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Bürgertum

Bürgertum

Bürgertum ist eine Gesellschaftsschicht, die traditionell gegenüber dem Adel und Klerus einerseits, gegenüber Bauern und später Arbeitern andererseits abgegrenzt wird.

Entstehung und Grundzüge des Bürgertums

Als Wort und Begriff für eine Bevölkerungsgruppe ausgehend von dem mittellateinischen burgus, einer vor den Mauern gelegene Vorburg, in der die Kaufleute wohnten, hat das Bürgertum im Lauf der geschichtlichen Entwicklung einen sozialgeschichtlichen Wandel durchlaufen, insbesondere sehr verschiedene Unterformen des Bürgertums ausgeprägt. Der Begriff des Bürgertums als solcher ist deswegen nur sehr allgemein definierbar. Zudem ist der Begriff des Bürgertums in den verschiedenen Staaten aufgrund teils unterschiedlicher geschichtlicher Entwicklung nicht bedeutungsgleich. Das Bürgertum ist eine ökonomische, eine politische und eine kulturelle Erscheinung. Es prägte in der Zeit des Frühkapitalismus die "bürgerliche Weltanschauung" aus, die eng mit den "bürgerlichen Tugenden" Leistung, Fleiß und Sparsamkeit verbunden ist. In der Zeit des abendländischen Feudalismus erkämpfte sich das Bürgertum in Abgrenzung zu Bauern und Adel seine bürgerlichen Freiheiten. Die in der französischen Revolution von den Bürgern erkämpften Bürgerrechte gelten heute als Menschenrechte.

Kritik und Auflösung des Bürgertums

Das Bürgertum in seinen verschiedenen Ausprägungen ist andererseits selbst Gegenstand lang anhaltender Kritik (gewesen). Während die kommunistische Kritik einerseits die Bourgeoisie als Klassengegner definierte und Abweichler intern als nicht-proletarische "Kleinbürger" ausgrenzte, wurde der Begriff des Bürgers auch in anderem Zusammenhang negativ verwendet, wie die Ausdrücke "Verbürgerlichung" oder "verbürgerlichtes Christentum" deutlich machen. Gleiches gilt für den von der Jugendbewegung schon des 17. Jahrhunderts übernommenen Begriff der "Spießbürgers", ein aus der verächtlichen Rede des Ritterheeres übernommenes Schimpfwort. In den Niedergang des (z.B. "viktorianischen" oder "wilhelminischen") Bürgertums in späten 19. Jahrhundert gehört bereits das sich - teils vom Adel her - verbreitende Ideal, dass die Frau nur noch Repräsentationspflichten besitze und den Haushalt allenfalls noch beaufsichtige. Für die Hausarbeit gab es Personal. So hatte die bürgerliche Frau Zeit, dem Geld verdienenden Mann die bürgerlichen Bildungsanstrengungen abzunehmen, die Geselligkeit in den jeweiligen Verkehrskreisen zu organisieren, ggf. auch wohltätig zu sein. Mit Blick auf den gesellschaftlichen Wandel wird schon seit der Mitte des 20. Jahrhunderts vertreten, dass das Bürgertum insgesamt zu Ende gegangen sei. Hervorgegangen sei eine nachbürgerliche Gesellschaft von Angestellten, Beamten und anderen Gruppierungen, die im wesentlichen in einem neuen Mittelstand verschmolzen seien und sich ungeachtet ihrer Wurzeln im Bürgertum im Stil nicht vom allgemeinen Stil der Industriegesellschaft unterschieden. (Vgl. auch die Nivellierte Mittelstandsgesellschaft.)

Weiterführende Artikel


- Bürger
- Großbürger
- Kleinbürger
- Bildungsbürgertum
- Bourgeoisie
- Citoyen
- Adel
- Soziale Schicht
- Soziologie

Typische Beispiele für verschiedene Bürgergruppen (Deutschland)

Aufgeführt sind - mit Ausnahme der gesondert zu behandelnden Kleinbürger - Familien, die in der Vergangenheit den genannten Bürgergruppen zugehörten. Während die Krupp erloschen sind oder wie die Gründerfamilien Howaldt und Overbeck ihre herausgehobene Stellung verloren haben, behaupten andere Familien auf Grund des in ihren Händen erhaltenen Kapitals wie die Quandt und die Siemens oder auf Grund der Leistungsfähigkeit einzelner Familienmitglieder wie die Weizsäcker oder die Jauch über den erfolgreichen Moderator, Fernsehproduzenten und Mäzen Günther Jauch eine wahrnehmbar über dem Durchschnitt liegende Stellung in der heutigen Gesellschaft. Soweit einzelne Familien oder Familienzweige noch vor Abschaffung des Adels - wie z.B. die v. Siemens 1888 oder die Freiherrn v. Weizsäcker 1916 - nobilitiert wurden, ändert dies nichts an ihrer für die vorliegenden Zwecke zutreffenden soziologischen Einordnung als Bürger.

Bildungsbürger


- Delbrück
- Krummacher
- Mann (Schriftstellerfamilie)
- Overbeck
- Weizsäcker

Großbürger


- Jauch

Industrielle


- Howaldt
- Krupp
- Quandt
- Siemens
- Thyssen

Kleinbürger

Unter den in Wikipedia zu findenden Familien sind, da diese insgesamt oder ihre Mitglieder bessere Chancen haben, in Enzyklopädien zu erscheinen, eher Groß- oder Bildungsbürger. Die von diesen im Lebensstil abgehobenen Kleinbürger sind - relativ zu ihrem zahlenmäßigen Anteil am Bürgertum - unterrepräsentiert oder oft gar nicht als solche gekennzeichnet. Als typisches Beispiel sei Joschka Fischer genannt, dessen Vorfahren über sechs Generationen in Ungarn das Metzgerhandwerk ausübten.

Literatur


- Oskar Köhler, Artikel "Bürger, Bürgertum" in: Staatslexikon Band 1, Spalten 1040ff, Freiburg im Breisgau 1985 ISBN 3-451-19301-9 mit zahlreichen weiter führenden Literaturangaben
- Manfred Hettling, Bernd Ulrich (Hgg.), Bürgertum nach 1945, Hamburg (Hamburger Edition), 2005, ISBN 3-936096-50-3 ja:市民 Kategorie:Politischer Begriff Kategorie:Sozialgeschichte Kategorie:Migration Kategorie:Nationalismus Kategorie:Behörde

Kommunismus

Kommunismus (vom lateinischen communis = "gemeinsam") bezeichnet nach allgemeinem Verständnis das Ideal einer klassenlosen Gesellschaft, in der die sozialen Unterschiede zwischen den Menschen aufgehoben sind und das erwirtschaftete Sozialprodukt allen gehört. Dieses Ziel setzt nach der von Karl Marx (1848) geprägten Auffassung die Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln und dessen Überführung in Gemeinbesitz (Vergesellschaftung) voraus.

Überblick

Der Begriff "Kommunismus" wurde in historisch verschiedenen Zusammenhängen gebraucht und erhielt in den Konflikten kommunistischer Richtungen untereinander divergierende Bedeutungen. Daher bezeichnet er heute mehrere Gesellschaftsentwürfe, deren Umsetzungsversuche und Zielvorstellungen:
- Urkommunismus: eine vermutete, in manchen Überlieferungen belegte Gütergemeinschaft vor-antiker Gesellschaften. Sie wurde im Judentum Bestandteil der Heilserwartung und dort wie später auch im Christentum als "Liebeskommunismus" ansatzweise praktiziert.
- in verschiedenen Entwürfen des „utopischen“ bzw. des "Frühsozialismus": die soziale, nicht nur politisch-rechtliche Gleichstellung aller Menschen in Bezug auf den Besitz (Gemeineigentum, Kollektiv). Dies wurde aus der Gleichheitsforderung der Französischen Revolution von 1789 abgeleitet und in der Pariser Kommune von 1871 als erstem proletarischen Revolutionsversuch in Ansätzen realisiert.
- im Marxismus: die "klassenlose Gesellschaft", die in den sich zuspitzenden Klassengegensätzen des Kapitalismus angelegt und nur durch eine soziale Revolution und anschließende Vergesellschaftung der Produktionsmittel zu erreichen ist. Sie setzt eine hoch entwickelte kapitalistische Industriegesellschaft voraus und zielt auf das "Absterben" des Staates nach der Übergangsphase einer Diktatur des Proletariats. Die Aufhebung der Klassengegensätze wird durch die weltweite gemeinsame Organisation der Produktion ermöglicht
- im anarchistischen Kommunismus und Anarchosyndikalismus: das Konzept einer Arbeiterselbstverwaltung ohne die Führung einer Parteielite, verwandt mit rätedemokratischen Strukturen (Pierre Joseph Proudhon - vgl. auch Proudhonismus -, Pjotr Alexejewitsch Kropotkin, Gustav Landauer).
- im Leninismus: die „Diktatur des Proletariats“ als Alleinherrschaft einer revolutionären Kaderpartei, die die Staatsmacht erobert, um dann die klassenlose Gesellschaftsordnung durchzusetzen und die Rückkehr neuer kapitalistischer Klassenherrschaft ("Konterrevolution") zu verhindern. Damit wurde der Begriff seit der russischen Oktoberrevolution 1917 auf die Sowjetunion, die von ihr beherrschten Staaten Osteuropas, die Volksrepublik China und Kuba angewandt ("real existierender Sozialismus"). So verstehen ihn auch die K-Gruppen, die sich entweder an einen oder mehrere der bestehenden "kommunistischen" Staaten anlehn(t)en.
- im (orthodoxen) Trotzkismus, der auf die Theorien Leo Trotzkis nach seinem Zerwürfnis mit Stalin und nach seiner Ausweisung aus der UdSSR zurück geht, die Theorie der permanenten Revolution, nach der der Kommunismus im Gegensatz zur in der Sowjetunion geltenden Formulierung des „Aufbaus des Sozialismus in einem Land “ nur weltweit, also durch eine Weltrevolution durchgesetzt werden könne.
- im Eurokommunismus und Reformkommunismus: die Programmatik europäischer Parteien und Gruppen, die einen eigenständigen Kommunismus auf parlamentarischem Weg und Mischformen zwischen Privat- und Staatseigentum an Produktionsmitteln anstreb(t)en.
- in der Kritischen Theorie: die Herausbildung eines neuen "revolutionären Subjekts" aus der "formierten Gesellschaft" des Spätkapitalismus, die den "autoritären Charakter" (Erich Fromm) und "eindimensionalen Menschen" (Herbert Marcuse) sowohl des Faschismus wie auch des orthodoxen Marxismus-Leninismus überwindet. In ihrem Gefolge steht die Wertkritik von Autoren wie Michael Heinrich, Robert Kurz und Moishe Postone und die sich auf sie beziehenden "wertkritischen" und "antideutschen" Gruppen in der heutigen Bundesrepublik.

