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Autonomer Kreis Der Chanten Und Mansen

Autonomer Kreis der Chanten und Mansen

Der Autonome Kreis der Chanten und Mansen (Ханты-Мансийский автономный округ, Chanty-Mansijski awtonomny okrug) ist eine Verwaltungseinheit (Autonomer Kreis) im Norden Russlands.

Geographie

Der Autonome Kreis liegt östlich des Uralgebirges im Westsibirischen Tiefland. Der Ob und sein wichtigster Nebenfluss, die Irtysch, durchfließen die Region.

Bevölkerung

Die Chanten und die Mansen, finno-ugrische Völker, die die nächsten Verwandten der Ungarn darstellen, sind die Titularnation. Allerdings machen sie nur einen Bruchteil der Bevölkerung aus, die meisten Einwohner sind Russen. Dieser Trend hat sich durch die Entdeckung und Ausbeutung der Erdölfelder noch verstärkt.

Geschichte

Das Gebiet, das ursprünglich als Jugra bekannt war, wurde im 12. und 13. Jahrhundert von Kaufleuten aus Nowgorod besucht. 1582 wurde es von Jermak erobert und kam unter russische Vorherrschaft. 1930 wurde der Autonome Bezirk der Chanten und Mansen gegründet.

Wirtschaft

Erdöl und Erdgas gehören zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen, der Autonome Kreis der Chanten und Mansen ist einer der größten Erdölproduzenten Russlands.

Städte

Hauptstadt des Autonomen Kreises ist Chanty-Mansijsk. Die größten Städte sind Surgut, Nischnewartowsk und Neftejugansk. Städte (Einwohner 1. Januar 2004)
- Surgut (Сургут) - 289.900
- Nischnewartowsk (Нижневартовск) - 239.800
- Neftejugansk (Нефтеюганск) - 109.900
- Kogalym (Когалым) - 56.300
- Chanty-Mansijsk (Ханты-Мансийск) - 55.700
- Njagan (Нягань) - 53.700
- Raduschny (Радужный) - 47.800
- Megion (Мегион) - 47.100
- Pyt-Jach (Пыть-Ях) - 41.800
- Urai (Урай) - 39.900
- Langepas (Лангепас) - 38.500
- Ljantor (Лянтор) - 34.400
- Jugorsk (Югорск) - 30.700
- Poikowski (Пойковский) - 28.400 (städtische Siedlung)
- Sowjetski (Советский) - 24.000
- Belojarski (Белоярский) - 19.400
- Pokatschi (Покачи) - 17.100

Weblink


- [http://odur.let.rug.nl/~bergmann/russia/regions/rus86khm.htm Karte] Kategorie:Subjekt der Russländischen Föderation ja:ハンティ・マンシ自治管区 ko:한티만시 자치구

Autonomer Kreis

Autonomer Kreis (russ. Автономный округ, Awtonomny okrug) ist eine Bezeichnung für russische Verwaltungseinheiten. Autonome Kreise umfassen meist riesige, äußerst dünn besiedelte Gebiete im Norden des Landes und in Sibirien. Meistens sind die indigenen Völker gegenüber den Russen in der Minderheit. Es gibt zehn Autonome Kreise:
- Autonomer Kreis der Aginer Burjaten
- Autonomer Kreis der Ewenken
- Autonomer Kreis der Chanten und Mansen
- Autonomer Kreis der Jamal-Nenzen
- Autonomer Kreis der Komi-Permjaken
- Autonomer Kreis der Korjaken
- Autonomer Kreis der Nenzen
- Autonomer Kreis Taimyr
- Autonomer Kreis der Tschuktschen
- Autonomer Kreis der Ust-Ordinsker Burjaten Kategorie:Verwaltungsgliederung Russlands

Russland

Russland (russisch Россия), bzw. Russische Föderation (russisch Российская Федерация, ) - beide Bezeichnungen sind gleichwertig - ist ein Staat in Osteuropa und Nordasien und der flächenmäßig größte Staat der Erde.

Geografie

Bild:Rs-map.png

Nachbarländer und Meere

Im Folgenden sind die an Russland angrenzenden Nachbarländer und Meere entgegen dem Uhrzeigersinn aufgeführt. Die Grenzlänge ist hinter den jeweiligen Staaten in Klammern angegeben. Das russische Kernland grenzt an die skandinavischen Staaten Norwegen (196 km) und Finnland (1340 km), gefolgt von einem kurzen Küstenstreifen zur Ostsee. Danach teilt sich Russland eine Grenze mit den baltischen Ländern Estland (294 km) und Lettland (217 km), weiter südlich gefolgt von Weißrussland (959 km) und der Ukraine (1576 km). Das Schwarze Meer trennt die europäischen Grenzen Russlands von denen zu Kleinasien. Im Kaukasus grenzen Georgien (723 km) und Aserbaidschan (284 km) an. Es folgt ein Küstenstreifen am Kaspischen Meer und eine lange gemeinsame Grenze mit der zentralasiatischen Republik Kasachstan (6846 km). In Ostasien grenzt Russland erstmals an die Volksrepublik China (etwa 40 km) und dann an die Mongolei (3485 km). Danach trifft das russische Hoheitsgebiet zum zweiten Mal mit der VR China zusammen (3605 km). Mit Nordkorea (19 km) besteht die letzte Landverbindung zu einem anderen Staat. Danach folgen die Küstenlinien zum Japanischen, dem Ochotskischen Meer, zum Pazifischen Ozean und schließlich zur Beringsee. Über die nur etwa 85 km schmale und 30 m bis 50 m tiefe Beringstraße ist Russland im äußersten Osten von seiner ehemaligen Kolonie Alaska (die 1867 an die USA verkauft wurde und seit 1959 offizieller Staat der USA ist) getrennt. Der gesamte nördliche Teil des Landes grenzt an den Arktischen Ozean. Dort befinden sich auch einige große und viele kleine Inseln, die ebenfalls zum russischen Staatsgebiet gehören. Die Gesamtlänge der Landesgrenzen beträgt 20.017 km, die Küstenlinie umfasst 37.653 km. Neben dem Kernland besitzt Russland noch zwei Exklaven:

Exklaven

Exklave Die größte russische Exklave ist der nördliche Teil des ehemaligen Ostpreußen, die heutige Oblast Kaliningrad (dt.: Königsberg). Die Exklave grenzt an Litauen (227 km) und Polen (206 km) und ist wie das Mutterland Ostsee-Anrainer. Sie beherbergt die gleichnamige Stadt Kaliningrad. Die zweite Exklave befindet sich in der Schweiz: das 1899 von Russland mit schweizer Genehmigung errichtete Suworow-Denkmal in der innerschweizerischen Schöllenenschlucht zählt zum russischen Hoheitsgebiet. Vermutlich wurde das nur 563 m² große Territorium an Russland übergeben, damit die Neutralitätsgesetze der Schweiz nicht verletzt werden. Der Exklavenstatus ist umstritten.

Strittige Gebiete

Südlich der russischen Halbinsel Kamtschatka liegt die Inselgruppe der Kurilen. Die Kette von etwa 30 Inseln erstreckt sich bis 4km vor die Küste Japans. Die Inseln standen seit 1875 unter japanischer Hoheit, als das sowjetische Russland sie 1945 im Zweiten Weltkrieg eroberte. Die südlichen Kurilen werden bis heute von Japan beansprucht. Seit 2004 laufen wieder Verhandlungen zwischen den beiden Staaten, die den Gebietsstreit beenden sollen. siehe auch: Kurilenkonflikt In der russischen Teilrepublik Tschetschenien versuchen islamische Unabhängigkeitsbewegungen, einen souveränen Staat zu errichten. De facto herrscht in der kaukasischen Republik seit 1994 permanenter Kriegszustand, wobei beide Seiten die Auseinandersetzung mit äußerster Härte austragen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt stehen unter anderem die Geiselnahme in einem Theater in Moskau 2002 sowie die Geiselnahme von Beslan, bei der 2004 insgesamt 368 Menschen ums Leben kamen. Der Tschetschenienkonflikt stellt die gegenwärtig schwerste Krise Russlands dar und seine Lösung ist wahrscheinlich die größte Herausforderung der russischen Regierung. An dem Fluss Amur, der die Grenze Russlands zur VR China bildet, kam es v.a. während der Sowjetzeit zu diversen Auseinandersetzungen, die auch zu Grenzgefechten führten. Auch in der heutigen Zeit gibt es vereinzelt Gefechte zwischen russischen und chinesischen Grenzsoldaten. Da aber keine Seite offiziell Anspruch auf Gebiete jenseits des Flusses erhebt, werden diese Streitigkeiten nicht als ein schwerwiegender Konflikt betrachtet.

Großlandschaften

VR China Hauptartikel: Russische Großlandschaften Russland gliedert sich geografisch betrachtet hauptsächlich in die folgenden Großlandschaften (etwa in West-Ost-Richtung):
- Osteuropäische Ebene - westlich des Uralgebirges
- Westsibirisches Tiefland - östlich des Uralgebirges
- Nordsibirisches Tiefland - südlich des Arktischen Ozean
- Mittelsibirisches Bergland - zwischen Jenissei und Lena
- Südsibirische Gebirge - Gebirge im Süden Russlands (bzw. Sibiriens)
- Mitteljakutische Niederung - in der Fluss-Niederung der Lena
- Ostsibirisches Bergland - Gebirge östlich der Lena
- Ostsibirisches Tiefland - südlich der Ostsibirischen See

Flüsse und Ströme

Ostsibirischen See]] Sieben der zehn längsten europäischen Flüsse verlaufen durch russisches Staatsgebiet. An deren Spitze steht die Wolga. Sie ist der längste Fluss Europas und verläuft ausschließlich in Russland. Nach 3.531 km mündet sie schließlich ins Kaspische Meer. Als Wasserweg erfährt die Wolga besondere Bedeutung, da sie Nordeuropa mit Zentralasien verbindet. Mit 2.428 km Länge folgt der Ural. Er entspringt im gleichnamigen Gebirge und verläuft in Richtung Süden nach Kasachstan. Da er erst jenseits der kasachischen Grenze schiffbar wird, hat er für Russland nur geringe wirtschaftliche Bedeutung. Jedoch wird er allgemein als Innereurasische Grenze angesehen. Eine sehr große Bedeutung für die slawischen Staaten besitzt dagegen der Dnepr (auch Dnjepr genannt). Der Strom entsteht westlich von Moskau und fließt anschließend durch Weißrussland und die Ukraine, wo er ins Schwarze Meer mündet. Über den Dnepr-Bug-Kanal ist er mit dem polnischen Fluss Bug und mit Weichsel und Memel verbunden, was den Dnepr zu einer äußerst wichtigen Wasserstraße macht. In Asien verläuft der 2.824 km lange Amur. Er bildet seit 1689 die Grenze zwischen Russland und der Volksrepublik China. Weitere wichtige Flüsse und Ströme sind (alphabetisch sortiert); die bedeutsamsten Flüsse sind kursiv gedruckt): Angara, Bureja, Chor, Don, Düna, Indigirka, Irtysch, Jenissei, Kama, Kolyma, Kuban, Lena, Memel, Moskwa, Newa, Ob, Oka, Petschora, Pregel, Seja, Selenga, Tobol, Tschulym, Steinige und Untere Tunguska, Ussuri, Wjatka, Wolchow.

