Bündnispolitik Otto von Bismarcks
Die Bündnispolitik Otto von Bismarcks ist eines der wichtigsten Elemente seines gesamten politischen Wirkens. Um die Bündnispolitik zu beschreiben, muss man zuerst das veränderte Ziel deutscher Politik nach der Reichsgründung erklären.
Bismarck formulierte das Ziel so:
„Das Ziel muß eine politische Gesamtsituation sein, in welcher alle Mächte außer Frankreich unser bedürfen und von Koalitionen gegen uns durch ihre Beziehungen zueinander nach Möglichkeit abgehalten werden.“
Mit Hilfe dieser Bündnisse sollte der Kriegsfall möglichst ausgeschlossen werden. Um Europa die Furcht vor weiterer deutscher Expansion zu nehmen, erklärte Bismarck das Reich für „saturiert“, d. h. Deutschland sah von weiteren Gebietsansprüchen ab. Interessant ist folgender Adressentwurf, der im März 1871 im Reichstag zur Verabschiedung vorlag:
„(...) Das neue Reich ist dem selbsteigenen Geiste des Volkes entsprungen, welches, nur zur Abwehr gerüstet, unwandelbar den Werken des Friedens ergeben ist. (...) Die Tage der Einmischung in das innere Leben andrer Völker werden, so hoffen wir, unter keinem Vorwand und in keiner Form wiederkehren.“
Anfänge
Nach dem Sieg über Frankreich im Jahr 1871 wollte Reichskanzler Bismarck das Deutsche Reich außenpolitisch absichern und Frankreich isolieren. Dieses Ziel erreichte er mit dem Beitritt des Deutschen Reichs zum Dreikaiserabkommen 1873 . Obwohl dieser Schritt in erster Linie der Friedenssicherung dienen sollte, war es von deutscher Seite auch von entscheidender Wichtigkeit, Russland von einem Bündnis mit Frankreich fernzuhalten.
1878 erklärte sich Bismarck, um sich den anderen europäischen Staaten als vertrauenswürdig zu erweisen, als „ehrlicher Makler“ bereit, den Friedensverhandlungen zwischen den streitenden Parteien des Russisch-Türkischen-Krieges vorzusitzen.
Berliner Kongress
Dieser so genannte Berliner Kongress fand in Deutschland statt, weil Deutschland auf dem Balkan kein Interesse verfolgt, „welches auch nur die gesunden Knochen eines einzigen pommerschen Musketiers wert wäre“ und insofern allen Beteiligten als Mittler geeignet scheint. Dass die europäischen Mächte darauf einwilligten, verdeutlicht den Einfluss, den das neue Deutsche Reich zu diesem Zeltpunkt auf die europäischen Großmächten hatte.
Gleichgewichtspolitik
Gemäß der neuen Politik wollte Bismarck auf dem Berliner Kongress die Grundlagen der Gleichgewichtspolitik legen.
Da aber Russland trotz des siegreichen Krieges als Ergebnis des Berliner Kongresses den Zugang zur Ägäis aufgeben musste, machte Zar Alexander II. Bismarck dafür verantwortlich und glaubte, dass Bismarck sich bei den Verhandlungen nicht neutral verhalten hatte. In einem Brief an Bismarck hielt er es für seine Pflicht, da „die Haltung der verschiedenen deutschen politischen Vertreter in völligem Widerspruch zu den Überlieferungen freundschaftlicher Beziehungen steht, die seit mehr als einem Jahrhundert die Politik unserer beiden Regierungen geleitet hatten und die durchaus ihren gemeinsamen Interessen entsprachen (...) Ihre Aufmerksamkeit auf die traurigen Folgen zu lenken, die dies für unsere freundnachbarlichen Beziehungen nach sich ziehen könnte“.
siehe auch: Ohrfeigenbrief
Zweibund
Aus dieser Bedrohung heraus schloss Bismarck im Jahr 1879 mit Österreich-Ungarn den „Zweibund“, das erste von weiteren Bündnissen, die noch folgen sollten. Der Zweibund sah vor, dass bei einem Angriff Russlands auf einen Vertragspartner der andere mit gesamter Streitmacht zur Hilfe kommen soll; bei Angriff einer anderen Macht soll zumindest wohlwollende Neutralität geübt werden. Der Zweibund wurde 1882 durch Italien zum Dreibund erweitert.
Dreikaiserbund
Kaum war der Zweibund abgeschlossen, versuchte Bismarck wieder engere Beziehungen zwischen Berlin und Petersburg zu knüpfen. Da Alexander erkannte, dass der Zweibund seinen Handlungsspielraum einengte und dass es zweckmäßig sei, sich mit den beiden Mächten zu verständigen, stimmte er einem Neutralitätsabkommen Russlands mit Deutschland und Österreich-Ungarn zu. In diesem 1881 unterzeichneten Dreikaiserbund wurde vereinbart, dass, falls einer der drei Staaten in einen Krieg mit einer der dem Bündnis nicht angehörenden Macht verwickelt werden sollte, die beiden anderen Vertragspartner ihm gegenüber eine wohlwollende Neutralität einzunehmen hatten. Außerdem würden Deutschland und Österreich England in einem Krieg gegen Russland nicht unterstützen, umgekehrt hatten Russland und Österreich-Ungarn Deutschland in einem Krieg gegen Frankreich wohlwollende Neutralität zu gewähren. Dies schloss gleichzeitig ein russisch-französisches Bündnis aus.
Mittelmeerentente (Orientdreibund)
1887 förderte Bismarck den Abschluss der Mittelmeerentente zwischen England, Italien und Österreich-Ungarn. Diese sah vor, den Status quo im Mittelmeer zu erhalten. Geduldet wurden die englische Expansion in Ägypten und die italienische Expansion in Libyen. Das Deutsche Reich förderte die Entstehung der Mittelmeerentente, um England an den Dreibund heranzuführen. Weiterhin sollte die Türkei vor dem russischen Expansionsstreben geschützt werden.
Rückversicherungsvertrag
Den Abschluss des Bismarckschen Bündnissystems bildete der Rückversicherungsvertrag. Dieser 1887 abgeschlossene geheime Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und Russland enthielt ein Neutralitätsabkommen für den Fall eines österreichisch-ungarischen Angriffs auf Russland oder eines französischen Angriffs auf Deutschland.
Kolonialabkommen
Dieses 1890 geschlossene Abkommen Deutschlands mit Großbritannien stellte für letzteres eine Anbindung an Bismarcks Bündnispolitik dar. Ein direktes Bündnis wollte dieser jedoch nicht eingehen. Vorteilhaft war das Abkommen auch für die Durchsetzung der Kolonialpläne Großbritanniens.
nach Bismarck
Mit der Entlassung Bismarcks 1890 zerfiehl auch sein Bündnissystem. Als 1890 der Rückversicherungsvertrag nicht verlängert wurde, kam es 1894 zu einem russisch-französischen Abkommen. So war der "Alptraum" Bismarcks, der in seiner Amtszeit versucht hatte, diese beiden Mächte auseinanderzuhalten, wahr geworden. Im Gegensatz zum konservativen Realpolitiker Bismarck führte der junge Kaiser Wilhelm II. eine provokante imperialistische Politik, die Deutschland international isolieren sollte.
Siehe auch
- Portal:Geschichte
Kategorie:Deutsches Reich
Literatur
- Canis, Konrad: Bismarcks Außenpolitik 1870-1890. Aufstieg und Gefährdung, Paderborn-Wien-München-Zürich 2004 (Wissenschaftliche Reihe der Otto-von-Bismarck-Stiftung, hrsg. von Lothar Gall, Band 6)
- Hillgruber, Andreas: Bismarcks Außenpolitik, Freiburg 1993 (Rombach Wissenschaft - Historiae, Band 3)
- Scherer, Friedrich: Adler und Halbmond. Bismarck und der Orient 1878-1890, Paderborn-Wien-München-Zürich 2001 (Wissenschaftliche Reihe der Otto-von-Bismarck-Stiftung, hrsg. von Lothar Gall, Band 2).
Weblinks
- [http://www.bismarck-stiftung.de Otto-von-Bismarck-Stiftung (Bundesstiftung, die sich mit Leben und Zeit Otto von Bismarcks beschäftigt)]
Otto von Bismarck
Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen, genannt der Eiserne Kanzler, ( - 1. April 1815 in Schönhausen (heute Sachsen-Anhalt); † 30. Juli 1898 in Friedrichsruh bei Hamburg), war ein deutscher Staatsmann. Er war der Gründer und erste Kanzler des 2. Deutschen Reiches. Vormals war er Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes.
Norddeutschen Bundes
Er war seit 1865 Graf von Bismarck-Schönhausen, seit 1871 Fürst von Bismarck und seit 1890 Herzog zu Lauenburg. Den Herzogtitel, den er bei seiner Entlassung erhielt, führte er niemals. Er ließ auch Post zurückgehen, die so adressiert war. Angeblich bevorzugte Bismarck eine schlesische Herrschaft und fühlte sich durch die ihm zu Teil gewordene Herzogswürde herabgesetzt.