Frühkommunistische Entwicklungen

Ursprünge in der Antike

Die Vorstellung des Gemeineigentums, das das Privateigentum ablösen soll, setzt die prinzipielle Gleichstellung aller Menschen in Bezug auf den Erwerb ihrer Lebensmittel voraus. Diese Idee ist uralt und schon in manchen Naturreligionen und den monotheistischen Religionen angelegt. In der Antike war die Sklavenhaltergesellschaft das Normale. Ausnahme war im Vorderen Orient nur das frühe, als lose Amphiktyonie organisierte Israel. Schon die ältesten Gesetzestexte der Bibel enthalten die Forderung, das Land regelmäßig so umzuverteilen, dass jeder Bauer sein Auskommen findet (Lev 25,23): :Darum sollt ihr das Land nicht verkaufen für immer. Denn das Land ist mein, und ihr seid Fremdlinge und Gäste bei mir. Die theologische Begründung lautet also: Weil alles Land nur dem Schöpfer der Welt gehört, der sich Israel als Sklavenbefreier bekannt gemacht hat (Ex 3,7), sind menschliche Besitz- und Herrschaftsprivilegien nicht ewig, sondern veränderbar. Die vermeintlichen Herren sind selber nur "Fremde" wie die, die aktuell besitzlos und von ihnen abhängig sind. Die geforderte Gleichstellung der Landbewohner sollte den verarmten, in Sklaverei geratenen Landlosen eine Zukunftsperspektive eröffnen und die Enteignung der Sklavenbesitzer anbahnen. Dieses Gesetz setzte sich jedoch historisch in Israel nicht durch. In der jüdischen Prophetie wird die gerechte Umverteilung und Überwindung der sozialen Gegensätze daraufhin fester Bestandteil der endzeitlichen Zukunftshoffnung (Jes 65,21f): :Sie werden Häuser bauen und bewohnen, sie werden Weinberge pflanzen und ihre Früchte essen. Sie sollen nicht bauen, was ein anderer bewohne, und nicht pflanzen, was ein anderer esse. Diese Utopie einer gerechten Sozialordnung ohne Ausbeutung, in der alle gemeinsam leben und arbeiten und sich die Früchte ihrer Arbeit aneignen, war hier immer zugleich eine Sozialkritik an der Gegenwart (Am 5,11f): :Darum, weil ihr die Armen unterdrückt und nehmt von ihnen hohe Abgaben an Korn, so sollt ihr in den Häusern nicht wohnen, die ihr von Quadersteinen gebaut habt. Denn ich kenne eure Freveltaten, die so viel sind, und eure Sünden, die so groß sind, weil ihr die Gerechten bedrängt und Bestechungsgeld nehmt und die Armen im Tor [wo Recht gesprochen wurde] unterdrückt. Die Verheißung einer gerechten Zukunft für die aktuell Unterdrückten und Bedrängten wird hier zur scharfen Anklage gegen die Unterdrücker; außenpolitische Niederlagen werden als zwangsläufige Folge innenpolitischer Korruption des Rechts durch die Besitzenden gedeutet. Die verheißene Zukunft bildete also einen kritischen Kontrast zur Realitätserfahrung und gegen ungerechte Politik gerichteten Maßstab, der sich in der jüdischen Religionsgeschichte immer wieder Geltung verschaffte. Dies zieht sich bis zu Jesus von Nazaret, der das alte Gottesrecht des regelmäßigen "Erlassjahres" erneuerte (Lk 4,18-21) und Großgrundbesitzer zur Besitzaufgabe zu Gunsten der Armen einlud (Mk 10,21). In der urchristlichen Gemeinde wird das Gemeineigentum daher als Abbild des kommenden, alle Besitzverhältnisse umwälzenden Reiches Gottes beispielhaft vorweggenommen (Apg 4,44): :Alle, die gläubig geworden waren, waren beieinander und besaßen alle Dinge gemeinsam. Ähnliche Konzepte einer religiös begründeten Kommune, die nicht nur Armenfürsorge, sondern Gemeineigentum praktiziert, findet man auch im Hellenismus (z.B. bei Pythagoras), später - an jüdische Sozialgesetze angelehnt - im Islam sowie in manchen indianischen Stammesgesellschaften Nordamerikas. Hier wurde jedoch selten ein Umgestaltungsanspruch für die Gesamtheit damit verbunden. Friedrich Engels hat in seiner marxistischen Epochengliederung der Menschheitsgeschichte angenommen, dass ein Urkommunismus die generelle Lebensform protofamiliarer Stammesgemeinschaften war, bevor mit der Gattenfamilie das eigene Haus und Territorium in Abgrenzung von anderen üblich geworden sei (Über den Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates, 1884, MEW, Bd. 21). Damit hat er den Kommunismus als Erneuerung des "Urzustands" auf höherer Ebene postuliert, die erst von der hochindustrialisierten, arbeitsteiligen kapitalistischen Produktionsweise ermöglicht werde und die uralten Menschheitsträume realisiere.

Frühkommunistische Experimente im Mittelalter

Gesellschaftsveränderung in Richtung soziale Gerechtigkeit war im vom Christentum dominierten Mittelalter kaum möglich, wenn nicht ökonomische Bedingungen und die Berufung auf biblische Tradition zusammenkamen. Während die Großkirchen sich häufig eng an politische Herrschaftssysteme anlehnten und durch Amtsprivilegien mit diesen verflochten waren, knüpften verschiedene Minderheiten im Lauf der Kirchengeschichte Europas an das Ideal der Urgemeinde an. Manche Orden wie die Franziskaner praktizierten Gemeineigentum als freiwillige Armut in Klöstern in Distanz zur kirchlichen und sozialen Normalität, andere dagegen - etwa die Minoriten - wollten ursprünglich die Kirche insgesamt reformieren und damit die Mehrheitssituation tendenziell verändern. Vor, während und nach der Reformation tauchte die Idee des Gemeineigentums in verschiedenen Zusammenhängen wieder auf, etwa bei:
- Jan Hus in Prag und den tschechischen Taboriten, die sich von der päpstlich-kaiserlichen Zentralmacht absetzen und auf das Neue Testament gegründete Kommune gründen wollten;
- Hans Böhm im Kontext einer Wallfahrerbewegung, die gegen die ständische Ordnung gerichtet war und Kirchen- und Sozialreformen gegen den korrupten katholischen Klerus und die weltlichen Fürsten verlangte;
- Nikolaus Storch (Zwickau) und Thomas Münzer (Allstedt) , die in Thüringen und Sachsen radikaldemokratische Stadtverfassungen durchzusetzen versuchten; Müntzer schloss sich dann den von Süddeutschland ausgehenden Bauernaufständen an;
- Gerrard Winstanley in Wales, der im Kontext des englischen Bürgerkriegs eine Landkommune aufbaute und damit die Enteignung aller Adeligen als konkrete Zukunftsvision verband. Keiner dieser oder ähnlicher Reformanläufe konnte sich lange halten. Sie scheiterten meist an den Machtverhältnissen oder inneren Unstimmigkeiten.

Utopischer Sozialismus

Der Humanismus des 16. Jahrhunderts hatte - parallel zu den durch wirtschaftliches Elend hervorgerufenen Bauernaufständen - Ideen einer gerechten, von allen Bürgern gleichermaßen getragenen Gesellschaftsordnung entwickelt, die ihrerseits auf die antike Polis und ihre Demokratie- Vorstellungen zurückgriffen. Folgenreich war besonders der lateinische Bildungsroman "Utopia" des englischen Staatsrechtlers Thomas Morus von 1516. Ohne den Begriff zu kennen, stellte Morus hier eine Art Kommunismus als Gegenbild zur europäischen Feudalherrschaft dar: Alle arbeiten und besitzen alles gemeinsam, auch und gerade Grund und Boden (die damaligen Produktionsmittel); zugleich darf jeder dem Glauben anhängen, der ihm gemäß ist. Im 17. und 18. Jahrhundert machten Naturwissenschaften und Fertigungstechniken rasante Fortschritte. Sie erlaubten im Manufaktur- und Verlagswesen bereits eine Massenherstellung von Produkten, noch ohne maschinelle Produktionsmittel. Dies veränderte die Lebensbedingungen und Interessenlagen für große Bevölkerungsteile enorm. Im Zuge der Aufklärung entstanden mit der Idee der Menschenrechte Vorstellungen eines gleichberechtigten und herrschaftsfreien Zusammenlebens. In zahlreichen - stets von der Obrigkeit bedrohten - Geheimbünden und Vereinen suchten mittellose Handwerker, Bauern und Intellektuelle ein Forum und Anhänger für ihre Ideen. Sie waren kaum an der wissenschaftlichen Erhebung empirischer Daten interessiert, entwickelten ihre Vorstellungen aber aus der widersprüchlichen Erfahrung enttäuschter Demokratiehoffnungen und relativer Rechtsfortschritte. Doch erst mit der Emanzipation des Bürgertums bekamen diese Ideen eine politische Stoßkraft. Seit Karl Marx werden diese frühsozialistischen Gleichheits- und Demokratisierungsbestrebungen, die sich auch auf die Ökonomie erstreckten, als Utopischer Sozialismus zusammengefasst. In ihrer Zielvorstellung sind sie mit dem Kommunismus weitgehend einig, auch wenn der Klassenantagonismus und die Frage nach den Bedingungen einer erfolgreichen Revolution noch keine Rolle spielt.

Das Zeitalter der bürgerlichen Revolutionen

Durch die Aufklärung, die bürgerliche Französische Revolution zum Ende des 18. Jahrhunderts und schließlich die zuerst in England beginnende Industrialisierung Zentraleuropas (vgl. Industrielle Revolution), wurde das 19. Jahrhundert zu einem Jahrhundert bedeutender ökonomischer und sozialer Umwälzungen. Nach Überwindung des Ancien Régime, d. h. der absolutistischen Adelsherrschaft in Frankreich entwickelte auch das aufgeklärte Bürgertum in den benachbarten Staaten revolutionäre Ambitionen, - vor allem in den deutschen und den italienischen Fürstentümern. Einige ihrer Ziele waren die Befreiung von Ausbeutung, Unterdrückung, Leibeigenschaft. Für das vormalig politisch eher einflusslose Bürgertum selbst, den damaligen dritten Stand der Gesellschaft nach Aristokratie und Klerus, war dies verbunden mit der Forderung nach wirtschaftlicher und politischer Emanzipation gegenüber den herrschenden Fürstenhäusern. Der Aufstieg Napoléon Bonapartes und dessen Eroberungsfeldzüge verbreiteten beispielsweise durch sein Gesetzeswerk, den Code Civil mit neuen bürgerlichen Rechten, europaweit auch Ideen der französischen Revolution. Von vielen Intellektuellen wurden Napoléons Reformen zunächst begrüßt, allerdings trug er auch dazu bei, die Idee des (unabhängigen) Nationalstaats zu verbreiten, und schaffte so bei breiten bürgerlichen Schichten in den eroberten Gebieten auch eine Grundlage für die Opposition gegen sich und seine Herrschaft, die in den Befreiungskriegen letztlich zu seiner Niederlage und seinem Sturz führten. Nach dem Wiener Kongress begann ab 1815 mit der Phase der wesentlich vom österreichischen Staatskanzler Fürst von Metternich geprägten Restauration der Versuch der europäischen Fürsten, die Machtverhältnisse wieder herzustellen, wie sie vor der französischen Revolution geherrscht hatten. Aber die Ideen und Ideale von bürgerlichen Freiheiten und nationaler Einheit hatten sich im Bürgertum festgesetzt. Über Jahrzehnte hinweg kam es in fast ganz Europa immer wieder zu nationalen und bürgerlich-liberalen Aufständen und Revolutionen, die sich gegen die Politik der Restauration wandten (Julirevolution 1830 in Frankreich, verschiedene polnische Unabhängigkeitserhebungen, Risorgimento in Italien, Februarrevolution 1848 in Frankreich, Märzrevolution von 1848/49 in den Staaten des Deutschen Bundes und den außerhalb des Bundes gelegenen österreichischen und preußischen Provinzen). Ein Teil des Bürgertums hatte Anfang des 19. Jahrhunderts – während einer Zeit, in der jede freiheitliche liberale Äußerung vom herrschenden Adel verfolgt, und Zeitungen zensiert und verboten wurden – erkannt, dass mit dem Entstehen von bürgerlichem Handel und Gewerbe bereits eine neue soziale Sprengkraft entstand. Im Zuge der Industrialisierung entwickelten sich auch neue gesellschaftliche Gruppen, die in der entstehenden Wissenschaft als „Klassen“ bezeichnet wurden. Mit Kapitalisten- und Arbeiterklasse traten soziale Akteure in die Weltgeschichte ein, die – einander bedingend – um die Macht zu kämpfen begannen. Die Arbeit Friedrich Engels’, „Die Lage der arbeitenden Klassen in England“, wies auf die Verelendung großer Teile des Volkes hin, die nun nicht mehr durch eine herrschende Schicht des Adels, sondern durch die liberale bürgerliche Gesellschaft verursacht wurde. Andere gesellschaftliche Klassen wurden aus dem Fokus der Veränderung zurückgedrängt.

