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| BDSM |
BDSM ein gebräuchliches Symbol des BDSM]]
BDSM ist ein Kunstbegriff und die korrekte Bezeichnung für eine verwandte Gruppe sexueller Vorlieben, die oft ungenauer als Sadomasochismus (SM, auch Sado-Maso) bezeichnet werden.
Die Buchstaben BDSM stehen für die subsumierten Aspekte
[http://ebonybbwatlanta.com/bdsm.html BDSM] bdsm real
- B & D Bondage and Discipline (Fesselung und Disziplin)
- D & S Domination and Submission (Beherrschung und Unterwerfung)
- S & M Sadism and Masochism (Sadismus und Masochismus)
Dieses Modell zur Differenzierung dreier Aspekte des BDSM ist heute gebräuchlich, stellt aber lediglich den Versuch einer phänomenologischen Trennung dar. In der individuellen Ausprägung sexueller Vorlieben überschneiden sich die hier getrennten Aspekte häufig.
BDSM-Praxis
Der Kern der BDSM-Praxis ist, dass zwischen den Partnern keine Gleichheit, sondern ein Machtgefälle herrscht, in das sich beide freiwillig begeben haben. Der "devote" Partner gibt einen bestimmten Teil seiner Selbstkontrolle auf und übergibt sie dem anderen (Power Exchange). Jener dominante Partner wiederum lässt sein Gegenüber körperliche Schmerzen, Erniedrigung oder Hilflosigkeit spüren. Sowohl der dominante wie auch der devote Teilnehmer erzielen daraus einen Lustgewinn.
BDSM-Handlungen finden während einer festen Zeitspanne meist in Form eines erotischen Rollenspieles statt. Viele der innerhalb von BDSM ausgeübten Praktiken würden ohne den Zusammenhang zur speziellen sexuellen Vorliebe als unangenehm, peinlich oder schmerzhaft empfunden werden. Daher wird das BDSM-Spiel prinzipiell von mündigen Partnern freiwillig und unter gegenseitigem Einverständnis in einem sicheren Maße praktiziert.
Dieses Grundprinzip wird mit der englischen Bezeichnung „safe, sane and consensual“ ausgedrückt. Dies bedeutet soviel wie „sicher, mit klarem Verstand und in gegenseitigem Einverständnis“. Einige Anhänger des BDSM bevorzugen einen etwas anderen Verhaltenskodex mit der englischen Bezeichnung RACK (Risk aware consensual Kink) was etwa soviel bedeutet wie risikobewusstes einvernehmliches sexuelles Handeln und wollen damit die Eigenverantwortung beider Partner stärker betonen. Durch das Befolgen dieser Prinzipien unterscheidet sich das Handeln von Vergehen oder Verbrechen gegen die sexuelle Selbstbestimmung.
Um jederzeit das gegenseitige Einverständnis sicherzustellen, wird besonders zwischen unbekannten Partnern in aller Regel neben einem vorherigen Gespräch über die Wünsche und Grenzen der Beteiligten auch ein Sicherheitswort „Safeword“ vereinbart, durch dessen Nennung die Handlung zu jeder Zeit unverzüglich angehalten oder abgebrochen werden kann.
Aspekte der BDSM-Praxis
Bondage/Discipline
Bondage und Discipline sind zwei Bereiche des BDSM die miteinander nicht zwingend zu tun haben, jedoch auch gemeinsam vorkommen können.
Bondage
Safeword
Der englische Begriff Bondage („Fesselung“) bezeichnet Praktiken der Fesselung in sexuellem Kontext zur Erregung und Steigerung sexueller Lust. Bondage ist eine sehr beliebte Spielart aus dem großen Variationsbereich von BDSM. Studien in den USA kamen zum Ergebnis, dass etwa die Hälfte aller Männer und viele Frauen Bondagespiele für erotisch halten.
Bondage im engeren Sinn meint das Fesseln des Partners durch das Zusammenbinden der Gliedmaßen, z. B. durch die Verwendung von Handschellen, oder auch das Festbinden des Partners an Gegenständen. Auch das Spreizen der Gliedmaßen kann durch Bondage erreicht werden, z. B. durch Fesseln an ein Andreaskreuz.
Eine besondere Form des Bondage ist das Aufhängen des gefesselten Partners, das sogenannte Suspension-Bondage.
Eine weitere Sonderform ist das japanische Bondage oder Shibari, bei dem nicht nur die Immobilisation des Partners, sondern auch die Ästhetik der Fesselung im Vordergrund steht.
Eine wichtige, und (sicherheits-)technisch anspruchsvolle Form ist das "Mumifizieren" (engl: "mummification"). Hierbei wird der Gefesselte weit- bis weitestgehend komplett eingepackt (also einschliesslich Kopf), z. B. mit Hilfe von (Klebe-)Bändern, Verpackungsfolie und ähnlichem. Eine Variante dessen ist auch die Verwendung von so genannten Fessel-Säcken.
Im weiteren Sinne gehören auch Spiele mit Knebeln in den Bereich Bondage.
Discipline
Unter Discipline versteht man im Bereich des BDSM häufig die Disziplinierung des Partners durch Schläge mit der Hand oder verschiedenen Gegenständen, aus deren Zufügung oder Empfangen der erotische Lustgewinn entspringt. Allerdings variiert die Intensität der Schläge hierbei starkt. Praktiken sind der Flagellantismus oder auch des Spanking-Fetischismus, im weitesten Sinne auch das erotische Spanking.
Eine Kombination mit Praktiken aus dem Bereich von Bondage ist häufig, aber nicht zwingend. Die Abgrenzung vom Sadomasochismus manchmal schwierig. Neben Schlägen kommen gelegentlich auch andere Arten von Körperstrafen zum Einsatz, z. B. beim Figging.
Fälschlich, aber häufig, wird der Begriff Discipline auch gebraucht, um Erziehungsspiele aus dem Bereich Domination und Submission zu beschreiben. Eine Vermischung beider Bereiche kommt sicher ebenfalls häufig vor, der eindeutige Schwerpunkt in der Bedeutung von Discipline sind aber Schläge.
Eine andere Bedeutung/Deutung der Discipline ist die (Selbst-)Disziplin und das Bewußtsein der Verantwortung im Umgang mit dem Partner und die Respektierung seiner Rolle (auf beiden Seiten) sowie die Beachtung der Grundsätze der Sicherheit und des Einverständnisses.
Domination und Submission
Das Begriffspaar Domination und Submission kommt aus dem Englischen und bedeutet Herrschaft, Dominanz und Unterwerfung, Unterordnung. Man bezeichnet damit eine Abhängigkeit zwischen Partnern, die in diesem Sinne bewusst angenommen und verfolgt wird.
Die Variationsbreite der individuellen Ausprägungen ist dabei groß. Von vielen BDSM-Anhängern wird Domination und Submission eher als die psychische Komponente des BDSM angesehen und findet ihren Ausdruck zum Beispiel im Besonderen durch das Tragen eines Halsbandes oder das Anbringen individueller Tätowierungen um die Unterwerfung gegenüber dem Partner zu demonstrieren. Auch die sexuelle Zurückweisung des Partners kann Teil von Domination und Submission sein (siehe auch Cuckold).
Domination und Submission wird beispielsweise in Erziehungsspielen erlebt, bei denen der dominante Partner dem devoten bestimmte Verhaltensweisen abverlangt. Sonderformen dieser Erziehungsspiele sind das Petplay, wobei der devote Partner die Rolle eines Tieres (oft eines Hundes oder Pferdes) einnimmt und das Ageplay bei dem der devote Partner die Rolle eines Jüngeren spielt (z. B. in der Vorstellung des Verhältnisses Lehrer/Schüler).
Die bekannteste (und wohl klischeebehaftetste) Form von Domination und Submission ist die von Herrschaft und Sklaventum. Dies kann für die kurze Dauer eines „Spiels“ ansonsten gleichberechtigter Partner geschehen, aber auch permanent in den Alltag integriert werden („24/7“) und reicht bei wenigen Partnerschaften bis hin zur tatsächlich völligen Unterwerfung eines Partners im Sinne des Total Power Exchange. Ausgleichende Elemente für Beherrschung und Unterwerfung sind dabei Fürsorge und Hingabe, die sich jeweils ergänzen und stabile Beziehungen ermöglichen.
Sadomasochismus
Mit Sadomasochismus wird oft im Gegensatz zu Domination und Submission die eher physische Seite von BDSM. Konkret sind hier alle Praktiken einzuordnen, deren Zweck das Zufügen oder Empfinden von Schmerzen ist.
Discipline (siehe oben) weist sadomasochistische Züge auf. Im Gegensatz zur Discipline spielen Schläge bei Sadomasochisten aber eine eher untergeordnete Rolle und es gibt eine Vielzahl anderer Praktiken, die verwendet werden um Schmerzen zu erzeugen.
Vergleichsweise selten wird Sadomasochismus eigenständig praktiziert, eine Vermischung mit anderen Aspekten von BDSM ist häufig.
Der Begriff Sadomasochismus wurde im Jahr 1913 von Isidor Isaak Sadger geprägt und bezeichnete lange, was heute unter BDSM verstanden wird.
Dennoch gilt Sadomasochismus nach ICD-10 als „Störung der Sexualpräferenz“ (Schlüssel F65.5), die dort wie folgt beschrieben wird: Es werden sexuelle Aktivitäten mit Zufügung von Schmerzen, Erniedrigung oder Fesseln bevorzugt. Wenn die betroffene Person diese Art der Stimulation erleidet, handelt es sich um Masochismus; wenn sie sie jemand anderem zufügt, um Sadismus. Oft empfindet die betroffene Person sowohl bei masochistischen als auch sadistischen Aktivitäten sexuelle Erregung. (Quelle: ICD-10-GM Version 2005)
Auslebung
Spielbeziehungen
Viele Anhänger des BDSM betrachten die Ausübung von BDSM in ihrer Sexualität als erotisches Rollenspiel und sprechen in diesem Zusammenhang daher auch von Spiel und "spielen". Die Durchführung eines solchen Spieles bezeichnet man als Session und bezogen auf den Inhalt und die Umstände des Spiels spricht man von Scene (englisch für Szene, gemeint auch Inszenierung).
Analog dazu spricht man auch von Spielbeziehungen und meint damit zweierlei: Zum einen bezeichnet man mit diesem Begriff gewöhnliche gleichberechtigte Partnerschaften, in denen BDSM Teil oder Vorspiel der Sexualität ist. Bestehen mehrere Partnerschaften mit intensiven emotionalen Bindungen über eine Zeit hinweg, so kann eine Überschneidung mit der Praxis der Polyamorie bestehen. Es können mit dem Begriff Spielbeziehungen aber auch Partnerschaften gemeint sein, die ausschließlich gelegentliches gemeinsames Ausleben bestimmter sexueller Fantasien zum Ziel haben und in denen sonst kein weiteres partnerschaftliches Verhältnis besteht.
Außererotischer BDSM
Im Gegensatz zu solchen Spielbeziehungen stehen partnerschaftliche Verhältnisse, die besonders auch über den erotischen Bereich hinaus klar von Vorstellungen aus dem Bereich BDSM bestimmt sind, innerhalb derer die beteiligten Partner ständig ein entsprechendes (Macht-)Verhältnis zueinander pflegen und entsprechende Aspekte des BDSM gemeinsam zu ihrem Lebensstil machen - womit man BDSM nicht mehr als rein sexuelles Phänomen bezeichnen kann. Man spricht dann von 24/7-Beziehungen, hergeleitet von 24 Stunden täglich, 7 Tage in der Woche.
Professionelle Dienstleistungen
Eine Domina bietet sexuelle Dienstleistungen aus dem Bereich BDSM entgeltlich an. Viele Dominas verstehen sich dennoch nicht als Prostituierte, da es häufig nicht zum Geschlechtsverkehr zwischen Domina und Kunden kommt. Die männliche Entsprechung der Domina, vorwiegend im Umfeld männlicher Homosexueller, heißt Sado oder auch Dominus.
Einordnung und Vorkommen
Früher wurden viele der innerhalb von BDSM gelebten Praktiken dem Sadismus oder dem Masochismus zugerechnet und im Sinne einer Triebstörung (Paraphilie) seitens der Psychiatrie als krankhaft eingeschätzt. Erst mit dem Erscheinen des DSM IV im Jahr 1994 wurden Diagnosekriterien veröffentlicht, nach denen BDSM eindeutig nicht mehr als Störung der Sexualpräferenz angesehen wird.
Die Diagnose Sadismus oder Masochismus darf hinsichtlich der sexuell motivierten Ausprägung dieser Störungen nur noch gestellt werden, wenn der Betroffene anders als durch die Ausübung sadistischer oder masochistischer Praktiken keine sexuelle Befriedigung erlangen kann, oder seine eigene sadistisch oder masochistisch geprägte Sexualpräferenz selbst ablehnt und sich in seinen Lebensumständen eingeschränkt fühlt oder anderweitig darunter leidet. Eine Überlagerung von sexuellen Präferenzstörungen und der Ausübung von BDSM-Praktiken kommt jedoch vor.
