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Aulis

Aulis

Aulis ist eine antike Hafenstadt in Böotien in Mittelgriechenland, die etwa zwanzig Kilometer östlich von Theben, dem heutigen Thiva (Θήβα), liegt. In der Antike war Aulis ein bekannter Kultort der Artemis, ein Tempel für diesen Kult wurde vom 5. Jahrhundert v. Chr. bis etwa 400 n. Chr. genutzt. Seine Ruinen sind neben denen einer Festung aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. die bedeutendsten Bauwerksreste in Aulis. Der Sage nach trafen sich hier die griechische Flotte mit ihren Verbündeten, um gemeinsam gegen Troja zu ziehen. Da Agamemnon der Atride seine Jagdkunst mit der der Jagdgöttin Artemis verglich und diese erzürnt war, konnte die Flotte mangels Wind nicht auslaufen. Deshalb opferte Agamemnon in Aulis nach einigen Versionen der Sage seine älteste Tochter Iphigenie. Erwähnt wird Aulis außer in den Sagen der alten Griechen im Besonderen in der Tragödie "Iphigenie in Aulis" von Euripides, die von Friedrich Schiller übersetzt wurde. Dieses Werk nahm u.a. Johann Wolfgang von Goethe als Grundlage für seine Iphigenie auf Tauris. Siehe auch: Portal:Mythologie Kategorie:Griechische Mythologie Kategorie:Ort in Griechenland Kategorie:Historische Stadt

Böotien

Böotien (grichisch Βοιωτία/Viotía), ist die nach dem Stamm der Boiotoi benannte Landschaft und heute eine griechische Präfektur in der Verwaltungsregion Mittelgriechenland. Böotien grenzt im Westen an Phokis, im Süden an den korinthischen Golf, im Osten an den Kithairon und im Norden an das opuntische Lokris. Der Sund von Euböa bildete lange die natürliche Ostgrenze. Das Gebiet ist im Norden hügelig, im Süden gebirgig, dazwischen liegt ebenes Tiefland. Heutige Hauptorte sind Thíva und Levádia. Böotien blieb binnenländisches Agrarland, obwohl seine Küstenlinien natürliche Häfen aufwiesen. Älteste Siedlungsspuren finden sich seit der Altsteinzeit rund um den Kopaissee. In mykenischer Zeit waren Theben und Orchomenos die Sitze bedeutender Dynastien. Älteste stammesgeschichtliche und kultische Beziehungen bestanden mit Thessalien und dem makedonischen Grenzgebirge zu Epirus. Die wichtigsten Heiligtümer Böotiens waren das Poseidon-Heiligtum in Onchestos und die Athena Itonia bei Koroneia. Böotien und sein Städtebund war durch Theben perserfreundlich eingestellt, stand im hellenischen und im Peloponnesischen Krieg auf Seiten Spartas und musste nur kurzzeitige spartanische und athenische Hegemonie aushalten. Seine Städte waren stets von Theben abhängig, manche wurden vollständig zerstört (Orchomenos). Theben selbst und Teile Böotiens wurden beim Aufstand gegen Alexander zerstört, später wiedererbaut und in einen makedonischen Bund gepresst.

Siehe auch


- Haliartus Böotien Böotien Böotien Böotien

Griechenland

Griechenland (griechisch früher Ελλάς, Hellás, heute Ελλάδα, Elláda; amtliche Vollform: Hellenische Republik) liegt in Südost-Europa und grenzt an Albanien, Mazedonien (von Griechenland nicht unter diesem Namen anerkannt, sondern als FYROM bezeichnet), Bulgarien und die Türkei und ist ein Anrainerstaat des Mittelmeers. Griechenland ist eine parlamentarische Demokratie und hat ein Einkammerparlament mit 300 Abgeordneten, von denen 288 auf vier Jahre gewählt und 12 von den Parteien gestellt werden.

Geographie

parlament Ungefähr ein Viertel der Fläche Griechenlands entfällt auf etwa 9841 Inseln, von denen 167 bewohnt sind. Die größten davon sind:
- Kreta (ca. 8.260 km²)
- Euböa (ca. 3.657 km²)
- Lesbos (ca. 1.630 km²)
- Rhodos (ca. 1.400 km²)
- Chios (ca. 840 km²)
- Kephalonia (ca. 780 km²)
- Korfu (ca. 579 km²)
- Samos (ca. 480 km²)
- Náxos (ca. 432 km²) Siehe auch: Liste griechischer Inseln Regionen auf dem griechischen Festland:
- Attika
- Epirus
- Makedonien
- Mittelgriechenland
- Peloponnes
- Thessalien
- Thrakien Die Region Makedonien im Norden Griechenlands ist nicht mit dem selbständigen Staat ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien zu verwechseln. Siehe auch: Liste der Städte in Griechenland

Verwaltungsgliederung

Hauptartikel: Verwaltungsgliederung Griechenlands Griechenland ist in 13 Verwaltungsregionen (griech. περιφέρειες/periphéries, Sg. περιφέρεια/periphéria) gegliedert, die wiederum in 51 Präfekturen (griech. νομοί/nomí, Sg. νομός/nomós) untergliedert sind.

Bevölkerung

Neben den Neugriechen bzw. der griechischsprachigen Mehrheitsbevölkerung existieren noch einige sprachliche Minderheiten. Die wichtigsten Minderheitssprachen sind:
- Albanisch
- Aromunisch (in Zentralgriechenland ca. 100.000 aktive Sprecher der Gruppe der Aromunen oder auch Vlachen, ca. 300.000 passive Sprecher)
- Bulgarisch, gesprochen von ca. 30.000 muslimischen Pomaken
- Slawomazedonisch, gesprochen von slawischsprachigen Bewohnern Nordwestgriechenlands
- Türkisch 150.000 in Thrakien Türken und Pomaken sind zusammen als muslimische Minderheit anerkannt und genießen einige besondere Rechte, wie Schulunterricht in türkischer Sprache, Verwendung von Schulbüchern aus der Türkei (gem. bilateraler Vereinbarungen), Koranschulen etc. Sie sind über je 3 Abgeordnete von Nea Dimokratia und PASOK im Parlament vertreten.

Religion

Nominell gehören 95% der Bevölkerung der Griechisch-orthodoxen Kirche an, auf dem größten Teil des Festland dem Autokephalen Orthodoxen Erzbistum von Griechenland mit Sitz in Athen, auf den Inseln und dem Ostzipfel des Festlandes um Thessaloniki dem "Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel" mit Sitz in İstanbul. Die Zahl regelmäßiger Kirchenbesucher ist in Griechenland noch deutlich höher als in den meisten anderen Ländern Europas. Die Orthodoxe Kirche übt auch wesentlichen Einfluss auf das Bildungswesen aus und ihre besondere Stellung als Staatskirche ist in der griechischen Verfassung festgelegt; andererseits untersteht sie teilweise dem Staat, zum Beispiel müssen alle Bischöfe vom Parlament bestätigt werden. Daneben gibt es unter den Bürgern mindestens 150.000 Muslime (größtenteils türkischer Abstammung), etwa 121.000 katholische Christen des griechischen und des lateinischen Ritus,
- [http://www.catholic-hierarchy.org/country/scgr1.html] dann etwa 50.000 Zeugen Jehovas, etwa 30.000 protestantische (meist evangelikale) Christen verschiedener Richtungen, und etwa 5.000 Juden. Die etwa 700.000 Albaner in Griechenland sind meist nominell Muslime, Katholiken oder Orthodoxe, aber die überwiegende Mehrheit praktiziert ihren Glauben nicht. Siehe auch: Katholische Kirche in Griechenland

Religionsgeschichte

Zur vorchristlichen Religionsgeschichte siehe Griechische Mythologie

Politik

Innenpolitik

Am 7. März 2004 fand in Griechenland ein Regierungswechsel statt. Die konservative Partei Nea Dimokratia (ND) löste die bisher regierende sozialistische Partei PASOK ab. Am 8. März 2004 beauftragte Staatspräsident Konstantinos Stefanopoulos den Spitzenkandidaten der Konservativen Kostas Karamanlis mit der Regierungsbildung. Schon einen Tag später, am 9. März 2004, stellte er seine neue Regierungsmannschaft vor. Zum neuen Außenminister ernannte er den Diplomaten Petros Molyviatis. Dieser gilt als Fachmann für die Zypernfrage. Die Verhandlungen über die Wiedervereinigung der Insel scheiterten jedoch durch die Ablehnung des Annan-Planes durch die griechischen Zyprioten Ende April 2004. Die neue griechische Regierung hat 19 Minister, darunter zwei Frauen. Karamanlis erklärte zudem die Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele im August 2004 zur Chefsache, da sein Regierungsteam in dieser Hinsicht unter großem Zeit- und Handlungsdruck stand. Die mit Hilfe der UNO geführten Verhandlungen über eine Wiedervereinigung Zyperns scheiterten, weshalb am 1. Mai 2004 nur der griechische Teil der Mittelmeerinsel der Europäische Union beitrat. Die neue Regierung wird nach Presseberichten weiter eine Annäherung mit der Türkei anstreben. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan war einer der ersten Politiker, die Karamanlis zu seinem Sieg gratulierten. Die beiden größten Parteien Nea Dimokratia und Pasok beherrschen seit 1974 die griechische Politik, daneben spielt auch die kommunistische KKE eine wesentliche Rolle. Die Sitzverteilung im griechischen Parlament, der Vouli ton Ellinon, sieht derzeit wie folgt aus: Nea Dimokratia - 165 PASOK - 117 KKE - 12 SYN - 6 Siehe auch: Politische_Parteien_in_Griechenland Innenpolitisch steht Griechenland vor zahlreichen Herausforderungen. Diese liegen im wesentlichen in den Bereichen der Haushaltspolitik und der Konsolidierung des immer noch dramatisch defizitären Staatshaushalts und der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, die trotz des konstanten beachtenswerten Wirtschaftswachstums der letzten Jahre immer noch auf hohem Niveau verharrt bei gleichzeitig massiver Teuerung. Ein weiteres ungelöstes Problem ist der massive Zuzug, vor allem illegaler als in der Landwirtschaft geschätzter billiger Arbeitskräfte, von Ausländern v.a. aus Albanien, Rumänien und Bulgarien. Mit einer gleichzeitig steigenden Kriminalitätsrate v.a. im Bereich der Eigentumsdelikte -in der Vergangenheit eine quantité negligeable- begünstigt dieses Umfeld vermehrt soziale Spannungen und latent fremdenfeindliche Tendenzen in der Bevölkerung.

