:: wikimiki.org ::
| Auschwitz-Birkenau |
Auschwitz-Birkenau
Das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau war ein deutsches Vernichtungslager in der Zeit des Nationalsozialismus. Die Überreste dieses Lagers sowie Teile des Stammlagers, beide etwa 60 km westlich von Krakau nahe der polnischen Kleinstadt Oświęcim gelegen, sind heute Gedenkstätte und Museum. Seit 1979 ist es eingetragen in die Liste des Weltkultur- und Naturerbes der Menschheit.
Lager in Auschwitz
Auf Anordnung Heinrich Himmlers wurde aufgrund der Nähe zum oberschlesischen Industriegebiet im Juni 1940 Auschwitz zum größten nationalsozialistischen Lagerkomplex ausgebaut. Die Gesamtausdehnung einschließlich aller Nebenlager betrug 40 km². Insgesamt existierten drei Hauptlager und 39 Nebenlager. Die Hauptlager waren aufgegliedert in:
- Auschwitz I, das ursprüngliche Konzentrationslager und Verwaltungszentrum des gesamten Lagerkomplexes. Hier wurden ungefähr 70.000 Menschen, meist polnische Intellektuelle und sowjetische Kriegsgefangene, umgebracht.
- Auschwitz II Birkenau, ein Vernichtungslager, in dem ungefähr eine Million Menschen, meist Juden und Sinti und Roma, den Tod fanden
- Auschwitz III (Monowitz), ein Arbeitslager.
Allein nach Auschwitz wurden insgesamt mehr als 1,3 Millionen Menschen deportiert. Davon fanden etwa 900.000 Menschen direkt nach ihrer Ankunft (Selektion) den Tod in den Gaskammern oder wurden erschossen. Weitere 200.000 Menschen starben durch Krankheit, Unterernährung, schwerste Misshandlungen, medizinische Versuche oder wurden nach kurzer Zeit in den Gaskammern ermordet.
Da Auschwitz das größte Vernichtungslager jener Zeit war, gilt es als Symbol für den nationalsozialistischen Massenmord, den Holocaust, dem mehr als 6 Millionen Menschen zum Opfer fielen.
Auschwitz II Birkenau
Holocaust
Das KZ Auschwitz-Birkenau ist das Vernichtungslager, das die meisten Menschen mit dem Namen „Auschwitz“ verbinden. Hier wurden viele hunderttausend Häftlinge unter fürchterlichen Bedingungen gefangen gehalten und mehr als 1,1 Millionen Menschen ermordet.
Am 26. September 1941 erhielt Rudolf Höß den Befehl, ein Arbeitslager für 100.000 russische Kriegsgefangene im Interessengebiet Auschwitz zu errichten.
Dieses Lager entstand in Brzezinka (Birkenau), ungefähr drei Kilometer vom KZ Auschwitz I entfernt. Als die Nazis das Lager errichten ließen, zwangen sie die Bevölkerung des Ortes, ihre Häuser zu verlassen. Häftlingskommandos mussten die Häuser abreißen, um Baumaterialien zu gewinnen.
Das Lager war etwa 2,5 mal 2 km groß. Es war in mehrere Sektionen unterteilt, die wiederum in Felder gegliedert waren. Diese Felder sowie das gesamte Lager waren mit unter Strom stehendem Stacheldraht umzäunt.
Ursprünglich gedacht als Arbeitslager, in dem Kriegsgefangene und andere Häftlinge Zwangsarbeit für die SS leisten mussten, veränderte sich die Funktion des Lagers Auschwitz-Birkenau schon nach wenigen Monaten. Im Frühjahr wurden russische Kommissare und arbeitsunfähige Häftlinge mit Zyklon B umgebracht. Aus eintreffenden Transporten wurden Mütter mit Kindern und nicht zur Arbeit taugliche Personen selektiert und vergast. Ab Juli 1942 oder gar schon ab April (der genaue Zeitpunkt ist umstritten) wurde die überwiegende Mehrzahl der eingelieferten Juden sofort ermordet. Der Arbeitseinsatz besaß nur noch nachrangige Bedeutung; Auschwitz-Birkenau war zum Vernichtungslager geworden.
Die meisten Opfer kamen in Auschwitz-Birkenau mit dem Zug an, oft nach tagelangen Reisen im Viehwaggon. Die ankommenden Gefangenen wurden vom Bahnhof Auschwitz zum Lager getrieben; 1944 wurden Gleise direkt bis ins Lager gelegt (siehe Foto). Manchmal wurde der ganze Transport direkt in die Gaskammern geschickt, manchmal wurde erst eine „Selektion“ durchgeführt, bei der die Schwachen, Alten und Kranken von den Arbeitsfähigen getrennt und zur Gaskammer geführt wurden. Der berüchtigte Lagerarzt Josef Mengele leitete oft diese Selektionen.
Die Häftlinge, welche die Selektion überlebten, arbeiteten dann in den an das Lager angrenzenden Industriebetrieben, die hauptsächlich mit der Herstellung von synthetischem Benzin oder Synthesekautschuk (sog. Buna) für die IG Farben beschäftigt waren. Auch andere deutsche Firmen wie Krupp hatten Werke in direkter Nähe zu Auschwitz; für die SS war es eine willkommene Gelegenheit, Gewinn aus den Häftlingen durch diese Form der
Sklavenarbeit herauszupressen. Dabei taten sich nicht nur die Angehörigen des SS-Wachpersonals sondern auch die Zivilangestellten der deutschen Firmen keinerlei Zwänge an, ihre primitivsten
Machtgelüste an den ihnen hilflos ausgelieferten auszutoben.
Ein Bereich des Lagers war ein eigenes Frauenlager. In einem anderen Bereich, „Kanada“ genannt, wurden die Besitztümer der ermordeten Häftlinge sortiert und gesammelt, um dann an die deutsche Regierung weitergeleitet zu werden.
In Auschwitz-Birkenau gab es in sechs Gebäuden Gaskammern, die aber nicht alle zum gleichen Zeitpunkt nutzbar waren. Im ersten Halbjahr 1943 gingen vier Krematorien in Betrieb, die unterteilbare Gaskammern mit Größen von 100 Quadratmetern und mehr enthielten. Vier Baufirmen waren vor Ort am Bau beteiligt; die Verbrennungsöfen wurden von der Erfurter Firma J. A. Topf und Söhne konstruiert, eingebaut, gewartet und repariert.
Die deutsche Wehrmacht marschierte im März 1944 in Ungarn ein. Zwischen Mai und Juli desselben Jahres wurden ungefähr 440.000 ungarische Juden nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Arbeitsfähige wurden als Zwangsarbeiter in andere Lager überstellt. Ungefähr 250.000 ungarische Juden wurden in Auschwitz ermordet. Da die Kapazität der Krematorien nicht ausreichte, wurden Leichen auch in offenen Gruben verbrannt.
Viele Sinti und Roma waren im Familienverband in einer speziellen Sektion des Lagers inhaftiert. Sie wurden im Juli 1944 vergast, obwohl sie es noch kurz zuvor geschafft hatten, sich dem Abtransport zu den Gaskammern durch die SS zu widersetzen, da Informationen zu den Häftlingen durchgesickert waren. Doch dies bedeutete für die Familien nur einen kleinen Aufschub bis zu ihrer Ermordung.
Am 7. Oktober 1944 führte das jüdische Sonderkommando (die Häftlinge, welche die Gaskammern und Krematorien bedienen mussten und von den anderen Häftlingen getrennt gehalten wurden) einen Aufstand durch.
Weibliche Gefangene hatten Sprengstoff von einer Waffenfabrik eingeschmuggelt, und das Krematorium IV wurde damit teilweise zerstört. Anschließend versuchten die Gefangenen eine Massenflucht, aber alle 250 Entflohenen wurden kurz darauf gefasst und getötet.
Kenntnisse der Alliierten
Die Deutschland bekämpfenden Alliierten besaßen detaillierte Luftaufnahmen aller Lager seit dem 31. Mai 1944. 2003 veröffentlichte die Royal Air Force erstmals Bilder von Aufklärungsflügen über Auschwitz, auf denen auch brennende Leichenberge zu sehen sind. Zwei entkommene Insassen (Rudolph Vrba und Alfred Wetzler) hatten zudem genaue Beschreibungen und Lagekarten erstellt, welche die Alliierten im Sommer 1944 erreichten. Am 13. September 1944 flogen amerikanische Bomber einen Angriff auf die Buna-Werke und richteten beträchtlichen Schaden an. Die Frage, ob die alliierten Luftstreitkräfte auch das Lager oder die Schienen dorthin hätten bombardieren sollen, wird bis heute kontrovers diskutiert.
Fluchtversuche
Insgesamt versuchten ungefähr 700 Häftlinge die Flucht aus Auschwitz; sie gelang in etwa 300 Fällen. Versuchte Flucht wurde mit Verhungern bestraft; oft wurden auch die Familienangehörigen von Flüchtigen verhaftet und in Auschwitz I zur Abschreckung ausgestellt.
Todesmärsche und Befreiung
Die Gaskammern des KZ Birkenau wurden im November 1944 von den Nazis gesprengt (die letzte in den Morgenstunden des 26. Januars), um die Spuren ihrer Taten vor den anrückenden Sowjets zu verbergen. Die Verbrennungsöfen wurden aber demontiert und sollten jüngsten Studien zu Folge in dem noch als sicher geltenden KZ Mauthausen wiederaufgebaut werden. Im Januar 1945 begann die „Evakuierung“ und viele Gefangenen mussten in Todesmärschen nach Westen marschieren. Diejenigen, die zu schwach oder krank zum Marschieren waren, wurden zurückgelassen oder erschossen. Die Rote Armee befreite das Lager mit 7.500 Insassen am 27. Januar 1945.
Zuerst wurde das Hauptlager Monowitz am Vormittag des 27. Januar 1945 von den Einheiten der 60. Armee der I. Ukrainischen Front unter dem Oberbefehl von Generaloberst Pawel Kuroczkin befreit. Von den 850 zurückgelassenen Gefangenen starben trotz medizinischer Hilfe 200 in den Folgetagen an Entkräftung.
Bei der Befreiung des Stammlagers verloren 232 sowjetische Soldaten beim Kampf mit sich zurückziehenden Deutschen ihr Leben. Auschwitz-Birkenau wurde schließlich am Nachmittag befreit.