19. Jahrhundert

Das Kommunistische Manifest

Das Kommunistische Manifest von 1848 ist so etwas wie die Gründungsurkunde des modernen Kommunismus, der sich als Gegensatz und Überwindung des Kapitalismus versteht. Es wurde von Karl Marx und Friedrich Engels in London als Programm für den Bund der Kommunisten verfasst. Dieser Zusammenschluss ging aus dem frühkommunistischen Bund der Gerechten hervor, den der christliche Schneider Wilhelm Weitling gegründet und bis zu seiner Ablösung durch Marx 1847 geführt hatte. Er bestand aus einer Gruppe nach Frankreich emigrierter deutscher Gesellen, Handwerker und linksliberaler Bürger. Weitling grenzte sich bereits seinerseits von den Frühsozialisten (u.a. Proudhon, Saint-Simon, Fourier) ab und propagierte eine nicht nur politische, sondern auch soziale Revolution des Proletariats gegenüber dem Bürgertum. Er strebte die Aufhebung des Geldes als Tauschmittel und den direkten, planvoll und gemeinschaftlich verwalteten Warentausch an. Das Manifest ist das Ergebnis der ideologischen Abgrenzung, die Marx vom utopischen Sozialismus Weitlings und seiner Vorläufer vollzog. Es propagiert den internationalen Klassenkampf der lohnabhängigen Arbeiterklasse gegen die Bourgeoisie und beschreibt auch die Stellung und Aufgabe der Kommunistischen Partei als „Bildung des Proletariats zur Klasse, Sturz der Bourgeoisherrschaft, Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat“. Es weist ihr damit einerseits eine politische Führungsrolle, andererseits die Unterordnung unter das proletarische Gesamtinteresse zu: nämlich eine Gesellschaftsform zu finden, in der „jeder nach seinen Fähigkeiten“ tätig sein und „jedem nach seinen Bedürfnissen“ der produzierte Reichtum offen stehen solle. Als Grundlage der Revolution und der von Marx selbst so genannten globalen Theorie galt der gewaltsame Klassenkampf. Im letzten Abschnitt des Manifests heißt es: :„Die Kommunisten verschmähen es, ihre Ansichten und Absichten zu verheimlichen. Sie erklären es offen, daß ihre Zwecke nur erreicht werden können durch den gewaltsamen Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnung. Mögen die herrschenden Klassen vor einer kommunistischen Revolution zittern. Die Proletarier haben nichts in ihr zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen. Proletarier aller Länder – vereinigt euch!“ Von England aus wurde diese Schrift in ganz Europa und darüber hinaus verbreitet. Sie hatte jedoch noch keinen nennenswerten Einfluss auf den Verlauf der bürgerlichen Märzrevolution in den Staaten des Deutschen Bundes. Erst nach deren gewaltsamer Niederschlagung begannen die Arbeiter, sich nach und nach in eigenen Vereinen, den Vorläufern der Gewerkschaften zu organisieren.

Das "Kapital"

Mit seinem Hauptwerk „Das Kapital“ formulierte Karl Marx eine umfassende „Kritik der politischen Ökonomie“ (Untertitel). Er analysierte hier die Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus, die auf der grundlegenden Spaltung der Gesellschaft in Kapitaleigner und lohnabhängig Arbeitende beruhen. Kapital entstehe, wenn die Zirkulation von Ware, die gegen Geld mit anderer Ware getauscht wird, sich verselbstständigt zu einem Einsatz von Geld zur Warenproduktion, um mit deren Verkauf wiederum mehr Geld (Mehr-wert) zu erzielen. Lebendige Arbeit, die eigentlich menschliche Selbstverwirklichung sein und gesellschaftlich nützliche Produkte herstellen soll, wird dann zur Ware, die es möglichst billig einzukaufen und auszubeuten gilt. Die Arbeiter erhalten also immer weniger Lohn, als der Kapitalist (im Durchschnitt) durch den Verkauf der Ware gewinnen kann (Profit). Dieses "Wertgesetz" ist der Kern des Klassengegensatzes von Kapital, das die Bourgeoisie einsetzt, und Arbeit, die das Proletariat leistet. Klassenherrschaft ist demnach für Marx keine zufällige, sondern eine gesetzmäßige Folge von Ausbeutung. Diese ist aber kein böser Wille der Kapitalisten, sondern ein Zwang: Um auf dem vom Kapital beherrschten Markt konkurrieren zu können, müssen sie lebendige Arbeit, die den Mehrwert produziert, ausbeuten. Die Konkurrenz, führe zu immer größerer Kapitalkonzentration (Monopol- und Kartellbildung) und damit zwangsläufig zu Absatzkrisen und Kriegen. Sie zwinge die Kapitaleigner dazu, die Arbeitskosten so gering wie möglich zu halten und den größtmöglichen Profit anzustreben, um diesen in technologische Neuerungen investieren zu können. Dies wiederum führe zu einer immer stärkeren Bewusstwerdung der Notwendigkeit eines Umsturzes. Die Revolution zum Sozialismus ist also nach Marx in den kapitalistischen Strukturen selber angelegt. Damit erscheint die bürgerliche Gesellschaft nicht als moralisch zu verurteilende, sondern als nüchtern zu durchschauende Herrschaftsform, deren Strukturen die Gewalt von Menschen über Menschen zwangsläufig machen. Deren Analyse will die realen Ansatzpunkte zur Umwälzung der Gewaltverhältnisse erkennbar machen. Dieses dreibändige Werk bildet das Herzstück der Gesellschaftstheorie, die man allgemein als „Marxismus“ bezeichnet. Sie beansprucht im Gegensatz zu allen idealistischen Vorstellungen des Utopischen Sozialismus, des Anarchismus oder eines bürgerlichen Kathedersozialismus, streng empirisch und „wissenschaftlich“ vorzugehen, also durch reale Entwicklungen falsifizierbar und korrigierbar zu sein. Wie andere Wissenschaften des 19. Jahrhunderts - z.B. die Naturwissenschaften, etwa Charles Darwins Evolutionstheorie - will sie ein materialistisches Weltbild gegenüber dem christlich geprägten Irrationalismus etablieren. Für Marx und Engels war Kommunismus also die revolutionäre Bewegung des „wahren Sozialismus“ der Arbeiterbewegung gegenüber bürgerlichen Strömungen. Später deuteten sie eine Unterscheidung von Sozialismus als Vorform zur klassenlosen Gesellschaft im Kommunismus an. Dazu äußerten sie sich jedoch bewusst zurückhaltend und knapp.

Marxismus versus Anarchismus

Aus den Ideen der Aufklärung, verbunden mit den sich verstärkenden radikalen Strömungen des revolutionären Liberalismus im Gefolge der französischen Revolution und verschiedenen frühsozialistischen Ansätzen entwickelten sich die Vorstellungen des modernen Anarchismus etwa zeitgleich mit den kommunistischen Ideen von Wilhelm Weitling bis Karl Marx. Einer der frühen Vordenker des Syndikalismus, Pierre-Joseph Proudhon (vgl. auch Proudhonismus) kam 1840 in seiner Schrift „Qu´est-ce que la propriété ?“ (deutsch: Was ist das Eigentum ?) zum Schluss: „Eigentum ist Diebstahl !“. Damit machte er das Privateigentum - ähnlich wie Karl Marx den Privatbesitz an den Produktionsmitteln zum Grundstock seiner Kritik an den herrschenden nicht nur politischen, sondern auch den sozialen Verhältnissen in der sich entwickelnden kapitalistischen Gesellschaft. Sowohl die Anhänger Proudhons, die seine Theorien später erweiterten und mit der Agitation für eine soziale Revolution verbanden (Michail Bakunin im Kollektivistischen Anarchismus, Pjotr Kropotkin im Anarchistischen Kommunismus stimmten mit Marx und Engels überein in der Einschätzung der Notwendigkeit einer sozialen Revolution mit einer radikalen Umwälzung der Besitzverhältnisse, insofern auch der Zielvorstelung des Kommunismus als einer klassenlosen Gesellschaft. Allerdings kristallisierten sich schon in der frühen Korrespondenz zwischen Marx und Proudhon sehr unterschiedliche Auffassungen um die Frage der Macht, der Freiheit des Individuums, der Rolle des Kollektivs als revolutionärem Subjekt und anderen philosophisch-ethischen Grundsätzen heraus. Diese unterschiedlichen Betrachtungsweisen gegenüber den gemeinsamen Zielvorstellungen eskalierten während der gemeinsamen Zeit der Organisation in der ersten Internationale Internationale Arbeiterassoziation (IAA)) zwischen 1864 und 1872 zu einem grundsätzlichen ideologischen Konflikt zwischen den Anhängern Bakunins und denen von Marx. Bakunin lehnte die führende Rolle einer revolutionären Kaderpartei ebenso ab wie staatliche Hierarchien und verwarf damit Marx´ Forderung nach der Gründung kommunistischer Parteien als revolutionäre Elite in den einzelnen Staaten ebenso wie die These von der „Diktatur des Proletariats“. An diesem Konflikt zerbrach die erste Internationale, nachdem Bakunin 1872 aus ihr ausgeschlossen wurde. 1876 erfolgte die offizielle Auflösung der IAA. Diese Auseinandersetzung zwischen revolutionären Anarchisten und Marxisten bedeutete die erste entscheidende Spaltung der internationalen Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts - noch vor dem Konflikt um die Frage „Reform oder Revolution zur Durchsetzung des Sozialismus“, die Ende desselben Jahrhunderts den Beginn der Spaltung der Sozialdemokratie in revolutionär-kommunistische und reformistisch-sozialdemokratische Parteien einläutete. Folgende Abgrenzungen vom Marxismus werden von Anarchisten, wie hier von Rocker u.a., fast grundsätzlich getroffen:
- Ablehnung der von Hegel geprägten marxistischen „Schicksalstheorien“. In der Geschichte gebe es überhaupt keine Zwangsläufigkeiten (‘historischen Notwendigkeiten’, ‘Zwangsläufigkeit des historischen Geschehens’), „sondern nur Zustände, die man duldet und die in Nichts versinken, sobald die Menschen ihre Ursachen durchschauen und sich dagegen auflehnen“ (Rocker).
- Ablehnung des „Historischen Materialismus“. Aus den wirtschaftlichen Verhältnissen könnten nicht alles „politische und soziale Geschehen" erklärt werden.
- Der Anarchismus begreift die Menschen als handelnde Individuen, lehnt die Betrachtung von Menschen als Masse ab.
- Grundsätzliche Ablehnung eines Staates. Die Produktionsmittel von der Privatwirtschaft einem Staates zu übergeben, „führt lediglich zu einer Diktatur durch den Staat“ (Rocker).
- Ablehnung von Gesetzen und Gesetzgebern. Entscheidungen werden im dezentral, kollektiv und im Konsens entschiede. „Nur das freie Übereinkommen,“ könnte“ das einzige moralische Band aller gesellschaftlichen Beziehungen der Menschen untereinander sein".(Rocker)
- Ablehnung einer Übergangsphase vom Kapitalismus zum Sozialismus. Der „Wille zur Macht“ müsse in einer freien Gesellschaft grundsätzlich bekämpft werden.
- Radikale Ablehnung aller kapitalistisch geprägten Begriffe. „Sämtliche Wertbegriffe, wie wir sie heute kennen, sind samt und sonders kapitalistische Begriffe. Luft, Sonnenlicht, Regen, Erdfeuchtigkeit, Humus, kurz, viele der wichtigsten Produktionsfaktoren sind, weil sie nicht monopolisiert werden konnten, heute kapitalistisch wertlos. (…) Mit dem Aufhören des Eigentumsbegriffes an Produktionsmitteln hört auch jeder Wertbegriff für den einzelnen auf.“ (Pierre Ramus, Franz Barwich)

Andere Kommunismus-Begriffe

In der frühen Soziologie sind auch andere Kommunismusbegriffe erarbeitet worden. So bezeichnet Ferdinand Tönnies in „Gemeinschaft und Gesellschaft“ (1887) im Untertitel den Kommunismus als „empirische Kulturform“. Dieser ist nach seiner Theorie aber nur in überschaubaren Gemeinschaften möglich; hingegen geht es in größeren gesellschaftlichen Zusammenhängen immer nur um den „Socialismus“. Da bei ihm zwar eine Gesellschaft aus Gemeinschaften hervorgehen kann, er den umgekehrten Prozess aber für unmöglich hält, kann bei ihm aus Sozialismus auch nie Kommunismus werden. Auch Max Weber sieht Kommunismus als Vergemeinschaftung, wenn er zum Beispiel auf den ‚Familienkommunismus‘ und den ‚Mönchskommunismus‘ hinweist.