BDSM wird von allen Schichten der Gesellschaft praktiziert und kommt sowohl bei heterosexuellen als auch bei homosexuellen Männern, Frauen und Transgendern vor. Der Frauenanteil liegt merklich höher als bei den meisten anderen ehemals als Paraphilie eingeordneten Verhaltensweisen. Die Schätzungen über den Anteil sexueller Vorlieben aus dem Bereich BDSM in der Bevölkerung reichen von 5 bis 25 %, je nach der Art der Fragestellung. Repräsentative Erhebungen belegten bei heterosexuellen Personen ein Vorkommen bei etwa 3 Prozent, bei homosexuellen Personen um 15 Prozent (mit einer klaren starken Präferenz um 3 Prozent).
Durch eine gesteigerte Medienberichterstattung seit ungefähr Mitte der 1990er Jahre sind einige Elemente des BDSM popularisiert worden – sowohl schwarze Lederbekleidung als auch sexuelle Spiele wie Fesseln und Dominanz-Rollenspiele.
Szene, Subkultur und Öffentlichkeit
Es existiert eine BDSM-Szene, in der gleichgesinnte Menschen sich Menschen über BDSM-relevante Themen und Probleme austauschen können. Diese Szene hat den Charakter einer Subkultur, da BDSM von der Gesellschaft und den Medien meist als "bizarr", "pervers" oder "krank" betrachtet wird. Das dominierende Bild des BDSM in der Gesellschaft wird durch zahlreiche Vorurteile, Stereotypisierungen und Klischees beeinflusst. Von daher verbergen viele Menschen ihre Neigung vor der Gesellschaft, da sie Unverständnis und Ausgrenzung fürchten.
Keine Seltenheit sind Missverständisse, die daraus resultieren, dass "Vanillas" nicht wie BDSMler zwischen dem wirklichen Leben und dem Praktizieren von BDSM unterscheiden. So geht man z.B. davon aus, dass Menschen die sich im BDSM masochistisch zeigen, im sonstigen Leben jederlei körperlichen Schmerz und Erniedrigung erregend finden würden.
Von der BDSM-Praxis kennen die meisten nur das Erkaufen sadomasochistischer Dienstleistungen von Dominas für männliche Kunden, weswegen daraus viele Klischees entspringen. So gehen viele davon aus, beim BDSM würde die Frau grundsätzlich den Mann dominieren, was jedoch nicht zwingend der Fall ist; ebenso wird BDSM häufig auf körperlichen Schmerz meist grober Natur reduziert, ohne den vielen Spielweisen gerecht zu werden. Neben dem Klischee der schwingenden Peitsche stellt man sich Sadomasochisten häufig in Lederklamotten vor, teilweise wird die Sado-Maso-Szene mit der Fetischszene gleichgesetzt.
Als ein Problem der oberflächlichen Betrachtung ergibt sich zumeist, dass man im BDSM nur die Ausübung psychischer und physischer Gewalt sieht, während Gefühle zwischen den Partnern für viele nicht vorstellbar sind.
Begrifflichkeit und Sprache
In der Szene existiert ein spezifisches Vokabular, welches sich oft erst mit einigen Erläuterungen erschließt.
Grundsätzlich nennt man BDSM-praktizierende Menschen "BDSMler" oder "Sadomasochisten". Man unterscheidet gewöhnlich zwischen einem aktiven und einem passiven Partner und bezeichnet den aktiven Parter normalerweise als Top, den passiven als Bottom. Die Bezeichnung Sklave oder Sklavin wird in der Regel nur innerhalb bestimmter Vorstellungen aus dem Bereich Domination und Submission gebraucht. Ebenfalls vorwiegend im Bereich Domination und Submission werden analog zu den Begriffen Top und Bottom die Begriffe Dom und Sub gebraucht. Personen, die sowohl aus der aktiven, wie auch aus der passiven Rolle Lustgewinn ziehen, bezeichnet man als Switch.
Zur Unterscheidung von dominanten und devoten Personen werden üblicherweise die Namen (Pseudonyme, Nicknames) in großen (für dominant) und kleinen (für submissiv) Anfangsbuchstaben geschrieben. Dadurch wird symbolisch der dominante Part hervorgehoben und der submissive, devote unter den dominanten gestellt. Dies gilt besonders für die Kommunikation im Internet.
Rechtslage
Deutschland
Mit gegenseitigem Einverständnis sind partnerschaftlich ausgeübte Praktiken aus dem Bereich BDSM in Deutschland im Regelfall nicht strafbar.
Im Rahmen von Handlungen aus dem Bereich BDSM können folgende Straftatbestände relevant werden:
- Sexuelle Nötigung (§ 177 StGB)
- Sexueller Missbrauch widerstandsunfähiger Personen (§ 179 StGB)
- Beleidigung und Tätliche Beleidigung (§ 185 StGB)
- Körperverletzung (§ 223 StGB)
- Gefährliche Körperverletzung (§ 224 StGB)
- Freiheitsberaubung (§ 239 StGB)
- Nötigung (§ 240 StGB)
Für die Verwirklichung des Tatbestands der Nötigung muss die Anwendung von Gewalt oder die Drohung mit einem „empfindlichen Übel“ gegeben sein, im Falle der Sexuellen Nötigung die Drohung mit einer Gefährdung für Leib und Leben. Sofern die Fortdauer der Handlung durch den Gebrauch eines Safewords unverzüglich beendet werden kann, sind beide Tatbestände nicht zu verwirklichen.
Ähnliches gilt für den Tatbestand des Sexuellen Missbrauchs widerstandsunfähiger Personen. Danach ist zu bestrafen, wer unter Ausnutzung der Widerstandsunfähigkeit sexuelle Handlungen an einem anderen vornimmt. Solange der nötige Widerstand, die Fortdauer der Handlung zu unterbrechen durch den Gebrauch des Safewords aufgebracht werden kann, ist der Tatbestand nicht zu verwirklichen, da eine wirkliche Widerstandslosigkeit ja nicht besteht.
Eine Beleidigung kann gemäß § 194 StGB nur auf Antrag des Beleidigten verfolgt werden.
Eine Freiheitsberaubung ist verwirklicht, wenn das Opfer gemäß objektiver Betrachtung in der Freiheit der Wahl seines Aufenthaltsortes eingeschränkt wird.
Nach § 228 StGB handelt derjenige, der eine Körperverletzung mit Einwilligung der verletzten Person vornimmt, nur dann rechtswidrig, wenn die Tat trotz der Einwilligung gegen die guten Sitten verstößt. Am 26. Mai 2004 hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass sadomasochistisch motivierte Körperverletzungen nicht an sich sittenwidrig sind, und damit § 228 StGB gilt. Allerdings ist das Urteil über die Sittenwidrigkeit im Einzelfall abhängig vom Grad der Rechtsgutverletzung, mit anderen Worten von den drohenden gesundheitlichen Folgen der Körperverletzung. Die Grenze zur Sittenwidrigkeit ist laut BGH auf jeden Fall überschritten, wenn „bei vorausschauender objektiver Betrachtung aller maßgeblichen Umstände der Einwilligende durch die Körperverletzungshandlung in konkrete Todesgefahr gebracht wird.“ In dem Grundsatzurteil hob der BGH ein Urteil des Landgerichts Kassel auf, in dem ein Mann, der seine Partnerin auf deren Wunsch gewürgt und dabei unwillentlich erwürgt hatte, wegen fahrlässiger Tötung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war. Eine Verurteilung wegen Körperverletzung mit Todesfolge hatte das Landgericht abgelehnt, da die Tat seiner Auffassung nach mit Einwilligung des Opfers geschehen sei.
Österreich
In Österreich könnten sadomasochistische Praktiken als Körperverletzung geahndet werden, da die Einwilligung seitens des Opfers wahrscheinlich durch die Sittenwidrigkeit des Aktes ausgehebelt wird. Rechtssicherheit besteht nicht, da es kaum Präzedenzfälle gibt.
Schweiz
Die sexuelle Mündigkeit beginnt in der Schweiz mit 16 Jahren, was auch für BDSM-Spiele gilt. Selbst Kinder (d. h. unter-16-jährige) machen sich nicht strafbar, sofern der Altersunterschied zwischen den Beteiligten unter drei Jahre liegt. Gewisse Praktiken erfordern jedoch die Einwilligung zur leichten Körperverletzung und sind deshalb erst ab 18 Jahren erlaubt.
Großbritannien
Das britische Strafrecht kennt keine Einwilligung in Körperverletzung, entsprechende Handlungen sind auch einvernehmlich unter Erwachsenen illegal, diese Rechtslage wird auch durchgesetzt. Dies führt zu der etwas skurrilen Situation, dass Großbritannien und insbesondere London als Weltzentrum der eng verwandten Fetischismus-Szene gelten, es aber für die BDSM-Szene fast ausschließlich private und keine mit der deutschen „Playparty“-Szene vergleichbaren Veranstaltungen gibt. Dieser Umstand wird z. B. in dem Film „Preaching to the Perverted“ (1997) komödiantisch gelungen aufs Korn genommen.
BDSM in Kultur und Medien
Belletristik
In der Literatur ist vor allem Sadomasochismus ein Dauerbrenner und hat einige Klassiker hervor gebracht, z. B. Die Geschichte der O von Anne Declos (unter dem Pseudonym Pauline Réage), Justine von Marquis de Sade, Venus im Pelz von Leopold von Sacher-Masoch oder die Cult Comics von Eric Stanton, in Anspielungen auch im King Ping Meh. Als Kuriosum zu erwähnen ist Marthas Brief an Leopold Bloom in Ulysses von James Joyce. Auch in Elf Minuten von Paulo Coelho wird das Thema angeschnitten. Eine sadomasochistische Autobiografie ist Dezemberkind von Leander Sukov (2005).
Siehe auch: Sadomasochistische Literatur
Sachbücher
- Kathrin Passig und Ira Strübel: Die Wahl der Qual. Rowohlt-Verlag 2004, ISBN 3499616920 (Ein eher informatives Buch, das für Leute geeignet ist, die sich erstmalig mit der Thematik auseinander setzen wollen. Es ist auch geeignet, wenn man nicht weiß, was man von Sadomasochisten halten soll)
- Matthias T. J. Grimme: Das SM-Handbuch. Charon-Verlag 2002, ISBN 3931406016 (Ein eher technisches Handbuch mit Schwerpunkten bei der Erklärung von Praktiken und Sicherheitshinweisen)
- Thomas A. Wetzstein, Linda Steinmetz, Christa Reis: Sadomasochismus, Szenen und Rituale. Rowohlt TB-Verlag 1993, ISBN 3499196328 (Wissenschaftlicher Versuch, sich dem Thema SM zu nähern)
- Arne Hoffmann: Lexikon des Sadomasochismus von Arne Hoffmann. Schwarzkopf & Schwarzkopf 2004, ISBN 3896022903. (400-seitiges alphabetisches Nachschlagewerk)
- Sadomasochisten und ihre Subkulturen. A.Spengler, Campus-Verlag, Frankfurt 1979
- William A. Granzig (Vorwort), u. a.: Screw the Roses, Send Me the Thorns: The Romance and Sexual Sorcery of Sadomasochism. Mystic Rose Books 1995, ISBN 0964596008 (Ein reichbebildertes und umfangreiches Handbuch mit Schwerpunkten bei der Erklärung von Praktiken und Sicherheitshinweisen)
- Jay Wiseman: SM 101: A Realistic Introduction. Greenery Press (CA)1998, ISBN 0963976389 (umfangreiches Nachschlagewerk inklusive einiger Schwerpunkte wie „BDSM als Lebensstil“ und „BDSM in der Schwangerschaft“)
- Dossie Easton, Janet W. Hardy: The New Topping Book. Greenery Press (CA) 2002, ISBN 1890159360 (Praktische und theoretische Einführung für Tops mit Schwerpunkt auf psychologischen Aspekten, praktischen und technischen Fragen, sowie detaillierten Tips zur Partnersuche)
- Dossie Easton, Janet W. Hardy: The New Bottoming Book. Greenery Press (CA) 1998, ISBN 1890159352 (Praktische und theoretische Einführung für Bottoms mit Schwerpunkt auf psychologischen Aspekten, praktischen und technischen Fragen, sowie detaillierten Tips zur Partnersuche)
- Gini Graham Scott: Dominanz und Demut Knaur 1994 (deutsche Ausgabe), ISBN 3426770962 (soziologische Studie der amerikanischen SM Szene)
Magazine
- [http://www.sm-news.de www.sm-news.de] – SM-News, Lumehr Verlag, Rathausstr. 116, 85757 Karlsfeld. (Print), (Web)
- [http://www.schlagzeilen.com www.schlagzeilen.com] – Schlagzeilen, Charon-Verlag Grimme KG, Simon-von-Utrecht-Str. 4c, 20359 Hamburg. .
