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Autodafé
Autodafé (aus port. auto da fé von lat. actus fidei, "Glaubensakt") bezeichnet die Vollstreckung eines Urteils der Inquisition oder ein Glaubensgericht, beispielsweise die Verbrennung eines Ketzers oder Verbrennung ketzerischer Bücher. Im übertragenen Sinn auch für die Verbrennung oder Zurschaustellung jeder Form von missliebigen Schriften verwendet.
Die volksfestartig inszenierten Schauprozesse der spanischen Inquisition bestanden aus dem Glaubensbekenntnis des Gerichtes, der Urteilsverkündung und anschließend der Vollstreckung. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern blieben die Verbrennungen auf dem Scheiterhaufen jedoch in Spanien die Minderzahl.
Die erste Autodafé fand wahrscheinlich 1481 in Sevilla statt. Insgesamt wurden etwa 9000 Autodafés durchgeführt - hiervon eine Großzahl vom spanischen Großinquisitor Tomás de Torquemada (1420-1498). Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts wurden um die 400 Menschen auf Autodafés verbrannt.
Siehe auch: Ketzerverbrennung, Bücherverbrennung, Scheiterhaufen
Kategorie:Mittelalter
Portugiesische Sprache
Portugiesisch ist eine Sprache aus dem romanischen Zweig der indogermanischen Sprachfamilie und bildet mit dem Spanischen, Katalanischen und weiteren Sprachen der iberischen Halbinsel die engere Einheit des Iberoromanischen. Zusammen mit dem Galicischen in Nordwest-Spanien geht es auf eine gemeinsame Ursprungssprache zurück, das Galicisch-Portugiesische, das sich von der ausgehenden Antike bis ins frühe Mittelalter entwickelte. Nach der Herausbildung der Staatlichkeit Portugals entwickelten sich daraus die beiden heutigen Sprachen.
Es wird von ca. 190 Millionen Muttersprachlern gesprochen; einschließlich der Zweitsprachler beläuft sich die Zahl der Sprecher auf ca. 200 Millionen.
Die portugiesische Sprache verbreitete sich weltweit im 15. und 16. Jahrhundert, als Portugal sein Kolonialreich aufbaute, das zum großen Teil bis ins Jahr 1975 überdauerte und Brasilien, Teile Afrikas und Macau in China umfasste. Daraus ergab sich, dass Portugiesisch heute die Amtssprache von mehreren unabhängigen Staaten ist und darüber hinaus von vielen als Zweitsprache gelernt und gesprochen wird. Neben dem eigentlichen Portugiesischen gibt es etwa zwanzig Kreolsprachen auf überwiegend portugiesischer Basis. Durch die Auswanderung aus Portugal in den letzten Jahrzehnten ist Portugiesisch in mehren Staaten Westeuropas und in Nordamerika zu einer wichtigen Minderheitensprache geworden.
Geschichtliche Entwicklung
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Die portugiesische Sprache entwickelte sich im Westen der iberischen Halbinsel aus einer Form der gesprochenen lateinischen Sprache (Vulgärlatein), die von römischen Soldaten und Siedlern seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. auf die Halbinsel gebracht worden war. Nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches begann sich das Portugiesische unter Einfluss der vorrömischen Substrate und der späteren Superstrate anders als die übrigen romanischen Sprachen zu entwickeln. Ab dem 11. Jahrhundert sind schriftliche Dokumente überliefert, die auf Portugiesisch abgefasst wurden. Bis zum 15. Jahrhundert hat sich die portugiesische Sprache zu einer reifen Sprache mit einer reichen Literatur entwickelt.
Römische Kolonisierung
Im Jahre 218 v. Chr. eroberten die Römer den Westen der iberischen Halbinsel mit dem heutigen Portugal und Galicien, woraus die spätere römische Provinz Lusitanien wurde. Mit den Siedlern und Legionären kam auch eine volkstümliche Version des Latein, das Vulgärlatein, von dem alle romanischen Sprachen abstammen. Obwohl das Gebiet des heutigen Portugal bereits vor der Ankunft der Römer bewohnt war, stammen 90 % des portugiesischen Wortschatzes vom Latein ab und es gibt nur sehr wenige Spuren der ursprünglichen Sprachen im modernen Portugiesisch.
Germanische Invasionen
Vom Jahre 409 n. Chr. an, als das weströmische Reich zusammenzubrechen begann, drangen Völker germanischen Ursprungs, von den Römern als Barbaren bezeichnet, auf die iberische Halbinsel vor. Diese Germanen, hauptsächlich Sueben und Westgoten, assimilierten sich langsam an die römische Sprache und Kultur. Da jedoch der Kontakt zu Rom gering war, entwickelte sich die lateinische Sprache unabhängig weiter, wobei sich die regionalen Unterschiede verstärkten. Die sprachliche Einheit auf der iberischen Halbinsel wurde somit langsam zerstört und es entwickelten sich voneinander unterscheidbare Dialekte, darunter die heute zu Standardsprachen weiterentwickelten Formen Portugiesisch, Galicisch, Spanisch und Katalanisch. Die Entwicklung der Portugiesischen und Galicischen Dialekte weg vom Spanischen wird unter anderem auf die Sueben zurückgeführt. Germanische Elemente kamen somit auf zwei Wegen in die portugiesische Sprache: indirekt als germanische Entlehnungen, die als Bestandteil der gewöhnlichen lateinischen Umgangssprache der römischen Legionäre auf die Iberische Halbinsel gelangten, darüber hinaus direkt als Lehnwörter gotischer und suebischer Herkunft.
Maurische Invasionen
Ab 711 eroberten die Mauren die iberische Halbinsel und in den eroberten Gebieten wurde das Arabische zur Verwaltungssprache. Die Bevölkerung sprach jedoch weiterhin ihren romanischen Dialekt, weshalb der Einfluss der arabischen Sprache auf das Portugiesische nicht sehr stark war. Es entwickelte sich auch eine romanische Schriftsprache in arabischer Schrift, das so genannte Mozarabische. Nachdem die Mauren durch die Reconquista vertrieben worden waren, blieben viele in ihrem rechtlichen Status stark beschränkte Araber auf dem Gebiet des heutigen Portugals, sie waren später auch als freie Handwerker tätig und assimilierten sich an die portugiesische Kultur und Sprache. Aufgrund des Kontakts mit dem Arabischen lassen sich arabische Spuren hauptsächlich in der Lexik finden, wo das moderne Portugiesisch viele Wörter arabischen Ursprungs besitzt, die sich in anderen romanischen Sprachen nicht wieder finden. Diese Einflüsse betreffen vor allem die Bereiche Ernährung und Landwirtschaft, in denen durch die Araber Neuerungen eingeführt wurden. Daneben ist der arabische Einfluss in geografischen Namen des südlichen Portugal, wie Algarve oder, nicht so südlichen, Fátima, ersichtlich.
Aufstieg der portugiesischen Sprache
Die römische Provinz Lusitanien zerfiel in zwei Teile, Lusitanien im Süden und Galicien im Norden. Die portugiesische Sprache entwickelte sich im heutigen Nordportugal sowie in Galicien (heutiges Nordwest-Spanien). Diese Dialekte existierten für eine lange Zeit nur als gesprochene Sprache, als Schriftsprache benutzte man weiterhin Latein.
Die frühesten Belege einer geschriebenen Form der portugiesischen Sprache sind „Cancioneiros“ aus der Zeit um 1100.
Galicisch und Portugiesisch sind Schwestersprachen, die auf eine gemeinsame Ausgangssprache, das Galicisch-Portugiesische zurückgehen, das sich zwischen 1200 und 1350 als Dichtersprache entwickelte.
Nach der Unabhängigkeit Portugals von Kastilien, entwickelten sich daraus im 14. Jahrhundert zwei eigenständige Sprachen.
Die Grafschaft Portugal wurde im Jahr 1095 unabhängig, ab 1139 war Portugal Königreich unter König Alfons I..
Portugiesisch wurde allmählich zur Schriftsprache.
Im Jahre 1290 gründete König Dionysius (Diniz) die erste portugiesische Universität, das Estudo Geral in Lissabon. Er setzte fest, dass das Vulgärlatein, wie das Portugiesische damals noch genannt wurde, dem klassischen Latein vorgezogen werden solle. Ab 1296 benutzten die königlichen Kanzleien das Portugiesische, womit die Sprache nicht mehr nur in der Poesie, sondern auch in Gesetzen und notariellen Schriftstücken Verwendung fand.
Durch die Ausstrahlung der höfischen Kultur Südfrankreichs auf die galicische Dichtersprache im 12. und 13. Jahrhundert gelangten auch okzitanische Lehnwörter in das Sprachgebiet Portugals. Im modernen Portugiesisch hat sich aber nur eine begrenzte Zahl dieser Wörter erhalten. Von größerer Bedeutung für die Ausprägung des Wortschatzes ist der französische Spracheinfluss, der heute nicht nur lexikalisch, sondern auch phraseologisch nachweisbar ist.
Mit der Reconquista-Bewegung dehnte sich der Einflussbereich des Portugiesischen allmählich nach Süden hin aus. Bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts endete diese Ausdehnung an der Südgrenze des heutigen Portugals, wodurch der gesamte Westen der Iberischen Halbinsel zum galicisch-portugiesischen Sprachgebiet wurde. Im 14. Jahrhundert war Portugiesisch zu einer reifen Sprache geworden, die eine reiche literarische Tradition besaß, und die auch in anderen Gegenden der iberischen Halbinsel in der Dichtung verbreitet war, wie z. B. im Königreich León, Kastilien, Aragón und Katalonien. Später, als sich Kastilisch (was praktisch das moderne Spanisch ist) in Kastilien fest etablierte und Galicien unter den Einfluss der Kastilischen Sprache kam, wurde die südliche Variante des Galicisch-Portugiesischen zur Sprache von Portugal.
Zeit der portugiesischen Entdeckungen
Portugal
Zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert, also während der Zeit der portugiesischen Entdeckungen, verbreitete sich die portugiesische Sprache in vielen Regionen von Asien, Afrika und Amerika. Im 16. Jahrhundert war es die lingua franca in Asien und Afrika, wo es nicht nur der Kolonialverwaltung, sondern auch dem Handel und der Kommunikation zwischen den lokalen Machthabern und den Europäern aller Nationalitäten diente. In Ceylon (heutiges Sri Lanka) sprachen einige Könige fließend Portugiesisch und Adlige nahmen häufig portugiesische Namen an. Die Ausbreitung der Sprache wurde auch durch die Ehen zwischen Portugiesen und Einheimischen gefördert (was im portugiesischen Kolonialreich eine gängigere Praxis als in anderen Kolonialreichen war). Da die Sprache in vielen Erdteilen mit den missionarischen Aktivitäten der Portugiesen gleichgesetzt wurde, nannte man das Portugiesische dort auch Cristão (Christlich). Obwohl später die Niederländer versuchten, in Ceylon und dem heutigen Indonesien das Portugiesische zurückzudrängen, blieb es dort lange eine populäre und verbreitete Sprache.
