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Autun

Autun

Autun ist eine Stadt in Burgund in Frankreich. Sie ist Hauptstadt eines Arrondissement im Département Saône-et-Loire und hat 16.419 Einwohner (2001).

Geschichte

Autun gilt als „Tor zum Morvan“. Die dunklen Wälder dieser Region reichen bis fast an den mit buntglasierten Ziegeln gedeckten Chor der Kathedrale Saint-Lazare heran. Autun ist wesentlich älter als der aus dem 12. Jahrhundert stammende Sakralbau der bedeutenden Kathedrale: Kaiser Augustus gründete Augustodunum 10 v. Chr. an der Fernhandelsstraße Via Agrippa, nachdem der Widerstand der Gallier endgültig gebrochen war. Die Stadt am Fluss Arroux ist seit der Antike ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Noch vor römischen Zeiten soll ein Druidenheiligtum auf dem Stadtgebiet gelegen haben. Über die antiken Ausmaße ist die Stadt nicht herausgewachsen. Die mittelalterliche Stadtmauer, von der 23 Türme erhalten sind, fußt auf antiken Fundamenten. Aus römischer Zeit blieben das Theater, ein Teil der Stadtmauer,die beiden Stadttore Porte d'Arroux und Porte St.-André und außerhalb der Stadt der stark lädierte Tempel des Janus sowie die Pyramide von Couhard, ein Grabmal aus dem 1. Jh. n. Chr. 532 fand vor den Toren der Stadt eine bedeutende Schlacht statt, in der die Franken die Burgunden besiegten; deren Reich wurde vom Frankenreich annektiert. Bis zum Ausbruch der französischen Revolution war Charles Maurice de Talleyrand-Perigord (später Napoleons Außenminister) Bischof von Autun.

Sehenswürdigkeiten


- Kathedrale Saint-Lazare
- gallo-römische Ausgrabungen
- Hótel Nicolas Rolin / Musée Rolin, Schloss des bedeutenden Kanzlers der Herzöge von Burgund
- Das „Lycée Militaire“ (hier waren Napoléon und sein Bruder Joseph Schüler)
- Passage couvert
- Ancien Abbaye Les Ursulines, ehemaliges Ursulinenkloster

Partnerstädte


- Ingelheim am Rhein
- Stevenage

Persönlichkeiten

Leodegar und Talleyrand waren Bischöfe im Bistum Autun. Napoléon und sein Bruder Joseph Bonaparte wurden hier ausgebildet.
- Nicolas Changarnier, französischer General
- Louis Renault, französischer Jurist und Friedensnobelpreisträger

Besonderheiten

Eine kulinarische Spezialität der Region sind die Produkte des Morvan, wie Käse, Honig und Produkte der Haselnuss, so beispielsweise die Noisettes du Morvan, ein Nussgebäck in Form der Nüsse und Gros Croquets du Morvan,ein Mandel-Nuss-Gebäck. Kategorie:Ort im Burgund

Burgund

Das Burgund (französisch Bourgogne []) ist eine Region im Zentrum Frankreichs. Es hat eine Fläche von 31.741km2 und ca. 1,61 Mio. Einwohner. Regionalhauptstadt ist Dijon. Das Territorium der Region entspricht etwa dem des früheren Herzogtums Burgund.

Geographie

Im Osten grenzt Burgund an die Region Franche-Comté, im Norden an Champagne-Ardenne und Île-de-France. Westlich liegt die Region Centre, während im Süden die Regionen Auvergne und Rhône-Alpes angrenzen.

Politische Gliederung

Die Region Burgund ist gegliedert in vier Départements, Côte-d'Or, Saône-et-Loire, Nièvre und Yonne.

Wirtschaft und Infrastruktur

Das Burgund ist eine vorwiegend landwirtschaftlich geprägte Region, die vor allem für ihre Rotweine aus den Lagen an der Côte de Nuits und der Côte de Beaune sowie für die Weißweine von der Côte-d'Or und aus dem Chablis weltbekannt ist. Vertieft wird dieses Thema im Artikel Burgund (Weinanbaugebiet). Daneben wird in Burgund auch extensive Viehzucht betrieben, vor allem die Zucht der regionstypischen Charolais-Rinder. Die Industrie Burgunds ist trotz seiner günstigen Lage nur gering ausgeprägt und konzentriert sich vor allem im Gebiet um Dijon. Hauptverkehrsrouten:
- Autobahn Paris-Burgund-Provence
- Bahnstrecke Paris-Dijon-Lyon
- über 1000 km schiffbare Wasserwege

Geschichte

Frühgeschichte

Die heutige Region Burgund war schon im Neolithikum von Menschen besiedelt. Funde am Felsen von Solutré weisen schon für die Zeit um 15000 v. Chr. eine dichte Besiedelung nach. Vom 6. Jahrhundert v. Chr. bis zur Ankunft der Römer ist die keltische Kultur der Gallier vorherrschend.

Römische Zeit

Um 59 v. Chr. besiegten die Römer unter Gaius Julius Cäsar die Helvetier und andere gallische Stämme bei Bibracte (dem heutigen Mont Beuvrai zwischen Autun und Le Creusot). Im Jahr 52 v. Chr. besiegten die Römer (wiederum unter Caesar) den gallischen Aufstand unter Vercingetorix bei Alesia (dem heutigen Alise-Sainte-Reine). Um 43 v. Chr. wurde Augustodunum (Autun) gegründet. Um 280 wurde erstmals der Weinbau in der Region eingeführt.

Besiedelung durch die Burgunder

Bis ungefähr ins Jahr 400 wurde Gallien mehr und mehr durch die Römer besiedelt. Seit dem 4. Jahrhundert wanderten von der Völkerwanderung vertriebene germanische Stämme des Volkes der Burgunder über den Rhein nach Frankreich. Im Laufe des 5. Jahrhunderts wurde die römische Verwaltung vollständig durch das Königreich der Burgunder verdrängt und um 507 tauchte erstmals der Name Burgundia auf, um dieses Reich zu bezeichnen.

Fränkisches Teilreich Burgund

Im Jahr 534 unterwarfen die ebenfalls germanischen Franken die Burgunder. Im 6. und 7. Jahrhundert entstand zweimal ein fränkisches Teilreich Burgund, welches aber zunächst wieder mit dem Gesamtreich vereint wurde. Siehe: [http://www.euratlas.com/big/big0600.htm Farbkarte mit den Grenzen der Teilkönigreiche um 600] 843 wurde das Fränkische Reich erneut aufgeteilt und die östlich der Saône liegenden Teile wurden als Freigrafschaft Burgund dem Reich Lothars zugeteilt, die westlich liegenden Teile (die etwa dem Gebiet der heutigen Region entsprechen) als Herzogtum Burgund dem westfränkischen Reich angegliedert.

Hoch- und Spätmittelalter


- 910 Gründung des Benediktinerklosters Cluny
- 1016 Der französische König siegt über die Erben des Herzogs Henri le Vénérable.
- 1031 Burgund wird Erbherzogtum Roberts, des zweiten Sohnes des französischen Königs.
- 1031-1361 Regierung der Kapetinger-Herzöge
- 1131 Weihung der großen Klosterkirche von Cluny Nachdem das Herzogtum Burgund an Frankreich zurückgefallen war, gab König Johann der Gute von Frankreich das Herzogtum an seinen jüngsten Sohn Philipp. Philipp verheiratete sich mit der Erbtochter des Grafen von Flandern und brachte damit große Gebiete der Niederlande in seinen Besitz. Er wurde so der Begründer des Hauses Burgund, einer der mächtigsten Dynastien des Spätmittelalters, die im französischen Grenzraum einen mächtigen Länderkomplex aufbaute, von dem die heutigen Benelux-Länder abstammen. Obgleich es sich um eine Nebenlinie des französischen Königshauses, der Valois handelte, trieben sie im Hundertjährigen Krieg eine eigenständige Politik, indem sie sich mit den Engländern verbündeten.
- 1364-1404 Regierung Philipps des Kühnen. Er erwirbt die Freigrafschaft Burgund, Brabant, Flandern, den Hennegau, Limburg und Luxemburg.
- 1404-1474 Regierungszeit der Herzöge Johann Ohnefurcht und Philipp der Gute
- 1465-1477 Regierungszeit Herzog Karls des Kühnen
- 1474-1477 Burgunderkriege mit der Schweizer Eidgenossenschaft
- 1475 Karl der Kühne besetzt das Herzogtum Lothringen
- 1477 die burgundischen Truppen werden in Nancy von den verbündeten Schweizern und Lothringern geschlagen, Karl der Kühne fällt in der Schlacht
- 1477 Karls Tochter Maria von Burgund heiratet Maximilian von Habsburg. Ludwig XI. erklärt daraufhin das Herzogtum Burgund, das Mâconnais, das Auxerrois und Charolais als heimgefallene Lehen zu französischem Kronland.
- 1513 Belagerung Dijons durch die Truppen des Kaisers

Neuzeit

1513
- 1789 Französische Revolution
- 1790 Aufteilung Frankreichs in Départements; damit wird das Herzogtum Burgund als politische Einheit aufgelöst und durch die heutigen vier Départements ersetzt
- 1794 Eröffnung des Canal du Centre zwischen Saône und Loire
- 1956 Bildung der Programmregion Burgund (Bourgogne), die die vier Départements umfasst
- 1986 erste Direktwahl des Regionalrates der Region Burgund

Literatur

Burgund wird mit zahlreichen, teils historisch inspirierten Figuren im Nibelungenlied erwähnt. Dort ist jedoch nicht die hier beschriebene Region Burgund gemeint, sondern das Burgunderreich.

