:: wikimiki.org ::
| Azonale Vegetation |
Azonale VegetationAzonale Vegetation sind Vegetationseinheiten (Pflanzengesellschaften) innerhalb einer vom Großklima beeinflussten Vegetationszone (Zonale Vegetation), die stärker von Bodenverhältnissen (meist Bodenfeuchte) als vom Klima geprägt sind. So bilden sich zum Beispiel innerhalb der Vegetationszone des Rotbuchenwaldes im norddeutschen Tiefland bei dauerhafter Nässe Bruchwälder oder an Flüssen Auwälder.
Zur azonalen Vegetation gehören beispielsweise auch die Galmeipflanzen, die im Siegerland und im Harz dort auftreten, wo früher Erz abgebaut wurde. Galmeipflanzen sind in der Lage, mit der Schwermetallbelastung der Böden zurechtzukommen. Auch die sogenannten Serpentin-Endemiten, die in Serpentingebieten vorkommen, werden der azonalen Vegetation zugeordnet.
Siehe auch
- Extrazonale Vegetation
- potenzielle natürliche Vegetation
- Waldgesellschaften Mitteleuropas
- Geobotanik
Literatur
- Heinz Ellenberg: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht, Ulmer, Stuttgart 1996.
- Ursula Hoffmann und Michael Schwerdtfeger; ...und grün des Lebens goldner Baum. Lustfahrten und Bildungsreisen im Reich der Pflanzen, Ulrich Burgdorf Verlag, Göttingen 1998, ISBN 3-89762-000-6
Kategorie:Klimazonen und Vegetation
PflanzengesellschaftDieser Artikel beschreibt die Pflanzengesellschaft als Vorkommen verschiedenener Pflanzenarten. Für Vereine von Pflanzenfreunden, siehe Pflanzengesellschaft (Vereinigung).
----
Pflanzengesellschaft ist eine abstrahierbare bestimmte Artzusammensetzung von Pflanzen (Phytozönosen), die an einem Standort (Phytotop, Biotop) zu finden ist. Durch diese Vergesellschaftung von Arten spricht man von Pflanzensoziologie. Als Begründer der Pflanzensoziologie, gilt der Vegetationskundler und Botaniker Josias Braun-Blanquet.
Wissenschaft und Anwendung
Je nach ökologischen Ansprüchen, Potenz, (bzw. Toleranz und Konkurrenzstärke bilden sich im Verlauf der Sukzession Gesellschaften heraus, die durch eine spezifische Artenzusammensetzung benannt werden können. Durch Vegetationsaufnahmen kann die Pflanzengesellschaft ermittelt werden. Heinz Ellenberg untersuchte die ökologischen Ansprüche der Arten und deren Standorte und festigte den Begriff Zeigerwert. So kann mit hilfe einer Vegetationsaufnahme ein profil ökologischer, abiotischer Standortfaktoren eines naturnahen Standortes bestimmt werden.
Meist sind auch Zoozönosen, die Lebensgemeinschaften von Tieren, an ihren maßgeblich durch die Pflanzengesellschaften geprägten Lebensraum angepasst. Die Pflanzengesellschaft Phytozönose steht dabei in Interaktion und Abhängigkeit mit den Tiergesellschaften Zoozönosen. Dabei beeinflussen sich die Gruppen oft gegenseitig. Einer Pflanzengesellschaft kann auch eine bestimmte, assoziierte Zoozönose zugeordnet werden. Umgekehrt kann das Vorkommen von Tieren in einer Pflanzengesellschaft Auskunft über deren ökologische Ansprüche geben. Pflanzengesellschaften können nach ihrer Entstehung unterschieden werden.
Aufgrund dieses ableitbaren Faktoren sind diese Pflanzengesellschaften oft Grundlage für die Einteilung von Biotopen bei einer Biotopkartierung sowie auch ein Maßstab bei deren Bewertung. Die Einteilung der Pflanzengemeinschaften nimmt daher eine gewichtige Rolle vornehmlich in der angewandten Landschaftsökologie ein; ist aber nach wie vor Untersuchungsgegenstand ökologischer Betrachtungen von Botanik, Zoologie, Bodenkunde etc. Landschaftsplanung und Naturschutz bedienen sich der potenziellen natürlichen Vegetation (pnV), bzw. der heutigen potenziell-natürlichen Vegetation (hpnV).
In den verschiedenen Sukzessionstheorien (Klimaxvegetation, Mosaik-Zyklus-Konzept, Megaherbivorentheorie) spielt die Pflanzengesellschaft eine Schlüsselrolle zur Einteilung und Diskussion verschiedener Sukzessionsstadien und Sukzessionsverläufe in terrestrischen und semiterrestrischen Ökosystemen.
Einteilung und Charakterisierung von Pflanzengesellschaften
Die Bestimmung der Pflanzengesellschaft geschieht nach der Häufigkeit des Auftretens von verschiedenen Arten:
- Charakterart
- Differentialart
- Begleitart
bzw. nach dem Auftreten bestimmter Artengruppen, die je nach vegetationskundlicher Schule wegen ähnlicher ökologischer Eigenschaften (ökologische Artengruppen), ähnlicher soziologischen Verhaltens (soziologische Artenruppen), oder ihres regelhaft gemeinsamen (statistisch gesicherten) Auftretens in Vegetationseinheiten (floristische Artengruppen) zusammengefasst werden.
Man unterscheidet zwischen natürlichen Gesellschaften und durch den Menschen bzw. durch Tiere entstandene (anthropogene bzw. zoogene) Planzengesellschaften.
Beispiele von Pflanzengesellschften
:Wald
::Laubwald - Klasse, mit mehreren Ordnungen,
:::z.B.: Buchenwald - Ordnung mit mehreren Verbänden
::::z.B.: Kalk-Buchenwald - Verband, mit mehreren Assoziationen,
:::::z.B.: Orchideen-Buchenwald (auf trockenen Standorten)
- Klasse, Endung auf -ea: Carpino-Fagatea (Laubwälder)
- Ordnung, Endung auf -alia: Carpino-Fagetalia
- Verband, Endung auf -ion: Cephalanthero-Fagion
- Assoziation, Endung auf -um: Carici-Fagetum
Siehe auch
- Pflanzensoziologische_Einheiten_nach_Oberdorfer
- Waldgesellschaften Mitteleuropas
- Aspektfolge
Weblinks
- [http://www.biologie.uni-osnabrueck.de/oekologie/FSAG/fs_url.htm Floristisch-soziologische Arbeitsgemeinschft e.V.]
- [http://www.schmitzens-botanikseite.de/home.htm Pflanzengesellschaften des Rheinlandes]
- [http://www.biologie.uni-hamburg.de/b-online/e57/57.htm Uni Hamburg - Pflanzengesellschaften]
Kategorie:Geobotanik
Klima
Der Begriff des Klimas steht für die Gesamtheit aller meteorologischen Erscheinungen, die für den gemittelten Zustand der Erdatmosphäre an einem Ort verantwortlich sind. Das Klima wird dabei jedoch nicht nur von Prozessen innerhalb der Atmosphäre, sondern vielmehr durch das Wechselspiel aller Sphären der Erde geprägt. Es umfasst zudem unterschiedlichste Größenordnungen, wobei vor allem die zeitliche und räumliche Dimension des Klimabegriffs von entscheidender Bedeutung für dessen Verständnis sind.
Die Wissenschaft, die die Gesetzmäßigkeiten des Klimas, dessen Eigenschaften, Entwicklung und Erscheinungsbild erforscht, bezeichnet man als Klimatologie.
Der Klimabegriff
Etymologie
Das Wort Klima (Mehrzahl: Klimata, Klimate) stammt vom griechischen Verb κλίνειν [klinein], welches übersetzt „neigen“ bedeutet. Dies bezieht sich auf die Schiefe der Erdekliptik. Im 20. Jahrhundert hat sich dabei das Begriffsverständnis von der Wettergesamtheit (Fedoroff 1927) hin zur Synthese des Wetters (WMO 1979) entwickelt.
Zeitliche Dimension
Als Abgrenzung zum Wetter (Zeitrahmen: Stunden bis wenige Tage) und zur Witterung (Zeitrahmen: einige Tage bis circa eine Woche, im Extremfall auch ein Monat oder eine Jahreszeit) versteht man Klima als einen über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten (meist 30 Jahre) statistisch bereinigten Zustand der Erdatmosphäre. Man bedient sich dieser statistischen Methoden, um kurzfristige Schwankungen des Wetters zu filtern und charakteristische Werte bezüglich verschiedener meteorologischer Größen zu erhalten, welche in ihrer Gesamtheit wiederum das Klima eines Ortes beschreiben. Hierbei stehen vor allem die Langzeittrends im Zentrum des Interesses, welche jedoch gegenläufig zu den Extremen bei langen Referenzzeiträumen verwischen. Basis für das Klima ist dabei jedoch immer das Wetter und die in Wetterstationen bzw. Wetter- und Umweltsatelliten erfassten Daten.
Ausgehend von dieser Datenbasis stellen sich für die zeitliche Dimension des Klimabegriffs die Frage, wie wechselhaft das Wetter ist und welche Schwankungen daher die meteorologischen Größen aufweisen, welche das Wetter hinreichend beschreiben. Je größer diese Schwankungen sind, desto weniger repräsentativ ist eine statistische Auswertung der Daten eines kurzen Referenzzeitraumes. Der Anspruch ein vornehmlich ortspezifisches Klima und eben nicht nur zeitspezifische Wetterphänomene zu charakterisieren, ist in diesem Falle nicht aufrecht zu erhalten.
Doch auch Langzeitauswertungen verlieren durch diese Schwankungen partiell ihren Aussagegehalt, weshalb insbesondere ein Mittelwert im Allgemeinen nicht ausreicht, um das Klima zeitlich richtig einzuschätzen. Eine Niederschlagsverteilung von einem Starkregen innerhalb eines halben Jahrzehntes und sonstiger Dürre als Mittelwert der Jahresniederschläge auf die fünf Einzeljahre zu verrechnen, illustriert die verzerrenden Effekte, welche aus einer unzureichenden Anwendung dieser statistischen Methoden erwachsen können. Betrachtet man das Klima eines Ortes mit einem Referenzzeitraum von 1000 Jahren, so hat man sicher alle Extremereignisse gefiltert, jedoch gilt dies bei einem solch langen Zeitraum auch für alle kurzfristigen Schwankungen. Selbst wesentliche Trends, wie der kleinen Eiszeit, könnten durch die Wahl eines solchen Zeitraums schlicht übersehen werden. Betrachtet man jedoch die Datenlage in Bezug auf weit zurück liegende Zeitalter, so zeigt sich hierbei, dass die zur Verfügung stehenden Klimaarchive nur über sehr lange Referenzzeiträume eine Auskunft bieten. Das Bestreben diese Zeiträume zu reduzieren und so auch in Bezug auf die Klimageschichte kurzfristigere Trends in der Entwicklung des Klimas mit zu erfassen, ist eine wesentliche Bestrebung der Paläoklimatologie.
Diese modifizierenden Einflüsse richten sich aber immer nach dem konkreten Anwendungsfall und können nicht von vornherein und allgemeingültig festgelegt werden. Man kann sie nur nach einer Auswertung der Daten beantworten, um hierüber den Bezugs- oder Referenzzeitraumraum festlegen zu können, welcher angepasst an die Datenlage eine repräsentative Ermittlung des jeweiligen Klimacharakters und der zugehörigen Entwicklungstrends ermöglicht.