In Indien, Sri Lanka, Malaysia und Indonesien entwickelten sich portugiesische Kreolsprachen heraus, nachdem Portugal den Einfluss in diesen Ländern an andere europäische Mächte verloren hatte. In vielen Sprachen findet man Portugiesische Wörter in der modernen Lexik wieder, so zum Beispiel das Wort pan für 'Brot' im Japanischen (portugiesisch: pão), sepatu für 'Schuh' im Indonesischen (portugiesisch: sapato), keju für 'Käse' im Malaiischen (portugiesisch: queijo) oder auch meza für 'Tisch' in Swahili (portugiesisch: mesa).
Entwicklung seit der Renaissance
Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts fand eine große Anzahl von Lehnwörtern Eingang in die portugiesische Sprache, meist lateinischen oder griechischen Ursprunges. Italienische Wörter aus den Bereichen Musik, Theater, Malerei sowie spanische Lehnwörter, die aufgrund der Personalunion zwischen Portugal und Spanien von 1580 bis 1640 besonders zahlreich sind, machten die Sprache reicher und komplexer. Man unterscheidet aus diesem Grund zwei Entwicklungsphasen: das Altportugiesische (12. bis Mitte des 16. Jahrhunderts) und das Neuportugiesische, wobei als Ende des Altportugiesischen das Erscheinen des Cancioneiro Geral von Garcia de Resende im Jahre 1516 betrachtet wird.
Die Gegenden, wohin sich das Portugiesische vor der Entwicklung des Neuportugiesischen verbreitet hatte, machten diese Entwicklungen jedoch größtenteils nicht mit. In Brasilien und São Tomé und Príncipe, aber auch in einigen abgelegenen ländlichen Gebieten Portugals, werden deshalb Dialekte gesprochen, die dem Altportugiesischen ähnlich sind.
Verwandtschaft mit anderen Sprachen
Portugiesisch ist zwar in vielen Aspekten zur spanischen Sprache sehr ähnlich, in der Aussprache herrschen jedoch bedeutende Unterschiede. Mit etwas Übung ist es einem Portugiesen jedoch möglich, Spanisch zu verstehen und umgekehrt. Wenn man den folgenden Satz betrachtet:
:Ela fecha sempre a janela antes de jantar. (Portugiesisch)
:Ella cierra siempre la ventana antes de cenar. (Spanisch)
Fast alle Wörter der einen Sprache haben sehr ähnlich lautende Verwandte in der jeweils anderen Sprache, die jedoch unter Umständen sehr selten gebraucht werden.
:Ela encerra sempre a janela antes de cear. (Portugiesisch mit wenig gebräuchlicher Wortwahl)
(Der Satz bedeutet 'Sie schließt immer das Fenster vor dem Abendessen.')
Es gibt allerdings auch eine Anzahl von Wörtern, bei denen eine Verwandtschaft zwischen den Sprachen nicht zu erkennen ist und die jeweiligen Sprecher in dem anderen Land vor Probleme stellt. Beispiele:
roher Schinken: span: jamón (serrano), port.: presunto
Kochschinken: span: jamón dulce(York), port: fiambre
Autowerkstatt: span: taller, port: oficina
Büro: span: oficina, port: escritório
Zug (Bahn): span: tren, port: comboio
Es gibt Orte, wo Spanisch und Portugiesisch nebeneinander gesprochen werden. Muttersprachler des Portugiesischen können in der Regel Spanisch lesen und umgekehrt, auch wenn sie die gesprochene Sprache des jeweils anderen nicht verstehen. Andererseits sollten Besucher in Portugal oder Brasilien nicht unbedingt versuchen, mit den Einheimischen auf Spanisch zu kommunizieren (es sei denn, man ist spanischer Muttersprachler), da dies häufig nicht gern gesehen wird und in den Augen der Einheimischen auf Ignoranz schließen lässt. Beherrscht man Portugiesisch nicht, sollte man zuvor Englisch oder Französisch ausprobieren.
Portugiesisch hat auch offensichtliche Parallelen zu Katalanisch, Italienisch und allen anderen romanischen Sprachen, vor allem was die Grammatik und Syntax angeht.
Verbreitung
Syntax
Portugiesisch ist alleinige Amtssprache in Angola, Brasilien, Portugal und São Tomé und Príncipe. Zusammen mit anderen Sprachen ist Portugiesisch Amtssprache in Timor-Leste (zusammen mit Tetum), Macau (zusammen mit Chinesisch). Auf Kap Verde, in Guinea-Bissau und Mosambik ist es zwar Amtssprache, jedoch nicht die wichtigste Sprache. Eine wichtige Sprache, aber keine Amtssprache, ist Portugiesisch in Andorra, Luxemburg und Namibia.
Amerika
In Südamerika erfreut sich Portugiesisch wachsender Bedeutung. Wegen des großen Einflusses Brasiliens wird Portugiesisch in einigen der restlichen südamerikanischen Staaten unterrichtet, besonders in Argentinien und den anderen Mercosur (Mercosul)-Mitgliedsstaaten. Neben den etwa 185 Millionen Muttersprachlern in Brasilien gibt es im Grenzgebiet von Argentinien, Bolivien, Paraguay (Brasiguayos) und Uruguay Menschen, für die Portugiesisch die Muttersprache ist, teilweise hat sich auch mit Spanisch eine Mischsprache namens Portunhnol herausgebildet. Es gibt große portugiesischsprachige Kolonien in Antigua und Barbuda, Bermuda, Kanada, Guyana, Jamaika, den USA sowie Venezuela, wobei sich die Mehrzahl aus Einwanderern bzw. Gastarbeitern aus Brasilien oder Portugal zusammensetzt.
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Europa
In Europa wird Portugiesisch vor allem von den 10,3 Millionen Einwohnern Portugals gesprochen. In Mitteleuropa hat sich die Sprache vor allem durch Einwanderung aus Portugal in den letzten Jahrzehnten verbreitet und wird von mehr als 10 % der Bevölkerung Luxemburgs und Andorras gesprochen. Daneben gibt es einen nennenswerten Anteil an portugiesischsprachiger Bevölkerung in Belgien, Frankreich, Deutschland, auf Jersey und in der Schweiz. In Spanien wird portugiesisch in Olivença und im Vale do Xalima gesprochen, wo es als A fala bezeichnet wird. Das mit Portugiesisch sehr eng verwandte Galicisch wird im nordwestspanischen Galicien gesprochen.
Galicisch und Portugiesisch haben die gleichen Wurzeln und waren bis zum Mittelalter eine einzige Sprache, die man heute als Galicisch-Portugiesisch bezeichnet. Diese Sprache wurde sogar in Spanien (Kastilien) im poetischen Schaffen verwendet. Auch heute werden von vielen Linguisten Galicisch und Portugiesisch als eine Einheit gesehen. Aus soziolinguistischen Gründen werden die beiden Sprachen jedoch häufig getrennt gesehen und in Galicien haben sich zwei Standards der Schriftsprache gebildet, wobei sich der eine, der von der Galicischen Autonomen Regierung gestützt wird, mehr am Spanischen (Kastilischen) anlehnt, während in gewissen politischen und universitären Kreisen ein Standard etabliert hat, der sehr nah am Portugiesischen liegt. Der einzige galicische Abgeordnete im Europäischen Parlament, Camilo Nogueira, spricht nach eigenen Angaben Portugiesisch.
Afrika
Portugiesisch ist eine wichtige Sprache im Afrika südlich der Sahara. Angola und Mosambik sind zusammen mit São Tomé und Príncipe, Kap Verde und Guinea-Bissau als PALOP (Paises Africanos de Língua Oficial Portuguesa) bekannt und organisiert; sie vertreten etwa 16 Millionen Sprecher des Portugiesischen (großzügige Schätzungen gehen dabei von 9 Millionen Muttersprachlern aus, der Rest ist zweisprachig). Paradoxerweise ist der Gebrauch der portugiesischen Sprache nach der Unabhängigkeit der früheren Kolonien von Portugal gewachsen. Die Regierungen der jungen Staaten sahen die portugiesische Sprache als Instrument zur Entwicklung des Landes und einer nationalen Einheit.
In Afrika ist Portugiesisch eine wichtige Minderheitensprache in der Demokratische Republik Kongo, Malawi, Namibia (dort machen Flüchtlinge aus Angola etwa 20 % der Bevölkerung aus), Südafrika (mehr als eine Million Sprecher), Sambia and Simbabwe.
In anderen Teilen Afrikas gibt es portugiesische Kreolsprachen. Im Süden Senegals, in Casamance, gibt es eine Gemeinschaft, die sprachlich und kulturell mit Guinea-Bissau verwandt ist und wo Portugiesisch gelernt wird. Auf der Insel Annobón (Äquatorial-Guinea) gibt es eine weitere Kreolsprache, die mit jener von São Tomé und Príncipe eng verwandt ist.
In Angola wird Portugiesisch schnell zu einer Nationalsprache statt nur einer Verkehrssprache. Gemäß der offiziellen Volkszählung von 1983 war Portugiesisch die Muttersprache von 75 % der Bevölkerung der Hauptstadt Luanda von etwa 2,5 Millionen. Landesweit benutzen etwa 60 % der Bevölkerung von etwa 12,5 Millionen Portugiesisch als Umgangssprache. Viele junge Angolaner beherrschen nur Portugiesisch. Die Fernsehstationen aus Portugal und Brasilien, die man in Angola empfangen kann und die sehr populär sind, tragen dazu ihren Anteil bei. Die Sprachen, die in Angola vor der Kolonisierung gesprochen wurden, gibt es zwar nach wie vor, sie werden von der Bevölkerung aber wie Dialekte und nicht wie eigene Sprachen behandelt. Das angolanische Portugiesisch beeinflusste auch das heute in Portugal gesprochene Portugiesisch, da die retornados, also portugiesische Rückkehrer, nach der Unabhängigkeit Angolas Wörter mitbrachten, die sich vor allem in der jungen Stadtbevölkerung verbreiteten. Dazu gehören iá (ja), bué (viele) oder bazar (weggehen).