Feldlazarette wurden in den desinfizierten Baracken eingerichtet, in denen die an Unterernährung und Infektionen leidenden und traumatisierten Häftlinge untergebracht wurden. Einige Tage später wurde die Weltöffentlichkeit über die Gräueltaten informiert. Die Ermittler fanden über eine Million Kleider, ca. 45 000 Paar Schuhe und sieben Tonnen Menschenhaar, die von der SS zurückgelassen wurden.
Opfer
Zahl der Opfer
Franziszek Piper geht in seiner Studie Die Zahl der Opfer von Auschwitz (aufgrund der Quellen und der Einträge der Forschung 1945 bis 1990) von 1.100.000 Toten im Vernichtungslager Auschwitz aus.
Franziszek Piper
Jean-Claude Pressac hat in seinem Buch Die Krematorien von Auschwitz 1993 dargelegt, dass man anhand der Quellenlage 631.000-711.000 Tote direkt nachweisen kann. Er geht dabei von 470.000-550.000 nichtregistrierten getöteten Juden (die nach Auschwitz deportiert wurden und deren Spur sich dort verliert), 126.000 registrierten Häftlingen, 15.000 ermordeten sowjetischen Kriegsgefangenen und 20.000 weiteren Toten (wie „Zigeunern“) aus. Hierzu bemerkt er, dass diese Zählung klar vorbehaltlich der aktuellen Forschung sei; zu bemerken ist dabei:
# einerseits ist die Zahl der deportierten Juden aus Ungarn mittlerweile nach oben korrigiert worden
# andererseits sei diese Zahl analog zur divergierenden Minoranten in der Analysis zu sehen: selbst wenn die geringere Zahl, die Pressac liefert, zutrifft, schmälere das nicht den Umfang des Verbrechens, dem – mehrere Tausend Tote mehr oder weniger – zwei Drittel der europäischen Juden, ein großer Anteil der Zigeuner und viele weitere Menschen zum Opfer fielen; die Opferzahlen selbst seien in diesem Fall nur für die historische Forschung von Bedeutung, nicht aber für Buchhaltungsspiele der Schuldrelativierer.
Im Jahre 2002 löste ein Artikel von Fritjof Meyer in der Zeitschrift Osteuropa erneut eine Kontroverse um die Zahl der Opfer von Auschwitz aus. Fachhistoriker halten die dort angegebene Zahl von 510.000 Ermordeten für erheblich zu niedrig.
Bekannte Gefangene und Opfer
- Jean Améry, österreichischer Schriftsteller, Überlebender von Auschwitz, Buchenwald und Bergen-Belsen
- Władysław Bartoszewski, der ehemalige Außenminister Polens
- Esther Bejarano, neben Anita Lasker-Wallfisch letzte noch lebende Überlebende des Mädchenorchesters von Auschwitz
- Anne Frank war zwischen September und Oktober 1944 in Auschwitz-Birkenau inhaftiert. Sie wurde dann in das KZ Bergen-Belsen gebracht, wo sie starb.
- Edith Frank, Mutter von Anne Frank, war von September 1944 bis Januar 1945 in Auschwitz-Birkenau inhaftiert, und starb am 6. Januar 1945 in der Krankenbaracke an Unterernährung.
- Adolf Frankl überlebte Todesmarsch des KZ Auschwitz-Birkenau, Maler Bilder aus dem Inferno
- Viktor Frankl wurde vom KZ Theresienstadt hierher deportiert, von dort nach Dachau wo er befreit wurde.
- Kurt Gerron, Schauspieler (Der blaue Engel) und Regisseur, kam im Oktober 1944 in Auschwitz um.
- Celine van der Hoek Überlebende Niederländerin [http://www.nrw.vvn-bda.de/texte/0116_celnie_van_der_hoek.htm]
- Imre Kertész, ungarischer Schriftsteller, Überlebender von Auschwitz und Buchenwald
- Gertrud Kolmar, deutsche Schriftstellerin
- Hans Krása, tschechisch-deutscher Komponist
- Primo Levi, italienischer Schriftsteller, überlebte Auschwitz III Monowitz und schrieb später über seine Erlebnisse.
- Henryk Mandelbaum, Überlebender
- Nico Richter, niederländischer Komponist, wurde 1944 von hier nach Dachau und später nach Kaufering deportiert. Er stirbt wenige Wochen nach der Befreiung an den Folgen der 3½-jährigen KZ-Haft.
- Edith Stein, katholische Nonne und Heilige jüdischer Abstammung, wurde in Auschwitz-Birkenau vergast.
- Viktor Ullmann, Komponist, wurde aus Theresienstadt nach Auschwitz gebracht und vergast.
- Simone Veil war 13 Monate als Jüdin in Bergen-Belsen und Auschwitz inhaftiert und wurde am 27. Januar 1945 befreit.
- Elie Wiesel überlebte Auschwitz III Monowitz und schrieb später über seine Erlebnisse.
- Sioma Zubicky, Wunderkind jüdischer Zirkusartisten (spielte u. a. mit Edith Piaf und Josephine Baker), Schriftsteller (Spiel, Zirkuskind, spiel), überlebte
Täter
Lagerkommandanten
Wie alle Nazi-Konzentrationslager wurden auch die Lager in Auschwitz von Heinrich Himmlers SS geleitet und der Massenmord insbesondere durch Adolf Eichmann koordiniert. Die Verwaltung wurde vom Lagerkommandanten des KZ Auschwitz I (Stammlager) gesteuert. Eine größere Selbständigkeit mit eigenen Lagerkommandanten hatte das KZ Auschwitz-Birkenau nur zwischen November 1943 und Ende 1944.
- Rudolf Höß (Mai 1940 bis November 1943)
:sowie erneut in Auschwitz als Standortältester von Mai bis Juli 1944 zur "Ungarn-Aktion"
- Friedrich Hartjenstein (November 1943 bis 15. Mai 1944)
- Josef Kramer (Mai 1944 bis Ende 1944)
- Richard Baer (ab Mai 1944 im Stammlager, ab Ende 1944 bis Januar 1945 auch für Birkenau)
Höß wurde 1947 vor dem Eingang des Krematoriums von Auschwitz I gehängt.
Hartjenstein wurde zum Tode verurteilt; er verstarb 1954 in Paris in Haft.
Kramer wurde 1945 in Hameln hingerichtet.
Baer verstarb 1963 in Frankfurt vor Prozessbeginn in Untersuchungshaft.
Weitere Einzelheiten
- Dr. Dr. Josef Mengele führte vorgeblich „medizinische Forschungen“ an Zwergwüchsigen und Zwillingen durch. Für Vergleichsanalysen der inneren Organe wurden einige Zwillingspaare durch Phenolspritzen getötet.
- Prof. Dr. Carl Clauberg führte menschenverachtende Sterilisationsexperimente an weiblichen Lagerinsassen durch.
- Die Inhaber der Firmen Degesch und Tesch & Stabenow wurden angeklagt, das Insektizid Zyklon B wissentlich zur Massenvergasung geliefert zu haben.
- Mehr als 1.000 Männer der SS und 200 weibliche Aufseherinnen taten in Auschwitz I, Auschwitz Birkenau und Auschwitz III Monowitz Dienst. Folgende Aufseherinnen sind mit Namen bekannt: Maria Mandel, Johanna Langefeld, Elisabeth Arneth, Erna Bodem, Johanna Bormann, Therese Brandl, Luise Brunner, Florentine Cichon, Luise Danz, Margot Drechsel, Charlotte Ebert, Herta Ehlert, Martha Grasse, Irma Grese, Elisabeth Haase, Elisabeth Haselof, Elly Hartmann, Anni Fanny Hausherr, Irmgrad Hausherr, Gertrud Heise, Aloisje Irmler, Johanna Jaeger, Hildegard Lächert, Karla Mayer, Monika Miklas, Elfriede Misch, Alice Orlowski, Ella Pessiner, Rosa Reischl, Elfriede Runge, Elisabeth Kaethe Ruppert, Luise Rust, Hermine Schachtner, Friederike Schneider, Maria Schreiber, Bertha Schurr, Anna Schuster, Elfriede Seidel, Hanne Snurova, Else Sollich, Rose Suess, Marianne Thiel, Erna Tietje, Elisabeth Volkenrath, Gertrud Weniger, Emma Zimmer, Gertrud Zlotos.
Nach dem Krieg - Gedenken an die Opfer
Nach dem Krieg wurden die Buna-Werke von der polnischen Regierung übernommen und bildeten den Beginn der Chemieindustrie in der Region. Die Konzentrationslager verfielen langsam.
Später entschied die polnische Regierung, Auschwitz I wiederherzustellen und in ein Museum umzuwandeln; Auschwitz II mit den gesprengten Gaskammern kann man heute auch besichtigen. Das KZ Auschwitz gehört heute zur UNESCO-Liste des Welterbes.
Eine juristische Aufarbeitung fand in Deutschland erst in den Auschwitz-Prozessen der 1960er Jahre statt. Nur 800 der 8 000 in Auschwitz dienenden Personen wurden vor Gericht angeklagt, davon nur 40 vor deutschen Gerichten.
Am 1. September 1992 hat der erste österreichische Gedenkdiener seinen Dienst im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau und dem Auschwitz Jewish Center angetreten.
Der 27. Januar, der Tag der Befreiung des KZ Auschwitz, ist seit 1996 in Deutschland offizieller Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus.
Seit 1988 findet einmal jährlich der Marsch der Lebenden zur Erinnerung an den Holocaust statt.
60. Jahrestag 2005
Am sechzigsten Jahrestag der Befreiung wurde in zahlreichen Veranstaltungen der Opfer der industriellen Massenvernichtung gedacht.
- Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder rief auf der Gedenkveranstaltung des Internationalen Auschwitz Komitees in Berlin da auf, der widerlichen Hetze der Neonazis und den immer neuen Versuchen, Nazi-Verbrechen zu verharmlosen entschieden entgegenzutreten.
- Die Deutsche Bischofskonferenz gab eine Stellungsnahme heraus, dass Auschwitz auch möglich geworden sei, weil zu wenige Deutsche den Mut zu Widerstand gehabt hätten. Auch die katholische Kirche müsse sich nach ihrer Mitverantwortung für den Holocaust fragen lassen.
- Bei einer Gedenkfeier im Sächsischen Landtag zieht die rechts-extreme NPD demonstrativ aus dem Parlamentssaal aus.
- Ingo Stawitz, der NPD-Kandidat für den Kieler Landtag (Wahl Februar 2005) erklärte, dass man am 8. Mai nur der deutschen Kriegsopfer gedenken werde.
