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Autorität

Autorität

Autorität ist im weitesten Sinne eine soziale Positionierung, die einer Institution oder Person zugeschrieben wird und dazu führt, dass sich andere Menschen in ihrem Denken und Handeln nach ihr richten. Sie entsteht (durch Vereinbarungen) in gesellschaftlichen Prozessen (Lehrer/Schüler, Vorgesetzter/Mitarbeiter), durch vorausgehende Erfahrungen von Macht, Fähigkeiten, Wissensvorsprung und/oder durch religiöse Überzeugungen. Die sprachlichen Wurzeln entstammen dem lateinischen „auctoritas“ (Einfluss, Geltung, Ansehen, Würde, Macht) bzw. dessen Verb „augere“, das soviel wie vermehren, fördern, bereichern, wachsen bedeutet. In derselben Wortfamilie gab es auch den "auctor" (Urheber, Schöpfer, Mehrer, Förderer, Autor). Das Adjektiv zu Autorität lautet "autoritativ". Das Adjektiv "autoritär", welches oft mit "Autorität" in Zusammenhang gebracht wird, stellt hingegen die negativen Seiten der Autorität, d.h. Machtmissbrauch, Unterdrückung und Gewalt dar. Neben der Verwendung als Attribut kann Autorität auch die Person oder Institution selbst bezeichnen, die Autorität auf ihrem jeweiligen Gebiet besitzt. So ist der Lehrer in der Schule eine Autorität kraft Gesetz; ein Wissenschaftler ist eine Autorität, wenn er bei den Kollegen allgemeine Anerkennung für seine Forschung genießt. Genau betrachtet, ist Autorität nicht als Eigenschaft, sondern als Beziehung zu begreifen; die Autorität bedarf der Anerkennung anderer, das Autoritätsverhältnis ist zweiseitig. Dabei kann es sich um die verschiedensten Beziehungsformen handeln, insbesondere können die Grade der Freiwilligkeit der Anerkennung viele Formen annehmen, insbesondere:
- Zutiefst freiwillige Bewunderung und Respekt. Autorität erhält hier einen Bezug zu Ehre.
- Faktisch akzeptierte Autorität in gesellschaftlichen Rollen (z.B. Eltern, Lehrer, Vorgesetzte, Polizisten, Richter, Trainer)
- Vortäuschen der Akzeptanz der Autorität nach Außen hin, um Nachteile zu vermeiden, bei gleichzeitiger innerer oder gegenüber Vertrauten dokumentierter Ablehnung
- Erzwungene Anerkennung von Autorität aufgrund körperlicher Unterlegenheit, in Situationen von Gefangenschaft oder Gefängnis- oder allgemein aufgrund von massiven Angstsituationen. Neue Ansätze im Lehrbereich, zum Beispiel in den konstruktivistischen Lehr- und Lerntheorien, gehen davon aus, dass die Lehrperson ihre Autorität nicht nur kraft des Gesetzes/der Position erlangt, sondern durch Zustimmung von den Belehrten. Autorität kann zudem geteilt oder delegiert werden, sofern die Autorität (als Person) gewillt ist, dies zu tun. Prinzipiell betrachtet, entsteht durch Autorität dennoch ein (wenn auch ein zeitlich, räumlich oder fachlich beliebig eingeschränkt vorstellbares) Machtgefälle zwischen im elementaren Fall zwei Personen. Erich Fromm bezeichnet die Autorität des Lehrers im Lehrer-Schüler-Verhältnis als Beispiel für eine rationale Autorität, gegenüber der irrationalen Autorität des Herrn in der Herr-Knecht-Beziehung. Die rationale Autoritätsbeziehung löst sich auf, je selbstständiger der Schüler wird, bis er schließlich der Schule entwachsen ist. Pädagogisch wird Autorität oft grundsätzlich als förderliche Autorität betrachtet, die auf Vertrauen gründet, aber auch missbraucht werden kann. Soziopsychoanalytisch kritisiert Gérard Mendel Autorität als "täuschende Maske der Gewalt", die im Fall unzureichenden oder verweigerten Gehorsams ihr wahres strafendes Gesicht zeigt. Der sehr schillernde Autoritätsbegriff beinhaltet weitere Differenzierungen: charismatische Autorität, funktionale Autorität, personale Autorität, anonyme Autorität, Sachautorität, Amtsautorität, Erziehungsautorität usw. Man kann nach Bocheński epistemische und deontische Autorität unterscheiden: Epistemische Autorität ist die Autorität des Wissenden, der sich in einem Fachgebiet besonders gut auskennt und auf den man deswegen bei Fragen, die dieses Fachgebiet betreffen, zu hören gewillt ist. Deontische Autorität bezeichnet die Autorität des Vorgesetzten, der von dieser seiner Position her Weisungen zum Verhalten seiner Untergebenen erteilen kann. Unter Demonstration von Autorität oder Autoritätsdemonstration wird eine Handlung verstanden, die dazu dienen soll, dass eine Autorität anerkennt wird. Wird die Demonstration von Autorität von mehreren zusammengehörig fühlenden gleichzeitig ausgeführt, tragen Effekte der Gruppendynamik in der Regel zu einer Stärkung der Intensität der Demonstration von Autorität bei. Das Milgram-Experiment zeigt, dass eine Deckung in dem Sinne, dass z.B. Vorgesetzte Handlungen zur Demonstration von Autorität allgemein oder im Einzelfall befürworten, weiterhin zur Stärkung der Intensität der Demonstration von Autorität beiträgt. Gibt es möglichst wenig Kontakt (z.B. Gelegenheiten für Mitgefühl) zwischen Demonstrierenden und Betroffenen, so ist dies ebenfalls intensitätssteigernd. Eine Demonstration von Autorität kann zum Beispiel positiv durch Nachsicht und Respekt oder durch die offensichtliche Suche nach einem gerechten Konsens in Konflikten und somit Demonstration intellektueller Überlegenheit geschehen. Es gibt aber auch negative Methoden, z.B. durch möglichst beeindruckendes Auftreten (Habitus, Kleidung, z.B. möglichst imposante Uniform, Talar, Abzeichen, Waffe, o.ä., durch Sprache, etwa entschiedener Tonfall, Schreien, auch Drohungen, ("Säbelrasseln"), oder Beleidigungen, sowie durch Gewalt, Androhen oder Zufügen von physischem oder psychischem Schmerz, Qual, Folter. Dazu gehört auch das Verbreiten von Angst und Terror, z.B. demonstrative Verletzung oder Tötung Anderer (Exempel statuieren).

Siehe auch

Autorisierung, Erziehung, Führung, Herrschaft, Macht, Amt]

Literatur


- Joseph M. Bocheński: Was ist Autorität? Einführung in die Logik der Autorität. Herder, Freiburg i. Br. 1974, ISBN 3-451-01939-6
- Gérard Mendel: Plädoyer für die Entkolonisierung des Kindes. Sozio-Psychoanalyse der Autorität. Walter-Verlag, Olten u. Freiburg i.Br. 1973, ISBN 3-530-56401-X

Weblinks


- [http://www.bruehlmeier.info/macht.htm "Macht und Autorität in der Erziehung", vom Schweizer Pädagogen Arthur Brühlmeier]
- [http://www.heise.de/tp/r4/artikel/20/20260/1.html Telepolis: "Wer nicht kuscht, wird getasert"] [[Kategorie:Herrschaftssoziologie]] [[Kategorie:Pädagogik
Kategorie:Macht ja:権威 th:อำนาจหน้าที่

Institution

Institution (lat. institutio – Einrichtung) ist in der Soziologie eine mit Handlungs-Rechten, Handlungs-Pflichten oder normativer Geltung belegte soziale Wirklichkeit, durch die Gruppen und Gemeinschaften nach innen und nach außen hin verbindlich (geltend) wirken oder handeln. Umgangssprachlich wird unter einer Institution auch eine Organisation (s. dort) verstanden.

Begriffsgeschichte

Die Betrachtung politischer Institutionen geht mindestens auf Jean-Jacques Rousseau zurück. Die frühen politischen Theorien sahen politische Institutionen jedoch lediglich als Arenen in denen politische Handlungen statt finden, die jedoch von fundamentaleren Kräften bestimmt wurden. In der vergleichenden Regierungslehre befasste man sich mit der institutionellen Grundlage der verfassungsmäßigen Ordnung, insbesondere der westlichen Welt. Es ging also um formalen Institutionen. Seit Mitte der 1970er Jahren begann sich ein neuer Institutionalismus zu entwickeln. Hierbei handelte es sich um eine Gegenbewegung zu herkömmlichen behaviouristischen Theorieansätzen und zu rational choice Ansätzen, die weitgehend als institutionenblind anzusehen sind. Im Neo-Institutionalismus werden, in Abgrenzung zum klassischen Institutionalismus, neben den formalen Institutionen auch nicht-formale betrachtet. Wie weit im einzelnen der Begriff Institution zu fassen ist, bleibt strittig. Wirtschaftswissenschaftlich inspirierte Wissenschaftler definieren den Begriff enger, als soziologisch inspirierte Wissenschaftler, die auch kognitive Regeln des menschlichen Handelns als Institution begreifen. Als kleinster gemeinsamer Nenner kann gelten, dass eine Institution ein Regelsystem ist, dass eine bestimmte soziale Ordnung hervorruft.

Abgrenzung zum Organisationsbegriff

Der Begriff wird in der Volkswirtschaftslehre für die Erklärung der Bildung von Unternehmen und Unternehmensgrenzen verwendet – oft aus Unzufriedenheit mit dem dort (und in der Betriebswirtschaftslehre) vielfach entfalteten Organisationsbegriff. Der Brockhaus definiert die Institution als eine "gesellschaftliche, staatliche oder kirchliche Einrichtung, in der bestimmte Aufgaben, meist in gesetzlich geregelter Form, wahrgenommen werden." (Brockhaus Enzyklopädie Bd. 10 1989, S. 544) Die jüngere Soziologie vermied es gern, komplexe Sachverhalte wie Familie oder Bundestag als "Institution" zu bezeichnen, da sie sowohl Aspekte der Institution als auch der Organisation umfassen und organisationssoziologisch weniger Grundlagenprobleme aufzuwerfen scheinen. (Die Institution der Ehe ist derart genommen eine Organisation, deren Mitglieder die jeweilige Ehefrau und der jeweilige Ehemann sind.) Jedoch hat z.B. 2003 Michael Wildt den "Institutions"-Begriff wieder fruchtbar aufgenommen, um das Reichssicherheitshauptamt in der Zeit des Nationalsozialismus zu erklären.

