Home About us Products Services Contact us Bookmark
:: wikimiki.org ::
Babi Jar

Babi Jar

Babi Jar (ukrainisch Бабин Яр = Weiberschlucht) ist der Name einer Schlucht, die außerhalb der Stadt Kiew in der Ukraine lag (mittlerweile innerhalb der Stadtgrenze). Hier wurde ein Massenmord an der jüdischen Bevölkerung durch deutsches Militär während des 2. Weltkriegs durchgeführt, nachdem die Wehrmacht und die SS in Kiew einmarschiert waren. Beteiligt waren Wehrmacht, Angehörige des SD, der Polizei, der Geheimen Feldpolizei und der Einsatzgruppe C (angeführt von SS-Brigadeführer Otto Rasch), die für die sogenannten Exekutivmaßnahmen gegen die Zivilbevölkerung zuständig war. Entsprechend dem Einsatzbefehl der Einsatzgruppe Nr. 101 wurden 33.771 Juden bei Babi Jar am 29. September und 30. September 1941 systematisch durch Maschinengewehrfeuer ermordet. Die Wehrmacht leistete hier logistische Beihilfe, indem sie die Stadt und die SS absicherte und nach dem Massaker Teile der Schluchtwände sprengte, um mit dem abgesprengten Schutt die Leichenberge zu verstecken. Bis zum 12. Oktober wurden insgesamt 51.000 Juden ermordet. Die Sachen der ermordeten Menschen wurden in einem Lagerhaus aufbewahrt und an Wehrmachtssoldaten verteilt. Weitere Massenmorde an sowjetischen Militärgefangenen und Zivilbevölkerung unterschiedlicher Nationalitäten wurden systematisch ausgeführt. Den unterschiedlichen Schätzungen zufolge wurden 150.000 bis 200.000 Menschen hingerichtet. Im November 1943 wurde Kiew durch die Rote Armee zurückerobert.

Darstellung

Das Massaker gab Anlass zu einem Gedicht des russischen Dichters Jewgeni Jewtuschenko, das vom Komponisten Dmitri Schostakowitsch in seiner Symphonie Nr. 13 vertont wurde. Ein Mahnmal in Form einer Menorah, das an den Massenmord erinnert, wurde im Park Babi Jar errichtet (Metrostation Дорогожичі/Dorohoschytschi). Anatoli Kusnezow hat in dem Roman-Dokument „Babij Jar, Die Schlucht des Leids“ über dieses Massaker aus eigenem Erleiden berichtet. Über das Verbrechen wurden mehrere Filme gedreht. Unter anderen:
- Babij Jar - das vergessene Verbrechen (Deutschland/Weißrussland 2002), Regie: Jeff Kanew, Produktion: Artur Brauner.
- Das Massaker wurde in Teil 2 der vierteiligen TV-Serie „Holocaust - Die Geschichte der Familie Weiß“ dargestellt.

Siehe auch


- Waffen-SS
- Holocaust
- Portal:Geschichte

Literatur


- Klaus Jochen Arnold: Die Eroberung und Behandlung der Stadt Kiev durch die Wehrmacht im September 1941. Zur Radikalisierung der Besatzungspolitik. In: Militärgeschichtliche Mitteilungen; 58/1999, S. 23 - 63
- Patrick Dempsey: Babi-Yar. A Jewish Catastrophe. P. A. Draigh, Measham 2005, ISBN 1904115039
- Anatoli Wassiljewitsch Kusnezow: Babi Jar. Ein dokumentarischer Roman. Volk und Welt, Berlin 1968
neu ediert: Matthes & Seitz, Berlin 2001 ISBN 3-88221-295-0
- Dieter Pohl: Die Einsatzgruppe C 1941/1942. In: Peter Klein (Hrsg.): Die Einsatzgruppen in der besetzten Sowjetunion 1941/42. Gedenk- und Bildungsstätte Haus Wannseekonferenz, Berlin 1997, S. 71 - 87 ISBN 3-89468-200-0
- Hartmut Rüß: Wer war verwantwortlich für das Massaker von Babij Jar? In: Militärgeschichtliche Mitteilungen; 57/1998, S. 483 - 508 (zur Rolle der Wehrmacht)
- Harald Welzer: Täter. Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden. S. Fischer, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-10-089431-6 (insbesondere Kapitel "Tötungsarbeit – Die Durchführung")
- Erhard Roy Wiehn (Hrsg.): Die Schoáh von Babij Jar. Das Massaker deutscher Sonderkommandos an der jüdischen Bevölkerung von Kiew 1941. Fünfzig Jahre danach zum Gedenken. Hartung-Gorre, Konstanz 1991, ISBN 3-89191-430-X (Aufsatzsammlung)

Weblink


- [http://www.ns-archiv.de/einsatzgruppen/babi-jar/ereignismeldung-106.php Die Ereignismeldung 106]
- [http://www.grapevine.org/menorah.jpg Ein Bild des Mahnmals]
- [http://www.h-ref.de/dk/krieg/ussr/babi/babi.shtml Argumente gegen Auschwitzleugner: Das Massaker von Babi Jar]
- [http://tfn.net/holocaust/online/babiyar.html Historisches Fotomaterial]
- [http://boppin.com/poets/yy_babiyar.htm „Babi Jar“ von Jewgeni Jewtuschenko (English)]
- [http://www.daserste.de/auschwitz/sendung_dyn~film,708~cm.asp Babij Jar - Das vergessene Verbrechen], Spielfilm, Deutschland/Russland 2002, ARD-Ausstrahlung: 16. Januar 2005, Produktion: Artur Brauner
  - [http://www.talmud.de/aktuell/babij_jar.htm Das vergessene Verbrechen] - Ausführlicher Beitrag über den Film von Artur Brauner; Geschichtlicher Rahmen und Interview mit dem Hauptdarsteller
- [http://www.frankfurter-rundschau.de/_inc/_globals/print.php?sid=f6ce3206d0b6c04bbcc2f12ec0085606&client=fr&cnt=717396&ref=/ressorts/kultur_und_medien/feuilleton/ Interview mit Prof. Harald Welzer] über die Mentalität der Täter von Babi Yar, FR, 27. August 2005 Kategorie:Schlucht Kategorie:Geographie (Ukraine) Kategorie:Kriegsverbrechen des Nationalsozialismus Kategorie:Massaker Kategorie:Geschichte des Holocaust Kategorie:Ukrainische Geschichte

Schlucht

] Schlucht ist die allgemeine geomorphologische Bezeichnung für einen engen, steilwandigen Einschnitt in einem Gebirge und damit für eine Talform. Schluchten werden meist durch Auswaschung über Millionen von Jahren selbst durch kleinere Wasserläufe produziert. Ein poröses Gestein, wie z.B. Kalkstein oder Sandstein, kann diesen Vorgang noch beschleunigen. Schluchten können ideal für den Bau eines Staudammes sein. In vielen touristisch erschlossenen Gegenden, wie z.B. Kreta oder Österreich, werden Rafting oder Trekking-Ausflüge angeboten, die aufgrund der latenten Bedrohung bei Gewittern und den daraus resultierenden Wassermassen nur in Begleitung von anerkannten Führern gemacht werden sollten. Schluchten können sehr groß und auch wasserfrei sein; besonders enge und steile, zumeist wasserdurchströmte Schluchten werden im Oberdeutschen als Klamm bezeichnet. Im Alpenraum, insbesondere in der Ostschweiz, werden unzugängliche Schluchten als Tobel bezeichnet, welche meist eine V-förmigen Einschnitt haben.

Beispiele

Tobel Deutschland
- Marienschlucht (Allensbach am Bodensee)
- Schnittlinger Loch (bei Spalt, Mittelfranken)
- Wolfsschlucht (am Hockstein, Elbsandsteingebirge)
- Wutachschlucht (Wutach, Schwarzwald) Frankreich
- Verdonschlucht (Departements Var und Alpes-de-Haute-Provence) Griechenland
- Imbrosschlucht (Kreta)
- Samariá-Schlucht (im Süden Kretas) Marokko
- Dadesschlucht Dades Neuseeland
- Milford Sound Österreich
- Rappenlochschlucht (Dornbirn)
- Raggaschlucht (Flattach/Mölltal, Kärnten)
- Tscheppaschlucht (Ferlach, Kärnten) Rumänien
- Eisernes Tor oder Djerdap-Schlucht an der Donau Schweiz
- Aareschlucht (Meiringen, Berner Oberland)
- Massaschlucht (Blatten bei Naters, Kanton Wallis)
- Taubenlochschlucht (bei Biel/Bienne)
- Via Mala (bei Thusis, Graubünden) USA
- New River Gorge (West Virginia)
- Red River Gorge (Kentucky)

Weblinks


- [http://www.live-reisen.com/epiros/wiki_schlucht.htm Live-Reisen - Vikos-Schlucht (Epirus, Nordgriechenland]
- [http://www.live-reisen.com/chania/wiki_samaria.htm Live-Reisen - Samaria-Schlucht (Kreta)] Kategorie:Geomorphologie

Kiew

Kiew (ukrainisch Київ/Kyjiw; russisch Киев/Kijew-) ist die Hauptstadt und größte Stadt der Ukraine, sowie Hauptstadt der Oblast Kiew. Sie liegt am bis hierhin für kleinere Seeschiffe befahrbaren Dnepr (ukrainisch: Dnipro) und hat 2.514.227 Einwohner, als Agglomeration 3.015.108 (Stand 1. Januar 2005). Die Universität wurde 1834 gegründet. Außerdem gibt es 99 Hochschulen, 25 Museen, ein Planetarium, Theater, botanische und zoologische Gärten. Aufgrund seiner vielen Kirchen und Klöster und seiner Bedeutung für die orthodoxe Christenheit wird Kiew seit dem Mittelalter als Jerusalem des Nordens bezeichnet (heute hört man häufiger Jerusalem des Ostens). Ferner wird Kiew aufgrund seiner geschichtlichen Rolle als Mutter aller ruthenischen Städte bezeichnet.

Geografie

Kiew liegt am für kleinere Seeschiffe befahrbaren Dnipro (ukrainisch Дніпро, deutsch Dnepr).

