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Böhmische Masse

Böhmische Masse

Als Böhmische Masse wird das geologisch alte Rumpfgebirge im Grenzgebiet von Tschechien, Nieder- bzw. Oberösterreich und Bayern bezeichnet.

Gebirgsmassiv aus dem Erdaltertum

Es stellt den stark erodierten Rest eines altes Gebirgsmassivs dar, welches seit dem Paläozoikum die Geologie Mitteleuropas dominierte. Teilweise ist es laurasisches Grundgestein aus der Zeit vor 500-350 Mio. Jahren, doch finden sich auch Gesteine mit einem Alter von 800 und mehr Mio. Jahren - z.B. bei Zwettl und Horn in Niederösterreich. Das ursprüngliche Gebirge war in seiner Höhe mindestens den Ostalpen vergleichbar, doch wurden seine höchsten Gipfel im Laufe von 300-400 Millionen Jahren auf Höhen von etwa 1500 Meter abgetragen. Es erlitt merkliche Deformationen und Metamorphosen während der kaledonischen und der späteren variszischen Gebirgsbildung, die im Verschweißen mehrerer Kontinente zu "Pangäa" gipfelte. Damals bestand eine extrem lange Gebirgskette, die von den Appalachen über Spanien, die Bretagne und das Massif Central nach Mitteldeutschland und Böhmen reichte. Bevor dieses globale Gebirge durch die Atlantik-Öffnung zerrissen wurde, könnte es fast die Dimensionen des heutigen Himalaya gehabt haben. Ein Zeuge dieser Gebirgsbildung ist die im Satellitenbild gut erkennbare, östliche Überschiebung des Moldanubikums (Mühl-/Waldviertel) auf das Moravikum. Letztere Formation wurde unter dieser Decke tief subduziert und aufgeschmolzen. Das Magma stieg hoch und erstarrte in Form riesiger Plutone (Weinsberger Granit). Die Böhmische Masse war "Widerlager" der Alpenbildung.

Heutige Struktur

Heute sind die wichtigsten Teile dieses Komplexes der Böhmerwald - der geologisch mit dem Bayerischen Wald verwandt ist - und die hohen bzw. tief zerfurchten Rumpfflächen des österreichischen Mühl- und Waldviertels, sowie die Böhmisch-Mährische Höhe zwischen Budweis und Brünn. Kleinere Streifen finden sich auch am Nordwestrand des Wiener Beckens und im Dunkelsteiner- und Sauwald knapp südlich der Donau. Die Böhmische Masse besteht aus kristallinen Gesteinen, vornehmlich aus Graniten und Gneisen. Die erstgenannten Tiefengesteine lagern im Süden und Westen (wo sie in vielen hochqualitativen Steinbrüchen abgebaut werden), setzen sich aber in der nördlichen Umrandung von Böhmen fort. Die metamorphen Gesteine aus Gneis und kristallinen Schiefern liegen großteils im inneren Ring, sowie in Mähren und Niederösterreich. Von den Geologen Österreichs und Bayerns wird die böhmische Masse auch als kristallines Grundgebirge bezeichnet, weil sie über weite Gebiete unter die jüngeren Formationen der Ostalpen und der Molasse des Alpenvorlandes zu liegen kam. Es handelt sich hier teilweise um tektonische Überschiebungen von weit mehr als 100 Kilometern, angetrieben durch die Afrikanische Platte und ihre Norddrift. Diese löste vor etwa 30 Mio. Jahren die alpidische Gebirgsbildung und weiträumige Bewegungen aus.
Unter den nördlichen Kalkalpen finden sich die Gesteine der Böhmischen Masse als langer, flach deformierter Streifen. Beim Traunstein (1691 m) - etwa 60 km südlich der Donau bei Linz und damit fast 100 km vom heutigen Rumpfgebirge entfernt - liegt dieses Kristallin in 7-10 km Tiefe. Die Dichte-Anomalien machen nur einige Prozent aus, lassen sich aber trotz dieser Tiefen im lokalen Schwerefeld nachweisen. Auch im östlichen Bayern ist die Böhmische Masse die älteste geologische Einheit, bildet aber großteils flachere Landschaften. Die Rumpffläche (nördlich der Donau) ist geprägt durch sanfte Mulden und Täler sowie weitgespannte, niedrige Rücken und Kuppen. Aus dem sauren Grundgestein haben sich v.a. Braunerden entwickelt, in Mulden und ebenen Flächen auch vom Grundwasser beeinflußte Böden des Typs Gley.

Vergleiche mit anderen Rumpfgebirgen

Wie in teilweise gleichaltrigen Rumpfgebirgen der variszischen Orogenese (z.B. dem Harz) sind die Talstrukturen oft unregelmäßiger gegliedert als im jungen Faltengebirge der Alpen, was eine Folge von langandauernder Tektonik und Erosion ist. Orografisch gleichförmiger sind hingegen die Hochflächen.
Im Gegensatz zu Harz, Ural und anderen variszischen Gebirgen, die ähnliche Formen aufweisen, finden sich allerdings kaum Lagerstätten von Erzen.

Weblinks und WikiLinks


- [http://home.datacomm.ch/marsteam/gg/europa.htm Geografie Europas]
- [http://www.8ung.at/geologie/geinfueh.htm Geologie Österreichs und Böhmische Masse]
- [http://www.waldwildnis.de/cd/geo/geotxt/b_masse.htm Süddeutsche Böhm.Masse, geolog.Skizzen]
- [http://www.landkreis-passau.de/gutachten/bestandserhebung/landschaft.htm Landkreis Passau, Landschaft und Geologie]
- [http://www.innovations-report.de/html/berichte/geowissenschaften/bericht-9223.html Der Harz "wuchs" um mehr als 4km! Rumpfgebirge, geolog.Profile]
- Siehe auch: Böhmerwald, Harz, Rheinisches Schiefergebirge, Schwarzwald, Appalachen; Karbon (Geologie), Granit- und Gneishochland Kategorie:Geologie

Rumpfgebirge

Ein Rumpfgebirge ist der stark erodierte Rest einer Gebirgsbildung, die in einer lange zurückliegenden Epoche der Erdgeschichte stattgefunden hat. Die geologisch alten Rumpfgebirge und ihre Talstrukturen sind oft unregelmäßiger gegliedert als junge Faltengebirge, was auf tektonische Vorgänge und die starke Erosion der früher oft 2-5 km hohen Gebirge zurückgeht. Orografisch gleichförmiger sind hingegen ihre Hochflächen. Im westlichen Europa zählen viele Mittelgebirge zum Typus der Rumpfgebirge - z.B. der Harz, das nördlichste Mittelgebirge von Deutschland, welches einst über 4000 m hoch war (siehe 1.Weblink). Auch andere deutsche Bergländer - etwa jene beidseits des Rhein und im Nordosten Bayerns bis zur Böhmischen Masse in Österreich und Tschechien, oder das französische Zentralmassiv stammen aus der Zeit der variszischen Orogenese. Diese Gebirgsbildung fand im mittleren Paläozoikum statt - in den Epochen des Devon und Karbon vor etwa 350 bis 250 Millionen Jahren. Noch älter - nämlich etwa 500 Mio Jahre - sind die kaledonischen Gebirge in Schottland und dessen restliche Hochflächen und Küstengebirge in Skandinavien. In Nordamerika stellt die fast 3000 km lange Gebirgskette der Appalachen eines der weltweit größten Rumpfgebirge dar. Es erstreckt sich mit 200-300 km Breite von den Südstaaten der USA bis zum ostkanadischen Neufundland, erreicht aber nur im Süden Höhen über 2000 Meter. Viele Lagerstätten von Kohle, Erdöl und Eisenerzen, sowie fruchtbare Ebenen machen das Gebirge und seine Umgebung zu einem der wertvollsten Gebiete Amerikas.
Eine ähnliche Bedeutung für Bergbau und Wirtschaft hat der Ural zwischen Osteuropa und Sibirien; auch in seiner Ausdehnung ist dieses bis 1900 m hohe Gebirge Russlands den Appalachen vergleichbar. Russland Gleichzeitig mit den damaligen Auffaltungen setzte starke Erosion ein, weil diese mit der Meereshöhe zunimmt. Die erodierten Sedimente bedeckten auch viele organische Schichten, was vielerorts - beispielsweise im Ruhrgebiet - zur Bildung von Kohleflözen führte.
Bereits im Perm war das variszische Hochgebirge zur sogenannten permischen Rumpffläche ab-erodiert und von Sedimentschichten überlagert. Diese Restbestände blieben daher nur als variszische "Inseln" zwischen den jüngeren Gesteinen des Mesozoikums erhalten. Im Laufe der weiteren Erdgeschichte folgte die Bruchtektonik, welche die heutige Gestalt der noch vorhandenen deutschen Mittelgebirge prägte. Teilweise sind diese variszischen Rumpfgebirge von vulkanischen Vorgängen mitgeprägt. Auch Erzlagerstätten gibt es zahlreiche - im Harz z.B. Eisen- und vor allem Kupfer-Bergbau. Starke Metamorphose formte aus tonigen Gesteinen den heutigen Tonschiefer, der einen widerstandsfähigen Dachschiefer abgibt.

Siehe auch


- Böhmerwald
- Erzgebirge
- Harz
- Rheinisches Schiefergebirge
- Schwarzwald
- Vogesen
- Ural

Weblinks


- [http://www.innovations-report.de/html/berichte/geowissenschaften/bericht-9223.html Der Harz "wuchs" um mehr als 4km! Rumpfgebirge, geolog.Profile]
- [http://home.datacomm.ch/marsteam/gg/europa.htm Geografie Europas] Kategorie:Geologie Kategorie:Historische Geologie

Tschechien

Tschechien (tschechisch Česko) oder die Tschechische Republik (tschechisch Česká republika , Details zum Namen siehe unten) liegt in Mitteleuropa und grenzt an Deutschland (810 km) im Westen und Nordwesten, an Polen (762 km) im Norden, die Slowakei (252 km) im Osten und Österreich (466 km) im Süden. Tschechien umfasst traditionell die drei historischen Länder Böhmen, Mähren und Mährisch-Schlesien. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden diese in acht Regionen aufgeteilt (6 für Böhmen, 2 für die anderen beiden Landesteile), seit dem Jahr 2000 gilt eine neue Verwaltungsgliederung in 14 Regionen (siehe auch Verwaltungsgliederung Tschechiens). Der Staat wurde 1999, einige Jahre nach Auflösung des Warschauer Vertrags Mitglied der NATO und trat am 1. Mai 2004 der Europäischen Union bei.