Filme
- 1969: Venus im Pelz, [http://german.imdb.com/title/tt0064626/ IMDb]
- 1975: Geschichte der O, [http://german.imdb.com/title/tt0073115/ IMDb] und diverse weitere „Geschichte der O“ Verfilmungen
- 1976: The Realm Of The Senses (Aka Ai no corrida), [http://www.imdb.com/title/tt0074102/ IMDb] (nur Englisch)
- 1976: Maîtresse, [http://www.imdb.com/title/tt0074883/ IMDb] (nur Englisch)
- 1976: The Punishment of Anne, [http://www.imdb.com/title/tt0073589/ IMDb] (nur Englisch)
- 1986: Nine 1/2 Weeks, [http://german.imdb.com/title/tt0091635/ IMDb] (nur Englisch)
- 1987: Personal Services, [http://www.imdb.com/title/tt0093727/ IMDb] (nur Englisch)
- 1993: Tokio Dekadenz, [http://german.imdb.com/title/tt0105622/ IMDb]
- 1994: Exit to Eden, [http://german.imdb.com/title/tt0109758/ IMDb]
- 1994: Venus in Furs, [http://german.imdb.com/title/tt0111602/ IMDb] (nur Englisch)
- 1996: Fetishes (Die Peitsche der Pandora), [http://german.imdb.com/title/tt0116298/ IMDb]
- 1997: Preaching to the Perverted,BRD: The Fetish Club [http://www.preachingtotheperv.com/ Homepage], [http://german.imdb.com/title/tt0119935/ IMDb] (nur Englisch)
- 2002: The Secretary, [http://german.imdb.com/title/tt0274812/ IMDb]
- 2003: Devot, [http://www.imdb.com/title/tt0331231/ IMDb] (nur Englisch)
- 2003: Wir leben ... SM!
- 2005: Extasy in Berlin 1926 von Maria Beatty
- 2006: 24/7-The Passion of Life von Roland Reber [http://24-7.tempelhuren.org]]
Siehe auch
- Fetischismus
- Sexualität
- Erotisches Spanking
- Vanilla (Sex)
- Bondage
- Polyamorie
Weblinks
Gute deutschsprachige, nicht-kommerzielle Webseiten zum Thema:
- [http://www.datenschlag.org www.datenschlag.org] – Lexikon und weiterführende Infos
- [http://www.bvsm.de www.bvsm.de] – Bundesvereinigung Sadomasochismus e. V.
- [http://www.bdsm.at www.bdsm.at] – BDSM in Österreich
- [http://www.bdsm.info www.bdsm.info] - BDSM-Plattform
- [http://www.ig-bdsm.ch www.ig-bdsm.ch] – BDSM in der Schweiz
- [http://www.smjg.org www.smjg.org] – BDSM-Jugendgruppe
- [http://www.lustschmerz.de www.lustschmerz.de] – BDSM Orientierungsseite mit Informationen
- [http://www.derleuchtturm.ch www.derleuchtturm.ch] – BDSM – Plattform
- [http://www.smikipedia.org www.smikipedia.org] – Ein Wiki Projekt. Freie Enzyklopädie des BDSM
- [http://www.sub-mission.de www.sub-mission.de] – Informationen für Subs und solche, die es werden wollen
- [http://sm-hilfe.de www.sm-hilfe.de] noch junge Seite die fast das gleiche Motto hat wie sub-mission. Für alle BDSM'ler und die es werden wollen
- [http://www.kinky-library.de www.kinky-library.de] – Ein bibliografische Sammlung zum Thema BDSM
- [http://www.nachtwaertz.com www.NachtwaertZ.com] – NachtwaertZ NachtwaertZ Verlag, Onlinemagazin, Pischekstr. 21, 70184 Stuttgart, 0711-2486985.
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Kategorie:Sexualverhalten
Kategorie:Sexualpraktik
DominanzDer Ausdruck Dominanz bezeichnet:
- in der Verhaltensbiologie und der Psychologie eine Verhaltensweise, siehe Dominanz (Psychologie)
- in der Geographie den Umkreis des Gebietes, den ein Berg überragt, siehe Dominanz (Geographie)
- in der Genetik die Durchsetzung von Erbfaktoren in der Merkmalsausprägung, siehe Dominanz (Genetik)
SSC (BDSM)Die Abkürzung SSC für safe, sane, consensual, bedeutet auf Deutsch soviel wie "sicherheitsbewusst, mit klarem Verstand und einvernehmlich". Alternative Übersetzung "sicher, vernünftig und einvernehmlich".
SSC wird auch als Grundprinzip des BDSM bezeichnet, da es eine in der sadomasochistischen Subkultur weitgehend unumstrittene ethische Grundlage beschreibt. Die Sicherheit und Vermeidung von unerwünschten körperlichen und seelischen Schäden steht über der Befriedigung sexueller Lust, die Grenzen des sadomasochistischen Spiels sind zwischen den beiden Partnern verhandelbar und es ist beiden klar, auf was sie sich einlassen.
Jede der drei Komponenten ist dabei individuell zu bewerten, es kann durchaus Spielarten geben, die von dem Einen als unsicher, dem Anderen jedoch als sicher bewertet werden. In so einem Fall würde derjenige, der sie als unsicher empfindet sich nicht auf sie einlassen. Ein weitergehendes, alternatives Modell, das sich vor allem auf die Einvernehmlichkeit und individuell persönliche Risikobeurteilung stützt, ist RACK.
Der Begriff stammt aus der Internet-Subkultur der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts.
Siehe auch
- RACK
- Safeword
- BDSM
- Bondage
- Spanking
- Sexualmoral
Weblink
- http://www.datenschlag.org/txt/smwid.html Datenschlag
- http://www.datenschlag.org/txt/safco.html (Sicherheitscodes)
- http://www.safer-sm.de.vu safer SM - Informationen zu safer Sex und Sadomasochismus
Kategorie:BDSM
Kategorie:Safer Sex
Kategorie:Sexualverhalten
RACKZusammenfassung: RACK ist ein Handlungsmodell für Handlungen und Spiele im BDSM-Kontext, das im Unterschied zu SSC weniger auf schlecht greif- und meßbare und vor allem individuell variable Kriterien wie „Vernünftigkeit“ und „Sicherheit“ aufsetzt, sondern stattdessen die Einvernehmlichkeit der Handelnden in den Vordergrund stellt und diese mit ihrer individuellen Risikobereitschaft verknüpft. Der Schwerpunkt liegt also deutlich auf der Eigenverantwortung ausschließlich der Beteiligten und nicht auf einer von außen vorgenommenen „gut/schlecht“-Beurteilung von Kriterien, die schlecht objektiv vergleichbar sind.
Begriffsklärung
RACK ist die Abkürzung für den englischen Begriff Risk Aware Consensual Kink.
Dies ist nicht direkt zu übersetzen, was primär an der Bezeichnung kink liegt. In aller Regel dient als Übersetzung das mehrschichtige Akronym BDSM, das das Denken, Fühlen und Handeln im Zusammenhang mit den Themen Bondage und Disziplin, Dominanz und Submission und Sadismus und Masochismus umfaßt. (Auf diese Begriffe soll hier nicht weiter eingegangen werden, siehe BDSM.)
Ein Kink ist demgegenüber ein weiter gefaßter Begriff, der zusätzliche, vom Denken, Fühlen, Handeln und Gewohnheiten der Bevölkerungsmehrheit abweichende Aspekte abdeckt, etwa Fetischismus. Wenngleich, um bei dem Beispiel zu bleiben, Fetischismus in aller Regel eng beim Erlebnisfeld von BDSM angesiedelt ist, sind dort seltener Risikoerwägungen zu führen oder Aspekte der Einvernehmlichkeit zu berücksichtigen.
Insoweit mag hier im Hinblick auf die RACK-Thematik also „BDSM“ als Übersetzung von "Kink" herhalten.
Grundlagen von RACK
SSC kann zunächst als lange gepflegte und etablierte universelle Konstitution sadomsaochistischer Praktiken betrachtet werden, es dient als Modell und Basis für die Ausübung sadomasochistischer Praktiken und die Abgrenzung von strafrechtlich relevanter Gewalt. Daß SSC auch in der Erweiterung SSCF (mit F für „Fun“, um zu dokumentieren, daß neben den drei anderen Aspekten auch der Spaß nicht zu kurz kommen sollte) aber auch zu kurz greifen kann und einer Erweiterung bedarf, manifestiert sich an folgenden Widersprüchen:
- Warum sollte etwas verwerflich sein, was einem Anspruch an Sicherheit zwar nicht genügt, sich die Spielpartner aber einig sind und sich darauf freuen, es trotzdem zu praktizieren?
- Warum sollte etwas verwerflich sein, was einem Anspruch an Vernunft zwar nicht genügt, wenn sich die Spielpartner aber einig sind und sich darauf freuen, es trotzdem zu praktizieren?
- Wenn von solchen Ansprüchen an Sicherheit und Vernunft ausgegangen werden soll, wer definiert diese, wo doch die Beurteilung dieser Kriterien in erheblichem Maße subjektiv ist?
Die Auflösung der Widersprüche liegt darin, daß als Basis sadomasochistischer Handlungen und greif- und benennbare Abgrenzung zu juristisch relevanter Körperverletzung und sexuellen Straftaten nur die Einvernehmlichkeit als Paradigma bleibt - und ausreicht. Die schwammigen Definitionen safe (sicher) und sane (vernünftig) werden diesem Prinzip untergeordnet. Hieraus folgt, daß RACK-Spiele zunächst also weniger vernünftig und gefährlicher zu sein scheinen.
Ja. Das mag so sein.
Wichtig ist die Erkenntnis, daß jede Praktik, jedes Spiel Risiken beinhaltet, physische und psychische. Die Risiken sind von jedem einzelnen der am Spiel beteiligten, von den eingesetzten Praktiken und vom Spielkontext selber, von äußeren Einflüssen und zahlreichen weiteren Faktoren abhängig, die unmöglich immer berücksichtigt, bedacht und abgesichert werden können - auch „SSC-Spiele“ können einen unerwarteten Verlauf nehmen, vor dem man sich nicht schützen kann, der nicht absehbar ist. Es gibt immer zuviele Faktoren, die ein Spiel in eine riskante Richtung beeinflussen oder kippen lassen können. Alle Faktoren dieser Art sind nicht ausschließbar mit der Folge: Risiko besteht immer!
Darauf basiert die Weiterentwicklung zu RACK: Das Bewußtsein um unwägbare oder auch konkrete Risiken ist vorhanden, und die Beteiligten gehen diese Risiken bewußt und einvernehmlich ein.
Abschließend sei gesagt, SSC ist keineswegs ein „schlechtes“ Modell als Basis für BDSM-Spiele, es wird nur Teilen der Lebenswirklichkeit nicht gerecht, denen das Modell RACK dann eine breitere und offenere Basis bietet.
Weblinks
- [http://datenschlag.org/papiertiger/lexikon/risikobewusster_konsensueller_sm.html Deutsche Beschreibung]
- [http://www.vancouverleather.com/bdsm/ssc_rack.html RACK vs. SSC by Gary Switch]
Kategorie:BDSM
Kategorie:Sexualverhalten
SafewordDas Safeword ist ein bei den sexuellen Praktiken im Bereich des BDSM verwendetes Signalwort, mit dem der empfangende Partner zeigen kann, dass er die Handlung nicht fortsetzen möchte. Im Rahmen einvernehmlich gelebter Sexualpraktiken gilt ein ausgesprochenes Safeword (auch aus rechtlichen Gründen) als unbedingte Verpflichtung zum sofortigen Aufhören.
Als Safewords werden üblicherweise Begriffe verwendet, die in der teilweise ritualisierten Interaktion fremd und auffällig wirken, um ein verlässlicheres "Stopp"-Signal abzugeben. Sehr weit verbreitet ist Mayday als Safeword. Ursprünglich stammt dies wohl von dem französischen "M'aidez!" (deutsch: "Helft Mir!"). Als nonverbaler Abbruchcode wird oft ein dreimaliges (notfalls wiederholtes) Klopfen vereinbart, wie es auch bei diversen Kampfsportarten üblich ist.
Es gibt auch Sicherheitscodes, mit denen dem aktiven Partner signalisiert werden kann, dass er nicht abbrechen, aber die Intensität der Handlung verringern soll. Üblich sind als solche Slowwords zum Beispiel Worte wie Gelb oder Rot. Darüber hinaus gibt es auch Okaycodes, deren Ausbleiben zu einem sofortigen Abbruch des Spiels führen würden. Beispiele hierfür können unter anderem direkter Augenkontakt oder das Verschränken der Arme hinter dem Kopf sein.
Siehe auch
- SSC (BDSM)
- BDSM
- Sexualmoral
Weblinks
- [http://www.datenschlag.org/txt/safco.html Einführung] in die Verwendung von Sicherheitscodes bei Datenschlag.
Kategorie:BDSM
Kategorie:Sexualverhalten
Bondage
Der englische Begriff Bondage [] bezeichnet Praktiken der Fesselung in sexuellem Kontext zur Erregung und Steigerung sexueller Lust. Bondage ist ein sehr beliebter Aspekt aus dem großen Variationsbereich von BDSM.
Studien in den USA kamen zum Ergebnis, dass etwa die Hälfte aller Männer und viele Frauen Bondagespiele für erotisch halten. Wie bei vielen Studien über menschliches Sexualverhalten und sexuelle Phantasien sind die verfügbaren Untersuchungen allerdings nicht zuverlässig wissenschaftlich fundiert und die besten Untersuchungen völlig veraltet.
