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BStU

BStU

Die Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU) ist eine von den Mitgliedern der Bürgerkomitees und Freiwilligen der Bürgerrechtsbewegung im Zuge der friedlichen Revolution von 1989 erkämpfte Einrichtung zur Sicherung der Unterlagen des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes (StaSi) der DDR. Erster Leiter der Bundesoberbehörde, die der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien unterstellt ist, wurde der Pfarrer Joachim Gauck. Wegen ihres langen amtlichen Titels wurde sie daraufhin kurz Gauck-Behörde genannt. Seit Marianne Birthler die Leitung der Behörde im Oktober 2000 übernahm, heißt sie in den Medien auch Birthler-Behörde.

Stasi-Unterlagen-Gesetz

Am 29. Dezember 1991 trat das Stasi-Unterlagen-Gesetz (StUG) in Kraft, das der Deutsche Bundestag mit großer Mehrheit verabschiedet hatte. Das zentrale Anliegen dieses Gesetzes ist die vollständige Öffnung der Akten des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes, insbesondere der Zugang der Betroffenen zu den Informationen, die der Staatssicherheitsdienst zu ihnen gespeichert hat. Erstmals bekamen damit Bürger Gelegenheit, in Unterlagen einzusehen, die ein Geheimdienst über sie angelegt hatte. Das ist in der Geschichte ohne Beispiel. Das Ministerium für Staatssicherheit der ehemaligen DDR (kurz MfS, umgangssprachlich auch Stasi) sammelte fast vierzig Jahre lang im Auftrag der SED Material über Millionen von Menschen - in erster Linie über DDR-Bürgerinnen und -Bürger, aber auch über viele Bürger der alten Bundesländer und über Bürger anderer Staaten. Unzählige Lebensläufe - nicht nur in Ostdeutschland - wurden im Laufe der Jahre durch die Staatssicherheit entscheidend beeinflusst. Das MfS beeinflusste den beruflichen Auf- oder Abstieg, nutzte systematisch menschliche Schwächen aus und schreckte auch nicht davor zurück, in die Privatsphäre seiner Opfer einzudringen und intimste Informationen für seine Zwecke zu verwenden. Ärztliche Schweigepflicht, Bank- und Postgeheimnis, die Unverletzlichkeit der Wohnung, selbst die in der Verfassung der DDR festgelegten Grundrechte eines jeden Bürgers waren für die Stasi kein Tabu. Bis zum Oktober 2000 beantragten über 1,7 Millionen Privatpersonen bei der Bundesbeauftragten Birthler und ihrem Vorgänger Einsicht in Unterlagen, die der Staatssicherheitsdienst über sie geführt hat.

Einsichtnahme in Geheimdienstakten

Jeder deutsche Bürger hat das Recht, die über ihn angefertigten Geheimdienstakten der ehemaligen DDR kostenfrei einzusehen. Dieses Recht haben auch Angehörige von verstorbenen, ehemaligen DDR-Bürgern. Dazu müssen sie bei der Behörde einen Antrag auf Akteneinsicht stellen. Das Antragsformular lässt sich von der Internetseite des BStU [http://www.bstu.de/akteneinsicht/index.htm] herunterladen. Kopien der betreffenden Geheimdienstakten können auf Wunsch auch per Post an die Wohnanschrift des Antragstellers zugestellt werden. Da bei den meisten Unterlagen eine Vernichtung versucht wurde, liegen viele nur unsystematisch vor. Eine erste vorläufige Mitteilung, ob tatsächlich die Stasi den Antragsteller ausspioniert hat, erfolgt nach 4 – 12 Wochen. Da die Recherchen sich über verschiedene Archive erstrecken, und ehemalige DDR-Bürger unterschiedlich intensiv durch den DDR-Geheimdienst beobachtet wurden, kann die Recherche unterschiedlich lange dauern. Informationen zu dritten Spionageopfern schwärzt die Behörde vor der Herausgabe. Die Namen und Decknamen von hauptamtlichen und inoffiziellen Mitarbeitern der Stasi werden allerdings bekannt gegeben. Der Antrag auf Akteneinsicht kann jederzeit erneut gestellt werden.

Rosenholz-Akten

Ein wichtiges Ereignis für die BStu war die Rückgabe der so genannten Rosenholz-Akten durch die USA im Jahr 2003. Diese Datensammlung der Stasi-Auslandsspionage enthält eine Liste ehemaliger Spione, die für die DDR tätig waren. Im März 2004 war die Kontrolle der "Rosenholz"-Dateien auf Übersetzungs- und andere Fehler nahezu abgeschlossen. Die Stasi-Unterlagen-Behörde konnte nun eine größere Zahl Überprüfungsanträge auf Stasi-Tätigkeit bearbeiten.

Der "Aktenstreit" - Herausgabe von Akten über Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens an Journalisten?

Auslöser für den Aktenstreit waren unterschiedliche Auffassungen über die Rechte der BStU auf Herausgabe von Stasi-Akten an Journalisten. Der Streit begann Ende 1999 im Zuge der CDU-Spendenaffäre, als bekannt wurde, dass Abhörprotokolle und wörtliche Protokolle des DDR-Geheimdienstes zu diesem Thema vorliegen. Nach eingehender Prüfung entschied das BStU, nur noch zusammenfassende Vermerke und keine wörtlichen Protokolle herauszugeben. # Ende November 2000 "erhebt Dr. Helmut Kohl Klage beim Verwaltungsgericht Berlin gegen die BStU, um die Herausgabe der Stasi-Unterlagen zu seiner Person zum Zwecke der Forschung und der politischen und historischen Aufarbeitung der Tätigkeit des MfS sowie eine Herausgabe an die Medien zu verhindern." (Zitat Homepage BStU). # Im September 2003 ergeht ein Urteil des Verwaltungsgerichts Berlin, dass grundsätzlich diese Akten herausgegeben werden dürfen. # Zur Klärung der Rechtslage wird Sprungrevision auf höchster Ebene vor dem Bundesverwaltungsgericht von Dr. Helmut Kohl beantragt. Die Birthler-Behörde stimmt dem Antrag zu. # Das Urteil des Berliner Verwaltungsgerichtes wird erstmals in der Fachzeitschrift NJW publiziert und kommentiert (Quelle in NJW 2004, Heft 7, S. 457ff bzw. 418 ff.) # Am 23. Juni 2004 entscheidet das Bundesverwaltungsgericht, dass Stasi-Akten an Journalisten grundsätzlich nur mit Zustimmung der Betroffenen herausgegeben werden dürfen, an Wissenschaftler nur mit starken Einschränkungen. Durch Spionage oder durch Abhörmaßnahmen in Privat- oder Diensträumen gewonnene Informationen müssen in jedem Fall unter Verschluss bleiben.

Weblinks


- http://www.bstu.de - Website der Bundesstelle
- http://www.stasiopfer.de - Website von und über Opfer des MfS Kategorie: Behörde (Deutschland) Kategorie:Staatssicherheit (DDR)

Bürgerkomitee

Bürgerkomitees bildeten sich Anfang Dezember 1989 in der DDR, als Hinweise darauf laut wurden, dass das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in großen Stil Akten vernichten würde. Die Bürgerkomitees bildeten sich spontan, angefangen am 4. Dezember 1989 am frühen Morgen in Erfurt, in allen Bezirksstädten und etlichen Kreisstädten der DDR, und besetzten die Bezirksverwaltungen und Kreisdienststellen des MfS. Diese Bürgerkomitees setzten sich sowohl aus Mitgliedern der lokalen Opposition als auch aus couragierten Bürgern der Städte zusammen, die die Weiterarbeit des MfS und die Aktenvernichtung verhindern wollten. Einzig die Zentrale des MfS in der Berliner Normannenstraße blieb davon länger verschont. Hier bildete sich das Bürgerkomitee am Abend des 15. Januar 1990 nach einer vom Neuen Forum initiierten Demonstration von mehreren tausend Menschen und der daraufhin erzwungenen Öffnung der Tore der MfS-Zentrale. Nachfolger dieser Bürgerkomitees, die sich der Friedlichen Revolution in der DDR und deren Erbe verpflichtet fühlen, existieren heute noch in Berlin, Leipzig, Magdeburg und Suhl.

Weblinks


- [http://www.buergerkomitee.org/ Bürgerkomitee 15. Januar e.V. (Berlin) ]
- [http://www.runde-ecke-leipzig.de/ Bürgerkomitee Leipzig e.V. (Leipzig)]
- [http://www.buergerkomitee.de/ Bürgerkomitee Sachsen-Anhalt e.V. (Magdeburg)] Kategorie:Geschichte der DDR Kategorie:1989

Revolution

Revolution (v.frz.: révolution Umwälzung; aus lat.: revolvere zurückwälzen) wird in unterschiedlichen Wissenschaften behandelt.