Beispiele

Beispiele für Institutionen sind jegliche Regeln und Normen, Verfassung, Kartellrecht, Strafrecht, Verträge (allgemein), StVO, DIN-/ISO Norm, Unternehmensleitsätze, Landessprache, Benimmregeln, Sitten und Bräuche. Auf die oft mit parallelen sozialen Prozessen befasste soziologische Debatte zum Ritual ist zu verweisen.

Ziele

Institutionen leiten das Handeln von Menschen, beschränken die Willkür (den Kürwillen) des individuellen Handelns, definieren den gemeinsamen Handlungsrahmen und mit ihm verbundene Verpflichtungen. Zu diesem Regelsatz bilden sich zugehörige Legitimierungsstrategien und Sanktionsmechanismen heraus. Damit üben Institutionen eine entlastende Funktion aus, indem sie eine kollektiv organisierte Bedürfnisbefriedigung sicherstellen und den einzelnen von elementaren Vollzügen freisetzen. Andererseits schützen sie die Gesellschaft vor individuell willkürlichen und chaotisch gegeneinander laufenden Handlungen und überführen sie in gesellschaftlich wohlgeordnete Abläufe. Nach dem philosophischen Anthropologen Gehlen ersetzen Institutionen dem Menschen, was dem Tier als Instinkt verfügbar ist; Dieter Claessens hat dies biosoziologisch kritisiert und differenziert (Konzept der „Instinktstümpfe“). Sie sind nach Gehlen notwendigerweise undurchschaubar und entfremdet, bieten aber damit die Möglichkeit für eine "höhere" Freiheit des Handelns. Institutionen regeln für das Individuum und die Gesellschaft elementare Bereiche wie: Reproduktion, (Familie, Verwandtschaft), Erziehung, Bildung und Ausbildung, Nahrungsbeschaffung, Warenproduktion und Verteilung (Wirtschaft) und die Aufrechterhaltung einer gesellschaftlichen Ordnung (Recht, Politik), sowie der Kultur (siehe Bernhard Schäfers 1995 S. 134-137). Sie sind "bewährte Problemlösungen" für den Alltag - welche man sich auch als Komplex von Handlungs- und Beziehungsmustern vorstellen kann. Institutionen können ihr Abbild in Organisationen finden, sind aber davon deutlich zu unterscheiden. Während Institutionen handlungsleitende Regeln zur Verfügung stellen, definieren Organisationen formell Ziele, Mitgliedschaft und Organisationsabläufe. Wichtig ist hierbei, dass Institutionen beachtet sein müssen, um ihre Wirkung zu entfalten.

Hierarchie

Insitutionen werden häufig in eine hierarchische Ordnung nach dem Grad der Einschränkung von Gestaltungsfreiräumen gebracht. Je weiter unten die Ebene, desto spezifischer ist die zugehörige Institution. Die erste Ebene stellt hierbei die soziale Verankerung dar. In dieser Ebene sind insbesondere informelle Institutionen wie Tradition, Weltanschauung und Kultur von Bedeutung. Die Institutionen dieser Ebene entwickeln sich nur sehr langsam über eine evolutionäre Veränderung. Die theoretische Basis wird durch die Soziologie gegeben. Die zweite Ebene wird durch grundsätzliche formelle Spielregeln dargestellt, etwa eine Verfassung und Regeln des Rechts. Die theoretische Basis wird durch die Theorie der Verfügungsrechte gegeben. Die dritte Ebene ist das Steuerungs- und Anreizsystem. Grundlage sind private Verträge. Die theoretische Basis wird durch die Transaktionskostenökonomik gegeben. Die vierte Ebene betrifft schließlich die Ressourcenallokation. Die theoretische Basis wird durch die Prinzipal-Agent-Theorie gegeben.

Risiken und Chancen durch Institutionen

Totale Institutionen wie Gefängnisse, Psychiatrische Anstalten, Schiffsbesatzungen, Klöster oder Internate kontrollieren alle Lebensäußerungen ihrer Mitglieder, können also den Freiraum des Individuums überaus stark einschränken und soziale Entwicklungen verhindern. Sie weisen folgende Merkmale auf (nach Goffman): #Totale Institutionen sind allumfassend. Das Leben aller Mitglieder findet nur an dieser einzigen Stelle statt und sie sind einer einzigen zentralen Autorität unterworfen. #Die Mitglieder der Institution führen ihre alltägliche Arbeit in unmittelbarer (formeller) Gesellschaft und [informaler] Gemeinschaft ihrer Schicksalsgefährten aus. #Alle Tätigkeiten und sonstigen Lebensäußerungen sind exakt geplant und ihre Abfolge wird durch explizite Regeln und durch einen Stab von Funktionären vorgeschrieben. #Die verschiedenen Tätigkeiten und Lebensäußerungen sind in einem einzigen rationalen Plan vereinigt, der dazu dient, die offiziellen Ziele der Institution zu erreichen. Auf der anderen Seite bergen Prozesse der Deinstitutionalisierung, z. B. in gesellschaftlichen Wandlungsphasen, Risiken des Rückfalls in riskantes, rücksichtsloses und nur auf Durchsetzung der Eigenwünsche bedachtes Verhalten. Siehe auch: Institutionsvertrauen

Wirkungsmechanismus

Institutionen entfalten ihre Wirkung über Anreize, hierbei insbesondere inhaltliche Vorgaben und Sanktionen. Auf diese Weise lassen sich Erwartungen, Entscheidungen und Handlungen der Individuen beeinflussen. Letztlich hat dies Einfluss auf kollektive, also etwa gesamtwirtschaftliche, Ergebnisse.

Literatur


- Hartmut Esser, Soziologie. Spezielle Grundlagen'#. Band 5: Institutionen. Frankfurt a. M./New York: Campus 2000
- Arnold Gehlen,
Der Mensch, Wiesbaden: UTB 1995
- Arnold Gehlen,
Über die Geburt der Freiheit aus der Entfremdung, Gesamtausgabe Bd. 4, Frankfurt a. M. 1983
- Erving Goffman,
Asyle, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1972 (zu Totalen Institutionen)
- Bernhard Schäfers (Hrsg.), Grundbegriffe der Soziologie. Opladen: Leske + Budrich, 4.Auflage 1995
- o.V.: Brockhaus Enzyklopädie Bd. 10, 1989, S. 544

Siehe auch

Ritual, Organisation, Sitte, Brauch Kategorie:Soziologie Kategorie:Körperschaft Kategorie:Volkswirtschaftslehre ja:制度 ko:기관 (조직)


Person

Person hat mehrere Bedeutungen: Person im alltäglichen Sinn meint einen bestimmten Menschen, dem soziologisch eine bestimmte Rolle (Frau, Vater), ein Amt (Richter), ein Beruf (Krankenschwester) oder eine Herkunft (Bayer) zukommt und juristisch ein bestimmtes verfassungsrechtlich festgelegtes Subjektsein (Rechte und Pflichten). Dieser Person-Begriff ist also ein Sammelbegriff für die Erscheinung eines Menschen. Person im philosophischen Sinn meint ein bestimmtes Menschenbild: eine Theorie des Menschseins: was ein Mensch wesentlich ist: was die Elemente sind, die sein Menschsein qualifizieren, bestimmen: die ihn zu dem machen, was er als Mensch bzw. Person ist (z. B. dass er ein Sozialwesen ist, eine Individualität hat und ein Vernunftwesen bzw. Geistwesen ist, dass er wesentlich auf die Natur bezogen ist, die ihm im Kosmos und der geologischen, meteorologischen und biologischen Umwelt vorgegeben ist). Dieser Person-Begriff bezeichnet das Wesen des Menschseins, mitunter auch Personalität genannt. "Person" darf nicht mit "Persönlichkeit" verwechselt werden, denn dies bezeichnet die Menge aller individuellen Eigenschaften eines Menschen. Dazu zählen biologische Merkmale und psychische, also die genetische Ausstattung eines Menschen und sein Charakter.

Wortherleitung

Die Herkunft des Wortes Person ist nicht vollständig geklärt; es existieren hierzu zwei verschiedene Theorien. Fest steht lediglich, dass es im 13. Jahrhundert als person, persone aus lat. persona ins Deutsche übernommen wurde. Der Ursprung des lateinischen Begriffes ist jedoch umstritten. Manche halten den Begriff als Entlehnung aus gr. prosôpon, "Maske, Rolle, Mensch"; einer anderen (und von den meisten Etymologen heute für wahrscheinlicher gehaltenen) Theorie zufolge stammt es jedoch aus etrusk. phersu; Maske. Hinter dem Wort "Person" steht das tiefenpsychologische Bild, dass alle Menschen in den meisten Situationen nicht 100% sie selbst sind, sondern sich wie Schauspieler verhalten, die ihre Rolle mehr oder weniger gut spielen. Hört man genau auf das was jemand sagt, also das was seine Maske durchtönt (lat. per'son'are = durch'tön'en), so erhält man vielleicht einen tieferen Einblick in die wirkliche "Person". Vgl. hierbei das antike Theater, bei der mehrere Personen von einem Schauspieler mit unterschiedlichen Masken (durch die die Schauspieler dann sprachen) gespielt wurden. Das Begriffsfeld Person erstreckt sich über verschiedene Zweige der Geistes-, Human- und Gesellschaftswissenschaften:

Philosophie

In der klassischen Philosophie ist die Definition des Boethius der Ausgangspunkt des Personenverständnisses: Persona est rationalis naturae individua substantia, d.h. Person ist die individuelle Substanz rationaler (vernünftiger) Natur. Dies meint, dass der Erscheinung des Menschen als denkendem Lebewesen ein sinnlich nicht wahrnehmbarer Wesenskern zugrunde liegt, der seiner denkenden und körperlichen Natur sinnlich verborgen zugrunde liegt, also metaphysisch ist (meta: über, hinter; physisch: naturhaft). "Person" in diesem Sinne wurde in der mittelalterlichen Philosohie dann öfter mit dem Begriff "unsterbliche Seele" identifiziert. In der Philosophie der Neuzeit (Aufklärung) wurde dieser Personen-Begriff dann vielfältig kritisiert (diese metaphysische Dimension argumentativ bestritten), und in der Folge dann nicht mehr oft mit "unsterblicher Seele" identifiziert. Kant unterscheidet deutlich zwischen dem Personbegriff als Vernunftwesen (Person: Lebewesen das nach vernünftigen Prinzipien denken kann und von daher seine Würde als Person erhält, die Tieren nicht zukommt, weil sie ein solches Vermögen nicht besitzen) und der "unsterblichen Seele" als reiner Vernunftbegriff: einer in der Vernunft vorkommenden Idee, auf die man denkerisch nach Kant zwingend stößt, wenn man den Begriff der Vernunft als moralischer Vernunft konsequent durchdenkt. Näheres zum Seelen-Begriff Kants unter Seele. In moderneren philosphischen Strömungen sind Personen die Subjekte der Ethik. Manche Ethiker, so Peter Singer, unterscheiden zwischen Mensch und Person. Diskursethisch lasse sich dies so begründen, dass nur der Mensch als Person gelten kann, der in der Lage ist, sich im Diskurs zu äußern. Kritiker wie Robert Spaemann stellen Singers Unterscheidung zwischen Mensch und Person in Frage, durch die Graduierungsunmöglichkeit zwischen 'etwas' und 'jemandem', sowie der biologischen Zugehörigkeit zum Menschengeschlecht als alleinigem Kriterium für Personalität. Auch Vertreter des Naturrechts argumentieren, dass dem Menschen - durch seinen Geist - von Anfang an und in allen Situationen (also etwa auch im Koma) das Personsein und damit seine besondere Würde zukommt. Genauso erkennt der Personalismus, besonders der jüdische (z.B. Martin Buber) und der christliche (z.B. Romano Guardini), jedem Menschen das Personsein zu: Der Mensch ist an sich Person und dialogfähig (dialogischer Personalismus). Romano Guardini unterscheidet darüber hinaus zwischen Person als Wesensbegriff und Persönlichkeit als Individuation. In diesem Zusammenhang stellen sich die Fragen nach Verhältnis von Person und Welt sowie Person und Masse im Kontext einer Bedrohung durch Entpersönlichung/Depersonalisation (vgl. Ricarda Huch). Die Christliche Soziallehre erkennt daher in der Personalität neben der Solidarität, Subsidiarität sowie dem Gemeinwohl und der Gerechtigkeit eines der Prinzipien für ein gelingendes menschliches Zusammenleben in Gesellschaft und Staat. Einen grundlegenden philosophisch-theologischen Überblick schuf Markus von Hänsel-Hohenhausen: Vom Antlitz in der Welt (Frankfurt/M. 2005; englisch: The Countenance in the World, London 2005).

Psychologie

In der Psychologie wird Person mit dem Menschen als Einzelwesen gleichgesetzt, der über eine Gesamtmenge an Anlagen und erworbenen Fähigkeiten verfügt, die sog. personale Struktur. Als Person ist jeder Mensch einmalig. Einige, so Andreas Wieland, gehen davon aus, dass für jeden Zeitpunkt im Menschen eine eigene Person existiert, die mit allen anderen konkurriert. Dadurch lassen sich Verhaltensweisen wie Faulheit erklären, da man durch zeitliches Verschieben die ungeliebte Tätigkeit selbst nicht erledigen muss, möglicherweise aber eine Nachfolgeperson im Menschen (Selbstkonkurrenz).

Rechtswissenschaft

In der Rechtswissenschaft ist Person jeder, der fähig ist, Träger von Rechten und Pflichten zu sein (Rechtssubjekt). Dies ist in erster Linie ein Mensch, der als natürliche Person bezeichnet wird. Seine Rechtsfähigkeit beginnt nach deutschem Recht mit der Vollendung der Geburt. Daneben existiert aber auch der in Anlehnung an die natürliche Person entstandene Begriff der juristischen Person, die Kraft gesetzlicher Anerkennung Rechtsfähigkeit erlangt. Hierzu werden z. B. Körperschaften oder Vereinigungen wie der eingetragene Verein, die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) oder die Aktiengesellschaft gezählt.

Weitere Bedeutungen


- Literatur: Die Personen (Figuren) einer Erzählung (Personage).
- Person (Sprache): eine dem Subjekt eines Verbes entsprechende grammatikalische Form

Weblink


- [http://www.theologie-systematisch.de/anthropologie/1grundbegriffe.html theologie-systematisch.de] Aktuelle Literatur zum Person-Verständnis des Menschen
- [http://www.textlog.de/1913.html Person im Wörterbuch der philosophischen Grundbegriffe von Friedrich Kirchner (1907)]
- [http://www.moderatorenschule-muenchen.de TV-Coaching für Anfänger und Fortgeschrittene, Fit for Casting, Videofeedback] Kategorie:Mensch Kategorie:Allgemeine Zivilrechtslehre Kategorie:Soziale Rolle Kategorie:Psychologie

Wissen

Wissen (ahd. wischan, gesehen haben) bezeichnet die Gesamtheit aller organisierten Informationen und ihrer wechselseitigen Zusammenhänge, auf deren Grundlage ein vernunftbegabtes System handeln kann. Das Wissen erlaubt es einem solchen System - vor seinem Wissenshorizont und mit der Zielstellung der Selbsterhaltung - sinnvoll und bewusst auf Reize zu reagieren. Die Epistemologie, die den griechischen Wortstamm für Wissen (episteme) im Namen trägt, ist die Lehre von der Erkenntnis. Erkenntnis folgt erst dann aus Wissen, wenn erkannt wird, welche Relevanz die Einzelinformationen für die Lösung eines gegebenen Problems besitzen. Wissen kann man demnach also als potentielle Nutzinformation definieren. Das Wissen erfordert eine aussagekräftige Erklärung bzw. Begründung. Grundlegendes Kriterium ist das der Überprüfbarkeit bzw. Nachvollziehbarkeit. Als weiterer Maßstab gilt die Übereinstimmung des Wissens mit der wahrnehmbaren Realität. Anmerkung: Für den Begriff des Wissens findet sich im wissenschaftlichen Diskurs keine präzise und übergreifende anerkannte Definition, sondern zahlreiche, häufig ähnlich klingende Definitionen, die jeweils abhängig vom Standpunkt des Definierenden formuliert wird (sh. unten). Als eine Art kleinster gemeinsamer Nenner lassen sich drei Aussagen formulieren:
- Dem Wissen liegen Informationen zugrunde.
- Diese Informationen müssen derart aufeinander bezogen sein, dass sie in sich stimmig sind. (Kohärenz)
- Neben der inneren Übereinstimmung muss sich Wissen in Übereinstimmung mit den wahrnehmbaren Bedingungen einer Umwelt befinden. Eine insbesondere in der analytischen Philosophie geläufige Definition ist: Wissen ist gerechtfertigter wahrer Glaube (auch: gerechtfertigte wahre Annahme, Meinung) Wissen steht seit der griechischen Philosophie im Gegensatz zur Meinung. Demnach impliziert Wissen Wahrheit und kann durch keine Argumentation widerlegt werden, während eine Meinung zwar wahr sein kann, aber diskutabel ist. Reale und imaginäre Objekte, Systeme und Prozesse können gegeneinander abgegrenzt und daher beschrieben und definiert werden. Wissen hingegen ist ein selbstbezüglicher Begriff für eine Gesamtheit und nicht überschaubar. Die Selbstbezüglichkeit zeigt sich in der Tatsache, dass eine Definition des Begriffs Wissen das Wissen selber verändert, weil die Definition ebenfalls Bestandteil des Wissens ist. Es kann daher nur eine Beschreibung der Wirkung von Wissen erfolgen. Während es auf den ersten Blick klar zu sein scheint, was Wissen bedeutet, ist es sehr schwer, eine allgemein gültige Definition dafür anzugeben. Für jede bekannte Definition gibt es Fälle, in denen sie offensichtlich nicht das wiedergibt, was wir unter Wissen verstehen. Dieses Problem nennt man das Gettier-Problem. Edmund Gettier zeigte dabei an Beispielen, dass die Annahme, Wissen sei gerechtfertigter wahrer Glaube, zu einem Paradoxon führt. Allein ein Blick auf die Wissenschaftsgeschichte sollte uns aber für die Aussage empfänglich machen, dass wir immer nur "glauben zu wissen". Zu oft wurden ganze Gebäude des Wissens zum Einsturz gebracht, wenn sich eine neue Hypothese als tragfähiger erwies - bis dass auch dieses vermeintlich gesicherte Wissen durch neue Erkenntnisse in Zweifel gezogen wurde. Und so wird der Zweifel zur wahren Triebfeder neuen Wissens.

Systematisch-zusammenfassender Ansatz zur Definition

Wissen ist eine vorläufig wahre Zustandsgröße und ein selbstbezüglicher Prozess. Seine Definition verändert es bereits, da diese selbst zum Bestandteil des Wissens wird. Voraussetzung für Wissen ist ein wacher und selbstreflektierender Bewusstseinszustand, der dualistisch angelegt ist. Nur dadurch ist es erst möglich aus der unmittelbaren Erfahrung Objekte von ihrer Umwelt getrennt zu betrachten und diese gegeneinander abzugrenzen. Diese Objektbeziehungen sind Informationen. Information ist ein Datenbestandteil, welcher beim Beobachter durch die beobachterabhängige Relevanz einen Unterschied hervorrief. Daten sind etwas, was wahrgenommen werden kann, aber nicht muss.

Formen des Wissens

Deklaratives Wissen

Bezeichnet in der Kognitionspsychologie das Wissen über Fakten ("Wissen was"), in Abgrenzung von handlungsorientiertem ("Wissen wie, prozedurales Wissen). Folgende Formen des deklarativen Wissens können unterschieden werden:
- Wissen über Fakten: Zu den Fakten gehören numerische Fakten wie "das Planck'sche Wirkungsquantum ist h = 6,6261 · 10-34 Js " oder Propositionen wie "Der Wolf ist ein Raubtier".
- Wissen über Konzepte und Konzepteigenschaften: Konzepte werden durch ihren Konzeptnamen, ihre Extension und ihre Intension definiert. Extension ist die Menge aller Objekte, die zu dem Konzept gehört, die Intension ist die Menge der Merkmale, die ein Objekt besitzen muss, um zum Konzept zu gehören. Man unterscheidet zwischen Individualkonzepten, die als Extension eine einelementige Menge besitzen, und Massenkonzepte wie Flüssigkeiten oder Schüttgut, die keine stückweise abzählbare Extension besitzen.
- Wissen über semantische Beziehungen: Semantische Beziehungen sind Aussagen zu zwei oder mehreren Konzepten, wie zum Beispiel
  - Teil-Von-Beziehungen: (Klinge - ist Teil vom - Schwert).
  - Ist-Ein-Beziehung (Wolf - ist ein - Raubtier).
  - Zeitliche Beziehungen (chronologische Abfolge, Simultanität).
  - Räumliche Beziehungen (Behälter - Inhalt).
  - Kausalbeziehungen (Blitz - Donner).
- Wissen über Ereignisse und Handlungen: Ein Ereignis ist eine Zustandsänderung eines Objektes zu einem bestimmten Zeitpunkt oder über ein Zeitintervall hinweg. Eine Handlung ist ein Ereignis, das von einem Aktor absichtsvoll ausgelöst wurde.
- Wissen über Regeln und einschränkende Bedingungen (Constraints): Wissen über einschränkende Bedingungen ist Wissen über die Unzulässigkeit von Zuständen oder Zustandsänderungen.
- Metawissen: Wissen über Wissen, wie z.B.
  - Wissen über die Verlässlichkeit (Reliabilität) bzw. Güte (Validität) von Fakten oder anderen Wissensarten.
  - Wissen über Wissensqualität.
- Wissen als soziale Konstruktion: Grundlegend stellt die Wissenssoziologie fest, dass Erkenntnis nicht im Individuum, sondern in einem sozialen Kontext eingebettet ist, das bedeutet Wissen ist sozial bedingt.