- Der Europarat gedachte in Straßburg der Opfer. Der Präsident der Parlamentarischen Versammlung, René van der Linden, rief dazu auf in Europa weiter für Menschlichkeit und Demokratie zu kämpfen, dies sei man jedem einzelnen Holocaust-Opfer schuldig.
- Das größte europäische Holocaust-Museum in Paris wurde zum Gedenktag eingeweiht. Der französische Präsident Chirac betonte, es müsse mit der ganzen Härte des Gesetzes gegen die Leugnung des Holocaust vorgegangen werden.
- Der französische Opferverband „Fils et Filles des Déportés Juifs de France“ FFDJF zeigte in Zusammenarbeit mit der französischen Bahn SNCF eine Ausstellung über die Deportation von 11000 jüdischen Kindern in das Vernichtungslager über das Streckennetz der Reichsbahn. Die Deutsche Bahn hat mit Hinweis auf die personellen und finanziellen Ressourcen abgelehnt, die Ausstellung in den deutschen Bahnhöfen Saarbrücken, Kaiserslautern, Mannheim, Frankfurt am Main, Fulda, Erfurt, Görlitz zu zeigen.
- Am 24. Januar 2005 sprachen auf der Sondersitzung der UN-Generalversammlung die Holocaust-Überlebenden Elie Wiesel und Bronisław Geremek, wie auch der Außenminister der Bundesrepublik Deutschland Joschka Fischer.
Zitate
- „Was sind das für Zeiten, wo Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!“ Bertolt Brecht 1938: „An die Nachgeborenen“
- „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland.“ Paul Celan 1947: „Todesfuge“
- „Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch.“ Theodor W. Adorno 1949: „Kulturkritik und Gesellschaft“
- „Das perennierende Leiden hat so viel Recht auf Ausdruck wie der Gemarterte zu brüllen; darum mag falsch gewesen sein, nach Auschwitz ließe kein Gedicht mehr sich schreiben.“ Theodor W. Adorno 1966: „Negative Dialektik“
Siehe auch
- Nürnberger Gesetze
- Auschwitz-Prozesse
- Nürnberger Prozesse
- Nürnberger Ärzteprozess
- Auschwitzlüge
- Liste der Konzentrationslager im Dritten Reich
- Maus – Die Geschichte eines Überlebenden
- Europäische Holocaustgedenkstätte in freier Trägerschaft der Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert
Literatur
- Danuta Czech: Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939-1945. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1989, ISBN 3498008846.
- Franciszek Piper: Die Zahl der Opfer von Auschwitz aufgrund der Quellen und der Erträge der Forschung 1945 bis 1990. Verlag Staatliches Museum in Os´wie˛cim 1993, ISBN 8385047174.
- Robert Jan van Pelt/Debórah Dwork: Auschwitz. Von 1270 bis heute. Pendo Verlag, Zürich und München 1998, ISBN 3858423343.
- Robert Jan van Pelt: The Case for Auschwitz. Bloomington/Indiana 2002 (oft als maßgeblich zitiert, nicht eingesehen)
- Otto Schwerdt und Mascha Schwerdt-Schneller: Als Gott und die Welt schliefen ISBN 3929517272.
- Theodor W. Adorno: Ob nach Auschwitz noch sich leben lasse. Ein philosophisches Lesebuch, hrsg. von Rolf Tiedemann. Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 1997, ISBN 3518118447.
- Weitere Literaturangaben und Weblinks auf der Seite Stammlager Auschwitz.
Quellen
- Y. Gutman und M. Berenbaum (Hrsg.): „Anatomy of the Auschwitz Death Camp“, Indiana University Press, 1994
- Jean-Claude Pressac: „Die Krematorien von Auschwitz. Die Technik des Massenmordes.“ Piper Verlag, 1995, ISBN 3-492-12193-4 [http://www.holocaust-history.org/auschwitz/pressac/technique-and-operation/ englische Fassung online]
- Alfred Kantor (Vorw. Friedrich Heer) Das Buch des Alfred Kantor, Athenäum Verlag Frankfurt a.M.1987/ Mc Graw-Hill Company New York 1971
Weblinks
- [http://www.auschwitz.org.pl/html/de/start/ Offizielle Webpräsenz der Gedenkstätte]
- [http://www.dhm.de/lemo/html/wk2/holocaust/auschwitz/index.html Deutsches Historisches Museum (DHM) Berlin ]
- [http://www.hr-online.de/website/static/spezial/auschwitzprozess/index.html Das Ende des Schweigens (Hessischer Rundfunk 2005)]
- Ein Überblick über das [http://www.sonderkommando-studien.de/artikel.php?c=forschung/kurzegeschichte jüdische Sonderkommando], das von der SS zur Leichenbergung aus den Gaskammern und Leichenverbrennung gezwungen wurde(von www.sonderkommando-studien.de).
- [http://www.shoa.de/kz_auschwitz.html Ausführlicher Artikel bei Shoa.de ]
- Auch zu [http://www.shoa.de/content/view/235/234/ dem „Sonderkommando-Aufstand“ ]in Auschwitz-Birkenau
- [http://www.shoa.de/content/view/383/231/ Gefangene aus Auschwitz erinnern sich]
- [http://www.shoa.de/content/view/236/234/ Sport im KZ Auschwitz]
- [http://www.yad-vashem.org.il/exhibitions/album_auschwitz/home_auschwitz_album.html The Auschwitz Album] Online Ausstellung mit SS-Fotos und Luftaufnahmen der Alliierten von 1944
- [http://www.remember.org/jacobs/BirkEntrance.html Foto-Galerie]
- [http://www.geocities.com/uv_centcom/kap5/522.html Polen im Zweiten Weltkrieg: Auschwitz]
- [http://www.h-ref.de/ Holocaust-Referenz, Argumente gegen Auschwitzleugner]
- [http://www.idgr.de/texte/geschichte/ns-verbrechen/fritjof-meyer/meyer-osteuropa.php#fn63 Kontroverse um Schätzung von Fritjof Meyer]]
Auschwitz II Birkenau
Auschwitz II Birkenau
Auschwitz II Birkenau
Auschwitz II Birkenau
ja:アウシュヴィッツ=ビルケナウ強制収容所
ko:아우슈비츠 수용소
VernichtungslagerAls Vernichtungslager bezeichnet man eine Reihe von Konzentrationslagern, die während der Zeit des Nationalsozialismus von Organen des NS-Staats im deutsch besetzten Polen und in Weißrussland zum Zwecke der Durchführung des Massenmord an den europäischen Juden sowie den Angehörigen anderer Völker und verfolgter Minderheiten errichtet wurden. Von ihrer Errichtung bzw. Umwandlung nach den Beschlüssen der Wannseekonferenz von 1942 bis zu ihrer Befreiung im Zuge des Vorrückens der Roten Armee 1944/45 wurden in den Lagern weit über 3 Millionen Menschen durch Vergasung in Gaskammern oder Hinrichtung ermordet oder starben an den Folgen von Folter, Unterernährung, Krankheiten und anderen Todesursachen. Neben den ebenfalls praktizierten Massenerschießungen in den deutsch besetzten Gebieten stellen die Vernichtungslager einen Hauptbestandteil des Holocaust dar.
Entstehung der Vernichtungslager
Zwischen 1941 und 1942 wurden sieben große Vernichtungslager in den eroberten Gebieten im Osten in Betrieb genommen. Sie entstanden mit dem Ziel, die bereits im großen Maßstab durchgeführte massenhafte Ermordung von Juden und anderen „Fremdrassigen“ sowie als potentielle Gegner der Naziherrschaft identifizierten Personen in den eroberten Gebieten Osteuropas zu „rationalisieren“.
Insbesondere sollten die mit den zuvor praktizierten Erschiessungen, hauptsächlich durch die Einsatzgruppen der SS und des SD, verbundenen „Probleme“ vermieden werden:
- unvollständige Beseitigung der Leichen bzw. Zurückbleiben von identifizierbaren Massengräbern, daraus folgend Bestimmbarkeit von Opferzahlen
- Möglichkeit des Bruchs der Geheimhaltung durch zufällige Zeugen, Mittäter/Mitwisser aus anderen Einheiten, Flucht einzelner Opfer
- negative Auswirkung auf die Kampfmoral der Fronttruppen
Ziel der Vernichtungslager war demzufolge die vollständige physische Beseitigung der Opfer inklusive aller sterblichen Überreste sowie die Isolierung und Abschirmung gegenüber der Bevölkerung und den nicht unmittelbar zugeordneten Teilen von Armee und Verwaltung.
Ein weiteres wichtiges Merkmal war die Anbindung der Lager an das Reichsschienennetz, damit sollte die Zuführung vorher zusammengestellter „Transporte“ und somit eine planmässige und wirtschaftlich rationalisierte Massentötung - mithin die von den Nazis als „Endlösung“ bezeichnete Ausrottung des europäischen Judentums - ermöglicht werden.
Unterscheidung Konzentrations-/Vernichtungslager
Die Vernichtungslager unterscheiden sich von den gleichfalls staatlichen Konzentrationslagern durch eine historisch einzigartige nationalsozialistische Neuerung: Hier galt nicht mehr das mörderische Prinzip "Vernichtung durch Arbeit", wobei Häftlinge im Verlauf von Wochen oder Monaten an Zwangsarbeit, Unterernährung und Krankheiten starben. Die Vernichtungslager wurden nur für einen einzigen Zweck erdacht und errichtet: die sofortige Ermordung aller dorthin transportierten Juden mit Hilfe von Giftgasen, ungeachtet des Alters, Geschlechts oder so genannter Arbeitsfähigkeit, die für Konzentrationslager ausschlaggebend war. Aus ankommenden Transporten wurden verschiedentlich Menschen selektiert, um unter fürchterlichsten Bedingungen und entsetzlichen Qualen das Funktionieren der Vernichtungslager mit aufrecht zu erhalten, etwa als Totengräber, Leichenverbrenner, in Sortier- und Reparaturwerkstätten und als sonstige Hilfskräfte. Auch sie waren, wieder im Gegensatz zu Konzentrationslagerhäftlingen allgemein, ausnahmslos dem Tode geweiht. Die Unterscheidung lässt sich beispielhaft an der Trennung des KZ-Komplex Auschwitz in die Hauptlager Auschwitz I und Auschwitz III sowie mehrere Nebenlager und das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau (Auschwitz II) nachvollziehen.