Verhältnis zur Frauenbefreiung

Bei allen frühen kommunistischen und sozialistischen Vorstellungen wurde allerdings nicht von der Gleichheit der Geschlechter ausgegangen und meist nicht auf eine individualistische Konzeption, sondern auf Familie als gemeinschaftliche Basis Bezug genommen. Das gilt für frühsozialistische Modellgemeinden, etwa die von Robert Owen, bis hin zur Räterepublik, wie sie in Deutschland 1918 angestrebt wurde. In letzter sollten Betriebe (und soldatische Einheiten) die Vertreter der Basis in die höheren Gremien entsenden, die strukturell keine Gleichheit der Geschlechter aufwiesen, sondern fast nur aus Männern bestanden. Erst später wurde auch die Familie an sich kritisiert. Die Kritik der besonderen Unterdrückung der Frau war – oft in Anknüpfung an Fouriers „Der Stand der Frau kennzeichnet den Stand der Gesellschaft“ – immer wieder besonderes Element der Arbeiten von Marx und Engels. Nach ihren Vorstellungen würde mit Abschaffung der Klassengesellschaft auch die Unterdrückung der Frau enden, so wie überhaupt die „Herrschaft des Menschen über den Menschen“. Bereits im Kommunistischen Manifest bekannten sie sich zum kommunistischem Programm der Aufhebung der Familie durch freies Lieben, Aufhebung der „Stellung der Weiber als bloße Produktionsinstrumente“ sowie der „Ausbeutung der Kinder durch ihre Eltern“ und zur gesellschaftlichen Erziehung der Kinder. In den entstehenden sozialistisch-kommunistischen Staaten waren zwar formal die Geschlechter meist gleichgestellt, nicht aber im Alltag. Auch wenn in der Produktion Frauen eine den Männern ähnliche Stellung aufwiesen, waren sie im Haushalt doch weiterhin patriarchalen Strukturen unterworfen.

20. Jahrhundert

Kommunismus versus Reformismus

Um die Jahrhundertwende bezog sich die europäische Sozialdemokratie theoretisch meist auf Karl Marx und das Kommunistische Manifest. Sozialistische Parteien teilten trotz vorhandener interner Konflikte das Ziel einer kommunistischen Gesellschaftsordnung, die sie begrifflich allenfalls graduell vom Sozialismus unterschieden. Ende der 1890er Jahre verloren die Begriffe jedoch ihre Eindeutigkeit, da sich nun ein Gegensatz zwischen den Flügeln der eher gewerkschaftlich orientierten "Reformisten" und der revolutionären "Marxisten" entwickelte. Sowohl 1899 in der deutschen wie 1903 in der russischen Arbeiterbewegung gab es einen Machtkampf beider Richtungen. In der SPD löste der Mitautor des Erfurter Programms von 1890, Eduard Bernstein, die Revisionismusdebatte aus. Er forderte Verzicht auf das Ziel der proletarischen Revolution, da der Kapitalismus sich flexibel zu modernisieren und der Arbeiterschaft auch auf parlamentarischem Weg Teilhabe am gesellschaftlichen Wohlstand zu erlauben schien. Obwohl die Parteimehrheit dies ablehnte, setzte sich der Reformismus bis zum 1. Weltkrieg in ihr durch. Eine Ursache dafür war die mit Wahlerfolgen zunehmende Einbindung sozialdemokratischer Partei-Eliten in Ämter und Privilegien, so dass ihre Vertreter andere Interessen als die Masse ihrer Wählerschaft entwickelten. Deren Alltagskampf um bessere Lebensbedingungen verlor das Ziel der Umwälzung der Produktionsverhältnisse aus dem Blick. Die politische Machteroberung schien vielen nun auch auf legalem, nicht revolutionärem Weg erreichbar. Dies war eine wesentliche Voraussetzung für die Zustimmung der SPD-Reichtagsfraktion zu den Kriegskrediten. Das Heraufziehen des 1. Weltkriegs verstärkte auch bei anderen sozialistischen Parteien nationalstaatliche Prioritäten und untergruben den proletarischen Internationalismus, wie ihn Marx postuliert hatte. Daran zerbrach die Zweite Internationale. Darauf spalteten sich revolutionäre Gruppen von den meisten sozialistischen und sozialdemokratischen Parteien ab und gründeten neue, nun ausdrücklich kommunistische Parteien: besonders nach der erfolgreichen russischen Oktoberrevolution von 1917. Hier setzten die Bolschewiki die Maßstäbe für die folgende Entwicklung in Russland und etablierten mit der KPdSU eine neue Staats- und Gesellschaftsführung. Seit der Gründung der Dritten Internationale im Jahr 1919 unter Führung Lenins, ab 1924 Stalins, war die Spaltung zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten unüberwindbar. Seitdem wird Kommunismus im allgemeinen Verständnis der meisten westlichen Gesellschaften fast immer mit Diktatur, Demokratie vor allem mit Wirtschaftsliberalismus gleichgesetzt, obwohl auch Kommunisten Demokratie, Sozialisten auch Verwirklichung von Gerechtigkeit und Gleichheit beanspruchen. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 gewann der sogenannte Realsozialismus - besonders seit der erfolgreichen Revolution Mao Zedongs in der Republik China - ein weltpolitisches Gegengewicht zu den marktwirtschaftlich ausgerichteten Ländern unter Führung der USA. Dieser Gegensatz bestimmte den Kalten Krieg und die im Westen herrschende Definition von "Kommunismus". Sie setzten oft auch sozialistische und sozialdemokratische Parteien unter Druck, da diese sich gegen Diffamierungen, etwa als "fünfte Kolonne Moskaus" (Parole Konrad Adenauers), wehren mussten. Da viele der realsozialistischen Staaten Vorschläge und Maximen von Marx aufgriffen und mit der Staatsideologie des Marxismus-Leninismus zu realisieren behaupteten, werden ihre Systeme oft als folgerichtiges Ergebnis der ursprünglichen Ideen von Karl Marx betrachtet. Gemeinsame Merkmale der sich so nennenden „Volksdemokratien“ oder „Volksrepubliken“ wie die Alleinherrschaft einer Kommunistischen Partei werden von Befürwortern wie Gegnern oft mit der von Marx intendierten "Diktatur des Proletariats" identifiziert. Karl Marx selbst und Lenin unterschieden zwischen einer niederen (Diktatur des Proletariats) und einer höheren Stufe des Kommunismus (klassenlose Gesellschaft), wobei Lenin die niedere Stufe auch als Sozialismus bezeichnete. Diese Einteilung hat sich im Begriff „real existierender Sozialismus" durchgesetzt, der das Selbstverständnis jener Staaten bezeichnet, die sich in einer sozialistischen Übergangsphase zum Kommunismus befindlich sahen. Auch Marx forderte das "Primat der Partei" für die kommende Revolution; aber deren Alleinherrschaft war für ihn allenfalls Mittel zum Zweck der Eigenherrschaft des Proletariats, die alle Herrschaft aufhebt und auflöst. Erst Lenin schuf eine "Partei neuen Typs", die nach seinem Prinzip des demokratischen Zentralismus von "oben nach unten" organisiert war. Erst Stalin führte diese Partei zur unumschränkten Alleinherrschaft ohne gesellschaftliches Korrektiv durch unabhängige Gewerkschaften oder Parlamente. Die Auseinandersetzungen zwischen "Sozialdemokraten" (Reformisten) und "Kommunisten" (Stalinisten) in der Weimarer Republik, besonders die von Stalin propagierte Sozialfaschismusthese, begünstigten die Machtergreifung der Nationalsozialisten. Damit war auch der Begriff des "Sozialismus", der im 19. Jahrhundert weithin mit Demokratie gleichgesetzt wurde, ein weiteres Mal von totalitärer faschistischer Herrschaft korrumpiert.

Aufstieg des „real existierenden Sozialismus“

Mit der Oktoberrevolution 1917 entstand zunächst in Russland erstmals ein Realsozialismus, der allmählich den Kommunismus aufbauen und realisieren wollte. Daher steht dieser Begriff seitdem besonders für die Sowjetunion, ihr System und ihre Ideologie. Die Bolschewiki mussten sich im Bürgerkrieg teilweise auch gegen einstige Verbündete behaupten. Sie dehnten ihre Herrschaft dabei auch auf benachbarte Länder aus. 1922 gründete sich daraus die "Union der sozialistischen Sowjetrepubliken" (UdSSR, kurz: SU). Das sozialistische Rätesystem war die soziale Basis für den Aufstieg der Bolschewiki und ihren Revolutionserfolg 1917 gewesen. Doch im Verlauf des Bürgerkriegs kam es zu Hungersnöten und Aufständen. Nach dem Kronstädter Matrosenaufstand 1921 entmachtete Lenin die Sowjets, um die Alleinherrschaft seiner Partei zu bewahren. Marxistisch orientierte Gesellschaftsanalytiker wie Karl August Wittfogel, Rudolf Bahro und Rudi Dutschke sahen hier eine Hauptursache für die spätere Inflexibilität der Parteibürokratie, die die SU langfristig scheitern ließ. 1922 leitete Lenin seine Neue Ökonomische Politik ein, um unter staatlicher Aufsicht Eigeninitiative und Gewinnstreben der Bauern anzuregen und so ihre Erträge zu steigern. Damit wollte er für eine Übergangszeit Selbstversorgung und Entfaltung von Marktstrukturen zulassen, um die Landwirtschaft später erneut zu verstaatlichen. Noch bis 1923 setzte Lenin nach der Novemberrevolution auf den Sieg der deutschen Revolutionäre, um die junge SU aus ihrer außenpolitischen Isolation zu führen und einen Anstoß zur Weltrevolution zu schaffen. Doch nach dem Scheitern der Ruhrkämpfe und des Hamburger Aufstands sah er sich genötigt, die "Diktatur des Proletariats" in Russland auf unbestimmte Zeit beizubehalten: ausgerechnet in einem Land, das kaum Industriearbeiter und entwickelte kapitalistische Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umgestaltung zum Sozialismus und Kommunismus besaß. - Kurz vor seinem Tod 1924 warnte Lenin testamentarisch vor Stalins Despotie, für die er selbst die Weichen gestellt hatte. Stalin entmachtete im Machtkampf in der KPdSU bis 1927 die "Linke Opposition" um Trotzki und Kamenew und erreichte damit die Alleinherrschaft. Dazu bediente er sich wie Lenin im Bürgerkrieg des Geheimdienst-Terrors der Tscheka, wie ihn schon die zaristische Ochrana geübt hatte. Mit Zwangsumsiedlungen, Zwangsarbeitslagern (Gulags), "Säuberungen" und der Errichtung eines Personenkults festigte er dann seine Diktatur. Mit brutalem Zwang begann er zudem eine rigide Industrialisierung, Zentralisierung der Wirtschaft in riesigen Staatsbetrieben und Kollektivierung der Landwirtschaft, um die sowjetische Produktivität an die westlichen Industrieländer heranzuführen. 1928 führte er die Planwirtschaft flächendeckend ein. Ebenso wie in der SU etablierte Stalin in der Kommunistischen Internationale den Marxismus-Leninismus als neue Herrschaftsdoktrin und sorgte für die scharfe Abgrenzung gegen alle Kräfte, die die Führungsrolle der SU und den "Sozialismus in einem Land" ablehnten: vor allem den "Trotzkismus" auf der einen, den "Sozialfaschismus" (Sozialdemokratie) auf der anderen Seite. Das verhinderte in Europa wie auch in China wirksame Allianzen von Sozialreformern und Kommunisten. Im Spanischen Bürgerkrieg kämpften Anarchisten, Demokraten und Kommunisten letztmals gemeinsam, aber erfolglos gegen Franco. Von 1936 bis 1938 erreichte Stalins "Säuberungs"-Politik ihren grausamen Höhepunkt: Er ließ nun auch die Generation der Oktoberrevolutionäre als seine möglichen innenpolitischen Gegner verbannen und ermorden, darunter die meisten hohen Führungsoffiziere der Roten Armee. Dies war mit ein Grund für den Molotow-Ribbentrop-Pakt von 1939, der ihm Zeitgewinn zur militärischen Reorganisiation verschaffen sollte.