Narratives versus diskursives Wissen

Jean-François Lyotard unterscheidet zwei Formen von Wissen:
- diskursives Wissen – das im Diskurs ermittelte Wissen der Moderne mit expliziter Legitimation. Wissenschaftliches Wissen ist spezifisches diskursives Wissen, das dem akademischen Diskurs und seinen akademischen Regeln unterliegt;
- narratives Wissen – das traditionelle Wissen in Form von Geschichten und Erzählungen, das sich implizit selbst legitimiert.

Operatives Wissen und Orientierungswissen

(Wie nutze ich das Wissen, das ich habe? Wie finde ich meinen Weg, wo ich noch nicht genug weiß?)
- Wissen über Vorgänge und Verfahren: Ein Vorgang ist eine lang andauernde Handlung. Ein Verfahren ist eine festgelegte Anzahl von miteinander verketteten Einzelhandlungen, für die oft eine bestimmte Reihenfolge verbindlich ist. Wissen über ein Verfahren bezeichnet man auch als "know how", Gewußt Wie.
  - Wissen, wie man Wissenslücken schließen kann (zum Beispiel indem man Unbekanntes erfragt).
  - Wissen, wie man neues Wissen aus vorhandenem Wissen ableitet (Inferenzstrategien).
  - Wissen, wie man Wissen strukturiert und neues Wissen hinzufügt
- Wissen über Probleme und Problemlösungsstrategien: Bildung einer formalen Beschreibung eines Problems mit dem Ziel der Klassifikation des Problems in eine bekannte Problemklasse, zu der eine Problemlösungsstrategie bekannt ist.

Kollektive Konstruktion von Wissen

Angesichts der auf die Menschheit zukommenden Probleme (Umwälzungen im Zuge der Globalisierung) ist es notwendig geworden, alle verfügbaren menschlichen Denkressourcen zu mobilisieren (Ressourcenorientierung). Voraussetzung ist, dass die Menschen in der Lage sind, Ihre intellektuellen und emotionalen Ressourcen tatsächlich zu bündeln also intensiv und effektiv zu kommunizieren. Daher muss in Schulen und Universitäten ein viel stärkerer Akzent auf die Vermittlung von Kommunikationsfähigkeit gelegt werden. Eine Unterrichtsmethode, die ganz auf den Aufbau von Kommunikationsfähigkeit abzielt, ist Lernen durch Lehren. Das Internet bietet für die Kollektive Konstruktion von Wissen das optimale Vehikel. Einige Anhänger der Kondratjew-Theorie, z.B. Erik Händeler ("Die Geschichte der Zukunft Sozialverhalten heute und der Wohlstand von morgen. Kondratieffs Globalsicht", 2003) betrachten die neuen Kommunikationsmittel als Voraussetzung zu einem neuen Wirtschaftszyklus, dem 6. Kondratjeff. Als Modell für eine Struktur die zur effektiven Wissenskonstruktion führt, kann das Gehirn herangezogen werden (siehe auch: Kollektive Intelligenz). So können Internet-User metaphorisch als Neurone definiert werden, die in großer Zahl und großer Frequenz miteinander interagieren. Bezogen auf das Gehirn werden die "emergierenden" Ergebnisse dieser scheinbar chaotisch verlaufenden Neuronen-Interaktionen (neuronale Netze) "Gedanken" genannt. Auf das Internet übertragen können durch intensive Interaktionen zwischen Menschen/Neuronen für die Menschheit relevante Problemlösungen erarbeitet werden. Die Gehirnmetapher kann in besonderem Maße auf die kollektive Erstellung von Enzyklopädien angewandt werden. Dies trifft besonders für Enzyklopädien zu, die im Internet aufgebaut werden (z.B. die Wikipedia). Die kollektiv erstellten Artikel lassen sich dann metaphorisch als Emergenz betrachten: es können unzählige Menschen an der Produktion von Wissen beteiligt werden. Wie im Nervensystem ergeben sich in Internet-Enzyklopädien Spezialisierungen von Neuronenkonstellationen. Es werden einströmende Informationen sortiert, selegiert, verworfen oder an die nächsthöhere Instanz weitergeleitet. Es findet Komplexitätsreduktion und Veredelung statt. Einfachere Aufgaben werden von peripheren "Neuronen" erledigt, andere wiederum entwickeln Pläne und Perspektiven und übernehmen somit die Aufgabe des Frontalcortexes. Wesentlich ist dabei, dass wie im Organismus zahlreiche Prozesse erfolgen müssen (z.B. Kämpfe unter Neuronengruppen), die das vegetative Überleben des Systems sichern ohne aber auf der Bewusstheitsebene zu emergieren und die Reflexionsfähigkeit des Gesamtsystems zu beeinträchtigen. Paradigmenwechsel in der Wissensgesellschaft Im gegenwärtigen Forschungs- und Ausbildungssystem wird Wissen immer noch von Experten gehortet und an Eingeweihte über Monographien und wissenschaftliche Artikel weitergeleitet. Das auf diese Weise präsentierte Wissen wird von den Abnehmern, die sich in der Regel keine höhere Kompetenz als dem Verfasser zuschreiben, weder in Frage gestellt, noch durch eigene Beiträge angereichert. Durch die neuen Kommunikationsmittel werden - beispielsweise im Rahmen der Erstellung von Internet-Enzyklopädien -, ungleich mehr Menschen beteiligt. Dadurch werden Wissensreserven mobilisiert. Die Tatsache, dass das in der Enzyklopädie enthaltene Wissen entsakralisiert wird, weil die Autoren anonym sind und a priori keine höhere Kompetenz als andere Benutzer besitzen, leitet einen fruchtbaren Prozess der Infragestellung, Diskussion, Präzisierung und Aktualisierung ein. So wird in der neuen Wissensgesellschaft die Produktion von Wissen in einem dynamischen Prozess kontinuierlicher Präsentation, Prüfung und Speicherung demokratisiert.

Begriffsfeldabhängige Ansätze

Im Gegensatz zum umgangssprachlichen Verständnis von Wissen bemüht sich der von Helmut F. Spinner begründete Karlsruher Ansatz der integrierten Wissensforschung (KAW) um eine Systematisierung des gesamten Begriffsfeldes um "Wissen aller Arten, in jeder Menge und Güte"; Spinner initiierte daher das Wissensarten-, Wissensordnungs- und Wissensverhaltensprojekt. Er schlägt folgende Terminologie vor:
- "Wissen ist semantische Information (unabhängig von Richtigkeit und Wichtigkeit)"
- "Information ist inhaltliches Wissen"
- "Erkenntnis ist Information plus x" Im Rahmen des Wissensmanagement wird Wissen als eine Ressource betrachtet, die nicht nur von Individuen, sondern auch von anderen Systemen wie Gruppen und Organisationen erzeugt bzw. ausgehend von implizitem Wissen explizit gemacht wird.

Gettiers Problem

Gettier kritisiert den Ansatz, dass Wissen gerechtfertigter wahrer Glaube sei. Das führt zu einem Paradoxon: Gettiers Problem.

Siehe auch


- Diskursives Wissen
- Wissensrepräsentation
- Langzeitgedächtnis
- Lernen durch Lehren: Kollektive Wissenskonstruktion im Unterricht
- Intelligenz, Kollektive Intelligenz, Künstliche Intelligenz
- Know-How
- Wissenssoziologie

Literatur


- Daniel Geiger & Georg Schreyögg: Wenn alles Wissen ist, ist Wissen am Ende nichts ?!, in: DBW, 63. Jhrg., 2003.
- Jean-François Lyotard: Das postmoderne Wissen. Ein Bericht (Towards the Postmodern), Passagen-Verlag, Wien 1999.
- Matthias Vogel & Lutz Wingert (Hg.): Wissen zwischen Entdeckung und Konstruktion. Erkenntnistheoretische Kontroversen, Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 2003.
- [http://deutschesfachbuch.de/info/detail.php?isbn=3825884082 Paschen, Harm: Zur Entwicklung menschlichen Wissens Die Aufgabe der Integration heterogener Wissensbestände. März 2005]
- Jacques Maritain: Die Stufen des Wissens. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1954

Weblinks


- [http://www.phillex.de/wissen.htm Beschreibung aus dem Lexikon der Philosophie]
- [http://www.projektkompetenz.de Studenten konstruieren gemeinsam Weltwissen]
- [http://www.ldl.de/material/aufsatz/homepage.pdf Das Internet als Gehirn - Aufsatz von Jean-Pol Martin]
- [http://www.bildung2010.de/gutzuwissen/thesen/thesen_kuhlen.html Universal Access: Wem gehört das Wissen?] Artikel von Rainer Kuhlen
- [http://web.uni-frankfurt.de/SFB435/ Sonderforschungsbereich/Forschungskolleg "Wissenskultur und gesellschaftlicher Wandel"] der Johann-Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main !

Institution

Institution (lat. institutio – Einrichtung) ist in der Soziologie eine mit Handlungs-Rechten, Handlungs-Pflichten oder normativer Geltung belegte soziale Wirklichkeit, durch die Gruppen und Gemeinschaften nach innen und nach außen hin verbindlich (geltend) wirken oder handeln. Umgangssprachlich wird unter einer Institution auch eine Organisation (s. dort) verstanden.