Ausgehend von der Problematik der Referenzzeiträume hat die World Meteorological Organization so genannte Klimanormalperioden festgelegt. Diese umfassen einen fest definierten Referenzzeitraum von 30 Jahren. Die festgelegten Intervalle sind die schon abgeschlossenen Zeiträume von 1931 bis 1960 und 1961 bis 1990, sowie die derzeitige Klimanormalperiode von 1991 bis 2020. Sie dienen unter anderem der Vergleichbarkeit der klimatischen Größen untereinander und werden hierbei vor allem zur Darstellung dieser Größen in Klimadiagrammen herangezogen. Viele Prognosen der zukünftigen Klimaentwicklung beziehen sich hierbei auf das Jahr 2050, also das Ende der nächsten Klimanormalperiode.
Räumliche Dimension
Der Begriff Klima wird oft mit dem Weltklima bzw. globalen Klima gleichgesetzt. Hierbei zeigt sich jedoch, dass globale Trends und Mittelwerte in keiner Weise repräsentativ für einzelne Standorte sein müssen. Eine globale Temperaturerhöhung von einem Grad Celsius ist also lediglich eine Abstraktion, welche sich jedoch nicht mit lokalen Wetterbeobachtungen decken muss, was auch über einen längeren Klimazeitraum in der Regel seine Gültigkeit behält. Ihr kann lokal eine Erhöhung oder Erniedrigung von weit größerem aber auch weit kleinerem Ausmaß entgegen stehen, weshalb auch beispielsweise ein lokaler „Rekordsommer“ auf globalem Niveau „verschwinden“ kann und umgekehrt.
Diese lokalen Effekte sind näher an den realen Auswirkungen der sehr abstrakten globalen Tendenzen und im Rahmen dessen, dass auch meteorologische Werte lokal und nicht global erfasst werden, von außerordentlichem Interesse. Nicht zuletzt werden auch die Einflüsse des Klimas auf den Menschen und dessen vitale Interessen, wie beispielsweise der Landwirtschaft, durch die lokalen Entsprechungen globaler Tendenzen geprägt.
Weil sich aus den großen räumlichen Unterschieden auch Unterschiede in der Methodik ergeben, hat sich eine dreistufige Einteilung der Maßstäbe bewährt.
- Das Mikroklima beschränkt sich auf wenige Meter bis einige Kilometer, zum Beispiel ein Zimmer, eine Wiese oder ein Straßenzug.
- Das Mesoklima bezieht sich auf Landschaften oder Länder bis zu einigen hundert Kilometern Ausdehnung.
- Das Makroklima beschreibt kontinentale und globale Zusammenhänge.
Während beim Wetter eine enge Bindung zwischen Größenordnung und Dauer eines Phänomens bestehen, zeigt sich dieser Zusammenhang bei klimatischen Betrachtungen nicht oder kaum.
Mikroklima
Mikroklima bezeichnet das Klima im Bereich der bodennahen Luftschichten bis etwa 2 Meter Höhe oder das Klima, dass sich in einem kleinen, klar umrissenen Bereich (zum Beispiel zwischen Gebäuden in einer Stadt) ausbildet.
Es wird entscheidend durch die Nähe der Bodenoberfläche und die dortige Bodenreibung des Windes geprägt. Hier herrschen schwächere Luftbewegungen, aber größere Temperaturunterschiede. Die Verschiedenheit des Bodens, des Geländes, der Hanglage und des Pflanzenbewuchses kann auf engem Raum große Klimagegensätze hervorrufen. Das Mikroklima ist besonders für niedrig wachsende Pflanzen von Bedeutung, da sie ihr klimaempfindlichstes Lebensstadium in der bodennahen Luftschicht durchlaufen.
Aber nicht nur die Pflanzen, auch der Mensch ist dem Mikroklima direkt ausgesetzt. Insbesondere in nicht-natürlichen Lebensräumen wie Städten kann das Mikroklima durch die unterschiedlichen Baumaterialien, die Architektur, der Variabilität der Sonneneinstrahlung (Beschattung) oder die Modifikation des Windfeldes erheblich von den regionaltypischen Gegebenheiten abweichen, wobei diese Abweichungen sehr labil sind und sich auch durch kleine Eingriffe, wie den Bau oder Abriss eines Hauses, empfindlich und schlagartig ändern können. Da sich diese Einflüsse mit der Zeit nahezu überall ergeben und auch externe Faktoren sehr leicht einwirken kann, basieren Mikroklimate in der Regel nicht aus jahrzehntelangen Messreihen, sondern werden vielmehr durch Erfahrung und tabellierte Vergleichsdaten abgeschätzt.
Mesoklima
Zu den Mesoklimaten werden unterschiedlichste Einzelklimate zusammen gefasst, welche eine Ausdehnung zwischen einigen hundert Metern und wenigen hundert Kilometer besitzen, sich im Regelfall jedoch im unteren Kilometerbereich befinden. Aufgrund dieses breiten aber dennoch lokalen Spektrums, spielen hierbei viele Felder der angewandten Meteorologie und Klimatologie eine große Rolle. Beispiele hierfür sind das Stadtklima oder das Regenwaldklima. Generell werden alle Lokalklimate und Geländeklimate zu den Mesoklimaten gezählt, also beispielsweise das Lokalklimate von Ökosystemen, wobei bei diesen der Übergang zu den Mikroklimaten fließend ist.
Makroklima
Vom Makroklima spricht man bei großskaligen Effekten mit einer Ausdehnung von mehr als in etwa 500 Kilometern. Hierzu zählen daher vor allem die Elemente der globalen Zirkulation und des großen marinen Förderbandes. Auch das Weltklima selbst zählt hierzu. Als Orientierung in Abgrenzung zu Mesoklimaten werden alle die gesamte Erde umspannenden, sowie ozean- bzw. kontinentweit wirksamen Effekte zu den Makroklimaten gezählt. Weniger eindeutig, jedoch im Regelfall zutreffend, ordnet man auch überregionale Effekte wie den Monsun, den El Niño oder sehr große Regionalklimate wie den brasilianischen Regenwald mit zu den Makroklimaten. Alle Makroklimate stehen dabei in einer engen gegenseitigen Wechselwirkung und beeinflussen sich daher auf vielfältige Weise, wobei vor allem diese Wechselwirkungen noch nicht vollständig verstanden und Thema aktueller Forschung sind. Letztlich kann aufgrund dessen kein Makroklimat für sich allein betrachtet werden und in ihrem dynamischen Zusammenspiel führen sie direkt zum umfassenden Konzept des globalen Klimas.
Klimafaktoren
Unter Klimafaktoren versteht man verschiedenste Prozesse und Zustände, durch welche das Klima hervorgerufen, erhalten oder verändert wird. Man unterscheidet nach primären und sekundären Klimafaktoren, wobei die primären Klimafaktoren elementarer Natur sind und sich die sekundären Klimafaktoren demzufolge aus den primären Klimafaktoren ableiten. Zu Ersteren zählen die Sonnenstrahlung, die Land-Meer-Verteilung, die Zusammensetzung der Erdatmosphäre und die Höhe des Standortes. Zwar lassen sich diese oft auch auf Ursachen wie die Plattentektonik oder astrophysikalische Phänomene zurückführen, diese selbst sind jedoch nicht direkt am Klima beteiligt und werden daher nur indirekt zu den Klimafaktoren gezählt.
Die sekundären Klimafaktoren beinhalten verschiedene Kreisläufe und Zirkulationssysteme der Erde, welche sich direkt oder indirekt aus den primären Klimafaktoren ergeben. Hierzu zählen vor allem die allgemeine Zirkulation der Atmosphäre, die Meeresströmungen, der Wasserkreislauf und bedingt auch der Kreislauf der Gesteine. Auch regionale Zirkulationssysteme wie El Niño, La Niña und Monsune werden hierzu gezählt.
Zusätzlich differenziert man auch in einigen Anwendungsfällen danach, ob die Klimafaktoren bzw. deren Wandel anthropogenen oder natürlichen Ursprungs sind.
Klimasysteme
Die Klimasysteme stellen eine Erweiterung des Konzeptes der Klimafaktoren dar. Das Klimasystem der Erde setzt sich hierbei aus seinen verschiedenen Geosystemen zusammen: der Atmosphäre, der Lithosphäre, der Hydrosphäre, der Biosphäre, der Pedosphäre und der Kryosphäre. Die Schwankungen innerhalb und Wechselwirkungen zwischen den Geosystemen bezeichnet man hierbei als Klimarauschen. Der energetische Antrieb des Klimasystems liegt in der Solarstrahlung und zu einem geringen Anteil auch in der Erdwärme, wobei diese in Form des Vulkanismus einen wesentlich entscheidenderen Auswirkung auf die stoffliche Zusammensetzung der Erdatmosphäre und damit deren Strahlungshaushalt besitzt. Entscheidend für das Wechselspiel der Klimasysteme ist deren unterschiedliche zeitliche Dynamik. Betrachtet man das Klima in sehr kurzen Zeiträumen, beispielsweise den Klimanormalperioden, so kann man viele klimatisch entscheidende Faktoren vernachlässigen, da diese nur über sehr lange Zeiträume einem Wandel unterliegen. Die Drift der Lithosphärenplatten prägt auf lange Sicht die Land-Meer-Verteilung und den Meeresspiegel, beträgt aber nur rund 3 bis 20 Zentimeter pro Jahr und ist damit in kurzen Zeitspannen irrelevant. Man kann an diesem Beispiel erkennen, dass die klimatische Rolle eines Klimasystems immer einen bestimmten Zeitraum bzw. einer zeitlichen Trägheit zuzuordnen ist. Diese Trägheit kann im Falle der Lithosphäre Jahrmillionen betragen oder im Falle der Atmosphäre nur wenige Jahre bis Jahrzehnte. Insbesondere kann sich die Zusammensetzung der Atmosphäre sehr schnell ändern, wirkt ihrerseits jedoch nur in sehr langen Zeitskalen auf eine Veränderung der Zusammensetzung der Lithosphäre hin. Diese Skalen sind jedoch nicht zwingend, wie beispielsweise der Vulkanismus zeigt.
Der Begriff des Klimasystems ist jedoch nicht allein auf das Klimasystem der Erde als Ganzes beschränkt, sondern kann auch auf niederskalige Systeme angewandt werden, wobei diese dann wiederum Teile des globalen Klimasystems darstellen. Beispiele hierfür sind das Land-Seewind System oder die Monsunsysteme.
Klimaelemente
Als Klimaelement bezeichnet man jede messbare Eigenschaft des Klimasystems der Erde, welche einzeln oder durch ihr Zusammenwirkungen das Klima auf unterschiedlichen Ebenen prägen und für dessen Charakterisierung genutzt werden können. Es handelt sich dabei meist um meteorologische Größen, welche im Zuge der Wetterbeobachtungen in Wetterstationen erfasst werden, aber auch Größen aus der Ozeanologie und den Geowissenschaften allgemein. Man unterscheidet sie nach danach, ob sie Bestandteile in den verschiedenen Haushalten des Klimasystems sind (Budget-Elemente) oder dies eben nicht sind (Nichtbudget-Elemente). Auch unterscheidet man nach Zustandsgrößen, Prozessgrößen und Feldgrößen.