Trotzkismus

Maoismus

Die Volksrepublik China sah sich nach der Revolution 1949 als besonderer Teil des "Weltkommunismus" und pflegte die „Bruderfreundschaft“ mit der SU unter Stalin. Nach dessen Tod 1953 und der durch Chruschtschow 1956 eingeleiteten Entstalinisierung trennten sich jedoch die Wege: Mao kündigte der SU die Gefolgschaft. Seitdem war das "kommunistische Lager" in zwei verfeindete Großstaaten mit ähnlicher Staatsideologie, aber konkurrierenden Führungsansprüchen gespalten. Die SU vertrat nun die Linie einer Friedlichen Koexistenz mit dem Kapitalismus, während China auf der "permanenten Revolution" (Trotzki) bestand. Zu seinem Einflussbereich gehörten vor allem Nordkorea und Nordvietnam, zeitweise auch Kambodscha und Laos, während Indien und die Kaukasusregion sich eher an die Sowjetunion anlehnten. In vielen Staaten Asiens, Afrikas und Lateinamerikas führten die „Blockmächte“ USA, SU und China Stellvertreterkriege miteinander. Der Koreakrieg (1950-1953) z.B. war eigentlich ein chinesisch-amerikanischer Konflikt, in dem die USA erstmals nach Hiroshima wieder den Einsatz von Atombomben erwogen. In der Mongolei wiederum stritten die SU und China mit Drohgebärden und militärischen Scharmützeln um Grenzverläufe. Sie unterstützten auch in der "Dritten Welt" verschiedene revolutionäre Gruppen und Ziele. Die Roten Khmer in Kambodscha etwa beriefen sich zeitweise auf den „Maoismus“. Ihrer kurzen Herrschaft (1975-1979) fielen bis zu 2 Millionen Menschen zum Opfer.

Kommunistische Befreiungsbewegungen

Diese Entwicklung entsetzte viele Sozialisten und Kommunisten weltweit, die aber angesichts des aufstrebenden Faschismus dennoch nicht ihre grundsätzliche Solidarität zur SU aufgaben. Infolge des 2. Weltkriegs dehnte diese ihren Machtbereich nach Osteuropa aus und übertrug ihr System nach 1945 auf die von ihr besetzten Staaten. Sie wurden im Westen als „Ostblock“ bezeichnet, weil sie keine reale Autonomie besaßen, sondern faktisch Satellitenstaaten der vom Politbüro gelenkten KPdSU waren. Gegenüber dem europäischen Imperialismus und Kolonialismus hatten die Ideen von Karl Marx schon seit 1900 auch in vielen nichtindustrialisierten, vom Weltmarkt und westlicher Hegemonie beherrschten Ländern Anhänger gefunden. Mit dem opferreichen Sieg der SU über Hitlerdeutschland und dem folgenden Kalten Krieg gewann die Vorstellung des Antagonismus zweier "Lager" nach 1945 auch unter ihnen neue Plausibilität. Viele Befreiungsbewegungen griffen den "Marxismus-Leninismus" nun auf und entwickelten ihn als antiimperialistische Ideologie für ihre eigenen Situationen weiter.

Titoismus

Der "Kommunismus" als staatliche und weltpolitische Zustandsbeschreibung differenzierte sich im Verlauf des Kalten Krieges weiter: Mit Jugoslawien unter Tito und Rumänien unter Ceausescu kamen zwei verschiedene Sonderformen einer relativen Unabhängigkeit vom sowjetischen Führungsanspruch hinzu, die aber ihrerseits autoritäre Ein-Parteien-Diktaturen hatten.

Reformkommunismus Ost

In den Ostblockstaaten mit einer älteren demokratischen Tradition gab es seit 1953 Anläufe zu Eigenständigkeit und Abnabelung vom "großen Bruder" in Moskau. Diese Bemühungen um Reformen auf weiterhin staatssozialistischer Grundlage lassen sich als "Reformkommunismus" einordnen. Sie begannen mit dem eher anti- als reformkommunistischen Volksaufstand des 17. Juni 1953 in der DDR, der zuerst Arbeitszeit- und Lohnreformen forderte, dann das Machtmonopol der SED in Frage stellte und auch schon die Deutsche Einheit anvisierte. Sie führten etwa 1956 in Ungarn, 1968 in der Tschechoslowakei (damals CSSR) zu einer Wiederbelebung der Räte und der Genossenschaften in Verbindung mit einer vorsichtigen Liberalisierung der Wirtschaft und Zulassung von Privatunternehmen. Diese Versuche waren stets von breiten Bevölkerungsschichten getragen und wurden immer dann gewaltsam von der Roten Armee niedergeschlagen, wenn die Loslösung von der SU in Reichweite kam. Ihren Einmarsch in Polen vermied 1980 nur knapp das zuvor von General Wojciech Jaruzelski verhängte Kriegsrecht.

Eurokommunismus West

In Westeuropa waren kommunistische Bewegungen bis zum Zweiten Weltkrieg in vielen Staaten verbreitet. Nach dem Krieg gab es vor allem in Frankreich und Italien bis in die 80er Jahre starke kommunistische Parteien; sehr dogmatisch auf Sowjet-Kurs in Frankreich, während in Italien der so genannte „Eurokommunismus“ entstand, der sich an die Sozialdemokratie annäherte. In Westdeutschland, wo die Kommunistische Partei

Dienstmädchen

Ein Dienstbote ist eine ständig im Haushalt wohnende angestellte Hilfskraft für Arbeiten in der Haus- und Landwirtschaft. Noch Mitte des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts, war der Beruf des Dienstboten in deutschen Arbeiterkreisen weit verbreitet. Nach einer Umfrage in Berlin waren 1882 96,8% der Dienstboten weiblichen Geschlechts. In der Folgezeit stieg der Anteil der so genannten Dienstmädchen noch. Die Dienstmädchen waren hauptsächlich in gut situierten bürgerlichen Haushalten angestellt. Dort waren sie für jegliche Hausarbeit zuständig: Sie putzten, kochten, gingen einkaufen, empfingen den Besuch, betreuten die Kinder etc. Der Arbeitstag war oft sehr lang, über 16 Stunden waren keine Seltenheit, die Kost und Logis dagegen oft sehr karg. Nur sehr selten verfügten Dienstmädchen über ein eigenes Zimmer, zumeist teilten sie sich eine kleine Kammer mit mehreren Dienstboten, oder sie schliefen gar in der Küche oder direkt vorm Schlafzimmer der Herrschaften. Die Entlohnung war für die Zeit mittelmäßig und betrug im Schnitt zwischen 150 und 250 Mark jährlich. Fabrikarbeiterinnen verdienten mehr, aber diese mussten auch Essen und Miete von dem Geld bezahlen. Der Beruf des Dienstmädchen war anstrengend und sie waren auf das Wohlwollen der Herrschaften angewiesen. Rechtlich war ihre Lage kaum gesichert, es gab zwar ein Gesinderecht, aber das beschrieb eher die Rechte der Herrschaften und Pflichten der Dienstboten als umgekehrt.

Siehe auch


- Gesinde
- Hauspersonal, Au Pair
- Knecht, Diener, Lakai
- Magd, Zofe
- Schwarzarbeit Kategorie:Dienstleistungsberuf

Angestellter

Ein Angestellter ist ein Arbeitnehmer, der nach bestimmten Kriterien von einem Arbeiter unterschieden wird. Die Kriterien sind dabei nicht eindeutig festgelegt und unterscheiden sich je nach Anwendungsfall leicht. Die Trennung zwischen Arbeitern und Angestellten beruht auf einer gewachsenen Tradition. In Deutschland sind nach heutigem Recht beide innerhalb des selben Arbeitsvertragsrechts, das nicht zwischen Angestellten und Arbeitern unterscheidet, an ihren Arbeitgeber gebunden. In Österreich gilt für Angestellte das Angestelltenrecht, für Arbeiter nicht. Im Allgemeinen wird zur Definition von Angestellten herangezogen, dass diese nicht beamtet sind, nicht maßgebliche Miteigentümer des sie beschäftigenden Unternehmens sind, und ein Gehalt beziehen (im Gegensatz zu Arbeitern, die Lohn erhalten). Weiterhin wird eine überwiegend büro- beziehungsweise verwaltungsmäßige, höhere technische, überwiegend leitende oder sonstwie gehobene Tätigkeit als typische Domäne von Angestellten betrachtet. Traditionelles Abgrenzungskriterium in Deutschland waren in der Regel die Zugehörigkeiten in der Sozialversicherung. So waren Arbeiter – sofern keine Betriebskrankenkassen bestanden – Mitglieder einer Allgemeinen Ortskrankenkasse (Allgemeine_Ortskrankenkasse), Angestellte einer Ersatzkasse. Durch die Reform der Krankenkassen wurde aber mittlerweile die freie Krankenkassenwahl eingeführt. Früher waren Angestellte bei der BfA (Bundesversicherungsanstalt für Angestellte), Arbeiter bei der LVA (Landesversicherungsanstalt), rentenversichert. Die Trennung zwischen der Rentenversicherung der Arbeiter und der Angestellten wurde zum 1. Januar 2005 aufgehoben. Mit der Gründung der Deutschen Rentenversicherung zum 1. Oktober 2005 erfolgt die Aufteilung auf unterschiedliche Rentenversicherungsträger nach einem Verteilungsschlüssel, nicht mehr nach der Einordnung als Arbeiter oder Angestellter. Trotz der rentenversicherungsrechtlichen Einordnung bei der LVA wurden Meister in der Regel als Angestellte angesehen. Auch heute ist dieser Status noch relevant für die Frage, ob der Arbeitgeber sich an einem Fond zur Deckung der Kosten für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall beteiligen muss.