Außenpolitik

Der außenpolitische Kurs Griechenlands steht oftmals im Gegensatz zu dem seiner Bündnispartner in EU und NATO. Der Ministerpräsident der 90er Jahre Andreas Papandreou galt mit seinen immer wiederkehrenden nationalistischen Eskapaden als Enfant terrible in der EU. Der in der Bevölkerung tief verwurzelte Anti-Amerikanismus und das schwierige Verhältnis Griechenlands zu seinen Nachbarn sowie tiefe Prägungen aus der Geschichte machen Griechenlands Außenpolitik zu einem komplexen Thema. Insofern sind die schrittweise Aussöhnung und die immer besser werdenden Beziehungen zum ehemaligen Erzfeind Türkei ein revolutionärer Schritt. Griechenland gilt als einer der größten Befürworter eines EU-Beitritts Ankaras. Auch wenn Griechenlands Position zum Zypern-Konflikt eindeutig ist, so hat die Ablehnung des Annan-Plans das Verhältnis zur Türkei nicht wesentlich belastet. Das Verhältnis zu Albanien, mit dem der faktische Kriegszustand erst 1987 beendet wurde, kann mittlerweile als ausgeglichen betrachtet werden, die Kontakte zu Sofia und Bukarest sind sehr gut. Mit Bulgarien wurde die Eröffnung 3 neuer Grenzübergänge vereinbart. Die diplomatischen Beziehungen zum nördlichen Nachbarn Mazedonien befinden sich zwar im Ausbau und der Ausblick ist positiv. Das Verhältnis bleibt jedoch wegen des nach wie vor ungelösten Namensstreits belastet, verstärkt wieder nach Anerkennung der Republik Mazedonien durch die USA im November 2004. Die Beziehungen zu Serbien sind traditionell exzellent. Serbien gilt immer noch als jahrhundertealter einziger Verbündeter, den man auf dem Balkan hat. Die durchweg pro-serbische Haltung im Jugoslawienkrieg und die dezidiert geschlossen ablehnende Haltung gegen das NATO-Bombardement auf Serbien 1999 belasteten jedoch das gespannte Verhältnis zur NATO, auch wenn Griechenland offiziell seine Bündnistreue betont.

Gesundheitswesen

Im griechischen Gesundheitssystem genießen, ähnlich wie in Großbritannien, alle griechischen und ausländischen Bürger, die in Griechenland tätig sind, einen staatlichen Versicherungsschutz. Der Arzt kann wählen zwischen dem Dienst im öffentlichen Bereich oder einer Privatpraxis; beide Varianten zusammen sind nicht möglich. Die Versorgung kann in zwei Kategorien eingeteilt werden: Die primäre Versorgung der staatlichen Versicherung, wobei hier ungleiche Verhältnisse bei den ärztlichen Dienstleistungen in Städten, städtischen Randgebieten und ländlichen Bezirken bestehen. In den städtischen Zentren ist die primäre staatliche ärztliche Versorgung deutlich besser als auf dem Land, weil es gut organisierte Ärztehäuser gibt, die von den Versicherten aller Bereiche zwecks ihrer Behandlung aufgesucht werden. Die sekundäre private Versorgung, wie man sie gewöhnlich in Privatpraxen sowie den Hauptstädten der Regierungsbezirke und in den Städten der größeren Inseln findet. Die von zahlreichen Touristen in Anspruch genommene ärztliche Versorgung der Inseln wird hauptsächlich von einzelnen, frei praktizierenden Ärzten, von privaten Gesundheitszentren mit meist sehr guter Facharztausstattung, sowie von Landärzten wahrgenommen. Die staatliche Versorgung ist nicht ganz auf mitteleuropäischem Stand (v.a. spezielle OP-Verfahren betreffend), während die Privatversorgung mitteleuropäischen Standard hat. Teilweise ist sogar in Notfällen kein Vorzeigen des persönlichen Krankenheftes notwendig, wenn der Patient nicht stationär behandelt wird. Dies gilt für alle Personen, die sich in Griechenland aufhalten.

Kultur und Gesellschaft

Griechische Philosophie

Artikel: Philosophie der Antike

Griechische Kunst

Hauptartikel: Kunstgeschichte Griechenlands

Griechische Küche

Hauptartikel: Griechische Küche

Griechische Literatur

Hauptartikel: Griechische Literatur

Griechische Musik

Hauptartikel: Griechische Musik

Griechischer Wein

Hauptartikel: Weinbau in Griechenland

Sport


- Fußball ( Fußball in Griechenland )
- Basketball ( Griechischer Basketball )
- Volleyball
- Wasserball
- Gewichtheben
- Handball
- Marathonlauf (dieser geht der Legende nach auf den Läufer Pheidippides zurück, der die Nachricht vom Sieg der Griechen über die Perser nach Athen brachte)

Adel

Laut Artikel 4 Absatz 7 der griechischen Verfassung werden "griechischen Staatsbürgern (...) Adelstitel oder Rangbezeichnungen weder verliehen noch anerkannt."

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Griechenlands, siehe auch: Liste der Herrscher von Griechenland. Das antike Griechenland samt den kleinasiatischen Städten wird als Wiege Europas bezeichnet, insbesondere aufgrund der griechischen Philosophie (siehe: Platon, Aristoteles). Nachdem Rom Griechenland im Jahre 146 v. Chr. zur römischen Provinz machte, wurde es nach der Reichsteilung 395 Bestandteil des oströmischen bzw. byzantinischen Reiches bis zu dessen Untergang. Zu Details siehe: Antikes Griechenland und Byzantinisches Reich Byzantinisches Reich Seit 1453 Teil des Osmanischen Reichs kam es ab 1821 zum großen Volksaufstand. Als einer der wichtigsten geistigen Wegbereiter dieses Volksaufstands gilt Rigas Velestinlis (1757-1798). Durch das Londoner Protokoll vom 3. Februar 1830, vom Osmanischen Reich am 24. April anerkannt, wurde Griechenland zum selbständigen Staat erklärt. Somit war Ioannis Kapodistrias bis zu seiner Ermordung das erste Staatsoberhaupt. Im Jahr 1832 wurde dann Prinz Otto von Bayern als Otto I. Griechenlands erster (neuzeitlicher) König. Allerdings umfasste dieser Staat nur den kleineren Teil des heutigen Staatsgebiets. Thessalien wurde 1881, Kreta 1908 erworben. Die meisten Inseln sowie der Norden Epirus und Nordosten Makedonien des heutigen Staates (mit Thessaloniki) kamen erst durch die beiden Balkankriege 1912-1913 an Griechenland, als das geschwächte Osmanische Reich sich dort nicht mehr gegenüber den mit Serbien und zeitweise Bulgarien verbündeten Griechen behaupten konnte. Nach dem Ersten Weltkrieg versuchte das mit der Entente verbündete Griechenland mit Billigung der Siegermächte (Völkerbundsmandat) die türkische Niederlage zu nutzen, um außer dem von Bulgarien gewonnen Westthrakien auch Osthrakien und das damals mehrheitlich von Griechen bewohnte Gebiet von Smyrna (heute İzmir) unter seine Kontrolle zu bringen. Ziel war die Umsetzung der Megali Idea (Großen Idee), welche vom damaligen Ministerpräsidenten Eleftherios Venizelos mit dem Ausdruck "Griechenland der zwei Kontinente und fünf Meere" als außenpolitisches Ziel konkretisiert wurde. Doch 1922 endete der Griechisch-Türkische Krieg mit einer verheerenden griechischen Niederlage in der Kleinasiatischen Katastrophe. Im Vertrag von Lausanne 1923 wurde ein radikaler Bevölkerungsaustausch vereinbart: Alle noch in großen Teilen der Türkei verstreut lebenden Griechen (mit Ausnahme der Istanbuler Griechen und einiger Inselgriechen) wurden nach Griechenland vertrieben (etwa 1,5 Mio.), im Gegenzug mussten an die 500.000 meist türkische Muslime Griechenland verlassen, mit Ausnahme der Muslime in Thrakien. Die Flüchtlingsquote in Griechenland nach diesem Krieg betrug ca. 25 %, wesentlich mehr als etwa in Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Zweiten Weltkrieg lehnte Griechenland unter dem Diktator General Metaxas ein italienisches Ultimatum zur Kapitulation ab. (Der Tag der Ablehnung, der 28. Oktober 1940 wird heute als Nationalfeiertag, der sogenannte "Nein-Tag", begangen, da Metaxas ein Telegramm lediglich mit dem Wort Όχι, also Nein, an Italien gesendet haben soll.) Daraufhin wurde Griechenland von Italien angegriffen, konnte aber die italienischen Truppen schlagen und bis weit hinter die albanische Grenze zurückdrängen. Erst durch das militärische Eingreifen der deutschen Wehrmacht im April-Mai 1941 über Jugoslawien und Bulgarien wurde der griechische Widerstand gebrochen. Italien, Deutschland und Bulgarien errichteten ein hartes Besatzungsregime. Gegen die bald erstarkende Partisanenbewegung griffen die Besatzungsmächte mehrfach kriegsverbrecherisch auf brutale Weise durch: In verschiedenen Orten, unter anderem in Kalavrita und Distomo, wurde als "Vergeltung" für Partisanenüberfälle die jeweilige Dorfbevölkerung von der Wehrmacht oder "Sondereinheiten" ermordet. Die Frage nach einer Entschädigung von deutscher Seite für diese Aktionen ist bis heute immer wieder Gegenstand politischer Diskussion. Der bewaffnete Widerstand ging hauptsächlich von der kommunistisch beeinflussten Volksbefreiungsarmee ELAS aus. Gleichzeitig gab es aber auch rivalisierende royalistische Partisanen, die durch Großbritannien unterstützt wurden. Nach militärischer Intervention Großbritanniens am 5. Dezember 1944 wurde die ELAS entsprechend dem Abkommen von Varkiza vom 12. Februar 1945 entwaffnet und demobilisiert. Der Zweite Weltkrieg ging in Griechenland quasi direkt in den Griechischen Bürgerkrieg über, der sich bald als Stellvertreterkrieg der beiden politischen Pole entpuppte: Die griechischen Kommunisten, welche die Hauptlast des Partisanenkampfes gegen das Besatzungsregime der deutschen Wehrmacht getragen hatten, versuchten nun, nur halbherzig unterstützt von der Sowjetunion und anfangs auch Jugoslawien (siehe Landkarte mit Umfang jugoslawischer Ansprüche gegen Griechenland:[http://www.macedonian-heritage.gr/Images/Maps/Borders_Symbols_Stability/map4.gif 1]), die Herrschaft über das befreite Griechenland zu erlangen, stießen jedoch auf vornehmlich royalistische Gegenwehr, welche v.a. von Großbritannien und den USA großzügig unterstützt wurde. Im Gegensatz zu allen anderen osteuropäischen Staaten gelang den Kommunisten die Machtübernahme in Griechenland jedoch nicht: Im auf beiden Seiten mit äußerster Härte, auch gegenüber der Zivilbevölkerung, geführten Bürgerkrieg wurden die kommunistischen Verbände immer mehr nach Nordwesten zurückgedrängt. Das Ende der Unterstützung durch Jugoslawien besiegelte schließlich das Ende ihrer militärischen Macht. Grund für die spärliche Unterstützung durch die kommunistischen "Bruderstaaten" war ein Geheimabkommen am Rande der Konferenz von Jalta 1945: Churchill und Stalin hatten dort ein Einflussverhältnis von "90% West zu 10% Ost" für Griechenland vereinbart; dies wurde später von vielen griechischen Kommunisten als "sowjetischer Verrat" empfunden, da man lediglich ein Bauernopfer Stalins gewesen sei. Seit dieser Zeit gibt es in Griechenland zwei Kommunistische Parteien (griechisch "KKE" für Κομμουνιστικό Κόμμα Ελλάδας, lat.: Kommunistiko Komma Elladas, dt.: Kommunistische Partei Griechenlands): die damals Desillusionierten bildeten die "Inlands-KKE", die weiterhin linientreuen Stalinisten die "Auslands-KKE". Im Sinne eines strikten Antikommunismus blieben noch bis in die 1960er Jahre viele bürgerliche Freiheiten eingeschränkt, was die NATO jedoch nicht davon abhielt, Griechenland 1952 aufzunehmen und so strategisch im Westen zu verankern. 1967 ergriff in Reaktion auf Liberalisierungstendenzen ein Militärregime unter Georgios Papadopoulos die Macht, während dessen zahlreiche Oppositionelle eingesperrt, gefoltert, ermordet oder ins Exil getrieben wurden, darunter der Komponist Mikis Theodorakis (sog. Obristenputsch). Das Zypernabenteuer der Junta führte 1974 zum Zusammenbruch der Diktatur und zur Rückkehr zur Demokratie unter Konstantin Karamanlis. Seit 1981 ist Griechenland Mitglied der EU. Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Modernisierung wurde durch die hohen EU-Hilfsgelder (unter anderem für die Landwirtschaft) gefördert, doch der Abstand zu den entwickelteren EU-Staaten blieb bestehen. Angesichts der Umwälzungen im ehemaligen Jugoslawien ab 1989 versuchte Griechenland eine eigenständige, proserbische außenpolitische Rolle zu spielen, oft in deutlicher Abgrenzung von EU und NATO. Dies zeigte sich in der Namensfrage mit Mazedonien oder im Bosnien- und Kosovokonflikt. Dies lag vor allem an den wirtschaftlichen Interessen Griechenlands in dieser Region (Transitwege), aber auch ideologische Parallelen spielten hierbei eine gewichtige Rolle. In jüngster Zeit wurden unter der Regierung Simitis Schritte zur Entkrampfung des griechisch-türkischen Verhältnisses, aber auch der Beziehungen zu den Nachbarstaaten auf dem Balkan unternommen, die wirtschaftlich zunehmend interessant werden für den griechischen Außenhandel und für Auslandsinvestitionen.