Bevölkerung und Sprache

Dnipro Nach der offiziellen Volkszählung in der Ukraine lebten im Jahr 2001 in Kiew etwa 82% Menschen ukrainischer und 13% Menschen russischer Nationalität. Daneben gibt es noch kleine Minderheiten anderer Nationalitäten (Juden, Weißrussen, Polen, Armenier u.a.). Von den Ukrainern in Kiew betrachten gemäß der Volkszählung etwa 15% die Russische Sprache als ihre Muttersprache. Unter den Einwohnern russischer Nationalität betrachten etwa 8 % Ukrainisch als ihre Muttersprache ([http://www.ukrcensus.gov.ua/results/general/language/city_kyiv/]). Dennoch wird in der Alltagswahrnehmung insgesamt in Kiew sehr viel Russisch gesprochen.

Religion

Kiew ist Sitz eines ukrainisch-orthodoxen Patriarchen und eines russisch-orthodoxen Metropoliten. Die Sophienkathedrale ist die älteste ostslawische Kathedrale. Der Großerzbischof der mit dem römisch-katholischen Papst in Rom unierten griechisch-katholischen Kirche ist derzeit dabei, seinen Sitz von Lemberg hierher zu verlegen.

Geschichte

Lemberg Laut Nestorchronik wurde Kiew von drei Brüdern namens Kyj, Schtschek und Choriw gegründet und nach dem ältesten Bruder benannt ("Kiew" = 'Stadt von Kyj', altrussisch und ukrainisch: Kyjiw). Dies soll spätestens am Anfang des 6. Jahrhunderts geschehen sein, da der Name des slawischen Fürsten Kyj in dieser Zeit in byzantinischen Chroniken erwähnt wurde. Einige mittelalterliche Quellen führen die Gründung Kiews auf die Jahre 430-460 zurück. Es gibt auch Spekulationen, die Kiew schon mit der von Jordanes erwähnten großen gotischen Stadt Danapirstadir (= "Stadt am Dnepr") identifizieren. 880 wurde die slawische Stadt Kiew fürstliche Residenz der Rus und Känugard genannt. 988 wurde Kiew von dem zum Christentum übergetretenen Großfürsten Wladimir I. ausgebaut und als Zentrum der Kiewer Rus befestigt (siehe Geschichte der Ukraine, Geschichte Russlands). Im 11. und 12. Jahrhundert war Kiew mit etwa 50.000 Bewohnern nach Konstantinopel die größte Stadt Europas. 1240 wurde Kiew von Mongolen zerstört, 1569 wurde es zu einer polnisch-litauischen Provinzhauptstadt (siehe Geschichte Litauens, Geschichte Polens). Nach der Bildung eines unabhängigen ukrainischen Kosakenstaates wurde Kiew 1667 dessen Hauptstadt, nach der Einverleibung durch Russland 1793 Hauptstadt eines russischen Gouvernements. Ab 1920 war Kiew sowjetisch. 1934 wurde die Stadt an Stelle von Charkow Hauptstadt der zur Sowjetunion gehörenden Ukraine. Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg, vom 19. September 1941 bis zum 6. November 1943, wurden von den Deutschen 120.000 bis 160.000 sowjetische Kriegsgefangene und Zivilisten in Kiew ermordet. Unter anderem fielen mehr als 33.000 Juden in Babi Jar bei Kiew einem Massaker zum Opfer. Große Teile der Stadt wurden während des Krieges zerstört. 1982 fanden die Feierlichkeiten des 1500-jährigen Bestehens von Kiew statt. Die Stadt wurde 1986 vom Tschernobyl-Unfall schwer getroffen. Seit 1991 ist Kiew Hauptstadt der unabhängigen Ukraine. 2004 wurde Kiew zum Schauplatz der Massenproteste gegen die Fälschungen bei den Präsidentswahlen in der Ukraine, die ab 21. November bis 5. Dezember andauerten ("Orangene Revolution").

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Orangene Revolution Orangene Revolution Orangene Revolution Orangene Revolution Orangene Revolution Orangene Revolution
- Kiewer Sophienkathedrale, eine fünfschiffige Kreuzkuppelkirche, Grundsteinlegung 1037 unter Jaroslaw dem Weisen, UNESCO Weltkulturerbe
- Kiewer Höhlenkloster Kievo-Petscherska Lavra (um 1050 von Asketen), unter anderem mit Warägerhöhlen, Sammlung der historischen Schätze und Museum der Miniaturkunstwerke.
- Klosterkirche St. Michael (12. Jh.)
- Goldenes Tor von Kiew (1024, 1982)
- Podil, ein alter Stadtbezirk mit vielen historischen Bauten aus den 12.-19. Jh.
- Marienpalast (1755, 1870)
- Andreaskathedrale (1750)
- Wladimirkathedrale (1889)
- Taras-Schewtschenko-Boulevard (19. Jh.)
- Chreschtschatik-Boulevard (1954)
- Platz der Unabhängigkeit (Maidan Nezaležnosti) (1954, 2002)
- Hydropark - ein Vergnügungspark auf den Dnepr-Inseln (1960).
- Alter und neuer botanische Gärten
- Statue von Wladimir dem Heiligen über dem Dnjepr (1853)
- Babi Jar, die Schlucht des Schreckens mit dem Denkmal der ermordeten Juden

Bauwerke


- Fernsehturm in Stahlfachwerkbauweise, vermutlich höchste Stahlfachwerkkonstruktion der Welt
- Eine weithin sichtbare Gedenkstätte, die an den Zweiten Weltkrieg erinnern soll, ist die im Jahr 1981 erbaute monumentale Statue namens Mutter Heimat (Rodina Mat). Sie hat die stattliche Höhe von 68 m und steht auf einem 40 m hohen Podest.

Sport

Der bekannteste Sportverein der Stadt und der Ukraine ist der FC Dynamo Kiew.

Wirtschaft und Infrastruktur

Ministerien und Verwaltung, Stahlindustrie, Maschinenbau, Chemieindustrie

Verkehr

Kiew ist Anziehungspunkt für den Tourismus, wirtschaftliches Zentrum und neben Lemberg und Odessa kultureller Mittelpunkt des Landes. Kiew ist einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte Osteuropas als Schnittpunkt der Verkehrswege Istanbul/Athen-Sofia-Kiew-Minsk/Moskau und Westeuropa-Kaukasus. Außerdem hat Kiew einen Hafen am Dnepr. [http://kmv.gov.ua/map/index.asp Interaktiver elektronischer Stadtplan]

Eisenbahn

Zahlreiche internationale Eisenbahnverbindungen führen nach Kiew, unter anderem aus Russland, Polen und Deutschland (Berlin).

Flugzeug

In Kiew gibt es zwei Flughäfen, Kiew-Žuliany und Kiew-Boryspil. Der Größere von beiden liegt außerhalb der Stadtgrenze im Ort Boryspil circa 15 km östlich der Stadtgrenze. Kiew-Žuliany liegt im Stadtgebiet, bietet aber deutlich weniger Flugverbindungen.

Stadtverkehr

Dem innerstädtischen Verkehr dienen die U-Bahnen (s. U-Bahn Kiew), Trolleybusse, Busse, Straßenbahnen (s. Straßenbahn Kiew) und Kleinbus-Sammeltaxen (Marschrutne Taksi). Außerdem ist eine Standseilbahn (Funikuljor) in Betrieb.

Hochschulen

Es gibt insgesamt 99 Hochschulen. Die größten bzw. wichtigsten sind:
- Kiewer Staatsuniversität (Taras Schewtschenko) (bekannt als KGU)
- Nationale Technische Universität der Ukraine "Kyiv Polytechnic Institute" (bekannt als KPI)
- Nationale Akademie für Luft- und Weltallfahrt (bekannt als GWF, KIIGA)
- Kiewer Staatsuniversität für Bauwesen und Architektur (bekannt als KISI)
- Kiew-Mogila Akademie

Söhne und Töchter der Stadt


- Oleg Blochin, ukrainischer Fußballspieler
- Michail Afanasjewitsch Bulgakow, russischer Schriftsteller
- Friedrich Georg von Bunge, Rechtshistoriker
- Zino Davidoff, ukrainisch-Schweizer Unternehmer
- Maya Deren, US-amerikanische Regisseurin
- Ilja Grigorjewitsch Ehrenburg, sowjetischer Schriftsteller und Journalist
- Reinhold Glière, russischer Komponist
- Edward Gottlieb, russisch-US-amerikanischer Unternehmer
- Dmitri Pawlowitsch Grigorowitsch, sowjetischer Flugzeugkonstrukteur
- Milla Jovovich, US-amerikanische Schauspielerin, Musikerin und Fotomodell
- George Bogdan Kistiakowsky, Russisch-amerikanischer Chemiker, an der Entwicklung der ersten Atombombe beteiligt
- Michail Jefimowitsch Kolzow, sowjetischer Feuilletonist und Journalist
- Lew Sinowjewitsch Kopelew, russischer Schriftsteller
- Alexander Kostinskij, ukrainisch-jüdischer Dichter, Schriftsteller, Illustrator
- Tatjana Lebedewa, Russische Skirennläuferin
- Anatole Litvak, aus der Ukraine stammender Filmemacher
- Waleri Lobanowski, sowjetischer und ukrainischer Fußball-Trainer
- Kasimir Sewerinowitsch Malewitsch, ukrainischer Maler der "futuristischen" Malerei und Begründer des Suprematismus
- Igor Markevitch, russischer Komponist und Dirigent
- Jacob Marschak, Oekonom und Wissenschaftler
- Golda Meïr, israelische Politikerin
- Andrei Medvedev, Ukraine|ukrainischer Tennisspieler
- Misha Mengelberg, niederländischer Pianist, Komponist und Bandleader
- Alexander Wassiljewitsch Mossolow, russischer Komponist
- Viktor Nekrassow, sowjetischer Kriegsschriftsteller
- Wazlaw Fomitsch Nischinski, Russischer Balletttänzer und Choreograph
- Maxim Podoprigora, österreichischer Schwimmer
- Tamara Ramsay, Kinderbuchschriftstellerin
- Nicolas Rossolimo, französisch-US-amerikanischer Schachspieler
- Michael Iwanowitsch Rostovtzeff, russisch-amerikanischer Althistoriker
- Igor Iwanowitsch Sikorski, Ukrainisch-amerikanischer Luftfahrtpionier
- Alexander Archipenko, russischer Bildhauer

Literatur


- Britta Wollenweber und Peter Franke: Kiew. Stadt der goldenen Kuppeln am Dnejpr, Berlin ³2004. ISBN 3-932916-27-1
- Anatolij Kusnenezow: Babij Jar Die Schlucht des Leids, München 2001, ISBN 3-88221-295-0

Siehe auch


- Liste deutscher Bezeichnungen ukrainischer Orte

Weblinks


- [http://kmv.gov.ua/index.asp Offizielle Seite (Engl.)]
- [http://www.radio101.de/chris/kiev/ Ein Reisebericht aus Kiew]
- [http://www.boryspil-airport.kiev.ua/ Flughafen Kiew-Boryspil]
- [http://www.airport.kiev.ua Flughafen Kiew-Žuliany]
- [http://www.uz.gov.ua Ukrainische Eisenbahn]
- [http://photostranger.com/gallery/gallery_ukraine/kiev/ Eine Photosammlung, 2003]
- [http://www.ukraina.at/neues/szenekiev/ Die Szene in Kiew, 2004]
- [http://www.ukraina.at/bilder.html Viele Bilder auf www.ukraina.at] Kategorie:Ort in der Ukraine Kategorie:Oblast Kiew Kategorie:Hauptstadt in Europa Kategorie:Weltkulturerbe ja:キエフ ko:키예프

Ukraine

Die Ukraine [] (ukrainisch Україна/Ukrajina) ist ein Staat in Osteuropa und grenzt an Rumänien, Moldawien, Ungarn, die Slowakei, Polen, Weißrussland und Russland. Sie hat eine Küste am Schwarzen Meer, von dem die zur Ukraine gehörende Halbinsel Krim das Asowsche Meer abteilt. Die Ukraine ist nach Russland das flächenmäßig zweitgrößte Land Europas.

