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| Austropop |
AustropopUnter Austropop versteht man eine musikalische Strömung, die in Österreich ab ca. Mitte der 1960er Jahre entstand und in den 90er Jahren wieder an Einfluß verlor.
Allerdings handelt es sich beim Austropop weniger um einen spezifischen Stil, sondern eher um eine Herkunftsbezeichnung, da unter diesem Oberbegriff Musiker der verschiedensten Genres von Rock über die Neue Deutsche Welle bis hin zum Schlager firmierten.
Als Geburtsstunde des Austropop wird oft das Lied "Da Hofa" genannt, mit dem Wolfgang Ambros 1971 seinen Durchbruch schaffte. Der Austropop wurde in der Anfangszeit sehr stark vom 1967 gegründeten österreichischen Radiosender Ö3 gefördert. Die Entwicklung dieser Strömung war zum Teil wohl auf die Dominanz englischsprachiger Musik in der Popkultur zurückzuführen, sodass es kaum verwundert, dass viele der Interpreten des Austropop für ihre Texte Deutsch oder österreichische Mundarten gewählt haben. Die eigentlichen Gründer der Dialektwelle waren in den 60er Jahren die Worried Men Skiffle Group mit dem Song Glaubst i bin bled.
Aus diesem Grund blieb die Bekanntheit vieler Künstler auch nur auf den deutschen Sprachraum beschränkt. Einige jedoch, wie Opus oder Falco konnten mit ihren englischsprachigen Songs sogar auf dem amerikanischen Markt reüssieren.
In den letzten Jahren ist es etwas still um den Austropop geworden. Das liegt zum Einen am Fehlen vielversprechender Nachwuchsmusiker, vor allem aber an der Weigerung großer Radiostationen dem Austropop auch einen Platz in ihren Sendeschemata einzuräumen.
Mit dem Aufblühen des Hip Hop und der elektronischen Musik in den 1990er-Jahren konnten wiederum einige österreichische Formationen international Fuß fassen, diese werden derzeit aber nicht unbedingt als "Austropop" bezeichnet.
Interpreten (Auswahl)
Österreich
Die Republik Österreich ist ein Bundesstaat in Mitteleuropa mit der Staatsform einer parlamentarischen Demokratie. Das Land ist seit 1955 Mitglied in der UNO und seit 1995 in der Europäischen Union. Es grenzt im Norden an Deutschland und Tschechien, im Osten an die Slowakei und Ungarn, im Süden an Slowenien und Italien und im Westen an die Schweiz und Liechtenstein.
Geografie
Hauptartikel: Geografie Österreichs
Landschaft
Etwa 60 Prozent des Landes sind gebirgig und haben Anteil an den Ostalpen (vor allem Tiroler Zentralalpen, Hohe Tauern und Niedere Tauern, Nördliche Kalkalpen, Südliche Kalkalpen und Wienerwald). In Ober- und Niederösterreich liegt - bereits nördlich der Donau - die Böhmische Masse, ein altes Rumpfgebirge, das auch nach Tschechien und Bayern hinüberreicht, und an der Ostgrenze die Kleinen Karpaten.
Die fünf Großlandschaften Österreichs:
- Anteil an den Ostalpen (52.600 km², 62,8 % der Staatsfläche)
- Anteil am Alpen- und Karpatenvorland (9.500 km², 12,3 %)
- Vorland im Osten, Anteil an Randgebieten des Pannonischen Tieflands (9.500 km², 12,3 %)
- Granit- und Gneisplateau, Anteil am Mittelgebirgsland der Böhmischen Masse (8.500 km², 10,1 %)
- Anteil am Wiener Becken (3.700 km², 4,4 %)
Von der Gesamtfläche Österreichs (rd. 84.000 km²) entfällt etwa ein Viertel auf Tief- und Hügelländer. Nur 32 % liegen tiefer als 500 m.
Gebirge
km²
km²]
km²
km²]]
Die sieben höchsten Berge Österreichs sind:
Ebenen
Die großen Ebenen liegen im Osten entlang der Donau, vor allem das Alpenvorland und das Wiener Becken mit dem Marchfeld, sowie in der südlichen Steiermark, die wegen ihrer Landschaftsähnlichkeit zur
Toskana auch oftmals Steirische Toskana genannt wird.
tiefster Punkt: Hedwighof (Gemeinde Apetlon - Burgenland) 114 m
Seen
Der größte See ist der Neusiedler See im Burgenland, der mit ca. 77 % seiner Gesamtfläche von 315 km² in Österreich liegt, gefolgt vom Attersee mit 46 km² und dem Traunsee mit 24 km² in Oberösterreich. Auch der große Bodensee mit seinen 536 km² im Dreiländereck mit Deutschland (Freistaat Bayern und Land Baden-Württemberg) und der Schweiz liegt zu einem kleinen Anteil auf österreichischem Staatsgebiet. Allerdings sind die Staatsgrenzen innerhalb des Bodensees nicht genau bestimmt.
Für den Sommertourismus in Österreich haben die Seen neben den Bergen die größte Bedeutung, insbesondere die Kärntner Seen und jene des Salzkammerguts. Die Bekanntesten davon sind der Wörthersee, der Millstättersee, der Ossiachersee und der Weißensee. Weitere bekannte Seen sind der Mondsee und Wolfgangsee an der Grenze von Salzburg und Oberösterreich.
siehe auch: Liste der Seen in Österreich
Flüsse
Der größte Teil Österreichs wird über die Donau zum Schwarzen Meer entwässert, nur kleine Gebiete über Rhein oder Elbe zur Nordsee.
Große Nebenflüsse der Donau sind (von Westen nach Osten):
- Lech und Inn (entwässern Tirol) mit Salzach (entwässert Salzburg).
- die Ager, Traun, Enns, Ybbs, Erlauf, Traisen, Wien, und Fischa entwässern die südlich der Donau gelegenen Gebiete von Oberösterreich und Niederösterreich sowie Wiens.
- die Große und Kleine Mühl, Rodl und Aist, der Kamp, Göllersbach und Rußbach, sowie die March an der Ostgrenze entwässern die nördlich der Donau gelegenen Gebiete von Oberösterreich und Niederösterreich
Klima
Das Klima wird vom Westen nach Osten immer trockener (In Wien sind die Niederschläge nur noch halb so hoch wie in Salzburg) und erreicht in den östlichen und südöstlichen Landesteilen das pannonische Kontinentalklima, das teilweise im südlichen Seengebiet mediterran beeinflusst wird. Die schneereichen Winter bringen dem Tourismus eine zweite Saison. Die Sonnenscheindauer ist etwa um 10 bis 20 Prozent länger als beispielsweise in Norddeutschland.
Die niederschlagsreichsten Gegenden sind das gesamte Alpenvorland sowie das Tiroler Unterland, das Außerfern und der Bregenzer Wald. Dort fallen bis zu 3.000 mm Regen pro Jahr (Durchschnitt 900 mm). In diesen Regionen kann es auch sehr oft zu Überschwemmungen kommen.
Bundesländer
Bregenzer Wald
Die österreichischen Bundesländer: B Burgenland, K Kärnten, NÖ Niederösterreich, OÖ Oberösterreich, S Salzburg, St Steiermark, T Tirol, V Vorarlberg, W Wien
Die neun österreichischen Bundesländer sind in Bezirke aufgeteilt, diese wiederum in Gemeinden.
Städte
Siehe auch: Städte in Österreich
Das mit Abstand größte Siedlungsgebiet in Österreich ist die Metropolregion Wien mit einer Einwohnerzahl von 2.067.652 (Stand 1. Januar 2005). Damit konzentriert sich ein Viertel der Bevölkerung des Landes in der Hauptstadtregion. In Österreich besitzen rund 200 Gemeinden das Stadtrecht. Ein großes Problem, vor allem in wirtschaftlich schwachen Gegenden, ist die Abwanderung (Landflucht) der ländlichen Bevölkerung in die städtischen Ballungsräume.
Große Städte
Die größten Städte Österreichs (nach Einwohnerzahl) sind:
Landflucht]
Landflucht
Landflucht
Landflucht mit Bodensee (vom Pfänder gesehen)]]
Stand: 2001
Ballungsräume in Österreich
Die nachstehenden Gemeinden, die in einem größeren bebauten Siedlungsgebiet liegen, sind nach ihrer Einwohnerzahl sortiert.
Stand: 2001
Entfernungen (Luftlinie)
- Wien - Bregenz 505 km
- Wien - Innsbruck 390 km
- Wien - Salzburg 253 km
- Wien - Linz 155 km
- Wien - Graz 148 km
- Wien - Bratislava (SK) 55 km
- Salzburg - München (D) 116 km
- Wien - Berlin (D) 530 km
- Wien - Budapest (H) 255 km
- Bregenz - Paris (F) 568 km
- Villach - Triest (Mittelmeer) (I) 109 km
- Graz - Maribor (SLO) 70 km
Grenzlängen
- Staatsgrenzen insgesamt 2.562 km, davon zu:
- Deutschland (Bayern): 784 km
- Italien: 430 km
- Ungarn: 366 km
- Tschechische Republik: 362 km
- Slowenien: 330 km
- Schweiz: 164 km
- Slowakei: 91 km
- Liechtenstein: 35 km
Bevölkerung
siehe auch: Österreicher
Österreicher
Lebenserwartung
Die durchschnittliche Lebenserwartung in Österreich beträgt zur Zeit (2005) bei den Frauen 82,1 Jahre und bei den Männern 76,4 Jahre (im Vergleich 1971: 75,7 Frauen und 73,3 Männer). Die Kindersterblichkeit beträgt 0,45 %. siehe auch: Österreichisches Gesundheitssystem
Sprache
Deutsch ist Amts- und Muttersprache von etwa 98 % der österreichischen Bevölkerung. Die deutsche Sprache wird vielfach in Form eines der vielen oberdeutschen Dialekte gesprochen, die zu den Mundartfamilien des
- Alemannischen (gesprochen in Vorarlberg sowie dem Tiroler Außerfern) und
- Bairischen (gesprochen in allen anderen Bundesländern – siehe Sprachgebrauch in Österreich) gehören. Sieben Millionen Österreicher sprechen einen mittel- oder südbairischen Dialekt.