Revolution (Soziologie)

Allgemein

Eine Revolution bezeichnet in der Soziologie immer einen radikalen und meist, jedoch nicht immer einen gewalttätigen Umsturz(-versuch) der bestehenden politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse, der von einer organisierten (nicht notwendig geheimen) Gruppierung von Neuerern getragen wird und die Unterstützung größerer Bevölkerungsteile findet (vergleiche: Elite, Masse (Soziologie), Massenbewegung). Doch auch „Friedliche Revolutionen“ sind möglich (siehe unten). Oft wird der Begriff der Emanzipation hinzu genommen, die Idee eines sozialen oder politischen Freiheitsgewinns für den Einzelnen. Der Stellenwert der einzelnen Kriterien für die Definition einer Revolution ist durchaus umstritten. Wenn ohne radikalen sozialen Wandel nur eine Organisation oder ein eng verknüpftes soziales Netzwerk (gegebenenfalls mit relativ geringfügiger Massenbasis) die Revolution unternimmt, bezeichnet man dies als Staatsstreich oder, insbesondere unter Beteiligung des Militärs, als Putsch. Hier wird der »Revolutions«-Begriff oft anschließend als Rechtfertigung genutzt. Der Begriff »Revolution« wird auch verwandt, wenn dem sozialen Wandel die Schnelligkeit (Rapidität) abgeht, etwa für die global mehrere tausend Jahre dauernde »Neolithische Revolution« (vgl. Steinzeit), für den Siegeszug des Kapitalismus oder für die Industrielle Revolution (s. a. Industrialisierung).

Soziologische Theoretiker/innen der »Revolution«

# Vilfredo Pareto (Revolution als eine besondere Form der Elitenablösung), # Max Weber (in Europa / Nordamerika bedurfte der Kapitalismus anfangs einer radikalen nichtwirtschaftlichen – religiösen – Mentalitätsänderung, und zwar in Gestalt des Protestantismus), # Eugen Rosenstock-Huessy (die europäischen Revolutionen als Abfolge von Ständerevolutionen, beginnend mit der »papalen Revolution« des Papsttums gegen das mittelalterliche Kaisertum und endend mit der »proletarischen Revolution«), # Ralf Dahrendorf (»Revolution« als radikaler und rapider sozialer Wandel, bedingt durch intensive beziehungsweise gewaltsame soziale Konflikte), # Theda Skocpol (nachhaltige Revolutionen sind vor allem Bauernrevolutionen)

Theoretisch innovativ argumentierende Revolutionäre und Revolutionärinnen

# Karl Marx (jede Gesellschaft, in der eine Form des »Besitzes an Produktionsmitteln« es erlaubt, sich menschliche Arbeit zu unterwerfen, endet zwangsläufig durch Revolution oder Untergang; zu unterscheiden sind »Revolutionen der Produktivkräfte« von den durch sie ausgelösten »Revolutionen der Produktionsverhältnisse«), # Friedrich Engels (Arbeit und deren Beherrschung durch Eigentum löste die erste Revolution aus, die die »Wildheit« (menschliche Urzeit) beendete und die der Beginn der Geschichte war, und werden durch die letzte Revolution optimal disponiert werden, in der das Ende der Geschichte – das Ende »des Reiches der Notwendigkeit« – und der Beginn des »Reiches der Freiheit« möglich werden wird), # Rosa Luxemburg (der Imperialismus ist dabei die letzte Verteidigungsmöglichkeit des Kapitalismus – im Bündnis mit dem Proletariat der Kolonialmächte – vor der abschließenden weltweiten proletarischen Revolution), # Lenin (die letzte Revolution kann durch den Aufbau einer Kaderpartei der proletarischen Revolutionäre vorverlegt werden), # Anton Pannekoek (Parteien und Gewerkschaften – einschließlich der leninistischen – sind untaugliche Formen für den Kampf der Arbeiterklasse um ihre Emanzipation, alles kommt auf die Selbstorganisation der Arbeiterinnen und Arbeiter an) sowie Danton, Marat, Saint-Just, Robespierre, Símon Bolívar, Bakunin, Mahatma Gandhi, Leo Trotzki, Mao Zedong, Camilo Torres, Kwame Nkrumah, Ho Chi Minh, Che Guevara, Ali Schariati, Guy Debord und andere Revolutionäre des 18. bis 20. Jahrhunderts.

Praktiker der Revolution

Radikaler und rapider sozialer Wandel (»Revolutionen«) knüpfte sich auch an erfolgreiche politische, oft auch charismatische Persönlichkeiten, deren soziologische Urteilskraft sich eher nur implizit erschließt, deren soziale Wirkung jedoch bewusst und gewollt revolutionär war, wie bereits in der Antike zum Beispiel Solon oder Cäsar, im Mittelalter zum Beispiel Harald Schönhaar oder Otto der Große und in der Neuzeit zum Beispiel Pombal, Cromwell oder Atatürk.

Soziale Revolutionen im weiteren Sinne

Politische Revolutionen


- Der erste als »Revolution« bezeichnete Umsturz war 1688 die Glorious Revolution in England.
- Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg 1775-1783 (Unabhängigkeitserklärung der USA 1776)1776
- Französische Revolution 1789
- Julirevolution (Frankreich 1830)
- Novemberaufstand in Polen 1831 und Folgejahre
- Februarrevolution und Juniaufstand (Frankreich 1848)
- Revolutionen in Ungarn, Italien, Deutschland (Märzrevolution) 1848
- Pariser Kommune
- Russische Revolution 1905
- Mexikanische Revolution 1910 und Folgejahre
- Russische Revolutionen 1917: (Februarrevolution und Oktoberrevolution)
- Novemberrevolution in Deutschland 1918/1919, einschließlich der Räterepubliken in Bayern (Münchner Räterepublik) und Bremen (Bremer Räterepublik)
- Kubanische Revolution 1956 - 1959
- Nelkenrevolution in Portugal 1974
- Revolution in Laos 1975 (vgl. auch Pathet Lao)
- Nicaraguanische Revolution 1979
- Islamische Revolution im Iran 1979
- Die spontane und gewaltlose Revolution in der DDR 1989/1990
- Die Samtene Revolution in Georgien 2003
- Die Orangene Revolution in der Ukraine 2004

Geistige Revolutionen


- Die »Kopernikanische Revolution« (Ersetzung des geozentrischen durch das heliozentrische Weltbild anfangs der Neuzeit – der Heliozentrismus selbst war bereits in der Antike von Aristarchos von Samos erfolgert worden)
- Die Darwinsche Revolution, in der der Mensch seine Sonderstellung in der Natur verlor (s. a. Darwinismus)
- Die »sexuelle Revolution«, oft mit der Entdeckung des Unbewussten durch Sigmund Freud gleichgesetzt
- Die »Kulturrevolution« 1967 und Folgejahre in China, Deutschland, aber auch in Frankreich, den USA und anderen westlichen Ländern Inflationierte »Revolutions«-Begriffe im Feld der öffentlichen Meinung bezeichnen oft nur einen Stilwandel (Moderevolutionen). Siehe auch: Paradigmenwechsel.

Technische Revolutionen (marxistisch: »Revolutionen der Produktivkräfte«)


- Neolithische Revolution (Übergang vom Wildbeutertum zu Ackerbau und Viehzucht ca. 15.000 v. Chr. – der Übergang zur Jungsteinzeit)
- Industrielle Revolution im 18./19. Jahrhundert (siehe auch Industrialisierung)
- Elektronische Revolution oder Digitale Revolution) ab etwa 1980 Siehe auch: Bürgerkrieg, Dialektik, Evolution, Katastrophe, Reform, Revolution (Jugendorganisation), Sozialer Wandel, Staatsstreich, Zweite industrielle Revolution, Kondratjew-Zyklus

Revolution (Politologie)

Beispiel eines Ansatzes:
Die heutige Revolutionstheorie stellt fünf Hauptfaktoren besonders heraus, die wesentliche Voraussetzungen zur Entstehung einer Revolution darzustellen scheinen. Dabei ist vom Sonderfall der Entwicklungsländer abzusehen. # eine plötzliche Rezession nach einer Zeit wirtschaftlicher Blüte, steigenden Wohlstands und steigender Erwartungen in die Zukunft. # ein Bewusstsein, das die bestehenden Institutionen in Frage stellt. # die Solidarisierung verschiedener Gruppen der Gesellschaft, die unterschiedliche Motive haben, mit dem bestehenden Zustand unzufrieden zu sein, und die sich zum Umsturz der alten Ordnung vorübergehend verbünden. Eine einzelne Gruppe, Schicht oder Klasse der Gesellschaft bringt keine Revolution zustande. # eine Ideologie. # Schwäche, Uneinigkeit und Ineffektivität auf Seiten der Gegenkräfte, des Staates.
Nach: E. Weis, Der Durchbruch des Bürgertums. 1776–1847. Propyläen Geschichte Europas, Bd. 4, Berlin 1978, 96f. Siehe auch: Revolution (Politik)

Revolution (Astronomie)

In der Astronomie (veraltet) ist eine Revolution die Umlaufbewegung der Planeten um die Sonne – von hier wurde der Ausdruck Revolution generell übernommen.