Siehe auch


- Liste der Herrscher von Burgund
- Liste der Präsidenten des Regionalrates von Burgund seit 1986

Weblinks


- [http://seurre-21.site.voila.fr/index2.htm Seurre und der Saone, Burgund - Tourismus und lokale Leben - Französisch und Deutsch]
- [http://www.burgund-tourismus.com Seite des regionalen Tourismusverbandes BURGUND CRT]
- [http://www.burgundforum.de Deutschsprachiges Burgundforum] Kategorie:Burgund Kategorie:Historisches Territorium Kategorie:Historische Landschaft Kategorie:Fränkisches Reich ja:ブルゴーニュ地域圏 simple:Burgundy

Arrondissement

Das Wort Arrondissement kommt von dem französischen arrondir (abrunden) und dient zur Bezeichnung von zwei Arten von Verwaltungsbezirken in Frankreich und Québec:
- Untergliederung eines Départements. Es gibt (2004) 342 Arrondissements in Frankreich. Die Hauptstadt (frz. chef-lieu) eines Arrondissements ist die Unterpräfektur (frz. sous-préfecture). Ein Arrondissement gliedert sich wiederum in Kantone (frz. canton), die sich ihrerseits aus den Gemeinden (frz. commune) zusammensetzen.
- Die Städte Paris, Marseille, Bordeaux und Lyon sind ebenfalls in Arrondissements eingeteilt, siehe Arrondissement (Paris). Man spricht hier auch von kommunalen Arrondissements. Diese stehen in der Verwaltungshierarchie auf der Stufe von Kantonen.
- Auch in Belgien sind Arrondissements (Bezirke) Teil der Verwaltungsstruktur.
- Ebenso sind einige Städte in Quebec in Arondissements aufgeteilt. Es sind dies Montréal, Gatineau, Québec, Saguenay, Longueuil und Sherbrooke. siehe auch Liste der französischen Arrondissements Kategorie:Verwaltung (Frankreich) Kategorie:Politische Geographie

Autun

Autun ist eine Stadt in Burgund in Frankreich. Sie ist Hauptstadt eines Arrondissement im Département Saône-et-Loire und hat 16.419 Einwohner (2001).

Geschichte

Autun gilt als „Tor zum Morvan“. Die dunklen Wälder dieser Region reichen bis fast an den mit buntglasierten Ziegeln gedeckten Chor der Kathedrale Saint-Lazare heran. Autun ist wesentlich älter als der aus dem 12. Jahrhundert stammende Sakralbau der bedeutenden Kathedrale: Kaiser Augustus gründete Augustodunum 10 v. Chr. an der Fernhandelsstraße Via Agrippa, nachdem der Widerstand der Gallier endgültig gebrochen war. Die Stadt am Fluss Arroux ist seit der Antike ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Noch vor römischen Zeiten soll ein Druidenheiligtum auf dem Stadtgebiet gelegen haben. Über die antiken Ausmaße ist die Stadt nicht herausgewachsen. Die mittelalterliche Stadtmauer, von der 23 Türme erhalten sind, fußt auf antiken Fundamenten. Aus römischer Zeit blieben das Theater, ein Teil der Stadtmauer,die beiden Stadttore Porte d'Arroux und Porte St.-André und außerhalb der Stadt der stark lädierte Tempel des Janus sowie die Pyramide von Couhard, ein Grabmal aus dem 1. Jh. n. Chr. 532 fand vor den Toren der Stadt eine bedeutende Schlacht statt, in der die Franken die Burgunden besiegten; deren Reich wurde vom Frankenreich annektiert. Bis zum Ausbruch der französischen Revolution war Charles Maurice de Talleyrand-Perigord (später Napoleons Außenminister) Bischof von Autun.

Sehenswürdigkeiten


- Kathedrale Saint-Lazare
- gallo-römische Ausgrabungen
- Hótel Nicolas Rolin / Musée Rolin, Schloss des bedeutenden Kanzlers der Herzöge von Burgund
- Das „Lycée Militaire“ (hier waren Napoléon und sein Bruder Joseph Schüler)
- Passage couvert
- Ancien Abbaye Les Ursulines, ehemaliges Ursulinenkloster

Partnerstädte


- Ingelheim am Rhein
- Stevenage

Persönlichkeiten

Leodegar und Talleyrand waren Bischöfe im Bistum Autun. Napoléon und sein Bruder Joseph Bonaparte wurden hier ausgebildet.
- Nicolas Changarnier, französischer General
- Louis Renault, französischer Jurist und Friedensnobelpreisträger

Besonderheiten

Eine kulinarische Spezialität der Region sind die Produkte des Morvan, wie Käse, Honig und Produkte der Haselnuss, so beispielsweise die Noisettes du Morvan, ein Nussgebäck in Form der Nüsse und Gros Croquets du Morvan,ein Mandel-Nuss-Gebäck. Kategorie:Ort im Burgund

Kathedrale von Autun

Die Kathedrale Saint-Lazare von Autun gilt als eines der wichtigsten romanischen Bauwerke des Burgunds. Es handelt sich dabei um eine dem Heiligen Lazarus geweihte, dreischiffige Basilika mit reichem Fassadenschmuck, die den höchsten Platz der Oberstadt von Autun beansprucht. Autun Das Tympanon, also der ausgestaltete Giebel des Westportals der Kathedrale, zeigt ein in Stein gefasstes Jüngstes Gericht, das Meister Gislebertus, der vielleicht begabteste burgundische Steinmetz seiner Epoche, geschaffen hat. Die figürlichen Darstellungen der Kapitelle im Innern der Kirche gelten ebenfalls als bedeutend. Im Kapitelsaal, der einstigen Rats-und Lesehalle der Kathedrale, sind einige Figuren des Gislebertus ausgestellt. Kategorie:Kirchengebäude in Frankreich Autun

Kathedrale

Die Kathedrale, genauer Kathedralkirche (von griechisch/lateinisch: ecclesia cathedralis, im deutschsprachigen Raum oft auch als Dom bezeichnet) ist die Kirche eines Bischofssitzes. Der Stuhl (griechisch kathedra) des Bischofs steht in ihr an hervorgehobener Stelle. Kathedralen sind meist eindrucksvoll gestaltete Kirchengebäude. Obwohl der Begriff meist eine Funktionsbezeichnung beschreibt, kann er auch kunstgeschichtlich ausgelegt werden. Im Allgemeinen wird der Begriff meist so aufgefasst, dass es sich bei einer Kathedrale um eine „Bischofskirche“ handelt, die „Träger der führenden Gedanken der abendländischen Baukunst“ ist (Hans Jantzen). Es gibt auch eine kunstgeschichtliche Definition, wonach man „unter Kathedralen die Hauptkirchen des gotischen Baustils“ versteht (Adolf Adam). Den künstlerischen und bautechnischen Höhepunkt erfuhren die Kathedralen in der Gotik. Den Begriff der "Kathedrale" gebraucht man deshalb auch meistens im Zusammenhang mit der Gotik. Kirchengebäude Die Verwendung der Bezeichnung ecclesia cathedralis taucht erstmalig auf dem Konzil von Tarragona 516 auf. Als eine bedeutsame Kirche nannte man sie auch ecclesia maior (große Kirche). Als Hauptgotteshaus eines Bezirkes hieß die Kathedrale schließlich lateinisch Domus Dei (Haus Gottes), woraus sich der deutsche Name Dom und das italienische Duomo ableiten. Eine seltenere und missverständliche Bezeichnung für die Kathedrale ist Mutterkirche, wie die Kathedrale von Rom, die Lateranbasilika, bezeichnet wird. Gelegentlich kommt es vor, dass eine Kirche ihrer Bedeutung wegen als Dom bezeichnet wird, obwohl sie keine Bischofskirche ist. Ein Beispiel ist der Petersdom oder der Frankfurter Kaiserdom St. Bartholomäus, welcher von 1562 bis 1792 Schauplatz von 10 Kaiserkrönungen war, aber niemals Bischofssitz. Weitere Beispiele hierfür sind unter anderem der Altenberger Dom in Odenthal, der Braunschweiger Dom St. Blasius in Braunschweig, der Wetzlarer Dom St. Maria zu Wetzlar, der St. Patrokli-Dom im westfälischen Soest, der Zwickauer Dom in Zwickau. Im Fall des Wormser Doms leitet sich die Bezeichnung daraus ab, dass Worms bis zur Säkularisierung 1803 Bistumssitz war. Der ursprüngliche Bischofssitz des Münchner Erzbistums war der Freisinger Dom, der darum heute als Conkathedrale (Mitdom) bezeichnet wird, während die eigentliche Kathedrale der Münchner Dom ist, der im Volksmund jedoch immer noch Frauenkirche heißt. Der Papst der Römisch-Katholischen Kirche verleiht einigen bedeutenden Kirchen den Titel Basilika minor. Ein Beispiel hierfür ist der Xantener Dom St. Viktor, der nie eine Kathedrale war. Der wohl bekannteste Dom in Deutschland ist der Kölner Dom. Als Kaiserdom werden in Deutschland der Aachener Dom, der Bamberger Dom, die Stiftskirche St. Peter und Paul in Königslutter, der Speyerer Dom, der Mainzer Dom und der Wormser Dom bezeichnet. Ursprünglich leitete sich die Bezeichnung daraus ab, dass der betreffende Dom von Kaisern erbaut wurde. Später wurden auch andere bedeutende oder sehr große Kirchenbauten als Kaiserdom bezeichnet, so etwa der Wormser Dom, an dem kein Kaiser mitgewirkt hat, oder der Frankfurter Dom, weil er Sitz der Kaiserkrönungen war. Zuweilen werden im deutschsprachigen Raum Kathedralen auch Münster genannt. Im Einflußbereich des französischen Kathedralenbaus der Zeit der Gotik stimmen in Europa auch gewisse Ausstattungsmerkmale überein, für den Bereich gotischer Skulptur: siehe Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen. Mitunter tragen auch Kathedralen den Titel Basilica minor und werden somit auch als "Kathedralbasilika" bezeichnet. Eine ehemalige Kathedrale oder zweite Kathedrale in einem Bistum heißt "Conkathedrale". Siehe auch: Liste von Kathedralen und Domen

Literatur


- Sonja Ulrike Klug: Kathedrale des Kosmos. Die heilige Geometrie von Chartres. Bad Honnef 2. Aufl. 2005. ISBN 3981024516
- Uwe A. Oster: Die großen Kathedralen. Gotische Baukunst in Europa. Primus Verlag, Darmstadt 2003. ISBN 3896782401
- Adam, Adolf: Wo sich Gottes Volk versammelt. Gestalt und Symbolik des Kirchenbaus, Freiburg/Brsg. – Basel – Wien 1984.
- Jantzen, Hans: Kunst der Gotik. Klassische Kathedralen Frankreichs – Chartres, Reims, Amiens, Neuausgabe, erweitert und kommentiert durch ein Nachwort von Hans-Joachim Kunst, Berlin 1987.
- Ernst Ullmann: Die Welt der gotischen Kathedrale. Union Verlag, Berlin, 1981, ISBN 3-85063-117-6

Weblinks


- [http://www.damian-hungs.de Umfangreiche Linksammlung zu Kathedralen]
- [http://www.kunstunterricht.de/material/vtuempling/marien/ Der Dom St. Marien zu Fürstenwalde]
- [http://old.arte-tv.com/thema/cathedrales/dtext/index.html animiertes Dossier zum ARTE Themenabend mit dem Schwerpunkt Kathedralen]
- Informationen über die Kathedrale von Chartres, Geschichte usw.[http://www.chartres-heiligegeometrie.de] Kategorie:Kirchenbau Kategorie:Stadtbaugeschichte ja:大聖堂 simple:Cathedral

Gallier

Der Begriff Gallier ist eine übergreifende Bezeichnung für die keltischen Stämme auf dem Territorium Galliens (entspricht in etwa dem heutigen Frankreich). Nach dem Gallischen Krieg durch Julius Cäsar (58-51 v.Chr.) unterschied man zwischen
- aquitanischen Galliern (Wohl eigentlich keltisierten Iberern) (etwa zwischen den Pyrenäen und der Garonne)
- belgischen Galliern (von der Seine und Marne bis zum Rhein, stark mit Germanen durchsetzt) und den eigentlichen
- keltische Gallier zwischen Garonne und Seine-Marne.