Auch einige Konzentrationslager im Reichsgebiet verfügten über eigene kleine Gaskammern, wie zum Beispiel Mauthausen, Sachsenhausen, das Frauenlager Ravensbrück, Neuengamme, Stutthof und Natzweiler. Diese Gaskammern wurden jedoch nicht zum ausschließlichen Zweck der Ermordung der europäischen Juden errichtet, sondern dienten überwiegend der Vernichtung von als "arbeitsunfähig" erklärten KZ-Häftlingen, unter denen sich auch Juden befanden, und sowjetischen Kriegsgefangenen. Die Zahl aller in regulären Konzentrationslagern mit Gas Ermordeten erreicht nicht einmal annähernd die Zahl der im kleinsten Vernichtungslager ermordeten Juden. Ohne Vernichtungslager wäre der Holocaust nicht in diesem Ausmaße durchführbar gewesen. Um den untrennbaren Zusammenhang der Vernichtungslager mit der Endlösung der Judenfrage hervorzuheben, haben Historiker bereits vor Jahrzehnten den spezielleren Begriff Vernichtungslager eingeführt.
Vernichtungslager in chronologischer Reihenfolge
Als Vernichtungslager wurden 1941/1942 folgende sieben Einrichtungen des Massenmordes an den europäischen Juden in Betrieb genommen:
auf damaligem Reichsgebiet (heute Polen)
- Chelmno (dt. Kulmhof, im Landkreis Warthbrücken (Koło) im Reichsgau Wartheland - ab 8. Dezember 1941),
- Auschwitz-Birkenau (im Landkreis Bielitz (Bielsko) in Ost-Oberschlesien - wahrscheinlich ab 30. April 1942, spätestens ab Anfang Mai), Auschwitz als gesamtes Lager war aber gleichzeitig auch Arbeitslager und Konzentrationslager.
- Belzec (in der Kreishauptmannschaft Zamość im Distrikt Lublin, Generalgouvernement - ab 17. März 1942)
- Sobibor (in der Kreishauptmannschaft Cholm im Distrikt Lublin, Generalgouvernement - spätestens ab 6. Mai 1942)
- Treblinka (in der Kreishauptmannschaft Sokolow im Distrikt Warschau, Generalgouvernement - ab 22. Juli 1942)
- Majdanek (in der Kreishauptmannschaft Lublin im Distrikt Lublin, Generalgouvernement - ab 14. September 1942)
- Maly Trostinez (bei Minsk im Kreisgebiet Minsk-Land, Generalbezirk Weißruthenien - wahrscheinlich ab 30. April 1942, spätestens ab Anfang Mai).
Mordtechniken
In den Vernichtungslagern wurden drei verschiedene technisierte Formen des Massenmordes betrieben:
- In Belzec, Sobibor und Treblinka, den Lagern der Aktion Reinhardt im Generalgouvernement, wurden die Menschen durch das Einführen von Benzinmotorabgasen (Kohlenmonoxid) in Gaskammern getötet. Für sehr kleine Transporte aus der näheren Umgebung wurde in Belzec zeitweise auch ein zum Gaswagen umgebautes kleines Postauto eingesetzt.
- In Auschwitz-Birkenau und Majdanek, die zugleich auch Konzentrationslager waren, wurden die Vergasungen mit Hilfe von Blausäuregas (Zyklon B) vorgenommen.
- In Chelmno und Maly Trostinez wurden statt stationärer Gaskammern mobile Gaswagen mit Benzinmotoren eingesetzt.
Nicht mehr Gehfähige, also überwiegend sehr Alte, Kranke und Sterbende, wurden in den Reinhardt-Lagern zumeist erschossen.
Organisation und Instanzen
Mit der Durchführung der Endlösung der Judenfrage in den Vernichtungslagern wurden ab Herbst 1941 drei verschiedene zentrale nationalsozialistische Instanzen betraut:
- Chelmno und Maly Trostinez unterstanden dem Polizeiapparat des Reichssicherheitshauptamtes beziehungsweise den nachgeordneten Dienststellen des Inspekteurs der Sicherheitpolizei und des SD in Posen (Wartheland) und des Kommandeurs der Sicherheitpolizei und des SD in Minsk (Weißrußland).
- Belzec, Sobibor und Treblinka unterstanden als Lager der Aktion Reinhardt Hitlers Privatkanzlei, der Kanzlei des Führers unter Reichsleiter Philipp Bouhler. Diese Kanzlei war auch hauptverantwortlich für die Aktion T4, den Massenmord an Behinderten und Kranken in der so genannten Euthanasie. Bei der Durchführung der Aktion Reinhardt im Generalgouvernement bediente sich die Kanzlei des Führers der Unterstützung des SS- und Polizeiführers im Distrikt Lublin, SS-Brigadeführer und Generalmajor der Polizei Odilo Globocnik, der wiederum dem Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei, Heinrich Himmler, persönlich unterstellt war.
- Auschwitz-Birkenau und Majdanek (genauer: KZ Lublin) unterstanden dem Inspekteur der Konzentrationslager Richard Glücks im SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamt unter Oswald Pohl.
Literatur
- Adalbert Rückerl (Hg.): Nationalsozialistische Vernichtungslager im Spiegel deutscher Strafprozesse. Belzec, Sobibor, Treblinka, Chelmno. München 1977 (dtv 2904), ISBN 3423029048.
- Yitzhak Arad: Belzec, Sobibor, Treblinka. The Operation Reinhard Death Camps. Bloomington and Indianapolis 1987 (Indiana University Press), ISBN 0253342937.
- Jules Schelvis: Vernichtungslager Sobibór. Hamburg/Münster 2003, ISBN 3897718146.
- Christian Gerlach: Kalkulierte Morde. Die deutsche Wirtschafts- und Vernichtungspolitik in Weißrußland 1941 bis 1944. Hamburg 1999 (Hamburger Edition), insbesondere S. 768-770, ISBN 3930908549. - Maly Trostinez.
- Unsere Ehre heisst Treue. Wien/München/Zürich 1965 (Europa Verlag), S. 246, 250-257, ISBN 3203508427. - Tätigkeitsberichte des SS-Unterscharführers Arlt, unter anderem über das Eintreffen von Zügen mit deutschen, österreichischen und tschechischen Juden und ihre Ermordung in Maly Trostinez.
- Tadeusz Mencel (Hg.): Majdanek 1941-1944. Lublin 1991 (Wydawniczwo Lubelskie), ISBN 832220566X. - Polnisches Standardwerk.
Siehe auch
- Holocaust, Nationalsozialismus, der Planungsschritt Wannseekonferenz, Liste der Konzentrationslager
- Liste der Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus
Weblinks
- [http://uni-schule.san-ev.de/space/troisdorf/bilder/juden/maly.htm Vernichtungslager Maly Trostinez]
Kategorie:Holocaust
Kategorie:Rassismus
Kategorie:1940er
Krakau
]
Krakau (polnisch Kraków []) ist die Hauptstadt der Woiwodschaft Kleinpolen und liegt an der oberen Weichsel im südlichen Polen – rund 250 km südlich der Landeshauptstadt Warschau. Sie ist Industrie-, Wissenschafts- und Kulturzentrum des südlichen Landesteils, der von Landwirtschaft und Weinbau geprägt ist. Eine Vielzahl an Bauwerken der Gotik, der Renaissance, des Barock und späterer Epochen prägt das Bild der alten Stadt.
Geschichte
Die Geschichte Krakaus beginnt vor der Gründung des polnischen Staates als Hauptstadt des vistulischen Stammes.
10. Jahrhundert
Nach dem Gründungsmythos der Stadt errichtete Stammesfürst Krak die Stadt auf dem Wawelhügel über einer Drachenhöhle, nachdem er den dort hausenden Drachen getötet hat. Aus dieser Zeit stammen zwei Grabhügel, in denen nach der Überlieferung Krak und seine Tochter Wanda ihre letzte Ruhestätte gefunden haben sollen.
Die ersten Überlieferungen beziehen sich auf Slawen, die sich am Weichselufer ansiedelten. Im 9. Jahrhundert gehörte Krakau wahrscheinlich zeitweise zum Großmährischen Reich. Im Jahre 966 wurde Krakau von dem arabisch-jüdischen Kaufmann Ibrahim ibn Jakub zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Um das Jahr 990 wurde Krakau von Mieszko I. erobert und kam damit unter die Herrschaft der polnischen Piasten.
Ende des 10. Jahrhunderts war Krakau bereits ein bedeutender Handelsplatz und wurde im Jahre 1000 von Boleslaw I. dem Tapferen (Bolesław I Chrobry) zum Bischofssitz gemacht. Die ersten steinernen Gebäude wurden errichtet (eine Burg auf dem Wawelhügel und diverse romanische Sakralbauten).
- 1038 verlegte Kazimierz der Erneuerer die Hauptstadt Polens von Gnesen nach Krakau.
- 1079 erschlug König Boleslaw II. der Kühne (Bolesław II Śmiały) in der Michaeliskirche den Erzbischof Stanislaus. Stanislaus wurde zu einem der ersten Schutzpatrone Polens.
- Von 1138 bis 1320 waren die Krakauer Fürsten im Rahmen der Senioratsverfassung den übrigen polnischen Teilfürsten übergeordnet.
- Im 13. Jahrhundert wurde es von tatarischen Plünderern verwüstet. Besonders verheerend war der erste Anstrum der Tataren im Jahr 1241, den nur die Wawelburg und der Stadtteil Okół überstanden haben.
- 1257 wurde Krakau nach Magdeburger Stadtrecht von Bolesław dem Schüchternen neugegründet und in der heute noch in der Altstadt zu sehenden Weise wieder aufgebaut. In dieser Zeit wurden die Marktplätze und das schachbrettartige Straßennetz der Altstadt geformt, in das ältere Fragmente, wie die Marienkriche oder die Grodzka-Strasse, eingebettet wurden.
- 1320 wurde in der Wawelkatedrale zum ersten Mal seit der Teilung im Jahre 1138 wieder ein polnischer König gekrönt, Władysław Ellenlang. Krakau blieb Krönungs- und Begräbnisstätte der polnischen Könige bis 1734.
- Seit 1150 existierte eine Lateinschule unter der Direktion des Krakauer Erzbistums, und Kasimir III. der Große (Kazimierz III Wielki) gründete 1364 die Krakauer Universität (die spätere Jagiellonen-Universität), die nach der Universität Prag die zweitälteste in Mitteleuropa ist.
- Kazimierz der Große gründete zwei Vorstädte von Krakau Kazimierz (1335) und Kleparz (1366)
- Die Stadtregierung Krakaus untersteht jahrhundertelang dem Krakauer Erzbischof als Fürstbistum.