Geografie

Der größte Teil der Ukraine (ca. 95 %) liegt auf dem Gebiet der Osteuropäischen Ebene. Deshalb wird sie fast ausschließlich zu Osteuropa gezählt, obwohl nach mehreren Berechnungen der Schwerpunkt Europas in ihrem westlichen Staatsgebiet liegt. Andere Landschaftsräume außerhalb der großen Ebene finden sich lediglich in der südlichen Westukraine, wo das Land Anteil an den Karpaten und an der Pannonischen Ebene hat, sowie im äußersten Süden, wo sich das Krimgebirge befindet. Der höchste Berg des Landes ist der Howerla in den Ostkarpaten, welcher eine Höhe von 2.061 Metern erreicht. Die höchste Erhebung der Krim ist der Roman Kosch mit 1.545 Metern. Auf dem zur Osteuropäischen Ebene gehörenden Teil erstrecken sich insbesondere im Norden und Süden des Landes große Tiefländer (ukrainisch Низовина) wie etwa das Dnjeprtiefland und die Schwarzmeersenke. Das Gelände erreicht dort Höhen zwischen 0 und 200 m. Aufgrund des niedrigen Reliefs fließen die Flüsse dieses Gebiets sehr langsam. Hierzu gehören etwa der Dnepr (ukrainisch Dnipro), die Desna, und der Siwerskij Donez. Viele kleinere Flüsse sind von versumpften Ufern mit Schilfbestand geprägt. Im Bereich der Tiefländer gibt es insbesondere in der zentralukrainischen Oblast Poltawa kleinere Gas- und Erdölvorkommen, welche aber für eine Eigenversorgung des Landes nicht ausreichend sind. Hoffnungen werden in die Erschließung von Feldern im Schwarzen Meer gesetzt. Aufgrund der vermuteten Rohstoffvorkommen bestehen momentan Grenzstreitigkeiten mit dem südwestlichen Nachbarland Rumänien um die Schlangeninsel. Im zentralen Landesteil erstrecken sich von Westen nach Osten höherliegende Gebiete mit Geländehöhen zwischen 200 und knapp über 500 m, welche Platten (ukrainisch Височина) genannt werden. Zu diesen gehören etwa die Podilische oder die Donezplatte. Diese Platten bestehen überwiegend aus Gestein aus dem Erdaltertum, welches durch die Entstehung des alpidischen Gebirgsgürtels in den letzten 10 Millionen Jahren wieder angehoben worden ist. Sie sind reich an Rohstoffen wie etwa Eisenerz und Kohle. Die größten Erzvorkommen finden sich um Krywyj Rih in der Oblast Dnipropetrowsk, während die Kohlelager sich überwiegend im Gebiet um die Stadt Donezk befinden. Die Platten sind von zahlreichen kleineren und größeren Flüssen durchschnitten, welche sich teilweise tief ins Gelände eingeschnitten haben. Dies gilt etwa für die oberen und mittleren Einzugsgebiete des Dnister und des Südlichen Bugs. Abgesehen von den Berggebieten und den südwestlichen und südlichen Küstenregionen lässt sich die Ukraine hinsichtlich des Klimas, der Böden und der Vegetation in drei Großzonen gliedern. Im Nordwesten hat es Anteil an den Prypjatsumpfgebieten, welches insbesondere durch frühere Gletschervorstöße aus Skandinavien während der Eiszeiten geprägt wurde. Hier finden sich die schlechtesten Böden des Landes. Hinzu kommt, dass diese Region besonders stark von der Katastrophe von Tschernobyl betroffen ist. Das Gebiet erhält relativ viel Niederschlag (500-750 mm), die Sommer sind mild mit Durchschnittstemperaturen im Monat Juli von 17 bis 19 °C. An diese Zone schließt sich nach Süden und Südosten die sogenannte Waldsteppenzone an, in welcher ehemals bestehende Waldbestände aber überwiegend schon abgeholzt wurden. Hier befinden sich weit ausgedehnte Lößebenen, die im Eiszeitalter unter periglazialen Bedingungen entstanden sind. Aus dem Löß haben sich überwiegend sehr fruchtbare Schwarzerdeböden entwickelt, welche zu den ertragreichsten der Welt gehören. Die Niederschlagsmengen liegen zwischen 350 und 400 mm, die Juli-Durchschnittstemperaturen bei 20 °C. Insgesamt bietet dieses Gebiet sehr gute Bedingungen für eine landwirtschaftliche Nutzung. Allerdings sind die Böden sehr erosionsanfällig, wenn sie, wie oft in Sowjetzeiten geschehen, falsch bestellt werden. Im Südosten grenzt die Steppenzone an, welche nur über relativ geringe Niederschläge von teilweise unter 250 mm im Jahr verfügt. Auch sind die Sommer hier sehr heiß mit Durchschnittstemperaturen im Juli von teilweise über 23 °C. Die fruchtbaren Schwarz- und Kastanienbraunerden dieses Gebietes konnten überwiegend erst ab Mitte des 20. Jahrhunderts in Wert gesetzt werden, nachdem durch den Bau von Staudämmen an den großen Flüssen ausgedehnte Bewässerungsanlagen entstanden sind. Die Küstenregionen südlich des Krimgebirges und im südwestlichen Bessarabien sind sehr fruchtbar und werden aufgrund der günstigen klimatischen Bedingungen mit milden Wintern insbesondere für den Obst- und Weinanbau genutzt. Der Nordwesten der Ukraine wird als Wolhynien bezeichnet. Diese Landschaft wird mit Galizien zu den „Keimzellen“ einer unabhängigen Ukraine gerechnet, da diese Gebiete erst im Zuge des Zweiten Weltkriegs erstmals unter russische Herrschaft gekommen sind, womit sich die Mehrheit der Bevölkerung nicht abfinden konnte. Das Entstehungsgebiet der ukrainischen Kultur im heutigen Sinne liegt aber im Gebiet östlich von Kiew, wo im 17. Jahrhundert für kurze Zeit der Kosakenstaat bestand. Der geografische Mittelpunkt des Landes befindet sich in der Nähe der Siedlung Dobrowelytschiwka, Oblast Kirowohrad. Darüber hinaus wurde von österreichischen Forschern Ende des 19. Jh. festgestellt, dass der geographische Mittelpunkt Europas in der Nähe des Ortes Rachiw liegen soll. Diese Theorie ist aber umstritten. Bedeutende Städte neben der Hauptstadt Kiew (ukrain. Kyjiw, rus. Kijew) sind Charkiw, Czernowitz (ukrainisch Tscherniwzi), Dnipropetrowsk, Donezk, Iwano-Frankiwsk, Lemberg (ukrainisch Lwiw), Luhansk, Odessa, Poltawa, Saporischja, Sewastopol, Simferopol, Tschernihiw und Uschhorod. Siehe auch: Liste der Städte in der Ukraine, Liste der Namen ukrainischer Städte

Bevölkerung

Liste der Namen ukrainischer Städte

Nationalitäten

Nach der offiziellen Volkszählung von 2001 leben in der Ukraine 77,8 % Ukrainer, 17,3 % Russen, 0,8 % Moldawier und Rumänen, insgesamt über 100 Nationalitäten, darunter rund 260.000 Krimtataren, 33.000 Deutsche und 1.000 Krimtschaken. Daneben gibt es Gruppen von Polen, Bulgaren und Ungarn. (Quelle: [http://www.ukrcensus.gov.ua/results/general/nationality/])

Sprache

73 % der ethnischen Ukrainer sprechen Ukrainisch als Muttersprache, 74,4 % beherrschen Russisch. Die russische Sprache dominiert im Osten und Süden der Ukraine bis heute und auch in Kiew hat sie noch einen relativ hohen Stellenwert. Der Westen des Landes ist dagegen rein ukrainischsprachig. In der Gegend um Lemberg sprechen auch noch viele Menschen Polnisch. Seit der Unabhängigkeit verschieben sich diese Verhältnisse aber in begrenztem Maße zugunsten des Ukrainischen, da es nun im ganzen Land Pflichtfach ist und zunehmend Unterrichtssprache an den Schulen wird. An vielen ukrainischen Hochschulen, insbesondere im technischen Bereich, findet der Unterricht jedoch mangels ukrainischer Fachliteratur überwiegend in russischer Sprache statt. Eine weit verbreitete mündliche Mischform mit dem Russischen ist der Surschyk.

Literatur und Buchkultur

Das erste, im Jahre 1483 in der Ukraine erschienene Buch wurde von Jurij Drohobytsch verfasst. Der in der Stadt Poltawa lebende Iwan Kotljarewskyj gilt als Erneuerer der ukrainischen Schriftsprache. Bedeutende ukrainische Schriftsteller sind:
- Taras Schewtschenko
- Iwan Franko
- Lesja Ukrainka Zum gegenwärtigen Buchmarkt siehe zum Beispiel Buchmesse Lemberg.