Mosambik gehört zu den Ländern, in denen Portugiesisch Amtssprache ist, es wird aber größtenteils nur als Zweitsprache gesprochen. In den Städten ist es aber die am meisten verbreitete Sprache. Gemäß der Volkszählung von 1997 sprechen etwa 40 % der Gesamtbevölkerung Portugiesisch, jedoch etwa 72 % der Stadtbevölkerung. Andererseits bezeichnen nur 9 % (bzw. 26 % in den Städten) Portugiesisch als die wichtigste Sprache im Land. Die mosambikanischen Schriftsteller verwenden alle ein portugiesisch, das sich an die mosambikanische Kultur angepasst hat.
Auf Kap Verde und in Guinea-Bissau sind die wichtigsten Sprachen portugiesische Kreolsprachen, die als Crioulos bezeichnet werden, wohingegen der Gebrauch der portugiesischen Sprache als Umgangssprache im Abnehmen begriffen ist. Die meisten Kapverdier können aber auch Standard-Portugiesisch sprechen, das in formellen Situationen verwendet wird. Schulbildung und Fernsehen aus Portugal und Brasilien tragen andererseits zur Entkreolisierung bei. In Guinea-Bissau ist die Lage etwas anders, weil nur etwa 60 % der Bevölkerung Kreolisch sprechen, und gar nur 14 % davon beherrschen Standard-Portugiesisch.
In São Tomé und Príncipe spricht die Bevölkerung eine Art archaisches Portugiesisch, das viele Ähnlichkeiten mit brasilianischem Portugiesisch aufweist. Die Elite des Landes verwendet jedoch eher die europäische Version, ähnlich wie in den anderen PALOP-Ländern. Neben dem eigentlichen Portugiesisch gibt es noch drei Kreolsprachen. Kinder lernen in der Regel Portugiesisch als Muttersprache und eignen sich das Forro genannte Kreolisch erst später an. Der tägliche Gebrauch der portugiesischen Sprache auch als Umgangssprache ist im Wachsen begriffen und fast die gesamte Bevölkerung beherrscht diese Sprache.
Asien
Portugiesisch wird in Osttimor, in den indischen Staaten Goa und Daman und Diu sowie in Macau (Volksrepublik China) gesprochen. In Goa wird Portugiesisch als Sprache der Großeltern bezeichnet, weil es nicht mehr in der Schule unterrichtet wird, keinen offiziellen Status hat und deshalb von immer weniger Menschen gesprochen wird. In Macau wird Portugiesisch nur von der kleinen portugiesischen Bevölkerung gesprochen, die nach der Übergabe der früheren Kolonie an China dort geblieben ist und es gibt auch nur eine einzige Schule, wo auf Portugiesisch unterrichtet wird. Trotzdem bleibt Portugiesisch vorerst eine offizielle Sprache neben Chinesisch.
Es gibt in Asien mehrere portugiesische Kreolsprachen. In der malaiischen Stadt Malakka gibt es eine Kreolsprache namens Cristão oder Papiá Kristang, andere aktive Kreolsprachen findet man in Indien und Sri Lanka. In Japan gibt es etwa 250.000 Personen, die als dekasegui bezeichnet werden; das sind Brasilianer japanischer Abstammung, die wieder nach Japan zurückgekehrt sind, deren Muttersprache jedoch Portugiesisch ist.
In Osttimor ist die meistverbreitete Sprache Tetum, eine austronesische Sprache, die jedoch von der portugiesischen Sprache stark beeinflusst wurde. Die Wiedereinführung des Portugiesischen als Nationalsprache stieß bei der jüngeren Bevölkerung, die durch das indonesische Bildungssystem gegangen ist und Portugiesisch nicht beherrscht, auf Missfallen. Weniger als 20 % der Bevölkerung, überwiegend der älteren Generation, sprechen Portugiesisch, obwohl der Anteil steigt, da die Sprache der jüngeren Generation und interessierten Erwachsenen unterrichtet wird. Osttimor hat die anderen CPLP-Staaten um Hilfe bei der Einführung des Portugiesischen als Amtssprache gebeten. Osttimor versucht, mit Hilfe der portugiesischen Sprache Anschluss an die internationale Gemeinschaft zu finden und sich von Indonesien abzugrenzen. Xanana Gusmão, der Präsident von Osttimor, glaubt, dass innerhalb von 10 Jahren Portugiesisch in Osttimor weit verbreitet sein wird.
Offizieller Status
Die Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder CPLP ist eine internationale Organisation von acht unabhängigen Staaten, deren Amtssprache Portugiesisch ist. Portugiesisch ist auch offizielle Sprache der Europäischen Union, des Mercosul, der Afrikanischen Union und einiger anderer Organisationen.
Portugiesisch ist Amtssprache in:
Dialekte
Die Muttersprachler des Portugiesischen bezeichnen ihre Dialekte nicht als Dialekte, sondern als Akzente (Port. sotaques) oder Aussprache (Port. pronúncia), unabhängig davon, ob es sich um den Dialekt eines anderen Landes handelt oder um den Dialekt einer anderen Region innerhalb desselben Landes. Der Terminus Dialekt hat im Portugiesischen eine abwertende Bedeutung und wird deshalb nicht verwendet.
Das Standardportugiesisch, auch Estremenho bezeichnet, hat sich in der Geschichte häufiger geändert als andere Variationen. Alle Formen der portugiesischen Sprache Portugals können nach wie vor im brasilianischen Portugiesisch (das in Anlehnung an die frühere Hauptstadt Brasiliens Rio de Janeiro auch Fluminense oder Carioca genannt wird) gefunden werden. Afrikanisches Portugiesisch, besonders die Aussprache von São Tomé und Príncipe (auch Santomense genannt) hat mit brasilianischem Portugiesisch viele Gemeinsamkeiten. Die Akzente von Südportugal haben ebenfalls ihre Eigenheiten bewahrt, wozu die besonders häufige Benutzung des Gerundiums zählt. Dagegen sind Alto-Minhoto and Transmontano in Nordportugal der Galicischen Sprache sehr ähnlich.
Das Standard-Portugiesisch aus Portugal ist in den früheren afrikanischen Kolonien die bevorzugte Aussprache. Deshalb kann man zwei Formen unterscheiden, nämlich die europäische und die brasilianische; wobei man gemeinhin vier große Standard-Aussprachen unterscheidet, nämlich jene von Coimbra, Lissabon, Rio de Janeiro und São Paulo, dies sind auch die einflussreichsten Ausspracheformen.
Die wichtigsten Ausspracheformen des Portugiesischen sind, jeweils mit Hörbeispiel als externem Link, die folgenden:
Portugal
- Alentejano ([http://www.instituto-camoes.pt/cvc/hlp/geografia/som40.html Hörbeispiel]) – Alentejo
- Algarvio ([http://www.instituto-camoes.pt/cvc/hlp/geografia/som44.html Hörbeispiel]) – Algarve
- Alto-Minhoto ([http://www.instituto-camoes.pt/cvc/hlp/geografia/som1.html Hörbeispiel]) – Nördlich der Stadt Braga
- Açoriano ([http://www.instituto-camoes.pt/cvc/hlp/geografia/som69.html Hörbeispiel]) – Azoren
- Baixo-Beirão; Alto-Alentejano ([http://www.instituto-camoes.pt/cvc/hlp/geografia/som49.html Hörbeispiel]) – Inneres Mittelportugal
- Beirão ([http://www.instituto-camoes.pt/cvc/hlp/geografia/som9.html Hörbeispiel]) – Mittelportugal
- Estremenho ([http://www.instituto-camoes.pt/cvc/hlp/geografia/som22.html Hörbeispiel]) – Regionen um Coimbra und Lissabon (Europäisches Portugiesisch)
- Nortenho ([http://www.instituto-camoes.pt/cvc/hlp/geografia/som14.html Hörbeispiel]) – Regionen um Braga und Porto
- Madeirense ([http://www.instituto-camoes.pt/cvc/hlp/geografia/som60.html Hörbeispiel]) – Madeira
- Transmontano ([http://www.instituto-camoes.pt/cvc/hlp/geografia/som6.html Hörbeispiel]) – Trás-os-Montes
Afrika
- Angolano ([http://www.instituto-camoes.pt/cvc/hlp/geografia/som85.html Hörbeispiel]) – Angola (Angolanisches Portugiesisch)
- Caboverdiano ([http://www.instituto-camoes.pt/cvc/hlp/geografia/som87.html Hörbeispiel]) – Kap Verde
- Guineense ([http://www.instituto-camoes.pt/cvc/hlp/geografia/som88.html Hörbeispiel]) – Guinea-Bissau
- Moçambicano ([http://www.instituto-camoes.pt/cvc/hlp/geografia/som89.html Hörbeispiel]) – Mosambik
- Santomense ([http://www.instituto-camoes.pt/cvc/hlp/geografia/som83.html Hörbeispiel]) – São Tomé und Príncipe
Brasilien
- Caipira – Hinterland, auch Hinterwäldler
- Capixaba – Früher Bezeichnung nur für die Einwohner von Vitòria. Heute allgemein auch für die Bevölkerung von Espirito Santo (Bundesstaat nördl. v. Rio de Janeiro)
- Carioca ([http://www.instituto-camoes.pt/cvc/hlp/geografia/som90.html Hörbeispiel]) – Stadt und Bundesstaat Rio de Janeiro (Brasilianisches Portugiesisch)
- Cearense – Bundesstaat Ceará
- Baiano – Bahia
- Gaúcho – Rio Grande do Sul
- Mineiro – Bundesstaat Minas Gerais
- Nordestino ([http://www.instituto-camoes.pt/cvc/hlp/geografia/som91.html Hörbeispiel]) – Nordöstliche Bundesstaaten Brasiliens
- Nortista – Bundesstaaten im Amazonasbecken
- Paulistano – Stadt São Paulo
- Sertão – Bundesstaaten Goiás und Mato Grosso
- Sulista – Südbrasilien
Sonstige Regionen
- Timorense ([http://www.instituto-camoes.pt/cvc/hlp/geografia/som84.html Hörbeispiel]) – Osttimor
Macaense ([http://www.instituto-camoes.pt/cvc/hlp/geografia/som92.html Hörbeispiel]) – Macau, China
Wörter, die in Portugal anders heißen als in Brasilien oder Angola, sind zum Beispiel:
'Ananas'
- Angola: abacaxi², manchmal ananás¹
- Brasilien: abacaxi², manchmal ananás¹
- Portugal: ananás¹, manchmal abacaxi²
'weggehen'
- Angola: bazar³, ir embora ¹
- Brasilien: ir embora ¹
- Portugal: ir embora¹ (oder bazar³ unter Teenagern)
'Bus'
- Portugal: autocarro ¹
- Brasilien: ônibus ²
- Angola: machimbombo ³
'Elendsviertel'
- Angola: muceque ¹
- Brasilien: favela ²
- Portugal: bairro de lata ³
(1) Portugiesischer Ursprung
(2) Brasilianischer Ursprung
(3) Angolanischer Ursprung (Machimbombo hat wahrscheinlich mosambikanischen Ursprung)
Unterschiede in der Schriftsprache
Das Portugiesische hat zwei Varianten der Schriftsprachen (Port. Variedades), die häufig Padrões (Muster) bezeichnet werden. Diese sind:
- Europäisches und afrikanisches Portugiesisch
- Brasilianisches Portugiesisch.