Geografie

Europäischen Union Tschechien hat durch seine Randgebirge eine topografisch klare Gliederung: es besteht aus mehreren Beckenlandschaften, die von Gebirgen umgeben und unterteilt werden. Deswegen sagt man z. B. in Oberösterreich "ich fahre nach Böhmen hinein" - und nicht hinüber. An der Südwest-Grenze Tschechiens liegt der Böhmerwald (Šumava, 1.000 bis 1.400 m), im Nordwesten das Erzgebirge (Krušné Hory, Keilberg 1.244 m) und im Norden die Sudeten (Sudety), welche im Riesengebirge mit der Schneekoppe 1.602 m erreichen. Südöstlich des Erzgebirges breitet sich zu beiden Seiten der Elbe (tschech. Labe) das Böhmische Mittelgebirge aus. Böhmen und Mähren werden durch die niedrige Böhmisch-Mährische Höhe (600 bis 800 m) voneinander getrennt. Mähren hat im Osten Anteil am Karpatenvorland und im Süden am Wiener Becken. Seine Ostgrenze zur Slowakei bilden die Beskiden und Weißen Karpaten, und nur die Südgrenze zu Niederösterreich bildet großteils ein Fluss - die stark mäandrierende Thaya (Dyje). Auf den Gipfeln vom Böhmerwald, Böhmischen Mittelgebirge, den Beskiden und dem ersten Ausläufer der Karpaten verläuft die Europäische Wasserscheide. Europäische Wasserscheide Die Beckenlandschaften sind sehr fruchtbar. So wird in Böhmen, vor allem im Saazer Becken, Hopfen angebaut (Böhmen ist eines der traditionellen Bierbrauerländer), in Mähren wird Wein angebaut. Tschechien liegt in der gemäßigten Temperaturzone der Erde. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 7,9 °C bei milden Wintern (Februar: 0,5 °C) und kühlen Sommern (Juni: 18,6 °C). Die Jahresniederschlagssumme beträgt 508 mm; ein relativ geringer Wert aufgrund der Lee-Lage östlich beziehungsweise südöstlich des Böhmerwalds, des Oberpfälzer Walds und des Erzgebirges. Alle zwölf Monate sind humid.

Bevölkerung

Bevölkerungsanzahl: 10,3 Millionen Einwohner (Juni 2005) Ethnische Gruppen: Tschechen 94 %; Slowaken 3 %; Minderheiten von Polen, Deutschen, Ungarn und Roma insgesamt 3 % Flüchtlinge: 1297 Bevölkerungsverteilung: in Städten 75 %; auf dem Land 25 % Lebenserwartung: Männer 72 Jahre; Frauen 79 Jahre Altersstruktur: 0-14 Jahre 15,4 %; 15-64 Jahre 70,6 %; über 65 Jahre 14,0 % Bevölkerungswachstum: -0,08 % (2005) Fruchtbarkeitsrate: 1,2 Geb./Frau Religionen: römisch-katholisch 39 %; protestantisch 5 %; orthodox 3 %; konfessionslos 40 %; sonstige 13 %

Größte Städte

Siehe auch: Liste der Städte in Tschechien, Liste deutscher Bezeichnungen tschechischer Orte, Nationalparks in Tschechien, Liste der Naturschutzgebiete in Tschechien

Staats- und Landesname

Tschechien vs. Tschechische Republik

Laut der Staatenliste auf der Webpage des deutschen Auswärtigen Amtes ist die Kurzform "Tschechien" nur im nichtamtlichen Gebrauch zulässig. Laut Duden, entsprechend dem Wunsch der tschechischen Behörden, entsprechend dem alltäglichen Gebrauch zumindest in Tschechien selbst sowie gemäß tschechischen Normen über die Verwendung fremdsprachlicher Äquivalente des Staatsnamens ist jedoch "Tschechien" eine herkömmliche Kurzform sowie das geografische Äquivalent der Langform ("Tschechische Republik") des Staatsnamens und ist somit mit Namen wie Frankreich, Deutschland, Polen etc. völlig gleichwertig.

Tschechien vs. Tschechei und Geschichtliches

Wegen der Auflösung (Teilung) der Tschechoslowakei am 1. Januar 1993 musste die deutsche und tschechische offizielle Bezeichnung für den neuen Staat beschlossen werden. Eine tschechische staatliche Kommission schlug damals die deutsche Bezeichnung Tschechien vor, zumal offizielle tschechische Kreise auch darum ersuchten, die Form "Tschechei" nicht mehr zu verwenden (siehe dazu unten). Das deutsche Auswärtige Amt zieht allerdings in seiner Namensliste die längere Form Tschechische Republik vor und bezeichnet Tschechien (tschech. Česko) ausdrücklich als nichtamtlich. Beide neuen Namen waren sowohl für Deutschsprachige als auch für die Tschechen gewöhnungsbedürftig und sind es für Teile der deutschen Bevölkerung noch immer. Da es sich aber um eine Festlegung handelt, sollte im offiziellen Gebrauch ausschließlich Tschechien oder Tschechische Republik verwendet werden. Sowohl die Bezeichnung Tschechien als auch Tschechei wurden historisch verwendet. Tschechien ist die ältere Form und bereits 1876 belegt (Österreich-Ungarn: Anlehnung an Kroatien und Slawonien). Tschechei ist hingegen (außer in Teilen Preußens) erst 1918 nach Bildung der Tschechoslowakei aufgekommen - als Kontamination von Tscheche + Slowakei oder als Kontraktion von Tschech[oslowak]ei. Tschechei bezeichnete aber manchmal auch den Gesamtstaat Tschechoslowakei, nicht nur den westlichen Teil. Eine breitere Verwendung des Wortes Tschechei ist erst seit den 1930er Jahren festzustellen. Gleichzeitig kam der ältere Begriff Tschechien außer Gebrauch, so dass er heute von vielen als "Neukonstrukt" empfunden wird. Hinzu kommt, dass die Bezeichnung Resttschechei negativ besetzt ist, weil sie der Propaganda der NS-Diktatur während der Zerschlagung der Tschechoslowakei entstammt (1938/39). Der negative Klang übertrug sich bei den meisten Tschechen auch auf den Begriff Tschechei, obwohl der Begriff kurz vor- und nachher auch in anderem Zusammenhang verwendet wurde. Es war jedoch immer ein Begriff von nicht offizieller Natur. In Erwägung der obigen Argumente haben deutsche und österreichische Sprachforscher sowie die tschechische Regierung beschlossen, den Begriff Tschechien für die 1992 neu entstandene Tschechische Republik zu forcieren. Dementsprechend ist auch seit 1992 in deutschen Nachschlagewerken ausschließlich Tschechien als Kurzform für "Tschechische Republik" vorzufinden. Die Tschechen selbst stellen sich die analoge Frage etwas anders. Das Wort Čechy (Böhmen) hat zwei Bedeutungen: 1. das ganze Gebiet des heutigen Tschechiens, 2. Tschechien ohne Mähren (und Schlesien). "Česko" [tschessko] wurde selten (und eher archaisch) für das heutige Tschechien benutzt (war der Öffentlichkeit eigentlich völlig unbekannt), aber in der Umgangssprache oft als Kurzform für Tschechoslowakei (Československo) für die gesamte Tschechische Republik (Böhmen und Mähren). Doch allmählich hat sich eine Gewohnheit herausgebildet das Wort "Čechy" eher als Tschechien ohne Mähren (und Schlesien) zu gebrauchen. Da sich vor allem die englischsprachige Welt und die ältere Generation Tschechiens immer noch weigert, die Form "Česko" (Czechia) zu verwenden, mit dem Fehlen eines kurzen Namens aber diverse wirtschaftliche und andere Schwierigkeiten verbunden sind, musste der tschechische Senat im Sommer 2004 in einer Sondersitzung die Verwendung von "Česko" anstelle von "Česká republika" offiziell verabschieden. In den 1990er Jahren gab es zum Teil eine Art Medienstreit: die Kurzform "Česko" galt bei einem großen Teil der älteren Bevölkerung als minderwertig - obwohl im Tschechischen eine analoge Wortform schon immer für über 19 Staaten (von Irland (Irsko) bis Japan (Japonsko)) allgemein verwendet wurde. "Česko" ist ähnlich wie Tschechien und Tschechei keine Neubildung von 1992, da der Begriff bereits 1777 belegt ist. Er wurde aber vor 1992 selten verwendet - außer in Fachkreisen und mit Ausnahme der Jahre 1918 und 1968 als logischer Parallelbegriff zu Slovensko (deutsch Slowakei). Die Eigenschaftswörter für "tschechisch" und "böhmisch" sind in der tschechischen Sprache identisch (český). Bild:EGER1.jpg|der Marktplatz von Cheb/Eger - Westböhmen Bild:MARIENB.jpg|Innenansicht der Kolonnade in Marienbad - Westböhmen Bild:LITOM.jpg|Blick auf Litoměřice von der Brücke über die Elbe - Nordböhmen Bild:ELBE1.jpg|Die Elbe zwischen Litoměřice und Ústí nad Labem