- Während der Herrschaft von Wladyslaw II. Jagiello (Władysław II Jagiełło) wurde Krakau ein Mitglied der Hanse, verließ diese aber 1478 wieder.
16. Jahrhundert
- Nach der polnisch-litauischen Union 1385 entwickelte sich Krakau als Hauptstadt einer der größten europäischen Kontinentalmächte ökonomisch, kulturell, wissenschaftlich und urbanistisch.
- 1385–1572: Unter der Herrschaft der Jagiellonen, die unter anderem auch familiäre Beziehungen mit Habsburg unterhielten, wuchs Krakau weiter und wurde unter Sigismund I. dem Alten (Zygmunt I Stary) und Sigismund II. August (Zygmunt II August) zum Machtzentrum Polen-Litauens (siehe auch Geschichte Polens). Zu dieser Zeit zählte Krakau ca. 30.000 Einwohner. Aus dieser kulturellen Blütezeit der Stadt ist noch heute eine Vielzahl von Baudenkmälern und Kunstschätzen der Renaissance erhalten. Insbesondere der Schloßkomplex auf dem Wawelhügel und die befestigte Altstadt - Barbakane, Tuchhallen etc.
- 1475 warb der bayerische Herzog Georg der Reiche von Bayern um die Hand von Hedwig Jagiellonica (Jadwiga Jagiellonka), der Tochter von König Kasimir IV. Jagiellonicus (Kazimierz IV Jagiellończyk). Nach einer zweimonatigen Reise fand in Landshut die Landshuter Fürstenhochzeit statt.
- 1488 gründete der Humanist Conrad Celtes die Sodalitas Litterarum Vistulana, eine Gelehrtengesellschaft nach Vorbild der Römischen Akademie.
- 1489 beendete Veit Stoß (poln. Wit Stwosz) aus Nürnberg die Arbeit am Hochaltar der Krakauer Marienkirche.
- Vor 1500 richtete Johann Haller die erste Druckerpresse in Krakau ein.
- Veit Stoß fertigt den Marmorsarkophag für Kasimir IV. Jagiellonicus.
16. Jahrhundert von Krakau]]
Nikolaus Kopernikus studierte in Krakau.
1505 sind im Balthasar-Beheim-Kodex die Statuten der deutschsprachigen Bürger-Gilden beschrieben.
1520 veranlasst Johann Beheim die Herstellung der heute noch größten polnischen Kirchenglocke, der Sigismund-Glocke.
Im gleichen Zeitraum ist Hans Dürer, der jüngere Bruder des Albrecht Dürer, Hofmaler bei Sigismund I. dem Alten.
Hans von Kulmbach fertigt den Altar der Johanniskirche.
Mitte des 16. Jh. wurde begonnen, die deutschsprachige Stadtregierung durch eine polnische zu ersetzen.
1572 stirbt der letzte Jagiellonenkönig, Sigismund II. August (Zygmunt II August).
1596 verlegt der polnische und zeitweise schwedische König sowie zeitweise Zar von Russland Sigismund III. Vasa (Zygmunt III Waza) die Residenz nach Warschau, das bis 1526 (dem Jahr des Erlöschens des masowischen Piastenhauses) Hauptstadt des Herzogtums Masowien war und danach an die polnische Krone zurückfiel. Sigismund bevorzugte die Nähe Warschaus zu seinem schwedischen Erbkönigreich und zu seinen russischen Ambitionen.
Die Bedeutung Krakaus nimmt ab, beschleunigt durch die Plünderung während der schwedischen Invasion und durch die Pest, die 20.000 Opfer fordert.
Im Zuge der Polnischen Teilungen wird Krakau 1815 als Republik Krakau zunächst ein Satellitenstaat Österreich-Ungarns, später annektiert und 1846 Galizien zugeschlagen. Unter der relativ liberalen Herrschaft Österreichs entwickelte sich Krakau erneut zum Zentrum polnischer Kunst und Kultur. In diese Zeit fiel das Wirken von Jan Matejko, Stanisław Wyspiański, Jan Kasprowicz, Stanisław Przybyszewski, Juliusz Kossak und Wojciech Kossak, Stanisław Ignacy Witkiewicz und Leon Chwistek. Krakau wurde das Zentrum der neoromantischen Bewegung Junges Polen sowie des polnischen Modernismus.
In Krakau und Warschau etablierten sich nationale Befreiungsbewegungen.
Siehe auch Geschichte von Galizien.
20. Jahrhundert
Im Ersten Weltkrieg kämpften Krakauer Truppen innerhalb der Mittelmächte, also an der Seite Österreich-Ungarns und des Deutschen Reiches. Nach dem Ersten Weltkrieg ging Krakau im neuen polnischen Staat auf.
Im September 1939 wurde Krakau von der deutschen Wehrmacht besetzt und zur Hauptstadt der deutschen Besatzungsregierung gemacht. Unter Gouverneur Hans Frank wurden die Konzentrationslager Plaszów und Auschwitz in unmittelbarer Nähe errichtet. Obwohl die Besatzer einige Schäden anrichteten, blieb Krakau von Bombardements und großen Zerstörungen weitgehend verschont.
Nach dem Zweiten Weltkrieg unterdrückten die polnische kommunistische Regierung und die UdSSR die bürgerlichen und aristokratischen Strömungen der Krakauer. Aus ideologischen Überlegungen heraus wurden in unmittelbarer Nachbarschaft das damals weltgrößte Stahlwerk und die sozialistische Trabantenstadt Nowa Huta (deutsch: Neue Hütte) errichtet. Die Regierung erhoffte sich durch einen größeren Anteil an „sozialistischen Arbeitern" dem Einfluss der „kapitalistischen Intellektuellen" zu beseitigen. Nowa Huta wurde während der Samtenen Revolution zu einem Brennpunkt des sozialen und politischen Geschehens. Bis in die 90er Jahre hinein schädigten die Emissionen des Stahlwerks die historische Substanz der alten Stadt..
Jüngste Vergangenheit
- 1978 wird Krakau UNESCO-Weltkulturerbe.
- Anfang der 1990er: Durch westliche Hilfe gelingt es, die schädlichen Immissionen des Stahlwerkes zu stoppen und den historischen Stadtkern vor weiteren Schäden durch Kohlebefeuerung mittels Installation elektrischer Heizsysteme zu schützen.
- 2001: Das größte Problem der Stadt ist neben der vor allem in Nowa Huta und der ganzen Region herrschenden hohen Arbeitslosigkeit der Verkehr im inneren Stadtring der modernen Stadt. Trotz knapper Finanzen gelingt es, wenn schon der Autobahnring nie komplett fertig wurde, wenigstens die Entlastungsbrücke für die Stadtteile auf der Südseite der Weichsel (Podgorze) fertigzustellen. Krakau positioniert sich nach wie vor als Wissenschafts- und Kulturstandort, es soll jedoch nicht verschwiegen werden, dass Pläne wie die Sonderwirtschaftszone „Technologiepark“ oder „Einkaufszentrum Hauptbahnhof“ wegen der anhaltenden wirtschaftlichen Probleme, oder der erwartete New-Economy-Aufschwung, ausblieben, oder in ihrer Realisierung erheblich zurückgeworfen wurden.
- 2002/2003: Mit Hilfe von EU-Geldern wurden diverse Verkehrsprojekte begonnen. Dazu gehören weitere Brücken im und um das Stadtgebiet, der Aus- und Neubau eines Ringstraßensystems, Entlastungsbrücken- und Tunnel für sehr stark frequentierte Kreuzungen und Verkehrskreisel.
Architektur
Da nach der Zerstörung durch die Tataren im Hochmittelalter keine wesentlichen Zerstörungen erfolgten und sich die Industrialisierung eher außerhalb abspielte, ist Krakau reich an Beispielen aller Epochen ab dem Hochmittelalter, vor allem Renaissance, aber auch Jugendstil und Neogotik sind zu finden (Collegium Novum). Bausünden wurden erfreulich wenige begangen, allerdings existiert eine bemerkenswerte Investitionsruine, das unvollendete Hochhaus Szkieletor. Seit dem Jahr 2002 werden viele Baulücken im Stadtgebiet durch angepasste Neubauten geschlossen.
Kulturelles Leben, Veranstaltungen
Die bekanntesten Theater
- das Alte Theater (Teatr Stary)
- das Slowacki-Theater
- die Oper
- die Operette
- Theater „Bagatela“
Bekannte Regisseure und Schauspieler Krakaus sind Andrzej Wajda und Jerzy Stuhr.
Kabarett
Krakau ist bekannt für seine alte Tradition des literarischen Kabaretts, die bis heute gepflegt wird. Bekannteste Kabarett-Theater sind Piwnica pod baranami und Jama Michalika. Ein neues, junges Kabarett ist Loch Camelot. Im Piwnica pod baranami hatte die legendäre Chansonsängerin Polens Ewa Demarczyk ihre ersten Auftritte. Sie ist dem Kabarettkeller bis heute eng verbunden.
Die wichtigsten Veranstaltungen
- Stündliches Trompetensignal vom Turm der Marienkirche (von einem Trompeter gespielt)
- Internationales Festival der Seemannslieder (Shanties) - (Februar)
- Internationales Festival des Alternativ- und Experimentaltheaters - Krakowskie Reminiscencje Teatralne - (März)
- Tage der Orgelmusik - (April)
- Internationales Festival der Kurzfilme - (Mai)
- Juvenalia - Studentenfestival - (Mai)
- Festival der Jüdischen Kultur - (Juni) - eine der Höhepunkte des Krakauer Kulturjahres
- Jazzfestival im „Pod Baranami“ - (Juli)
- Festival „Klassische Musik an historischen Orten“ - (August)
- Festival der Jazztrompeter - Miles Davis Memorial Night - (September)
- Festival „Genius Loci“ in Kazimierz - (Oktober)
- Wettbewerb der Krakauer Weihnachtskrippen - (Dezember)
Bildung
Krakau ist ein Bildungszentrum. Es gibt 12 Hochschulen mit ca. 10.000 Bediensteten und 51.000 Studenten.