Klimaelemente:
- Luftdruck - gemessen durch Barometer;
- Luftfeuchtigkeit - gemessen durch Hygrometer;
- Wind - gemessen durch Anemometer;
- Niederschlag - gemessen durch Hydroskope (Regenmesser);
- Verdunstung, unterschieden nach potenzieller und realer Verdunstung - meist abgeleitet oder/und geschätzt aus anderen Größen wie Temperatur und Niederschlag;
- Ein- und Ausstrahlung - komplizierte Erfassung aus Messungen, Schätzungen und Berechnungen, siehe auch Globalstrahlung, Albedo und Milanković-Zyklen;
- Salzgehalt der Meere - gemessen durch Salinometer;
- Meeresströmungen;
- Wassertemperatur;
- Eisdicke bzw. Schneehöhe und deren Dichte.
Nichtbudget-Elemente:
- Albedo
- Sonnenscheindauer
- Bewölkung - statistisch erfasst bzw. gemessen durch Radaraufnahmen;
- Rauhigkeitshöhe
- Zirkulationsindizes
Durch globale Mittelwerte der Temperatur lässt sich beispielsweise feststellen, ob ein Jahr kälter oder wärmer war als ein langjähriger Durchschnitt. Gleiches gilt jedoch auch für die Monats-, Wochen und Tagesmitteltemperatur. Man kann sich jedoch auch auf andere Größe wie den Niederschlag beziehen. Eine andere Aufgabenstellung wäre es beispielsweise die Jahres-, Monats-, oder Tageshöchsttemperaturen mit einem klimatischen Mittelwert zu vergleichen, wobei bei letzterem jedoch nur ein sehr begrenzte Aussagefähigkeit besteht, da die Abweichung der Temperaturen eines Tages zu einem langjährigen Durchschnittswert stark abweichen.
Klimageschichte
Hauptartikel: Klimageschichte
Das Klima der Erde wandelt sich über lange Zeiträume hinweg. So wechselten sich im Pleistozän immer wieder Warm- und Kaltzeiten gegenseitig ab und tun dies vielleicht auch noch bis heute (Holozän). Anhand von Klimaarchiven wie arktischen Eisbohrkernen, geologischen Ablagerungen (Sedimente), Fossilien und Jahresringen versteinerter Bäumen lassen sich diese Klimaveränderungen über viele Perioden zurückverfolgen. Je mehr man dabei in die Vergangenheit vordringt, desto weniger Datenmaterial steht zur Verfügung und man ist gezwungen immer größere Zeiträume zu betrachten, bis man schließlich Ungenauigkeiten erreicht, die mehrere Millionen Jahre ausmachen können. Dadurch werden Effekte wie die längerfristige Änderung der Solarkonstante, die Kontinentaldrift und die Erdbahnvariabilität von immer entscheidenderer Bedeutung, während diese bei kurzfristigen Klimawandelprozessen von anderen Faktoren überlagert werden und nur eine geringe Rolle spielen. Allein durch diese unterschiedliche zeitliche Perspektive wandelt sich jedoch auch der Klimabegriff, was bei einer Nichtberücksichtung dieses Effekts zu Widersprüchlichkeiten zwischen der Paläontologie/Geologie und der Klimatologie führen kann. Korrigiert man jedoch die zeitliche beziehungsweise teilweise auch räumliche Perspektive, so lösen sich diese Widersprüchlichkeiten in der Regel auf.
Klimawandel
Hauptartikel: Klimaveränderung und Globale Erwärmung
In jüngerer Zeit steigen die Jahresmittelwerte der Temperatur, seit einem Tiefpunkt 1880, mit Schwankungen an. Daraus wird, neben vielen anderen Indizien und Faktoren, eine fortschreitende globale Erwärmung abgeleitet.
Aspekte
Die wichtigsten externen Ursachen von Klimaveränderungen liegen in der Variabilität der Sonneneinstrahlung, der Vulkanaktivität und gesonderten Großereignissen wie Meteoriteneinschlägen.
Bei der Erdatmosphäre handelt es sich um ein chaotisches System, welches in bestimmten Fällen vergleichsweise plötzlich umschlagen kann, obwohl es vorher oft nur sehr träge auf bestimmte Einflüsse reagierte, beispielsweise in dem diese durch negative Rückkopplungen abgeschwächt wurden. Es gibt jedoch zahlreiche Effekte, die dazu führen, dass eine negative Rückkopplung sehr schnell in eine positive Rückkopplung umschlägt und so jegliche Trends der Klimaentwicklung mit einer potenziellen Unsicherheit behaftet sind. Dabei kann die Ursache des Umschlags selbst sogar in der Vergangenheit liegen.
Der durch die statistischen Daten beschriebene Klimacharakter und das Klima selbst sind hier jedoch zu unterscheiden. Ziel der Klimatologie ist es den Unterschied zwischen beiden zu minimieren, jedoch kann dies aufgrund der Komplexität des Klimas und hierdurch bedingten Notwendigkeit einer Vereinfachung immer nur einen Näherungscharakter besitzen.
Siehe auch: Treibhauseffekt, Ozonloch, Sommeranomalie
Klimafolgen
Als Klimafolgen bezeichnet man nicht die Folgen des Klimas, denn diese sind omnipotent und eindeutig, sondern die Folgen des Klimawandels, besonders in Bezug auf den Menschen.
Siehe auch: Klimafolgen, Klimafolgenforschung
Klimamodelle
Hauptartikel: Klimamodell
Ein Klimamodell ist ein Computer-Modell zur Berechnung und Vorhersage des Klimas für eine bestimmten Zeitabschnitt. Das Modell basiert in der Regel auf einem Meteorologiemodell, wie es auch zur numerischen Wettervorhersage verwendet wird. Dieses Modell wird jedoch für die Klimamodellierung erweitert, um alle Erhaltungsgrößen korrekt abzubilden. In der Regel wird dabei ein Ozeanmodell, ein Schnee- und Eismodell für die Kryosphäre und ein Vegetationsmodell für die Biosphäre angekoppelt. Klimamodelle stellen die komplexesten und rechenaufwendigsten Computermodelle dar, welche bisher entwickelt wurden. Die „Voraussagen“ der Klimamodelle sind naturgemäß unsicherer als die der Wettermodelle, da hier wesentlich größere Zeiträume in Betracht gezogen und eine große Zahl zusätzlicher Parameter berücksichtigt werden müssen. Aus diesem Grunde spricht man bei diesen Einzelmodellen auch von Klimaszenarien und nicht von Klimavorhersagen. Der Unterschied zwischen diesen ist, dass man für ersteres eine Vielzahl verschiedener Szenarien modelliert, einerseits mit anderen Modellen und andererseits mit anderen Vorwegannahmen. Eine Klimaprognose basiert also auf der Auswertung verschiedener Modellierungsversuche und ist auch aufgrund der schwierigen Vergleichbarkeit zwischen diesen nur sehr schwer zu erstellen. Da die einzelnen Szenarien, welche sich auch in der Struktur der Intergovernmental Panel on Climate Change widerspiegeln, unterschiedliche Endresultate aufweisen, kann auch eine darauf basierende Klimaprognose nur eine Spannweite von Möglichkeiten aufzeigen. Dies zeigt sich daher auch an der von der IPCC prognostizierten globalen Erwärmung mit einer Spannweite von 1,4 bis 5,8 °C zum Jahr 2100 (IPCC 2001).
°C
Klimadiagramme
Hauptartikel: Klimadiagramm
Ein Klimadiagramm bezeichnet die grafische Darstellung klimatischer Verhältnisse an einem bestimmten Ort im Jahresverlauf. Dabei werden üblicherweise die Klimaelemente Niederschlagsmenge und Temperatur berücksichtigt und als 30jährige Mittelwerte dargestellt.
Üblicherweise wird das Walter-Lieth-Diagramm verwendet, welches auf dem Beispiel von Rio de Janeiro zu sehen ist.
Häufig auftretend ist außerdem das Thermoisopletendiagramm, bei dem nur die Temperatur dargestellt wird. Diese ist bei diesem Diagramm jedoch für jede Stunde von jedem Tag im Jahr im einzelnen ablesbar.
Klimazonierung und Klimaklassifikation
Hauptartikel: Klimazone
Gebiete gleicher klimatischer Bedingungen werden in Klimazonen eingeordnet und dadurch klassifiziert. Zur Einteilung der Erde in verschiedene Klimazonen gibt es dabei verschiedene Klassifikationen. Die Bekannteste ist diejenige von Wladimir Köppen. Die Klimazonen werden vor allem durch Klimadiagramme charakterisiert.
Man unterscheidet in Abhängigkeit
- vom Ozean maritimes Klima und
- vom Festland kontinentales Klima.
Man unterteilt kleinskalige Klimate unter anderem in
- Gebirgsklima (Orographie),
- Grenzflächenklima,
- Kleinklima, Lokalklima, Regionalklima, Standortklima,
- Landschaftsklima,
- Topoklima,
- Stadtklima und
- Waldklima.
Klima auf anderen Planeten
Der Klimabegriff ist zwar in Bezug auf die Erde am gründlichsten beschrieben und klassifiziert, jedoch sind dessen Grundprinzipien unabhängig vom Charakter des Klimas selbst und damit in letzter Konsequenz auch vom Planeten Erde. Vor allem im Bereich der Wetter- und Klimamodellierung werden daher Ansätze verfolgt, auch das Klima anderer Himmelskörper unseres Sonnensystems zu beschreiben (extraterrestrische Meteorologie). Da diese ein vollkommen anderes Set an Klimafaktoren und Eingangsvariablen für die klimatologischen Modelle aufweisen (siehe Atmosphäre und Planetenartikel), zeigen sich dabei Übertragungsprobleme. Hinzu kommt eine in vielen Fällen und Bereichen mangelhafte Datenlage. Der Nutzen dieser Projekte liegt jedoch nicht nur im Verständnis der fremdplanetaren Klimate in Bezug auf extraterrestrische Aktivitäten des Menschen, wie beispielsweise einem bemannten Marsflug, sondern auch in der Verbesserung terrestrischer Klimamodelle durch die Erprobung ihrer abgewandelten Entsprechungen an physikalisch völlig anders gearteten Systemen. Ein Beispiel hierfür ist das MAOAM-Projekt.
Klima im alltäglichen Sprachgebrauch
Es existieren zahlreiche Begriffe, die sich direkt oder indirekt auf das Klima beziehen, jedoch dabei auch oft auf einem falschen Verständnis des Klima- oder Umweltbegriffs basieren. Meist sind diese stark anthropogen geprägt und stellen daher eine wertende Verbindung zwischen den Auswirkungen des Klimas auf den Menschen und dem Klima selbst her.