Geschichte

Siehe Hauptartikel: Geschichte Böhmens, Geschichte Tschechiens :2. Jh. v. Chr.: Teile des Gebiets des heutigen Tschechiens sind von dem keltischen Stamm der Boier besiedelt, dessen lateinischer Name, Boiohaemum, die Namensgebung für Böhmen ist. :Anfang des 1. Jh. nach Chr.: Die Kelten werden von den einwandernden Markomannen verdrängt oder assimiliert. :4.-5. Jh.: Völkerwanderungszeit :cca. 6. Jh.:Ankunft der Slawen, ihr Ursprung wird östlich des Dnjepr vermutet. :623-658: Samos Reich. :768-814: Böhmen ist vielleicht fränkische Herrschaftssphäre unter Karl dem Großen. :8. Jh-833: Mährisches Fürstentum in Mähren :833: Großmähren unter Fürst Mojmír I. (gefolgt von den Fürsten Rastislav – 894 und Svatopluk - 871) :864: Ankunft der byzantinischen Mönche Kyrill und Method in Großmähren, slawische Liturgie. :869: Kyrill stirbt, Ende der byzantinischen Mission. :888/890-895: Böhmen ist Teil des Großmährischen Reichs :894: Rastislavs Nachfolger Svatopluk stirbt, Beginn des Zerfalls des Großmährischen Reichs, Rückkehr zur westlichen lateinischen Kirche und Kultur. :895: Fürst Spytihněv akzeptiert in Regensburg ostfränkische Oberherrschaft über Böhmen :907: Zerfall Großmährens :929: Der Přemyslide Wenzel (Hl. Wenzel), später fälschlicherweise König Wenzel in einem Weihnachtslied genannt, wird von seinem Bruder Boleslav ermordet und wird der Schutzheilige des Landes. :973: Der Heilige Wolfgang, Bischof von Regensburg, erteilt seine Erlaubnis zur Gründung eines Bistums in Prag, zweiter Bischof wird der Heilige Adalbert (Vojtěch). :1003: Boleslaw I.von Polen erobert Böhmen :1031: Mähren wird Böhmen angeschlossen (und 1182 zur Markgrafschaft erhoben) :1034: Bzetyslav von Böhmen fällt in Polen ein :1085: Der Přemyslide Vratislav II. wird zum ersten böhmischen König gekrönt (der Titel ist ihm von Heinrich IV., dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, verliehen worden). :1212: Goldene Bulle von Sizilien, Kaiser Friedrich II. bestätigt Ottokar I. Přemysl (Erblichkeit des Königstitels). :1296: Böhmisch-Polnische Personalunion unter Wenzel II. und Wenzel III. :1306: Wenzel III. wird in Olmütz ermordet, Ende der Přemyslidendynastie. :1311-1346: Johann von Luxemburg, Sohn des römischen Kaisers Heinrich VII. heiratet Elisabeth von Böhmen, die Tochter von Wenzel II. und wird böhmischer König. :1347: Karl IV., sein Sohn, wird (als Karl I.) König von Böhmen. :1348: Gründung der Prager Universität. :1355: Karl IV. wird in Rom zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt. Er wählt Prag zu seiner Residenzstadt. :1378: In seinem Testament teilt Karl IV. seine Erblande unter seinen Söhnen auf in Brandenburg, Görlitz und das Kerngebiet Böhmen, dessen Herrscher sein Sohn Wenzel IV. wird. Seine Nachfolger (ab 1419) sind Sigismund, Albrecht II. und Ladislaus Postumus :1415: Jan Hus wird während des Konstanzer Konzils auf dem Scheiterhaufen verbrannt – Beginn der Hussiten-Bewegung :1415-1434: Unruhen in Böhmen. Jan Žižka und Prokop Holý führen die Hussiten. Ende der Bewegung nach der Schlacht von Lipany. :1458: Georg von Podiebrad wird von den böhmischen Ständen zum König von Böhmen gewählt. :1471-1526: Nach seinem Tode fällt die böhmische Krone an die polnische Dynastie der Jagiellonen. Der letzte dieser Dynastie gibt durch seinen Tod in der Schlacht bei Mohács gegen die Türken die Krone wieder frei. :1526-1918: Tschechien ist habsburgisches Gebiet, nachdem die böhmischen Stände 1526 den Habsburger Ferdinand I. zum König von Böhmen gewählt haben. :1547: Aufstand der böhmischen Stände gegen Ferdinand I. :1583: Kaiser Rudolf II., Ferdinands Nachfolger, zieht mitsamt dem Hof von Wien nach Prag, welches ein Zentrum von Kunst und Wissenschaft wird. 1609 erlässt er den Majestätsbrief der Religionsfreiheit. :1611: Rudolfs Bruder Matthias Corvinus übernimmt die Macht; die Konfessionsproblematik entflammt aufs Neue. :1618: Gesandte der böhmischen Stände (mehrheitlich protestantisch) dringen in die Kanzlei des Hradschin und werfen zwei kaiserliche Statthalter aus dem Fenster (sie werden dabei nicht getötet). Dieser sogenannte zweite Prager Fenstersturz leitet den Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) ein. :1619: Matthias stirbt. Im August wählen die böhmischen Stände den deutschen Protestanten Friedrich von der Pfalz zum König. Indem er im Herbst in Prag gekrönt wird und dort seine Residenz aufnimmt, wird der innerhabsburgische Konflikt zu einer Reichsangelegenheit. :1620: Schlacht am Weißen Berg. Friedrich von der Pfalz flieht aus dem Land ("Winterkönig", da er nur einen Winter regierte). Hinrichtungen und das Exil des böhmischen Adels. Die nun beginnende Epoche wird in der tschechischen Geschichte temno, die Zeit der Dunkelheit genannt. Kaiser Ferdinand II. (1619-1637) führt eine Unterdrückungspolitik gegen Nicht-Katholiken. Protestanten fliehen (Comenius) oder werden hingerichtet. Dreiviertel des böhmischen Adels flieht. In Böhmen wird Deutsch zur Amtssprache erhoben. Tschechisch wird nur auf dem Lande gesprochen. :1740-1780: Herrschaft von Maria Theresia. :1780-1790: Herrschaft ihres Sohnes Joseph II. Der "aufgeklärte" Absolutismus mündet in die Aufklärung. :1781: Aufhebung der Leibeigenschaft. :Ende des 18. Jh. - 1885: sgn. Tschechische Nationale Wiedergeburt. Als Reaktion auf den österreichischen mit der Aufklärung zusammenhängenden Zentralismus formieren sich seit dem Ende des 18. Jh. Intellektuelle in der tschechischen Nationalbewegung (Wiedergeburt). Sie fördern die Pflege, Anerkennung und Verwendung der tschechischen Sprache (unterstützt auch von den deutschen Romantikern). Dem folgt später das Verlangen nach politischer Autonomie. :1848: Slawenkongress in Prag. Ein Aufstand wird niedergeschlagen. Die Industrialisierung beginnt - und Böhmen wird das "industrielle Rückgrat" von Habsburg. :1914-1918: Erster Weltkrieg. Gegen die Monarchie bildet sich im Exil eine tschechische und slowakische, von Tomáš Garrigue Masaryk angeführte, Opposition. :28.10.1918: Gründung der Tschechoslowakischen Republik, T.G. Masaryk wird erster Staatspräsident. Die bis dahin Ungarn administrativ unterstellte Slowakei schließt sich dem neuen Staat an (Milan Rastislav Štefánik). :1919: Beitritt/Anschluss der Karpato-Ukraine (nach 1945 fällt sie an die Sowjetunion). :1920: Anschluss Teschens :1918-1938: sgn. Erste tschechoslowakische Republik :1933: Gründung der Sudetendeutschen Partei (SdP) durch Konrad Henlein. :24.04.1938: Karlsbader Programm: die SdP fordert die völlige Autonomie des Sudentenlandes. Die Gegenvorschläge der Regierung in Prag werden abgelehnt. :29.09.1938: Hitler, Mussolini, Chamberlain und Daladier unterschreiben das Münchener Abkommen (was die Tschechen "Münchener Diktat" nennen). Die Grenzgebiete werden von der deutschen Armee besetzt. :05.10.1938: Präsident Edvard Beneš geht ins Exil nach England. Sein Nachfolger wird Emil Hácha. :15.03.1939: Einmarsch und Besetzung durch deutsche Truppen. Bildung des Protektorats Böhmen und Mähren. Die Slowakei wird als Schutzstaat des Deutschen Reiches eigenständig (1939-1945). :10.06.1942: Auf Statthalter Neurath folgt Reichsprotektor Heydrich, der im Juni nach einem Attentat stirbt. Brutale Vergeltungsmaßnahmen, u. a. die Liquidierung des Dorfes Lidice. :1945: faktische Wiederherstellung der Tschechoslowakei; "Kaschauer Programm" der neuen Regierung unter Premierminister Fierlinger; amerikanische, sowjetische, tschechoslowakische Truppen befreien Tschechien: die in Jalta vereinbarte Demarkationslinie zwischen dem US- und dem UdSSR-Gebiet verläuft entlang Budweis, Pilsen und Karlsbad. :05.05.1945: Prager Aufstand gegen die deutsche Besatzungsmacht. :09.05.1945: Einmarsch sowjetischer Truppen in Prag. Präsident Beneš übernimmt die Regierungsgeschäfte. Die nach ihm benannten Beneš-Dekrete sehen eine Bestrafung der Nazis und die Abschiebung der deutschen Bevölkerung unter Gewaltanwendung vor. Die Vertreibung der Sudetendeutschen beginnt. :19.06.1946: Die Kommunistische Partei Tschechiens wird in die Regierung gewählt und kann einen gewaltigen politischen Einfluss ausüben. Klement Gottwald (KPTsch) wird Ministerpräsident. :24.10.1946: Abschluss der Vertreibung von insgesamt 2,7 Mio. Deutschen. :25.02.1948: Vollständige Machtergreifung durch die Kommunisten (KPTsch) - mit Berufung auf die vorangegangenen freien Wahlen. Verfassungsänderung, Umgestaltung des Landes nach sowjetischem Muster. Erster "Arbeiterpräsident" wird Klement Gottwald. :1951-1957: Verfolgung des Klerus und politische Prozesse (Rudolf Slánský). :1957: Antonín Novotný wird Präsident. :1964: Kafka-Konferenz in Libnice (Franz Kafka rehabilitiert). Rufe nach Reformen werden laut und kulminieren auf dem Schriftstellerkongress im Juni 1967 in direkter Kritik der politischen Führung. :03-05.01.1968: Novotný wird vom ZK abgesetzt. Alexander Dubček wird Vorsitzender der KP. Präsident wird General Ludvík Svoboda. Anfangs März folgt die Aufhebung der Zensur. "Prager Frühling" beginnt, die Weiterentwicklung verläuft überwiegend spontan. :05.04.1968: Aktionsprogramm der KPTsch unter Alexander Dubček. Ein "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" wird angestrebt (Verbürgte Versammlungsfreiheit, kleines Unternehmertum, Freilassung der politischen Gefangenen). :21.08.1968: Militärische Intervention - Einmarsch der sowjetischen Truppen und Truppen des Warschauer Paktes (ohne Rumänien und der DDR); Breschnew-Doktrin der "Begrenzten Souveränität der sozialistischen Staaten". Die nachfolgende politische Etappe wird "Normalisierung" genannt. :1.1.1969: Mit dem Inkrafttreten des Verfassungsgesetzes über die tschechoslowakische Föderation entsteht die Tschechische Sozialistische Republik als eine der Teilrepubliken der Tschechoslowakei. :17.04.1969: Ablösung Dubčeks und Wahl Gustáv Husáks zum Generalsekretär der KPTsch. Selbstverbrennung des Studenten Jan Palach. Beginn der "Normalisierung". Die CSSR wird in der Folge einer der konservativsten Mitgliedsstaaten des Ostblocks. :01.01.1977: Bürgerbewegung "Charta 77". :17.11.1989: Das Bürgerforum wird zur tragenden Kraft der "Samtenen Revolution" in Tschechien. :17.11.1989: Die Polizei unterdrückt brutal eine Studenten-Demonstration, was eine Großdemonstration von bis zu 750.000 Menschen nach sich zieht. Unter den Rednern ist auch der Schriftsteller Václav Havel. Die kommunistische Regierung hat die Medien nicht mehr unter Kontrolle und wird nach 40 Jahren ohne Blutvergießen abgesetzt. :10.12.1989: Staatspräsident Gustáv Husák erklärt seinen Rücktritt. :28.12.1989: Alexander Dubček wird zum Präsidenten der Föderalversammlung gewählt. :29.12.1989: Václav Havel wird von der Föderalversammlung zum Präsidenten der CSSR gewählt. :Anfang 1990: Umbenennung der Tschechischen Sozialistischen Republik (siehe 1969) in Tschechische Republik. :23.04.1990: Umbenennung der Tschechoslowakei in Tschechische und Slowakische Föderative Republik (CSFR). :08.06.1990: Erste freie Parlamentswahlen in der CSFR. :05.07.1990: Václav Havel wird zum Präsidenten der CSFR gewählt. :21.02.1991: Beitritt der CSFR zum Europarat. :16.12.1991: Unterzeichnung des EG-Assoziierungsabkommens. :05.06.1992: Parlamentswahlen in der CSFR. Der Ökonom Václav Klaus (Demokratische Bürgerpartei) wird Ministerpräsident. Er vertritt eine vom Thatcherismus inspirierte Wirtschaftspolitik ("Marktwirtschaft ohne Adjektiv"). Es wird eine Coupon-Privatisierung durchgeführt, wodurch 8 Mio. Tschechen Anteilseigner von privatisierten Firmen werden, was jedoch kein echtes Investment-Kapital nach sich zieht. Der Politiker Vladimír Mečiar wird Ministerpräsident in der Slowakei. In der Folge vereinbaren beide Politiker eine Teilung der Tschechoslowakei in zwei Staaten. :20.07.1992: Präsident Václav Havel tritt von seinem Amt zurück. :25.11.1992: Gesetz über die Auflösung der CSFR im föderalen Parlament. :16.12.1992: Die neue Verfassung der Tschechischen Republik als "demokratischer Rechtsstaat" wird verabschiedet. Die Charta der Grundrechte und -freiheiten, die nach dem Umbruch im Januar 1991 von der tschechoslowakischen Bundesversammlung beschlossen worden war, wird unverändert von Tschechien übernommen. :01.01.1993: Tschechen und Slowaken bilden zwei unabhängige Republiken – Tschechien und die Slowakei. :02.02.1993: Vereidigung des neugewählten Präsidenten Václav Havel. :30.06.1993: Beitritt zum Europarat. :29.10.1993: Wahl zum nicht-ständigen Mitglied des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen. :17.11.1993: Freiheitstag (Nationalfeiertag) :01.02.1995: Inkrafttreten des EU-Assoziierungsabkommens. :1994-1996: Nach drei Jahren stark negativen Wirtschaftswachstums wächst die Wirtschaft wieder; 1997 folgt aber wieder tiefe Rezession :28.11.1995: Zeichnung der OECD-Beitrittsurkunde in Paris. :31.05.1996: Wahl zum Abgeordnetenhaus. Die regierende Partei wird bestätigt, wenn auch mit Verlusten. :23.07.1996: Zweites Kabinett Klaus'. Dieser muss eine Allianz mit dem Sozialdemokraten Miloš Zeman eingehen, der sich verpflichtet, nicht gegen Klaus' Regierung zu stimmen. Ende der wirtschaftlichen Wachstumsphase, eingeleitet durch einen Bankenkrach (12 Banken insolvent). Grund: Innere Verflechtung von industriellen Großkomplexen, die durch faule Kredite künstlich aufrecht erhalten werden. Die tschechische Wirtschaft fällt in eine tiefe Rezession. :Juni 1997: Bei einer Flutkatastrophe ungewöhnlichen Ausmaßes müssen 40.000 Menschen evakuiert werden. Gesamtschaden: 2,5 Mrd. Euro. :21.01.1997: Unterzeichnung der Deutsch-Tschechischen Erklärung. :24.04.1997: Rede von Präsident Havel vor dem Deutschen Bundestag. :30.11.1997: Václav Klaus tritt nach Spendenaffäre zurück. Nachfolger wird Josef Tošovský. :20.01.1998: Wiederwahl des Präsidenten Václav Havel. :28.06.1998: Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus gewinnen die Sozialdemokraten mit Miloš Zeman (32 %) und können die Regierung bilden. :12.03.1999: Beitritt zur NATO (zusammen mit Polen und Ungarn) und Vorbereitungen für den EU-Beitritt. Ein Hindernis dabei ist das neu errichtete Atomkraftwerk von Temelín nahe der österreichischen Grenze, das trotz der Proteste Österreichs im Oktober 2000 ans Netz geht. :2000: Die Wirtschaft hat wieder einen leichten Aufschwung. Allerdings Kollaps der drittgrößten Bank IPB. :25.09.2000: In Prag wird das Treffen des IMF (Internationaler Währungsfond) und der Weltbank veranstaltet, begleitet von Straßenunruhen und Demonstrationen. 2001. :2000: Die Auseinandersetzungen um die Besetzung des Intendanten des tschechischen Fernsehens Česká televize lässt die alte Feindschaft zwischen Václav Havel und Václav Klaus wieder hervorbrechen. Klaus hatte mehrere seiner Anhänger in die Top-Positionen des Senders manövriert, darunter auch Jiří Hodač als Direktor. Dies löst die größten Demonstrationen in Tschechien seit 1989 aus. Folge: Hodač tritt zurück. Tschechien bekommt ein neues Mediengesetz. :2004: EU-Beitritt

