geschichte der Konfessionen in Lübeck

Mit dem Wiederaufbau der Stadt verlegte Heinrich der Löwe 1160 den Bischofssitz aus Oldenburg (Holstein) hierher und stiftete den Dom als Bischofskirche. Die persönliche Residenz des Bischofs blieb in Eutin, das dadurch später zum Zentrum des Fürstbistums Lübeck wurde. Siehe auch:
- Bistum Lübeck
- Liste der Bischöfe von Lübeck Ab 1524 hielt die Reformation Einzug in der Stadt (erste evangelische Predigt), und 1530/31 führte der Rat der Stadt eine neue Kirchenordnung von Johannes Bugenhagen ein. Danach war Lübeck über viele Jahre eine protestantische Stadt. Als Freie Reichsstadt hatte in Lübeck der Senat das landesherrliche Kirchenregiment inne und konnte die kirchlichen Angelegenheiten selbst regeln. Die Verwaltung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Lübeck erfolgte durch das Konsistorium, das jedoch eher ein kirchliches Gericht als eine Behörde war, sowie durch das Geistliche Ministerium, an dessen Spitze bis 1796 ein Superintendent, dann ein Senior stand. 1921 erhielt die Landeskirche eine neue Verfassung und 1948 wurde sie Gründungsmitglied der EKD. 1977 schloss sie sich der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche an und wurde Sitz des Sprengels Holstein-Lübeck dieser neuen Landeskirche. Die Kirchengemeinden der Stadt gehören zum Kirchenkreis Lübeck. Im Mai 1656 siedelte der Lübecker Bürgermeister von Höveln in seinem Gut und Dorf Moisling die ersten jüdischen Familien an. 1666 entstand in Lübeck eine reformierte Gemeinde; hinzu kam 1689 eine französisch-reformierte Gemeinde, die sich aus zugewanderten Hugenotten rekrutierte. Beide Gemeinden vereinigten sich 1781 zur „Evangelisch-Reformierten Kirchengemeinde Lübeck“, welche 1926 der Evangelisch-reformierten Landeskirche der Provinz Hannover beitrat. Im 19. Jahrhundert zogen auch wieder Katholiken in die Stadt. 1849 erhielten sie eine erste Rechtsordnung und 1888 wurde die erste katholische Kirche Lübecks, die Herz-Jesu-Kirche – heute Propsteikirche Herz-Jesu – gebaut. Weitere katholische Gemeinden wurden im 20. Jahrhundert gegründet. Sie gehörten zunächst zum „Apostolischen Vikariat der Nordischen Missionen“ und ab 1930 aufgrund des Preußischen Konkordates von 1929 zum Bistum Osnabrück. Aus den nördlichen Gebieten dieses Bistums entstand 1993 das neue Erzbistum Hamburg, zu dem die Stadt Lübeck nunmehr gehört. Offiziell errichtet wurde das Erzbistum Hamburg allerdings erst am 7. Januar 1995. Die Pfarrgemeinden der Stadt Lübeck gehören innerhalb der Erzdiözese Hamburg zum Dekanat Lübeck. Seit dem Jahr 1901 ist die Neuapostolische Kirche in Lübeck vertreten. Von besonderer Bedeutung für die Ökumene in Lübeck ist das Gedenken an die Lübecker Märtyrer. Die drei katholischen Priester Johannes Prassek, Hermann Lange und Eduard Müller sowie der evangelische Pastor Karl Friedrich Stellbrink wurden 1942 verhaftet, vom nationalsozialistischen Volksgerichtshof 1943 wegen „Rundfunkverbrechen, landesverräterischer Feindbegünstigung und Zersetzung der Wehrkraft“ zum Tode verurteilt und am 10. November 1943 in Hamburg durch Enthaupten hingerichtet.