Die Unterschiede zwischen diesen Varianten betreffen das Vokabular, die Aussprache und die Syntax, besonders in der Umgangssprache, wohingegen in der Sprache der gehobenen Schichten diese Unterschiede geringer ausfallen.
Hierbei handelt es sich jedoch um Dialekte derselben Sprache, die Sprecher der beiden Varianten können die jeweils andere leicht verstehen.
Einige Unterschiede im Wortschatz, die auf den ersten Blick wie Unterschiede aussehen, sind in der Wirklichkeit keine. In Brasilien ist der Standardausdruck für 'Teppich' tapete. In Portugal benutzt man eher alcatifa. Jedoch gibt es in Portugal ebenfalls regional den Ausdruck tapete, ebenso wie es in Brasilien regional den Ausdruck alcatifa gibt. Für alte Wörter trifft dies fast generell zu, während in neuen Wörtern diese Unterschiede in der Tat landesspezifisch sind, wie z. B. ônibus in Brasilien und autocarro in Portugal.
Signifikantere Unterschiede bestehen in der Orthografie. In Wörtern, die cc, cç oder ct enthalten, wird in Brasilien das erste c weggelassen, in Wörtern, die pc, pç oder pt enthalten, entfällt das p. Diese Buchstaben werden nicht ausgesprochen, sondern stellen vielmehr Überbleibsel aus dem Latein dar, die man in Brasilien zumeist eliminiert hat.
Ein paar Beispiele sind:
Daneben gibt es einige Unterschiede in der Akzentuierung, die folgende Gründe haben:
# Unterschiedliche Aussprache: In Brasilien wird das o in Antônio, anônimo 'anonym' oder Amazônia geschlossen ausgesprochen, wohingegen es in Portugal und Afrika offen gesprochen wird. Deshalb schreibt man in Portugal und Afrika António, anónimo bzw. Amazónia.
# Vereinfachung des Lesens: Die Kombination qu kann in zwei verschiedenen Arten gelesen werden: ku oder k. Um das Lesen einfacher zu machen, schreibt man in Brasilien das u mit einem Trema, wenn die Aussprache ku ist, also cinqüenta statt cinquenta 'fünfzig'.
An einer Rechtschreibreform (Port. Reforma Ortográfica) wird seit den achtziger Jahre gearbeitet, um einen internationalen Standard zu erreichen. Im Rahmen dieser Reform sollen die oben genannten c in cc, cç oder ct und p in pc, pç oder pt auch in Portugal abgeschafft werden, daneben gibt es kleinere Vereinheitlichungen und man versucht, sich auf ein koordiniertes Vorgehen in Bezug auf neue Lehnwörter aus anderen Sprachen zu einigen. Momentan wurde die Vereinbarung von Brasilien, Kap Verde und Portugal unterzeichnet, sie tritt allerdings erst in Kraft, wenn alle Mitglieder der CPLP unterschrieben haben, was nicht für die nächsten Jahre zu erwarten ist.
Vom Portugiesischen abgeleitete Sprachen
Als im Mittelalter Portugal sein Kolonialreich aufzubauen begann, kam die portugiesische Sprache in Kontakt mit den lokalen Sprachen der eroberten Gebiete und es entstanden Mischsprachen (Pidgins), die bis zum 18. Jahrhundert in Asien und Afrika als lingua franca verwendet wurden. Diese Pidgin-Sprachen erweiterten ihre Grammatik und Lexik im Laufe der Zeit und wurden zu Umgangssprachen von rassisch gemischten Bevölkerungen. Sie existieren unter folgenden Namen in den folgenden Gebieten:
Kap Verde:
- Crioulo Barlavento (Criol)
- Crioulo Sotavento (Kriolu)
Äquatorial-Guinea:
- Fá d'Ambô
Guinea-Bissau und Senegal:
- kriol
Indien:
- Kreolsprache von Diu
- Kreolsprache von Vaipim
- Kristi
- Língua da Casa
Macau:
- Macaista
Malaysia, Singapur:
- Cristão/Papiá Kristang
Niederländische Antillen und Aruba:
- Papiamentu
São Tomé und Príncipe:
- Angolar
- Forro
- Lunguyê
Sri Lanka:
- Burgher
Suriname:
- Saramaccaans
Einige Hybriddialekte existieren dort, wo Spanisch und Portugiesisch aufeinander treffen:
- A Fala in Spanien
- Barranquenho in Portugal
- Portuñol in Uruguay
Aussprache
Die portugiesische Sprache hat eine sehr komplexe phonetische Struktur, was sie für Sprachwissenschaftler besonders interessant macht. Die Sprache verfügt über 9 Vokale, 5 nasale Vokale und 25 Konsonanten.
Die folgenden Aussprachehinweise gelten für sowohl europäisches als auch brasilianisches Portugiesisch; wenn es Unterschiede gibt, sind sie beim jeweiligen Laut angegeben.
Betonung
Im Portugiesischen erfolgt die Betonung von Wörtern, die (orthografisch) auf Vokal, s oder m enden, gewöhnlich auf den vorletzten Vokal, die Betonung von Wörtern, die (orthografisch) auf andere Konsonanten (dies sind meist l, r, z) enden, hingegen auf dem letzten Vokal. Eine von dieser Regel abweichende Betonung wird durch einen Akzent (Akut oder Zirkumflex) angezeigt. Nasale Silben (gekennzeichnet durch eine Tilde) sind immer betont, es sei denn, eine andere Silbe trägt einen Akut oder einen Zirkumflex.
;Beispiele:
:beleza 'Schönheit' – Betonung auf dem zweiten e
:Sábado 'Samstag' – Betonung auf dem ersten a
:Brasil 'Brasilien' – Betonung auf dem i
:cantar 'singen' – Betonung auf dem zweiten a
:combinação 'Kombination' – Betonung auf dem ã
:Cristóvão 'Christoph' – Betonung auf dem ersten o
Das Portugiesische ist, anders als das Französische, Spansiche und Italienische, eher eine akzentzählende Sprache.
Vokale
nasale Vokale
Nasale Vokale besitzt das Deutsche nicht. Die portugiesischen Nasale werden nicht so vollständig nasal ausgesprochen wie im Französischen und in der Regel gibt es im Portugiesischen auch keinen Verschlusslaut am Ende des Nasals. In manchen Publikationen wird die z. B. Aussprache des nasalen Vokals ã mit ang angegeben, was allerdings nicht richtig ist, weil es sich bei den nasalierten Lauten um einen einzigen Laut handelt.
Konsonanten
Grammatik
Die portugiesische Grammatik ist mit jener anderer romanischer Sprachen eng verwandt. Eigenheiten bestehen in der Wortstellung vor allem von Pronomen.
Verben werden in drei Konjugationen eingeteilt, die man nach der Infinitivendung unterscheidet (entweder -ar, -er, -ir; -or ist unregelmäßig), wobei zur -ar-Gruppe die meisten Verben gehören. Diese Verben folgen dann den gleichen Konjugationsregeln. Ähnlich wie im Deutschen gibt es den Imperativ (o imperativo), den Indikativ (o indicativo) und den Konjunktiv (o conjuntivo), wobei die Regeln strenger sind, wann der Konjunktiv zu verwenden ist, und die Verwendung mit dem Gebrauch des deutschen Konjunktiv nicht zu vergleichen ist, mehr jedoch mit dem Gebrauch des spanischen subjuntivo. Eine Besonderheit ist, dass die zweite Person des Plurals weniger Bedeutung hat. In Brasilien wird auch die zweite Person des Singulars so gut wie gar nicht verwendet (stattdessen wird die dritte Person benutzt). Eine weitere Besonderheit stellt der sogenannte persönliche Infinitiv dar.
Die Substantive haben eines von zwei grammatischen Geschlechtern (Genera): Maskulinum und Femininum; Adjektive und Zahlwörter müssen in Genus und Numerus mit dem Substantiv übereinstimmen (Kongruenz).
Wortschatz
Da Portugiesisch eine romanische Sprache ist, entstammen die meisten portugiesischen Wörter der lateinischen Sprache. Man kann jedoch auch Spuren aus anderen Sprachen, mit denen das Portugiesische Kontakt hatte, beobachten:
Wörter aus der vorrömischen Zeit
Es gibt wenige Wörter aus der Zeit vor der römischen Herrschaft der iberischen Halbinsel, die sich aus der Sprache der Urbevölkerung des heutigen Portugal (Lusitaner, Konii, Iberer) oder aus der Sprache von Siedlern (Phönizier, Karthager oder Kelten bzw. Keltiberer) bis in das moderne Portugiesisch erhalten haben. Bei vielen dieser Wörter fehlt jedoch der genaue wissenschaftliche Nachweis ihrer Herkunft (Etymologie). Gerade bei den keltischen Wörtern könnte es sich um Wörter handeln, die auf dem Umweg über das Lateinische ins Portugiesische gelangt sind.
Aus der Sprache der Ur-Iberer:
- abóbora 'Kürbis'
- bezerro 'einjähriges Kalb'
- manteiga 'Butter'
- sapo 'Kröte'
Aus keltischen Sprachen:
- cabana 'Hütte'
- cama 'Bett'
- camisa 'Hemd'
- carvalho 'Eiche'
- cerveja 'Bier'
- touca 'Perücke'
Da praktische alle dieser Wörter keltischen Ursprungs auch in anderen romanischen Sprachen belegt sind, liegt es nahe, dass sie schon von den Römern aus dem Keltischen entlehnt worden sind und dann als lateinische Wörter ins Portugiesische gelangt sind.
aus der phönizischen Sprache:
- malha 'Masche, Netz'
- mapa 'Karte'
- saco 'Tasche'
Diese Wörter sind auch in anderen romanischen Sprachen belegt. Es liegt daher nahe, dass sie schon von den Römern aus dem Phönizischen (oder einer anderen Sprache) entlehnt worden sind und dann als lateinische Wörter ins Portugiesische gelangt sind.