Mythologie

Ihre Herkunft leiteten die Gallier von einem unbekannten dem römischen Dispater Gott der Fülle und des Totenreichs ab. Weitere Gottheiten waren:
- Taranis und Cernunnos (Himmelsgott)
- Belenus (Lichtgott)
- Grannus (Gott des Feuers und der heißen Quellen)
- Belisama (Beschützerin der Künste)
- Brigantia (Göttin des Sieges)
- Epona (Göttin der Pferde)
- Teutates (Gott des Stammes)
- Esus (Gott der Wege und des Handels) Die Priester dieser Kulte, die Druiden, beherrschten das geistige Leben der Gallier und lehrten sie, an Cassibodua, die Schlachtkrähe zu glauben sowie an die Matronae, die die Schicksals- und Fruchtbarkeitsgöttinnen, die Matronaes, die meist in Dreigestalt daherkamen. Der Totenkult nahm eine herausragende Stellung ein und die Gallier glaubten an ein Paradies, ein Leben nach dem Tod in einer anderen jenseitigen Welt.

Literatur


- Eydoux: Hommes et Dieux de la Gaule (1961)

Siehe auch


- Gallorömer
- Liste der keltischen Stämme Kategorie:Europäische Ethnie Kategorie:Kelten

Antike

Der Begriff Antike (von lat. antiquus, alt, altertümlich) bezeichnet die Epoche des Altertums im Mittelmeerraum. Sie reicht etwa von 1200 v. Chr. (bzw. 800 v. Chr., siehe zeitliche Abgrenzung) bis ca. 600 n. Chr. und unterscheidet sich von vorhergehenden und nachfolgenden Epochen durch gemeinsame und durchgängige kulturelle Traditionen. Seit dem ersten Jahrhundert n. Chr. bildete zudem der Mittelmeerraum im Rahmen des Römischen Reichs eine politische und kulturelle Einheit. Im engeren Sinne bezeichnet man mit der Antike die Geschichte des archaischen und klassischen Griechenlands, des Hellenismus und des Römischen Reichs (Republik, Prinzipat und Spätantike). Im weiteren Sinne bezieht die Antike auch die Geschichte der altorientalischen, nahöstlichen Hochkulturen Ägyptens, Mesopotamiens, Syriens, Persiens und Kleinasiens mit ein, die etwa mit dem Beginn der Schriftlichkeit um 3500 v. Chr. einsetzt. Dieser universalhistorische, über die Klassische Altertumswissenschaft hinausgehende Ansatz wurde unter anderem von dem Historiker Eduard Meyer im 19. Jahrhundert gefordert. Wieder aufgegriffen wurde dies in letzter Zeit etwa durch den deutschen Althistoriker Josef Wiesehöfer, einen anerkannten Experten für das antike Persien. Josef Wiesehöfer

Epochenabgrenzung

Historisch bezeichnet Antike im Sinne der klassischen Altertumswissenschaft die Zeit von der allmählichen Herausbildung der griechischen Staatenwelt bis zum Ende des weströmischen Reichs im Jahr 476 bzw. bis zum Tod des oströmischen Kaisers Justinian I. 565. Immer öfter wird auch die arabische Expansion ab 632 als Enddatum genannt (siehe Islamische Expansion). Der Anfang der antiken Kultur im klassischen Sinne wird im Allgemeinen mit der Entstehungszeit der Homerischen Epen und dem Beginn der griechischen Kolonisation des Mittelmeerraums im 8. Jahrhunderts v. Chr. angesetzt. Die Griechen verbreiteten ihre Bildung und Kultur in den folgenden Jahrhunderten im gesamten Mittelmeerraum und seit Alexander dem Großen auch im Orient und nach Zentralasien hinein. Die Römer brachten die antike Kultur bis nach Mittel- und Nordwesteuropa, wo sie sich seit dem frühen Mittelalter zur christlich-abendländischen Kultur wandelte. Je nach Forschungsrichtung werden aber durchaus auch die Zeiten der minoischen und der mykenischen Kultur von etwa 19001100 v. Chr. sowie die Epoche der so genannten dunklen Jahrhunderte 1200750 v. Chr. zur griechisch-römischen Antike gerechnet. Als Epochengrenzen zum Mittelalter sind auch die Jahre 325 (Konzil von Nicäa), 393 (letzte Olympische Spiele der Antike), 476 (Absetzung des Romulus Augustulus), 498 (Taufe des Frankenkönigs Chlodwig I.), 529 (Gründung des ersten abendländischen Mönchsklosters durch Benedikt von Nursia; zugleich Schließung der platonischen Akademie als symbolisches Datum in der Philosophie nach dem Tod des "letzten" antiken Philosophen Boëthius 524), der Tod Kaiser Justinians I. 565, das Ende der Völkerwanderung mit dem Langobardeneinfall in Italien 568 oder die Eroberungszüge der Araber im 7. Jahrhundert vorgeschlagen worden. Im Allgemeinen wird das Ende der Antike heute in etwa mit dem Jahr 600 angesetzt; darin kommt zum Ausdruck, dass es letztlich keinen eindeutigen einmaligen Einschnitt zwischen Altertum und Mittelalter gab. Zum Ende der Antike siehe vor allem Spätantike.

Ursprünge der antiken Kultur

Die Ursprünge der europäischen Antike liegen im Dunkeln. Ihre Vorgeschichte ist etwa in der Zeit von ca. 2000- ca. 1600 v. Chr., im Mittelhelladikum anzusiedeln. Zu Beginn dieses Zeitabschnitts - teils auch schon im letzten Abschnitt des Frühhelladikums FH III ca. 2200-2000 v. Chr. - wanderten indoeuropäische Stämme in Griechenland ein. Offenbar unter Einfluss der sogenannten minoischen Kultur auf Kreta, der ersten Hochkultur Europas, die ihre Blüte von ca. 1900 - 1450 v. Chr. hatte, entwickelte sich auf dem Festland aus der Kultur des Mittelhelladikums die mykenische Kultur (ca. 1600 - 1050/00 v. Chr.). Sie hat Ihren Ausgangspunkt vermutlich in der Argolis und erscheint unvermittelt mit reichen Schachtgräbern (ab ca. 1600 v. Chr.). Unter anderem übernahm die mykenische Kultur von der minoischen die Schrift. Die auf Kreta (unter anderem) verwendete sog. Linearschrift A), die aber bisher nicht vollständig entschlüsselt werden konnte, da die Texte in unbekannter Sprache geschrieben sind, wurde zur sog. Linearschrift B modifiziert. Die Linearschrift B begegnet auf zahlreichen Tontäfelchen u.a. der Paläste in Pylos, Theben, Mykene auf dem griechischen Festland und dem mittlerweile mykenisch beherrschtem Knossos auf Kreta. Knossos Bekannt sind die prächtigen Zentren der mykenischen Kultur. Bedeutende Fundorte sind Mykene, Pylos und Tiryns auf der Halbinsel Peloponnes, Orchomenos und Gla in Böotien (letzteres keine Burg), Milet in Westkleinasien usw. Die Zentren hatten eine Oberstädte, Burgen genannt, die im 13. Jh. in vielen Fällen stark befestigt wurden. Reiche Kuppelgräber, feine, teils reich bemalte Keramik, kunstvolle Gold-, Silber und Faiencerarbeiten etc. zeugen vom Reichtum und von der Spezialisierung des Wirtschaftssystems, das zentral gesteuert wurde. Intensive Handelskontakte wurden mit dem Nahen Osten, Assyrien und Ägypten gepflegt. Mykenische Keramik war in weiten Teilen des Mittelmeergebiets beliebt. Wahrscheinlich gab es sogar griechische Handelsniederlassungen in Süditalien. Etwa 1200-750 v. Chr. setzt man traditionell das "Dunkle Zeitalter" an, aus dem uns nur wenig überliefert ist. Zu Beginn dieser Phase werden viele der Burgen des griechischen Festlands zerstört. Die mykenische Tradition besteht jedoch noch ca. 150 Jahre weiter, bevor der Übergang in die sog. Protogeometrische Periode (ca. 1050 - 900 v. Chr.) erfolgt. Der Überlieferung nach setzt ca. 1050 v. Chr. die sehr umstrittene "Ionische Wanderung" ein, in deren Verlauf die Einwohner des griechischen Festlandes die Inseln der Ägäis und Kleinasiens kolonisierten. Auf dem griechischen Festland bietet sich ein diffuses Bild: wenige Siedlungen wurden bisher entdeckt und die meisten machen einen - im Vergleich zur mykenischen Zeit - ärmlichen Eindruck. Ganz anders hingegen Lefkandi auf Euböa: dort wurden neben einer Siedlung mit einem großen Gebäude des Fürsten von Lefkandi Gräber gefunden die sehr reich ausgestattet waren. Das Dunkle Zeitalter hellt sich in den letzten Jahrzehnten - dank vieler neuer Funde - immer mehr auf. Nach Annahme der Homerforschung spiegeln unterschiedliche Passagen der Ilias die Verhältnisse dieser Zeit wider. Sie war offenbar wichtig für die Entwicklung der griechischen Gesellschaft, auch hin zur griechischen Polis. Ab dem 8. Jh. sind die Kontakte zum vorderen Orient wieder sehr intensiv und es entstehen Handelsstationen auf Zypern (Kition) und in Syrien (Al Mina). Vermutlich bereits im späten 9. Jh. v. Chr. hat man von den Phöniziern das Alphabet übernommen.