Sicherheit
Um Gesundheitsschäden auszuschließen, müssen bei allen Bondage-Aktionen Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. BDSM-Ratgeber empfehlen, die persönlichen Grenzen abzusprechen und ein Codewort oder Codezeichen für Notfälle zu vereinbaren, bei dem das Spiel sofort abgebrochen werden muss. Im Sprachgebrauch der BDSM-Szene hat sich hierfür der Leitsatz „Safe, Sane, Consensual“ (SSC) etabliert (siehe auch BDSM für unterschiedliche Sicherheitsmaßnahmen).
Eine wesentliche Bedingung für Bondagespiele ist das volle Vertrauen aller Beteiligten zueinander. Da die gefesselte Person dem Spielpartner hilflos ausgeliefert ist, muss sie sich uneingeschränkt auf die vereinbarten Grenzen und auf die Gültigkeit des Codewortes verlassen können.
Viele in Bondagefotos und -videos dargestellte, besonders eindrucksvolle Szenen wurden von Experten inszeniert und gespielt und sollten nicht einfach nachgeahmt werden.
Bondage ist eine Kunst, es gibt eine große Vielfalt verschiedenene Arten, Materialien, Knoten und Fesseltechniken.
Bei Fesselung an den Handgelenken ist die Gefahr gegeben, dauerhaft einen tauben Daumen zu bekommen.
Techniken
tauben Daumen
Bondage-Techniken unterteilen sich in vier Hauptkategorien:
- das Zusammenbinden von Körperteilen (beispielsweise mit Handschellen, Fesseln oder Seilen),
- das Spreizen von Körperteilen (zum Beispiel durch Spreizstangen),
- das Festbinden an andere Gegenstände (beispielsweise Stühle, Tische, Andreaskreuz) und
- die Hänge-Bondage (Suspension (BDSM)).
Je nach Vorliebe der Spielpartner kommen dabei Metallfesseln (Handschellen, Fußschellen, Daumenschellen, Ketten), Lederfesseln (in Form von abschließbaren Manschetten), Klebeband (Tape), Seile oder (Seiden-)Tücher zum Einsatz. Im Grenzbereich zwischen Bondage und Fetisch können auch spezielle "Kleidungsstücke" wie Zwangsjacke, Fesselrock, Bodybag o.ä. verwendet werden. Um den passiven Partner in der verbalen Kommunikation einzuschränken bzw. um zu laute Geräusche zu vermeiden, werden manchmal auch Knebel verwendet. Beliebt sind Ball-, Ring- und Penisknebel in verschiedenen Größen und Farben, aber auch Klebeband, (Seiden-)Tücher (s. Seidentuch) und aufblasbare Ballonknebel.
Faustregel: je länger die Fesselung andauern soll, desto breiter und "elastischer" sollte die Fessel sein um nicht schmerzhaft ins Fleisch einzuschneiden.
Selfbondage
Selfbondage oder Selbstfesselung ist eine Art der Bondage, bei der eine Person sich selbst fesselt, um daraus eine (häufig sexuelle) Befriedigung zu erhalten.
Unter Sicherheitsaspekten ist Selfbondage problematisch und hoch gefährlich. Eine Fesselung, die man im Notfall (Kreislaufprobleme, Feuer usw.) nicht schnell genug alleine aufbekommt, kann zum Tode führen.
Motive
Es gibt viele Gründe, warum Menschen sich fesseln lassen. In der weitgehend körperlichen Passivität fühlen sich manche Menschen umarmt und geborgen, frei im Geist und können sich dabei auf ihr Inneres konzentrieren. In den Fesseln kommen sie zur Ruhe. Andere Menschen fühlen eine Hilflosigkeit, Ohnmacht, kämpfen gegen die Fesseln an und empfinden teilweise auch ein masochistisches Vergnügen an den Begrenzungen und Schmerzen oder der symbolischen Herabsetzung.
Die Gründe für den aktiven Menschen, seinen Partner zu fesseln, liegen meist im Vergnügen an der erotischen Unterordnung seines Partners (sowohl von männlich zu weiblich wie auch umgekehrt) und dem dabei entstehenden Machtgefälle.
Für den Sadomasochisten ist Bondage hingegen meist nur Mittel zum Zweck, um die gefesselte Person für darauf folgende SM-Praktiken gesichert zu wissen.
Bondage kann, in bestimmten Fällen, auch ein wirksames Mittel gegen vorzeitige Ejakulation sein, da durch die Wahl des richtigen Szenarios der Erfolgsdruck, und damit auch die Versagensangst, stark reduziert wird.
Siehe auch
- Fesselung
- Sexualität
- Sadomasochismus, Sadismus und Masochismus
- Shibari
- Hojojutsu
- Knoten
Literatur
- Midori: The Seductive Art of Japanese Bondage, Greenery Press. ISBN 1890159387
- Jay Wiseman: Erotic Bondage Handbook, Greenery Press. ISBN 1890159131
- Matthias T.J. Grimme: Das Bondage-Handbuch, Black Label, ISBN 3931406164
- Tom Schmitt: Bondage, Männerschwarmskript, ISBN 3935596073
Weblinks
- http://www.datenschlag.org/papiertiger/lexikon/bondage.html
- http://www.ds-arts.com/RopeArt/History.html
- http://www.cosmopolitan.de/sexliebe/dieschuledererotik/fesselkunst.html
Kategorie:Sexualpraktik
Kategorie:BDSM
ja:ボンデージ
Knebel (Gegenstand)
Ein Knebel ist ein Gegenstand, der jemanden in den Mund gesteckt wird, um ihn am Reden und Schreien zu hindern. Es gibt viele verschiedene Typen an Knebeln, unter anderem Ball-, Ring-, Penis- und Pumpknebel. Daneben finden auch Stoff, Klebeband und andere Materialien Anwendung als Knebel.
Während der Sklavenzeit wurde Sklaven ein Knopf auf die Unterlippe genäht, der es in Verbindung mit einem Schnitt in der Oberlippe erlaubte, den Mund zu verschließen. Dies diente dazu, dem Sklaven das Nichtvorhandensein eines Mitspracherechtes aufzuzeigen, falls dieser seinen Besitzer beleidigte. Als britische Lords diese Methode als zu barbarisch bezeichneten, wurde ein Vorläufer des Ballknebels erfunden: Man steckte dem Sklaven eine Kugel in den Mund und verschloss diesen mit einem Tuch, um ein Herausdrücken der Kugel zu verhindern.
Auch die Kirche benutzte Knebel für ähnliche Zwecke: Sie knebelte Opfer vor der Verbrennung auf dem Scheiterhaufen, um das Autodafé nicht durch Schreie zu stören. Allerdings gab es auch Varianten des Knebels, die nicht ausschließlich zum Schweigen der Person, sondern manchmal zur Tötung des Trägers dienten. Die im Mittelalter beheimatete Maske des Hungers wurde dem Träger angezogen, bevor er (manchmal tagelang) an einen Pfahl gebunden wurde. Die Öffnung für den Mund konnte bei vielen Modellen verschlossen werden, was ein Ersticken des Trägers bewirkte.
Noch im 19. Jahrhundert wurden Knebel in der Psychiatrie verwendet; bekanntestes Beispiel hierfür ist die "Autenrieth'sche Maske", benannt nach Ihrem Erfinder, dem Psychiater Dr. Johann Heinrich Ferdinand Autenrieth.
Laut amnesty international sollen weiterhin auch Polizeibeamten sowohl in Deutschland ([http://www2.amnesty.de/__C1256A380047FD78.nsf/0/FF57849FA46C7720C1256B3C00332811?Open]) als auch in Österreich ([http://www2.amnesty.de/__C1256A380047FD78.nsf/0/8A563C88D0A10D37C1256AA00045D3B6?Open]) besonders bei Abschiebungen Knebel aus Klebeband benutzen, um die Abgeschobenen im Flugzeug ruhig zu halten, was in mehreren Fällen bereits zu Todesfällen geführt haben soll. Auch in Vietnam sollen noch im Jahr 2000 bei Erschießungen Zitronen als Knebel verwendet worden sein ([http://www2.amnesty.de/__C1256A380047FD78.nsf/0/47BB6C2EBD099A96C1256AA00045D54F?Open]).
Auch bei Sexualpraktiken im Bereich von BDSM wird heute ein Knebel angewendet, um den im Spiel unterlegenen Partner am Reden und Schreien zu hindern.
Kategorie:BDSM
Kategorie:Psychiatrie
Kategorie:Folter
Spanking-FetischismusDer Begriff Spanking-Fetischismus (engl. spank: der Klaps, to spank: verhauen) bezeichnet eine Form des sexuellen Fetischismus, bei der Spankings (d.h. Körperstrafen auf das Gesäß) als erotisch empfunden werden. Ein gleichbedeutender Neologismus ist Spankophilie (englisch spankophilia). Spanking-Fetischisten bezeichnen sich selbst oft als spankophiles oder kurz "Spankos".
Während erotisches Spanking von sehr vielen Menschen als Teil des sexuellen Vorspiels als anregend empfunden und geschätzt werden, kreist bei Spanking-Fetischisten die gesamte sexuelle Phantasie um das Thema Spanking. Spanking-Fetischismus tritt bei Männern und Frauen, sowohl bei Heterosexuellen als auch bei Bi- und Homosexuellen auf.
Dem englischen Sprachgebrauch folgend, wird beim Spanking geschlechtsneutral die aktive (züchtigende) Person als "Spanker" und die passive (gezüchtigte) Person als "Spankee" bezeichnet. Dies entspricht etwa den Bezeichnungen "Top" und "Bottom" bzw. "Dom" und "Sub" im BDSM. Eine Person, die beide Rollen gerne spielt, wird auch "Switch" genannt.
Zu den sexuellen Praktiken gehören Spanking-Rollenspiele (oft mit Ageplay verbunden, um z.B. eine Eltern-Kind- oder Lehrer-Schüler-Szene nachzuspielen). Daneben erfreuen sich Spanking-Geschichten und entsprechendes Bildmaterial bei "Spankos" großer Beliebtheit.
Es ist umstritten, ob Spanking-Fetischismus eine Untergruppe des BDSM (insbesondere des Sadomasochismus) oder eine eigene Paraphilie darstellt. Da der Begriff "BDSM" aber meist sehr weit gefasst wird, können sich in der Regel auch die meisten Spanking-Fetischisten damit identifizieren.
Vermutlich ist der Spanking-Fetischismus so alt wie die Menschheit. Bekannt wurde er durch die Autobiographie des schweizerisch-französischen Philosophen Jean-Jacques Rousseau (1712-1778). Auch der englische Dichter Algernon Swinburne (1837-1909) zählte dazu. Dennoch blieb die weite Verbreitung des Spanking-Fetischismus bis zum Aufkommen des Internets weitgehend unbekannt. Im Usenet gibt es eine englischsprachige Newsgroup soc.sexuality.spanking (früher alt.sex.spanking), die sich mit dem Themenkreis erotisches Spanking und Spanking-Fetischismus befasst.
Mögliche Ursachen
Es ist umstritten, ob Spanking-Fetischismus durch entsprechende Körperstrafen in der Kindheit ausgelöst wird - diese Theorie gilt traditionell als naheliegende Erklärung - oder ob er wie viele andere Paraphilien vermutlich angeboren, zumindest aber nicht auf so einfache Weise erklärbar ist.
Für die Theorie sprechen folgende Punkte:
# Sie entspricht dem klassischen Erklärungsmodell Sigmund Freuds, dem zufolge fast alle Paraphilien ihre Wurzeln in der Kindheit haben. Der Theorie nach verarbeitet das Kind seinen traumatischen Schmerz und die erfahrene Demütigung, indem es diese "erotisiert".
# Das Gesäß gilt als erogene Zone. Die Darbietung dieses Körperteils, seine Entblößung und seine taktile Reizung durch Schläge können daher bereits in der Kindheit sexuelle Reaktionen hervorrufen.
# Körperlicher Schmerz kann eine Endorphinausschüttung hervorrufen. Durch diese Ausschüttungen wird möglicherweise die Empfindung von Schmerz und Lust miteinander verbunden.
Gegen die Theorie sprechen folgende Punkte:
# Ein nicht vernachlässigbarer Teil der Spanking-Fetischisten hat nach eigener Aussage in seiner Kindheit keine Spankings erfahren und wurde auch nicht Zeuge von Spankings. Es gibt keine Studie, der zufolge Spanking-Fetischisten als Kinder in irgendeiner Weise mehr mit Spanking in Berührung kamen als Menschen ohne Spanking-Fetisch. Spankings in der Kindheit als kausale Ursache scheiden somit aus.
# Andere Formen des Fetischismus (z.B. Fuß-, Gummi- oder Schuhfetischismus) lassen sich auch nicht plausibel auf (traumatische) Kindheitserlebnisse zurückführen. Der Fetischismus scheint vielmehr am individuellen Empfinden der Natur des Gegenstandes selbst zu liegen und besteht von Geburt an.
# Wenn Spanking-Fetischismus durch Spankings verursacht würde, müsste es in den vergangenen Jahrhunderten wesentlich mehr Spanking-Fetischisten gegeben haben als heute, da die Menschen als Kinder damals wesentlich mehr Spankings erfuhren. Das Gegenteil scheint jedoch der Fall zu sein.
