Physisches Format
Amerikanische Drehbücher werden einseitig auf Briefpapier (8.5 x 11 inch) gedruckt, mit drei Löchern. Sie werden durch zwei - nicht drei - Messing-Agraffen zusammengehalten. In Grossbritannien und dem restlichen Europa sind zweifach gelochte A4-Blätter üblich. Eine Ausnahme sind europäische Autoren, die für amerikanische Studios schreiben. So wird verhindert, dass beim Fotokopieren in den USA die Seiten unvollständig wiedergegeben werden. In Europa ist es auch nicht selten, dass eine einzelne Bostitch-Klammer die Blätter zusammenhält - so kann man das Werk besser durchblättern.
Drehbücher haben ein Titel- und Rückblatt aus Halbkarton, welches das Logo der Autoren-Agentur zeigt. Exemplare, die noch nicht umgeschrieben sind und direkt vom ursprünglichen Autor stammen, sind in rotem oder blauem Deckblatt gehüllt.
Entstehung eines Drehbuchs
Sehr oft beginnt der eigentliche Entstehungsprozess mit einem
Exposé, einer kurzen Schilderung der Idee. Diese umfasst etwa eine Seite. Diese Exposés können dann verschiedenen
Produzenten gesandt werden, welche dann den Auftrag geben, daraus ein
Treatment zu erstellen, welches auf rund 10 bis 30 Seiten die Handlung detailreich ausführt; es können schon mehr oder weniger ausgereifte Dialoge darin vorkommen.
Wurde dann ein Treatment für gut befunden, geht es um das Erstellen des Drehbuches, welches 90 bis 120 Seiten lang ist und den nackten Dialog und die bare Handlung enthält. An jeder Stelle des Produktionsprozesses kann ein Exposé, ein Treatment oder ein Drehbuch zwecks Überarbeitung zurückgewiesen werden. Kann der ursprüngliche Autor den Text nicht mehr verbessern, wird dieser einem Script-Doktor übergeben.
Manche Autoren verzichten auf die dreistufige Vorgehensweise Exposé - Treatment - Drehbuch und beginnen direkt mit dem Drehbuch. Wieder andere erarbeiten erst dann den nächsten Schritt, wenn sie von einem Produzenten damit beauftragt wurden. In amerikanischen Grossproduktionen werden bis zu 5% des Filmbudgets für das Drehbuch und die Verbesserung von Entwürfen ausgegeben. "Script doctors" verdienen bis zu 50.000 Dollar pro Woche.
Ist ein Drehbuch schliesslich vom Produzenten genehmigt worden, wird das Drehbuch vom
Regisseur und von anderen Personen ergänzt - etwa mit Angaben über das genaue Szenenbild, und das
Storyboard, also ein Buch mit Skizzen der einzelnen Szenenbilder, entsteht. Auch während den eigentlichen Dreharbeiten kann das Script umgearbeitet werden. Zu diesem Zweck findet ein "page lock" statt - das heisst, die Seitenzahlen der Arbeitsversionen bleiben gleich. Wird etwa der Dialog auf der Seite 15 des Drehbuches auf zwei Seiten verlängert, dann tragen beiden Ersatz-Seiten die Nummern "15.1" und "15.2". So wird die Kommunikation zwischen den verschiedenen Stellen (Produzent, Regisseur, Spezialeffekte...) erleichtert.
Wenn während der Filmproduktionen Seiten geändert werden, dann haben die Seiten mit dem neuen, geänderten Inhalt eine andere Farbe. Auf dem Filmset trifft man also wahre
Regenbögen von Drehbüchern an.
Drehbuchschreiben: "Spec" oder Auftragsarbeit
Drehbücher werden prinzipiell auf zwei Arten geschrieben: Als "spec" oder "on assignement". Ersteres ist ein frei geschriebenes Drehbuch, das letztere eine Auftragsarbeit.
"On Assignement"
"On assignement" (deutsch: "Im Auftrag") heisst, dass ein Filmstudio oder ein Filmproduzent ein Drehbuch in Auftrag gibt. Diese Aufträge können auf Stories basieren, zu welchen der Produzent das geistige Eigentum erworben hat. Die meisten etablierten Drehbuchautoren schreiben "on assignement" und verfassen nur "spec"-Werke (siehe nächster Abschnitt), wenn sie annehmen, dass niemand nach diesem spezifischen Drehbuch verlangen würde.
Es gibt aber auch Ausnahmen: Einige sehr berühmte Autoren schreiben nur
on spec weil sie wissen, dass sie auf diese Weise mehr Geld verdienen können. Andere Schriftsteller tun dies, weil sie sich aus persönlichem Interesse sich viel fundierter um eine Geschichte kümmern können, und zwar ohne dass Manager und Produzenten dreinreden.
Ein Arbeitsauftrag kann ein originales Drehbuch umfassen, oder ein Drehbuch, welches sich auf einem anderen Werk (z.B. ein Roman, ein anderer Film, eine Kurzgeschichte, ein Zeitungsartikel, ein Sachbuch, oder sogar Computerspiele) basiert. Eine Auftragsarbeit kann auch das "re-write", das Umarbeiten und Verbessern von existierenden Drehbüchern darstellen - dies ist auch die Art und Weise, wie ein grosser Teil der heutigen Autoren ihr Geld verdienen. Das re-writing von Drehbüchern ist eine Kunst für sich und dazu extrem einträglich: Es kommt vor, dass die besten dieser "Script doctors" - welche das Vertrauen der Produzenten besitzen - 200'000 Dollars pro Woche verdienen. 50'000 Dollars pro Woche sind nicht selten.
Das Re-writing ist schwierig weil die Produzenten oft eine sehr klare Vorstellung haben darüber, was mit einem Drehbuch nicht stimmt - aber sie sind in der Regel unfähig, zu sagen, wie es verbessert werden muss. Dies ist nicht weiter erstaunlich weil das Drehbuchschreiben nicht das Fachgebiet des Managers sind, sondern jene des Autors. Vom Schreiber wird also erwartet, dass er detaillierte Verbesserungsvorschläge innert kürzerere Zeit lieftert. Während dem re-write werden manchmal mehrere Autoren ausgewählt; und jeder muss seinen eigenen Vorschlag abliefern. So wird im Wettbewerb bestimmt, welcher die besseren Fähigkeiten besitzt.
"Spec scripts"
"Spec scripts" - zu deutsch "spekulative Drehbücher" - werden von freien Autoren verfasst mit der Hoffnung, dass ein Produzent darauf aufmerksam wird und die Rechte am Drehbuch abkauft.
Die Arbeit des "going out", des Bekanntmachens und Werbens, ist extrem nervenaufreibend für den Autor. Die Agentur des Autoren wählt aus seiner Kartei eine Anzahl von möglichen Käufern - vom kleinen Independent-Filmer bis zu den Managern von grossen Studios - und versucht dann, Interesse zu wecken. Das Skript wird zur gleichen Zeit an die verschiedenen Leuten versandt, so dass sie über das Wochenende gelesen werden. Diese Taktik soll den aus der
Versteigerung bekannten "Bietkrieg" ankurbeln.
In wenigen Tagen wird so bekannt, ob ein Drehbuch überhaupt verkaufbar ist oder nicht. Wenn es echtes Interesse am Drehbuch gibt, verdient der Autor von wenigen Tausend bis zu einigen Millionen Dollars an seinem Werk. Wenn es die potentiellen Käufer nicht interessiert, ist liegt das Drehbuch oft wie tot im Wasser - weil es bereits in die Datenbanken der Studios und der Produzenten unter "gelesen, nicht interessant" vermerkt ist.
Es ist fast unmöglich, ein Filmstudio dazu zu bringen, ein bereits abgelehntes Drehbuch nochmals zu begutachten - auch wenn es massiv umgeschrieben worden ist. Ein populäres Bonmot unter den Filmemacher erzählt vom Manager, der den Titel der neuen Story ansieht, "Ich habs bereits gelesen" sagt und dann in den Papierkorb wirft. Eine Strategie der Autoren besteht nun darin, vor dem Wiederversenden des Drehbuchs dessen Titel, Seitenzahlen und die Namen der Charaktere zu ändern - so, dass es bei der Datenbank-Recherche nicht wiedererkannt wird.