Begriffsgeschichte

Die Betrachtung politischer Institutionen geht mindestens auf Jean-Jacques Rousseau zurück. Die frühen politischen Theorien sahen politische Institutionen jedoch lediglich als Arenen in denen politische Handlungen statt finden, die jedoch von fundamentaleren Kräften bestimmt wurden. In der vergleichenden Regierungslehre befasste man sich mit der institutionellen Grundlage der verfassungsmäßigen Ordnung, insbesondere der westlichen Welt. Es ging also um formalen Institutionen. Seit Mitte der 1970er Jahren begann sich ein neuer Institutionalismus zu entwickeln. Hierbei handelte es sich um eine Gegenbewegung zu herkömmlichen behaviouristischen Theorieansätzen und zu rational choice Ansätzen, die weitgehend als institutionenblind anzusehen sind. Im Neo-Institutionalismus werden, in Abgrenzung zum klassischen Institutionalismus, neben den formalen Institutionen auch nicht-formale betrachtet. Wie weit im einzelnen der Begriff Institution zu fassen ist, bleibt strittig. Wirtschaftswissenschaftlich inspirierte Wissenschaftler definieren den Begriff enger, als soziologisch inspirierte Wissenschaftler, die auch kognitive Regeln des menschlichen Handelns als Institution begreifen. Als kleinster gemeinsamer Nenner kann gelten, dass eine Institution ein Regelsystem ist, dass eine bestimmte soziale Ordnung hervorruft.

Abgrenzung zum Organisationsbegriff

Der Begriff wird in der Volkswirtschaftslehre für die Erklärung der Bildung von Unternehmen und Unternehmensgrenzen verwendet – oft aus Unzufriedenheit mit dem dort (und in der Betriebswirtschaftslehre) vielfach entfalteten Organisationsbegriff. Der Brockhaus definiert die Institution als eine "gesellschaftliche, staatliche oder kirchliche Einrichtung, in der bestimmte Aufgaben, meist in gesetzlich geregelter Form, wahrgenommen werden." (Brockhaus Enzyklopädie Bd. 10 1989, S. 544) Die jüngere Soziologie vermied es gern, komplexe Sachverhalte wie Familie oder Bundestag als "Institution" zu bezeichnen, da sie sowohl Aspekte der Institution als auch der Organisation umfassen und organisationssoziologisch weniger Grundlagenprobleme aufzuwerfen scheinen. (Die Institution der Ehe ist derart genommen eine Organisation, deren Mitglieder die jeweilige Ehefrau und der jeweilige Ehemann sind.) Jedoch hat z.B. 2003 Michael Wildt den "Institutions"-Begriff wieder fruchtbar aufgenommen, um das Reichssicherheitshauptamt in der Zeit des Nationalsozialismus zu erklären.

Beispiele

Beispiele für Institutionen sind jegliche Regeln und Normen, Verfassung, Kartellrecht, Strafrecht, Verträge (allgemein), StVO, DIN-/ISO Norm, Unternehmensleitsätze, Landessprache, Benimmregeln, Sitten und Bräuche. Auf die oft mit parallelen sozialen Prozessen befasste soziologische Debatte zum Ritual ist zu verweisen.

Ziele

Institutionen leiten das Handeln von Menschen, beschränken die Willkür (den Kürwillen) des individuellen Handelns, definieren den gemeinsamen Handlungsrahmen und mit ihm verbundene Verpflichtungen. Zu diesem Regelsatz bilden sich zugehörige Legitimierungsstrategien und Sanktionsmechanismen heraus. Damit üben Institutionen eine entlastende Funktion aus, indem sie eine kollektiv organisierte Bedürfnisbefriedigung sicherstellen und den einzelnen von elementaren Vollzügen freisetzen. Andererseits schützen sie die Gesellschaft vor individuell willkürlichen und chaotisch gegeneinander laufenden Handlungen und überführen sie in gesellschaftlich wohlgeordnete Abläufe. Nach dem philosophischen Anthropologen Gehlen ersetzen Institutionen dem Menschen, was dem Tier als Instinkt verfügbar ist; Dieter Claessens hat dies biosoziologisch kritisiert und differenziert (Konzept der „Instinktstümpfe“). Sie sind nach Gehlen notwendigerweise undurchschaubar und entfremdet, bieten aber damit die Möglichkeit für eine "höhere" Freiheit des Handelns. Institutionen regeln für das Individuum und die Gesellschaft elementare Bereiche wie: Reproduktion, (Familie, Verwandtschaft), Erziehung, Bildung und Ausbildung, Nahrungsbeschaffung, Warenproduktion und Verteilung (Wirtschaft) und die Aufrechterhaltung einer gesellschaftlichen Ordnung (Recht, Politik), sowie der Kultur (siehe Bernhard Schäfers 1995 S. 134-137). Sie sind "bewährte Problemlösungen" für den Alltag - welche man sich auch als Komplex von Handlungs- und Beziehungsmustern vorstellen kann. Institutionen können ihr Abbild in Organisationen finden, sind aber davon deutlich zu unterscheiden. Während Institutionen handlungsleitende Regeln zur Verfügung stellen, definieren Organisationen formell Ziele, Mitgliedschaft und Organisationsabläufe. Wichtig ist hierbei, dass Institutionen beachtet sein müssen, um ihre Wirkung zu entfalten.

Hierarchie

Insitutionen werden häufig in eine hierarchische Ordnung nach dem Grad der Einschränkung von Gestaltungsfreiräumen gebracht. Je weiter unten die Ebene, desto spezifischer ist die zugehörige Institution. Die erste Ebene stellt hierbei die soziale Verankerung dar. In dieser Ebene sind insbesondere informelle Institutionen wie Tradition, Weltanschauung und Kultur von Bedeutung. Die Institutionen dieser Ebene entwickeln sich nur sehr langsam über eine evolutionäre Veränderung. Die theoretische Basis wird durch die Soziologie gegeben. Die zweite Ebene wird durch grundsätzliche formelle Spielregeln dargestellt, etwa eine Verfassung und Regeln des Rechts. Die theoretische Basis wird durch die Theorie der Verfügungsrechte gegeben. Die dritte Ebene ist das Steuerungs- und Anreizsystem. Grundlage sind private Verträge. Die theoretische Basis wird durch die Transaktionskostenökonomik gegeben. Die vierte Ebene betrifft schließlich die Ressourcenallokation. Die theoretische Basis wird durch die Prinzipal-Agent-Theorie gegeben.

Risiken und Chancen durch Institutionen

Totale Institutionen wie Gefängnisse, Psychiatrische Anstalten, Schiffsbesatzungen, Klöster oder Internate kontrollieren alle Lebensäußerungen ihrer Mitglieder, können also den Freiraum des Individuums überaus stark einschränken und soziale Entwicklungen verhindern. Sie weisen folgende Merkmale auf (nach Goffman): #Totale Institutionen sind allumfassend. Das Leben aller Mitglieder findet nur an dieser einzigen Stelle statt und sie sind einer einzigen zentralen Autorität unterworfen. #Die Mitglieder der Institution führen ihre alltägliche Arbeit in unmittelbarer (formeller) Gesellschaft und [informaler] Gemeinschaft ihrer Schicksalsgefährten aus. #Alle Tätigkeiten und sonstigen Lebensäußerungen sind exakt geplant und ihre Abfolge wird durch explizite Regeln und durch einen Stab von Funktionären vorgeschrieben. #Die verschiedenen Tätigkeiten und Lebensäußerungen sind in einem einzigen rationalen Plan vereinigt, der dazu dient, die offiziellen Ziele der Institution zu erreichen. Auf der anderen Seite bergen Prozesse der Deinstitutionalisierung, z. B. in gesellschaftlichen Wandlungsphasen, Risiken des Rückfalls in riskantes, rücksichtsloses und nur auf Durchsetzung der Eigenwünsche bedachtes Verhalten. Siehe auch: Institutionsvertrauen

Wirkungsmechanismus

Institutionen entfalten ihre Wirkung über Anreize, hierbei insbesondere inhaltliche Vorgaben und Sanktionen. Auf diese Weise lassen sich Erwartungen, Entscheidungen und Handlungen der Individuen beeinflussen. Letztlich hat dies Einfluss auf kollektive, also etwa gesamtwirtschaftliche, Ergebnisse.

Literatur


- Hartmut Esser, Soziologie. Spezielle Grundlagen'#. Band 5: Institutionen. Frankfurt a. M./New York: Campus 2000
- Arnold Gehlen,
Der Mensch, Wiesbaden: UTB 1995
- Arnold Gehlen,
Über die Geburt der Freiheit aus der Entfremdung, Gesamtausgabe Bd. 4, Frankfurt a. M. 1983
- Erving Goffman,
Asyle, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1972 (zu Totalen Institutionen)
- Bernhard Schäfers (Hrsg.), Grundbegriffe der Soziologie. Opladen: Leske + Budrich, 4.Auflage 1995
- o.V.: Brockhaus Enzyklopädie Bd. 10, 1989, S. 544

Siehe auch

Ritual, Organisation, Sitte, Brauch Kategorie:Soziologie Kategorie:Körperschaft Kategorie:Volkswirtschaftslehre ja:制度 ko:기관 (조직)


Lehrer

Lehrer (im pl. auch Lehrkörper) sind Personen, deren Aufgabe es ist, andere dabei zu unterstützen, sich Fähigkeiten, Kenntnisse und Bildung anzueignen. Besonders bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen kommt zu diesem Lehrauftrag i.d.R. noch ein Erziehungsauftrag (Pädagogik). Dieser hat zum Ziel, den Schülern bei der Entwicklung einer selbständigen, verantwortungsvollen und starken Persönlichkeit zu helfen . Lehrer arbeiten als Beamte, Angestellte oder freie Mitarbeiter an öffentlichen oder privaten Schulen oder selbstständig als Privatlehrer. Im öffentlichen Schulwesen arbeiten Lehrer an allgemein bildenden und berufsbildenden Schulen; Hochschullehrer führen in der Regel den Titel Privatdozent oder Professor. Daneben gibt es unzählige Arten spezialisierter Lehrtätigkeit: Fahrlehrer unterrichten an Fahrschulen, Geigenlehrer unterrichten an Musikschulen und so weiter. Im Sport sind die Begriffe Lehrer und Trainer nicht immer klar voneinander abgegrenzt. Die Lehrer, die für ihre Tätigkeit ein abgeschlossenes wissenschaftliches Studium an einer Universität vorweisen müssen, schließen dieses i.d.R. mit einer staatlichen Prüfung, dem sogenannten 1. Staatsexamen ab. An diese Hochschulausbildung schließt sich, wie bei Juristen ein Vorbereitungsdienst an, welcher mit einem 2. Staatsexamen abgeschlossen wird. Das Staatsexamen ist kein akademischer Grad. Die Länder können aber Berufsbezeichnungen festlegen (z.B. Baden-Württemberg: nach dem 1. Staatsexamen: Referendar des Lehramtes, nach dem 2. Staatsexamen: Assessor des Lehramtes).