Politik

Die Tschechische Republik ist eine parlamentarische Demokratie. Das Staatsoberhaupt ist der Präsident. Größeren Einfluss hat jedoch der Premierminister. Das tschechische Parlament hat zwei Kammern: das Abgeordnetenhaus und den Senat. Der Präsident wird vom Parlament gewählt. Bei der Wahl muss der Kandidat in den ersten zwei Wahlgängen in beiden Kammern die absolute Mehrheit erreichen, im dritten Wahlgang genügt eine Mehrheit aller anwesenden Abgeordneten. Kandidaten müssen von mindestens 10 Abgeordneten oder 10 Senatoren vorgeschlagen werden und mindestens 40 Jahre alt sein. Die Amtszeit beträgt 5 Jahre, höchstens zweimal hintereinander. Außer der Rechte, die der Präsident im Einvernehmen mit anderen Verfassungsorganen ausübt, hat er das Recht in alleiniger Verantwortung
- das Abgeordnetenhaus unter bestimmten Bedingungen aufzulösen und
- in Gerichtsverfahren einzugreifen bis zur Einstellung des Verfahrens, Strafmaßmilderung und Streichen der Strafen im Strafregister (Begnadigung). Außerdem ernennt er in Eigenverantwortung die Richter (verfassungrechtlich bisher jedoch nicht genügend geklärt) und die Mitglieder des Nationalbankrats. Traditionsgemäß wird der Präsident oft von Bürgern zwecks Durchsetzung ihrer Rechte gegen staatliche Einrichtungen um Hilfe gebeten. Die von ihm ernannten Verfassungsrichter, müssen von dem Senat gebilligt werden. Das Abgeordnetenhaus wird aus Listenkandidaten nach Verhältniswahlrecht gewählt. Es gibt eine Sperrklausel von 5 % für Parteien. Das Abgeordnetenhaus besteht aus 200 Abgeordneten, die mindestens 21 Jahre alt sein müssen. Die Legislaturperiode beträgt 4 Jahre. Der Senat wird aus wahlkreisbezogenen Kandidaten durch eine Personenwahl nach Mehrheitswahlrecht gewählt. Entsprechend der Anzahl der Wahlkreise besteht der Senat aus 81 Personen, die mindestens 40 Jahre alt sein müssen. Die Kandidaten können von politischen Parteien vorgeschlagen (und unterstützt) werden oder unabhängig kandidieren. Die Legislaturperiode eines Senators beträgt 6 Jahre. Die Wahlen erfolgen im Abstand von zwei Jahren, wobei jeweils ein Drittel der Wahlkreise die Wahl bestreitet. Als Wahlkandidaten treten oft bekannte oder honorige Personen des öffentlichen Lebens auf. Stimmt der Senat einem Gesetz nicht zu, muss es von der Abgeordnetenkammer mit der Mehrheit aller Abgeordneten wieder gebilligt werden. Die Zustimmung des Senats wird lediglich bei Änderungen des Verfassungsgesetzes und der Wahlgesetze benötigt. Außerdem beteiligt sich der Senat an der Präsidentenwahl. In alleiniger Verantwortung bestätigt der Senat die von dem Präsidenten ernannten Verfassungsrichter. Die Judikative besteht aus dem Verfassungsgericht und einem vierstufigen Gerichtssystem, in dem den zwei obersten Gerichten (für Verwaltungssachen und Übriges) drei weitere Instanzen untergeordnet sind. In der Exekutive unterstehen der Regierung und deren zentralen Behörden 14 Regionen, (tschechisch: kraje) darunter die Landkreise (okresy) und darunter die Kommunen. (obce). Siehe auch: Verwaltungsgliederung Tschechiens Tschechien wurde am 1. Mai 2004 in die Europäische Union aufgenommen. Von den etwa 55,21 % der tschechischen Wahlberechtigten, die am Referendum teigenommen haben, haben einem Beitritt ca. 77,33 % zugestimmt, also etwa 42,7 % aller tschechischen Wahlberechtigten.

Verwaltungsgliederung

Siehe: Verwaltungsgliederung Tschechiens

Infrastruktur

Der Eisenbahnverkehr liegt größtenteils in den Händen der České dráhy (Tschechische Bahnen). Das Autobahnnetz wird seit dem Fall des eisernen Vorhangs immer weiter ausgebaut. So etwa die Autobahn Prag - Pilsen (- Nürnberg (Deutschland)) oder (Dresden (Deutschland) -) Prag - Budweis (- Linz (Österreich)). Im Jahre 2005 beträgt das gebührenpflichtige Autobahnnetz 800 km. Weitere ca. 200 km befinden sich im Bau, der jedoch durch zahlreiche Einwände erheblich verzögert wird. Trotz niedrigerer Verkehrsdichte ist die Mortalität im Straßenverkehr (bezogen auf Bevölkerungsanzahl) mit 1.215 Toten im Jahr 2004 ungefähr 1,6-mal höher als in Deutschland. Verkehrsflughäfen befinden sich in Prag (9,7 Mio abgefertigter Personen im Jahr 2004, Jahreszunahme 20 %), Brünn, Ostrau und Karlsbad. Die meisten Hauptstädte der Regionen können über Sportflugplätze angeflogen werden.

Flugverkehr

Den innerstaatlichen Flugverkehr betreibt die Fluggesellschaft CSA - die Tschechischen Aerolinien auf der Strecke Prag, Ostrau, Brünn und Karlsbad. Man kann ebenfalls die spezialisierten Fluggesellschaften ausnutzen, die Aussichtsflüge oder den Verkehr mit den kleinen Flugzeugen an viele Orte Tschechiens anbieten.

Schienenverkehr

Die Eisenbahnen der Tschechischen Republik bilden ein sehr ausgedehntes und dichtes Verkehrsnetz. Der Schienenverkehr auf dem Gebiet Tschechiens hat 160-jährige Tradition. Mit Rücksicht auf die Lage in Mitteleuropa ist die Tschechische Republik zu einem wichtigen Transitland geworden. Auf dem Staatsgebiet führen Korridore für Inter-City-Bahnen. Die Fahrpäne stehen auch in der Internetform zur Verfügung, wo man nicht nur Verbindungen aussuchen, sondern auch Fahrkarten reservieren kann. Die Fahrkarten können mittels des automatisierten Systems gekauft werden. Bei den ausgewählten Verbindungen und auf den ausgewählten Bahnhöfen kann man mittels eines Handys Informationen über die Lage des Zuges gewinnen. Für das Jahr 2006 hat die tschechische Regierung angekündigt, sämtliche Bahnhöfe des Landes zu renovieren. Die meist schon über 100 Jahre alten Bauten sind mit der Zeit heruntergekommen. Man erhofft sich durch die Renovierungen einen besseren Verkehr innerhalb und auch außerhalb des tschechischen Staatgebiets, wie z. B. den Ausbau der Strecken nach Deutschland.