Urheberrechtsschutz
Während einem Auftragswerk das Urheberrecht auf den Auftraggeber übergeht - durch den "Kauf" der Rechte am geistigen Eigentum - ist der Autor der Urheber eines "spec scripts" (siehe oben). Um in einem Streitfall die Rechtslage zweifelsfrei zu klären, bietet die Writer's Guild of America (WGA), die Drehbuchautoren-Gewerkschaft, eine Registration von Drehbüchern an. Die WGA lagert die Werke an einem sicheren Ort, und die mit dem Datum versehene Registrationsbestätigung sowie die dort lagernde Kopie des Drehbuchs können dann dem Gericht als Beweismittel vorgelegt werden, sollte der Vorwurf des Plagiarismus aufkommen. Alternativ bietet sich das U.S. Copyright Office, ein Zweig der US-Kongressbibliothek, an: Amerikanische Werke müssen auf jeden Fall beim U.S. Copyright Office registriert sein, bevor wegen Plagiats-Vorwürfen geklagt werden kann.
Sollte ein Filmemacher wesentliche Teile seines Drehbuchs "gestohlen" haben, gibt es auch in Europa einen Schutz. Zwingend nötig ist, dass man die Entstehungszeit des eigenen Werkes belegen kann. Dies kann man etwa, indem man sich das Drehbuch per
eingeschriebenem Brief selber zuschickt; der Poststempel und der Inhalt des Umschlags sind dann der Beweis.
Siehe auch: Liste der Drehbuchautoren,
Autorenfilm,
Originaldrehbuch,
Storyboard,
Treatment,
Verband Deutscher Drehbuchautoren
Siehe auch
-
Liste wichtiger deutscher Filmkünstler (1933-1945) (mit Drehbuchautoren des NS-Kinos)
Bücher
-
Syd Field: Das Handbuch zum Drehbuch - Übungen und Anleitungen zu einem guten Drehbuch. ISBN 3861500353
- Robert McKee: Story. Die Prinzipien des Drehbuchschreibens. Alexander-Verlag Berlin.
Weblinks
- [http://www.willscheck.de/zugabe/drehbuchentwurf-ausmisten-1 Artikel: Fehler im Drehbuch erkennen und beseitigen.]
- [http://www.willscheck.de/zugabe/orte-und-szenen Artikel: Flüssige Orts- und Szenenwechsel]
- [http://www.drehbuchwerkstatt.de Fortbildungsprogramm "Drehbuchautor" der Hochschule für Fernsehen und Film in München]
- [http://www.script-o-rama.com/table.shtml Drehbücher zu diversen Filmen] (engl.)
Kategorie:Film
!
ja:脚本
Bühnenautor
Ein Bühnenautor verfasst literarische Werke, "
Theaterskripte" beim
Schauspiel und "
Libretti" beim
Musiktheater genannt, die als Grundlage zur
Inszenierung von
Bühnenwerken dienen.
Das Theaterskript des Bühnenautors wird meist von dem
Dramaturg weiterbearbeitet und dient dem
Regisseur als Vorlage. Beim Musiktheater wird der Bühnenautor auch
Librettist genannt. Oftmals schreiben
Komponisten eigene Libretti zu ihren
Kompositionen.
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Siehe auch: Autor
Kategorie:Theater
Mittelalter
]]
Das Mittelalter bezeichnet eine
Epoche in der
europäischen Geschichte
zwischen der
Antike und der
Neuzeit, die christliche, antike und
keltische, germanische und slawische Entwicklungen zusammenführt.
Die vorherrschende Gesellschafts- und Wirtschaftsform ist der
Feudalismus.
Grundzüge des Mittelalters sind die nach
Ständen geordnete
Gesellschaft, die gläubig
christliche Geisteshaltung in
Literatur,
Kunst und
Wissenschaft,
Latein oder
Griechisch als gemeinsame Kultur- und
Bildungssprache, die Idee der Einheit der christlichen
Kirche (die aber faktisch nach dem großen
Schisma mit der
Ostkirche nicht mehr bestand) und ein recht einheitliches
Weltbild.
Zeitliche Festlegung
Im Groben ordnet man das Mittelalter in die Zeit von
500 bzw.
600 n. Chr. bis
1500 n. Chr. ein. Wesentlich genauer sind jedoch folgende Merkmale:
Das Mittelalter erstreckt sich ungefähr vom Ende der
Völkerwanderung (
375-
568) bzw. vom Untergang des weströmischen Kaisertums
476 bis zum Zeitalter der
Renaissance seit der Mitte des
15. Jahrhunderts bzw. bis zum Beginn des
16. Jahrhunderts. Bezüglich der Problematik der Datierung des Beginns des Mittelalters siehe
Spätantike.
Die Datierungen sind nicht immer einheitlich, es kommt oft darauf an, welche Aspekte der Entwicklung bevorzugt werden und von welchem
Land man ausgeht. Stellt man zum Beispiel den Einfluss des
Islam in den Vordergrund, kann man
Mohammeds
Hidschra (
622) oder den Beginn der arabischen Expansion ab
632 als Beginn sehen. Ebenso gibt es unterschiedliche Datierungsmöglichkeiten für das Ende des Mittelalters, beispielsweise die Erfindung des
Buchdrucks (um
1450) oder auch die
Reformation (
1517).
Fokussiert man einzelne Länder, kann man auch zu verschiedenen Eckdaten kommen. So endete die
Antike am Rhein oder in Britannien sicher früher als etwa in Syrien. Und so war zum Beispiel um
1420 in
Italien bereits das Zeitalter der
Renaissance angebrochen, während man zur gleichen Zeit in
England mit gutem Grund noch vom Mittelalter spricht.
Mittelalter bezieht sich in erster Linie auf die Geschichte des christlichen
Abendlands vor der Reformation - der Begriff wird kaum im Zusammenhang mit außereuropäischen Kulturen verwendet.
Die Einteilung in Früh-, Hoch- und Spätmittelalter
Man kann das Mittelalter grob in 3 Phasen gliedern:
- Frühmittelalter (Mitte 6. Jahrhundert bis Anfang 11. Jahrhundert)
- Hochmittelalter (Anfang 11. Jahrhundert bis ca. 1250)
- Spätmittelalter (ca. 1250 bis ca. 1500)
Frühmittelalter
In das
Frühmittelalter fällt unter anderem auch die Zeit der
Völkerwanderung, wobei die Forschung aber mittlerweile dazu tendiert, diese aus dem Mittelalter herauszunehmen, sie als Bindeglied zwischen Antike und Mittelalter zu sehen und der
Spätantike zuzurechnen.
Weitere einschneidende Entwicklungen sind die weitgehende
Christianisierung Europas, der Aufstieg des
Fränkischen Reiches, der Einfall der
Wikinger, der Beginn des
Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und die Kämpfe zwischen
Kaisertum und
Papsttum. Außerdem wirkt der Aufstieg des
Islam und sein schnelles Ausgreifen bis nach Europa prägend.
Wirtschaftlich stellt das Frühmittelalter eine Zeit der Naturalwirtschaft dar, wobei besonders das System der
Grundherrschaft herauszustellen ist.
Wesentliche Kulturträger sind das
Byzantinische Reich, die
Klöster, insbesondere die des
Benediktinerordens, sowie die Gelehrten des
arabisch-
muslimischen Kulturkreises.
Siehe auch Hauptartikel: Frühmittelalter.