Anfänge des klassischen Griechenland

Mit dem so genannten archaischen Zeitalter begann im frühen 8. Jahrhundert v. Chr. die eigentliche Antike. Seit dem Jahr 776 v. Chr. ist die Siegerliste der olympischen Spiele überliefert. Von etwa 770 bis 540 v. Chr. breiteten sich die Griechen während der Großen Kolonisation im westlichen Mittelmeer (vor allem Sizilien und Unteritalien, siehe auch Magna Graecia), an der nördlichen Ägäis und am Schwarzen Meer aus. In Kleinasien waren Griechen bereits vorher ansässig. In dieser Zeit (etwa zwischen 750 und 650 v. Chr.) wurden auch die Homerischen Epen (Ilias und Odyssee) schriftlich fixiert, die ältesten Literaturdenkmäler des Abendlands; auch Hesiod wirkte um diese Zeit (700 v. Chr.) (siehe auch: altgriechische Literatur)

Entstehung der Polis

Zugleich bildete sich das System der griechischen Stadtstaaten, der Poleis heraus, wobei die Mehrzahl nur über eine sehr kleine Bevölkerung verfügte. Der werdende Militärstaat Sparta im Süden der Peloponnes unterwarf zwischen 720-600 v. Chr. Messenien und kontrollierte damit den gesamten südwestlichen Teil der Halbinsel. Die Stadt mit ihrer oligarchischen Verfassung kann als das erste Beispiel der fortan beherrschenden Polis-Struktur gelten.
Auch in vielen anderen griechischen Stadtstaaten regelten Verfassungen das Zusammenleben der Bürger, aber auch die Tyrannis, wie sie um 650 v. Chr. beispielsweise in Korinth und Megara bestand, war keine Seltenheit. In Athen bildete sich Schritt für Schritt ein demokratisches System heraus. Nach den Gesetzgebungen Drakons (621 v. Chr.) und Solons (594/593 v. Chr.) gelang es Peisistratos und seinen Söhnen etwa zwischen 561 und 510 v. Chr. zwar noch einmal, eine Tyrannis zu errichten. Bis 501 v. Chr. brachten die Reformen des Kleisthenes von Athen aber den endgültigen Durchbruch für die attische Demokratie.

Blütezeit Athens

Mit Athens Unterstützung der kleinasiatischen Griechenstädte im Ionischen Aufstand um 500 v. Chr. begann ein annähernd zweihundertjähriger Konflikt mit dem Perserreich, zunächst in Gestalt der Perserkriege, über die uns der "Vater der Geschichte", der Historiker Herodot, mal mehr, mal weniger zuverlässig informiert. Als die Perser zu einer Strafexpedition in Griechenland einfielen, wurden sie 490 v. Chr. von den Athenern in der Schlacht bei Marathon besiegt. Zehn Jahre später unterlag der persische Großkönig Xerxes I. der athenischen Flotte unter Themistokles in der Seeschlacht von Salamis und 479 v. Chr. den vereinigten Heeren der griechischen Poleis in der Schlacht von Plataiai. Persien war vorerst zurückgedrängt, während die griechischen Poleis in Kleinasien befreit wurden. Kleinasien Mit der Gründung des Attischen Seebunds 477 v. Chr. unter der Vorherrschaft Athens setzte die Blütezeit der Stadt ein, die bis zum Ende der Regierungszeit des Perikles im Jahr 429 v. Chr. reichte. Damals entstanden einige der bedeutendsten philosophischen, literarischen und architektonischen Werke der griechischen Antike, etwa die Tragödien von Aischylos, Sophokles und Euripides oder der Parthenontempel auf der Akropolis. Auch der Philosoph Sokrates, der Lehrer Platons, wirkte damals in Athen.

Kampf um die Hegemonie

Die zunehmende Rivalität zwischen der Seemacht Athen und der Landmacht Sparta mündete 431 v. Chr. in den fast 30 Jahre währenden Peloponnesischen Krieg, den der Historiker Thukydides eindringlich beschrieb. Der sehr wechselhaft verlaufende Konflikt endete, auch aufgrund der Unterstützung Spartas durch das Perserreich, 404 v. Chr. mit der vollständigen Niederlage Athens und der Errichtung einer zeitweiligen spartanischen Hegemonie über Griechenland.
In der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr. führten die griechischen Städte einen fast permanenten Krieg aller gegen alle - in wechselnden Koalitionen und unter fortwährender Einmischung der Perserkönige, wobei die Sehnsucht nach einem allgemeinen Frieden auch zu propagandistischen Zwecken eingesetzt wurde (siehe den Königsfrieden von 386 v. Chr.). Theben löste Sparta 371 v. Chr. nach der Schlacht von Leuktra als Hegemon ab, doch auch Thebens Vorherrschaft war nur von kurzer Dauer; der Peloponnesische Krieg hatte somit, wie sich im Nachhinein zeigte, das Machtgleichgewicht nachhaltig destabilisiert. Auf Sizilien behauptete sich derweil das mächtige Syrakus gegenüber der Handelsrepublik Karthago, welche mit den griechischen Poleis ("Westgriechen") seit dem frühen 5. Jahrhundert v. Chr. im Konflikt lag. Auf Sizilien hielt sich zudem, im Gegensatz zum Mutterland, in vielen Städten die Tyrannis als Regierungsform (siehe Dionysios I. von Syrakus, Agathokles von Syrakus und andere). Dem andauernden Machtkampf im griechischen Mutterland machte erst die gewaltsame Einigung Griechenlands durch Philipp II. von Makedonien ein Ende. Der von Athenern wie Demosthenes als nicht-griechischer Barbar betrachtete König errang mit seinem glänzend geschulten Heer in der Schlacht von Chaironeia 338 v. Chr. die Hegemonie über Hellas, die im Jahr darauf im Korinthischen Bund bekräftigt wurde.

Zeit des Hellenismus (336 bis 30 v. Chr.)

Hellenismus Nach der Ermordung Philipps 336 v. Chr. führte sein Sohn Alexander der Große ein griechisch-makedonisches Heer nach Asien und eroberte in wenigen Jahren das gesamte Perserreich. Der Alexanderzug bahnte der griechischen Kultur im ganzen damals bekannten Orient den Weg, von Ägypten über Mesopotamien und Persien bis zu den Grenzen Indiens. Nach Alexanders Tod 323 v. Chr. in Babylon teilten seine Nachfolger, die Diadochen, in lange währenden Kriegen das Reich unter sich auf. In allen Teilreichen - vom ptolemäischen Ägypten im Westen bis zum Seleukidenreich im Osten - bildete der Hellenismus in den folgenden Jahrhunderten die prägende Kultur. Das Zeitalter des Hellenismus war geprägt von einem fast andauernden Kampf der drei Großmächte (Ptolemäer, Seleukiden und Antigoniden) um die Vorherrschaft. Rom intervenierte zu Beginn des 2. Jahrhunderts v. Chr. in Griechenland. 146 v. Chr. unterstellte das Römische Reich die Mitglieder des unterlegenden Achaiischen Bundes der Provinz Macedonia; Korinth als führende Polis wurde zerstört. Jedoch blieben viele Poleis wie Athen und Sparta zumindest vorerst formell unabhängig. Bald darauf folgte der Erwerb Pergamons und 64/63 v. Chr. die Beseitigung der Überreste des Seleukidenreiches. Als letzter Nachfolgestaat des Alexanderreichs wurde im Jahre 30 v. Chr. das ptolemäische Ägypten, dessen letzte Herrscherin Kleopatra VII. war, ins Römische Reich eingegliedert. Damit war die hellenistische Staatenwelt als machtpolitischer Faktor ausgelöscht. Die griechische Kultur jedoch lebte mit unverminderter Kraft im Römischen Reich fort und prägte es bis zu seinem Untergang im Westen 476 und darüber hinaus bis in die Zeit des Byzantinischen Reiches.

Römisches Reich

Nach den Griechen wurden die Römer zu den zweiten Trägern und Vermittlern der antiken Kultur. Je weiter sie als Eroberer in die Länder der Levante vordrangen, desto stärker ließen sie sich von deren Kultur beeinflussen. Literatur, Philosophie, Kunst, Architektur und Alltagskultur der Griechen wurden von den Römern dann auch im westlichen Mittelmeerraum verbreitet - und weit darüber hinaus bis zum Rhein und zu den britischen Inseln.

Ursprünge Roms

Rom, der Legende nach 753 v. Chr. gegründet, entstand neueren Forschungen zufolge erst gegen Ende des 7. Jahrhunderts v. Chr. aus dem Zusammenschluss mehrerer dörflicher Siedlungen an einer Furt am Unterlauf des Tibers. Politisch und kulturell stand Rom lange unter etruskischem Einfluss. Die Etrusker wiederum unterhielten schon früh Kontakt mit griechischen Kolonisten.

Die Römische Republik (ca. 500 bis 27 v. Chr.)

Römische Republik Um 500 v. Chr. befreiten sich die Römer vom etruskischen Stadtkönigtum und bildeten wohl um 475 v. Chr. eine republikanische Regierungsform aus. In den Zwölftafelgesetzen, die um 450 v. Chr. entstanden, wurden die ersten zivil-, straf- und prozessrechtlichen Normen des römischen Rechts festgehalten. Die Verfassung sah von da an ein Zusammenwirken der drei Institutionen Senat, Magistratur und Volksversammlung vor, die sich in ihrer Macht theoretisch gegenseitig beschränkten. Die offizielle Bezeichnung der Republik lautete S.P.Q.R. für Senatus Populusque Romanus (dt.: Senat und Volk von Rom). Faktisch dominierte jedoch der Senat, der sich aus Angehörigen der adligen Familien, der Patrizier zusammensetzte. Aus ihm gingen auch die Konsuln hervor, die beiden auf ein Jahr gewählten obersten Magistrate der Republik. Das höchste den nichtadligen Plebejern zugängliche Amt war das des Volkstribunen, der ein Vetorecht gegen Senatsbeschlüsse besaß. Vetorecht Bis zum Jahr 272 v. Chr. unterwarfen die Römer ganz Italien südlich der Poebene. In den Punischen Kriegen gegen die Seemacht Karthago im 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. begann der Aufstieg Roms zur antiken Supermacht, die für Jahrhunderte die gesamte Mittelmeerwelt beherrschte. Nach 200 v. Chr. mischte sich Rom auch in die Politik der hellenistischen Großmächte ein und wurde zur Protektoratsmacht im östlichen Mittelmeerraum. 148 v. Chr. wurde das Makedonien der Antigoniden, 63 v. Chr. das Reich der Seleukiden, und schließlich 30 v. Chr. das Ägypten der Ptolemäer römische Provinz. Gleichzeitig kam es jedoch im Inneren zu einer ganzen Reihe von Krisen, in denen der Kampf der an den überkommenen sozioökonomischen Strukturen festhaltenden Optimaten gegen die auf Reformen drängenden Popularen sich spiegelte. In der Epoche der Bürgerkriege erreichte die Krise der späten Römischen Republik ihren Höhepunkt und es zeichnete sich ab, dass die Republik als solche sich überlebt hatte: So wurde der Prinzipat möglich. Bereits Gaius Julius Caesar hatte als Diktator auf Lebenszeit (dictator perpetuus) eine quasi-monarchische Stellung erlangt. Als erster römischer Kaiser gilt jedoch sein Großneffe und Erbe Augustus, dem es gelang, mit dem Prinzipat eine dauerhafte monarchische Staatsordnung an die Stelle der zerrütteten Republik zu setzen.