Busverkehr

Den Busverkehr in ganz Tschechien betreiben die Privatverkehrsgesellschaften. Die Dichte der Busverbindungen ist ziemlich groß. Im Gegenteil zu den Zügen sind die Busverbindungen in den Regionen am Wochenende begrenzt.

Wasserverkehr

In Tschechien wird der Wasserverkehr nur teilweise auf den Flüssen Elbe und Moldau und auf den geschlossenen Wasserflächen (Stauseen, Seen, Flüssen), die für die Schifffahrt zubereitet sind, realisiert. Die Abschnitte der Elbe und Moldau mit dem internationalen Status sind mit dem europäischen System der Wasserwege verbunden, d. h. mit den Flüssen bis zu den Seehäfen (Elbe-Hamburg) und mit dem System der europäischen Kanäle zu den anderen Flüssen und ihren Binnen- und Seehäfen (Magdeburg, Duisburg, Rotterdam).

Taxis

Das Taxi kann man sofort bestellen oder auch 24 Stunden vorausreservieren. Die Gebühren für Taxis bestehen aus einer festen Summe für das Beistellen des Wagens und aus einer Gebühr für jeden zurückgelegten Kilometer. Die Taxen der Konkurrenzdienste oder in den verschiedenen Städten können unterschiedlich sein, aber die Angabe über die Taxe pro 1 km muss immer auf der Karosserie und im Interieur des Wagens angegeben werden. Jeder Taxifahrer ist verpflichtet eine Rechnung (die Empfangsbestätigung) auszustellen, wenn es der Kunde erfordert.

Stadtverkehr

In größeren Städten sind die Straßenbahn und der Bus gängige öffentliche Transportmittel. In den kleineren Städten gibt es nur Busse. Prag betreibt auch drei Trassen der U-Bahn, die das Zentrum mit den Stadträndern verbindet. Die Preise der Fahrkarten sind in den einzelnen Städten unterschiedlich. Die Fahrkarten für die Stadtverkehrsmittel kann man an Automaten und in den Fahrzeugen kaufen. In Prag und anderen größeren Städten sind touristische Fahrkarten für mehrere Fahrten, z. B. Wochenfahrkarten im Verkauf. Beim Eintritt in die Verkehrsmittel ist es nötig die Fahrkarten im Apparat sofort zu stechen.

Radfahren

In den Hauptzentren des Fremdenverkehrs oder in den Städten bereitet man das Netz der Radwege vor oder sie sind bereits aufgebaut, hier kann man auch Straßen- oder Bergfahrräder leihen. Eine Reihe der europäischen Radwege geht durch Tschechien durch. Viele Radwege führen durch hügliches Terrain, wie z. B. die vielen Routen im Böhmerwald, die auch in den Bayerischen Wald führen.

Autobahngebühren

Für die Benutzung der Autobahnen muss man bezahlen. Der Autofahrer ist verpflichtet, eine Autobahnmarke zu kaufen, die man auf die Windschutzscheibe von innen heraus aufklebt. Die Autobahnmarken kann man bei der Tschechischen Post, auf den Grenzübergängen oder an den ausgewählten Tankstellen kaufen.

Grundvorschriften

Fahrzeuge müssen in der Winterzeit (27.10.-31.03.) ganztags mit Abblendlicht fahren. Kinder bis 12 Jahre oder kleiner als 150 cm müssen während der Fahrt im Kindersitz befestigt werden. Der Autofahrer darf vor und während der Fahrt keinen Alkohol trinken. Telefonieren ist während der Fahrt verboten. Die Sicherheitsgurte müssen während der ganzen Fahrt umgelegt sein. Motorradfahrer und ihre Mitfahrer sind verpflichtet Motorradhelme zu tragen.

Wirtschaft

Während der sozialistischen Zeit hatte die Tschechoslowakei als Wirtschaftsform die Zentralverwaltungswirtschaft und war wie viele Ostblockstaaten im RGW, einer Analogie zur EWG, eingegliedert. In den 1990er Jahren wurde die Wirtschaft privatisiert. Die Arbeitslosenquote betrug im Jahresschnitt 2003 7,8 % (Angabe des Statistischen Amtes der Tschechischen Republik). Für den Februar 2005 beträgt sie 9,65 %. Es gibt große Unterschiede zwischen den Regionen. So hatte die Hauptstadt Prag 2003 eine Arbeitslosenquote von 4,2 %, die Region Moravskoslezský kraj (Region Mährisch-Schlesien) dagegen 14,7 %. Das Bruttoinlandsprodukt/Kopf liegt (2004) bei 8.351 Euro (2004) (unter den EU-Ländern zwischen dem Portugals und Ungarns), das Wachstum bei 3,7 %, die Inflationsrate bei 3,2 %. Währung: 1 Tschechische Krone (Kc) = 100 Hellers Kurs (Mitte 2004): 1 Kc = 0,03 Euro BSP: 46,7 Mrd. Euro (BSP/Kopf: 4.567 Euro) Wachstumsrate des BIP: 2 % Anteile am BIP: Dienstleistungen 57 %; Industrie 39 %; Landwirtschaft 4 % Arbeitslosenquote: 8,6 % Die tschechische Ökonomik gehörte im Rahmen des ehemaligen kommunistischen Ostblockes zu den am meisten entwickelten. Heute bildet die Mehrheit des Bruttoinlandsproduktes der Dienstleistungssektor. Bedeutsam sind ebenfalls ausländische Investitionen, die die Zusammensetzung der tschechischen Industrie ändern. Den größten Teil der Industrie bildet die Produktion der modernen Industrieanlagen und der Industriekomplexe, die überwiegend für Westeuropa und hochentwickelte Staaten der Welt bestimmt sind. Zu den größten Betrieben der Welt gehört Škoda-Auto, das den wesentlichen Teil des tschechischen Exportes bildet. Im Industriebereich überwiegen die Maschinen-, Lebensmittel- und Holzindustrie, weiter chemische, petrochemische und pharmazeutische Industrie, Glas- und Keramikerzeugung und Glaserei. Die Landwirtschaft beschäftigt sich vorwiegend mit dem Anbau von Weizen, Mais, Gerste, Zuckerrübe, Kartoffeln, Rübe, Futterpflanzen, Weinreben, Gemüse und Obst. Weltbedeutend ist die Hopfenproduktion als Grundlage der Tschechischen Braukultur. Man züchtet vor allem Rindvieh und Schweine. Traditionell ist die Viehzucht und die Wildjagd. Tschechien hat außerdem in der Fischzucht Weltrang. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass sich seit dem EU-Beitritt Tschechiens im Mai 2004, das durchschnittliche Einkommen eines tschechischen Bauerns um 108 % gesteigert hat. Ein Drittel des Gebietes bedecken die von der Industrie bedrohten Wälder, die auch Holz für den Export produzieren. Man fördert Kohle, Kaolin, Ton, Holz, Graphit und Kalkstein. Der Großteil des Erdöls und Erdgases muss aus Russland eingeführt werden. Ein bedeutendes Merkmal der Tschechischen Republik ist das böhmische Glas. Beim Aussprechen des Wortes Kristall erinnern sich die meisten Menschen an das böhmische Land, das auf seinem Gebiet eine so große Anzahl von Glashütten verbirgt, deren Qualität die höchste auf der Welt ist. Es ist hauptsächlich die ununterbrochene Tradition, die aus diesem Handwerk eine künstlerische Geschicklichkeit machte. Viele von diesen Glashütten können besucht werden. Siehe auch: Tourismus in Tschechien, [http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Unternehmen_%28Tschechien%29 Kategorie Unternehmen in Tschechien]

Umwelt

Der Kohlenstoffdioxidausstoß pro Kopf des Landes gehört zum weltweit höchsten.

Kultur

Sport

Der Sport mit dem höchsten Stellenwert in Tschechien ist Eishockey, wo die Tschechen mehrmals Weltmeister (zuletzt am 15. Mai 2005 in Wien mit 3:0 gegen Kanada) und 1998 in Nagano auch Olympiasieger wurden. Viele Persönlichkeiten des tschechischen Sports sind auch weltweit sehr gut bekannt. Man schätzt, dass in den bürgerlichen Vereinigungen der Körpererziehung und des Sports seit dem Jahre 1995 ca. 15 % der tschechischen Bevölkerung organisiert ist. Auch der Wintersport ist in Tschechien beliebt. Bekannte Regionen für Wintersport sind das Riesengebirge im Norden und auch der Böhmerwald im Westen des Landes. Fußball: Die erste Liga umfasst 16 Mannschaften. Zwei davon steigen am Ende der Saison, also nach 30 Spieltagen in die landesweite 2. Liga ab. Von dort steigen dementsprechend zwei Teams in die 1. Liga auf. Die dritthöchste Spielklasse ist zweigeteilt. Den westlichen Teil (Böhmen), deckt die CFL (Ceská Fotbalová Liga - Tschechische Fußballliga, 18 Teams) ab, den östlichen Teil des Landes (Mähren und Schlesien) die MSFL (Moravsko-Slezká Fotbalová Liga - Mährisch-Schlesische Fußballliga, 16 Teams). Der jeweilige Meister der beiden dritten Ligen steigt in die zweite Liga auf. Der Abstieg aus der zweiten Liga bestimmt auch den Abstieg aus den Ligen darunter mit, denn es können z. B. zwei Mannschaften aus der 2. Liga absteigen die beide in den Bereich der CFL oder eben der MSFL fallen, womit dort eine Mannschaft zuviel wäre. Es muss also noch eine zusätzliche Mannschaft absteigen. Der Unterbau des dritten Levels ist fünfgeteilt. Unterhalb der CFL gibt es drei Gruppen (A, B, C) der Divize, unterhalb der MSFL zwei (D und E). Von diesen Ligen steigt jeweils der Meister in die CFL bzw. MSFL auf, die jeweils letzten zwei in einen der "Krajský Prebor" ab, je nach regionaler Zugehörigkeit. Insgesamt gibt es nach einer Reform 2002/2003 nun 13 Gruppen solcher fünften Ligen (zuvor lediglich 10), 9 als Unterbau der CFL bzw. der Divize A, B, C und 5 als Unterbau der MSFL bzw. der Divize D und E. Die "Krajský Prebor" sind auch die ersten wirklich regionalen Ligen, über die dann auch nur noch im Lokalsportteil der Zeitungen berichtet wird. Siehe auch: Tschechischer Fußball

