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Autonomer Kreis Der Jamal-Nenzen

Autonomer Kreis der Jamal-Nenzen

Der Autonome Kreis der Jamal-Nenzen (Ямало-Ненецкий автономны округ, Jamalo-Nenezki awtonomny okrug) ist eine Verwaltungseinheit (Autonomer Kreis) im Norden Russlands.

Geographie

Der Autonome Kreis liegt in der Westsibirischen Tiefebene an der Karasee, einem Nebenmeer des Nordpolarmeeres. Der Ob durchfließt den Autonomen Kreis und mündet in einem gewaltigen Ästuar, dem Obbusen. Dadurch werden die Jamal-Halbinsel und die Gydan-Halbinsel gebildet. Weitere kleinere Flüsse sind Tas und Pur.

Bevölkerung

Wie viele Regionen Nordrusslands ist der Autonome Kreis der Jamal-Nenzen äußerst dünn besiedelt. Die indigene Bevölkerung macht nur 7 % aus und besteht neben der Titularnation der Nenzen, einem samojedischen Volk, aus Chanten und Selkupen. 59 % der Bevölkerung sind Russen, 17 % Ukrainer und 5 % Tataren.

Geschichte

Um 3000 v. Chr. entstanden die ersten Siedlungen an Ob und Tas, und erst etwa 1000 Jahre später wanderten die südsibirischen Samojeden in das Gebiet ein und vermischten sich mit den bereits ansässigen Völkern zum neuen Volk der Nenzen. Erste Beziehungen zu den Fürstentümern im Westen bestanden eventuell bereits im 13. Jahrhundert, ab 1500 jedoch drangen russische Händler auch ins Landesinnere vor. 1595 wurde der heutige Hauptort Salechard als Obdorsk von Kosaken gegründet. Der Autonome Bezirk Jamal (nenzisch „Ende des Landes“) besteht seit dem 10. Dezember 1930.

Wirtschaft

Wichtigster Wirtschaftszweig ist die Erdgas- und Erdölförderung. So dominiert im Gebiet von Nojabrsk der Ölkonzern Sibneft des Oligarchen Roman Abramowitsch. Auf der Halbinsel Jamal befinden sich einige der größten Erdgasvorkommen des Planeten. Diese werden seit wenigen Jahren durch den Staatskonzern Gasprom ausgebeutet. Die traditionellen Wirtschaftszweige der indigenen Bevölkerung sind Rentierhaltung, Jagd und Fischfang. Diese sind durch die Folgen der Öl- und Gasförderung schwer in Mitleidenschaft gezogen, da die Gas- und Ölindustrie große Territorien in Beschlag nimmt und Weidegebiete im großen Stil zerstört oder zerschneidet.

Städte

Hauptstadt des Autonomen Kreises ist Salechard, die größten Städte sind Nowy Urengoi und Nojabrsk. Städte (Einwohner 1. Januar 2004)
- Nojabrsk (Ноябрьск) – 98.400
- Nowy Urengoi (Новый Уренгой) – 95.900
- Nadym (Надым) – 46.300
- Salechard (Салехард) – 37.600
- Murawlenko (Муравленко) – 36.400
- Labytnangi (Лабытнанги) – 27.300
- Gubkinski (Губкинский) – 21.200
- Tarko-Sale (Тарко-Сале) – 19.000 (städtische Siedlung)

Weblinks


- [http://www.yamal.ru Homepage der Verwaltung des Autonomen Kreises der Jamal-Nenzen]
- [http://odur.let.rug.nl/~bergmann/russia/regions/rus89yan.htm Karte]
- [http://www.siberian-studies.org/publications/PDF/pltuisku.pdf Tuula Tuisku: Transition Period in the Nenets Autonomous Okrug. Changing and Unchanging Life of Nenets People] Kategorie:Subjekt der Russländischen Föderation ja:ヤマロ・ネネツ自治管区

Autonomer Kreis

Autonomer Kreis (russ. Автономный округ, Awtonomny okrug) ist eine Bezeichnung für russische Verwaltungseinheiten. Autonome Kreise umfassen meist riesige, äußerst dünn besiedelte Gebiete im Norden des Landes und in Sibirien. Meistens sind die indigenen Völker gegenüber den Russen in der Minderheit. Es gibt zehn Autonome Kreise:
- Autonomer Kreis der Aginer Burjaten
- Autonomer Kreis der Ewenken
- Autonomer Kreis der Chanten und Mansen
- Autonomer Kreis der Jamal-Nenzen
- Autonomer Kreis der Komi-Permjaken
- Autonomer Kreis der Korjaken
- Autonomer Kreis der Nenzen
- Autonomer Kreis Taimyr
- Autonomer Kreis der Tschuktschen
- Autonomer Kreis der Ust-Ordinsker Burjaten Kategorie:Verwaltungsgliederung Russlands

Russland

Russland (russisch Россия), bzw. Russische Föderation (russisch Российская Федерация, ) - beide Bezeichnungen sind gleichwertig - ist ein Staat in Osteuropa und Nordasien und der flächenmäßig größte Staat der Erde.

Geografie

Bild:Rs-map.png

Nachbarländer und Meere

Im Folgenden sind die an Russland angrenzenden Nachbarländer und Meere entgegen dem Uhrzeigersinn aufgeführt. Die Grenzlänge ist hinter den jeweiligen Staaten in Klammern angegeben. Das russische Kernland grenzt an die skandinavischen Staaten Norwegen (196 km) und Finnland (1340 km), gefolgt von einem kurzen Küstenstreifen zur Ostsee. Danach teilt sich Russland eine Grenze mit den baltischen Ländern Estland (294 km) und Lettland (217 km), weiter südlich gefolgt von Weißrussland (959 km) und der Ukraine (1576 km). Das Schwarze Meer trennt die europäischen Grenzen Russlands von denen zu Kleinasien. Im Kaukasus grenzen Georgien (723 km) und Aserbaidschan (284 km) an. Es folgt ein Küstenstreifen am Kaspischen Meer und eine lange gemeinsame Grenze mit der zentralasiatischen Republik Kasachstan (6846 km). In Ostasien grenzt Russland erstmals an die Volksrepublik China (etwa 40 km) und dann an die Mongolei (3485 km). Danach trifft das russische Hoheitsgebiet zum zweiten Mal mit der VR China zusammen (3605 km). Mit Nordkorea (19 km) besteht die letzte Landverbindung zu einem anderen Staat. Danach folgen die Küstenlinien zum Japanischen, dem Ochotskischen Meer, zum Pazifischen Ozean und schließlich zur Beringsee. Über die nur etwa 85 km schmale und 30 m bis 50 m tiefe Beringstraße ist Russland im äußersten Osten von seiner ehemaligen Kolonie Alaska (die 1867 an die USA verkauft wurde und seit 1959 offizieller Staat der USA ist) getrennt. Der gesamte nördliche Teil des Landes grenzt an den Arktischen Ozean. Dort befinden sich auch einige große und viele kleine Inseln, die ebenfalls zum russischen Staatsgebiet gehören. Die Gesamtlänge der Landesgrenzen beträgt 20.017 km, die Küstenlinie umfasst 37.653 km. Neben dem Kernland besitzt Russland noch zwei Exklaven:

Exklaven

Exklave Die größte russische Exklave ist der nördliche Teil des ehemaligen Ostpreußen, die heutige Oblast Kaliningrad (dt.: Königsberg). Die Exklave grenzt an Litauen (227 km) und Polen (206 km) und ist wie das Mutterland Ostsee-Anrainer. Sie beherbergt die gleichnamige Stadt Kaliningrad. Die zweite Exklave befindet sich in der Schweiz: das 1899 von Russland mit schweizer Genehmigung errichtete Suworow-Denkmal in der innerschweizerischen Schöllenenschlucht zählt zum russischen Hoheitsgebiet. Vermutlich wurde das nur 563 m² große Territorium an Russland übergeben, damit die Neutralitätsgesetze der Schweiz nicht verletzt werden. Der Exklavenstatus ist umstritten.

Strittige Gebiete

Südlich der russischen Halbinsel Kamtschatka liegt die Inselgruppe der Kurilen. Die Kette von etwa 30 Inseln erstreckt sich bis 4km vor die Küste Japans. Die Inseln standen seit 1875 unter japanischer Hoheit, als das sowjetische Russland sie 1945 im Zweiten Weltkrieg eroberte. Die südlichen Kurilen werden bis heute von Japan beansprucht. Seit 2004 laufen wieder Verhandlungen zwischen den beiden Staaten, die den Gebietsstreit beenden sollen. siehe auch: Kurilenkonflikt In der russischen Teilrepublik Tschetschenien versuchen islamische Unabhängigkeitsbewegungen, einen souveränen Staat zu errichten. De facto herrscht in der kaukasischen Republik seit 1994 permanenter Kriegszustand, wobei beide Seiten die Auseinandersetzung mit äußerster Härte austragen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt stehen unter anderem die Geiselnahme in einem Theater in Moskau 2002 sowie die Geiselnahme von Beslan, bei der 2004 insgesamt 368 Menschen ums Leben kamen. Der Tschetschenienkonflikt stellt die gegenwärtig schwerste Krise Russlands dar und seine Lösung ist wahrscheinlich die größte Herausforderung der russischen Regierung. An dem Fluss Amur, der die Grenze Russlands zur VR China bildet, kam es v.a. während der Sowjetzeit zu diversen Auseinandersetzungen, die auch zu Grenzgefechten führten. Auch in der heutigen Zeit gibt es vereinzelt Gefechte zwischen russischen und chinesischen Grenzsoldaten. Da aber keine Seite offiziell Anspruch auf Gebiete jenseits des Flusses erhebt, werden diese Streitigkeiten nicht als ein schwerwiegender Konflikt betrachtet.