Die Römische Kaiserzeit (27 v. Chr. bis 284 n. Chr.)

Das von Augustus errichtete Kaiserreich (Prinzipat) wurde von ihm und seinem Nachfolger Tiberius noch sicher geführt. Unter Caligula, Claudius und Nero kam es nach einem Krisenjahr (Vierkaiserjahr) zum Regierungsantritt der Flavier (Vespasian, Titus, Domitian) die insgesamt recht erfolgreich herrschten. Nach der Ermordung Domitians folgte allerdings eine weitere Krise des Herrschaftssystems, die jedoch unter den so genannten Adoptivkaisern weitgehend behoben werden konnte. Das Imperium erlebte seine größte Blüte und Ausdehnung denn auch unter eben diesen Adoptivkaisern in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts (Expansion unter Trajan, Rücknahme und Sicherung der Grenzen unter Hadrian). Bald nach der Mitte des 2. Jahrhunderts n.Chr. wuchs jedoch der Druck auf die Reichsgrenzen immer stärker an. Im Norden und Nordosten bedrängten die Germanen, im Osten die Parther (die sich trotz mancher Niederlage behaupten konnten) und später die Sassaniden das Reich. Mit dem Tod von Mark Aurel, dem Philosophenkaiser im Geiste der Stoa, der sich entgegen seinen Neigungen bald nach Übernahme der Herrschaftsfunktionen nahezu ständig zu kriegerischer Verteidigung der Reichsgrenzen genötigt sah, endete im Jahre 180 ein Zeitalter, das viele als ein goldenes begriffen hatten – was aber wohl nur mit Abstrichen gelten kann. Nach dem schwachen Commodus stabilisierten die Severer die Grenzen wenigstens teilweise, bevor es unter den so genannten Soldatenkaisern zur Reichskrise des 3. Jahrhunderts kam, die geprägt war von raschen Regierungswechseln, zentrifugalen Tendenzen im Inneren (Abspaltung des Imperium Galliarum; Verlust mehrerer Provinzen an Palmyra) und dem stetig wachsenden Druck auf die Grenzen. Neben den verschiedenen Germanenstämme (wie die Alamannen und Goten), übte vor allem das Sassanidenreich im Osten einen enormen Druck aus. Nach dem Sturz des letzten Partherkönigs im Jahr 224, erneuerten die Sassaniden das Perserreich in Anlehnung an das Reich der Achämeniden. Großkönig Schapur I. besiegte mehrmals ein römisches Heer und nahm Kaiser Valerian sogar gefangen – ein einmaliger Vorgang in der römischen Geschichte. Auch die Nachfolger Schapurs sollten sich den Römern als in der Regel gewachsene Gegner erweisen.

Die Spätantike (284 bis 565/632 n. Chr.)

Es gelang gegen Ende des 3. Jahrhunderts mit der Einführung der Tetrarchie durch Kaiser Diokletian noch einmal eine Stabilisierung des Reiches zu erreichen. Diese Zeit der beginnenden Spätantike ist gekennzeichnet von Umbrüchen. Die Anerkennung und Privilegierung des Christentums unter Kaiser Konstantin I. (welches vorher teils blutig verfolgt worden war) stellte bereits eine wesentliche Abkehr von der antiken Kultur dar, insbesondere von der antiken Philosophie und dem Religionspluralismus.
Ein letzter Versuch, die heidnischen Kulte durch die Verbindung mit neuplatonischem Gedankengut wieder zu beleben, scheiterte mit dem Tod Kaiser Julians im Jahr 363; alle nachfolgenden Kaiser waren Christen.
Valentinian I. stabilisierte den Westen des Reiches, doch kam es im Zuge der Völkerwanderung 378 zur Schlacht von Adrianopel und zu einer neuen Krisenzeit. Kaiser Theodosius I. wiederum konnte den Osten des Reiches stabilisieren und war zugleich der letzte Kaiser, der über das gesamte Imperium Romanum herrschen sollte; er erklärte das Christentum schließlich zur Staatsreligion. Allerdings lassen sich noch bis mindestens in das 6. Jahrhundert hinein Heiden auf dem Boden des Imperiums nachweisen. Nach der Teilung des Reiches unter den Söhnen des Kaisers Theodosius 395 erwies sich letztlich nur das von Konstantinopel (Byzanz) aus regierte, überwiegend griechischsprachige Oströmische Reich auf Dauer als lebensfähig (Latein blieb hier aber noch bis ins 7. Jahrhundert Amtssprache). Das so genannte Weströmische Reich hatte dem Ansturm der Hunnen und Germanen immer weniger entgegenzusetzen. Es kam zu einer langsamen Auflösung des weströmischen Heeres, während die Germanen von mehreren Westprovinzen direkten Besitz ergriffen und dabei an die Stelle der römischen Autoritäten traten. Die Veränderungsprozesse im Zuge der Völkerwanderung scheinen dabei bei weitem nicht so einfach gewesen zu sein, wie man lange glaubte, und sind heute wieder Gegenstand wissenschaftlicher Diskussion. 410 wurde Rom von den Westgoten, 455 von den Vandalen geplündert. Im Jahr 476 setzte der Germanenfürst Odoaker, ein Skire, den letzten Westkaiser Romulus Augustulus ab (obwohl der letzte anerkannte Westkaiser Julius Nepos noch bis 480 lebte) und unterstellte sich der nominellen Oberherrschaft des oströmischen Kaisers.
Die traditionelle Geschichtsschreibung sah in diesem damals nur wenig beachteten Akt oft das "Ende der Antike"; heute ist man von dieser Sichtweise abgekommen. Vielmehr wird das 6. Jahrhundert heute meist mit gutem Grund noch zur Antike gezählt. Der oströmische Kaiser Justinian I. (527-565) versuchte noch einmal mit recht beachtlichem Erfolg eine Wiederherstellung des Gesamtreiches, die letztlich jedoch nicht gelang - zumal an der Ostgrenze die Sassaniden das Reich weiter unter Druck setzten. Im Oströmischen Reich lebten antike Kultur und Geisteswelt aber noch bis weit ins Mittelalter fort, allerdings bildete hier die arabische Expansion des 7. Jahrhunderts einen deutlichen Einschnitt, der das spätantike frühbyzantinische Reich vom Byzanz des Mittelalters trennte.

Bedeutung und Nachwirken der Antike

Die Bedeutung der Antike für den weiteren Verlauf der Weltgeschichte kann gar nicht hoch genug veranschlagt werden. In dieser Epoche liegen die Wurzeln für die Entwicklung der westlichen Welt. Ionische Naturphilosophie, attische Demokratie, römisches Recht und religiöser Pluralismus waren Hinterlassenschaften, an die neuzeitliche Aufklärer, Staatstheoretiker, Naturwissenschaftler, Menschenrechtsverfechter u.a.m. anknüpfen konnten. Bis heute erhaltene Zeugnisse der Antike sind - neben überlieferten Texten philosophischer, literarischer oder historischer Natur - zahlreiche Objekte der griechischen und römischen Kunst: von großen Skulpturen bis zur Kleinkunst, Töpferei etc. Wichtige Antikensammlungen befinden sich in Rom, Athen, Neapel, Paris, London, München, St. Petersburg, Wien und Berlin. Für die Kenntnis des antiken Alltags sind vor allem archäologische Ausgrabungen wie die in Pompeji, Olympia, Delphi oder Pergamon von Bedeutung. Als man im Italien des 15. Jahrhunderts die erhaltenen (meist römischen) Überreste neu zu schätzen lernte und in der Kunst nachahmte, bezeichnete man dies als Renaissance, als Wiedergeburt der Antike. Es muss jedoch beachtet werden, dass die Antike dem Mittelalter auch nie völlig entschwunden war und es, neben den Byzantinern und Arabern, unter anderem der Tätigkeit der Mönche und der Karolingischen Renaissance zu verdanken war, dass nicht noch mehr verloren ging. In der neueren Forschung wird auch betont, dass durchaus gewisse Kontinuitätslinien zwischen der Antike und dem Mittelalter bestehen. Seit dem 18. Jahrhundert trat infolge der Arbeiten von Johann Joachim Winckelmann die klassische griechische Kunst zunehmend ins Zentrum des Interesses. Im 19. Jahrhundert sprach man im Zusammenhang mit den Arbeiten von Architekten und Künstlern wie Karl Friedrich Schinkel, Franz Karl Leo von Klenze und Berthel Thorwaldsen von der "Renaissance der griechischen Antike", heute vom Neuhumanismus. Vor allem aber setzte die Wiedergeburt des antiken Geistes in der Renaissance der jahrhundertelangen Dominanz religiösen Denkens ein Ende und mündete schließlich in die Epoche der europäischen Aufklärung und in die Moderne. Fast alle Ideen der neuzeitlichen Aufklärung haben antike Vorläufer. Ohne griechische Wissenschaft und Philosophie, ohne das römisches Recht, ohne Architektur und Kunst von Griechen und Römern sind die neuzeitliche westliche Kultur und Zivilisation nicht denkbar. Siehe auch: Klassizismus, Philosophie der Antike

