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AusgleichsrechnungUnter einer Ausgleichungsrechnung (auch Ausgleich(ung), Ausgleichsrechnung, Parameterschätzung oder Fit genannt) versteht man die Schätzung von unbekannten Parametern eines mathematischen Modells. Im einfachsten Fall hat eine Ausgleichsrechnung zum Ziel, eine größere Anzahl empirischer Daten näherungsweise durch eine glatte Kurve zu beschreiben. Ausgleichsrechnungen werden in allen Natur- und Ingenieurwissenschaften durchgeführt.
Einleitung
Im einfachsten Fall handelt es sich um die Ausgleichung der Messabweichungen (Verbesserung, Residuum) nach der Methode der kleinsten Quadrate. Hierbei werden die Unbekannten des Modells so bestimmt, dass die Quadratsumme der Messabweichungen aller Beobachtungen minimal wird. Die Beobachtungen werden in diesem Fall oft als normalverteilt, gleichgenau und unkorreliert angesehen. Man untersucht die stochastischen Eigenschaften der Beobachtungen in der Regressionsanalyse.
Funktionales und stochastisches Modell
Im Allgemeinen wird zwischen funktionalem Modell und stochastischem Modell unterschieden. Ein funktionales Modell beschreibt hierbei die mathematischen Relationen zwischen den bekannten (konstanten), unbekannten und den beobachteten Parametern. Die Beobachtungen stellen dabei stochastische Größen (Zufallsvariable) dar.
Das stochastische Modell untersucht die Varianzen und Kovarianzen der beobachteten Parameter. Es beschreibt so die Streuung der Beobachtungen und die Korrelation(en) zwischen den verschiedenen Merkmalen.
Das Ziel ist eine optimale Ableitung der unbekannten Werte (Parameter) und der Maße für ihre Genauigkeit- und Zuverlässigkeit im Sinne einer Zielfunktion. Für letztere ist am häufigsten die minimale Summe der Abweichungsquadrate, doch können es für Sonderfälle z.B. auch minimale Absolutwerte oder andere Zielfunktionen sein.
Modelltheorie
Zur Lösung von Ausgleichungsproblemen steht ein umfangreicher Formelapparat zur Verfügung. Je nach mathematischem Modell werden verschiedene Formeln notwendig.
Das Hauptunterscheidungsmerkmal ist hierbei,
- ob sich alle Beobachtungen als Funktionen von Unbekannten und Konstanten darstellen lassen,
- ob die Beobachtungen voneinander unabhängig oder korreliert sind, bzw. ob die Korrelationen mathematischer oder physikalischer Natur sind;
- ob die Relationen nur Beobachtungen und Konstanten aufweisen, jedoch keinerlei Unbekannte enthalten,
- ob es unter der Menge der Relationen auch solche gibt, die ausschließlich Beziehungen unter Konstanten und Unbekannten beschreiben und damit Restriktionen zwischen Unbekannten beschreiben.
- Bei gemischtem Auftreten von sehr verschiedenen Messgrößen - etwa bei geometrischen und physikalischen Messungen - wurden die Methoden der Ausgleichsrechnung von einigen Mathematikern und Geodäten um 1960 zur sog. Kollokation erweitert.
- Auch für die Lösung des Systems von Normalgleichungen, das bei der Methode der kleinsten Quadrate entsteht, gibt es zahlreiche Methoden, die je nach Anzahl und Struktur der besetzten und leeren Matrixeinträge verschiedene Vor- und Nachteile besitzen.
Siehe auch
- Approximation
- Bündelblockausgleichung
- Carl Friedrich Gauß
- Fehlerfortpflanzung
- Netzausgleichung
- Anwendung der Ausgleichsrechnung in der Photogrammetrie
- Satz von Gauß-Markow
Weitere Stichworte
Gauß-Helmert, Fehleranalyse
Literatur
- H. Wolf: Ausgleichsrechnung I und II : Formeln zur praktischen Anwendung. Bonn 1994 (2. Auflage)
Kategorie:Statistik
Kategorie:Numerische Mathematik
Mathematisches ModellMathematische Modelle versuchen, die wesentlichen Parameter von natürlichen Phänomenen zu erfassen und diese in einem berechenbaren Gleichungssystem, Differentialgleichungssystem o.ä. zur Vorhersage des beobachteten Systems zu nutzen. Berechenbarkeit meint hier sowohl die analytische Untersuchung als auch die Approximation mittels numerischer Verfahren. In der Regel sind auch die sogenannten physikalischen Modelle mathematische Modelle, allerdings solche, die sich auf physikalische Gesetzmäßigkeiten stützen. Gleichermaßen finden sich auch in den Wirtschaftswissenschaften mathematische Modelle (z.B. für die Berechnung von Konjunkturzyklen), die aber nicht von der Natur, sondern von ökonomischen / sozialen Systemen abstrahieren.
Aufkommen und Verbreitung des Begriffs Modell
Die Vorstellung, dass Wissenschaft mit Modellen arbeitet, ist inzwischen Gemeingut.
Dass Modellvorstellungen eine zunehmend wichtige Rolle in der wissenschaftlichen Theoriebildung spielen, wurde bei der Diskussion von Atommodellen Anfang des 20ten Jahrhunderts klar erkannt. Aufgrund der wissenschaftstheoretischen Vorbildfunktion der Physik hat sich der Begriff Modell, wie andere ursprünglich physikalische Begriffe auch, in andere Disziplinen ausgebreitet.
Modellgestützte Methoden sind nicht auf die Naturwissenschaften beschränkt. Zum Beispiel beruhen die bekannten zweidimensionalen Auftragungen funktionaler Zusammenhänge in den Wirtschaftswissenschaften auf radikal vereinfachender Modellbildung.
Modellierung eines Systems
Eine wissenschaftliche Untersuchung, die zum Ziel hat, ein System mit Hilfe eines Modells zu beschreiben, besteht aus den drei Arbeitsschritten Formulierung, Untersuchung und Validierung des Modells. Von einer Simulation spricht man tendenziell dann, wenn das Interesse nicht der Modellbildung gilt, sondern ein als valide angenommenes Modell als Hilfsmittel eingesetzt wird, um das modellierte System näher zu untersuchen.
Grundidee bei der Formulierung eines wissenschaftlichen Modells (Modellbildung, Modellierung) ist die Reduktion von Komplexität: man versucht, Wirklichkeit beschreibbar und verstehbar zu machen, indem man sie vereinfacht. Kann das Modell quantitativ formuliert und durch einen geschlossenen Satz von Gleichungen beschrieben werden, spricht man von einem mathematischen Modell. Ist dieses Modell so komplex, dass es nur mit numerischen Methoden ausgewertet werden kann, spricht man von einem Computermodell.
Bei der Untersuchung des Modells sieht man von dem, was das Modell darstellen soll, ab; allein das Modell ist Gegenstand der Untersuchung; es ist eine dem Modell angemessene Methodik zu wählen.
Die Validierung des Modells besteht darin, Ergebnisse der Untersuchung des Modells mit bekannten Eigenschaften des durch das Modell repräsentierten Systems zu vergleichen. Ohne Validierung bleibt die Untersuchung von Modellen l'art pour l'art.
Erläuterung anhand eines Beispiels aus der Physik
Als Beispiel für die Untersuchung eines komplexen Phänomens mit Hilfe eines einfachen Modells mag das Heisenberg-Modell eines Ferromagneten dienen.
Formulierung des Modells
Magnetismus kann verschiedene Ursachen haben; in einem einzelnen Magneten können verschiedene Mechanismen wirken, die den Magnetismus hervorbringen, verstärken oder abschwächen; der Magnet kann aus kompliziert aufgebauten, verunreinigten Materialien bestehen; und so weiter. In dieses Durcheinander versucht man Licht zu bringen, indem man Modellsysteme untersucht. Ein physikalisches Modell für einen Ferromagneten kann etwa so lauten: eine unendlich ausgedehnte (man sieht also von Oberflächeneffekten ab), periodische (man sieht also von Gitterfehlern und Verunreinigungen ab) Anordnung atomarer Dipole (man konzentriert sich auf den Magnetismus gebundener Elektronen und beschreibt diesen in der einfachsten mathematischen Näherung).