Religion

Die Ukraine ist traditionell ein multikonfessionelles Land. Die dominierenden Konfessionen sind die orthodoxen Kirchen, von denen die Ukrainisch-orthodoxe Kirche und die Ukrainisch-orthodoxe Kirche Moskauer Patriarchats mit 46,5 % fast die Hälfte ausmachen. Erstere untersteht einem Patriarchen in Kiew, während letztere der Russisch-orthodoxen Kirche in Moskau zugehört. Zwischen beiden Konfessionen schwelt ein erbitterter Streit um Legitimität und um Besitzansprüche an Immobilien. Den orthodoxen Ritus befolgt auch die 1596 entstandene griechisch-katholische Kirche, die allerdings die Suprematie des Papstes anerkennt und mit Rom uniert ist. Ferner gibt es in der Ukraine die römisch-katholischen Christen (Polen, Deutsche). Die Gesamtzahl der Katholiken beträgt ca. 6,6 Mio. (14 % der Gesamtbevölkerung). Davon beträgt die Zahl der griechisch-katholischen Christen ca. 5,5 Mio. und der römisch-katholischen ca. 1,1 Mio. Außerdem sind im Lande nicht wenige Pfingstlergruppen präsent, aber auch Baptisten, evangelische und islamische Minderheiten (Tataren).

Historische Entwicklung

Vor dem ersten Weltkrieg lebten mehrere hunderttausend Österreicher und Deutsche auf dem Staatsgebiet der heutigen Ukraine (Galizien, Bukowina, Wolhynien, Schwarzmeerküste); heute sind es noch etwa 30.000 bis 40.000. Bis 1944 lebten mehrere Millionen Polen auf dem Gebiet der heutigen Ukraine (Galizien, Bukowina und Wolhynien). 1944 kam es vor allem in Wolhynien zu Massakern an der polnischen Bevölkerung, der über 40.000 Polen zum Opfer fielen. Nach dem Krieg und der Annexion der ehemals polnischen Gebiete östlich des Bugs wurde die polnische Bevölkerung vertrieben. Bis zum Zweiten Weltkrieg lebten in der Ukraine sehr viele Juden - die Ukraine war eines der Hauptverbreitungsgebiete der jiddischen Sprache - die jedoch zu großen Teilen während der Besatzung durch das Deutsche Reich von SS-Einsatzgruppen ermordet wurden. Die Überlebenden wandern seitdem in die USA, nach Israel und nach Deutschland aus. Heute leben noch ungefähr 500.000 Juden in der Ukraine. Ihre Zahl nimmt wegen der erwähnten Auswanderung und des allgemeinen Geburtenrückgangs weiterhin ab.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte der Ukraine Die Ukraine ist, wie ihre Nachbarländer Russland und Weißrussland, ein Nachfolgestaat der Kiewer Rus. Nach der Zersplitterung des Kiewer Reiches in unabhängige Fürstentümer, der Invasion der Mongolen und dem Einverleiben der westlichen Teile des ostslawischen Territoriums durch das Großfürstentum Litauen und das spätere Polen-Litauen war die Ukraine meist ein umstrittenes Gebiet zwischen den Großmächten Polen, Russland, dem Osmanischen Reich und Österreich-Ungarn. Im 17. und frühen 18. Jahrhundert übte auch Schweden, im 20. Jahrhundert zeitweise Deutschland Einfluss auf die Ukraine aus. Tiefe Spuren hinterließen die durch die zwangsweise Kollektivierung unter Stalin in den Jahren 1932-33 hervorgerufenen Hungersnöte (Holodomor), bei denen schätzungsweise 6-10 Millionen Menschen umkamen. Während der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg stand das Land als Reichskommissariat Ukraine und Generalgouvernement zum größeren Teil unter deutscher Zivilverwaltung. Die Ukraine war Schauplatz zahlreicher Massenmorde an Juden und sowjetischen Kriegsgefangenen (z. B. Massaker von Babi Jar). Zwischen 1943 und 1947 tobte nicht nur ein Partisanenkrieg gegen die deutschen Besatzer, sondern es gab auch eine Unabhängigkeitsbewegung (Ukrajinska Powstanska Armija, „Ukrainische Aufständischenarmee“) gegen die Sowjetherrschaft, die vom NKWD niedergeschlagen wurde. Im Zuge der „Westverschiebung“ Polens wurde die polnische Bevölkerung aus der Ukraine und im Gegenzug die ukrainische Bevölkerung zum größten Teil aus Polen gewaltsam vertrieben („Operation Weichsel“). Danach war die Ukraine – wie zuvor – Teil der Sowjetunion. Die Ukraine ist seit 1991 unabhängig. 2004 erlebte die Ukraine einen demokratischen Umschwung - die „Orangene Revolution“ - ausgelöst durch die Präsidentschaftswahlen, aus denen Wiktor Juschtschenko als Sieger hervorging.

Politik

Aktuelle Politik

siehe: Präsidentschaftswahlen in der Ukraine 2004, Liste der Parteien der Ukraine Nach der Amtseinführung von Präsident Wiktor Juschtschenko im Januar 2005 bestätigte das ukrainische Parlament (Werchowna Rada) am 4. Februar 2005 die neue Regierung unter Premierministerin Julija Tymoschenko. Während der ersten 100 Tage der Regierung Tymoschenko wurden die Privatisierungen einiger großer Unternehmen (Kryworisch Stal) aus der Zeit des früheren Präsidenten Kutschma überprüft. Es zeigte sich auch, wie schon im Wahlkampf, dass die Positionen von Präsident Juschtschenko und Ministerpräsidentin Tymoschenko in der Wahl der Mittel teilweise differieren. Gleichzeitig führte die durch russische Unternehmen initierte Verteuerung von Erdölprodukten, vor allem Benzin, zu Druck auf die ukrainische Regierung. In verschiedenen Ministerien wie dem Innenministerium und auf regionaler Ebene wurden seit dem Machtwechsel bis zu 30 % der Mitarbeiter entlassen. Am 8. September 2005 entließ Präsident Juschtschenko überraschend Ministerpräsidentin Julija Tymoschenko und ihre Regierung im Zusammenhang mit Korruptionsvorwürfen und Konflikten innerhalb des Kabinetts. Zum Interimspremier wurde der Wirtschaftspolitiker Jurij Jechanurow ernannt. Jechanurow wurde jetzt auch zum Ministerpräsidenten ernannt, und zwar mit 60 Stimmen mehr als er brauchte, die er überraschenderweise von der Opposition bekam.

Verwaltungsgliederung

Die Ukraine ist in 24 Oblaste (ukr. область/oblast, Pl. області/oblasti; Bezirke, wörtl. Gebiete), die Autonome Republik Krim und zwei Städte mit Sonderstatus gegliedert. Siehe auch: Liste der Oblaste der Ukraine. Unter Liste der Städte in der Ukraine sind die wichtigsten Städte jeder Oblast aufgezählt.

Infrastruktur

Die Ukraine besitzt aus Zeiten der Sowjetunion vor allem eine Nord-Süd-Verkehrsorientierung (Moskau-Kiew-Odessa, Moskau-Charkiw-Krim). Man versucht aber seit der Unabhängigkeit des Landes, die Infrastruktur in eine West-Ost-Orientierung zu reorganisieren und die Verbindungen zu Polen, der Slowakei und Ungarn zu intensivieren (Anbindung an den Paneuropäischen Korridor III: Straßenverbindung und Bahnstrecke Berlin/Dresden - Breslau - Krakau - Lwiw - Kiew und V: Košice - Tschop - Lwiw und Budapest - Tschop - Lwiw). Die Ukraine ist heute vor allem ein Transitland zwischen Mitteleuropa und dem Kaukasus und zwischen Südeuropa und Russland. Hauptverkehrsträger in der Ukraine ist die Eisenbahn, gefolgt vom Straßenverkehr und der Binnenschifffahrt auf dem Dnepr (Dnipro). In allen wichtigen großen Städten befinden sich internationale Flughäfen; in Odessa, Mykolajiw, Cherson, Sewastopol und Kertsch befinden sich Seehäfen.

Wirtschaft

Die Ukraine ist ein ehemals staatskapitalistisches (kommunistisches) Land, das in den 1990er Jahren einen Privatisierungsprozess eingeleitet hat. Das Jahr 2004 steht im Zeichen eines relativ starken wirtschaftlichen Aufschwungs. Die wichtigsten Außenhandelspartner sind Russland (28 %), Deutschland (8 %) und Italien (4,2 %), gefolgt von Turkmenistan (3,8 %), Polen (3,4 %) und der Volksrepublik China (3,3 %) (Zahlen 2003). Zu Zeiten der Sowjetunion galt die Ukraine als Kornkammer des Landes. Hinzu kommen im Osten des Landes Bergbau und Industrie. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug im 1. Quartal 2004 gegenüber dem Vorjahreszeitraum 10,8 %. Im nördlichen Teil des Landes gab es einst eine ausgedehnte Waldsteppe mit sehr fruchtbarem Lößboden. Bis auf einen kleinen Restbestand wurden diese Wälder jedoch abgeholzt und in Ackerland umgewandelt. Das Land verfügt heute nur noch über etwa 5 % Waldanteil an der Gesamtfläche. Bekannt sind die Birkenwälder um Kiew. Löß An der nördlichen Grenze des Landes zu Weißrussland kann in einem Radius von 50 Kilometern um den Ort Pripjat seit der Reaktorkatastrophe von Tschornobyl (russisch Tschernobyl) wegen der anhaltenden Verseuchung keine Landwirtschaft mehr betrieben werden. Unabhängig davon leidet die Landwirtschaft seit einigen Jahrzehnten zusätzlich unter starker Bodenerosion. Durch die damit verbundene Versteppung des Landes hat die Ukraine schon rund ein Achtel ihrer landwirtschaftlichen Nutzfläche eingebüßt. Im Süden der Ukraine an der Küste und auf der Krim wird Wein- und Obstanbau betrieben, im Rest des Landes wird vorwiegend Weizen angebaut. Bei Krywyj Rih, Dnipropetrowsk und Saporischja befinden sich Eisenerzlagerstätten mit entsprechender Verarbeitung. Hinzu kommen Maschinenbau, Bau von Elektrogeräten sowie eine umfangreiche Werftenindustrie. Ausgeführt werden vor allem Kohle, Stahl, Elektrogeräte und Nahrungsmittel, eingeführt werden vor allem Energieträger (Gas und Erdöl) aus Russland. Im Donezkbecken befinden sich viele Bergwerke, die stark sanierungsbedürftig sind und in denen es immer wieder zu schweren Grubenunglücken kommt.