Weblinks


- [http://www.tschechien-online.org/ tschechien-online.org] Tschechien-online- Deutschsprachiges Informationsportal mit täglich aktualisierten Informationen sowie einem Webkatalog mit über 5000 Links und einem Katalog tschechischer Firmen
- [http://fotos.tsjechie.net/ tsjechie.net] Mehr als 2100 bilder von tschechien
- [http://www.czech.cz/ czech.cz] englischsprachiges Landesportal
- [http://www.hrad.cz/cz/ hrad.cz] Homepage des Präsidenten der Tschechischen Republik
- [http://www.vlada.cz/1250/aktuality.htm vlada.cz] Tschechische Regierung
- [http://www.psp.cz/ psp.cz] Tschechisches Parlament
- [http://www.senat.cz/ senat.cz] Tschechischer Senat
- [http://www.concourt.cz/ concourt.cz] Ústavní soud České republiky - Tschechisches Verfassungsgericht, Brünn
- [http://www.mzv.cz/ mzv.cz] Tschechisches Außenministerium
- [http://www.czso.cz/eng/redakce.nsf/i/home czso.cz] Statistisches Zentralamt der Tschechischen Republik
- [http://www.tschechische-kulturtage.de tschechische-kulturtage.de] Größtes Festival der tschechischen Kultur in Deutschland (Sachsen)
- [http://www.dtsg.de/ dtsg.de] Deutsch-Tschechische und -Slowakische Gesellschaft e.V., Köln
- [http://www.bruecke-most-stiftung.de/ bruecke-most-stiftung.de] Brücken-Stiftung zur Förderung der deutsch-tschechischen Verständigung und Zusammenarbeit
- [http://www.tu-dresden.de/jfaufbau/osteuropa/tschechien.html tu-dresden.de] Linksammlung Tschechien- TU Dresden
- [http://slovnik.seznam.cz/ slovnik.seznam.cz] Wörterbuch- Tschechisch - Englisch/Deutsch/Französisch etc.
- [http://web.volny.cz/najdito/slovnik/ web.volny.cz] Wörterbuch- Tschechisch - Englisch/Deutsch/Französisch
- [http://auswaertiges-amt.de/www/de/infoservice/download/pdf/publikationen/staatennamen.pdf auswaertiges-amt.de] Staatennamen der Bundesrepublik Deutschland PDF-Dokument
- [http://www.collegium-carolinum.de/index.html Collegium Carolinum (CC)/ Institut zur Geschichte, Kultur und Politik der Tschechischen und der Slowakischen Republik]
- [http://www.pragerzeitung.cz/] aktuellste Nachrichten aus Tschechien in deutscher Sprache
- [http://www.turistik.cz/] Reiseangebote und Informationen für die Tschechische Republik
- [http://www.skoda.cz/] alles zur tschechischen Traditionsfirma ( von der Historie der Firma bis aktuellste Angebote und Marken) ---- 20px Wiki-Portal Tschechien
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Niederösterreich

Niederösterreich ist eines der neun Länder von Österreich (alter Name: Erzherzogtum Österreich unter der Enns). Der Fläche nach ist es das größte und nach der Einwohnerzahl das zweitgrößte Bundesland. Es grenzt im Norden an Tschechien, im Nordosten an die Slowakei, im Südosten an das Burgenland, im Süden an die Steiermark und im Westen an Oberösterreich. Es umschließt das Land Wien, welches bis 1922 zu Niederösterreich gehörte. Sankt Pölten ist durch eine Volksabstimmung seit 1986 Landeshauptstadt Niederösterreichs. Davor war die Landesregierung und der Beamtenapparat in Wien untergebracht.

Geografie

Niederösterreich ist landschaftlich in Viertel eingeteilt: das Weinviertel und das Waldviertel nördlich, das Mostviertel und das Industrieviertel südlich der Donau. Die Viertel weisen eine geografisch vollkommen verschiedene Struktur auf. Während es im Mostviertel die Ausläufer der Kalkalpen mit Bergen um die 2.000 m gibt, ist das Waldviertel hauptsächlich ein Granitplateau. Im Nordosten liegt das hügelige Weinviertel, das in das flache Marchfeld abfällt und südlich der Donau das Wiener Becken. Getrennt werden die Viertel in westöstlicher Richtung durch die Donau, in Nord-Südrichtung durch den Manhartsberg und den Wienerwald mit der Thermenlinie.

Berge


- Schneeberg (Klosterwappen; 2.076 m)
- Rax (Scheibwaldhöhe; 1943 m; höchste Erhebung: Heukuppe; 2.007 m – Steiermark)
- Ötscher (1.893 m)
- Dürrenstein (Österreich) (1.878 m)
- Schneealpe (Ameisbühel; 1828 m; höchste Erhebung: Windberg; 1903 m – Steiermark)
- Hochkar (1.808 m)
- Hochwechsel (1.743 m)
- Großer Peilstein (1.061 m)
- Hocheck (1.036 m)
- Eibl (1.007 meter)

Alpenübergänge


- Semmering (985 m)
- Wechsel (980 m)

Flüsse

Niederösterreich wird fast gänzlich über die Donau entwässert. Der einzige Fluss, der seinen Abfluss über die Moldau und die Elbe in die Nordsee hat, ist die Lainsitz im nördlichen Waldviertel. Die wichtigsten Flüsse nördlich der Donau sind der Kamp, Krems, Klamm, Lainsitz, March und Thaya. Südlich der Donau sind es die Enns, Ybbs, Erlauf, Melk, Traisen, Schwechat, Fischa und die Leitha.

Seen


- Lunzer See (0,69 km²)
- Erlaufsee (etwa zur Hälfte in Niederösterreich gelegen; 0,56 km²)

Flächenverteilung

Bevölkerung

Religion

Im Jahr 2001 waren 79,3 % der Bewohner römisch katholisch, 3,3 % protestantisch, 3,2 % islamisch und 10,8 % konfessionslos.

Politik

Die politische Landschaft im niederösterreichischen Bundesland wird seit 1945 – in den meisten Fällen auch durch eine absolute Mehrheit – von der ÖVP dominiert, die seitdem den Landeshauptmann stellt. Derzeit ist Erwin Pröll Landeshauptmann (siehe auch Liste der österreichischen Landeshauptleute). Auch auf Gemeindeebene hält die ÖVP eine starke Mehrheit, sodass die Bürgermeister vorwiegend der ÖVP angehören. Zweitstärkste politische Kraft ist die SPÖ. In der I. Republik war Niederösterreich in vier Wahlkreise aufgeteilt und hatte 60 Abgeordnetensitze im Wiener Parlament. 1932 wurden die Wahlkreise auf acht erhöht und die Abgeordnetensitze auf 56 Sitze verringert. Damit wollte man, angesichts der stärkerwerdenden NSDAP, die Großparteien zu ungunsten der kleineren Parteien stärken. In der heutigen II. Republik sind im niederösterreichischen Landtag vier Parteien vertreten:
- ÖVP mit 31 Sitzen
- SPÖ mit 19 Sitzen
- Grüne mit 4 Sitzen
- FPÖ mit 2 Sitzen :(Stand:2003) Die Landesregierung setzt sich zusammen aus dem Landeshauptmann, seinen zwei Stellvertretern und sechs Regierungsmitgliedern. Obwohl die ÖVP mit absoluter Mehrheit regiert, sind auch SPÖ Mitglieder in der Landesregierung vertreten.

Verwaltung

Niederösterreich ist in 21 politische Bezirke und 4 Statutarstädte gegliedert. Seit der letzten Gemeindereform im Jahr 1970 und einigen kleineren Änderungen gibt es 573 Gemeinden. Der Sitz der niederösterreichischen Landesregierung ist seit 1986 die Landeshauptstadt Sankt Pölten. Seinen Sitz in Wien hatte Niederösterreich bis 1996 im Landhaus in der Herrengasse im ersten Bezirk. In der Volksabstimmung, in der nur die niederösterreichische Bevölkerung mitstimmen durfte, stand Krems ebenfalls zur Wahl. Zeitgleich mit der Übersiedlung der Landesregierung nach St. Pölten wurde auch eine Verwaltungsreform eingeleitet, die auch eine Dezentralisierung der Behörden bedeutete und man die einzelnen Verwaltungsstellen näher in die einzelnen Landesvierteln bei einzelnen Bezirkshauptmannschaften ansiedelte.

Statutarstädte


- Krems
- Sankt Pölten
- Waidhofen an der Ybbs
- Wiener Neustadt

Bezirke


- Amstetten
- Baden
- Bruck an der Leitha
- Gänserndorf
- Gmünd
- Hollabrunn
- Horn
- Korneuburg
- Krems-Land
- Lilienfeld
- Melk
- Mistelbach
- Mödling
- Neunkirchen
- St. Pölten-Land
- Scheibbs
- Tulln
- Waidhofen an der Thaya
- Wiener Neustadt-Land
- Wien-Umgebung
- Zwettl Siehe auch: Gemeinden in Niederösterreich

Wirtschaft

Verkehr

Die wichtigsten Verkehrsadern führen in Richtung Bundeshauptstadt Wien, wie die Südautobahn und die Westautobahn, die Südbahn und die Westbahn. Verkehrsmittel, die ihren Endpunkt in Sankt Pölten haben, sind die Wieselbusse. Die Güterschifffahrt auf der Donau hat mit dem größten Donauhafen Krems eine große Verkehrsbedeutung. Die Passagierschifffahrt ist meistenteils auf die Wachau für den Tourismus beschränkt. Verhältnismäßig wenige Schiffe befahren die gesamte Strecke in Niederösterreich. Zumeist sind es Kreuzfahrtschiffe, die von Passau kommend bis ins Schwarze Meer fahren. Nach dem Fall des eisernen Vorhanges hat sich der Straßen- und Schienenverkehr vor allem im Osten und im Norden Niederösterreichs stark erhöht. Während früher der Zielverkehr meist in den Wiener Raum führte, hat sich nunmehr der Transitverkehr in den ost- und mitteleuropäischen Länder stark erhöht. Daher wird zur Zeit die Westautobahn komplett dreispurig ausgebaut und auch die Westbahn um eine Hochgeschwindigkeitsstrecke ergänzt. Dafür muß auf Grund der topografischen Gegebenheiten (speziell durch den Wienerwald) die Strecke teilweise neu trassiert werden.

Wirtschaft

Die wirtschaftlich stärksten Regionen in Niederösterreich befinden sich entlang der Thermenlinie. Der Bezirk mit dem stärksten Steueraufkommen ist der Bezirk Mödling direkt am Südrand von Wien. Je weiter die Gebiete von Wien entfernt liegen, um so schwächer wird ihre Wirtschaftskraft. Dies ist auch dadurch noch bedingt, dass nach dem Zweiten Weltkrieg Niederösterreich in der sowjetischen Besatzungszone lag, was ein wesentlicher Standortnachteil für die Wirtschaft bedeutete. Während in den anderen Teilen Österreichs die Wirtschaft bereits mit dem Wiederaufbau beginnen konnte, blieben in der sowjetischen Besatzungszone viele Großbetriebe zerstört oder waren in den Händen der USIA-Betriebe. Die großen Reparationsleistungen an die Sowjetunion wurden u. a. in Form von Erdöl, das im Marchfeld gefördert wurde, geleistet. Erst nach der Unabhängigkeit Österreichs durch den Staatsvertrag 1955 konnte in Niederösterreich mit dem Wiederaufbau begonnen werden. Aber auch der Eiserne Vorhang wirkte sich eher hemmend für die Wirtschaftskraft aus, vor allem an der Nord und an der Ostgrenze. So pendeln auch heute noch viele Menschen aus dem Waldviertel als Tages- oder Wochenendfahrer für ihren Beruf nach Wien. Die Politik ist zwar ständig bemüht neue Betriebe in Niederösterreich anzusiedeln – dies zumeist über die landeseigene Gesellschaft Eco Plus -, aber noch können nicht alle arbeitssuchenden Menschen in Niederösterreich mit Arbeitsplätzen versorgt werden. Die Energieversorgung mit Strom und Gas erfolgt bis auf die Randbezirke durch die EVN. Niederösterreichs größte Medien sind der ORF Niederösterreich und das periodische Druckwerk Niederösterreichische Nachrichten (NÖN), das Flaggschiff des niederösterreichischen Pressehauses.