Revolution (Spiel)


- beim Skatspiel die Variante »Null ouvert Hand«, bei dem die gegnerischen Spieler die Karten austauschen dürfen. Nur bei Hobbyrunden, nicht in den offiziellen Skatregeln (da es sowieso nur angesagt wird, wenn es nicht verloren werden kann).
- Alternative zu bekannten Quizsendungen: [http://www.wer-wird-revolutionaer.de/ Wer wird Revolutionär?]

Siehe auch


- :Kategorie:Revolution
- Anarchismus,Generalstreik, Klassenkampf, Marxismus, Politisches Theater, Rätekommunismus, Sabotage, Situationistische Internationale, Subversion, Sozialismus, Kommunismus
- Bürgerliche Revolution, Frühbürgerliche Revolution
- Différance

Literatur


- Hobsbawm, Eric: Europäische Revolutionen. 1789 bis 1848. Zürich, 1962
- Hannah Arendt: Über die Revolution, München, 1963

Weblinks


- [http://home.bawue.de/~mauss/revo.html So geht Revolution] Kategorie:Politischer Begriff Kategorie:Soziologie ! Kategorie:Marxismus ja:革命

1989

Ereignisse

Jahreswidmungen


- Der Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) ist Vogel des Jahres (NABU/Deutschland)
- Die Stieleiche (Quercus robur) ist Baum des Jahres (Kuratoriums Baum des Jahres/Deutschland)
- Das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) ist Orchidee des Jahres (Arbeitskreis Heimische Orchideen/Deutschland)

Januar bis Dezember


- 1. Januar: Jean-Pascal Delamuraz wird Bundespräsident der Schweiz
- 1. Januar: Das zwischen den USA und Kanada geschlossene Freihandelsabkommen tritt in Kraft
- 1. Januar: Der Privatsender ProSieben beginnt den Sendebetrieb; Vorläufer war Eureka TV
- 2. Januar: Ranasinghe Premadasa wird neuer Staatspräsident von Sri Lanka
- 21. Januar: Ungarns Kommunisten verzichten auf ihre verfassungsmäßig garantierte Führungsrolle
- 3. Februar: Umsturz in Paraguay. Absetzung des Diktators Alfredo Stroessner (seither im Exil in Brasilien)
- 4. Februar: Illegale Gründung des Umweltnetzwerkes Grüne Liga in der DDR
- 6. Februar: Erstes Treffen am Runden Tisch in Warschau. Die Kommunisten geben Macht ab
- 24. Februar: Staatsgäste aus 163 Ländern erweisen in Tokio dem verstorbenen Kaiser Hirohito die letzte Ehre
- 26. Februar: Ägypten. Taba-Abkommen
- 26. März: Laos. Wahl der obersten Volksversammlung
- 28. März: Serbien beendet Autonomie des Kosovo und Vojvodina
- 2. April: Tunesien. Wahl von Zine El Abidine Ben Ali als Staatspräsident
- 5. April: Wiederzulassung der Solidarność in Polen
- 9. April: Massaker vor dem Parlamentsgebäude in Tiflis, Georgische Sowjetrepublik
- 14. April: Abzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan
- 2. Mai: Ungarn beginnt den Abbau seiner Grenzsperren nach Österreich, der Eiserne Vorhang und die Berliner Mauer bekommen ernsthafte Risse, bis Ende des Jahres haben auch die Tschechoslowakei und die DDR ihre Grenzbefestigungen geöffnet
- 7. Mai Kommunalwahlen in der DDR, zahlreiche Wahlmanipulationen werden von Oppositionellen festgestellt
- 9. Mai: Slobodan Milošević wird Staatspräsident von Serbien
- 23. Mai: Die Bundesversammlung wählt Richard von Weizsäcker zur zweiten Amtszeit als Bundespräsident
- 3. Juni: Mit ca. 18.000 Fahrzeugen demonstrieren zigtausende Berliner gegen das vom rot-grünen Senat unter Walter Momper (SPD) verordnete Tempolimit 100 auf der AVUS und sammeln über 100.000 Unterschriften. Die AVUS war die einzige limitfreie Autobahn innerhalb West-Berlins
- 4. Juni: Massaker auf dem „Platz des Himmlischen Friedens“ in Peking, China
- 4. Juni: Iran. Tod von Ayatollah Khomeini. Ayatollah Chāmene'ī rückt an seine Stelle
- 4. Juni: Bei demokratischen Parlamentswahlen in Polen gewinnt das „Bürgerkomitee“ und Tadeusz Mazowiecki (Solidarność) wird designierter erster nicht-kommunistischer Ministerpräsident
- 6. Juni: Ayatollah Seyyed Alī Chāmene'ī wird Staatsoberhaupt in Iran auf unbestimmte Zeit
- 11. Juni: France Albert René wird als Staatspräsident auf den Seychellen in seinem Amt bestätigt
- 12. Juni: Kulturabkommen zwischen Deutschland und Kuwait. In Kraft seit dem 23. Mai 1990
- 12. Juni: Staatsbesuch des russischen Staats- und Parteichefs Michail Gorbatschow in der Bundesrepublik Deutschland (BRD)
- 16. Juni: Kulturabkommen zwischen Deutschland und Äthiopien. In Kraft seit dem 7. März 1991
- 18. Juni: Demokratische Senatswahlen in Polen
- 18. Juni: Europawahl, erstmaliger Parlamentseinzug der Partei Die Republikaner
- 23. Juni: Wiederzulassung Ägyptens zur Arabischen Liga
- 30. Juni: Omar Hassan Ahmad al-Bashir wird nach einem unblutigen Militärputsch Präsident der Republik Sudan
- 17. Juli: Österreich beantragt die Aufnahme in die EG
- 6. August: Bolivien. Jaime Paz Zamora wird Präsident
- 19. August: „Paneuropäisches Picknick“ an der ungarischen Grenze zu Österreich bei Sopron, kurzzeitig wird ein Grenztor geöffnet, dabei können ca. 700 DDR-Bürger fliehen
- 24. August: Wojciech Jaruzelski wird erster Staatspräsident und Tadeusz Mazowiecki Ministerpräsident in Polen
- 25. August: Deutsch-Ungarisches Geheimtreffen auf Schloss Gymnich bei Bonn, auf Initiative des ungarischen Ministerpräsident Miklós Németh mit Außenminister Gyula Horn und Botschafter Horváth. Mit Bundeskanzler Helmut Kohl, seinem Berater Horst Teltschik und Außenminister Hans-Dietrich Genscher. Angeblich bundesdeutsche Kreditzusagen gegen ungarische Grenzöffnung
- 11. September: Ungarn öffnet seine Grenze zu Österreich, Deutsche aus der DDR gelangen hier in den Westen
- 23. September: Aserbaidschan. Souveränitätserklärung
- 2. Oktober: Montagsdemonstration Leipzig mit 20.000 Teilnehmern
- 4. Oktober: Vereinzelte Straßenkämpfe am Dresdner Hauptbahnhof wegen der Durchfahrt der Züge mit DDR-Flüchtlingen aus Prag zwischen ca. 5.000 Demonstranten und der Volkspolizei in der sonst zumeist friedlichen Revolution
- 7. Oktober: Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR; am Rande Ausschreitungen und Zuführungen in Berlin, Leipzig u. a.; Gründung der Sozialdemokratischen Partei SDP in der DDR in Schwante bei Berlin
- 9. Oktober: legendäre Montagsdemonstration in Leipzig mit 70.000 Teilnehmern, Durchbruch der „Wende“ in der DDR
- 16. Oktober: Kulturabkommen zwischen Deutschland und Tansania. In Kraft seit dem 16. Juni 1992; Leipziger Montagsdemonstration mit 120.000 Teilnehmern
- 18. Oktober: Erich Honecker tritt als Staatsratsvorsitzender der DDR und Generalsekretär der SED zurück, sein Nachfolger wird Egon Krenz
- 23. Oktober: DDR: 300.000 Demonstranten in Leipzig
- 23. Oktober: Ungarn. Die neue Verfassung tritt in Kraft
- 23. Oktober: Ausrufung der Republik: Ende der Volksrepublik Ungarn
- 25. Oktober: Der Sprecher des sowjetischen Außenministeriums, Gennadij Gerassimow, teilt die 'Sinatra-Doktrin' ('I did it my way') mit: Die kommunistischen Bruderstaaten dürfen über ihren politischen Weg selbst und unabhängig von Moskau entscheiden
- 26. Oktober: Sozialabkommen zwischen Deutschland und Schweden;
- 26. Oktober: Dresden Demonstration mit 100.000 Teilnehmern (Cockerwiese)
- 30. Oktober: Das DDR-Fernsehen stellt Karl-Eduard von Schnitzlers montägliche Sendung Der schwarze Kanal ein
- 4. November: Ostberlin, Alexanderplatz: Demonstrationsaufruf der DDR-Künstlerverbände für Demokratie, 500.000 Teilnehmer
- 6. November: Dresden, Demonstration mit 70.000 Teilnehmern
- 6. November: Hit Radio FFH erhält als erstes Privatradio in Hessen eine Sendelizenz
- 7. November: Beginn der Wahlen zur Verfassunggebenden Versammlung in Namibia
- 9. November: Öffnung der Berliner Mauer und Öffnung der innerdeutschen Grenze
- 10. November: Bulgarien. Sturz von Staats- und Parteichef Todor Schivkov
- 13. November: Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein wird Staatspräsident von Liechtenstein
- 18. November: Ostberlin, die Volkskammer wählt eine neue DDR-Regierung unter Ministerpräsident Hans Modrow (SED)
- 20. November: Die Vereinten Nationen verabschieden die Kinderrechtskonvention: die Bundesregierung macht gegen die Ratifizierung Vorbehalte geltend
- 23. November: Georgien. Beginn der Sezessionsversuche in Südossetien
- 26. November: Komoren. Ermordung des Präsidenten Ahmed Abdallah unter Mitwirkung von Bob Denard
- 27. November: Bonn, Bundeskanzler Helmut Kohl gibt im Bundestag überraschend sein deutschlandpolitisches 10-Punkte-Programm bekannt, Ziel Wiedervereinigung max. in 10 Jahren
- 27. November: Der Oberste Sowjet der UdSSR sanktioniert das wirtschaftliche Selbstbestimmungsrecht von Litauen, Lettland und Estland
- 3. Dezember: Ostberlin, Generalsekretär Egon Krenz, Politbüro und ZK der SED treten zurück
- 4. Dezember: Leipzig, Demonstration mit 150.000 Teilnehmern
- 19. Dezember: Dresden, Besuch Bundeskanzler Helmut Kohl, Treffen mit Ministerpräsident Hans Modrow
- 22. Dezember: Das Brandenburger Tor in Berlin wird 28 Jahre nach dem Bau der Mauer wieder geöffnet
- 22. Dezember: Beginn des Aufstands gegen Nicolae Ceauşescu in Rumänien
- 25. Dezember: Nicolae Ceauşescu und seine Frau werden nach dem dreitägigem erfolgreichen Aufstand gegen seine Dikatur in Rumänien hingerichtet
- 27. Dezember: Verabschiedung des Programms zur Wirtschaftsreform in Polen
- 29. Dezember: Verfassungsänderung mit grundlegenden Reformen in Polen
- 29. Dezember: Václav Havel wird zum Präsidenten der Tschechoslowakei gewählt
- Die Kinderrechtskonvention wird von der VN-Generalversammlung angenommen und tritt 1990 in Kraft