Literatur


- Bötig, Klaus: Griechenland: Festland und Peloponnes, DuMont : Köln 1996, 396 S., ISBN 3-7701-3456-7
- Müller, Michael (Hrsg.): Griechenland. Reisehandbuch, Michael Müller Verlag : Erlangen, 8. Aufl. 2002, 768 S., ISBN 3-9232-7860-8
- Steven W. Sowards: Moderne Geschichte des Balkans. Der Balkan im Zeitalter des Nationalismus, BoD 2004, ISBN 3-8334-0977-0

Siehe auch


- Portal: Griechenland

Weblinks


- 20px Wiki-Portal Griechenland
- [http://www.griechische-botschaft.de/ Griechische Botschaft in Berlin]
- [http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?type_id=14&land_id=52 Länder- und Reiseinformationen] des Auswärtigen Amtes
- [http://www.mythos-griechenland.de Der Mythos Griechenland über die Jahrhunderte]
- [http://dmoz.org/World/Deutsch/Regional/Europa/Griechenland/ Open Directory Project: Griechenland]
- [http://home.nikocity.de/schmengler/texte/griech.htm Agrarsektor und Agrarstrukturen in Griechenland]
- [http://de.greece-museums.com/ Griechische Museen]
- [http://www.archiv-vegelahn.de/nachschlagwerke_griechenland.html Bibliographie Griechenland]
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Artemis (Mythologie)

Artemis (Aρτεμις) war in der griechischen Mythologie (ihr Ursprung liegt weit vor der griechischen Kultur) eine der zwölf großen olympischen Gottheiten, die Göttin der Jagd, des Wachstums und der Geburt und gleichzeitig die Beschützerin der Schwachen und Kinder. Sie ist die Tochter der Leto und des Zeus und die Zwillingsschwester von Apollon, bei dessen Geburt sie Leto geholfen haben soll.

Zuschreibungen

Sie war eine Mondgöttin bei den Amazonen, weshalb ihr Beiname auch "Cynthia" (gr. der Mond) ist. Die Römer setzen sie mit Diana gleich. Artemis ist ein jungfräuliche Göttin, eine Göttin der Fülle und der Fruchtbarkeit und eine Göttin von Tod und Verwandlung. Das klassische Bild der Artemis ist das einer jungfräulichen Jägerin, die allein oder von Jungfrauen oder Hunden begleitet, durch die Wälder streift. Dieses Bild scheint auf den zweiten Blick vereinfachend naiv, enthält aber auf den dritten Blick alle ihre wesentlichen Aspekte und ist darum von einer großen poetischen Tiefe und Wahrhaftigkeit. Der Bereich des Waldes ist der der ungezähmten Natur, der Wildheit (auf dem ganzen Peleponnes wurden ihr zur Ehre orgiastische Tänze beider Geschlechter veranstaltet) und Artemis wurde nie gezähmt. Artemis wurde von den Mythologen nie verheiratet, war keinem Manne untertan (wie die kuhäugige Hera), sondern frei, kinderlos und mehr dem eigenen Geschlecht zugeneigt. Deshalb galt sie als Jungfrau, die sie begleitenden Jungfrauen sind historisch belegt als die 9jährigen "Bärinnen", die ihr in Brauron bei Athen dienten, bis sie das Brautalter erreichten. Die Jägerin jagt überwiegend bei Nacht. Der silberne Bogen, der ihre Waffe ist, ist die Sichel des Mondes. Der Wald ist dunkel, die Nacht des gerade zunehmenden Mondes ist es auch. Ihre Waffe ist tödlich für Menschen und Tiere. Ihre Begleiter sind die Hunde. Hunde sind traditionelle Wächter des Tores zur Unterwelt und hier erkennen wir Artemis als Unterweltsgöttin. Artemis trägt auch den Beinamen Hekate.Ihre Pfeile treffen immer. Ihre Statue in Ephesus stellt sie über und über bedeckt mit Brüsten dar, was sie als Ernährerin aller Lebewesen verkörpert. BrüstenNach anderer Deutung handelt es sich um Stierhoden, die für Fruchtbarkeit stehen. Sie schützt die schwangeren Frauen und Kinder beiderlei Geschlechts. Ihr Name in Sparta lautete "Artamis", was soviel bedeutet wie "Schlächterin". Auf Tauris opferten die Frauen unter der Hohepriesterin Iphigenie alle Männer, die sich an die Küste verirrten. In Hierapolis wurden Männer durch Hängen am Artemis-Tempel geopfert. In Attika besänftigte man Artemis durch symbolische Enthauptungen (bei denen der Hals eines Mannes mit dem Opferschwert geritzt wurde, bis Blut floss). Der zerstörerische Aspekt der Artemis wurde vor allem bei abnehmendem Mond geehrt. Artemis war eine wilde, unzähmbare Göttin, die Leben nicht nur gibt, sondern auch nimmt. Im Neuen Testament wird der Tempel der Artemis in Ephesus erwähnt,eines der sieben Weltwunder. Die dort ansässige Devotionalienindustrie befürchtete, durch das Christentum Nachteile zu erleiden. (Apostelgeschichte 19,23-41). Bemerkenswert ist, dass in Ephesus Kyrill von Alexandria, aus dem Land der in ganz Europa populären Göttin Isis, auf dem Konzil von Ephesos die Verehrung von Maria als Gottesgebärerin durchsetzte, was der Beginn des christlichen Marienkultes war.

Erzählungen

Artemis und Kallisto

Es wird erzählt, die jungfräuliche Artemis habe auch von ihren Begleiterinnen Keuschheit verlangt. Als ihre Lieblingsgefährtin Kallisto - kalliste (die Schönste), ein Name, den ursprünglich Artemis selbst innegehabt haben dürfte - von Zeus beschlafen worden war und den Arkas geboren hatte, wurde sie von Artemis in eine Bärin verwandelt und weggejagt, weil sie keine Jungfrau mehr war. Andere Geschichten sehen in der eifersüchtigen Hera die Übeltäterin, die alles so einrichten konnte, dass Artemis die Kallisto irrtümlich verjagte. Zeus versetzte Kallisto dann als Ursa Major in den Himmel. Artemis ist die Große Bärin am Himmelszelt (Ursa Major ist weiblich), die Geschichte von der Nymphe Kallisto, die von Zeus geschwängert und deshalb von Artemis in eine Bärin verwandelt und gejagt, von Zeus aber gerettet wurde, eine spätere Erfindung. Die Geschichte handelt in Wirklichkeit von Artemis selbst, die sich mit Zeus in Bärengestalt vereinigt haben soll. Aus der Verbindung sollen ein oder zwei Söhne entsprungen sein: Arkas, der Stammvater der Arkadier, und Pan. Artemis in ihrer Gestalt als Bärin weist auf ihr sehr hohes Alter. Der Bär oder die Bärin gehört zu den ältesten und mächtigsten Begleitern des Menschen. Der Bärenkult lässt sich bis zu den steinzeitlichen Jäger- und Sammlerkulturen zurückverfolgen. Die keltische Artio und König Artus tragen gleichfalls den Bären im Namen.Artus] Artus

Artemis und Aktaion

Die bekannteste Erzählung über ein Zusammentreffen mit einem Mann ist die über Aktaion, den Sohn des weisen Kentauren Chiron, der den Apollonsohn Asklepios die Heilkunst lehrte. Aktaion soll Artemis nackt im Bade gesehen haben, die ihn in einen Hirsch verwandelt habe. So sei er von seinen eigenen Hunden zerrissen worden. Richtig wird sein, daß Aktaion ein Heiliger König war, der mit Artemis in ihrer Hirschgestalt Hochzeit hielt und am Ende seiner Zeit sterben mußte. Die Geschichte könnte auch so gedeutet werden, daß er, indem er die Göttin in ihrer Schönheit erkannte, seine menschliche Natur verlassen habe, um mit ihr eins zu werden und so vom Jäger zum Gejagten geworden sei. Ich denke es liegt zwischen beiden Deutungen kein großer Unterschied. In der Realität wurde diese Jagd von Artemis-Priesterinnen nachgespielt, die mit Hundekopf-Masken bedeckt waren und einen als Hirsch verkleideten Mann jagten.

Artemis und Orion

Als Mondgöttin und leidenschaftliche Jägerin - deshalb wird sie auch mit Pfeil und Bogen dargestellt - lenkte sie den Mond über den Himmel, ging aber bei Neumond immer zur Jagd. Als sie sich mit Orion, dem prächtigen und wilden Jäger, befreundete, soll sie ihre Pflichten als Mondgöttin vernachlässigt haben, um sich mit ihm in der Dunkelheit zu treffen. Apollon erzürnte sich darüber und forderte Artemis zum Wettkampf heraus: Es gelinge ihr sicher nicht, einen dunklen Punkt weit draußen im Meer mit ihrem Pfeil zu treffen. Artemis schaffte dies sehr wohl - und bemerkte zu spät, dass sie damit dem Kopf des dort schwimmenden Orions, durchbohrt hatte. Deshalb erhob sie ihn als Sternbild in den Himmel (dessen Schulterstern Beteigeuze hell leuchtet, dessen Kopfstern aber nur schwer sichtbar ist). Eine andere Erzählung berichtet allerdings davon, dass Orion versucht habe, die jungfräuliche Artemis zu vergewaltigen, wonach sie ihn getötet habe. Wieder eine andere Geschichte sieht Orion als den Jäger, der alle wilden Tiere des Erdkreises töten wollte. Die Erde oder Artemis selbst brachte daraufhin einen Skorpion hervor, gegen den Orion nichts ausrichten konnte und der ihn schließlich tötete, wonach beide als Sternbild in den Himmel versetzt wurden.