Politik

Bürgermeister

Die Leitung der Stadt Lübeck oblag über Jahrhunderte dem Rat der Stadt mit dem oder den Bürgermeistern an der Spitze. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Rat mit Senat bezeichnet. Dieser hatte 16 Senatoren und vier Bürgermeister, wobei die beiden ältesten sich im Vorsitz jährlich ablösten. Ab 1848 gab es nur noch zwei Bürgermeister. Sie waren lediglich Vorsitzende des Senats, nicht aber „Staatsoberhaupt“ der Freien Hansestadt Lübeck. Neben dem Senat gab es die „Bürgerschaft“ als „Parlament“. 1933 wurde die Bürgerschaft aufgelöst und der Senat verkleinert. Vorsitzender war fortan der „Oberbürgermeister“. Am 1. April 1937 wurde Lübeck im Zuge des Groß-Hamburg-Gesetzes in die preußische Provinz Schleswig-Holstein eingegliedert, verlor damit seine Reichsunmittelbarkeit, also seine territoriale Souveränität. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Schleswig-Holstein Teil der britischen Besatzungszone. Die Militärregierung führte 1946 eine zweigleisige Verwaltungsspitze ein. Danach gab es zunächst einen Bürgermeister als Vorsitzenden der „Bürgerschaft“ und daneben einen Oberstadtdirektor als Leiter der Verwaltung. Auf die erst seit 1933 geführte Amtsbezeichnung Oberbürgermeister für den Vorsitzenden der Bürgerschaft wurde verzichtet, weil der Titel Bürgermeister in Lübeck eine lange Tradition hat. Die schleswig-holsteinische Gemeindeordnung von 1950 übertrug den Titel „Bürgermeister“ dem Leiter der Verwaltung und führte für den Vorsitzenden der Bürgerschaft wie bei allen größeren Städten Schleswig-Holsteins die neue Bezeichnung Stadtpräsident ein. Der aktuelle Lübecker Bürgermeister ist seit 2000 Bernd Saxe von der SPD, der aktuelle Stadtpräsident seit 2003 Peter Sünnenwold von der CDU. CDU Bei der Bürgermeisterwahl (amtliches Endergebnis in Klammern) am 4. September 2005 traf Bernd Saxe (47,2 %) auf vier konkurrierende Herausforderer. Der Herausforderer der CDU war Michael Koch (24,0 %). Zudem stellten sich noch Susanne Hilbrecht von Bündnis 90/Die Grünen (4,6 %) sowie die parteilosen Bewerber Gabriele Meißel (3,7 %) und Dr. Raimund Mildner (20,5 %) zur Wahl. Da im ersten Wahlgang eine absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen nötig ist, um die Wahl zu gewinnen, traten am 18. September 2005 Bernd Saxe (SPD) und Michael Koch (CDU) zur Stichwahl um das Amt des Bürgermeisters an. Aus dieser ging der Amtsinhaber Bernd Saxe (SPD) mit 62 % der Stimmen als Sieger hervor. Siehe auch: Lübecker Bürgermeister und Stadtpräsidenten

Bürgerschaft

In der Lübecker Bürgerschaft verfügt die CDU seit der letzten Kommunalwahl erstmals seit längerer Zeit wieder über eine Mehrheit, die jedoch offenbar gegen einen sozialdemokratischen Verwaltungschef nur schwer umzusetzen ist. Die Bürgerschaft besteht aus 50 Abgeordneten; die CDU stellt 27, die SPD 17, die Grünen 4 und die F.D.P. 2. Mit Metin Hidir trat 2005 der erste Nicht-Deutsche der Lübecker Bürgerschaft bei.

Wappen

Das Wappen der Stadt Lübeck zeigt in Gold einen rot bewehrten, schwarzen Doppeladler mit einem von Weiß und Rot geteilten Brustschild. Es handelt sich um den „Reichsadler“ als Symbol der ehemaligen Reichsfreiheit der Stadt Lübeck, welche die Stadt bis 1937 genoss, als sie durch das Groß-Hamburg-Gesetz der preußischen Provinz Schleswig-Holstein eingegliedert wurde. Die Stadtfarben sind Weiß-Rot. In der oberen Ecke der Flagge an der Flaggenstange befindet sich der Adler des Stadtwappens.