Kultur und Wissenschaft


- 2. Januar: Der Schriftsteller Andrzej Szczypiorski erhält den österreichischen Staatspreis für Literatur
- 18. März: Uraufführung der komischen Oper Der heiße Ofen von Hans Werner Henze in Kassel
- 18. März: In Ägypten wird eine 4400 Jahre alte Mumie in der Cheops-Pyramide gefunden
- 27. März: Die russische Marssonde Phobos 2 geht verloren. Als offizielle Ursache hierfür gilt ein Computerdefekt
- 7. April: Beginn des planmäßigen Startbetriebs von MMR06-M-Raketen auf der Halbinsel Zingst zur Erforschung der Hochatmosphäre. Bis April 1992 werden dort insgesamt 62 Raketen gestartet
- 1. Juli: In Berlin findet die erste Love Parade statt
- 25. August: Die amerikanische Raumsonde Voyager 2 fliegt am Neptun vorbei und liefert viele Fotos von Neptun und seinen Monden
- 16. Oktober: In einem Usenet-Posting wird erstmals Godwins Gesetz formuliert
- Erstmalige Vergabe des Praemium Imperiale Award
- Eröffnung des Vitra Design Museum

Gesellschaft


- 12. Februar: Joachim Kardinal Meisner wird Erzbischof von Köln
- 6. Juni: Zu chaotischen Zuständen kommt es in Teheran bei den Trauerfeierlichkeiten für Ajatollah Ruhollah Chomeini. Fünf Millionen Menschen sind auf den Straßen der iranischen Hauptstadt

Katastrophen


- 1. Januar: Vor der Küste Guatemalas kentert eine Fähre, mindestens 83 Tote
- 8. Januar: Donington, Großbritannien. Bruchlandung einer Boeing 737 der British Midland Airways durch Triebwerksprobleme und Pilotenfehler. Der Pilot schaltete das falsche Triebwerk aus. 47 Menschen starben, 79 konnten gerettet werden
- 10. März: Dryden, Kanada. Eine Fokker F-28 der Air Ontario stürzte wegen vereister Tragflächen kurz nach dem Start ab. 24 Menschen starben, 45 überlebten den Absturz
- 15. April: Sheffield, Großbritannien. 96 Menschen werden im Hillsborough-Stadion in Sheffield an Absperrgittern zum Spielfeld zerquetscht, als Tausende Fußball-Fans auf die Tribüne drängen
- 7. Juni: Paramaribo, Suriname. Eine Douglas DC-8 der Surinam Airways, auf dem planmäßigen Flug von den Niederlanden kommend, stürzte nach dem dritten Landeanflug in dichtem Nebel, in den Dschungel. 168 Menschen starben, nur 15 überlebten
- 17. Juni: Ost-Berlin, DDR. Eine Iljuschin Il-62MK der Interflug bricht den Startvorgang während des Abhebens wegen technischer Probleme ab. Nach dem Kommando die Maschine durchzustarten begeht der Flugingenieur einen verhängnisvollen Fehler: Anstatt durchzustarten schaltet er die Maschinen ab. Die Verkehrsmaschine schoss über die Landebahn hinaus und fing Feuer. 20 der an Bord befindlichen 105 Menschen starben
- 19. Juli: Sioux City Airport, Iowa, USA. Eine McDonnell Douglas DC-10 der United Airlines stürzte während einer Notlandung wegen hydraulischer Probleme auf die Landebahn. 111 Personen starben, 185 überlebten
- 27. Juli: Tripolis, Libyen. Absturz einer McDonnell Douglas DC-10 der Korean Air beim Landeanflug. 75 der 200 an Bord befindlichen Personen starben
- 8. September: Kopenhagen, Dänemark. Absturz einer Convair 580 der norwegischen Partnair. 55 Menschen starben
- 19. September: Niger. Eine McDonnell Douglas DC-10 der französischen UTA explodierte in der Luft durch eine Bombe. Alle 171 Menschen an Bord starben

Sport


- Einträge von Leichtathletik-Weltrekorden siehe unten der jeweiligen Disziplin unter Leichtathletik.
- 25. Februar: Mike Tyson gewann seinen Boxkampf und Weltmeistertitel im Schwergewicht gegen Frank Bruno im Hilton Hotel, Las Vegas, Nevada, USA, durch technischen KO
- 21. Juli: Mike Tyson gewann seinen Boxkampf und Weltmeistertitel im Schwergewicht gegen Carl (The Truth) Williams in der Convention Hall, Atlantic City, New Jersey, USA, durch technischen KO
- 15. bis 17. Dezember: Deutschland (mit Boris Becker, Carl-Uwe Steeb) gewinnt erneut das Davis Cup-Finale gegen Schweden (in Stuttgart)