Die Tötung der Niobiden

Um Artemis ranken sich viele grausame und weniger grausame Legenden, wie zum Beispiel die Tötung der Niobiden, der Kinder der Niobe. Die Königin Niobe hatte 14 Kinder, 7 Jungen und 7 Mädchen - die Niobiden und versuchte das Volk zu überreden, der Göttin Leto keine Opfer mehr zu bringen, schließlich habe sie nur 2 Kinder, Artemis und Apollon, und sie immerhin 14! Dieses erzürnte die Göttin und auch ihre Kinder, so dass Artemis und Apollon auszogen, um die Niobiden mit Pfeil und Bogen zu erlegen. Apollon tötete die 7 Jungen, Artemis die Mädchen (ein Motiv zahlreicher antiker Plastiken). Anschließend verwandelten sie die Mutter Niobe in einen Felsen, der ständig Tränen vergießen sollte.

Literatur


- Karl Kerényi, Die Mythologie der Griechen - Die Götter- und Menschheitsgeschichten; München (dtv) 1998 (ISBN 3-423-30030-2)
- Karl Kerényi, Die Mythologie der Griechen - Die Heroen-Geschichten; München (dtv) 1992 (ISBN 3-423-30031-0)
- Michael Grant und John Hazel, Lexikon der antiken Mythen und Gestalten, München (dtv) 1980 (ISBN 3-423-32508-9)
- Walter F. Otto, Die Götter Griechenlands, Frankfurt am Main (Vittorio Klostermann) 2002 (ISBN 3-465-03173-3)
- Robert von Ranke-Graves, Griechische Mythologie, Reinbek bei Hamburg (Rowohlt) 2003 (ISBN 3-499-55404-6)
- Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff: Der Glaube der Hellenen , 2 Bde. ( 2 1959, Nachdr. 1984);

Weblinks


- [http://www.sungaya.de/schwarz/griechen/artemis.htm sungaya.de] Siehe auch: Potnia theron, Portal:Mythologie, Skorpion (Sternbild)
Kategorie:Griechische Gottheit ja:アルテミス ko:아르테미스

Troja

]] Troja, auch Troia (griechisch: Τροίη / Troíē; türkisch Truva) ist eine historische Stadt des Altertums in der Landschaft Troas im Nordwesten der Türkei am Hellespont.

Forschungsgeschichte

An der Meerenge der Dardanellen gelegen, kontrollierte die bronzezeitliche Stadt den Zugang zum Schwarzen Meer. Die Schiffe konnten damals noch nicht gegen den Wind kreuzen, also warteten sie im Hafen der Festung auf günstige Winde. Ihr Wegezoll brachte der Stadt Reichtum. Es ist nicht erwiesen, gilt aber als wahrscheinlich, dass das bei Homer auch Ilion oder Ilios genannte Troia mit der hier beschriebenen Stadt identisch ist.

Die ersten Troia-Forscher und Schliemann

1820 verfasste der schottische Zeitungsverleger und Amateurgeologe Charles Maclaren einen Essay über Troia, den er 1824 zu einer voluminösen Dissertation erweiterte, in der er den Hügel Hisarlık als Troia lokalisierte. Ein Teil dieses Hügels war damals im Besitz der englischen Großgrundbesitzer- und Diplomatenfamilie Calvert. Als Maclaren 1863 eine noch fundiertere Beschreibung der Ebene von Troia publizierte, versuchte der jüngste Sohn der Familie, Frank Calvert, den restlichen Hügel zu erwerben. Dieses Vorhaben misslang, doch dafür machte er selbst kleinere Probegrabungen von 1863-65. Diese beeindruckten ihn so sehr, dass auch er von der Existenz Troias an dieser Stelle überzeugt war. Seine Bitte an das British Museum zwecks baldiger Erforschung wurde abschlägig beschieden. British Museum] Am 9. August 1868 kam der deutsche Großkaufmann und Hobby-Archäologe Heinrich Schliemann in die Ebene der Troas. Auch er war hier auf der Suche nach dem sagenhaften Troia und vermutete es zuerst unter dem Hügel Balli Dağ aufgrund einer These von Jean Baptiste LeChevalier (1791). Schliemann und seine fünf Arbeiter wurden nicht fündig, er wollte abreisen, verpasste sein Schiff und traf dabei zufällig auf Frank Calvert, in dessen Haus er übernachtete. Calvert konnte nun Schliemann mit seiner Überzeugung begeistern, dass sich unter dem Hügel von Hisarlık die Ruinen des homerischen Troias verbergen müssen. Entgegen der Selbstdarstellung in seiner Biographie verdankte also Schliemann die Kenntnis des Ortes nicht seiner Lektüre von Georg Ludwig Jerrers Weltgeschichte für Kinder im Alter von acht Jahren sowie seiner genialen Intuition, sondern nur dem Konsul Calvert entsprechend den Recherchen von Zangger (1994, 83ff.). Schliemanns spektakulärster Fund war nun der sog. Schatz des Priamos (Schliemanns eigene Bezeichnung). Er begründete in mehrfacher Hinsicht Neues: Schliemanns Ruhm als Wissenschaftler, die Begeisterung des wilhelminischen Kaiserhauses für Troia und für die Archäologie im Allgemeinen, die nun im öffentlichen Ansehen von einer Disziplin für Amateure und Reisende zu einer ernsthaften Wissenschaftsdisziplin befördert wurde. Der Goldschatz wurde lange Zeit im Antikenmuseum in Berlin aufbewahrt und nach dem Zweiten Weltkrieg als Beutekunst in die UdSSR gebracht. Allerdings ergaben sich bereits zu Schliemanns Lebzeiten erste Hinweise darauf, dass der Schatz mehr als 1.000 Jahre älter war als von Schliemann angenommen.

Dörpfeld und Blegen

Wie weitere Ausgrabungen ergaben, war Troja von der Frühen Bronzezeit (ca. 3000 v. Chr.) bis in die Spätantike besiedelt. Mit dem Christentum ließ die Bedeutung der Stadt, in der die troianischen Sagenhelden verehrt worden waren, dann deutlich nach. Bis heute wurden mehr als 10 Siedlungsschichten entdeckt (Troia I - Troia X). Dabei gehören - vereinfacht ausgedrückt - Troia I und II der frühen, Troia III-V der mittleren, Troia VI-VIIa der späten Bronzezeit und Troia VIIb1 - b3 der frühen Eisenzeit an. Troia VIII und IX datieren in die Zeit vom 8. Jahrhundert v. Chr. bis in die römische Zeit, Troia X, ein byzantinischer Bischofssitz, reicht bis ins Mittelalter. Unlängst sind Spuren noch früherer Besiedlung gefunden worden, die bis ins 5. Jahrtausend v. Chr. zurückreichen. Ob auch der trojanische Krieg einen historischen Kern hat, ist weiterhin höchst umstritten. Die Lage der Stadt Troia wird in der Dichtung Ilias von Homer klar beschrieben: es werden die Dardanellen (im Werk: Hellespont) genannt, der höchste Berg ist der Kazdagi (Ida Berg), es werden zudem 2 Flüsse beschrieben namens Skamander (heute Karamanderes) welcher dem Ida Berg entspringt und Simois welche sich bei Troia vereinen und in den Hellespont fließen. Es wird auch von den Inseln Tenedos (Bozcaada) und Imroz (Gökceada) berichtet. Die heute archäologisch erschlossenen Flächen umfassen nur die Festung von Troia, mit Sicherheit befand sich ein großer Teil der Stadt außerhalb der befestigten Anlagen. Eisenzeit Schliemann hielt das imposante frühbronzezeitliche Troia II für das homerische. Er glaubte damals irrtümlich, dass es zeitgleich mit Mykene und Tiryns war. Dörpfeld hielt die 6. Siedlungsschicht (Troia VI) für das Homerische Troia. Schicht VIh ist um 1300 v. Chr. aber wahrscheinlich durch ein starkes Erdbeben zerstört worden. Daher hielt Carl Blegen die darauf folgende Schicht, Troia VIIa für das homerische Troia. Diese These fand und findet den meisten Zuspruch. Nach neueren Keramikuntersuchungen wird das wahrscheinlich gewaltsame Ende von Troia VIIa auf ca. 1200 v. Chr. datiert. Das passt gut zu den meisten Datierungen des Trojanischen Krieges durch antike Autoren. Als "Kandidat" für das Ilion Homers kommt aber auch noch Troia VIIb1 in Betracht. Neben Festhalten der Traditionen von Troia VI und VIIa treten hier neue Elemente zu Tage, z.B. sog. Handmade Ware (grobe, einfach verzierte graue handgemachte Keramik), die auf teilweise geänderte Bevölkerung schließen lassen. Das passt besser zu den Angaben Homers. Auch die machtpolitischen Verhältnisse in Kleinasien, wie sie Homer schildert, passen gut in diese Zeit. Die mykenische Kultur hat im 12. und 11. Jh. weiterbestanden. Auch Handel und Seefahrt wurden weiterbetrieben. Ein Krieg von Griechen gegen Troia im 12. Jh. wäre also denkbar. Dagegen hätte ein Zug gegen Troia im 14. oder 13. Jh. unweigerlich die Hethiter auf den Plan gerufen und sicherlich einen Niederschlag in den hethitischen Schriftquellen gefunden.