Klimakiller und Klimaschädlinge
Das Klima als solches kann nicht getötet werden und man kann ihm auch nicht schaden. Auch Treibhausgase sind keine Klimakiller, da sie zwar das Klima beeinflussen, der Effekt des Schadens aus einer solchen Beeinflussung sich jedoch auf einen rein subjektiven Bezug zur Natur durch den Menschen bezieht. Zudem sind Treibhausgase im Rahmen des natürlichen Treibhauseffektes dafür verantwortlich, dass die globale Durchschnittstemperatur am Boden 15 °C anstatt -18 °C beträgt, wie es ohne diesen derzeit der Fall wäre. Man könnte die Treibhausgase daher mit gleicher Berechtigung auch als Klimaretter oder Klimanützlinge bezeichnen, was jedoch ebenfalls keinerlei wissenschaftlichen Aussagewert besitzt. Das Klima existiert vollkommen unabhängig davon, ob die globale Durchschnittstemperatur 15 °C, 30 °C oder 100 °C beträgt. Eine Klimaänderung eines solch extremen Ausmaßes könnte man zwar zurecht als Menschheitskiller bezeichnen, da man annimmt, das bereits eine globale Durchschnittstemperatur von über 30 °C für größere Säugetierarten ein sicheres Aussterben zur Folge hat. Eine solche Temperatur wäre demgegenüber für Lebewesen mit einem höheren Temperaturoptimum auch eine Art Rettung, speziell vor dem Menschen, der großflächig deren Lebensräume bedroht. Für ein realitätsnahes und problemorientiertes Verständnis des Klimabegriffs sind solche Begleitbegriffe daher nutzlos.
Der Begriff des Klimaschutzes ist wie der Begriff des Umweltschutzes zwar ein offizieller Begriff, jedoch bezieht sich dieser ebenfalls auf eine rein anthropogene Betrachtung dessen was schützenswert ist und warum bzw. wofür es dies ist. Der Mensch definiert hierbei, vor was Klima oder Umwelt geschützt werden müssen, und was in der Folge nicht zu diesen gezählt wird. Diese ausgeschlossenen und mit einem Stigma behafteten Umweltbestandteile werden dann oft auch zu den Klimaschädlingen oder gar Klimakillern gezählt. Es besteht daher nur ein schmaler Grad zwischen einer sinnvollen Betrachtung des Klimawandels und dessen Folgen aus einer menschlichen Perspektive heraus einerseits und einem fehlerhaften Verständnis dessen was Klima und Klimawandel ist andererseits.
Klimakollaps und Klimaumschwung
Bei beiden Begriffen handelt es sich um potenziell richtige Begriffe, die jedoch auch nur dann richtig sind, wenn sie auf eine richtige Art und Weise genutzt und verstanden werden. Ein Klimaumschwung äußert sich nicht in besonders extremen Wetterereignissen, in Naturkatastrophen oder einem Jahrhundertsommer, sondern in einem langfristigen Wandel der Klimafaktoren und -elemente.
Klimaumschwung und als Extrem hierzu der Klimakollaps sind nichts anderes als ihrerseits Extreme einer Klimaveränderung und als solche leiten sich diese auch aus den Eigenschaften der Erdatmosphäre und damit des Klimas ab, nicht jedoch aus dem, was lokal als ein besonders „heftiger“ Witterungswechsel empfunden wird. Eine Veränderung des Klimas und insbesondere Weltklimas kann nur durch vornehmlich statistische Modelle auf Basis langjähriger Messreihen nachvollzogen werden.
Extremwetterereignisse sind räumlich begrenzt und stellen daher subjektive Einzelbeobachtungen dar, die niemals mit der Klimaveränderung als solches deut- oder begründbar sind. Es handelt sich lediglich um Symptome für diese und man kann sie daher als Warnzeichen verstehen. Selbst ein enorm schneller Klimakollaps benötigt Jahre bis Jahrzehnte und niemals Wochen bis Monate, wie in manch populären Darstellungen. Zudem fällt ein solcher Klimawandel nicht „vom Himmel“ und kann daher auch nicht im eigentlichen Sinne überraschend auftreten. Er hat auch immer Ursachen und kann bei Kenntnis und Modellierbarkeit dieser im voraus abgeschätzt werden.
Dieser Begriffs ist die anthropogene Entsprechung zu Klimakollaps bzw. Klimaumschwung und als solches ein zentrales Element der Klimafolgenforschung, wenn dieser Begriff hier auch in der Regel nicht verwendet wird. Das Klima selbst kann freilich keine Katastrophe erfahren, jedoch sind die Folgen eines sehr plötzlichen Klimawandels mit aller Berechtigung aus menschlicher Sicht als Katastrophe zu interpretieren, da sie unsere Lebensweise bzw. Lebensbedingungen elementar und hierbei in aller Regel negativ berühren.
Literatur
Begriff und Definition des Klimas
- Bernhardt, K: Aufgaben der Klimadiagnostik in der Klimaforschung. Gerl. Beitr. Geophys. 96 (1987), 113-126.
- Hantel, M.; H. Kraus, C. D. Schönwiese: Climate definition. Berlin: Springer Verlag 1987.
Lehrbücher
- Weischet, Wolfgang: Einführung in die allgemeine Klimatologie. -- 6., überarb. Aufl. -- Stuttgart : Teubner, ©1995. - ISBN 3-519-03432-8
- Hupfer, Peter: Unsere Umwelt: Das Klima. Globale und lokale Aspekte. Stuttgart; Leipzig: Teubner, 1996. - ISBN 3-8154-3521-8
Weblinks
- [http://www.hamburger-bildungsserver.de/index.phtml?site=klima Ausführliche Informationen zu Klima, Klimawandel, Klimafolgen, Klimaschutz und Klimaskeptikerthesen beim Hamburger Bildungsserver]
- [http://www.payer.de/entwicklung/entw02.htm Grundgegebenheiten: Klima, Wetter, Wasser]
- [http://www.atmosphere.mpg.de/enid/660 ESPERE Klimaenzyklopädie]
- [http://www.klimadiagramme.de/ Klimadiagramme weltweit]
- [http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/lis/17515/1.html Telepolis: Der Klimaforscher Stefan Rahmstorf über den Emmerich-Film "The Day after Tomorrow"]
- [http://www.realclimate.org/ englischsprachige Artikel zu aktuellen Fragen der Klimaforschung bei realclimate.org]
Kategorie:Klimatologie
ja:気候
ko:기후
simple:Climate
Zonale VegetationZonale Vegetation umfasst Pflanzengesellschaften, die hauptsächlich vom Großklima beeinflusst sind. Überall dort, wo mittlere Bodenverhältnisse, v.a. Bodenfeuchte (weder Überschwemmungen noch Trockenheit), herrschen, bildet sich nach Heinz Ellenberg klimatische Klimaxgesellschaften.
Zum überwiegenden Teil würde sich der Wald in Mitteleuropa heute, in der Nachwärmezeit, ohne störende Einflüsse zu den zonalen Gesellschaften der Buchenmischwälder (Fagetalia) in ozeanisch geprägten Bereichen, im Übergang zu subozeanischen zu Eichenmischwälder (Quercetalia) entwickeln.
Siehe auch
- Azonale Vegetation
- Extrazonale Vegetation
- potenzielle natürliche Vegetation
- Waldgesellschaften Mitteleuropas
- Geobotanik
Literatur
- Heinz Ellenberg: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht, Ulmer, Stuttgart 1996.
Kategorie:Klimazonen und Vegetation
Boden (Bodenkunde)Der Boden (von althochtd.: bodam) ist die durch Verwitterung entstandene Schicht an der Grenze zwischen der Atmosphäre und der Lithosphäre (Gesteinsschicht). Dieser Bereich (die Pedosphäre) ist von Wasser, Luft und Lebewesen durchsetzt.
Einleitung
Als Boden wird der belebte oberste Teil der Erdkruste bezeichnet. Nach unten wird er durch festes oder lockeres Gestein begrenzt, nach oben durch eine Vegetationsdecke und die Atmosphäre. Er besteht aus anorganischen Mineralien und dem organischen Humus und ist im Raum in einem Bodengefüge angeordnet. Die Hohlräume sind mit Bodenlösungen und Bodenluft mehr oder weniger erfüllt.
Der Boden ist ein Naturkörper, der unter einem bestimmten Klima und einer bestimmten streuliefernden Vegetation durch bodenbildende Prozesse umgewandelt wurde und auch heute noch umgewandelt wird.
Bodenbildende Prozesse sind die Verwitterung der Gesteine, Mineralbildungen, Zersetzungen und Humifizierung, die Gefügebildung und die Verlagerung gebildeten Bodens. All diese Prozesse waren mit Voraussetzung für die Entstehung der Biosphäre und die Evolution der lebenden Organismen (Krumsiek, K., Neumann, H.G., 2005).
Die wichtigste Rolle spielt der Boden als zentrale Lebensgrundlage für Pflanzen und direkt oder indirekt für Tiere und Menschen.
Die Lebewesen spielen ihrerseits eine wichtige Rolle bei der Bodenentwicklung (Pedogenese), insbesondere durch die Produktion und Einarbeitung von Humus. Sie sorgen auch für Be-/Durchlüftung sowie für eine Durchmischung des Bodens (Bioturbation). Die obere organisch beeinflusste Bodenschicht wird als Oberboden bezeichnet.
In der Bodenkunde werden die häufigsten Betrachtungen und Definitionen in einem Bereich von 1,00 m bis 1,50 m angewandt. Oft liegt unterhalb dieser Marke nur zerkleinertes Gestein mit wenig veränderter Zusammensetzung vor. Jedoch genau diese Veränderungen des Substrates im zeitlichen Verlauf der Bodenbildung sind Voraussetzung einer detaillierten Beschreibung und Benennung der verschiedenen Bodentypen. Allgemein verläuft die Entwicklung von sehr flachen, sehr steinigen Böden zu tiefgründigen, feinkörnigeren Böden bzw. von schwach zersetztem, mineralienreichem Gestein zu stark zersetzten, ausgewaschenen Böden. Aus dem vorhandenen Substrat, der Bodenart, entwickelt sich durch „äußere“ Einflüsse (wie Klima, Vegetation, Nutzungsart) im Laufe der Zeit ein Bodentyp mit spezifischen Eigenschaften.
Weiter kann noch eine Bodenform ausgeschieden werden. Sie bildet das Gesamtbild aus Bodenart und Bodentyp.
Einige praktische Anwendungsbereiche der Bodenkunde sind Bodenschutz, Landwirtschaft und Forstwirtschaft.
Bodenfunktionen
Die wichtigste Rolle spielt der Boden als zentrale Lebensgrundlage für Pflanzen und direkt oder indirekt für Tiere und Menschen.
Die Lebewesen spielen ihrerseits eine wichtige Rolle bei der Bodenentwicklung (Pedogenese), insbesondere durch die Produktion und Einarbeitung von Humus. Sie sorgen auch für Be-/Durchlüftung sowie für eine Durchmischung des Bodens (Bioturbation). Die obere organisch beeinflusste Bodenschicht wird als Oberboden bezeichnet.
Einige praktische Anwendungsbereiche der Bodenkunde sind Bodenschutz, Landwirtschaft und Forstwirtschaft.
Zudem sind Böden sowohl aus erdgeschichtlicher als auch aus kulturhistorischer Sicht wertvolle Archive. Einige dieser Archive sind durch die menschliche Nutzung oder auch durch natürliche Prozesse bedroht: Sie gilt es zu erfassen und zu erforschen, bevor sie gänzlich verloren sind. Andere Bodenarchive werden auch nachfolgende Generationen noch erkunden können, besonders jene, die wir heute durch unsere Aktivitäten –bewusst oder unbewusst- selber anlegen.
Das deutsche Bundes-Bodenschutzgesetz
Eine spezielle Bedeutung haben die Bodenfunktionen im Rahmen des Bundes-Bodenschutzgesetzes (BBodSchG) vom 17. März 1998. Dieses definiert im §2 Absatz 1 den Boden als Träger der im Absatz 2 aufgeführten Funktionen (siehe Weblinks).