Lehrer an allgemein bildenden Schulen


- Grundschullehrer
- Hauptschullehrer
- Realschullehrer
- Gymnasiallehrer (z.B. Studienrat)
- Gesamtschullehrer
- Sonderschullehrer

Lehrer an berufsbildenden Schulen


- Berufsschullehrer
- Lehrer für Fachpraxis
- Lehrer der Textverarbeitung

Bekanntgewordene Lehrer


- Konrad Duden, deutscher Sprachwissenschaftler
- Hans Eichel, deutscher Politiker SPD
- Friedrich Denk, Schriftsteller, prominenter Kritiker der Rechtschreibreform
- Thomas Gottschalk, Fernsehmoderator
- Lyndon B. Johnson, ehem. amerikanischer Präsident
- Reinhold Messner, Bergsteiger
- Jürgen Möllemann, Politiker FDP (verstorben)
- Joanne K. Rowling, britische Schriftstellerin
- Ulla Schmidt, deutsche Politikerin SPD
- Sting, britischer Popmusiker
- Jürgen von der Lippe, Fernsehmoderator
- Otto Waalkes, Unterhalter
- Heidemarie Wieczorek-Zeul, deutsche Politikerin SPD
- Nina Ruge, deutsche ZDF-Moderatorin ("Leute heute")
- Elmar Hörig, Rundfunk (ehemals SWF3) - und Fernsehmoderator
- Nick Hornby,englischer Schriftsteller
- Jean-Paul Sartre, französischer Philosoph
- Benito Mussolini, italienischer Diktator
- Ernst Jandl, österreichischer Dichter
- Simone de Beauvoir, französische Schriftstellerin
- Walter Kempowski, deutscher Schriftsteller

Sonstige Lehrer

Instruktoren bzw. Ausbilder lehren außerschulisch, z.B. Fahrlehrer und Segellehrer.

Siehe auch:


- Pädagoge
- Lehrerausbildung
- Lehrerbildung

Weblinks


- [http://www.bruehlmeier.info/lehrer.htm Der Lehrer im Spannungsfeld zwischen freiem und verpflichtetem Handeln, Referat des Schweizer Pädagogen Arthur Brühlmeier]
- [http://www.schule-und-bildung.de/ Linksammlung für Lehrer]
- [http://www.lehrer.biz/ Jobbörse / Stellenbörse für Lehrer]
- http://www.bllv.de Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV)
- http://www.vbe.de Verband Bildung und Erziehung (VBE) Kategorie:Dienstleistungsberuf Kategorie:Pädagogik Kategorie:Schulwesen ja:教員 simple:Teaching

Wissenschaftler

Wissenschaftliche Wissensbildung besteht im Kern darin, auf methodisch kontrollierte Weise "Wissen zu schaffen", das von jedem hinreichend Sachkundigem in prinzipiell allen Einzelheiten nachvollziehbar und überprüfbar ist. Sie zielt somit über gewöhnliches Alltagswissen hinaus, das auf mehr oder weniger begrenzter persönlicher Erfahrung und Intuition basiert und deswegen auf Meinungen und Überzeugungen beruht, die in ihrer Gültigkeit subjektiv beschränkt sind.

Gültigkeit

Für Kenntnisse und Erkenntnisse, die auf methodisch kontrollierte Weise erarbeitet wurden und deswegen als wissenschaftlich ausgezeichnet werden können, wird allgemeine Gültigkeit beansprucht und weithin auch akzeptiert, insbesondere dann, wenn sie aus ihrer sprachlichen Formulierung in traditionell Theorien genannten Gesamtdarstellungen logisch Handlungsanweisungen ableitbar sind, deren praktische Anwendung oder Umsetzung "in die Tat" regelmäßig zu Ergebnissen führt, die ebenfalls aus diesem Wissen logisch ableitbar sind und deswegen "vorausgesagt" oder prognostiziert werden können. Aufgrund ihrer allgemeinen Bedeutung und vor allem wegen ihrer praktischen Relevanz ist Wissenschaft mittlerweile zu einem nahezu alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens erfassenden, organisierten und vielfach vernetzten "wissenschaftlich-industriellen Komplex" geworden. Der heutige Wissenschaftsbetrieb gilt
- dem Erwerb von Wissen durch Forschung mit Methoden, die normativ als wissenschaftlich ausgezeichnet und allgemein als solche akzeptiert sind,
- der durchgehenden und damit nachvollziehbaren Dokumentation dieses Wissens in wissenschaftlichen Arbeiten aller Art bis hin zu ganzen Wissensgebieten in Handbüchern und Enzyklopädien sowie
- der organisierten und systematischen Weitergabe dieses Wissens in Form geeigneter Unterrichtung und Lehrbücher.

Definition des Bundesverfassungsgerichtes

Im Hochschulurteil des Bundesverfassungsgerichtes der Bundesrepublik Deutschland zur Freiheit der Wissenschaft (Artikel 5 Abs. 3 des Grundgesetzes) wird der Begriff Wissenschaft wie folgt charakterisiert: Der gemeinsame Oberbegriff "Wissenschaft" bringt den engen Bezug von Forschung und Lehre zum Ausdruck. Forschung als "die geistige Tätigkeit mit dem Ziele, in methodischer, systematischer und nachprüfbarer Weise neue Erkenntnisse zu gewinnen" (Bundesbericht Forschung III BTDrucks. V/4335 S. 4) bewirkt angesichts immer neuer Fragestellungen den Fortschritt der Wissenschaft; zugleich ist sie die notwendige Voraussetzung, um den Charakter der Lehre als der wissenschaftlich fundierten Übermittlung der durch die Forschung gewonnenen Erkenntnisse zu gewährleisten. Andererseits befruchtet das in der Lehre stattfindende wissenschaftliche Gespräch wiederum die Forschungsarbeit. Gemäß Bundesverfassungsgericht ist folglich als wissenschaftlich anzusehen und damit geschützt: [...] jede wissenschaftliche Tätigkeit, d. h. auf alles, was nach Inhalt und Form als ernsthafter planmäßiger Versuch zur Ermittlung der Wahrheit anzusehen ist. Dies folgt unmittelbar aus der prinzipiellen Unabgeschlossenheit jeglicher wissenschaftlichen Erkenntnis. (BVerfGE 35, 79 - Hochschul-Urteil) [http://www.oefre.unibe.ch/law/dfr/bv035079.html] Hinweis: In diese Definition fallen nicht Arbeiten von Journalisten oder Kriminologen.

Wissenschaftliches Arbeiten in der Gesellschaft

Wissenschaftliches Arbeiten dient der Vermittlung von Kulturgut, das sich über Jahrtausende entwickelt hat, der Grundlagenforschung, der Weiterentwicklung bestehender Ergebnisse, der Gewinnung neuer Erkenntnisse und auch der Suche nach neuen Technologien. Inhalte, Methoden und Ziele der Wissenschaft werden stets auch von außerwissenschaftlichen Faktoren beeinflusst. Die Kommunikation der Wissenschaftler untereinander und mit der Gesellschaft gewährt Inspiration und Kritik, bis hin zum Vorwurf, dass berufsmäßige Wissenschaftler für ihren Lebensunterhalt auf Finanzen der Gesellschaft, der Wirtschaft oder spezieller Gruppierungen angewiesen sind. Für die interdisziplinäre Forschung wurden in den letzten Jahrzehnten eine Reihe von (Forschungs-)Instituten geschaffen, in denen industrielle und universitäre Forschung zusammenwirken. Zum Teil verfügen Unternehmen aber auch über eigene Forschungseinrichtungen, in denen Grundlagenforschung betrieben wird. Die Arbeit der Wissenschaft ist essentielle Voraussetzung für produktive Forschung, kann aber auch in gemeinsamem Irrtum bestärken; nicht zuletzt deshalb werden wichtige Ergebnisse zuweilen von wissenschaftlichen Außenseitern erzielt. Gemeinsame Begeisterung für aktuelle Themen kann sogar die Form einer wissenschaftlichen Mode annehmen. Die Weitergabe wissenschaftlicher Erkenntnisse kann propädeutisch erfolgen.

Wissenschaftliche Einrichtungen

Ein großer Teil wissenschaftlicher Arbeit findet traditionell an Universitäten statt. Doch auch Akademien, privat finanzierte Forschungsinstitute und die Industrie finanzieren die Tätigkeit vieler Wissenschafter. Mit staatlicher Förderung stellen auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) oder anderer Träger den Max-Planck-Instituten, der ESA, dem CERN und anderen Groß-Forschungsprojekten die notwendigen Ressourcen zur Verfügung. In Österreich entsprechen der DFG die Forschungsfonds FWF und FFF in der Schweiz und Frankreich die Nationalen Forschungsfonds. Andere Fonds werden z.B. von Großindustrien oder dem Europäischen Patentamt dotiert. Der für Wissenschafter so zentrale Austausch mit anderen Forschern erfolgt durch Wissenschaftliche Veröffentlichungen und bei Fachkonferenzen, bei Kongressen der internationalen Dachverbände und scientific Unions (z.B. IUGG, COSPAR, IUPsyS, ISWA, SSRN) oder der UNO-Organisation. Auch Einladungen zu Seminaren, Institutsbesuchen, Arbeitsgruppen oder Gastprofessuren spielen eine Rolle. Von großer Bedeutung sind auch Auslandaufenthalte und internationale Forschungsprojekte.

Wissenschaftliche Methode

Wissenschaft ist eine Methode zum Wissenserwerb. Ziel der wissenschaftlichen Methode ist es, ausgehend von einer oder mehreren Hypothesen eine tragfähige Theorie zu entwickeln.