Links zu Bildungseinrichtungen:
- [http://www.ae.krakow.pl/ Akademia Ekonomiczna]
- [http://www.uci.agh.edu.pl/ Akademia Górniczo-Hutnicza]
- [http://www.cyf-kr.edu.pl/KRAKOW/AM/ Akademia Muzyczna]
- [http://www.ar.krakow.pl/ Akademia Rolniczna]
- [http://www.cyf-kr.edu.pl/KRAKOW/UM/PWST/ Państwowa Wyższa Szkoła Teatralna]
- [http://www.pk.edu.pl/ Politechnika Krakowska]
- Jagiellonen-Universität [http://www.uj.edu.pl/ Uniwersytet Jagielloński]
- [http://www.wsp.krakow.pl/ Wyższa Szkoła Pedagogiczna]
- [http://www.wszib.krakow.pl/ Wyższa Szkoła Zarządzania i Bankowości]
- [http://www.v-lo.krakow.pl/ V Liceum Ogólnokształcące im. Augusta Witkowskiego] (Oberschule)
- [http://www.nowodworek.krakow.pl/ I Liceum Ogólnokształcące im. Nowodworskiego] (Oberschule)
- [http://www.xiii-lo.krakow.pl/ XIII Liceum Ogólnokształcące im. Bohaterów Westerplatte] (Oberschule)
Sehenswürdigkeiten
Krakau ist auch das Ziel vieler polnischer und internationaler Touristen. Die Stadt ist bei Besuchern auf Grund ihrer südlichen Atmosphäre sehr beliebt.
Jagiellonen-Universität
Jüdisches Viertel und Ghetto
Der Stadtteil Kazimierz (Kasimir) war einst eine selbständige Stadt. In Kasimir gab es früher einen hohen jüdischen Bevölkerungsanteil. Das ehemalige jüdische Viertel ist heute überwiegend saniert und zu einem Anziehungspunkt für Besucher geworden, jedoch wird es kaum mehr von Juden bewohnt. Nur noch etwa 150, vor allem ältere Juden sind derzeit noch ansässig, das jüdische Zentrum nimmt somit an, dass es bald keine Juden mehr in Kazimierz geben wird. Das ehemalige Ghetto (bzw. die Reste davon wie Teile der Mauer und die Ghetto-Apotheke) befindet sich dagegen südlich der Weichsel im Stadtteil Podgórze. In den Strassen des Ghettos wurden aufgrund der erhaltenen historischen Bausubstanz zahlreiche Aufnahmen für den Kinofilm Schindlers Liste gedreht.
Überblick
- über 100 Kirchen und Klöster
- 28 Museen mit den bedeutendsten Ausstellungsstücken aus ganz Polen
- jüdisches Viertel Kazimierz (Drehort für den Film „Schindlers Liste“)
- über 200 Kellerkneipen
- eine große Investitionsruine, das Hochhaus Szkieletor
Königlicher Weg
Der königliche Weg beginnt nördlich der Altstadt am Denkmal der Grunwaldschlacht, welches an den Sieg der Polen über den deutschen Ritterorden erinnert. Man überquert die innere Ringstraße um die Altstadt und steht vor der Barbakane, die als größter gotischer Wehrturm Europas gilt. Weiter kommt man zu den Resten der Stadtmauer mit dem Krakauer Florianstor. Durch dieses letzte erhaltene Stadttor betritt man die Altstadt. Im Verlauf der Floriansstraße kommt man am Apothekenmuseum vorbei und erreicht den größten europäischen Marktplatz des Mittelalters.
Krakauer Florianstor
Am und um den Hauptmarkt (polnisch Rynek Główny) liegen mehrere Sehenswürdigkeiten, dazu gehören die Krakauer Marienkirche mit dem berühmten Hochaltar des Nürnbergers Veit Stoß, die Krakauer Barbarakirche, die Sukiennice (Tuchhallen) mit Gemäldegalerie und Souvenirläden, der Krakauer Rathausturm, die Krakauer Adalbertkirche und weitere Denkmäler und Bürgerhäuser. Etwas abseits des Marktplatzes liegt der alte Teil der Jagiellonen-Universität. Entlang der Grodzkastraße kommt man an weiteren Kirchen vorbei. Dazu gehören die Krakauer Dominikanerkirche, die Krakauer Peter-und-Paul-Kirche, die Krakauer evangelische Kirche. Am Ende des Weges sieht man das überwältigende Wawel-Schloss auf dem Wawelhügel am Ufer der Weichsel mit dem feuerspeienden Denkmal des Wawel-Drachen.
Museen
Die wichtigsten der 28 Museen
- Das Nationalmuseum (Leonardo da Vinci, Rembrandt)
- „Bunkier Sztuki“ (Moderne Kunst)
- Galerie der Tuchhallen Sukiennice (Malerei 19. Jhdt)
- Jan-Matejko-Haus
- Das Manggha-Haus (nein, keine japanischen Comics, aber schon japanische Sammlungen)
- Archäologisches Museum mit den Daueraustellungen: 1000 Jahre Krakau und Ägypten
- Pharmazeutisches Museum
- Trakl-Museum (Sterbezimmer, im Militärhospital)
Lokale Küche
Die lokale Küche ist teilweise noch von der K.u.K.-Vergangenheit geprägt, aber mittlerweile abgesehen davon so breit und international wie in jeder vergleichbaren Stadt. Besonders hervorzuheben ist der neueste Trend zu altpolnischer bäuerlicher und adeliger Küche. Die Portionen sind sehr großzügig bemessen. Die Mehlspeisen sind deutlich österreichisch geprägt. Eine Spezialität sind die krautgefüllten Pfannkuchen (pierogi), die in den unterschiedlichsten Variationen in fast jedem Restaurant bestellt werden können.
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
- Alexander Abusch, Journalist, Schriftsteller und Politiker in der DDR
- Stefan Banach, polnischer Mathematiker
- Daniel Bogusz, polnischer Fussballspieler
- Boleslaw III. (Polen), Co-Herzog (1102-1107), Herzog von Polen (1107-1138)
- Krzysztof Borek, polnischer Komponist
- Carl Carl, österreichischer Schauspieler und Theaterdirektor
- Ewa Demarczyk, polnische Sängerin und Schauspielerin
- DJ Tomekk, deutscher Hip-Hop-Musiker und Musikproduzent
- Robert Gadocha, polnischer Fußballspieler
- Mordechaj Gebirtig, jiddisch-polnischer Poet und Komponist
- Henryk Grossmann, deutscher Ökonom jüdisch-polnischer Herkunft
- Ludwig Gumplowicz, Einer der Gründungsväter der europäischen Soziologie
- Friedrich Halm, österreichischer Dichter und Dramatiker
- Wojciech Has, polnischer Filmregisseur
- Roman Haubenstock-Ramati, Komponist
- Zvi Hecker, israelischer Architekt
- Jerzy Hoffman, polnischer Filmregisseur
- Josef Hofmann, österreichischer Pianist
- Stanislaus Hosius, deutsch-polnischer Theologe
- Roman Ingarden, polnischer Philosoph
- Johann I. (Polen), König von Polen (1492-1501)
- Heiliger Kasimir von Polen, katholischer Heiliger, zweiter Sohn von Kasimir IV.
- Johann II. Kasimir (Polen), König von Polen
- Antoni Kątski, Klaviervirtuose und Komponist
- Zygmunt Konieczny, polnischer Komponist
- Ewa Lipska, polnische Dichterin und Autorin
- Franciszek Macharski, Erzbischof von Krakau und Kardinal
- Jan Matejko, polnischer Maler
- Edward Ochab, polnischer Politiker
- Karin Reschke, deutsche Schriftstellerin
- Jan Rokita, polnischer Politiker der Partei "Bürgerplattform"
- Sigismund II. (Polen), König von Polen, Großfürst von Litauen, letzter König der Jagiellonen
- Jerzy Stuhr, polnischer Schauspieler und Regisseur
- Grzegorz Turnau, polnischer Liedermacher
- Karl Freiherr von Urban, österreichischer Feldmarschallleutnant
- Vladislav II. (Böhmen und Ungarn), König von Polen
- Wanda Wasilewska, polnische und sowjetische Politikerin.
- Wladyslaw II. (Polen), Oberherzog von Polen, Herzog von Schlesien
Berühmte mit Krakau verbundene Personen
- Veit Stoß (Polnisch: Wit Stwosz)
- Oskar Schindler
- Johannes Paul II., als Karol Wojtyła in Wadowice bei Krakau geboren
- Jerzy Hoffman
- Nigel Kennedy
- Georg Trakl
- Czesław Miłosz
- Stanisław Lem
- Stanislaus von Krakau
- Valentin Faltin (Polnisch: Walenty Falten)
- Roma Ligocka
- Piotr Skrzynecki, Gründer des Piwnica pod baranami
- Roman Polanski
Verkehr (lokal)
Das Straßenbahn- und Autobusnetz ist dicht. Besonders die Außenbezirke verbindet die Straßenbahn mit dem Zentrum. Eine Schnellstraßenbahn ist in Planung – teilweise als U-Bahn konzipiert.
Verkehr (Fernverkehr)
Endpunkt der Autobahn A4.
Internationaler Flughafen Johannes Paul II. Krakau-Balice in Balice mit Linienverbindungen u.a. nach Chicago, Frankfurt am Main, Wien.
Eisenbahnverbindungen (u.a. nach Breslau und Danzig über Warschau, aber auch in die Ukraine über Przemyśl, nach Prag und Budapest sowie Wien und Bratislava und auch (neuerdings) Berlin über Posen, im Sommer Direktverbindung bis Hamburg.
Linienbusverkehr, international und ins Umland.
Die Weichsel wird höchstens für Ausflugsdampfer benutzt.
Umgebung
- Nationalpark in Ojców (ca. 24 km entfernt) mit dem ehemaligen Jagdschloss Pieskowa Skala der Krakauer Könige
- Wieliczka mit dem ältesten Salzbergwerk der Welt (17 km entfernt)
- Abtei von Tyniec
- der westlich der Innenstadt gelegene Stadtwald, Las Wolski, mit zoologischem Garten
- Kloster im Las Wolski
- Zakopane
- Auschwitz, polnisch Oswiecim
Partnerstädte
Krakau unterhält Städtepartnerschaften mit folgenden Städten:
- Bordeaux (Frankreich)
- Bratislawa (Slowakei)
- Cusco (Peru)
- Edinburgh (Schottland)
- Fez (Marokko)
- Florenz (Italien)
- Frankfurt am Main (Deutschland), seit dem 6. Dezember 1991
- Göteborg (Schweden)
- Innsbruck (Österreich)
- Leipzig (Deutschland)
- Löwen (Belgien)
- Lemberg (Ukraine)
- Mailand (Italien)
- Nürnberg (Deutschland), seit 1979
- Orleans (Frankreich)
- Rochester (USA)
- Sevilla (Spanien)
- Solothurn, (Schweiz)
- Wilna (Litauen)
- Zagreb (Kroatien), seit 1975
Klima und Wetter
Krakau liegt an der Schwelle vom atlantischen See- zum Kontinentalklima. Je nach vorherrschender Windrichtung wird das Wetter beeinflusst. Westwinde (~40 %) bringen vor allem im Sommer feuchtes Wetter mit Regen, während Ostwinde (~22 %) besonders im Winter trockene und sehr kalte Witterung hervorrufen. Der Wind weht durchschnittlich mit 11 km/h.