Wörter lateinischer Abstammung
Portugiesisch ist ein Abkomme des Vulgärlatein, welches mit dem klassischen Latein zwar verwandt, jedoch nicht identisch ist. Die Transformation von lateinischen zu den heutigen portugiesischen Wörtern begann teils schon während des Römischen Reiches, bei anderen Wörtern begann dieser Prozess erst später. Die portugiesische Sprache wurde vom Latein immer wieder beeinflusst; so gelangten später auch Wörter aus der lateinischen Schriftsprache des Mittelalters und der frühen Neuzeit ins Portugiesische. Diese so genannten Buchwörter haben sich gegenüber der lateinischen Form wenig verändert, während die Wörter, die aus dem gesprochenen Latein entstanden sind (Erbwörter), stark verändert wurden.
Die Prozesse, durch welche aus lateinischen Erbwörtern portugiesische Wörter wurden, sind im Einzelnen:
- Nasalierung: Ein Vokal vor [m] und [n] wird leicht zu einem nasalen Vokal, dies ist ein Phänomen, welches in vielen Sprachen existiert. Im Portugiesischen passierte das zwischen dem 6. und 7. Jahrhundert, im Unterschied zum Spanischen, wo dies nie passiert ist.
- Mond im Vulgärlatein heißt LUNA und wird zu [lũ:a] (geschrieben: Lua, 'Mond').
- Palatalisierung: eine Anpassung vor den Vokalen [i] und [e], oder in der Nähe der Halbvokale oder des palatalen [j]:
- CENTUM > [tj]ento > [ts]ento > cento 'Hundert'
- FACERE > fa[tj]ere > fa[ts]er > fa[dz]er > fazer 'machen'
- eine ältere Evolution hatte: FORTIA -> for[ts]a > força 'Stärke, Kraft'
- Elision (Auslassung) von Konsonanten zwischen zwei ähnlich klingenden Vokalen:
- DOLERE/DOLOR > door > dor 'Schmerz'
- BONUS > bõo > bom, 'gut'
- ANELLUM > ãelo > elo 'Ring'
- Sonorisation (Änderung der Stimmhaftigkeit): einige Konsonanten wurden zu stimmhaften Konsonanten:
- MUTUS > mudo 'taub'
- LACUS > lago 'See'
- FABA > fava 'dicke Bohne'
- Degemination (Vereinfachung von doppelten Konsonanten):
- GUTTA > gota 'Tropfen'
- PECCARE > pecar 'sündigen'
- Dissimilierung – Änderung eines Lautes durch Einfluss eines anderen ähnlichen Lautes:
- Dissimilierung zwischen Vokalen:
- LOCUSTA > lagosta 'Hummer'
- CAMPANA > campãa > campa 'Grab'
- Dissimilierung zwischen Konsonanten:
- MEMORARE > nembrar > lembrar 'erinnern'
- ANIMA > alma 'Seele'
- LOCALE > logar > lugar 'Platz'
Wörter germanischen Ursprunges
- ganhar 'gewinnen' aus dem germanischen waidanjan
- guerra 'Krieg' aus dem gotischen - wirro
- roubar 'rauben' aus dem germanischen raubon
- saga 'Sage, Märchen' aus dem gotischen saega
Wörter arabischen Ursprunges
Arabische Lehnwörter stellen etwa 10 % der portugiesischen Lexik, zum Beispiel:
- alface 'Blattsalat' von alkhass
- almofada 'Kissen' von almukhadda
- armazém 'Lager' von almahazan
- azeite '(Oliven-) Öl' von azzait
- garrafa 'Flasche' von garrafâ
Wörter afrikanischen, asiatischen und indianischen Ursprunges
Durch die Entdeckungen kam das Portugiesische in Kontakt mit lokalen afrikanischen, asiatischen und indianischen Sprachen, von denen die portugiesische Sprache viele Elemente aufgenommen und an andere europäische Sprachen weitergegeben hat. Besonders geografische Bezeichnungen in Afrika und Brasilien gehen auf die Sprachen der Einwohner dieser Regionen zurück.
Asiatische Sprachen:
- chá 'Tee', aus dem chinesischen cha
- jangada 'Floß', aus dem Malaiischen
- manga 'Mango', aus dem malaiischen mangga
Indianische Wörter:
- abacaxi 'Ananas' aus dem Tupi ibá und cati
- caju 'Cashew-Nuss'
- jaguar 'Jaguar' aus dem Tupi-Guaraní jaguara
- mandioca 'Maniok'
- pipoca 'Popcorn'
- tatu 'Gürteltier' aus dem Guaraní tatu
- tucano 'Tukan' aus dem Guarani tucan
Schwarzafrika:
- banana 'Banane' aus dem Wolof
- farra 'Wilde Feier' aus dem Bantu
- chimpanzé 'Schimpanse' aus dem Bantu
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Portugiesische Literatur
Hauptartikel: Portugiesische Literatur
In der frühen portugiesischen Literatur hatte die Poesie die höchste Bedeutung. Einer der berühmtesten Literaten Portugals ist deshalb Luís de Camões ( - 1524; † 1580), der mit dem Epos Die Lusiaden eines der wichtigsten Werke geschaffen hat. Seine Bedeutung wird nicht zuletzt dadurch illustriert, dass die portugiesische Entsprechung zum deutschen Goethe-Institut Instituto Camões heißt.
Andere wichtige Autoren sind der Romancier Eça de Queirós (1845–1900), der Dichter Fernando Pessoa (1888–1935), der brasilianische Romancier Jorge Amado (1912–2001), und der Literat
Urteil
Allgemein gesprochen ist ein Urteil eine Entscheidung über einen bestimmten Sachverhalt oder Erkenntnisgegenstand.
Im gerichtlichen Verfahren ist ein Urteil die instanzerledigende Entscheidung, die das erkennende Gericht in der Regel auf Grund einer mündlichen Verhandlung erlässt. Neben dem Urteil gibt es auch andere Formen gerichtlicher Entscheidungen.
Arten von Urteilen
Man unterscheidet zwischen einem Prozessurteil und einem Sachurteil. Durch Prozessurteil wird die Klage als unzulässig abgewiesen. Mit dem Sachurteil wird eine inhaltliche Entscheidung über den Prozessgegenstand ausgesprochen.
Im deutschen Recht gibt es nach der Zivilprozessordnung (ZPO) neben dem abschließenden Endurteil (§ 300 ZPO), mit dem der Rechtsstreit in der jeweiligen Instanz vollständig beendet wird, noch das Teilurteil (§ 301 ZPO), das nur über einen Teil der geltend gemachten Ansprüche entscheidet.
Ferner gibt es das Vorbehaltsurteil (§ 302 ZPO), Zwischenurteil (§ 303 ZPO), das Zwischenurteil über den Grund, in der Praxis kurz Grundurteil genannt (§ 304 ZPO), die Vorbehaltsurteile der §§ 305, 305 a ZPO, das Anerkenntnisurteil (§ 307 ZPO) und das Versäumnisurteil gemäß den §§ 330 ff. ZPO.
Nach dem sachlichen Inhalt des Urteils unterscheidet man im Zivilprozess:
:; Leistungsurteile : verurteilen den Beklagten zu einer bestimmten Leistung (z. B. Zahlung), einer Duldung oder einer Unterlassung. Leistungsurteile können durch Zwangsvollstreckung durchgesetzt werden.
:; Feststellungsurteile : entscheiden darüber, ob zwischen den Parteien ein streitiges Rechtsverhältnis besteht oder nicht besteht (z. B., ob das Mietverhältnis durch die Kündigung beendet wurde).
:; Gestaltungsurteile : wirken unmittelbar gestaltend auf einen bestehenden Rechtszustand ein.
Kategorie:Zivilprozessrecht
KetzerAllgemein werden heute Menschen als Ketzer (von Katharer, einer häretischen Gruppe des Mittelalters) bezeichnet, die eine Meinung vertreten, die von der herrschenden Meinung abweicht. Insbesondere wird der Ausdruck für Individuen und Gruppen verwendet, die eine offizielle kirchliche Lehre bestreiten.
Ketzerverfolgung gab es nicht nur im katholischen, sondern auch im protestantischen Bereich. So wurde Thomas Morus im England des 16. Jhdt. hingerichtet, weil er sich weigerte, Heinrich VIII. als Oberhaupt der englischen Kirche anzuerkennen.
Ketzer waren oft mit glühendem Eifer und Idealismus von ihrer Sache überzeugt. Durch ihr persönliches Leben verschafften sie sich häufig eine Abneigung gegenüber der etablierten Kirchen.
Daneben gab es immer wieder auch Menschen, die durch Denunziation als Ketzer verfolgt wurden.
Sie übten zum einen Kritik an dem persönlichen Verhalten der Amtsträger, und vertraten zum anderen stark abweichenden Meinungen, die den kirchlich festgelegten Rahmen verließen. Darunter waren zumeist Meinungen, die auch gegenwärtig nicht den offiziellen Lehren christlicher Kirchen entsprechen.
So vertraten die oben erwähnten Katharer des 13. Jahrhunderts eine extreme Leibfeindlichkeit (nur der Geist ist gut) und die Auffassung, dass es zwei gleichberechtigte Mächte gebe, die gegeneinander kämpfen - einen guten und einen bösen Gott (Manichäismus). Die christliche Auffassung hingegen ist die, dass das destruktive Moment (das Böse) dem schöpferischen Moment (dem Guten) untergeordnet ist. Das Böse kann nicht ohne das Gute existieren.
Heutzutage wird im Protestantismus und Katholizismus Theologen, die stark abweichende Meinungen vertreten, die Lehrerlaubnis entzogen. So darf zum Beispiel der evangelische Theologe Gerd Lüdemann, der die Auferstehung Christi leugnet, keine evangelischen Religionslehrer mehr ausbilden. Aufsehenerregender sind allerdings die Fälle, in denen die katholische Kirche Theologen die Lehrerlaubnis entzog.
Einige Personen, die von der katholischen Kirche als Ketzer verurteilt worden waren, wurden rehabilitiert (Galileo Galilei) 1992 oder sogar heilig gesprochen (Jeanne d'Arc).