Geboren


- 3. Januar: Alex D. Linz, US-amerikanischer Schauspieler
- 6. Januar: Max Pirkis, britischer Schauspieler
- 9. Januar: Michaella Krajicek, niederländische Tennisspielerin
- 5. Februar: Jeremy Sumpter, US-amerikanischer Schauspieler
- 10. Februar: Rebecca Horner, österreichische Schauspielerin
- 5. März: Jake Lloyd, US-amerikanischer Schauspieler
- 13. März: Harry Melling, britischer Schauspieler
- 19. März: Marie-Christin Merkel, deutsche Volksmusikerin
- 25. März: Alyson Michalka, US-amerikanische Schauspielerin
- 15. April: Brandur Enni, färöischer Popstar
- 23. April: Nicole Vaidišová, tschechische Tennisspielerin
- 4. Mai: Dániel Gyurta, ungarischer Schwimmer
- 5. Mai: Chris Brown, US-amerikanischer R&B-Sänger
- 24. Mai: Tara Correa-McMullen, US-amerikanische Schauspielerin († 2005)
- 2. Juni: Freddy Adu, US-amerikanischer Fußballspieler
- 3. Juni: Katie Hoff, US-amerikanische Schwimmerin
- 18. Juni: Renee Olstead, US-amerikanische Sängerin und Schauspielerin
- 27. Juni: Matthew Lewis, US-amerikanischer Schauspieler
- 23. Juli: Daniel Radcliffe, britischer Schauspieler
- 21. August: Judd Trump, britischer Snookerspieler
- 21. August: Hayden Panettiere, US-amerikanische Schauspielerin
- 23. September: Lisa Hahn, deutsche Feldhockeyspielerin
- 11. Oktober: Michelle Wie, US-amerikanische Golfspielerin
- 21. Oktober: Sidonie von Krosigk, deutsche Schauspielerin
- 28. Oktober: Louis Klamroth, deutscher Schauspieler
- 29. November: Stefan Bradl, deutscher Motorradrennfahrer
- 28. Dezember: Mackenzie Rosman, US-amerikanische Schauspielerin