Großlandschaften

VR China Hauptartikel: Russische Großlandschaften Russland gliedert sich geografisch betrachtet hauptsächlich in die folgenden Großlandschaften (etwa in West-Ost-Richtung):
- Osteuropäische Ebene - westlich des Uralgebirges
- Westsibirisches Tiefland - östlich des Uralgebirges
- Nordsibirisches Tiefland - südlich des Arktischen Ozean
- Mittelsibirisches Bergland - zwischen Jenissei und Lena
- Südsibirische Gebirge - Gebirge im Süden Russlands (bzw. Sibiriens)
- Mitteljakutische Niederung - in der Fluss-Niederung der Lena
- Ostsibirisches Bergland - Gebirge östlich der Lena
- Ostsibirisches Tiefland - südlich der Ostsibirischen See

Flüsse und Ströme

Ostsibirischen See]] Sieben der zehn längsten europäischen Flüsse verlaufen durch russisches Staatsgebiet. An deren Spitze steht die Wolga. Sie ist der längste Fluss Europas und verläuft ausschließlich in Russland. Nach 3.531 km mündet sie schließlich ins Kaspische Meer. Als Wasserweg erfährt die Wolga besondere Bedeutung, da sie Nordeuropa mit Zentralasien verbindet. Mit 2.428 km Länge folgt der Ural. Er entspringt im gleichnamigen Gebirge und verläuft in Richtung Süden nach Kasachstan. Da er erst jenseits der kasachischen Grenze schiffbar wird, hat er für Russland nur geringe wirtschaftliche Bedeutung. Jedoch wird er allgemein als Innereurasische Grenze angesehen. Eine sehr große Bedeutung für die slawischen Staaten besitzt dagegen der Dnepr (auch Dnjepr genannt). Der Strom entsteht westlich von Moskau und fließt anschließend durch Weißrussland und die Ukraine, wo er ins Schwarze Meer mündet. Über den Dnepr-Bug-Kanal ist er mit dem polnischen Fluss Bug und mit Weichsel und Memel verbunden, was den Dnepr zu einer äußerst wichtigen Wasserstraße macht. In Asien verläuft der 2.824 km lange Amur. Er bildet seit 1689 die Grenze zwischen Russland und der Volksrepublik China. Weitere wichtige Flüsse und Ströme sind (alphabetisch sortiert); die bedeutsamsten Flüsse sind kursiv gedruckt): Angara, Bureja, Chor, Don, Düna, Indigirka, Irtysch, Jenissei, Kama, Kolyma, Kuban, Lena, Memel, Moskwa, Newa, Ob, Oka, Petschora, Pregel, Seja, Selenga, Tobol, Tschulym, Steinige und Untere Tunguska, Ussuri, Wjatka, Wolchow.

Gebirge und Berge

Die bedeutendsten Gebirge in Russland sind (alphabetisch sortiert): Altai, Baikalgebirge, Chibinen, Kaukasus, Kolymagebirge, Putoranagebirge, Sajangebirge, Stanowojgebirge, Stanowojhochland, Tannu-ola-Gebirge, Tscherskigebirge, Ural, Werchojansker Gebirge. Der höchste Berg in Russland ist der Elbrus (5.642 m) im Kaukasus.

Städte

Die größten Städte Russlands sind Moskau (10,10 Mio.), Sankt Petersburg (4,66 Mio), Nowosibirsk (1,42 Mio), Nischni Nowgorod (1,35 Mio), Jekaterinburg (1,26 Mio), Samara (1,16 Mio), Omsk (1,15 Mio) und Wolgograd (1,2 Mio). Siehe auch: Liste der Städte in Russland

Klima

Große Teile des Landes sind vom Kontinentalklima mit heißen Sommern und sehr kalten Wintern geprägt. Die vier Klimastationen Moskau, Jekaterinburg, Nowosibirsk und Bomnak liegen alle etwa auf 55° nördlicher Breite von West nach Ost. An ihnen lässt sich die zunehmende Kontinentalität mit immer ausgeprägteren Differenzen zwischen dem wärmsten und kältesten Monat des Jahres gut erkennen. Im Nordosten Sibiriens - beim Ort Oimjakon - liegt der Kältepol der Nordhalbkugel. Bild:Klima_moskau.png|Klimadiagramm Moskau Bild:Klima_jekaterinburg.png|Klimadiagramm Jekaterinburg Bild:Klima_novosibirsk.png|Klimadiagramm Nowosibirsk Bild:Klima_bomnak.png|Klimadiagramm Bomnak Die Klima- und Vegetationszonen verlaufen in Russland weitgehend breitenkreisparallel, so dass stark schematisiert folgende Nord-Süd-Abfolge entsteht:

Bevölkerung

breitenkreis] Russland ist ein Vielvölkerstaat. So leben neben den Russen, die mit 80,0 % die Mehrheit der Bevölkerung stellen, noch fast 100 andere Völker auf dem Gebiet des Landes. Größere Minderheiten sind die Tataren (4,0 %), die Ukrainer (2,2 %), die Tschuwaschen (1,5 %), die Baschkiren (1,4 %), die Wolgadeutschen (0,8%) und andere. Zu den kleineren Minderheiten zählen beispielsweise die Mescheten und die Juden. Sie sprechen meistens Sprachen aus dem Kreis der Uralische Sprachen (Samojedische Sprachen), Altaiische Sprachen und Paläosibirische Sprachen. Siehe: Indigene Völker des russischen Nordens, Sibiriens und des russischen Fernen Ostens Für viele nicht-russische Völker wurden Republiken mit weitgehender Autonomie errichtet. In den letzten Jahren erlebt Russland einen deutlichen Bevölkerungsrückgang von etwa 750.000 Einwohnern pro Jahr. Dennoch ist Russland das zweitwichtigste Einwanderungsland der Welt. Herkunftsländer sind hierbei vor allem die ärmeren, südlichen ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens und des Kaukasus, aber in zunehmender Zahl auch Afrika und Südostasien. Die Mehrheit der Einwanderer stellen bisher jedoch die Russen, die während der Sowjetzeit in anderen Teilrepubliken angesiedelt wurden und nun mit ihren Familien nach Russland zurückkehren. Russisch ist die einzige überall geltende Amtssprache, parallel dazu wird in den einzelnen autonomen Republiken oftmals die jeweilige Volkssprache als zweite Amtssprache verwendet. Das kyrillische Alphabet ist die einzige offizielle Schrift und es besteht die Richtlinie, dass alle jeweiligen Sprachen in Kyrillisch zu schreiben sind. Gegen diese Regelung erhob sich in den vergangenen Jahren mehrmals Widerstand, z. B. von Seiten der Tataren. Die russisch-orthodoxe Kirche bildet die vorherrschende christliche Gruppe in der Föderation der über 60 % der Bevölkerung angehört. Allerdings ist die Zahl der Konfessionslosen mit über 25 % sehr hoch; zu anderen Religionen zählen der Islam (knapp 12 %) und in kleinerem Maße verschiedene protestantische Richtungen (1 Millionen Menschen) (darunter die ELKRAS), die katholische Kirche (ebenfalls rund 1 Millionen Menschen), der Buddhismus (über 1 Millionen) und der Judentum (800000). 73 % der Russen leben in Städten.

Bevölkerungswachstum

Russland verliert ca. 365.000 Einwohner im Jahr (ca. 1.000 Einwohner am Tag). Die Bevölkerungsdichte war 2004 8,46 Einwohner/km², im Jahr 2005 ist diese noch 8,40 Einwohner/km².

Geschichte

Judentum Judentum Judentum Judentum Hauptartikel: Geschichte Russlands

Etymologie

Der alte ostslawische Name für das Gebiet des von Slawen bewohnten Teils des europäischen Russlands, Weißrusslands und der Ukraine war Rus (siehe Kiewer Rus), der davon abgeleitete mittelalterliche lateinische Name war Ruthenia, in latinisierter slawischer Version Russia (ab dem frühen 18. Jahrhundert Rossija). Wörtlich übersetzt bedeutet Rossijskaja Federazija ‚Russländische Föderation‘ (von Rossija ‚Russland‘). Man hat bewusst nicht Russkaja Federazija (‚Russische Föderation‘) als Staatsbezeichnung gewählt, um auch die nicht-russischen Ethnien einzubeziehen. Ist von dem russischen Volk oder der russischsprachigen Kultur die Rede, spricht man daher im Russischen von russkij (‚russisch‘). Ist dagegen von den Staat Russland betreffenden Sachverhalten die Rede, verwendet man das Adjektiv rossijskij (‚russländisch‘).

Entstehung

Die früheste Geschichte des eigentlichen, europäischen Russlands (für die Geschichte des asiatischen Teils, siehe Geschichte Sibiriens) ist im Norden geprägt von finno-ugrischen Völkern und Balten, und im Süden von den indogermanischen Steppenvölkern des Kurganvolks, der Kimmerier, Skythen, Sarmaten und Alanen; später kamen hier noch Griechen, Goten, Hunnen und Awaren hinzu. In der Mitte, zwischen Dnjepr und Bug, fand die Ethnogenese der slawischen Völker statt, die sich ab dem 6. Jahrhundert auch nach Norden und Osten auszudehnen begannen. Ab dem 8. Jahrhundert befuhren schwedische Wikinger die osteuropäischen Flüsse, gründeten Städte und Siedlungen und vermischten sich mit der slawischen Vorbevölkerung. Diese auch Waräger oder Rus genannten Kriegerkaufleute waren maßgeblich an der Gründung des ersten ostslawischen Staates, der "Kiewer Rus" mit Zentren in Kiew und Nowgorod, beteiligt. Im südlichen Steppengebiet und an der Wolga waren hingegen Reiche der aus Asien eingeströmten Turkvölker der Chasaren und Wolgabulgaren entstanden, mit denen die Rus Handel trieben, aber auch mehrfach Kriege führten. Intensive Kontakte mit dem Byzantinischen Reich führten schließlich 988 zur orthodoxen Christianisierung der Kiewer Rus. Aufgrund des ungünstigen Senioratsprinzips bei der Regelung der Erbfolge begann die Kiewer Rus im 12. Jahrhundert zu zerfallen, was es den ab 1223 einfallenden Mongolen erleichterte, die zerstrittenen russischen Fürstentümer zu unterwerfen. Die Goldene Horde beherrschte nun für zwei Jahrhunderte einen großen Teil der Rus, ein anderer Teil wurde dem Großfürstentum Litauen und später Polen-Litauen eingegliedert. Das Großfürstentum Moskau konnte sich schließlich von der mongolischen Fremdherrschaft befreien, und Großfürst Iwan IV. ließ sich 1547 zum ersten "Zar der ganzen Rus" krönen. Unter seiner Herrschaft begann auch die Eroberung Sibiriens, die russische Kosaken erstmals im 17. Jahrhundert bis an den Pazifik brachte.