Landwirtschaft

Niederösterreich ist aber auch vor allem ein Agrarland. Allein ca. 42 % der gesamten Landesfläche machen Ackerland aus. 40 % sind als Waldfläche ausgewiesen. Sowohl Nutzviehhaltung in den bergigen Regionen, als auch Ackerbau ist ein starker Wirtschaftszweig in diesem Bundesland. Allerdings ist die Zahl an Beschäftigten in diesem Wirtschaftszweig in den letzten 50 Jahren auf rund 10 % gesunken. Ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig ist der Weinbau, der vor allem – wie schon der Name sagt – im Weinviertel, aber auch in der Wachau und in der Thermenregion zu finden ist. Auch die Forstwirtschaft ist ein bedeutender Wirtschaftsteil.

Fremdenverkehr

War Niederösterreich früher im Fremdenverkehr das Schlusslicht unter den österreichischen Bundesländern, so hat sich die Situation heute durch die Touristen aus den ost- und mitteleuropäischen Ländern stark verändert. So hat beispielsweise das Waldviertel die stärksten Zuwachsraten an Nächtigungen. Die Tourismuswirtschaft bewirbt vor allem die großen Kulturzentren im Land, wie die vielen Klöster und Schlösser. Aber auch beispielsweise Urlaub am Bauernhof wird stark beworben und gerne angenommen, um der Landwirtschaft in den Bergen ein Zusatzeinkommen zu ermöglichen. Trotzdem der Fremdenverkehr noch nicht die große Bedeutung im Vergleich zu den westlichen und südlichen Bundesländern innerhalb der Gesamtwirtschaft.

Kultur

Neben zahlreichen Klöstern (Melk, Dürnstein, Göttweig, Klosterneuburg, Zwettl), Schlössern mit laufenden Ausstellungen (Schallaburg, Schloss Grafenegg, Schloss Thürnthal, Schloss Hof) und Museen (Landesmuseum Niederösterreich im Sankt Pöltner Kulturbezirk, die Kunstmeile Krems mit der Kunst-Halle und dem Karikaturmuseum) sind die römischen Ausgrabungen in Carnuntum, das Festspielhaus St. Pölten, die Stadtbühne Baden sowie die gut besuchten Sommerbühnen in Berndorf, Stockerau, Langenlois und bei der Burg Liechtenstein zu erwähnen. Große Veranstaltungen sind die zweijährlichen Landesausstellungen und das Donaufestival.

Geschichte

Die Gegend um die Donau war schon früh besiedelt. Eines der bedeutendsten Funde der Steinzeit war die sogenannte Venus von Willendorf, die bei Willendorf in der Wachau im Jahre 1908 entdeckt wurde. Die kleine Statue entstand wahrscheinlich 25.000 v. Chr. Viel Später lebten Kelten in der Gegend und errichteten ihre Reiche wie Pannonien. Diese Keltenvölker wiederum wurden von den Römern im Pannonischen Aufstand in den Jahren 6 bis 9 unterworfen. Die Garnisonstadt Carnuntum war die bedeutende Hauptstadt der Provinz und bis heute sind die Ruinen Touristenattraktion. Der römische Einfluss ging in den Wirren der Völkerwanderung unter und verschwand im 6. Jahrhundert, die Gegend wurde eventuell deutschsprachig. Mit dem Mittelalter beginnt die Entstehungsgeschichte des Landes Niederösterreich als Gebilde und politischer Akteuer. Niederösterreich ist das Kernland Österreichs. Es hat daher kaum eine eigene historische Tradition, die von der österreichischen Geschichte abweicht. Die frühere bairische Markgrafschaft Ostarrichi (spätere Schreibweise Österreich) ist die Gegend von Neuhofen an der Ybbs, also etwa dem heutigen Nibelungengau im westlichen Niederösterreich. Schon unter den Karolingern hatte in diesem Raum eine Mark gegen die Awaren bestanden, über die wir allerdings nur spärlich informiert sind. Irgendwann nach der Schlacht auf dem Lechfeld 955 wurde erneut eine Mark errichtet, die zum Herzogtum Baiern gehörte und vor allem von den Bajuwaren besiedelt wurde. Die regierende Dynastie waren von 976 bis 1246 die Babenberger. Um 1000 n. Chr. hatten sich March und Leitha als Grenzflüsse im Osten etabliert. Besonders Markgraf Leopold III. (später heilig gesprochen, heute Landespatron) erwarb sich durch seine Klostergründungen (vor allem das Stift Klosterneuburg) große Verdienste um die Urbarmachung des Landes. Die Gewinnung von Raum im Bereich des Wienerwaldes und östlich davon drückte sich auch in der Verlegung der Residenzen der Markgrafen aus, die von Pöchlarn über Melk nach Klosterneuburg zogen, ehe 1142 Heinrich II. Wien zur Hauptstadt der Markgrafschaft erhob. 1156 wurde Ostarrichi durch das Privilegium Minus zum Herzogtum erhoben. Mit der Ausdehnung der Babenberger Herrschaft 1192 auf die Steiermark begann auch für große Gebiete westlich der Enns die Geschichte Österreichs. Nach den Babenbergern 1246 folgte Ottokar Přemysls, der die österreichischen Länder mit Böhmen vereinigte. Gleichwohl setzte er die Kolonisierung des Landes fort – etwa durch Stadtneugründungen. Erst nach der Schlacht auf dem Marchfeld kam das Gebiet unter die Habsburger Herrschaft und wurde zu deren Kernland. Da die Habsburger in der Goldenen Bulle übergangen worden waren, versuchten sie auf andere Weise eine den Kurfürsten ähnliche Stellung zu erlangen. Herzog Rudolf IV. ließ das Privilegium Maius fälschen, in dem das Land zu einem Erzherzogtum erhöht wurde. Anerkannt wurde dies aber erst 1453 von Kaiser Friedrich III., der selbst Habsburger war. Ansätze zu einer administrativen Teilung des Herzogtums Österreich entlang der Enns finden sich bereits bei Ottokar Přemysl, doch erst unter den Habsburgern des Spätmittelalters etablierten sich eigene Stände für das Land ob der Enns in Linz. Es entstanden so die Landesteile Erzherzogtum Österreich unter der Enns und Erzherzogtum Österreich ob der Enns (das heutige Oberösterreich). Gleichwohl galten beide Territorien bis 1918 als zwei Teile desselben Erzherzogtums. Im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit war der niederösterreichische Raum ständig von Unruhen betroffen, angefangen mit den wirren Erbstreitigkeiten der Habsburger um 1400 über die Hussitenkriege und die ständigen Behauptungsversuche Friedrichs III.. Viele dieser Kämpfe verselbständigten sich und das „Fehdewesen“ wurde allgemein als Landplage empfunden, das die öffentliche Ordnung an den Rand der Auflösung brachte. Erst Ferdinand I. konnte die Ordnung halbwegs wieder herstellen, allerdings zu einem hohen Preis: den Städten wurde jegliche Selbstverwaltung genommen und Proteste wurde wie beim Wiener Neustädter Blutgericht brutal im Keim erstickt. Nach 1520 kamen zwei weitere entscheidende Faktoren ins Spiel: die Gefahr durch die Osmanen und der Protestantismus, der gerade in Niederösterreich breite Resonanz fand. Nach der Schlacht bei Mohács 1526 und dem darauffolgenden Zusammenbruch des ungarischen Königreiches wurde Niederösterreich zum Grenzgebiet des HRR und blieb es bis 1683, als die Osmanen nach der erfolglosen Belagerung Wiens zurückgedrängt wurden. Die Gegenreformation setzte in dem protestantisch gewordenen Land erst ab den 1570ern voll ein, dann aber mit aller Vehemenz. Träger waren vor allem die Jesuiten, die die Schulen und Universitäten übernahmen. Eine wichtige Figur der Rekatholisierung ist auch der Kardinal Melchior Khlesl, der Sekretär des späteren Kaisers Matthias. Zur Wahrung seiner politischen und religiösen Freiheiten schloss der protestantische Adel 1619 ein Bündnis (Konföderation) mit den Ständen des Königreichs Böhmen, das gegen den habsburgischen Landesherren Kaiser Ferdinand II. gerichtet war. Nur die katholische Minderheit blieb dem Kaiser treu. Die militärische Niederlage der Protestanten in der Schlacht am Weißen Berg machte auch in Niederösterreich den Weg für die gewaltsam erzwungene Gegenreformation frei. Die untertänige Bevölkerung musste in den zwanziger Jahren des 17. Jahrhunderts ausnahmslos wieder katholisch werden. Verschont blieben nur wenige protestantische Adelige, die sich nicht am Aufstand gegen den Kaiser beteiligt hatten. Die übrigen evangelischen Herren und Ritter mussten, wenn sie nicht konvertierten, das Land verlassen. Ihr Besitz wurde an katholische Parteigänger des Kaisers vergeben. Trotz der vielen Kriege erlebte Niederösterreich eine Zeit des Aufschwungs während des Barocks. Klöster gewannen durch die Gegenreformation wieder an Bedeutung, wichtige Orte waren das Stift Melk, Klosterneuburg, Stift Göttweig und andere. Auch der Adel blieb einflussreich und errichtete weitere Schlösser, wie Schloss Artstetten. Traditionel war die Landwirtschaft wichtig, vor allem der Weinbau. Im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wurde die Infrastruktur ausgebaut, das Land profitierte von der Nähe zur k.k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien. Nach dem Fall der Monarchie 1918 wurde Niederösterreich zum größten und bevölkerungsreichsten Bundesland der neuen Republik. Vielleicht um diese Dominanz in der föderalen Struktur zu brechen, wurde am 1. Jänner 1922 beschlossen Wien und Niederösterreich zu trennen. Somit hatte Niederösterreich keine offiziele Hauptstadt mehr, obwohl die Landesverwaltung weiterhin in Wien saß. Die traditionellen wirtschaftlichen und verkehrstechnischen Verbindungen nach Böhmen und Mähren wurden durch die Errichtung neuer Staatsgrenzen beeinträchtigt, was sich negativ auf die fragile Nachkriegswirtschaft auswirkte. Auch der Verbleib der deutschsprachigen Minderheit an den neuen Grenzen in der Tschechoslowakei wirkte sich negativ auf die politische Stabilität und Zufriedenheit der Bevölkerung aus. In der Zeit des Nationalsozialismus 19381945 mußte jeder Bezug zu Österreich verschwinden, das Land hieß Niederdonau. Wien blieb zwar der Verwaltungsitz, Krems wurde aber zur "Gauhauptstadt" erhoben. 1986 wurde Sankt Pölten zur neuen Landeshauptstadt gewählt. Diese Entwicklung sendete neue Impulse zur Weiterentwicklung des Landes aus. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem Abbau der strengen Grenzkontrollen wird eine weitere wirtschaftliche Entwicklung und Entfaltung der Region erhofft.