Gestorben


- 3. Januar: Robert Thomas, französischer Schriftsteller (
- 1927)
- 3. Januar: Sergei Lwowitsch Sobolew, russischer Mathematiker (
- 1908)
- 6. Januar: Edmund Leach, Naturwissenschaftler, Elektrotechniker und Anthropologe (
- 1910)
- 7. Januar: Hirohito, 124. Tenno- von Japan (
- 1901)
- 8. Januar: Otto Kasten, Gründer des Vereins Besucherring Dr. Otto Kasten (
- 1902)
- 8. Januar: Jan Cherniavsky, kanadischer Pianist ukrainischer Herkunft (
- 1892)
- 10. Januar: Herbert Morrison, US-amerikanischer Rundfunkreporter (
- 1905)
- 11. Januar: José Luis Bustamante y Rivero, peruanischer Präsident (
- 1894)
- 12. Januar: Willy Schneider, deutscher Volkssänger (
- 1905)
- 13. Januar: Joe Spinell, US-amerikanischer Schauspieler (
- 1936)
- 14. Januar: Robert Lembke, deutscher Journalist und Fernsehmoderator (
- 1913)
- 15. Januar: Ernst Neger, deutscher Dachdecker und Fastnachtssänger (
- 1909)
- 16. Januar: Karl Pouva, 1939 Gründer der Karl Pouva KG in Freital (
- 1903)
- 18. Januar: Bruce Chatwin, britischer Schriftsteller (
- 1940)
- 20. Januar: Józef Cyrankiewicz, polnischer kommunistischer Politiker und Ministerpräsident (
- 1911)
- 21. Januar: Harald Zusanek, österreichischer Schriftsteller (
- 1922)
- 23. Januar: Salvador Dalí, surrealistischer Maler, Schriftsteller, Bildhauer, Bühnenbildner und Schauspieler (
- 1904)
- 24. Januar: Siegfried Wischnewski, deutscher Schauspieler (
- 1922)
- 24. Januar: Ted Bundy, US-amerikanischer Serienmörder (
- 1946)
- 27. Januar: Willibald Kreß, deutscher Fußballspieler (
- 1906)
- 2. Februar: Ondrej Nepela, slowakischer Eiskunstläufer und Eiskunstlauftrainer (
- 1951)
- 3. Februar: John Cassavetes, US-amerikanischer Schauspieler und Regisseur (
- 1929)
- 4. Februar: Gustav Niermann, deutscher Politiker (
- 1919)
- 6. Februar: Chris Gueffroy, letzte Todesopfer an der Berliner Mauer (
- 1968)
- 6. Februar: King Tubby, Reggae-Musiker (
- 1941)
- 6. Februar: Barbara Tuchman, US-amerikanische Reporterin und Autorin (
- 1912)
- 8. Februar: Osamu Tezuka, japanischer Arzt und Manga-Zeichner (
- 1928)
- 9. Februar: Hermann Conring, deutscher Politiker (
- 1894)
- 11. Februar: Leon Festinger, US-amerikanischer Sozialpsychologe (
- 1919)
- 12. Februar: Thomas Bernhard, österreichischer Schriftsteller (
- 1931)
- 16. Februar: Ida Ehre, österreichisch-deutsche Schauspielerin und Theaterleiterin (
- 1900)
- 17. Februar: Johannes Sobek, deutscher Fußballspieler (
- 1900)
- 17. Februar: Marguerite Roberts, Drehbuchautorin (
- 1905)
- 20. Februar: Erika Köth, deutsche Kammersängerin und Sopranistin (
- 1927)
- 22. Februar: Sándor Márai, ungarischer Schriftsteller (
- 1900)
- 22. Februar: Otar Taktakischwili, georgischer Komponist (
- 1924)
- 23. Februar: Alfred Dallinger, österreichischer Politiker (
- 1926)
- 26. Februar: Jupp Schlaf, deutscher Tischtennisfunktionär und -spieler (
- 1919)
- 26. Februar: Roy Eldridge, US-amerikanischen Jazztrompeter (
- 1911)
- 26. Februar: Hans Klüver, deutscher Problemkomponist (
- 1901)
- 27. Februar: Paul Oswald Ahnert, deutscher Astronom (
- 1897)
- 27. Februar: Konrad Lorenz, Biologe und Nobelpreisträger (Medizin) (
- 1903)
- 28. Februar: Hermann Burger, Schweizer Schriftsteller (
- 1942)
- 1. März: Ernst Wilm, deutscher Pfarrer und Kirchenfunktionär (
- 1901)
- 6. März: Wolfgang Haußmann, deutscher Politiker (
- 1903)
- 8. März: Stuart Hamblen, US-amerikanischer Country-Musiker (
- 1908)
- 8. März: Jelisaweta Iwanowna Bykowa, sowjetische Schachspielerin (
- 1913)
- 11. März: John Jay McCloy, war von 1949 bis 1952 amerikanischer Hoher Kommissar in Deutschland (
- 1895)
- 13. März: Carl Dahlhaus, deutscher Musikwissenschaftler (
- 1928)
- 14. März: Zita von Bourbon-Parma, letzte Kaiserin Österreichs (
- 1892)
- 15. März: Eduard Wallnöfer, österreichischer Politiker und Landeshauptmann von Tirol (1963–1987) (
- 1913)
- 18. März: Harold Jeffreys, englischer Mathematiker, Statistiker, Geophysiker und Astronom (
- 1891)
- 21. März: Cesare Musatti, Mathematiker, Philosoph und Psychologe (
- 1897)
- 26. März: Manfred Seipold, deutscher Schauspieler und Synchronsprecher (
- 1941)
- 28. März: Ruth Seydewitz, deutsche Journalistin und Schriftstellerin (
- 1905)
- 1. April: Erich Lüth, Publizist (
- 1902)
- 4. April: Baruch Harold Wood, englischer Schachmeister. (
- 1909)
- 5. April: Karel Zeman, tschechischer Filmregisseur (
- 1910)
- 12. April: Edi Finger, Sportjournalist und erster österreichischer TV-Sportreporter (
- 1924)
- 12. April: Abbie Hoffman, US-amerikanischer Sozial-Aktivist (
- 1936)
- 15. April: Charles Vanel, französischer Schauspieler und Regisseur (
- 1892)
- 16. April: Ishikawa Kaoru, japanischer Chemiker, entwickelte „Ishikawa-Diagramm“ (
- 1915)
- 18. April: Hilde Benjamin, Vorsitzende Richterin und Justizministerin der DDR (
- 1902)
- 19. April: Daphne du Maurier, englische Schriftstellerin (
- 1907)
- 22. April: Emilio Segrè, US-amerikanischer Physiker (
- 1905)
- 23. April: Kurt Jung, deutscher Politiker (
- 1925)
- 23. April: Marc Daniels, US-amerikanischer Filmregisseur, Filmproduzent und Drehbuchautor (
- 1912)
- 23. April: Hamani Diori, erster nigerischer Präsident (
- 1916)
- 24. April: Franz Binder, österreichischer Fußballspieler (
- 1911)
- 24. April: Max Eisinger, deutscher Schachspieler (
- 1909)
- 25. April: George Coulouris, britischer Schauspieler (
- 1903)
- 26. April: Lucille Ball, US-amerikanische Schauspielerin, Star von „I Love Lucy“ (
- 1911)
- 28. April: Géza von Cziffra, deutscher Regisseur und Drehbuchautor (
- 1900)
- 30. April: Sergio Leone, italienischer Filmregisseur (
- 1929)
- 1. Mai: Edward Ochab, polnischer Politiker (
- 1906)
- 2. Mai: Meindert Boekel, niederländischer Komponist und Dirigent (
- 1915)
- 2. Mai: Giuseppe Siri, italienischer Kardinal (
- 1906)
- 4. Mai: Weniamin Alexandrowitsch Kawerin, russischer Schriftsteller, Jugenbuchautor (
- 1902)
- 5. Mai: Wolfgang Neuss, Kabarettist und Schauspieler (
- 1923)
- 9. Mai: Karl Brunner, Schweizer Ökonom (
- 1916)
- 10. Mai: Hassler Whitney, Mathematiker (
- 1907)
- 17. Mai: Walter Gross, deutscher Schauspieler, Kabarettist (
- 1904)
- 18. Mai: Hermann Höcherl, deutscher Politiker (
- 1912)
- 19. Mai: C. L. R. James, Kulturkritiker, Journalist und Schriftsteller (
- 1901)
- 20. Mai: John Richard Hicks, Ökonom des 20. Jahrhunderts (
- 1904)
- 21. Mai: August Holweg, Politiker (
- 1905)
- 22. Mai: Gerd Oswald, deutscher Filmregisseur, Filmproduzent, Schauspieler und Drehbuchautor (
- 1919)
- 26. Mai: Rainer Willingstorfer, österreichischer Künstler und Grafikdesigner (
- 1940)
- 28. Mai: Erwin Welke, deutscher Politiker
- 29. Mai: John Cipollina, US-amerikanischer Rockmusiker, Gitarrist (
- 1943)
- 31. Mai: Raissa Orlowa-Kopelewa, russische Schriftstellerin (
- 1918)
- 3. Juni: Ruhollah Chomeini, politischer und spiritueller Führer der islamischen Revolution im Iran
- 4. Juni: Ingeborg Kleinert, deutsche Politikerin und MdB (
- 1926)
- 7. Juni: Chico Landi, Formel-1-Rennfahrer (
- 1907)
- 9. Juni: Wolfdietrich Schnurre, deutscher Schriftsteller (
- 1920)
- 9. Juni: George Wells Beadle, US-amerikanischer Biologe (
- 1903)
- 10. Juni: Richard Quine, US-amerikanischer Schauspieler, Drehbuchautor, Produzent und Filmregisseur (
- 1920)
- 14. Juni: Joseph-Albert Malula, Erzbischof von Kinshasa und Kardinal (
- 1917)
- 15. Juni: Victor French, US-amerikanischer Schauspieler und Regisseur (
- 1934)
- 20. Juni: Otto Kässbohrer, deutscher Unternehmer und Fahrzeugkonstrukteur (
- 1904)
- 23. Juni: Werner Best, deutscher Jurist, Polizeichef und Nationalsozialist (
- 1903)
- 23. Juni: Richard Meier, Präsident des deutschen Bundesamtes für Verfassungsschutz (
- 1903)
- 23. Juni: Timothy Manning, Erzbischof von Los Angeles und Kardinal (
- 1909)
- 23. Juni: Friedrich Hacker, österreichisch-amerikanischer Psychiater, Psychoanalytiker und Aggressionsforscher (
- 1914)
- 23. Juni: Michel Aflaq, arabischer Politiker und Mitbegründer der Ba'ath-Partei (
- 1910)
- 27. Juni: Alfred Jules Ayer, Philosoph Logiker (
- 1910)
- 28. Juni: Joris Ivens, holländischer Dokumentarfilmmacher (
- 1898)
- 2. Juli: Andrei Andrejewitsch Gromyko, sowjetischer Politiker, langjähriger Außenminister (
- 1909)
- 2. Juli: Franklin J. Schaffner, US-amerikanischer Filmregisseur (
- 1920)
- 4. Juli: Dik Browne, US-amerikanischer Comiczeichner (
- 1917)
- 5. Juli: Berthold Wolpe, deutscher Typograf und Lehrer (
- 1905)
- 6. Juli: János Kádár, ungarischer Politiker (
- 1912)
- 7. Juli: Hasso von Etzdorf, deutscher Generalkonsul (
- 1900)
- 8. Juli: August Haußleiter, deutscher Politiker und Journalist (
- 1905)
- 10. Juli: Jean-Michel Charlier, belgischer Comic-Zeichner (
- 1924)
- 15. Juli: Josef Bauer, deutscher Politiker, MdB (
- 1915)
- 17. Juli: Nicolas Guillen, kubanischer Dichter und Schriftsteller (
- 1902)
- 17. Juli: Heinz Risse, deutscher Schriftsteller (
- 1898)
- 19. Juli: Kazimierz Sabbat, polnischer Jurist, Unternehmer und Politiker (
- 1913)
- 19. Juli: Carl-Heinz Schroth, österreichischer Schauspieler, Regisseur und Synchronsprecher (
- 1902)
- 22. Juli: Jewgeni Iwanowitsch Umnow, russischer Problemkomponist (
- 1913)
- 23. Juli: Donald Barthelme, amerikanischer Schriftsteller (
- 1931)
- 25. Juli: Steve Rubell, (
- 1943)
- 27. Juli: Dolf Sternberger, deutscher Politikwissenschaftler und Journalist (
- 1907)
- 2. August: Luiz Gonzaga, Sänger, Akkordeonspieler und Komponist (
- 1912)
- 4. August: Larry Parnes, britischer Musikmanager und Impresario (
- 1930)
- 6. August: deutscher Staat, der vom 7. Oktober 1949 bis zum 2. Oktober 1990 existierte. Sie wurde 1949 aus der Sowjetischen Besatzungszone und dem Ostsektor Berlins gegründet und bezeichnete sich selbst als sozialistischen Staat. Die DDR wurde aufgrund des Alleinvertretungsanspruchs in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) anfangs und bis in die 1960er Jahre vornehmlich als Sowjetisch Besetzte Zone (SBZ), Sowjetzone und Ostzone oder einfach nur als Zone bezeichnet. Im Hinblick auf die bezweifelte Demokratie (für die das zweite ‚D‘ der Abkürzung steht) wurde sie insbesondere in konservativen und rechten Kreisen in der Bundesrepublik auch als „die sogenannte DDR“ bezeichnet, oder die Abkürzung wurde mit Anführungszeichen geschrieben.