Da dieses Gesetz im Zuge der behördlichen Anwendung auf die gesamte Bodenkunde bzw. mit dem Boden als solches verbundene Maßnahmen ausstrahlt, kommt dieser Definition des Bodens auf Basis der Bodenfunktionen in Deutschland eine zunehmend größere Bedeutung zu.
Boden-Bestimmung und Eigenschaften
Bundes-Bodenschutzgesetz]
Die Erkennung eines Bodens kann in vielen Fällen auf Grund einiger weniger Eigenschaften wie Bodenart, Bodenartenschichtung, Ausgangsmaterial usw. erfolgen.
In manchen Fällen sind jedoch weitergehende physikalische und chemische Analysen zur Identifikation eines Bodens notwendig.
Wichtige charakteristische Eigenschaften eines Bodens sind:
- die Bodenhorizonte: bilden wie schon ihr Name sagt Trennlinien zwischen unterschiedlich gearteten Böden, die geprägt werden durch Gefüge, Bodenart, Farbe, Fleckung u. a. Sie sind das Ergebnis bodenbildender Prozesse, welche das Ausgangsgestein verändern. Ihre Aufeinanderfolge bestimmt die bodensystematische Zuordnung.
- die Bodenart: gekennzeichnet durch die Korngrößenzusammensetzung des mineralischen Bodenmaterials. Sie reicht von reinem Ton bis zu Großblöcken.
- die Bodenfarbe: hierbei werden nach standardisierten Munsell-Farbtafeln die Farben des Bodens nach Farbe, Helligkeit und Intensität bestimmt.
- der Humusgehalt: Dieser stellt den Anteil an organischer Substanz (außer Kohle und anthropogenen Kohlenstoffverbindungen) im Boden dar. Er resultiert aus den Ausscheidungen lebender und den Rückständen abgestorbener Organismen und unterliegt einem stetigem Auf-, Um- und Abbau.
- der Kohlegehalt: Dieser gibt bei bestimmten Böden wie z. B. auf Kippen, Halden und Spülbecken den Anteil der Kohle an.
- der Carbonatgehalt:
- das Bodengefüge:
- der Wasserhaushalt (Bodenfeuchte):
- der Lufthaushalt (Bodenluft):
- der Pufferbereich:
- der Boden-pH:
- das Porenvolumen:
- die Effektive Lagerungsdichte:
- das Ionen-Austauschverhalten:
- die Durchwurzelung:
- die Zeigerarten:
- die Körnung (Sieblinie):
In der Bodenkunde werden die physikalisch-chemischen und ökologischen Eigenschaften der verschiedenen Bodenformen untersucht, beispielsweise die Fähigkeit, in den entstehenden Hohlräumen je nach Porengröße eher Wasser oder Luft zu speichern und in Abhängigkeit von der Porengröße die Pflanzenverfügbarkeit des gespeicherten Wassers.
Klassifikation von Böden
Böden können auf verschiedene Weise klassifiziert werden. Drei der wichtigsten internationalen Systeme sind die USDA-Bodenklassifikation, die FAO-Bodenklassifikation und die WRB (World Reference Base for Soil Ressources). Auf die deutsche Klassifikation geht der Artikel Bodentyp ein.
Bodenzahl
Die Bodenzahl ist eine mit dem am 16. Oktober 1934 erlassenen Gesetz über die Bewertung des Kulturbodens (Bodenschätzungsgesetz) geschaffene Wertzahl, die die ungefähre landwirtschaftliche oder gärtnerische Ertragsfähigkeit eines Bodens erfasst.
In die Bodenzahl werden einbezogen:
- die Bodenart
- das geologische Alter des Ausgangsgesteins
- die Zustandsstufe eines Bodens
Siehe auch: Kulturboden, Bodeninformationssystem, Haftwasser, Ackerzahl, Bodenklassifikation, Bodenuntersuchung
Literatur
- Scheffer F., Schachtschabel P. (2002): Lehrbuch der Bodenkunde. Spektrum Akademischer Verlag. 15. Auflage, ISBN 3827413249
- Rowell, D. L. 1997: Bodenkunde. Untersuchungsmethoden und ihre Anwendungen. Springer, Berlin, ISBN 3540618252
- Zech W., Hintermaier-Erhard G. (2002): Böden der Welt. Spektrum Akademischer Verlag, ISBN 3827413486
- Hintermaier-Erhard G., Zech (1997): Wörterbuch der Bodenkunde Enke, ISBN 3432299710
- Blume H.-P., Felix-Henningsen P., Fischer W. R. (2002): Handbuch der Bodenkunde. Ecomed Verlag, Landsberg, ISBN 3609722320
- Kuntze H., Roeschmann G., Schwerdtfeger G. (1994): Bodenkunde. UTB, Stuttgart. 5. Auflage, ISBN 3825280764
- Schroeder D., Blum W. E. H. (1992): Bodenkunde in Stichworten. (Hirts Stichwortbücher) Borntraeger, Berlin/Stuttgart, ISBN 344303103X
Weblinks
- [http://www.webgeo.de/start/index.php?inhalt=pedo&zugang=lerner&ftest=yes Lernmodule zur Bodenkunde bei WebGEO]
- [http://www.soils.uni-kiel.de/deutsch/pages/lehre/pages/downloads.htm Skripte des Institutes für Bodenkunde der Universität Kiel]
- [http://hypersoil.uni-muenster.de/ Hypersoil]
- [http://www.bodenwelten.de/bodenframe.htm www.bodenwelten.de]
- [http://www.bodenexponate.de www.bodenexponate.de]
- [http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/bbodschg/index.html Bundes-Bodenschutzgesetz]
- [http://www.ISRIC.org World Soil Information]
Kategorie:Bodenkunde
ja:土
Rotbuchenwald
Der Buchenwald ist eine Waldgesellschaft, in der sich die konkurrenzstarke Rotbuche (Fagus sylvatica) durchgesetzt hat und in dem andere Baumarten nur vereinzelt vorkommen. Trotzdem werden pflanzensoziologisch in der Klasse der Buchenwälder auch weitere Waldgesellschaften (Mischwälder) zusammengefasst, die keine Reinbestände sind oder nur sehr wenige Buchen aufweisen. Ohne den Einfluss des Menschen wären weite Gebiete Mitteleuropas von Buchenwäldern oder Buchenmischwäldern bedeckt. Sich selbst überlassene Buchenwälder stellen nach herrschender Lehrmeinung eine der Urwaldformen Mitteleuropas dar.
Einteilung der Rotbuchenwälder und Ökologie
Fast alle Laubwälder und Mischwälder mit Rotbuchen werden zum Verband der Rotbuchenwälder zusammengefasst, deren potenzielle Verbreitung sich sich mit der Verbreitung der Rotbuche deckt, die vom Atlantik bis nach Osteuropa reicht. Der Verband der Rotbuchenwälder (Fagion sylavticae) kann gröbstens in 7 Unterverbände und 13 Assoziationen unterteilt werden. Buchenwälder lassen sich daher schlecht beschreiben.
Die vielfältigen Ausprägungen des Buchenwaldes sind abhängig vom Boden, der Höhenlage und nicht zuletzt von seiner Bewirtschaftung. Die Bodeneigenschaften, wie zum Beispiel die Alkalität, bestimmen unter anderem, aus welchen Arten der Unterwuchs besteht und wie hoch die Rotbuchen wachsen.
Trotz der Dominanz der Rotbuche ist ein naturbelassener Buchenwald keineswegs artenarm. Naturnahe Buchenwälder mit einem hohem Anteil an alten Bäumen, stehendem sowie liegendem Totholz bieten ein ideales Habitat für viele Tier- und Pflanzenarten. In einem solchen Wald sind viele natürliche Höhlen vorhanden, in denen Höhlenbrüter, Fledermäuse und viele andere Lebewesen Brutraum und Unterschlupf finden. Aufgrund seiner Bedeutung für viele, teilweise vom Aussterben bedrohte Arten wurde der Buchenwald zum Biotop des Jahres 1995 gewählt.
Typische, in allen Rotbuchenwäldern vorkommende Pflanzen sind z.B. Waldmeister (Galium odoratum), Hasenlattich (Prenanthes purpurea), Wald-Schwingel (Festuca altissima), Nestwurz (Neottia nidus-avis), Zwiebel-Zahnwurz (Dentaria bulbifera) sowie, in Eichenwäldern fehlend, Quirlblättrige Weißwurz (Polygonatum verticillatum), Fuchs' Greiskraut (Senecio ovatus), Weiße Pestwurz (Petasites albus), Eichenfarn (Gymnocarpium dryopteris) und andere.
Mitteleuropäische Buchenwaldgesellschaften des Tieflandes und der Hügelstufe
Moder-Buchenwälder
Der Unterverband des Luzulo-Fagenion kann als Säurezeiger angesehen werden. Buchenwälder auf sauren Böden sind weit häufiger als solche auf alkalischen Böden. Die beiden Grundassoziationen des artenarmen Moderbuchenwaldes und des Hainsimsen-Buchenwaldes wachsen auf Böden deren Säuregehalt so hoch ist, dass die Toleranzgrenze der Rotbuche erreicht ist. Charakterarten sind Weißliche Hainsimse (Luzula luzuloides), Differentialarten sind Drahtschmiele (Avenella flexuosa) und Heidelbeere (Vaccinum myrtillus).
Artenarmer Moderbuchenwald:
- Artenarme Moderbuchenwälder gedeihen auf sehr sauren Böden. In der Baumschicht sind bereits viele Stieleichen vorhanden und der Säurezeiger Besenheide (Calluna vulgaris) kommt hier bereits vor, so dass diese Assoziation ein Übergang zu den Eichenwäldern darstellt.
Hainsimsen-Buchenwälder:
- Diese Wälder werden in der FFH-Richtlinie unter dem Begriff Hainsimsen-Buchenwälder geführt und können unterschiedlichen Unterwuchs haben.
- In Bärlapp-Hainsimsen-Buchenwäldern finden sich Bärlappgewächse (Lycopodiaceae) und die zu den Binsengewächsen gehörenden Hainsimsenarten (Luzula sp.) im Unterwuchs. In Flattergras-Buchenwäldern prägen Sauerklee (Oxalis sp.), Buschwindröschen (Anemone nemorosa) und Flattergras (Milium effusum) das Erscheinungsbild des Unterwuchses.
Flattergras.]]
Mull-Buchenwälder
Mit abnehmenden Säuregehalt des Bodens gehen die Moder-Buchenwälder in den Unterverband der Mull-Buchenwälder (Galio odorati-Fagetum) über. Der Mull-Buchenwald hat wenig oder keine Differential- oder Charakterarten und lässt sich in zwei Assoziationen unterscheiden:
- Braunmull-Buchenwald (Galio odorati-Fagetum) oder Waldmeister-Buchenwald
- Frischer Kalkbuchenwald oder Waldgersten Buchenwald, in dem bereits die schwachen Basenzeiger als Differentialarten Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis) und Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus) sowie die Differentialarten Haselwurz Asarum europaeum, Nesselblättrige Glockenblume (Campanula trachelium), Echter Seidelbast (Daphne mezereum) vorkommen. Verbands-Charakterarten sind, wie der Name schon sagt, Waldgerste (Hordelymus europaeus) und selten auch Christophskraut (Actaea spicata).