Arten von Angestellten


- (einfache) Angestellte.
- Übertarifliche (ÜT) Angestellte. Ein Angestellter, der in einem Betrieb beschäftigt ist in welchem es einen Tarifvertrag gibt, und der mehr Gehalt erhält als er nach seiner Tarifgruppe erhalten müsste.
- Außertarifliche (AT) Angestellte. Ein Angestellter, der in einem Betrieb beschäftigt ist in welchem ein Tarifvertrag gilt, und dessen eingesetzte Qualifikation und Bezahlung über der höchsten Tarifgruppe des Tarifvertrages liegt.
- Leitende Angestellte sind Angestellte, die wesentliche Arbeitgeberbefugnisse besitzen. Dazu gehört zum Beispiel Einstellungs- und Entlassungsbefugnis oder eine umfassende Prokura. Leitende Angestellte unterliegen nicht dem Betriebsverfassungsgesetz (vgl. [http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/betrvg/__5.html § 5 Abs. 3] BetrVG). Kategorie:Individualarbeitsrecht Kategorie:Berufliche Funktion ja:ホワイトカラー

Industriegesellschaft

Die Industriegesellschaft unterscheidet sich als Gesellschaftsform von anderen Gesellschaftsformen vor allem durch die Art der wirtschaftlichen Produktion und die daraus resultierenden sozialen Strukturen. Die dabei jeweils vorherrschende gesellschaftspolitische Ordnung bleibt bei dieser Begriffsdefinition unberücksichtigt. Die Industriegesellschaft ist gekennzeichnet durch Industrialisierung sowie einen hohen Grad der Arbeitsteilung. Meist ist dies mit einer zunehmenden räumlichen Trennung von Arbeits- und Wohnstätten verbunden. Folge der Arbeitsteilung ist häufig eine Bürokratisierung von Staat, Gesellschaft und Produktionsbetrieben. In kapitalistisch orientierten Industriegesellschaften mit freien Märkten ist regelmäßig eine Konzentration des vorhandenen Kapitals bei wenigen Unternehmen zu beobachten, die ohne staatliche Gegenmaßnahmen zu oligopolistischen Strukturen und zur Aushöhlung der Marktwirtschaft führt. Häufig wird die Industriegesellschaft als Zwischenstufe zwischen der Agrargesellschaft und der Dienstleistungsgesellschaft betrachtet; dies geht zurück auf eine Interpretation der Drei-Sektoren-Theorie von Fourastié und anderen. Diese wird heute aber wieder sehr kritisch diskutiert. Insbesondere hat der hohe technische Fortschritt im Dienstleistungsbereich eine Grundannahme dieser Theorie ausgehebelt, so dass die Schlußfolgerung, dass sich eine Industriegesellschaft quasi automatisch zur Dienstleistungsgesellschaft weiter entwickeln müsse, neu überprüft und modifiziert werden muss. Beobachten lässt sich aber heute eine vermehrte Arbeitsteilung (bis hin zum Outsourcing) und daraus resultierend ein größerer Anteil des Dienstleistungsbereichs an der Wertschöpfung in hochindustrialisierten, marktwirtschaftlich orientierten Volkswirtschaften. Damit einher geht häufig auch eine Zunahme der Bürokratisierung der Gesellschaft. Siehe auch: Gesellschaft, Dienstleistungsgesellschaft, Industrie, Volkswirtschaft, Wirtschaft

Weblinks


- [http://www.dhs.ch/externe/protect/textes/d/D25614.html Artikel Industriegesellschaft] im Historischen Lexikon der Schweiz Kategorie:Gesellschaftsmodell Kategorie:Wirtschaft

Nivellierte Mittelstandsgesellschaft

Die Aussage, die Bundesrepublik Deutschland sei eine Nivellierte Mittelstandsgesellschaft, stammt aus den 1950er Jahren. Der Soziologe Helmut Schelsky stellte damit die These auf, dass im Vergleich zur Nachkriegszeit immer mehr Menschen im Rahmen der sozialen Schichtung nach Einkommen, Berufsprestige und Konsumverhalten den Mittelschichten zuzuordnen seien und sich selbst als zum "Mittelstand" gehörig betrachteten. Diese These war auf die spezifischen deutschen ökonomischen Gegebenheiten der Nachkriegszeit bezogen, die in den späten 1950er Jahren ins sogenannte Wirtschaftswunder mündeten. Das Motto des damaligen Wirtschaftsministers und späteren Bundeskanzlers Ludwig Erhard (CDU) lautete "Wohlstand für alle". Dies entsprach auch dem Lebensgefühl breiter Schichten der Bevölkerung, so dass Schelskys Begriff in der Soziologie, in den Medien und in der sonstigen Öffentlichkeit vielfach diskutiert und häufig übernommen wurde. Schelsky war damals einer der bekanntesten deutschen Soziologen (ähnlich wie Ulrich Beck in den 1990er Jahren). Seiner Aussage widersprachen Vertreter einer Klassentheorie, insbesondere Sozialdemokraten und Kommunisten. Auch in der Soziologie wurde der Begriff teilweise entschieden abgelehnt. Zum Beispiel setzte sich der Philosoph und Soziologe Leo Kofler ausführlich damit auseinander. Vereinzelt wurde Schelskys Aussage selbst mit dessen nationalsozialistischer Vergangenheit in Verbindung gebracht. Die Einwände hatten - auch im Zuge des Kalten Krieges - bis zum Auftritt der "68er" relativ wenig Resonanz in der Öffentlichkeit. Nachdem in den 1970er Jahren der normale wirtschaftliche Krisenzyklus auch in der Bundesrepublik Deutschland für größere soziale Unterschiede sorgte, verlor die zeitbezogene Wendung von der "Nivellierten Mittelstandsgesellschaft" an Bedeutung. Im Zuge der Globalisierung und aufgrund der Verteilungskonflikte einer schwach wachsenden Wirtschaft verschwand Ende des 20. Jahrhunderts die überholte Reizvokabel vollends aus der Öffentlichkeit. Zur Charakterisierung der Sozialstruktur in Deutschland entstand nun der Begriff Zwei-Drittel-Gesellschaft. Kategorie:Soziologie

Bürger

Bürger waren ursprünglich im Mittelalter Bewohner eines Burgortes, dann einer befestigten Stadt oder eines Marktortes, schließlich jedes vollberechtigte Glied einer Staatsgemeinschaft. Im übertragenen Sinne werden damit aber auch nicht-zeitverbunden die Bewohner einer Stadt oder eines staatlichen Gemeinwesens, beispielsweise in der Antike (z.B. der Polis) oder in der Moderne bezeichnet. In der mittelalterlich geprägten Verfassung einer Stadt oder eines Marktes war ein Bürger ein vollwertiges Mitglied der Gemeinschaft, der alle Rechte und Pflichten genoss. Die übrigen Bewohner des Ortes hießen Inwohner. Diese Begriffe galten nur für Männer, Frauen konnten nach der damaligen Rechtsauffassung niemals Träger eines solchen Titels sein. Unabdingbare Voraussetzung für die Bürgerschaft war der Immobilienbesitz, genauer der Besitz eines grundsteuerpflichtigen Anwesens innerhalb der Gemeinde oder Stadt. Besitzer von kleinen Häusern, sog. Tripfhäuseln waren damit auch vom Bürgerrecht ausgeschlossen. Die Anzahl der Bürger war damit im Vergleich zur Zahl der Einwohner vergleichsweise klein. Der Titel Bürger, in alten Aufzeichnungen wie Matrikeln oft lateinisch civis genannt, war kein Titel, den man erbte oder auf Lebenszeit erhielt. Vielmehr musste er beantragt werden und wurde bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen gewährt. Diese Aufnahme in die Bürgerschaft ist im so genannten Bürgeraufnahmebuch dokumentiert worden, wobei auch eine entsprechende Gebühr fällig war. Bei Wegfall der Voraussetzung, insbesondere dem Verkauf oder Übergabe des Hauses, welches das Bürgerrecht begründete, verfiel das Bürgerrecht wieder und der Bürger kehrte auf den Status eines Inwohners zurück. Wenn also der Sohn eines Ackerbürgers das väterliche Anwesen übernahm, konnte er damit das Bürgerrecht beantragen, das damit dem Vater verloren ging. Viele Handwerker ohne Nachfolger innerhalb der Familie verpachteten ihren Betrieb an einen Inwohner, blieben aber als Eigentümer noch Bürger. Häufig verkauften sie später das Anwesen an den Pächter unter Einräumung eines Wohnrechtes. Damit kehrte sich der Status um: der neue Eigentümer erhielt das Bürgerrecht, der alte wohnte als Inwohner auf dem Anwesen. Siehe auch:
- Staatsbürger
- Untertan
- Großbürger, Kleinbürger
- Bildungsbürgertum

Weblinks


- [http://www.wappenkunde-niedersachsen.de/ Bürgerwappen] ja:市民 Kategorie:Politischer Begriff Kategorie:Migration Kategorie:Nationalismus Kategorie:Behörde

Kleinbürger

Kleinbürger hießen ursprünglich jene Angehörigen des Bürgertums, die dessen unterster Schicht angehörten, wie Handwerker, kleine Kaufleute, Volksschullehrer u.ä. Der Kleinbürger lebte aufgrund seiner materiell eingeschränkten Möglichkeiten "kleinbürgerlich", wobei der Begriff Kleinbürger zugleich sprachlicher Reflex auf den Begriff Großbürger ist. Während dem oft international tätigen Großkaufmann und Großbürger schon aufgrund seiner grenzüberschreitenden Geschäftsbeziehungen eine weltläufige Denk- und Lebensweise beigemessen wurde, steht der Begriff "kleinbürgerlich" heute zugleich für eine beschränkte, nur auf die eigene kleine Welt bezogene Weltsicht. Das Kleinbürgertum bildete eine bürgerliche Mittelschicht, die seit Mitte des 20. Jahrhunderts in Deutschland durch Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage ständig vom Absinken ins Proletariat bedroht war, während sie sich in ihrem Verhalten am wohlhabenderen Bürgertum orientierte. Dadurch ergab sich ein Lebensstil, der oft unecht wirkte ("aufgesetzt" war), weil die materiellen Mittel für den Anspruch nicht reichten. Für die Lebens- und Erziehungsorientierung waren Normen wie Ordnung, Pünktlichkeit, Sauberkeit ("des Gemüts"!) und Untertanenhaltung gegenüber Höhergestellten maßgeblich. Als große politisch unentschlossene Gruppe war das Kleinbürgertum in Deutschland immer eine problematische Zwischenklasse, was sich auch in der Reichstagswahl von 1932 ausdrückte, in der die Kleinbürger die größte Wählerschaft der NSDAP ausmachten. Eigentlich sollten die breiten Mittelschichten die Demokratie tragen. In der marxistisch-leninistischen Propaganda wurde die Bezeichnung "Kleinbürger" gegen kommunistische Abweichler verwandt, die nicht dem eigentlichen Proletariat entstammten. Ihnen wurden mit der Bezeichnung als "Kleinbürger" begrifflich unterstellt, als Nicht-Proletarier unzulässig in das Interpretationsmonopol der Partei eingegriffen zu haben.

Kleinbürger als ökonomischer Begriff

Kleinbürger stehen, ökonomisch und vom Marxismus her gesehen, zwischen dem Lohnarbeiter und dem Kapitalisten. Mit dem Lohnarbeiter haben sie gemeinsam, dass sie von eigener Arbeit leben müssen, mit dem Kapitalisten haben sie gemeinsam, dass sie ihre eigene Produktionsmittel benutzen und ihr Arbeitsprodukt als ihnen gehörende Ware verkaufen. In ihrer Mehrheit sind es Einzelarbeiter. Dadurch entstehen allerdings Abgrenzungsprobleme zum Bauern, namentlich - in leninistischer Terminologie - zum "Mittelbauern".