Leben
Lauenburg
Otto von Bismarck studierte Rechtswissenschaften in Göttingen und war Mitglied des Corps Hannovera Göttingen. Danach war er an Gerichten und Behörden tätig. 1838 verließ er den Staatsdienst, weil ihm der bürokratische Routinebetrieb nicht zusagte, und begann seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger.
Nach dem Tod seiner bürgerlichen Mutter, mit der er in einem gewissen Spannungsfeld lebte, und dem Tod seines Vaters (1845) wurde er Landwirt und übernahm die Bewirtschaftung des Bismarckschen Besitzes Schönhausen. Zwischenzeitlich war die Familie nach Pommern übergesiedelt (ab 1816). Dass er auch darin allein nicht seinen Lebensinhalt finden konnte, zeigte sich in politischen Ambitionen, aber auch in ausgeprägter Beschäftigung mit Philosophie, Kunst, Religion und Literatur. Schon damals war er ein meisterlicher Redner und Briefschreiber. 1847 heiratete er in Reinfeld (Pommern) Johanna von Puttkamer (1824–1894), wie er es seiner wahren Liebe und Johannas bester Freundin, Marie von Thadden, vor deren Tod versprochen hatte. Dieser Ehe entstammen seine Kinder Marie ( - 1848), Herbert (1849–1904) und Wilhelm (1852–1901).
Zu dieser Zeit wurde er auch politisch aktiv als Mitglied des preußischen Vereinigten Landtages. 1849 und 1850 gehörte er der Zweiten Kammer des Landtages an und war Wortführer des äußersten rechten Flügels. Während der Märzrevolution von 1848/49 profilierte er sich als konsequenter Verteidiger des monarchischen Prinzips. Einen auf Volkssouveränität gegründeten deutschen Nationalstaat, wie ihn die Frankfurter Nationalversammlung proklamierte, lehnte er ab - Preußen sollte Preußen bleiben. Obwohl Bismarck keine diplomatische Ausbildung besaß, wurde er 1851 zum preußischen Gesandten beim Bundestag in Frankfurt ernannt. Dieses Mandat behielt er bis 1859. 1859–1862 war er Gesandter in St. Petersburg, 1862 kurzfristig Botschafter in Paris.
Am 23. September 1862 wurde Bismarck von König Wilhelm I. im Verfassungskonflikt zum preußischen Ministerpräsidenten, am 8. Oktober 1862 dann noch zum Außenminister berufen (Die Ernennung zum Außenminister war eine wesentliche Forderung Bismarcks gewesen. Er wollte Außenpolitik machen, wie er es für richtig hielt. Da das preußische Kabinett eine Kollegialverfassung hatte, mußte er dazu auch Außenminister sein.). Bismarck war als Monarchist bekannt und bot als einer der wenigen die Garantie, bedingungslos für den preußischen König gegen das Parlament die notwendige Militärreform durchzusetzen.
Bismarck, der seit seiner Jugend Pommern sehr verbunden war, erwarb 1867 von der ihm wegen des erfolgreichen Deutsch-Österreichischen Krieges bewilligten Dotation von 400.000 Talern das Rittergut Varzin und ließ auf dessen Fluren die Hammermühle und weitere Papierfabriken errichten, die sich bald zum größten Unternehmen Ostpommerns entwickelten und legte somit den Grundstein für die heutige polnische Stadt Kępice.
Einigung Deutschlands unter preußischer Führung
1864 führte Preußen im Bunde mit Österreich erfolgreich den Deutsch-Dänischen Krieg um Schleswig-Holstein. In der Folge zeigte sich, dass ein Konflikt und damit ein Krieg mit Österreich um die Vormachtstellung in Deutschland unausweichlich würde. Der Deutsche Krieg im Jahre 1866 verursachte die Auflösung des Deutschen Bundes, wobei Bismarck gegen den Widerstand des Militärs eine Demütigung Österreichs vermied (Kleindeutsche Lösung). Bismarck setzte sich sogar gegen den König durch, der den Krieg zunächst weiterführen wollte. In der Folge wurde 1867 unter immensen Gebietsgewinnen Preußens der Norddeutsche Bund gegründet; gegenüber den norddeutschen Kleinstaaten war Bismarck weniger großzügig als gegenüber dem besiegten Österreich. Sie wurden kurzerhand aufgelöst und Preußen einverleibt. Mit den süddeutschen Staaten wurden Schutz- und Trutzbündnisse abgeschlossen; Bismarck wurde Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes.
Bundeskanzler
Infolge der Stärkung Preußens steigerten sich die deutsch-französischen Gegensätze. In Spanien kandidierte der mit den in Deutschland regierenden Hohenzollern verwandte Prinzen Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen für den Thron, wodurch Frankreich Angst hatte von den Hohenzollern eingekesselt zu sein, was zum Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 führte (zu den Kriegsgründen vergleiche Emser Depesche). Vor dem Beginn dieses Krieges hatte Bismarck geheime Schutz- und Trutzbündnisse mit den süddeutschen Staaten geschlossen, weshalb Frankreich nach seiner Kriegserklärung an Preussen von deren Eintritt in den Krieg und somit auch der Stärke des Feindes überrascht wurde . Die Bemühungen Bismarcks um die nationale Einigung gipfelten nach dem Sieg der deutschen Truppen in der Kaiserproklamation des preußischen Königs Wilhelms I. am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles und der Gründung des 2. Deutschen Reiches. Der Reichsgründung waren zähe Verhandlungen mit den süddeutschen Fürsten vorangegangen, die sich dabei einige Sonderrechte erstritten. Die meisten Sonderrechte behielt Bayern, dessen Widerstand erst durch eine handfeste Bestechung aus dem Welfenfond überwunden wurde. Jedoch war Bismarck, der bekanntlich Monarchist war, nicht mit der Reichseinigung zufrieden, die mehr oder weniger auch auf Druck der Nationalisten und des Volkes auf ihn als Kanzler "erzwungen" wurde. Insbesondere bei Verlesung zur Proklamation, die Bismarck selber tätigte, soll ihm besonders die Formulierung über Kaiser Wilhelm I. als "Mehrer des Volkes und des Reiches" auf den Magen geschlagen sein, da offiziell seine Bemühungen nicht gewürdigt wurden, stattdessen fiel alles auf Kaiser Wilhelm zurück.
Bismarck erreichte durch den Frieden von Frankfurt zudem den territorialen Zugewinn von Elsaß-Lothringen. Die Gründung des Deutschen Reiches wurde maßgeblich von Bismarck initiiert, wobei sein enger Vertrauter Rudolf von Delbrück die Verhandlungen mit den süddeutschen Staaten führte. Bismarck wurde erster Reichskanzler, blieb aber wie vorgesehen preußischer Ministerpräsident. In dem Zeitraum zwischen dem 18. Januar und dem Inkrafttreten der Reichsverfassung am 16. April 1871 bestand allerdings der Norddeutsche Bund faktisch weiter, nur waren nun die süddeutschen Staaten beigetreten. Bismarck, der weiterhin Bundeskanzler war, kann somit als erster (und strenggenommen einziger)
gesamtdeutscher Bundeskanzler bezeichnet werden.
Innenpolitik
Bismarck wurde 1862 durch den Konflikt um die Heeresreform zwischen dem preußischen Landtag und dem preußischen König Wilhelm I. trotz des heftigen Widerstands von dessen Gemahlin, der Königin Augusta, zum preußischen Ministerpräsidenten berufen. Um die Heeresreform, die Preußen militärisch stärken sollte, auch ohne die Zustimmung des Parlamentes durchsetzen zu können, berief er sich auf die so genannte Lückentheorie, indem er darlegte, der Fall des unauflöslichen Dissenses zwischen Monarch und Parlament sei in der Verfassung nicht geregelt, es liege also eine Lücke vor, die durch die Prärogative des Königs geschlossen werden müsse. Diese Verfassungsinterpretation ist zumindest stark angreifbar und nach Auffassung vieler ein schlichter Verfassungsbruch. Nach dem Sieg über Österreich brachte Bismarck 1866 die Indemnitätsvorlage im Reichstag ein, um seinen Verfassungsbruch nachträglich zu legitimieren. Die Abstimmung über diese Frage spaltete die liberale Partei(in demokratische Liberale und Nationalliberale). Und B. hatte durch seinen Alleingang auch die demokratische von der nationalen Bewegung getrennt.
Von 1871 bis 1878 führte Bismarck den so genannten Kulturkampf gegen die katholische Kirche und die katholische Zentrumspartei, da er fürchtete, diese seien „Reichsfeinde“ und dem Papst mehr zugetan als dem deutschen Kaiser. Im Zuge dieser Auseinandersetzung wurden Rechte und Machtstellung der Kirche durch Reichs- und preußische Landesgesetze beschnitten (Kanzelparagraph, Brotkorbgesetz) und auch die Zivilehe eingeführt. In diesem Zusammenhang äußerte Bismarck in einer Reichstagsrede den bekannten Satz: „Seien Sie außer Sorge, nach Canossa gehen wir nicht - weder körperlich noch geistig.“Hintergrund des Kulturkampfes war unter anderem auch die Einigungsbewegung Italiens. Durch das junge Königreich Italien war der Kirchenstaat in Gefahr geraten und wurde später sogar auf das Gebiet des heutigen Vatikans verkleinert. Das Zentrum forderte ein Eingreifen zum Schutz des Kirchenstaates. B. aber, in dessen Bündnissystem Italien noch eine wichtige Rolle spielen sollte, hatte gar kein Interesse sich in dieser Angelegenheit auf die Seite des Zentrums zu stellen und bezeichnete dessen Mitglieder daher kurzer Hand als Reichsfeinde.