Trockenhang-Kalkbuchenwälder
Kalkbuchenwälder sind sehr viel seltener als Hainsimsen-Buchenwälder. Da die kalkhaltigen Böden sehr gut für die Landwirtschaft geeignet sind, werden diese Flächen seit Jahrhunderten für den Ackerbau genutzt. Die verbliebenen Kalkbuchenwälder stellen weit verstreute Inselvorkommen dar. Viele Arten, die auf diesen speziellen Buchenwaldtyp angewiesen sind, sind stark gefährdet.
- Orchideen-Buchenwald (Cephalanthero-Fagenion) kommt dort vor, wo außer kalkhaltigem Boden auch noch relative Trockenheit vorkommt, die die Wuchshöhe und Vitalität der Rotbuchen einschränkt. Unter solchen Bedingungen können die seltenen und teilweise auffällig blühenden Orchideen wie der Frauenschuh (Cypripedium calceolus), Korallenwurz oder verschiedenen Waldvögeleinarten (Cephalantera sp.) gedeihen.
- Im Seggen-Buchenwald (Carici-Fagetum) finden sich Seggenarten, wie die Pillen-Segge (Carex pilulifera), die Berg-Segge (Carex montana) oder Finger-Segge (Carex digitata). Seggenreiche Buchenwälder werden auch als Seggen-Buchenwald bezeichnet.
- Im Blaugras-Hangbuchenwald (Seslerio-Fagetum) kommen zum Beispiel Kalk-Blaugras (Sesleria albicans), Buntes Reitgras (Calamagrostis varia), Wald-Hahnenfuß (Ranunculus nemorosus), Buchs-Kreuzblume (Polygala chamaebuxus) als Differentialarten in Frage.
Siehe auch
- Nationalpark Kellerwald-Edersee - Hainsimsen-Buchenwälder
Literatur
- Heinz Ellenberg, 1996: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart. ISBN 3825281043
Weblinks
- [http://www.natura2000.munlv.nrw.de/fachdoku/lebensraeume/buchenwald.htm www.natura2000.munlv.nrw.de] - Fachdokumentation zum Lebensraum Buchenwald im Rahmen der Natura 2000 des Landes NRW
- [http://www.nabu.de/naturschutz/buchenwaelder.pdf www.nabu.de] - Der NABU über die Folgen der Bewirtschaftungsformen der Buchenwälder im norddeutschen Tiefland (pdf-Datei)
- [http://www.orchid-rhoen.de/Biotope/Biotop_Kalkbuchenwald.htm www.orchid-rhoen.de] - Die Orchideen der Rhön: Biotop Kalkbuchenwald
- [http://2004.lwf.bayern.de/lwfbericht/lwfber27/kap4.htm 2004.lwf.bayern.de] - Buchen-Eichen-Urwälder und die Megaherbivoren - Forstliche Reiseeindrücke aus dem Iran
Kategorie:Wald
Norddeutsches TieflandDas Norddeutsche Tiefland, auch "Norddeutsche Tiefebene", bildet einen der Landschaftsgroßräume in Deutschland zwischen den Küsten der Nord- und Ostsee sowie den Norddeutschen Mittelgebirgen.
Im Westen begrenzen die Wesergebirge, Teutoburger Wald und Wiehengebirge das norddeutsche Tiefland und trennen die Westfälische Bucht ab. Dagegen dehnt sich das Nordostdeutsche Tiefland östlich von Harz und Kyffhäuser weiter nach Süden bis zur Leipziger Bucht und der Dresdner Elbtalweitung bis zum sächsischen Hügelland und dem Nordrand des Erzgebirges aus. Im Osten schließt sich Pommern an, die westliche Grenze ist die Ems und der Dollart, und im Südosten die Oberlausitz. Die Niederlausitz und das Oderbruch können noch zum norddeutschen Tiefland gerechnet werden.
Landschaft, Böden und ihre Entstehung
Die Landschaft wurde durch zuletzt maßgeblich im Verlauf der Eiszeiten durch Gletschervorstöße des skandinavischen Inlandeisschildes geformt. Das Relief des Norddeutschen Tieflandes ist eben bis wellig. Die tiefsten Punkte liegen in den ausgedehnten Tieflandsmooren und den Marschen im Nordwesten Niedersachsens auf Meereshöhe. Die ausgedehnten ombrogenen Hochmoore sind in niederschlagsreichen Warmzeiten entstanden.
Die küstennahen Gebiete bestehen teilweise aus holozänen Flussmarschen bzw. Boddenlandschaft, der sich die pleistozäne Alt- oder Jungmoränenlandschaft (Geest) in verschiedensten Ausprägungen anschließt. Nach bzw. bei Rückzug der Gletscher bildeten sich Flugsanddünen, die durch die Vegetation festgelegt wurden. Menschliche Eingriffe ließen die Lüneburger Heide entstehen und sorgten dort für eine großflächige Verarmung (Podsolierung) der Böden. Die fruchtbarsten Böden sind die Marschen (Auen-Vegen) und die Börden (Hildesheimer Börde, die Altmark und die Magdeburger Börde, mit ca. 90 Bodenpunkte). Die ärmsten Böden sind die Hochmoor-Torfböden im Teufelsmoor mit weniger als 10 Bodenpunkte. Die Lössgebiete des Tieflandes gehören zu den ältesten Siedlungsstandorten Deutschlands (Bandkeramische Kultur).
Im erdgeschichtlich besonders jungen östlichen Teil befinden sich viele Seen (v. a. die Mecklenburgische Seenplatte mit der Müritz). Die letzte Eiszeit, das Weichselglazial, hat diese Landschaft vor rund 10 000 Jahren hinterlassen. Die Oberflächengestalt in der nordwestdeutschen Geest ist dagegen schon stärker verwittert, da die letzten Vergletscherungen hier wesentlich länger zurückliegen (vgl. u. a. Saale-Eiszeit).
Ems, Weser, Elbe und Spree sind die wichtigsten Flüsse, die das Tiefland in die Nordsee entwässern und für die Entstehung von Au- und Bruchwäldern wie den Spreewald sorgten. Die Wasserscheide zur Ostsee verläuft nur wenige Kilometer westlich von Oder und Neiße.
Klima und Vegetation
Klimatisch sind der Küstenstreifen und die vorgelagerten ostfriesischen Inseln euozeanisch geprägt. Nach Süden schließt sich ein breiter Steifen ozeanisch geprägten Klimas an, der von der Ostküste Schleswig-Holsteins bis zu den Mittelgebirgen zieht. Das Klima geht in südöstlicher Richtung allmählich in subkontinentales Klima über. Im Windschatten des Harzes und einiger kleineren Erhebungen wie Drawehn und Fläming hat sich zum Teil trockeneres kontinentales Lokalklima ausgeprägt. Mikroklimatische
Besonderheiten bieten sich in den Moore und Heiden durch für die Landwirtschaft sehr ungünstiges Klima sowie im Alten Land bei Hamburg, das durch die ganzjährig milde Temperaturen von Nordsee und Elbe geprägt ist und dadurch traditionelles Obstbaugebiet ist.
azonalen Vegetationskomplexen der Moore, Auwälder, Bruchwälder und Gewässer, waren ursprünglich ausgedehnt an Ems, Weser, Elbe und Spree vorhanden. Ausgeprägten Salzwiesen, Watten und Tideröhrichten der Mündungstrichter hielten sich dauerhaft an der flachen Nordseeküste in der Gezeitenzone. Die Zonale Vegetation des Norddeutschen Tieflandes ist nach herrschender Lehrmeinung fast ausschließlich der Verband der Rotbuchenwälder.
Literatur
- Heinz Ellenberg, 1996: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart. ISBN 3825281043
Kategorie:Landschaft in Europa
Kategorie:Glaziologie
Kategorie:Norddeutschland
Auwald
Auwald bezeichnet eine natürliche Vegetationsform entlang der Bäche und Flüsse (siehe auch Flussaue). Auwälder sind azonale Waldgesellschaften, die von Überschwemmungen und hohen Grundwasserpegel stark beeinflusst werden.
Ist der Standort häufig, lang andauernd und hoch, meist schnell durchströmt (100 bis 200 Tage im Jahr), bildet sich eine Weichholzaue. Bei kürzeren oder selteneren Überflutungen mit geringer Fließgeschwindigkeit in größerer Entfernung zur Strommitte bildet sich eine Hartholzaue. Ausgedehnte Hartholzauen sind daher nur in den größeren Flusstälern anzutreffen. Je nach Klimazone und Höhenlage bilden sich weitere Ausprägungen.
Aufgrund des kleinflächigen Mosaiks unterschiedlicher Standortverhältnisse zählen Auwälder zu den artenreichsten Lebensräumen Europas. Durch die Bevorzugung der Flussauen als Siedlungsraum sind naturnahe Auwälder in Mitteleuropa nahezu verschwunden und sind europaweit nach FFH-Richtlinie streng geschützt ("national prioritär zu erhaltende Lebensräume").
Zonierungen und Ausprägungen
Auwälder unterliegen der Dynamik fließenden Wassers. Längs des Flusses beeinflusst die Strömungsgeschwindigkeit, quer zur Fließrichtung die Höhe des Hochwassers maßgeblich die Vegetation. Es werden fünf Zonen der flussparallelen Wälder unterschieden: Quelllauf, Oberlauf, Mittellauf, Unterlauf, Mündungslauf.
Neben dieser Längsgliederung in Flussabschnitte ist eine mehr oder weniger ausgeprägte Quergliederung erkennbar, eine Stufenreihe der Formationen ausgehend von der Flussmitte bis zum Rand der Aue. Vor allem in Mittel- und Unterlauf sind diese zu erkennen. Die typischem Merkmale für den Auwald sind die Flüsse mit Sedimentablagerung (in Reihenfolge: Sand-Kies-Ton und nach 5-10 Metern Aue-Lehm). Auwälder verringern die Fließgeschwindigkeit und Morphologie des Gewässers. Daraus resultieren ein hoher Grundwasserspiegel. Beim Auwald können verschiedenen Sukzessionsstadien nebeneinander auftreten.
Längsgliederung
Am Quelllauf finden sich streckenweise so genannte Staudenfluren, wie z.B. Deutsche Tamarisken (Myricaria germanica). Ist die Fließgeschwindigkeit sehr hoch kann begleitende Vegetation auch fehlen. Bremsen Hindernisse (Felsschwellen) den Fluss können auch weidenbestimmte (Salix) Auen auftreten.
weiden, am Halblech (Ostallgäu)]]Halblech
Der Auwald ist am Oberlauf meist nur als ein schmales, flussbegleitendes Band ausgebildet. Wegen der hohen Strömungsgeschwindigkeit werden nur Kies und grober Sand abgelagert. Auf den so entstandenen Kiesbänken können sich Weiden z.B. Purpurweide (Salix purpurea) ansiedeln, etwas ferner des Flusses finden sich Erlen z.B. Schwarzerle (Alnus glutinosa) und weitere flachwurzelnde Weichhölzer ein.
Am Mittellauf nimmt die Fließgeschwindigkeit deutlich ab und die Sedimentation nährstoffreichen Feinmaterials setzt ein. Außer der Vegetation der Kiesbänke bilden sich nun Weichholz- und Hartholzaue aus.