Wirtschaftliche Entwicklung

Nach dem Zerfall der Sowjetunion 1990/1991 konnte die Ukraine das Produktionsniveau von 1991 noch nicht wieder erreichen. Dies wird insbesondere dem Mangel an institutionellen Reformen zugeschrieben. Derzeit liegt das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf bei 5.000 Euro. Es ist damit nur geringfügig höher als in China. Viele Einwohner auf dem Land betreiben Subsistenzwirtschaft, da Löhne und Rente verspätet und unvollständig ausbezahlt wurden und das Lohnniveau mit den gestiegenen Lebenshaltungskosten (in den 1990er Jahren Hyperinflation) nicht mithalten konnte. Seit 1998 hat sich die ukrainische Wirtschaft aber stabilisiert. Vermehrt drängen ausländische Firmen in das Land und übernehmen Betriebe oder gründen Auslandsfilialen, einerseits wegen der im internationalen Vergleich sehr günstigen Lohnsituation bei guter Qualifikation und andererseits, um Marktanteile in der Ukraine zu besetzen. Die Ukraine erzielt inzwischen einen Leistungsbilanzüberschuss. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts ist im Jahr 2004 auf etwa 12 % gestiegen. Der Ende des Jahres 2004 erfolgte Machtwechsel, der nicht nur den Präsidenten betraf, sondern auch für neue Mehrheiten im Parlament sorgte, lässt tiefgreifende Reformen erwarten. Sie dürften die Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Aufschwung zumindest langfristig verbessern. Allerdings könnten sich künftig auch neue Belastungen ergeben: Der bislang sehr günstige Preis für Gas (etwa 35 bis 40 % der Preise in Westeuropa) könnte sich drastisch erhöhen. Mit 3,3 Milliarden Euro machen die Gasimporte 14 % der ukrainischen Importe aus. Die ukrainische Wirtschaft ist an dieser Stelle besonders empfindlich und in hohem Maße von Russland abhängig. Die von der neuen Regierung angestrebte stärkere wirtschaftliche Ausrichtung der Ukraine in Richtung Europäische Union kann die Abhängigkeit der Ukraine von russischen Energielieferungen zwar kaum verringern, sie dürfte aber die ausländischen Investitionen steigen lassen und so den wirtschaftlichen Aufschwung stärken.

Wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Europäischen Union

Die Europäische Union hat im Dezember 2004 einen „Aktionsplan“ für eine engere Zusammenarbeit mit der Ukraine im Rahmen ihrer sogenannten „Nachbarschaftspolitik“ gebilligt. Als Prioritäten werden im Aktionsplan unter anderem folgende Punkte genannt:
- Förderung des Beitritts der Ukraine zur Welthandelsorganisation (WTO); stetiger Abbau von Hemmnissen im bilateralen Handel.
- Ukrainische Gesetze, Normen und Standards werden schrittweise an die der EU angeglichen.
- Verhandlungen über Beschäftigungsfragen, zum Beispiel Möglichkeiten für Bürger der Ukraine, in der EU zu arbeiten.
- Verhandlungen über Erleichterungen bei der Erteilung von Reisevisa.
- Erfüllung der Vereinbarungen zwischen der EU und der Ukraine über die Schließung des Kernkraftwerkes in Tschernobyl.
- Verbesserung des Investitionsklimas, unter anderem durch Herstellung diskriminierungsfreier, transparenter Wirtschaftsbedingungen, Bürokratieabbau sowie Bekämpfung der Korruption. Benita Ferrero-Waldner, EU-Kommissarin für auswärtige Beziehungen und europäische Nachbarschaftspolitik, nannte darüber hinaus u. a. folgende Maßnahmen, um die Wirtschaftsbeziehungen zur Ukraine zu stärken:
- Die Einfuhr von Textilien und Stahl aus der Ukraine sollen erleichtert werden.
- Die Vergabe von Krediten der Europäischen Investitionsbank an die Ukraine soll erleichtert werden.
- Die Finanzhilfen für eine Angleichung des ukrainischen Rechtssystems an das Rechtssystem der EU sollen erhöht werden.
- In den Bereichen Energie, Umwelt und Verkehr ist eine engere Zusammenarbeit vorgesehen. Grundlagen der Beziehungen der Ukraine zur EU sind:
- das Partnerschafts- und Kooperationsabkommen (in Kraft seit 1. März 1998),
- die vom Europäischen Rat am 14. Dezember 1999 in Helsinki verabschiedete "Gemeinsame Strategie EU-Ukraine",
- das von der EU-Kommission im März 2003 vorgelegte und von den EU-Mitgliedstaaten gebilligte Konzept für eine "Europäische Nachbarschaftspolitik" („Größeres Europa – Nachbarschaft: ein neuer Rahmen für die Beziehungen der EU zu ihren östlichen und südlichen Nachbarn“). Seit 1994 leistet die EU außerdem im Rahmen des TACIS-Programms Beratungs- und Ausstattungshilfe in der Ukraine. Deutschland hat einen Anteil von fast 30 % an der Finanzierung dieses Programms. Ziel der „Europäischen Nachbarschaftspolitik“ der EU ist lediglich eine verstärkte Zusammenarbeit mit den EU-Nachbarstaaten, die durch „Aktionspläne“ konkretisiert wird. Für osteuropäische Nachbarstaaten wurde bisher neben dem Aktionsplan für die Ukraine im Dezember 2004 auch ein Aktionsplan für das Nachbarland Moldawien beschlossen. Im Bereich der wirtschaftlichen Zusammenarbeit soll den Nachbarstaaten langfristig eine Beteiligung am EU-Binnenmarkt und an einigen Gemeinschaftsprogrammen eröffnet werden. Eine Beitrittsperspektive, so EU-Kommissarin Ferrero-Waldner in einem Interview mit der Deutschen Welle am 21. Januar 2005, eröffnet die Nachbarschaftspolitik nicht. Demgegenüber hat der ukrainische Staatspräsident Juschtschenko wiederholt betont, beispielsweise am 25. Januar 2005 vor dem Europarat in Straßburg, er strebe als „strategisches Ziel“ einen Beitritt der Ukraine zur EU an.

Literatur


- Britta Böhme: Grenzland zwischen Mythos und Realität. Real- und Ideengeschichte des ukrainischen Territoriums. Lemberg 1999. ISBN 3-931703-33-9
- Andrew Wilson: The Ukrainians. Unexpected Nation. 2002. ISBN 0-300-09309-8
- Gerhard Simon: Die neue Ukraine. 2002. ISBN 3-412-12401-X
- Andreas Kappeler: Kleine Geschichte der Ukraine. München (Beck) 1994. ISBN 3-406-37449-2

Weitere Themen


- Portal:Ukraine
- Portal:Osteuropa
- Ukrainische Küche
- Tourismus in der Ukraine
- Universitäten in der Ukraine
- Buchmesse Lemberg
- Metal-Forum of Ukraine in Kiew

Weblinks


- [http://www.president.gov.ua/ Website des Ukrainischen Präsidenten]
- [http://www.botschaft-ukraine.de/ Offizielle Netzpräsenz der Botschaft der Ukraine in Deutschland]
- [http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?land_id=180 Länder- und Reiseinformationen] des Auswärtigen Amtes
- [http://www.ukraina.at/ Ukraina.at - brauchbare Informationen und schöne Bilder aus der Ukraine (+ deutschsprachiges Ukraine Forum)]
- [http://www.tabibito.de/ukraine/index.html Informationen für Reisende]
- [http://www.unian.net/eng/ UNIAN-News from Ukraine (Nachrichten, englisch)] Kategorie:Staat ! Kategorie:Osteuropa als:Ukraine fiu-vro:Ukraina ja:ウクライナ ko:우크라이나 ms:Ukraine simple:Ukraine th:ประเทศยูเครน zh-min-nan:Ukrayina

Jüdisch

Unter Judentum versteht man die Gesamtheit aus Kultur, Geschichte, Religion und Tradition des sich selbst als Volk Israel (he. am jisrael, bnei jisrael) bezeichnenden jüdischen Volkes. Mit dem Begriff können auch gezielt die jüdische Religion oder, als Gruppe, die sowohl ein Volk als auch eine Glaubensgemeinschaft darstellenden Juden (he. jehudim) angesprochen werden. Das Judentum zählt zu den Weltreligionen; Christentum und Islam haben viele ihrer Überlieferungen aus ihm übernommen.

Geschichte des jüdischen Volkes

Islam Nach der Tora, der jüdischen Bibel, beginnt die Geschichte des jüdischen Volkes mit dem Bund, den Gott mit Abraham schließt (1.Mose 12). Die jüdische Tradition sieht Abraham als den Begründer des monotheistischen Glaubens an einen einzigen, unsichtbaren Gott. Diesen Bund setzt Gott mit Abrahams Sohn Isaak und dessen Sohn Jakob fort, der seit dem Ringkampf am östlichen Ufer des Flusses Jabbok (1.Mose 32) Jisrael genannt wurde. Jakob hatte zwölf Söhne, die zu den Stammvätern der Zwölf Stämme Israels (Israeliten) wurden: Ruben, Simeon, (Levi), Juda, Issaschar, Sebulon, Benjamin, Dan, Naphtali, Gad, Asser und Joseph (mit seinen Söhnen Ephraim und Manasse). Diese ziehen von Kanaan, dem heutigen Palästina bzw. Israel nach Ägypten, wo ihre Nachfahren (die Hebräer) vom Pharao versklavt werden. Aus dieser Sklaverei werden die von Mosche (Moses) angeführten Hebräer durch Gott befreit, der ihnen am Berg Sinai die (schriftliche und mündliche) Tora offenbart. Nach 40jähriger Wüstenwanderschaft siedeln sich die zwölf Volksstämme in Kanaan an. Sie bildeten nach der Bibel in ihrer Gesamtheit das Volk Israel, das erwählte Volk Gottes. Die Erwählung bedeutet dabei die Aufgabe, durch Einhaltung der Mizwot (der in der Tora festgelegten Ge- und Verbote) der Menschheit ein Beispiel für ein ethisches Leben zu geben. Obwohl das jüdische Volk an dieser Aufgabe häufig scheitert, was die späteren Propheten immer wieder beklagen, bleibt der Bund mit Gott ungebrochen. Die Bezeichnung "Juden" bedeutete ursprünglich "Judäer" und geht auf das Königreich Juda zurück, das seinen Namen wiederum von den darin lebenden Angehörigen des Stammes Juda hatte. Der Name "Judentum" bezieht sich ursprünglich nur auf diesen einen von den Stämmen Gesamtisraels. Nach der so genannten babylonischen Gefangenschaft wurden alle Bewohner der Region von den umliegenden Völkern als "Judäer" bezeichnet und damit der Name "Juden" auf alle Israeliten ausgedehnt. In der Diaspora wurde der Name "Juden" dann zu ihrer Selbstbezeichnung. Bereits in hellenistischer Zeit fanden Auswanderungsbewegungen aus Palästina statt: Das so genannte Hellenistische Judentum entstand. Spätestens seit der Zerstörung des jüdischen Staates im 1. Jhd. nach Christus und der Zerstörung Jerusalems unter Hadrian (der Jerusalem in Aelia Capitolina umbenannte) zerstreuten sich die Juden als regional greifbares und geschlossenes Volk endgültig, wobei jedoch die große Mehrheit innerhalb des Römischen Reiches siedelte. In der Spätantike und dem frühen Mittelalter verschob sich der Schwerpunkt nach Babylonien, damals Teil des Reiches der Sassaniden. Die übrigen Anhänger des Judentums verteilten sich im Hochmittelalter auch in andere Teile Europas, im Spätmittelalter, im Zuge der Pestpogrome und der Ausweisung beispielsweise aus Frankreich, besonders nach Osteuropa, ferner in die islamische Welt und im Anschluss (Vertreibung aus Spanien 1492) wieder ins heutige Palästina sowie auch in die Neue Welt. Juden wurden oft verfolgt und ghettoisiert, konnten sich stellenweise aber auch unter Beibehaltung von Glaube und Tradition als integraler Bestandteil der lokalen Gesellschaften etablieren. Siehe auch: Geschichte des jüdischen Volkes