Öffnung Russlands unter Peter dem Großen

An der Wende zum 18. Jahrhundert öffnete Zar Peter der Große das teilweise in mittelalterlichen Strukturen erstarrte russische Reich westeuropäischen Einflüssen und förderte Wissenschaft und Kultur. 1703 gründet er die Stadt Sankt Petersburg, die das Symbol für den russischen Fortschritt werden sollte. Mit dem Sieg gegen Schweden im über 20 Jahre währenden Großen Nordischen Krieg und der damit erlangten Vormachtstellung im Ostseeraum, machte er Russland zu einer gesamteuropäischen Großmacht. Zarin Katharina die Große ging Peters Weg weiter und betrieb konsequent Expansionspolitik, im Laufe derer sie die Schwarzmeerküste vom Osmanischen Reich eroberte (Neurussland) und sich an den Teilungen Polens beteiligte. 1812 fielen Napoleons Truppen in Russland ein und eroberten Moskau, wurden schließlich jedoch vernichtend geschlagen. Bald darauf zog Zar Alexander I. als "Retter Europas" in Paris ein. Russland war nun die führende Macht in Europa und erlebte ein goldenes Zeitalter. Ab 1825 gab es im unzufriedenen Volk, in den annektierten Gebieten (Polen,Litauen etc.) und bei der Intelligenzija immer wieder Aufstände, Unruhen und Attentate (siehe Dekabristen), und in den 1860er Jahren kam es zur Aufhebung der Leibeigenschaft. Trotz erheblicher Industrieproduktion (Stahl, Kohle, Öl, Militärbedarf) geriet Russland immer mehr ins Hintertreffen gegenüber den westeuropäischen Großmächten. Der Grund hierfür war die Ineffizienz des staatlich kontrollierten Aufbaus der Industrie, der nur in den städtische Ballungszentren vorangetrieben wurde. Während in den großen Städten wie Moskau und St. Petersburg aufgrund der Landflucht ein Industrieproletariat entstand, verharrte das übrige Land in Armut und der Rechts- und Sozialordnung der Feudalgesellschaft. Die Industrialisierung drang nicht in die ländlichen Provinzen des Riesenreichs vor, sondern beschränkte sich hauptsächlich auf Moskau, Sankt Petersburg, Warschau und Lodz. Mangelnde Infrastruktur, die Armut der Arbeiter und Bauern und die fehlende Demokratisierung bereiteten große Probleme, wie das Zarenreich erstmals im Krimkrieg und schließlich 1905 bei der Niederlage gegen Japan schmerzlichst erfahren musste. Allerdings war Zar Nikolaus II. nicht bereit, grundlegende Reformen einzuleiten. So ließ er ein weitgehend funktionsloses Parlament, die Duma, das er notgedrungen genehmigt hatte, nur kurze Zeit später wieder auflösen.

Der Russische Bürgerkrieg

Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, erfasste das Land neuerlich eine patriotische Welle. Die anfänglichen Erfolge, vor allem gegen Österreich-Ungarn und das Osmanische Reich, wurden jedoch bald abgelöst von einem zermürbenden Stellungskrieg, bis schließlich 1917 die Moral der russischen Soldaten nachgab und die Front zusammenbrach. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung und die desolate Versorgungslage waren die Ursachen, und der Zar wurde zum Abdanken gezwungen. Eine bürgerliche Regierung unter Alexander Kerenski kam an die Macht. Seiner Herrschaft machte kurz darauf die von Lenin und den Bolschewiki initiierte Oktoberrevolution ein Ende. Aus dem darauf folgenden Bürgerkrieg zwischen "roten" kommunistischen und "weißen" monarchisten Kräften, der Millionen Menschen das Leben kostete, gingen die Kommunisten als Sieger hervor. Im Laufe des polnisch-russischen Kriegs und des Bürgerkriegs verlor Russland 1920 Teile Weißrusslands und der Ukraine ("Ostpolen") an Polen. 1921 wurde dann die Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik (RSFSR) ausgerufen, die den wichtigsten Teil der späteren Sowjetunion darstellte.

Die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken

Am 30. Dezember 1922 wurde der Zusammenschluss aller Sowjetischen Sozialistischen Republiken zur UdSSR beschlossen und eine staatlich kontrollierte Wirtschaftspolitik ausgerufen. Die Sowjets wurden als Eigentümer von Boden und Produktionsmitteln erklärt. Lenins Tod am 21. Januar 1924 führte zu einem erbitterten Nachfolgekampf, in dem sich Josef Stalin gegen Leo Trotzki durchsetzte. Stalin festigte seine Macht durch gezielten Terror gegen seine Widersacher von "rechts" (u. a. Bucharin) und "links" (Leo Trotzki, später Sinowjew und Kamenew) sowie jeden, der im Verdacht stand, mit ihnen zu sympathisieren. Seit 1928 wurde die staatliche Wirtschaft Fünfjahresplänen unterworfen, die Industrialisierung und Infrastruktur, speziell im asiatischen Teil des Landes, vorangetrieben und die Landwirtschaft kollektiviert.

Der Zweite Weltkrieg

Im August 1939 unterschrieb Stalin einen geheimen Nichtangriffspakt mit Hitler und sicherte sich die Eingliederung der ostpolnischen Gebiete, des Baltikums und Bessarabiens. Nach dem Überfall Deutschlands auf Russland am 22. Juni 1941 trat Russland an der Seite der Alliierten in den Zweiten Weltkrieg (in Russland Großer Vaterländischer Krieg genannt) ein. In den ersten Kriegsmonaten verlor die Rote Armee drei Millionen Soldaten, große Teile der westlichen Landesteile wurden verwüstet, später bei der Belagerung Leningrads verhungerten über eine Million Zivilisten. Bei Moskau (Winter 1941), Stalingrad (Winter 1942/43) und Kursk (Sommer 1943) fügte die Rote Armee den deutschen Truppen schwere Niederlagen zu und eroberte schließlich im Mai 1945 Berlin. Gegen Ende des Krieges eroberten und besetzten sowjetische Truppen schließlich japanisches Gebiet im Fernen Osten (Mandschurei, Karafuto, Korea und die Kurilen). 1945 bekam die RSFSR nach dem Potsdamer Abkommen das nördliche Ostpreußen, die heutige Oblast Kaliningrad, daneben gewann sie das südliche Sachalin und die Kurilen von Japan.

Der Kalte Krieg

Nach Ende des Krieges, aus dem die UdSSR als Siegermacht hervorging, traten die Spannungen zwischen Stalin und den Alliierten zunehmend hervor. Im Laufe der Friedensverhandlungen sicherte sich die UdSSR großen Einfluss auf die angrenzenden Länder Polen, Tschechoslowakei, Ungarn und Rumänien sowie auf Bulgarien und die DDR, zeitweise auch auf Albanien. In diesen Ländern blieben Hunderttausende sowjetische Soldaten stationiert. Der Kalte Krieg dominierte bis 1989 die Weltpolitik. 1954 schenkte Nikita Chruschtschow die bis dahin russische Halbinsel Krim der Ukraine.

Zerfall der Sowjetunion

Russland hat im Jahr 1991 als größte ehemalige Sowjetrepublik die Rechtsnachfolge der Sowjetunion angetreten. Siehe hierzu auch Auflösung der UdSSR. 1996 zählte Russland zu den Gründungsmitgliedern der Shanghai Five, der heutigen Shanghai Cooperation Organization (SCO).

Das moderne Russland

Unter Boris Jelzin wurden in Russland Teile der Wirtschaft privatisiert und demokratische Reformen durchgeführt. Beide verfehlten jedoch ihr Ziel und führten zum Zusammenbruch der Wirtschaft, hohen Inflation und politischen Destabilisierung. Nach dem Amtsantritt Wladimir Putins 2000 stabilisierte sich die politische und wirtschaftliche Lage. Ein international beachteter Konfliktherd bleibt jedoch die Situation in der abtrünnigen Republik Tschetschenien, in welchem Kreise um den Feldkommandeur Schamil Bassajew und Aslan Maschadow (8. März 2005 von den russischen Kräften getötet) eine Abspaltung Tschetscheniens unter islamistischen Vorzeichen anstreben. Die gegen die Terroristen vorgehenden russischen Militärs halten häufig die Menschenrechte der Zivilbevölkerung nicht ein. Aufgrund der Geiselnahme in einer Schule im nordossetischen Beslan, die nach den Präsidentschaftswahlen in Tschetschenien von tschetschenischen Terroristen verübt wurde und wo hunderte Schüler ums Leben kamen, wurden von Präsident Putin Maßnahmen zur Stärkung der Terrorabwehr eingeleitet, die demokratische Mechanismen erheblich einschränken.

Politik

Umbruch nach der Auflösung der Sowjetunion

Russland war die mit Abstand größte Teilrepublik der Sowjetunion: es hatte 76% der Fläche und 52% der Bevölkerung (knapp 150 Millionen), zu denen noch manche Rückwanderer kamen. Seit Auflösung der Sowjetunion im Dezember 1991 ist Russland ein unabhängiger Staat und wurde mit Zustimmung der übrigen ehemaligen Sowjetrepubliken Rechtsnachfolger der UdSSR, die es politisch seit jeher dominiert hatte. Die derzeit gültige Verfassung der Russischen Föderation wurde 1993 vom Parlament, der Duma angenommen. Außenpolitisch stand die russische Führung nach Auflösung der Sowjetunion vor der Aufgabe, das Verhältnis Russlands gegenüber den übrigen früheren Sowjetrepubliken neu zu gestalten. Dies erfolgte u.a. durch Gründung der GUS (nächster Abschnitt) und einiger Verträge zu vertiefter Kooperation, vor allem mit Weißrussland, Ukraine und Kasachstan. Im Inneren stand und steht die Regierung vor der Herausforderung, die Grundlagen der politischen und wirtschaftlichen Ordnung Russlands neu zu bestimmen. Russland war vor der Auflösung des Sowjetunion ein von der Kommunistischen Partei beherrschter Staat mit einer zentral verwalteten Planwirtschaft, die kein Privateigentum an Produktionsmitteln kannte. Die Wahl von Boris Jelzin zum Staatspräsidenten bedeutete das Ende der KP-Herrschaft in Russland. Privateigentum an Unternehmen wurde zugelassen, die zentrale Planung der Wirtschaft aufgegeben. Dieser Umbruch brachte für die Bürger Russlands zweifellos mehr persönliche politische Freiheit. Die Entwicklung des politischen Systems unter Jelzin wurde von vielen jedoch eher als Auflösung einer gesicherten und berechenbaren staatlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ordnung empfunden. Die politische Entscheidungsfindung im Geflecht des Familienclans Jelzins und seiner Hintermänner aus dem Kreis der Oligarchen, die durch die Privatisierungspraktiken der Regierung Jelzin innerhalb weniger Jahren zu immensen Vermögen gekommen waren, blieb intransparent, der Einfluss des Parlaments eng begrenzt.