Eine deutliche Abnahme des Gefälles und zunehmende Mäander kennzeichnen die Situation am Unterlauf des Flusslaufes. Die Fließgeschwindigkeit sinkt, folglich sinken auch kleinste Schwebteilchen (Tone u. Schluffe) nieder. Durch periodische oder zeitweise Überschwemmungen entstehen, abhängig vom Ausgangsgestein oder –substrat sehr nährstoffreiche Böden (Rendzina, Vega, Tschernitza). Weichholzaue und Hartholzaue sind hier im Naturzustand häufig einem großflächigen Mosaik aus Altarmen, Brüchern und Uferzonen vorhanden.
Am Mündungslauf ist die Vegetationsentwicklung davon abhängig, ob die Gezeiten den Wasserstand mit beeinflussen. Ist dies, wie bei den meisten mitteleuropäischen Flüssen der Fall, bilden sich besondere Röhrichtdickungen aus.
Der Salzgehalt der Tide stellt einen begrenzenden Faktor dar.
Quergliederung
Die Stufenreihe im Mittel- und Unterlauf folgt idealtypisch diesem Aufbau:
Tide
- Flussbett
- Amphibischer Uferbereich
- Flussröhricht
- Weidengebüsch
- Weichholzaue
- Hartholzaue
- Randmoore
- nicht überflutete Gestade
- (eiszeitliche) Schotterterrassen
Anpassungen an das Wasser
Die Pflanzen des Auwaldes können im Wurzelbereich besondere Anpassungen an den wechselnden Wasserstand zeigen. Die Flatter-Ulme wechselt im Alter ihr Wurzelsystem von einer Pfahlwurzel zu einer Herzwurzel, um wahrscheinlich möglichst viel Boden oberhalb des Grundwasserspiegels zu durchwurzeln. [http://www.seba.ethz.ch/lieblinge/lieb_flul.htm Quelle]
Auf ganzjährig wassergesättigten und nahezu sauerstofffreien Böden mit nur geringen und kurzzeitigen Hochwässern ist die Schwarz-Erle zu finden, die ihre Wurzeln über Atemöffnungen im Stamm mit Sauerstoff versorgt.
Erlen und Weiden haben in ihren Wurzeln große Hohlräume, in denen Sauerstoff transportiert wird (Thermoosmose) und manche Weiden verbreiten sich bevorzugt über abgebrochene Aststücke, die anlanden und Wurzeln schlagen (z.B. Bruchweide). Auch die hohe Wachstumsgeschwindigkeit ist typisch für Bäume der Weichholzaue, da der natürliche Fluss ständig die Morphologie des Uferbereiches verändert.
Bedeutung und Bedrohung der Auwälder
Es wurden viele Auwälder abgeholzt und zu Weideland umgewandelt. Der Wunsch, die Flußläufe zu regulieren und möglichst ganzjährig schiffbar zu machen, hat dann, v.a. in Mitteleuropa, nur noch Reste des ursprünglichen Auwaldvorkommens übrig gelassen (rd. 300 km² Auwald und davon 60 km² naturnah [http://www.lwf.bayern.de/lwfaktuell/lwfakt16/ Quelle]). Seitdem die häufigeren und schwereren Flußhochwässer in die Öffentlichkeit dringen und auf eine Fehlentwicklung im Wasserbau deuten (siehe Wildbachverbauung, Gewässerkorrektion), ist eine Umkehr dieser Entwicklung im Gange. Man renaturiert vor allem kleinere Flussläufe und Flussabschnitte (z.B. Isar, Nationalpark Donau-Auen)
Der Leipziger Auwald
Der Leipziger Auwald war früher eine Weichholzaue (Erle). Nachdem Leipzig das Stadtrecht erhielt, wurden Anfang des 20. Jahrhunderts Kanäle und Wehre gebaut, die die Überschwemmungen regulieren und Leipzig an das Wassertransportnetz anschließen sollten. Daraufhin sank der Grundwasserspiegel rasch und durch die Zerstörung der Flussläufe bildete sich eine Hartholzaue aus vorwiegend Stieleichen. Der Auwald hat eine Länge von 30km und eine Durchschnittsbreite von 5 km. Der Auwald ist in seiner Gesamtheit heute ein Naturschutzgebiet.
Siehe auch
- Bruchwald.
Literatur
Ellenberg, Heinz: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht. Stuttgart, Eugen Ulmer Verlag 1996 (1095 S.)
Scheffer, Fritz; Schachtschabel, Paul; Blume, Hans-Peter: Lehrbuch der Bodenkunde. Berlin, Spektrum, Akademischer Verlag 2002 (593 S.)
Strasburger, Eduard: Lehrbuch der Botanik. Berlin, Spektrum, Akademischer Verlag 1999 (1007 S.)
Weblinks
- http://wiedemax.de/themen/natur/auwald_leipzig.php - Leipziger Auwald
Kategorie:Biotop
Kategorie:Forstwirtschaft
Kategorie:Wald
SiegerlandDas Siegerland ist eine Region in Deutschland. Es umfasst den Altkreis Siegen des heutigen Kreises Siegen-Wittgenstein in Nordrhein-Westfalen sowie den sich westlich anschließenden sogenannten Oberkreis des Landkreises Altenkirchen, der zu Rheinland-Pfalz gehört. Geologisch gehört das Siegerland zum rechtsrheinischen Teil des Rheinischen Schiefergebirges. Die höchste Erhebung ist der Riemen mit 678 m ü. NN.
Die Region um die Stadt Siegen zählt zu den Verdichtungsräumen der Bundesrepublik Deutschland. Zu diesem Verdichtungsraum gehören die nordrhein-westfälischen Städte Hilchenbach, Netphen, Kreuztal, Freudenberg, Siegen, die Gemeinden Wilnsdorf, Burbach und Neunkirchen sowie die rheinland-pfälzischen Städte Herdorf, Kirchen und Betzdorf sowie die Gemeinde Daaden. In diesem Gebiet leben ca. 300.000 Einwohner.
Die Region ist von der Herstellung von Eisen und deren Weiterverarbeitung geprägt. Erste Spuren der Eisenverhüttung im Siegerland reichen bis in die Frühe Eisenzeit um das Jahr 600 v. Chr. zurück. Zeugnis davon liefert der in der frühen La-Tène-Zeit um 500 v. Chr. errichtete Ofen in Wilnsdorf. Charakteristisch für diese Gegend sind Hauberge, in denen das Holz für die Herstellung von Holzkohle geschlagen wird.
Mit der Schließung der Grube Georg in Willroth endeten am 29. März 1965 über 2000 Jahre Erzbergbau im Siegerland.
Kulinarische Spezialitäten des Siegerlandes
- Riewekooche
- Siegerländer Krüstchen
- Schanzenbrot
- Krebelcher
- Krombacher Pilsener
Kultur des Siegerlandes
- Dilldappen
- Sinnlos im Weltraum
Kategorie:Region in Nordrhein-Westfalen
!
Harz (Mittelgebirge)
Der Harz, bis ins Mittelalter Hart (= Bergwald) genannt, ist das nördlichste Mittelgebirge in Deutschland und das höchste Gebirge Norddeutschlands. Anteil am Harz haben die Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
Geografie und Geologie
Thüringen
Das Gebirge ist 110 km lang und 30-40 km breit, bedeckt eine Fläche von 2226 km² und reicht von der Linie Salzgitter-Göttingen bis zur Lutherstadt Eisleben. Es gliedert sich in den niedrigeren Unterharz im Südosten mit Höhen bis zu 400 m - dessen Hochflächen auch agrarisch nutzbar sind - und die höheren Gipfel des großteils bewaldeten Oberharzes im Nordwesten, der Höhen bis zu 800 m erreicht. Ober- und Unterharz sind durch eine Linie, die sich von Wernigerode nach Bad Lauterberg zieht, voneinander getrennt. Nur einzelne Gebirgsgruppen erheben sich bis 1000 m und mehr, so der Brocken, die Bruchberg-Acker-Zone und der Wurmberg. Felsgesteine älterer Erdperioden setzen mit vielerlei Erzen und Mineralien das Gebirge zusammen.
Brocken, Nationalpark und ehemalige deutsch-deutsche Grenze
Brocken
Der höchste Berg ist der Brocken (1141,1 m) - der
als der berühmteste "Hexentreffpunkt" im alten und mittelalterlichen Europa gilt und den Goethe in seinem Faust beschreibt. Weitere hohe Berge sind der Wurmberg bei Braunlage (971 m) und die Achtermannshöhe bei Braunlage (926 m). Das gesamte Gebirge wird von mehreren tiefen Tälern durchschnitten.
Der Harz ist ein Schollengebirge, das nach Westen und Nordosten verhältnismäßig steil abfällt und sich nach Süden allmählich abflacht.
Im Harz befinden sich der Nationalpark Harz sowie der Nationalpark Hochharz. Rund um das Gebirge liegt das ausgedehnte Harzvorland.
Durch das westliche Drittel verlief bis 1990 die "deutsch-deutsche Grenze" zwischen Ost und West. Das Brockenplateau und weitere grenznahe Harz-Gipfel waren ein großes militärisches Sperrgebiet, in das erstmals am 3. Dezember 1989 demonstrierende Wanderer kamen. Der Tourismus zum Brocken ist seitdem sehr intensiv geworden, andere Höhen und Naturschönheiten sind aber noch fast vergessen: Urwälder und lichte Buchenwälder, Badeseen und Tropfsteinhöhlen, Bergbäche und Klippen, liebliche Wiesentäler, Goethe-Spuren und Trekkingtouren. Doch auch dürre Wälder und Säuresteppen aus der DDR-Zeit sind vorzufinden.
Gebirgsbildung und Bergbau
DDR
Der Harz ist geologisch das vielfältigste der deutschen Mittelgebirge, wobei basenarme Gesteine bei weitem überwiegen. Seine Landschaften sind durch steile Bergketten, Blockhalden, Hochebenen mit vielen Hochmooren und langgestreckte, schmale Täler charakterisiert, von denen das Bodetal von Thale nach Ilsenburg eines der bekanntesten ist.
Die Auffaltung erfolgte hauptsächlich während einer markanten Phase des Paläozoikums, nämlich im Rahmen der variszischen Gebirgsbildung vor 350 bis 250 Millionen Jahren. In dieser Zeit der Erdgeschichte entstanden in Westeuropa zahlreiche Hochgebirge, unter anderem Fichtel- und Rheinisches Schiefergebirge. Sie wurden jedoch durch ihre Hochlage (bis zu 4 km) stark erodiert und später von mesozoischen Gesteinen überdeckt, so dass sie meist nur als "variszische Inseln" zwischen diesen hervorragen.
Dem Bergbau und Hüttenwesen verdanken seit dem 16. Jahrhundert die sieben Oberharzer Bergstädte und rund 30 weitere Ortschaften im Harzinnern, und weitere zahlreiche Randorte am Gebirgsfuß ihre Blüte, allen voran die ehemalige Reichsstadt Goslar, deren Glanz von den Erzschätzen des Rammelsberges abhing. Der Bergbau bestimmte maßgeblich das Harzer Wirtschaftsleben und sein Landschaftsbild. Die Bergleute schufen auch das berühmte technische System der Oberharzer Wasserwirtschaft, von dem noch 160 km Wassergräben und 68 Stauteiche (mit 1 Mio. Kubikmeter Inhalt) genutzt werden, und ohne deren Energieleistung die Erzförderung schon im 18. Jahrhundert hätte eingestellt werden müssen.