Daneben werden slawische und andere Sprachen von autochthonen Minderheiten gesprochen. Die alteingesessenen burgenlandkroatischen, slowenischen und ungarischen Bevölkerungsanteile in Österreich haben einen Anspruch auf muttersprachlichen Schulunterricht und Behördenverkehr. Burgenlandkroatisch und Slowenisch sind zusätzliche Amtssprachen in jenen Verwaltungs- und Gerichtsbezirken der Steiermark, des Burgenlandes und Kärntens mit kroatischer oder slowenischer, bzw. gemischter Bevölkerung. Auch die alteingesessene Roma-Bevölkerung hat ihre eigene Sprache.
Außerdem leben 35.000 Jenische in Österreich, wovon gerade noch 3.500 ein fahrendes Leben führen. Sie wurden in den 1960er Jahren im Burgenland, im Mühlviertel, im Waldviertel, auf dem Hausruck, im Toten Gebirge, in den Seetaler Alpen und Fischbacher Alpen angesiedelt.
Siehe auch: Minderheitssprachen in Österreich, Kärntner Slowenen
Zuwanderung
Das Land beherbergt Menschen aus vielen anderen Ländern, die aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen ins Land gekommen sind. Diese Zuwanderer oder vorübergehend im Land lebenden Menschen stammen vornehmlich aus Russland, dem ehemaligen Jugoslawien (v.a. Serbien und Montenegro), Deutschland, Georgien, dem asiatischen Raum (Indien, Türkei, Afghanistan, Pakistan, China u.a.), aber auch aus anderen Weltregionen; Deren Anteil an der einheimischen Bevölkerung beträgt etwa 12,5 % (Anfang 2005). Bereits in den 1960er und 1970er Jahren wurden viele damals noch als Fremdarbeiter wegen des herrschenden Arbeitskräftemangels von den Firmen direkt in den Herkunftsländern angeworben um in Österreich zu arbeiten. Viele dieser Familien leben mittlerweile in der zweiten oder dritten Generation im Land. Ungefähr die Hälfte aller Menschen mit Migrationshintergrund bzw. deren Nachkommen lebt im Großraum Wien, wo etwa ein Viertel der gesamten Bevölkerung Österreichs ansässig ist.
Der Rest verteilt sich vorwiegend auf die übrigen Ballungszentren, in denen ihr Anteil zwischen 10 und 20 % ausmacht. In einigen ländlichen Regionen liegt der Anteil der Migranten und Migrantinnen zwischen 0 und 5 %. In den vergangenen Jahren wurde pro Jahr an etwa 30.000 - 40.000 Menschen die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen.
Prognose
Laut Prognosen der Statistik Austria, dem statistischen Amt der Republik Österreich, halten sich Geburten und Sterbefälle in Österreich noch für etwa 20 Jahre die Waage, danach werden die Geburten- voraussichtlich unter den Sterbezahlen liegen, was zu einem höheren Altersdurchschnitt führen wird. Durch Zuwanderung kann die Bevölkerung bis zum Jahr 2050 auf rund 9 Millionen anwachsen und das Geburtendefizit teilweise ausgeglichen werden. Nur in Wien, als einzigem der neun Bundesländer, wird der Altersdurschnitt niedriger und das Bevölkerungswachstum höher als im Bundesdurchschnitt sein; bis 2050 kann Wien demnach wieder zur Zweimillionenstadt werden. Als Grund führt Statistik Austria an, dass die Geburtenraten höher liegen und rund 40% der Immigration nach Österreich auf die Bundeshauptstadt entfallen.
Religion
73,6 % der einheimischen Bevölkerung bekennen sich zum römisch-katholischen Glauben und 4,7 % zum Protestantismus (überwiegend Augsburger Bekenntnis). Etwa 12 % der Bevölkerung gehören keiner Kirche oder Glaubensgemeinschaft an, die israelitische Kultusgemeinde zählt etwa 7.300 Mitglieder. Zum Buddhismus, der in Österreich 1983 als Religionsgemeinschaft anerkannt wurde, bekennen sich etwas über 10.000 Menschen. Etwa 20.000 sind aktive Mitglieder der Zeugen Jehovas. Von den zugewanderten Personen sind etwa 180.000 Mitglieder christlich-orthodoxer Kirchen, und rund 350.000 Menschen Mitglieder verschiedener muslimischer Religionsgemeinschaften (August 2005).
Siehe auch: Geschichte des Christentums in Österreich, Anerkannte Religionen in Österreich, Baptisten in Österreich, Buddhismus in Österreich, Religionsfreiheit in Österreich
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte Österreichs
Franken- und Ostfrankenreich
Weite Gebiete des heutigen Österreich gehörten im späten 8. Jahrhundert zum bayrischen Stammesherzogtum im fränkischen Reich Karls des Großen.
Im folgenden Ostfrankenreich, in der Region des heutigen Niederösterreich, war seit 856 eine Marchia Orientalis den Karolingern unterstellt. Diese Grenzmark im Südosten des Reiches wurde zur Keimzelle des späteren Österreich. Dieses Gebiet ging 907 allerdings an die Ungarn verloren. Erst nach der Schlacht auf dem Lechfeld 955 konnte das ostfränkische Reich wieder nach Osten expandieren und es entstanden neue Herzogtümer und Markgrafschaften. Damit begann auch eine weitere Welle bajuwarischer (bayerischer) Siedlungstätigkeit.
Heiliges Römisches Reich (HRR) (962 - 1806)
955
Im Jahr 976 wurde die Marchia Orientalis von Kaiser Otto II. einem Babenberger-Grafen übereignet. In einer Urkunde von 996 wurde diese Marchia Orientalis erstmals Ostarrichi genannt; Aussprache und Schreibweise wandelten sich später zu Österreich. Das Gebiet wurde auch als Ostland (lat. Austria) oder Osterland bekannt und 1156 von Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) zu einem Herzogtum erhoben.
Den Babenbergern folgten ab 1278 die Habsburger, die bis 1526 ihr Herrschaftsgebiet weiter ausdehnten und ein Erzherzogtum schufen, das ein bedeutender Faktor im Heiligen Römischen Reich wurde. Schon die späten Babenberger hatten die Steiermark mit Österreich verbinden können, die Habsburger schufen davon ausgehend mit der Erwerbung Kärntens, Tirols, Krains und anderer Gebiete einen Länderkomplex in den Ostalpen, der Herrschaft zu Österreich genannt wurde. Ab 1438 besaß das Fürstenhaus fast durchgehend die römisch-deutsche Königs- und die damit verbundene Kaiserwürde.
Vom späten 15. Jahrhundert bis 1690 waren die habsburger Länder von ständigen militärischen Auseinandersetzungen mit dem Osmanischen Reich geprägt. Die Reformation der Kirche konnte sich anfangs schnell durchsetzen, wurde aber im Laufe des 17. Jahrhunderts zurückgedrängt. 1713 wurde mit der Pragmatischen Sanktion erstmals ein für alle Länder gleichermaßen gültiges Grundgesetz in Kraft gesetzt. Im Österreichischen Erbfolgekrieg konnte das neue Haus Habsburg-Lothringen die Erbländer großteils für sich behaupten.
Die Kriege gegen Napoleon und seine Kaiserkrönung führten 1804 dazu, dass Kaiser Franz II. den Titel als Kaiser Franz I. von Österreich für seine Erbländer annahm und 1806 unter dem Druck Napoleons auf die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation verzichtete.
Kaisertum Österreich (1804 – 1867); Österreich-Ungarn (1867 - 1918)
Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation
Das neue Kaiserreich Österreich war ein Vielvölkerstaat und reichte von Böhmen und Mähren über die heutige Republik hinweg weiter über Ungarn bis tief in den Balkan hinein. 1815 erhielt Österreich den Vorsitz im Deutschen Bund.
Mit der Niederschlagung der Märzrevolution 1848 sicherte sich das Kaiserreich sein Überleben. Auch der ungarische Aufstand gegen die österreichische Vorherrschaft wurde niedergerungen. Der Krieg des Deutschen Bundes unter dem Vorsitz Österreichs gegen Preußen (Deutscher Krieg) führte 1866 nach dem Sieg Moltkes bei Königgrätz zur Auflösung des Bundes der deutschen Staaten.
1867 wurde im Zuge des Ausgleiches eine österreich-ungarische Doppelmonarchie unter der Herrschaft vom österreichischen Kaiser Franz Joseph I. geformt, der zugleich als König von Ungarn galt und über 40 Jahre an der Macht bleiben sollte. Da hierbei die Forderungen der „K.u.k.”-Völker nach mehr Selbstständigkeit außer Acht gelassen wurden spitzten sich die
Nationalitätenprobleme zu und trieben das Reich an den Rand der Unregierbarkeit. Ausgelöst vom Attentat von Sarajevo und weitergetrieben von den europäischen Beistandspakten begann 1914 der erste Weltkrieg, der 1918 zum Ende der „kaiserlich-königlichen Monarchie” führte.
I. Republik (1918 – 1938) und Drittes Reich (1938 – 1945)
Österreich-Ungarn wurde aufgelöst. Auf dem vorwiegend von Menschen mit deutscher Muttersprache bewohnten Gebiet der Doppelmonarchie entstand die Republik „Deutschösterreich”, wobei einige Gebiete, in welchen ebenfalls eine große Bevölkerungszahl vorwiegend Deutsch sprach (z.B.: Egerland, Südmähren, Südtirol) abgetrennt wurden. Im Vertrag von Saint-Germain wurde dieser Staatsname „Deutschösterreich” und der von vielen angestrebte Zusammenschluss mit der neuen Deutschen Republik untersagt. Am 21. Oktober 1919 wurde der Name in „Republik Österreich“ geändert und 1920 die neue österreichische Verfassung beschlossen. In den folgenden Jahren führten die schlechte Wirtschaftslage und politische Auseinandersetzungen Österreich immer tiefer in eine Krise die schließlich im Bürgerkrieg (1934) gipfelte.
Nachdem Bundeskanzler Engelbert Dollfuß 1933 den Nationalrat aufgelöst hatte, wurde in Österreich eine austrofaschistische Diktatur in Form eines autoritären Ständestaates etabliert. 1938 erfolgte der Anschluss an das Deutsche Reich. Der gebürtige Österreicher Adolf Hitler führte nach seinem beruflichen Scheitern in seinem Heimatland und seiner politischen Karriere in Deutschland Österreich in die nationalsozialistische Willkürherrschaft und ließ in der Folge alle Hinweise auf eine Eigenständigkeit des Landes tilgen. Österreich wurde in „Ostmark” und bald danach in „Donau- und Alpengaue” umbenannt. Der 1939 von ihm entfesselte Zweite Weltkrieg führte schließlich zum Untergang des „Dritten Reiches“.