Geschichte

Siehe auch:
- Geschichte der DDR
- Geschichte Deutschlands Die DDR wurde auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone und dem sowjetischen Sektor Berlins am 7. Oktober 1949 fünf Monate nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland errichtet. Politisch wurde sie von Anfang an durch die SED dominiert und war Teil des unter der Hegemonie der Sowjetunion stehenden Ostblocks. Von 1949 bis 1971 war Walter Ulbricht als Erster Sekretär des Zentralkomitees (ZK) der SED der faktische Machthaber, von 1971 bis 1989 Erich Honecker (ab 1976 mit dem Titel Generalsekretär) und vom 18. Oktober 1989 bis zum Rücktritt des gesamten Politbüros der SED am 3.Dezember Egon Krenz. Zunächst betrieb die Sowjetunion die Angleichung der DDR an das zentralkommunistische System weniger stark, um die Chance auf eine politisch neutrale und vielleicht auch sowjetisch dominierte deutsche Einheit nicht zu verspielen. Dies änderte sich jedoch schlagartig mit der Ablehnung der Stalinnote 1952 durch die Bundesregierung unter Konrad Adenauer und durch die Westalliierten. Die Kollektivierung der Landwirtschaft und die Verstaatlichung der Betriebe wurden massiv vorangetrieben. Die Länder der DDR wurden 1952 aufgelöst und durch Bezirke ersetzt. Am 17. Juni 1953 kam es in Ost-Berlin zu Demonstrationen gegen erhöhte Arbeitsnormen, die sich in weiten Teilen des Landes zu teilweise sehr umfangreichen Aufständen auch gegen die Parteidiktatur der SED ausweiteten. Diese wurden militärisch von den in der DDR stationierten sowjetischen Truppen niedergeschlagen; dabei kam es auch zu Todesfällen. Aufständen auch gegen die Parteidiktatur der SED Da die Wirtschaft der DDR sich auch aufgrund unterschiedlicher Voraussetzungen (die DDR leistete umfangreiche Reparationszahlungen an die Sowjetunion und verzichtete auf Grund des Drucks aus Moskau auf die finanziellen Leistungen aus dem Marshallplan zum Wiederaufbau Europas), aber auch aufgrund der Kollektivierung langsamer entwickelte als die der Bundesrepublik Deutschland und wesentliche Freiheiten nicht gewährt wurden, siedelten von 1945 bis 1961 etwa zwei Millionen Menschen aus freiem Willen, durch Abwerbung (meist durch attraktive Arbeitsplatzangebote) oder auf der Flucht vor Repressionen von der DDR in die Bundesrepublik Deutschland über. Dies wurde für die DDR wirtschaftlich bedrohlich, da überdurchschnittlich viele junge und gut ausgebildete Menschen den Staat verließen. „Republikflucht“ wurde daher in der DDR zur Straftat erklärt, die Grenze zur Bundesrepublik Deutschland durch Sperranlagen, lebensbedrohende Minensperren, Selbstschussanlagen und gezielt schießende Grenzsoldaten „gesichert“. Bei dem Versuch, dieses Sperrsystem, von der DDR als "antifaschistischer Schutzwall" bezeichnet, zu überwinden, wurden mehrere hundert Menschen an der innerdeutschen Grenze getötet. Die durch die DDR verübten Menschenrechtsverletzungen, darunter die an der innerdeutschen Grenze, wurden in der Bundesrepublik Deutschland von der eigens eingerichteten Zentralen Erfassungsstelle der Landesjustizverwaltungen in Salzgitter dokumentiert. Die noch offene Grenze in Berlin wurde ab dem 13. August 1961 durch die Berliner Mauer verschlossen, die damit zum Symbol der Teilung Deutschlands und Europas wurde. Im Zuge der Ostpolitik der bundesdeutschen Regierungen seit 1966, die hauptsächlich von Willy Brandt (Außenminister 1966–69 und Bundeskanzler 1969–74) formuliert wurde, kam es zur Annäherung zwischen DDR und BRD. Diese gab ihren Alleinvertretungsanspruch auf; die DDR erkannte an, dass die Deutschen ein Volk sind, das lediglich in zwei Staaten lebte. Daraufhin wurden 1973 beide deutschen Staaten Mitglieder der UNO. Im Sommer und Herbst 1989 flohen immer mehr Bürger der DDR über Ungarn, das am 2. Mai 1989 seine Grenze zu Österreich geöffnet hatte und ab dem 11. September 1989 auch DDR-Bürgern offiziell die Ausreise nach Österreich erlaubte, sowie über die Botschaften der Bundesrepublik Deutschland in ostmitteleuropäischen Staaten, vor allem in Prag. Da die DDR-Führung die Umgestaltungspolitik des sowjetischen Generalsekretärs Michail Gorbatschow nicht nachvollziehen wollte, destabilisierte sich die DDR zunehmend von innen heraus. Die sich verschlechternde wirtschaftliche Lage und die auf der sowjetischen Perestroika-Politik beruhenden, von Honecker aber enttäuschten Hoffnungen auf freiheitliche Veränderungen führten im Rahmen der Friedensgebete besonders der Evangelischen Kirche 1989 zu regelmäßigen Protestdemonstrationen. Diese weiteten sich vor allem in Leipzig sehr schnell zu Großdemonstrationen aus, die friedlich blieben - anders als die Protestdemonstrationen wegen der erzwungenen Durchreise der Botschaftsflüchtlinge aus Prag und Warschau, die am Hauptbahnhof Dresden zu heftigen Ausschreitungen führten. Am 18. Oktober 1989 musste Honecker unter dem Druck der öffentlichen Proteste zurücktreten, wie wenige Tage später die vollständige DDR-Regierung. Am 9. November wurde die Berliner Mauer geöffnet. Am 17. November wählte die Volkskammer Hans Modrow, bisheriger 1. Sekretär der Bezirksleitung der SED Dresden, zum neuen Vorsitzenden des Ministerrates. In dessen Regierungszeit wurden die Runden Tische zur zweiten demokratischen Diskussionsebene. Die Montagsdemonstrationen der DDR-Bevölkerung und die Maueröffnung führten schließlich zum Zusammenbruch des SED-Regimes. Die unbewaffneten Montagsdemonstranten blieben friedlich, und die bewaffneten Organe der DDR, die vor allem 1989 noch mit Prügeleien und Verhaftungen auf die Demonstrationen reagiert hatten, verzichteten, wohl auch angesichts der zunehmenden Masse der Demonstranten, weitgehend auf die gewaltsame Auflösung der Versammlungen. Der bewusste Verzicht auf Gewalt wurde am deutlichsten bei der großen Leipziger Demonstration, in deren Vorfeld es dazu öffentliche Absprachen zwischen SED-Bezirksleitung und prominenten DDR-Bürgern (u. a. Kurt Masur) gab. Bei den ersten freien Wahlen zur Volkskammer am 18. März 1990 wurde die Allianz für Deutschland, ein Wahlbündnis aus CDU-Ost, DSU und DA, mit 48,15 Prozent der abgegebenen Stimmen Wahlsieger. Auf Basis des Einigungsvertrags trat die Deutsche Demokratische Republik am 3. Oktober 1990 der Bundesrepublik Deutschland nach Artikel 23 des Grundgesetzes bei.

Politik

Siehe auch: Politisches System der DDR Die offiziellen staatlichen Institutionen übten zwar formell die Macht aus, konnten faktisch aber bis 1989 nur Beschlüsse der tatsächlichen Machthaber bestätigen:
- Volkskammer (Parlament)
- Ministerrat (Regierung)
- Staatsrat (kollektives Präsidial-Gremium, dessen Vorsitzender das Staatsoberhaupt war, eingesetzt nach dem Tod des ersten und einzigen Präsidenten Wilhelm Pieck) Tatsächlich kontrolliert wurde der Staat durch die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) und die Sowjetunion. Der absolute Führungsanspruch der SED war seit 1968 auch offiziell in der Verfassung der DDR verankert. In Artikel 1 der Verfassung hieß es: :Die Deutsche Demokratische Republik ist ein sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern. Sie ist die politische Organisation der Werktätigen in Stadt und Land unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei. Ihre Führungsrolle setzte sie durch die Nomenklatur, einen umfangreichen Überwachungs- und Spitzelapparat (Ministerium für Staatssicherheit), die Zensur von Printmedien, Hörfunk und Fernsehen und Repressalien gegen politisch Andersdenkende durch. Unter dem Druck der friedlichen Revolution, der so genannten Wende, wurde dieser Führungsanspruch am 1. Dezember 1989 von der alten DDR-Volkskammer aus der Verfassung gestrichen. Die DDR war international im Warschauer Vertrag und im Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) eingebunden und seit 1973 Mitglied der Vereinten Nationen. Das Rechtswesen der DDR entsprach nicht dem Standard für einen Rechtsstaat. In der DDR waren Rechtsanwälte nicht unabhängig vom Staat. Sie hatten kein Recht auf Akteneinsicht. Rechtsanwälte bekamen, wie die Richter, lediglich einen zusammenfassenden Bericht. Die Möglichkeit, selber die Akten durch einen Rechtsanwalt (insbesondere in Strafprozessen) überprüfen zu lassen, bestand nicht. Politische Häftlinge gab es in der DDR-Terminologie nicht, sie wurden kriminalisiert und als Straftäter bezeichnet. Zusätzlich erfolgte eine Politisierung der gesamten Gesellschaft. Mit der Ideologisierung und der damit verbundenen Zensur in Medien, Literatur und Kunst wurde gleichzeitig mit einer neuen Terminologie ein Feindbild propagiert, welches vor allem die Jugend verinnerlichen sollte.