Bismarcks zunehmend konservative Politik (Verstaatlichungen, Protektionismus, autoritäre Innenpolitik) führte ab 1876 zur Kanzlerkrise: nachdem bereits 1876 sein liberaler Amtsleiter Rudolf von Delbrück unter Protest zurückgetreten war, konnte sich Bismarck im März 1877 beim Kaiser nicht mit seiner Forderung durchsetzen, den preußischen Staatsminister Albrecht von Stosch zu entlassen. Dieser war enger Vertrauter des damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm und wurde von Bismarck als potentieller Nachfolger gefürchtet. Verärgert über seinen Misserfolg beim Kaiser, trat Bismarck bis Januar 1878 einen längeren Urlaub an.
1878 nahm er dann das zweite Attentat auf Kaiser Wilhelm I. zum Anlass, das Sozialistengesetz im Reichstag zu initiieren, das bis 1890 in Kraft blieb. Dieses Ausnahmegesetz, das seinen Zweck letztlich verfehlte, erlaubte es, die sozialistische Agitation zu verbieten, ließ jedoch die politische Arbeit der Sozialdemokratischen Partei in Wahlmandaten wie beispielsweise im Reichstag unangetastet. Die "Peitsche" des Sozialistengesetzes ergänzte er durch das "Zuckerbrot" sozialer Reformen. Bismarck versuchte, die Arbeiterschaft mit dem Staate zu versöhnen, indem er 1881–1889 weitreichende Sozialgesetze zur Kranken-, Unfall-, Renten- und Invaliditätsversicherung durchsetzte. Diese Sozialversicherungen, die heute die Säulen der sozialen Sicherung darstellen, war bis dato weltweit einzigartig. Bismarck war somit maßgeblicher Wegbereiter des Sozialstaats, auch wenn er selbst die Maßnahmen eher aufgrund politischen Kalküls traf. Nachdem das Gesetzeswerk den Zweck, die Sozialdemokratie zu schwächen, verfehlt hatte, verlor Bismarck das Interesse daran; in seinen Gedanken und Erinnerungen widmet er diesem Thema kein einziges Wort.
Außenpolitik
Gedanken und Erinnerungen]]
Voraussetzung für Bismarcks erfolgreiche Außenpolitik war die "Saturiertheit" des Reiches nach der Reichseinigung von 1871, das heißt der Verzicht auf weitere Expansion und weitere Annexionen nach der Krieg-in-Sicht-Krise von 1875. So konnte er durch eine geschickte Bündnispolitik das europäische Mächtegleichgewicht der "Großen Fünf" (Pentarchie) erhalten, einer Isolierung Deutschlands vorbeugen und Kriege der Nachbarn gegen das Deutsche Reich, aber auch gegeneinander verhindern (Berliner Kongress 1878).
Siehe: Bündnispolitik Otto von Bismarcks
Bismarck, der ein entschiedener Gegner des Kolonialismus war ("Frankreich liegt links, Rußland liegt rechts, in der Mitte liegen wir. Das ist meine Karte von Afrika."), ließ sich allerdings doch zu einem Ausflug in die Kolonialpolitik hinreißen. Dies war aber eher innenpolitisch bedingt. Bismarck, der befürchtete, dass der bekanntermaßen englandfreundliche Kronprinz Friedrich Wilhelm bei seinem Amtsantritt ein eher englisch gesinntes Kabinett einrichten würde, wollte bewusst eine eher englandfeindliche Stimmung im Volk schaffen. Daher entdeckte er Afrika als ungefährlichen, aber doch für seine Zwecke wirkungsvollen Konfliktherd mit dem Empire. Somit gründete Bismarck Kolonien in Afrika, die bewusst so lagen, dass sie den englischen Bestrebungen eines zusammenhängenden Kolonialgebiets von Kairo nach Kapstadt offensichtlich im Wege standen. Bismarck wollte mit den Kolonien vor allem neue Rohstoff- und Absatzmärkte erschliessen und „den Deutschen ein neues Ziel setzen, für das sie sich begeistern können.“. 1871 lehnte Bismarck das Angebot der Franzosen ab, Cochinchina – etwa das heutige Vietnam – als Kolonie im Rahmen der Reparationsleistungen übertragen zu bekommen : „O! O! Cochinchina! Das ist aber ein sehr fetter Brocken für uns; wir sind aber noch nicht reich genug, um uns den Luxus von Kolonien leisten zu können.“
„Der Lotse geht von Bord“
Cochinchina
Bismarcks Sturz im Jahr 1890 ist vor allem auf das Scheitern eines von ihm vorgelegten verschärften Sozialistengesetzes im Reichstag zurückzuführen, das er gegen die durch bedeutende Wahlerfolge im Januar erstarkten Sozialdemokraten einsetzen wollte. Zudem wünschte der junge Kaiser Wilhelm II. künftig eine eigene Politik, frei von Bismarcks Einfluss, zu gestalten. Nach seiner entwürdigenden Entlassung (Bismarck selbst: "...die ich ein Leichenbegängnis erster Klasse mit Recht nennen konnte.") am 20. März 1890 durch Wilhelm II. setzte wenig später eine beispiellose Bismarck-Verehrung ein (Bismarck-Türme, Bismarck-Denkmäler, Bismarckstraßen und Bismarckgesellschaften). Bismarck starb am 30. Juli 1898 in Friedrichsruh. Er wurde in einem Mausoleum auf Friedrichsruh neben seiner Frau begraben. Eine Büste wurde in der Walhalla aufgestellt und er ist außerdem Ehrenbürger der Städte Darmstadt, München, Hamburg, Wandsbek, Kassel, Köln, Moers, Detmold, Zwickau, Rathenow sowie seit 1895 aller badischen Städte.
Bismarck selbst wurde 1891 Mitglied des Kreistages von Stormarn. Er kandidierte auch für den Reichstag, wurde gewählt, nahm aber sein Mandat nie wahr.
Bismarck diktierte nach seiner Entlassung seine Memoiren, die unter dem Titel "Gedanken und Erinnerungen" veröffentlicht wurden. Der zweite Teil dieses Buches, in dem er sich sehr kritisch mit seiner Zeit als Kanzler unter Kaiser Wilhelm II. auseinandersetzte, sollte erst nach dessen Tod erscheinen. Mit der Revolution in Deutschland 1918 und dem Exil des Kaisers gingen die gesammelten Memoiren aber gegen den Protest der Bismarck-Familie bereits 1919 in Druck.
Die Nachfolge
In seinem Bestreben, so lange wie möglich selbst Reichskanzler zu bleiben, hatte Bismarck trotz seines Alters nichts unternommen, einen Nachfolger aufzubauen. 1889 erwog er kurz, sich auf das Außenministerium zu beschränken, gab den Gedanken aber bald darauf wieder auf. Es wäre in der Tat auch schwer vollstellbar gewesen, einen Kanzler unter dem Schatten Bismarcks in seinem Kabinett zu haben. Aus dem gleichen Grund war auch seine Vorstellung irreal, seinen Sohn Herbert als Außenminister oder gar Kanzler einzusetzen.
Auf einen früheren Vorschlag von ihm wurde schließlich der politisch unerfahrene General Leo von Caprivi berufen.
Kritik
"Wenn man sagt, dass man einer Sache grundsätzlich zustimmt, so bedeutet es, dass man nicht die geringste Absicht hat, sie in der Praxis durchzuführen." (Otto von Bismarck)
Bismarck war und ist eine Ikone der Konservativen, aber eine Hassfigur der Linken. Seine Machtpolitik bereitete ihm schon zu Lebzeiten zahlreiche Feindschaften, aber auch viele Bewunderer. Seine bedeutenden Erfolge machten ihn jedoch weitgehend unangreifbar. Kritiker wenden heute oft ein, Bismarck habe jene machtpolitischen Verflechtungen geschaffen, die zum Ersten Weltkrieg führten, indem er das Deutsche Reich "nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse, sondern durch Eisen und Blut" schuf (Bismarck in der Budgetkommission 1862). Dagegen war sich Bismarck der besonderen Gefahren bewusst, die vom Balkan schon damals ausgingen: "Die Händel auf dem Balkan sind mir nicht die Knochen eines einzigen pommerschen Musketiers wert." Wird Bismarck für "seine" Sozialgesetzgebung bis heute gerühmt, so wird er wegen der Verfolgung so genannter "Reichsfeinde" durch Kulturkampf und Sozialistengesetz kritisiert. Dass Bismarck die Reichsverfassung von 1871 auf seine Person zuschnitt, hat sich angesichts seiner politisch zumeist schwachen Nachfolger als fatal herausgestellt. Daher verstanden es seine Nachfolger auch nicht, grundlegende (und notwendige) Reformen der Staatsstruktur durchzusetzen, beispielsweise Abschaffung des Dreiklassenwahlrechts in Preußen oder die Parlamentsverantwortlichkeit der Regierung. Der größte Kritikpunkt vieler Historiker heutzutage gilt dem letzten Einigungskrieg und der folgenden Reichgründung. Beide bedeuteten eine Demütigung Frankreichs, welches von diesem Zeitpunkt an auf Revanche aus war. Bismarck erkannte den Revanchegedanken und versuchte, Frankreich zu isolieren, gleichzeitig Krieg in Europa durch ein System mehrerer Allianzen unmöglich zu machen. Auf ewig war dieser Plan jedoch nicht umsetzbar und scheiterte schließlich an der Politik des Kaisers Wilhelm II, der ab 1890 direkt in die Aussenpolitik des Deutschen Reiches eingreiffen sollte.