Gebirge und Berge

Die bedeutendsten Gebirge in Russland sind (alphabetisch sortiert): Altai, Baikalgebirge, Chibinen, Kaukasus, Kolymagebirge, Putoranagebirge, Sajangebirge, Stanowojgebirge, Stanowojhochland, Tannu-ola-Gebirge, Tscherskigebirge, Ural, Werchojansker Gebirge. Der höchste Berg in Russland ist der Elbrus (5.642 m) im Kaukasus.

Städte

Die größten Städte Russlands sind Moskau (10,10 Mio.), Sankt Petersburg (4,66 Mio), Nowosibirsk (1,42 Mio), Nischni Nowgorod (1,35 Mio), Jekaterinburg (1,26 Mio), Samara (1,16 Mio), Omsk (1,15 Mio) und Wolgograd (1,2 Mio). Siehe auch: Liste der Städte in Russland

Klima

Große Teile des Landes sind vom Kontinentalklima mit heißen Sommern und sehr kalten Wintern geprägt. Die vier Klimastationen Moskau, Jekaterinburg, Nowosibirsk und Bomnak liegen alle etwa auf 55° nördlicher Breite von West nach Ost. An ihnen lässt sich die zunehmende Kontinentalität mit immer ausgeprägteren Differenzen zwischen dem wärmsten und kältesten Monat des Jahres gut erkennen. Im Nordosten Sibiriens - beim Ort Oimjakon - liegt der Kältepol der Nordhalbkugel. Bild:Klima_moskau.png|Klimadiagramm Moskau Bild:Klima_jekaterinburg.png|Klimadiagramm Jekaterinburg Bild:Klima_novosibirsk.png|Klimadiagramm Nowosibirsk Bild:Klima_bomnak.png|Klimadiagramm Bomnak Die Klima- und Vegetationszonen verlaufen in Russland weitgehend breitenkreisparallel, so dass stark schematisiert folgende Nord-Süd-Abfolge entsteht:

Bevölkerung

breitenkreis] Russland ist ein Vielvölkerstaat. So leben neben den Russen, die mit 80,0 % die Mehrheit der Bevölkerung stellen, noch fast 100 andere Völker auf dem Gebiet des Landes. Größere Minderheiten sind die Tataren (4,0 %), die Ukrainer (2,2 %), die Tschuwaschen (1,5 %), die Baschkiren (1,4 %), die Wolgadeutschen (0,8%) und andere. Zu den kleineren Minderheiten zählen beispielsweise die Mescheten und die Juden. Sie sprechen meistens Sprachen aus dem Kreis der Uralische Sprachen (Samojedische Sprachen), Altaiische Sprachen und Paläosibirische Sprachen. Siehe: Indigene Völker des russischen Nordens, Sibiriens und des russischen Fernen Ostens Für viele nicht-russische Völker wurden Republiken mit weitgehender Autonomie errichtet. In den letzten Jahren erlebt Russland einen deutlichen Bevölkerungsrückgang von etwa 750.000 Einwohnern pro Jahr. Dennoch ist Russland das zweitwichtigste Einwanderungsland der Welt. Herkunftsländer sind hierbei vor allem die ärmeren, südlichen ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens und des Kaukasus, aber in zunehmender Zahl auch Afrika und Südostasien. Die Mehrheit der Einwanderer stellen bisher jedoch die Russen, die während der Sowjetzeit in anderen Teilrepubliken angesiedelt wurden und nun mit ihren Familien nach Russland zurückkehren. Russisch ist die einzige überall geltende Amtssprache, parallel dazu wird in den einzelnen autonomen Republiken oftmals die jeweilige Volkssprache als zweite Amtssprache verwendet. Das kyrillische Alphabet ist die einzige offizielle Schrift und es besteht die Richtlinie, dass alle jeweiligen Sprachen in Kyrillisch zu schreiben sind. Gegen diese Regelung erhob sich in den vergangenen Jahren mehrmals Widerstand, z. B. von Seiten der Tataren. Die russisch-orthodoxe Kirche bildet die vorherrschende christliche Gruppe in der Föderation der über 60 % der Bevölkerung angehört. Allerdings ist die Zahl der Konfessionslosen mit über 25 % sehr hoch; zu anderen Religionen zählen der Islam (knapp 12 %) und in kleinerem Maße verschiedene protestantische Richtungen (1 Millionen Menschen) (darunter die ELKRAS), die katholische Kirche (ebenfalls rund 1 Millionen Menschen), der Buddhismus (über 1 Millionen) und der Judentum (800000). 73 % der Russen leben in Städten.

Bevölkerungswachstum

Russland verliert ca. 365.000 Einwohner im Jahr (ca. 1.000 Einwohner am Tag). Die Bevölkerungsdichte war 2004 8,46 Einwohner/km², im Jahr 2005 ist diese noch 8,40 Einwohner/km².

Geschichte

Judentum Judentum Judentum Judentum Hauptartikel: Geschichte Russlands

Etymologie

Der alte ostslawische Name für das Gebiet des von Slawen bewohnten Teils des europäischen Russlands, Weißrusslands und der Ukraine war Rus (siehe Kiewer Rus), der davon abgeleitete mittelalterliche lateinische Name war Ruthenia, in latinisierter slawischer Version Russia (ab dem frühen 18. Jahrhundert Rossija). Wörtlich übersetzt bedeutet Rossijskaja Federazija ‚Russländische Föderation‘ (von Rossija ‚Russland‘). Man hat bewusst nicht Russkaja Federazija (‚Russische Föderation‘) als Staatsbezeichnung gewählt, um auch die nicht-russischen Ethnien einzubeziehen. Ist von dem russischen Volk oder der russischsprachigen Kultur die Rede, spricht man daher im Russischen von russkij (‚russisch‘). Ist dagegen von den Staat Russland betreffenden Sachverhalten die Rede, verwendet man das Adjektiv rossijskij (‚russländisch‘).

Entstehung

Die früheste Geschichte des eigentlichen, europäischen Russlands (für die Geschichte des asiatischen Teils, siehe Geschichte Sibiriens) ist im Norden geprägt von finno-ugrischen Völkern und Balten, und im Süden von den indogermanischen Steppenvölkern des Kurganvolks, der Kimmerier, Skythen, Sarmaten und Alanen; später kamen hier noch Griechen, Goten, Hunnen und Awaren hinzu. In der Mitte, zwischen Dnjepr und Bug, fand die Ethnogenese der slawischen Völker statt, die sich ab dem 6. Jahrhundert auch nach Norden und Osten auszudehnen begannen. Ab dem 8. Jahrhundert befuhren schwedische Wikinger die osteuropäischen Flüsse, gründeten Städte und Siedlungen und vermischten sich mit der slawischen Vorbevölkerung. Diese auch Waräger oder Rus genannten Kriegerkaufleute waren maßgeblich an der Gründung des ersten ostslawischen Staates, der "Kiewer Rus" mit Zentren in Kiew und Nowgorod, beteiligt. Im südlichen Steppengebiet und an der Wolga waren hingegen Reiche der aus Asien eingeströmten Turkvölker der Chasaren und Wolgabulgaren entstanden, mit denen die Rus Handel trieben, aber auch mehrfach Kriege führten. Intensive Kontakte mit dem Byzantinischen Reich führten schließlich 988 zur orthodoxen Christianisierung der Kiewer Rus. Aufgrund des ungünstigen Senioratsprinzips bei der Regelung der Erbfolge begann die Kiewer Rus im 12. Jahrhundert zu zerfallen, was es den ab 1223 einfallenden Mongolen erleichterte, die zerstrittenen russischen Fürstentümer zu unterwerfen. Die Goldene Horde beherrschte nun für zwei Jahrhunderte einen großen Teil der Rus, ein anderer Teil wurde dem Großfürstentum Litauen und später Polen-Litauen eingegliedert. Das Großfürstentum Moskau konnte sich schließlich von der mongolischen Fremdherrschaft befreien, und Großfürst Iwan IV. ließ sich 1547 zum ersten "Zar der ganzen Rus" krönen. Unter seiner Herrschaft begann auch die Eroberung Sibiriens, die russische Kosaken erstmals im 17. Jahrhundert bis an den Pazifik brachte.