Es gibt daneben auch andere Erklärungstheorien, z.B.:
# Paraphilien sind nicht erworben, sondern angeboren und stellen "Launen der Natur" dar, so ähnlich wie ein Mensch von Geburt an bestimmte Speisen, Farben oder Gerüche mag oder nicht mag. Genetische Faktoren können hierbei eine Rolle spielen oder auch nicht.
# Nach dem Glaubenssystem der Reinkarnation können "frühere Leben" einen Einfluss auf "spätere Leben" haben. In einem "früheren Leben" erfahrene traumatische Körperstrafen können somit unter Umständen eine mögliche Ursache für einen sexuellen Fetisch in dieser Richtung sein.
# Sexuelle Fetische entstehen möglicherweise in der Kindheit durch die Verarbeitung einer Angst, nicht eines tatsächlichen traumatischen Erlebnisses. Ballonfetischisten berichten zum Beispiel häufig, dass sie als kleine Kinder Angst vor Luftballonen hatten.
Siehe auch
- Flagellantismus
- Dippoldismus
Spanking-Magazine
Die meisten Magazine für Spanking-Interessierte sind in englischer Sprache und stammen aus den USA und Großbritannien. Im deutschsprachigen Raum gibt es:
- [http://www.lena-k.de/dbs.html Der gelbe Onkel] (Magazin für "Flagfreunde")
- [http://www.ff.to/ freies forum für erziehungsfragen] (Magazin für "Freunde des Flagellantismus")
Weblinks
- [http://www.sssnewsgroup.com/ Soc.sexuality.spanking FAQ] (englisch)
- [http://www.rohrstockhiebe.de/Mitgliederliste.htm Kontaktliste deutscher "Rohrstockfreunde"]
- [http://www.spankingfreunde.de/ Spankingfreunde.de] - Forum und Chat für deutschsprachige Spankingfreunde
Kategorie:BDSM
KörperstrafeEine Körperstrafe ist eine Strafe, die körperlich erfahrbar ist und meist als Schläge mit der Hand oder einem Gegenstand verabreicht wird; dies wird dann auch als körperliche Züchtigung oder Prügelstrafe bezeichnet. Es gibt jedoch auch Körperstrafen, die zwar unangenehm oder schmerzhaft sind, aber keine "Züchtigung" darstellen, da sie nicht in Form von Schlägen erteilt werden, z. B. das Ziehen am Ohr.
Körperstrafen werden als juristische Rechtsfolge und in der Kindererziehung angewendet. Anwendung und gesetzliche Zulässigkeit - sowohl im pädagogischen wie auch juristischen Bereich - haben sich im Lauf der Zeit stark gewandelt und haben immer eine starke Abhängigkeit von den jeweils herrschenden Normen gezeigt. Zu den heute allgemein gesetzlich unzulässigen Körperstrafen gehören alle Formen, die unter den Begriff der Folter fallen.
In Deutschland ist die Körperstrafe verboten. Erst 2000 wurde durch eine Gesetzesänderung das elterliche Züchtigungsrecht abgeschafft.
Juristische Körperstrafen
Züchtigungsrecht
Als juristische Strafen wurden Körperstrafen im Abendland meist in der Form einer Auspeitschung (meist mit einer Peitsche oder Birkenrute) oder in Form von Stockhieben erteilt. Die Schläge erfolgten üblicherweise auf den Rücken oder auf das Gesäß des Delinquenten. Im Nahen Osten waren auch Stockhiebe auf die Fußsohlen (Bastinado) üblich. Insbesondere in Militär und Seefahrt wurden bis ins 19. Jahrhundert schwere Körperstrafen wie das Spießrutenlaufen oder das Stäupen angewendet.
Heute werden juristische Körperstrafen in vielen Ländern der Welt als barbarisch angesehen und sind daher abgeschafft -- auch in solchen Ländern, die die Todesstrafe beibehalten haben --, in anderen Ländern (v.a. in Afrika, im Nahen Osten und in Asien) sind sie jedoch noch gesetzlich vorgesehen. In Malaysia und Singapur erhalten z.B. Gewaltverbrecher wie Vergewaltiger zusätzlich zur Freiheitsstrafe eine Körperstrafe, die unter streng kontrollierten Bedingungen und medizinischer Aufsicht mit einem Rohrstock aus Rattan auf das Gesäß des verurteilten Täters erteilt wird.
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 verbietet neben jeder Art der Folter auch "grausame, ungewöhnliche und erniedrigende Strafen".
Nach einem Bericht von Amnesty International wurden im Jahr 2001 in folgenden Staaten juristische Körperstrafen durchgeführt: Afghanistan, Belize, Brunei, Iran, Malaysia, Nigeria, Saudi Arabien, Singapur, Sudan, Vereinigte Arabische Emirate.
Körperstrafen in der Kindererziehung
Vereinigte Arabische Emirate
Als Strafmethode in der Kindererziehung waren Körperstrafen in abgemilderter Form das wohl beliebteste Erziehungsmittel bis etwa zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Diese Körperstrafen wurden in der Regel mit der flachen Hand, einem dünnen Rohrstock oder einem Lineal auf den Po, im Schulmilieu oft auch auf die ausgestreckte Hand des Kindes gegeben (sogenannte "Tatzen"). Andere häufig gebrauchte Körperstrafen waren die Ohrfeige, die Kopfnuss, das Ziehen an den Haaren oder Ohren, oder das Knienlassen des Kindes auf einem dreikantigen Holzscheit.
Im US-Englischen wird die Züchtigung auf das Gesäß "Spanking" genannt (im Deutschen gibt es hierfür keinen wirklich passenden Begriff, üblich ist in einigen Regionen der Ausdruck "Den Hintern versohlen"). Im Gegensatz zu Nord-, Mittel- und Südamerika, Afrika, Asien und Ozeanien, spielt "Spanking" in der Kindererziehung in Europa und insbesondere im deutschsprachigen Raum heute jedoch kaum noch eine Rolle. In Deutschland sind alle Körperstrafen in der Kindererziehung seit dem Jahr 2000 gesetzlich verboten (mehr dazu siehe unten).
Geschichte
Von manchen Naturvölkern ist uns die Praxis der Körperstrafe übermittelt, von anderen dagegen nicht. Dagegen wird in nahezu allen höher entwickelten antiken Gesellschaften die körperliche Züchtigung als Strafe erwähnt, z.B. an den Schulen der Sumerer, im antiken Indien oder im Kaiserreich China. Eine erste theoretische Rechtfertigung für die Praxis der Körperstrafe findet man bei den Hebräern im Alten Testament. Hier wird die Züchtigung nicht nur gerechtfertigt, sondern sogar immer wieder empfohlen, vor allem im Buch Sprüche Salomos.
Beispiele (Einheitsübersetzung):
- Wen der Herr liebt, den züchtigt er, / wie ein Vater seinen Sohn, den er gern hat. (Spr 3,12)
- Wer die Rute spart, hasst seinen Sohn, / wer ihn liebt, nimmt ihn früh zur Zucht. (Spr 13,24)
- Für die Zuchtlosen stehen Ruten bereit / und Schläge für den Rücken des Toren. (Spr 19,29)
- Steckt Torheit im Herzen des Knaben, / die Rute der Zucht vertreibt sie daraus. (Spr 22,15)
- Erspar dem Knaben die Züchtigung nicht; / wenn du ihn schlägst mit dem Stock, wird er nicht sterben. (Spr 23,13)
Auch im antiken Athen waren Züchtigungen an der Tagesordnung, wenngleich sich erstmalig Plato an einer Stelle bereits für eine gewaltfreie Erziehung aussprach. Aristoteles rät, ein unfolgsames Kind solle "entehrt und geschlagen werden" (Politik, VII, 17).
Verglichen zum vergleichsweise moderaten Athen spielte die körperliche Züchtigung in der strengen Gesellschaft der Spartaner eine ganz besonders große Rolle. Harte und häufige Schläge sollten hier nicht nur Gehorsam erwirken, sondern Seele, Geist und Körper abhärten. Plutarch berichtet von grausamsten Auspeitschungen für geringste Vergehen.
Von den Römern sind vor allem die Körperstrafen an den Schulen übermittelt. Die Schläge erfolgten dort mit besonderen Züchtigungsinstrumenten: der scutia, einem Lederriemen, der ferula, einer Rute, dem flagellum, einer Peitsche mit Knotenschnüren, und der virga, einer Birkenrute. Vereinzelte römische Autoren sprechen sich dafür aus, die Züchtigung auf Sklaven zu beschränken, da sie für Bürgerskinder zu entehrend sei.
Obwohl Jesus Christus die "unmündigen Kinder" teilweise als Vorbild betrachtete ("...wer die Liebe Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird sie niemals erfahren...", "...werdet wie die Kinder...") setzte sich eine sanftere Pädagogik in den christianisierten Ländern zunächst nicht durch.
Die westeuropäischen Gesellschaften des Mittelalters übernahmen die Züchtigungsmethoden von den Römern und aus ihrer eigenen Tradition, nicht nur in der Kindererziehung, sondern auch zur Bestrafung Erwachsener, wie beispielsweise das Stäupen am Pranger. Christentum und germanische Tradition lieferten die Rechtfertigung für die berüchtigt harten Strafen des Mittelalters in allen Lebensbereichen (andererseits wurde auch die vergleichsweise milde Strafpraxis im Byzantinischen Reich mit dem Christentum begründet). In dieser Zeit entstand - basierend auf biblischen Ratschlägen - das Sprichwort "Spare die Rute und verdirb das Kind". Besonders harte Erziehungsmittel sind aus den Klosterschulen überliefert, wo die Kinder als Novizen oft für den kleinsten Fehler "bis aufs Blut gegeißelt" wurden.
Die Erziehungsmethode der Strafe für Vergehen wurde zunehmend durch eine ausgewogener erscheinende Kombination aus Strafe und Belohnung abgelöst, wie sie die drastische Redewendung "Peitsche und Zuckerbrot" umschreibt. Noch Martin Luther (1483-1546) empfiehlt, bei der Kindererziehung "neben den Apfel eine Rute zu legen", und dies war nicht nur metaphorisch gemeint.
Aus dieser Zeit stammt auch der weitverbreitete Ausspruch "An der Rute sparen rächt sich noch nach Jahren."
Das Zeitalter der Aufklärung brachte noch keine wesentliche Änderung bei den Erziehungsmethoden. Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827) revolutionierte zwar als erster entscheidend die Pädagogik, aber erst im 19. Jahrhunderts wurden einzelne Stimmen laut, die den völligen Verzicht auf Körperstrafen in der Kindererziehung forderten. Dennoch galten noch die Eltern des beginnenden 20. Jahrhunderts als besonders züchtigungsfreudig, insbesondere mit dem Rohrstock. Die pädagogische Trendwende setzte erst ab den 1960er Jahren ein, ging dann aber - zumindest in Europa - sehr schnell und radikal vonstatten. Seit den 1970er Jahren gilt die Körperstrafe in Europa in weiten Gesellschaftskreisen, insbesondere in den Medien, als barbarisches Relikt vergangener Zeiten und wird mit Kindesmisshandlung gleichgesetzt. Die sogenannte "Prügelstrafe" im Schulbetrieb wurde nach den Erfahrungen des Dritten Reichs in Deutschland abgeschafft, kam aber in den 50er Jahren teilweise wieder auf. Zumindest in weiten Teilen Europas sind Körperstrafen wie etwa die Prügelstrafe, die Geißelung oder die Auspeitschung diskreditiert und per Gesetz verboten. Seit 2002 haben beispielsweise in Deutschland die Kinder ein Anrecht auf gewaltfreie Erziehung, das heißt, auch Demütigungen sind verboten.
Situation heute
Heute verwenden in den westlichen Ländern viele den Begriff Schwarze Pädagogik, wenn sie negativ von den Erziehungsmethoden früherer Elterngenerationen sprechen. Aber auch heute noch sind in den meisten Ländern der Welt Körperstrafen als Erziehungsmittel (soweit sie maßvoll und angemessen sind, also keine Misshandlung darstellen) legal und können dort vor allem von den Eltern, jedoch auch - im Rahmen festgeschriebener Gesetze - von Lehrern oder anderen Erziehungsverantwortlichen erteilt werden. So gibt es z. B. in einem Drittel der Staaten der USA noch immer Körperstrafen an den Schulen. Diese werden in der Regel mit einem speziellen Holzpaddel (Paddle) oder auch mit einem Lederriemen auf das bekleidete oder, jedoch nur in seltenen Fällen, entblößte Gesäß des Schülers gegeben ("paddling"/"lashing").
In den meisten Staaten Europas hat sich seit etwa dem Ende des Zweiten Weltkriegs, vor allem in den 1960er/1970er Jahren und gestützt durch neue psychologische Erkenntnisse, die neue öffentliche Meinung durchgesetzt, dass Körperstrafen schädlich für die Entwicklung des Kindes sind und nicht mehr angewendet werden sollen. In der DDR wurden Körperstrafen an den Schulen 1949 abgeschafft, 1973 auch in der Bundesrepublik Deutschland. (Jedoch erklärte noch 1979 das Bayerische Oberste Landesgericht, dass "im Gebiet des Freistaates Bayern ... ein gewohnheitsrechtliches Züchtigungsrecht" besteht.)