Die mittlere Temperatur im Januar beträgt etwa -2 °C, wobei Tiefsttemperaturen von mehr als -20 °C keine Seltenheit sind. Die mittlere Temperatur im Juli beträgt etwa +19 °C, das Thermometer kann aber auch +35 °C und mehr erreichen. Allgemein ist das Wetter sehr ruhig mit geringen täglichen Schwankungen.
An sehr heißen Sommertagen kann es zu kräftigen Gewittern kommen. In den letzten Jahren haben in der Region die Extremwettererscheinungen zugenommen. Dazu gehören Sturzregen mit 50 l/m² oder auch kleine Tornados. Im Rekordsommer 2003 wurden Staubteufel beobachtet.
Weblinks
- [http://www.krakow.pl/de/ Magical Kraków - Offizielle Seite der Stadt]
- [http://www.krakau.zaprasza.net Touristeninformation]
- [http://www.cracowonline.com/ Krakau Online]
- [http://www.krakow4u.pl/ger_index.php?parametr=ger_glowna_s Cracow4u]
- [http://www.krakow-info.com/ Krakau-Info]
- [http://wikitravel.org/en/article/Krakow kracow in Wikitravel] (engl.)
- [http://public-transport.net/bim/Krakow.htm Straßenbahn in Krakau]
- [http://www.go-cracow.com Krakau für Touristen]
Kategorie:Ort in Polen (dt.)
Kategorie:Weltkulturerbe
als:Krakau
ja:クラクフ
Oświęcim
Oświęcim [] (deutsch Auschwitz, tschechisch Osvětim, slowakisch Osvienčim, Romani Auschwiza, Osswjentschim) ist eine am Fluss Sola gelegene polnische Mittelstadt im Verwaltungsbezirk Kleinpolen im südlichen Teil des Landes, rund 50 km westlich der Bezirkshauptstadt Krakau.
Bekannt geworden ist die Stadt als Standort des größten Komplexes von Konzentrationslagern zur Zeit des Nationalsozialismus, insbesondere des KZ Auschwitz II Birkenau.
Geschichte
Im Jahr 1179 fand Oświęcim erste urkundliche Erwähnung, als es aus der Krakauer Seniorenprovinz herausgelöst und dem Herzogtum Oppeln zugeschlagen wurde. 1272 wurden dem Ort die Stadtrechte verliehen. Im Laufe der Geschichte lebten hier Deutsche und Polen friedlich zusammen. Die den westlichen Teil Galiziens bildenden Herzogtümer Auschwitz und Zator kamen 1327 durch Herzog Johann von Auschwitz in ein Vasallenverhältnis zum Königreich Böhmen. Später ging die Gegend wieder an die Herzöge von Teschen und Großglogau. Im 14. Jahrhundert setzte eine Landflucht ein, die viele Bewohner des Ortes in andere Gebiete zog. Das Interesse der Deutschen an Auschwitz schwand und 1457 kaufte der polnische König Kasimir IV. die Rechte am Ort, der anschließend der Woiwodschaft Krakau angegliedert wurde. Bereits im 15. Jahrhundert stellten Juden, die von den polnischen Königen zur Ansiedlung eingeladen worden waren, die Bevölkerungsmehrheit.
1655 wurde Oświęcim von schwedischen Truppen verwüstet. Bis zu den Teilungen Polens am Ende des 18. Jahrhunderts hatte der Ort seine frühere Bedeutung völlig verloren. Er kam 1773 zu Österreich und lag bald auch an der Grenze zu Preußen und Russland. 1818 wurde die Gegend deutsches Bundesgebiet, da sie lange Zeit Bestandteil von Schlesien gewesen war. Während des Preußisch-Österreichischen Krieges erfolgte am 27. Juni 1866 ein Angriff der Preußen auf Auschwitz, der jedoch zurückgeschlagen wurde. Bis 1918 führte der Kaiser von Österreich auch den Titel eines "Herzogs von Auschwitz".
Nach dem 1. Weltkrieg wurde Oświęcim wieder polnisch. Bereits 1918 organisierte die "Polnische Liquidationskommission" in Krakau die Übernahme der Zivilverwaltung. Bis 1932 war Oświęcim Verwaltungssitz eines polnischen Landkreises.
Zeit des Nationalsozialismus
In der Zeit der deutschen Besetzung (ab September 1939) wurde Oświęcim in Auschwitz umbenannt und gehörte von Oktober/November 1939 an zum Deutschen Reich. Es bildete im westlichen Teil des neuen Landkreises Bielitz einen Teil des neuen Regierungsbezirkes Kattowitz in der preußischen Provinz Schlesien, ab dem 18. Januar 1941 - nach der Teilung Schlesiens - der Provinz Oberschlesien.
Seit dem 30. November 1940 wurde die Stadt Verwaltungsmittelpunkt des gleichnamigen Amtsbezirks. Dieser bestand aus der Stadt Auschwitz und den umliegenden Gemeinden Babitz, Birkenau, Broschkowitz, Dwory, Klutschnikowitz, Monowitz, Poremba-Wielka, Stara-Stawy, Wlocienitz und Zaborz-Ost. Auschwitz war der Sitz des deutschen Amtskommissars.
Mit der Verleihung des Rechtes der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 an die Stadt Auschwitz stand diese ab 1. April 1943 außerhalb des Verbandes eines Amtsbezirks. An der Spitze der Ortsverwaltung stand nunmehr bis Kriegsende ein deutscher Bürgermeister.
Die vor dem Krieg zu 60% jüdische Bevölkerung wurde von den deutschen Besatzern vollständig vertrieben oder ermordet.
Auschwitz wurde zum Standort des größten Komplexes von Konzentrationslagern im Deutschen Reich und den besetzten Gebieten. Dazu zählten:
- Auschwitz I (Stammlager), das ursprüngliche Konzentrationslager und Verwaltungszentrum des gesamten Lagerkomplexes. Hier wurden ungefähr 70.000 Menschen, meist polnische Intellektuelle und sowjetische Kriegsgefangene, umgebracht.
- Auschwitz II (Birkenau), ein Vernichtungslager in dem mutmaßlich 510 000 Menschen (davon wahrscheinlich 356 000 im Gas ermordet), meist Juden und Sinti und Roma den Tod fanden
- Auschwitz III (Monowitz), ein Arbeitslager
- 39 Nebenlager.
Nachkriegszeit
Nachdem der einzige jüdische Heimkehrer in den 1990er Jahren starb, gibt es derzeit keine dort ansässige jüdische Bevölkerung. Allerdings wurde die einzig erhaltene Synagoge rekonstruiert, die ab 1977 verstaatlicht und als Teppichlager genutzt wurde.
2000 wurde sie schliesslich wiedereröffnet. Das Jüdische Zentrum, was neben der Synagoge auch ein ehemaliges jüdisches Wohnhaus umfasst, in dem sich heute in Museum befindet, beschäftigt sich mit der Vergangenheit der jüdischen Einwohner der Stadt.
Die durch das KZ Auschwitz aufgebauten Buna-Werke wurden vom polnischen Staat übernommen und als Chemiewerke Oświęcim (heute: Dwory S.A.) zum größten Arbeitgeber des Ortes. Die einseitige wirtschaftliche Ausrichtung auf diesen Großbetrieb brachte der Stadt nach 1990 wirtschaftliche Probleme. Seither werden die Bereiche Handel und Dienstleistungen stark ausgebaut.
Der Powiat Oświęcimski wurde 1948 wieder eingerichtet. Zwischen 1975 und 1999 gehörte die Stadt zur Woiwodschaft Biala.
Sie wird als jüdisches Kulturzentrum und als Museum der jüdischen Vergangenheit der Stadt genutzt.
Stadtgliederung
Die Stadt Oświęcim gliedert sich in die Stadtteile Błonie, Domki Szeregowe, Dwory-Kruki, Monowice (Monowitz), Pod Borem, Północ, Południe, Stare Miasto (Altstadt), Stare Stawy (Stara Stawy), Wschód, Zachód, Zasole
Museen
Als Ort des Verbrechens steht Auschwitz als Synonym für den während des Zweiten Weltkrieg von den Nationalsozialisten begangenen Holocaust. Große Teile des Konzentrationslagers sind erhalten und erinnern als ein von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärtes Staatliches Museum an jene Zeit.
Im Stadtzentrum befindet sich auch das jüdische Zentrum (Auschwitz Jewish Center), welches 2000 eröffnet wurde, und das reichhaltige jüdische Leben der Stadt vor dem Einmarsch der Nazis beleuchtet. Es beinhaltet die Rekonstruktion einer orthodoxen Synagoge, die sich bis 1939 dort befand, sowie eine Ausstellung über Oświęcim vor dem 2. Weltkrieg.
Es gibt in Oświęcim auch ein städtisches Museum, das in bescheidenem Rahmen über die Geschichte der Stadt und das frühere Leben ihrer Einwohner informiert.
Sport
Das Eishockey-Team von Unia Oświęcim wurde bereits mehrfach polnischer Meister. Der Schwimmer Paweł Korzeniowski aus Auschwitz wurde bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen Vierter über 200 m Schmetterling.