Öffnung Russlands unter Peter dem Großen

An der Wende zum 18. Jahrhundert öffnete Zar Peter der Große das teilweise in mittelalterlichen Strukturen erstarrte russische Reich westeuropäischen Einflüssen und förderte Wissenschaft und Kultur. 1703 gründet er die Stadt Sankt Petersburg, die das Symbol für den russischen Fortschritt werden sollte. Mit dem Sieg gegen Schweden im über 20 Jahre währenden Großen Nordischen Krieg und der damit erlangten Vormachtstellung im Ostseeraum, machte er Russland zu einer gesamteuropäischen Großmacht. Zarin Katharina die Große ging Peters Weg weiter und betrieb konsequent Expansionspolitik, im Laufe derer sie die Schwarzmeerküste vom Osmanischen Reich eroberte (Neurussland) und sich an den Teilungen Polens beteiligte. 1812 fielen Napoleons Truppen in Russland ein und eroberten Moskau, wurden schließlich jedoch vernichtend geschlagen. Bald darauf zog Zar Alexander I. als "Retter Europas" in Paris ein. Russland war nun die führende Macht in Europa und erlebte ein goldenes Zeitalter. Ab 1825 gab es im unzufriedenen Volk, in den annektierten Gebieten (Polen,Litauen etc.) und bei der Intelligenzija immer wieder Aufstände, Unruhen und Attentate (siehe Dekabristen), und in den 1860er Jahren kam es zur Aufhebung der Leibeigenschaft. Trotz erheblicher Industrieproduktion (Stahl, Kohle, Öl, Militärbedarf) geriet Russland immer mehr ins Hintertreffen gegenüber den westeuropäischen Großmächten. Der Grund hierfür war die Ineffizienz des staatlich kontrollierten Aufbaus der Industrie, der nur in den städtische Ballungszentren vorangetrieben wurde. Während in den großen Städten wie Moskau und St. Petersburg aufgrund der Landflucht ein Industrieproletariat entstand, verharrte das übrige Land in Armut und der Rechts- und Sozialordnung der Feudalgesellschaft. Die Industrialisierung drang nicht in die ländlichen Provinzen des Riesenreichs vor, sondern beschränkte sich hauptsächlich auf Moskau, Sankt Petersburg, Warschau und Lodz. Mangelnde Infrastruktur, die Armut der Arbeiter und Bauern und die fehlende Demokratisierung bereiteten große Probleme, wie das Zarenreich erstmals im Krimkrieg und schließlich 1905 bei der Niederlage gegen Japan schmerzlichst erfahren musste. Allerdings war Zar Nikolaus II. nicht bereit, grundlegende Reformen einzuleiten. So ließ er ein weitgehend funktionsloses Parlament, die Duma, das er notgedrungen genehmigt hatte, nur kurze Zeit später wieder auflösen.

Der Russische Bürgerkrieg

Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, erfasste das Land neuerlich eine patriotische Welle. Die anfänglichen Erfolge, vor allem gegen Österreich-Ungarn und das Osmanische Reich, wurden jedoch bald abgelöst von einem zermürbenden Stellungskrieg, bis schließlich 1917 die Moral der russischen Soldaten nachgab und die Front zusammenbrach. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung und die desolate Versorgungslage waren die Ursachen, und der Zar wurde zum Abdanken gezwungen. Eine bürgerliche Regierung unter Alexander Kerenski kam an die Macht. Seiner Herrschaft machte kurz darauf die von Lenin und den Bolschewiki initiierte Oktoberrevolution ein Ende. Aus dem darauf folgenden Bürgerkrieg zwischen "roten" kommunistischen und "weißen" monarchisten Kräften, der Millionen Menschen das Leben kostete, gingen die Kommunisten als Sieger hervor. Im Laufe des polnisch-russischen Kriegs und des Bürgerkriegs verlor Russland 1920 Teile Weißrusslands und der Ukraine ("Ostpolen") an Polen. 1921 wurde dann die Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik (RSFSR) ausgerufen, die den wichtigsten Teil der späteren Sowjetunion darstellte.

Die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken

Am 30. Dezember 1922 wurde der Zusammenschluss aller Sowjetischen Sozialistischen Republiken zur UdSSR beschlossen und eine staatlich kontrollierte Wirtschaftspolitik ausgerufen. Die Sowjets wurden als Eigentümer von Boden und Produktionsmitteln erklärt. Lenins Tod am 21. Januar 1924 führte zu einem erbitterten Nachfolgekampf, in dem sich Josef Stalin gegen Leo Trotzki durchsetzte. Stalin festigte seine Macht durch gezielten Terror gegen seine Widersacher von "rechts" (u. a. Bucharin) und "links" (Leo Trotzki, später Sinowjew und Kamenew) sowie jeden, der im Verdacht stand, mit ihnen zu sympathisieren. Seit 1928 wurde die staatliche Wirtschaft Fünfjahresplänen unterworfen, die Industrialisierung und Infrastruktur, speziell im asiatischen Teil des Landes, vorangetrieben und die Landwirtschaft kollektiviert.

Der Zweite Weltkrieg

Im August 1939 unterschrieb Stalin einen geheimen Nichtangriffspakt mit Hitler und sicherte sich die Eingliederung der ostpolnischen Gebiete, des Baltikums und Bessarabiens. Nach dem Überfall Deutschlands auf Russland am 22. Juni 1941 trat Russland an der Seite der Alliierten in den Zweiten Weltkrieg (in Russland Großer Vaterländischer Krieg genannt) ein. In den ersten Kriegsmonaten verlor die Rote Armee drei Millionen Soldaten, große Teile der westlichen Landesteile wurden verwüstet, später bei der Belagerung Leningrads verhungerten über eine Million Zivilisten. Bei Moskau (Winter 1941), Stalingrad (Winter 1942/43) und Kursk (Sommer 1943) fügte die Rote Armee den deutschen Truppen schwere Niederlagen zu und eroberte schließlich im Mai 1945 Berlin. Gegen Ende des Krieges eroberten und besetzten sowjetische Truppen schließlich japanisches Gebiet im Fernen Osten (Mandschurei, Karafuto, Korea und die Kurilen). 1945 bekam die RSFSR nach dem Potsdamer Abkommen das nördliche Ostpreußen, die heutige Oblast Kaliningrad, daneben gewann sie das südliche Sachalin und die Kurilen von Japan.

Der Kalte Krieg

Nach Ende des Krieges, aus dem die UdSSR als Siegermacht hervorging, traten die Spannungen zwischen Stalin und den Alliierten zunehmend hervor. Im Laufe der Friedensverhandlungen sicherte sich die UdSSR großen Einfluss auf die angrenzenden Länder Polen, Tschechoslowakei, Ungarn und Rumänien sowie auf Bulgarien und die DDR, zeitweise auch auf Albanien. In diesen Ländern blieben Hunderttausende sowjetische Soldaten stationiert. Der Kalte Krieg dominierte bis 1989 die Weltpolitik. 1954 schenkte Nikita Chruschtschow die bis dahin russische Halbinsel Krim der Ukraine.

Zerfall der Sowjetunion

Russland hat im Jahr 1991 als größte ehemalige Sowjetrepublik die Rechtsnachfolge der Sowjetunion angetreten. Siehe hierzu auch Auflösung der UdSSR. 1996 zählte Russland zu den Gründungsmitgliedern der Shanghai Five, der heutigen Shanghai Cooperation Organization (SCO).

Das moderne Russland

Unter Boris Jelzin wurden in Russland Teile der Wirtschaft privatisiert und demokratische Reformen durchgeführt. Beide verfehlten jedoch ihr Ziel und führten zum Zusammenbruch der Wirtschaft, hohen Inflation und politischen Destabilisierung. Nach dem Amtsantritt Wladimir Putins 2000 stabilisierte sich die politische und wirtschaftliche Lage. Ein international beachteter Konfliktherd bleibt jedoch die Situation in der abtrünnigen Republik Tschetschenien, in welchem Kreise um den Feldkommandeur Schamil Bassajew und Aslan Maschadow (8. März 2005 von den russischen Kräften getötet) eine Abspaltung Tschetscheniens unter islamistischen Vorzeichen anstreben. Die gegen die Terroristen vorgehenden russischen Militärs halten häufig die Menschenrechte der Zivilbevölkerung nicht ein. Aufgrund der Geiselnahme in einer Schule im nordossetischen Beslan, die nach den Präsidentschaftswahlen in Tschetschenien von tschetschenischen Terroristen verübt wurde und wo hunderte Schüler ums Leben kamen, wurden von Präsident Putin Maßnahmen zur Stärkung der Terrorabwehr eingeleitet, die demokratische Mechanismen erheblich einschränken.

Politik

Umbruch nach der Auflösung der Sowjetunion

Russland war die mit Abstand größte Teilrepublik der Sowjetunion: es hatte 76% der Fläche und 52% der Bevölkerung (knapp 150 Millionen), zu denen noch manche Rückwanderer kamen. Seit Auflösung der Sowjetunion im Dezember 1991 ist Russland ein unabhängiger Staat und wurde mit Zustimmung der übrigen ehemaligen Sowjetrepubliken Rechtsnachfolger der UdSSR, die es politisch seit jeher dominiert hatte. Die derzeit gültige Verfassung der Russischen Föderation wurde 1993 vom Parlament, der Duma angenommen. Außenpolitisch stand die russische Führung nach Auflösung der Sowjetunion vor der Aufgabe, das Verhältnis Russlands gegenüber den übrigen früheren Sowjetrepubliken neu zu gestalten. Dies erfolgte u.a. durch Gründung der GUS (nächster Abschnitt) und einiger Verträge zu vertiefter Kooperation, vor allem mit Weißrussland, Ukraine und Kasachstan. Im Inneren stand und steht die Regierung vor der Herausforderung, die Grundlagen der politischen und wirtschaftlichen Ordnung Russlands neu zu bestimmen. Russland war vor der Auflösung des Sowjetunion ein von der Kommunistischen Partei beherrschter Staat mit einer zentral verwalteten Planwirtschaft, die kein Privateigentum an Produktionsmitteln kannte. Die Wahl von Boris Jelzin zum Staatspräsidenten bedeutete das Ende der KP-Herrschaft in Russland. Privateigentum an Unternehmen wurde zugelassen, die zentrale Planung der Wirtschaft aufgegeben. Dieser Umbruch brachte für die Bürger Russlands zweifellos mehr persönliche politische Freiheit. Die Entwicklung des politischen Systems unter Jelzin wurde von vielen jedoch eher als Auflösung einer gesicherten und berechenbaren staatlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ordnung empfunden. Die politische Entscheidungsfindung im Geflecht des Familienclans Jelzins und seiner Hintermänner aus dem Kreis der Oligarchen, die durch die Privatisierungspraktiken der Regierung Jelzin innerhalb weniger Jahren zu immensen Vermögen gekommen waren, blieb intransparent, der Einfluss des Parlaments eng begrenzt.