II. Republik (ab 1945)
Dritten Reiches
Mit dem Kriegsende 1945, der Niederlage des Großdeutschen Reiches und der Befreiung von der Herrschaft Hitlers und der Nationalsozialisten, wurde von den Siegermächten ein Staat Österreich wiederhergestellt. Bereits am 27. April trat eine provisorische Staatsregierung mit Karl Renner als Staatskanzler zusammen und proklamierte die Wiedererrichtung der Republik. Nach Renners Tod wurde Theodor Körner als Kandidat der SPÖ am 27. Mai 1951 zum Bundespräsidenten gewählt. Dies war die erste Volkswahl des Staatsoberhauptes in der Österreichischen Geschichte überhaupt.
Bis 1955 war das neue Österreich, wie auch Deutschland, in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Erst mit der Unterzeichnung des Österreichischen Staatsvertrags durch die Bundesregierung und Vertreter der Siegermächte am 15. Mai 1955, und damit dem Bekenntnis zur Neutralität und der Verpflichtung keinen neuen Anschluss anzustreben, erlangte die Republik ihre volle Souveränität.
Bis zum 25. Oktober 1955 verließen die letzten alliierten Truppen das Land. Tags darauf wurde die „immerwährende Neutralität” im Nationalrat in Form eines Verfassungsgesetzes festgeschrieben. Seit 1965 ist der 26. Oktober, in Erinnerung an den Beschluss der Neutralität, österreichischer Nationalfeiertag.
1960 war die Republik Mitbegründer der EFTA, die einen Wirtschaftszusammenhalt anstrebte. Bedingt durch die Neutralität konnten sowohl mit den westlichen Ländern als auch mit den damaligen Ostblockländern gute kulturelle und wirtschaftliche Bande geknüpft werden, was dem Land in der Zeit des Wiederaufbaues noch lange half. Nach dem Ende des Kalten Krieges 1991 wurde die strikte Neutralitätspolitik zwar gelockert, aber die angemessene Interpretation der Neutralität in der geänderten Weltordnung ist seitdem ein umstrittenes innenpolitisches Thema. 1995 trat Österreich der Europäischen Union (EU) bei. 1999 schaffte es seine bisherige Währung, den Schilling ab und führte zusammen mit anderen EU-Staaten den Euro ein.
Politik
Hauptartikel: Politisches System Österreichs
Siehe auch: Politische Parteien in Österreich, Endogene Regionalentwicklung, Bundesverfassung (Österreich)
System
Österreich ist nach der Bundesverfassung von 1920, die 1945 wieder eingeführt wurde, eine föderale, parlamentarisch-demokratische Republik, bestehend aus neun Bundesländern. Staatsoberhaupt ist ein Bundespräsident, der für 6 Jahre direkt von der Bevölkerung gewählt wird. "Regierungschef" und Vorsitzender der Bundesregierung ist ein Bundeskanzler, der vom Bundespräsidenten de facto entsprechend den Mehrheitsverhältnissen im Nationalrat ernannt wird. Die Bundesregierung kann durch ein Misstrauensvotum des Nationalrates abberufen werden.
Institutionen
Das österreichische Parlament besteht aus zwei Kammern. Die Zusammensetzung des Nationalrates mit seinen 183 Mitgliedern wird alle 4 Jahre durch freie und allgemeine Bürgerwahlen bestimmt. Eine 4-Prozent-Hürde verhindert eine zu große Zersplitterung der Parteienlandschaft im Nationalrat. Der Bundesrat wird von den einzelnen Landtagen (Parlamente der Bundesländer) beschickt. Der Nationalrat ist die dominierende Kammer in der österreichischen Gesetzgebung. Der Bundesrat besitzt in den überwiegenden Fällen nur ein aufschiebendes Vetorecht, das durch einen Beharrungsbeschluss des Nationalrates außer Kraft gesetzt werden kann. Vom 1. Juli 2003 bis 31. Jänner 2005 tagte ein Verfassungskonvent ("Österreich-Konvent") unter Franz Fiedler, der Vorschläge für eine Reform der österreichischen Bundesverfassung erarbeitete. Dabei kam man aber nicht zu einer einheitlichen Meinung über die zukünftige Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern. Diese muss in Verhandlungen der verschiedenen politischen Ebenen ausgearbeitet werden.
Politische Parteien
Hauptartikel: Politische Parteien in Österreich.
Seit der Gründung der Republik Österreich wird die Politik von zwei großen Parteien, der christlich-konservativen Volkspartei ÖVP (vor dem 2. Weltkrieg unter dem Namen Christlichsoziale Partei) sowie der sozialdemokratischen SPÖ (vorher Sozialdemokratische Arbeiterpartei Österreichs), geprägt. Beide entstanden schon während der Monarchie und erlebten jeweils nach dem 2. Weltkrieg eine Neugründung, der eine intensivierte Zusammenarbeit folgte. Die positiven Auswirkungen dieser Kooperation wurde unter dem Begriff der Sozialpartnerschaft, die negativen als Parteipolitischer Proporz bekannt. Drittes, allerdings wesentlich kleineres, parteipolitisches Kontinuum ist das deutschnationale Lager, welches sich in der ersten Republik vor allem in der Großdeutschen Volkspartei, danach in der FPÖ, der Freiheitlichen Partei Österreichs, sammelte. In den ersten Jahren der zweiten Republik spielte auch die Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ) ein Rolle in der Politik des Landes, seit den 60er Jahren ist sie jedoch als Kleinstpartei auf Bundesebene relativ bedeutungslos. Bei regionalen Wahlen, wie zB. in Graz, erreicht sie aber auch heute noch nennenswerte Stimmanteile.
In den 80er-Jahren brach das starre, manchmal auch als hyperstabil bezeichnete Parteiensystem (mit einer der höchsten Dichte an Pateimitgliedern weltweit) auf. Einerseits durch den Eintritt der Grünen Partei auf dem linken Parteienspektrum, andererseits durch die Forcierung der FPÖ als rechtspopulistische Partei. Von der bis zum Regierungseintritt im Jahr 2000 stark wachsenden Partei spaltete sich 1993 das Liberale Forum ab, das allerdings bald wieder von der politischen Bühne verschwinden sollte. Im Jahr 2005 erlebte die FPÖ mit der Gründung des BZÖ ihre zweite Spaltung.
Derzeit besteht die Bundesregierung aus einer Koalition zwischen ÖVP und BZÖ unter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel. Vizekanzler ist derzeit Hubert Gorbach.
Rechtswesen
Die zentrale Privatrechtskodifikation Österreichs, das Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch 1811 (ABGB), ist eine Naturrechtskodifikation, die 1914-1916 unter Einfluss der Historischen Rechtsschule tiefgreifend novelliert wurde. Weit reichende Änderungen erfolgten dann erst wieder ab 1970, insbesondere im Familienrecht. Große Bereiche des Privatrechts sind allerdings außerhalb des ABGB geregelt, wobei viele dieser Sondergesetze im Zuge des "Anschlusses" 1938 aus Deutschland in Österreich eingeführt wurden und nach 1945 in gegebenenfalls entnazifierter Fassung in Österreich beibehalten wurden; so etwa das Ehegesetz (EheG), das Handelsgesetzbuch (HGB) und das Aktiengesetz (AktG).
Auch das Verfassungsrecht ist zersplittert, da es - im Gegensatz etwa zum deutschen Grundgesetz - kein Inkorporationsgebot gibt, wonach Verfassungsbestimmungen nur in den Text der Verfassungsurkunde aufgenommen werden dürfen. Als solche kann das Bundesverfassungsgesetz vom 1. Oktober 1920 angesehen werden, welches sozusagen den "Kern" des Bundesverfassungsrechts enthält; daneben bestehen jedoch mehr als 1.300 (!) Verfassungsgesetze und Verfassungsbestimmungen in einfachen Gesetzen sowie Staatsverträge im Verfassungsrang. Als die wichtigsten sind das Staatsgrundgesetz über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger vom 21. Dezember 1867, das Finanz-Verfassungsgesetz vom 21. Jänner 1948, das Neutralitätsgesetz vom 26. Oktober 1955 sowie die Europäische Menschenrechtskonvention vom 4. November 1950 zu nennen.
Das Strafrecht ist in einer modernen Kodifikation, dem Strafgesetzbuch vom 23. Jänner 1974, geregelt. Es kennt außer Strafen auch "vorbeugende Maßnahmen" (= Unterbringung von geistig abnormen, entwöhnungsbedürftigen oder potentiell rückfälligen Tätern in entsprechende Anstalten), beide dürfen nur wegen einer Tat verhängt werden, die schon zur Zeit ihrer Begehung mit Strafe bedroht war (Nulla poena sine lege, § 1 StGB). Die Todesstrafe ist im ordentlichen Verfahren seit 1950, im außerordentlichen Verfahren seit 1968 abgeschafft.
Die Gerichtsbarkeit wird in Zivilrechts- und Strafrechtssachen von Bezirksgerichten, Landesgerichten, Oberlandesgerichten und dem Obersten Gerichtshof als höchste Instanz wahrgenommen. Die Gerichtsbarkeit des öffentlichen Rechts wird vom Verwaltungsgerichtshof und vom Verfassungsgerichtshof wahrgenommen.
siehe auch: Gerichtsorganisation in Österreich
Militärische Landesverteidigung
Hauptartikel: Österreichisches Bundesheer.
Die militärische Landesverteidung fußt auf einer allgemeinen Wehrpflicht aller männlichen Staatsbürger im Alter von 17 - 50 Jahren. Frauen können einen freiwilligen Wehrdienst ableisten. Das Bundesheer besteht aus ca. 35.000 Mann im Präsenzstand und ca. 75.000 Mann der Miliz. Der Präsenzdienst dauert bisher acht Monate und ab 1. Jänner 2006 sechs Monate. Bis zum Jahr 2009 wird voraussichtlich die allgemeine Wehrpflicht abgeschafft und durch ein Berufsheer ersetzt.
Die Hauptaufgaben des Bundesheeres sind:
- Militärische Landesverteidigung
- Schutz der verfassungsmäßigen Einrichtungen sowie der demokratischen Freiheiten der Bürger
- Aufrechterhaltung der Ordnung und Sicherheit im Inneren
- Hilfeleistung bei Elementarereignissen und Unglücksfällen außergewöhnlichen Umfanges
- Hilfeleistung im Ausland
Wehrpflichtige, die einen Wehrdienst aus Gewissensgründen ablehnen, können einen Zivildienst ableisten. Dieser dauert zwölf Monate und ab 1. Jänner 2006 neun Monate.