Kriterien für wissenschaftliches Arbeiten

Wissenschaftliche Arbeit muss besondere Kriterien erfüllen: #Wissenschaft ist nicht dogmatisch. Wissenschaft unterscheidet sich von Religion, indem sie keinen Anspruch auf die absolute Wahrheit erhebt. Wissenschaftliche Erkenntnisse sind falsifizierbar, d.h. sie können überprüft werden und sich als falsch herausstellen. Die Zuverlässigkeit religiöser Aussagen lässt sich hingegen nicht überprüfen. #Wissenschaftliche Ergebnisse werden ausführlich dokumentiert. Dafür gibt es Standards, die die Nachvollziehbarkeit aller Teilschritte der Schlussfolgerungen sicherstellen sollen. Wichtig ist dabei auch eine ausführliche Dokumentation verwendeter Quellen und die Berücksichtigung des aktuellen Standes der Forschung auf einem Gebiet. Dadurch werden Forschungsergebnisse vergleichbar und ein inhaltlicher Fortschritt in einem Fachgebiet erst möglich. Forschungsarbeiten beziehen sich aufeinander. Sie stützen, widerlegen oder verfeinern vorhandene Theorien. #Ein wichtiges Prinzip jeder ernsthaften Wissenschaft ist die Skepsis im Sinne einer kritischen Haltung gegenüber eigenen wie fremden Ergebnissen und Thesen. Wissenschaftliches Wissen unterscheidet sich von doktrinärem Wissen dadurch, dass beim doktrinären Wissen offene oder subtile Machtmittel zur Durchsetzung von Behauptungen benutzt werden und Hinterfragung durch einzelne unerwünscht ist, während wissenschaftliches Wissen zumindest prinzipiell von jedem durch den Gebrauch des eigenen Verstandes und eigener Erfahrung eigenständig überprüft werden kann. Auf die gleiche Weise kann wissenschaftliches Wissen auch von Offenbarungswissen abgegrenzt werden. Offenbarungswissen, welches etwa durch innere Erkenntnis einzelner zustandekommt, kann durch andere nicht eigenständig überprüft werden und ist somit nicht wissenschaftlich.

Prozess der wissenschaftlichen Erkenntnis

Wissenschaftliche Erkenntnis wird idealtypisch in folgenden Schritten gewonnen (in manchen Wissenschaften ist nur ein Teil der aufgezählten Schritte durchführbar und oft werden Erkenntnisse auch ganz anders gewonnen, einschließlich der Hilfe des Zufalls): Diese Darstellung gilt dabei nur für diejenigen Wissenschaftszweige, die analytisch arbeiten. Für die historisch-hermeneutischen Wissenschaften gelten andere Prinzipien der Gewinnung von Wissen.

Anforderungen an eine wissenschaftliche Theorie


- Zirkelfreiheit, d.h. der Verzicht auf Aussagen, die sich (teilw.) auf sich selbst als Voraussetzung beziehen.
- innere Konsistenz (Widerspruchsfreiheit)
- äußere Konsistenz - Widerspruchsfreiheit in Bezug auf andere anerkannte Theorien
- Erklärungswert - bislang ungeklärte Sachverhalte können durch die Theorie erklärt werden
- Empirische Überprüfbarkeit
- sparsame Erklärung
- Falsifizierbarkeit: Eine Theorie muss so formuliert werden, dass sie Voraussagen trifft, die prinzipiell durch ein Experiment widerlegt werden könnten. Nicht falsifizierbare, also experimentell nicht widerlegbare Theorien gelten nach diesem Kriterium als unwissenschaftlich.

Kriterien eines wissenschaftlichen Experiments


- Objektivität (Intersubjektive Überprüfbarkeit): Ein Experiment ist objektiv, wenn verschiedene Forscher unter den selben Bedingungen die selben (End-)Ergebnisse erzielen.
- Reliabilität (Zuverlässigkeit): Ein Experiment ist reliabel, wenn es bei wiederholter Anwendung unter gleichen Bedingungen gleiche Ergebnisse liefert, die Ergebnisse also reproduzierbar sind.
- Validität (Gültigkeit): Ein Experiment ist valide, wenn die Versuchsanordnung tatsächlich das misst, was sie zu messen vorgibt. Hierzu muss sichergestellt sein, dass andere, nicht beobachtete Eigenschaften keinen Einfluss auf das Ergebnis haben. Allerdings erfordert dies sehr weit reichende Standardisierung der Versuchsbedingungen. Dies wiederum kann die Gültigkeit negativ beeinflussen. Wenn beispielsweise in streng kontrollierten Tierversuch Verhaltensauffälligkeiten durch Behandlung A erfasst werden sollen, kann es sein, dass sich die Verhaltensauffälligkeit nicht durch die Behandlung, sondern durch die Umstände (kleiner, langweiliger Käfig etc.) hervorgerufen werden.
- Standardisierung und Vergleichbarkeit: Ergebnisse eines Experiments sind nur dann vergleichbar, wenn sie bestimmten, vorher festgelegten Standards genügen. Um die Wiederholbarkeit und Überprüfung eines Versuchs zu gewährleisten, gehörte es somit zu den wissenschaftlichen Tugenden, die Versuchsanordnung so einfach wie möglich zu halten.

Wissenschaftstheorie

Als Begründer der modernen wissenschaftlichen Methode gilt Francis Bacon. Im 20. Jahrhundert hat sich unter Anderen Karl Popper als Begründer des kritischen Rationalismus in der Wissenschaftstheorie einen Namen gemacht; das Kriterium der Falsifizierbarkeit, ursprünglich von Popper formuliert, hat sich als Qualitätsmerkmal seriöser Wissenschaft weitgehend durchgesetzt, es dient der Unterscheidung von Wissenschaft und Pseudowissenschaft bzw. Glaubenslehren. Insbesondere die Kritik T.S. Kuhns an der von Popper dargelegten Wissenschaftsentwicklung führte allerdings zu diversen Weiterentwicklungen des Falsifikationsbegriffes in der neueren wissenschaftheoretischen Entwicklung. Zu nennen wären hier etwa die von Imre Lakatos entwickelte Sichtweise der Wissenschaft als das Verfolgen komplexer Forschungsprogramme oder der - neben anderen - von Joseph D. Sneed entwickelte wissenschaftstheoretische Strukturalismus. Philosophisch steht dahinter ursprünglich der kritische Rationalismus, der eine Theorie nur dann als wissenschaftlich anerkennt, wenn sie falsifizierbar (das heißt prinzipiell widerlegbar, siehe oben) ist. Abgesehen davon, dass komplexe Theorien im allgemeinen nicht verifizierbar sind, würde Verifizierbarkeit allein - ohne gleichzeitge Falsifizierbarkeit - nicht ausreichen, um eine Theorie als wissenschaftlich einzustufen. Erst die Falsifizierbarkeit garantiert, dass eine Theorie Einschränkungen über mögliche Beobachtungsdaten macht, und damit überhaupt eigentliche Information über die uns empirisch zugängliche Welt enthält. Der kritische Rationalismus wurde und wird von seinen Gegnern zuweilen auch als "Falsifikationismus" bezeichnet und wird insbesondere unter dieser Bezeichnung im Gegensatz zu anderen philosophischen Denkrichtungen gesehen (siehe unten). Es waren die bereits oben erwähnten Wissenschaftstheoretiker Thomas Kuhn sowie Paul Feyerabend, die mit wissenschaftshistorischen und wissenschaftssoziologischen Untersuchungen aufzuzeigen suchten, dass wissenschaftliche Forschung in der Praxis anders ablaufe als der Kritische Rationalismus von Popper es behauptet, oder - wie die Verteidiger Poppers entgegnen - seine Gegner es ihm unterstellen. Wissenschaftler trachten demnach in den gewöhnlichen Phasen ihrer Forschung kaum danach die Grundannahmen ihrer Theorien zu hinterfragen, sondern bewegen sich im Rahmen eines unhinterfragten Paradigmas bzw. Forschungsprogramms, das ihnen Wege zur Lösung jener Rätsel aufzeigt, welche das Paradigma aufwirft. Das Paradigma bzw. Forschungsprogramm steht im Zuge dieser gewöhnlichen Phase der Forschung nicht zur Disposition, besteht also aus Vorannahmen, deren Falsifizierbarkeit meist gar nicht möglich sei. Gemäß Imre Lakatos sei dies auch nicht nötig, da ihre Hauptfunktion mehr darin bestehe die "Struktur" einer Theorie zu bestimmen und es nur nötig sei, diese Vorannahmen durch falsifizierbaren Zusatzannahmen zu einer kompletten, falsifizierbaren Theorie erweitern zu können. Kuhns Struktur wissenschaftlicher Revolutionen, Lakatos Methodologie wissenschaftlicher Forschungsprogramme und Feyerabend anarchistische Erkenntnistheorie sind zudem Wegbereiter der modernen Wissenschaftsforschung (Karin Knorr-Cetina, Bruno Latour), die bestrebt ist, das reale Forschungsverhalten der Wissenschaftler im Labor und im Feld zu untersuchen. Die dabei zu Tage geförderten Daten widersprächen sehr stark den klassisch-wissenschaftstheoretischen Annahmen Poppers oder des Wiener Kreises über das Wesen wissenschaftlicher Forschung. Der Konstruktivismus geht in seiner Ablehnung noch weiter und lehnt die These des Falsifikationismus ab, dass laufende Veränderung von falsifizierten Thesen eine asymptotische Annäherung an die Wirklichkeit brächten. Der Relativismus sieht wissenschaftliche Paradigmen sogar als Sache des Glaubens an, die jeweils nur innerhalb einer bestimmten Wissenschafts-Kultur als wahr oder falsch gelten könnten. Darüber hinaus hat sich - ausgehend von den USA - in den letzten beiden Jahrzehnten eine sich dezidiert parteiisch gebende Forschung etabliert, bei der einer Wissenschaft nicht nur eine beobachtende und beschreibende, sondern auch eine politisch verändernde Funktion zugewiesen wird. Dazu gehören z.B. als pointiert feministisch ausgewiesene Forschungsbereiche. Der klassische, der weltanschaulichen Neutralität verpflichtete Wissenschaftsbegriff wird hier abgelehnt und als androzentrisch diskreditiert: Es wird dargestellt, inwieweit jede Wissenschaft von Menschen und ihren Werten&Zielen geprägt wird.

Ethik wissenschaftlichen Handelns

siehe Hauptartikel Wissenschaftsethik

Kritik und Konflikte

"Elfenbeinturm"

Eine Form der Wissenschaftskritik richtet sich gegen den Rückzug der Wissenschaft in ihren sprichwörtlichen Elfenbeinturm. Die Kritiker nehmen die Wissenschaft als schwer nachzuvollziehendes Gedankengebäude wahr, das nur noch Eingeweihten verständlich ist. Bei den Naturwissenschaften verstellt Mathematik den Zugang, bei den Geisteswissenschaften eine unverständliche Fachsprache. Obwohl sich viele Menschen für wissenschaftliche Fragestellungen und populärwissenschaftlich aufgearbeitete Ergebnisse interessieren, wird die eigentliche wissenschaftliche Arbeit als unverständlich wahrgenommen. Die Kritiker erleben Wissenschaftler entweder als Rationalisten, die ohne Bezug zur sinnlichen Erfahrung (Empirie) komplizierte Modelle entwickeln, als übertrieben skeptische Wissenschaftsgläubige, als Bürokraten eines unüberschaubaren akademischen Apparats oder als Diener der Wirtschaft oder des Staates.