Politische Kooperation der Nachfolgestaaten

Die Auflösung der Sowjetunion stellte Russland vor die Aufgabe, das Verhältnis zu deren Nachfolgestaaten neu zu gestalten. Im Ergebnis ist Russland jetzt im Vergleich zum engen Verbund in der Sowjetunion nur noch locker mit einigen früheren Sowjetrepubliken verbunden. Die bekannteste gemeinsame Organisation ist die GUS (Gemeinschaft unabhängiger Staaten), russisch СНГ (Содружество Независимых Государств). Diesem 1991/1992 vereinbarten Zusammenschluss gehören 11 der 15 Nachfolgestaaten an; nur die 3 baltischen Staaten und Turkmenistan traten nicht bei. Mit Weißrussland hat sich Russland in der Russisch-Weißrussischen Union zusammengeschlossen, auf die sich Jelzin mit Aljaksandr Lukaschenka (beloruss.Präsident seit 1994) verständigte. Sie wird jedoch von Kritikern als "kaum funktionierend und halb-illegal" bezeichnet. Von ihr wurde lediglich die Verteidigungs- und vorübergehend die Zollunion umgesetzt.
Als nach Jelzin 1999 Wladimir Putin russischer Präsident wurde, kühlte sich das Verhältnis zu Weißrussland ab, dem Putin aber später den Beitritt in die Russische Föderation vorschlug. Lukaschenko lehnte dies ab, doch vereinbarte man 2004/05 eine Währungsunion. Sie soll zwar Anfang 2006 in Kraft treten, allerdings sind derzeit (Nov.2005) noch grundlegende Fragen offen. Insgesamt ist die Integration Weißrusslands mit Russland von schwankendem Interesse geprägt und hat an Dynamik verloren. Ein Bericht der WZ vom 9.11.2005 trug daher den sprechenden Titel "[http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3857&Alias=wzo&cob=206384 Minsk–Moskau: Integration mit zahlreichen Hindernissen]". Etwas beständiger ist demgegenüber das militärische Verteidigungsbündnis Russlands mit Weißrussland, Armenien, Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan, der sogenannte Rat für kollektive Sicherheit. Ein neues Bündnis in Asien deutet sich mit der Shanghai Cooperation Organization an, zu dem auch China gehört. Russland hat bereits im August 2005 ein gemeinsames [http://www.dw-world.de/dw/article/0,1564,1682588,00.html Manöver mit den chinesischen Streitkräften] durchgeführt.

„Gelenkte Demokratie“ Putins

Hauptartikel: Innenpolitik Russlands unter Präsident Putin Innenpolitik Russlands unter Präsident Putin Wladimir Putin, den Jelzin selbst als seinen Nachfolger nominiert hatte, gewann die Präsidentschaftswahlen im März 2000 mit 52,9 Prozent der Stimmen. Staatspräsident Putin ist es seither gelungen, für mehr politische und wirtschaftliche Stabilität zu sorgen, allerdings nach Meinung vieler westlicher Beobachter auf Kosten der Meinungs- und Pressefreiheit und einer sehr weitreichenden Konzentration der Macht in seinem Amt. Offenbar verfolgt er – zumindest vorerst - nicht das Ziel, Russland zu einer pluralistischen westlichen Demokratie mit starken politischen Parteien, unabhängigen Verbänden, freien Medien und einer in allen Bereichen marktwirtschaftlich geordneten Wirtschaft zu entwickeln. Sein Leitbild scheint vielmehr ein politisches System zu sein, das der russische Publizist Sergej Markow als "gelenkte Demokratie" bezeichnete. Von einigen Politologen wird Russlands politisches System auch als defekte Demokratie bezeichnet. Der russische Staatspräsident besitzt schon aufgrund der Verfassung weitreichende Befugnisse. Putin hat diese Machtposition ausgebaut indem er:
- die verbliebenen Vertreter der Jelzin-Familie allmählich entmachtete,
- die Macht der Gouverneure der Regionen drastisch beschränkte,
- die Pressefreiheit einschränkte
- den Einfluss der "Oligarchen" auf Medien und Politik beschnitt. Bei den Parlaments- und Präsidentenwahlen gewann Putin deutliche Mehrheiten. Bereits seit Januar 2002 werden die Mitglieder des Oberhauses des russischen Parlaments, des sogenannten Föderationsrats, nicht mehr durch die Gouverneure und die regionalen Parlamentspräsidenten gestellt, sondern nur noch durch vom jeweiligen Gouverneur oder Regionalparlament entsandte Vertreter. Die seit 1996 praktizierte direkte Wahl der Gouverneure in den Regionen der russischen Republik schaffte Putin Ende 2004 wieder ab. Seither schlägt der Staatspräsident den Kandidaten für ein Gouverneursamt vor, den die Regionalparlamente bestätigen müssen, wenn dieser sein Amt eintreten soll. Zur Festigung seiner Machtposition verstärkte Putin die staatlichen Eingriffe in die Arbeit von Fernsehen, Rundfunk und Zeitungen. In westlichen Medien und von internationalen Bürgerrechtsorganisationen werden immer wieder Einschränkungen der Pressefreiheit in Russland kritisiert. Verwiesen wird zum Beispiel auf mehrjährige Gefängnisstrafen von Kritikern wie Grigori Pasko und Igor Sutjagin. Das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland berichtet in seinen Länder-Informationen zu Russland zu den Einschränkungen der Pressefreiheit: Am deutlichsten ist die staatliche Einflussnahme im Bereich des Fernsehens. Alle drei landesweit sendenden TV-Stationen sind entweder direkt in staatlichem Besitz oder unter staatlicher Kontrolle. Im Radiobereich ist die Situation ähnlich. Im Bereich der gedruckten Medien herrscht nach wie vor eine recht große Meinungsvielfalt. In vielen Redaktionen hat sich aber ein feines Gespür dafür durchgesetzt, was erlaubt ist und was nicht. Siehe auch: Medien in Russland Gegenüber den „Oligarchen“ verfolgt Putin eine Doppelstrategie: Während er gegen politisch ambitionierte Oligarchen wie Boris Beresowski und Wladimir Gusinski, die über Massenmedien Einfluss ausübten, scharf vorging, bezieht er die Mehrheit der „kremltreuen“ Unternehmer in einen fortgesetzten Dialog ein. Das Strafverfahren gegen Michail Chodorkowski, der an der Spitze des Mineralölkonzerns Jukos stand, zeigte erneut, dass Putin eine politische Rolle der Oligarchen nicht duldet. Chodorkowski hatte eine Reihe von Parteien und Abgeordneten großzügig unterstützt. Die Presse sagte ihm nach, er habe Ambitionen für eine Präsidentschaftskandidatur. Außerdem verhandelte er über einen Verkauf eines Kontrollpakets von 25 Prozent plus einer Aktie des Jukos-Kapitals an die US-Ölkonzerne Exxon-Mobil oder Chevron. Ende Mai 2005 wurde Chodorkowski zu 9 Jahren Haft, insbesondere wegen Steuerhinterziehung, verurteilt. Bei den Wählern fand die Politik Putins viel Zustimmung. Bei den Wahlen zum russischen Unterhaus, der Duma, im Dezember 2003 erreichte die dem Präsidenten nahestehende Partei "Einiges Russland" mit 307 von 450 Sitzen eine Zweidrittelmehrheit. Von den Wahlbeobachtern der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) wurden die Wahlen allerdings als "zwar frei, aber nicht fair" kritisiert. Bei den Präsidentenwahlen am 14. März 2004 wurde Putin mit 71,3 Prozent im ersten Wahlgang wiedergewählt. Dieses Ergebnis kann zwar als deutliches Vertrauensvotum der Bevölkerung für seine Politik gelten. Von internationalen Wahlbeobachtern wurde allerdings mangelnde Chancengleichheit unter den Kandidaten kritisiert.

Ungelöster Tschetschenien-Konflikt

Ein ungelöstes Problem für Putin bleibt der Konflikt mit der Unabhängigkeitsbewegung in der zur Russländischen Föderation gehörenden Teilrepublik Tschetschenien. Das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland berichtete dazu im Februar 2005 in seinen Länder-Informationen zu Russland: "Es wird weiterhin über Menschenrechtsverletzungen durch die russischen und lokalen Sicherheitskräfte, aber auch von Verbrechen und Vergehen der tschetschenischen Rebellen berichtet. Es kam nicht nur innerhalb Tschetscheniens, sondern auch in anderen Gebieten der Russischen Föderation zu Selbstmordanschlägen, bewaffneten Zusammenstößen zwischen Rebellen und Sicherheitskräften und Terrorakten." Tragischer Höhepunkt war die Geiselnahme in einer Schule von Beslan, bei der Anfang September 2004 330 Menschen getötet wurden. Der tschetschenische Präsident Achmad Kadyrow wurde am 9. Mai 2004 getötet. Sein Nachfolger wurde der vormalige Innenminister Alu Alchanow, der bei den Präsidentschaftswahlen vom 29. August 2004 nach offiziellen Angaben 74 % der Stimmen erhielt. Die EU und andere internationale Organisationen äußerten allerdings große Sorge hinsichtlich der Bedingungen, unter denen die Wahlen stattfanden. Kritisiert wurde insbesondere der Mangel an echtem Pluralismus bei den Kandidaturen für das Präsidentenamt und das Fehlen unabhängiger Medien.

Militär

Hauptartikel: Russische Streitkräfte Russland besitzt noch immer den zu Zeiten der Sowjetunion 1949 erlangten Status als Atommacht und verfügt heute über die größte Zahl an Atomsprengköpfen. In Russland gilt eine allgemeine Wehrpflicht von 18 bis 24 Monaten für wehrfähige Männer ab 18 Jahren. Da die wehrpflichtigen Soldaten auch in Krisengebieten wie Tschetschenien eingesetzt werden können, wird in der Bevölkerung (besonders von Seiten der Mütter) immer wieder Kritik an der Wehrpflicht laut. Die Stärke der Streitkräfte betrug 2001 1.183.000 Mann, davon 321.000 Landstreitkräfte, 171.500 Marine, 184.600 Luftstreitkräfte, 149.600 Atomstreitkräfte. 40.000 dienen in Staaten der GUS als Friedenstruppen und 316.900 werden als "sonstige Militärs" geführt. Dazu kommen noch diverse paramilitärische Einheiten, wie 410.000 Soldaten des Innenministeriums, des Grenzschutzes oder Notstandstruppen. Allein bei den Eisenbahntruppen dienen 48.000 Mann. Russland gibt heute ca. 15,4 % seines BSP für das Militär aus. Jedoch liegen die Militärausgaben in absoluten Zahlen weit unter denen der USA.

Verwaltung

Die höchste Ebene der Verwaltung sind sieben Föderationskreise. Diese teilen sich wiederum auf in 89 Subjekte der Verwaltung mit unterschiedlicher Autonomie: 21 autonome Republiken, 6 Regionen (Krajs), 49 Oblaste, 2 Städte mit Subjektstatus, 1 autonomer Oblast und 10 autonome Kreise. Details siehe Verwaltungsgliederung Russlands

Infrastruktur

Verwaltungsgliederung Russlands]] Ein Problem des russischen Verkehrsnetzes ist der zunehmende marode Zustand, da Erhaltungsmaßnahmen wegen der angespannten Haushaltslage oft unterbleiben.