Recht einmütig loben Historiker Bismarcks außenpolitisches Geschick, das er sich unter anderem als Gesandter in Paris und Petersburg aneignete. So geschickt, wie er außenpolitisch handelte, so ungeschickt handelte er im Inneren, was ihn immer wieder in Bedrängnis brachte.
Auch persönlich hatte er einige recht unangenehme Züge. Personen, die ihm seiner Meinung schaden wollte, konnte er mit unerbittlichem Haß verfolgen. So ruinierte er zum Beispiel das Leben des Grafen Armin, nur weil er glaubte, dieser könnte als Reichskanzler in betracht kommen. In Wirklichkeit hatte der Graf keine Ambitionen und ließ sich Bismarck gegenüber keine Illoyalität zu schulden kommen. Selbst in seinen Memoiren, lange nach Armins Tod, widmet er diesem ein haßerfülltes Kapitel.
Personenkult
Dreiklassenwahlrecht
Bismarck wurden zahlreiche Ehrungen zuteil. Schon zu Lebzeiten errichtete man viele Denkmäler, meist Bronzestandbilder (→Liste der Bismarck-Denkmäler). Aber auch architektonische Monumente widmete man ihm. Der Bismarckturm zwischen Allmannshausen und Assenhausen am Starnberger See wurde zwischen 1896 und 1899 errichtet. Seine Studentenwohnung in Göttingen, das Bismarck-Häuschen, ist als kleines Museum zugänglich.
Bismarck-Häuschen
In der bildenden Kunst wurde er vor allem von Franz von Lenbach und Christian Wilhelm Allers portraitiert.
Nach seinem Tode wurden ihm, finanziert in der Regel durch Spenden der Bevölkerung, zunehmend auch Groß-Monumente gewidmet. Vielerorts wurden Bismarcktürme und -säulen erbaut, teils herkömmliche Aussichtstürme, teils Feuersäulen mit Vorrichtungen, die es erlaubten, ein großes Gedenkfeuer zu entzünden. Viele dieser Bauwerke waren nach dem Entwurf des Architekten Wilhelm Kreis gestaltet, der bei einem Wettbewerb der "Deutschen Studentenschaft" 1899 den ersten Preis erhalten hatte.
Weiterhin wurde Bismarck die Skulptur des so genannten Adlers zugedacht, eine etwa 18 m hohe Aufschichtung von behauenen Steinquadern, die am Rand einer Aussichtsplattform am Hang des Hoyerbergs im gleichnamigen Stadtteil von Lindau (Bodensee) errichtet ist. Erkennbar ist diese Widmung durch Einarbeitung eines etwa 1,50 m großen Bismarck-Reliefs im Sockel.
Das größte Bismarck-Monument in Deutschland ist das 1906 eingeweihte Bismarck-Denkmal in Hamburg-Sankt Pauli (Entwurf: Hugo Lederer), das den ehemaligen Reichskanzler als monumentale Roland-Figur darstellt, mit Rüstung und auf das Schwert gestützt. Der Plan, ein gigantisches Bismarck-Nationaldenkmal bei Bingerbrück zu erbauen, wurde durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs verhindert.
An seinem Geburtsort Schönhausen wurde 1998 mit Mitteln des Landes Sachsen-Anhalt ein Bismarckmuseum eingerichtet.
Am 1. November 2004 wurde in Jever ein weiteres Bismarckmuseum eröffnet.
Die Bundesrepublik Deutschland errichtete ihm zu Ehren 1996 die Otto-von-Bismarck-Stiftung als bundesunmittelbare Stiftung in Friedrichsruh.
Gesprochene Wikipedia
Siehe auch
- Bismarck (Begriffsklärung)
- Otto Fürst von Bismarck (CDU) (1897-1975) - Enkel, MdB (CDU)
- Kissinger Diktat
- Bismarckhering
- Reptilienfonds
Weblinks
-
- http://www.dhm.de/datenbank/ online-Exponate des Deutschen Historischen Museum
- http://www.dhm.de/lemo/objekte/pict/95002614/index.html Bismarck-Statue
- http://www.bismarck-stiftung.de
- http://www.deutsche-schutzgebiete.de/bismarck.htm
- http://www.preussen-chronik.de/person.jsp?key=Person_Otto+Eduard+Leopold+von_Bismarck
- [http://www.schoenhausenelbe.de/museum/frame.html Bismarck Museum Schönhausen (Elbe)]
- [http://www.oldenburgische-landschaft.de/print.php?pv=41&did=350 Bismarck Museum Jever]
- http://www.bismarcktuerme.de/
- [http://janeden.org/2292 Bismarcks Außenpolitik bis zur Reichsgründung]
- http://www.bismarckbund.de
- [http://www.hgstump.de/bismarckturm.htm Bismarckturm in Aachen]
- [http://www.geschichteinchronologie.ch/afrika/kol/N3-2004_Bismarcks-Kongo-konferenz-1884-aufteilung-Afrikas.htm Bismarcks Kongo-Konferenz 1884 - Bismarck als Begünstiger der "Aufteilung" und Ausbeutung Afrikas] Filmprotokoll aus N3 2004
Bismarck, Otto von
Bismarck, Otto von
Bismarck, Otto von
Bismarck, Otto von
Bismarck, Otto von
Bismarck, Otto von
Bismarck, Otto von
Bismarck, Otto von
Bismarck, Otto von
Bismarck, Otto von
Bismarck, Otto von
Bismarck, Otto von
Bismarck, Otto von
ja:オットー・フォン・ビスマルク
ms:Otto von Bismarck
ReichstagMit Reichstag war der Tagungszeitpunkt der Versammlung von Parlamentariern/ Abgesandten des Reiches gemeint. Die Versammlung fand in einem dafür bestimmten Haus, dem Reichstagsgebäude, statt. Viele dieser historischen Gebäude bestehen noch heute und werden auch noch als Parlamentsgebäude genutzt (auch ohne „Reich“). Im deutschen Sprachraum sind historisch besonders die Reichstage von Worms, Wien und Frankfurt zu erwähnen, später auch Berlin.
Gebäude
- Berlin, Deutschland: das Reichstagsgebäude, Sitz des Deutschen Bundestages, vormals Tagungsort der Reichstage des Kaiserreiches und der Weimarer Republik
- Helsinki, Finnland: das Reichstagsgebäude, Neoklassizismus, erbaut von J. S. Sirén
Siehe auch: Parlamentsgebäude
Versammlung
- Die Versammlung der Reichsstände im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation, siehe Reichstag (HRR) und Immerwährender Reichstag.
- Die Gesamtheit aus Staatenhaus und Volkshaus (Paulskirchenverfassung 1849), siehe Reichstag (Paulskirchenverfassung).
- Das Parlament im Norddeutschen Bund, siehe Reichstag (Norddeutscher Bund).
- Das Parlament im Deutschen Reich (Kaiserreich, 1871 bis 1918), siehe Reichstag (Deutsches Kaiserreich).
- Das Parlament im Deutschen Reich (Weimarer Republik, 1919 bis 1933), siehe Reichstag (Weimarer Republik).
- Das nicht frei gewählte Parlament im Deutschen Reich (Zeit des Nationalsozialismus, 19, siehe Reichstag (Österreich).