Städtepartnerschaften

Lübeck unterhält eine Städtepartnerschaft mit folgenden Städten:
- Kotka (Finnland), seit 1969
- Wismar (Mecklenburg-Vorpommern), seit 1987
- La Rochelle (Frankreich), seit 1988, Freundschaftsvertrag bereits seit 1980
- Klaipėda (ehem. Memel) (Litauen), seit 1990
- Visby (Schweden), seit 1999 Freundschaftsverträge bestehen mit Venedig (Italien) seit 1979, mit Kawasaki (Japan) seit 1992 und mit Bergen (Norwegen) seit 1996. Darüber hinaus unterhält Lübeck freundschaftliche Beziehungen mit mehr als 100 anderen europäischen Städten, die regelmäßig an den Hansetagen der Neuzeit teilnehmen.

Wirtschaft und Infrastruktur

Hansetag

Hafen

Der Lübecker Hafen ist der größte deutsche Ostseehafen und Tor nach Skandinavien und ins Baltikum. Zahlreiche Fährlinen verbinden die Lübecker Häfen mit dem gesamten Ostseeraum. Der Skandinavienkai ist der größte Fährhafen Europas. Die stadtnahen Häfen Hansekai und Roddenkoppelkai werden heutzutage kaum noch für die gewerbliche Seeschifffahrt genutzt. Am Roddenkoppelkai legt alle paar Monate mal ein Viehtransporter an, der Hansekai dient allenfalls Binnenschiffen oder Kurzzeit-Aufliegern als Liegeplatz. Der Konstinkai ist Hauskai der Transfennica-Reederei, die rollende Ladung zu finnischen Häfen befördert. Außerdem werden hier gelegentlich kleine Küstenbulker gelöscht, die Getreide für die Brüggen-Cornflakes-Werke anlanden. Unmittelbar südlich vom Konstinkai ist der Burgtorkai, der früher als Kreuzfahrtterminal diente. Durch den zur Zeit anlaufenden Bau der Nordtangente und die damit verbundene Straßenquerung über die Trave in Höhe des Nordlandkais können große Schiffe den Burgtorkai bald nicht mehr anlaufen. Der Nordlandkai ist „Heimathafen“ der riesigen Finncarriers – haushohe RoRo-Schiffe, die rollende Ladung nach Finnland und Russland verschiffen. Gelegentlich machen am ATR-Getreidesilo größere Überseeschiffe fest, die Getreide für Fernost oder Südostasien laden. Diese Schiffe stellen für Schiffsenthusiasten einen wahren Leckerbissen dar. In privater Hand sind die Lehmannkais I–III der Lübecker Firma Hans Lehmann, die Anfang 2004 das Gelände der ehemaligen Flender-Werft dazu gekauft hat und hier drei oder vier RoRo-Anleger bauen wird, um mit dem Partner DFDS weitere Fährlinien in den russischen und baltischen Raum akquirieren zu können. Ein ähnliches Ziel verfolgt die städtische Lübecker Hafengesellschaft (LHG) mit den Flächen am danebenliegenden Seelandkai. Zwischen Seelandkai und Lehmannkai I betreibt die Hamburger Hafen- und Lagerhaus AG durch ihre Tochter Combisped das moderne Containerterminal-Lübeck mit Containerbrücken zur Verladung von der und auf die Bahn in Richtung der Containerterminals im Hamburger Hafen. Noch recht neu ist der Schlutupkai, an dem hauptsächlich Papier aus Schweden angelandet wird. Der Skandinavienkai im Stadtteil Travemünde ist der Fährhafen Lübecks – und mit etwa 130 regelmäßigen Abfahrten pro Woche der größte Fährhafen Europas: Passagiere und Fracht werden von hier aus nach Schweden (z.B. Malmö und Göteborg), Finnland, Russland und ins Baltikum befördert. Am Ostpreußenkai vor der Travemünder Hafenpromenade „Vorderreihe“ legen Kreuzfahrtschiffe und Großsegler an.
- Elbe-Lübeck-Kanal Der Elbe-Lübeck-Kanal ist für Lübecks Hafenwirtschaft leider nur von untergeordneter Bedeutung, weil die Bundesrepublik Deutschland als Eigentümerin seit Jahrzehnten die erforderlichen Ausbaumaßnahmen nicht in Angriff nimmt. Siehe: Hauptartikel Elbe-Lübeck-Kanal
- Museumshafen An der Untertrave Direkt vor der Lübecker Altstadt liegt der Lübecker Museumshafen, der, weil viele Oldtimer von privater Hand noch „in Fahrt“ gehalten werden, im Winter naturgemäß voller ist als im Sommer. Zu den Prunkstücken gehören das Feu