In Schweden wurden 1979 Körperstrafen als Erziehungsmittel grundsätzlich illegalisiert, ebenso seither in mehreren anderen (v. a. europäischen) Staaten, die dem Beispiel Schwedens folgten. In Deutschland sind körperliche Bestrafungen (neben seelischen Verletzungen und anderen entwürdigenden Maßnahmen) mit Änderung des § 1631 Abs. 2 BGB seit 6. November 2000 ebenfalls verboten. Damit wurde das bis dahin bestehende elterliche Züchtigungsrecht aufgehoben. Körperliche oder seelische Misshandlungen von Kindern in der Erziehung hingegen sind in Deutschland bereits seit 1998 verboten. Die Bundesfamilienministerin von 1994 bis 1998, Claudia Nolte (CDU), wollte noch an der mit Gewalt verbundenen Erziehung festhalten[http://regenbogen.kraetzae.de/ausgaben/23/parteienvergleich], obwohl spätestens mit dem Werk Am Anfang war Erziehung (1980) von Alice Miller die schweren Schäden bei Kindern durch körperliche Gewalt nachgewiesen sind - auch bei einem angeblich "harmlosen Klaps" [http://www.alice-miller.com/sujet/tracdt3.htm].
Körperstrafen im BDSM
Einvernehmliche Körperstrafen finden als Sexualpraktik eine breite Anwendung im BDSM, wobei der Partner, der die Körperstrafe erteilt, Top genannt wird und der Partner, der sie empfängt, Bottom. Dabei werden sämtliche vorstellbaren Züchtigungsinstrumente verwendet, von Peitschen über Reitgerten und Rohrstöcken bis hin zu Ruten und "Paddles"; sie werden im Jargon der Subkultur Spielzeuge (toys) genannt. Neben Schlägen kommen gelegentlich auch andere Körperstrafen wie z. B. Figging zum Einsatz.
Weblinks
- [http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/bgb/__1631.html § 1631 BGB]
Kategorie:Pädagogik
Kategorie:SanktionenrechtKategorie:Strafe
ja:体罰
ko:체벌
TätowierungEine Tätowierung (veraltet: Tatauierung) ist ein Bild oder auch Text, das bzw. der mit Tinte oder anderen Farbpigmenten in die Haut eingebracht wird. Heute wird die Farbe in der Regel mit Hilfe einer Tätowiermaschine durch eine oder mehrere Nadeln (je nach gewünschtem Effekt) unter die oberste Hautschicht gestochen und dabei Bild oder Text gezeichnet.
Etymologie
Auch wenn die Etymologie eher unklar ist, so kann davon ausgegangen werden, dass das deutsche Wort Tätowieren bzw. das eingedeutschte Tattoo und seine Vorläufer ihren Ursprung vom Tahiti-Wort tatau haben. Dieses Wort hat sich vermutlich lautmalerisch aus dem Geräusch entwickelt, das beim Schlagen auf den in Polynesien traditionell benutzten Tätowierkamm entsteht. Ein nachvollziehbarer Grund dafür, warum sich dieser Begriff, zumindest im englischen Sprachraum, relativ schnell durchsetzen konnte, ist möglicherweise der Umstand, dass es ein exakt gleichlautendes Wort schon seit der Mitte des 17. Jahrhunderts in der englischen Militärsprache gab. Mit diesem Wort bezeichnet man bis heute den militärischen Zapfenstreich. Diese Vermutung wird dadurch bestärkt, dass in England, neben dem zunächst gebräuchlichen tattaw, der Begriff tattow verwendet wurde, der sich dann zu tattoo umbildete und bis heute ausschließlich benutzt wird. Berücksichtigt man nun weiterhin, dass es in England zunächst überwiegend Soldaten waren, die sich tätowieren ließen, erscheint die oben formulierte Erklärung durchaus schlüssig.
Im deutschen Sprachraum existierten lange Zeit die Begriffe Tatauieren und Tätowieren nebeneinander, bis sich schließlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Bezeichnung Tätowieren endgültig durchsetzte.
Ursprung und Entwicklung
Tahiti
Es kann davon ausgegangen werden, dass wahrscheinlich jede Ethnie der Erde zu irgendeinem Zeitpunkt seiner Entwicklung die Sitte des Tätowierens kannte und ausübte. Strittig ist hingegen, wo sich die Tätowierung schwerpunktmäßig entwickelt hat. Immer wieder wurde versucht, die Tätowierung vom Ursprung her einem bestimmten geographischen Gebiet zuzuordnen.
Die ältesten Belege für das Vorkommen von Tätowierungen stammen aus dem europäischen Raum. Dieser Umstand scheint die häufig anzutreffende These, dass die Sitte des Tätowierens ursprünglich aus dem südwestasiatischen Raum stammt, sich von dort über Ägypten nach Polynesien und Australien ausgebreitet hat und schließlich nach Nord- und Südamerika weitergetragen wurde, zu widerlegen. Entgegen einer Vielzahl von Theorien, die allesamt versuchen, den Ursprung der Tätowierung in einen bestimmten geographischen Raum zu pressen, kann anhand der vielfältigen und über den ganzen Erdball verstreuten Hinweise davon ausgegangen werden, dass sich die Sitte des Tätowierens bei den verschiedenen Völkern der Erde selbständig und unabhängig voneinander entwickelt hat.
In seiner rituellen Bedeutung ist es zumeist in Mikronesien, Polynesien, bei indigenen Bevölkerungen und z. B. auch den Ainu und den Yakuza (Japan) verbreitet.
Technik
Der Vorgang der Tätowierung besteht grundsätzlich in einer Punktierung der Haut, wobei gleichzeitig mit dem Durchstechen ein Farbstoff in die Haut eingebracht wird. Hierbei ist darauf zu achten, dass der Stich weder zu oberflächlich noch zu tief angebracht wird. Im ersten Fall würde der eingelagerte Farbstoff lediglich in die Zelllagen der Epidermis eingebracht werden. Dies hätte zur Folge, dass bei der fortwährenden Erneuerung dieser Hautschicht ein Abwachsen und eine Abstoßung der Farbteilchen nach außen gleichzeitig mit den Epidermiszelllagen erfolgen würde. Im zweiten Fall, wenn also der Stich zu tief in die Haut vorgenommen wird, kommt es durch die auftretenden Blutungen zu einem Auswaschen der Farben. Dauerhaft haltbar sind diejenigen Farbpigmente, die in der mittleren Hautschicht (Dermis) und zwar im Zelltyp der Fibroblasten eingelagert sind.
Die im Westen gebräuchlichste Methode ist das Arbeiten mit einer elektrischen Tätowiermaschine. Hier wird mit Hilfe zweier Spulen ein Feld erzeugt, das eine Anzahl feiner, an eine Stange gelöteter Nadeln schnell vor und zurück bewegt. Die Geschwindigkeit ist abhängig von der einzelnen Tätowiermaschine, der Technik und dem gewünschtem Effekt, z. B. Linien oder Schattierungen, liegt aber zwischen ca. 800 bis 3500 Bewegungen pro Minute. Die Tinte hält sich zwischen den Nadeln dank einer Kapillarwirkung und wird durch die Schnelligkeit der Bewegung ähnlich leicht in die Haut gebracht, wie beim Zeichnen mit einem Stift auf Papier. Im Gegensatz zum Papier wird die Haut aber mit der einen Hand unter Spannung gehalten, die andere Hand bringt das Bild an.
Neben dieser Technik des Tätowierens existieren noch viele weitere Möglichkeiten, dauerhafte Hautzeichnungen herzustellen. Zu nennen wäre hier beispielsweise das Einschneiden der Haut und ein Einreiben der Wunde mit Tinte, Asche oder sonstigen farbgebenden Stoffen oder das Tätowieren mit Nadel und Faden bei dem eine mit Faden umwickelte Nähnadel in Tinte getunkt und dann in die Haut gestochen wird. Zurück bleiben hierbei die typischen Knasttattoos, unter der Haut verlaufene Tintenkleckse formen die berühmten drei Punkte, Tränen, Namenszüge oder primitive Bildchen.
Es gibt und gab in der langen Geschichte der Tätowierung aber noch andere manuelle Tätowiertechniken. Bei den Völkern Polynesiens war eine Art Tätowierkamm gebräuchlich, der aus verschiedenen Pflanzenteilen oder Knochen hergestellt wurde und an einem langen Stab befestigt war. Die Spitzen des Kammes wurden durch rhythmisches Schlagen auf den Griff in die Haut getrieben, wo sie eine Tinte gemischt aus Wasser und Asche oder verbrannten Nüssen einbrachten. Diese Kämme gab es in unterschiedlichen Breiten, immer hinterließen sie aber Linien, niemals Punkte.
Die Irezumi genannten traditionellen japanischen Tätowierungen werden auch heute noch häufig manuell gefertigt, obwohl sich westliche Tätowiermaschinen auch in Japan großer Beliebtheit erfreuen. Hierzu dienen Nadeln, die, wie bei einem Pinsel, an langen Bambusgriffen befestigt sind. Diese Technik erfordert sehr viel Übung, erlaubt aber dem Meister der sie beherrscht, durch Variation in der Tiefe des Stiches seine Tätowierungen mit großer Präzision und Kontrolle herzustellen.
Die Inuit hingegen zogen mit Farbe getränkte Fäden oder Sehnen unter der Haut hindurch, um eine dauerhafte Zeichnung zu erhalten. Die wohl bekannteste Form der unfreiwilligen Tätowierung, die auf dem gleichen Prinzip beruht, ist die sogenannte "Schmutztätowierung". Ganze Generationen von Fußballern tragen zeitlebens Aschepartikel unter der Haut ihrer Kniee, die bei einem Sturz durch die Schürfwunde in die Haut gelangten.
Funktion und Bedeutung
Inuit
Insgesamt bietet sich ein breites Spektrum der unterschiedlichsten Funktionen und Bedeutungen der Tätowierung. Betrachtet man die in der relevanten Literatur beschriebenen Funktionen als Mitgliedszeichen, rituelles oder sakrales Symbol, Ausdrucksmöglichkeit für Abgrenzung (siehe auch Bourdieu) und Exklusivtät, Mittel zur Verstärkung sexueller Reize, Schmuck, Protest (Punk) und nicht zuletzt die der politischen Stellungnahme, so ergeben sich bei genauerem Hinsehen signifikante Übereinstimmungen dieser zunächst recht zusammenhangslos erscheinenden Bereiche.
Besonders deutlich tritt zutage, dass die Tätowierung bei all den beschriebenen Funktionen eine eminent wichtige Rolle bei der Regulierung des sozialen Miteinanders hat. Egal ob es sich hierbei um die Stärkung des Gruppenzusammenhangs, die lebens- und überlebensnotwendige Hervorhebung oder Abgrenzung von anderen Individuen oder die Artikulation von politischer Kritik handelt, wirkt die Tätowierung als Vermittler oder Katalysator zwischen verschiedenen Gruppen und/oder Individuen.
Auffällig ist, dass es sich bei den beschriebenen Bereichen grundsätzlich um Problemlagen oder Situationen handelt, die eine tiefe emotionale, häufig sogar existenzielle Bedeutung für das Individuum oder die Gruppe haben. Dieser Umstand beantwortet möglicherweise auch die Frage, warum die hier von der Tätowierung übernommenen Funktionen bis heute nicht durch andere, zeitgemäßere Interaktions- bzw. Kommunikationsmittel übernommen wurden. Kein anderes Medium bietet eine so tiefe physische und psychische Nähe zum Träger/Akteur wie die Tätowierung. So erscheint es nur konsequent, wenn sich die betroffenen Individuen ihrer – oberflächlich betrachtet entgegen aller Opportunität und Vernunft – bedienen. Handelt es sich bei den betreffenden Individuen ohnehin um Personen oder Gruppen, die kein ernsthaftes Interesse – oder keine Hoffnung – auf eine Veränderung der augenblicklichen Situation haben, wird die Wahl einer Tätowierung als adäquates Ausdrucksmittel um so nachvollziehbarer.
Als Fazit bleibt festzuhalten, dass der Tätowierung auch heute eine, wenn auch nur für eine begrenzte Anzahl von Individuen, wichtige Bedeutung innerhalb der Sozialbeziehungen zukommt. Diese Funktion kann sie nur deshalb erfüllen, weil sie immer sowohl einen intra- als auch einen interpersonellen Charakter hat.
Tattoos in Japan
Eine sehr lange Tradition haben Tätowierungen (jap. Irezumi) auch in Japan. Interessant ist dies besonders, da sich in letzter Zeit auch in westlichen Kulturen Tattoos im japanischen Stil wachsender Beliebtheit erfreuen. Die Anfänge der Tätowierung in Japan liegt vermutlich bei den Ainu, den Ureinwohnern. Später, zu Beginn der Edo-Periode (1603-1868), waren Tätowierungen unter anderem bei Prostituierten sehr beliebt, ebenso unter Arbeitern. Ab 1720 wurde die Tätowierung als eine Art Brandmarkung für Kriminelle eingesetzt, was dazu führte, dass "anständige" Japaner keine Tätowierungen mehr tragen konnten. Wer auf diese Weise gezeichnet war, konnte sich nicht mehr in die Gesellschaft eingliedern, was zur Bildung einer eigenen Schicht führte: den Yakuza. Unter der Mejiregierung wurde 1870 diese Praxis zwar abgeschafft, allerdings wurden auch die Tätowierungen komplett verboten, was erst 1948 wieder aufgehoben wurde.