Übersetzung
- Dänemark: Rigsdag (bis 1953, für die Gesamtheit beider Kammern des Parlaments)
- Finnland: Eduskunta, Riksdag (für die aus einer Kammer bestehende Volksvertretung)
- Schweden: Riksdag (für die aus einer Kammer bestehende Volksvertretung)
- Japan: Kokkai (für die Gesamtheit beider Kammern des Parlaments)
ja:国会 (ドイツ)
1871
- 11. März: Durch das Schulaufsichtsgesetz wird die kirchliche Schulinspektion im Deutschen Reich aufgehoben und diese der staatlichen Aufsicht unterstellt
- 8. bis 10. Oktober: Beim großen Brand in Chicago brennt fast die ganze Stadt nieder
- Die erste deutsche Freiwillige Feuerwehr, das „Freiwillige Lösch- und Rettungs-Corps“ Meißen, wird gegründet
- Auf Mauritius wird von der britischen Verwaltung ein Einwanderungsstopp für Inder verhängt
- Beginn einer wirtschaftlichen Blütezeit: Gründerjahre
- Der Ku Klux Klan wird das erste Mal verboten
Politik
- 18. Januar: König Wilhelm I. von Preußen wird im Spiegelsaal zu Versailles zum Kaiser ausgerufen: Gründung des Deutschen Reiches (Reichsgründung)
- 25. Januar: Paris wird beschossen
- 28. Januar: Paris kapituliert: Ende des Deutsch-Französischen Krieges
- 18. März: 28. Mai: erste sozialistische Revolution in Frankreich (siehe Pariser Kommune)
- 16. April: Die Reichsverfassung tritt in Kraft
- 10. Mai: Friedensverhandlungen zwischen Frankreich und Deutschland in Frankfurt am Main enden mit dem Frieden von Frankfurt
Kultur
- 11. April: Uraufführung der Oper Mirjam von August Klughardt in Weimar
- James McNeill Whistler malt sein berühmtestes Werk, Whistler's Mother
- Gründung der Hochschule für Kunst und Design Helsinki
- 2. Januar: Johann Gottfried Bischoff, Stammapostel der Neuapostolischen Kirche († 1960)
- 7. Januar: Émile Borel, französischer Mathematiker und Politiker († 1956)
- 19. Januar: Ludwig Maria Hugo, Bischof von Mainz († 1935)
- 4. Februar: Friedrich Ebert, erster Reichspräsident der Weimarer Republik († 1925)
- 7. Februar: Wilhelm Stenhammar, schwedischer Komponist, Pianist und Dirigent († 1927)
- 18. Februar: George Udny Yule, berühmter Statistiker († 1956)
- 21. Februar: Paul Cassirer, Verleger, Galerist († 1926)
- 25. Februar: Lesja Ukrainka, ukrainische Dichterin, Dramaturgin und Übersetzerin († 1913)
- 1. März: Oskar Heinroth, Ornithologe und Leiter des Berliner Aquariums († 1945)
- 4. März: Boris Grigorjewitsch Galerkin, sowjetischer Ingenieur und Mathematiker († 1945)
- 5. März: Rosa Luxemburg, Vertreterin der internationalen Arbeiterbewegung († 1919)
- 9. März: Arthur Fickenscher, US-amerikanischer Komponist († 1954)
- 9. März: Emil Rosenow, deutscher Schriftsteller († 1904)
- 14. März: Walter Stoeckel, deutscher Gynäkologe († 1961)
- 19. März: Maria von Vetsera, österreichische Adelige († 1889)
- 22. März: Franz Adam Beyerlein, deutscher Schriftsteller († 1949)
- 23. März: Maurice Garin, französischer Radrennfahrer († 1957)
- 25. März: Hermann Abert, deutscher Musikgelehrter († 1927)
- 27. März: Heinrich Mann, deutscher Schriftsteller († 1950)
- 28. März: Willem Mengelberg, niederländischer Dirigent († 1951)
- 12. April: Ioannis Metaxas, General und Politiker in Griechenland († 1941)
- 15. April: Jonathan Zenneck, deutscher Physiker und Funkpionier († 1959)
- 16. April: John Milington Synge, irischer Schriftsteller († 1909)
- 29. April: William Stern, deutscher Psychologe († 1938)
- 4. Mai: Salomo Friedlaender, Philosoph und Schriftsteller († 1946)
- 6. Mai: Christian Morgenstern, deutscher Dichter und Schriftsteller († 1914)
- 16. Mai: Victor Grignard, französischer Chemiker († 1935)
- 23. Mai: Käte Duncker, deutsche Politikerin († 1954)
- 25. Mai: Otto Dempwolff, deutscher Sprachwissenschaftler und Volkskundler († 1938)
- 27. Mai: Georges Rouault, französische Maler und Grafiker († 1958)
- 27. Mai: Oskar Picht, Erfinder der Blindenschreibmaschine († 1945)
- 30. Mai: Nándor Dáni, ungarischer Leichtathlet († 1949)
- 19. Juni: Alajos Szokolyi, ungarischer Leichtathlet und Olympiateilnehmer († 1932)
- 19. Juni: Fritz Hofmann, deutscher Leichtathlet und Olympiateilnehmer († 1927)
- 28. Juni: Sergei Nikolajewitsch Bulgakow, russischer Ökonom und orthodoxer Theologe († 1944)
- 8. Juli: Walter Breisky, österreichischer Politiker († 1944)
- 10. Juli: Marcel Proust, französischer Schriftsteller, Kritiker und Intellektueller († 1922)
- 17. Juli: Lyonel Feininger, deutsch-amerikanisch-französischer Karikaturist und Maler († 1956)
- 18. Juli: Giacomo Balla, italienischer Maler des Futurismus († 1958)
- 27. Juli: Ákos Buttykay, ungarischer Komponist († 1935)
- 27. Juli: Theodore Dreiser, US-amerikanischer Schriftsteller
- 27. Juli: Ernst Zermelo, deutscher Mathematiker († 1953)
- 11. August: Hermann Anders Krüger, deutscher Literaturhistoriker und Schriftsteller († 1945)
- 13. August: Karl Liebknecht, deutscher sozialistischer Politiker († 1919)
- 14. August: Guangxu, chinesischer Kaiser (Qing-Dynastie)
- 16. August: Sachari Paliaschwili, georgischer Komponist († 1933)
- 19. August: Orville Wright, US-amerikanischer Flugpionier und Flugzeugbauer († 1948)
- 29. August: Jack Butler Yeats, irischer Künstler († 1957)
- 30. August: Ernest Rutherford, englischer Atomphysiker, Nobelpreisträger († 1937)
- 8. September: Franz Karl Ginzkey, österreichischer Dichter und Schriftsteller († 1963)
- 14. September: Karl Joseph Schulte, Erzbischof des Erzbistums Köln († 1941)
- 19. September: Ernst Poensgen, deutscher Großindustrieller († 1949)
- 23. September: Frantisek Kupka, tschechischer Maler († 1957)
- 24. September: Charlotte Dod, britische Tennisspielerin († 1960)
- 28. September: Pietro Badoglio, italienischer Politiker und Regierungschef († 1956)
- 2. Oktober: Cordell Hull, Außenminister der USA und Nobelpreisträger († 1955)
- 7. Oktober: Georg Hermann, deutscher Schriftsteller († 1943)
- 14. Oktober: Alexander von Zemlinsky, österreichischer Komponist und Dirigent († 1942)
- 19. Oktober: Luigi Albertini, italienischer Politiker und Publizist († 1941)
- 23. Oktober: Gjergj Fishta, albanischer Frankziskaner und Dichter († 1940)
- 30. Oktober: Paul Valéry, französischer Lyriker († 1945)
- 3. November: Hanns Heinz Ewers, deutscher Schriftsteller und Filmemacher († 1943)
- 16. November: Hugo Lederer, Bildhauer († 1940)
- 13. Dezember: Albin Müller, Architekt, Pädagoge und Gestalter († 1941)
- 17. Dezember: Lazarus Goldschmidt, Orientalist († 1950)
- 20. Dezember: Andreas Blunck, deutscher Jurist und Politiker († 1933)
- 20. Dezember: Henry Kimball Hadley, US-amerikanischer Komponist († 1937)
- 29. Dezember: Giuseppe Motta, Schweizer Politiker († 1940)
- 4. Januar: Vincent Adler, ungarischer Komponist ( - 1826)
- 16. Januar: Jacques-Louis Randon, französischer General, Marschall von Frankreich ( - 1795)
- 25. Januar: Wilhelm Weitling, Frühsozialist ( - 1808)
- 4. Februar: Hermann von Pückler-Muskau, deutscher Standesherr, Park-Gestalter ( - 1785)
- 7. Februar: Heinrich Steinweg, Klavierbauer ( - 1797)
- 8. Februar: Moritz von Schwind, österreichisch-deutscher Maler ( - 1804)
- 20. Februar: Paul Kane, Maler ( - 1810)
- 24. Februar: Julius Weisbach, deutscher Mathematiker und Ingenieur ( - 1806)
- 3. März: Michael Thonet, Möbeldesigner ( - 1796)
- 18. März: Augustus de Morgan, englischer Mathematiker ( - 1806)
- 18. März: Georg Gottfried Gervinus, Historiker und nationalliberaler Politiker ( - 1805)
- 19. März: Wilhelm Ritter von Haidinger, österreichischer Geologe und Mineraloge ( - 1795)
- 26. März: Adalbert Heinrich Graf von Baudissin, deutscher Schriftsteller ( - 1820)
- 7. April: Wilhelm von Tegetthoff, Admiral in der österreich-ungarischen Kriegsmarine ( - 1827)
- 15. April: Karl Benjamin Preusker, deutscher Schriftsteller, Archäologe und Museumspionier in Sachsen ( - 1786)
- 1. Mai: Andreas Andresen, deutscher Kunstbuchautor ( - 1828)
- 11. Mai: John Herschel, britischer Astronom ( - 1792)