Politische Kooperation der Nachfolgestaaten

Die Auflösung der Sowjetunion stellte Russland vor die Aufgabe, das Verhältnis zu deren Nachfolgestaaten neu zu gestalten. Im Ergebnis ist Russland jetzt im Vergleich zum engen Verbund in der Sowjetunion nur noch locker mit einigen früheren Sowjetrepubliken verbunden. Die bekannteste gemeinsame Organisation ist die GUS (Gemeinschaft unabhängiger Staaten), russisch СНГ (Содружество Независимых Государств). Diesem 1991/1992 vereinbarten Zusammenschluss gehören 11 der 15 Nachfolgestaaten an; nur die 3 baltischen Staaten und Turkmenistan traten nicht bei. Mit Weißrussland hat sich Russland in der Russisch-Weißrussischen Union zusammengeschlossen, auf die sich Jelzin mit Aljaksandr Lukaschenka (beloruss.Präsident seit 1994) verständigte. Sie wird jedoch von Kritikern als "kaum funktionierend und halb-illegal" bezeichnet. Von ihr wurde lediglich die Verteidigungs- und vorübergehend die Zollunion umgesetzt.
Als nach Jelzin 1999 Wladimir Putin russischer Präsident wurde, kühlte sich das Verhältnis zu Weißrussland ab, dem Putin aber später den Beitritt in die Russische Föderation vorschlug. Lukaschenko lehnte dies ab, doch vereinbarte man 2004/05 eine Währungsunion. Sie soll zwar Anfang 2006 in Kraft treten, allerdings sind derzeit (Nov.2005) noch grundlegende Fragen offen. Insgesamt ist die Integration Weißrusslands mit Russland von schwankendem Interesse geprägt und hat an Dynamik verloren. Ein Bericht der WZ vom 9.11.2005 trug daher den sprechenden Titel "[http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3857&Alias=wzo&cob=206384 Minsk–Moskau: Integration mit zahlreichen Hindernissen]". Etwas beständiger ist demgegenüber das militärische Verteidigungsbündnis Russlands mit Weißrussland, Armenien, Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan, der sogenannte Rat für kollektive Sicherheit. Ein neues Bündnis in Asien deutet sich mit der Shanghai Cooperation Organization an, zu dem auch China gehört. Russland hat bereits im August 2005 ein gemeinsames [http://www.dw-world.de/dw/article/0,1564,1682588,00.html Manöver mit den chinesischen Streitkräften] durchgeführt.

„Gelenkte Demokratie“ Putins

Hauptartikel: Innenpolitik Russlands unter Präsident Putin Innenpolitik Russlands unter Präsident Putin Wladimir Putin, den Jelzin selbst als seinen Nachfolger nominiert hatte, gewann die Präsidentschaftswahlen im März 2000 mit 52,9 Prozent der Stimmen. Staatspräsident Putin ist es seither gelungen, für mehr politische und wirtschaftliche Stabilität zu sorgen, allerdings nach Meinung vieler westlicher Beobachter auf Kosten der Meinungs- und Pressefreiheit und einer sehr weitreichenden Konzentration der Macht in seinem Amt. Offenbar verfolgt er – zumindest vorerst - nicht das Ziel, Russland zu einer pluralistischen westlichen Demokratie mit starken politischen Parteien, unabhängigen Verbänden, freien Medien und einer in allen Bereichen marktwirtschaftlich geordneten Wirtschaft zu entwickeln. Sein Leitbild scheint vielmehr ein politisches System zu sein, das der russische Publizist Sergej Markow als "gelenkte Demokratie" bezeichnete. Von einigen Politologen wird Russlands politisches System auch als defekte Demokratie bezeichnet. Der russische Staatspräsident besitzt schon aufgrund der Verfassung weitreichende Befugnisse. Putin hat diese Machtposition ausgebaut indem er:
- die verbliebenen Vertreter der Jelzin-Familie allmählich entmachtete,
- die Macht der Gouverneure der Regionen drastisch beschränkte,
- die Pressefreiheit einschränkte
- den Einfluss der "Oligarchen" auf Medien und Politik beschnitt. Bei den Parlaments- und Präsidentenwahlen gewann Putin deutliche Mehrheiten. Bereits seit Januar 2002 werden die Mitglieder des Oberhauses des russischen Parlaments, des sogenannten Föderationsrats, nicht mehr durch die Gouverneure und die regionalen Parlamentspräsidenten gestellt, sondern nur noch durch vom jeweiligen Gouverneur oder Regionalparlament entsandte Vertreter. Die seit 1996 praktizierte direkte Wahl der Gouverneure in den Regionen der russischen Republik schaffte Putin Ende 2004 wieder ab. Seither schlägt der Staatspräsident den Kandidaten für ein Gouverneursamt vor, den die Regionalparlamente bestätigen müssen, wenn dieser sein Amt eintreten soll. Zur Festigung seiner Machtposition verstärkte Putin die staatlichen Eingriffe in die Arbeit von Fernsehen, Rundfunk und Zeitungen. In westlichen Medien und von internationalen Bürgerrechtsorganisationen werden immer wieder Einschränkungen der Pressefreiheit in Russland kritisiert. Verwiesen wird zum Beispiel auf mehrjährige Gefängnisstrafen von Kritikern wie Grigori Pasko und Igor Sutjagin. Das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland berichtet in seinen Länder-Informationen zu Russland zu den Einschränkungen der Pressefreiheit: Am deutlichsten ist die staatliche Einflussnahme im Bereich des Fernsehens. Alle drei landesweit sendenden TV-Stationen sind entweder direkt in staatlichem Besitz oder unter staatlicher Kontrolle. Im Radiobereich ist die Situation ähnlich. Im Bereich der gedruckten Medien herrscht nach wie vor eine recht große Meinungsvielfalt. In vielen Redaktionen hat sich aber ein feines Gespür dafür durchgesetzt, was erlaubt ist und was nicht. Siehe auch: Medien in Russland Gegenüber den „Oligarchen“ verfolgt Putin eine Doppelstrategie: Während er gegen politisch ambitionierte Oligarchen wie Boris Beresowski und Wladimir Gusinski, die über Massenmedien Einfluss ausübten, scharf vorging, bezieht er die Mehrheit der „kremltreuen“ Unternehmer in einen fortgesetzten Dialog ein. Das Strafverfahren gegen Michail Chodorkowski, der an der Spitze des Mineralölkonzerns Jukos stand, zeigte erneut, dass Putin eine politische Rolle der Oligarchen nicht duldet. Chodorkowski hatte eine Reihe von Parteien und Abgeordneten großzügig unterstützt. Die Presse sagte ihm nach, er habe Ambitionen für eine Präsidentschaftskandidatur. Außerdem verhandelte er über einen Verkauf eines Kontrollpakets von 25 Prozent plus einer Aktie des Jukos-Kapitals an die US-Ölkonzerne Exxon-Mobil oder Chevron. Ende Mai 2005 wurde Chodorkowski zu 9 Jahren Haft, insbesondere wegen Steuerhinterziehung, verurteilt. Bei den Wählern fand die Politik Putins viel Zustimmung. Bei den Wahlen zum russischen Unterhaus, der Duma, im Dezember 2003 erreichte die dem Präsidenten nahestehende Partei "Einiges Russland" mit 307 von 450 Sitzen eine Zweidrittelmehrheit. Von den Wahlbeobachtern der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) wurden die Wahlen allerdings als "zwar frei, aber nicht fair" kritisiert. Bei den Präsidentenwahlen am 14. März 2004 wurde Putin mit 71,3 Prozent im ersten Wahlgang wiedergewählt. Dieses Ergebnis kann zwar als deutliches Vertrauensvotum der Bevölkerung für seine Politik gelten. Von internationalen Wahlbeobachtern wurde allerdings mangelnde Chancengleichheit unter den Kandidaten kritisiert.

Ungelöster Tschetschenien-Konflikt

Ein ungelöstes Problem für Putin bleibt der Konflikt mit der Unabhängigkeitsbewegung in der zur Russländischen Föderation gehörenden Teilrepublik Tschetschenien. Das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland berichtete dazu im Februar 2005 in seinen Länder-Informationen zu Russland: "Es wird weiterhin über Menschenrechtsverletzungen durch die russischen und lokalen Sicherheitskräfte, aber auch von Verbrechen und Vergehen der tschetschenischen Rebellen berichtet. Es kam nicht nur innerhalb Tschetscheniens, sondern auch in anderen Gebieten der Russischen Föderation zu Selbstmordanschlägen, bewaffneten Zusammenstößen zwischen Rebellen und Sicherheitskräften und Terrorakten." Tragischer Höhepunkt war die Geiselnahme in einer Schule von Beslan, bei der Anfang September 2004 330 Menschen getötet wurden. Der tschetschenische Präsident Achmad Kadyrow wurde am 9. Mai 2004 getötet. Sein Nachfolger wurde der vormalige Innenminister Alu Alchanow, der bei den Präsidentschaftswahlen vom 29. August 2004 nach offiziellen Angaben 74 % der Stimmen erhielt. Die EU und andere internationale Organisationen äußerten allerdings große Sorge hinsichtlich der Bedingungen, unter denen die Wahlen stattfanden. Kritisiert wurde insbesondere der Mangel an echtem Pluralismus bei den Kandidaturen für das Präsidentenamt und das Fehlen unabhängiger Medien.