Jüdische Religion

Die jüdische Religion basiert auf den religiösen Überlieferungen des jüdischen Volkes. Diese Überlieferungen teilen sich auf in eine schriftliche (Thora) und eine mündliche Lehre (Mischna, Talmud, Schulchan Aruch usw.). Siehe: Jüdische Religion, Jüdischer Glaube

Aktueller Kontext

Der Begriff Jude bezeichnet nach dem jüdischen Recht des rabbinischen Judentums seit der modernen Zeitrechnung einen Menschen mit einer jüdischen Mutter und jene, die rechtmäßig zum jüdischen Glauben übergetreten sind (siehe Gijur). Das Judentum ist seit Jahrtausenden häufig religiösen, ideologischen und politischen Anfeindungen und dabei Pogromen und Verfolgungen ausgesetzt. Einmalig in der Geschichte ist dagegen der Versuch der planmäßigen und quasi-industriellen Ausrottung des jüdischen Volkes durch das nationalsozialistische Deutschland. Im Jahre 1934 wurden 17 Millionen jüdische Menschen auf der Welt gezählt. Sechs Millionen davon, mehr als ein Drittel, fielen dem Holocaust zum Opfer. Dies beschleunigte nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs die Umsetzung der zionistischen Bestrebungen und führte 1948 zur internationalen Anerkennung des Staates Israel als jüdische Heimstätte. Der heutige Staat Israel, eine Demokratie nach westlichem Vorbild, begründet seine territoriale Außen- und Innenpolitik staatlich-souverän, seine Innenpolitik ist jedoch in einigen Feldern auch stark religiös geprägt. So ist eine bürgerliche Heirat in Israel nach wie vor nicht möglich, da das Familienrecht den jeweiligen Religionsgruppen unterstellt ist. Dies kann zum Beispiel bei Scheidung zu Problemen für Frauen führen, wenn sich der Ehemann weigert, der Frau den Scheidungsbrief (Get) zu überreichen. Solche Scheidungsverweigerer können zwar vom Rabbinatsgericht in Erzwingungshaft gesteckt werden, doch ohne einen Get bleibt nach traditionellem jüdischen Recht die von ihrem Mann getrennte Frau "gebunden" und kann nicht wieder heiraten. Aufgrund der besonderen Geschichte und Tradition des Judentums ist das Verständnis einer jüdischen Identität ausgeprägt, die sich auf ein gemeinsames Schicksal bezieht und nicht notwendigerweise religiös begründet wird. Viele Juden betrachten sich gleichzeitig z.B. als Briten oder US-Amerikaner, bis 1933 auch als patriotische Deutsche, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben für ihre europäische Heimat riskierten oder opferten.

Jüdische Gemeinden in der Welt

Heute gibt es etwa 14 Millionen Juden in der Welt, von denen die meisten in den USA und in Israel leben. Durch verschiedene Emigrations- und Imigragtionswellen hat sich die Verteilung der Juden in der Welt in den letzten Jahren sehr verändert. Vor 15 Jahren lebte noch ein Großteil der Juden in der ehemaligien Sowjetunion. Nach ihrer Auflösung wanderten viele Menschen nach Israel (siehe Alijah), in die USA und nach Deutschland aus. Heute leben die meisten Juden in:

Die religiösen Strömungen des Judentums der Gegenwart

In der Gegenwart können verschiedene kategorisierende Gruppierungen der Strömungen des religiösen Judentums vorgenommen werden. Dabei betreffen die Unterschiede nicht primär, aber auch die Gottesvorstellungen und den Glauben. Es werden orthodoxe und nicht-orthodoxe jüdische Strömungen unterschieden. Hierbei ist wichtig, dass für das Adjektiv nicht-orthodox synonym auch progressiv, reformiert oder liberal (wobei hier liberal nicht vom politischen Liberalismus abgeleitet ist, sondern den Schwerpunkt auf verstärkte Assimilation setzt) in einem weiteren Sinne genommen wird. Konservativ ist hingegen mit dem Begriff konservatives Judentum belegt, einer seit dem 19. Jahrhundert sich entwickelnden Strömung des Judentums, die eine Stellung zwischen Orthodoxie und dem liberalen Judentum einnimmt. Der grundlegende Unterschied zwischen orthodoxem Judentum und den nicht-orthodoxen Strömungen beginnt beim Verständnis der Offenbarung am Berg Sinai (Mosche empfängt die Tora). Das nicht-orthodoxe Judentum versteht diese Offenbarung nicht als absolut, sondern als einen progressiven (= fortschreitenden) Prozess des Dialoges Gottes mit seinem Volk, in der Zeit und in den Kulturen. Im Kontext dieser historisch-kritischen Auslegung der Offenbarung entstanden alle nicht-orthodoxen Strömungen des Judentums. Da sie alle die Entwicklung betonen, gehören diese alle zum progressiven Judentum im weitesten Sinne. Im engeren Sinne bestimmt der Begriff progressives Judentum jedoch alle Gruppen des Reform-Judentums, die sich im Verband Weltunion für progressives Judentum zusammengeschlossen haben. Zwei Drittel des religiös geprägten Judentums sind nicht zur Orthodoxie gehörend, ein Drittel zählt sich zum orthodoxen Judentum mit seinen verschiedenen Unterströmungen. Alle religiösen jüdischen Strömungen der Gegenwart haben ihren Ausgang in den Impulsen der Geistesgeschichte vor allem Deutschlands und Europas ab Ende des 18. Jahrhunderts. - Der Fokus der Entwicklung des Judentums liegt seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in den USA. - Aus Deutschland sind die Beiträge zur Entwicklung jüdischen Denkens und Geistesleben nach der Shoa unbedeutend. Langsam entwickelt sich dieses aber zunehmend unter der Zuwanderung jüdischer Menschen aus der ehemaligen UdSSR, aus der Diaspora Osteuropas und Asiens. Hauptströmungen des Judentums der Gegenwart: : Orthodoxes Judentum : Liberales Judentum : Konservatives Judentum : Rekonstruktionismus Andere, kleinere religiöse Strömungen des Judentums der Gegenwart: : Ultraorthodoxes Judentum : Neoorthodoxes Judentum : Jüdische Mystik (siehe: mittelalterliche Kabbala) : Chassidismus : Jewish Renewal, oder Neo-Chassidismus Andere laizistische Strömungen des Judentums der Gegenwart: : Säkulares Judentum : Humanistisches Judentum Siehe auch: Strömungen des Judentums, Säkularismus

Aufteilung in ethnische Gruppen

In der Geschichte wurden Juden in vier größere Gruppen eingeteilt:
- Die Aschkenasim, deren Vorfahren in Deutschland oder Frankreich lebten, bevor sie nach Osteuropa und teilweise später in die USA auswanderten,
- die Sephardim, deren Vorfahren auf der iberischen Halbinsel (Spanien, Portugal) lebten,
- die orientalischen Juden (Misrachim), die im Nahen Osten und in Nordafrika lebten, aber auch nach Mittel- und Südasien wanderten (orientalische Juden werden oft auch als sephardisch bezeichnet, da ihre Traditionen weitgehend übereinstimmen) und
- die jemenitischen Juden (Teimanim), die lange von den übrigen Juden isoliert waren und dadurch eigene Riten entwickelten, aber auch alte Traditionen länger bewahrten (Hebräische Sprache,Kabbalah). Die sephardischen Juden flohen 1492 vor der spanischen Inquisition, und siedelten sich überwiegend im Mittelmeerraum, teilweise aber auch in Mittel- und Westeuropa an (z.B. in Hamburg und Altona). Ihre gemeinsame Sprache ist das Ladino, das unterschiedliche regionale Ausprägungen hat. Kleinere Gruppen sind
- die äthiopischen Juden (Eigenbezeichnung Beita Israel, andere Bezeichnung Falascha,
- die Bene Israel aus Bombay in Indien,
- die Bnei Israel (auch Shinlung in Nordostindien und Burma, sie stammen angeblich vom jüdischen Stamm der Menaseh (Manasse) ab),
- die Romanioten, griechischsprechende Juden des Balkan,
- die Tat sprechenden Bergjuden des Kaukasus (Dagestan, Aserbaidschan),
- die turksprachigen Krimtschaken auf der Krim und
- die Religionsgemeinschaft der Karaiten, die eine wesentliche Rolle bei der Bekehrung der Chasaren gehabt haben soll. Umstritten ist die Stellung
- einer afghanischen Gruppe, die auf den antiken Stamm Ephraim zurückgehen soll,
- der Lemba in Simbabwe, sowie
- der messianischen Juden (Eigenbezeichnung) oder modernen Judenchristen – zum Christentum, meist evangelikaler Prägung, konvertierte Juden, die an ihrer jüdischen Identität festhalten sowie ein paar jüdische Traditionen pflegen und hauptsächlich in den USA zu finden sind. "Messianische" Juden sind nach dem Verständnis aller anderen Strömungen des Judentums (orthodox, konservativ, liberal, reformiert) im religiösen Sinn keine Juden, da ihre Interpretation der Tradition christlich ist. Hier unterscheiden sich Selbstwahrnehmung und Außenwahrnehmung. Die Samaritaner sind eine frühzeitige Abspaltung von den Juden im engeren Sinne, die dennoch gewollt oder ungewollt lange deren Schicksal teilten: Aufstände der Juden zogen oft auch die Samaritaner in das Geschehen ein, da die Römer Probleme hatten, diese zu unterscheiden. Wie es in Rom jüdische Synagogen gab, so gab es auch samaritanische. Heute gibt es nur noch sehr wenige Samaritaner.