Quellen in Auswahl

Der Großteil der antiken Literatur (und damit auch der Geschichtsschreibung) ist uns nicht erhalten, sodass unser Wissen über die Antike zum Teil sicher durch Überlieferungszufälle verzerrt wird. Man hat geschätzt, dass uns kaum 10% der griechischen Literatur überliefert ist (siehe H. Strasburger: Umblick im Trümmerfeld der griechischen Geschichtsschreibung, in: Historiographia antiqua, Festschrift W. Peremans, Leuven 1977, S. 3-52). In Teilen sieht es besonders trostlos aus (Hellenismus), in anderen Bereichen etwas besser (klassische Zeit Griechenlands sowie Spätantike). Insgesamt ist die Quellenlage jedoch problematisch. Neben den erzählenden Quellen müssen natürlich auch Inschriften und Reden sowie archäologische und numismatische Quellen etc. herangezogen werden. Eine Zusammenfassung mit ausführlichen Angaben bieten die entsprechenden Artikel (Geschichtsschreibung) im Pauly (RE; KlP; DNP) oder anderen Lexika. Im folgenden seien einige der wichtigsten (erhaltenen) antiken Autoren genannt.
- Herodot, Historien
- Thukydides, Der Peloponnesische Krieg
- Xenophon, Hellenika
- ders., Der Zug der Zehntausend
- Arrian, Alexanders des Großen Zug durch Asien
- Pausanias, Beschreibung Griechenlands
- Plutarch, Große Griechen und Römer
- Polybios, Historien
- Livius, Römische Geschichte
- Diodor, Bibliothek
- Sallust, Die Verschwörung des Catilina
- ders., Der Krieg gegen Jugurtha
- Caesar, Der Gallische Krieg
- ders., Der Bürgerkrieg
- Tacitus, Annalen
- ders., Germania
- Flavius Josephus, Der jüdische Krieg
- Sueton, Leben der Caesaren
- Ammianus Marcellinus, Res Gestae
- Zosimos, Neue Geschichte
- Anonymus, Historia Augusta
- Prokopios von Caesarea, Kriege, Bauten und Geheimgeschichte Eine äußerst wichtige Sammlung stellt Jacoby dar: Felix Jacoby, Fragmente der Griechischen Historiker (FGrHist), Berlin (später Leiden) 1923 ff. [http://www.klassphil.uni-muenchen.de/%7Ewaiblinger/jacoby.html Vorläufiges Register]

Literatur

Allgemein: Ausführliche Angaben sind entweder den Bibliographien der unten genannten Werke (besonders sei dabei auf The Cambridge Ancient History und Oldenbourg Grundriss der Geschichte hingewiesen) zu entnehmen oder den Bibliographien, die in der HU-Linkliste aufgeführt sind (siehe beispielsweise [http://www.uni-essen.de/geschichte/alte_seite/6A1-HilfsmittelAG.htm Bibliographie des Hist. Seminars der Uni Essen]). Zu den in der Alten Geschichte üblichen Ankürzungen vgl. neben den Lexika auch [http://www.archeolinks.com/aristarchos.htm Aristarchos].

Einführungen


- Manfred Clauss: Einführung in die alte Geschichte, München 1993.
- Rosemarie Günther: Einführung in das Studium der Alten Geschichte, Paderborn 2001.

Allgemeine Überblickswerke


- The Cambridge Ancient History, diverse Hrsg., 14. Bde. (teils in Teilbänden), 2. völlig neubearb. Aufl., Cambridge 1970ff. Umfassende und sehr wichtige Gesamtdarstellung des Antike. Die zweite Aufl. ist vollständig neubearbeitet worden.
- Geschichte der Antike. Ein Studienbuch, hrsg. von H.-J. Gehrke und H. Schneider, Stuttgart 2000. ISBN 3-476-01455-X Grundlegende Einführung!
- Geschichte kompakt Antike der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft; noch im Entstehen begriffen. Gute Einführungen mit einem teils hervorragenden, in die Darstellung integrierten Forschungsüberblick (z.B. R. Schulz, Athen und Sparta, Darmstadt 2003).
- Das Erste Europa, 1000 v. Chr. – 500 n. Chr. (Handbuch der Geschichte Europas, Band 1), von Wolfgang Schuller, Stuttgart 2004. Sehr knappe Darstellung der Ereignisgeschichte, wofür eine gute strukturelle und forschungsgeschichtliche Darstellung geboten wird.
- Oldenbourg Grundriss der Geschichte, hrsg. von Jochen Bleicken und anderen, Bd. 1-4, versch. Auflagen, München 1980 ff. Dreiteilung jedes Bandes: 1) sehr knappe Darstellung, 2) Forschungsüberblick und 3) umfassende Bibliographie. Unersetzbar für den Einstieg in die wissenschaftliche Arbeit!
- Oldenbourg Geschichte Lehrbuch: Antike, hrsg. von Eckhard Wirbelauer, München 2004. Umfassender und zugleich origineller, witziger Einstieg in die antike Geschichte, der alle wichtigen Themen abdeckt; die Ereignisgeschichte wird aber nur sehr, sehr knapp behandelt.

Chronologisch geordnete Darstellungen neueren Datums

Älteren Datums, aber immer noch sehr nützlich, sind die Darstellungen zur griechischen Geschichte von Karl Julius Beloch, Georg Busolt und Eduard Meyer.
- Hermann Bengtson: Griechische Geschichte. Von den Anfängen bis in die römische Kaiserzeit, Handbuch der Altertumswissenschaft III. 4, Reprint der 5. durchgesehen und erg. Auflage von 1977, München 1996. ISBN 3-406-06660-7 (als Ausgabe ohne wissenschaftlichen Apparat: Griechische Geschichte, 9. Auflage, München 2002. ISBN 3-406-02503-X)
- Detlef Lotze: Griechische Geschichte. Von den Anfängen bis zum Hellenismus. München 2000. (Siehe auch weitere Bände aus dieser Reihe von Baltrusch, Bringmann, Brandt, Funke, Mischa Meier, Welwei etc. Jedoch: nur für den ersten Überblick geeignet.)
- Michael Stahl: Gesellschaft und Staat bei den Griechen, 2 Bde., Paderborn 2003. Sehr gutes Überblickswerk.
- Oswyn Murray: Das frühe Griechenland, München 1982. Ausgezeichnete Darstellung der griechischen Frühzeit bis hin zu den Perserkriegen.
- Simon Hornblower: The Greek World, Routledge Ancient History, 3. Aufl., London-New York 2002. Hervorragende Gesamtdarstellung der "klassischen Zeit".
- John K. Davies: Das klassische Griechenland und die Demokratie, München 1982.
- Christian Meier: Athen. Ein Neubeginn der Weltgeschichte, Berlin 1993. Großartige Gesamtdarstellung Athens im 5. Jahrhundert, aber ohne Fußnoten, dafür gut geschrieben.
- Frank W. Walbank: Die hellenistische Welt, München 1983.
- Graham Shipley: The Greek World after Alexander, Routledge Ancient History, London-New York 2000. Mit die beste Gesamtdarstellung des Hellenismus.
- Ernst Kornemann: Weltgeschichte des Mittelmeerraumes. Von Philipp II. von Makedonien bis Muhammed, München 1967.
- Hermann Bengtson: Grundriss der Römischen Geschichte mit Quellenkunde. Republik und Kaiserzeit bis 284 n. Chr., Handbuch der Altertumswissenschaft III. 5, München 1982. ISBN 3-406-08617-9
- Klaus Bringmann: Geschichte der römischen Republik, München 2002. Solide Darstellung.
- Karl Christ: Geschichte der römischen Kaiserzeit, 4. aktual. Aufl., München 2002. Beste deutsche Darstellung der Kaiserzeit bis Konstantin dem Großen.
- David S. Potter: The Roman Empire at bay. AD 180-395. Routledge History of the Ancient World, London u.a. 2004. ISBN 0-415-10058-5 Hervorragende Darstellung, die auch soziokulturelle Aspekte mit einbezieht.
- Alexander Demandt: Die Spätantike, Handbuch der Altertumswissenschaft III. 6, München 1989. (als inhaltlich gekürzte Ausgabe ohne wissenschaftlichen Apparat: Geschichte der Spätantike, München 1998. ISBN 3-406-44107-6)
- Averil Cameron: The Mediterranean World in Late Antiquity. AD 395-600, London/New York 1993 Eine ganz ausgezeichnete englische Einführung in die Spätantike.
- Arnold H. M. Jones: The Later Roman Empire 284-602. A Social, Economic and Administrative Survey, 3 Bde., Oxford 1964 (ND in 2 Bde. Baltimore 1986). Umfassendste moderne, von einem Autor verfasste Darstellung der Spätantike, jedoch durch die Faktendichte teils schwer lesbar und inzwischen teilweise überholt.

Spezialisiertere Darstellungen


- Jochen Bleicken: Verfassungs- und Sozialgeschichte des Römischen Kaiserreiches, 2 Bde., Paderborn, München, Wien, Zürich 1981
- Ders.: Die athenische Demokratie, 4. Aufl., Stuttgart 1995.
- Donald Kagan: The Peloponnesian War, London 2003. Siehe auch Kagans vierbändige Darstellung des Pelop. Krieges; hier eine intelligente und zusammenfassende Darstellung für ein breiteres Publikum.
- Karl-Wilhelm Welwei: Das klassische Athen. Demokratie und Machtpolitik im 5. und 4. Jahrhundert, Darmstadt 1999. Detaillierte Darstellung der Politik Athens und dessen Aufstieg zur Hegemonialmacht.
- Karl-Wilhelm Welwei: Sparta. Aufstieg und Niedergang einer antiken Großmacht, Stuttgart 2004. Wohl die beste deutschsprachige Darstellung der Geschichte Spartas.
- Karl-Wilhelm Welwei: Die griechische Polis. Verfassung und Gesellschaft in archaischer und klassischer Zeit, 2. Aufl., Stuttgart 1998.
- Josef Wiesehöfer: Das antike Persien. Von 550 v. Chr. bis 650 n. Chr., 3. Auflage, Artemis und Winkler, Düsseldorf/Zürich 2002. Gutes Überblickswerk bezüglich des antiken Persiens; dort auch weitere Hinweise.