Militär

Hauptartikel: Russische Streitkräfte Russland besitzt noch immer den zu Zeiten der Sowjetunion 1949 erlangten Status als Atommacht und verfügt heute über die größte Zahl an Atomsprengköpfen. In Russland gilt eine allgemeine Wehrpflicht von 18 bis 24 Monaten für wehrfähige Männer ab 18 Jahren. Da die wehrpflichtigen Soldaten auch in Krisengebieten wie Tschetschenien eingesetzt werden können, wird in der Bevölkerung (besonders von Seiten der Mütter) immer wieder Kritik an der Wehrpflicht laut. Die Stärke der Streitkräfte betrug 2001 1.183.000 Mann, davon 321.000 Landstreitkräfte, 171.500 Marine, 184.600 Luftstreitkräfte, 149.600 Atomstreitkräfte. 40.000 dienen in Staaten der GUS als Friedenstruppen und 316.900 werden als "sonstige Militärs" geführt. Dazu kommen noch diverse paramilitärische Einheiten, wie 410.000 Soldaten des Innenministeriums, des Grenzschutzes oder Notstandstruppen. Allein bei den Eisenbahntruppen dienen 48.000 Mann. Russland gibt heute ca. 15,4 % seines BSP für das Militär aus. Jedoch liegen die Militärausgaben in absoluten Zahlen weit unter denen der USA.

Verwaltung

Die höchste Ebene der Verwaltung sind sieben Föderationskreise. Diese teilen sich wiederum auf in 89 Subjekte der Verwaltung mit unterschiedlicher Autonomie: 21 autonome Republiken, 6 Regionen (Krajs), 49 Oblaste, 2 Städte mit Subjektstatus, 1 autonomer Oblast und 10 autonome Kreise. Details siehe Verwaltungsgliederung Russlands

Infrastruktur

Verwaltungsgliederung Russlands]] Ein Problem des russischen Verkehrsnetzes ist der zunehmende marode Zustand, da Erhaltungsmaßnahmen wegen der angespannten Haushaltslage oft unterbleiben.

Eisenbahn

Der mit Abstand wichtigste Verkehrsträger in Russland ist die Eisenbahn, die berühmteste Verkehrsachse ist die Transsibirische Eisenbahn (rote Linie in der Grafik) von Moskau nach Wladiwostok. Parallel dazu wurde Ende des 20. Jahrhunderts zur Erschließung des fernen Ostens Sibiriens die sogenannte Baikal-Amur-Magistrale (BAM, grüne Linie in der Graphik) vom Baikalsee zum Fluss Amur gebaut. Durch diese beiden und die abzweigenden Strecken wird das Land in west-östlicher Richtung erschlossen. Insgesamt umfasst das Eisenbahnnetz (1524 mm Spurbreite) rund 87000 km, davon ist knapp die Hälfte (40000 km) elektrifiziert. Auf der Insel Sachalin exisiteren fast 1000 km in 1067 mm Breite. Daneben gibt es zusätzlich 30000 km nicht öffentlicher Industriebahnen (alle Angaben 2004). Im Bereich der Städte sind von den Kommunen betriebene Strecken und Verkehrseinrichtungen (Elektritschkas oder Elektritschnajas/Vorortzüge) von Bedeutung für den regionalen Verkehr, wie unter anderem die Moskauer Ringbahn. Ergänzt wird das System von U-Bahnen in größeren Städten.

Straßennetz

Der Straßenverkehr hat vor allem im europäischen Teil Russlands Bedeutung für den Regionalverkehr innerhalb der Föderationssubjekte. Das Fernstraßennetz umfasst etwa 540000 km (2001), davon sind zwei Drittel befestigt. Erst seit kurzem (2003) existiert eine durchgehende Straßenverbindung von der Ostsee zum Pazifik.

Wasserstraßen

72000 km Wasserwege verbinden im europäischen Teil Russlands die Ostsee, das Schwarze Meer, die Binnenseen und das Weiße Meer miteinanderander. Wichtige Wasserstraßen dabei sind die Wolga, die Kama, die Nischni Nowgoroder Oka, die Wjatka, der Don und die Kanäle, die diese Flüsse miteinander verbinden. Weitere 24000 km sind in Sibirien schiffbar. Für den Verkehr zwischen dem russischen Kernland und der Exklave Kaliningrad ist der Fährverkehr sowie die Korridor-Eisenbahnverbindung durch Litauen und Weißrussland von Bedeutung.

Flugverkehr

In Russland und der Sowjetunion kam der Luftfahrt schon immer eine große Bedeutung zu. Besonders wichtig ist sie in entlegenen Gebieten, in denen weder Straßen noch Schienen existieren. Mehrere internationale Fluggesellschaften fliegen außer Moskau auch andere russische Städte direkt an. Neben der Aeroflot fliegen als größere Gesellschaften noch Pulkowo, Siberia Airlines oder KMV. ca. 2500 Flughäfen und Flugplätze gibt es in der Russischen Föderation, davon 55 davon mit einer befestigten Piste über 3000 m Länge. Der größte und wichtigste Flughafen ist Scheremetjewo-2 bei Moskau. Siehe auch: Kfz-Kennzeichen (Russland), Wikipedia:WikiProjekt Russische Luftfahrt

Wirtschaft

Der Wert des russischen Bruttoinlandsprodukts von 16.752 Mrd. Rubel (2004) entspricht 468 Mrd. Euro. Bei Berücksichtigung der Kaufkraftparität beträgt der Wert des russischen Bruttoinlandproduktes 1408 Milliarden Dollar. Laut Cia Factbook ist die russische Volkswirtschaft damit die zwölftgrößte Volkswirtschaft der Welt. Nach Angaben der russischen Statistikbehörde Rosstat steuerte der Handels- und Dienstleistungssektor knapp 60 % zum Bruttoinlandsprodukt bei. Auf die Industrie entfielen rund 30 %, auf die Bauwirtschaft und die Landwirtschaft jeweils rund 6 %. Nach Einschätzung der Weltbank dürfte die amtliche Statistik den Anteil der rohstofffördernden Industrien (2004: 7,7 %) jedoch zu niedrig und den Anteil des Handels (2004: 21,3 %) zu hoch ausweisen, da die russischen Rohstoffkonzerne durch Anwendung interner Verrechnungspreise Wertschöpfung aus dem Rohstoffbereich auf den Handelsbereich verlagern – insbesondere um Steuern zu sparen. Die Weltbank schätzt, dass tatsächlich rund ein Viertel der gesamtwirtschaftlichen Produktion vom Rohstoffsektor gestellt wird. Energie und Rohstoffe haben deswegen für die russische Wirtschaft herausragende Bedeutung, insbesondere Erdöl und Erdgas. Russland verfügt aber auch über bedeutende Vorkommen an Metallen (Nickel, Platin, Gold unter anderem) sowie Kohle, Uran, Kobalt und Diamanten. Mit der kräftigen Erholung der Erdölförderung und der Zunahme der Ölexporte bei steigenden Ölpreisen ist die Bedeutung der Energiewirtschaft seit Ende der 1990er Jahre weiter gewachsen. Der Export von Energieträgern und Elektrizität erreichte nach Angaben der russischen Zollbehörde 2004 am Gesamtvolumen der russischen Ausfuhren über die Grenzen der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS), hinaus erneut einen Anteil von rund 58 %. 2004 nahm die Produktion von Brennstoffen um insgesamt 7,1 % zu (Erdöl und Gaskondensat: +8,9 % auf 459 Mio. t; Erdgas: +1,9 % auf 632 Mrd. m³; Kohle: +1,3 %). Die Stromproduktion wächs

Westsibirische Tiefebene

Das Westsibirische Tiefland (auch Westsibirische Tiefebene, russisch Западно-Сибирская низменность, Sapadno-Sibirskaja nismennost und Западно Сибирская, Sapadno Sibirskaja genannt) ist eine Großlandschaft in Sibirien (Nord-Russland, Asien). Es zählt zu den russischen Großlandschaften.

Geographie

Das weitläufige Westsibirische Tiefland liegt zwischen dem Uralgebirge im Westen und dem Mittelsibirischen Bergland im Osten. Im Norden grenzt das Tiefland über die Jamal-Halbinsel an die Karasee. In dieser Himmelsrichtung geht es auch – ohne genau festgelegte oder direkt ersichtliche natürliche Grenzen – nahtlos in das Nordsibirische Tiefland über, an das sich die Taimyr-Halbinsel angliedert. Im Südosten grenzen verschiedene Südsibirische Gebirge an und im Südwesten die Kasachische Schwelle.

Landschaftsbild

Bestimmt wird das sumpfige Landschaftbild des Westsibirischen Tieflands im Süden durch ausgedehnte boreale Nadelwälder, die in Richtung Norden zuerst in die Taiga und dann in die Waldtundra und Tundra übergehen. In diesen nördlichen Regionen können sich wegen Permafrost und geringem Wassergehalt im Boden keine hohen Pflanzen, wie Bäume, entwickeln, sondern es herrschen Moose, Sträucher und Farne vor.

Fläche

Die Fläche des Westsibirischen Tieflands umfasst etwa 2,5 Mio km². Das entspricht etwa der 7-fachen Fläche Deutschlands. Deutschland

Die drei größten Flüsse


- Irtysch
- Jenissei
- Ob

Städte

Diese Städte liegen hauptsächlich in südlichen Regionen des Westsibirischen Tieflands oder an ihren Rändern (alphabetisch sortiert):
- Barnaul
- Chanty-Mansijsk
- Jekaterinburg (ehemals Swerdlowsk)
- Kurgan
- Nischnewartowsk
- Norilsk
- Nowosibirsk
- Omsk
- Pawlodar
- Petropawlowsk-Kamtschatski
- Serow
- Surgut
- Tjumen
- Tomsk
- Tscheljabinsk

Siehe auch


- Russische Großlandschaften
- Sibirien-Ostsibirien
- Verwaltungsgliederung Russlands Kategorie:Geographie (Russland)

Nordpolarmeer

Der bis 5.449 m tiefe Arktische Ozean, der auch Nordpolarmeer, Nördliches Eismeer, Arktik (nicht zu verwechseln mit Arktis) oder Arktisches Mittelmeer genannt wird, ist mit 12,26 Mio. km² der kleinste Ozean der Erde.

Geographie

Lage

Der Arktische Ozean, der sich im äußersten Norden der Nordhalbkugel der Erde befindet, liegt im Rahmen der 4 Pole der nördlichen Hemisphäre zwischen den jeweils in südlichen Himmelsrichtungen angrenzenden Kontinenten Asien, Europa und Nordamerika. Weil er zwischen mehreren Kontinenten liegt und obgleich er wissenschaftlich betrachtet einer der 5 Ozeane der Erde ist, gilt er auch als Interkontinentales Mittelmeer. Mit dem Atlantik ist die Arktik durch das etwa 1.500 km breite Europäische Nordmeer zwischen Grönland und Nordeuropa bzw. Skandinavien verbunden sowie durch einige verwinkelte Meeresstraßen, die durch die stark zergliederte nordkanadische Inselwelt zur breiten Davisstraße westlich von Grönland führen. Mit dem Pazifik ist es nur durch die etwa 85 km breite Beringstraße verbunden.

Anrainerstaaten

Die Arktik grenzt jeweils an die nördlichen Gebiete von diesen Ländern und Landteilen: Alaska (USA), Kanada, Grönland (zu Dänemark), Island, Norwegen und Russland.

Inselwelt

Außerdem grenzt es nördlich unter anderen an diese Inseln und Inselgruppen: Banks Island, Königin-Elizabeth-Inseln, Ellesmere-Insel, Grönland, Island, Spitzbergen, Kolgujew, Franz-Josef-Land, Nowaja Semlja, Sewernaja Semlja, Neusibirische Inseln und Wrangelinsel.

Nordpol

Innerhalb des Arktischen Ozeans bzw. auf dessen Inseln liegen die 4 Pole der nördlichen Hemisphäre (Nordpol).

Daten

Der Arktische Ozean hat eine Ausdehnung von rund 12,26 Mio. km² und ist großflächig von Eis bedeckt. In der Litketief, die sich im Eurasischen Becken nördlich von Spitzbergen befindet, ist er bis 5.449 m tief.

Meeresboden

Innerhalb des Arktischen Ozeans bzw. auf dessen Meeresboden befinden sich Schwellen, Tiefseebecken und ein Meerestief. Zu den Schwellen gehören der Fletcherrücken, der Gakkelrücken, die Lomonssow-(Harris)-schwelle, die Ostsibirische Schwelle und die Tschuktschenschwelle. Die 3 großen Tiefseebecken, die sich alle im Zentrum der Arktik befinden, sind das in der Litketief bis 5.449 m tiefe Eurasische Becken, das bis 4.994 m tiefe Kanadische Becken und das bis 3.290 m tiefe Zentralarktische Becken. Das Meerestief ist die eben erwähnte Litketief, welche die tiefste Stelle der Arktik darstellt.

Nebenmeere

Zwischen Grönland und Skandinavien grenzt der Arktische Ozean an das Europäische Nordmeer (das nördlichste Randmeer des Atlantiks) und zwischen Alaska und Ostsibirien an die Beringstraße, die zum Beringmeer (das nördlichste Randmeer des Pazifiks) überleitet. Weitere eisige Nebenmeere der Arktik sind: Beaufort See, Grönlandsee, Europäisches Nordmeer (die beiden zuletzt genannten sind auch Randmeere des Atlantiks, weil sie zu diesem Ozean überleiten), Barentssee, Karasee, Laptewsee, Ostsibirische See und Tschuktschensee.

Zuflüsse

Die wichtigsten Zuflüsse von asiatischer Seite sind Ob, Jenissei, Lena und Kolyma; in Nordamerika ist dies der Mackenzie River.

Siehe auch


- Arktis
- Kap Deschnjow
- Kap Morris Jesup
- Kap Tscheljuskin
- Nordpol

Webtipps


- [http://www.wissenschaft.ag/Polarmeer.php4 Newsletter zu den Polarmeeren] Kategorie:Ozean Kategorie:Arktis ja:北極海 ko:북극해 simple:Arctic Ocean th:มหาสมุทรอาร์กติก zh-min-nan:Pak-ke̍k-iûⁿ

Ästuar

Ein Ästuar (lat. aestuarium "niedere Flussmündung") ist die Trichtermündung eines Flusses oder Stroms. Ästuarien sind seltener als geschlossene Deltamündungen, sie finden sich in der Elbe, Weser, Themse, am Ob, Jenissei, Sankt-Lorenz-Strom etc.; am großartigsten aber sind die 20 Meilen breiten Mündungen des Amazonas, vor denen zwar die Insel Marajo und viele kleinere Inseln liegen, die aber nicht aus Alluvionen des Stroms gebildet, sondern durch Einbrüche des Meers vom Land getrennt sind. In Flachküsten mit großem Tidenhub bilden sich Ästuarien. Bei steileren Küsten und/oder großer Geschiebefracht herrschen Deltas vor.

Entstehung und Kennzeichen

Ästuarien werden unter dem Einfluss der Gezeitenströme gebildet, wobei die Flussmündung trichterförmig erweitert wird. Dabei ist es auf der Nordhalbkugel so, dass das Meerwasser bei Flut aufgrund der Corioliskraft am linken Flussufer aufwärts fließt und bei Ebbe am rechten wieder ins Meer zurückgeht. Ästuarien bilden sich besonders an Küsten mit starken Gezeiten. Daher sind sie wohl seltener als geschlossene Deltamündungen. Sie entstehen nur wenn die Materialschüttung des Flusses geringer ist als die abtragende Wirkung von Ebbe und Flut. Im Gegensatz dazu stehen die geteilten Deltamündungen, die durch die hohe Sedimentation von Lockermaterial durch den Fluss zustande kommen. Ästuare sind weiterhin gekennzeichnet durch den Übergang des Süßwassers zum Salzwasser (Brackwasser), einer Stoffverfrachtung infolge der Wasserbewegungen und durch einen Wechsel der Tier- und Pflanzenwelt vom Flussbereich zum Meer.

Flüsse mit Ästuaren

Brackwasser
- Amazonas: Seine nördliche Mündung, in Kombination mit einem sich bildenden Unterwasserdelta
- Elbe
- Ems
- Gironde, als gemeinsamer Ästuar von Garonne und Dordogne
- Jenissei
- Loire
- Ob
- Rio de la Plata, als gemeinsamer Ästuar von Paraná und Uruguay
- Sankt-Lorenz-Strom
- Schelde
- Seine
- Themse
- Weser

Siehe auch


- Flussdelta
  - Alluvialmassen
  - Binnendelta
  - Mündungsdelta
- Mündung
- Mündungsarm
- Ästuation

Weblinks


- http://www.baw.de/vip/publikationen/Mitteilungsblaetter/mitteilungsblatt86/index.html (Verschiedene Beiträge zur "Beschreibung und Analyse der Ästuardynamik in den Seeschifffahrtsstraßen" sowie "Die mathematische Modellierung als unverzichtbare Beratungsgrundlage" Astuar A Astuar

Jamal-Halbinsel

Die Jamal-Halbinsel (auch Samojeden-Halbinsel genannt) befindet sich in Nordwest-Sibirien (Russland, Asien). Sie gehört zum Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen Dort liegt die ca. 120.000 km² große Halbinsel nordöstlich vom Nordende des Uralgebirges und ragt westlich des Obbusens, in dem nicht nur das Wasser des Ob nach Norden strebt, in die bereits zum eisigen Nordpolarmeer gehörende Karasee hinein Die nur dünn besiedelte Halbinsel stellt den nordwestlichen Ausläufer des großen Westsibirischen Tieflands da. Außerdem ist die Halbinsel, deren Landschaftsbild von eiszeitlichen Gletschern abgehobelt und plattgewalzt wurde und von der Tundra beherrscht wird, der nordwestlichste Teil von Asien, denn die angrenzende Karasee wird als der nördliche Beginn der innereurasischen Grenze betrachtet.

Bevölkerung

Die indigene Bevölkerung der Halbinsel gehört überwiegend zum Volk der Nenzen. Diese betreiben auf der Halbinsel ganzjährig vollnomadische Rentiertzucht. Diese weltweit einmalige Wirtschafts- und Lebensweise steht jedoch unter starkem Konkurrenzdruck, zum einen durch die Überweidung der Halbinsel, zum anderen da Jamal einige der weltgrößten Erdgasvorkommen beherbergt. Diese werden durch den russischen Gas-Monopolisten Gasprom ausgebeutet und über Pipelines bis nach Europa geleitet, wo sie u.a. durch die eon-Tochter Ruhrgas vermarktet werden.

Weblinks

http://www.mnh.si.edu/arctic/html/yamal.html Kategorie:Halbinsel Kategorie:Geographie (Russland)

Nenzen

Die Nenzen (russisch ненцы) sind ein indigenes Volk mit ca. 41.000 Angehörigen im Nordosten des europäischen Teils Russlands und im Nordwesten Sibiriens. Die meisten Nenzen leben im Autonomomen Kreis der Nenzen, im Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen und im Autonomen Kreis Taimyr. Ihre Sprache ist das Nenzische. Die ca. 1500 Menschen starke Gruppe der Waldnenzen lebt überwiegend im Nordosten des Autonomen Kreises der Chanty und Mansi. Insbesondere in diesen Regionen bewahren die Nenzen bis heute eine einzigartige auf der Haltung großer Rentierherden beruhende Lebens- und Wirtschaftsweise. Etwa auf der Halbinsel Jamal gehen ca. 5.000 Nenzen bis heute einem ganzjährigen Vollnomadismus nach, wobei sie zum Winter hin mit ihren Herden in die südliche Waldtundra ziehen und die warmen, aber mückenreichen Sommermonate an der Küste des Polarmeeres verbringen. Von allen indigenen Völkern Westsibiriens haben die Nenzen am erfolgreichsten ihre traditionelle Lebensweise, Sprache und Kultur bewahren können. Die stärkste Bedrohung für deren Fortbestehen geht von der Erschließung und beginnenden Förderung der reichen Öl- und Gasvorkommen der Jamal-Halbinsel und des Autonomen Kreises der Nenzen aus. Für die Bundesrepublik Deutschland und Europa insgesamt ist die Heimat der Nenzen die wichtigste Herkunftsregion von Erdgas. Da die Erdgasförderung mit der großflächigen Vernichtung von Rentierweidegründen und der Durchschneidung von Migrationsrouten verbunden ist, steht die Zukunft der Rentierzucht in den ohnehin jetzt schon überweideten, extrem empfindlichen Polargebieten infrage.

Weblinks


- [http://www.raipon.net/yasavey Ясавэй - Yasavei - die Assoziation der Nenzen des Nenzischen Autonomen Bezirks (russisch) ]
- http://www.forestnenets.info

Literatur


- Golovnev, Andrei V., Osherenko, Gail: Siberian Survival. The Nenets and Their Story. Ithaka/London (Cornell University Press) 1999 (ISBN 0-8014-3631-1) Kategorie:Asiatische Ethnie Kategorie:Indigenes Volk in Russland

Samojedische Völker

Der Begriff Samojedische Völker (Samodi-Völker, Samojeden, Samojad', Samojadj) fasst jene Völker, Bevölkerungen oder Menschengruppen zusammen, die in der Geschichte und in der Gegenwart Samojedische Sprachen verwendeten und verwenden. Fasst man sie mit den sprachlich verwandten Finno-ugrischen Völkern zusammen, so ist auch von Uralischen Völkern oder der Uralischen Völkerfamilie die Rede.

Einzelne Ethnien

Zu den samojedischen Völkern gehören
- Nenzen (Jurak-Samojeden, Juraken),
- Enzen,
- Nganasanen (Tawgi-Samojeden)
- Selkupen. Letztere bilden den Rest der Süd-Samojeden die bis ins 19. Jahrhundert in Teilen Mittel- und Süd-Sibiriens lebten. Auch Teile der Vorfahren der Kamassiner und anderer sibirischer Turkvölker waren mit den Samojeden verwand. Eine im 19.Jahrhundert ausgestorbene samojedische Ethnie waren die Matoren (Motoren). Die Nenzen leben auf der Halbinsel Jamal und im Nordosten des europäischen Russland. Zu den Nganasanen oder (Tawgg- und Awam Samojeden) gehören nur etwa tausend Menschen. Sie leben zwischen dem unteren Jenissej und der Chatangabucht auf der Taimyr-Halbinsel.

Zum Begriff Samojeden

Das Wort Samojede (Samojad', Samojed) kann nach russischer Volksethymologie etwa als "der, der sich selbst verzehrt" übersetzt werden. In einem Reisebericht aus dem Jahre 1670 werden die Samojeden dar als Kannibalen beschrieben (vgl. [1]). Der Begriff ist auch ethnologisch umstritten. Häufig findet man daher auch die synonyme, aber wertneutrale Bezeichnung sibirische Hasawa (vgl. [2]).

Lebensweise

Es handelt sich um Ethnien, die ursprünglich als Nomaden lebten und sich von ihren Rentierherden, von Fischfang und von der Jagd ernährten. Heutzutage sind sie weitgehend sesshaft. Obwohl sie von der Russisch-orthodoxen Kirche und den Altgläubigen teilweise schon seit dem 16. Jahrhundert christianisiert wurden, haben sich schamanische Praktiken und Konzepte bis ins 20. Jahrhundert erhalten.

Rezeption

Die frühesten bekannten mitteleuropäischen Berichte über Samojeden stammen von Adam Brand aus dem Jahr 1696 und von Tooke aus dem Jahr 1779, die das Volk besuchten. Das Volk der Samojeden wird kurz erwähnt in Immanuel Kants Zum ewigen Frieden. Ein philosophischer Entwurf (Königsberg, 1795; Volltext: [3]). Eine weitere kurze Erwähnung findet sich in Friedrich Engels' Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats im Kapitel Die Gens bei Kelten und Deutschen (Hottingen-Zürich, 1884; Volltext: [4]).

Literatur


- Severnaja enciklopedija + CD-ROM Evropeiskie izdanie, 2004 ISBN 5-98797-001-6 (338 € / 409 US$)

Weblinks


- Englische Seite mit Links im Zusammenhang mit Samojedischen Völkern und Sprachen: http://peoples.org.ru/eng_samoed.html
- http://www.znhoe.at/sammy/sammygeschichte.htm Kategorie:Ethnologie

Chanten

Die finno-ugrische Ethnie der Chanten (alter Name: Ostjaken, Eigenbez. und russisch Chanty, indekl.) spricht eine zum finno-ugrischen Zweig der uralischen Sprachen gehörende ugrische Sprache, das in vier Dialekte unterteilte Chantische. Gemeinsam mit den Mansen werden sie als die Ob-Ugrier bezeichnet. Sprachlich sind sie die nächsten lebenden Verwandten der Ungarn. Es gibt jedoch Grund zur Annahme, daß Chanten und Mansen einen anderen ethnischen Ursprung haben und erst im Laufe der Zeit Sprache und Teile der Kultur der Ugrier angenommen haben. Die ursprünglichen Jäger und Rentierzüchter kamen im 11. Jahrhundert mit Russen in Kontakt und kamen im 16. Jahrhundert unter erheblichem Widerstand unter russische Herrschaft. Erst im 18. Jahrhundert setzte die Christianisierung der Chanten ein.

Bevölkerung

Bei der Volkszählung 2002 gaben 28678 Personen an, "chantisch" als Nationalität an. Mit 26694 lebte der weitaus größte Teil von ihnen in der Oblast Tjumen, davon 17128 im Autonomen Kreis der Chanten und Mansen und 8760 im Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen. In der Oblast Tomsk gaben 873 Einwohner "chantisch" als Nationalität an, in der Republik Komi waren es 88[http://www.raipon.org/russian_site/people/people_perepis_2002_rus.htm].

Sprache

Die Umgangssprache in Städten und größeren Siedlungen ist heute hauptsächlich das Russische. In kleineren Dörfern, in ethnischen Enklaven innerhalb größerer Siedlungen sowie auf den Wohnplätzen der in der Taiga lebenden Halbnomaden stellen die chantischen Dialekte bis heute ein wichtiges und teilweise das Hauptkommunikationsmittel dar.

Geschichte

11. bis 16. Jahrhundert

In russischen Quellen werden die Chanten erstmals im 11. Jahrhundert untern dem Namen Jugra erwähnt. Im 15. und 16. Jahrhundert befinden sie sich unter der Herrschaft des Kanats Sibir, eines Zerfallsprodukts der Goldenen Horde. Neben den Mansen gehören sie zu den ersten Völkern Sibiriens, denen die Expedition Jermaks begegnet. Die Russen installieren eine indirekte Herrschaft, deren Hauptziel die Zahlung von Tributen (Jassak) in Form von Zobel-Fellen ist. Lokale Führungspersönlichkeiten, etweder traditionelle oder von den Kolonialherren eingesetzte, sind dabei für die Einsammlung und Entrichtung des Tributs zuständig. Dieser Tribut war das ursprüngliche Hauptziel der russischen Eroberung Sibiriens. Lange Zeit waren sibirische Zobelfelle die wichtigste Einnahmequelle des Staates.

Lebensweise

Viele Chanten waren traditionell Halbnomaden mit saisonalem Wohnsitzwechsel, anders als die benachbarten Nenzen, von denen ein größerer Teil vollnomadisch lebt. In der sowjetischen Epoche wurden zahlreiche chantische Siedlungen zwangsweise geräumt und ihre Bewohner in neu errichtete größere Dörfer umgesiedelt, in denen heutzutage die Mehrheit der Chanten lebt. Ein kleinerer Teil von ihnen geht nach wie vor einer halbnomadischen Lebensweise nach, die jedoch infolge des Zusammenbruchs des sowjetischen Versorgungssystems und des Ausgreifens der Erdölförderung immer schwieriger durchzuhalten ist. Gleichzeitig befinden sich die in der sowjetischen Zeit errichteten Dörfer oftmals in einer prekären Lage, da ihre Erbauer nicht berücksichtigten, ob das Umland geeignet ist, eine größere Zahl von Menschen zu ernähren.

Kultur

Einer der wichtigsten Erforscher der chantischen oralen Literatur, Mythologie und Folklore war der Finno-Ugrist und Volksliedsammler Wolfgang Steinitz, dessen "Ostjakologische Arbeiten" 1939 im estnischen Tartu erscheinen.

Politik

Politisch gehören die Chanten zu den "kleinen Völkern des Nordens", die gemeinsam mit den anderen indigenen Völkern des Autonomen Kreises in der Assoziation zur Rettung der Jugra («Ассоциация Спасение Югры») mit Sitz in Chanty-Mansijsk organisiert sind. Diese gehört ihrerseits der gesamtrussischen Indigenenvereinigung RAIPON an. Zu den bekannteren Persönlichkeiten gehört der chantische Schriftsteller Jeremej Ajpin (Еремей Айпин), dessen Werk sich zum großen Teil mit dem Konflikt zwischen seinem Volk und der der Ölindustrie auseinandersetzt.

Siehe auch

Autonomer Kreis der Chanten und Mansen Mansen

Weblinks


- [http://www.kreckow.de/sibirien Informationen und Bilder zu den Chanten und Waldnenzen]
- [http://www.infoe.de/home/Sibirien Informationen zur sozialen und menschenrechtlichen Lage]
- [http://www.hmao.wsnet.ru/politics/spas_ug/spas_ug.htm Kurzinformationen zur Assoziation zur Rettung der Jugra]
- RAIPON-Artikel über [http://www.raipon.org/Web_Database/khant.html Chanty]
- [http://www.eki.ee/books/redbook/khants.shtml Redbook: The Khants]
- [http://www.nupi.no/cgi-win/Russland/etnisk_b.exe?Khant Centre for Russian Studies] — Norwegian studies of Russian peoples

Literatur


- STEINITZ, Wolfgang: Ostjakologische Arbeiten in vier Bänden. Budapest: Akadémiai Kiadó, Berlin: Akademie-Verlag, Den Haag: Mouton (1976 ff.)
- BALZER, Marjorie M.: Strategies of Ethnic Survival: Interaction of Russians and Khanty (Ostiak) in Twentieth Century Siberia. Bryn Mawr College, Ph.D..1979 Als Manuskript gedruckt.
- BALZER, Marjorie M.: The Route to Eternity: Cultural Persistance and Change in Siberian Khanty Burial Rituals. In: Arctic Anthropology, 17.Jg. (1980), H.1, S.77-98.
- BALZER, Marjorie M.: Rituals of Gender Identity: Markers of Siberian Khanty Ethnicity, Status and Belief. In: American Anthropologist, 83.Jg. (1981), H.4, S.950-867.
- BALZER, Marjorie Mandelstam: Doctors or Deceivers? Siberian Khanty Shamans and Soviet Medicine. Aus: Romanucci-Ross, Lola; Moerman, Daniel; Tancredi, Lawrence (Hrsg.): The Anthropology of Medicine. South Hadley, Mass. (Bergin) 1982.
- BALZER, Marjorie M.: Ethnicity without Power: The Siberian Khanty in Soviet Society. In: Slavic Review, Jg.1983, S.633-648.
- BALZER, Marjorie M.: Khanty. Aus: Friedrich, Paul (Hrsg.): Encyclopedia of World Cultures, Vol VI. New Haven (Yale University) 1994. S.189-192.
- WIGET, Andrew; BALALAEVA, Olga: National Communities, Native Land Tenure, and Self-determination among the Eastern Khanty In: Polar Geography, 21.Jg. (1997), H.1, S.10-33. Kategorie:Finnougrier Kategorie:Europäische Ethnie Kategorie:Asiatische Ethnie Kategorie:Indigenes Volk in Russland