Eisenbahn

Der mit Abstand wichtigste Verkehrsträger in Russland ist die Eisenbahn, die berühmteste Verkehrsachse ist die Transsibirische Eisenbahn (rote Linie in der Grafik) von Moskau nach Wladiwostok. Parallel dazu wurde Ende des 20. Jahrhunderts zur Erschließung des fernen Ostens Sibiriens die sogenannte Baikal-Amur-Magistrale (BAM, grüne Linie in der Graphik) vom Baikalsee zum Fluss Amur gebaut. Durch diese beiden und die abzweigenden Strecken wird das Land in west-östlicher Richtung erschlossen. Insgesamt umfasst das Eisenbahnnetz (1524 mm Spurbreite) rund 87000 km, davon ist knapp die Hälfte (40000 km) elektrifiziert. Auf der Insel Sachalin exisiteren fast 1000 km in 1067 mm Breite. Daneben gibt es zusätzlich 30000 km nicht öffentlicher Industriebahnen (alle Angaben 2004). Im Bereich der Städte sind von den Kommunen betriebene Strecken und Verkehrseinrichtungen (Elektritschkas oder Elektritschnajas/Vorortzüge) von Bedeutung für den regionalen Verkehr, wie unter anderem die Moskauer Ringbahn. Ergänzt wird das System von U-Bahnen in größeren Städten.

Straßennetz

Der Straßenverkehr hat vor allem im europäischen Teil Russlands Bedeutung für den Regionalverkehr innerhalb der Föderationssubjekte. Das Fernstraßennetz umfasst etwa 540000 km (2001), davon sind zwei Drittel befestigt. Erst seit kurzem (2003) existiert eine durchgehende Straßenverbindung von der Ostsee zum Pazifik.

Wasserstraßen

72000 km Wasserwege verbinden im europäischen Teil Russlands die Ostsee, das Schwarze Meer, die Binnenseen und das Weiße Meer miteinanderander. Wichtige Wasserstraßen dabei sind die Wolga, die Kama, die Nischni Nowgoroder Oka, die Wjatka, der Don und die Kanäle, die diese Flüsse miteinander verbinden. Weitere 24000 km sind in Sibirien schiffbar. Für den Verkehr zwischen dem russischen Kernland und der Exklave Kaliningrad ist der Fährverkehr sowie die Korridor-Eisenbahnverbindung durch Litauen und Weißrussland von Bedeutung.

Flugverkehr

In Russland und der Sowjetunion kam der Luftfahrt schon immer eine große Bedeutung zu. Besonders wichtig ist sie in entlegenen Gebieten, in denen weder Straßen noch Schienen existieren. Mehrere internationale Fluggesellschaften fliegen außer Moskau auch andere russische Städte direkt an. Neben der Aeroflot fliegen als größere Gesellschaften noch Pulkowo, Siberia Airlines oder KMV. ca. 2500 Flughäfen und Flugplätze gibt es in der Russischen Föderation, davon 55 davon mit einer befestigten Piste über 3000 m Länge. Der größte und wichtigste Flughafen ist Scheremetjewo-2 bei Moskau. Siehe auch: Kfz-Kennzeichen (Russland), Wikipedia:WikiProjekt Russische Luftfahrt

Wirtschaft

Der Wert des russischen Bruttoinlandsprodukts von 16.752 Mrd. Rubel (2004) entspricht 468 Mrd. Euro. Bei Berücksichtigung der Kaufkraftparität beträgt der Wert des russischen Bruttoinlandproduktes 1408 Milliarden Dollar. Laut Cia Factbook ist die russische Volkswirtschaft damit die zwölftgrößte Volkswirtschaft der Welt. Nach Angaben der russischen Statistikbehörde Rosstat steuerte der Handels- und Dienstleistungssektor knapp 60 % zum Bruttoinlandsprodukt bei. Auf die Industrie entfielen rund 30 %, auf die Bauwirtschaft und die Landwirtschaft jeweils rund 6 %. Nach Einschätzung der Weltbank dürfte die amtliche Statistik den Anteil der rohstofffördernden Industrien (2004: 7,7 %) jedoch zu niedrig und den Anteil des Handels (2004: 21,3 %) zu hoch ausweisen, da die russischen Rohstoffkonzerne durch Anwendung interner Verrechnungspreise Wertschöpfung aus dem Rohstoffbereich auf den Handelsbereich verlagern – insbesondere um Steuern zu sparen. Die Weltbank schätzt, dass tatsächlich rund ein Viertel der gesamtwirtschaftlichen Produktion vom Rohstoffsektor gestellt wird. Energie und Rohstoffe haben deswegen für die russische Wirtschaft herausragende Bedeutung, insbesondere Erdöl und Erdgas. Russland verfügt aber auch über bedeutende Vorkommen an Metallen (Nickel, Platin, Gold unter anderem) sowie Kohle, Uran, Kobalt und Diamanten. Mit der kräftigen Erholung der Erdölförderung und der Zunahme der Ölexporte bei steigenden Ölpreisen ist die Bedeutung der Energiewirtschaft seit Ende der 1990er Jahre weiter gewachsen. Der Export von Energieträgern und Elektrizität erreichte nach Angaben der russischen Zollbehörde 2004 am Gesamtvolumen der russischen Ausfuhren über die Grenzen der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS), hinaus erneut einen Anteil von rund 58 %. 2004 nahm die Produktion von Brennstoffen um insgesamt 7,1 % zu (Erdöl und Gaskondensat: +8,9 % auf 459 Mio. t; Erdgas: +1,9 % auf 632 Mrd. m³; Kohle: +1,3 %). Die Stromproduktion wächs

Ural (Gebirge)

Der Ural (russisch Урал, Уральский хребет) ist ein 2500 km langes Gebirge, das in nord-südlicher Richtung durch den mittleren Westen Russlands zieht und als Ostgrenze Europas gilt.

Geografie

Europa

Gebirgsverlauf und geografische Koordinaten

Der Ural durchzieht 3 Klimazonen und ist trotz seiner Länge relativ schmal (durchschnittl.etwa 50 km), wenn man ihn mit anderen Mittelgebirgen vergleicht. Er verläuft von der Karasee (östlich der Eismeerinsel Nowaja Semlja) nach Südwesten, biegt nach 500 km in Richtung Süden, erreicht bei Jekaterinburg seine größte Breite und endet zwischen Orenburg und Orsk an der Nordgrenze von Kasachstan. Als südliche Fortsetzung des Uralgebirges kann das Mugodschar-Gebirge, das sich etwas südlich des Uralknies bei Orsk anschließt, betrachtet werden. Die nördliche Hälfte des Ural verläuft etwa parallel zum großen sibirischen Strom des Ob, der sich 100 km vor seiner Mündung in den Ob-Busen des Nordpolarmeer - trotz seiner enormen Wassermassen - dem Uralgebirge bei Labytnangi auf nur 50 km nähert. Die einzelnen Gebirgszüge und ihre geografische Lage (geografische Breite B und Länge L) sind:
- Polarural (Poljarny Ural): B = 69 bis 66°, L = 67 bis 62° östl.
- Subpolar-Ural (Pripoljarny Ural): 66 - 63°, 62 - 59° östl.
- Nördlicher Ural (Severny Ural): 64 - 59°, L ca. 59° östl.
- Mittlerer Ural (Sredni Ural): 60 - 56° Nord, 58 - 61° Ost.
- Südlicher Ural (Juzny Ural): 56 - 52° Nord, 60 - 57° Ost.

Höchste Berge

Im mittleren Norden des Urals liegt der mit 1.895 m höchste Gipfel des Gebirges, die Gora Narodnaja (B = 65°04', L = 60°09'). Nur 150 km südlich des Polarkreises, stellt sie klimatisch bereits Hochgebirge dar. Weitere hohe Gipfel sind unter anderem
- die Gora Ocenyrd (1363m, 68° Breite) und Gora Payer (1500m, 67° Breite)
- Gora Nerojka (1646m, 65°) und Telposiz (1617m, 64°), beide nahe den Quellen der Petschora
- die Gora Denezkin (1492m) und Konzakovski Kamen (1569m) beide auf ~60° Breite, östliches Quellgebiet der Kama
- und im Südural der Gebirgszug der Gora Jamantau (1582 und 1640m, Breite 55° bzw. 54°). Südöstlich speist das nur mehr niedrige Gebirge den Oberlauf der wasserreichen Flüsse Ufa und Ural; ein Quellfluss des letzteren bildet einen großen Stausee mit dem sprechenden Namen Energetik.

Geografischer Großraum des Ural

Das Uralgebirge geht im Osten in das große Tiefland der Zapadno-Sibirskaja nismennost über, die Sibirische Senke. Hoch im Norden berührt der Ural fast die Karasee, 2500 km südlicher das Vorland zum Aralsee und die die kasachische Steppe. Auf der europäischen Seite senkt sich das Gebirge zur Osteuropäische Ebene ab. Es ist Quellgebiet vieler großer Flüsse (neben dem 2400 km langen Ural (Fluss) auch die Ufa, Belaja und Samara, siehe unten. Die Doppel-Insel Nowaja Semlja, die sich nördlich der nordrussischen Küste und der Karastraße sowie nordwestlich der Karasee anschließt, kann als die nördliche Fortsetzung des langestreckten Gebirges angesehen werden.

Im Ural entspringende Flüsse

Die wichtigsten im Ural entspringenden Flüsse sind - zuerst jene in Richtung Europa:
- Im Nordwesten des Ural die zur Petschorasee fließende Usa und 4 Petschora-Nebenflüsse
- im Westen einige Quellflüsse der Kama
- und die nach Südwesten fließende Ufa sowie
- die nach Süd, West, Nord fließende Belaja, die bei Ufa den o.a. Fluss aufnimmt
- im südwestlichen Hügelland des Ural die nach Südwesten zur Wolga fließenden Sakmara (~500 km)
- im Süden die zum Ural fließende Samara (knapp 600 km lang).
- In Richtung Asien entspringen:
  - Im Nordosten einige direkte Nebenflüsse des Ob
  - im östlichen Sumpfgebiet die stark mäandrierenden Severnaja Sosva, Lozva und Sosva (zum Irtysch)
  - im Gebiet von Jekaterinburg 7 Quellflüsse von Tura und Iset (zum Tobol und weiter zum Ob)
- im Südosten und Süden des Uralgebirges der nach Süden fließende Ural (2400 km lang) und 2 Nebenflüsse. Weitere große Flüsse im Umkreis des Ural sind: Emba, Pecora, Tavda, Tobol und Tura.