Hethiter-These von Latacz

Dennoch bleibt in diesem Punkt vieles ungeklärt. Die äußerst komplizierte Frage, inwieweit Homer tatsächlich als Quelle für die späte Bronzezeit dienen kann, und ob es überhaupt einen troianischen Krieg gegeben hat, kann hier nicht angemessen behandelt werden. Die Thesen des Altphilologen Joachim Latacz stützen sich auf neue Grabungsergebnisse und werden in der Fachwelt kontrovers diskutiert. Troja war vielleicht mit einer in hethitischen Quellen genannten Stadt Wilusa (= (W)Ilios) identisch, aber archäologische Beweise für die Authentizität der von Homer geschilderten Ereignisse fehlen. Ein 1995 entdecktes Bronzesiegel mit luwischen Inschriften belegt die Nähe Troias zum hethitisch-luwischen Kulturkreis. Andererseits ist die Belegbasis eines einzigen Siegels zu gering für weitreichende Schlussfolgerungen. Es blieb bislang der einzige derartige Fund, der zudem noch der Schicht VII b (= 12. Jh. v. Chr.) zugeordnet wurde. Innerhalb der Klassischen Philologie ist Latacz bislang der Einzige, der die Historizität der homerischen Epen und zugleich die Verbindung mit dem Korfmannschen Troia in Erwägung zieht. Weder in der hethitischen noch in der griechisch-römischen schriftlichen Überlieferung finden sich eindeutige Belege für die Identität Hisarlıks mit dem homerischen Troia, dasselbe gilt für die Verbindung mit Wilusa (auch das sprachwissenschaftliche Argument Wilusa = Ilion ist nicht allgemein anerkannt). Image:Trojan horse Çanakkale.jpg|Trojanisches Pferd, Requisite des Films Troja, Çanakkale, Turkei Image:Çanakkale trojan horse.jpg|Trojanisches Pferd, Çanakkale, Turkei Bild:Trojanisches_Pferd.jpg|Trojanisches Pferd, Nachbau bei der Troja-Ausstellung im Mai 2001 in Stuttgart

Korfmann und die Entdeckung der Unterstadt 1994

Bis vor kurzem beschränkten sich die Ausgrabungen auf die Burg (Akropolis) von Troia Oberstadt. Der Münchner Archäologe und Geophysiker Helmut Becker entdeckte durch geomagnetische Messungen eine ausgedehnte Unterstadt unterhalb der Akropolis. Seither wird bei den aktuellen Grabungen von Manfred Korfmanns Team (jetzt: Dr. Peter Jablonka) auch verstärkt die Unterstadt erforscht. Die reale Ausdehnung Troias rückte dadurch in das Zentrum der laufenden Diskussion. Korfmanns Thesen über die Bedeutung Troias stießen in der Forschung auf zunehmenden Widerstand und führten ab 2001 zu einer breiten, oftmals ins Persönliche gehenden Diskussion innerhalb der deutschen Altertumswissenschaften. Im Kern kreist dieser "neue Streit um Troia" um die tatsächliche Größe und Bedeutung des bronzezeitlichen Troia. Während Korfmann in Troia ein überregionales Handelszentrum sah, beschränken es einige Archäologen und Althistoriker auf eine nur mittelmäßig bedeutende Siedlung. Der Protagonist dieser Gruppe ist Korfmanns damaliger Tübinger Kollege Frank Kolb, der selbst über jahrelange Grabungserfahrung in der Türkei verfügt. Der Hauptvorwurf an Korfmann und seinen akademischen Mitstreitern besteht in einer Vernachlässigung der wissenschaftlichen Sorgfalt und Vorsicht im Namen möglichst spektakulärer, öffentlichkeitswirksamer Ergebnisse. Seit dem Beginn des Troia-Streites musste Korfmann zahlreiche der seine Theorie stützenden Grabungsinterpretationen zurückziehen und kam den Argumenten der Gegenseite ein Stück weit entgegen. An der Gesamtinterpretation der Grabungen hält das Team um Korfmann und seinen designierten Nachfolger Jablonka allerdings fest. Eine eindeutige Entscheidung konnte die Auseinandersetzung nicht erbringen. Im Laufe des "neuen Kampfes um Troia" wurde schließlich auf beiden Seiten nicht mit persönlicher Kritik und unsachlichen Bemerkungen gespart, was der fachlichen Auseinandersetzung und ihrem Ansehen in der Öffentlichkeit eher geschadet haben dürfte. Die Korfmann-Position prägt heute das Troia-Bild der interessierten Öffentlichkeit. Der öffentliche Streit hat sich bereits seit Sommer 2004 etwas beruhigt, nachdem die Debatte mehr und mehr auf persönlicher Ebene ausgetragen wurde. Nach dem Tod Manfred Korfmanns im August 2005 steht die Troia-Kampagne nun vor einer ungewissen Zukunft. Es ist zu erwarten, dass das Tübinger Team sich um eine längerfristige Fortsetzung der Forschungen bemühen wird. Das negative Beispiel des Tübinger Symposiums könnte schließlich doch noch zu einer Versachlichung der Forschungsdiskussion führen.

Troia = Atlantis?

Manfred Korfmann Der Geoarchäologe Eberhard Zangger entwickelte daneben in seinem 1992 erschienenen Buch „Atlantis. Eine Legende wird entziffert“ die Hypothese, das sagenhafte Atlantis, das in der Beschreibung des Philosophen Platon archäologisch nachweisbare Merkmale des historischen Troja aufweise, sei das durch die Griechen vernichtete Troja gewesen. Anhand geoarchäologischer Befunde versucht er am Beispiel Mykenes zu zeigen, dass der in der Ilias und der Odyssee überlieferte trojanische Krieg und die bei Platon beschriebenen Naturkatastrophen den Untergang des heroischen Zeitalters um 1200 vor Christus eingeleitet haben könnten. Allerdings ruhen Zanggers Thesen nur auf ausgesprochen unsicheren Fundamenten, und seine Argumentation verlässt sich an entscheidenden Punkten letztlich zu sehr auf Spekulationen. So kann eine Identität von Troja und Atlantis archäologisch weder widerlegt noch bewiesen werden. Dieser Ungewißheit sollte ein Projekt zur geoarchäologischen Erkundung der Ebene von Troas mit hubschraubergestützten geomagnetischen Messungen von Zangger in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) abhelfen. Das Projekt wurde den türkischen Behörden schon 1998 vorgelegt [http://www.bgr.de/b314/htm/troja.htm]. Nur eine Woche nach Bekanntmachung dieses ambitionierten Vorhabens durch den Spiegel (29.12.1998) [http://web.archive.org/web/20030815234713/http://www.sarifil.com/manisa/basin/der_01.htm] empörte sich eine Mitstreiterin Korfmanns im Schwäbischen Tagblatt (9.1.1999) über diese "Anmaßung" und bezweifelte, dass es Zangger gelingen werde, eine amtliche Erlaubnis zu erhalten [http://web.archive.org/web/20020927191424/http://asweb.artsci.uc.edu/classics/troy/deu/presse5.html]. Gegner von Zanggers Idee einer Identität von Troja und Atlantis insistieren auf dem zentralen Problem aller Atlantisspekulation: die Existenz einer Stadt, eines Landes "Atlantis" ist nur durch eine einzige Quelle belegt. Platon beschreibt Atlantis in den Dialogen "Kritias", "Timaios" und vermutlich auch in seinem Spätwerk "Nomoi" (Die Gesetze) als einen Staat von utopischem Charakter. Die Nennung des Namens "Atlantis" sei kein Widerspruch zur Annahme, dass Atlantis nur ein utopisches Konstrukt Platons sei. Skeptiker der Atlantis-Theorien plädieren daher, den Ort radikal außerhalb der "Säulen des Herakles" (Gibraltar) zu lokalisieren, d.h. außerhalb der diesseitigen Welt. Unterstützung erhalten sie dabei von Aristoteles, der ebenfalls Atlantis als utopisches Konstrukt Platons interpretiert. Die Suche nach Atlantis könne daher nicht realer sein als Sokrates' "Wolkenkuckucksheim".

Literatur


- Latacz, Joachim (2005): Troia und Homer. Der Weg zur Lösung eines alten Rätsels. München: Koehler & Amelang. 384 S., 30 s/w. Abb., 2 farb. Karten ISBN 3-7338-0332-9
- Homer (2004): Ilias. Ditzingen: Reclam. ISBN 3-15-018299-9
- Brandau, Birgit; Schickert, Hartmut; Jablonka, Peter (2004): Troia. Wie es wirklich aussah. München: Piper. 176 S., 113 farb. Abb. ISBN 3-492-04610-X
- Ulf, Christoph (2003): Der neue Streit um Troia. Eine Bilanz. München: Beck. 318 S., 17 Abb., 8 Karten ISBN 3-406-50998-3
- Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg (2001): Troia. Traum und Wirklichkeit. Stuttgart: Theiss, 496 Seiten, 500 meist farb. Abb. ISBN 3-8062-1543-X
- Hertel, Dieter (2001): Troia. Archäologie, Geschichte, Mythos. München: Beck. 128 S., 4 Karten, 16 Abb. ISBN 3-406-44766-X
- Korfmann, Manfred und Mannsperger, Dietrich (1998): Troia. Ein historischer Überblick und Rundgang. Stuttgart: Theiss, 80 S., 100 meist farb. Abb. ISBN 3-8062-1369-0
- Brandau, Birgit (1997): Troia. Eine Stadt und ihr Mythos. Bergisch Gladbach: Lübbe ISBN 3-404-64165-5
- Zangger, Eberhard (1994): Ein neuer Kampf um Troia. Archäologie in der Krise. München: Knaur, 352 S., Ill., Karten
- LeChevalier, Jean Baptiste (1800): Reise nach Troas oder Gemählde der Ebene von Troja in ihrem gegenwärtigen Zustande. [Voyage de la Troade, 1791]. Bearb. von Carl Gotthold Lenz. Altenburg und Erfurt: Rinck und Schnuphase. 271 S., Ill.

Literatur um Troja im weiteren Sinne


- Christa Wolf: Kassandra
- Marion Zimmer Bradley: Die Feuer von Troja
- Euripides: Die Troerinnen
- Jean Giraudoux: La guerre de Troie n'aura pas lieu
- Gisbert Haefs: Troja
- Sarah B. Franklin: Eine Tochter Trojas
- Leif Allendorf: Sieger

Siehe auch


- Trojanischer Krieg
- Trojanisches Pferd
- Trojaner
- Troja (Film)
- Troja (Fluss)

Weblinks


- [http://www.uni-tuebingen.de/troia/deu/ Projekt Troia] - website des Tübinger Grabungsteams, bis 2004 unter Leitung von Prof. Korfmann
- [http://www.troia.de/ www.troia.de] - prämierte website der Troia-Ausstellung von 2001/2002
- [http://www.schaetze-der-welt.de/denkmal.php?id=231 Unesco-Weltkulturerbe], SWR, »Schätze der Welt« mit Real-Video (15 Min.)
- [http://www.perseus.tufts.edu/cgi-bin/siteindex?lookup=Troy&word=troja Antiken-Portal "Perseus"] über Troia (engl.)
- [http://earthobservatory.nasa.gov/Newsroom/NewImages/images.php3?img_id=4032 Satellitenbild] von der NASA Artikel
- [http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/28/0,1872,2006396,00.html „Ist Troja gleich Atlantis? Viele Parallelen erkennbar“], ZDF, 28. September 2003
- [http://web.archive.org/web/20041015192407/http://www.cityinfonetz.de/tagblatt/archiv/2002/das.magazin/07/artikel1.html Troia-Portal] des Schwäbischen Tagblatt, 15. Februar 2002; Dokumentation des Streitgesprächs zwischen Kolb und Korfmann in Tübingen
- [http://web.archive.org/web/20040624222214/http://www.cityinfonetz.de/tagblatt/archiv/2002/02/18/text4.phtml Interview mit Zangger] anlässlich der Tübinger Troia-Konferenz, Schwäbisches Tagblatt, 18. Februar 2002
- [http://www.nationalgeographic.de/php/magazin/topstories/1999/12/topstory2.htm „Das Drama von Troja“], National Geographic, Nr. 12, 1999 (mit Videos über die Anlage)
- [http://www.ancient-cultures.com/troja.php „Troja - Mykener gegen Hethiter?“] auf ancient-cultures.com (dt.) Aufsätze
- [http://projectsx.dartmouth.edu/history/bronze_age/lessons/les/27.html Skript über "Troy VII" und die "Historizität" des Trojanischen Krieges], Dartmouth College, March 18, 2000 (engl.) Kategorie:Griechische Mythologie Kategorie:Türkei Kategorie:Weltkulturerbe Kategorie:Archäologische Grabung Kategorie:Historische Stadt ja:イリオス ko:트로이아