- 12. Mai: Daniel-François-Esprit Auber, französischer Komponist ( - 1782)
- 13. Mai: Anselme Payen, französischer Chemiker, Physiker und Mathematiker ( - 1795)
- 14. Mai: Agénor Étienne de Gasparin, französischer Publizist und Politiker ( - 1810)
- 18. Mai: Eduard Friedrich Weber, deutscher Physiologe und Arzt ( - 1806)
- 22. Mai: Friedrich Halm, österreichischer Dichter und Dramatiker ( - 1806)
- 22. Mai: Leopold IV., Herzog von Anhalt-Dessau ( - 1794)
- 24. Mai: Georges Darboy, Erzbischof von Paris ( - 1813)
- 29. Mai: Blasius Kozenn, österreichischer Kartograph ( - 1821)
- 13. Juni: Jean Eugène Robert-Houdin, französischer Magier ( - 1805)
- 14. Juni: Moritz Rathenau, Kaufmann und Unternehmer ( - 1800)
- 9. Juli: Philipp-August von Amsberg, Eisenbahn-Generaldirektor ( - 1788)
- 19. Juli: Ferdinand David, deutscher Komponist ( - 1810)
- 3. September: Václav Emanuel Horák, tschechischer Komponist ( - 1800)
- 6. September: Josef Naus, Offizier und Vermessungstechniker ( - 1793)
- 6. September: Mehmed Emin Ali Pascha, osmanischer Staatsmann ( - 1815)
- 9. September: Louis Edouard Bouet-Willaumez, französischer Admiral ( - 1808)
- 13. September: Sinasi, türkischer Dichter, Schriftsteller ( - 1826)
- 16. September: Heinrich Marr, Schauspieler ( - 1797)
- 25. September: Arvid August Afzelius, schwedischer Volksliedsammler ( - 1785)
- 7. Oktober: John Fox Burgoyne, englischer Feldmarschall ( - 1782)
- 18. Oktober: Charles Babbage, englischer Mathematiker, Philosoph und Erfinder ( - 1791)
- 8. November: Charles Francis Hall, US-amerikanischer Polarforscher ( - 1821)
- 16. Dezember: Willibald Alexis, deutscher Schriftsteller und Dichter ( - 1798)
- 17. Dezember: Henry Theodore Tuckerman, US-amerikanischer Schriftsteller ( - 1813)
- 21. Dezember: Francis Garnier, französischer Forschungsreisender ( - 1839)
- 21. Dezember: Louise Aston, deutsche Schriftstellerin ( - 1814)
Staatsoberhäupter
Europa
- Portugal: Ludwig I., König von Portugal, (1861–1889)
- Schweiz: Karli Schenk, Bundespräsident der Schweiz
ko:1871년
simple:1871
ReichskanzlerReichskanzler war die fortlaufende Amtsbezeichnung des Regierungschefs des Deutschen Reiches von 1871 bis 1945. In dieser Rolle stand er dem Kabinett - von 1871 bis 1918 der sogenannten "Reichsleitung", von 1919 bis 1945 der "Reichsregierung" - vor.
Diese Amtsbezeichnung entstammt der deutschen Kanzler-Tradition des Mittelalters und der Frühen Neuzeit.
Der Reichskanzler-Titel wurde darüber hinaus zuweilen auch in anderen Monarchien Europas wichtigen Ministern verliehen, so etwa in Österreich um 1870 dem Grafen Beust und in Russland dem Fürsten Gortschakow. Doch nur im Deutschen Reich nach 1871 entwickelte sich daraus eine fortlaufende Tradition, die bis heute im Bundeskanzler-Titel der Bundesrepubliken Deutschland und Österreich nachwirkt.
Kaiserreich
Der Gründung des Deutschen Reiches 1871 war - ebenfalls schon unter Hegemonie des größten und bedeutsamsten deutschen Staates Preußen - 1867 die Bildung des "Norddeutschen Bundes" vorangegangen. Dieser hatte als Bundesinstitutionen einen aus Vertretern der Mitgliedsstaaten gebildeten Bundesrat unter dem Vorsitz (Bundespräsidium) des Königs von Preußen, eine parlamentarische Bundesvertretung, die aber bezeichnenderweise "Reichstag" genannt wurde, und eine rudimentäre Bundesexekutive, an deren Spitze in Personalunion der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck als "Bundeskanzler" stand. (Rein technisch gesehen, führte der preußische Außenminister die Geschäfte des Bundesrats und war somit der Vorgesetzte des Kanzlers. Deshalb war Bismarck Kanzler, preußischer Ministerpräsident und Außenminister in Personalunion.)
Die Wahl des "Kanzler"-Begriffs signalisierte die (scheinbare) geringere Wertigkeit dieses Bundesorgans gegenüber den Regierungen der Einzelstaaten, denn der neue "Kanzler" des Bundes sollte - anders als die Regierungschefs der Bundes-Staaten - eben kein vollwertiger Ministerpräsident sein; zum anderen symbolisierte der Kanzlertitel - in der preußischen Kanzlertradition etwa Hardenbergs - auch eine starke monarchisch-bürokratische und damit letztlich antiparlamentarische Komponente. In beidem unterschied sich die 1867/71 geschaffene Exekutive des Bundes bzw. des Reiches ganz bewusst vom deutschen "Reichsministerium" der Revolutionsjahre 1848/49, an dessen Spitze - von der deutschen Nationalversammlung gewählt - ein "Reichsministerpräsident" gestanden hatte.
Diese Konstruktion des "Bundeskanzlers" wurde 1871 auf die Leitung der Exekutive des nun unter Einschluss der süddeutschen Staaten gebildeten Deutschen Reiches übertragen. Auch hier suggerierten die nunmehr verwendeten Termini des "Reichskanzlers" (statt eines "Reichs-Ministerpräsidenten") und der "Reichsleitung" (statt eines "Reichs-Ministeriums" oder einer "Reichsregierung") eine (scheinbare) geringere Wertigkeit der Reichsexekutive gegenüber den Regierungen der Bundesstaaten. Weder der Reichskanzler noch die Chefs der ihm unterstellten Reichsressorts führten deshalb bis 1918 einen Ministertitel. Faktisch waren jedoch die meisten Angehörigen der Reichsleitungen dennoch Minister, da die Reichsämter in der Regel in Personalunion mit den entsprechenden preußischen Ministerien verwaltet wurden. Im Range eines (seinem Monarchen verantwortlichen) Ministers auf Reichsebene stand jedoch allein der Reichskanzler, während die Leiter der Reichsressorts keine eigenständigen Minister, sondern strikt weisungsabhängige "Staatssekretäre" waren.
Der Reichskanzler war zwischen 1871 und 1918 allein dem Deutschen Kaiser - und nicht etwa dem Reichstag - verantwortlich. Der Kaiser als Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches berief und entließ den Reichskanzler. Der Kanzler hatte ohne (preußisches) Mandat auch kein Recht, vor dem Reichstag zu erscheinen. Der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck wurde 1871 der erste Reichskanzler, und seither wurde es Tradition, das Amt des Reichskanzlers mit dem des preußischen Ministerpräsidenten zu koppeln. Lediglich die Jahre 1892-1894 bildeten hier eine kurzfristige (schlecht funktionierende) Ausnahme; der Grund hierfür war die vom Norddeutschen Bund geerbte Unterstellung des Kanzler unter die preußische Regierung.
Weimarer Republik
Mit der Novemberrevolution von 1918 wurde nicht nur das deutsche Kaisertum gestürzt, sondern auch die Institutionen des Reichskanzlers und der Reichsleitung kurzfristig durch einen revolutionären "Rat der Volksbeauftragten" abgelöst. Im Februar 1919 wurde erneut ein Kabinett auf Reichsebene gebildet, doch in bewusster Abgrenzung von der Tradition des Kaiserreichs firmierte diese Exekutive nunmehr als vollwertige "Reichsregierung", deren Vorsitzender ebenfalls als vollwertiger "Reichsministerpräsident". Doch während die Bezeichnungen der "Reichsregierung" und ihrer Ressortchefs als "Reichsminister" seither bis zum Untergang des Deutschen Reiches 1945 fortwährend in Gebrauch blieben, konnte sich der Titel eines "Reichsministerpräsidenten" im öffentlichen Sprachgebrauch nicht durchsetzen. Bereits im August 1919 kehrte der Chef der deutschen Reichsregierung zum unterdessen unverrückbar eingebürgerten Titel eines "Reichskanzlers" zurück, obwohl der eigentliche inhaltliche Grund für diese Bezeichnung - dessen ursprünglich den Länder-Regierungschefs formal nachgeordnete Stellung - mit der Weimarer Reichsverfassung von 1919 nicht mehr gegeben war.
Auch in der Weimarer Republik (1918-1933) wurde der Reichskanzler vom Staatsoberhaupt - nunmehr dem Reichspräsidenten - ernannt und entlassen, doch war er zugleich dem Reichstag gegenüber verantwortlich. Der Reichskanzler konnte aufgrund dieser Konstruktion allerdings auch ohne parlamentarische Mehrheit regieren (Artikel 48 der Reichsverfassung von 1919 sah die sog. Notverordnungen vor, die nur vom Reichspräsidenten erlassen werden konnten).