Religiöse Führung

Jüdische Gemeinden werden geistlich und rechtlich von einem Rabbiner geleitet. Sephardische Juden sowie die Karäer bezeichnen ihren geistlichen Leiter auch als Chacham (Weiser). Im Jemen bei den Teimanin ist der Begriff Mori (mein Lehrer) gebräuchlich. Die Gottesdienste werden im allgemeinen von einem Kantor, Chasan, oder allgemeiner gesagt von einem Vorbeter geleitet; zu ihrer Durchführung wird ein Quorum bzw. (hebräisch) Minjan, d.h. die Versammlung zehn jüdischer Männer, benötigt. Die allgemeine, weltliche Leitung einer jüdischen Gemeinde hingegen liegt bei einem von den Gemeindemitgliedern zu wählenden Gemeindevorstand.

Historische jüdische Sekten

Fast alle Juden der Neuzeit folgen dem in Mischna und Talmud enthaltenen mündlich überlieferten Gesetz; sie werden als Rabbinisches Judentum bezeichnet. Innerhalb des rabbinischen Judentums gibt es verschiedene Richtungen, wie etwa das Orthodoxe oder das Reformjudentum.
- Die kleine Gruppe der Karäer stellt eine Abspaltung von der Mehrheit der Juden dar. Sie lehnt die in Mischna und Talmud enthaltenen Lehren ab.
- Die Samariter haben als heilige Schriften eine Version der Torah, die Memar Markah sowie eine eigene Liturgie, Gesetze und Auslegungsschriften. Ein Großteil des Tanach (jüdische Bibel) gilt ihnen nicht als inspiriert. Die Autorität von Mischna und Talmud lehnen sie ebenfalls ab. Es gibt nur noch wenige Anhänger der samaritischen Religion.

Jüdische Kultur

Die jüdische Kultur steht in starker Wechselwirkung zu den Kulturen, in denen die jeweilige jüdische Gemeinschaft ihr kulturelles Leben entfaltet, so dass sie kaum isoliert betrachtet werden kann. Dabei spielt die Religion eine unterschiedlich große Rolle. Durch die Aufsplittung des Europäischen Judentums in die Aschkenasim und Sephardim haben sich hier zwei auch durch die Sprache unterschiedene Kulturräume entwickelt. Siehe auch: Jüdisches Brauchtum, Jüdische Feste, Jüdischer Kalender, Jüdische Küche

Jüdischer Humanismus

Die Verarbeitung von Pogromerfahrungen geben den jüdischen Einflüssen in der Kultur nicht selten eine stark humanistische und egalitäre Prägung (bzw. wird hier der jüdische Einfluss am ehesten offensichtlich). Viele Künstler bekennen sich zum Judentum als Nation und begreifen sich gleichzeitig als Atheisten.

Sprache

Hebräisch ist die Sprache der ältesten jüdischen Schriften und war Umgangssprache der Juden in der antiken Periode ihrer Unabhängigkeit. Es wurde als Umgangssprache nach Jahrhunderten vom Aramäischen verdrängt, blieb aber bis in unsere Tage hinein Gottesdienstsprache, z.T. auch Gelehrtensprache. Das Aramäische ist eine zum Hebräischen sehr ähnliche Sprache, die auch das schriftliche Hebräisch späterer jüdischer Schriftwerke beeinflusst hat. Einige Passagen in den Schriften des Alten Testamentes wurden schon auf aramäisch verfasst. Jesus und seine jüdischen Landsleute sprachen aramäisch. In der Diaspora nahmen die Juden die Sprachen der Länder an, in denen sie lebten (siehe Jüdische Sprachen). Einige Sonderfälle sind Sprachen, die jüdische Gemeinschaften aus verschiedenen Gegenden der Welt übernommen haben und aufgrund der historischen Umstände zu selbständigen Sprachen (wenn man will, zu Dialekten) weiterentwickelt haben. Siehe dazu: Jiddisch (die Sprache der Aschkenasim), Ladino (oder Sephardisch) (die Sprache der Sephardim), Judeo-Berberisch (die Sprache jüdischer Berber in Marokko), Tat (auch: Judeo-Tat, die Sprache der Bergjuden des Kaukasus (Dagestan, Aserbaidschan)). Im Alltag sprechen Juden die Sprache des Landes, in dem sie leben. Das Iwrith, welches heute in Israel gesprochen wird, stellt eine gelungene Wiederbelebung des antiken Hebräisch dar, das um einen modernen Wortschatz erweitert wurde und auch in der Grammatik einige Anpassungen erfuhr. Es entwickelt sich heute im lebendigen Gebrauch weiter wie andere Sprachen auch.

Siehe auch


- Portal:Judentum
- Haskala, Haggada, Kabbalah, Schma Israel
- Israel, Israeliten, Zentralrat der Juden in Deutschland, Zionismus
- Jewish Encyclopedia,
- Kawwana, Tachles
- Proselyt, Judenmission
- Zarathustrismus, Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus, Konfuzianismus, Taoismus, Judenchristen
- Davidstern

Literatur


- Jonathan Magonet: Einführung ins Judentum, Jüdische Verlagsanstalt Berlin (JVB), 2003, ISBN 3-934658-43-1
- Max Dinemann: Liberales Judentum, Jüdische Verlagsanstalt Berlin (JVB), 2000, ISBN 3-934658-13-X
- Jonathan A. Romain/Walter Homolka: Progressives Judentum, Knesebeck, 1999, ISBN 3-89660-046-X
- Gilbet S. Rosenthal/Walter Homolka: Das Judentum hat viele Gesichter, Knesebeck, 1999, ISBN 3-89660-045-1
- Hans Küng: "Das Judentum", Piper Buchverlag, ISBN 3492228275
- Meyer, Hajo: Das Ende des Judentum, Neu-Isenburg 2005, ISBN 3-937389-58-X
- Paul Spiegel: "Was ist Koscher?", Ullstein 2003, ISBN 3-550-07575-8
- Arthur Herzberg: Wer ist Jude? Hanser 2000, ISBN 3-446-19760-5
- Jens J. Schreiner: Vom "Gelben Flicken" zum "Judenstern"? Genese und Applikation von Judenabzeichen im Islam und christlichen Europa (841-1941), Frankfurt am Main/Berlin/Bern u.a. : Peter Lang Verlag 2004, 169 S., 12 Tab., ISBN 3-631-52553-2
- Monika Grübel: Judentum. DuMont Buchverlag, Köln 1997, ISBN 3770134966
- Dominique Aubier Der Jüdische Fall Le Cas Juif, die ontologische Kraft der hebräischen Sprache, die jüdische spezifische Besonderheit, Verlag Mont Blanc, Genf"1970".
- Dominique Aubier Antwort auf Hitler, der jüdische Auftrag Erklärung der Shoa, Verlag Qorban, 1979. [http://www.dominique-aubier.org]

Weblinks


- aus jüdischer Sicht
  - [http://www.hagalil.com www.hagalil.com] - deutschsprachiges jüdisches Internetportal
  - [http://www.talmud.de www.talmud.de] - Jüdisches Leben in Deutschland -heute
  - [http://www.papdam.net www.papdam.net] - praktisches Judentum mit viel Hintergrundinfos, Zielgruppe: Juden
  - [http://www.jinfo.org Bedeutende jüdische Persönlichkeiten aus Naturwissenschaft, Philosophie, Musik etc.]
  - http://www.zadoq.com deutschsprachiges jüdisches Religionsportal
  - [http://www.synagoge.de/ jüdische Gemeinden in Deutschland]
  - [http://www.jewfaq.org Online-Lexikon Judaism 101 - englisch]
  - [http://www.juedisches-recht.de/ Quellen und Prinzipien des jüdischen Rechts]
- Über das Judentum aus nichtjüdischer Sicht
  - [http://www.buchklub.at/gorilla/hoffnungsreich/cybertour/judentum.htm Judentum - kurze Einführung]
  - [http://www.politische-bildung-brandenburg.de/publikationen/pdf/juedische_kultur_und_geschichte.pdf Peter Ortag: Jüdische Kultur und Geschichte. Hrsg: Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung. 5. Auflage 2003] ja:ユダヤ教 ko:유대교 ms:Yahudi nb:Jødedom simple:Judaism th:ยูได zh-min-nan:Iu-thài-kàu

Deutschland

Deutschland (die Langform der amtlichen Staatsbezeichnung lautet Bundesrepublik Deutschland) ist ein Bundesstaat in Mitteleuropa und hat gemeinsame Grenzen mit Dänemark, Polen, Tschechien, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Luxemburg, Belgien und den Niederlanden. Im Norden bilden die Nordsee und die Ostsee die natürlichen Staatsgrenzen. Bundeshauptstadt und Regierungssitz ist Berlin; einige Bundesministerien befinden sich in der Bundesstadt Bonn, dem ehemaligen Regierungssitz. Das politische System ist föderal und als parlamentarische Demokratie organisiert: Nach Artikel 20 des Grundgesetzes versteht sich Deutschland als demokratischer und sozialer Bundesstaat und Rechtsstaat. Dieser Bundesstaat besteht aus 16 teilsouveränen Bundesländern. Deutschland ist mit über 82 Mio. Einwohnern der bevölkerungsreichste Staat Europas. Die Bundesrepublik Deutschland ist unter anderem Mitglied der Vereinten Nationen, der Europäischen Union, der NATO und der G8. Viele Links zu Artikeln mit Deutschlandbezug finden sich im Portal Deutschland.