Im östlichen Harzvorland (Mansfelder Land und Sangerhäuser Mulde) wurde bis ca. 1990 Kupferschieferbergbau betrieben, dessen Anfänge urkundlich um 1199 erwähnt werden. Weiterhin befinden sich in Sondershausen und Teutschental Kalischächte, in der Nähe von Röblingen werden durch einen Montan - Betrieb geologische Wachse abgebaut.
Geo-Weblinks
- [http://www.innovations-report.de/html/berichte/geowissenschaften/bericht-9223.html Der Harz "wuchs" um mehr als 4km! Geologische Profile usw.]
- [http://www.nationalpark-harz.de/ Nationalpark - Lebensraum und Geologie]
Das letzte Bergwerk im Oberharz - das Erzbergwerk Grund in Bad Grund - stellte 1992 die Förderung wegen der geringen Blei- Zinkgehalte der Ganglagerstätte ein. Mit der Stillegung dieser Anlage fand der im 15. Jahrhundert im Oberharz einsetzende und fast ununterbrochen betriebene Bergbau auf Silber bzw. Blei und Zink sein Ende.
Wintersport
Auch wenn der Wintersport im Harz nicht die Bedeutung anderer Mittelgebirge, wie Thüringer Wald, Erzgebirge, Schwarzwald, Hochsauerland und die Alpen erreicht, gibt es genügend Wintersportmöglichkeiten. Zu nennen sind hier vor allem die Orte Benneckenstein, Braunlage (mit Ortsteil Hohegeiß), Goslar-Hahnenklee, Hasselfelde, Sankt Andreasberg und Schierke. Wobei wegen der Höhenlage und der Länge der Strecken mehr der nordische Skisport vorherrscht. Internationale Wintersport-Wettbewerbe finden auf der Wurmbergschanze bei Braunlage und der Biathlonanlage bei Sankt Andreasberg statt.
Erwähnenswert sind die zahlreichen Loipen im Harz. Diese liegen in reizvoller Umgebung. Ihre Qualität und Ausstattung werden vom Förderverein Loipenverbund Harz e.V. gewährleistet. Der Verein wurde 1996 auf Initiative des Nationalpark Harz von den Harzer Wintersportgemeinden, den Seilbahn- und Liftbetrieben, den Nationalparken sowie Hotels und Verkehrsunternehmen gegründet. Er verfolgt das Ziel, den Skitourismus im Harz zu fördern und die Belange des Naturschutzes zu berücksichtigen. Eine Übersicht der [http://www.harz-paradies.de/HarzWinter/HarzLanglaufSki.htm Loipen im Harz] finden sie hier.
Sport im Sommer
Im Sommer wird im Harz vor allem gewandert, in den letzten Jahren erfreut sich auch Nordic Walking steigender Beliebtheit. Auf mehreren Talsperren im Harz wird vielfältiger Wassersport betrieben. Auch Kanufahren und verwandte Sportarten im Wildwasser sind möglich. Die Berge bieten ebenso eine gute Basis für die Fliegerei (Segel-, Drachenfliegen u.ä., namentlich vom Rammelsberg Goslar aus).
Wirtschaft heute
Der in vergangenen Jahrhunderten im Harz blühende Bergbau - u.a. nach Silber, Eisen, Kupfer, Blei und Arsen - ist stark zurück gegangen. Bedeutend ist aber weiterhin die Kupfergewinnung im Gebiet von Mansfeld. Bedeutende Förderpunkte waren zuletzt auch noch der Rammelsberg bei Goslar, in der Grube Hilfe Gottes bei Bad Grund sowie Bad Lauterberg, bei der bis Ende der 1980er Jahren noch der Schwerspat für den Strahlenschutz gewonnen wurde.
Für den Fremdenverkehr sind mehrere Höhenorte wie Sankt Andreasberg und Braunlage südlich des Brocken bedeutsam sowie Goslar, Wernigerode, Schierke und Kurorte wie Alexisbad, Bad Gandersheim, Bad Grund und weitere nachfolgend genannte Orte.
Auf Grund der Wälder des Harzes spielt natürlich die Forstwirtschaft eine bedeutende wirtschaftliche Rolle, sowie die dazugehörende verarbeitende Industrie. Für die Papierindustrie (Bad Gandersheim und Herzberg) reichen allerdings die Rohstoffvorkommen nicht.
Berge
Forstwirtschaft
Forstwirtschaft
Flüsse
Orte
Orte im und am Harz
Forstwirtschaft
Städte im Harzvorland
Ausflugsziele von A bis Z (Auswahl)
Forstwirtschaft]
Forstwirtschaft
Forstwirtschaft]
- Acker-Höhenwanderweg mit Hanskühnenburg
- Bismarcktürme in Bad Lauterberg, Halberstadt und Osterwieck
- Bodetal
- Brocken mit Brockenmuseum und Brockengarten (botanische Anlage) auf dem Gipfel
- Burg Falkenstein (Harz)
- Burg Hohnstein (Harz)
- Einhornhöhle
- Gräfingründer Teich
- Aussichtsturm auf dem Großen Knollen
- Grube Samson, lange Zeit das tiefste Bergwerk der Welt
- Harzer Modellbahnzentrum Lautenthal
- Harzer-Hexen-Stieg
- Harzer Schmalspurbahnen
- Heimkehle
- Hexentanzplatz
- Ilsestein
- Iberger Tropfsteinhöhle
- Kloster Michaelstein
- Kloster Walkenried
- Kyffhäuser
- Okertalsperre
- Ottofelsen
- Plessenburg
- Rammelsberg
- Rappbode-Talsperre
- Rosstrappe
- Schaubergwerk "Büchenberg"
- Schaubergwerk "Drei Kronen & Ehrt"
- Schaubergwerk der Kupferhütte Mansfeld
- Schaubergwerk "Lange Wand" in Ilfeld
- Schaubergwerk "Rabensteiner Stollen" in Netzkater
- Steinerne Renne
- Talsperre Neustadt
- Teufelsmauer
- Tropfsteinhöhle Baumannshöhle
- Tropfsteinhöhle Hermannshöhle
- Zeterklippen
Schlösser und Burgen
Zeterklippen
Zeterklippen
- Burgruine Anhalt
- Burg Falkenstein
- Kaiserpfalz Goslar
- Burgruine Harzburg in Bad Harzburg
- Burgruine Hohnstein bei Neustadt/Harz
- Schloss Herzberg
- Burg Lauenburg bei Stecklenberg
- Schloss und Stiftskirche Quedlinburg
- Felsenfestung Regenstein bei Blankenburg
- Burg Stecklenburg
- Schloss in ^Stolberg
- Schloss Wernigerode
- Burg Westerburg
- Burg Zilly
- Burgruine Scharzfels bei Herzberg am Harz
Bekannte Maler
Unter den vielen Malern, die den Harz abgebildet haben, waren Caspar David Friedrich, Ernst Helbig, Hermann Hendrich, Edmund Kolbe, Klaus Kuhn, Wilhelm Pramme und Adolf Rettelbusch.
Dichterische Darstellungen
- Johann Wolfgang von Goethe, Harzreise im Winter
- Johann Wolfgang von Goethe, "Faust, der Tragödie erster Teil"
- Heinrich Heine, Harzreise
Weblinks (Auswahl)
- [http://www.harzregion.de/ Homepage des Regionalverbands Harz e.V.]
- [http://www.harzinfo.de/ Homepage des Harzer Verkehrsverbands e.V.]
- [http://www.harzklub.de/ Homepage des Harzklub e.V.]
- [http://www.nationalpark-harz.de/ Homepage des Nationalpark Harz]
- [http://www.nationalpark-hochharz.de/ Homepage des früheren Nationalparks Hochharz]
Kategorie:Deutsches Mittelgebirge
Kategorie:Geographie (Sachsen-Anhalt)
Kategorie:Geographie (Niedersachsen)
Kategorie:Geographie (Thüringen)
Kategorie:Naturpark (Sachsen-Anhalt)
Kategorie:Naturpark (Niedersachsen)
Kategorie:Naturpark (Thüringen)
Schwermetall
Schwermetalle sind Metalle, deren Dichte größer oder gleich 5 g/cm³ ist.
In der Technik meint dies auch alle Legierungen; hierbei im besonderen auch die Nichteisen-Legierungen.
Zu ihnen zählen unter anderem: die Edelmetalle sowie Bismut, Eisen, Kupfer, Blei, Zink, Zinn, Nickel, Cadmium, Chrom und Uran.
Der Abbau von Schwermetallen geht häufig mit einer hohen Belastung der Böden einher. An Stellen im Harz und im Siegerland haben sich auf den durch Erzbergbau belasteten Böden beispielsweise spezifische Pflanzengesellschaften ausgebildet (sogenannte Azonale Vegetation). Dort bilden die sogenannten Galmeipflanzen Schwermetallrasen aus.
Rutherfordium
Dubnium
Seaborgium
Bohrium
Hassium
Meitnerium
Darmstadtium
Roentgenium
Siehe auch: Leichtmetalle
Kategorie:Stoffgruppe
ja:重金属
ko:중금속
Serpentin-EndemitenAls Serpentin-Endemiten bezeichnet man Pflanzen, die in Serpentingebieten wachsen, da sie zu den wenigen Pflanzenarten gehören, die auf diesem Gestein gedeihen können. Sie bilden auf diesem Gestein eine für den jeweiligen Lebensraum azonale Vegetation aus. Serpentinvorkommen gibt es beispielsweise im Ural, in Norwegen, in der Schweiz, in Bosnien, Albanien und im Nordwesten Griechenlands.
Zu den Serpentinvorkommen, die man beispielsweise im Südosten Europas vorfindet gehört der austrocknungsresistente Farn Cheilanthes marantae, spezifische Arten der Kreuzblütler sowie Raublattgewächse aus der Gattung der Onosma und der Sternhaarige Ziest (Stachys scardica).
Literatur
- Ursula Hoffmann und Michael Schwerdtfeger; ...und grün des Lebens goldner Baum. Lustfahrten und Bildungsreisen im Reich der Pflanzen, Ulrich Burgdorf Verlag, Göttingen 1998, ISBN 3-89762-000-6
Kategorie:Klimazonen und Vegetation
Extrazonale VegetationZur Extrazonalen Vegetation gehören Vegetationseinheiten (Pflanzengesellschaften), die auf Standorten gedeihen, auf denen das Mikroklima und sonstige Standortverhältnisse so stark vom Großklima abweichen, dass sie eher einer Vegetationseinheit einer anderen Klimazone (Zonale Vegetation) gleichen.
So findet man zum Beispiel auf südexponierten Hängen Süddeutschlands Flaumeichen- oder Stieleichenwälder des Mittelmeeraumes oder an wetterverschatteten Osthängen Ostdeutschlands (z.B. Kyffhäuser) Trockenvegetation Osteuropas. Weitere Beispiele sind Ähnlichkeiten von borealen Nadelwäldern und ihren subalpinen oder montanen Verwandten.
Siehe auch
- Azonale Vegetation
- potenzielle natürliche Vegetation
- Waldgesellschaften Mitteleuropas
- Geobotanik
Literatur
- Heinz Ellenberg: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht, Ulmer, Stuttgart 1996.
Kategorie:Klimazonen und Vegetation
Potenzielle natürliche VegetationDie potentielle natürliche Vegetation (pnV, auch potentiell-natürliche Vegetati | | |