Staatsverschuldung
Die Verschuldung des Gesamtstaates einschl. Parafisken wird 2005 ihren bisher höchsten Stand mit 154,86 Mrd. EUR erreichen, danach sollen die Schulden über 154,500 (2006) auf 154,200 Mrd. EUR (2007) zurückgeführt werden. Die Schuldenstandsquote wird für 2005 mit 63,3% veranschlagt (durch die Revision der VGR (Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung) fällt der Quotient niedriger aus als bisher). 1995 - im Jahre des EU-Beitritts - lag sie noch bei 69,2%.
Das Maastricht-Ziel eines Schuldenstands von höchstens 60% des BIP hatte Österreich zuletzt - vor dem Beitritt zur EU - 1992 erreicht.
Bundeshaushalt
Der Bundeshaushalt 2005 sieht bei Ausgaben in Höhe von 64,001 Mrd. EUR Einnahmen von 58,866 Mrd. EUR vor, so dass sich ein Defizit in Höhe von 5,135 Mrd. EUR oder 2,1% des BIP ergibt.
Infrastruktur
Verkehr
Die Verkehrsinfrastruktur ist geprägt einerseits durch die Lage in den Alpen und andererseits durch die zentrale Lage in Mitteleuropa. Dies gilt für Straßen- und Bahnverbindungen gleichermaßen. Die logistische Erschließung der Alpen erfordert viele Tunnel- und Brückenbauten, die extremen Witterungsbedingungen standhalten müssen. Durch die zentrale Lage gilt Österreich als typisches Transitland, vor allem in Nord-Süd- und Nord-Südost-Richtung, durch die Öffnung des Eisernen Vorhangs auch in Ost-Westrichtung. Das bedeutet aber oft eine wesentlich größere Dimensionierung der Verkehrswege, auch in ökologisch sensiblen Gebieten, was oft zu Widerständen der Bevölkerung führt.
Um diese Gratwanderung zwischen Ökonomie und Ökologie zu bewältigen, sind oft Maßnahmen notwendig, welche dem Land eine Vorreiterrolle im Umweltschutz gebracht haben, vor allem am Kraftfahrzeugsektor. Es wurde in der Alpenrepublik beispielsweise vergleichsweise früh gesetzlich vorgeschrieben, in jedem Kraftfahrzeug einen Katalysator einzubauen. Ebenso wurden auf bestimmten Strecken nur Lärmarme LKW zugelassen. Durch verschiedene Deregulierungen fühlen sich die Bewohner jedoch in bestimmten Regionen, wie im Inntal, von den verkehrsregelnden Institutionen auf nationaler und internationaler Ebene, vor allem von der EU, im Stich gelassen.
Straßenverkehr
Das österreichische Straßennetz umfasst derzeit:
- 2.000 km Autobahnen und Schnellstraßen
- 10.000 km Straßen mit Vorrang (früher Bundesstraßen)
- 24.000 km Landesstraßen
- 70.000 km Gemeindestraßen
Das Straßennetz ist großteils in öffentlicher Hand, wobei auf Autobahnen und Schnellstraßen die PKWs mit so genannten Mautvignetten und die LKWs kilometerabhängig durch die ASFINAG bemautet werden.
Siehe: Straßensystem in Österreich, Liste der Autobahnen und Schnellstraßen in Österreich, Liste der österreichischen Kfz-Kennzeichen
Schienenverkehr
Liste der österreichischen Kfz-Kennzeichen
Der größte Teil der Eisenbahnstrecken wird durch die Österreichische Bundesbahnen (ÖBB) betrieben. Ein geringerer Teil wird durch Privatbahnen, die aber auch teilweise im Besitz der Bundesländer sind, befahren.
S-Bahnen gibt es derzeit nur in der Hauptstadtregion Wien und in Salzburg. Weitere S-Bahn Systeme sind für die Städte Graz, Linz und Innsbruck geplant.
Die einzige U-Bahn Österreichs befindet sich in Wien. Des weiteren besitzt die Linzer Straßenbahn einige unterirdische Stationen.
Straßenbahnverkehr gibt es in den Städten Wien, Graz, Linz, Innsbruck und Gmunden.
Schiffsverkehr
Der Personenschiffsverkehr dient hauptsächlich dem Tourismus und findet sowohl auf der Donau, als auch auf den größeren Seen statt. Meist werden die Gewässer nur im Sommerhalbjahr befahren. Im Güterverkehr wird nur die Donau genutzt, die durch den Bau des Rhein-Main-Donau-Kanals wesentlich aufgewertet wurde und so viel Transitverkehr von der Nordsee bis ans Schwarze Meer aufnehmen kann. Hauptsächlich werden Schüttgüter befördert. Die wichtigsten Häfen sind Linz, Krems und Wien.
Flugverkehr
Die größte nationale Fluggesellschaft ist die Austrian-Gruppe (Austrian Airlines, Lauda Air, Austrian Arrows). Mit FlyNiki besitzt Österreich seit 2003 auch eine Billigflugairline. Wichtigster Flughafen ist der Flughafen Wien-Schwechat, daneben sind Graz, Linz, Klagenfurt, Salzburg und Innsbruck internationale Anbindungen.
Energieversorgung
Hauptartikel: Energieversorgung in Österreich
Energieversorgung in Österreich
Elektrische Energie
Die Elektrische Energie wird zum größten Teil aus Wasserkraft, sowohl aus Laufkraftwerken an der Donau, der Enns, Drau und vielen kleineren, als auch aus Pumpspeicherkraftwerken, wie Kraftwerk Kaprun oder Maltakraftwerke hergestellt. Zur Deckung von Spitzenstrom werden auch Gaskraftwerke betrieben.
Strom aus Atomkraftwerken wird auf Grund des Atomsperrgesetzes nicht hergestellt. Das einzige Kernkraftwerk wurde zwar in Zwentendorf errichtet, ging aber nach einer Volksabstimmung 1978 nie in Betrieb.
Die Verteilung erfolgt hauptsächlich durch neun Landesgesellschaften, die auch die letzte Meile zum Endverbraucher haben. Daneben gibt es einige kleinere Versorger, die meist auch im Besitz der öffentlichen Hand sind.
Gasversorgung
letzte Meile
Bei der Erdgasversorgung ist Österreich weitgehend vom Ausland abhängig. Traditionellerweise ist die Hauptversorgung aus Russland. Verhältnismäßig kleine Erdgaslager befinden sich im Marchfeld und Weinviertel, wo sich auch unterirdische Pufferspeicher als Sicherheitslager befinden.
Die Verteilung erfolgt ebenfalls über neun Landesgesellschaften.
Ölversorgung
Dasselbe gilt für das Erdöl. Hauptimportland ist dabei Libyen. Die größte Raffinerie befindet sich in Schwechat und wird von der OMV AG betrieben.
Rechtliche und soziale Infrastruktur
Schule und Ausbildung
Siehe: Schulsystem in Österreich, Liste bedeutender Österreicher, Österreichische Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen, Schülerzeitung
Notrufdienste
Polizei
Österreichweit wurde 2005 die für ländliche Gebiete zuständige Bundesgendarmerie mit den in den Städten vorhandenen Bundessicherheitswachekorps und Kriminalbeamtenkorps zum neuen Wachkörper Bundespolizei zusammengelegt. Dadurch wurde versucht, Zweigleisigkeiten in der Organisation zu beseitigen und die Effizienz zu erhöhen. Der Beweis dieses Anspruchs konnte bis dato nicht erbracht werden.
Feuerwehr
Das österreichische Feuerwehrensystem basiert fast vollständig auf Freiwilligen Feuerwehren. Nur in den sechs größten Städten wird der Brandschutz von Berufsfeuerwehren wahrgenommen.
Hauptartikel:Feuerwehr in Österreich
Rettungsdienst
Bei Unfällen mit Verletzten wird in Österreich die Rettung informiert. Vor allem in den ländlichen Gebieten übernimmt das Österreichische Rote Kreuz den Rettungsdient. Daneben unterhalten andere Hilfsorganisationen wie des ASBÖ oder die Johanniter Rettungswachen. In Wien teilen sich die städtische Wiener Rettung und die Hilfsorganisationen die Aufgabe. Rettungshubschrauber spielen eine sehr wichtige Rolle im österreichischen Rettungsdienst. Das Land dürfte über die größte Dichte an Rettungshubschraubern weltweit verfügen. Flächendeckend stellt der Christophorus Flugrettungsverein des ÖAMTC 16 Hubschrauber. Daneben sind vor allem in den Tourismus-Regionen mehrere private Anbieter tätig. Siehe auch Luftrettung.
Wetterdienst
Wetterstationen befinden sich übers ganze Land verteilt, in größeren Städten und in allen Landeshauptstädten. Die nationale Einrichtung für meteorologische und geophysikalische Dienste ist die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) mit mehreren Zweigstellen in den Bundesländern. Die aktuellen Wetterdaten und Wetterentwicklungen lassen sich, auf Internetseiten gesammelt, für viele Orte abrufen und außerdem über Radio und Fernsehen verfolgen. In Zukunft soll außerdem ein zuverlässiger Unwetterwarndienst im Internet angeboten werden. Zusätzlich gibt es noch die Flugwetterdienste oder spezielle Systeme, wie das Blitzortungssystem ALDIS, die auch mit der ZAMG zusammenarbeiten und Daten austauschen.
Medien
Hauptartikel: Medien in Österreich
Wirtschaft
Hauptartikel: Österreichische Wirtschaft
In Österreich waren 2001 3.420.788 Personen in 396.288 Arbeitsstätten beschäftigt. Die größte Börse in Österreich ist die Wiener Börse, dessen größter Index der ATX ist.
Land- und Forstwirtschaft
Österreich hat eine sehr kleinstrukturierte Landwirtsch
GenreGenre [] ist ein Synonym der Kunstwissenschaft für Kunstgattung oder einfach Gattung.
Darunter versteht man eine Typologie, mit der Kunstwerke, Musik und Literatur, aber auch Filme, sowie Computer- und Videospiele nach dem räumlichen und zeitlichen Bezug des künstlerischen Inhalts eingeteilt werden. So gibt es beispielsweise das Genre der Science-Fiction oder des Westerns im Film wie in der Literatur.