Weblinks


- [http://www.noe.gv.at Niederösterreichische Landesregierung] Kategorie:Österreich ! Kategorie:Bundesland in Österreich als:Niederösterreich

Bayern

Der Freistaat Bayern liegt im Süden und Südosten der Bundesrepublik Deutschland und ist das flächenmäßig größte Bundesland. Angrenzend sind (im Uhrzeigersinn) die Länder Baden-Württemberg, Hessen, Thüringen und Sachsen. Im Osten grenzt Bayern an Tschechien, im Süden an Österreich und an den Bodensee. Im Freistaat leben traditionell drei deutsche Volksstämme: die Franken (Ober-, Mittel- und Unterfranken), die Schwaben und die Baiern ("Altbayern").

Geschichte

Siehe die Hauptartikel Vorgeschichte Bayerns, Geschichte Bayerns und Königreich Bayern Die Schreibweise des Landesnamens mit "y" geht auf eine Anordnung von König Ludwig I., König von Bayern vom 20. Oktober 1825 zurück, mit der die ursprüngliche Schreibweise "Baiern" abgelöst wurde. Er "importierte" das Y aus dem griechischen Alphabet, da sein zweiter Sohn, Otto I., König von Griechenland wurde und seinerseits die bayerischen Farben weiß-blau als griechische Nationalfarben etablierte.

Politik

Siehe den Hauptartikel Politisches System Bayerns. Im Bayerischen Landtag sind derzeit drei Parteien vertreten. Nach den Wahlen vom 21. September 2003 ergab sich folgende Sitzverteilung (insges. 180 Sitze):
- CSU 124 Sitze
- SPD 41 Sitze
- Bündnis 90/Die Grünen 15 Sitze
Die Ergebnisse der Landtagswahl 2003 sahen wie folgt aus:

Bayerische Staatsregierung

In Bayern regiert seit 1966 die CSU mit absoluter Mehrheit, seit den Landtagswahlen am 21. September 2003 sogar mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit der Abgeordneten. Amtierender Ministerpräsident ist seit dem 17. Juni 1993 Dr. Edmund Stoiber (CSU). Am 7. Oktober 2003 wurde Edmund Stoiber als Ministerpräsident vom Landtag wiedergewählt, am 14. Oktober das neue Kabinett von ihm ernannt und vom Landtag bestätigt. Der Bayerischen Staatsregierung gehören zurzeit folgende Mitglieder an:

- Edmund Stoiber (CSU), Ministerpräsident des Freistaates Bayern
- Günther Beckstein (CSU), Stellvertreter des Ministerpräsidenten und Staatsminister des Innern
- Erwin Huber (CSU), Leiter der Staatskanzlei und Staatsminister für Bundesangelegenheiten und Verwaltungsreform
- Eberhard Sinner (CSU), Staatsminister für Europaangelegenheiten und regionale Beziehungen
- Beate Merk (CSU), Staatsministerin der Justiz
- Thomas Goppel (CSU), Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst
- Siegfried Schneider (CSU), Staatsminister für Unterricht und Kultus
- Kurt Faltlhauser (CSU), Staatsminister der Finanzen
- Otto Wiesheu (CSU), Staatsminister für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie
- Werner Schnappauf (CSU), Staatsminister für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz
- Josef Miller (CSU), Staatsminister für Landwirtschaft und Forsten
- Christa Stewens (CSU), Staatsministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen
- Georg Schmid (CSU), Staatssekretär im Staatsministerium des Inneren
- Karl Freller (CSU), Staatssekretär im Staatsministerium für Unterricht und Kultus
- Franz Meyer (CSU), Staatssekretär im Staatsministerium der Finanzen
- Hans Spitzner (CSU), Staatssekretär im Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie
- Emilia Müller (CSU), Staatssekretär im Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz
- Jürgen Heike (CSU), Staatssekretär im Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen Siehe auch: Wahlergebnisse und Staatsregierungen in Bayern seit 1945

Staatsaufbau

Grundlage der Landespolitik ist die am 2. Dezember 1946 beschlossene Bayerische Verfassung. Bayern ist demnach Freistaat (Republik) und Volksstaat (Demokratie). Seit dem 1. Januar 2000 existiert nach der Abschaffung des Senats ein parlamentarisches Einkammersystem. Die gesetzgebende Gewalt liegt beim Bayerischen Landtag, dessen Abgeordnete alle fünf Jahre (bis 1998: alle vier Jahre) gewählt werden. Bis Ende 1999 existierte mit dem Senat eine zweite Kammer, mit der Vertreter sozialer und wirtschaftlicher Interessenverbände ein politisches Gegengewicht zum Landtag schaffen sollten. In einem Volksentscheid wurde am 8. Februar 1998 die Abschaffung dieser Kammer beschlossen. Chef der Staatsregierung ist der Bayerische Ministerpräsident, der ihre Geschäfte leitet, die Richtlinien der Politik bestimmt, Bayern nach außen vertritt und die Staatsminister und -sekretäre ernennt. Das oberste bayerische Gericht ist der Bayerische Verfassungsgerichtshof. Des weiteren gibt es noch diverse obere Landesgerichte (Bayer. Oberstes Landesgericht, Bayer. Verwaltungsgerichtshof, Landesarbeits-, Landessozialgericht) sowie die restliche Judikative. Am 20. Oktober 2004 beschloss der Bayerische Landtag die Auflösung des Bayerischen Obersten Landesgerichts mit Wirkung zum 1. Juli 2006. Außer vom Landtag können in Bayern Gesetze und Verfassungsänderungen auch durch Volksbegehren und Volksentscheid beschlossen werden. Ein Volksentscheid ist außerdem zu jeder Änderung der Bayerischen Verfassung notwendig, auch wenn die Verfassungsänderung vom Landtag beschlossen wurde. Siehe auch: Bayerischer Ministerpräsident, Gesetzgebungsverfahren in Bayern

Wahlrecht

Gesetzgebungsverfahren in Bayern] Im Vergleich zu Wahlen auf Bundesebene weist das bayerische Wahlrecht mehrere Besonderheiten auf: Direktkandidaten, die in ihrem Wahlbezirk die Wahl gewonnen haben, können nur in den Landtag einziehen, wenn auch ihre Partei die Hürde von 5 Prozent erreicht hat. Darüber hinaus ergibt sich die Sitzverteilung im Landtag aus der Summe der Erst- und Zweitstimmen. In anderen Bundesländern und bei Bundestagswahlen entscheidet die Erststimme über die Wahl des Direktkandidaten im Wahlbezirk und allein die Zweitstimme bestimmt die Zahl der Sitze im Parlament, was üblicherweise dazu führt, dass Erststimmen häufiger den großen Parteien mit aussichtsreichen Direktkandidaten gegeben werden. Wer nach Bayern umzieht und eine kleinere Partei wählt, sollte also bei Landtagswahlen darüber nachdenken, ihr auch die Erststimme zu geben, die im bayerischen System also nicht "verloren gehen" kann. Eine weitere Besonderheit findet sich im Kommunalwahlrecht. Zum einen besitzt jeder Wähler genau so viele Stimmen wie Sitze zu vergeben sind; sind also im Gemeinderat bzw. Stadt- oder Kreistag z. B. 45 Sitze zu besetzten, so hat jeder Wähler 45 Stimmen. Desweiteren besteht die Möglichkeit des Kumulierens ("Häufeln", mehrere Stimmen können auf einen Kandidaten abgegeben werden) und des Panaschierens (Stimmen können auf Kandidaten verschiedener Listen verteilt werden). Am 21. September 2003 wurde per Volksentscheid die Altersgrenze für das passive Wahlrecht von 21 auf 18 abgesenkt. Daneben gibt es in Bayern zahlreiche direktdemokratische Elemente. Neben dem Volksentscheid auf Landesebene wurde am 1. Oktober 1995 durch eine Volksabstimmung die direkte Demokratie auf Kommunalebene eingeführt. Pro Jahr gibt es in Bayern rund 100 Volksabstimmungen.

Staatswappen, Flagge und Hymne

Hauptartikel: Bayerisches Staatswappen Das bayerische Staatswappen besteht aus sechs heraldischen Komponenten: Der goldene Löwe, ursprünglich mit der wittelsbachischen Pfalz am Rhein verbunden, steht heute für die Oberpfalz, der „fränkische Rechen“ für die drei fränkischen Bezirke, der blaue Panther für die Altbayern und die drei schwarzen Löwen für Schwaben. Das weiß-blaue Herzschild deutet den Gesamtstaat Bayern an, die Volkskrone bezeichnet nach dem Wegfall der Königskrone die Volkssouveränität. Der Freistaat Bayern besitzt zwei gleichgestellte Staatsflaggen: einmal die weiß-blau gerautete Flagge, zum anderen die Flagge mit horizontalen Streifen in den Farben Weiß und Blau. Zur Hymne siehe: Bayernhymne

Verwaltungsgliederung

Regierungsbezirke

Nachstehend die Regierungsbezirke mit Amtlichem Gemeindeschlüssel (AGS) und Abkürzung des Bayerischen Staatsministeriums des Innern: Amtlichem Gemeindeschlüssel (AGS)

Landkreise

Die 7 Regierungsbezirke unterteilen sich in 71 Landkreise und 25 kreisfreie Städte: kreisfreie Städte

Kreisfreie Städte

Städte und Gemeinden

Der Freistaat Bayern besteht aus 2.056 politisch selbständigen Städten und Gemeinden sowie 215 gemeindefreien Gebieten (letztere sind ausnahmslos unbewohnt und auf 44 der 71 Landkreise verteilt). Die Gemeinden verteilen sich wie folgt: 25 kreisfreie Städte und 2.031 kreisangehörige Gemeinden (davon 27 Große Kreisstädte, 262 sonstige Städte, 384 Märkte und 1.358 sonstige Gemeinden (Stand 1. Oktober 2004). Von den 2.031 kreisangehörigen Gemeinden sind 991 Mitgliedsgemeinden in 314 Verwaltungsgemeinschaften, und 1.040 Einheitsgemeinden, Stand 1. Januar 2005).
Änderungen seit dem 1. Januar 2005:
- Erhebung einer Gemeinde zum Markt am 17. September 2005
- Erhebung der Stadt Fürstenfeldbruck zur Großen Kreisstadt am 01. Januar 2006 (geplant)

Größte Städte

Siehe auch: Liste der Orte in Bayern, Große Kreisstadt

Regionen

Geografie

Große Kreisstadt Bayern liegt in Süddeutschland und umfasst:
- die bayerischen Alpen im Süden
- das Alpenvorland bis zur Donau mit den 3 großen Seen Oberbayerns
- das ostbayerische Mittelgebirge und
- die Stufenlandschaft der Schwäbischen und Fränkischen Alb. Die niedrigste Stelle von Bayern befindet sic