Untersuchung des Modells
Um das soeben eingeführte physikalische Modell eines Ferromagneten zu untersuchen, sind verschiedene Methoden denkbar:
- Man könnte ein dreidimensionales, physisches Modell bauen, etwa ein Holzgitter (das das atomare Gitter repräsentiert), in dem frei bewegliche Stabmagneten (die die atomaren Dipole repräsentieren) aufgehängt sind. Dann könnte man experimentell untersuchen, wie sich die Stabmagneten in ihrer Ausrichtung gegenseitig beeinflussen.
- Da die Naturgesetze, denen die atomaren Dipole unterworfen sind, wohlbekannt sind, kann man aber auch den Modellmagneten durch ein System geschlossener Gleichungen zu beschreiben: auf diese Weise hat man aus dem physikalischen Modell ein mathematisches Modell erhalten.
- Dieses mathematische Modell kann man in günstigen Fällen mit analytischen Methoden exakt oder asymptotisch lösen.
- In vielen Fällen setzt man einen Computer ein, um ein mathematische Modell numerisch auszuwerten.
- Ein so genanntes Computermodell ist nichts anderes als ein mathematisches Modell, das man mit dem Computer auswertet (ein Computer kann nichts anderes - in dem Augenblick, in dem ein Modell computertauglich formuliert ist, ist es ein mathematisches Modell). Eine Computersimulation ist nichts anderes als die Auswertung eines mathematischen Modells.
- Die Untersuchung von Modellen kann sich, wie jede wissenschaftliche Tätigkeit, verselbständigen:
- im genannten physikalischen Beispiel kann man die Anordnung der Dipole oder deren Wechselwirkung beliebig variieren. Damit verliert das Modell den Anspruch, eine Wirklichkeit zu beschreiben; man interessiert sich nun dafür, welche mathematischen Konsequenzen eine Änderung der physikalischen Annahmen hat.
Validierung des Modells
Man wählt Parameter aus, die man einerseits aus experimentellen Untersuchungen an realen Ferromagneten kennt und die man andererseits auch für das Modell bestimmen kann; im konkreten Beispiel zum Beispiel die magnetische Suszeptibilität als Funktion der Temperatur. Wenn Vorbild und Modell in diesem Parameter übereinstimmen, dann kann man zurückschließen, dass das Modell relevante Aspekte der Wirklichkeit korrekt wiedergibt.
Kategorie:Mathematik
IngenieurwissenschaftAls Ingenieurwissenschaften werden diejenigen Wissenschaften bezeichnet, die sich mit der technischen Entwicklung und Konstruktion von (meist industriell einsetz- oder fertigbaren) Produkten beschäftigen und dabei naturwissenschaftliche Erkenntnisse praktisch anwenden. Die klassischen Ingenieurwissenschaften sind das Bauingenieurwesen (einschl. Vermessungswesen), der Maschinenbau und die Elektrotechnik. Hinzugezählt werden auch die jüngeren Studiengänge Sicherheitstechnik, Haus- und Gebäudetechnik, das Chemieingenieurwesen sowie die Feinwerktechnik. Es existieren in unterschiedlichen Bereichen Überschneidungen zwischen diesen Disziplinen, so dass die Übergänge fließend sind.
Strittig ist, inwieweit das Wirtschaftsingenieurwesen als Kombinations- und Randfach zur Betriebswirtschaftslehre in technischen Umfeldern und die Informatik Ingenieurwissenschaften seien.
Selbstverständnis
Die Ingenieurwissenschaften verstehen sich als angewandte Wissenschaften. Es wird auch Grundlagenforschung betrieben, aber das Hauptaugenmerk liegt auf der praktischen Umsetzung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse bei der Realisierung technischer Produkte.
Die Ingenieurwissenschaften erheben nicht den Anspruch, eine exakte Wissenschaft im eigentlichen Sinne zu sein: Zu viele der Grundlagen, die bei der praktischen Anwendung von Naturwissenschaften auftreten, sind in ihrer Kombination zu komplex, um exakt berechnet werden zu können. Daher versuchen die Ingenieurwissenschaften, praktikable Verfahren zu finden, um die technischen Vorgänge sicher zu beherrschen. In der Regel geschieht dies dadurch, dass mathematische, zu komplexe Aufgaben durch Annahmen vereinfacht werden, wobei sichergestellt wird, dass man bei den Annahmen "auf der sicheren Seite" bleibt. Zudem bemüht man sich, durch zusätzliche Sicherheitsfaktoren bei den Berechnungen Unwägbarkeiten vorzubeugen.
Grundlegend gewandelt hat sich die Ingenieurwissenschaft durch die Einführung der Computer. Während vorher mit Versuchen die konstruktiven Annahmen überprüft werden mussten bzw. Daten für die Konstruktion lieferten (etwa die Festigkeit eines Stahlträgers), so können heute immer mehr Versuche durch numerische Simulationen am Computer ersetzt werden.
Ausbildung und Fächerkanon
Ingenieurwissenschaften werden in Deutschland an Universitäten, Technischen Hochschulen und Fachhochschulen (früher: Ingenieurschulen) sowie Berufsakademien gelehrt. Die Studiengänge schließen mit einem Bachelor, Diplom (FH), Master, Diplom, Diplom (BA) in Österreich z.T. auch mit einem Magister, ab.
An den bis in die frühen 1970er Jahren üblichen Ingenieurschulen (heute in Deutschland durch Fachhochschulen, in Österreich durch Höhere Technische Lehranstalten (sog. HTLs) ersetzt) gab es den Ing. Grad., den graduierten Ingenieur als Abschluss.
Die Studienabschlüsse der Universitäten und Fachhochschulen sind akademische Grade, die der Berufsakademien nicht.
Im Jahre 2005 wurde die Studie "Indikatoren zur Ausbildung im Hochschulbereich veröffentlicht". Derzufolge gefährdet der Mangel an jungen Ingenieuren sogar den Technologiestandort Deutschland. Im Vergleich der OECD-Länder weise Deutschland in den letzten Jahren zwar einen starken Zuwachs in der Anfängerquote bei den Ingenieurwissenschaften auf, sie bleibe jedoch immer noch weit hinter dem Niveau anderer Länder zurück.
Die Fächergruppe Mathematik/Naturwissenschaften verzeichnete einen Zuwachs von mehr als 1000 Absolventen, ebenso stieg die Anzahl der Informatiker. Physiker und Chemiker liegen jedoch auf stark niedrigem Niveau, was die Anzahl der Absolventen betrifft.
Als besonders problematisch wird die Situation in den Ingenieurwissenschaften beschrieben. Nur noch 18,1 Prozent der Hochschulabsolventen verfügen über einen ingenieurwissenschaftlichen Studienabschluß. Die Zahl der Absolventen betrug im Jahre 2003 rund 33.000.
Die Berufschancen für Ingenieurwissenschaftler werden als "sehr günstig" eingestuft. Ein Jahr nach dem Studienabschluß stehen der Expertise "Bericht zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands 2005" zufolge mehr als 90 Prozent der Ingenieure und Informatiker in einem regulären Erwerbsverhältnis.
Es wird demnach ausdrücklich empfohlen, bei jungen Menschen das Interesse für die Aufnahme eines Studiums in den für die technologische Leistungsfähigkeit Deutschlands wichtigen Bereichen zu wecken und insbesondere Frauen für die technischen Berufe zu mobilisieren.