Hochmittelalter
Das
Hochmittelalter ist die Blütezeit des
Rittertums und des
römisch-deutschen Kaiserreichs, des
Lehnswesens und des
Minnesangs. Es ist auch die Epoche der Auseinandersetzung zwischen weltlicher und geistlicher Macht im
Investiturstreit, welcher die Einsetzung mehrerer
Gegenpäpste zur Folge hatte. Innerhalb der
Scholastik wird
Aristoteles zur wichtigsten nicht-christlichen Autorität. Der Einfluss der Kirche zeigt sich vor allem an den
Kreuzzügen gegen den Islam, denen auch Juden zum Opfer fallen. Im Zuge der Kreuzzüge entwickelt sich ein
Fernhandel mit der
Levante, von dem insbesondere die
italienischen Stadtstaaten profitieren. Die
Geldwirtschaft gewinnt gegenüber der
Naturalwirtschaft immer stärker an Bedeutung. Die wichtigsten
Orden des Hochmittelalters sind neben den
Zisterziensern die
Bettelorden der
Franziskaner und
Dominikaner. Im Hochmittelalter entsteht das
Zunftwesen, das die sozialen und wirtschaftlichen Vorgänge in den Städten stark prägt.
Siehe auch Hauptartikel: Hochmittelalter.
Spätmittelalter
Hochmittelalter]]
Das
Spätmittelalter ist die Zeit des aufsteigenden
Bürgertums der Städte und der Geldwirtschaft. In dieser Zeit steigt die
Hanse zur Handelsmacht auf. Seit etwa
1280 bis einige Jahrzehnte nach der "Großen Pest" (
Schwarzer Tod) in der Zeit von 1349 bis 1351 macht die europäische Geschichte einige krisenhafte Entwicklungen, die zu einem starken Bevölkerungsrückgang (
Wüstung,
Pest) führen, aber auch zu starken Veränderungen der Gesellschaftstruktur, die allmählich zur
Neuzeit überleiten (siehe auch:
Krise des 14. Jahrhunderts).
Siehe auch Hauptartikel: Spätmittelalter.
Ende des Mittelalters
Als wesentlich für den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit betrachtet man im Allgemeinen die Zeit der
Renaissance (je nach Land spätes
14. Jahrhundert bis
16. Jahrhundert), die Entdeckung insbesondere der
Neuen Welt durch
Christoph Kolumbus 1492, die Erfindung des
Buchdrucks 1450 und die damit beschleunigte Verschriftlichung des Wissens, den Verlust des Einflusses der institutionalisierten katholischen Kirche und den Beginn der
Reformation. Diese Ereignisse sind alle rund um die Schwelle vom 15. zum 16. Jahrhundert anzusiedeln.
Auch die
Eroberung Konstantinopels durch die
Osmanen (
1453) wird als ein Ereignis genannt, das das Ende des Mittelalters markiert. Dies ist nicht nur eine zeitlich passende Vereinfachung, sondern hat einige Berechtigung, weil mit dem Untergang des
Byzantinischen Reiches das letzte lebendige Überbleibsel der
Antike unterging. Des Weiteren war der dadurch ausgelöste Strom byzantinischer Flüchtlinge und Gelehrter nach
Italien hauptverantwortlich für den Beginn der
Renaissance. Darüber hinaus wurden die Handelsrouten nach Asien durch die Ausbreitung des
Osmanischen Reiches blockiert, so dass
westeuropäische Seefahrer neue Wege erkundeten. Dabei wurde unter anderem
Amerika entdeckt – zumindest war es das erste Mal, dass die Existenz Amerikas innerhalb weniger Jahre in ganz Europa bekannt wurde.
Auf musikalischem Gebiet ist das Ende des Mittelalters am besten mit der Umstellung von Quint-Oktavklängen zu terzhaltigen Harmonien zu bestimmen. Die englischen Komponisten waren hier sehr früh (Anonymus 4 spricht bei dieser Entwicklung auf dem Kontinent sogar direkt von englischem Einfluss); vor allem Dunstable ist hier zu nennen. Ab ca. 1430 lässt sich dieser Wandel in Italien dingfest machen, wobei terzhaltige Klänge nicht sofort die reinen Intervalle als Ruhepole der Komposition ablösten und vor allem am Schluss einer Komposition das ganze 15. Jahrhundert hindurch noch der Klang ohne Terz bevorzugt wurde.
Der Begriff Mittelalter
Der Begriff
Mittelalter, erstmals im 14. Jahrhundert von italienischen
Humanisten benutzt, hatte schon von Beginn an eine negative Bedeutung, weil sie das Mittelalter als „dunkle“ Epoche zwischen der Antike und ihrer Zeit ansahen, in der antike Traditionen wiedergeboren wurden. Aber erst im 17. Jahrhundert wurde diese Einteilung endgültig vorgenommen. Demnach begann das Mittelalter mit dem Ende des
Weströmischen Reiches im Jahre 476 und endete mit der Eroberung
Konstantinopels im Jahr
1453 durch die
Osmanen.
Im Englischen spricht man für den Zeitraum nach Ende der römischen Besatzung bis etwa zur Zeit König Alfreds von Wessex, also für die Zeit der Einwanderung der Angeln, Sachsen und Jüten, aufgrund der mangelhaften schriftlichen Quellen von „The Dark Ages“.
Noch heute bezeichnen wir eine Denkweise als „mittelalterlich“, wenn wir sie als starr und veraltet kritisieren wollen. Auch die umgangssprachliche Wendung „Rückkehr ins Mittelalter“ ist negativ besetzt. In der
Romantik wurde das Mittelalter allerdings auch wieder positiver gesehen, teilweise auch systematisch verklärt. In der modernen Forschung werden die originären Leistungen des Mittelalters und die wenigstens teilweise vorhandene Kontinuität der antiken Kultur betont. Der bekannte und angesehene französische Mediävist
Jacques Le Goff betonte erst jüngst die
Geburt Europas im Mittelalter.
Sonstiges
In der
japanischen Geschichte wird die Zeit von ca. 1200 bis ca. 1600 als
Mittelalter bezeichnet. Diese Epoche zeichnete sich durch eine starke Dominanz des
Buddhismus und des
Feudalismus aus.
Siehe auch
-
Portal:Mittelalter
Literatur
Wichtige Quellen sind im großen Umfang gesammelt in der
Monumenta Germaniae Historica. Siehe auch die dt.-latein. Ausgaben der Freiherr-vom-Stein Gedächtnisausgabe (FSGA). Wichtige Quellen stellen u.a. neben der Geschichtsschreibung auch Constitutionen und andere Aktenquellen sowie
Regesten dar.
Eine hervorragende Bibliographie findet sich [http://www.histsem.uni-bonn.de/proseminar/lsma15.htm hier (erstellt vom Historischen Seminar der Uni. Bonn)] sowie [http://www.uni-tuebingen.de/mittelalter/tutorium/literatur/literatur.htm hier (Uni. Tübingen; umfangreiche Liste mit Quellen- und Literaturangaben)]. Ansonsten sei auf die Angaben im
Lexikon des Mittelalters oder den Bibliographien der unten aufgeführten Werke verwiesen.
Nachschlagewerke
-
The New Cambridge Medieval History, Cambridge 1995 ff.
Noch im Entstehen begriffen, mit hervorragender Bibliographie.
-
Lexikon des Mittelalters, 9 Bde., Ausgabe des dtv-Verlags, München 2002 (in Hardcover München-Zürich 1980-1998).
Grundlegendes Werk
Sekundärliteratur
- Hartmut Boockmann:
Einführung in die Geschichte des Mittelalters, mehrere Neuauflagen, München 2001.
Wohl die beste strukturelle Einführung ins Mittelalter, mit guten bibliographischen Angaben.