Iphigenie

Iphigeneía (auch Iphigenia oder Iphianassa) ist in der griechischen Mythologie die älteste Tochter von Agamemnon (dem König von Mykene auf der Peloponnes) und Klytaimnestra und die Schwester von Orestes, Elektra und Chrysothemis. Chrysothemis Artemis bestrafte Agamemnon, nachdem er einen heiligen Hirsch in einem heiligen Hain getötet und sich gerühmt hatte, er sei – verglichen mit der Göttin – der bessere Jäger: Sie verhinderte zu Beginn des Trojanischen Krieges die Weiterfahrt der Griechenflotte unter Agamemnons Kommando nach Troja, indem sie bei Aulis eine Windstille bewirkte. Der Seher Kalchas weissagte, dass Agamemnon seine Tochter Iphigenie der Göttin zur Sühne opfern müsse, um seine Fahrt fortsetzen zu können. Kalchas Einer Version dieser Geschichte folgend tat Agamemnon, wie geheißen, nach einer anderen wurde statt dessen eine Hirschkuh geopfert und Iphigenie von Artemis nach Tauris (auf der Krim) entrückt (vergl. Abraham), um ihr dort als Priesterin im Artemistempel zu dienen. Bei Euripides tritt Iphigenie in der Geschichte ihres Bruders Orestes auf. Um der Verfolgung durch die Erinnyen wegen der Ermordung seiner Mutter Klytaimnestra und ihres Liebhabers Aigisthos zu entkommen (also nach dem Ende des Trojanischen Krieges), wurde ihm von Apollon aufgetragen, nach Tauris zu fahren, um die hölzerne Statue der Artemis zu holen, die dort vom Himmel gefallen sei, und sie nach Athen zu bringen. Mit seinem Freund Pylades, dem Sohn des Strophius, reist Orestes nach Tauris, wo die Einheimischen sie gefangen nehmen, um sie – wie alle Fremden – der Artemis zu opfern. Die Artemis-Priesterin, deren Aufgabe es ist, das Opfer zu vollziehen, ist aber seine Schwester Iphigenie, die Orestes nicht erkennt. Sie bietet ihm an, ihn freizulassen, falls er einen Brief von ihr nach Griechenland bringe. Orestes lehnt ab, er will in Tauris bleiben und sich töten lassen, schlägt aber gleichzeitig vor, Pylades den Botengang zu übertragen. Nach einem Streit zwischen Orestes und Pylades stimmt dieser dem Vorschlag endlich zu. Der Brief enthüllt dann die Verwandtschaft zwischen Orestes und Iphigenie, zu Dritt fliehen sie aus Tauris unter Mitnahme des Artemis-Bildes. Nach seiner Rückkehr nach Griechenland, nimmt Orestes Mykene in Besitz, das Königreich seines Vaters Agamemnon, dem er noch Argos und Laconia hinzufügt. Iphigenie, die erst spät in der griechischen Mythologie erwähnt wird (erst nachdem die Geschichten von Agamemnon und Klytemnästra aufgezeichnet worden waren), wurde so sehr mit Artemis gleichgesetzt, dass einige Interpreten glauben, sie sei ursprünglich eine rivalisierende Jagdgöttin gewesen, deren Kult später mit dem der Artemis zusammengefasst wurde. Hesiod berichtet, aus ihr sei die Göttin Hekate geworden. Iphigenie war und ist - wie viele der Tantaliden - ein beliebtes Motiv in der Dichtkunst. Eine wichtige Version ist die Bearbeitung des Tantalidenmythos von Euripides um 480 - 406 v. Chr. Eine der bekanntesten neuzeitlichen Verarbeitungen ist Goethes Schauspiel "Iphigenie auf Tauris" (vgl. auch Gerhart Hauptmanns "Iphigenie in Aulis").

Siehe auch

Tantaliden

Weblinks


- [http://www.gutenberg.net/etext/2054 - Etext von Goethes] Iphigenie auf Tauris Kategorie:Griechische Mythologie Kategorie:Literarische Figur

Friedrich Schiller

Johann Christoph Friedrich Schiller, seit 1802 von Schiller (
- 10. November 1759 in Marbach am Neckar; † 9. Mai 1805 in Weimar) war ein deutscher Dichter, Dramatiker und Historiker. Er gilt neben Goethe als der bedeutendste Autor der deutschen Klassik. Viele seiner Theaterstücke gehören zum Standardrepertoire der deutschsprachigen Theater. Seine Balladen zählen zu den beliebtesten deutschen Gedichten. Gedicht

Leben

Herkunft, Ausbildung und erste Erfolge

Gedicht Gedicht Johann Christoph Friedrich Schiller wurde als Sohn des Wundarztes Johann Caspar Schiller und der Elisabeth Dorothea Schiller geb. Kodweiß 1759 in Marbach am Neckar geboren. Da der Vater eine Anstellung als Werbeoffizier bekam, siedelte die Familie 1763 nach Lorch über. Kurz nachdem 1766 seine Schwester Luise geboren wurde, zog die Familie nach Ludwigsburg um. Im gleichen Jahr trat Friedrich in die Lateinschule ein. Bereits mit dreizehn verfasste er die nicht erhaltenen Theaterstücke „Absalon“ und „Die Christen“. Auf herzoglichen Befehl und gegen den Willen der Eltern musste er 1773 in die Militärakademie Hohe Karlsschule in Stuttgart eintreten und begann zunächst ein Rechtsstudium. Die Zöglinge wurden mit brutalem militärischen Drill überzogen und er war vermutlich auch deshalb noch mit fünfzehn Jahren ein Bettnässer. Zweimal wurde er deswegen hart bestraft. Heimlich schnupfte er Tabak und las zusammen mit seinen Kameraden verbotene Schriften. Bettnässer Als 1775 die Akademie von Schloss Solitude in die Innenstadt von Stuttgart verlegt wurde, wechselte Schiller das Fach und begann ein Medizinstudium. Während dieser Zeit las er intensiv die Werke der Dichter des Sturm und Drang und beschäftigte sich auch mit den Gedichten des Literaturkritikers Klopstock. Im selben Jahr verfasste er das nicht erhaltene Drama „Der Student von Nassau“. 1776 erschien sein erstes gedrucktes Gedicht „Der Abend“. Er studierte die Werke Plutarchs, Shakespeares, Voltaires, Rousseaus und Goethes. Ebenfalls 1776 begann er die Arbeit an dem freiheitlichen Theaterstück „Die Räuber“. 1779 bestand er die ersten medizinischen Examen und bat um die Entlassung. Erst nach Abschluss der Dissertation durfte er die Militärakademie als Militärarzt 1780 verlassen. 1780 1781 vollendete Schiller das Theaterstück „Die Räuber“, das noch im selben Jahr anonym gedruckt wurde. Auf der Festung Hohenasperg traf er zum ersten Mal auf den dort eingekerkerten Dichter Christian Schubart. Am 13. Januar 1782 wurden „Die Räuber“ vom Mannheimer Theater erfolgreich uraufgeführt. Jubelstürme entfachte das Stück insbesondere beim jugendlichen Publikum. Auch Schiller war trotz des herzoglichen Verbots mit seinem Freund Andreas Streicher zugegen. Herzog Karl Eugen warf den unbotmäßigen Dichter darauf vierzehn Tage lang ins Gefängnis und untersagte ihm bis auf weiteres, Komödien „und dergleichen Zeugs“ zu schreiben. Freiheitsbegeisterte Jugendliche gründeten in den folgenden Monaten in Süddeutschland viele „Räuberbanden“. Am 22. September floh Schiller mit Andreas Streicher aus Stuttgart und reiste abermals nach Mannheim, wo er das Drama „Fiesko“ vorlas. Es folgten Reisen nach Frankfurt am Main, Oggersheim und Bauerbach. Ende 1782 erschien die Anthologie auf das Jahr 1782 mit 83, meist von Schiller verfassten Gedichten. Schillers Freund Streicher schilderte die Flucht in dem Buch Schillers Flucht von Stuttgart und Aufenthalt in Mannheim von 1782 bis 1785.

Unsichere Jahre

Bei seinem Aufenthalt in Bauerbach im Jahre 1783 freundete sich Schiller mit dem Bibliothekar Reinwald aus Meiningen an, mit dem er zusammenarbeitete und der später Schillers Schwester Christophine heiratete. Er vollendete dort die Arbeiten an „Kabale und Liebe“ (zuerst „Luise Millerin“ betitelt) und begann mit dem Stück „Don Carlos“. Nach seiner Rückkehr nach Mannheim erkrankte er im September 1783 am Nervenfieber (Malaria), das im damals noch sumpfigen Land heimisch war. In Mannheim arbeitete Schiller bis 1785 als Theaterdichter und lernte in dieser Zeit auch Charlotte von Kalb kennen. 1784 wurde Schillers Stück „Luise Millerin“ von August Wilhelm Iffland in „Kabale und Liebe“ umbenannt und wie auch das Drama „Fiesko“ uraufgeführt. Der Theaterintendant Wolfgang Heribert von Dalberg ließ Schiller fallen und erneuerte seinen Vertrag nicht, was dazu führte, dass Schiller sich hoch verschuldete und fast im Schuldturm landete. Schiller begann einen Briefwechsel und eine Freundschaft mit Christian Gottfried Körner aufzubauen, der von 1812 bis 1816 eine Gesamtausgabe von Schillers Werken herausgab. Herzog Carl August verlieh Schiller den Titel eines Weimarischen Rates, nachdem dieser den ersten Aufzug des „Don Juan“ während einer Vorlesung las. Im April 1785 reiste Schiller zu Körner nach Leipzig, wo dieser ihm aus der finanziellen Notlage half. Im Sommer entstand im nahegelegenen Dorf, dem heutigen Stadtteil Gohlis die „Ode an die Freude“, im Herbst folgte er Körner nach Dresden-Loschwitz. Während seines Aufenthaltes in Loschwitz lernte Schiller im gegenüber der Elbe gelegenen Dorf Blasewitz in einem Schankgut (heute Schillergarten) die Tochter des Gastwirts, Justine Segedin, kennen, die er später 1797 in „Wallensteins Lager“ als "Gustel von Blasewitz" (5. Auftritt, Ausruf des ersten Jägers) verewigte. 1786 erschien in der zweiten Ausgabe der Zeitschrift Thalia die Erzählung "Verbrecher aus Infamie. Eine wahre Geschichte", die später unter dem Titel „Der Verbrecher aus verlorener Ehre“ veröffentlicht wurde. Am 21. Juli 1787 reiste Schiller nach Weimar und machte dort die Bekanntschaft von Herder und Wieland. Während einer Reise durch Rudolstadt lernte er Charlotte von Lengefeld und deren Schwester Caroline kennen, die unter ihrem Ehenamen Caroline von Wolzogen bekannt wurde, nachdem sie zunächst anonym in Schillers Zeitschrift "Die Horen" den Roman "Agnes von Lilien" veröffentlichte, der zeitweise sogar Schiller zugeschrieben wurde. „Don Carlos“ erschien in diesem Jahr und wurde sogleich aufgeführt. Nachdem Goethe 1788 von seiner Italienreise zurückkehrte, trafen sich beide in Rudolstadt, ohne großes Interesse füreinander zu entwickeln. Schiller beendete die Arbeiten am ersten und einzigen Band der „Geschichte des Abfalls der Vereinigten Niederlande von der spanischen Regierung“ und an den zwölf Briefen über „Don Carlos“.