Siehe auch


- Bürger
- Großbürger
- Bildungsbürgertum
- Sozialstruktur
- Soziologie
- Spießbürger
- Zweifrontenschicht ja:市民 Kategorie:Politischer Begriff Kategorie:Sozialgeschichte Kategorie:Marxismus

Bourgeoisie

Bourgeoisie [] heißt wörtlich übersetzt: "Bürgertum" und bezeichnete im Europa des feudalistischen und absolutistischen Zeitalters bis Ende des 18. Jahrhunderts / Anfang des 19. Jahrhunderts - namentlich in Frankreich -, den bis zur Französischen Revolution von 1789 politisch eher einflusslosen so genannten Dritten Stand der Gesellschaft, - nach dem Adel und dem Klerus -. Durch die französische Revolution wurde, historisch betrachtet, mit der Machtergreifung des Bürgertums das Zeitalter des Absolutismus durch das bürgerliche Zeitalter, das bis zum 1. Weltkrieg dauern sollte, abgelöst. Im Laufe des 19. Jahrhunderts spalteten sich nach verschiedenen bürgerlichen Revolutionen wie der Julirevolution 1830, der Februarrevolution 1848 und der Märzrevolution von 1848 / 1849 gegen die Politik der Restauration in Europa, zunehmend die Klasse des 3. Standes und des sich im Zuge der Industriellen Revolution verstärkenden 4. Standes, des Proletariats, in zwei entgegengesetzte vor allem soziale und ökonomische Interessengruppen auf. Die ehemals als fortschrittlich-revolutionär verstandene Bourgeoisie entwickelte sich zur herrschenden Klasse und wurde, freier übersetzt, zum Synonym für das "Großbürgertum". Einer der ersten Sozialisten, die einen unvereinbaren Widerspruch zwischen Proletariat und Bourgeoisie (im Sinne von kapitalistischem Großbürgertum) formulierte, war der Schneidergeselle Wilhelm Weitling. Weitling prägte entscheidend den 1836 in Paris aus dem Bund der Geächteten hervorgegangenen Bund der Gerechten, dem Vorläufer der späteren sozialistischen und Kommunistischen Parteien. Weitlings Einfluss ging in Folge von Auseinandersetzungen mit Karl Marx zurück, nachdem der Bund der Gerechten in London in Bund der Kommunisten umbenannt worden war und unter den vorrangigen Einfluss von Karl Marx und Friedrich Engels geriet. Marx / Engels bauten die Theorie des Gegensatzes von Proletariat und Bourgeoisie mit wissenschaftlichem Anspruch aus. Sie veröffentlichten 1848 "das Kommunistische Manifest", in dem sie zum internationalen Klassenkampf des Proletariats gegen die Bourgeoisie aufriefen, um den Kommunismus als klassenlose Gesellschaft durchzusetzen. Nach Karl Marx ist die als kapitalistisches Großbürgertum definierte Bourgeoisie die im Kapitalismus herrschende der beiden Grundklassen Bourgeoisie (Großbürgertum) und Proletariat (= abhängig beschäftigte Arbeiterschaft). Historisch hat sie sich aus dem 3. Stand der Feudalgesellschaft heraus entwickelt (Handwerker, Händler, freie und landbesitzende Großbauern). Ein Teil der Handwerker wurde zu Fabrikbesitzern. Nach der Ablösung des Feudalismus durch den Kapitalismus beuten die mit Bourgeoisie gemeinten Kapitalisten die Arbeiterklasse (das Proletariat) aus. Im Rahmen der marxistischen Theorie ist die Geschichte eine Abfolge von Klassenkämpfen, in denen durch Revolutionen die vorher herrschende Klasse gestürzt wird und durch ein neues Gesellschaftssystem mit neuen, vor allem ökonomischen Regeln, zu ersetzen. Die Bourgeoisie hatte in diesem Kontext die historisch fortschrittliche Rolle, die herrschende Klasse des Adels in der Feudalgesellschaft zu stürzen, um den Kapitalismus durchzusetzen. Die Durchsetzung des Kapitalismus und die Herrschaft der Bourgeoisie wiederum ist nach Marx die Voraussetzung für den Klassenkampf zwischen Bourgeoisie und Proletariat. Dieser Klassenkampf würde in einer weiteren Revolution zum Sturz der Bourgeoisie und zum Sieg des Proletariats führen, das durch eine "Diktatur des Proletariats" über den Sozialismus zur klassenlosen Gesellschaft des Kommunismus führe. Der aggressivste Teil der Bourgeoisie ist die so genannte Monopol-Bourgeoisie, da sie über die entscheidenden Produktionsmittel verfügt.

Siehe auch

Bobo , Bürger, Bürgergesellschaft, Bürgertum, Citoyen, Kleinbürger Kategorie:Gesellschaft Kategorie:Marxismus Kategorie:Französische Revolution Kategorie:Soziologie Kategorie:Sozialgeschichte ja:ブルジョワジー zh-min-nan:Chu-sán-kai-kip

Adel

Der Adel (althochdeutsch: Abstammung, Geschlecht) war die in feudalen Ständeordnungen privilegierte, herrschende soziale Schicht (Stand), meist gegründet auf Geburt, Besitz und gelegentlich auf Leistung, meist mit besonderen Lebensformen und nach eigener Einschätzung hochentwickeltem Standesethos. Adel ist ein in fast allen Kulturen auftretendes Phänomen und meistens an einen Familienverband (Dynastie) geknüpft.

Herkunft des Begriffs

Der Begriff Adel geht auf gemeingermanische Vorstellungen zurück. Das Wort ist eng verwandt mit dem Adjektiv edel.

Entwicklung des Adels in Europa

Die Ursprünge der meisten aristokratischen Familien Europas liegen im Rittertum des Mittelalters. Die Entwicklung moderner Feuerwaffen wie Kanonen und Musketen machten den gepanzerten Ritter zwar bereits im 16. Jahrhundert obsolet, doch hatten sich die Adelsfamilien als Landbesitzer bereits so etabliert, dass sie sich als Adlige dem höfischen Leben zuwenden konnten. Insbesondere für Preußen, Großbritannien und das kaiserliche Russland galt jedoch, dass der Adel sich stets dem Militärdienst verpflichtet fühlte. Das Fundament der preußischen Armee war bis ins späte 19. Jahrhundert ihr Offizierskorps aus Junkern. Dasselbe galt für das Offizierskorps im kaiserlichen Russland.

Der Adel in Deutschland

Im Zuge der Vergrößerung der Staatswesen reduzierte sich die Zahl der herrschenden Häuser, deren Mitglieder Teil einer Rangfolge des erblichen Herrschaftsanspruchs waren. Die mit Privilegien verbundenen Titel wurden ursprünglich aufgrund von Besitz, Herkunft oder treuer Dienste für den Herrscher eines Landes erworben.

Uradel

Zum Uradel zählen Häuser, deren Geschlecht nachweislich spätestens um 1400 dem ritterbürtigen Adel angehört haben. Diese Häuser werden im alten Gothaischen Taschenbuch und im neuen Genealogischen Handbuch des deutschen Adels als Adlige (Freiherrliche, Gräfliche) Häuser A geführt. Neuerdings wird diese Unterteilung bei den titulierten Familien - da adelsrechtlich nicht begründet - nicht mehr vorgenommen. Der Ursprung des Uradels ist weitgehend unbekannt, dürfte teilweise aber auf Führungspositionen während der Völkerwanderung - in diesem Zusammenhang ist auch eine sogenannte edelfreie Herkunft geläufig - , mehrheitlich aber auf im Früh- und Hochmittelalter verliehene Ämter, vor allem Grafenämter, zurückzuführen sein. Entscheidend für die Herausbildung der Adelsgeschlechter war die Zeitspanne vom 11. bis zum 13. Jahrhundert, in der sich, beginnend in Schwaben und Niederlothringen, die Adelsfamilien konsolidierten. Für das 11. Jahrhundert lässt sich eine sprungartige Vermehrung der Adelsfamilien, vorzugsweise aus den Ministerialen, feststellen, auf die eine Phase der Abschließung gegenüber der übrigen Bevölkerung folgte: Ein fest umrissenes Herrschaftsgebiet bildete sich mit der Stiftung von Hauskirchen und Hausklöstern sowie dem Bau von Höhenburgen und Wasserburgen, die zum sichtbaren Ausdruck der Adelsmacht wurden. Erst in dieser Phase legten sich viele Adelsfamilien auf ihren Namen fest. Außerdem wurde die exakte Einhaltung der Erbfolge bedeutsamer. Die Adelsfamilien erhoben König und Kirche gegenüber energischen Anspruch darauf, dass einmal verliehene Ämter in der Familie verblieben. Dies führte dazu, dass die Herrschaft in den Besitz der Familien überging und der königliche Anspruch zunehmend erlosch. Im Gegenzug setzten die Könige zunehmend Ministeriale als Verwalter ihrer Güter ein. Mit dieser Verstetigung der Herrschaft setzten auch Bemühungen um das Schaffen territorial geschlossener Landbesitze ein. Teilweise wurde dies durch Rodung und Urbarmachung von Sumpf- und Wildnisgebieten erreicht, die damit in das Eigentum bzw. das Lehen des Adels übergingen. Einige Geschlechter des Uradels wurden zu Freiherren oder Grafen. Manche von diesen Geschlechtern waren so stolz, dass sie Erhebungen in den Freiherrn- oder Grafenstand (die durch den Titelkauf oft desavouiert waren) stets ablehnten. Beispiele: Teile der uralten märkischen Familie der Edlen Herren Gans zu Putlitz, die ihren alten Titel noch in der DDR aufrechterhielt, der Kanzler Ritter Karl vom und zum Stein oder sogar Otto von Bismarck, der sich gegen die Verleihung des Grafen- und später des Fürsten- und Herzogstitels sträubte (die Titel aber gleichwohl annahm, den Herzogtitel aber nicht führte).

Briefadel

Zum Briefadel zählen Häuser, die, ursprünglich bürgerlicher Herkunft (oder von ausländischem Adel), von einem Souverän durch Ausfertigung eines Adelsbriefes, meist mit Verleihung eines Wappens, in den (inländischen) Adelsstand erhoben worden waren. Dieser Prozess begann in Deutschland schon in der Zeit Kaiser Karls IV. durch den Eingang von Beamten (vor allem Juristen) in die Adelsklasse. Der älteste bekannte Adelsbrief wurde von Kaiser Karl IV. für Wyker Frosch, Scholaster an der Stephanskirche zu Mainz, am 30. September 1360 ausgestellt. Diese Geschlechter werden in den Adelshandbüchern (siehe oben) als Adlige (Adlige, Freiherrliche, Gräfliche) Häuser B geführt. Erhebungen in den Adelsstand waren bis 1806, in der Zeit des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, vor allem eine Prärogative des Kaisers, abgesehen von Preußen, das in weiten Teilen dem Römisch-Deutschen Reich nicht angehörte und einigen anderen Fürsten, die dieses Recht erlangten: den Erzherzögen von Österreich (1453), den Kurfürsten von Bayern und der Pfalz, den Herzögen von Lothringen (im 14. Jh.), dem Erzbischof von Salzburg und den Bischöfen von Metz und Toul. Bis 1806 - in Österreich bis 1918, herrschte auch die Sitte, den Namen des Neu-Geadelten durch einen schön klingenden Zusatz (Pseudo-Ortsname) zu verändern: so wurden z. B. die Nachkommen des Oberbürgermeisters von Frankfurt (Oder), des ehrbaren Bürgers Samuel Prätorius († 1605), der zuerst Schulz, dann Scultetus und zuletzt Praetorius hieß, im Jahre 1661 als die „Reichsritter und Edle Prätorius von Richthofen“ geadelt. Die unbetitelten Herren von Richthofen nennen sich noch heute Prätorius von Richthofen. Eine besondere Kategorie des Briefadels waren der Offiziersadel (Schwertadel) und der Ordensadel. Nach 30 Jahren Dienst in der Reichsarmee (bis 1806) hatte jeder Offizier bürgerlicher Herkunft den rechtlichen Anspruch auf die Erhebung in den Adel, die nach Einreichung des entsprechenden Gesuchs fast immer bewilligt wurde. Die Tradition wurde in der österreichisch-ungarischen Monarchie bis 1918 aufrechterhalten. Die Verleihung gewisser Orden (insbesondere der Hausorden und höchster Tapferkeitsorden) war mit automatischer Nobilitierung verbunden. So hatte z. B. bis 1918 jeder Ritter des Militär-Maria-Theresien-Ordens den Anspruch auf die direkte Erhebung in den Freiherrnstand (auch wenn er nichtadlig war), dies war auch die Usance im Falle der Großkreuzinhaber des Sachsen-Ernestinischen Hausordens, des Schwarzer-Adler-Ordens und einiger anderer Orden der deutschen Teilstaaten, sowie in Russland bei der Verleihung gewisser Klassen des Ordens des Heiligen Wladimir und des Annaordens. Persönlicher Adel (lebenslanger, nicht vererbbarer Adel), wie er etwa in Großbritannien der Normalfall ist, existierte in Deutschland von 1815 bis 1918 nur in Bayern und Württemberg.