- Arno Borst:
Lebensformen im Mittelalter, Frankfurt/M., Berlin 1988 ISBN 3-548-34004-0
- Arno Borst:
Barbaren, Ketzer und Artisten: Welten des Mittelalters, München 1988 ISBN 3-492-03152-8
-
Fischer Weltgeschichte, Mittelalter und frühe Neuzeit (4 Bände) ISBN 3596507324
- Horst Fuhrmann:
Einladung ins Mittelalter, Verlag C. H. Beck, München 1987 ISBN 3-406-32052-X
- Horst Fuhrmann:
Überall ist Mittelalter : von der Gegenwart einer vergangenen Zeit, Verlag C. H. Beck, München 1996 ISBN 3-406-40518-5
- Friedrich Heer:
Mittelalter. Von 1100 bis 1350, Zürich 1964
Weblinks
- [http://www.erlangerhistorikerseite.de/ma_resso.html Virtuelle Bibliothek – Geschichte / Mittelalterliche Geschichte (Internet-Ressourcen der
Erlanger Historikerseite)]
- [http://www.uni-tuebingen.de/mittelalter/indexstart.htm Historisches Seminar der Universität Tübingen, Abteilung für Mittelalterliche Geschichte (zahlreiche Links und Materialsammlungen)]
- [http://netzwerk.wisis.de/text/42.htm Mittelalter - SUSAS Netzwerk für Wissensweitergabe - Ausführliche Texte und zahlreiche Erklärungen zu Wirtschaft, Gesellschaft und Ereignisgeschichte]
- [http://www.genealogie-mittelalter.de/ Genealogie Mittelalter] Mittelalterliche
Genealogie im
Deutschen Reich bis zum Ende der
Staufer
-
DER SPIEGEL: [http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltraum/0,1518,381627,00.html Wie die Erde zur Scheibe wurde] - das Bild vom rückständigen Mittelalter als moderner Mythos
!Mittelalter
Kategorie:Zeitalter
ja:中世
simple:Middle Ages
Autorität
Autorität ist im weitesten Sinne eine soziale Positionierung, die einer
Institution oder
Person zugeschrieben wird und dazu führt, dass sich andere Menschen in ihrem Denken und Handeln nach ihr richten. Sie entsteht (durch Vereinbarungen) in gesellschaftlichen Prozessen (Lehrer/Schüler, Vorgesetzter/Mitarbeiter), durch vorausgehende Erfahrungen von
Macht, Fähigkeiten,
Wissensvorsprung und/oder durch religiöse Überzeugungen.
Die sprachlichen Wurzeln entstammen dem lateinischen „auctoritas“ (
Einfluss, Geltung, Ansehen, Würde, Macht) bzw. dessen Verb „augere“, das soviel wie
vermehren, fördern, bereichern, wachsen bedeutet. In derselben Wortfamilie gab es auch den "auctor" (Urheber, Schöpfer, Mehrer, Förderer, Autor).
Das Adjektiv zu Autorität lautet "autoritativ". Das Adjektiv "autoritär", welches oft mit "Autorität" in Zusammenhang gebracht wird, stellt hingegen die negativen Seiten der Autorität, d.h. Machtmissbrauch, Unterdrückung und Gewalt dar.
Neben der Verwendung als Attribut kann Autorität auch die Person oder
Institution selbst bezeichnen, die Autorität auf ihrem jeweiligen Gebiet besitzt. So ist der
Lehrer in der
Schule eine Autorität kraft Gesetz; ein
Wissenschaftler ist eine Autorität, wenn er bei den Kollegen allgemeine Anerkennung für seine Forschung genießt.
Genau betrachtet, ist Autorität nicht als Eigenschaft, sondern als Beziehung zu begreifen; die Autorität bedarf der Anerkennung anderer, das Autoritätsverhältnis ist zweiseitig. Dabei kann es sich um die verschiedensten Beziehungsformen handeln, insbesondere können die Grade der Freiwilligkeit der Anerkennung viele Formen annehmen, insbesondere:
- Zutiefst freiwillige Bewunderung und
Respekt. Autorität erhält hier einen Bezug zu
Ehre.
- Faktisch akzeptierte Autorität in
gesellschaftlichen Rollen (z.B. Eltern, Lehrer, Vorgesetzte, Polizisten, Richter, Trainer)
- Vortäuschen der
Akzeptanz der Autorität nach Außen hin, um Nachteile zu vermeiden, bei gleichzeitiger innerer oder gegenüber Vertrauten dokumentierter Ablehnung
- Erzwungene Anerkennung von Autorität aufgrund körperlicher Unterlegenheit, in Situationen von Gefangenschaft oder Gefängnis- oder allgemein aufgrund von massiven
Angstsituationen.
Neue Ansätze im Lehrbereich, zum Beispiel in den
konstruktivistischen Lehr- und Lerntheorien, gehen davon aus, dass die Lehrperson ihre Autorität nicht nur kraft des Gesetzes/der Position erlangt, sondern durch Zustimmung von den Belehrten. Autorität kann zudem geteilt oder delegiert werden, sofern die Autorität (als Person) gewillt ist, dies zu tun.
Prinzipiell betrachtet, entsteht durch Autorität dennoch ein (wenn auch ein zeitlich, räumlich oder fachlich beliebig eingeschränkt vorstellbares)
Machtgefälle zwischen im elementaren Fall zwei Personen.
Erich Fromm bezeichnet die Autorität des Lehrers im Lehrer-Schüler-Verhältnis als Beispiel für eine rationale Autorität, gegenüber der irrationalen Autorität des Herrn in der Herr-Knecht-Beziehung. Die rationale Autoritätsbeziehung löst sich auf, je selbstständiger der Schüler wird, bis er schließlich der Schule entwachsen ist. Pädagogisch wird Autorität oft grundsätzlich als förderliche Autorität betrachtet, die auf Vertrauen gründet, aber auch missbraucht werden kann. Soziopsychoanalytisch kritisiert
Gérard Mendel Autorität als "täuschende Maske der Gewalt", die im Fall unzureichenden oder verweigerten
Gehorsams ihr wahres strafendes Gesicht zeigt.
Der sehr schillernde Autoritätsbegriff beinhaltet weitere Differenzierungen:
charismatische Autorität, funktionale Autorität, personale Autorität, anonyme Autorität, Sachautorität, Amtsautorität, Erziehungsautorität usw.
Man kann nach
Bocheński epistemische und
deontische Autorität unterscheiden: Epistemische Autorität ist die Autorität des
Wissenden, der sich in einem Fachgebiet besonders gut auskennt und auf den man deswegen bei Fragen, die dieses Fachgebiet betreffen, zu hören gewillt ist. Deontische Autorität bezeichnet die Autorität des
Vorgesetzten, der von dieser seiner Position her Weisungen zum Verhalten seiner Untergebenen erteilen kann.
Unter Demonstration von Autorität oder Autoritätsdemonstration wird eine
Handlung verstanden, die dazu dienen soll, dass eine Autorität anerkennt wird.
Wird die Demonstration von Autorität von mehreren zusammengehörig fühlenden gleichzeitig ausgeführt, tragen Effekte der
Gruppendynamik in der Regel zu einer Stärkung der Intensität der Demonstration von Autorität bei.
Das
Milgram-Experiment zeigt, dass eine
Deckung in dem Sinne, dass z.B.
Vorgesetzte Handlungen zur
Demonstration von Autorität allgemein oder im Einzelfall befürworten, weiterhin zur Stärkung der Intensität der
Demonstration von Autorität beiträgt. Gibt es möglichst wenig Kontakt (z.B. Gelegenheiten für
Mitgefühl) zwischen Demonstrierenden und Betroffenen, so ist dies ebenfalls intensitätssteigernd.
Eine
Demonstration von Autorität kann zum Beispiel positiv durch
Nachsicht und
Respekt
oder durch die offensichtliche Suche nach einem gerechten
Konsens in Konflikten und somit Demonstration intellektueller Überlegenheit geschehen.
Es gibt aber auch negative Methoden, z.B. durch möglichst beeindruckendes Auftreten (
Habitus,
Kleidung, z.B. möglichst imposante
Uniform,
Talar,
Abzeichen,
Waffe, o.ä.,
durch Sprache, etwa entschiedener Tonfall, Schreien, auch
Drohungen, ("
Säbelrasseln"), oder
Beleidigungen, sowie durch
Gewalt, Androhen oder Zufügen von physischem oder psychischem
Schmerz,
Qual,
Folter. Dazu gehört auch das Verbreiten von
Angst und
Terror, z.B. demonstrative Verletzung oder
Tötung Anderer (
Exempel statuieren).