Die Genremalerei befasst sich mit Alltagsszenen, auch anekdotischen Szenen, eines bestimmten Bereiches, zum Beispiel dem Wirtshaus.
Sub-Genre
Oftmals werden Genre weiter spezifiziert in "Subdivided Genres" (engl. für "unterteilte Genre"), kurz Sub-Genre. Dies führt häufig zu weitreichenden Verästelungen:
- beispielsweise Musikgenre: Rockmusik -> Sub-Genre: Heavy Metal -> Sub-Genre: Black Metal -> Sub-Genre: Viking Metal
Sobald bei Werken Sub-Genres möglich sind, sollte man aber eher von Kategorien sprechen.
Eine Auflistung verschiedener Genres
siehe Gattung (Poesie/Literatur)
- Alternativweltgeschichte
- Aphorismen
- Belletristik
- Biographie
- Exilliteratur
- Frauenliteratur
- Satire
- Science Fiction
- Utopische Literatur
- Fantasy
- Phantastische Literatur
- Märchen
- Kinder- und Jugendliteratur
- Trivialliteratur
- Heimatroman
- Liebesroman
- Verführungsroman
- Krimi
- Lyrik
- Poesie
- Erotische Literatur
- Historischer Roman
- Horrorliteratur
- Wildwestroman
- Zukunftsliteratur
- Komödie (Lustspiel)
- Tragödie (Trauerspiel)
- Drama
- Besserungsstück
Einige Beispiele (für eine genauere Liste siehe Filmgenre):
- Abenteuerfilm
- Actionfilm
- Film Noir
- Horrorfilm
- Kampfkunstfilm ("Eastern")
- Musical
- Komödie
- Kriegsfilm
- Krimi
- Porno
- Road Movie
- Science-Fiction
- Sitcom (Situationskomödie)
- Thriller
- Western
- Hörspiel
- Feature
siehe Formenlehre (Musik), Gattung (Musik), Stilrichtungen der Musik
- Actionspiel
- Adventure
- Strategie
- Rollenspiel (Abk.: RPG)
- Simulation
- Ego-Shooter
Siehe auch: Genre-Theorie, Liste von Computerspielen nach Genre
Literatur
- Otto Knörrich, Lexikon der lyrischen Formen, Kröner Verlag 2005 ISBN 3520479028
Weblinks
- [http://gutenberg.spiegel.de/info/genre.htm Auswahl von digitalisierter Literatur nach Genres] (Projekt Gutenberg-DE)
Kategorie:Kunst
!Genre
!Genre
Kategorie:Literarischer Begriff
Kategorie:Musikglossar
ja:ジャンル
Neue Deutsche WelleDie Neue Deutsche Welle (NDW) ist die Bezeichnung für die ab 1976 aufgekommene deutschsprachige Variante von Punk und New Wave. Die erste Erwähnung des Begriffes „Neue Welle“ findet sich im 1977 erschienenen Fanzine „Die 80er Jahre“ des Joseph-Beuys-Schülers Jürgen Kramer und dürfte den damaligen Musikjournalisten (und späteren Labelbetreiber) Alfred Hilsberg inspiriert haben, diesen im Oktober 1979 erschienenen Artikel „Neue Deutsche Welle – Aus grauer Städte Mauern“ für die Zeitschrift Sounds zu übernehmen.
Geschichte
Die Geschichte der Neuen Deutschen Welle kann man in zwei Abschnitte einteilen, die durch ihre jeweiligen Träger am besten zu charakterisieren sind.
Phasen der Untergrundmusik
Im ersten halben Jahrzehnt bis ca. 1981 war die Neue Deutsche Welle, obwohl sie damals noch nicht so hieß, eine Untergrundbewegung, deren Ursprünge auf die britischen Punk- und New-Wave-Musik zurückgehen. Sehr schnell entstand aus diesen Anfängen eine originäre Formensprache, die stark geprägt war von der (im Vergleich zum Englischen) eckigeren und kantigeren Rhythmik der deutschen Sprache, für die sich ein großer Teil der Bands bereits früh entschieden hatte.
Diese Phase ist geprägt von der Selbstvermarktung - die Künstler brachten in eigener Regie Tonträger heraus.
Phase der Musikindustrie
Die Eigenwilligkeit der Bands und ihrer Musik führte dazu, dass die Musikindustrie ab ca. 1980 sich zwar der NDW zuwandte, aber rasch vom Versuch abging, die eigentlich damit verknüpften Bands zu fördern. Stattdessen wurden entweder deutsch singende Bands unter Vertrag genommen, die mit der NDW ansonsten nichts gemein hatten, oder One-Hit-Wonders bekamen den Zuschlag. All diese Projekte wurden mit einem erfolgversprechenden Etikett, nämlich dem der Neuen Deutschen Welle (NDW) versehen. Das beste Beispiel für diese Vermarktungskampagne und die daraus resultierenden Erfolge stellt Trio dar, später auch UKW und Nena.
Neben der kommerziellen Schiene belebte aber die Verbindung der Musik zur bildenden Kunst die NDW; die Wilden Tiere waren ein Projekt des Künstlers Salome, Jürgen Neu + Claudia Skoda (erfolgreiche Modedsignerin) beeinflussten die Berliner Avantgarde um die Neubauten, Manuel Göttsching, Klaus Schulze + Rainer Bloss, DAF kamen aus der Düsseldorfer Kunstszene, in Nürnberg schuf Peter Engl (Kunstakademiestudent) das Institut für aesthetische Grenzbereiche...dieser Teil der NDW konnte sich den Vermarktungsmechanismen der Industrie durch die Rückbesinnung auf die Kunst entziehen und überleben.
Im öffentlichen Auftreten wurde immer wieder das Image des Menschen von der Straße, der Herkunft aus kleinen Verhältnissen, der Musik aus dem Bauch heraus und das Prinzip der Einfachheit in Denken und Sprache in den Vordergrund gestellt. Dadurch wurde insbesondere die Jugend in den Altersstufen von 12 bis 18 als bevorzugtes Publikum angesprochen. Das Gros der Stars der NDW konnte unter dem Aspekt "ein Mensch wie du und ich" bei den Fans punkten.
Abschwung
Innerhalb kürzester Zeit führte die Entwicklung der zunehmenden Kommerzialisierung durch die Musikindustrie bei den tatsächlichen Urhebern des Trends, den Untergrund-Bands, zu Frustration und die ehemalige Bewegung zerfiel rasant. Ein weiterer Grund für den Zerfall der Bewegung stellten die Blödellieder dar, die nach dem Erfolg von Trio mit „Da, Da, Da“ überhand nahmen. Viele Musiker der Frühzeit beendeten ihre kaum begonnenen Karrieren wieder, nur wenige Projekte überlebten. Die durch die Musikindustrie zum kurzlebigen Modetrend degenerierte NDW ging so bereits 1982/1983 wegen der Übersättigung des Marktes und ihrer stereotypen, ideenlosen Formen zu Ende.
Historische Bedeutung
Historisch interessant ist, dass mit der NDW zum ersten Mal nach dem Krieg deutschsprachige Musik in der Jugendsubkultur wieder populär wurde. (Der Deutsche Schlager hingegen richtete sich an weitaus grössere Bevölkerungsschichten, war als Phänomen deutlich langlebiger und zeigte sich kultivierter.) Die NDW führte dazu, dass sich im Anschluss auch erstmals deutsche Musiker kommerziell etablieren konnten, auch wenn sie stilistisch nicht eigentlich der NDW zuzuordnen waren. Zu nennen wären hier z. B. BAP, Heinz Rudolf Kunze oder Herbert Grönemeyer.
Die NDW bildete insofern auch immer wieder einen Anknüpfungspunkt für neue musikalische Bewegungen, so z.B. die Hamburger Schule oder die sogenannte Neo-NDW.
1976 bis 1981
Die NDW dieser Jahre hatte im wesentlichen 5 Zentren:
- West-Berlin
- Düsseldorf
- Hamburg
- Hannover
- Hagen
Bands und Musiker der NDW
Untergrund-NDW
Kommerziell erfolgreiche NDW
Allgemein kann gesagt werden, dass die NDW keinen einheitlichen Musikstil darstellte, sondern sehr mannigfaltig war. Es lassen sich für viele der Künstler Attribute finden, die sie von der Masse der Künstler unterscheiden würden, jedoch war vor allem die deutsche Sprache, die relative Kurzlebigkeit, kurzzeitigen Erfolge (selten mehr als 3 Hits) und die häufige Rohheit aber auch Minimalismus und Sanftheit der Darbietungen gekennzeichnet. Nur wenige der Künstler sind heute (2005) noch musikalisch aktiv und nur ganz wenige konnten nach der NDW noch ein Comeback verzeichnen.
Literatur
- Jürgen Teipel (Hrsg.): Verschwende Deine Jugend. Ein Doku-Roman über den deutschen Punk und New Wave. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-518-39771-0
- Christian Graf: Das NDW-Lexikon. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2003, ISBN 3-89602-529-5
- M.O.C. Döpfner, Thomas Garms: Neue deutsche Welle - Kunst oder Mode?, Ullstein, Frankfurt am Main/Berlin/Wien 1984, ISBN 3-548-36505-1
Siehe auch
- Deutschsprachige Musiker
Weblinks
- [http://www.ichwillspass.de/ www.ichwillspass.de - Webseite rund um Bands und Geschichte der NDW]
Kategorie:Musikgenre
SchlagerAls Schlager werden ganz allgemein leicht eingängige instrumentalbegleitete Gesangsstücke mit wenig anspruchsvollen, oftmals humoristischen oder sentimentalen Texten bezeichnet. Seit den 1940er Jahren macht sich bei den Schlagern auch immer mehr der Einfluss von jazzigen Rhythmen und Harmonien bemerkbar. Somit ist der Schlager ein Ohrwurm, ein industriell gemachtes volksnahes Liedchen, eine harmonische Melodie mit einfachem Text, die beim Publikum ein"schlägt" und sei es auch als so genannte Schnulze.
Der Gassenhauer oder der Versuch einer Definition des Schlagers
Schnulze
Nachweislich ab dem ausgehenden Mittelalter gab es scherzhafte oder auch derbe Lieder, die im einfachen Volk kursierten und von der Kunstmusik entweder ignoriert oder assimiliert wurden – z. B. als Kirchenlied mit neuem Text oder als versteckte musikalische Grundlage von geistlicher Figuralmusik. Die Erfindung des Notendrucks mit Typenhebeln im 16. Jahrhundert ermöglichte erstmals die massenhafte und europaweite Verbreitung von Musik, so dass Melodien wie "Pavane de Spaigne/La Spagnoletta", "La Follia" u. v. a. allbekannt wurden.