Niederer Adel

Zum niederen Adel zählten Adlige, die keinen Titel besaßen ("untitulierter Adel"). Dazu gehörten Familien, die ein von, ein von und zu, selten ein am oder ein vom als Adelsprädikat im Namen führten. Allerdings gab es auch Adelsfamilien, die zwar kein Adelsprädikat im Namen führten, aber trotzdem Adlige waren. In neueren Adelshandbüchern wird das von immer mit v. abgekürzt (noch nicht in den "Gothas"), um Namen nichtadliger Familien mit von (beispielsweise von der Forst) von Namen ehemals adliger Familien zu unterscheiden. Diese Sitte folgt dem Gebrauch in den Ranglisten der königlich preußischen Armee. Das von vor einem Familiennamen muss also nicht zwangsläufig auf eine adlige Herkunft hindeuten. Im Grunde genommen ist es nur eine Herkunftsbezeichnung, lässt also Rückschlüsse auf die ursprüngliche Heimat der Familie zu. Im Mittelalter benannten sich die Adligen meist nach ihrer Burg oder ihrem Gut. Bei einem Orts- oder Besitzwechsel wechselte man auch den Namen, oder hängte den neuen Besitz als Zusatz an (von Stein zum Altenstein). Manche Geschlechter haben ganz gewöhnliche Familiennamen (Fuchs, Gross), Sippennamen (Beissel, Schilling, Landschad.) oder Bezeichnungen von Hofämtern (Marschalk, Schenk...). Diesen Namen wurde der jeweilige Wohnsitz mit dem Prädikat von hinzugefügt, so dass verschiedene Linien dieser Familien auch unterschiedliche Namen führten. Ein Adelstitel war das von ursprünglich nicht, es wurde erst in späterer Zeit als solcher missverstanden. Besonders das 19. Jhdt. tat sich mit so unsinnigen Adelsnamen wie etwa von Schmidt, oder gar mit doppelten Herkunftsbezeichnungen (von Oppenheimer) hervor. In vielen Landschaften des (ehemaligen) deutschen Sprachraums ist das von im Namen auch bei bürgerlichen Familien weit verbreitet. Besonders im niederdeutschen Sprachgebiet wird dies augenfällig, man denke an die vielen niederländischen Familien, die das van in ihrem Namen führen. Auch in Westfalen und der Schweiz finden sich zahllose Beispiele (Marion von Haaren, Erich von Däniken). In Deutschland umfasste der niedere (nicht reichsständische) Adel ursprünglich den reichsfreien und den landsässigen Adel (Personalisten und Posessionaten). Der reichsfreie Adel war unmittelbar dem Kaiser unterstellt (siehe oben, Uradel, Briefadel), der landsässige Adel war nicht alleine dem Kaiser, sondern auch einem besonderen Landesherren unterworfen. Allmählich vereinigten sich die Reichsfreien, der landsässige Adel und die Ritter vom Briefadel, die nach und nach Wappen- Turnier- und Hoffähigkeit erlangten, zu einem geschlossenen Reichsstand, der Reichsritterschaft, der sich später auch einige altadlige Herren anschlossen, die die Reichsstandschaft aufgegeben hatten. Bei der Entwicklung der Reichsritterschaft ging es in erster Linie darum, die Interessen des niederen Adels gegen die wachsende Macht der Landesherren zu wahren. Vor der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches erlangte die Reichsritterschaft eine fast unabhängige Stellung, die von der Rheinbundsakte völlig aufgehoben wurde. Erst beim Wiener Kongress erlangte der niedere Adel gewisse besondere Rechte, z. B. die Patrimonialgerichtsbarkeit und die Kirchenpatronate, die ihm aber bald durch neuere Gesetzgebung genommen wurden.

Betitelter Adel

Zum betitelten Adel gehörten im Heiligen Römischen Reich einige Edle, die Reichsritter, Freiherren, Grafen und Fürsten, wobei der höhere Adel bei den Freiherren begann. In der Entwicklung nach 1806 bestand der Unterschied zum niederen Adel, der nur das Prädikat "von" oder die Titel Edler von... oder Ritter von...führte, im Besitz eines höheren Titels. Siehe auch: Truchsess, Walpode

Hochadel

Der Hochadel (dies ist ein sprachlicher, kein rechtlicher Begriff) bestand vor allem aus Häusern, die von uradligen, regierenden oder standesherrlichen Geschlechtern abstammten, von denen die meisten zur Zeit der Abschaffung des Adels einen Fürstentitel führten. Hochadel ist aber nicht dasselbe wie Hoher Adel, denn zum Hochadel wurden auch - wegen des Titels - nicht souveräne und nicht ebenbürtige Fürstengeschlechter gerechnet (sog. Troisiéme Partie im alten Almanach de Gotha). Heutzutage erheben auch einige ehemals uradlige und briefadlige Grafen- und Freiherrngeschlechter den Anspruch, zum Hochadel zu gehören. Der Hochadel war und ist heute noch in manchen Staaten wie Saudi-Arabien (hier nur Mitglieder der weitverzweigten Königsfamilie) an militärischen, politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Führungspositionen beteiligt. In demokratischen Staaten, beispielsweise im Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland, haben Teile des Hochadels noch Funktionen, die sich aber meist auf repräsentative Aufgaben beschränken.

Erbkrankheiten

Im europäischen Adel, insbesondere im europäischen Hochadel und Hohen Adel kam es immer wieder zu Eheschließungen, die zumindest hart an der Grenze des Inzest waren. Grund dafür war der Glaube an eine "göttliche Kraft" des Blutes, die, so meinte man, durch Eheschließung und Fortpflanzung mit anderen Familienmitgliedern, die Inhaber des gleichen Blutes waren, nur noch gestärkt werden konnte. Die zweite Ursache war das Bestreben, den Landbesitz in der Familie zu behalten oder durch Heiraten mit nahen Verwandten zu vergrößern. Auch das Prinzip der Ebenbürtigkeit schränkte die Wahl der möglichen Ehepartner erheblich ein, so dass schließlich fast jeder mit jedem verwandt war. Das kanonische Recht der katholischen Kirche verbot zwar Eheschließungen zwischen in engem Grade Verwandten, anders als bei Bürgerlichen war die Kirche bei Angehörigen des Hochadels (oft gegen gewisse finanzielle Zuwendungen) aber oft bereit, eine Ausnahmegenehmigung (einen päpstlichen Dispens) zu erteilen. Nachdem die Kenntnisse der Genetik heute größer sind, nimmt man an, dass die hohe Zahl von Ehen im engen Verwandtschaftskreis zumindest eine Mitursache des Aussterbens einiger großer europäischer Dynastien (z. B. der Häuser Valois oder des spanischen Zweiges des Hauses Habsburg) war. Ein zusätzlicher Bedrohungsfaktor war der Brauch, dass man Ehen nur innerhalb der eigenen Religionsgemeinschaft schloss - also Katholiken nur mit Katholiken, Protestanten nur mit Protestanten. Heutzutage (2005) sind die noch vorhandenen Dynastien nicht mehr so bedroht: sämtliche Prinzen der heute regierenden Familien schlossen nach 1945 Ehen mit Angehörigen des niederen Adels oder des Bürgertums (vgl. Belgien, Dänemark, Großbritannien, Norwegen, Haus Österreich, Haus Preußen, Spanien und Schweden). Im Adel, insbesondere im europäischen Hochadel und Hohen Adel existieren bis heute viele Erbkrankheiten durch den über viele Jahrhunderte gepflegten Brauch, stets standesgleich, also untereinander zu heiraten. Diese Verwandtenehe nennt man auch Inzucht. Unter den vielen insbesondere im europäischen Hochadel und Hohen Adel existierenden Erbkrankheiten sind die bekanntesten die Hämophilie (Bluterkrankheit) und die geistige Behinderung. Allerdings ist unsicher, ob die meisten Aussagen in diesem Abschnitt nicht ebenso zutreffend über die meisten anderen Menschen getroffen werden könnten. Erbkrankheiten kommen auch bei Nichtadligen vor und es gibt keine statistischen Untersuchungen darüber, ob sie bei Adligen in signifikant höherer Häufigkeit vorkamen oder vorkommen. Für die Vergangenheit wäre es schwierig, solche statistischen Untersuchungen anzustellen, weil es wenig verlässliches medizinisches Quellenmaterial gibt. Verwandtenheirat kam vermutlich bei Nichtadligen in noch höherem Maß vor als bei Adligen. Vor dem 19. Jahrhundert lebten die meisten Menschen in dörflichen Gemeinschaften und Kleinstädten und Heiraten außerhalb des Dorfes oder der Kleinstadt waren selten, während bei hochadligen Familien Ehepartner typischerweise überregional oder sogar europaweit ausgesucht wurden. Heiraten über die eigene Religionsgemeinschaft hinaus galten seit jeher bei allen Menschen als unerwünscht. Es ist also möglich, dass die Bekanntheit von Beispielen für Erbkrankheiten bei einigen adligen Familien (vergleichsweise wenigen) nur darauf beruht, dass es historische Nachrichten fast nur von solchen Familien gibt.

Schwertadel

Schwertadel war die Bezeichnung der nach dem Sieg im deutsch-französischen Krieg 1870/71 vom König von Preußen geadelten Militärs. Bereits am Tage des Einzuges der preußischen Truppen in Berlin verlieh Wilhelm I. 42 Stabsoffizieren den erblichen Adelstitel. In den folgenden Jahren kamen noch weitere 73 Nobilitierungen hinzu. Unter Friedrich III. wurden fünf Offiziere und unter Wilhelm II. noch 54 geadelt. Als gemeinsames Wappenmerkmal erhielten sie alle ein purpurnes Schildhaupt mit einem grünen Lorbeerkranz, innerhalb welchen sich ein gekreuztes Zepter und Schwert befinden. Der Schwertadel hatte ein eigenes genealogisches Handbuch (1897).

Aufhebung des Adelsstandes in Deutschland am 11. August 1919

Alle deutschen Staatsangehörige sind seit dem 11. August 1919 gleichberechtigte Bürger. Rechtlich existiert seitdem in Deutschland Adel nicht mehr, die früheren Titel sind seit dem zum Bestandteil des Namens geworden. Die am 11. August 1919 von der Nationalversammlung beschlossene Verfassung des Deutschen Reichs, die sogenannte Weimarer Verfassung, bestimmte dass alle