Drittes Reich
Als Adolf Hitler am 30. Januar 1933 Reichskanzler wurde, endete alsbald auch die parlamentarische Regierungsform; Hitler richtete sehr schnell eine Parteidiktatur ein und wurde zum Alleinherrscher ohne jede Verantwortlichkeit. Nach dem Tode des Reichspräsidenten von Hindenburg legte Hitler im August 1934 die Ämter des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers zu seinen Gunsten zusammen; er führte seither den offiziellen Titel Führer und Reichskanzler bis zu seinem Selbstmord am 30. April 1945.
Hitler besaß verfassungsrechtlich nicht das Recht, auf einfachem testamentarischen Wege seine Nachfolge zu bestimmen, doch hatte er auf diese Weise am 29. April 1945 seinen engen Gefolgsmann Joseph Goebbels zu seinem Nachfolger als Reichskanzler bestimmt. Dies zeitigte keine politische Wirkung, da das Reich damals bereits zu großen Teilen von den siegreichen Alliierten besetzt war und Goebbels schon am folgenden Tag, dem 1. Mai 1945, ebenfalls Selbstmord beging. Der von Hitler auf dieselbe zweifelhafte Weise zum neuen Reichspräsidenten bestimmte Großadmiral Dönitz beauftragte daraufhin am 2. Mai 1945 Reichsfinanzminister Graf Schwerin von Krosigk mit der Leitung der Geschäftsführenden Reichsregierung, wobei dieser den Titel des Reichskanzlers nicht mehr führte. Diese letzte nationalsozialistische Reichsexekutive, die weder über Legitimität noch über reale Macht verfügte, wurde am 23. Mai 1945 von den Alliierten auch formell abgesetzt und verhaftet.
DDR
In der DDR war der Amtstitel des Regierungschefs zunächst - in Anlehnung an die kurze demokratische Weimarer Tradition von 1919 - "Ministerpräsident", wobei dieser Titel allerdings sehr bald durch den eines "Vorsitzenden des Ministerrats" verdrängt wurde, der sich an sowjetische Traditionen anlehnte.
Die Amtsbezeichnung des Regierungschefs der Bundesrepublik Deutschland ist seit 1949 - in bewusster Anlehnung an die frühere deutsche "Reichskanzler"-Tradition - "Bundeskanzler".
siehe auch: Kanzler
Liste der deutschen Reichskanzler
Kategorie:Deutsche Geschichte
Kategorie:Rechtsgeschichte
Reichskanzler
ja:宰相 (ドイツ)
1873
- 1. April: Bei der Strandung des britischen Passagierdampfers Atlantic in der Nähe von Halifax sterben 535 von 957 Menschen an Bord, darunter alle Frauen und alle bis auf ein Kind
- Mai: Wiener Börsenkrach, Beginn der Großen Depression
- 11. Mai: Erlass der preußischen Maigesetze
- 20. Mai: Jeans in den USA patentiert
- 9. Juli: Unterzeichnung des deutschen Münzgesetzes durch Kaiser Wilhelm I., die erste deutsche Währungsunion
- 30. August: Die Österreicher Julius von Payer und Carl Weyprecht entdecken die Inselgruppe Franz-Josef-Land im Nordpolarmeer
- Im September erreicht Nikolai Michailowitsch Prschewalski Ulan-Bator und beendet damit seine dreijährigen Zentralasienexpedition
- 1. Oktober: Zwischen Berlin und Ostende verkehrt der erste Schlafwagen in Deutschland
- 28. Oktober: Die Berliner Börse erlebt den größten Kurssturz ihrer bisherigen Geschichte
- 20. November - Ungarns Hauptstadt Budapest entsteht durch Zusammenlegung der Städte Buda, Óbuda und Pest.
- Steuerreform in Japan unter Meiji Tenno beraubt den Kriegerstand der Samurai ihrer ökonomischen Grundlage
- Vorstellung des ersten brauchbaren Stacheldrahts in De Kalb, Illinois
- Camillo Golgi gelingt ein Färbeverfahren, das Nervenzellen sichtbar macht
Politik
- 11. Februar: Ende der spanischen Monarchie durch Abdankung des Königs Amadeus von Spanien
- 12. Februar: Ausrufung der ersten spanische Republik durch die Nationalvertretung (Cortés)
- 22. Oktober: Dreikaiserabkommen (Dt. Reich, Österreich-Ungarn, Russland)
Kultur
- 13. Januar: Uraufführung der Oper Mainacht (Orig.: Maiskaja Notsch) von Nikolai Andrejewitsch Rimski-Korsakow an der Hofoper in Sankt Petersburg
- 1. Januar: Leon Czolgosz, Attentäter († 1901)
- 2. Januar: Anton Pannekoek, holländischer Astronom und marxistischer Theoretiker († 1960)
- 2. Januar: Therese von Lisieux, französische Karmelitin und Heilige († 1897)
- 5. Januar: Theodor Spitta, deutscher Politiker († 1969)
- 6. Januar: Karl Straube, Organist und Chorleiter († 1950)
- 9. Januar: Chaim Nachman Bialik, Dichter, Autor und Journalist († 1934)
- 9. Januar: John Flanagan, irischer Auswanderer und New-Yorker Leichtathlet († 1938)
- 12. Januar: Spyridon Louis, griechischer Leichtathlet († 1940)
- 13. Januar: Walther Bensemann, deutscher Fußballpionier († 1934)
- 15. Januar: Max Adler, österreichischer Soziologe († 1905)
- 19. Januar: Dr. Owlglass, deutscher Arzt, Schriftsteller und Lyriker († 1945)
- 20. Januar: Johannes Vilhelm Jensen, dänischer Schriftsteller und Nobelpreisträger († 1950)
- 28. Januar: Colette, französische Schriftstellerin und Journalistin, († 1954)
- 28. Januar: Sidonie Gabrielle Colette, französische Schriftstellerin, Kabarettistin und Journalistin († 1954)
- 31. Januar: Melitta Bentz, Erfinderin des Kaffeefilters († 1950)
- 2. Februar: Konstantin Freiherr von Neurath, deutscher Außenminister und Reichsprotektor in Böhmen und Mähren († 1956)
- 2. Februar: Leo Fall, Komponist, Kapellmeister († 1925)
- 3. Februar: Karl Jatho, deutscher Flugpionier († 1933)
- 10. Februar: Egon Schweidler, Physiker († 1948)
- 11. Februar: Rudolf Hans Bartsch, österreichischer Schriftsteller († 1952)
- 11. Februar: Georg Hirschfeld, deutscher Schriftsteller jüdischer Herkunft († 1942)
- 13. Februar: Fjodor Iwanowitsch Schaljapin, russischer Opernsänger († 1938)
- 15. Februar: Gaspar Agüero y Barreras, kubanischer Komponist und Pianist († 1951)
- 15. Februar: Hans Karl August Simon von Euler-Chelpin, deutsch-schwedischer Chemiker, Nobelpreisträger († 1964)
- 23. Februar: Hansi, elsässischer Grafiker und Heimatforscher († 1951)
- 23. Februar: Jean-Jacques Waltz, elsässischer Grafiker und Heimatforscher († 1951)
- 26. Februar: Johann Schütte, deutscher Luftschiffpionier
- 27. Februar: Enrico Caruso, italienischer Opernsänger († 1921)
- 10. März: Jakob Wassermann, deutschsprachiger Schriftsteller († 1934)
- 13. März: Georg Demmler, deutscher Architekt, Sportler und Sportfunktionär († 1931)
- 13. März: Amédée Henri Gustave Noël Gastoué, französischer Musikwissenschaftler und Komponist († 1943)
- 17. März: Wilhelm Kreis, deutscher Architekt († 1955)
- 19. März: Max Reger, deutscher Komponist und Organist († 1916)
- 22. März: Ole Hjellemo, norwegischer Komponist († 1938)
- 25. März: Rudolf Rocker, Autor, Historiker und Anarchosyndikalist († 1958)
- 29. März: Tullio Levi-Civita, italienischer Mathematiker († 1941)
- 1. April: Sergei Wassiljewitsch Rachmaninow, russischer Pianist, Komponist und Dirigent († 1943)
- 1. April: Sergej Rachmaninow, russischer Pianist, Komponist und Dirigent († 1943)
- 8. April: Heinrich Dubbel, Professor des Maschinenbaus († 1947)
- 8. April: Wilhelm Paulcke, deutscher Geologe und Lawinenforscher. († 1949)
- 19. April: Alexander Dominicus, liberaler Politiker († 1945)
- 19. April: Konstantin Nikolajewitsch Igumnow, russischer Komponist und Klaviervirtuose († 1948)
- 20. April: Wojciech Korfanty, MdR, polnischer Ministerpräsident, Nationalist und Freischärler († 1939)
- 23. April: Arnold van Gennep, französischer Ethnologe († 1905)
- 24. April: Theodor Körner (Bundespräsident), österreichischer Bundespräsident († 1957)