Siehe auch
Autorisierung,
Erziehung,
Führung,
Herrschaft,
Macht,
Amt]
Literatur
- Joseph M. Bocheński: Was ist Autorität? Einführung in die Logik der Autorität. Herder, Freiburg i. Br. 1974, ISBN 3-451-01939-6
- Gérard Mendel: Plädoyer für die Entkolonisierung des Kindes. Sozio-Psychoanalyse der Autorität. Walter-Verlag, Olten u. Freiburg i.Br. 1973, ISBN 3-530-56401-X
Weblinks
- [http://www.bruehlmeier.info/macht.htm "Macht und Autorität in der Erziehung", vom Schweizer Pädagogen Arthur Brühlmeier]
- [http://www.heise.de/tp/r4/artikel/20/20260/1.html Telepolis: "Wer nicht kuscht, wird getasert"]
[[Kategorie:Herrschaftssoziologie]]
[[Kategorie:Pädagogik
Kategorie:Macht
ja:権威
th:อำนาจหน้าที่ Neuzeit
Als Beginn der Neuzeit wurde in der
Geschichtswissenschaft lange Zeit die
Entdeckung Amerikas im Jahre
1492 und der Beginn der
Reformation Luthers im Jahre
1517 angesehen. Weitere damit verbundene Zäsuren sind die
Renaissance, der
Humanismus und die Erfindung des
Buchdrucks mit beweglichen Schriftzeichenstempeln.
Periodisierung
Beginn
Die neuere historische Forschung tendiert wieder zu der schon von
Philipp Melanchthon vertretenen Datierung und setzt den Fall von
Konstantinopel im Jahre
1453 als Beginn der Neuzeit an, der zur Flucht von Gelehrten nach Italien und dort zum Aufblühen des
Humanismus führte, dessen Verbreitung durch die Erfindung der
Buchdruckerkunst um
1450 wesentlich gefördert wurde und der
kulturgeschichtlichen Epoche der
Renaissance weitere Impulse gab.
Ideengeschichtlich ist der Beginn der Neuzeit von historisch arbeitenden Philosophen wie
Wilhelm Kamlah und
Jürgen Mittelstraß dagegen sehr viel später auf die Zeit um 1600 verlegt worden. Ausgangspunkt dieser Bestimmung ist die bis dahin erfolgte Ausbildung der
neuzeitlichen Wissenschaft im Sinne der modernen,
prototypisch in der
Physik ausgebildeten wissenschaftlichen Forschung als
methodisch durchgeklärte Verbindung von mathematischer Theorie und technischer Empirie (Kamlah), die in der oberitalienischen Werkstättentradition entwickelt und zur Grundlage des modernen
Szientismus wurde.
Unterteilung
Die Neuzeit ihrerseits wird von der
Geschichtswissenschaft wiederum begrifflich unterteilt in:
- die
Frühe Neuzeit von der "Entdeckung Amerikas" bis zur
Französischen Revolution 1789 und
- die
Moderne (die manchmal auch "Neueste Zeit" genannt wird) für die Zeit danach.
Seit dem Ende des Ersten Weltkriegs bzw. seit der russischen
Oktoberrevolution spricht man bis dato (noch) von der
Zeitgeschichte, die in der historischen Betrachtung natürlich weiterhin Teil der
Epoche der Neuzeit ist.
Epoche
Bedeutung
Eine wesentliche Rolle dabei spielten die
Entdeckung Amerikas, die den praktischen Beweis lieferte, dass die Erde eine Kugel ist. Die Ablösung des geozentrischen (Ptolemäus) durch das heliozentrische Weltbild (Nikolaus Kopernikus) und die mit der Erstürmung Konstantinopels durch das Osmanische Reich verbundene Flucht vieler griechischer Gelehrter und anderer Leistungsträger in den Westen bildeten weitere Markierungspunkte auf unterschiedlichen Ebenen, die den
Paradigmenwechsel (vgl. auch
Paradigma) einer
Zeitenwende begründen.
Somit werden der Beginn des überseeischen
Kolonialismus (und die beginnende Vorherrschaft Westeuropas) als Übergang zur neuen
Zeit angesehen. Gerade die Revolutionierung läutete damit das Ende jenes
ideologischen Monopols ein, das die Kirche im Mittelalter innegehabt hatte. Dies wiederum erlaubte den Beginn der
Reformation, die ebenfalls die beiden Epochen voneinander abgrenzt.
Soziologie
In der
Soziologie wird die Debatte um eine Analyse dieser Prozesse meist nicht mit Hilfe des Begriffes "Neuzeit", sondern mit dem Begriff der "
Moderne" (auch der "reflexiven Moderne" usw.) mit oft changierender Bedeutung geführt (selbst z.B. im Werk
Max Webers).
Ferdinand Tönnies hingegen benutzte "Neuzeit" genau im Sinne seines theoretischen Werks
Gemeinschaft und Gesellschaft als exakten Gegenbegriff zum "
Mittelalter": In diesem seien die Menschen geneigt gewesen,
alle sozialen Kollektive als "
Gemeinschaften" zu verstehen, ganz anders als in der Neuzeit, wo sie diese
sämtlich eher als "
Gesellschaften" wahrnähmen. Im Mittelalter sei also ein großer Fernhandels- und Bankkonzern wie der
Templerorden eher als religiöse "Gemeinschaft" aufgefasst worden, in der Neuzeit sogar die
Ehe als rein "gesellschaftliches" Geschöpf eines
Vertrages.
Literatur
-
Ferdinand Tönnies,
Geist der Neuzeit, EA 1935, 1998 (in:
TG, Bd. 22).
- S. Skalweit,
Der Beginn der Neuzeit. Epochengrenze und Epochenbegriff, 1982.
- Wilhelm Kamlah:
Der Aufbruch der Neuen Wissenschaft. in:
Utopie Eschatologie Geschichtsteleologie. Kritische Untersuchungen zum Ursprung und zum Futurischen Denken der Neuzeit. Bibliographisches Institut, Mannheim 1969 (BI Htb 461) S. 73-88
- Mittelstraß, Jürgen:
Neuzeit und Aufklärung. de Gruyter, Berlin 1970
Demnächst erscheint der erste Band der vom J.B. Metzler Verlag verlegten
"Enzyklopaedie der Neuzeit", die detailliert auf die wichtigsten Themen einzugehen verspricht.
Siehe auch
Frühe Neuzeit,
Moderne,
Zeitgeschichte
Kategorie:Soziologie
!
ja:近代
Anerkennung
Anerkennung meint die Erlaubnis einer
Person oder einer
Gruppe, sich mit ihren derzeitigen spezifischen
Eigenschaften an der
Kommunikation zu beteiligen. Anerkennung wird manchmal als Synonym für
Lob verwendet.
Gegenseitige Anerkennung ist notwendig für jede Art von
Zusammenleben, z. B. in der
Ehe, in einer
Schulklasse oder auch im
Beruf. Wird ein
Gruppenmitglied nicht anerkannt, gerät es schnell in
Gefahr, zum
Außenseiter zu werden.
Politik
Der Ausdruck
Anerkennung bezeichnet die
völkerrechtliche Akzeptanz eines politischen Systems als
Staat sowie den Beginn bzw. den Vollzug
diplomatischer Beziehungen.
siehe:
Diplomatische Anerkennung
Philosophie
Wie
Alexandre Kojève als erster hervorgehoben hat, spielt der Begriff bei
Georg Wilhelm Friedrich Hegel eine zentrale Rolle. Anerkennung sei zur Bildung des Selbstbewusstseins notwendig. Das soll bedeuten, dass niemand für sich selbst diese Entwicklungsstufe erreichen kann. Erst wenn mehrere „Bewusstseine“ aufeinandertreffen, ereignet sich das, was Hegel „Bewegung der Anerkennung“, „Dialektik der Anerkennung“ oder „Kampf um Anerkennung“ nennt. Dieses Konzept entwickelt er in seiner „Phänomenologie des Geistes“ im Kapitel „Selbständigkeit und Unselbständigkeit des Selbstbewusstsein; Herrschaft und Knechtschaft“. Folgenschwer hat
Karl Marx daran anknüpfend sein Modell des Klassenkampfes entwickelt. Im
20. Jahrhundert beeinflusste es psychoanalytische Entwürfe (
Jacques Lacan) sowie die Sozialphilosophie von
Axel Honneth.