Lexika


- RE: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, hrsg. von G. Wissowa et al., in 2 Reihen. Stuttgart 1894–1980. (Pauly-Wissowa) Trotz des Alters in seiner Gesamtheit nicht überholtes Grundlagenwerk.
- KlP: Der Kleine Pauly, Lexikon der Antike, hrsg. von K. Ziegler – W. Sontheimer, 5 Bde., Stuttgart – München 1964–1975. Hervorragendes Lexikon auf Grundlage der RE, jedoch mit verkürzten und neugeschriebenen Artikeln.
- DNP: Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike, hrsg. von H. Cancik - H. Schneider, Stuttgart – Weimar 1996 ff. Teils stark schwankende Qualität der Beiträge.
- LAW: Lexikon der Alten Welt, hrsg. von C. Andresen et al., Zürich – Stuttgart 1965.
- RGA: Reallexikon der germanischen Altertumskunde, begründet von Johannes Hoops, 2., völlig neu bearb. und stark erw. Aufl., hrsg. von Heinrich Beck - Herbert Jankuhn - Hans Kuhn - Kurt Ranke - Reinhard Wenskus, Berlin-New York 1973 ff. Noch im Entstehen begriffene Neubearbeitung des wichtigen Lexikons von Hoops.
- OCD: The Oxford Classical Dictionary, hrsg. von S. Hornblower - A. Spawforth, verbesserte 3. Aufl., Oxford 2003. Bestes einbändiges Lexikon über die Antike mit teils herausragenden Artikeln.
- RAC: Reallexikon für Antike und Christentum, hrsg. von Th. Klauser et al., Stuttgart 1950 ff. Noch nicht abgeschlossen; besonders Augenmerk gilt der Spätantike.

Klassische, teils veraltete Darstellungen


- Edward Gibbon: Verfall und Untergang des römischen Imperiums, 6 Bde, dtv, München 2003 (Zum ersten Mal komplett und ungekürzt bis zum Ende Westroms, die Geschichte von Byzanz ist immer noch ausgespart.)
- Karl Julius Beloch: Griechische Geschichte, 4 Bde. in 8 Teilbände, Straßburg 1893ff., 2. überarb. Aufl. 1912ff. (Bedeutende, aber nicht immer unumstrittene Darstellung.)
- Johann Gustav Droysen: Geschichte des Hellenismus, Berlin 1877.
- Theodor Mommsen: Römische Geschichte, Berlin 1902.
- Georg Wissowa: Religion und Kultus der Römer, Beck, München 1902; 2. Aufl. 1912, Nachdruck 1971 (Handbuch der Altertumswissenschaft V.4) ISBN 3-406-03406-3
- Eduard Meyer: Caesars Monarchie und das Prinzipat des Pompejus. Innere Geschichte Roms von 66 bis 44 v. Chr., 1918; 3. Aufl. 1922
- Helmut Berve: Sparta, Bibliographisches Institut, Leipzig 1937 (politisch stark gefärbt)
- Matthias Gelzer: Julius Caesar. Der Politiker und Staatsmann, 3. Aufl., Callwey, München 1941.

Siehe auch für einen detaillierteren Überblick


- Portal:Antike Übersichtsportal, siehe dort für weitere Angaben zu den einzelnen Epochen.
- Liste antiker Stätten
- Philosophie der Antike
- Staatsformen der Antike
- Dunkle Jahrhunderte
- Perserreich
- Antikes Griechenland
- Hellenismus und Diadochen
- Römisches Reich
- Römische Republik
- Römische Kaiserzeit
- Weströmisches Reich
- Byzantinisches Reich
- Spätantike
- Untergang des Römischen Reiches
- [http://la.wikipedia.org Die lateinische Wikipedia]

Anderes thematisch Verwandtes


- Griechische Literatur
- Römische Literatur
- Mythologie
- Gesellschaft für antike Philosophie

Weblinks


- [http://ag.geschichte.hu-berlin.de/site/lang__de/3853/Default.aspx Umfangreiche und hervorragend ausgesuchte Linkliste der HU Berlin.]
- [http://www.kirke.hu-berlin.de/vl/vlagdt.html KIRKE - Wohl das beste Linkportal in deutscher Sprache zum Thema Antike.]
- [http://www.perseus.tufts.edu/ Perseus Project - antike Texte mit englischer Übersetzung, und gleichzeitig wohl die wichtigste Quellensammlung zur antiken Geschichte im Netz.]
- [http://www.gottwein.de/ Navicula Bacchi - Umfangreiche Materialsammlung für Alte Sprachen und Antike Geschichte im Gymnasialunterricht und darüber hinaus.]
- [http://www.livius.org/ Livius.org (englisch) - mit teils sehr empfehlenswerten Artikeln]
- [http://elearning.unifr.ch/antiquitas/index.php?lang=2&antiquitas=cc95589a8f137bed667e87eca4461e11 Antiquitas - Einführung in die Alte Geschichte]
- [http://rsw.beck.de/rsw/shop/default.asp?docid=155108 Linkliste, erstellt von Prof. Hartmut Leppin (ergänzend zu seiner Einf

Theater

Theater (v. frz. théâtre < lat. theatrum < griech.: théatron Schaustätte; v. theasthai anschauen) ist die Bezeichnung für eine szenische Darstellung eines inneren und äußeren Geschehens als künstlerische Kommunikation zwischen Akteuren (Darstellern) und dem Publikum. Mit dem Wort "Theater" kann das Gebäude gemeint sein, in dem Theater gespielt wird, oder der Prozess des Theater-Machens oder auch allgemein eine Gruppe von Menschen, welche in einer wie auch immer gearteten Organisationsform Theater machen. "Theater" ist also ein im Grunde sehr amorpher Begriff; die Theater-"Landschaft" ist so vielfältig und differenziert, dass man, selbst wenn man den Focus nur auf Europa (und vielleicht noch Nordamerika) richtet, kaum allgemein gültige Aussagen treffen kann. Publikum

Sparten des Theaters

Es gibt verschiedene Sparten des Theaters: # Sprechtheater (Tragödie, Komödie, Schauspiel) # Musiktheater (Oper, Operette, Musical) # Tanztheater (Ballett, Tanzperformance) # Performance (vereint oft verschiedene Theatersparten) # Improvisationstheater (auch: Improtheater oder Theatersport) In den jeweiligen Sparten sind jeweilig unterschiedlich ausgebildete und qualifizierte Künstler tätig.
- Im Sprechtheater: Schauspieler, Regisseure, Schauspielmusiker
- Im Musiktheater: Sänger (Solisten und Choristen), Orchestermusiker, Korrepetitoren, Dirigenten, Regisseure.
- Im Tanztheater: Tänzer, Choreografen, Korrepetitoren
- Im Theatersport: Impro-Spieler, Impro-Musiker, Impro-Techniker Theater, in denen mehrere Sparten zu Hause sind, nennt man folgerichtig Mehrsparten-Theater. Sie müssen auch die unterschiedlichen Künstler ans Haus gebunden haben. Immer mehr Stadttheater, die Mehrspartenhäuser sind, sollen aus Kostengründen Sparten einsparen. Dabei wird fast immer zuerst ans Ballett gedacht, wobei gerade das Ballett (wenn es auch modernes Tanztheater macht) eher als andere Sparten junges Publikum anspricht.

Das Wesen (tliche) des Theaters

Zum Theater gehört ein Publikum. Theater ohne Publikum ist kein Theater. Theater kann religiös, gesellschaftskritisch oder politisch orientiert sein - oder frei von solchen Ambitionen. Vor allem ist es eine Sparte der Kunst und deshalb frei, wie das Grundgesetz ausdrücklich bestimmt. Das Theater erzählt Geschichten - über Menschen, über das Leben. Die Zuschauer(innen) können - je nachdem, was dargestellt wird - wiedererkennen oder Neues entdecken; die Kunstform Theater spricht intellektuell an, wirkt durch Bilder aber auch ins Unterbewußte; insofern ist Theater ein ganzheitliches Erlebnis für ein Publikum, wie es gemischter an anderen Orten praktisch nicht mehr zusammen kommt. Ein Bühnengeschehen kann Lebensentwürfe bestätigen oder konterkarieren, kann neue Perspektiven eröffnen, den Blick für Alternativen schärfen. Während die Schauspieler sich auf der Bühne verstellen, vorgeben, jemand ganz anderes zu sein ("lügen"), sollen ihre Figuren dem Zuschauer "echt", "wirklich" erscheinen. Die Mittel, die angewandt werden müssen, um ein Publikum zu erreichen, müssen zeitgemäß sein und sind auch von regionalen Gegebenheiten abhängig. Historisch hat das Theater immer auch religiös-kultische Wurzeln. Doch schon in der Antike (im alten Athen) grenzten sich die Künstler von den Priestern (und den mit diesen verbandelten Politikern) ab, griffen mit Theatermitteln die aus ihrer Sicht überholten Götter-, Welt- und Menschenbilder an, stellten eher Fragen als dass sie Antworten geben wollten. Diese Kontroverse hat zu allen Zeiten und in unterschiedlicher Ausprägung überall auf der Welt stattgefunden. Und sie findet statt, heute, auch in Deutschland. Obwohl das Theater "nur" ein Spiel ist. Doch dieses Spiel ist auch immer wieder (Mächtigen) ein Dorn im Auge.

Geschichte des Theaters

Urtheater

Höhlenbilder der Steinzeitmenschen verraten schon frühe Formen des theatralen Spiels. Man vermutet, dass sich eiszeitliche Jäger z. B. Felle von Tieren überzogen, um so lebenswichtige Vorgänge wie die Jagd im Voraus oder im Nachhinein darzustellen und theatral zu verarbeiten. So entstanden zeremonielle Tänze, die nicht nur die Jagd, sondern auch die Ernte und Fruchtbarkeit zelebrierten, Lebenslust und Gemeinschaftsereignisse darstellten. Der Unterhaltungswert von theatralem Spiel wusste man seit jeher zu schätzen, ebenso das Bedürfnis, seine Welt und die gesellschaftlichen Ereignisse zu umspielen und zu bespielen. Diese Ereignisse machen das Theater zu Urkunst der Menschheit, die alle anderen Künste in sich birgt . In der ägyptischen Kunst zeigen verschiedene Darstellungen von Tänzern, Musiker und Akrobaten von der theatralen Entfaltung der weltlichen Vergnügungen am Hof der Pharaonen. Im vierten vorchristlichen Jahrtausend prägten die durch die gesellschaftliche Neuordnung und Staatsverwaltung, sowie die durch herrschende Priesterkönige entstandenen Mythologien die Deutung der Schöpfung und des Seins. Diese geistige Entfaltung sorgte für monumentale Prachtbauten die als Kulisse des Theaterspiels dienten, die sich später zum großen Festspieltheater entwickelten und der Präsentation der Staatsreligion dienten. Das ägyptische Abydos wurde während des mittleren Reichs (2000–1500 v.Chr.) zum Schauplatz alljährlicher Mysterienspiele um Leiden, Tod und Auferstehung des Gottes Osiris. Dank eingemeißelter Zeichnungen auf Stein konnte die Erkenntnis über einige Stationen dieser theatralen Prozesse erlangt werden.