Finanzielle Sicherung

Geschichte des Abfalls der Vereinigten Niederlande von der spanischen Regierung Im Jahre 1789 erhielt Schiller eine Professur in Jena – entgegen seinen Hoffnungen ohne Gehalt – und lehrte dort als Historiker, obgleich er Professor der Philosophie war. Für diese Stelle hatte er sich insbesondere mit seiner „Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande“ qualifiziert. Beliebt, wie er vor allem durch die „Räuber“ war, löste die Nachricht der Lehrtätigkeit Schillers in Jena Begeisterungsstürme aus. Die Antrittsvorlesung ("Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?") brachte den Hörsaal zum Überlaufen, und so wechselten die zahllosen Hörer zum größeren Saal. Die ganze Stadt war in Aufruhr. Im selben Jahr erschien die erste Buchausgabe des Romans „Der Geisterseher“, und Schiller freundete sich mit Wilhelm von Humboldt an. Am 22. Februar 1790 heiratete Schiller Charlotte von Lengefeld. Traupfarrer war sein Kollege, der Philosophieprofessor Carl Christian Erhard Schmid. Vieles deutete nun auf ein großes berufliches und familiäres Glück. Doch bereits 1791 erkrankte Schiller lebensgefährlich. Am 3. Januar erlitt er einen Zusammenbruch, krampfartigen Husten und zeitweiligen Ohnmachten. Zwei Wochen später, aber auch noch im Mai folgten weitere Anfälle. Schiller war vermutlich an Tuberkulose erkrankt, von der er zeitlebens nicht mehr genas. Im Jahre 1792 wurde Schiller für „Die Räuber“ neben Friedrich Gottlieb Klopstock, Johann Heinrich Pestalozzi, George Washington und Tadeusz Kosciuszko zum Ehrenbürger der französischen Republik. Ursache war eher Schillers Ruf als Rebell als sein tatsächliches Wirken. Er stand der französischen Revolution zwar anfangs durchaus wohlwollend gegenüber, befürchtete jedoch stets eine mögliche Wandlung von Anhängern der Freiheit zu Anhängern der Tyrannei. Tatsächlich wurde der französische König später von den Freiheitskämpfern geköpft. Schiller verabscheute diese Tat. Er vollendete die „Geschichte des Dreißigjährigen Krieges“; auch die Werke „Neue Thalia“ und „Über die tragische Kunst“ erschienen. französischen Revolution 1793 erschien „Über Anmut und Würde“ und er besucht seine Eltern in Ludwigsburg. Am 14. September wurde sein erstes Kind Karl Friedrich Ludwig geboren. 1794 lernte Schiller den Verleger Friedrich Cotta kennen, der sich bereit erklärte, die Monatszeitschrift „Die Horen“ und den „Musenalmanach“ herauszugeben. Von Goethe erwirkte Schiller die Zusage, sich an den „Horen“ zu beteiligen, und es entwickelte sich ein freundschaftlicher Briefwechsel zwischen den beiden. Im September 1794 verbrachte Schiller zwei Wochen in Goethes Haus. Er hielt dabei seinen gewohnten Tagesablauf bei, das hieß, er schlief bis mittags und arbeitete nachts. Im Wissen um Schillers Traditionsbewusstsein vertuschten Goethe und seine langjährige Lebensgefährtin Christiane Vulpius ihre „wilde Ehe“. Das Versteckspiel muss in den zwei Wochen einen ungewöhnlichen logistischen Aufwand im Hause Goethes verursacht haben. Christiane Vulpius und ihr fünfjähriger Sohn August blieben im eigenen Haus unsichtbar. Schiller bezeichnete die Beziehung Goethes zur Mademoiselle Vulpius als Goethes „einzige Blöße“ und kritisierte Goethe in einem Brief für „falsche Begriffe über das häusliche Glück“. Der liberale Goethe sprach schlicht von „Ehestand ohne Zeremonie“. Goethe hingegen störte sich an Schillers Leidenschaft für das Kartenspiel, wie er überhaupt auch Freunden gegenüber boshaft sein konnte (die viel kolportierte Anekdote, Schiller habe nur beim Geruch fauler Äpfel dichten können, stammt von ihm). 1795 erschien die Monatszeitschrift „Die Horen“ zum ersten Mal. Außerdem vollendete Schiller die Abhandlung „Über naive und sentimentalische Dichtung“. An der Zeitschrift wirkten die berühmtesten Schriftsteller und Philosophen dieser Zeit mit. Dazu gehörten unter anderem Johann Gottfried Herder, Johann Gottlieb Fichte, August Wilhelm Schlegel, Wilhelm von Humboldt, Alexander von Humboldt, Johann Heinrich Voß und Friedrich Hölderlin. 1796 starben Schillers Schwester Nanette und sein Vater. Sein zweiter Sohn Ernst Friedrich Wilhelm wurde geboren. Von 1796 bis 1800 gab Schiller die Literaturzeitschrift „Musenalmanach“ heraus, an der so namhafte Zeitgenossen wie Johann Wolfgang Goethe, Johann Gottfried Herder, Ludwig Tieck, Friedrich Hölderlin und August Wilhelm Schlegel mitarbeiteten. 1797 erschienen im „Musenalmanach für das Jahr 1797“ die „Xenien“, in denen Schiller und Goethe gemeinsam literarische Missstände verspotteten. Das Jahr 1797 wird auch als das "Balladenjahr" bezeichnet, da Schiller in diesem Jahr „Der Taucher“, „Der Handschuh“, „Der Ring des Polykrates“, „Der Gang nach dem Eisenhammer“ und „Die Kraniche des Ibykus“ fertig stellte. 1798 entstanden die Ballade „Die Bürgschaft“ und „Der Kampf mit dem Drachen“. Schiller wurde endlich die Urkunde zugestellt, die ihn zum Ehrenbürger der französischen Republik machte.

Weimarer Jahre

Im Jahre 1799 vollendete Schiller den „Wallenstein“, das „Lied von der Glocke“ entstand, und am 11. Oktober wurde seine Tochter Caroline Henriette Luise geboren. Am 3. Dezember zog er mit seiner Familie nach Weimar um. 1800 beendete Friedrich Schiller die Arbeit an dem Drama „Maria Stuart“. 1801 vollendete er „Die Jungfrau von Orléans“, und das Gedicht „Der Antritt des neuen Jahrhunderts“ erschien. Der Antritt des neuen Jahrhunderts Am 16. November 1802 wurde Schiller das Adelsdiplom überreicht, er durfte sich von nun an Friedrich von Schiller nennen. Im selben Jahr verstarb seine Mutter. 1803 beendete Schiller seine Arbeiten an „Die Braut von Messina“. Am 18. Februar 1804 vollendete er den „Wilhelm Tell“ und begann mit seinen Arbeiten an „Demetrius“. Schiller wurde in dieser Zeit immer öfter krank. Am 25. Juli 1804 wurde seine Tochter Emilie Friederike Henriette geboren.

Tod

Eine Falschmeldung erschütterte am 7. Oktober 1804 die Welt. Eine Zeitung verbreitete die Nachricht, Schiller sei tot. Doch im Februar 1805 erkrankte Schiller tatsächlich sehr schwer und traf am 1. Mai zum letzten Mal auf dem Weg ins Theater mit Goethe zusammen. Am 9. Mai starb Friedrich Schiller an einer vermutlich durch eine Tuberkuloseerkrankung hervorgerufenen akuten Lungenentzündung in Weimar. Er wurde obduziert. Seine Lunge schien sich völlig aufgelöst zu haben. Im Herbst 1826 entlieh sich Goethe den Schädel Schillers aus der Anna Amalia Bibliothek. Nur seinem Freund Wilhelm von Humboldt verriet er dieses Geheimnis, der es jedoch ausplauderte. Goethe nutzte den Kopf für Studien. Schillers Gebeine wurden zunächst im Kassengewölbe auf dem Jacobsfriedhof Weimar beigesetzt. Seine sterblichen Überreste wurden am 16. Dezember 1827 in die Fürstengruft auf dem neuen Weimarer Friedhof überführt, wo später auch Goethe auf eigenen Wunsch an Schillers Seite bestattet wurde Fürstengruft

Literaturgeschichtliche Bedeutung

Schiller ist ein Zeitgenosse des Übergangs vom absolutistischen zum bürgerlichen Zeitalter und der Französischen Revolution. Da sich das Bürgertum unter dem – in Deutschland kleinstaatlichen – Absolutismus nicht politisch artikulieren konnte und durfte, wurde die Literatur in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu einem zentralen Medium der Entfaltung des bürgerlichen Selbstbewusstseins. Das Pathos und die Empfindsamkeit in Schillers Werken bis um 1785 sind Ausdruck der Steigerung des Menschlichen, ein Prinzip, das dem Politischen im Sinne des Absolutismus als einem Machtspiel entgegen gestellt wurde. Das Bürgerliche Trauerspiel als vorherrschendes Formelement (beziehungsweise dessen Gegensatz 'Menschliches - Machtspiel' in den frühen Dramen bis „Kabale und Liebe“) spiegelt dies wider. Nach der Periode zwischen 1785 und 1795 mit Werken wie „Don Carlos“ und grundlegenden literaturtheoretischen Abhandlungen wie „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“ und „Über naive und sentimentalische Dichtung“ entstehen zwischen 1795 und 1805 vor allem Dramen, die der Weimarer Klassik zuzuordnen sind. In ihnen setzte Schiller das Programm der ästhetischen Erziehung des Menschen um – den Ausgleich von Verstand und Gefühl. Er beabsichtigte, mit der Wirkung auf das Publikum durch den Wechsel von Idyllik und Dramatik den ästhetischen Menschen zu formen – als Voraussetzung für den gewaltfreien Übergang zu einem vernünftigen Staat und als Gegenprogramm zur Französischen Revolution wie auch zur zeitgenössischen Politik, in der er nur rohe Kräfte am Werk sah. Schiller ist nicht nur Verfasser unerschöpflich bild- und sprachkräftiger Dramen wie „Die Räuber“, „Don Carlos“, „Die Jungfrau von Orleans" oder „Wilhelm Tell“, sondern auch der politische Dichter in deutscher Sprache, der die Vernunfts-, Humanitäts- und Freiheitsideale am Ende des 18. Jahrhunderts ohne Kompromisse in der Literatur zum Ausdruck brachte. In Schillers eigenen Worten gesagt ist der „Bau einer wahren politischen Freiheit„ das „vollkommenste aller Kunstwerke“ („Zweiter Brief über die ästhetische Erziehung des Menschen“).