Innereurasische Grenze

Im allgemeinen geografischen Verständnis bildet das Ural-Gebirge – zusammen mit dem gleichnamigen Fluss – den Grenzverlauf zwischen Europa und Asien. Die "beiden Urale" teilen somit den Großkontinent Eurasien in zwei sehr ungleiche Kontinente (Fläche 10,4 bzw. 43,8 Millionen km²). Zur Trennungslinie dieser ineinander übergehenden Erdteile siehe Innereurasische Grenze.

Geologie und Gebirgsbildung seit 300 Mill.Jahren

Der Ural wurde bereits im mittleren und späten Paläozoikum aufgefaltet. Für sein Alter von 300 bis 250 Millionen Jahre ist das Gebirge noch ungewöhnlich hoch. Die erste Gebirgsbildung setzte in den Erdzeitaltern des Devon und Karbon ein; vorher (im Kambrium, vor etwa 500 Mill. Jahren) erstreckte sich der sogenannte Ural-Ozean zwischen den damaligen Urkontinenten Sibiria (heutiges Nordasien) und Fennosarmatia (Teile des heutigen Nord- und Osteuropa). Die variszische Orogenese erreichte durch die West-Verschiebung von Gondwana einen Höhepunkt und erzeugte die Appalachen und den Ural. Im Perm (290 bis 248 Ma vor heute) vereinigten sich durch Kollisionen der großen Kontinentalplatten alle Kontinente der Erde zu einem einzigen "Urkontinent" Pangäa. Im Uralgebiet betraf dies vor allem Laurussia und Sibiria sowie die Lithosphäre unter dem heutigen Kasachstan. Der neue Superkontinent war vom Urozean Panthalassa umgeben; Mitteleuropa lag damals fast am Äquator und sein Wüstenklima führte zur Bildung mächtiger Salzlagerstätten. Als später die Tethys von Osten her in Pangäa eindrang, kam es vor ~250 Ma zur Extrusion kontinentaler Plateaubasalte in Sibirien, die mit einem Massensterben zusammenhängen dürften. Im Oberperm begann in Europa die Abtragung der variszischen Gebirge und eine weiträumige Meerestransgression (siehe auch Zechsteinmeer und Geologie von Polen. Durch Vorstoß des arktischen Meeres nach Mitteleuropa bestand im Gebiet des späteren Ural eine Ozeanverbindung zur Tethys. Aus ihr faltete sich im Übergang vom Paläo- zum Mesozoikum das Uralgebirge auf. Gleichzeitig entstanden in Südeuropa mächtige Kalksedimente, die heute Teile der Alpen bilden, und auch die lange Geosynklinale der späteren Anden. Diese großtektonischen Vorgänge sind eine wesentliche Ursache für den Erzreichtum des Ural - siehe auch die Artikel Erzgang und Paläozoikum.

Erz-Bergbau und Wirtschaft im Ural

Im mittleren und südlichen Ural werden eine Reihe von Erzen abgebaut, unter anderem Eisen (beachte den Namen Magnitogorsk) und das Edelmetall Platin. Auch Halb- und Edelsteine werden gewonnen. Wie in Mitteleuropa (siehe o.a. Genese und Zechstein) gibt es große Lagerstätten von Salz, und durch das warme Klima während der Gebirgsbildungen auch Kohle, Erdöl und Erdgas. Der Erzreichtum hat ferner zur Entwicklung einiger großer Zentren der Schwerindustrie geführt, wofür beispielsweise die Namen Perm, Jekaterinburg und Magnitogorsk stehen. Allerdings kämpfen sie seit dem Ende der Sowjetunion teilweise mit wirtschaftlichen Problemen.

Städte und große Orte

Größere Städte am / im Ural sind:
- Im Westen (europäische Seite):
  - Norden bis Mitte: Workuta, Inta, Pecora
  - Südwest: Solikamsk, Berezniki, Perm, Zlatoust, Ufa, Salavat
- Auf der Ostseite (Sibirien):
  - Mitte: Serov, Nizni Tagil, Jekaterinburg (bis 1991 Swerdlowsk), Kamensk-Uralsk
  - Südosten: Tscheljabinsk, Miass, Magnitogorsk
- Im Süden: Orenburg und Orsk (beide am Ural).

Literatur und Weblinks


- V.V. Ez, D.J. Gaft, B.I. Kuznezov: Morfologija i uslovija obrazovanija geolomorfnoj skladčatosti na primere: Zilairskogo sinklinerija Južnogo Urala, Published Moskva: Nauka 1965
- [http://www.nano.geo.uni-muenchen.de/kempe/earth_history/earth-history.htm Erdgeschichte und Europa]
- [http://www.geo.uni-potsdam.de/forschung/Geologie/Ural/ural.html Geodynamik der Haupt-Uralstörung - Tektonik der zentralen Kollisionszone im Südural, 1998]
- [http://www.inrussland.net/multimedia.html Filmclip und Fotogallerie mit Impressionen aus dem Ural] Kategorie:Gebirge (Russland) Kategorie:Gebirge in Asien ja:ウラル山脈 ko:우랄 산맥

Ob

] Der Ob (russisch Обь) ist ein asiatischer Fluss bzw. Strom in Russland.

Flusslauf

Gebildet wird der Ob in den Südsibirischen Gebirgen durch die Vereinigung der beiden aus dem Altai kommenden Flüsse Bija und Katun, die sich nahe der Stadt Bijsk treffen. Somit gelangt der Fluss als Ob etwas weiter unterhalb in die Stadt Barnaul. Anschließend durchfließt er den großen Kamener Stausee und danach den Nowosibirsker Stausee, nach dessen Talsperre er durch Nowosibirsk fließt. Spätestens von dort aus durchfließt der Ob, der eine wichtige Schiff-Fahrtsstraße darstellt, zuerst in nordwestlicher Richtung das Westsibirische Tiefland östlich des Urals. Dabei passiert er die Städte Nischnewartowsk, Surgut und Chanty-Mansijsk. Nach der zuletzt genannten Stadt und etwa 300 km weiter nordwestlich teilt sich der Ob in den Großen- und Kleinen Ob auf (446 bzw. 456 km lang), die sich in nördlicher Richtung - östlich des Urals - fließend noch vor dem nordsibirischen Salechard wieder vereinigen. Von dieser Stadt, wo der Ob in Richtung Osten abknickt, um entlang des Nördlichen Polarkreises zu fließen, ist es für russisch-sibirische Verhältnisse nur noch ein Katzensprung bis zu seiner Mündung in den weiter östlich beginnenden und etwas über 800 km langen sowie bis zu 70 km breiten Obbusen ("Obskaja guba"). Dieser Meerbusen, durch dessen Südteil der schon genannte Polarkreis verläuft, ist allerdings kein Flusslauf mehr, sondern als sogenannter Ästuar bereits ein Teil der Karasee, die wiederum zum eisigen Arktischen Ozean gehört. Allerdings weist er - angetrieben von den unaufhaltsamen Wassermassen des Ob - eine starke nach Norden fließende Strömung auf.

Flusslänge

Die Länge dieses Flusses kann auf verschiedene Weise gemessen werden:
- 3.650 km = Länge Ob ohne den "Katun"
- 4.338 km = Ob mit dem "Katun" = Ob-Katun (sein längster Quellfluss)
- 5.410 km = Irtysch-Ob = Gesamtlänge des Irtysch (4.248 km) + Länge Ob-Unterlauf (1.162 km) Zu diesen Längen kann man jeweils noch den über 800 km langen Obbusen dazuzählen.

Einzugsgebiet


- Das Einzugsgebiet beträgt 2.975.000 km² (das ist mehr als die 8,3fache Fläche der BRD).

Gewässer

Nebenflüsse

Von den nachfolgend erwähnten Flüssen ist der Irtysch, der übrigens deutlich länger ist als der Ob selbst, sein wichtigster Nebenfluss.
- Irtysch
- Tschulym (Kulym)
- Ket
- Tom

Stauseen

Der Ob durchfließt unter anderen diese Stauseen:
- Kamener Stausee
- Nowosibirsker Stausee (1.070 km², 8,8 Mrd. m³)

Orte

Von den nachfolgend erwähnten Orten ist Nowosibirsk die größte Stadt am Ob.
- Bijsk
- Barnaul
- Nowosibirsk
- Nischnewartowsk
- Surgut
- Chanty-Mansijsk
- Salechard

Siehe auch


- Irtysch
- Irtysch-Ob
- Die längsten Flüsse der Erde Kategorie:Fluss in Russland ja:オビ川

Irtysch

Der 4.248 km lange Irtysch (russisch Иртыш, kasachisch Эртiс/Ertis), der in Asien in China, Kasachstan und Russland fließt, ist ein Nebenfluss des Obs.

Flusslauf

Er entspringt in China im Mongolischen Altai als Schwarzer Irtysch, erreicht Kasachstan und fließt in nordwestlicher Richtung zum westlichen Altai, den er dann auch durchströmt. Nicht erst darin durchfließt sein Wasser den vom Buchtarma-Stausee überfluteten Saissansee. Nach dem Durchfließen des Absperrbauwerks des Stausees, dass sich bei Öskemen befindet, tritt er bei Semei in die weiten Steppen Kasachstans ein. Spätestens bei Semei erreicht der Irtysch das Westsibirische Tiefland östlich des Urals. Südöstlich von Omsk kommt er nach Russland. Dann passiert er die Stadt Tobolsk und mündet schließlich bei Chanty-Mansijsk in den Ob.

Flusslänge und Einzugsgebiet

Der Irtysch (4.248 km lang) bildet zusammen mit dem Unterlauf des Ob (1.162 km) einen der längsten Flüsse der Erde, den Irtysch-Ob, der insgesamt 5.410 km lang ist. Sein Einzugsgebiet umfasst 1.643.000 km², das entspricht etwa der 4,6-fachen Fläche Deutschlands.