Russen

Die Russen (russisch: Русские - Russkie) sind ein zur ostslawischen Sprachgruppe gehörendes Volk mit ca. 145 Mio.Angehörigen (Es gibt Angaben, die Ihre Zahl noch deutlich höher ansetzen) vor allem in Russland, wo sie 81 % der Gesamtbevölkerung stellen. In den übrigen Nachfolgestaaten der UdSSR existieren große russische Minderheiten, z. B in der Ukraine, Weißrussland, Kasachstan, Kirgisistan, Lettland, Litauen, Estland, sowie in den USA und Australien. In der Volksrepublik China sind die Russen als offizielle Minderheit anerkannt, die dort schon seit Generationen lebt. Hier leben sie im Norden von Xinjiang (inkl. Ürümqi) und in Heilongjiang. Seit dem Ende der Sowjetunion gibt es erneut größere Einwanderungsbewegungen, sowohl von Russen nach China, als auch von Chinesen nach Russland. Zu Zeiten des Zarenreiches wurden in der Sowjetunion forciert Russen im ganzen Staatsgebiet angesiedelt. Nach deren Zusammenbruch jedoch gibt es Rückwanderungsbewegungen in die Russische Föderation. Die Russen sind das größte slawische Volk (gefolgt von den Ukrainern und Polen) und das größte Volk in Europa. Das zugrundeliegende Ethnonym "rus'" bezeichnete ursprünglich die aus Skandinavien stammenden Waräger, die die zunächst Oberschicht der Kiewer Rus, des ersten ostslawischen Staatsgebildes stellten. (vgl. finnisch "Ruotsi" = "Schweden") und wurde später auf die gesamte ostslawische Bevölkerung des Reiches übertragen. Im Deutschen werden Bürger Russlands oft pauschal als Russen bezeichnet, unabhängig ihrer jeweiligen ethnischen Zugehörigkeit. Im Russischen dagegen meint "russkij" primär ethnische Russen. Die Staatszugehörigkeit bezeichnet dagegen das Adjektiv "rossijskij" (российский), das von "Rossija" (Россия = Russland) abgeleitet ist. Ein russischer Staatsbürger beliebiger ethnischer Zugehörigkeit heißt dementsprechend "Rossijanin" (Россиянин), Plural "Rossijane" (Россияне), was mit "Russländer" übersetzt werden könnte. In der Umgangssprache kann diese Unterscheidung jedoch manchmal verloren gehen. Siehe auch: Rus, Ruthenen, Ostslawen, russische Sprache, Reußen (Volksstamm) Kategorie:Europäische Ethnie Kategorie:Russland Kategorie:Volk in Russland Kategorie:Bevölkerung (China)
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ja:ロシア人 ko:러시아인

Tataren

Tataren (Eigenbezeichnung: Tatar oder Törk-Tatar, Pl. Tatarlar oder Törk-Tatarları) oder - älter - Tartaren ist seit dem Mittelalter eine Bezeichnung für verschiedene Völker und Bevölkerungsgruppen. So wurden in Europa die brandschatzenden und plündernden Sturmtruppen des Dschingis Khan als Tartaren - die aus der Hölle kommen (von griech. Tartaros) - bezeichnet. Heute wird dieser Name vor allem für ein Turkvolk gebraucht, das in vielen Teilen Europas und Russlands, insbesondere in der Republik Tatarstan lebt.

Tataren - ein Name für viele Völker

Tatarstan Leider wird der Name Tataren in vielen verschiedenen Zusammenhängen gebraucht (vergleiche hierzu den englischsprachigen Wikipedia-Artikel). So wurden und werden als „Tataren“ bezeichnet:
- eine im Mittelalter südlich und östlich des Baikalsees lebende turkvölkische Bevölkerung. Hauptsiedlungsgebiet war im 13. Jahrhundert der untere Kerulen und der Amur, weshalb sie auch als Kerulen-Tataren bezeichnet werden;
- bis zur frühen Neuzeit im Osten Sibiriens und Nord-Osten der heutigen Volksrepublik China lebenden tungusischsprachigen Bevölkerungsgruppen;
- vor der Gründung der Sowjetunion (1922): verschiedene "eurasische" also auf dem Gebiet Russlands lebende Turkvölker, darunter die Aserbaidschaner, Nogaier, Kasachen, Chakassen und viele andere mehr.
- Die Krimtataren und die ihnen verwandten Dobrudscha-Tataren (siehe auch: Turkvölker), die aber zu einem anderen Zweig der Turksprachen gehören;
- die Muslime in Litauen, Polen und Weißrussland, die zum Teil Nachfahren der Krimtataren sind, aber heute Weißrussisch und andere Sprachen sprechen. Auch die Muslime Finnlands werden als Tataren bezeichnet.

Tataren im eigentlichen Sinne

Finnland Die eigentlichen, sich auch selbst so bezeichnenden Tataren leben heute fast überall in Russland und den GUS-Staaten. Sie sprechen Tatarisch (eine Turksprache, die sich aus dem Alttürkischen entwickelt hat) und in der Regel auch Russisch und sind überwiegend Muslime oder Nachfahren von Muslimen. Ein wichtiger Kern ihres Siedlungsgebietes ist ihre nominelle Heimatrepublik Tatarstan sowie das benachbarte Baschkortostan. Weitere wichtige Siedlungsgebiete der Tataren sind Omsk in Westsibirien und die Halbinsel Krim.

Unterteilungen der Tataren (im engeren Sinne)


- Die vielleicht 50.000 Astrachan-Tataren leben am Unterlauf der Wolga, auf dem Gebiet des ehemaligen Khanat Astrachan. Sie standen bis ins 20. Jahrhundert der nomadischen Tradition der Nogaier-Tataren nahe und werden in der Regel ihnen als zugehörig betrachtet. (Die Astrachan-Tataren entstammen ursprünglich der Weiß-Nogaier Horde.)
- Die Kasimov-Tataren (wenige 10.000) sind die Nachfahren der Bevölkerung des im 16. Jahrhundert mit den Moskauer Großfürsten verbündeten Khanat von Kasimov
- Die Kerätschen (Keräşen, Kreschen), Noğaybaqen sind orthodoxe Christen. Sie leben an der Wolga und vor allem im Ural-Vorland.
- Die vielleicht 300.000 Mäscher (Mescheren) sind die überwiegend westlich der Wolga (auch in Tschuwaschien und Mordwinien) lebende Tataren. Der Name dieser Bevölkerung verweist auf mögliche Verwandtschaft mit den Ungarn oder den mittelalterlichen Meschera (Siehe: Finno-ugrische Völker).
- Die Wolga-Tataren (Kasan-Tataren, Qazanlıq) leben im Tatarischen Kernland (Tatarstan) an der Wolga.
- Die sibirischen Tataren leben in "Inseln" im ganzen westlichen Sibirien und unterteilen sich in zahlreiche weitere Untergruppen (Tobol-Tataren, Tumen-Tataren, Baraba-Tataren etc.). Sie sind die Nachfahren der Kernbevölkerung des Khanats Sibir.
- Die Tepter(en) sind Tataren des nördlichen Uralvorlands (Glasover Tataren) und stellen einen Teil der Tataren Baschkortostans. Sie stehen den Baschkiren sprachlich und in der traditionellen Kultur nahe. (Die Zahlenangaben für Astrachaner, Kasimover und Mäscher beruhen auf Schätzungen ausgehend von älteren Zahlen)

Bevölkerungszahl

Heute beträgt die Zahl der tatarisch-sprachigen Tataren knapp 8 Millionen weltweit und 5,8 Millionen in Russland In der Russischen Föderation lebten nach der Volkszählung von 1989 5,552 Millionen Tataren und in der damaligen Sowjetunion insgesamt 6,6487 Millionen Tataren. 1989 betrug die tatarische Bevölkerung Tatarstans 1,7654 Millionen Menschen; in Baschkortostan lebten neben den nicht zu den Tataren gehörenden Baschkiren 1,1207 Millionen Tataren.

Geschichte

Die eigentlichen Tataren, also die Turkotataren, können als Nachfahren von Wolga-Bulgaren, Kiptschaken,angesehen werden. Ihre eigentliche Geschichte beginnt mit der Goldene Horde im 13. Jahrhundert. Sie waren die Kernbevölkerung der Khanate Kasan, Astrachan, Kasimov und Sibir (Sibirien). Schon im 16. Jahrhundert gehörten fast alle Siedlungsgebiete der Tataren zu Russland. Kategorie:Asiatische Ethnie Kategorie:Bevölkerung (China) Kategorie:Volk in Russland Kategorie:Turkvolk ja:タタール ko:타타르족

Ob

] Der Ob (russisch Обь) ist ein asiatischer Fluss bzw. Strom in Russland.

Flusslauf

Gebildet wird der Ob in den Südsibirischen Gebirgen durch die Vereinigung der beiden aus dem Altai kommenden Flüsse Bija und Katun, die sich nahe der Stadt Bijsk treffen. Somit gelangt der Fluss als Ob etwas weiter unterhalb in die Stadt Barnaul. Anschließend durchfließt er den großen Kamener Stausee und danach den Nowosibirsker Stausee, nach dessen Talsperre er durch Nowosibirsk fließt. Spätestens von dort aus durchfließt der Ob, der eine wichtige Schiff-Fahrtsstraße darstellt, zuerst in nordwestlicher Richtung das Westsibirische Tiefland östlich des Urals. Dabei passiert er die Städte Nischnewartowsk,