Verwandte Themen
-
Respekt
-
Offenheit
-
Zweierbeziehung
-
Liebe
-
Freundschaft
-
Toleranz
-
Bindung (Psychologie)
Literatur
- Georg Wilhelm Friedrich Hegel:
Phänomenologie des Geistes. Bamberg und Würzburg 1807.
(in vielen Ausgaben und auch im Internet leicht greifbar)
- Axel Honneth:
Kampf um Anerkennung. Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte. Frankfurt am Main 1992. ISBN 3-518-58128-7
- Seyla Benhabib:
Kulturelle Vielfalt und demokratische Gleichheit. Politische Partizipation im Zeitalter der Globalisierung. Frankfurt am Main 2000. ISBN 3-596-14072-2
Kategorie:Umgangsform Mediengeschichte
Die Geschichte der Kommunikationsmedien lässt sich aufteilen in die
- Geschichte der
Schrift
- Geschichte des
Nachrichtenwesens
- Geschichte des
Buchdrucks
-
Geschichte der Presse (
Presse)
- Geschichte der A/V-Medien (
Schallplatte,
Magnettonband,
Compact Cassette,
Videokassette,
CD,
DVD,
MiniDisc)
- Geschichte der
Telegrafie
- Geschichte der
Telekommunikation
- erste Informationsübertragung (
Morsen)
- erste
Funkübertragung
-
1843 erhält
Alexander Bain ein Patent für elektro-telegrafische Bildzerlegung
-
1848 baut
F. C. Backwell einen "Kopiertelegraphen" nach Bains Prinzip der zeilenweisen Bildabtastung
-
1862 überträgt
Abbé Caselli einfache Zeichnungen per Draht von Amiens nach Paris
-
1873 Willoughby Smith kann beweisen, dass der elektrische Widerstand von
Selen lichtabhängig ist, sein Mitarbeiter
Joseph May setzt das Element zur Übertragung in der Telegrafie ein
-
1875 Werner von Siemens beschreibt eine Photozelle aus Selen;
George B. Carey hat die Idee, Bilder mit Hilfe eines Feldes aus Selen-
Photozellen zu übertragen (wird erst
1909 realisiert)
-
1881 Shelford Bidwell baut den "Telephotograph"
-
Geschichte des Telefons (
Telefon,
Mobiltelefon)
-
Geschichte der Fotografie (
Fotografie)
- Entwicklung der Foto
kamera
- Entwicklung der
Filmkamera
- erste Übertragung von Sprache
-
Geschichte des Hörfunks (
Portal:Hörfunk)
-
Geschichte des Fernsehens (
Portal:Fernsehen)
-
Geschichte des Internets (
Internet)
Literatur
- Jochen Hörisch:
Eine Geschichte der Medien. Von der Oblate zum Internet. Frankfurt: Suhrkamp, 2004. ISBN 3-518-45629-6
- Schanze, Helmut (Hrsg.):
Handbuch der Mediengeschichte. Stuttgart: Kröner, 2001. ISBN 3-520-36001-2
- Hans H. Hiebel [u.a.]:
Große Medienchronik. München: Wilhelm Fink Verlag, 1999. ISBN 3-770-53332-1
- Manfred Faßler u. Wulf R. Halbach (Hg.):
Geschichte der Medien. München: Fink, 1998. ISBN 3-8252-1984-4
Siehe auch
Medientheorie
Weblinks
- [http://www.ralf-hecht.de/weimar/inhalt.html Ralf Hecht:
Die modernen Medien der Weimarer Republik] (Hausarbeit)
!
Kategorie:Liste (Medien) Buchdruck
Beim klassischen Buchdruck handelt es sich um ein
Hochdruckverfahren, das in der Hauptsache durch
Johannes Gutenberg in der Mitte des
15. Jahrhunderts erfunden und etabliert wurde.
Heute werden
Bücher meist im
Offsetdruckverfahren gedruckt, selten im
Tiefdruckverfahren. Letzteres wird meist für
Zeitschriften und
Kataloge verwendet. Und das neueste Verfahren (Stand 2005) ist der
Digitaldruck. Während beim Offsetdruck noch Druckplatten (
Druckvorlagen) produziert werden, verzichtet man bei Digitaldruckverfahren völlig auf die Herstellung von Druckvorlagen. Diese Techniken schaffen die Voraussetzungen für das "
Book on Demand".
Technik der klassischen Buchdruckerkunst
Die zum Betrieb der Buchdruckerkunst erforderlichen Typen oder Lettern zerfallen in
Fraktur-,
Antiqua- und
Kursivschrift nebst den dazu gehörigen
Interpunktions- und sonstigen Zeichen (Sternchen, Paragraphen etc.); ihre Verschiedenartigkeit und Reichhaltigkeit ist eine außerordentliche. Man unterscheidet sie nach ihrer Gattung in Brot- und Zierschriften sowie nach ihrer Zeichnung in gotische, Kanzlei-, Grotesk- etc. Schriften, ferner ihrem Kegel nach, das heißt nach den Klassen, in welche alle Schriften der Höhe ihres Typenbildes nach eingeteilt sind. Zu den Schriften gehören auch die
Ausschließungen, das heißt Metallstückchen ohne Schriftbild und etwa ein Fünftel niedriger als die eigentlichen Typen (
Spatien, Viertel-, Drittel-, Halbgevierte,
Gevierte, Quadrate); sie dienen zur Trennung der Worte, zum Ausfüllen leerer Zeilen etc. Ähnlichen Zwecken dient der
Durchschuss, Metallplättchen von ein bis vier typographischen Punkten Stärke und meist 36 und 48 Punkten Breite bei 54 Punkten Höhe, oft aber auch von der ganzen Breite der Zeilen (Regletten). Man durchschießt damit den Zeilensatz, das heißt man legt solche Plättchen zwischen die Zeilen, welche alsdann auseinander gerückt, erscheinen; doch wird der Durchschuss auch bei der Herstellung schwierigen Satzes (Tabellen etc.) gebraucht.
Jede Type trägt an der Vorderseite (in England und Frankreich an der Rückseite) ihres Körpers eine Einkerbung, die Signatur, zum sofortigen richtigen Erfassen der Type; und da diese Einkerbungen verschieden sind für die verschiedenen, oft aber doch sehr ähnlichen Typengattungen, so erleichtern sie auch deren Unterscheidung. (Ein Durcheinander von Typen verschiedener Schriftgattungen oder auch verschiedener Typen einer und derselben Gattung wird als "Zwiebelfische" bezeichnet).
Die für Werk- und Zeitungssatz bestimmten Typen liegen in hölzernen Setzkasten mit etwa 110 Fächern für deutschen und 160 für Antiquasatz, das heißt Lateinisch, Englisch, Französisch etc.; die größere Fächerzahl wird bedingt durch
Accentbuchstaben und
Kapitälchen. Die orientalischen Sprachen und der Satz von Musiknoten erfordern Kasten mit noch viel mehr Fächern. Die Größe der Fächer ist dem mehr oder minder häufigen Vorkommen der Buchstaben angepasst, und auch deren Lage im Kasten richtet sich danach. Der Setzkasten ruht etwa in Brusthöhe auf einem pultartigen Gestell (Regal), das mit Fächern zum Einschieben der Kasten versehen ist.