Bewaffnete Organe


- 1948 entstanden mit den kasernierten Bereitschaften die ersten bewaffneten Einheiten nach dem Krieg. Sie wurden 1952 in die Kasernierte Volkspolizei überführt, die Vorläufer der NVA waren. Parallel wurde die Volkspolizei-See und -Luft geschaffen. Im Laufe des Jahres 1956 wurden die meisten Einheiten in die NVA überführt.
- Die Nationale Volksarmee (NVA) wurde am 1. März 1956 gegründet. Seitdem wurde der 1. März als Tag der NVA begangen. Sie bestand aus den Landstreitkräften (LaSK), der Volksmarine (VM) und den Luftstreitkräften/Luftverteidigung (LSK/LV).
- Die Kampfgruppen der Arbeiterklasse
- Die Grenztruppen der DDR gehörten nicht zur NVA, waren aber wie die Nationale Volksarmee dem Ministerium für Nationale Verteidigung (MfNV) unterstellt und für die Bewachung der Grenzen der DDR zuständig.
- Deutsche Volkspolizei
  - VP-Bereitschaft (Bereitschaftspolizei)
  - Verkehrspolizei
  - Transportpolizei (Trapo)
  - Kasernierte Einheiten des Ministeriums des Innern (MdI)
- Ministerium für Staatssicherheit (MfS)
  - Zollverwaltung der DDR
- Zivilverteidigung der DDR Die Gesellschaft für Sport und Technik (GST) wurde 1952 gegründet und war eine von mehreren paramilitärischen Organisationen im Umfeld der NVA. Sie trug zur Militarisierung der Gesellschaft bei, indem sie die gesetzlich vorgeschriebene vormilitärische Ausbildung an Schulen, Universitäten und in den Betrieben durchführte. Die Rolle der NVA bei der Niederschlagung des Prager Frühlings: Die 7. Panzerdivision und die 11. Motorisierte Schützendivision sollten ursprünglich mit in die ČSSR einmarschieren. In der Realität jedoch leisteten sie nur logistische Hilfe und standen direkt an der Grenze DDR / ČSSR zur militärischen Absicherung der Operation. Diverse Verbindungsoffiziere, NVA-Nachrichtensoldaten und auch MfS-Offiziere waren direkt in der ČSSR im verdeckten oder korrespondierenden Einsatz.

Parteien

Herrschende Partei der DDR war die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands. Ihr Führungsanspruch war seit 1968 in der Verfassung festgeschrieben und manifestierte sich auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens in der DDR. Neben der SED gab es vier weitere Parteien, die mit der SED und einigen Massenorganisationen im so genannten demokratischen Block (Nationale Front) zusammenarbeiteten, die so genannten Blockparteien:
- Christlich-Demokratische Union Deutschlands (CDU)
- Liberaldemokratische Partei Deutschlands (LDPD)
- Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NDPD)
- Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD) Sie waren zwar formal an den meisten Gremien und Organen der DDR beteiligt, hatten aber de facto keinen wirklichen Anteil an der Macht. Ferner wurde die Mitgliederanzahl der Blockparteien limitiert. In der Zeit der Wende gründeten sich 1989 zahlreiche neue Parteien und Bürgerbewegungen. Dies waren unter anderem:
- Neues Forum
- Demokratie jetzt
- Initiative für Frieden und Menschenrechte
- Sozialdemokratische Partei der DDR (SDP)
- Vereinigte Linke
- Demokratischer Aufbruch (DA)
- Deutsche Soziale Union (DSU)
- Grüne Partei
- Unabhängiger Frauenverband Zur einzigen freien Volkskammerwahl am 18. März 1990 traten neben den alten DDR-Parteien, die meist inzwischen komplett andere Ziele vertraten, auch viele der neu gegründeten Parteien und Bürgerbewegungen an, teilweise in dazu gegründeten Wahlbündnissen. Die SED änderte noch 1989 ihren Namen in SED/PDS (Partei des demokratischen Sozialismus) und benannte sich Anfang 1990 in PDS um.

Massenorganisationen

Neben den Parteien gehörte eine Reihe so genannter Massenorganisationen zur Nationalen Front. Sie waren teilweise mit eigenen Mandaten in den Volksvertretungen bis hin zur Volkskammer vertreten. Die überwiegende Mehrheit der DDR-Bürger im schulpflichtigen oder erwerbstätigen Alter war in einer oder mehreren dieser Organisationen Mitglied.
- Freier Deutscher Gewerkschaftsbund (FDGB)
- Demokratischer Frauenbund Deutschlands (DFD)
- Freie Deutsche Jugend (FDJ)
- Pionierorganisation Ernst Thälmann
- Gesellschaft für Sport und Technik (GST)
- Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft (DSF)
- Deutscher Turn- und Sportbund (DTSB)
- Volkssolidarität
- Kulturbund

Flagge und Wappen

Drei waagerechte Streifen in den traditionellen deutsch-demokratischen Farben Schwarz-Rot-Gold mit dem Staatswappen der DDR in der Mitte, bestehend aus Hammer und Zirkel, umgeben von einem Ährenkranz als Symbol des Bündnisses von Arbeitern, Bauern und Intelligenz. Erste Entwürfe des Wappens von Fritz Behrendt enthielten nur Hammer und Ährenkranz, als Ausdruck des „Arbeiter- und Bauernstaates“. Die endgültige Version beruhte hauptsächlich auf der Arbeit von Heinz Behling. Mit Gesetz vom 26. September 1955 wurde das Staatswappen mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz bestimmt, als Staatsflagge aber weiter „nur“ Schwarz-Rot-Gold. Mit Gesetz vom 1. Oktober 1959 wurde das Wappen in die Staatsflagge eingefügt. Das öffentliche Vorzeigen dieser Flagge wurde bis Ende der 1960er in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin als ein Verstoß gegen Verfassung und öffentliche Ordnung angesehen und durch polizeiliche Maßnahmen verhindert (vergleiche Erklärung der Innenminister von Bund und Ländern, Oktober 1959). Erst 1969 verfügte die Bundesregierung, „daß die Polizei nirgendwo mehr gegen die Verwendung von Flagge und Wappen der DDR einschreiten sollte.“ Auf Antrag der DSU beschloss die erste frei gewählte Volkskammer der DDR am 31. Mai 1990, dass das DDR-Staatswappen innerhalb einer Woche in und an öffentlichen Gebäuden entfernt werden sollte. Dennoch fand es bis zum offiziellen Ende der Republik beispielsweise auf Dokumenten weiter vielfältige Verwendung.

Gesellschaftliches Leben

Verbände


- Deutscher Anglerverband (DAV)
- Akademie der Wissenschaften der DDR (AdW)
- Nationales Olympisches Komitee der DDR (NOK)
- Deutscher Fußball-Verband (DFV)
- Leopoldina, Halle (Saale)
- Urania
- Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (VKSK)
- Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB)
- Kammer der Technik (KdT)
- Domowina (Bund der Sorben in der Lausitz)
- Deutsches Rotes Kreuz (DRK)
- Liga für Völkerfreundschaft
- Friedensrat der DDR
- Allgemeiner Deutscher Motorsportverband (ADMV)
- Nationaler Rat der DDR zur Pflege und Verbreitung des Deutschen Kulturerbes

Schulsystem der DDR

Hauptartikel: Bildungssystem der DDR Das sozialistische Bildungssystem der DDR war im wesentlichen als ein einheitliches Gesamtschulsystem konzipiert, mit anschließenden tertiären Bildungseinrichtungen. Aufbauend auf der Vorschulerziehung im Kindergarten und der ab den 1960er Jahren für alle Kinder verbindlichen zehnklassigen polytechnischen Oberschule (POS) folgten
- eine zwei- bis dreijährige Berufsausbildung (Abschluss Facharbeiter)
- eine dreijährige Berufsausbildung (Facharbeiterbrief mit Abitur) oder
- eine Abiturausbildung auf der Erweiterten Oberschule (EOS). Diese begann bereits nach der 8. Klasse der POS und führte in vier Jahren zum Abitur. Erst ab Beginn der 1980er Jahre schlossen sich 2 Jahre EOS an die Beendigung der zehnjährigen POS an. Wesentliche Merkmale des Schulsystems der DDR waren
- die Einheitlichkeit der Bildungsinhalte für alle Kinder bis Klasse 10 bei zunehmenden Möglichkeiten einer Differenzierung, insbesondere nach Klasse 10; Folge dieser Einheitlichkeit waren die identischen Abschlussprüfungen der 10. Klasse beziehungsweise des Abiturs an jeweils gleichen Tagen,
- die gezielte Vorbereitung auf die spätere Arbeitswelt durch polytechnische Ausbildung und eine Schwerpunktsetzung auf die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer,
- das Bemühen um eine Einheit von Bildung und Erziehung mit dem Ziel der vollständigen Integration der Absolventen in die sozialistische Gesellschaft.

Religionen

In der DDR gab es verschiedene Religionsgemeinschaften. Die größte Rolle spielten die christliche