1727

Ereignisse

Kultur


- 7. Januar: Uraufführung des Dramas Lucio Vero, imperator di Roma von Attilio Ariosti am King's Theatre in London
- 6. Februar: Uraufführung der Oper Don Chisciotte in corte della duchessa von Antonio Caldara am Teatrino di corte in Wien
- 21. Oktober: Uraufführung des Melodrams Teuzzone von Attilio Ariosti am King's Theatre in London

Geboren


- 2. Januar: James Wolfe, britischer General, Sieger in der Schlacht auf der Abraham-Ebene († 1759)
- 25. Februar: Armand-Louis Couperin, Komponist und Organist († 1789)
- 7. März: André Morellet, französischer Ökonom und Schriftsteller († 1819)
- 28. März: Maximilian III. Joseph, Kurfürst von Bayern von 1745 bis 1777
- 10. April: Samuel Heinicke, wurde als Pädagoge und 'Erfinder' der Deutschen Methode der Gehörlosenpädagogik bekannt († 1790)
- 25. April: Pasquale Anfossi, italienischer Kapellmeister und Komponist († 1797)
- 29. April: Jean Georges Noverre, französischer Tänzer und Choreograph († 1810)
- 10. Mai: Anne Robert Jacques Turgot, französischer Staatsmann und Ökonom der Vorklassik († 1781)
- 14. Mai: Thomas Gainsborough, englischer Maler († 1788)
- 23. August: Friedrich Hartmann Graf, deutscher Komponist († 1795)
- 9. Oktober: Étienne Charles de Loménie de Brienne, französischer Politiker und Kleriker († 1794)
- 22. November: Ercole III. d'Este, Sohn des Herzogs Francesco III. d'Este († 1803)
- 26. November: Artemas Ward, amerikanischer Generalmajor im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und US-amerikanischer Politiker († 1800)

Gestorben


- 31. März: Isaac Newton, englischer Physiker (
- 1643)
- 18. April: Matthias Steinl, österreichischer Architekt und Bildhauer (
- um 1644)
- 17. Mai: Katharina I. (Russland), Zarin von Russland 1725–1727 (
- 1683)
- 26. Mai: Francesco Farnese, zweiter Sohn des Herzogs Ranuccio II. Farnese (
- 1678)
- 8. Juni: August Hermann Francke, deutsche Theologe und Sozialpädagoge (
- 1663)
- 11. Juni: Georg I., englischer König (
- 1660)
- 14. August: William Croft, britischer Organist und Komponist (
- 1678)
- 18. August: Franz Anton Freiherr von Landsberg, General und Gouverneur der Stadt Münster (
- 1656)
- 11. November: Johann Andreas Eisenbarth, wandernder Chirurg und Augenarzt (
- 1663)
- Johannes von Brunner, Schweizer Arzt (
- 1653)
- August: Aert de Gelder, holländischer Maler (
- 1645) ko:1727년

Halle (Saale)

Halle (Saale) ist eine Stadt in Mitteldeutschland. Mit etwa 237.000 Einwohnern ist sie die größte Stadt sowie eines von drei Oberzentren des Bundeslandes Sachsen-Anhalt. Sie hat den Status einer kreisfreien Stadt und ist gleichzeitig Sitz des Saalkreises. Außerdem ist Halle Bestandteil der „Metropolregion Sachsendreieck“. Nächstgrößere Städte sind Leipzig, etwa 30 km südöstlich, Dresden, etwa 130 km südöstlich und Berlin, etwa 150 km nordöstlich. Halle ist Sitz der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, der Leopoldina und zweier anderer Hochschulen (siehe Bildungseinrichtungen). Ferner ist Halle ein Eisenbahnknotenpunkt mit Rangierbahnhof und eingebunden in das S-Bahn-Netz Halle-Leipzig. Zu DDR-Zeiten war Halle durch die umliegende Chemieindustrie geprägt. Seit der Wende konzentriert sich die Stadt auf technologieorientierte Branchen (Wissenschafts- und Innovationspark Heide-Süd und Weinberg-Campus), Lebensmittelindustrie (Halle ist Sitz der Halloren Schokoladenfabrik - der ältesten Schokoladenfabrik Deutschlands - und des Backwaren-Herstellers Kathi) sowie gewerbliche Wirtschaft. Die Einwohnerzahl der Stadt Halle (Saale) überschritt 1890 die Grenze von 100.000, wodurch sie zur Großstadt wurde. Westlich der Saale entstand in den 1960er Jahren die Wohnvorstadt Halle-Neustadt, die damals sogar als eigenständiger Stadtkreis geführt wurde, jedoch noch vor der Wiedervereinigung Deutschlands wieder mit Halle vereinigt wurde. Dadurch hatte die Stadt Halle 316.000 Einwohner. Bis zum Ende des ersten Quartals 2004 ging die Einwohnerzahl durch zahlreiche Wegzüge um etwa 78.500 zurück. Dabei fiel diese Zahl nur deshalb nicht noch größer aus, weil zeitgleich etwa 95.000 Menschen in die Stadt zogen.

Geografie

Wiedervereinigung Halle liegt am Nordwestrand der Leipziger Tieflandsbucht, der größere Teil östlich der schiffbaren Saale, die sich hier in mehrere Arme teilt und eine breite Flussaue bildet, und unterhalb der Mündung der Weißen Elster.

Nachbargemeinden

Folgende Gemeinden, genannt im Uhrzeigersinn beginnend im Norden, grenzen an die Stadt Halle (Saale). Mit Ausnahme von Korbetha, Hohenweiden und Döllnitz, die Teil des Landkreises Merseburg-Querfurt sind, gehören alle zum Saalkreis. Sennewitz und Gutenberg (beide Verwaltungsgemeinschaft Götschetal-Petersberg), Oppin und Peißen (beide Verwaltungsgemeinschaft Saalkreis-Ost), Einheitsgemeinde Kabelsketal, Einheitsgemeinde Schkopau (ehemalige Verwaltungsgemeinschaft Saale-Elster-Aue), Holleben, Angersdorf und Zscherben (alle Verwaltungsgemeinschaft Westliche Saaleaue), Bennstedt, Lieskau, Zappendorf und Salzmünde (alle Verwaltungsgemeinschaft Westlicher Saalkreis) sowie Brachwitz (Verwaltungsgemeinschaft Wettin)

Stadtgliederung

Das Stadtgebiet ist in die 5 Stadtbezirke Mitte, Nord, Ost, Süd und West gegliedert. Die meisten Stadtbezirke sind in Stadtteile und diese wiederum in Stadtviertel unterteilt. Die Stadtbezirke mit ihren zugehörigen Stadtteilen sind hier aufgeführt.

Geschichte

hier hier hier Halles Salzquellen wurden bereits in der Vorzeit genutzt. Neuere Grabungen auf dem Markt belegen die Kontinuität der Bedeutung des Salzes für die Stadt. Der Besiedlung des Stadtgebietes in der Vorgeschichte folgten mutmaßlich die Hermunduren, die Angeln und Warnen (Thüringer) und die Wenden, welche den Ort Dobrebora nannten. 735 eroberte der fränkische Hausmeier Karl Martell die Gegend um Halle, ließ die Stiftskirchen in Merseburg und Magdeburg errichten und schenkte 738 seinen Soldaten das Salzwerk Dobrebora und die Ritterfahne mit dem Titel "Ritter Unserer Lieben Frauen Brüderschaft". Im Chronicon Moissiacence 806 wird der Ort Halle als "Halla" erstmals genannt, was "Stätte der Salzgewinnung" bedeutet. 968 gründet Otto I. das Erzbistum Magdeburg, zu dem auch Halle bis zum Jahre 1680 gehört. Um 1120 wird die Stadt umfassend erweitert und 1263 wird zwischen dem Magdeburger Erzbischof Rupertus und der Stadt Halle ein Vertrag geschlossen, nach dem der Erzbischof keine Burg im Umkreis einer Meile und keine weiteren Solbrunnen anlegen darf. 1281 wird Halle urkundlich erstmals als Mitglied der Hanse erwähnt und 1310 wird die Selbstverwaltung der Stadt vertraglich festgehalten. 1341 beginnt der Bau für einen starken Turm zwischen Waage und Rathaus, welcher bis 1835 zur sicheren Unterbringung der städtischen Privilegien dient. 1418 beginnt der Bau am Roten Turm, einem Glockenturm „zur Ehre Gottes und der Stadt Halle wie der ganzen Umgebung zur Zierde“. Er wird später zum Wahrzeichen der Stadt. 1478 endet die etwa 200-jährige städtische Selbstständigkeit. 1484 lässt Erzbischof Ernst in der Nordwestecke der Stadt die Moritzburg als befestigtes Wohnschloss erbauen und zieht 1503 feierlich ein. Bis 1680 wird Halle Haupt- und Residenzstadt des Erzbistums Magdeburg sein. 1530/39 werden die romanischen Basiliken St. Gertraud und St. Marien zur viertürmigen Marktkirche umgebaut. 1541 wird die Reformation eingeführt und das Erzbistum fortan von einem erzbischöflichen Administrator verwaltet. 1625 besetzen Kaiserliche Truppen unter Wallenstein die Stadt. 1637 wird die Moritzburg im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges ausgebrannt. Nach dem Tod des letzten erzbischöflichen Administrators, Herzog August von Sachsen, im Jahre 1680 fällt Halle mit dem gesamten Erzstift Magdeburg an das Kurfürstentum Brandenburg und wird mit diesem ab 1701 Teil des Königreichs Preußen. 1694 wird die Universität Halle mit zunächst vier Fakultäten gegründet. Nach dem Tilsiter Frieden im Jahr 1807 wird Halle Teil des neugebildeten Königreichs Westphalen. Doch fällt sie 1815 wieder an Preußen, das die Stadt der neu gebildeten Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Merseburg, eingliedert. Durch die Verwaltungsgliederung entsteht der bis heute bestehende Saalkreis mit Sitz in Halle. 1819 entsteht der Stadtkreis Halle, der jedoch 1828 bereits wieder aufgelöst und die Stadt unmittelbar der Regierung in Merseburg unterstellt wird. 1882 fahren die ersten Pferdebahnen als Vorläufer der Straßenbahnen. Fortan ist sie quasi eine kreisfreie Stadt, die 1890 die Grenze von 100.000 Einwohner überschreitet und damit Großstadt wird. 1891 fährt in Halle die erste elektrische Straßenbahn Europas. Halle erleidet im Zweiten Weltkrieg als eine der wenigen größeren Städte nur geringe Zerstörungen. Zwei Bombenangriffe (der erste am 31. März 1945, der zweite einige Tage später).Ziel waren die Bahnhofsanlagen, die aber nicht getroffen wurden. Zerstörungen nur zwischen Bahnhof und Zentrum (1.Angriff) bzw. im südlichen Stadtteil (2.Angriff). Am 17. April 1945 wird Halle von amerikanischen Truppen besetzt, dabei wird der Rote Turm in Brand geschossen. Dass die Stadt dabei keine größeren Schäden erlitt, verdankt sie dem damals hier ansässigen Felix Graf von Luckner, der zusammen mit dem Oberbürgermeister die Stadt an die amerikanischen Truppen übergab. Im Juli zogen die Amerikaner wieder ab und die Sowjetunion wird die Besatzungsmacht. Halle wird Hauptstadt der Provinz Sachsen, welche kurze Zeit später im Land Sachsen-Anhalt aufgeht. Mit der Auflösung der Länder in der DDR 1952 wird Halle Bezirksstadt des Bezirks Halle. Die Aufsiedelung des Wohngebiets Halle-West ab 1964 führt 1967 zur Gründung der selbständigen Stadt Halle-Neustadt, die 1971 eine kreisfreie Stadt wird. Im Zuge der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten wird Halle-Neustadt im Mai 1990 wieder mit Halle vereinigt. Die Stadt gehört seither wieder zum neu errichteten Land Sachsen-Anhalt.

Eingemeindungen

Folgende Gem