Partnerstädte
- Kerpen, Deutschland
- La Confluence, Frankreich
- Sambir, Ukraine
Gmina
Die Landgemeinde Oświęcim umfasst ein Gebiet von 74 km² mit 15.500 Einwohnern. Sie gliedert sich in die Schulzenämter:
- Babice (Babitz), 1.582 Einwohner
- Broszkowice (Broschkowitz), 563 Einwohner
- Brzezinka (Birkenau), 2.195 Einwohner
- Dwory II, 342 Einwohner
- Grojec, 2.798 Einwohner
- Harmęże (Harmense), 572 Einwohner
- Osada Stawy Grojeckie
- Łazy, 396 Einwohner
- Pławy, 330 Einwohner
- Poręba Wielka (Poremba Wielka), 1.764 Einwohner
- Rajsko, 1.300 Einwohner
- Stawy Monowskie, 319 Einwohner
- Włosienica (Wlocienitz), 1.440 Einwohner
- Zaborze (Zaborz), 2.257 Einwohner
Weblinks
- [http://www.um.oswiecim.pl/ Offizielle Webseite der Stadt Oświęcim]
- [http://www.oswiecim-gmina.pl/ Offizielle Webseite der Gemeinde Oświęcim]
- [http://www.auschwitz-muzeum.oswiecim.pl/html/de/start/index.php Offizielle Seite der Gedenkstätte und des Museum Auschwitz-Birkenau]
- [http://www.wsg-hist.uni-linz.ac.at/Auschwitz/HTMLd/Seite1.html Auschwitz - Endstation Vernichtung]
- [http://208.184.21.217/article.asp?fldAuto=17 Auschwitz Jewish Center]
- [http://www.mdsm.pl/index.php?language=DE Internationale Jugendbegegnungsstätte]
Kategorie:Ort der Woiwodschaft Kleinpolen
ja:オシフィエンチム
Liste des Weltkultur- und Naturerbes der Menschheit und gehört zum Weltkulturerbe]]
Die UNESCO-Liste des Welterbes besteht aus dem Weltkulturerbe und dem Weltnaturerbe. Insgesamt umfasst sie 812 Denkmale in 137 Ländern (Stand: Juli 2005). Davon sind 628 Kulturdenkmale (K) und 160 Naturdenkmale (N), weitere 24 Denkmale gehören sowohl dem Kultur- als auch dem Naturerbe an (K/N).
Die UN-Sonderorganisation World Heritage Committee unterstützt bei den in der Liste geführten Objekten den Schutz und/oder die Restaurierung durch fachliche und materielle Hilfe.
Grundlagen
Grundlage ist die 1972 in Stockholm verabschiedete UNESCO-Konvention zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt. Sie ist 1975 in Kraft getreten. Um in die Liste aufgenommen zu werden, muss mindestens eines der sechs Merkmale erfüllt sein. Das schutzwürdige Objekt muss
- von einzigartigem künstlerischen Wert sein.
- starken kulturellen Einfluss auf eine Region oder Epoche ausüben.
- von großem Seltenheitswert oder Alter sein.
- für eine bestimmte künstlerische Entwicklung beispielhaft sein.
- für eine bestimmte Architekturepoche stehen.
- bedeutungsvoll im Zusammenhang mit herausragenden Ideen oder historischen Gestalten sein.
Einen Aufnahmeantrag stellen in Deutschland die Bundesländer.
Den Anstoß zum Übereinkommen gab zuvor der Aufruf der UNESCO vom 8. März 1960, die durch den Bau des Assuan-Staudammes vom Nil bedrohten Denkmale in Nubien für die Nachwelt zu retten.
Einmal im Jahr, normalerweise Anfang Juli, trifft sich das UNESCO World Heritage Committee, um über die Aufnahmeanträge der Staaten für neue Denkmale zu entscheiden. Bei diesen Sitzungen wird auch über den Zustand bereits aufgenommener Denkmale beraten. Alle zwei Jahre wird das Denkmal- und Naturverzeichnis (Welterbeliste) publiziert.
Das erste deutsche Bauwerk, das Weltkulturerbe wurde, war im Jahre 1978 der Kaiserdom zu Aachen, Grabeskirche Karls des Großen und Krönungskirche der deutschen Könige.
Rote Liste
In die Rote Liste des Welterbes (unten rot markiert: K, N, K/N) werden besonders gefährdete Objekte aufgenommen und zwar selbst dann, wenn der zuständige Unterzeichnerstaat keinen Antrag an die UNESCO stellt. Seit 2004 befinden sich 35 Denkmale auf dieser Liste. So ist beispielsweise der Kölner Dom im Juli 2004 auf die Rote Liste des Welterbes genommen worden, nachdem die Stadt Köln entschieden hatte, ihre Hochhauspolitik, die den Blick auf den Dom einschränkt, fortzusetzen. Auch nach den Beratungen der UNESCO im Juli 2005 bleibt der Kölner Dom auf der Roten Liste.
Auch für das Dresdner Elbtal besteht die Gefahr, nur ein Jahr nach der Verleihung des Status Welterbe auf die Rote Liste gesetzt zu werden. Die schönste und breiteste Stelle des Tales soll durch eine stark umstrittene, vierspurige Straßenbrücke, der sogenannten Waldschlößchenbrücke, zerschnitten werden. Im November 2005 wurden vom Dresdner Oberbürgermeister Ingolf Roßberg (FDP) konkretere Informationen über das geplante Bauwerk angemahnt.
Definition
Der Begriff des kulturellen Erbes (héritage) geht auf Henri-Baptiste Grégoire, Bischof von Blois, aus dem 18. Jahrhundert zurück und wurde in der – von den USA nicht unterzeichneten – Haager Konvention vom 14. Mai 1954 kodifiziert:
: "Damage to cultural property, belonging to any people whatsoever, means damage to the cultural heritage of all mankind, since each person makes its contribution to the culture of the world"
Zum Welterbe der Menschheit gehört auch das Weltdokumentenerbe (MOV).
Die Liste der UNESCO
- 2002 - K - Minarett und archäologische Funde von Jam
- 2003 - K - Kulturlandschaft und archäologische Stätten des Bamiyan-Tals (Buddha-Statuen von Bamiyan 2001 von den Taliban zerstört)
- 1979 - K - Memphis und seine Totenstadt mit den Pyramiden von Gizeh, Abusir, Sakkara und Dahschur
- 1979 - K - Theben
- 1979 - K - Tempel von Abu Simbel
- 1979 - K - Frühchristliche Ruinen von Abu Mena (Kloster des Hl. Menas)
- 1979 - K - Islamischer Stadtkern von Kairo
- 2002 - K - Katharinenkloster
- 2005 - N - Wadi Al-Hitan Tal der Wale
- 1992 - K - Ruinen von Butrint
- 2005 - K - Museumsstadt von Gjirokastra
- 1980 - K - Bergfestung Beni Hammad
- 1982 - K/N - Felsmalereien des Tassili n'Ajjer
- 1982 - K - Tal von M'zab
- 1982 - K - Römische Ruinen von Djémila
- 1982 - K - Ruinenstadt Tipasa
- 1982 - K - Römische Ruinen von Timgad
- 1992 - K - Kasbah (Altstadt) von Algier
- 2004 - K - Vall del Madriu Perafita-Clavor
Argentinien
- 1981 - N - Nationalpark Los Glaciares
- 1984 - N - Nationalpark Iguazú
- 1984 - K - Die Jesuitenreduktionen der Guaraní: Santa Ignacio Mini, Santa Ana, Nuestra Señora de Loreto und Santa Maria Mayor
- 1999 - N - Halbinsel Valdés
- 1999 - K - Höhlenmalereien der Cueva de las Manos
- 2000 - N - Nationalparks Ischigualasto und Talampaya
- 2000 - K - Baudenkmale der Jesuiten in und um Córdoba (Manzana de los Jesuitas und Estancias)
- 2003 - K - Quebrada de Humahuaca
- 1996 - K - Klöster Haghpat und Sanahin
- 2000 - K - Kathedrale und Kirchen von Etschmiadsin und die archäologische Stätte von Zvartnots
- 2000 - K - Kloster von Geghard im Oberen Azat-Tal
- 2000 - K - Ummauerter Teil von Baku
- 1978 - K - Felsenkirchen von Lalibela
- 1978 - N - Nationalpark Simien
- 1979 - K - Fasil Ghebbi in der Region Gondar
- 1980 - K - Ruinen von Aksum
- 1980 - K - Tal am Unterlauf des Flusses Awash
- 1980 - K - Tal am Unterlauf des Flusses Omo
- 1980 - K - Reliefierte Stelen von Tiya
- 1981 - N - Great Barrier Reef
- 1981 - K/N - Kakadu-Nationalpark
- 1981 - K/N - Willandra-Seenregion
- 1982 - K/N - Nationalparks von West-Tasmanien
- 1982 - N - Lord-Howe-Inselgruppe
- 1987 - K/N - Uluru-Kata-Tjuta-Nationalpark (Uluru (Ayers Rock))
- 1987 - N - Australischer Regenwald
- 1988 - N - Feuchte Tropen von Queensland wie den Lamington Nationalpark
- 1991 - N - Shark Bay in West-Australien
- 1992 - N - Fraser Island
- 1994 - N - Australische Fossilien-Stätten in Riversleigh und Naracoorte
- 1997 - N - Heard und McDonaldinseln
- 1997 - N - Macquarie Island
- 2000 - N - Blue Mountains
- 2003 - N - Purnululu National Park
- 2004 - K - Königliches Ausstellungsgebäude und Carlton-Gärten in Melbourne
- 2005 - K - Archäologische Ausgrabungsstätte von Qal'at al-Bahrain
- 1985 - K - Historische Moscheenstadt Bagerhat
- 1985 - K - Ruinen des buddhistischen Klosters von Paharpur
- 1997 - N - Sundarbans, Mangrovenwälder
Belarus (Weißrussland)
- 1992 - N - Nationalpark Bjalowescher Heide
- 2000 - K - Schloss Mir
- 2005 - K - Residenz der Familie Radziwill in Njaswisch
- 2005 - K - Der so genannte Struve-Bogen, ein Netz trigonometrischer Punkte (auch in Estland, Finnland, Lettland, Litauen, Moldawien, Norwegen, Russland, Schweden und der Ukraine); siehe Friedrich Georg Wilhelm Struve
- 1998 - K - Flämische Beginenhöfe
- 1998 - K - Die vier Schiffshebewerke des Canal du Centre
- 1998 - K - Der Grote Markt (Große Platz) in Brüssel
- 1999 - K - Mittelalterliche Glockentürme in Flandern und Wallonien
- 2000 - K - Jungsteinzeitliche Feuersteinminen bei Spiennes (Mons)
- 2000 - K - Altstadt von Brügge
- 2000 - K - Liebfrauenkathedrale in Tournai
- 2000 - K - Jugendstilbauten von Victor Horta in Brüssel
- 2005 - K - Das Plantin-Moretus-Museum für Buchdruck in Antwerpen
- 1996 - N - Barrier Riff
- 1985 - K - Königspaläste von Abomay
- 1987 - K - Potosí, Stadt und Silberminen
- 1990 - K - Jesuitenmissionen der Chiquitos
- 1990 - K - Altstadt von Sucre
- 1998 - K - Vorkolumbianische Festung Samaipata
- 2000 - N - Noel-Kempff-Mercado-Nationalpark
- 2000 - K - Vorkolumbianische Ruinen von Tiahuanaco
- 2005 - K - Die Alte Brücke (Stari Most) und die Altstadt von Mostar
| | |