Vor dem Regal steht der
Schriftsetzer (Setzer), hält in der linken Hand den Winkelhaken aus Metall (früher oft aus Holz und mit Metall ausgelegt), der eine Art nach zwei Seiten offenes, flaches Kästchen mit verstellbarer linker Seitenwand bildet, in welches der Setzer mit der rechten Hand die Typen aus den Fächern führt und zu Zeilen zusammenstellt. Das
Manuskript (so wird die Vorlage genannt, auch wenn es eine schon gedruckte ist) ist meist auf einem Holz- oder Metallstab (Tenakel) mit einer Art Gabel (Divisorium) festgehalten und in bequemer Sehweite auf dem Setzkasten aufgesteckt. Ist eine Zeile gefüllt, so muss sie ausgeschlossen werden, das heißt sie muss die genau dem jeweiligen Format entsprechende Breite erhalten und mäßig fest im Winkelhaken sitzen, was entweder durch Verengerung der Wortzwischenräume erreicht wird, um überschießende Wortteile noch in den Raum der Zeile zu bringen, oder die Zwischenräume werden durch Hinzufügen von Ausschließungen verbreitert. Von der Regelmäßigkeit und Sorgfalt, mit der diese Arbeit ausgeführt wird, hängt das gute Aussehen des Satzes im Druck wesentlich ab. Ist die Zeile vollendet, so wird die dünne Platte aus glattem Metall, die Setzlinie, welche ihr bisher als Unterlage diente, darunter hervorgezogen und darübergelegt und mit dem Setzen so lange fortgefahren, bis der Winkelhaken mit Zeilen gefüllt ist. Diese werden dann sämtlich auf einmal mit einem geschickten Handgriff auf ein Schiff gehoben, das heißt auf ein auf zwei oder drei Seiten mit einem erhabenen Rand versehenes winkelrechtes Brettchen (oder Zinkplatte), bis die zur Bildung einer Spalte oder Seite (Kolumne) oder auch eines Pakets nötige Zeilenzahl erreicht ist. Setzt der Setzer in Seiten, so hat er diese auch mit einem Kolumnentitel zu versehen, der ein toter genannt wird, wenn er nur aus der Seitenzahl besteht, oder ein lebender, sobald er ein Stichwort oder eine kurze Angabe des Seiteninhalts enthält; auf ihren Fuß aber legt er zur Erzielung sichereren Halts einen Unterschlag, bestehend aus Quadraten oder seitenbreiten Metallklötzchen, und umwindet das Ganze dann mit einem festen Bindfaden, der Kolumnenschnur. Ist der Satz gut ausgeführt, so muss sich jetzt die Seite hantieren lassen, als ob sie nur aus einem Stück bestände. Die vollendeten Seiten werden entweder bis zur Fertigstellung der für einen Druckbogen erforderlichen Anzahl auf Papierlagen (Porte-pages) aufbewahrt, oder gleich auf Bretter (Setzbretter) oder Schließplatten und Schließsteine in einer bestimmten, der Aufeinanderfolge der Seiten entsprechenden Reihenfolge gestellt (ausgeschossen), wo alsdann Holz- oder Metallstege von der Breite der auf dem Papier weiß bleibenden, für das Einbinden nötigen Räume (Bund-, Kreuz- und Mittelsteg) um die Seiten gelegt, die Kolumnenschnüre entfernt (die Seiten "aufgelöst") und die Formen vermittelst eiserner Rahmen entweder mit Eisenschrauben, Holzkeilen und Schrägstegen oder auch mit eigens konstruierten gezahnten Stegen und Keilen etc. geschlossen, das heißt so befestigt werden, dass die ganze, aus vielen Tausenden von Lettern bestehende Form emporgehoben und in der Presse niedergelegt werden kann, ohne dass ein einziger Buchstabe aus den Seiten fällt.
Das Seitenbilden (Umbrechen) und Schließen und die damit zusammenhängende Unterleitung der Herstellung eines Werkes besorgen indes meist (bei Zeitungen ist es ausnahmslos der Fall) damit speziell betraute geschickte Setzer, die „Metteurs en pages“; diese Arbeitsweise, bei welcher der Setzer nur Stücke (Pakete, davon Paketsetzer) glatten Satzes unter Weglassung aller Überschriften aus anderer als für den Textsatz verwandter Schrift zu liefern hat, wird „Mise en pages“ genannt. Die leichtere Bestimmung der Reihenfolge der fertigen Bogen erreicht man durch Beifügung einer Ziffer rechts am Fuß der ersten und Wiederholung der gleichen Ziffer nebst Sternchen am Fuß der dritten Seite, der Signatur; die erste erhält häufig auch noch links in kleiner Schrift eine Norm, die in wenigen Worten Titel und Bandzahl eines Werkes anzugeben hat. Die Signaturangabe mit Buchstaben ist in Deutschland außer Brauch, ebenso ist der Kustos, das heißt das früher an den Schluss einer jeden Seite gestellte erste Wort der nächstfolgenden, in Wegfall gekommen. Die Formate werden nach der Zahl der Blätter, welche ein Bogen nach dem Zusammenfalzen enthält, benannt:
Folio,
Quart,
Oktav,
Duodez,
Sedez,
Oktodez etc.
Der erste Abdruck, welcher von den geschlossenen Formen oder auch von Seiten und Paketen in Schnuren genommen wird, ist der Korrekturabzug; in diesem zeichnet der Korrektor die vom Setzer veranlassten Fehler (Auslassungen heißen "Leichen", doppelt Gesetztes "Hochzeiten"), nach deren Berichtigung werden weitere Korrekturabzüge für Verfasser und Verleger hergestellt . Wenn deren Berichtigungen und Änderungen vom Setzer gemacht sind und die Genehmigung zum Druck erteilt ist, wird die richtige Stellung der Seiten überprüft und korrigiert. Erst dann kann der Druck erfolgen. Diejenige Form, welche die erste und letzte Seite enthält, heißt die äußere, Prima oder Schöndruckform, sie wird in der Regel zuerst gedruckt (eingehoben); die andere wird als innere, Sekunda oder Widerdruckform bezeichnet. Der Druck erfolgt entweder in der
Handpresse, kurzweg Presse genannt, in der
Accidenzmaschine oder Tretpresse, oder in der
Schnellpresse (Maschine, ihr Leiter: Maschinenmeister). Das Papier, mit Ausnahme von Schreibpapier, wird hierfür teils befeuchtet, das heißt in stärkeren oder dünneren Lagen durch Wasser gezogen oder angespritzt, wodurch es geschmeidiger und zur Aufnahme der Druckfarbe geeigneter wird, teils trocken gedruckt und, ist der Druck ein feiner, auch
satiniert , was ihm die durch das Feuchten verlorene Glätte wiedergibt. Vor dem Druck muss jede Form "zugerichtet" werden, das heißt es müssen alle Ungleichheiten (Unebenheit des druckenden Teils der Presse oder Maschine, also Ungleichheit des Druckes, oder leichte Unebenheiten in den die Form bildenden Typen) durch Hinzufügung oder Hinwegnahme feiner Papiereinlagen ausgeglichen werden, was meist sehr zeitraubend ist, bei feinem Illustrationsdruck aber auch hohe Anforderungen an die Kunstfertigkeit des Druckers oder Maschinenmeisters stellt und ein geschultes Auge verlangt, da selbst der feinste Holzschnitt ohne gute Zurichtung nicht voll zur Geltung kommt. Um einen guten Druck zu erreichen, gehören auch gute Walzen zum Verreiben und Auftragen der Farbe. Sie werden meist in den Buchdruckereien selbst entweder aus einer Mischung von
Leim und
Sirup oder aus
Glycerin, Zucker und
Gelatine gegossen. Sie haben bald nach der Erfindung der Schnellpresse die früher zum Auftragen der Farbe gebräuchlichen Ballen aus Rosshaar mit einem Überzug aus Kalb- oder Hundeleder verdrängt.