Meji
Obwohl stilistisch sehr einheitlich, gibt es eine große Vielfalt an Motiven. Oft sind es mythologische Wurzeln, wie in Form von Drachen oder Dämonen, die häufig aus bestimmten Sagen stammen und somit eine ganze Geschichte erzählen. Oder es gibt Symbole wie Kirschblüten (Schönheit und Freude, aber auch Vergänglichkeit) und Kois (Erfolg, Stärke und Glück). Interessant sind die teilweise auftauchenden sehr blutigen und grausigen abgehackten Köpfe. Diese entwickelten sich, als gegen Ende des 19. Jahrhunderts Gruselgeschichten in Japan äußerst populär wurden; und besonders beeindruckende und schaurige Motive aus diesen Geschichten ließ man sich dann halt auf die Haut bannen.
Heutzutage gibt es in Japan viele weltweit bekannte Tätowierer, zum Beispiel Horiyoshi III, die ihr Können jeweils an ihre Schüler weiterreichen. Eine typisch japanische Eigenart ist es dabei, sich Zeit des Lebens nur von einem einzigen Künstler tätowieren zu lassen; oftmals entstehen daraus über Jahre hinweg großflächige Gemälde auf dem ganzen Körper. Aus der Geschichte der Tätowierungen heraus sind Tattoos allerdings noch immer eher stigmatisiert und deuten auf Verstrickungen ins kriminelle Milieu hin (siehe weiter oben). Sie sind noch immer ein wichtiger Bestandteil der "Yakuzakultur" (vor allem die den kompletten Torso einnehmenden so genannten "Bodysuits") und insgesamt deutlich weniger akzeptiert als im Westen. Aber ebenso wie im Westen werden Tattoos auch dort immer mehr von Jugendlichen aufgegriffen und dadurch einer breiteren Gesellschaftsschicht zugänglich.
Neueste Tendenzen
Tätowierungen hatten ursprünglich im Westen das Stigma des Matrosen oder Sträflings, erfreuen sich aber spätestens seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts wieder größerer Beliebtheit und sind vorwiegend Ausdruck einer Jugendkultur, die im Rahmen ihrer auf das äußere Erscheinungsbild gestützten Identitätsfindung auch mit Techniken wie dem Piercing, Branding auf archaische Praktiken vorzivilisatorischer Kulturen zurückgreift. Auch in die Welt der Kinder ist die Tätowierung mittlerweile vorgedrungen, wenn auch nur in Form von Klebebildern, die sich leicht wieder entfernen lassen, aber auch unter dem Begriff "Tattoo" firmieren. Analog dazu finden sich auch sogenannte Hennatattoos, die nicht in die Haut gestochen sondern aufgemalt werden. Dieser Stoff wird vom Körper nach einigen Wochen abgebaut und die Tätowierung verschwindet so spurlos. Diese Entwicklung zeigt ebenfalls die Annäherung des Tattoo an den Mainstream, ermöglicht sie doch eine Tätowierung gleichsam als Modeaccessoire. Auch das Phänomen des Biotattoos ist bekannt. Angeblich verschwindet diese Art der Tätowierung nach einigen Jahren von selbst wieder, weil nicht so tief gestochen wird. In Wirklichkeit geschieht dies aber nur in den seltensten Fällen, wenn überhaupt, da es quasi unmöglich ist, so genau zu arbeiten, dass weder zu flach gestochen wird (das Tattoo verschwindet schon während der Heilung) noch zu tief (das Tattoo bleibt). Mindestens Teile oder ein Schatten des Tattoos bleiben zumeist erhalten und verunzieren den Körper für immer – oder bis zur Laserbehandlung.
Filme
Folgende Filme behandeln das Thema:
- Tattoo (Thriller)
- Irezumi – Die tätowierte Frau (Drama)
- Memento (Thriller)
- Tea Tattoo (Kurzfilm mit Jan Josef Liefers)
- Modify (Dokumentarfilm)
Siehe auch
- Bodypainting und Piercing
- Tribalismus und Totemismus
- Bildfunktion
Literatur
- Marcel Feige: Tattoo- & Piercing-Lexikon – Kult und Kultur der Körperkunst. Berlin: Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2004. ISBN 3-89602-541-4
- Marcel Feige (Hrsg.): Ein Tattoo ist für immer. Berlin: Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2002. ISBN 3-89602-381-0
- Frank-Peter Finke: Tätowierungen in modernen Gesellschaften. Osnabrück: Rasch, 1996. ISBN 3-930595-45-1
- Gabriele Hofmann: Alles über Tattoos – Von der Motivwahl bis zur fertigen Tätowierung. Uhlstädt-Kirchhasel: Arun-Verlag, 2001. ISBN 3-935581-06-8
- Wolf-Peter Kächelen: Tatau und Tattoo – Eine Eipgrammatik der Identitätskonstruktion. Aachen: Shaker Verl., 2004. ISBN 3-8322-2574-9
- Jörg "Monte" Klein: MANA - Die Geheimnisse der marquesischen Tätowierung. House of the Poets, 2002. ISBN 3-9806883-7-2
- Stephan Oettermann: Zeichen auf der Haut – Die Geschichte der Tätowierung in Europa. Hamburg: Europäische Verlagsanstalt, 1995. ISBN 3-434-46221-X
- Dirk-Boris Rödel: Alles über japanische Tätowierungen – Von der japanischen Tätowierkunst der Edo-Zeit und ihre Entwicklung bis zur Gegenwart. Uhlstädt-Kirchhasel: Arun-Verlag, 2004. ISBN 3-935581-65-3
- Igor Warneck & Björn Ulbrich: Tribal Tattoo - The Tribe of the Tribals. Arun-Verlag, 2000. ISBN 3-927940-62-3
Weblinks
- [http://www.dot-ev.de/ Deutsche Organisierte Tätowierer e. V.] sowie [http://www.dot-ev.de/modules.php?name=Web_Links weiterleitende Links davon]
- [http://www.ueta.org/ United European Tattoo Artists] sowie [http://www.ueta.org/german/links.htm weiterleitende Links davon]
- [http://www.tattoo-spirit.de/tattoo-spirit.html Tattoo-Spirit] Website des Magazins mit Forum und Studioübersicht
-
Kategorie:Schmuck
Kategorie:Subkultur
Kategorie:Jugendkultur
Kategorie:Kultur (Japan)
Kategorie:Körperkunst
ja:入れ墨
CuckoldEin Cuckold ist ein Mann, dessen Partnerin einen Liebhaber hat, wobei dieses Verhältnis von dem Cuckold akzeptiert oder gar gewünscht wird. Einen Cuckold erregt es sexuell, wenn seine Partnerin Sex mit einem Dritten hat.
Es gibt verschieden Stufen des Cuckolds
Dabei ist es möglich, dass Partnerin und Liebhaber Sex ohne die Gegenwart und nur mit Kenntnis und Einverständnis des Cuckolds oder aber in dessen Gegenwart praktizieren. Eine Sexualpraktik in der BDSM-Szene ist, dass der Cuckold gefesselt ist und dass er deshalb keinen Körperkontakt mit der Partnerin und deren Liebhaber hat; der Cuckold erregt sich dann am Anblick der beiden Liebenden und masturbiert dabei mitunter. Oder der Cuckold ist aktiv beteiligt am Liebesspiel, trägt aber - im Unterschied zum Liebhaber - einen Keuschheitsgürtel, einen Peniskäfig oder eine Keuschheitsschelle; der Koitus mit der Frau bleibt dadurch allein dem Liebhaber vorbehalten. Der Cuckold übernimmt beim Liebesspiel lediglich die Rolle eines devoten Assistenten.
Freiwilligkeit und Zustimmung aller Beteiligten sind für diese sexuelle Praktik (wie auch für jede andere) unabdingbar und wichtig!
Siehe auch: flotter Dreier- Voyeur - Wifesharing
Kategorie:Sexualität
Kategorie:Sexualverhalten
Kategorie:BDSM
AgeplayDer Begriff Ageplay bezeichnet Rollenspiele, bei denen die Teilnehmer schauspielerisch so agieren, als hätten sie ein anderes Lebensalter (zum Beispiel beim bekannten "Vater-Mutter-Kind"-Spiel von Kindern).
Unter Erwachsenen ist Ageplay als erotisches Rollenspiel beliebt. Die bekanntesten Varianten sind Kleinkind-Fantasien, Mommy-Boy, Daddy-kleines Mädchen, Krankenschwester-Patient. Im Ageplay kann auch das Geschlecht gewechselt werden, zum Beispiel kann auch ein älterer Herr eine ungezogene Göre spielen.
Ageplay ist im BDSM beliebt, ebenso im Bereich des Spanking-Fetischismus, des Windelfetischismus und der Klinikerotik. Wie für andere Spiele auch gilt für diese erotische Spielart ein Rahmen von Einvernehmlichkeit und Sicherheit (siehe auch SSC). Ageplay als erotisches Rollenspiel ist keine Form von Pädophilie, denn nur biologisch Erwachsene sind an diesen Spielen beteiligt.
Weblinks
- http://www.ageplay.org (engl.)
Kategorie:Sexualpraktik
Total Power ExchangeTotal Power Exchange (engl., wörtlich: "Totaler Machtaustausch", auch als TPE abgekürzt) bezeichnet ein Partnerschaftskonzept in der BDSM-Szene, das Sadomasochismus beinhalten kann, den Schwerpunkt jedoch auf D/s (Dominanz&Unterwerfung) legt. Der devote Partner (häufig als Sub, Sklave/Sklavin oder Bottom bezeichnet) unterwirft sich vollständig und ohne Einschränkung dem dominanten Part (Herr/Herrin, Master, Dom).
In diesem Austausch tritt der dominante Teil als Eigentümer des devoten Partners auf und gewährt ihm dafür Sicherheit, Aufmerksamkeit und evtl. Hilfe in vielen Lebensbereichen - auch außerhalb der Beziehung.
Im Unterschied zu einer 24/7-Beziehung (24 Stunden, 7 Tage), die manchmal nur die sexuelle Rollenverteilung im Blick hat, umfasst das Konzept von TPE auch die nichtsexuellen Lebensbereiche. Eine Abgrenzung von Spiel und realem Leben wird nicht vorgenommen. TPE ist insofern mit einem feudalen Leibeigenschaftsverhältnis oder Sklaverei vergleichbar. In der Konsequenz ist für TPE daher auch keine Liebesbeziehung notwendig.
Die Stärke einer TPE-Beziehung stellt besondere Ansprüche an die beteiligten Partner. Sie sollte nur von psychisch stabilen, selbstsicheren Menschen gelebt werden, die mit auftretenden psychischen Belastungen verantwortungsvoll umgehen können.
Siehe auch
- Erotic Power Exchange
Kategorie:BDSM
Kategorie:Sexualverhalten
Isidor Isaak SadgerIsidor Isaak Sadger ( - 29. Oktober 1867 in Neusandez, Galizien; † Dezember 1942 im KZ Theresienstadt) war jüdischer Arzt und Psychoanalytiker in Wien. Als Student verfolgte er begeistert Sigmund Freuds Vorlesungen in den Jahren 1895 bis 1904. Er beschäftigte sich unter anderem mit Homosexualität und Fetischismus. Der Begriff Sadomasochismus wurde 1913 von Sadger geprägt. Im Jahre 1930 verfasste er Memoiren über seine Begegnungen mit Freud. Aus Altersgründen konnte er vor den Nationalsozialisten nicht mehr fliehen. Am 10. September 1942 wurde er festgenommen, ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und dort im Dezember umgebracht.
Weblinks
- http://e.domaindlx.com/elortiba/s.html
Werke
- Heinrich von Kleist: Eine pathographisch-Psychologische Studie. Wiesbaden: Verlag von J. F. Bergmann, 1910
- Über den sado-masochistischen Komplex. In: Jahrbuch für psychoanalytische und psychopathologische Forschungen, Bd. 5, 1913, S. 157-232
- Über Nachtwandeln und Mondsucht: eine medizinisch-literarische Studie. Schriften zur angewandten Seelenkunde Heft 16; Leipzig: 1914
- Neue Forschungen zur Homosexualität. Berlin: Fischer's Med. Buchh., 1915
- Die Lehre von den Geschlechtsverirrungen (Psychopathia sexualis) auf psychoanalytischer Grundlage. Verlag: Deuticke, Leipzig, Wien; 1921
- Ein Beitrag zum Verständnis des Sado-Masochismus. In: Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, Bd. 7, Nr. 3-4, 1926, S. 413-421
- Sigmund Freud: Persönliche Erinnerungen. 1930
Sadger, Isidor Isaak
Sadger, Isidor Isaak
Sadger, Isidor Isaak
Sadger, Isidor Isaak
Sadger, Isidor Isaak
Sadger, Isidor Isaak
Sadger, Isidor Isaak
Erotisches RollenspielEin erotisches oder sexuelles Rollenspiel ist eine Sexualpraktik. Es nehmen zwei oder mehr Sexualpartner teil, wobei jeder eine bestimmte Rolle übernimmt,
und sich auch der Rolle entsprechend verhält und kleidet,
um z.B. den anderen Partner nach dessen Fantasievorstellungen zu verführen.