Der Begriff des Schlagers im heutigen Sinne entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Die Erfindung des Grammofons sowie die aufkommende Filmindustrie trugen schnell zu seiner Verbreitung bei. Er ist somit ein Produkt der Industriegesellschaft. Allein seine Schnelllebigkeit zeigt, dass er eher eine Ware darstellt, als ein auf Dauer setzendes Kunstwerk. Der Schlager sucht das Massenpublikum, indem er in den Texten Wunschträume anspricht, die er als Botschaften in Kehrreimen immer wieder wiederholt. Musikalisch richtet sich der Schlager meist nach der jeweils herrschenden Tanzform. Einfache Rhythmen und Melodiefolgen, die auf schnelle Wiedererkennung angelegt sind, bestimmen seinen Charakter.
In Frankreich sowie im Französisch sprechenden Teil Belgiens werden Schlager entgegen dem deutschen Sprachgebrauch nicht chansons genannt (dies ist vielmehr ein Ausdruck für Lieder mit literarischem Anspruch), ebenso wenig chansons à la mode (diesen veralteten Ausdruck findet man allenfals noch in alten Lexika), sondern variétés; entsprechend heißen die Schlager im Italienischen nicht canzone (dies ist vielmehr die Entsprechung der französischen chansons), sondern brani (Einzahl brano).
Theodor W. Adorno, der bekannte Frankfurter Musikwissenschaftler, Philosoph und Soziologe sagte einmal über die Wirkung des Schlagers und seine gesellschaftliche Funktion: "Schlager beliefern die zwischen Betrieb und Reproduktion der Arbeitskraft Eingespannten mit Ersatz für Gefühle überhaupt, von denen ihr zeitgemäß revidiertes Ich-Ideal sagt, sie müssten sie haben."
Wie immer man auch zur Kritischen Theorie stehen mag, die Definition von Schlager, wie sie ursprünglich einmal bestand, ist heute äußerst schwer geworden. Der Schlager, der als Musikstück eingeschlagen hat und der von einer breiten Bevölkerungsschicht auch als solcher Akzeptanz findet, existiert nicht mehr. Der Musikgeschmack ist differenzierter geworden. Man sollte deshalb von einer gültigen Definition absehen und heutzutage eher von Schlager für Popliebhaber, Schlager für Volksmusikfans oder auch Schlager für Ethno-Rock-Fetischisten und was es alles noch an Stilrichtungen gibt, sprechen. Die Entwicklung dorthin jedoch war nur eine Einzige.
Geschichte
"Ich lade gern mir Gäste ein" oder: Wie alles begann (1900 – 1919)
Soziologe
Die ersten deutschsprachigen Schlager finden sich in den zahlreichen Operetten, die um 1900 in Wien "einschlugen". Johann Strauß, Sohn und Vater, belieferten die unterhaltungssüchtigen besseren Stände mit Operettenmelodien. Allein "Die Fledermaus", der Gipfel der klassischen Wiener Operette sprudelt nur so über von Ohrwürmern: Alfreds Lied Täubchen, das entflattert ist, Graf Orlowskys Couplet 's ist mal bei uns so Sitte, Rosalindes Csárdás und Adeles Ariette Spiel ich die Unschuld vom Lande, Alfreds Trinklied Trinke, Liebchen, trinke schnell und der Abgesang Glücklich ist, wer vergisst. Fast 500 Werke umfasst sein Lebenswerk.
Doch auch Berlin, das deutsche Operettenzentrum hatte seine Gassenhauerkomponisten. Der bekannteste war Paul Lincke (1866-1946), der mit 'Frau Luna' 1899 seinen größten Erfolg hatte. Einzelne Lieder von Lincke waren jahrzehntelang "Hits": Das macht die Berliner Luft, Luft, Luft, das Glühwürmchen-Idyll Glühwürmchen, Glühwürmchen glimmre, Glühwürmchen, Glühwürmchen schimmre aus 'Lysistrata' und Schlösser, die im Monde liegen. Eduard Künnekes (1885-1953) Der Vetter aus Dingsda, 1921 in Berlin uraufgeführt mit dem Lied des Fremden Ich bin nur ein armer Wandersgesell und dem Tango Kindchen, du musst nicht so schrecklich viel denken.
Eduard Künneke
"Eine Miezekatze hat 'se" oder: Aus dem Ballsaal in das Filmtheater (1920 – 1933)
Die 20er - und der Beginn der 30er Jahre waren von der Erfindung und raschen Verbreitung des Tonfilms geprägt. Dadurch wurden die verschiedensten Schlager und Melodien nun auch einem breiteren Publikum zugänglich.
Die Texte der Lieder sind oftmals von eher fragwürdiger Qualität und erinnern in Ansätzen sogar an den Dadaismus.
Dazu gehören z. B. Reime wie Was macht der Mayer am Himalaya und Unter den Pinien von Argentinien, sowie Mein Onkel Bumba aus Kalumba und Mein Papagei frisst keine harten Eier.
Dadaismus
Auch eine gewisse zweideutige Frivolität (siehe Überschrift: Eine Miezekatze hat se) kann man den Texten nicht absprechen. Wenn es in einem Stück heißt: Veronika der Spargel wächst oder Ich hab das Fräulein Helen baden sehn und gar Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben, dann bezeugt das zum einen die so genannten Wilden Zwanziger, zum anderen aber auch eine aufkommende Aufgeklärtheit und Emanzipation. Sehr populär und auch heute noch oft zu hören ist der bekannte Schlager Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt. In den Ballsälen wurde Swing und Charleston, sowie der Skandaltanz Shimmy getanzt.
Bekannte Vertreter dieser Art Musik waren vor allem die Comedian Harmonists, Marlene Dietrich, Fritzi Massary (Josef, ach Josef, was bist du so keusch), Max Pallenberg, Zarah Leander, Liane Haid und Lilian Harvey. Es war auch kein Wunder, dass gerade die Kirchen gegen diese Art der Vergnügung scharf zu Felde zogen, wenn Texte wie der folgende auf der Straße oder bei Veranstaltungen gesungen wurden:
:"Lieber Schatz", sprach er, "Du bist mein Süßchen.
:Werd doch mein, und zwar im Gänsefüßchen.
:Lieber Schatz, was soll ich dir erzählen.
:Schau, ich könnt' für dich vom Hund das Futter stehlen.
:Glaube mir, ich sag das nicht zu jeder.",
:sprach er leis' und küsste eine Feder.
:"Sei doch lieb und werd' nicht immer spröder.
:Es ist Mai, komm leg' mit mir ein Ei."
Doch bald sollte es vorbei sein mit Textpassagen wie Dein Wesen war einst treudeutsch germanisch. Auf einmal ist es ausgesprochen spanisch aus dem Schlager der Comedian Harmonists Mein lieber Schatz bist du aus Spanien. Viele jüdische Künstler verließen Deutschland, zum Teil weil sie ahnten was geschehen würde oder auch weil sie bereits von Auftrittsverboten betroffen waren. Bis zur Olympiade in Berlin 1936 gab sich das Naziregime nach außen hin noch liberal. Danach begann eine gnadenlose Verfolgung.
"Lili Marleen" oder: Die Nazis und der Schlager (1933 – 1945)
1936]
Im Dritten Reich fiel auch der Schlager der Gleichschaltung zum Opfer und musste für Propagandazwecke herhalten. Die leicht frivolen Texte der zurückliegenden Jahre verschwanden, die Film- und Schallplattenindustrie fielen unter staatliche Aufsicht, wie sie im Spielfilm Comedian Harmonists von Joseph Vilsmaier anschaulich geschildert wird. Vor allem jüdische Musiker wie die Comedian Harmonists erhielten Auftrittsverbot. Fritz Löhner-Beda, der Autor von Operetten wie Das Land des Lächelns und der Blume von Hawaii, der die Texte für zahlreiche Schlager, darunter Ausgerechnet Bananen, Was machst du mit dem Knie lieber Hans? Wo sind deine Haare, August? und In Nischni-Nowgorod schrieb, wurde 1942 in Auschwitz ermordet. Fritz Grünbaum, der Autor des berühmten Titels Ich habe das Frl. Helen baden sehn wurde in Dachau ermordet. Die Juden Alfred Grünwald, Fritz Rotter (Maier am Himalaya) und Walter Jurmann (Veronika, der Lenz ist da und Olga, Tochter der Wolga), Robert Gilbert, Komponist und Texter des auch noch nach dem Kriege viel gesungenen Hits Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehn sowie Robert Stolz (Was kann der Sigismund dafür dass er so schön ist?) emigrierten und mit ihnen emigrierte auch das Anzügliche, Frivole und Witzige. Zurück blieb lediglich ein schallender arischer Humor. Andere Interpreten und Schauspieler, wie Marika Rökk oder Johannes Heesters wurden oft unwissentlich für Propagandazwecke eingespannt.
Gerade gegen Ende des Krieges, als die Alliierten bereits mit der Bombardierung begonnen hatten, wurden explizit Texte gesucht, die der deutschen Bevölkerung wieder Mut machen sollten. Goebbels ließ sogar einen regelrechten Wettbewerb stattfinden. Daraus resultierten dann Texte wie Davon geht die Welt nicht unter. Auch das Lied Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn ebenfalls gesungen von Zarah Leander oder auch der eigentlich harmlos klingende Song von Heinz Rühmann: Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern wurden, obwohl bereits 1941 bzw. 1939 erstmals aufgenommen, wieder ausgepackt und vermehrt im Rundfunk dargeboten.
Auch der weltberühmt gewordene Schlager Lili Marleen, zuerst gesungen von Lale Andersen fiel in diese Zeit. Das bereits 1915 getextete und 22 Jahre später vertonte Lied sollte laut Goebbels zuerst als Marsch gespielt werden. Frau Andersen weigerte sich, und als es dann zufällig im Rundfunk 1941 gespielt wurde, war der Siegeszug der Melodie nicht mehr aufzuhalten. Wegen seines unheilvollen Charakters wurde das Abspielen von Lili Marleen im Großdeutschen Reich schon bald verboten. Allerdings hinderte das den Sender Belgrad nicht, es weiter zu verbreiten und alsbald entstanden auch nichtdeutsche Fassungen.