Stausee


- Buchtarma-Stausee (5.490 km², 49,80 km³)

Nebenflüsse

Seine wichtigsten Zuflüsse sind rechtsseitig die Buchtarma, der Om und die Demjanka und linksseitig der Ischim, Tobol und Konda.

Sonstiges


- Von Anfang November bis Ende April ist der Irtysch zugefroren.
- Zahlreiche große und kleine Stauwerke hat das Wasser des Irtysch zu durchfließen.
- Jermak, der "Eroberer Sibiriens" ertrank am 15. September 1585 im Irtysch.

Siehe auch


- Die längsten Flüsse der Erde Kategorie:Fluss ja:エルティシ川

Chanten

Die finno-ugrische Ethnie der Chanten (alter Name: Ostjaken, Eigenbez. und russisch Chanty, indekl.) spricht eine zum finno-ugrischen Zweig der uralischen Sprachen gehörende ugrische Sprache, das in vier Dialekte unterteilte Chantische. Gemeinsam mit den Mansen werden sie als die Ob-Ugrier bezeichnet. Sprachlich sind sie die nächsten lebenden Verwandten der Ungarn. Es gibt jedoch Grund zur Annahme, daß Chanten und Mansen einen anderen ethnischen Ursprung haben und erst im Laufe der Zeit Sprache und Teile der Kultur der Ugrier angenommen haben. Die ursprünglichen Jäger und Rentierzüchter kamen im 11. Jahrhundert mit Russen in Kontakt und kamen im 16. Jahrhundert unter erheblichem Widerstand unter russische Herrschaft. Erst im 18. Jahrhundert setzte die Christianisierung der Chanten ein.

Bevölkerung

Bei der Volkszählung 2002 gaben 28678 Personen an, "chantisch" als Nationalität an. Mit 26694 lebte der weitaus größte Teil von ihnen in der Oblast Tjumen, davon 17128 im Autonomen Kreis der Chanten und Mansen und 8760 im Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen. In der Oblast Tomsk gaben 873 Einwohner "chantisch" als Nationalität an, in der Republik Komi waren es 88[http://www.raipon.org/russian_site/people/people_perepis_2002_rus.htm].

Sprache

Die Umgangssprache in Städten und größeren Siedlungen ist heute hauptsächlich das Russische. In kleineren Dörfern, in ethnischen Enklaven innerhalb größerer Siedlungen sowie auf den Wohnplätzen der in der Taiga lebenden Halbnomaden stellen die chantischen Dialekte bis heute ein wichtiges und teilweise das Hauptkommunikationsmittel dar.

Geschichte

11. bis 16. Jahrhundert

In russischen Quellen werden die Chanten erstmals im 11. Jahrhundert untern dem Namen Jugra erwähnt. Im 15. und 16. Jahrhundert befinden sie sich unter der Herrschaft des Kanats Sibir, eines Zerfallsprodukts der Goldenen Horde. Neben den Mansen gehören sie zu den ersten Völkern Sibiriens, denen die Expedition Jermaks begegnet. Die Russen installieren eine indirekte Herrschaft, deren Hauptziel die Zahlung von Tributen (Jassak) in Form von Zobel-Fellen ist. Lokale Führungspersönlichkeiten, etweder traditionelle oder von den Kolonialherren eingesetzte, sind dabei für die Einsammlung und Entrichtung des Tributs zuständig. Dieser Tribut war das ursprüngliche Hauptziel der russischen Eroberung Sibiriens. Lange Zeit waren sibirische Zobelfelle die wichtigste Einnahmequelle des Staates.

Lebensweise

Viele Chanten waren traditionell Halbnomaden mit saisonalem Wohnsitzwechsel, anders als die benachbarten Nenzen, von denen ein größerer Teil vollnomadisch lebt. In der sowjetischen Epoche wurden zahlreiche chantische Siedlungen zwangsweise geräumt und ihre Bewohner in neu errichtete größere Dörfer umgesiedelt, in denen heutzutage die Mehrheit der Chanten lebt. Ein kleinerer Teil von ihnen geht nach wie vor einer halbnomadischen Lebensweise nach, die jedoch infolge des Zusammenbruchs des sowjetischen Versorgungssystems und des Ausgreifens der Erdölförderung immer schwieriger durchzuhalten ist. Gleichzeitig befinden sich die in der sowjetischen Zeit errichteten Dörfer oftmals in einer prekären Lage, da ihre Erbauer nicht berücksichtigten, ob das Umland geeignet ist, eine größere Zahl von Menschen zu ernähren.

Kultur

Einer der wichtigsten Erforscher der chantischen oralen Literatur, Mythologie und Folklore war der Finno-Ugrist und Volksliedsammler Wolfgang Steinitz, dessen "Ostjakologische Arbeiten" 1939 im estnischen Tartu erscheinen.

Politik

Politisch gehören die Chanten zu den "kleinen Völkern des Nordens", die gemeinsam mit den anderen indigenen Völkern des Autonomen Kreises in der Assoziation zur Rettung der Jugra («Ассоциация Спасение Югры») mit Sitz in Chanty-Mansijsk organisiert sind. Diese gehört ihrerseits der gesamtrussischen Indigenenvereinigung RAIPON an. Zu den bekannteren Persönlichkeiten gehört der chantische Schriftsteller Jeremej Ajpin (Еремей Айпин), dessen Werk sich zum großen Teil mit dem Konflikt zwischen seinem Volk und der der Ölindustrie auseinandersetzt.

Siehe auch

Autonomer Kreis der Chanten und Mansen Mansen

Weblinks


- [http://www.kreckow.de/sibirien Informationen und Bilder zu den Chanten und Waldnenzen]
- [http://www.infoe.de/home/Sibirien Informationen zur sozialen und menschenrechtlichen Lage]
- [http://www.hmao.wsnet.ru/politics/spas_ug/spas_ug.htm Kurzinformationen zur Assoziation zur Rettung der Jugra]
- RAIPON-Artikel über [http://www.raipon.org/Web_Database/khant.html Chanty]
- [http://www.eki.ee/books/redbook/khants.shtml Redbook: The Khants]
- [http://www.nupi.no/cgi-win/Russland/etnisk_b.exe?Khant Centre for Russian Studies] — Norwegian studies of Russian peoples

Literatur


- STEINITZ, Wolfgang: Ostjakologische Arbeiten in vier Bänden. Budapest: Akadémiai Kiadó, Berlin: Akademie-Verlag, Den Haag: Mouton (1976 ff.)
- BALZER, Marjorie M.: Strategies of Ethnic Survival: Interaction of Russians and Khanty (Ostiak) in Twentieth Century Siberia. Bryn Mawr College, Ph.D..1979 Als Manuskript gedruckt.
- BALZER, Marjorie M.: The Route to Eternity: Cultural Persistance and Change in Siberian Khanty Burial Rituals. In: Arctic Anthropology, 17.Jg. (1980), H.1, S.77-98.
- BALZER, Marjorie M.: Rituals of Gender Identity: Markers of Siberian Khanty Ethnicity, Status and Belief. In: American Anthropologist, 83.Jg. (1981), H.4, S.950-867.
- BALZER, Marjorie Mandelstam: Doctors or Deceivers? Siberian Khanty Shamans and Soviet Medicine. Aus: Romanucci-Ross, Lola; Moerman, Daniel; Tancredi, Lawrence (Hrsg.): The Anthropology of Medicine. South Hadley, Mass. (Bergin) 1982.
- BALZER, Marjorie M.: Ethnicity without Power: The Siberian Khanty in Soviet Society. In: Slavic Review, Jg.1983, S.633-648.
- BALZER, Marjorie M.: Khanty. Aus: Friedrich, Paul (Hrsg.): Encyclopedia of World Cultures, Vol VI. New Haven (Yale University) 1994. S.189-192.
- WIGET, Andrew; BALALAEVA, Olga: National Communities, Native Land Tenure, and Self-determination among the Eastern Khanty In: Polar Geography, 21.Jg. (1997), H.1, S.10-33. Kategorie:Finnougrier Kategorie:Europäische Ethnie Kategorie:Asiatische Ethnie Kategorie:Indigenes Volk in Russland

Finno-ugrische Völker

Der Begriff finno-ugrische Völker fasst jene Völker, Bevölkerungen oder Menschengruppen zusammen, die in der Geschichte und in der Gegenwart finno-ugrische Sprachen verwendeten und verwenden. Schließt man die sprachlich verwandten samojedischen Völkern mit ein, so ist auch von uralischen Völkern oder der uralischen Völkerfamilie die Rede.

Gemeinsame Frühgeschichte der Uralier

In gewissem Sinne haben finno-ugrischen Völker eine gemeinsame Frühgeschichte, jedoch ist ihre spätere Geschichte unterschiedlich verlaufen. Die Vorfahren der Uralier (Finno-Ugrier und Samojeden) lassen sich mit den Urbevölkerungen des gesamten nördlichen Osteuropas unter anderem des Wolga- und Ural-Gebietes in Zusammenhang bringen. Jedoch reicht(e) der uralische Einfluss bis nach Sibirien und selbst bei den Jukagiren im Nordosten Eurasiens finden sich Hinweise auf kulturelle und sprachliche Kontakte. Vieles spricht dafür, dass es in großen Teilen Nord-Eurasiens eine Kontinuität uralischer Bevölkerung seit den neolithischen Kulturen des 3. Jahrtausends vor Christus gab. Auf der anderen Seite sind auch Zuwanderungen, Überlagerungen und kulturelle Einflüsse aus den eurasischen Steppen sichtbar. Die bäuerlichen Kulturen der südlichen Uralier Europas expandierten auf Kosten der Jäger-, Sammler-, Rentierzüchter- und Fischerkulturen der nördlichen Uralier (der Vorfahren der Saami und Samojeden) nach Norden. Dieser Prozess, der fast drei Jahrtausende andauerte, setzte sich noch Anfang des 20. Jahrhundert mit der Migration von Komi in die Tundra östlich und westlich des Urals fort. Die Zeugnisse der alten Uralier b.z.w Finno-Ugrier werden von den Archäologen mit Gruppen verwandter (archäologischer) Kulturen in Zusammenhang gebracht. Dazu gehören die im 2. Jahrtausend vor Christus die bronzezeitlichen Posdnjakowsker Kultur und die Prikasansker Kultur im Großraum westlich und östlich des Wolga-Flusssystems. Im letzten Jahrtausend vor Christus, bis etwa 300 v. Chr., folgen auf sie die eisenzeitlichen Gorodezko-Djakovsker Kultur und die Ananino-Kultur. Aus diesen Kulturen gingen die spätantiken und frühmittelaterlichen Finno-Ugrier hervor, über die Berichte in schriftlichen Quellen des 1. Jahrtausends n. Chr. zu finden sind. Der relativ geschlossene finno-ugrische Siedlungsraum im mittleren und nördlichen Osteuropa wurde durch die Zuwanderung baltischer, ostslawischer und türksprachiger Bevölkerungsgruppen und die Übernahme ihrer Sprache durch die Alteingessenen aufgelöst. So gesehen können neben den heutigen finno-ugrischen Völkern wie den Finnen, Ungarn und Esten auch Teile der heutigen Skandinavier, Russen, Balten sowie der Turkvölker des Wolga-Ural-Gebietes als ethnische Nachfahren der antiken Finno-Ugrier gelten.