- 27. April: Robert Wiene, deutscher Regisseur († 1938)
- 4. Mai: Julius Seyler, deutscher Maler und Sportler († 1955)
- 9. Mai: Howard Carter, britischer Archäologe bzw. Ägyptologe († 1939)
- 10. Mai: Richard Wilhelm, deutschsprachiger Sinologe († 1930)
- 15. Mai: Nikolai Nikolajewitsch Tscherepnin, russischer Komponist († 1945)
- 15. Mai: Pawlo Skoropadskyj, ukrainischer Politiker († 1945)
- 17. Mai: Henri Barbusse, französischer Politiker und Schriftsteller († 1935)
- 21. Mai: Hans Berger, deutscher Neurologe und Psychiater († 1941)
- 23. Mai: Leo Baeck, Rabbiner und Vertreter des liberalen Judentums († 1956)
- 26. Mai: Olaf Gulbransson, Maler, Zeichner und Karikaturist († 1958)
- 3. Juni: Otto Loewi, österreichisch-amerikanischer Physiologe († 1961)
- 9. Juni: Alfred Auerbach, deutscher Schauspieler und Schriftsteller († 1954)
- 16. Juni: Karl von Müller, Kommandant des kleinen Kreuzers „Emden“
- 28. Juni: Alexis Carrel, französischer Chirurg und Nobelpreisträger († 1944)
- 29. Juni: Leo Frobenius, deutscher Ethnologen († 1938)
- 30. Juni: Johannes Meisenheimer, deutscher Zoologe († 1933)
- 6. Juli: Paul Keller, schlesischer Publizist und Schriftsteller († 1932)
- 8. Juli: Carl Vaugoin, österreichischer Politiker († 1949)
- 11. Juli: Louis Pinck, deutscher Volksliedforscher und Volksliedsammler († 1940)
- 12. Juli: Rudolf Nadolny, deutscher Diplomat († 1953)
- 20. Juli: Alberto Santos-Dumont, brasilianischer Luftschiffer und Flugpionier († 1932)
- 28. Juli: Hugo Reichenberger, deutscher Dirigent und Komponist († 1938)
- 11. August: Hans Goltz, deutscher Kunsthändler († 1927)
- 18. August: Leo Slezak, populärer Opernsänger und Schauspieler († 1946)
- 20. August: Eugen Schmalenbach, deutscher Betriebswirt († 1955)
- 22. August: Alexander Alexandrowitsch Bogdanow, russischer Philosoph, Ökonom, Soziologe und Arzt († 1928)
- 8. September: Alfred Jarry, französischer Schriftsteller († 1907)
- 9. September: Max Reinhardt, österreichisch-jüdischer Theaterregisseur († 1943)
- 10. September: Alexander Beer, Architekt und Gemeindebaumeister in Berlin († 1944)
- 12. September: Gertrud Bäumer, deutsche Frauenrechtlerin und Politikerin († 1954)
- 15. September: Otto Wels, deutscher Politiker († 1939)
- 19. September: Rudolf Charousek, ungarischer Schachmeister († 1900)
- 20. September: Ferenc Szisz, französisch-ungarischer Rennfahrer († 1944)
- 3. Oktober: Wjatscheslaw Jakowlewitsch Schischkow, russischer Schriftsteller. († 1945)
- 5. Oktober: Otto Falckenberg, deutscher Regisseur, Theaterleiter und Schriftsteller († 1947)
- 8. Oktober: Ejnar Hertzsprung, dänischer Astronom († 1967)
- 9. Oktober: Carl Flesch, ungarischer Violinist und Violinlehrer († 1944)
- 9. Oktober: Karl Schwarzschild, deutscher Astronom und Physiker († 1916)
- 14. Oktober: Raymond Ewry, US-amerikanischer Leichtathlet († 1937)
- 17. Oktober: Alfred Polgar, österreichischer Schriftsteller († 1955)
- 24. Oktober: Jules Rimet, Präsident der FIFA († 1956)
- 30. Oktober: Francisco Madero, mexikanischer Revolutionär und Staatspräsident († 1913)
- 2. November: Gottfried Hinze, Fußball-Funktionär († 1953)
- 5. November: Edwin Flack, Teilnehmer der ersten olympischen Sommerspiele 1896 († 1935)
- 9. November: Fritz Thyssen, deutscher Unternehmer († 1951)
- 9. November: Otfrid Foerster, deutscher Neurowissenschaftler († 1941)
- 10. November: Henri Rabaud, französischer Komponist († 1949)
- 11. November: George Edward Moore, englischer Philosoph († 1958)
- 16. November: W. C. Handy, US-amerikanischer Blues-Komponist († 1958)
- 19. November: Elizabeth McCombs, neuseeländische Politikerin und die erste Frau im Parlament († 1935)
- 20. November: Daniel Gregory Mason, US-amerikanischer Komponist († 1953)
- 24. November: Fritz Hardt, Unternehmer im Bergischen Land († 1959)
- 24. November: Julius Martow, russischer Politiker († 1923)
- 25. November: Leo Katzenberger, deutsch-jüdischer Geschäftsmann († 1942)
- 28. November: Joseph Schnetz, österreichischer Philologe († 1952)
- 1. Dezember: Wiktor Michailowitsch Tschernow, russischer Politiker († 1952)
- 8. Dezember: Quincas Laranjeiras, brasilianischer Gitarrist und Komponist († 1935)
- 13. Dezember: Cesare Orsenigo, apostolischer Nuntius in Deutschland († 1946)
- 14. Dezember: Joseph Jongen, belgischer Komponist und Organist († 1953)
- 16. Dezember: Robert Leinert, deutscher Politiker († 1940)
- 17. Dezember: Ford Madox Ford, Englischer Schriftsteller († 1939)
- 21. Dezember: Blagoje Bersa, kroatischer Komponist († 1934)
- 22. Dezember: Carl Kraemer, deutscher Tierschützer († 1951)
- 9. Januar: Napoleon III., französischer Politiker ( - 1809)
- 18. Januar: Edward Bulwer-Lytton, Romandichter ( - 1803)
- 24. Januar: Johann Friedrich Christoph Bauer, deutscher Politiker ( - 1803)
- 27. Januar: Adam Sedgwick, britischer Begründer der modernen Geologie ( - 1785)
- 1. Februar: Matthew Fontaine Maury, US-amerikanischer Marineoffizier und Hydrograph ( - 1806)
- 30. März: Benedict Augustin Morel, französischer Psychiater ( - 1809)
- 31. März: Wilhelm Stern, deutscher Pädagoge ( - 1792)
- 18. April: Justus von Liebig, deutscher Chemiker ( - 1803)
- 23. April: Wolfgang Menzel, deutscher Dichter der Spätromantik ( - 1798)
- 1. Mai: David Livingstone, schottischer Afrikaforscher ( - 1813)
- 8. Mai: John Stuart Mill, englischer Philosoph und Ökonom ( - 1806)
- 15. Mai: Alexandru Ioan Cuza, Gründer und Fürst von Rumänien ( - 1820)
- 22. Mai: Alessandro Manzoni, italienischer Schriftsteller ( - 1785)
- 6. Juni: Adalbert von Preußen, preußischer Prinz ( - 1811)
- 14. Juni: Friedrich von Raumer, deutscher Historiker ( - 1781)
- 26. Juni: Friedrich Schüler, Jurist und demokratischer Politiker ( - 1791)
- 5. Juli: Giovanni Carnovali, italienischer Maler ( - 1804)
- 15. Juli: Fjodor Iwanowitsch Tjutschew, russischer Dichter ( - 1803)
- 4. August: Viktor Alexandrowitsch Hartmann, russischer Architekt, Bildhauer und Maler ( - 1834)
- 26. August: Carl Wilhelm, deutscher Chorleiter ( - 1815)
- 29. August: Hermann Hankel, deutscher Mathematiker ( - 1839)
- 19. September: Giambattista Donati, italienischer Astronom ( - 1826)
- 19. September: Jean Victor Coste, Naturforscher ( - 1807)
- 22. September: August Breithaupt, deutscher Mineraloge ( - 1791)
- 22. September: Friedrich Frey-Herosé, Schweizer Politiker ( - 1801)
- 26. September: Roderich Benedix, deutscher Schauspieler, Theaterleiter und Stückeschreiber ( - 1811)
- 6. Oktober: Fjodor Alexandrowitsch Wassiljew, russischer Maler ( - 1850)
- 6. Oktober: Friedrich Wieck, Musiker und Musikpädagoge ( - 1785)
- 17. Oktober: Franz Duschek, Finanzminister während der ungarischen Revolution ( - 1797)
- 29. Oktober: Johann I. (Sachsen), deutscher Politiker ( - 1801)
- 26. November: Carl Friedrich Naumann, deutscher Geologe und Kristallograph ( - 1797)
- 28. November: Otto Unverdorben, Kaufmann und Apotheker, entdeckte den Farbstoff Anilin ( - 1806)
- 6. Dezember: Peter Rigler, Wiederbegründer des Deutschen Ordens ( - 1796)
- 14. Dezember: Elisabeth Ludovika (Bayern), Königin von Preußen ( - 1801)
- 14. Dezember: Louis Agassiz, US-amerikanischer Zoologe und Geologe ( - 1807)
- 16. Dezember: Nino Bixio, italienischer Freiheitskämpder ( - 1821)
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