Der Druck in der Presse, die in der Regel durch zwei Personen bedient wird, erfolgt durch bogenweises Einlegen des Papiers, Zuklappen und Niederlegen von Rähmchen und Deckel, Einfahren des Karrens vermittelst Drehung einer Kurbel, Herüberziehen des Bengels, Wiederausfahren und Auslegen des gedruckten Bogens. Das alles wird von einem der beiden Drucker ausgeführt, während der andere die Farbe verreibt und die Form in der Zeit des Papier-Ein- und Auslegens einschwärzt ("aufwalzt"). Die Schnellpresse besorgt alle diese Operationen, mit Ausnahme des Einlegens, selbsttätig, das Auslegen geschieht bei den meisten derselben durch einen mechanischen Auslegeapparat. Der Maschinenmeister hat nach erfolgter Zurichtung nur den Gang der Maschine, die Gleichmäßigkeit der Färbung und die Güte des Druckes zu überwachen. Die gedruckten Bogen werden, wenn es nicht Zeitungen oder andere sofort abzuliefernde Arbeiten sind, zum Trocknen aufgehängt und sodann in Glättpressen gebracht zur Beseitigung der beim Druck entstandenen Unebenheiten des Papiers und zur Wiederherstellung seines guten Aussehens.
Die Satzformen aber wäscht man, wenn "ausgedruckt", zur Entfernung der Druckfarbe mit einer in scharfe Lauge getauchten Bürste und spült sie mit reinem Wasser ab. Wenn sie nicht für weitere Drucke aufzubewahren sind, "stehen bleiben", erhält der Setzer sie zurück zum Auseinandernehmen, Ablegen oder Aufräumen. Er verteilt die Lettern wieder in die ihnen entsprechenden Kastenfächer, oder es werden nur Titel, Überschriften, kurze Zeilen etc. abgelegt, der Satz aber "aufgebunden", d h. in handlichen Stücken mit Kolumnenschnüren umwunden und, wenn sie gut abgetrocknet sind, in Papier geschlagen, etikettiert und für späteren Bedarf im Magazin aufbewahrt. Abgenutzte Typen werden als "Zeug" wieder an die Schriftgießereien zum Umguss verkauft.
Rolle Gutenbergs
Gutenbergs technische Leistung bestand darin, eine Reihe von Verfahren zu entwickeln, die das Verfahren des Buchdrucks erst ermöglichten:
- Die
Signatur am
Kegel der
Type,
- Das Formenwechseln beim
Gießen der Typen (siehe
Handgießinstrument)
- Den Aufbau der
Druckerpresse
- Austauschbare Metalllettern und
- Den
Setzkasten
Gutenbergs Leistung liegt auch in der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen
Etablierung des Buchdruckes durch die erste Massenvervielfältigung der
Bibel.
Bedeutung des Buchdrucks
Bibel
Die Erfindung und Etablierung des Mobilletterndrucks bildet einen bedeutenden
kulturhistorischen Einschnitt, der einen grundlegenden
Paradigmenwechsel in der Informationsverarbeitung einleitete.
Mediengenealogisch gibt es nur wenige als vergleichbar grundlegend angesehene
Meilensteine:
- Die Erfindung der
Sprache und die
Oralität,
- die Erfindung der
alphabetischen Schrift und die
Literalität,
- die Erfindung und Etablierung des Buchdrucks sowie
- die Erfindung des
Computers sowie die
Digitalisierung.
Die
Medientheorie leitet aus Gutenbergs Leistung grundlegende Konsequenzen ab.
Der Buchdruck ermöglichte die exakte
Reproduktion von
Wissen in einem zuvor nie gekannten Ausmaß; während Bücher zuvor manuell in
Skriptorien kopiert wurden, wurde der menschliche Faktor ersetzbar; auch Transkriptionsfehler bei der Abschrift wurden vermeidbar.
Die
Autorschaft bekam Bedeutung; es wurde wichtig, wer etwas gesagt bzw. geschrieben hatte, was und wie jemand präzise formuliert hatte und wann dies zu datieren war; dies ermöglichte das Adressieren und Referenzieren von
Urhebern; es entstand die Regel:
"Ein Autor, ein Werk (Titel), ein Informationsbündel" (Giesecke 1989: 325). Zuvor hatte der Autor eine vergleichsweise geringe Bedeutung gehabt, die Abschrift eines Werkes von
Aristoteles etwa in Paris musste nicht identisch mit einer etwa in Bologna sein; teilweise war es gar nicht möglich, ein Werk einem bestimmten Autor zuzuordnen – dies war auch nicht von Bedeutung gewesen.
Bücher wurden
normiert und
standardisiert, indem sich die Kennzeichnung durch
Seitenzahlen (
Paginierung),
Inhaltsverzeichnisse,
Register sowie
Titelblätter durchsetzte.
Das
Lesen veränderte sich: Während Bücher zuvor laut (vor-) gelesen wurden, entwickelte es sich zum heutigen Stilllesen. Eine allgemeine
Alphabetisierung begann und leitete eine Bildungsrevolution ein. Das
Denken veränderte sich in Anpassung an die Schriftform; der visuelle Anteil an gedruckten Büchern (
Illumination) wurde zurückgedrängt durch die Prämierung der
Linearität der Schrift; Argumentationen wurden streng kausal. Die Ausdifferenzierung der
Wissenschaften wurde beschleunigt und die wissenschaftliche
Methodik setzte sich gegen das mittelalterliche Denken in Bildern und
Metaphern durch (
Wiedergeburt der Wissenschaft).
Wissen wurde allgemein zugänglicher, da gedruckte Bücher preiswerter als die handschriftlich kopierten waren, da es mehr Exemplare eines Buches gab und Schriften zu zirkulieren begannen.
Nach- und
Raubdrucke beschleunigten die Verbreitung weiter; die typographische Erfassung des gesamten "klassischen" Wissens dauerte nur etwa fünfzig oder sechzig Jahre (Eisenstein 1969: 52).
Latein als Universal- und Wissenschaftssprache wurde abgelöst durch Nationalsprachen, die zunächst jedoch noch als Dialektformen bestanden. Die Zunahme an verfügbarem Wissen beförderte den Meinungsstreit und die gesellschaftliche
Willensbildung.
Aus der zunehmenden geografischen Verbreitung von Druckwerken entwickelte sich die Notwendigkeit der Normierung und Standardisierung der
Sprache;
Dialekte wurden im Druck verdrängt, die Herausbildung von
Nationalsprachen begann, dies wiederum ermöglichte und förderte die Entstehung von
Nationalstaaten.
Diese Entwicklungen werden auch unter dem Begriff der
Gutenberg-Galaxis zusammengefasst oder auch als
alphabetisches Monopol bezeichnet. Die Weiterentwicklung und Auflösung dieses Medienverbundes untersucht
Friedrich Kittler in seinen
Diskursanalysen unter dem Begriff der
Aufschreibesysteme, die schließlich zur heutigen
Turing-Galaxis überleiten.
Ein Defizit dieser medientheoretischen Betrachtungen ist die unzureichende Berücksichtigung der Bedeutung der visuellen Informationsgehalts an sich sowie der Rolle des
Bildes in dieser Mediengenealogie (vgl. auch
Iconic turn und
Pictorial turn). Vergessen wird dabei beispielsweise, dass auch der Buchdruck zunächst einmal ein
visuelles Medium ist: Schrift ist visualisierte Sprache.
Die erste visuelle Zeitenwende war der Übergang von gesprochener zu visualisierter Sprache, die weitere Entwicklung der
Visualisierung verläuft jedoch nicht synchron zur Ausprägung des linearen Gutenberg-Universums. Die technische Reproduzierbarkeit des Bildes weist gänzlich andere, zeitlich versetzte Meilensteine auf und ist nicht nur einfach eine Folgeerscheinung im Sog des Buchdrucks. Visuelle Meilensteine sind beispielsweise die Entdeckung des
Mikroskops und des
Teleskop, also die Nutzung des Lichts, sowie daran anschließend die Nutzung nichtsichtbarer Strahlen (erstmals bei der Verwendung der
Röntgenstrahlen).
Auch die Erfindung und Etablierung der
Fotografie um
1839 passt systematisch kaum in die schriftfixierte Betrachtung der Gutenberg-Galaxis. (Vgl. hierzu auch
Vilém Flussers