Wissenschaftsgläubigkeit und Betrug

Eine andere Form der Kritik richtet sich gegen die Verwendung von Wissenschaft als "Ersatzreligion" (Szientismus), ein Kennzeichen ist der Glaube an Naturgesetze. Wissenschaftliche Theorien, die nach dem modernen Wissenschaftsbegriff falsizierbar (widerlegbar) sind, würden als unanfechtbare Gewissheiten angesehen. Es wird kritisiert, manche Wissenschaftler sähen die Welt ausschließlich durch die Brille ihrer bevorzugten wissenschaftlichen Theorien. Beobachtungen, die mit ihnen nicht vereinbar schienen, würden ausgeblendet; im Extremfall führe das zur Fälschung von Experimenten, um eigene Theorien zu schützen. In der gemäßigten Form erkläre diese Neigung, am eigenen Weltbild festzuhalten, manche Verzögerung, mit der sich neue Paradigmen in der Wissenschaft durchsetzen könnten. Auch wird kritisiert, Wissenschaftsgläubige würden den Aufwand eigener sorgfältiger wissenschaftlicher Arbeit scheuen und sich an Autoritäten orientieren.

Wissenschaft und Religion

Heftige Kritik an der Gültigkeit wissenschaftlicher Theorien entzündete sich in manchen Zeitepochen an Widersprüchen zu religiösen Überlieferungen und Dogmen. In den Naturwissenschaften ist das wohl facettenreichste Beispiel die Kreationismus-Debatte um eine Vereinbarkeit von biblischer Schöpfungsgeschichte mit Theorien der Kosmologie oder der Evolutionsbiologie. Ein älteres Beispiel ist der Umgang der katholischen Kirche mit Galileo Galileis öffentlichem Abrücken vom geozentrischen Weltbild. In den Geisteswissenschaften stoßen manche historisch-kritische Analysen von Bibel und anderen heiligen Büchern auf Kritik. Insbesondere, wenn die aufgrund neuerer Quellenlage oder früherer Übertragungsfehler überarbeiteten Glaubenstexte im Widerspruch zur dogmatisch akzeptierten Version des Glaubenstextes stehen. Da für den Gläubigen das Dogma per definitionem wahr ist, wird mancher einseitige Kritiker die wissenschaftliche Theorie abtun und den dogmatischen Lehrsatz unreflektiert aufrechterhalten. Im Fundamentalismus (z.B. des Islam) haben wörtliche Auslegungen heiliger Texte eine hohe Priorität.
Eine differenziertere Form der Kritik akzeptiert die wissenschaftliche Methode weitgehend und übernimmt ihre Fachbegriffe. Bisweilen werden im philosophisch-religiösen Bereich Ausnahmen von wissenschaftlichen Kernprinzipien wie Reproduzierbarkeit oder Falsifizierbarkeit eingefordert oder Kernbegriffe anders definiert. Meistens lösen sich aber Widersprüche zwischen naturwissenschaftlich und religiös begründeten Aussagen dadurch, dass sie verschiedene Ebenen betreffen. So thematisiert die Schöpfungsgeschichte der Bibel das Verhältnis zwischen Gott, Welt und Mensch, aber nicht die Wissenschaft von der sichtbaren Natur (siehe auch biblische Exegese und Hermeneutik).

Einteilung der Wissenschaften

Eine allgemeingültige Einteilung der Wissenschaften existiert nicht; die Einteilung der Wissenschaften hängt von vielen Vorentscheidungen ab und hat häufig auch willkürliche Aspekte. Es existieren deshalb verschiedene Systematiken (siehe zum Beispiel die Dewey Decimal Classification). Frühere Autoren sprachen von einem Baum der Wissenschaft sowie der Unterteilung in Einzelwissenschaften und Universalwissenschaft. Viele Disziplinen stellen eine Mischung verschiedener Fachgebiete dar und entziehen sich deshalb einer eindeutigen Zuordnung. Als Beispiel sei hier die Wirtschaftsinformatik genannt, die neben einem Kern eigener Inhalte unter anderem auch Teile aus Informatik, Mathematik, Wirtschaftswissenschaften und Kommunikationswissenschaften enthält.

Auflistung

Wissenschaftstheorie


- Erkenntnistheorie
- Methodologie
- Wissenschaftsforschung

Philosophie

Philosophie. Ausschnitt aus „Die Schule von Athen“ von Raffael]]
- Logik
- Erkenntnistheorie bzw. Epistemologie
- Sprachphilosophie
- Naturphilosophie
- Medienphilosophie
- Philosophische Hermeneutik
- Ethik bzw. Moralphilosophie
- Philosophische Anthropologie
- Religionsphilosophie
- Metaphysik
- Ontologie
- Natürliche Theologie, d.h. Philosophische Gotteslehre

Strukturwissenschaften

Strukturwissenschaften Strukturwissenschaften
- Logik
- Mathematik
  - Algebra
    - Lineare Algebra
  - Analysis
    - Funktionalanalysis
    - Funktionentheorie
  - Arithmetik
  - Geometrie
    - Differentialgeometrie
  - Mengenlehre
  - Stochastik
    - Kombinatorik
    - Statistik
    - Wahrscheinlichkeitstheorie
  - Topologie
  - Technische Mathematik
- Informatik
  - Programmierung
  - Künstliche Intelligenz
  - Technische Informatik
  - Theoretische Informatik
    - Automatentheorie
    - Berechenbarkeitstheorie
    - Komplexitätstheorie
- Informationswissenschaft
- Linguistik
  - Computerlinguistik
  - Semiotik
- Systemtheorie

Naturwissenschaften

Naturwissenschaften]] Naturwissenschaftenen umkreisen einen Kern aus zwei Protonen und zwei Neutronen]] Neutron] Neutron Neutron
- Physik
  - Experimentalphysik
  - Aero- und Hydrodynamik
  - Elektrodynamik
  - Festkörperphysik
  - Kinematik
  - Mechanik
  - Optik
  - Quantenphysik
  - Relativitätstheorie
  - Teilchenphysik
  - Theoretische Physik
  - Thermodynamik
- Chemie
  - Allgemeine Chemie
  - Anorganische Chemie
    - Elektrochemie
  - Organische Chemie
  - Analytische Chemie
  - Biochemie
  - Physikalische Chemie
  - Theoretische Chemie
  - Toxikologie
- Astronomie
  - Astrometrie
  - Astrophysik
  - Himmelsmechanik
  - Kosmologie
  - Planetologie
  - Sonnenforschung
  - Stellardynamik
  - Stellarstatistik
- Geowissenschaften
  - Geodäsie
  - Geographie
  - Geologie
  - Geophysik
  - Hydrologie
  - Meteorologie
  - Ozeanografie
  - Pedologie
- Biologie
  - Biochemie
  - Bioinformatik
  - Biophysik
  - Botanik
  - Cytologie
  - Genetik
  - Histologie
  - Immunbiologie
  - Mikrobiologie
  - Mykologie
  - Neurobiologie
  - Ökologie
  - Verhaltensforschung
  - Zoologie
    - Faunistik
- Medizin
  - Humanmedizin
    - Anästhesie
    - Anatomie
    - Augenheilkunde
    - Chirurgie
      - Unfallchirurgie
    - Dermatologie
    - Gerontologie
    - Gynäkologie
    - Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
    - Innere Medizin
    - Neurologie und Psychiatrie
    - Notfallmedizin
    - Nuklearmedizin
    - Orthopädie
    - Pädiatrie
    - Pathologie
    - Pharmakologie
    - Radiologie
    - Umweltmedizin
    - Urologie
  - Pharmazie
  - Veterinärmedizin
- Psychologie

Humanwissenschaften

Humanwissenschaft]
- Anthropologie
- Humanbiologie
- Ethnologie
- Ethnopsychoanalyse
- Kognitionswissenschaft
- Sprachwissenschaft
- Psychoanalyse
- Psychologie
- Psychosomatik
- Soziologie
- Volkskunde

Ingenieurwissenschaften

Ingenieurwissenschaft Ingenieurwissenschaft Ingenieurwissenschaft Ingenieurwissenschaft
- Automatisierungstechnik
  - Kybernetik
  - Robotik
- Bauingenieurwesen und Architektur
  - Hochbau, Tiefbau
  - Kulturtechnik und Wasserbau
  - Statik
  - Bodenmechanik und Geotechnik
  - Innenarchitektur
  - Raumplanung / Stadtplanung
- Landschaftsarchitektur
- Elektrotechnik
  - Elektronik und Mikroelektronik
  - Energietechnik
  - Nachrichtentechnik
  - Hochfrequenztechnik
- Feinwerktechnik
  - Feinmechanik
  - Medizintechnik
  - Technische Optik
- Maschinenbau
  - Anlagenbau
  - Energietechnik
  - Fertigungstechnik
  - Fördertechnik
  - Klimatechnik
  - Kraftfahrzeugtechnik
  - Luft- und Raumfahrttechnik
  - Materialwissenschaft
  - Mechatronik
  - Reaktorphysik
  - Schiffbau
  - Verkehrstechnik
  - Umwelttechnik
- Vermessungswesen
  - Geoinformatik
  - Ingenieurgeodäsie
  - Katastertechnik

Sozialwissenschaften

Sozialwissenschaften
- Anthropologie
  - Philosophische Anthropologie
- Demografie
- Entwicklungsforschung
- Ethnologie
- Politologie
- Psychologie
- Sozialpsychologie
- Rechtswissenschaft
- Soziologie
- Sportwissenschaft
- Volkskunde

Wirtschaftswissenschaften

Wirtschaftswissenschaften
- Betriebswirtschaftslehre
  - Organisationspsychologie
  - Arbeitsrecht
  - Marketing
  - Unternehmensführung
- Volkswirtschaftslehre
  - Mikroökonomik
  - Makroökonomik
- Sozioökonomie
- Entwicklungsforschung

Geisteswissenschaften (Kulturwissenschaften)

Kulturwissenschaft Kulturwissenschaft]]
- Berufswissenschaft
- Geschichte
  - Archäologie und Frühgeschichte
  - Alte Geschichte, Mediävistik,
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