Gründe, warum Menschen als Ketzer verurteilt wurden:
- radikal neue Lehren (John Wyclif, Jan Hus, Martin Luther, Täufer)
- Ablehnung kirchlicher Autorität (John Wyclif, Jan Hus, Martin Luther, Täufer)
- Kritik am Machtmissbrauch durch die Kirche (Hans Böhm)
- Widerspruch zum bisherigen Weltbild, (Galileo Galilei, Giordano Bruno)
- Politische und wirtschaftliche Gründe und (Templer, Jeanne d'Arc, Hans Böhm)
- Sexualität (Katharina Hetzeldorfer)
Persönlichkeiten, die als Ketzer verurteilt wurden
- Hieronymus von Prag
- William Tyndale
- Girolamo Savonarola
- Michael Servetus
- Thomas Cranmer
- Balthasar Hubmaier
- Jörg Blaurock
- Mansur al-Halladsch (islamischer Mystiker; siehe auch Sufismus)
- Lucilio Vanini
Siehe auch: Inquisition, Hexenverfolgung
Literatur
- Nigg, Walter: Das Buch der Ketzer. Diogenes, ISBN 3-257-21460-X
- Grigulevic, Josif, R.: Ketzer, Hexen, Inquisitoren. Ahriman, ISBN 3-89484-500-7
- Lambert, Malcolm: Häresie im Mittelalter. Von den Katharern bis zu den Hussiten. Primus, ISBN 3-89678-184-7
- Winter, Eduard: Ketzerschicksale. Patmos, Albatros, 2002, ISBN 3-491-96048-7
Kategorie:Häresie
GlaubensbekenntnisEin Glaubensbekenntnis ist in einer Religion ein öffentlicher Ausdruck des persönlichen und kollektiven Glaubens, zu dem der oder die Sprecher sich bekennen.
Ein Glaubensbekenntnis hat verschiedene Funktionen:
- Es ist Anerkennung und Ausdruck der Gemeinschaft, die durch diesen Glauben gegeben ist (z.B. beim gemeinsamen Rezitieren im Rahmen eines Gottesdienstes).
- Es fasst ihre Glaubenslehre in die wesentlichen Punkte zusammen.
- Es enthält eine Selbstverpflichtung, nach diesem Glauben zu leben (z.B. bei der Ordination eines kirchlichen Amtsträgers).
- Es markiert die zentralen Glaubensinhalte, die eine Religion oder Überzeugung gegen andere Religionen oder Konfessionen abgrenzen.
- Es gibt die Richtung an, in der diese Glaubensinhalte, oft in Heiligen Schriften dargelegt, verstanden werden (sollen).
- Es kann in bestimmten Kampfsituationen zum Ausdruck der ultimativen Entscheidung für den eigenen, gegen den Glauben anderer werden.
Das Wort Glaubensbekenntnis ist eine Übersetzung von Philipp von Zesen aus dem Wort Konfession.
Das ausdrückliche Bekennen des eigenen Glaubens vor Gott und der volkhaften Gemeinde ist im Judentum seit seinen Anfängen zentral.
Ein altes biblisches Credo Israels lautet:
:"Ein umherziehender Aramäer war mein Vater; er zog nach Ägypten hinab und hielt sich dort als Fremdling mit wenigen Angehörigen auf; aber er wurde dort zu einem großen, starken und zahlreichen Volk. Doch die Ägypter misshandelten uns; sie quälten uns und legten uns harten Frondienst auf. Da schrien wir zu Jahwe, dem Gott unserer Väter. Jahwe erhörte unser Rufen und sah unsere Qual, unsere Mühsal und Bedrängnis. Und Jahwe führte uns heraus mit starker Hand und ausgestrecktem Arm, mit großen, furchterregenden Taten, mit Zeichen und Wundern. Er brachte uns an diesen Ort und gab uns dieses Land; ein Land, das von Milch und Honig überfließt." (5. Mose 26, 5-9)
Das Bekenntnis zu den befreienden Geschichtstaten Gottes wurde zum gemeinsamen Glauben Israels, der die 12 hebräischen Stämme zu dem erwählten Volk Gottes einte, das nur einen Gott kannte und verehrte (Josua 24, 18). Ein Großteil der biblischen Geschichtsüberlieferung hat daher Bekenntnischarakter und enthält Credo-artige Texte.
Das "Schma Jisrael" (Höre, Israel) wurde zum wichtigsten Glaubensbekenntnis dieses Volkes, das seine Existenz den Befreiungstaten Jahwes in der Geschichte verdankt:
:"Höre, Israel, Jahwe ist unser Gott, Jahwe allein! Und Du sollst Jahwe, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all Deiner Kraft." (5. Mose 6, 4-5).
Dieses Bekenntnis enthält als Anrede an die versammelte Gemeinde zuerst die Zusage des Bundes Gottes mit seinem Volk: "Jahwe ist unser Gott!", sodann das alle Volksangehörigen beschlagnahmende Gebot: "Und Du sollst..." Damit antwortet das Bekenntnis auf das erste der Zehn Gebote, das lautet:
:"Ich bin Jahwe, Dein Gott, der Dich aus Ägypten, aus der Sklaverei geführt hat. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. ..." (2. Mose 20, 2f/ 5. Mose 5, 6f)
Diese besondere, gemeinschaftliche und konzentrierte Antwort des Glaubens auf den einzigen Gott, der sich seinem Volk offenbart, hat das Judentum an das Christentum und den Islam "vererbt".
Neues Testament
Im Neuen Testament übernimmt Jesus Christus ausdrücklich das israelitische Schma Jisrael als sein eigenes Credo, und zwar bereits in der Gestalt, in der es im Judentum bis heute gebetet wird: indem er dem ersten Gebot der Gottesliebe das Gebot der Nächstenliebe gleichrangig zur Seite stellt (Markus 12, 29-31). Damit ist der Gott Israels auch für alle Christen der einzige Gott, den sie mit aller Kraft zu lieben haben wie sich selbst. Bekennen, Beten und Nachfolgen sind im christlichen wie im jüdischen Glauben eins.
Das urchristliche Bekenntnis zu diesem Gott wird ebenfalls als Rückblick auf und Lobpreis seiner rettenden Taten verkündet:
:"...Diesen Jesus hat Gott auferweckt; dafür sind wir alle Zeugen! ... So wisse nun das ganze Haus Israel gewiss, dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Kyrios und Christus gemacht hat." (Apostelgeschichte 2, 14-36)
Damit wurde der Eigenname des einzigen Gottes (hebräisch "Jahwe" = griechisch "Kyrios") auf diesen Galiläer, Gottes Sohn, übertragen. So hat das Christentum den Glauben des Judentums einerseits bewahrt, andererseits auf Jesus Christus bezogen und konzentriert. Damit markiert das urchristliche Credo die Bindung und Unterscheidung zum Judentum zugleich.
Die Urform aller neutestamentlichen Glaubensbekenntnisse lautet: Jesus (Christus) ist Herr (Jahwe)!.
Eines der ältesten christlichen Zusammenfassungen der christlichen Glaubenslehre findet sich bei Paulus im ersten Korintherbrief 15,3ff:
:"Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf."
Altkirchliche Bekenntnisse
Schon aus dem zweiten Jahrhundert sind Taufbekenntnisse bekannt. Aus diesen entwickelte sich dann in der westlichen Tradition das altrömische und das Apostolische Glaubensbekenntnis in lateinischer Sprache, in der östlichen Tradition verschiedene griechischsprachige Varianten, aus denen dann 325 das Nizänisches Glaubensbekenntnis und 381 das Nicäno-Konstantinopolitanum entwickelten.
Das Nicäno-Konstantinopolitanum wird von praktisch allen christlichen Traditionen als verbindliches Credo akzeptiert, das apostolische Glaubensbekenntnis von praktisch allen westlichen Traditionen.
Ein weiteres in den westlichen Kirchen weit verbreitetes Bekenntnis ist das Athanasianische Glaubensbekenntnis, das heute z.B. in der Evangelischen Kirche im Rheinland neben Apostolicum und Nicaeno-Constantinopolitaneum zu den drei grundlegenden Bekenntnissen gehört.
Konfessionelle Bekenntnisschriften und Katechismen
Neben den Glaubensbekenntnissen für den gottesdienstlichen Gebrauch gibt es noch Bekenntnisse verschiedener Konfessionen, die eher in Form dogmatischer Lehrsätze gefasst und überliefert sind: z.B. die evangelische Confessio Augustana der Lutheraner, das Zweite Helvetische Bekenntnis und den Heidelberger Katechismus der Reformierten, die Bekenntnisschrift Barmer Theologische Erklärung der Bekennenden Kirche, die Westminster Confession der Puritaner, die "Rechenschaft vom Glauben" des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland, das Glaubensbekenntnis der Baptisten von Johann Ludwig Hinrichs 1840 (siehe Abbildung).
Nach evangelischem Verständnis werden Glaubensbekenntnisse als Richtlinien des Glaubens norma normata (=normierte Norm) verstanden. Das heißt: Sie sind zwar verbindlich, sind aber selbst durch etwas anderes normiert, nämlich durch die Bibel als norma normans (=normierende Norm). Sie können sich also nur dadurch legitimieren, dass sie von der Eigenverkündigung der Bibel gedeckt sind und diese bewahren.
Siehe auch
Christliche Glaubensbekenntnisse, Bekenntnisse der Täufer, Baptistische Bekenntnisse, Katechismus, Dogmatik, Glaube, Kirche
Weblinks
- [http://www.glaubensstimme.de/bekenntnisse/index.html Glaubensstimme.de - Umfangreiche Sammlung christlicher Bekenntnisse]
- [http://www.reformiert-online.net/t/de/bildung/grundkurs/gesch/lek6/print6.pdf Reformierte Bekenntnisse im 16. und 17. Jahrhundert]
Islam
Der Islam kennt als Glaubensbekenntnis die Schahada, deren Kernsatz auf deutsch in etwa heißt: "Es gibt keine Gottheit außer Allah. Muhammad ist der Gesandte und Diener Allahs."
Kategorie:Religion
Kategorie:Bekenntnis
Europa
Europa ist das westliche Fünftel der eurasischen Landmasse und wird von Europäern üblicherweise als eigenständiger Kontinent betrachtet, obwohl es eigentlich ein Subkontinent ist. Insgesamt hat Europa eine Fläche von 8,327 Millionen Quadratkilometern, was Europa nach Australien zum zweitkleinsten Kontinent macht. Dennoch besitzt Europa mit rund 730 Millionen Einwohnern die drittgrößte Bevölkerung aller Kontinente. Die Ausdehnung erstreckt sich von der Nordsee und dem Atlantischen Ozean im Westen bis zum Ural im Osten.
Ural
Geographie
Europa hat eine Fläche von 8,327.000 km² und eine Küstenlänge von 37.200 km. Der nördlichste Punkt des Kontinents liegt bei ca. 71,2° n. Br. in Knivskjelodden, Norwegen, der südlichste Punkt in Tarifa im Süden Spaniens. Damit beträgt die Nord-Süd Ausdehnung ca. 3.800 Kilometer. Von Ost nach West erstreckt sich die Landmasse Europas vom Uralgebirge in Russland bis zur Atlantikküste Portugals, was ca. 6.000 Kilometer West-Ost Ausdehnung bedeutet.