Rezeption

Schillers Werke wurden nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen europäischen Ländern begeistert aufgenommen, so beispielsweise im noch ungeeinten, unterdrückten Italien (vgl. Giuseppe Verdi) sowie auch im zaristischen Russland. Den einen galt Schiller als Dichter der Freiheit, anderen als Verteidiger bürgerlicher Gesittung. Sein 100. Geburtstag wurde 1859 in ganz Europa gefeiert. Der Verleger Cotta verkaufte bis 1867 insgesamt 2,4 Millionen Exemplare der Werkausgabe. 1867 Das deutsche Bildungsbürgertum pflegte dann im 19. und auch im frühen 20. Jahrhundert einen zunehmend verdinglichenden Umgang mit Schillers Werken. Man lernte Schiller wie auch andere Dichter auswendig, um sich im Kampf um den sozialen Aufstieg einen komparativen Vorteil zu verschaffen - weniger, um ihn als Künstler zur Kenntnis zu nehmen (vgl. Halbbildung). Sehr geschätzt wurde er in der deutschen Arbeiterbewegung und in den Arbeiterbildungsvereinen. Auch in der DDR bemühte man sich um die ideologische Integration und machte Schiller zum Vorkämpfer des Kommunismus. Anlässlich seines 200. Geburtstages wurden 1959 aufwändige Feiern veranstaltet. Nicht das ganze Schillersche Oeuvre erfreute sich allerdings der Wertschätzung des Regimes. Das allzu freiheitliche Theaterstück „Don Carlos“ – „Geben Sie Gedankenfreiheit, Sire“ – wurde in der Spätphase nicht mehr aufgeführt. Noch im Mai 1955 hatte der Schriftsteller Thomas Mann an ein besseres, humaneres Deutschland appelliert, indem er anlässlich des 150. Todestags die gleiche Rede in Weimar und Stuttgart hielt: „Versuch über Schiller - Zum 150. Todestag des Dichters“. Ab den siebziger Jahren, wohl auch im Gefolge der 68er-Bewegung, verschwand Schiller gemeinsam mit nahezu allen Dichtern der großen Epoche vom Sturm und Drang bis zum Wiener Kongress aus dem allgemeinen Bildungskanon. Nach dem Untergang des klassischen, Humboldt'schen Gymnasium werden Schillers Werke vom Lehrkörper heute eher gemieden. Die Lernenden befassen sich mit Thomas Mann, Gerhart Hauptmann und allenfalls noch mit Theodor Fontane oder Heinrich Heine. Weiter zurück reichen ihre Kenntnisse meist nicht. Im Schillerjahr 2005 wurde deutlich, dass sein Werk auch in der vereinten deutschen Republik eher kalendarisch als mit allgemeinem Zuspruch gewürdigt wurde. Die schillerbezogene Literaturwissenschaft nahm zwar neuen Aufschwung, doch die Massenmedien handelten den Gedenktag in der Hauptsache biografisch ab. In öffentlichen Veranstaltungen vermochten seine Texte allerdings durchaus Funken zu schlagen, sofern sie im Original rezitiert wurden. Hingegen riefen Travestien oder Bearbeitungen kein großes Echo hervor. Das ist literatursoziologisch interessant. Eugen Rosenstock-Huessy hat darauf hingewiesen, dass im Zuge des sozialen Wandels nach etwa 130 Jahren ganze Kulturbestände veralten und aus dem Gedächtnis der neuen Generationen verschwinden können. Angesichts dessen sind Schillers Texte wenigstens einem Teil der deutschen Bildungseliten bemerkenswert nahe - näher jedenfalls als es Schillers Zeitgenossen die damals fast vergessene deutsche Barockliteratur vor dem Dreißigjährigen Krieg war. Andererseits kann jedoch der Typus des Bildungsbürgers, der seinen Schiller intus hat, beim Theaterpublikum und der Leserschaft heute nicht mehr vorausgesetzt werden.

Schillerpreise

Folgende Schillerpreise wurden gestiftet:
- Volks-Schillerpreis
- Schiller-Gedächtnispreis des Landes Baden-Württemberg
- Schillerpreis der Stadt Mannheim
- Schillerpreis der Stadt Marbach am Neckar
- Schillerpreis der Zürcher Kantonalbank
- Ehrengaben der Deutschen Schillerstiftung
- Schiller-Preis des Deutschen Kulturwerks Europäischen Geistes (DKEG)
- Grosser Schillerpreis der Schweizerischen Schillerstiftung
- Schiller-Ring
- Kulturpreis Friedrich S. [http://www.schatzkistl.de/kulturpreis1.html]

Werke

Dramen


- Die Räuber (darin das Hektorlied)
- Die Verschwörung des Fiesco zu Genua
- Kabale und Liebe
- Don Carlos
- Wallenstein
- Die Jungfrau von Orléans
- Die Braut von Messina
- Wilhelm Tell
- Turandot (Nach Carlo Gozzi)
- Maria Stuart
- Die Piccolomini
- Demetrius

Kleinere Werke


- Die Schaubühne als eine moralische Anstalt betrachtet (1784)
- Ode an die Freude
- Resignation (1786)
- Die Huldigung der Künste (1804)
- Der Verbrecher aus verlorener Ehre
- Der Handschuh
- Der Taucher
- Der Ring des Polykrates
- Die Bürgschaft
- Das Siegesfest

Philosophische Schriften


- Über den Grund des Vergnügens an tragischen Gegenständen (1792)
- Augustenburger Briefe (1793)
- Anmut und Würde (1793)
- Kallias-Briefe (1793)
- Kallias oder Über die Schönheit (n.e.)
- Die Horen (1795)
- Über die ästhetische Erziehung des Menschen (1795)
- Über naive und sentimentalische Dichtung (1795)
- Kleinere prosaische Schriften

Historische Werke


- Geschichte des Abfalls der Vereinigten Niederlande von der spanischen Regierung (1788)
- Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte? (Antrittsvorlesung am 26. Mai 1789, 1790)
- Geschichte des dreißigjährigen Krieges. (1790)

Übersetzungen


- Louis Benoit Picard Der Parasit
- Shakespeare Macbeth (1800)
- Racine Phädra

Literatur


- Ludwig Börne: Dramaturgische Blätter. Über den Charakter des Wilhelm Tell in Schillers Drama, 1828, in: Sämtliche Schriften. Band I. Düsseldorf 1964
- Gert Sautermeister: Idyllik und Dramatik im Werk Friedrich Schillers. Kohlhammer, Stuttgart 1971
- Friedrich Schiller. Eine Dokumentation in Bildern. Schiller-Nationalmuseum, Marbach 1979; Lizenzausgabe Insel, Frankfurt am Main
- Arnd Meusburger: Die bürgerlichen Ideale des 18. Jahrhunderts in Schillers Dramen 1780 - 1804. Dissertation, Universität Innsbruck 1985
- Peter-André Alt: Schiller. Leben - Werk - Zeit. 2 Bände. Verlag C.H.Beck, München 2000. ISBN 3-406-45905-6 und ISBN 3-406-46225-1
- Claudia Pilling: Friedrich Schiller. Rowohlt, Reinbek 2002 ISBN 3-499-50600-9 (Biographie)
- Rüdiger Safranski: Friedrich Schiller oder Die Erfindung des Deutschen Idealismus. Hanser, München 2004 ISBN 3-446-20548-9 (Biografie)
- Sigrid Damm: Das Leben des Friedrich Schiller. Insel, Frankfurt 2004 ISBN 3-458-17220-3
- Frank Druffner, Martin Schalhorn: Götterpläne und Mäusegeschäfte - Schiller 1759-1805. Marbacher Katalog 58, Marbach 2005, ISBN 3937384111
- Günther Emig und Peter Staengle: Schiller in Heilbronn. 2005.
- Jörg Aufenanger:Schiller und die zwei Schwestern . Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2004. ISBN 3-423-24446-1

Siehe auch


- Schiller-Nationalmuseum und Deutsches Literaturarchiv Marbach
- Schillers Wohnhaus in Weimar
- Schillerhaus (Leipzig)
- Schillergarten in Dresden
- Deutsche Schillergesellschaft
- Weimarer Schillerverein
- Deutsche Schillerstiftung
- Schweizerische Schillerstiftung
- Das Erhabene
- Johann Wolfgang von Goethe

Weblinks


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- [http://www.ub.fu-berlin.de/internetquellen/fachinformation/germanistik/autoren/multi_pqrs/schiller.html FU Berlin: Kommentierte Linksammlung]
- [http://www.vorleser.net/html/schiller.html kostenlose Friedrich-Schiller-Hörbücher]
- [http://www.schillerjahr2005.de Schillerjahr 2005]
- [http://www.bildungsserver.de/zeigen.html?seite=2830 Deutscher Bildungsserver: Dossier zum Schiller-Jahr]
- [http://www.lesen-in-deutschland.de/html/content.php?object=journal&lid=585 Portal Lesen in Deutschland: „Deutschland im Schillerfieber“]
- [http://schiller.ard.de Schiller entdecken, Das ARD-Special zum Schiller-Jahr]
- [http://home.arcor.de/blasewitz/geschichte/gustel/gustel.htm Schiller und die Gustel von Blasewitz]
- [http://www.schiller-multimedial.de Schiller Multimedial]
- [http://german.imdb.com/title/tt0458469/ TV-Film Schiller bei IMDb]

Werke im Volltext


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- [http://www.wissen-im-netz.info/literatur/schiller/werke.htm Wissen im Netz]
- [http://meister.igl.uni-freiburg.de/gedichte/#Schiller Gedichte]
- [http://www.pantoia.de/Schiller/SSGDL/index.html Gedichte, Deutsch-Lateinisch] Schiller, Friedrich Schiller, Friedrich Schiller, Friedrich Schiller, Friedrich Schiller, Friedrich Schiller, Friedrich Schiller, Friedrich Schiller, Friedrich ja:フリードリヒ・フォン・シラー

Johann Wolfgang von Goethe

Johann Wolfgang von Goethe (
- 28. August 1749 in Frankfurt am Main als J.W. Goethe; † 22. März 1832 in Weimar; auch Göthe) ist als Dichter, Naturwissenschaftler, Kunsttheoretiker und Staatsmann der bekannteste Vertreter der Weimarer Klassik. Als Verfasser von Gedichten, Dramen und Prosa-Werken gilt er als der größte deutsche Dichter und ist eine herausragende Persönlichkeit der Weltliteratur. Weltliteratur

Leben

Herkunft und Jugend (1749–1765)

Weltliteratur Goethes Vater, Johann Caspar Goethe (
- 1710; † 1782), war im kaiserlichen Rat vertreten. Er ging zunächst auf eine der besten Schulen des Landes, auf das Gymnasium Casimirianum in Coburg, hatte in Leipzig Rechtswissenschaften studiert, am Reichskammergericht in Wetzlar gearbeitet, Reisen nach Rom und Paris unternommen, und sich schließlich in seiner Vaterstadt Frankfurt niedergelassen, wo die Familie in einem geräumigen Haus am Großen Hirschgraben lebte. Er ging dort seinen Neigungen und Interessen nach; so widmete er sich der Zusammenstellung eines Naturalienkabinetts und der Sammlung von Gemälden. Goethes Mutter Catharina Elisabeth Goethe (
- 1731; † 1808) war eine geborene Textor. Die Tochter des Frankfurter Bürgermeisters hatte mit 17 Jahren den damals 38-jährigen Rat Goethe geheiratet. Außer der am 7. Dezember 1750 geborenen Schwester Cornelia Friderike Christiana starben alle anderen Geschwister früh. 1758 erkrankte Goethe an den Blattern (Pocken). Goethe wurde von seinem Vater und durch Privatlehrer unterrichtet;