Das antike Theater

Theater für die Polis

Das Theater der Antike gilt als Wiege des abendländlichen Schauspiels und markiert mit der Etablierung des Zuschauerraums einen entscheidenden Wendepunkt und Entwicklung in der Theatergeschichte. Mit der neuen vorchristlichen Gesellschaftsform, der Demokratie, wurde das rituelle Festspiel zur politischen Festversammlung, das kultischen Ursprüngen treu ist. Das heißt, dass sich die Spielzeiten weitgehend an Götter- und Festtage binden. Das nun entstandene Schauspiel zielte nicht mehr darauf ab, eine Verbindung von Schauspieler und Götterwelt zu verkörpern, sondern eine Brücke zum passiven Publikum zu schlagen, um ihnen eine Identität zu vermitteln, die sie auf das staatliche Gemeinwesen verpflichtet. Im 6. Jahrhundert vereinigte Peisistratos, Errichter einer Tyrannis in Athen, die so genannten und beliebten Dionysos-Kultspiele zu einem Staatsfest, den Großen Dionysien. Dionysos, Gott der Fruchtbarkeit und des Weins, wurde mit Einführung des Tragödien-Wettbewerbs (Agon) auch zum Schutzpatron des Theaters. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch der Spielort von der Agora, Versammlungsplatz der Polis, zu dem eigens errichteten Dionysos-Theater verlegt, welches an den Südhang der Akropolis erbaut wurde. Aus dem frühen 5. Jahrhundert werden die ersten Dichternamen und Tragödientitel überliefert, die zu dem Zeitpunkt zwar noch mythologische Motive verwendeten, aber hauptsächlich tagespolitische Fragen verarbeitete und dem Publikum näher bringen sollten. Die Schicksalsgebundenheit der Menschen, eine zentrale Botschaft der Mythen, wurde systematisch in Frage gestellt. Die Betonung auf den freien Willen und die Gestaltungsfreiheit sowie die Idee des rechtsstaatlichen Gemeinwesens und die Konsolidierung der Polis wurde immer stärker, besonders durch Schilderungen in Werken des Aischylos. Durch im 4. Jahrhundert sinkende Zuschauerzahlen führte der Stadtstaat (Polis) „Schaugeld“ ein, das die Besucher für ihren Dienstausfall entschädigen sollte. Die Bedeutung, vor allem auch politische Bedeutung, des Theaters wuchs immer mehr. Spektakuläre Szenographien und schauspielerische Virtuosität rangen der philosophischen und ernsthaften Tragödie immer mehr den Platz ab und wurden von großen Tragödienschreibern sowie Aristoteles als geltungslos beurteilt. Die Komödie (ursprünglich: ein ausgelassener tänzerischer Maskenumzug) eignete sich erfolgreich den volkstümlichen Brauch aus dem Dionysoskult an und stieg schließlich zur begehrtesten Gattung der hellenistischen Zeit auf. Im Gegensatz zu dem Satyrspiel, das stets den Abschluss einer Tragödie bildete, war die Komödie spottfreudiger, und sowohl Heroen der Mythen als auch Politiker wurden dem Gespött ausgesetzt. Doch auch Kritik an der herrschenden Politik wurde vor allem durch Aristophanes, der auch mit führenden athenischen Denkern eng befreundet war, sehr unverschlüsselt ausgelassen. Mit Ende der Demokratie jedoch wandte sich die Komödie ab von der Politik und besonn sich auf Alltagstypen.

Die römische Antike

Die römische Kultur war das Ergebnis eines gigantischen Eroberungsfeldzuges. Im 3. Jahrhundert verlegten die Römer das Zentrum der hellenistischen Kultur in ihre Stadt. Sie übernahmen die Hierarchie der olympischen Götter, ließen sich von griechischer Architektur, Kunst und Philosophie inspirieren. Griechische Sklaven wurden zu kulturellen Lehrern. Nach dem Sieg im ersten Punischen Krieg ließ der römische Senat Theateraufführungen in die Ludi romani, die Stadtfeste einführen. Livius Andronicus verfassste die erste lateinische Tragödie. Das Theater wurde fortan, wie auch zuvor in Griechenland, als staatliche Einrichtung betrachtet. Jedoch weniger als Forum für den politischen Diskurs, wie im attischen Theater, mehr als herrschaftliche Machtrepräsentation und Ablenkung von politischen Konflikten. So setzte sich auch die Komödie durch, die oft sehr diskriminierend mit ihren Protagonisten umging. Mit der Wende zur Kaiserzeit im 1. Jahrhundert v. Chr. lösten volkstümliche Spielformen, hauptsächlich Pantomime, die literarische Komödie ab. Auch das Thema Ehebruch wurde häufig verwendet und der importierte griechische Dichter Mimus verzichtete als erster auf Masken und besetzte Frauenrollen mit Frauen, was für die weitere Entwicklung des Theaters viele Konflikte mit der Kirche bringen sollte.

Wichtige Autoren der Antike


- Aischylos
- Sophokles
- Euripides
- Aristophanes
- Epikur
- Aristoteles
- Sophokles
- Seneca

Zitate

Aristoteles: Alle Abstraktion leitet sich nicht aus der Vernunft, sondern aus der Summe ersinnlicher Erfahrungen ab. Kunst ist Nachahmung. Epikur: Die Lust ist Anfang und Ende eines seligen Spiels. Platon: Die wahrnehmbare Welt ist nur das verzerrte Schattenbild einer Welt idealer Ideen – darum leitet nicht die Wahrnehmnung zu sicheren Wissen, sondern nur die Vernunft.

Theater im Mittelalter

Die kirchliche Macht und Instrumentalisierung

Schon in der späten Antike nahm die Kirche großen Einfluss auf die Theaterwelt. So wurde im 4. Jahrhundert n. Chr. die Absage an das Theater ins Taufbekenntnis aufgenommen und im 5. Jahrhundert wurde der Theaterbesuch mit Exkommunikation bestraft. In den Anfängen des Mittelalters mit Entstehung des Feudalismus wurde das kulturelle Leben fast ausschließlich von der christlichen Kirche dominiert. Das Bürgertum, welches in der Antike noch Träger der Kultur war, die hauptsächlich der Götterehrung und der Tagespolitik galt, verlor nicht nur politische, sondern auch jegliche kulturelle Bedeutung. Die meist brachiale Christianisierung dauerte fast das ganze Mittelalter an und die Kirche übernahm die komplette Kontrolle des sozialen und öffentlichen Lebens – was insbesondere auch das Theater prägen sollte. Was sich der kirchlichen Kontrolle nicht unterzog, war heftigen Anfeindungen ausgesetzt und wurde im späten Mittelalter durch die Inquisition blutig verfolgt. Die Unterdrückung des theatralen Spiels, welches als unmoralisch und schamlos betrachtet wurde, führte zur Entehrung der Theaterspielenden. Sie fanden nur als Narren und Gaukler am Rande der Gesellschaft und zur Belustigung auf Jahrmärkten und am Hofe der Adligen ihren Platz und galten nun mehr als Repräsentanten des Grotesken und Animalischen. Die Bedeutung der zahlreichen Namen für mittelalterliche Unterhalter wie Histriones, Joculatoren, Ministrels und Mimen bezeichnetet kaum unterscheidbare Berufsbilder. Oft mussten die Darsteller mehrere Künste beherrschen, um Ihr Publikum mit Neuigkeiten, Spottversen und Heldensagen zu erfreuen. Die Kirche instrumentalisierte die Künste für die Verbreitung der christlichen Heilslehre. Sie versuchte, das Heilige in allen Sinnen zu erfassen und ästhetisch nachzubilden und nutze die bildende und darstellende Kunst zu Erziehungszwecken.

Mysterien- und Passionsspiele

Im 10. Jahrhundert forderte das Konzil zu Konstantinopel die Vermenschlichung des Göttlichen. Das sollte ein Wendepunkt der Theaterkultur werden. Man hob das Bilderverbot auf und bespielte geistliche Rituale. Textliche Erweiterungen der liturgischen Gesänge und der spielerische Prozess der feierlichen Zeremonie zum Tode und Auferstehung Christi trugen zur Entstehung dramatischer Rollen im Kirchentheater bei und später zu komplexeren Spielen biblischen Inhaltes, die nicht nur das Oster- und Weihnachtsfest theatral umsetzten, sondern auch Mirakelspiele beinhalteten, die das Leben und die Taten von Heiligen und Propheten oder den Kampf zwischen Himmel und Hölle beschwörten. Mit der Loslösung der Liturgie wandelte sich auch die streng symbolistische Spielweise. Jesus trat nun als Mensch auf, die geistlichen Spiele verlagerten sich im 13. Jahrhundert vom Kirchenraum auf den Kirchenvorplatz, auch die Bevölkerung wurde mit in das Spiel eingebunden, und Latein wurde gegen die Volkssprache eingetauscht. Durch diese Entwicklung entstanden dann auch Mysterien- und Passionsspiele, da man nicht mehr an den Ort der Kirche gebunden war und keine Einzelmotive, sondern Heilsgeschichten von der Entstehung der Welt bis hin zum Jüngsten Gericht erzählen wollte. Zunächst waren nur Kleriker im Schauspiel beteiligt, später zog man dann männliche Bürger heran, um den zahlreichen Rollen der tagelang dauernden Festspiele gerecht zu werden, um dann noch später das Schauspiel komplett in die Hände der Bürger zu geben. Die Passionsspiele fanden große Verbreitung und wurden zu nicht mehr nur kirchlichem Ereignis städtischer Festkultur. Im 14. Jahrhundert wurden dann auch inhaltliche Schwerpunkte verändert. Nicht mehr die Verehrung Jesu, sondern die Erniedrigung und das Leiden rückten in den Mittelpunkt. Die Passion wurde zum Spiegel des neuen Lebensgefühls, dass durch Hungersnot, Pest und der Krise der kirchlichen und politischen Autorität geprägt war, und orientierte sich immer mehr an der empirischen Wirklichkeit.

Fastnachtspiele

So entwickelten sich im Spätmittelalter weltliche Spielformen, die besonders in Frankreich geprägt wurden. Mit der französischen Farce und Sotie, die sich durch ihre kritisch-spöttische Sicht des Alltages und der Verspottung kirchlicher und staatlicher Autoritäten auszeichnet und nur zur Fastnacht gespielt wurde, emanzipierte sich auch das deutsche