"Ich fahr' mit meiner Lisa" oder: Otto Normalverbraucher und seine Musik (1945 – etwa 1955)
Als nach dem Kriege die ersten Rundfunkstationen wieder genehmigt wurden, begann auch die Plattenindustrie wieder zu produzieren. Manchmal waren es einfach als Faschingslieder komponierte Songs, die sich über die närrische Zeit hinaus behaupteten. Dazu zählt auch das in der Überschrift angesprochene Lied das zuerst von Jupp Schmitz 1949 gesungen wurde: Ich fahr mit meiner Lisa, zum schiefen Turm von Pisa oder später auch Wer soll das bezahlen und Am 30. Mai ist Weltuntergang.
In der so genannten Nachkriegszeit war der musikalische Geschmack des Otto Normalverbrauchers (Figur aus dem Film Berliner Ballade (1948), dargestellt von einem schlanken Gert Fröbe) bunt gemischt. Dabei erstreckten sich die Lieder über so unterschiedliche Themenbereiche wie das Mariandl (1947), das eher österreichisch daherkam, über den Theodor im Fußballtor (1948 zuerst gesungen von Margot Hielscher, später wurde Theo Lingen damit sehr bekannt), bis zum eher kabarettwürdigen Couplet: Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien. Mit Trizonesien war das damals noch dreigeteilte Westdeutschland gemeint.
Trizonesien
Interpreten dieser Zeit waren Ivo Robic (Morgen 1959), Bruce Low (Das alte Haus von Rocky Docky, Pferdehalfter), Margot Eskens (Tiritomba 1956 und Cindy, oh Cindy 1957), sowie der gerade mit seiner Karriere startende Peter Alexander zusammen mit Leila Negra und ihrem viel gespielten Titel: Die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere (die deutsche Fassung des italienischen Papaveri e papere von Nilla Pizzi).
Auch Caterina Valente und Lys Assia versuchten mit Liedern wie Ganz Paris träumt von der Liebe (1955) oder Oh mein Papa (1954) nach dem verlorenen Krieg die Stimmung einer heilen Welt zu verbreiten. "Gehn sie mit der Konjunktur" hieß die Aufforderung im Konjunktur-Cha-Cha von Hazy Osterwald Sextett und die Menschen hielten sich daran. Der Plattenspieler wurde bald ein begehrtes Gerät.
"Heimatlos" oder: Im Goggomobil nach Rimini (ca. 1955 – etwa 1962)
Was bewog die Bundesdeutschen gegen Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre ihre Urlaube im Süden, bevorzugt in Italien zu verbringen?
Nun, zum einen war es sicherlich das so genannte Wirtschaftswunder, das den Arbeitern und Angestellten mehr Geld ins Portemonnaie spülte, zum anderen war es aber auch die Sehnsucht nach Bella Italia, nach dem Land, wo die Zitronen blühn. Friedel Hensch & die Cyprys hatten es 1953 in ihrem Schlager Ja, für eine Fahrt ans Mittelmeer bereits prognostiziert.1953 So fuhren im Jahre 1956 etwa 4,5 Millionen Deutsche mit Heinkel-Rollern, VW-Käfer und Goggomobil in den Süden auf der Suche nach einer heileren Welt. Auch in der Schlagerwelt findet dies seinen Niederschlag.
Möglicherweise hatte Rudi Schuricke mit dem bereits 1943 aufgenommenen, aber erst 1950 zum Hit avancierten Schlager: Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt (auch bekannt geworden unter dem Titel: Caprifischer) bereits den Grundstock für die Suche nach Harmonie, Süden, Meer und Glück gelegt. Arrivederci Roma und O mia bella Napoli gesungen von Lys Assia, Rocco Granata mit seinem Hit Marina oder auch die in Deutschland überaus populäre Caterina Valente mit Ciao, ciao Bambina sind nur wenige Beispiele. René Carol erhielt mit Rote Rosen, rote Lippen, roter Wein gar die erste Goldene Schallplatte der Nachkriegszeit. Selbst in der DDR gab es Italien-Schlager, so z. B. A-mi-amore von Günter Hapke.
Günter Hapke
Seemannslieder und Meeresballaden hatten Hochkonjunktur. Zu nennen ist hier insbesondere Freddy Quinn, der wochenlang die Hitparaden mit seinen Schlagern: Die Gitarre und das Meer, Junge komm bald wieder und Unter fremden Sternen besetzt hielt. Aber auch die Österreicherin Lolita mit ihrem Hit, der sogar in japanische und in die US-Charts gelangte: Seemann, deine Heimat ist das Meer und Lale Andersen mit: Unter der roten Laterne von St. Pauli, Blaue Nacht am Hafen oder Ein Schiff wird kommen. In Ostdeutschland war zu dieser Zeit beispielsweise Jenny Petra mit Weiße Wolken, blaues Meer und Du populär.
Ein Schlager, der 1962 aus jeder Musicbox schallte sei hier noch einmal stellvertretend für das Genre des Schlagers gesondert erwähnt: Heißer Sand gesungen von Mina. Der Text ist so undurchsichtig wie vieldeutig und trifft dennoch die Teenager dieser Zeit mitten ins Herz:
: Schwarzer Tino, deine Nina / War beim Rocco schon im Wort
: Weil den Rocco sie nun fanden / Schwarzer Tino musst du fort",
: Heißer Sand und ein verlorenes Land und ein Leben in Gefahr
: Heißer Sand und die Erinnerung daran, dass es einmal schöner war.
: Schwarzer Tino, deine Nina / tanzt im Hafen mit den Boys
: Nur die Wellen singen leise / was von Tino jeder weiß.
: Heißer Sand ... usw.
Teenager
Dies lediglich als ein Beispiel, das, wie ein Schlagerfan einmal bemerkte, deutlich zeige, dass Schlager in drei Minuten etwas erzählen können, wozu ein Romanautor oftmals 300 Seiten benötigt.
Andere große Schlager dieser Zeit, die nicht unbedingt in das "Süden, Sonne, Meer" - Schema passen waren unter anderen:
- Dalida Am Tag als der Regen kam
- Bill Ramsey Souvenirs
- Ralf Bendix Babysitter Boogey
- Gitte Haenning Ich will nen Cowboy als Mann
Ebenfalls zu erwähnen sind hier die damaligen Vorbilder der Teenager Conny (Zwei kleine Italiener) und Peter Kraus (Sugar Sugar Baby), die sowohl im Duett als auch solo mit mehreren Filmen und Schlagertiteln erfolgreich waren. Nicht minder erfolgreich war Ted Herold mit Titeln wie Ich bin ein Mann oder Moonlight.
Beendet wurde diese Ära mit den ersten Erfolgen der Beatles in Deutschland mit Komm gib mir deine Hand und Sie liebt dich, yeah yeah yeah. Während zuvor lediglich Elvis Presley öfter mal die Phalanx der deutschen Nummer 1 - Hits durchbrechen konnte, geschah dies jetzt immer öfter mit englischsprachigen Titeln. Die Schlagerindustrie reagierte darauf.
"Memories of Heidelberg" oder: Deutsch, aber bitte mit "Accent" (ca. 1962 – etwa 1968)
Die Flut der ausländischen Interpreten und Schlagertexte war nicht mehr
aufzuhalten. Die "Globalisierung" der Musikindustrie begann also bereits
Anfang bis Mitte der 1960er Jahre. Jetzt wurden, um dem Publikumsgeschmack Genüge zu tun, englische, französische, skandinavische und italienische Interpreten, die in ihrem Land bereits erfolgreich waren, mit deutschen Texten auf den Markt geschickt. Von den zahlreichen Sängerinnen und Sängern seien hier einige genannt (die Aufzählung enthält keine Wertung und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit):
- Alma Cogan, Tennessee Waltz
- Peggy March, Mit 17 hat man noch Träume; Memories of Heidelberg (1967)
- Gus Backus, Da sprach der alte Häuptling und viele andere. Der Künstler sprach zu diesem Zeitpunkt kein Wort Deutsch.
- Bill Ramsey, Pigalle; Zuckerpuppe - Bill Ramsey war zuvor Jazzsänger und trat in Nachtclubs auf.
- Rita Pavone, Wenn ich ein Junge wär
- Siw Malmkvist, Liebeskummer lohnt sich nicht und viele andere.
- Petula Clark, Casanova kiss kiss
- Billy Mo, Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut
- Nana Mouskouri, Weiße Rosen aus Athen
- France Gall, sprach kein Deutsch und sang die deutsche Version ihres Grand-Prix-Erfolges Poupèe de cire, poupèe de son: Rosaroter Luftballon
- Francoise Hardy, Frag den Abendwind
- Adamo, Es geht eine Träne auf Reisen
- Esther Ofarim, Cinderella Rockefella
- Wencke Myhre, Beiß nicht gleich in jeden Apfel; Knallrotes Gummiboot; Er steht im Tor
Gleichzeitig versuchten sich viele Sportler als Schlagerkünstler. Während der
Hürdenläufer Martin Lauer bereits in den Jahren zuvor mit einer gewissen Musikalität und Liedern wie Taxi nach Texas und Ich sitz so gern am Lagerfeuer erfolgreich war, waren die Erfolge der Eiskunstläufer Marika Kilius Wenn die Cowboys träumen, Hans-Jürgen Bäumler Honeymoon in St. Tropez und Manfred Schnelldorfer Wenn du mal allein bist sowie der Fußballspieler Franz Beckenbauer Gute Freunde und des Torwarts Petar Radenkovic Bin i Radi, bin i König wohl lediglich ihrer sportlichen Laufbahn zu verdanken.
"Aber bitte mit Sahne" oder: mit den 60ern ist noch lang noch nicht Schluss (1968 – 1980)
Der Deutsche Schlager hatte seine Hoch-Zeit in den 1950er, 1960er und 1970er Jahren.
Mitte der 1960er begann die Bedeutung des Schlagers zurückzugehen. Betrachtet man sowohl die Verkaufszahlen als auch die Hitparaden der einzelnen Sender, stellt man fest, dass der Anteil der deutschen Schlager gegen Ende der 1960er Jahre sich der unteren Grenze näherte. Waren 1962 noch fast alle Nummer-1-Hits im einheimischen Idiom gesungen, sank der Anteil 1966 bereits auf 50 % und Ende des Jahrzehnts lag er gerade mal bei fünf bis zehn Prozent. Die Beatmusik der Rock und der Pop eroberten den deutschen Schlagermarkt und die zuvor gefeierten Interpreten fristeten ein Nischendasein. Was nicht heißen soll, dass nicht auch mal der eine oder andere Titel einen Platz in die Top Ten schaffte.