Ein solches Rollenspiel dient zumeist der sexuellen Stimulierung und wird häufig als Vorspiel für den eigentlichen Geschlechtsverkehr genutzt. Dem Alltag zu entfliehen und sich in eine andere Person zu verwandeln, kann dabei sehr befriedigend wirken, die eigenen sexuellen Fantasien beflügeln und für eine gesteigerte sexuelle Lust sorgen. So werden manche Männer sexuell erregt, wenn sich ihre Frauen als Stubenmädchen oder Schulmädchen verkleiden. Man kann auch einmal für kurze Zeit die Prinzessin, den Cowboy in Leder, die unnahbare Nonne, den begehrten Filmstar, einen Piraten oder einen Flugkapitän spielen. Alles, was anmacht, ist erlaubt, je nach Wunsch nur imaginär oder mit echten Kostümen und gespielten Szenen.
Bei den Doktorspielen mimt z.B. einer der Sexualpartner den untersuchenden Arzt. Beliebte sexuelle Rollenspiele sind auch die so genannten Erziehungsspiele, bei denen der eine Partner in die Rolle des dominanten, erziehenden Parts schlüpft, während sich der andere gehorsam und devot unterordnet.
Erotische Rollenspiele werden häufig in sadomasochistischen Kreisen gespielt. Der dominante Partner übernimmt dort die Meisterrolle, devote Partner eine Sklavenrolle. Auch Prostituierte verkleiden sich oft, um ihren Kunden eine bestimmte, an persönlichen Vorlieben orientierte Rolle vorzuspielen.
Im Handel werden auch verschiedene Erotik-Spiele angeboten, die zu mehreren Personen an einem Spielfeld, mit Spielkarten oder Frage- und Aktionskarten gespielt werden können.
Japans Bordelle haben um die Jahrtausendwende dort eine klaffende Marktlücke entdeckt und unter dem Begriff Cosplay erotische Rollenspiele in ihr Sortiment aufgenommen. Neben Prostituierten in Schuluniform oder Anime-Kostüm wird gerne eine Chikan-Situation nachgespielt. So haben einige Salons ein Zimmer zu einem Eisenbahn-Waggon ausgebaut, in dem die Kunden unbeteiligt herumstehende Prostituierte begrapschen dürfen.
Siehe auch:
Rollenspiel, Erotik, Striptease, Ageplay, Petplay
Weblinks
- [http://www.lustundliebe.de/lustundliebe/fun_spiel_info.htm Erotik-Spiele]
Kategorie:Sexualpraktik
ja:コスプレ (性風俗用語)
PolyamoriePolyamorie ist die Praxis, mehr als eine liebevolle Beziehung zur gleichen Zeit zu haben, mit vollem Wissen und Einverständnis aller beteiligten Partner.
Die angestrebten Beziehungen sind langfristig, vertrauensvoll und schließen normalerweise (aber nicht unbedingt) Sexualität mit ein. Menschen, die sich selbst als emotional in der Lage sehen, solche Beziehungen zu führen, definieren sich selbst als "polyamorös".
Polyamorie bezeichnet weiterhin auch eine Vernetzung oder Subkultur von Menschen, die die Möglichkeit von nicht ausschließlichen Beziehungen bejahen und sich in ihrer Praxis - vor allem durch Zuhören und Austausch von Erfahrungen - gegenseitig unterstützen.
Politisch stellt Polyamorie die Idee, daß Zweierbeziehungen die einzig erstrebenswerte oder mögliche Form des Zusammenlebens darstellen (Mono-Normativität)
in Frage und bejaht, dass ein Mensch mit mehreren Menschen zur gleichen Zeit Liebesbeziehungen haben kann.
Liebesbeziehungen]]
Terminologie
Wie „Automobil” ist Polyamorie (sehr oft in der englischen Form geschrieben als Polyamory) eine moderne Wortschöpfung und ein hybrides Wort: „poly” ist Griechisch für „viele” und „amor” ist Lateinisch für „Liebe”. Das Wort wurde unabhängig von mehreren Personen kreiert, darunter Morning Glory Zell-Ravenheart, die in dem Artikel „Ein Blumenstrauß von Geliebten” (engl. „A Bouquet of Lovers”) (1990) die Popularisierung des Wortes anregte, und Jennifer Wesp, welche 1992 die Usenet-Newsgroup alt.polyamory gründete. Ein gelegentlicher Gebrauch des Wortes wurde jedoch seit den 1960er Jahren berichtet, und auch außerhalb polygamer Kulturen existierten derartige Beziehungen lange bevor der Name geprägt wurde. Als ein Beispiel aus den 1920er Jahren kann man William Moulton Marston nennen.
1999 wurde Morning Glory Zell-Ravenheart vom Herausgeber des Oxford English Dictionary um eine Definition des Wortes gebeten (das jedoch nicht ins Wörterbuch aufgenommen wurde). Diese lautete:
:”Die Praxis, der Zustand, oder die Fähigkeit, mehr als eine liebevolle sexuelle Beziehung zur gleichen Zeit zu führen, mit vollem Wissen und Einverständnis der beteiligten Partner.”
Diese Definition ist inklusiv gedacht, und in diesem Zusammenhang beabsichtigt sie insbesondere nicht, „Swingen” völlig auszuschließen, sofern Menschen, die dies praktizieren, sich mit dem Begriff einschließen möchten. Viele Swinger haben enge Beziehungen mit Sexualpartnern, als beste Freunde und als Beziehungspartner. Viele Menschen sowohl in den Subkulturen der Swinger als auch von Polyamorie sehen beide Praktiken als Teil eines Kontinuums eines offenen Umgangs mit Nähe, Vertrautheit und Sexualität. Die beiden essentiellen Zutaten des Konzepts „Polyamory” sind „mehr als ein” und „liebevoll”. Das bedeutet, dass die Menschen in solchen Beziehungen eine liebevolle Gefühlsbindung haben sollten, in vielfältiger Weise in ihrem Leben in Beziehung stehen, und für ihr gegenseitiges Wohlergehen sorgen. Der Begriff ist also nicht dazu gedacht, angewandt zu werden auf Ausübung von Sexualität als reine Freizeitbeschäftigung, Orgien, „One-night Stands”, Prostitution, Fremdgehen, serielle Monogamie, oder die gängige Definition von Swingen als Partnertausch in anonymen Rahmen.
Vertreter der Queer Theory sowie Sex Radicals weisen jedoch auf die Gefahr hin, daß solche Definitionen neue Ausschließlichkeiten schaffen, zum Beispiel in einer Abwertung eines Teilens von Sexualität um ihrer selbst willen; Es wird angeführt, daß in vielen Teilen der Queer Community sexuelle Beziehungen auch ohne eine Legitimation durch Liebe als etwas Positives angesehen würden, da Sexualität grundsätzlich nichts schlechtes sei (siehe Klesse in Merrit, Bührmann, und Schefzig, 2005).
Deutschsprachige Terminologie
Statt „Polyamorie” wird im deutschsprachigen Raum bisher in der Mehrzahl der Fälle die englische Schreibweise „Polyamory” vorgezogen (zum Beispiel wurde in der deutschsprachigen Mailingliste zum Thema im Jahr 2002 in 290 von ca. 2500 Beiträgen „Polyamory” verwendet, während nur in 7 Beiträgen das Wort „Polyamorie” benutzt wurde). Gelegentlich findet auch das französische Wort „Polyamour” Verwendung. Als Adjektiv wird „polyamourös” verwendet, Gwendolin Altenhöfer schlägt in Mérrit, Bührmann und Schefzig (Hg.)(2005) „polyamid” oder "polyfidel" (auf deutsch: vielfröhlich!) vor. Ein weiteres mögliches Adjektiv ist "polyamant". Personen, die polyfidel leben, können Polyamanten, Polyfidele oder Polyamide genannt werden.
Wortzusammensetzungen werden bevorzugt mit "„poly-”" gebildet, zum Beispiel: „Ein poly-freundlicher Freundeskreis”.
Zu unterscheiden von Polyamorie ist der Begriff der Polygamie. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass Polyamorie nicht an eine gesellschaftliche Institution wie die Ehe gebunden ist und die Beteiligten nicht miteinander verheiratet sein müssen. Dementsprechend müsste korrekterweise die Praxis der ausschließlichen „Eins-zu-Eins” Liebesbeziehung als "„Monoamorie”" bezeichnet werden, anstatt als "„Monogamie”".
Allgemeines
Menschen, die sich als polyamourös bezeichnen, haben die Auffassung oder Erfahrung, dass man mit mehreren Menschen eine Liebesbeziehung
führen kann. Sie kritisieren die Vorstellung, dass die Zweierbeziehung oder Ehe die einzige erstrebenswerte Form des Zusammenlebens sei. Die Liebe ist ihnen zu Folge kein
endliches oder limitiertes Gut, das immer nur für die Liebe zu einer einzigen Person ausreicht, sondern gegenüber jedem
Menschen in einer ganz individuellen Ausprägung in Erscheinung treten kann.
Polyamorie definiert sich dabei über die emotionale Seite der Liebesbeziehungen. Es steht also nicht das Erleben von Sexualität im Mittelpunkt, das allerdings -- wie in jeder Liebesbeziehung -- durchaus eine wesentliche Rolle spielen
kann und soll.
Als Bedingungen für polyamouröse Beziehungen werden vielfach größtmögliche Ehrlichkeit zwischen den Beteiligten
und gegenseitiges Einverständnis genannt. Deshalb gibt es im Konzept der Polyamorie keine zu verheimlichenden
Liebhaberinnen und Liebhaber. Den Menschen, die man mag, soll mit dem sich aus dem individuellen Verhältnis erwachsenden Maß an Zuneigung und Intimität begegnet werden können. Es braucht nicht geleugnet zu werden, falls man für mehr als einen Menschen Gefühle empfindet.
Eifersucht und Verlustängste treten auch bei Menschen, die diese Beziehungsform gewählt haben, oft auf und brauchen ebenfalls nicht geleugnet zu werden; angestrebt wird jedoch, dass diese das Handeln nicht bestimmen, da sie sonst schnell zerstörerisch auf Beziehungen wirken.
Im Gegensatz zur Monogamie stellt es auch insbesondere keinen Grund dar, die Beziehung zu beenden, falls der
Partner eine oder mehrere weitere Liebesbeziehungen unterschiedlicher Intensität hat. Akute Verliebtheit wird trotz der schönen Gefühle,
manchmal sogar eher als mit Vorsicht zu genießender Zustand gesehen, da sie es schwerer macht, die Bedürfnisse aller Partner zu balancieren und die Gefahr von Entscheidungen birgt, deren Konsequenzen langfristig bedauert werden.
Polyamoröse Beziehungen können im ungünstigen Fall einen erheblichen emotionalen Stress bedeuten, falls es Konflikte zwischen den Partnern gibt oder Eifersuchtsgefühle aufkommen. Deswegen wird Wert darauf gelegt, dass die Beteiligten an einer solchen Beziehung diese bewusst und freiwillig wählen. Zusätzliche Beziehungen haben zudem die Tendenz, Unsicherheiten und ungeklärte Konflikte in einer Partnerschaft ans Licht zu bringen, auch wenn diese schon lange besteht. Deswegen handeln die Beteiligten in langfristigen Partnerschaften häufig vorher ein gegenseitiges, im Umfang begrenztes Vetorecht in Bezug auf neue Beziehungen aus.
Die Orientierung zu Mehrfachbeziehungen wird von manchen polyamourösen Menschen als Wahl betrachtet; Die Mehrzahl betrachtet ihre Präferenz jedoch als Folge ihrer individuellen "Verdrahtung". Viele Menschen die in Mehrfachbeziehungen leben, haben immer wieder die Erfahrung gemacht, dass monogame Beziehungen für sie nicht funktionieren oder sie damit nicht glücklich sind. Dies wird aber nicht zum Anlass genommen, Monogamie als individuelle Wahl abzuwerten. Hinterfragt wird jedoch die Monogamie als gesellschaftliche Norm (Heteronormativität bzw. Mononormativität) und die oft damit verbundene Doppelmoral.
Als Ausgleich für die sehr viel größere Menge an
„Beziehungsarbeit”, die oft geleistet werden muss, und die manchmal einen erheblichen Aufwand an Zeit und Energie erfordert, und den Verzicht auf subjektive oder reale Sicherheiten, geben polyamouröse Menschen Gesichtspunkte an wie Authentizität, persönliches Wachstum, Selbstentfaltung, dass sie in einer solchen Beziehung wesentlich glücklicher sind, die Erfahrung von Vielfalt und Lebendigkeit, die Solidarität und Unterstütz | | |