Die naturwissenschaftlichen Grundlagenfächer, auf denen die Ingenieurwissenschaften aufbauen, sind insbesondere die Mathematik und die Physik, aber auch die Chemie (z.B. im Werkstoff- und Baustoffbereich) oder die Geologie (im Bereich des Bauingenieurwesens). Auf diesen naturwissenschaftlichen Grundlagen bauen die ingenieurwissenschaftlichen Grundlagenfächer auf. Hier wären insbesondere die Mechanik (mit den Teilbereichen der Statik und Dynamik) zu nennen, die angewandte Thermodynamik und die Elektrotechnik. Zu diesen Grundlagenfächern gesellen sich methodenorientierte Grundlagenfächer wie beispielsweise die Konstruktionslehre, sowie ergänzende Grundlagen aus der Betriebswirtschaft und Informatik.
Auf diesen Grundlagen setzen die eigentlichen Ingenieurwissenschaften auf, die im folgenden dargestellt werden. In den Grenzbereichen zwischen den Arbeitsgebieten etablieren sich häufig eigenständige Fächer (zum Beispiel die Mechatronik).
#Bauingenieurwesen
##Grundlagenfächer Mechanik, Hydromechanik, Festigkeitslehre, Baustoffkunde
##Fachrichtungen: Hochbau, Tiefbau, Wasserbau, Wasserwirtschaft, Verkehrswesen
#Maschinenbau
##Grundlagenfächer: Mathematik, Physik, Technische Mechanik und Festigkeitslehre, Werkstoffkunde, Thermodynamik, Strömungslehre, Konstruktionslehre, Regelungstechnik (einschl. Steuerungstechnik), Messtechnik, elektronische Datenverarbeitung
##Kernfächer: Maschinenelemente, Maschinendynamik, Fluidenergiemaschinen, Wärmekraftmaschinen (speziell Strömungsmaschinen und Kolbenmaschinen), Verfahrenstechnik und Apparatebau, Fluidantriebe
##Fachrichtungen / spezielle Kernfächer der Fachrichtungen:
###Anlagenbau, Umwelttechnik
###Energietechnik, Klimatechnik
###Fertigungstechnik
###Fördertechnik
###Kraftfahrzeugtechnik
###Luft- und Raumfahrttechnik
###Schweißtechnik
#Elektrotechnik
##Grundlagenfächer: Mathematik, Physik, Chemie, Bauelemente, Schaltungstheorie, Theorie der Felder und Wellen, Konstruktionslehre, Informatik
##Fachrichtungen:
###Elektronik
####Analogtechnik
####Digitaltechnik
####Elektronische Bauelemente
####Leistungselektronik
###Energietechnik
####Hochspannungstechnik
####Leistungselektronik
####Energieerzeugung
####Antriebstechnik
###Nachrichtentechnik
####Technische Informatik
####Computertechnik
####Signaltheorie und -verarbeitung
####Informationstheorie
####Kryptologie
###Hochfrequenztechnik
####Funktechnik
####Radio- und Fernsehtechnik
####Telematik
###Automatisierungstechnik
####Steuerungs- und Regelungstechnik
####Kybernetik
####Sensorik
####Umwelt- und Messtechnik
####Netzleittechnik
####Robotik
#Chemieingenieurwesen / Bioingenieurwesen / Verfahrenstechnik
##Grundlagenfächer: Mathematik, Chemie, Physik, Physikalische Chemie, Technische Mechanik und Festigkeitslehre, Werkstoffkunde, Thermodynamik, Strömungslehre, Konstruktionslehre, Regelungstechnik, Meßtechnik gelegentlich auch Biochemie, Mikrobiologie und Genetik / Gentechnik
##Kernfächer:
###Apparatetechnik / Anlagentechnik / Anlagenbau
###Bioverfahrenstechnik
###Mechanische Verfahrenstechnik
###Reaktionstechnik
###Strömungsmechanik
###(Technische) Thermodynamik
###Trennverfahren
###Umwelttechnik
##Spezialisierungsrichtungen:
###Anlagensteuerungstechnik
###Bioingenieurwesen
###Chemieapparatebau
###Hochdruckverfahrenstechnik
###Kältetechnik
###Katalysatorenentwicklung
###Lebensmitteltechnik / Lebensmittelverfahrenstechnik
###Partikeltechnik
###Fördertechnik
###Sicherheitstechnik
###Technische Chemie
###Verbrennungstechnik
###Wassertechnologie
#Sonder- und Grenzbereiche:
##Feinwerktechnik interdisziplinäres Fachgebiet (Maschinenbau, Elektronik, Technische Optik u.a.)
## physikalische Technik interdisziplinäres Fachgebiet (Maschinenbau, Elektrotechnik, Vakuumtechnik,Optik, Akustik, u.a.)
##Geodäsie, Vermessungswesen (Überschneidung mit Geowissenschaften)
##Bergbau und Metallurgie
##Zur Informatik: Ingenieursbezogene Informatik (CAD, Wirtschaftsinformatik, Medieninformatik, etc.)
##Zur Medizin: Medizintechnik
##Mechatronik
##Systemtechnik
##Zur Architektur: Stadtplanung, Raumplanung, Verkehr, Straßenbau
##Agrar- und Gartenbauwissenschaften
##Militärtechnik
Literatur
- W. Beitz, K.-H. Küttner (Hrsg.): Dubbel. Taschenbuch für den Maschinenbau. 21. Auflage. Springer, Berlin u.A. 2005, ISBN 3-540-22142-5
- Horst Czichos, Manfred Hennecke (Hrsg.): Hütte. Das Ingenieurwissen. 32. Auflage. Springer, Berlin u.A. 2004, ISBN 3-540-20325-7
Weblinks
- [http://www.vdi.de Verein Deutscher Ingenieure (VDI)]
- [http://www.think-ing.de www.THINK-ING.de: Die Informationsplattform für Ingenieurberufe]
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Kategorie:Techniktheorie
ja:工学
ko:공학
ms:Kejuruteraan
simple:Engineering
th:วิศวกรรมศาสตร์
AusgleichungAusgleich, Ausgleichen oder Ausgleichung bezeichnet die Milderung von Gegensätzen oder Benachteiligungen, das Herstellen eines Gleichgewichts oder die Abschaffung einer Ungerechtigkeit. In technischen Disziplinen bedeutet es auch die Glättung von Oberflächen und die Angleichung divergierender Messwerte oder Modelle.
- Recht:
- Im österreichischen Recht bezeichnet ein Ausgleich das Pendant zum deutschen Vergleich.
- Im Baurecht und im Naturschutz versteht man unter Ausgleich die Kompensation eines Eingriffs in den Naturhaushalt meist durch die Eingriffsregelung.
- Im modernen Strafvollzug gibt es den Täter-Opfer-Ausgleich.
- Politik:
- In der Politik geht es oft um den Ausgleich von Interessen, beispielsweise den (Länder)-Finanzausgleich und den sozialen Ausgleich.
- Zwischenstaatlich gelang z.B. der Österreichisch-Ungarische Ausgleich (1866) und der Ungarisch-Kroatische Ausgleich.
- Wirtschaft: Das Ausgleichen eines Kontos ist ein Euphemismus für den Übergang von einem negativen zu einem positiven Kontostand. In der Produktion kennt man den Ausgleich von Fertigungstoleranzen, eines Lieferengpasses oder einer Marktlücke.
- Psychologie und Soziologie: Ausgleich(en) bedeutet meist eine Kompensation oder die Milderung eines sozialen Defizits, oder neuerdings der sog. Lohnausgleich.
- Sport: Als Ausgleich in einem sportlichen Bewerb wird der Übergang zu Punktegleichheit oder gleichem Torstand während eines Spiels bezeichnet (auch Remis, engl. Equalizer).
- Die Pädagogik und die Medizin streben den Ausgleich von Defiziten an, z.B. bei Behinderungen, bei Mangelernährung oder Fehlsichtigkeit.
- In der Mathematik und Geodäsie wurde die Ausgleichungsrechnung zur Glättung kleiner Widersprüche entwickelt, die von Technikern oft zum Wort Ausgleich verkürzt wird.
- Die Physik spricht vom Ausgleich optischer Fehler oder fotografischer Kontraste, und vom Ausgleich der Kräfte bei Gleichgewicht (z.B. Druckausgleich).
- Die Geologie und Geophysik kennt zusätzlich einen isostatischen Ausgleich (Schwimmgleichgewicht) von Erdkruste und Erdmantel.
- In Chemie und Biologie spricht man vom Ausgleich verschiedener stofflicher Konzentrationen in einem Medium - siehe Osmose und Diffusion.
Siehe auch: Balance, Harmonie, Interesse, Revision, Zufriedenheit.
Methode der kleinsten Quadrate
Die Methode der kleinsten Quadrate (auch: der kleinsten Fehlerquadrate; englisch: Least Squares Method) ist das mathematische Standardverfahren zur Ausgleichungsrechnung: Es ist eine Wolke aus Datenpunkten gegeben, die physikalische Messwerte, wirtschaftliche Größen usw. repräsentieren können. In diese Punktwolke soll eine möglichst genau passende parameterabhängige Modellkurve gelegt werden. Dazu bestimmt man die Parameter dieser Kurve numerisch, indem die Summe der quadratischen Abweichungen der Kurve von den beobachteten Punkten minimiert wird.
Messwert
In der Grafik sind die -Paare als Datenpunkte zu erkennen. Es wurde hier eine logistische Funktion in die Punktwolke gelegt. Die Parameter dieser Funktion werden so bestimmt, dass die Quadratsumme der senkrechten Abweichungen e der Beobachtungen y von der Kurve minimiert wird.
Werden bei der Methode der kleinsten Quadrate stochastische Verfahren angewendet, spricht man von Regression und Regressionsanalyse. Diese Begriffe werden, ebenso wie Ausgleichsrechnung, häufig von den Anwendern synonym gebraucht. In der Mathematischen Statistik nennt man das Verfahren auch Kleinste-Quadrate-Schätzung, während in der Physik der Begriff Fitting verwendet wird. Die Fülle an Begriffen demonstriert die Bedeutung und Verbreitung der Methode.
Angewandt als Systemidentifikation ist die Methode der kleinsten Quadrate
in Verbindung mit Modellversuchen für Ingenieure ein Ausweg aus der paradoxen Situation, Modellparameter für unbekannte Gesetzmäßigkeiten zu bestimmen.
Zum Einstieg
Modellversuch]
Am Neujahrstag des Jahres 1801 entdeckte der italienische Astronom Giuseppe Piazzi den Asteroiden Ceres. 40 Tage konnte er die Bahn verfolgen, dann verschwand Ceres hinter der Sonne. Im Laufe des Jahres versuchten viele Wissenschaftler anhand von Piazzis Beobachtungen die Bahn zu schätzen (die Lösung der nichtlinearen Kepler-Gleichungen ist sehr schwierig). Die meisten Rechnungen waren unbrauchbar; als einzige war diejenige des 24jährigen Carl Friedrich Gauß genau genug, um dem deutschen Astronomen von Zach zu ermöglichen, im darauffolgenden Dezember den Asteroiden wiederzufinden. Gauß erlangte dadurch Weltruhm. Sein Verfahren, die Methode der kleinsten Quadrate, publizierte er erst 1809 im zweiten Band seines himmelsmechanischen Werkes Theoria Motus Corporum Coelestium in sectionibus conicis solem ambientium. Unabhängig davon entwickelte der Franzose Adrien-Marie Legendre 1806 dieselbe Methode.
1829 konnte Gauß eine Begründung liefern, wieso sein Verfahren im Vergleich zu den anderen so erfolgreich war: Die Methode der kleinsten Quadrate ist in einer breiten Hinsicht optimal, also besser als andere Methoden. Die genaue Aussage ist als der Satz von Gauß-Markov bekannt.
Das Verfahren
Häufig ist für ein gegebenes Problem keine formelhafte Beschreibung zur Hand: Man interessiert sich für eine abhängige Variable y, deren Zustandekommen von einer vorgegebenen Variablen t oder auch von mehreren Variablen bis abhängen kann. So hängt die Dehnung einer Feder nur von der aufgebrachten Kraft ab, der Gewinn eines Unternehmens jedoch von mehreren Faktoren wie Umsatz, Return on Investment oder Eigenkapital. Um Informationen über die Art des Zusammenhangs zu erhalten, wird man eine Messreihe y durchführen: Es werden zu verschiedenen Werten der unabhängigen Variablen tj entsprechende y-Werte erhoben. Nun wird versucht, die y-Werte mittels einer Modellfunktion
:,
die von den q Variablen sowie p zusätzlichen Parametern abhängen soll, gut zu approximieren.
Für die Wahl dieser Modellfunktion geht man im Allgemeinen von einem vermuteten Funktionstyp aus (beispielsweise einer Parabel oder einer Exponentialfunktion), was im Fall einer unabhängigen Variablen t meistens unproblematisch ist. Die Parameter dienen zur Anpassung des gewählten Funktionstyps an den beobachteten Wert y. So müsste bei der gemessenen Dehnung einer Feder die gegebene Variable Kraft durch den Parameter Federkonstante relativiert werden. Ziel ist es nun, die Parameter so zu wählen, dass die Modellfunktion die Daten bestmöglich approximiert. Zu betonen ist hierbei, daß es im Allgemeinen wesentlich mehr Datenpunkte gibt als Parameter.
Zunächst ist es nicht klar, wie man die Güte verschiedener Approximationen beurteilen soll. Gauß und Legendre hatten die Idee, Annahmen über die Messfehler zu machen. Diese sollten im Durchschnitt Null sein; jeder Messfehler sollte die gleiche Varianz haben und von jedem anderen Messfehler stochastisch unabhängig sein. Man verlangt damit, dass in den Messfehlern keinerlei systematische Information mehr steckt, sie sollen also rein zufällig um Null schwanken. Außerdem sollten die Messfehler normalverteilt sein, was zum einen wahrscheinlichkeitstheoretische Vorteile hat und zum anderen garantiert, dass Ausreißer in y so gut wie ausgeschlossen sind.
Das Kriterium zur Bestimmung der Approximation sollte dieses also berücksichtigen und so gewählt werden, dass große Abweichungen der Modellfunktion von den Daten viel stärker bestraft werden als kleine.
Mit Hilfe der Maximum-Likelihood-Methode kann letztendlich folgende Vorschrift begründet werden: Es sollen diejenigen Parameter ausgewählt werden, bei denen die Summe der Quadrate der Abweichungen zwischen entsprechender Modellkurve und Daten (die Quadratsumme der Residuen) minimal wird im Vergleich zu anderen Wahlen der Parameter, in Formelschreibweise
:
Äquivalent geht es darum, die euklidische Norm des Differenzvektors zu minimieren:
:
Wie genau dieses Minimierungsproblem gelöst wird, hängt von der Art der Modellfunktion ab. Häufig kann man mit Hilfe eines Streudiagramms zwischen tj und y schon Rückschlüsse auf den Funktionstyp ziehen.
Lineare Modellfunktion
Ein Spezialfall der Modellfunktion ist die lineare Form. Der einfachste lineare Ansatz ist . Man erhält in Matrixschreibweise
:
Für die resultierende Ausgleichsgerade dieses einfachen (aber durchaus relevanten) Beispiels lassen sich die Lösungen für die Parameter direkt angeben als
: und
mit als arithmetischem Mittel der t-Werte, entsprechend.
Die Lösung für x1 kann mit Hilfe des Verschiebungssatzes auch als
:
angegeben werden.
Beispiel für ein einfaches lineares Modell y = x0 + x1t
Es wurden zufällig 10 Kriegsschiffe ausgewählt und bezüglich mehrerer Merkmale darunter Länge (m) und Breite (m) analysiert. Es soll nun untersucht werden, ob die Breite eines Kriegsschiffs möglicherweise durch die Länge erklärt werden kann. Das Streudiagramm zeigt, dass zwischen Länge und Breite eines Schiffs offensichtlich ein ausgeprägter linearer Zusammenhang besteht.
Es soll nun nach der Methode der kleinsten Quadrate eine Ausgleichsgerade errechnet werden. In der folgenden Tabelle sind die Daten zusammen mit den Zwischenergebnissen aufgeführt.
Verschiebungssatz
Man erhält nun analog zum oben angegebenen Fall zunächst
und entsprechend .
Damit bestimmt man x1 als
:
:
so dass man sagen könnte, mit jedem Meter Länge wächst ein Kriegsschiff im Durchschnitt etwa 16 Zentimeter in die Breite. Das Absolutglied x0 erhalten wir aus
:
wobei eine inhaltliche Interpretation aus stochastischen Gründen unterbleiben sollte. Die Anpassung der Punkte ist recht gut, es werden etwa 92 Prozent der Information in Breite mit Hilfe des Merkmals Länge erklärt.
Der allgemeine lineare Fall
Hat man mehrere unabhängige Modellvariablen , erhält man eine lineare Funktion der Art
:,
was das lineare Gleichungssystem
:
ergibt. Fasst man die tij zur Datenmatrix A, die Parameter xj zum Parametervektor x und die Beobachtungen yi zum Vektor b zusammen, kann man das lineare Gleichungssystem auch in der bekannten Weise darstellen als
: bzw. .
Der kleinste-Quadrate-Ansatz führt dann wieder wie oben auf ein lineares Ausgleichsproblem der Form
:.
Lösung des Minimierungsproblems
Dieses Minimierungsproblem hat immer eine Lösung. Hat die Matrix A vollen Rang, so ist sie sogar eindeutig. Die partiellen Ableitungen bezüglich der und Nullsetzen derselben zum Bestimmen des Minimums ergeben ein lineares System von Normalgleichungen
:
das bei Regularität der ((q+1)×(q+1))-Matrix auf der linken Seite eindeutig lösbar ist. Ferner hat die Systemmatrix die Eigenschaft, positiv definit zu sein, ihre Eigenwerte sind also alle positiv. Zusammen mit der Symmetrie von kann dies beim Einsatz von numerischen Verfahren zur Lösung ausgenutzt werden: beispielsweise mittels Cholesky-Zerlegung oder dem CG-Verfahren. Da beide Methoden von der Kondition der Matrix stark beeinflusst werden, ist dies manchmal keine empfehlenswerte Herangehensweise: Ist schon A schlecht konditioniert, so ist quadratisch schlecht konditioniert. Eine stabilere Alternative bietet die QR-Zerlegung mittels des Householder-Verfahrens, ausgehend vom ursprünglichen Minimierungsproblem und nicht den Normalgleichungen.
Ferner lässt sich das Minimierungsproblem mittels einer Singulärwertzerlegung gut analysieren. Diese motivierte auch den Ausdruck der Pseudoinversen, einer Verallgemeinerung der normalen Inversen einer Matrix.
In der statistischen Regressionsanalyse spricht man bei mehreren gegebenen Variablen von multipler Regression. Der Ansatz ist auch als OLS (ordinary least squares) bekannt, im Gegensatz zu GLS (generalised least squares), dem verallgemeinerten Regressionsmodell bei Residuen, die von der Verteilungsannahme wie Unkorreliertheit und Homoskedastie abweichen. Dagegen liegen bei multivariater Regression für jede Beobachtung i (i=1, ...,n) r viele y-Werte vor, so dass statt eines Vektors eine (n×r)-Matrix Y vorliegt. Die linearen Regressionsmodelle sind in der Statistik wahrscheinlichkeitstheoretisch intensiv erforscht worden.
Besonders in der Ökonometrie werden beispielsweise komplexe rekursiv definierte lineare Strukturgleichungen analysiert, um volkswirtschaftliche Systeme zu modellieren.
Anforderungen an die Daten
Strenggenommen ist die Normalverteilungsannahme für die abhängige Variable y nicht zwingend notwendig. Es sollen lediglich keine Ausreißer vorliegen. Diese verursachen numerische Probleme, ebenso wie Multikollinearität.
Multikollinearität
Multikollinearität entsteht, wenn die Messreihen zweier gegebener Variablen ti und tj sehr hoch korreliert sind, also fast linear abhängig sind. In diesem Fall wird die Determinante von sehr klein und die Lösungswerte werden unplausibel groß. Die Norm der Inversen wird umgekehrt ebenfalls sehr groß, die Kondition von ist stark beeinträchtigt. Die Normalgleichungen sind dann numerisch schwer zu lösen. Häufig tritt Multikollinearität auf, wenn das Regressionsmodell durch zu viele Regressoren überbestimmt ist. Neben numerischen Alternativen können auch mit Hilfe statistischer Tests die Variablen auf ihre Erklärungswerte für das Modell hin überprüft werden und gegebenenfalls entfernt werden.
Man kann bei sehr vielen in Frage kommenden Regressoren auch schrittweise eine Variablen-Selektion durchführen:
- Bei der vorwärts gerichteten Regression (Forward Regression) wird zuerst der Regressor in das Modell aufgenommen, der den größten Beitrag zur Erklärung von y liefert, also etwa die Quadratsumme der Residuen minimiert. Dann wird unter den verbliebenen potentiellen Regressoren der Regressor ausgewählt, dessen Beitrag zum bestehenden Modell maximal ist, usw. Das Verfahren wird beendet, wenn der zusätzliche maximale Beitrag eines Regressors statistisch insignifikant wird. Wird statt eines Tests eine kritische Genauigkeit verwendet, könnte man auch sagen, bis sich die Genauigkeit der Anpassung nicht mehr steigern lässt. Wenn das statistische Material nicht umfangreich genug ist kann es vorkommen, dass die Abhängigkeit der Genauigkeit von der Anzahl der Ansatzfunktionen nicht glatt, sondern rauh gegen einen Grenzwert konvergiert - daraus ergeben sich weitere Verbesserungsmöglichkeiten des Verfahrens.
- Bei der rückwärts gerichteten Regression (Backward Regression) werden zunächst alle Regressoren in das Regressionsmodell aufgenommen. Es wird dann der Regressor aus dem Modell entfernt, dessen Weglassen die Quadratsumme der Residuen am wenigsten reduziert. Dann wird der nächste Regressor entfernt usw. Das Verfahren stoppt, wenn der Beitrag des nächsten potentiellen Eliminationskandidaten zur Erklärung von y signifikant hoch wird, bzw. bis die Genauigkeit einen festgelegten Schwellenwert unterschreitet.
:Im allgemeinen ist die Vorwärts-Elimination der Rückwärts-Elimination vorzuziehen, weil die Kreuzproduktmatrix bei sehr vielen Regressoren häufig schon pathologisch ist und für die Eliminationsrechnung keine sinnvollen Ergebnisse liefert.
Auch mit Ridge-Regression kann Multikollinearität abgeholfen werden.
Typischerweise sind bei multikollinearen Kreuzproduktmatrizen die Hauptdiagonalelemente zu klein. Man addiert hier iterativ kleine Beträge auf die Hauptdiagonale, bis sich die Matrix stabilisiert hat. Mit Hilfe eines Konditionierungskriteriums, etwa der Eigenwerte, kann dieser Prozess kontrolliert werden. Ob dieses Verfahren sinnvolle Ergebnisse liefert, muss wohl fallweise untersucht werden.
Ausreißer
Als Ausreißer sind Datenwerte definiert, die "untypisch weit von der Masse der Daten entfernt sind". Diese Werte beeinflussen die Berechnungen derart stark, dass sich sogar die Vorzeichen von errechneten Parametern umdrehen. Es gibt hier alternative Ausreißer-resistente Berechnungsverfahren wie gewichtete Regression oder das Drei-Gruppen-Verfahren. Bei der gewichteten Regression werden etwa die Ausreißer der abhängigen Variablen y mit 0 und die unproblematischen Werte mit 1 gewichtet, was die Unterdrückung des Ausreißers bedingt. Dieser Algorithmus nach Mosteller und Tukey (1977) wird als "biweighting" bezeichnet. Denkbar wäre auch, die Gewichtung je nach Stärke des Ausreißers abzustufen. Im übrigen können auch Ausreißer in den Regressoren die Ergebnisse der Ausgleichsrechnung stark beeinträchtigen. Man spricht hier von Werten mit großer Hebelkraft (High Leverage Value).
Nichtlineare Modellfunktionen
Tukey
Mit dem Aufkommen leistungsfähiger Rechner gewinnt insbesondere die nichtlineare Regression an Bedeutung. Sie ermöglicht im Prinzip die Anpassung von Daten an jede Gleichung der Form . Da diese Gleichungen Kurven definieren, werden die Begriffe nichtlineare Regression und "curve fitting" zumeist synonym gebraucht.
Manche nichtlineare Probleme lassen sich durch geeignete Substitution in lineare überführen und lassen sich dann wie oben lösen. Etwa nur multiplikativ wäre ein Modell der Art
:
bei dem auch die Residuen e mit t variieren. Hier könnte man mit Logarithmieren das System in eine additive Struktur überführen und dann die Parameter errechnen. Dieser Ansatz wird beispielsweise in der Wachstumstheorie angewendet. Häufig werden für die Approximation einer Funktion y auch Ausgleichspolynome der Art
:
eingesetzt. Werden für die Potenzen die Zahlenwerte verwendet, ergibt sich wieder ein lineares Gleichungssystem, das wie oben gelöst werden kann.
Im Allgemeinen ergibt sich bei nichtlinearen Modellfunktionen durch die partielle Differentiation ein System von Normalgleichungen, das nicht mehr analytisch gelöst werden kann. Eine numerische Lösung kann hier iterativ mittels des Gauß-Newton-Verfahrens erfolgen. Jenes hat das Problem, dass die Konvergenz des Verfahrens nicht gesichert ist.
Aktuelle Programme arbeiten häufig mit einer Variante: Dem Algorithmus nach Levenberg und Marquardt (Levenberg K (1944): A method for the solution of certain non-linear problems in least squares. Quarterly of Applied Mathematics 2 (1944) 164-168; Marquardt DW (1963): An algorithm for least squares estimation of nonlinear parameters. SIAM J. Appl. Math. 11 (1963) 431-441). Bei diesem Verfahren ist zwar die Konvergenz ebenfalls nicht gesichert, jedoch wird durch eine Regularisierungstechnik die Monotonie der Näherungsfolge garantiert und es ist bei größerer Abweichung der Schätzwerte toleranter als die Ursprungsmethode. Beide Verfahren sind mit dem Newton-Verfahren verwandt und konvergieren meist quadratisch, in jedem Schritt verdoppelt sich also die Zahl der korrekten Nachkommastellen.
Beispiel einer polynomialen Ausgleichskurve
quadratisch
Als Ergebnisse der Mikrozensus-Befragung im Mai 2003 durch das statistische Bundesamt sind die durchschnittlichen Gewichte von Männern nach Altersklassen gegeben (Quelle:© Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2004). Für die Analyse wurden die Altersklassen durch die Klassenmitten ersetzt (Die Zahlen sind im Artikel Streudiagramm aufgeführt). Es soll die Abhängigkeit der Variablen Gewicht (y) von der Variablen Alter (t) analysiert werden.
Das Streudiagramm lässt auf eine annähernd parabolische Beziehung zwischen t und y schließen, welche sich häufig gut durch ein Polynom annähern lässt. Es wird ein polynomialer Ansatz der Form
:
Streudiagramm
versucht. Eine Anpassungsrechnung mit Hilfe des Statistik-Programms Minitab ergab die (ins Deutsch übersetzte) Tabelle T1. Es sind alle Parameter xj statistisch signifikant, d.h. die Daten aller t j können einen deutlichen Beitrag zur Erklärung von y leisten. Das Bestimmtheitsmaß (R^2) beträgt 99,8%, man könnte also sagen, dass 99,8% der Information von y durch die Daten erklärt werden. Die Daten von t j sind allerdings hochkorreliert. Es wurde daher t 3 und damit der Modellparameter x 3 aus dem Modell entfernt. Die Ergebnisse einer Regression ohne t3 sind in der (ins Deutsch übersetzten) Tabelle T2 aufgeführt. Das Bestimmtheitsmaß ist lediglich auf 98,6% gesunken, also hat t3 nur einen zusätzlichen Beitrag zur Erklärung von y von 1,3%. Das Streudiagramm mit den beobachteten und geschätzten y-Werten zeigt, dass die Anpassung gelungen ist.
Beispiel einer Ausgleichskurve als Quotient
Hier soll das Problem anhand eines einfachen Beispiels (multiplikative Verknüpfung: Geschwindigkeitsgleichung ) erläutert werden.
Ein Objekt bewegt sich auf einer ebenen geraden Strecke mit konstanter Geschwindigkeit. Gesucht ist die wahrscheinliche Geschwindigkeit oder die wahrscheinliche Zeit pro Wegeinheit (mit ). Auch hier wird das nichtlineare System in ein lineares überführt. Es werden die folgenden Werte gemessen:
Die Summe der Fehlerquadrate ist dann:
:.
Die erste Ableitung der obigen Gleichung nach , die gleich Null gesetzt wird, um das Minimum zu suchen, lautet:
:.
Diese Gleichung wird nach T aufgelöst:
:.
Man muss also die Summe der Produkte tm und sm durch die Summe der Quadrate der gemessenen Entfernungen teilen. Das Ergebnis hat die Einheit Zeit/Weg (hier 2,5286 Sekunden/Kilometer) bzw. der Kehrwert davon ist die gesuchte Geschwindigkeit v mit der Einheit Weg/Zeit (hier 0,3955 Kilometer/Sekunde).
Beispiel der Fourieranalyse
Auch die Fourieranalyse ist eine Form der Linearisierung einer nichtlinearen Modellfunktion. Die Ansatzfunktionen sind der Kosinus und Sinus der Grundfrequenz und ihrer Vielfachen. Man setzt an
:
Der mittlere quadratische Fehler wird nach jedem einzelnen Fourierkoeffizienten
differenziert, und dieser Ausdruck ist jeweils null:
:
:
Daraus ergeben sich die bekannten Definitionsgleichungen der Fourierkoeffizienten.
Beispiel aus der Enzymkinetik einer nicht linearisierbaren Modellfunktion
Ein Beispiel für Regressionsmodelle, die in keiner Weise linearisierbar sind, ist die Enzymkinetik. Hier ist allerdings zu fordern, dass nur y (Reaktionsgeschwindigkeit) und nicht x (Substratkonzentration) einem Fehler unterliegt. Die vertraute Lineweaver-Burk-Beziehung ist zwar eine algebraisch korrekte Umformung der Michaelis-Menten-Gleichung v = Vmax x [S] / (Km + [S]), ihre Anwendung liefert aber nur korrekte Ergebnisse, wenn die Messwerte fehlerfrei sind. Dies ergibt sich aus der Tatsache, dass sich die Realität nur mit einer erweiterten Michaelis-Menten-Beziehung
:
mit ei als Fehlerparameter, beschreiben lässt. Diese Gleichung lässt sich nicht mehr linearisieren, also muss hier die Lösung iterativ ermittelt werden.
Bei nichtlinearen Gesetzmäßigkeiten ergibt sich eine Komplikation dadurch, dass die zu optimierenden Parameter nicht direkt ermittelt werden können: alle Kalkulationen gehen zwangsläufig von Schätzwerten aus, so dass jede nichtlineare Regressionsanalyse ein iteratives Verfahren darstellt. Ob diese Schätzwerte vernünftig waren, zeigt sich im nachhinein dadurch, dass verschiedene Anfangsschätzungen zum gleichen Endergebnis führen.
Siehe auch
- Konfidenzintervall, Korrelationskoeffizient
Literatur
- Åke Björk, Numerical Methods for Least Squares Problems, SIAM, Philadelphia, 1996 ISBN 0898713609
- Draper, Norman R. und Smith Harry: Applied Regression Analysis, Wiley-Interscience, 1998 ISBN 0471170828
- Gerhard Opfer, Numerische Mathematik für Anfänger. Eine Einführung für Mathematiker, Ingenieure und Informatiker. 4. Aufl. Vieweg Verlag, Braunschweig 2002 ISBN 3528372656
- Volker Oppitz/Volker Nollau: Taschenbuch Wirtschaftlichkeitsrechnung, Carl Hanser Verlag 2003, 400 S., ISBN 3446224637
- Volker Oppitz: Gabler Lexikon Wirtschaftlichkeitsberechnung, Gabler-Verlag 1995, 629 S., ISBN 3409199519
- Schönfeld, Peter: Methoden der Ökonometrie, Berlin, Frankfurt, 1969
- Zeidler E. (Hrsg.): Taschenbuch der Mathematik (bekannt als Bronstein und Semendjajew), Stuttgart, Leipzig, Wiesbaden 2003 ISBN 3817120052
Weblinks
Frei verfügbare (Public domain) Implementierungen des Levenberg-Marquardt-Algorithmus finden sich unter
- [http://www.netlib.org/minpack/ minpack::lmdif] in Fortran
- [https://sourceforge.net/projects/lmfit/ sourceforge::lmfit] in C
- Gnuplot
Kategorie:Numerische Mathematik
Kategorie:Statistik
ja:最小二乗法
QuadratDer Begriff Quadrat bedeutet:
In Geometrie und Mathematik:
- Eine geometrische Figur mit vier gleich langen Seiten und rechten Winkeln; siehe Quadrat (Geometrie).
- In Wahrnehmungspsychologie und Gestaltungslehre ein wahrgenommenes Quadrat, siehe Optisches Quadrat
- Das Ergebnis der Multiplikation einer Zahl mit sich selber, siehe Quadrat (Arithmetik)
- Eine quadratische Matrix, in der alle Spalten, Zeilen und Diagonalen eine besondere Eigenschaft haben, siehe Magisches Quadrat.
In anderen Bereichen:
- In der Astrologie der 90°-Winkelabstand zwischen den Planeten, siehe Quadrat (Astrologie).
- In der Reproduktionstechnik (Hochdruck) ein längeres rechteckiges nicht druckendes Stück Blei, das zum Auffüllen von Zeilen im Schriftsatz verwendet wird, siehe Quadrat (Druck).
Lokale Bedeutungen:
- In Mannheim: Die in rechtwinkligen Häuserblöcken angelegte Innenstadt, siehe Mannheimer Quadrate.
- In Bottrop: Ein Museum für Kunst und Geschichte, siehe Quadrat Bottrop.
Normalverteilung
Die Gauß- oder Normalverteilung (nach Carl Friedrich Gauß) ist ein wichtiger Typ kontinuierlicher Wahrscheinlichkeitsverteilungen. Ihre Wahrscheinlichkeitsdichte wird auch Gauß-Funktion, Gauß-Kurve, Gauß-Glocke oder Glockenkurve genannt.
Die besondere Bedeutung der Normalverteilung beruht unter anderem auf dem zentralen Grenzwertsatz, der besagt, dass eine Summe von unabhängigen, identisch verteilten Zufallsvariablen in der Grenze normalverteilt ist.
Viele natur-, wirtschafts- und ingenieurswissenschaftliche Vorgänge lassen sich durch die Normalverteilung entweder exakt oder wenigstens in sehr guter Näherung beschreiben (vor allem Prozesse, die in mehreren Faktoren unabhängig voneinander in verschiedene Richtungen wirken).
Die Normalverteilung ist gegeben durch die Wahrscheinlichkeitsdichte
:,
wobei die Standardabweichung und der Erwartungswert ist.
Definition
Eine stetige Zufallsvariable mit der Wahrscheinlichkeitsdichte
:
heißt --normalverteilt.
Hierbei ist
- der Erwartungswert,
- die Standardabweichung und
- die Varianz
von .
In der Literatur wird auch die Bezeichnung -normalverteilt (das Quadrat ² wird dabei immer explizit geschrieben) oder ähnliches verwendet. Zur Beschreibung der Eigenschaft der Zufallsvariable , --normalverteilt zu sein, verwendet man die Notation .
Eigenschaften
Die Verteilungsfunktion der Normalverteilung ist gegeben durch
:.
Der Graph der Wahrscheinlichkeitsdichte ist eine Gauß'sche Glockenkurve, welche symmetrisch zum Wert von ist und deren Höhe und Breite von abhängt. An der Stelle liegt dabei der Hochpunkt und an und befinden sich die Wendepunkte der Kurve (siehe hierzu auch Kurvendiskussion).
Wichtig ist, dass die gesamte Fläche unter der Kurve gleich 1 ist, also der Wahrscheinlichkeit eines sicheren Ereignisses entspricht. Somit folgt, dass wenn zwei Gauß'sche Glockenkurven dasselbe , aber unterschiedliche Werte haben, jene Kurve mit dem größeren breiter und niedriger ist (da ja beide zugehörigen Flächen jeweils den Wert von 1 haben und nur die Standardabweichung (oder " Streuung") höher ist). Zwei Glockenkurven mit dem gleichen , aber unterschiedlichen haben gleich aussehende Graphen, die jedoch auf der x-Achse um die Differenz der -Werte zueinander verschoben sind.
Da sich das Integral der Verteilungsfunktion nicht auf eine elementare Stammfunktion zurückführen lässt, wurde für die Berechnung früher meist auf Tabellen zurückgegriffen (siehe dazu die Tabelle der Verteilungsfunktion der Standardnormalverteilung); heutzutage sind entsprechende Zellenfunktionen in üblichen Tabellenkalkulationsprogrammen stets verfügbar. Tabellen wie Zellenfunktionen gelten aber in der Regel nicht für beliebige und Werte, sondern nur für die Standardnormalverteilung, bei der und ist (man spricht auch von einer 0-1-Normalverteilung oder normierten Normalverteilung).
Die Tabellen sind also für die Wahrscheinlichkeitsfunktion mit
: ausgelegt. Analog dazu wird die zugehörige normierte Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion mit bezeichnet.
Ist nun eine beliebige --Verteilung gegeben, so muss diese nur in eine Standardnormalverteilung transformiert werden.
Transformation zur Standardnormalverteilung (Z-Transformation)
Ist eine Normalverteilung mit beliebigen und gegeben, so kann diese durch eine Transformation auf eine 0-1-Normalverteilung zurückgeführt werden. Dazu wird die Verteilungsfunktion der allgemeinen Normalverteilung mit substituiert und die Integralgrenzen werden angepasst:
:
::
::
::
Wird nun definiert und durch ersetzt, so erhält man die Verteilungsfunktion der Standardnormalverteilung:
:
Anmerkung: Geometrisch betrachtet entspricht die durchgeführte Substition einer flächentreuen Transformation der Glockenkurve von zur Glockenkurve von .
Graph der Wahrscheinlichkeitsdichte
Dichtefunktion der Standardnormalverteilung
::So sieht die Dichtefunktion einer Standardnormalverteilung aus. Angegeben sind die Intervalle im Abstand 1, 2 und 3 Standardabweichungen vom Erwartungswert 0, die rund 68%, 95,5% und 99,7% der Fläche unter der Glockenkurve umfassen. Die gleichen Prozentsätze gelten für alle Normalverteilungen in Bezug auf die entsprechenden Erwartungswerte und Standardabweichungen.
Die Normalverteilung ist eine Grenzverteilung, die nicht direkt beobachtet werden kann. Die Annäherung verläuft aber mit wachsendem n sehr schnell, so dass schon die Verteilung einer Summe von 30 oder 40 unabhängigen, identisch verteilten Zufallsgrößen einer Normalverteilung recht ähnlich ist.
Die Glockenkurve schmückte neben dem Portrait von Carl Friedrich Gauß von 1989 bis 2001 die 10-DM-Banknote der Bundesrepublik Deutschland.
Rechnen mit der Standardnormalverteilung
Bei Aufgabestellungen, bei denen die Wahrscheinlichkeit für normalverteilte Zufallsvariablen durch die Standardnormalverteilung ermittelt werden soll, ist es nicht nötig, die oben angegebene Transformation jedesmal durchzurechnen. Stattdessen wird einfach das Ergebnis der Transformation verwendet, um die Grenzen , und die Zufallsvariable auf die Grenzen , und die Zufallsvariable anzugleichen. Somit kann eine Verteilung durch
: beziehungsweise
zu transformiert werden.
Die Wahrscheinlichkeit für ein Ereignis, welches z.B. innerhalb der Werte und (für den Erwartungswert und die Standardabweichung ) liegt, ist durch folgende Umrechnung gleich der Wahrscheinlichkeit der Standardnormalverteilung mit den neuen Grenzen und :
:
( steht für die französische Bezeichnung "probabilité" der Wahrscheinlichkeit)
Grundlegende Fragestellungen
Allgemein gibt die Verteilungsfunktion die Fläche unter der Glockenkurve bis zum Wert an, d.h. es wird das bestimmte Integral von bis berechnet.
Dies entspricht in Aufgabenstellungen einer gesuchten Wahrscheinlichkeit, bei der die Zufallsvariable kleiner oder kleiner gleich einer bestimmten Zahl ist. Durch die Verwendung der reellen Zahlen und der Stetigkeit der Normalverteilung macht es keinen Unterschied ob nun oder verlangt ist,
:weil und somit .
Dasselbe gilt für größer und größer gleich.
Dadurch, dass nur kleiner oder größer einer Grenze (oder innerhalb oder außerhalb zweier Grenzen) liegen kann, ergeben sich für Aufgaben bei normalverteilten Wahrscheinlichkeitsberechnungen folgende zwei grundlegende Fragestellungen:
- Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem Zufallsversuch die normal verteilte Zufallsvariable höchstens den Wert annimmt?
- :
: In der Schulmathematik wird für diese Aussage auch die Bezeichnung Linker Spitz verwendet, da die Fläche unter der Gaußkurve von links bis zur Grenze verläuft. Für sind auch negative Werte erlaubt, trotzdem haben viele Tabellen der Standardnormalverteilung nur positive Einträge. Durch die Symmetrie der Kurve und der Negativitätsregel des linken Spitz stellt dies aber keine Einschränkung dar:
::
- Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem Zufallsversuch die normalverteilte Zufallsvariable mindestens den Wert annimmt?
::
:Analog wird hier oft die Bezeichnung Rechter Spitz verwendet. Ebenso gibt es eine Negativitätsregel:
::
(Da jede Zufallsvariable der allgemeinen Normalverteilung sich in die Zufallsgröße der Standardnormalverteilung umwandeln lässt, gelten die Fragestellungen für beide Größen gleichbedeutend)
Streubereich und Antistreubereich
Der Streubereich gibt die Wahrscheinlichkeit wieder, dass die normalverteilte Zufallsvariable Werte zwischen und annimmt:
:
Beim Sonderfall des symmetrischen Streubereiches ( , mit ) gilt:
:
::
::
Hingegen gibt der Antistreubereich die Höhe der Wahrscheinlichkeit an, dass die normalverteilte Zufallsvariable Werte außerhalb des Bereichs zwischen und annimmt:
:
Somit folgt bei einem symmetrischen Antistreubereich:
:
::
::
Streubereiche am Beispiel der Qualitätssicherung
Besondere Bedeutung haben beide Streubereiche z.B. bei der Qualitätssicherung von technischen oder wirtschaftlichen Produktionsprozessen. Hier gibt es einzuhaltende Toleranzgrenzen und , wobei es meist einen größten noch akzeptablen Abstand vom Erwartungswert (= dem optimalen Sollwert) gibt. kann hingegen empirisch aus dem Produktionsprozess gewonnen werden.
Wurde als einzuhaltendes Toleranzintervall angegeben, so liegt (je nach Fragestellung) ein symmetrischer Streu- oder Antistreubereich vor.
Im Falle des Streubereiches gilt:
:
::
::
::
Der Antistreubereich ergibt sich dann aus
:
oder wenn kein Streubereich berechnet wurde durch
: .
Das Ergebnis ist also die Wahrscheinlichkeit für verkaufbare Produkte, während die Wahrscheinlichkeit für Ausschuss bedeutet, wobei beides von den Vorgaben von , und abhängig ist.
Ist bekannt, dass die maximale Abweichung symmetrisch um den Erwartungswert liegt, so sind auch Fragestellungen möglich, bei denen die Wahrscheinlichkeit vorgegeben und eine der anderen Größen zu berechnen ist.
Approximation der Binomialverteilung durch die Normalverteilung
Allgemeines
Um 1900 postulierte Max Planck das Energiequantum um die Energieverteilung der schwarzen Strahlung erklären zu können und es wurde daraufhin in vielen anderen Erscheinungen der Natur wiederentdeckt. Der bis dahin geltende Satz 'natura non facit saltus' - die Natur macht keine Sprünge - wurde wirksam widerlegt und zeigt auch, dass viele Phänomene, die oberflächlich für stetig gehalten werden, bei sehr genauer Betrachtung doch nichtstetig bzw. sprunghaft sind.
Die Normalverteilung liefert für diese Vorgänge eine sehr gute Approximation, denn viele endliche Zufallsvariablen sind näherungsweise normalverteilt. Eine in der Natur oft anzutreffende Wahrscheinlichkeitsverteilung ist die Binomialverteilung. Auch sie lässt sich in sehr guter Näherung mit der Normalverteilung beschreiben. Mathematisch wird dies durch den Grenzwertsatz belegt: Er besagt (in diesem Fall), dass sich die nichtstetige Wahrscheinlichkeitsverteilung, die sich aus voneinander unabhängig Zufallsgrößen ergibt, mit steigenden immer besser an die Normalverteilung angleicht. ist dabei die Anzahl der voneinander unabhängigen Zufallsversuche, von denen jeder einzelne eine Zufallsgröße ergibt.
Ein Beispiel für diese Angleichung der Häufigkeitsverteilung an die Normalverteilung ist folgender Würfelversuch:
Gegeben seien zwei normale Würfel, wobei jeder eine Augenzahl von eins bis sechs aufweist. Sie sollen nun mal geworfen werden, d.h. es werden voneinander unabhängige Zufallsversuche durchgeführt. Bei jedem Versuch berechnet sich das Ergebnis aus der Gesamtanzahl der geworfenen Augen. Insgesamt werden einige hundert Würfe gemacht, wobei die Anzahl der gleichen Ergebnisse gezählt wird. Diese Häufigkeit kann anschließend in ein Diagramm eingetragen werden. Die resultierende Verteilung ist bei sehr wenigen Würfen rein zufällig, bei sehr hohen wird sie hingegen der Gauß'schen Glockenkurve (mit dem Erwartungswert von 7) immer ähnlicher, trotzdem ist sie immer noch diskret verteilt (d.h. der Graph besteht aus kleinen Stufen).
Approximation
Ist eine Binomialverteilung (siehe auch Bernoulli-Versuch) mit voneinander unabhängigen Stufen (bzw. Zufallsversuchen) mit einer Erfolgswahrscheinlichkeit gegeben, so lässt sich die Wahrscheinlichkeit für Erfolge allgemein durch für berechnen (wobei ist).
Für sehr große Werte von kann diese Binomialverteilung durch eine Normalverteilung approximiert werden. Dabei ist
- der Erwartungswert
- und die Standardabweichung
Ist nun , dann ist folgende Näherung brauchbar:
:
Bei der Normalverteilung wird die untere Grenze um 0,5 verkleinert und die obere Grenze um 0,5 vergrößert, um eine bessere Approximation bei einer geringen Standardabweichung gewährleisten zu können. Dies nennt man auch Stetigkeitskorrektur. Nur wenn einen sehr hohen Wert besitzt, kann auf sie verzichtet werden.
Da die Binomialverteilung diskret ist, muss auf einige Punkte geachtet werden:
- oder (und auch größer und größer gleich) müssen beachtet werden (was ja bei der Normalverteilung nicht der Fall ist). Deshalb muss bei | | |