Insgesamt ist Europa stark zergliedert. Es beinhaltet einige größere Halbinseln, wie die Iberische Halbinsel, die Apenninhalbinsel, die Skandinavische Halbinsel und die Balkanhalbinsel, sowie viele weitere, kleinere Halbinseln wie Bretagne und Jütland. Außerdem gibt es noch eine Vielzahl von Inseln, die größten sind die Britischen Inseln, Island, Sardinien und Sizilien.
Sizilien
Im Norden grenzt Europa an einzelne Randmeere des Nordpolarmeeres wie die Barentssee und das Europäische Nordmeer. Obwohl sich die Nebenmeere Nord- und Ostsee streng genommen innerhalb des Kontinents befinden, wird die Nordsee auch als seewärtige Grenze angesehen. Im Südosten grenzt Europa an das Kaspische Meer, im Süden an das Schwarze Meer und an das Mittelmeer, und im Westen an den Atlantischen Ozean.
Der höchste Punkt des Kontinents liegt je nach Definition der "Grenzen" Europas entweder im nördlichen Kaukasus in Russland (Elbrus (5.642 Meter)) oder aber in den Alpen zwischen Frankreich und Italien (Montblanc (4.808 Meter)). Der niedrigste Punkt Europas liegt mit 28 Metern unter dem Meeresspiegel an der Nordküste des Kaspischen Meeres.
Siehe auch: Mittelpunkt Europas
Innereurasische Grenze
Das Ural-Gebirge, der Ural-Fluss, das Kaspische Meer, die Manytschniederung nördlich des Kaukasus, das Schwarze Meer sowie Bosporus, Marmarameer und Dardanellen bilden unter anderem die Grenze zwischen Europa und Asien.
Siehe auch: Innereurasische Grenze
Untergliederung
- Nordeuropa
- Nordwesteuropa
- Nordosteuropa
- Mitteleuropa
- Ostmitteleuropa
- Osteuropa
- Südeuropa
- Südosteuropa
- Westeuropa
Flüsse
Westeuropa
Die längsten Flüsse Europas (über 1.000 km) sind:
#Wolga (3.531 km)
#Donau (2.850 km)
#Ural (2.428 km) (an der "innereurasischen" Grenze)
#Dnjepr (2.200 km)
#Don (1.870 km)
#Petschora (1.809 km)
#Kama (1.805 km)
#Oka (1.500 km)
#Belaja (1.430 km)
#Dnjestr (1.352 km)
#Rhein (1.320 km)
#Wjatka (1.314 km)
#Elbe (1.165 km)
#Desna (1.130 km)
#Weichsel (1.047 km)
#Düna (1.020 km)
#Loire (1.020 km)
#Choper (1.010 km)
#Tajo (1.007 km)
Siehe auch: Liste europäischer Flüsse, Die längsten Flüsse der Erde
Berge
Die höchsten Berge in Europa sind:
#Elbrus (5.642 m), Russland, Kaukasus (umstritten, weil innereurasische Grenze unterschiedlich festgelegt ist)
#Dykh Tau (5.203 m), Russland, Kaukasus (umstritten)
#Rustaveli (5.201 m), Georgien, Kaukasus (umstritten)
#Koshtan Tau (5.150 m), Russland, Kaukasus (umstritten)
#Pushkin (5.100 m), Russland, Kaukasus (umstritten)
#Shkhara (5.068 m), Russland/Georgien, Kaukasus (umstritten)
#Kazbek (5.047 m), Russland/Georgien, Kaukasus (umstritten)
#Mizhirgi (5.025 m), Russland, Kaukasus (umstritten)
#Katyn (4.974 m), Russland, Kaukasus (umstritten)
#Shota Rustaveli (4.960 m), Russland, Kaukasus (umstritten)
#Borovikovs topp (4.888 m), Russland, Kaukasus (umstritten)
#Mont Blanc (4.808 m; mit Eiskappe), Grenze Frankreich-Italien, Alpen
#Dufourspitze (4.634 m; Monte-Rosa-Massiv), Grenze Schweiz-Italien, Alpen
#Dom (4.545 m), Schweiz, Alpen
#Weisshorn (4.505 m), Schweiz, Alpen
#Lyskamm (4.480 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen
#Matterhorn (4.478 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen
#Dent Blanche (4.357 m), Schweiz, Alpen
#Finsteraarhorn (4.274 m), Schweiz, Alpen
#Zinalrothorn (4.221 m), Schweiz, Alpen
#Alphubel (4.206 m), Schweiz, Alpen
#Rimpfischhorn (4.199 m), Schweiz, Alpen
#Aletschhorn (4.192 m), Schweiz, Alpen
#Dent d'Hérens (4.171 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen
#Breithorn (4.164 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen
#Jungfrau (4.158 m), Schweiz, Alpen
#Mönch (4.107 m), Schweiz, Alpen
#Ecrins (4.101 m), Frankreich, Alpen
#Schreckhorn (4.078 m), Schweiz, Alpen
#Gran Paradiso (4.061 m), Italien, Alpen
#Großes Fiescherhorn (4.049 m), Schweiz, Alpen
#Piz Bernina (4.049 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen
#Weissmies (4.023 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen
#Ortler (3.905), Italien, Alpen
Die bekanntesten Vulkane in Europa sind:
- Ätna (italien. Etna) (veränderlich um 3.370-3.400 m), Sizilien, Italien
- Hvannadalshnjúkur (2.119 m, unter dem Vatnajökull), höchster Berg auf Island
- Grímsvötn (1.725 m; unter dem Vatnajökull), Island
- Herðubreið (1.682 m, unter dem Vatnajökull), Island
- Vesuv(io) (ca. 1.200 m), Italien
- Stromboli (ca. 926 m), vulkanische Insel, Italien
- Santorini (Σαντορίνη) (575 m), vulkanische Insel, Griechenland
Klima
Der Kontinent liegt hauptsächlich in den gemäßigten Breiten. Das Klima ist in Europa im Vergleich mit Gebieten gleicher geographischer Breite in anderen Erdteilen wegen des Einflusses des relativ warmen Golfstroms milder. Die durchschnittliche Jahrestemperatur von Neapel beträgt beispielsweise 16 °C, während das auf nahezu gleicher Breite liegende New York 12 °C erreicht.
Schwankungen der Temperatur innerhalb eines Jahres sind in den größten Teilen des Erdteils relativ gering. Kühlen Winter stehen milde Sommer gegenüber. Nur in Gebieten, die weit vom Meer, also auch von dessen klimatisch ausgleichenden Einfluss entfernt liegen, sind die Temperaturunterschiede in verschiedenen Jahreszeiten stärker. In größten Teilen Osteuropas ist das Klima durch das Fehlen des Meeres in unmittelbarer Nähe vorwiegend kontinental geprägt. Kalte Winter und heiße Sommer sind in diesen Regionen vorherrschend.
Durch die Erdrotation und der damit verbundenen ablenkenden Kraft kommen Winde hauptsächlich aus westlicher Richtung. Da in den Küstengebieten Westeuropas deswegen Winde vornehmlich vom Atlantischen Ozean wehen, kommt es fast ganzjährig zu Regen. In Ost-und Mitteleuropa ist die Niederschlagsmenge dagegen vergleichsweise gering, da wiederum der Einfluss des Meeres auf diese Regionen zu gering ausfällt.
Hochgebirge können die Niederschlagsmenge ebenfalls stark beeinflussen. So ist der mittlere Jahresniederschlag nördlich der Alpen deutlich geringer als südlich. Die Alpen wirken in diesem Fall als Barriere, durch den es nur wenige Regenfronten schaffen durchzudringen.
In Gebieten nahe des Mittelmeers herrscht überwiegend mediterranes Klima, das heißt trockene und heiße Sommer, während es im Winter mild und feucht ist. Im Sommer gibt es vorwiegend Winde aus nördlicher Richtung, im Winter bringen westliche Winde aus Richtung des Atlantischen Ozeans dagegen häufigen Niederschlag mit.
Im Norden Europas herrscht arktisches Klima, im Südosten an der Wolga dagegen Kontinentalklima mit heißen Sommern und geringem Niederschlag.
Bevölkerung
Europa hat mit ca. 730 Millionen Einwohnern nach Asien und Afrika die drittgrößte Bevölkerungszahl aller Kontinente und gehört zu den dichter besiedelten Teilen der Erde. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte beträgt 66/km². Vor allem in West-, Mittel- und Südeuropa ist die Bevölkerungsdichte relativ hoch, während sie weiter nach Norden und Osten stark abnimmt.
Sprachen
Mehr als 90 Prozent der Einwohner Europas sprechen indogermanische Sprachen.
Am weitesten verbreitet sind slawische, germanische und romanische Sprachen. Auch Griechisch, Albanisch, die baltischen und keltischen Sprachen, sowie das Romani zählen zu den indogermanischen Sprachen.
Die uralischen Sprachen stellen die zweitgrößte Sprachfamilie Europas dar.
Sie unterteilen sich weiter in die samojedischen Sprachen, die von einigen wenigen Tausend im Menschen im äußersten Nordosten Europas gesprochen werden, und in die finno-ugrischen Sprachen.
Hierzu zählen vor allem Finnisch, Ungarisch, Estnisch als Amtssprachen, ferner die in Lappland gesprochenen samischen Sprachen und einige Minderheitensprachen, vor allem in Russland.
Im europäischen Teil der Türkei ist mit Türkisch eine altaische Sprache Amts- und Titularsprache.
Andere Turksprachen sind als Minderheitensprachen in Ost- und Südosteuropa verbreitet, so etwa das Gagausische und das Tatarische.
Mit Kalmückisch wird am Ostrand des Kontinents auch eine Sprache des mongolischen Zweigs der Altaisprachen in Europa gesprochen.
Mit Maltesisch ist auf der Insel Malta zudem eine Sprache des semitischen Zweigs der afroasiatischen Sprachen Amtssprache.
Die in Spanien und Frankreich gesprochene baskische Sprache wird keiner größeren Sprachfamilie zugerechnet, ihr Ursprung konnte durch die moderne Sprachwissenschaft nicht rekonstruiert werden und ist nach wie vor unbekannt.
Darüber hinaus werden heute in Europa zahlreiche weitere Sprachen aus anderen Sprachfamilien gesprochen, die durch Einwanderer in jüngerer Zeit hierher gelangt sind.
Am gebräuchlichsten in Europa ist das lateinische Alphabet, gefolgt von dem kyrillischen Alphabet (in Russland, Weißrussland, der Ukraine, Bulgarien, Serbien, Mazedonien und Teilen Montenegros) und dem griechischen Alphabet.