Doch in den 1970er blühte der Schlager nochmals auf, was auch auf die zunehmende Verbreitung von Fernsehgeräten (Olympiade München 1972; Fußball-Weltmeisterschaft 1974) und damit einhergehenden, einschlägigen Musiksendungen zurückzuführen war. Die ZDF-Hitparade, in den 70er quasi die erste Instanz in Sachen Schlagermusik im Fernsehen, präsentierte wöchentlich alte und neue Interpreten und Lieder. Mit dabei waren oft Michael Holm (Mendocino, Tränen lügen nicht, Barfuß im Regen, Lucille), Udo Jürgens (Aber bitte mit Sahne und Mit 66 Jahren) mit seinen zahlreichen Hits oder seine Namensvetterin Andrea Jürgens (Und dabei liebe ich euch beide), eine aus Sicht der Musikindustrie "hoffnungsvolle Vertreterin" der ganz jungen Nachwuchsschlagersängerinnen. Aber auch Chris Roberts (Du kannst nicht immer 17 sein), Cindy & Bert (Immer wieder sonntags), Bernd Clüver (Der Junge mit der Mundharmonika), Jürgen Marcus (Ein Lied zieht hinaus in die Welt) oder Katja Ebstein (Es war einmal ein Jäger, Theater) gehörten zu den "Dauerbrennern" der deutschen Schlagerszene. Gerade in den 70er war die Anzahl der Schlager-One-Hit-Wonders enorm hoch. Auch wenn die von Media Control wöchentlich ermittelte Top-10 der meistverkauften Titel in Deutschland immer häufiger englischsprachige Songs auf den vorderen Plätzen ermittelte, schien der Schlager doch eine sichere Position im Musikgeschmack der Deutschen einzunehmen. Die ab 1971 von Ilja Richter im ZDF moderierte Sendung "Disco" griff daher anfänglich auf einen Mix aus nationalen und internationalen Sängern zurück. Doch die aufkommende Disco-Welle sorgte auch in Deutschland für einen veränderten Musikgeschmack. Die Schlagersänger nahmen sich teilweise der neuen und vor allem schnelleren Rhythmen an und versuchten diese auf das Konzept der Schlagermusik zu übertragen.
Hierbei blieb allerdings auch der Aufwand auf der Strecke, der bis dahin in die Schlagerproduktion gesteckt worden war. Wurden früher noch ausgefeilte Arrangements geschrieben und mit einer Studio-Combo - oft auch noch mit Background-Chor - eingespielt (z.B. Dann schon eher der Piano-Player von France Gall), so übernahm mehr und mehr ein einfacher Synthesizer die komplette Begleitung des Interpreten. Dadurch verloren die einzelnen Titel ihre besondere Unverwechselbarkeit zugunsten einer schnellen und preisgünstigen Produktion.
Neue Entwicklungen oder: "Alles hat ein Ende ..."? (1980 – heute)
Ab Anfang der 80er setzte die so genannte "Neue Deutsche Welle" (NDW) ein, die mit dem Begriff Schlager nur sehr wenig gemeinsam hatte. Immer mehr Schlager wurden aus der Media-Control-Hitparade zu Gunsten der NDW-Songs verdrängt. Und so teilten sich bald englische Songs und NDW-Lieder die Hitparaden. Der Schlager rutschte in den Hitparaden ab, und auch im Radio wurden immer weniger Schlager gespielt, so dass er bald ein Randdasein fristete. Um ihn zu "retten", versuchten sowohl die betroffenen Interpreten als auch die Musikindustrie ihn in den zahlreichen Sendungen der Volksmusik neu zu positionieren.
In den 90er Jahren gab es in Deutschland, ausgelöst durch die neue "alte Modetrends", Kleidung und Accessoires der 70er Jahre, ein Schlager-Revival, z. B. durch Guildo Horn, Dieter Thomas Kuhn oder Petra Perle. Ferner hatten dann - die umpositionierten - eher volkstümlichen Schlager große Erfolge zu verzeichnen.
Die Hits des Deutschen Schlagers wurden bzw. werden z. T. im Zuge des Retro-Trends immer noch verstärkt im Radio oder Fernsehen gespielt.
Die ZDF-Hitparade wurde jedoch im Dezember 2000 eingestellt.
Ein internationaler Wettbewerb für das einfache Lied schlechthin ist der Grand Prix d'Eurovision de la chanson, auch "Eurovision Song Contest" genannt, der 1956 erstmals stattfand und seither jährlich veranstaltet wird. In den letzten Jahren nahmen vermehrt Pop-Titel daran teil. Mit dem herkömmlichen Begriff "Schlager" hatte dieser Wettbewerb somit fast nichts mehr zu tun.
Schlager können sich aus fast allen Musikrichtungen entwickeln. Deshalb kann man auch unter folgenden Stichworten fündig werden:
Marschmusik,
Tanzmusik,
Unterhaltungsmusik,
Blasmusik,
Beat,
Blues,
Chanson,
Country,
elektronische Musik,
Folk,
Soul,
Jazz,
Popmusik,
Drum&Bass,
Hip Hop (Musik),
populäre Klassik,
Reggae,
Rock,
Operette,
Musical,
Revue,
Vaudeville,
Varieté,
Kabarett,
Couplet,
Chanson,
Gassenhauer,
Moritaten,
Filmmusik,
Jazz.
Triviales
- Schlager nennt man ab Mitte des 19. Jahrhunderts beliebte Melodien aus Oper und Operette, dann auch Neuanfertigungen. (dtv-Atlas zur Musik)
- Ey, wie schmeckt der Caffe süsse, Lieblicher als tausend Küsse, Milder als Muscaten-Wein. Caffe, Caffe, muss ich haben; Und wenn niemand mich will laben, Ach so schenk mir Caffe ein. ... Die Katze läßt das Mausen nicht, die Jungfern bleiben Coffeeschwestern. Die Mutter liebt den Coffeebrauch, die Großmama trank solchen auch, wer will nun auf die Töchter lästern! (aus: Johann Sebastian Bach, Kantate BWV 211, "Schweigt stille, plaudert nicht" )
- Bona nox! Bist a rechter Ochs, Bona notte, Liebe Lotte, Bonne nuit, Pfui, pfui, .. (aus Canon Bona nox; Text und Musik: W. A. Mozart)
Literatur
- Theodor W. Adorno: Einleitung in die Musiksoziologie. Zwölf theoretische Vorlesungen. II. Leichte Musik, in Gesammelte Schriften Band 14 Suhrkamp,1973
- Mathias Bardong (Hrsg.): Das Lexikon des deutschen Schlagers, 1993, Serie Musik, Schott, Mainz, ISBN 3-7957-8208-2
- Moritz, Rainer: Schlager, 2000, dtv, München, ISBN 3-423-20362-5
- Näther, Stephan; Regauer, Ernst: Grand Prix d'Eurovision und deutsche Schlagerwettbewerbe seit 1956, 2001, Berlin
- Peters, Christian; Langer, Barbara: Lili Marleen. Ein Schlager macht Geschichte, 2001, Bonn
- Port le Roi, André: Schlager lügen nicht: deutscher Schlager und Politik in ihrer Zeit, 1998, Essen, ISBN 3-88474-657-X
- Seiler, Christian (Hrsg.); Becker, Reinhilde [Ill.]: Die beliebtesten Schlager der 20er Jahre, 1998, Wien, München; ISBN 3-85223-412-3
Schlagerfilme (Auswahl)
- Ich zähle täglich meine Sorgen (1960, Regie: Paul Martin, Darsteller: Peter Alexander, Loni Heuser Gunther Philipp u.a.)
- Du bist wunderbar (1959, Regie: Paul Martin, Darsteller: Caterina Valente, Helen Vita, Trude Herr u.a.)
- Europas neue Musikparade (1958, Regie: Paul Martin, Darsteller: Friedel Hensch, Bibi Johns, Fred Bertelmann u.a.)
- Weißer Holunder (1957, Darsteller: Paul May, Willy Hagara, Lolita, Hubert von Meyerinck u.a.)
- Ball im Savoy (1955, Regie: Paul Martin, Darsteller: Bibi Johns, Nadja Tiller, Caterina Valente u.a.)
- Conny und Peter machen Musik (1960, Regie: Werner Jacobs, Darsteller: Cornelia Froboess, Peter Kraus u.a. )
- Wenn die Conny mit dem Peter (1958, Regie: Fritz Umgelter, Darsteller: Rex Gildo u.a.)
- Marina (1960, Regie: Paul Martin, Darsteller: Rex Gildo, Trude Herr, Rocco Granata, u.a.)
- Ein Herz voll Musik (1955, Regie: Robert A. Stemmle, Darsteller: Vico Torriani, Erika Köth u.a.)
- Liebe Tanz und 1000 Schlager (1955, Regie: Paul Martin, Darsteller: Caterina Valente, Peter Alexander u.a.)
- [http://www.geschichte.uni-hannover.de/~kultarch/ndsfilm/kinogeschichte/hannover/weltspiele_premiere.htm Schlagerparade] (1953, Regie Erik Ode, Darsteller und Lieder u.a.: Bully Buhlan, Margot Hielscher, Johannes Heesters, Lys Assia, Rudi Schuricke, Friedel Hensch & die Cyprys, Rita Paul, Gitta Lind, Renate Holm, Maurice Chevalier, Peter Igelhoff.)
Siehe auch
- Liste der Schlagermusiker
- Nummer-Eins-Hits in Deutschland (1953 – 2005)
- Deutschsprachige Musiker
- Musik der DDR
- Volkstümlicher Schlager
- Krätzchensänger
- Chanson
- Liedermacher
- Eurovision Song Contest
- Deutsche Schlager-Festspiele
Weblinks
- [http://www.regional-erzgebirge.de/schlagerliste.htm Deutsche Schlager]
- [http://www.fanclub-michaelholm.de/ Michael Holm, der Schlagersänger, -komponist und -produzent]
- [http://www.memory-magazin.de Magazin für Freunde deutscher Oldies mit Online-Radio]
- [http://epoche-3.de/schlager.html Informationen über den deutschen Nachkriegsschlager]
- [http://www.schallplattenbar.de.vu/ Die Schallplattenbar]
- [http://www.schlagerbar.ch/ Die Schlagerbar]
- [http://www.schulla.com/covergalerie/ Schlagerinfos & Covergalerie]
- [http://stef | | |