Geografie

Lage

Deutschland liegt in Mitteleuropa zwischen 47°16′15″ und 55°05′33″ nördlicher Breite und 5°52′01″ und 15°02′37″ östlicher Länge. Die Nord-Süd-Ausdehnung reicht von List auf Sylt (Schleswig-Holstein) bis Oberstdorf (Bayern) und beträgt 876 km; die West-Ost-Ausdehnung zwischen der Gemeinde Selfkant (NRW) und Deschka (Sachsen) beträgt 640 km. Nachfolgend sind die an Deutschland angrenzenden Staaten und Meere im Uhrzeigersinn aufgeführt. Die Grenzlänge (insgesamt 3.757 km lang) ist hinter den jeweiligen Staaten in Klammern angegeben. Im Norden grenzt Deutschland an Dänemark (67 km), im Nordosten an Polen (442 km), im Osten an Tschechien (811 km), im Südosten an Österreich (815; ohne Grenze im Bodensee), im Süden an die Schweiz (316 km; mit Grenzen der Exklave Büsingen, aber ohne Grenze im Bodensee), im Südwesten an Frankreich (448 km), im Westen an Luxemburg (135 km) und Belgien (156 km) und im Nordwesten an die Niederlande (567 km). Während im Nordwesten die Küsten der Nordsee und im Nordosten die Ostsee die natürlichen Staatsgrenzen bilden, hat Deutschland im Süden Anteil an den Alpen.

Exklaven

Eine Exklave Deutschlands ist das am Hochrhein gelegene Büsingen, das zum Landkreis Konstanz in Baden-Württemberg gehört. Sie ist 7,62 km² groß und gänzlich von den drei Schweizer Kantonen Schaffhausen, Thurgau und Zürich umgeben. Daneben existiert eine zweite Exklave auf irischem Territorium, unweit von Dublin. Es handelt sich um einen Friedhof, auf dem während des Zweiten Weltkrieg gefallene deutsche Soldaten beerdigt wurden. Um nach dem Krieg eine kostspielige und aufwändige Überführung der Leichen zu vermeiden, wurde das Gebiet an die Bundesrepublik Deutschland übergeben.

Mittelpunkt Deutschlands

Der geographische Mittelpunkt Deutschlands liegt laut dem Statistischen Jahrbuch Deutschland (Stand: 2000) in der Gemeinde Niederdorla im westlichen Thüringen auf der .

Großlandschaften

Die landschaftlichen Großräume unterscheiden sich vor allem in der Abfolge von Nord nach Süd, da das Gelände nach Süden hin tendenziell höher und steiler wird. Der nördliche Teil Deutschlands, die Norddeutsche Tiefebene, ist ein hauptsächlich von den Eiszeiten geformtes Tiefland, an das sich nach Süden die bewaldeten Mittelgebirge im Zentrum und in südlicheren Teilen des Landes anschließen. Insbesondere in Bayern, aber auch in Baden-Württemberg, gehen diese Landschaften in das relativ hoch liegende Nördliche Alpenvorland und dies wiederum in das Hochgebirge der Alpen über.

Geologie

Deutschland ist geologisch vielgestaltig. Während die glazial geprägten Landschaften, die Flussniederungen und -becken erst ab dem Tertiär ihre Gestalt annahmen, sind die Mittelgebirge deutlich älteren Datums. Die kristallinen Rumpfgebirge (z. B. der Schwarzwald) sind bereits im Erdaltertum entstanden und bestehen hauptsächlich aus metamorphem und Tiefengestein wie Gneisen und Granit. Ähnlich alt ist das Rheinische Schiefergebirge, dessen Entstehung auf Silur und Devon zu datieren ist. An dessen Nordrand finden sich auch Formationen aus dem Karbon, in denen die gewaltigen Steinkohlevorkommen im Ruhrgebiet eingelagert waren. Die süddeutsche Landschaft ist größtenteils auf die Entwicklungen im Erdmittelalter zurück zu führen: Während die Pfalz, Thüringen, Teile Bayerns und Sachsens geologisch im Trias gebildet wurden, ist die sich quer durch den süddeutschen Raum ziehende Schwäbische und Fränkische Alb ein Ergebnis der Auffaltung und Hebung von Meeresboden aus dem Jurazeitalter. Erstere Regionen weisen Sandstein, letztere Kalkstein als vorherrschende geologische Formation auf. Vulkanismus wird in Deutschland nicht beobachtet. Dennoch findet sich in einigen Gebieten vulkanisches Gestein aus früherer Aktivität, insbesondere in der Vulkaneifel und auf dem Vogelsberg in Hessen. Auch Erdbeben mit schweren Folgen kommen praktisch nicht vor, da Deutschland vollständig auf der Eurasischen Platte liegt. Das Land wird daher nicht von Grenzen zwischen aneinander anstoßenden großen Platten der Erdkruste durchzogen. Dennoch ist der Rheingraben in Nordrhein-Westfalen als mäßig gefährdete Erdbebenzone eingestuft, die sich bis in die Nachbarländer Belgien und Niederlande erstreckt (siehe auch Erdbebengebiet Kölner Bucht).

Gewässer

Erdbebengebiet Kölner Bucht bei Koblenz (Deutsches Eck)]] Deutschland grenzt mit den Bundesländern Niedersachsen und Schleswig-Holstein an die Nordsee. Diese ist ein Randmeer des Atlantiks und das am dichtesten befahrene Seegebiet der Erde. Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein liegen an der Ostsee, einem Binnenmeer, das über den Skagerrak mit der Nordsee verbunden ist. Der Tidenhub an der Ostsee ist wesentlich geringer als an der Nordsee. Die deutschen Flüsse gehören zu sechs großen Flusssystemen, deren Einzugsbereiche fast die gesamte Fläche einnehmen. Diese sind der Rhein, die Donau, die Elbe, die Oder, die Weser, und die Ems. Der längste dieser Flüsse ist die Donau; sie ist mit 2.845 km ab dem Zusammenfluss von Brigach, Breg und der Donauquelle in Donaueschingen beziehungsweise 2.888 km ab der Breg-Quelle am Rande des Schwarzwaldes nach der Wolga der zweitlängste Strom in Europa. Allerdings verläuft nur ein kleiner Teil der Donau-Gesamtstrecke durch Deutschland. Die Donau mündet ins Schwarze Meer. Alle anderen deutschen Flüsse entwässern in die Nord- oder Ostsee. Der Abschnitt der Europäischen Wasserscheide durch Deutschland verläuft östlich des Oberrheingrabens über den Hauptkamm des Schwarzwaldes, danach folgt sie der Schwäbischen und Fränkischen Alb. Der Rhein ist von diesen Strömen derjenige, der die längste Strecke innerhalb Deutschlands zurücklegt: Von seinem 1.320 km langen Flusslauf führen 852 km durch Deutschland. Er hat zudem für die Deutschen eine identitätsstiftende Rolle inne, die sich aus der Geschichte und zahlreichen Mythen und Sagen speist. Auch seine wirtschaftliche Funktion ist bedeutend: er ist eine der am stärksten befahrenen Wasserstraßen Europas. Die Elbe entspringt im Riesengebirge an der Grenze Tschechiens zu Polen und mündet nach ungefähr 1.165 km – davon 770 km in Deutschland – bei Cuxhaven in die Nordsee. Sie gehörte zeitweilig zu den am meisten mit Schadstoffen belasteten Flüssen Europas, doch mittlerweile hat sich die Wasserqualität deutlich verbessert. Die Oderquellen befinden sich in den tschechischen Beskiden. Nach wenigen Kilometern fließt die Oder nach Polen und in ihrem Mittellauf durch Schlesien. In ihrem Unterlauf bildet sie die deutsch-polnische Grenze um dann wieder in Polen bei Stettin in das Stettiner Haff zu münden. Als Swine fließt sie schließlich zwischen den Inseln Usedom und Wollin durch Swinemünde in die Ostsee. Die Weser speist sich aus den Flüssen Werra und Fulda und entwässert den mittleren Teil Deutschlands. Die Einzugsgebiete von Oder und Ems liegen im äußersten Osten bzw. Westen. Die Seen in Deutschland sind größtenteils in der Folge der Eiszeit entstanden, nach deren Ende sich ehemalige Gletschertäler (Gletscher- und Gletscherwasserabflussrinnen) teilweise mit Wasser füllten. Daher finden sich die meisten der großen Seen in ehemals von Inlandeis bedeckten Gebieten oder deren Vorland, insbesondere in Mecklenburg und dem Alpenvorland. Der größte mit deutschem Anteil ist der Bodensee, an den auch Österreich und die Schweiz grenzen. Der größte vollständig zu deutschem Staatsgebiet gehörende See ist die Müritz, die Teil der mecklenburgischen Seenplatte ist. Siehe auch: Liste der Flüsse in Deutschland, Liste der Seen in Deutschland

Gebirge und Senken

Liste der Seen in Deutschland Die Alpen sind das einzige Hochgebirge, an dem Deutschland Anteil hat. Hier befindet sich mit der Zugspitze (2.962 m) der höchste Berg Deutschlands. Die Mittelgebirge nehmen tendenziell von Nord nach Süd an Höhe und Ausdehnung zu. Höchster Mittelgebirgsgipfel ist der Feldberg im Schwarzwald mit 1.493 m, gefolgt vom Großen Arber im Bayerischen Wald mit 1.453 m. Gipfel über 1.000 m erreichen außerdem das Erzgebirge, das Fichtelgebirge, die Schwäbische Alb und als Sonderfall der Harz, der sich recht isoliert als nördlichstes Mittelgebirge in Deutschland mit dem Brocken auf 1.141 m erhebt. Nördlich der Mittelgebirgsschwelle erheben sich nur noch vereinzelte Formationen über 100 m, von denen der Hagelberg im Fläming mit 200 m die höchste ist. Details finden sich in der Liste der höchsten Berge Deutschlands und der Liste der Gebirge Deutschlands. Die niedrigste begehbare Landesstelle Deutschlands liegt bei 3,54 m unter Normalnull in einer Senke bei Neuendorf-Sachsenbande in der Wilstermarsch (Schleswig-Holstein). Ebenfalls in diesem Bundesland befindet sich die tiefste Kryptodepression: Sie liegt mit 39,10 m u. NN am Grund des Hemmelsdorfer Sees nord-nordöstlich von Lübeck. Die tiefste künstlich geschaffene Stelle liegt bei 293 m u. NN am Grund des Tagebau Hambach östlich von Jülich in Nordrhein-Westfalen.

Inseln

Jülich Gemessen an der Küstenlinie verfügt Deutschland über eine beachtliche Zahl an Inseln. Diese sind in der Nordsee meist in Form von Inselketten dem Festland vorg