Siehe auch: Liste von Sprachen in Europa, Minderheitensprachen in der Europäischen Union, Amtssprachen der Europäischen Union
Religionen
Ca. 75% der Europäer sind Christen (vor allem katholisch, protestantisch, orthodox). 7 % sind Muslime (vor allem in Südosteuropa sowie Einwanderer aus islamischen Ländern in England, Frankreich, Deutschland, Italien), außerdem gibt es Juden sowie eine größere Zahl von in jüngerer Zeit aus anderen Teilen der Welt nach Europa gekommener oder neu entstandenener Religionen.
Ca. 18 % der Europäer sind konfessionslos, besonders in den Städten und den ehemals kommunistischen Ländern im Osten, zum Teil aber auch in Deutschland.
Das Christentum erreichte Europa erstmals im 1. Jahrhundert nach Chr. Der Islam breitete sich im 8. Jahrhundert auf der Iberischen Halbinsel, wurde aber im Zuge der "Reconquista" vom 13. bis zum 15. Jahrhundert wieder verdrängt. Europäer verbreiteten das Christentum durch Einwanderung und Mission in Amerika, Australien und in geringerem Maße auch auf anderen Kontinenten (Teile Südostasiens, Afrikas und Ozeaniens). Heute ist Europa weitgehend säkularisiert.
Städte und Metropolen
Ozeanien
Lissabon war eine der ersten kosmopolitischen Metropolen der Welt, da sie in Zeiten des Imperialismus Zentrum eines großen Kolonialreiches war. Noch 1950 befanden sich vier Städte der heutigen Europäischen Union unter den zwanzig größten der Welt, seitdem wachsen die europäischen Städte kaum noch, verlieren teilweise an Einwohnerzahlen. Diese vier größten EU-Städte waren London auf dem zweiten Platz hinter New York, Paris auf dem vierten Platz hinter Tokio, Mailand und Neapel belegten noch Platz 13 bzw. 19.
Doch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts holten die Städte der restlichen Welt, besonders die der Entwicklungsländer, z. B. Mexiko-Stadt, Manila oder São Paulo, bei den Einwohnerzahlen auf und führen jetzt die Tabelle der Welt an.
Problematisch beim Vergleich der Metropolen ist die in Deutschland übliche Abgrenzung anhand der Gemeindegrenzen, da andere Staaten dies in ihren Statistiken nicht tun (z.B. USA, Frankreich, Australien, Großbritannien). Daher fehlen in der unteren Auflistung der Metropolen polyzentrische Stadtregionen wie Rhein-Ruhr und Rhein-Main in Deutschland oder das oberschlesische Industriegebiet in Polen.
Die europäischen Hauptstädte finden sich in der Liste der Hauptstädte der Welt.
Entfernungen verschiedener europäischer Städte (Alle Messungen sind in Luftlinie angegeben):
- Amsterdam (NL) – Warschau (PL), ca. 1.100 km
- Helsinki (FIN) – Rom (I), ca. 2.200 km
- Belgrad (SCG) – Dublin (IRL), ca. 2.150 km
- Edinburgh (GB) – Hamburg (D), ca. 900 km
- Istanbul (TR) – Lissabon (P), ca. 3.200 km
- Sagres (P) – Ust Kara (RUS), ca. 5.580 km
- Wien (A) – Bratislava (SK), ca. 60 km
Kultur und Bildung
In allen Staaten Europas gibt es eine Schulpflicht oder mindestens eine Bildungspflicht, die oft vom 6. oder 7. bis zum 15. oder 16. Lebensjahr dauert. Die Grundschulzeit beträgt vier bis fünf Jahre in den meisten, sieben oder acht Jahre in den wenigsten Ländern. Danach folgt meist eine weiterführende Schule, die auch verschiedene Schultypen und -arten umfassen kann. Die Analphabetenrate ist in fast allen Ländern durch verschiedene Förderungen des Bildungssystems sehr niedrig. In vielen Ländern gibt es außerdem sehr renommierte Hochschulen und Universitäten, teilweise auch mit bestimmten fachlichen Schwerpunkten.
Bildhauerei, Malerei, Literatur, Architektur und Musik haben in Europa eine lange Tradition. Viele Städte, wie beispielsweise Paris, Rom, Berlin und Moskau werden heute als kulturelle Zentren betrachtet. Außerdem besitzen viele Städte wichtige Theater, Museen, Orchester und weitere bedeutende Einrichtungen.
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte Europas
Für den Menschen war Europa erst die dritte Wahl. Vor etwa 800.000 Jahren soll die Besiedlung durch den Homo antecessor begonnen haben, etwa eine halbe Million Jahre, nachdem Ostasien von Afrika aus besiedelt worden war. Während die Entwicklung des Homo sapiens in Afrika ablief, war Europa die Domäne von Homo heidelbergensis und Homo neanderthalensis. Trotz - oder vielleicht auch wegen - der widrigen Bedingungen durch die Eiszeit sollen diese Menschen vor etwa 100.000 Jahren angefangen haben, die Kultur der Altsteinzeit zu verfeinern. Mit der Jungsteinzeit und der Bronzezeit begann in Europa eine lange Geschichte großer kultureller und wirtschaftlicher Errungenschaften, zunächst im Mittelmeerraum, dann auch im Norden und Osten.
Besonders die griechische Kultur, das Römische Reich und das Christentum hinterließen ihre Spuren bis heute. In der späteren Antike vereinigte das Römische Reich erstmals das gesamte südliche Europa zusammen mit den anderen Küstenländern des Mittelmeeres in einem Großreich. Im Römischen Reich konnte sich die neue Religion des Christentums schnell ausbreiten. Trotz aller Verfolgungen wurde das Christentum unter Kaiser Konstantin I. Staatsreligion und wirkt bis heute fort.
Das Mittelalter war geprägt von der Konkurrenz zwischen dem neuen römischen Kaiser im Westen und dem alten römischen Kaiser in Byzanz, auf deren beiden Einflussspären die Spaltung in ein westliches und östliches Europa zurückgeht. Missionare verbreiteten das Christentum über Nord- und Osteuropa, so dass ganz Europa christlich wurde. Im westlichen Europa gab es Auseinandersetzungen zwischen von Kaiser und Papst um die Vorherrschaft. Die Reformation im 16. Jahrhundert spaltete die Kirche in einen katholischen und evangelischen Teil. Religionskriege waren die Folge. 1618 bis 1648 verwüstete der Dreißigjährige Krieg weite Teile Mitteleuropas.
Seit dem 15. Jahrhundert bauten europäische Nationen (besonders Spanien, Portugal, Russland, die Niederlande, Frankreich und das Vereinigte Königreich) koloniale Imperien mit großen Besitztümern in Afrika, Amerika und Asien.
Europa ist der Kontinent, der die anderen Erdteile am meisten beeinflusst hat (zum Beispiel durch christliche Missionierung, Kolonien, Sklavenhandel, Warenaustausch und Kultur).
Im 18. Jahrhundert setzte die Bewegung der Aufklärung neue Akzente und forderte Toleranz, die Achtung der Menschenwürde, Gleichheit und Freiheit. 1789 kam durch die Französische Revolution zum ersten Mal das Bürgertum an die Macht. Im frühen 19. Jahrhundert musste sich halb Europa nach dem Willen des französischen Kaisers Napoleon richten, bis er 1812 in Russland ein Fiasko erlebte.
Die Industrialisierung begann in Teilen Europas im 18. Jahrhundert und veränderte rasant den Alltag breiter Bevölkerungsschichten. Als Folge der Verarmung der Arbeiter entstand im 19. Jahrhundert die Kommunistische Bewegung. Daneben war das 19. Jahrhundert stark bestimmt vom Gedanken der Demokratie, vom Reaktionismus und vom Imperialismus. Sowohl der Erste Weltkrieg (1914 bis 1918) als auch der Zweite Weltkrieg (1939 bis 1945) brachen in Europa aus und richteten riesige Zerstörungen an.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und im Kalten Krieg war Europa in zwei große politisch-ökonomische Blöcke geteilt: pseudo-sozialistische Nationen in Osteuropa und kapitalistische Nationen in Westeuropa. Man sprach auch vom Eisernen Vorhang, der die Staaten Europas voneinander trennte.
Erst Perestroika und Glasnost führten in der Sowjetunion Mitte der 1980er Jahre zu einem politischen Kurswechsel. 1989 brach der Ostblock auf, die Berliner Mauer fiel, und die Sowjetunion und der Warschauer Pakt lösten sich auf.
Seit den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wachsen die Kulturen Europas verstärkt zusammen, was sich zum einen durch Institutionen wie die EU, aber auch durch die Bevölkerungs- und Wirtschaftsschwerpunkte zeigt (siehe auch Blaue Banane).
Siehe auch: Wiege Europas, Alteuropa
Politik
Europäische politische Organisationen
In der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde als erste gemeinsame europäische Institution der Europarat gegründet, der nach Ende des Ost-West-Konfliktes 47 Staaten umfasst.
Ebenfalls von großer Bedeutung ist die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), die 1975 als Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbei in Europa (KSZE) damals blockübergreifend gegründet wurde, und der neben europäischen Ländern auch die USA und Kanada angehören.
Wer im politischen Sinne von "Europa" spricht, meint aber meist die Europäische Union (EU) oder ihre Vorläufer: 1951 schlossen sich Belgien, die Niederlande, Luxemburg, Deutschland, Italien und Frankreich zur Montanunion bzw. EGKS (Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl) zusammen. Der Versuch, eine Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) sowie eine Europäische Politische Gemeinschaft (EPG) zu gründen, scheiterte 1954 an der französischen Nationalversammlung. Daraufhin wurden 1957 mit den Römischen Verträgen die Europäische Atomgemeinschaft (Euratom) sowie die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) gegründet. Der Sammelbegriff Europäische Gemeinschaften (für EGKS, Euratom und EWG) wurde im alltäglichen Sprachgebrauch mehr und mehr durch den Singular Europäische Gemeinschaft verdrängt. Mit dem Maastrichter Vertrag wurde schließlich die die alten Gemeinschaften und Kooperationsformen überwölbende Europäische Union gegründet.
Ein Großteil der Mitgliedsländer der ebenfalls in den 50er Jahren gegründeten EFTA (European Free Trade Association) ist mittlerweile in die EG/EU übergetreten - die verbliebene EFTA ist ihr über den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) eng verbunden. Nach der Erweiterung der EU um Polen, Tschechien, Ungarn, die Slowakei, Estland, Lettland, Litauen, Slowenien, Malta und Zypern im Jahre 2004 zählt diese 25 Mitglieder.
Siehe auch: Europäisches Parlament, NATO, Europawahl, Politische Architektur Europas
Staaten in Europa
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