Die Ostsee-Finnen

Die Ostsee-Finnen sind durch die Grenzlage zwischen den mittel- und nordeuropäischen und osteuropäischen "Kulturräumen" geprägt worden. Sie standen unter der Herrschaft deutscher Ordensritter, gehörten zu Schweden oder Russland. Eigenstaatlichkeit erreichten die protestantisch beeinflussten Finnen und Esten erst im 20. Jahrhundert. Die Vorfahren der heute weniger als 100 Liven gaben Livland ihren Namen und sind mehrheitlich in den Letten aufgegangen. Eine Aussengruppe der Finnen bilden die Ingrier (Ingermanländer, ingermanländische Finnen). Sie leben in der Oblast Leningrad. Besondere ethnische Gruppen der Esten sind die Võro-sprachigen Süd-Esten und die ihnen sprachlich nahestehenden christlich-orthodoxen Seto (Setukesen). Zu den Ostsee-Finnen gehören auch die in der Vergangeheit von der christlich-orthodoxen Tradition geprägten Kleinstvölker der Ischoren, Wepsen, Woten. Die Karelier sind heute eine Minderheit in der zu Russland gehörenden Republik Karelien. Die Süd- oder Twer-Karelier bilden eine Aussengruppe. Sie leben im Gebiet Twer nördlich von Moskau.

Die finnischen Völker des östlichen und nördlichen Osteuropa

Die Gründer mehrer "altrussischer" Städte (Murom, Rjasan) waren eigentlich Finno-Ugrier. Völker der Wolga-Finnen und die Vorfahren der südlichen Komi bildeten im Mittelalter eigene Fürstentümer wie die "Purgasower Rus" in der Waldsteppe westlich der Wolga (12./13. Jahrhundert). Erst 1505 fand mit der Auflösung des Khanats von Groß-Perm, der letzte finno-ugrische Staat in Osteuropa (das Bjarmland der skandinavischen Überlieferungen) sein Ende. Wichtigen Einfluss übten in der Wolga-Ural-Region stets die Einwanderer aus dem Süden und ihre Reiche aus (Sarmaten, Goten, Hunnen, Chasaren, Wolga-Bulgaren, Tataren). Der Anschluss der von Sprechern wolgafinnischer und permischer Sprachen bewohnten Gebiete an Russland vollzog sich über einen Zeitraum vom 10. bis zum 16. Jahrhundert. Ihr antikolonialer Protest nahm oft religiöse Formen an. Eine Bewegung für nationale Autnomie entstand erst im 20. Jahrhundert. In sowjetischer Zeit wurden nationale Republiken und Gebiete geschaffen, deren Autonomie aber sehr eingeschränkt blieb. Heute bilden sie in den nach ihnen benannten Republiken überall Minderheiten. Zu der genannten Gruppe von Völkern gehören die of nur Komi genannten Syränen, die besondere ethnische Gruppe der Komi-Ischemzen (Sie leben in der Tundra von der Kola-Halbinsel bis Nordwest-Sibirien) und die südlich von ihnen lebenden Komi-Permjaken. Des weiteren Udmurten, Mari und die beiden ethnischen Gruppen oder Völker der Mordwinen. Die Bessermenen sind eine ethnisch-konfessionelle Gruppe von Muslimen, die udmurtisch sprechen.

Ugren und Saami

Informationen zu den Saami, und den ugrischen Völkern der Ungarn, Chanten und Mansen sind an entsprechender Stelle zu finden.

Finno-ugrische Bewegung und Gemeinschaft

Seit dem 1. Weltkongress der finno-ugrischen Völker 1992 in Syktywkar (Republik Komi) wird von finno-ugrischen Völkern, Ländern, Regionen gesprochen. In Estland, Finnland, der Russischen Föderation und Ungarn bestehen staatliche und halbstaatliche politische, wissenschaftliche und kulturelle Einrichtungen, die die finno-ugrische Gemeinschaftlichkeit pflegen. Zur finno-ugrischen Bewegung gehören heute auch Vertreter der Völker, die eine samojedische Sprache sprechen. Die Ende des 20. Jahrhunderts entstandene Bewegung des Ethnofuturismus hat die Wiedergeburt und Erneuerung finno-ugrischer Identität zum Ziel.

Liste der finno-ugrischen Völker


- Bessermenen (die muslimischen Teile der Udmurten)
- Chanten (Ostjaken)
- Ersja-Mordwinen
- Esten
- Finnen
- Ingrier/Ischoren Die orthodoxen Ischoren sind nicht identisch mit den Ingriern (Ingermanländische Finnen, Ingermanländer); Beide Gruppen leben in der Oblast Leningrad.
- Karelier
- Komi-Ischemzen (Sie leben in der Tundra von der Kola-Halbinsel bis Nordwest-Sibirien)
- Komi-Permjaken
- Komi-Syränen
- Liven
- Mansen (Wogulen)
- Mari
- Mokscha-Mordwinen
- Twer-Karelier (Sie leben im Gebiet Twer nördlich von Moskau)
- Udmurten (Wotjaken)
- Ungarn
- Wepsen
- Woten

Historische Völkerbezeichnungen


- Merja: Sie lebten in der Gegend um die Stadt Jaroslawl
- Meschera: Sie lebten im heutigen Mittelrussland, in der Gegend um die Stadt Rjasan. Vergleiche hierzu die Eigenbezeichnung der westlich der Wolga lebenden Tataren: Mescher
- Muroma: Sie gründeten die Stadt Murom
- Norova: Ihr Name verweist auf den gleichnamigen Grenzfluss zwischen Estland und Russland
- Perm und Petschora: Die Vorfahren der Komi
- Sawolotschje-Tschuden: Sie lebten zwischen dem Onega-See und der heutigen Republik Komi
- Tschuden: Auch eine allgemeine Bezeichnung für Finno-Ugrier und ein alter slawischer Name für die Esten
- Wessen (Wes'): Die Wepsen dürften ihre Nachfahren sein

Weblinks


- http://www.suri.ee/ Seite des Informationszentrums der Finno-ugrischen Völker (Englisch). Dort finden sich Informationen zu den Kongressen der Finno-ugrischen Völker.
- http://www.suri.ee/hist2/plen/Julku.html - Kyösti Julku: Die verschiedenen Hypothesen über den Ursprung der finnougrischen Völker Kategorie:Ethnologie

Russen

Die Russen (russisch: Русские - Russkie) sind ein zur ostslawischen Sprachgruppe gehörendes Volk mit ca. 145 Mio.Angehörigen (Es gibt Angaben, die Ihre Zahl noch deutlich höher ansetzen) vor allem in Russland, wo sie 81 % der Gesamtbevölkerung stellen. In den übrigen Nachfolgestaaten der UdSSR existieren große russische Minderheiten, z. B in der Ukraine, Weißrussland, Kasachstan, Kirgisistan, Lettland, Litauen, Estland, sowie in den USA und Australien. In der Volksrepublik China sind die Russen als offizielle Minderheit anerkannt, die dort schon seit Generationen lebt. Hier leben sie im Norden von Xinjiang (inkl. Ürümqi) und in Heilongjiang. Seit dem Ende der Sowjetunion gibt es erneut größere Einwanderungsbewegungen, sowohl von Russen nach China, als auch von Chinesen nach Russland. Zu Zeiten des Zarenreiches wurden in der Sowjetunion forciert Russen im ganzen Staatsgebiet angesiedelt. Nach deren Zusammenbruch jedoch gibt es Rückwanderungsbewegungen in die Russische Föderation. Die Russen sind das größte slawische Volk (gefolgt von den Ukrainern und Polen) und das größte Volk in Europa. Das zugrundeliegende Ethnonym "rus'" bezeichnete ursprünglich die aus Skandinavien stammenden Waräger, die die zunächst Oberschicht der Kiewer Rus, des ersten ostslawischen Staatsgebildes stellten. (vgl. finnisch "Ruotsi" = "Schweden") und wurde später auf die gesamte ostslawische Bevölkerung des Reiches übertragen. Im Deutschen werden Bürger Russlands oft pauschal als Russen bezeichnet, unabhängig ihrer jeweiligen ethnischen Zugehörigkeit. Im Russischen dagegen meint "russkij" primär ethnische Russen. Die Staatszugehörigkeit bezeichnet dagegen das Adjektiv "rossijskij" (российский), das von "Rossija" (Россия = Russland) abgeleitet ist. Ein russischer Staatsbürger beliebiger ethnischer Zugehörigkeit heißt dementsprechend "Rossijanin" (Россиянин), Plural "Rossijane" (Россияне), was mit "Russländer" übersetzt werden könnte. In der Umgangssprache kann diese Unterscheidung jedoch manchmal verloren gehen. Siehe auch: Rus, Ruthenen, Ostslawen, russische Sprache, Reußen (Volksstamm) Kategorie:Europäische Ethnie Kategorie:Russland Kategorie:Volk in Russland Kategorie:Bevölkerung (China)
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ja:ロシア人 ko:러시아인

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Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- 15. Oktober: Papst Gregor XIII. führt den nach ihm benannten Gregorianischen Kalender ein
- Der Reichstag zu Augsburg erhebt Radkersburg zur Reichsfestung und bewilligt dem Kaiser Rudolf II. (HRR) Finanzmittel für den Kampf gegen die Türken. Im Reichsfürstenrat wird künftig zwischen Alt- und Neufürsten unterschieden
- Der Kamillianer Orden Ordo Clericorum Regularium Ministrantium Infirmis wird gegründet

Geboren


- 26. Januar: