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Bad Bederkesa

Bad Bederkesa

Bad Bederkesa, Luftkurort und Moorheilbad, (plattdeutsch Beers) ist der zentrale Ort (Flecken) der Samtgemeinde Bederkesa im nördlichen Niedersachsen (Landkreis Cuxhaven). Zu den Sehenswürdigkeiten zählen die Burg Bederkesa (siehe auch: Geschichte Hadelns), der Roland, der Bederkesaer See, der Hadelner Kanal und Bederkesaer Kanal, welcher die Elbe und über die Geeste die Weser miteinander verbindet, der Kurpark, die Windmühle von 1881, die Moortherme „Aqua Vitales“. Besonderheiten sind mehrere kleine Wälder, die Teil des Fleckens sind („Begraben Holz“, „Brunnenholz“, „Holzurburg“, „Spitzackerholz“ und „Zechholz“), sowie die vielen den Ort durchziehenden Heckenwege. Ausserdem gibt es ein [http://nibis.ni.schule.de/~nigbeder/ Niedersächsisches Internatsgymnasium].

Die Geschichte

Der Ort Bederkesa wird in Urkunden meist in Verbindung mit einem Rittergeschlecht gleichen Namens genannt, das bereits im hoben Mittelalter im Mündungsgebiet der Elbe und Weser besondere Bedeutung erlangte.

Jahrtausendwende

Die Herren von Bederkesa wurden schon um die Jahrtausendwende als Dienstmannen der Erzbischöfe von Hamburg - Bremen eingesetzt. Vielleicht lag ihr Stammsitz am Nordufer des Bederkesaer Sees, in Holzurburg, wo es noch heute einen mit Wällen und Gräben umsäumten, geräumigen Platz gibt, dessen ursprüngliche Bedeutung man nicht kennt.

11. Jahrhundert

Ihre erste Erwähnung finden die Herren von Bederkesa in einer erzbischöflichen Urkunde. 1159 erschien Marcward de Bederkesa als Zeuge unter einer von Erzbischof Hartwig I. (1148 - 1168) ausgestellten Urkunde. Fünf Herren von Bederkesa gehörten im 13. Jahrhundert zu den Domherren von Bremen, Erich von Bederkesa war Archidiakon von Rüstringen, und Rudolf von Bederkesa war sogar Dekan des bremischen Domkapitels.

12. Jahrhundert

13. Jahrhundert

Im 13. Jahrhundert gründeten die Herren von Bederkesa die hiesige Kirche und statteten sie mit reichen Pfründen aus. Ein Knappe, Gevehard von Bederkesa, schenkte der Kirche damals aus Verehrung eine Roggenernte im nahen Flögeln. Zweifellos hat der Flecken Bederkesa im Anschluss an die stattliche Burg und die Pfarrkirche bereits im Mittelalter eine größere Straßensiedlung gebildet, stellt also von der Anlage her eine andere Siedlungsform dar, als die vielen Haufendörfer der Geest. Insofern spiegelt die Bezeichnung "Flecken" den stadtähnlichen Charakter des Ortes wieder, indem schon recht früh neben der Landwirtschaft fast jedes Handwerk vertreten war.

14. Jahrhundert

15. Jahrhundert

Im 15. Jahrhundert wurde es still um das einstmals verbreitete Geschlecht der Ritter von Bederkesa. Fast der ganze Besitz befand sich nun in fremden Händen oder war verschuldet. Die Stadt Bremen war ab 1421 Besitzer von Amt und Burg. Mit Arndt von Bederkesa starb das Geschlecht 1499 aus. Die Burg bildete einen Mittelpunkt, um den sich mannigfaltiges Leben sammelte, das sein Eigendasein selbständig weiterentwickeln konnte.

16. Jahrhundert

Ort und Amt Bederkesa blühten im 16. Jahrhundert wirtschaftlich auf. Bremen gewährte den Bürgern mancherlei Rechte: Sie durften Bier brauen und Schnaps brennen und im ganzen Amt und in anderen Gebieten verkaufen. Handel und Gewerbe nahmen einen besonderen Aufschwung. Es durfte Markt abgehalten werden und jedes Handwerk konnte im Ort ansässig sein. Bis zum Ende des 16. Jahrhundert setzte der Rat der Stadt Bremen bremische Bürger gegen eine Pachtsumme als Amtmänner in Bederkesa ein. Danach übernahm die Stadt die Herrschaft in eigener Regie. Als Zeichen der Gerichtshoheit ließ Bremen 1602 den Roland im Burghof errichten. Es gelang dem Rat der Stadt Bremen im Dreißigjährigen Krieg sogar, Flecken und Amt Bederkesa mehr als andere Gebiete im Erzbistum Bremen vor Plünderungen und Brandschatzungen zu bewahren. Im Westfälischen Frieden (1648) wurde das bisherige Erzbistum Bremen der Krone Schwedens zugesprochen. Bremen jedoch verweigerte die Abtretung seiner Landesgebiete, so holte sich die Großmacht Schweden 1654 mit Gewalt, was sie als ihr Eigentum betrachtete. Darunter war auch das Amt Bederkesa. Das Amt Bederkesa kam 1661 mit seinen Einkünften gegen eine Summe von 40.000 Reichstalern in den Pfandbesitz des General Feldmarschalls Graf Hans-Christoph von Königsmarck. Die Burg war in den nachfolgenden Jahren Wohnsitz von Königsmarcks Frau und Enkelinnen, wozu auch die berühmte Aurora zählte.

17. Jahrhundert

18. Jahrhundert

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts verlor Schweden unter Karl d. 12. im Nordischen Krieg seine europäische Großmachtstellung. Das Kurfürstentum Hannover erwarb 1720 für eine Summe von 1.090.000 Reichstalern die Herzogtümer Bremen und Verden von Schweden. Erst nach langen Verhandlungen wurden 1735 auch die Rechte der Familie von Königsmarck am Amte Bederkesa gegen Erstattung der Pfandsumme von Kurhannover eingelöst. Die Einwohnerzahlen wiesen in der ungefähr 150 Jahre dauernden hannoverschen Epoche nur geringfügige Schwankungen auf und bewegten sich zwischen 1000 und 1300. Nach den Hannoveranern kamen die Preußen, diese verlegten den Amtssitz nach Lehe, und damit wurde es ruhig im Flecken. Eine markante Persönlichkeit war Hauptmann Böse, der Sohn eines Bremer Zuckerfabrikanten. Er hatte mit einer eigenen Einheit gegen Napoleon gekämpft, nun nahm er hier im Brunnenholz seinen Wohnsitz. Er wurde Wohltäter für den Ort und das Sietland, das unter dem Meeresspiegel lag und dessen Bewohner stetige Überflutungen zu erleiden hatten.

19. Jahrhundert

Durch seine Initiative wurde der Hadelner Kanal gebaut. 1876 erhielt Bederkesa ein königliches Lehrerseminar am Brunnenholz und 1896 eine Eisenbahnverbindung in die Stadt Bremerhaven.

20. Jahrhundert

Das Seminar wurde 1927 Internatsgymnasium und erfreut sich großer Beliebtheit. Bederkesa wurde Luftkurort, Moorheilbad und trägt seit 1996 die Bezeichnung Bad. Quelle: www.Bad-Bederkesa.de (mit freundlicher Genehmigung der Samtgemeinde Bederkesa)

Museen

Museum Burg Bederkesa

Museum für Archäologie und Kulturgeschichte

Museumsbahn

Historische Bahnlinie von Bederkesa bis Bremerhaven

Museum des Handwerks

Das Museum wurde im Sommer 1998 eröffnet, die Trägerschaft übernam die 14 Innungen mit 22 Handwerksberufen umfassende Kreishandwerkerschaft Bremerhaven Wesermünde. Das Museum bietet einen Einblick in die verschiedenen Handwerksberufe und deren Geschichte, so sind unter Anderem Gegenstände der Zimmermänner, Seilmacher, Schriftsetzer und Drucker, Fischer, Satzer, Uhrmacher und vieles mehr zu sehen. An angekündigeten Aktionstagen werden die verschiedenen Berufe vorgeführt.

Heimatmuseum "Jan Christopher Hus"

in Flögeln; historische, handwerkliche und kulturelle Gerätschaften des Leben in der Vergangenheit

Burg Bederkesa

Moorheilbad Zur Geschichte der Burg Bederkesa
- 12. Jh. Anfang des Burgenbaues am damaligen Randbereich des Bederkesaer Sees.
- um 1400 letzter Bau einer Temburg („Motte") auf dem aufgeschütteten Burgberg.
- 1421 Burg und Herrschaft Bederkesa in bremischem Besitz.
- 1460 Bau des Südflügels (Bauinschrift heute über dem Haupteingang).
- 1536 Bau des Nordflügels.
- 1579 Errichtung des Mittelbaues.
- 1602 Aufstellung des Rolandes auf einem gekuppelten Brunnen.
- 1604 Veröffentlichung des Kupferstiches von Wilhelm Dilieh.
- 1612 Bau des Treppenturmes.
- 1654 Einnahme der Burg durch den schwedischen Feldmarschall Hans Christopher von Königsmarck.
- 1735 Burg und Amt Bederkesa im Besitz von Kurhannover.
- um 1745 Abbruch des Turmes und weiterer Gebäudeteile. Fachwerkanbau.
- 1881 Verkauf der Burg in Privatbesitz, Nutzung u. a. als Gastwirtschaft und Hotel.
- 1975/77 Ankauf der verfallenden Burg durch den Landkreis Wesermünde.
- 1977-83 Restaurierung und Wiederaufbau durch den Landkreis Cuxhaven.

Sehenswert

Das Moorbad
Die Windmühle
Holzurburger Wallanlagen
Steinbackofen
Image:Bederkesa_see_01.jpg|Der See aus der Ferne Image:Bederkesa_see_02.jpg|Der See und der Hadelner Kanal Image:Bederkesa_see_03.jpg|Die große weite Wasserfläche des Sees

Firmen

Camping-Park Bederkesa mit über 500 Stellplätzen

Bauwerke

Naturdenkmäler

Persönlichkeiten

Temburg
- Hauptmann Böse Geschichte von Hadeln und Wursten

Sagen und Legenden


- Der Name von Bederkesa Quelle:
„Hake Betken siene Duven“ Das Sagenbuch von Elb- und Wesermündung
ISBN 3-931771-16-4 von den Männern vom Morgenstern

Weblinks


- [http://www.bad-bederkesa.de/ Webauftritt der Samtgemeinde Bederkesa]
Kategorie:Ort in Niedersachsen

Plattdeutsch

Plattdeutsch ist eine umgangssprachliche Sammelbezeichnung für die Dialekte der niederdeutschen Sprache (niedersächsischen Sprache, ostniederdeutschen Sprache und niederfränkischen Sprache). Synonyme Begriffe sind platt und plattdüütsch, sowie platdütsk in Ostfriesland.

Schriftsprache

Die plattdeutsche Sprache hat eine eigene Schriftsprache. Heute wird sie oft als Dialekt bezeichnet. Das hat aber eher politische Gründe als linguistische. (Dat gifft 'n Hümpel Grootdialekten un soveel Dörpsdialekten as Fleigen op de Mess.)

Lautverschiebung

Die plattdeutsche Sprache machte die zweite deutsche Lautverschiebung (hochdeutsche) nicht mit, ebenso wenig wie zum Beispiel Niederländisch und Englisch. Niederdeutsche Konsonanten -> hochdeutsche Konsonanten k -> ch :
- plattd.: ik -> ich und niederl.: koken -> kochen
- plattd.: maken und engl.: to make -> machen d -> t :
- plattd.: Dag und engl.: day -> Tag t -> s :
- plattd.: dat, wat, eten und engl.: that, what, eat-> das, was, essen t -> z :
- plattd.: Tied, Timmermann -> Zeit, Zimmermann t -> tz :
- plattd.: sitten und engl.: sit -> sitzen p -> f :
- plattd.: slapen und engl.: sleep -> schlafen
- plattd.: Schipp und engl.: ship -> Schiff p -> pf :
- plattd.: Peper und engl.: pepper -> Pfeffer v, w, f -> b :
- plattd.: Wief, Wiewer -> Weib, Weiber
- Plattd.: leev, leewer -> lieb, lieber

Weitere Unterschiede zwischen dem Hoch- und dem Niederdeutschen

Weitere Unterschiede zwischen dem Hoch- und dem Niederdeutschen, die jedoch nicht aus der 2. Lautverschiebung resultieren: s -> sch : sm -> schm :
- plattd.: smeeren, Smeer und schwed.: Smör -> schmieren, Schmiere sl -> schl :
- plattd.: slapen und engl.: sleep -> schlafen sw -> schw :
- plattd.: Swien -> Schwein st -> scht :
- plattd.: steen und engl.: stone -> schtein (gesprochen aber nicht geschrieben) sp -> Schp :
- plattd.: spitz -> schpitz (gesprochen aber nicht geschrieben) Insbesondere in den nördlichen Gebieten zeigen sich in der modernen plattdeutschen Sprache einige Skandinavismen bzw. Anglizismen, von denen das Fehlen des Präfix ge- beim Partizip Perfekt am auffälligsten ist. Ik hebb köfft -> ich habe gekauft (vgl. z.B. schwed. "jag har köpt". He hett seten -> Er hat gesessen. Die Ursache dieses Unterschiedes ist nicht eindeutig geklärt. Es ist unsicher, wie das Partizip in der altsächsischen Sprache gebildet wurde. So weist der Heliand im Vaterunser die Zeile auf: geuuîhid sî thîn namo uuordo gehuuilico, auf Plattdeutsch heißt es: hilligt warrn schall dien Naam. Vergleiche mit der nahe verwandten angelsächsischen Sprache legen ebenfalls nahe, dass das Partizip möglicherweise mit Präfix gebildet wurde. Alte schriftliche Quellen aus der karolingischen Zeit zeigen beide Formen, da sie jedoch von fränkischen Mönchen geschrieben wurden, sind sie diesbezüglich nicht besonders zuverlässig. Mittelniederdeutsche Quellen aus dem 14. und 15. Jahrhundert zeigen beide Formen. Die regionale Verbreitung liefert eher Hinweise zur Genese dieses Phänomens: Die grammatische Form des Partizips ohne Präfix ist typisch für das Emsland (Binnenland!) und die Küstenregionen von Ostfriesland über den Raum Hamburg/Bremen bis Schleswig-Holstein, Mecklenburg und Vorpommern. Dagegen wird im westfälischen und ostfälischen Raum sowie in den im Hoch- und Spätmittelalter kolonisierten Gebieten östlich der Oder das Partizip mit dem Präfix ge- gebildet. Dieser Umstand lässt einen Einfluss über die Seefahrt und die intensiven Beziehungen zu England und Skandinavien zur Hansezeit und später vermuten. Gleichzeitig waren die Gebiete, in denen das Partizip nach skandinavischem Muster gebildet wird, in der Neuzeit teilweise über längere Zeit skandinavisch verwaltet. So führte der Dreißigjährige Krieg zu einer schwedischen Besetzung im Gebiet zwischen Hamburg und Bremen (z.B. Stade) und in Pommern. Schleswig-Holstein hatte den dänischen König als Landesherren und eine teilweise dänisch geprägte Verwaltung. Dies könnte ohnehin in der Sprache vorhandene Tendenzen zum präfixlosen Partizip verstärkt haben. Generell ist zu beobachten, dass es im nördlichen Sprachraum eine über das Partizip hinaus gehende Abneigung gegen das Präfix ge- gibt. So wird bereits in älteren Quellen ein Geschlechterbuch Slechtbook genannt. Mit dem hochdeutschen Verb gehören korrespondiert das plattdeutsche hören / heurn und - präziser - tohören / toheurn. He heurt de vun de Geest to = Er gehört zu denen von der Geest. Gerade an den Grenzgebieten wie z.B. der Niederrhein wird heute noch die Plattdeutsche Sprache gepflegt.

Verwendung in der EDV

Die Desktop-Oberfläche für Unixsysteme und Derivate wie GNU/Linux, KDE, gibt es seit Version 3.2.1 auch in einer plattdeutschen Sprachvariante. Eine plattdeutsche GNOME-Variante befindet sich in der Planung. :Weiterhin gibt es unter nds.wikipedia.org eine plattdeutsche Ausgabe (plattdüütsche Utgaav) der Wikipedia.

Siehe auch


- Germanische Sprachen

Literatur


- Sachsensprache, Hansesprache, Plattdeutsch. Sprachgeschichtliche Grundzüge des Niederdeutschen; Willy Sanders; Göttingen 1982
- Asterix - De Törn för nix; R. Goscinny, A. Uderzo; Ehapa, Berlin 1996; ISBN 3-7704-0467-X
- Asterix - Asterix un de Wikingers; R. Goscinny, A. Uderzo; Ehapa, Berlin 1997; ISBN 3-7704-0475-0
- Asterix - Lütt Obelix op grote Fohrt; R. Goscinny, A. Uderzo; Ehapa, Berlin 1998; ISBN 3-7704-2251-1

Weblinks

Seiten über Plattdeutsch
- [http://www.magdaleneehlers.de Magdalene Ehlers Online]
- [http://www.deutsch-plattdeutsch.de Das größte plattdeutsche Internet-Wörterbuch]
- http://www.plattmaster.de
- [http://stade-buxtehude.de/platt/deutschplatt.htm Plattdeutsch-Wörterbuch]
- [http://webring.parsimony.net/webring673/liste.htm Plattdeutsche Seiten im Netz]
- http://www.plattdeutsch.net Seiten auf Plattdeutsch
- [http://nds.i18n.kde.org/ KDE op Platt]
- [http://platt.gnome-de.org/ GNOME op Platt]
- [http://www.plautdietsch-freunde.de Plautdietsch-Freunde e.V.]
- [http://www.drangduewels.de De Drangdüwels - Plattdüütsch Landrock]
- [http://www.diesel-online.de/ Diesel, dat oostfreeske Bladd up Platt]
- [http://www.plattfoeoet.de/ De Plattfööt - Musik un Snacks]
- http://www.plattdeutsch.net Kategorie:Einzelsprache Kategorie:Deutsche Sprache Kategorie:Dialekt

Flecken (Ort)

Der Flecken ist ein besonderer Status zwischen Stadt und Dorf, auch Minderstadt genannt. Sich offiziell Flecken nennende Orte gibt es heute noch in Niedersachsen (z.B. Flecken Lauenau, Brome, Ottersberg, Drakenburg und Langwedel bei Bremen), Sachsen-Anhalt (Flecken Diesdorf in der Altmark) und in der Schweiz (z.B. Flecken Beromünster). Flecken sind meist ländliche Mittelpunktsorte, die für das Umland zentralörtliche Funktionen wahrgenommen haben und dazu einen Teil der städtischen Privilegien erhielten. Meist hatten sie das Marktrecht (so genannte Marktflecken), oft auch Freistellung von der Wehrpflicht, Zunftrechte etc. Einige Flecken haben ein eher ländliches Erscheinungsbild, andere wirken altstadtartig, wobei aber der Mauerring fehlt.

Flecken in Schleswig-Holstein

Beim Übergang an Preußen im Jahr 1866 gab es in Schleswig-Holstein noch insgesamt 25 Flecken. Diese wurden danach Zug um Zug zu Städten erhoben oder kamen 1920 zu Dänemark. Als letzter Flecken wurde auch Arnis im Jahre 1934 zur Stadt erhoben. Seit jenem Jahr gibt es keine "Flecken" mehr in Schleswig-Holstein. Obwohl Flecken als administrative Einheiten in Dänemark unbekannt waren, konnten die Orte Hoyer, Lügumkloster, Christiansfeld, Augustenburg, Norburg und Marstall auf Ærø diesen Status noch bis zur Verwaltungsreform von 1970 erhalten, als auch die Städte in die neuen Großkommunen einbezogen wurden.

Weblinks


- [http://www.geschichte.schleswig-holstein.de/vonabisz/flecken.htm Geschichte der Flecken in Schleswig-Holstein] Kategorie:Politische Geographie

Niedersachsen

Siehe auch Portal Niedersachsen. ---- Niedersachsen liegt in Norddeutschland und ist flächenmäßig nach Bayern das zweitgrößte Land der Bundesrepublik Deutschland. Landeshauptstadt ist Hannover.

Geografie

Räumliche Lage Niedersachsen hat im Norden eine natürliche Begrenzung durch die Nordsee und den Unterlauf der Elbe. Ausgenommen hiervon ist das Amt Neuhaus, das rechts der Elbe liegt. Im Südosten wird es durch den Harz, ein deutsches Mittelgebirge, begrenzt. Ein Großteil des Landes gehört zur Norddeutschen Tiefebene. Im Nordosten Niedersachsens erstreckt sich die Lüneburger Heide. Während dort ärmere Sandböden (Heide und Geest) dominieren, finden sich im Osten und Südosten in der Hildesheimer Börde mithin die besten Böden Deutschlands. Unter diesen Voraussetzungen (lehm- und sandhaltigen Böden) ist das Land landwirtschaftlich gut erschlossen. Die Flüsse Aller, Weser, Ems und Elbe prägen Niedersachsen. Der höchste Berg ist der Wurmberg (971 m) im Harz. Für weitere Berge siehe: Liste der Berge und Erhebungen in Niedersachsen Nachbarländer Angrenzende Bundesländer sind Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Bremen. Kein anderes deutsches Bundesland hat mehr Nachbar-Bundesländer. Niedersachsen hat eine Außengrenze zu den Niederlanden und Anteil an der deutschen Nordseeküste.

Geschichte

Niedersachsen ist nach dem Zweiten Weltkrieg als Land neu gegründet worden, nachdem es ein Teil der britischen Besatzungszone war. Es entstand aus den ehemaligen Territorien des Königreichs Hannover (1866 bis 1946 preußische Provinz Hannover, 1946 Land Hannover), des Großherzogtums Oldenburg, des Herzogtums Braunschweig und des Fürstentums Schaumburg-Lippe. Der Name "Niedersachsen" als Regionsbezeichnung ist jedoch schon sehr viel älter; Name und Wappen des neuen Bundeslandes greifen auf den Volksstamm der Sachsen zurück, dessen Siedlungsraum etwa dem heutigen Niedersachsen und einigen angrenzenden Gebieten entsprach. Der Zusatz "Nieder-" stammt bereits aus dem Mittelalter (Niedersächsischer Reichskreis) und unterschied das alte Sachsenland von den später aus dynastischen Gründen "(Ober-)Sachsen" genannten mitteldeutschen Fürstentümern (siehe Freistaat Sachsen). Geschichtlich besteht eine enge, durch die Personalunion des 18. Jahrhunderts begründete Bindung insbesondere Hannovers an das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland. Das "Lied der Niedersachsen" (Niedersachsenlied) wird als Landeshymne angesehen. Am 1. Juni 1993 tritt die neue Verfassung des Landes in Kraft, die die "Vorläufige Niedersächsische Verfassung" von 1951 ablöst. Sie ermöglicht erstmals Volksbegehren und Volksentscheide und verankert den Umweltschutz als Staatsgrundsatz. Nach einem Bürgerentscheid 1993 wurde das ehemals hannoversche Amt Neuhaus mit den damaligen Gemeinden Dellien, Haar, Kaarßen, Neuhaus (Elbe), Stapel, Sückau, Sumte und Tripkau sowie die Ortsteile Neu Bleckede, Neu Wendischthun und Stiepelse der Gemeinde Teldau und das historisch-hannoversche Gebiet im Forstrevier Bohldamm in der Gemeinde Garlitz vom Land Mecklenburg-Vorpommern zum Land Niedersachsen ausgegliedert und als neue Gemeinde Amt Neuhaus dem Landkreis Lüneburg angegliedert. Zum 1. Januar 2005 wurden die vier Regierungsbezirke, aus denen Niedersachsen bis dato bestand, aufgelöst. Dies waren die Regierungsbezirke Braunschweig, Hannover, Lüneburg und Weser-Ems.

Politik

Weser-Ems]] Bei den Landtagswahlen am 2. Februar 2003 erlitt die SPD eine schwere Niederlage und verlor ihre Regierungsmehrheit. Wahlsieger war die CDU, die mit ihrem Spitzenkandidaten Christian Wulff den Ministerpräsidenten in einer Koalition mit der FDP stellte. Die Ministerpräsidenten von Niedersachsen seit 1946: Wahlergebnisse und Landesregierungen seit 1947. Im Bundesrat hat Niedersachsen sechs Stimmen, die höchst mögliche Anzahl, ebenso wie Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.

Verwaltung

Verwaltungsreform

Zum 1. Januar 2005 wurden die bisher existierenden Regierungsbezirke aufgelöst. Mittelfristig (vermutlich 2008) wird in Niedersachsen wohl eine Kreisgebietsreform durchgeführt werden, in deren Verlauf die zum Teil sehr überschuldeten Landkreise zusammengelegt werden. Die Kreisgrenzen werden sich dabei voraussichtlich an den Grenzen der niedersächsischen Landschaftsverbände orientieren. Zurzeit bestehen in vielen Gemeinden Fusionspläne mit Nachbargemeinden. Siehe hierzu auch im Artikel über den Landkreis Lüchow-Dannenberg

Verwaltungsgliederung

Landkreise

Niedersachsen besteht zur Zeit aus folgenden Landkreisen (in Klammern die Autokennzeichen): Landkreis Lüchow-Dannenberg

Kreisfreie Städte

# 18px Braunschweig (BS) # 18px Delmenhorst (DEL) # 18px Emden (EMD) # 18px Oldenburg (Oldb) (OL) # 18px Osnabrück (OS) # 18px Salzgitter (SZ) # 18px Wilhelmshaven (WHV) # 18px Wolfsburg (WOB)

Größte Städte

weitere Artikel

Niedersächsische Europapolitik

Wirtschaft

Das industrielle Zentrum Niedersachsens befindet sich im Raum Hannover-Braunschweig/Wolfsburg mit mehreren Automobilwerken, darunter dem Hauptwerk von Volkswagen in Wolfsburg, und der in Peine und Salzgitter ansässigen Stahlindustrie. Braunschweig ist außerdem ein bedeutender Wissenschaftsstandort. Das Emsland, die Lüneburger Heide und Teile der Küstenregion gehören dagegen seit langem zu den strukturschwachen Räumen. Es gibt inzwischen eine Anzahl von Projekten, um die wirtschaftliche Lage in diesen Gebieten zu verbessern. Dazu gehören:
- Die aus Mitteln der örtlichen Wirtschaft mitfinanzierte Emslandautobahn A 31, die von Ostfriesland durch das Emsland nach Bottrop ins westliche Ruhrgebiet führt.
- Die Küstenautobahn A 22, die von Schleswig-Holstein durch den geplanten Elbtunnel bei Stade und den Wesertunnel bei Dedesdorf zur A 29 bei Oldenburg führen soll
- Mehrere Ethen-Pipelines, die die Chemiestandorte in Nordrhein-Westfalen mit denen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein verbinden sollen und in Niedersachsen insbesondere den Produktionsstandorten Stade und Wilhelmshaven zu Gute kommen werden
- Der Containerhafen JadeWeserPort in Wilhelmshaven, der als einziger deutscher Seehafen auch von den größten Containerschiffen künftiger Generationen angelaufen werden können wird. Die Landwirtschaft findet in Niedersachsen sehr unterschiedliche Bedingungen vor. Die Böden in der Hildesheimer Börde und zwischen Harz und Mittellandkanal zeichnen sich durch sehr hohe Bodenzahlen aus und eignen sich besonders für den Anbau von Zuckerrüben und Getreide. In der Lüneburger Heide ist der Boden karg, Hauptprodukte sind Kartoffeln und als Spezialität Spargel. In den Marschgebieten an der Küste dominiert hingegen die Viehzucht. Neben Getreide werden Raps, Zuckerrüben, Salat (speziell Eisbergsalat), Kohl, Möhren (Mohrrüben, Karotten) und dank des sandhaltigen Bodens Spargel in Teilen des Landes angebaut. Bekannt ist auch die niedersächsische Grünkohlkultur (in südöstlichen Regionen auch als Braunkohl bekannt). Neben dem Gemüseanbau und der Viehzucht ist der Obstanbau (speziell im Norden) ein wichtiger Wirtschaftszweig. An der Küste spielt die Hafenwirtschaft eine bedeutende Rolle, während die Bedeutung des Schiffbaus abgenommen hat. In vielen Teilen Niedersachsens gibt es Tourismus, vor allem in den alten Feriengebieten des Harzes, der Lüneburger Heide und der Küstenregion mit ihren Inseln und Seebädern. Die Bundeswehr wird auch künftig ein wichtiger Arbeitgeber in Niedersachsen sein. Mit über 55.000 Soldaten und zivilen Beschäftigten wird Niedersachsen nach der geplanten Bundeswehrreduzierung das Bundesland mit der größten Zahl von Bundeswehrbediensteten sein. An drei Standorten in Niedersachsen finden sich in Betrieb befindliche Atomkraftwerke, bei Lingen, bei Grohnde und bei Nordenham.

Wissenschaft

Bedeutende wissenschaftliche Standorte sind Göttingen, Braunschweig und Hannover. Kleinere wissenschaftliche Einrichtungen sind die Universität Osnabrück, die Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg in Oldenburg, die Technische Universität Clausthal, die Universität Lüneburg und die Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel. Die Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven ist die größte Fachhochschule des Landes. Siehe auch: Liste von wissenschaftlichen Einrichtungen in Niedersachsen [http://www.mwk.niedersachsen.de/master/C732_L20_D0.html Die Website des niedersächsischen Minesteriums für Wissenschaft und Kultur]

Bevölkerung

Die historisch angestammte Bevölkerung setzt sich aus Niedersachsen und Friesen zusammen. Hinzu kommt eine vielzahl aus ganz Deutschland zugewanderter Personen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Niedersachsen eines der Hauptansiedlungsgebiete für Heimatvertriebene aus Ostpreußen, Pommern, Schlesien und dem Sudetenland. Durch die vielen Industriebetriebe im Raum Hannover-Braunschweig-Salzgitter-Wolfsburg entstand während des Wirtschaftswunders ein hoher Bedarf an Arbeitskräften, weswegen man viele Gastarbeiter aus Italien, Spanien und der Türkei anwarb, die häufig in Niedersachsen blieben. Seit dem Ende des kalten Krieges kamen viele Aussiedler und Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion und aus Polen ins Land.

Sprache

In Niedersachsen werden Hochdeutsch, Friesisch (Saterfriesisch) und verschiedene Formen des Plattdeutschen gesprochen. Diese niederdeutschen Sprachformen werden heutzutage im Oldenburger Land, in Ostfriesland, im Emsland, in der Wümmeniederung, der Lüneburger Heide und an der Waterkant (Nordseeküste) verwendet. Dialekte des Ostfälischen werden noch in geringem Maße im Weserbergland, im Braunschweiger Land und im Eichsfeld gesprochen. Die Aussprache des Hochdeutschen in der Umgebung von Hannover gilt allgemein als vorbildlich, weil der Schriftsprache am nächsten (das Plattdeutsche ist dort schon seit längerer Zeit verschwunden). Jedoch besitzt die Sprache auch dort eine ortseigene Färbung. Amtssprachen sind Hochdeutsch und seit der Unterzeichnung der europäischen Sprachencharta auch Plattdeutsch und Saterfriesisch. Besonders lebendig ist das Plattdeutsche noch in Ostfriesland. Plattdeutsch hat sich hier unabhängig von anderen niederdeutschen (genauer: niedersächsischen) Dialekten entwickelt und zeigt große Verbindung mit dem Niederländischen und dem Friesischen, das in Ostfriesland aber seit dem 18. Jahrhundert durch das Niederdeutsche verdrängt wurde. Die Anzahl der Sprecher des Niederdeutschen ist in Ostfriesland mit mehr als der Hälfte der Bevölkerung besonders hoch, insgesamt sprechen und verstehen etwa 40% der niedersächsischen Bevölkerung den traditionellen Dialekt ihrer Region, wobei ein starkes Stadt-Land-Gefälle festzustellen ist. Siehe auch: Sprachen und Dialekte in Niedersachsen

Küche/Essen

Siehe unter Niedersächsische Küche

Kunstgeschichte

Baugeschichtlich bedeutsam in Niedersachsen war die Epoche der Renaissance, die sich in vielen Bauten im Stil der Weserrenaissance widerspiegelt. Eine weitere Sehenswürdigkeit sind die Gärten in Herrenhausen (Hannover) - die einzig erhaltenen und nie veränderten Barockgärten der Welt.

Tourismus

Anziehungspunkte für den Fremdenverkehr sind die Nordseeküste, der Harz, Hannover, Braunschweig, Lüneburg, Wolfsburg mit der Autostadt, das Eichsfeld, das Weserbergland und das Leinebergland, Ostfriesland, die Lüneburger Heide, die Wümmeniederung, das Steinhuder Meer, der Dümmer, das Alte Land, das Elbetal und die Flüsse Aller, Leine, Hunte, Wümme und Weser. Das Brauchtum umfasst unter anderem das Grünkohlessen und Schützenfeste.

Regionen

Siehe auch: Niedersächsische Verfassung, Liste der Orte in Niedersachsen

Verbände in Niedersachsen


- Niedersächsischer Fußball-Verband
- Niedersächsischer Volleyballverband
- Niedersächsischer Sportschützenverband
- Medizinischer Dienst der Krankenversicherung Niedersachsen
- Landesverband Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden im Nordwesten Niedersachsens
- Landesfeuerwehrverband Niedersachsen e.V.

Persönlichkeiten

Träger der Niedersächsischen Landesmedaille

Diese Liste ist nicht vollständig.
- Johannes Lilje (1899-1977), Theologe, Kunsthistoriker und Landesbischof
- Josef Homeyer (
- 1929), Bischof

Söhne und Töchter Niedersachsens


- Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1726), Universalgenie
- Adolph Freiherr Knigge (1752-1796), Schriftsteller
- Ernst August I. (1771-1851), König von Hannover
- Carl Friedrich Gauß (1777-1855), Mathematiker und Astronom
- Johann Gerhard Oncken (1800 - 1884), Begründer der deutschen und kontinentaleuropäischen Baptistengemeinden, heute: Evangelisch-Freikirchliche Gemeinden
- Georg Ferdinand Howaldt (1802-1883), Goldschmied, Bildhauer und Erzgießer in Braunschweig
- Robert Wilhelm Bunsen (1811-1899), Naturwissenschaftler
- Werner von Siemens (1816-1892), Erfinder und Unternehmer
- Rudolf von Bennigsen (1824-1902), liberaler Politiker
- Wilhelm Raabe (1831-1919), Schriftsteller
- Wilhelm Busch (1832-1908), Zeichner und Autor von Bildergeschichten
- Adolf Breymann (1839-1878), Bildhauer
- Hermann Heinrich Howaldt (1841-1891), Bildhauer, Erzgießer und Kupfertreiber in Braunschweig
- Robert Koch (1843-1910), Arzt und Bakteriologe
- Hermann Löns (1866-1914), Dichter
- Paula Modersohn-Becker (1876-1907), Malerin
- Otto Hahn (1879-1968), Chemiker, Nobelpreis-Träger
- Kurt Schwitters (1887-1948), Maler und Dichter
- Hinrich Wilhelm Kopf (1893-1961), erster Ministerpräsident von Niedersachsen
- Ernst August Prinz von Hannover (geb. 1954), Oberhaupt des ehemals königlichen Hauses Hannover
- August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874), Germanist, Sprachforscher und deutscher Liederdichter

Literatur


- Fritz Mielert: Du schönes Niedersachsen. (3 Bände; Teil 1: Hannover, Oldenburg, Bremen, Braunschweig, Schaumburg-Lippe, Hessen (nördl. Kassel); Teil 2: Lübeck, Mecklenburg, Lauenburg, Vorpommern mit Rügen, Usedom und Wollin; Teil 3: Hamburg, Schleswig-Holstein.). Johann Georg Holzwarth/Carl Schünemann. Bad Rothenfelde/Bremen. 1921 - 1923
- Kleine Niedersächsische Literaturgeschichte in drei Bänden Von Dichterfürsten und anderen Poeten. Herausgegeben von Dirck Linck (III), Jürgen Peters (I-III) und Wilhelm Heinrich Pott (I+II). Mit Register und Literaturverzeichnis. Gebunden. 8°. Band I. Zweiunddreißig Portraits von Roswitha von Gandersheim bis Johann Peter Eckermann. 256 Seiten. 38 Abb. ISBN 3927715298 (1993) Band II. Siebenunddreißig Portraits von Stendhal bis Arno Schmidt. 288 Seiten. 40 Abb. ISBN 392771531X (1994) Band III. Fünfundvierzig Portraits von Arno Schmidt bis Hans Pleschinski. Mit Fotografien von Isolde Ohlbaum, Brigitte Friedrich u.a. 336 Seiten. 60 Abb. ISBN 3927715301 (1996) »Geschichten, gesetzt aus Poetenleben, wissenschaftlich fundiert und erzählerisch aufbereitet zu einer Geschichte von Lebenden.« (NDR, Wolfgang Hausmann)

Weblinks


- [http://www.niedersachsen.de/ www.niedersachsen.de] - Offizielle Seite
- [http://www.niedersachsennavigator.de/ www.niedersachsennavigator.de] - Kartenserver des Landes, vom Flurstück bis zur Übersichtskarte
- [http://www.sachsengeschichte.de/ www.sachsengeschichte.de] - Geschichte der Niedersachsen und des Sachsennamens
- [http://www.koenigreich-hannover.de/ www.koenigreich-hannover.de] - Geschichte d. Landes Hannover
- [http://194.95.154.20/abacus/nds.htm Niedersächsische Bibliographie online] Datenbank der Niedersächsischen Landesbibliothek mit 75.000 Büchern und Aufsätzen zum Thema "Niedersachsen" in allen Aspekten
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Landkreis Cuxhaven

Der Landkreis Cuxhaven ist, gemessen an seiner Fläche, nicht nur einer der größten Landkreise von Niedersachsen, sondern im ganzen Bundesgebiet. Mit etwa 91 Einwohnern pro Quadratkilomter erreicht er jedoch nicht einmal die Hälfte des Bundesdurchschnitts. Seine Lage im Verhältnis zum restlichen Bundesgebiet charakterisiert sich als eine ausgeprägte Randlage, die durch die natürlichen Grenzen in der Elbe- und Wesermündung zu den benachbarten Gebieten sogar noch verstärkt wird. Im Mündungsgebiet der Weser in die Nordsee ragt das Gebiet der kreisfreien Stadt Bremerhaven (Bundesland Bremen) in das Kreisgebiet. Die Küstenlinie verläuft zunächst in nördlicher Richtung und ab Cuxhaven in östliche Richtung bis zur Grenze mit dem Landkreis Stade. Weitere benachbarte Landkreise sind im Südosten der Landkreis Rotenburg (Wümme) und im Süden der Landkreis Osterholz. Die Kreisstadt Cuxhaven stellt in diesem abgelegenen Gebiet dann noch einmal den mathematisch von allen anderen Punkten des Landkreises am weitesten entfernten Ort dar. Die Fläche der Stadt ist mit der Fläche Hannovers vergleichbar, ist aber nach der Einwohnerzahl nur der Mittelstadt-Kategorie zuzuordnen.

Geographie und Geologie

Den Untergrund im Gebiet des Landkreises bilden im Wesentlichen die Moränen und Schmelzwasserablagerungen der Saale-Eiszeit, der vorletzten Vereisungsperiode des Pleistozäns. Diese formen die sandigen Rücken der Geest mit ihren typischen Findlingen aus Granit und Gneis, wie die Nord-Süd verlaufenden Höhenzüge der Wingst und des Westerberges, sowie der Hohen Lieth (Wurster Heide). Die Endmoränen der letzten Vereisung (Weichsel-Eiszeit) haben das Gebiet nicht mehr erreicht. Deshalb sind die Geländeformen hier sehr viel sanfter und flacher, als z.B. in der "Holsteinischen Schweiz". Abgesehen von kleinen, umgelagerten Sedimentresten aus dem Tertiär und Elster-Eiszeitlichem "Lauenburger Ton", finden sich nur noch bei Hemmoor ältere Gesteine: die weiße "Schreibkreide" aus der geologischen Formation Kreide. Es handelt sich um die selben Schichten, die auch die berühmten Kreidekliffs auf Rügen bilden. Bis zur Schließung des Werks in Hemmoor wurden diese Gesteine zur Produktion von Portland-Zement abgebaut. Mit Beginn des Holozäns erfolgte durch das Abschmelzen der Gletscher ein deutlicher Meeresspiegel-Anstieg. Die küstennahen Niederungen wurden überflutet; in den Senken im Landesinneren, wie den Niederungen der Geeste, Lune und Drepte, bildeten sich wegen des gleichzeitig ansteigenden Grundwasserspiegels die ersten Niedermoore. In der Hadler Bucht und in der Wesermündung formten sich nun ausgedehnte Wattflächen. Jedes Mal, wenn das Watt überspült wurde, fielen die im Seewasser mitgeführten Schwebstoffe aus und lagerten sich nach und nach in leicht erhöhten Marren, oder Platen ab. Aus diesen sandigen Schlickbänken bildeten sich die heutigen "Hochländer", die Seemarschen Land Hadeln, Land Wursten und Landwürden. Die Unterläufe der heutigen Flüsse Medem und Oste entwickelten sich aus Prielen im Watt. In den Randgebieten zur Geest, die durch die Marren von der offenen See abgeschnitten waren, bildeten sich jedoch nur Brackwasser- und Flussmarschen, die heutigen "Sietländer" (von niederdeutsch: siet = niedrig), später auch Niedermoore. In Niederungen mit besonders ungünstigen Abflussverhältnissen kam es sogar zur Bildung von Hochmooren, wie Ahlenmoor, Langes Moor, Hymenmoor und Königsmoor (Moor), mit Torfmächtigkeiten von zwei bis sechs Metern, stellenweise sogar bis zu acht Metern. Erst durch die neuzeitliche Kultivierung und Entwässerung wurde das Moorwachstum gestoppt. Die Torfmoose wurden zunächst durch Heide und Zwergsträucher verdrängt, diese dann durch Pfeifengras und Birken. Besonders im Ahlenmoor bemüht man sich heute aber wieder um die Wiedervernässung und Renaturierung der Moorflächen. Abgesehen von anderen Gebieten an der deutschen Nordseeküste findet sich eine ähnliche Verbindung von so unterschiedlichen Landschaften, wie Watt, Marsch, Moor und Geest wohl nur noch im Wash an der Küste von Lincolnshire und Norfolk (Großbritannien).

Wirtschaft

Ökonomische Grundlage des Landkreises ist, wie seit Jahrhunderten, immer noch die Landwirtschaft, wenn sie auch durch den Strukturwandel der letzten Jahrzehnte stark an Bedeutung verloren hat. Wichtig ist außerdem der Tourismus, sowie die hafenassoziierten Dienstleistungen in Cuxhaven. Wirtschaftliches Oberzentrum und Sitz des zumindest für den Südkreis zuständigen Finanzamts "Wesermünde" ist die zum Bundesland Bremen gehörende Stadt Bremerhaven. Aufgrund von Haushaltsproblemen wird diskutiert, ob der Landkreis Cuxhaven von kommunalen Pflichtaufgaben entbunden werden kann.

Verkehr

Durch das Kreisgebiet führt die Autobahn A27 sowie die Eisenbahnen Bremen-Bremerhaven-Cuxhaven, Bremerhaven-Bremervörde-Hamburg (EVB) sowie Hamburg-Stade-Cuxhaven.

Geschichte

Zur Geschichte der Region vor 1866 siehe auch: Geschichte von Hadeln und Wursten.

1885 bis 1918

Kaiserreich Nach einer fast zwei Jahrzehnte dauernden Übergangsphase wurde in der preußischen Provinz Hannover, dem ehemaligen 1866 annektierten Königreich Hannover, am 1. April 1885 eine Kreisverfassung eingeführt. Die Kreise ersetzten die hannoverschen Ämter, die zum großen Teil bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts ihre Rechtspflege verloren hatten. Von Ausnahmen abgesehen, hatten sie aber immer noch die gesamte öffentliche Verwaltung in der unteren Instanz inne. Der Übergang wurde mit einiger Rücksicht auf örtliche historische und landschaftliche Gegebenheiten vorgenommen. Der preußische Kreis Hadeln war z.B. identisch mit dem hannoverschen Amt Otterndorf vor 1866, das wiederum identisch mit dem lauenburgischen Land Hadeln vor 1689 war. Der Kreis Hadeln und der Kreis Lehe (im Kern das alte Land Wursten, Amt Dorum und der nördliche Teil des Amtes Lehe) waren zusammen praktisch deckungsgleich mit dem Gebiet des alten Archidiakonats Hadeln-Wursten vor der Reformation. Im Osten des heutigen Landkreises umfasste der Kreis Neuhaus an der Oste das Amt Neuhaus und das Amt Osten mit der Börde Lamstedt (diese war bis 1859 Teil des Amtes Bremervörde gewesen). Im Süden wurde der Kreis Geestemünde aus den südlichen Teilen des Amtes Lehe und dem größten Teil des bisherigen Amtes Hagen gebildet. Diese vier preußischen Kreise bilden zusammen mit dem hamburgischen Amt Ritzebüttel, die Rechtsvorgänger des heutigen Landkreises Cuxhaven. Daneben blieb die vom Kreis Lehe umgebene bremische Exklave Bremerhaven bestehen, sowie die vom Kreis Geestemünde umgebene oldenburgische Exklave Landwürden. Landwürden Bereits 1872 war aus dem Flecken Ritzebüttel und der Hafensiedlung Cuxhaven die Landgemeinde Cuxhaven gebildet worden. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebte dort 1880 noch von der Landwirtschaft. Daneben war die Fischerei von wirtschaftlicher Bedeutung, sowie Marine-Einrichtungen und das schon 1816 gegründete Seebad. Auf der markanten Landspitze bei Döse war 1879 das "Fort Kugelbake" eingeweiht worden. Ansonsten bildete die Landwirtschaft ganz überwiegend die wirtschaftliche Grundlage im heutigen Kreisgebiet. Die preußischen Landräte waren "weisungsgebundene Ausführungsorgane", v.a. mit Polizei- und Verwaltungsfunktionen. Erst seit 1920 gingen die vom Landrat geleiteten Kreisräte aus allgemeinen, geheimen, direkten und gleichen Wahlen hervor. Zuvor waren, nach ostelbischem Vorbild, nur die drei Wahlverbände der größeren ländlichen Grundbesitzer, der Landgemeinden und der Städte an der Wahl der Kreistagsmitglieder beteiligt gewesen. Eine politische Willensbekundung der restlichen (männlichen) Bevölkerungsschichten fand somit praktisch nur in den Reichstagswahlen statt. Erst relativ spät (verglichen mit anderen Teilen des Deutschen Reichs) wurde 1881 die Bahnlinie Harburg-Cuxhaven eröffnet. Nochmals zehn Jahre später die Linie Geestemünde-Cuxhaven. Wie überall erleichterten die Bahnlinien die industrielle Entwicklung der Region. Abgesehen von den Hafenorten Bremerhaven und Cuxhaven entwickelte sich auch in der Umgebung der Fabrik für Portland-Zement in Hemmoor eine neue gesellschaftliche Schicht von Industriearbeitern. Hier entwickelten sich beachtliche sozialdemokratische und gewerkschaftliche Aktivitäten, die auch unter den Landarbeitern Anklang fanden. gewerkschaftliche Im Jahr 1900 hielt Kaiser Wilhelm II. in Bremerhaven seine viel beachtete Hunnenrede. Im Ausland erweckte sie den verhängnisvollen Anschein despotischer Neigungen und kriegerischen Absichten des Herrschers. 1905 trat die Gemeinde und der Kreis Lehe ihre an die Weser grenzenden Gebiete an Bremerhaven ab, um die Erweiterung des dortigen Hafens zu ermöglichen. Nachdem im selben Jahr die Gemeinde Döse eingemeindet worden war, erhielt der Flecken Cuxhaven 1907 die Stadtrechte. Ein Jahr später wurde der Fischereihafen mit einem Großfischmarkt ausgestattet. In den letzten Reichstagswahlen vor dem Ersten Weltkrieg erhielt die Sozialdemokratische Partei (SPD) 1912 fast ein Drittel der Wählerstimmen in der Provinz Hannover. Damit war sie mit Abstand die größte Partei im Land, was sich aber, wegen des preußischen Dreiklassenwahlrechts, nicht in entsprechenden Reichstags-Mandaten niederschlug. Im Elbe-Weser-Dreieck stimmten Bürger- und Bauerntum weitgehend für nationalliberale Repräsentanten des deutschen Staates. Dabei galt ihre Loyalität eher dem Deutschen Reich, als dem Königreich Preußen. Die partikularistische antipreußische Welfenpartei, die eine Rückkehr der welfischen Monarchie anstrebte, fand zunächst kaum Anhänger. Ebenso wenig die katholische Zentrumspartei. 1913 erhielt die Gemeinde Geestemünde, wegen ihrer zunehmenden Bedeutung als Handels- und Industrieplatz und ihres Fischereihafens, die Stadtrechte und wurde kreisfrei. Obwohl der gleichnamige Landkreis nun keinen Hauptort mehr hatte, verblieb die Verwaltung in der Stadt Geestemünde. Ähnliche Bemühungen um die Stadtrechte und die Kreisfreiheit in Lehe wurden durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges erst einmal gestoppt. In die Vorkriegszeit fallen auch die ersten Anfänge eines Fernsprechnetzes in der Region. Die Vorträge von Ingenieuren der Firma 'Siemens' weckten erstes Interesse für die Elektrifizierung, selbst unter der skeptischen Landbevölkerung. Aber noch um 1910 soll der Landrat von Neuhaus den motorisierten Straßenverkehr aus dem Kreis verbannt haben, weil die von ihm bevorzugten Reitpferde durch den Lärm erschreckt wurden. Erster Weltkrieg Der Ausbruch des Krieges erweckte, wie im ganzen Deutschen Reich, und wie praktisch in allen anderen betroffenen Nationen, zunächst einen Rausch patriotischer Begeisterung. Nur wenige ahnten, dass sich das Ende einer Epoche vorbereitete. Viele Landbewohner wurden von den Ereignissen jedoch völlig überrascht und waren eher bestürzt. Sie befanden sich gerade mitten in den Erntearbeiten, die durch die plötzliche Einberufung von Reservisten empfindlich gestört wurden. Die indirekten Folgen der Kriegshandlungen begannen sich bald auch im heutigen Kreisgebiet auszuwirken: Aus Furcht vor Spionen verstärkte man die Aufgebote von Wachleuten. Um eventuellen britischen Angreifern von See her keine Orientierungshilfe zu geben, entfernte man die Kirchturmspitze in Wremen. Außerdem verstärkte man die Befestigungen an den Küsten. Kreiskrankenhäuser wurden in Lazarette umgewandelt. Die bisherige "Jugendpflege" wandelte sich in eine Art paramilitärische Ausbildung. In der Landwirtschaft begannen bald die Arbeitskräfte zu fehlen. Der Wegebau und der Ausbau des elektrischen Überland-Netzes geriet ins Stocken, und bald nach Beginn des Krieges wurde südöstlich von Wanna ein Lager für russische Kriegsgefangene errichtet, die bei der Urbarmachung des Ahlenmoores eingesetzt werden sollten. Die ersten Gefallenenmeldungen trafen ein. Schon 1915 begann sich die Verknappung der Nahrungs- und Futtermitteln bemerkbar zu machen. In Friedenszeiten hatte man geglaubt, dass sich eventuelle Kriegsgegner niemals des völkerrechtlich verbotenen Mittels der Hungerblockade bedienen würden, und hatte deshalb keine Vorsorge getroffen. Die ersten Flüchtlinge aus Ostpreußen wurden einquartiert. Ab August wurden den Bauern russische, französische und belgische Kriegsgefangene zur Verfügung gestellt, um die Feldarbeit zu erledigen. Abends wurden diese wieder in ihre bewachten Gemeinschaftsunterkünfte gesperrt. Im April 1916 erhielten alle Landräte des Regierungsbezirks Stade streng vertrauliche Rundschreiben: Wegen der "zahlreichen Verluste an Beamten der inneren und allgemeinen Staatsverwaltung", sowie aus "Rücksicht auf die Finanzlage des Staates" sollten sie sich Gedanken über Einsparungsmöglichkeiten machen, besonders über die Reduzierung der Landratsämter. Der Otterndorfer Landrat empfahl dazu die Zusammenlegung der Kreise Lehe und Geestemünde, sowie die Zusammenlegung der Kreise Hadeln, Neuhaus und Kehdingen zu einem Kreis "Unterelbe", mit Verwaltungssitz in Neuhaus. Hierbei befürchtete er nur Schwierigkeiten mit der konservativen Welfenpartei. Diese besaß in Kehdingen einigen Einfluss, da es sich beim alten Land Kehdingen, im Gegensatz zum Land Hadeln, um altwelfische Gebiete handelte. Damals ist aus diesen Plänen nichts geworden, aber in späteren Zeiten wurden solche Ideen immer wieder einmal neu aufgegriffen. Die Werften in Geestemünde produzierten fast nur noch für den Kriegsbedarf, die Hochseefischerei kam in der minenverseuchten Nordsee praktisch zum Erliegen. Bereits im Dezember 1916 kam es in Lehe zu Plünderungen von Bäckerläden. Steckrüben wurden zum Hauptnahrungsmittel. In den folgenden zwei Jahren nahmen die wirtschaftlichen und moralischen Verfallserscheinungen immer noch zu.

1918 bis 1933

Weimarer Republik Weimarer Republik Das Kaiserreich endete im heutigen Kreisgebiet am 5. und 6. November 1918. In Cuxhaven und in den Unterweserstädten bildeten sich revolutionäre Arbeiter- und Soldatenräte, ohne dass es zuvor zu blutigen Auseinandersetzungen gekommen wäre. Überall hissten meuternde Marinesoldaten rote Fahnen auf den öffentlichen Gebäuden, und in Cuxhaven organisierten sie einen friedlichen Demonstrationszug mit tausenden von Teilnehmern. Von den Städten aus wurden auch in den ländlichen Gebieten revolutionäre Räte eingesetzt. Diese bestanden offiziell bis zu den Kreistagswahlen im Januar 1920, waren aber de facto meist harmlos und wurden von den alten Kräften nur geduldet. Trotz der starken landwirtschaftlichen Prägung der Region saß z.B. in Hadeln kein einziger Bauer im Arbeiter- und Bauernrat. Auch in den Landratsämtern erfolgte kein personeller Wechsel; dennoch fand sich niemand mehr, der ernsthaft die Wiederherstellung der Monarchie betrieben hätte. Am 11. Januar 1919 rief der mit der politischen Entwicklung in Berlin unzufriedene Arbeiter- und Soldatenrat die "Sozialistische Republik Cuxhaven" aus. Die Stadt sollte mit dem Amt Ritzebüttel von Hamburg gelöst, und mit den Kreisen Hadeln und Neuhaus zu einer Räterepublik vereinigt werden. Der Arbeiter- und Soldatenrat des Kreises Jork (Altes Land) bekundete seine Bereitschaft der "Republik" Cuxhaven beizutreten. Unter weniger revolutionären Vorzeichen erwogen aber auch andere Politiker und Kommunalbeamte die Zusammenlegung der Kreise Lehe und Geestemünde mit Bremerhaven. Wieder blieben diese Pläne folgenlos, denn als der Berliner Rat der Volksbeauftragten, also die amtierende sozialdemokratische Reichsregierung, die Unterweserorte militärisch besetzen ließ, und auch der "Republik" Cuxhaven mit dem Einsatz von Truppen drohte, wurde das revolutionäre Abenteuer nach sechs Tagen beendet. Bis auf einige radikale Gruppen, wie den neu gegründeten Ortsverbänden der KPD, forderten fast alle politischen Richtungen die Einberufung einer Nationalversammlung. In den folgenden allgemeinen Wahlen zur Weimarer Nationalversammlung, sowie auf Landes- Kreis- und Gemeindeebene, erhielt der Mehrheitsflügel der SPD (MSPD) im Amt Ritzebüttel mehr als 50 % der gültigen Stimmen. Im Hadler Hochland dominierte von nun an jedoch die konservative Deutschnationale Volkspartei (DNVP), die besonders die Interessen der Großbauern vertrat. Die DNVP stand der Weimarer Republik größtenteils ablehnend gegenüber, und unterstützte den so genannten Kapp Putsch. Im Grunde wünschte man sich die autoritären Strukturen des Kaiserreichs zurück, wenn auch nicht unbedingt den Kaiser. Im Otterndorfer Vorstand befanden sich mehrere höhere Beamte und ein einflussreicher Herausgeber der Lokalpresse. Im Hadler Sietland und in den anderen Kreisen erlangte andererseits bis 1928 die volkstümlichere Deutsch-Hannoversche Partei (DHP) zunehmende Erfolge. Hierbei handelte es sich um die ebenfalls konservative, aber antipreußische Nachfolgerin der Welfenpartei. In dieser Partei, die besonders bäuerliche und kleinhandwerkliche Schichten ansprach, fand sich aber auch ein vager, antisemitisch aufgeladener Groll gegen das liberal-kapitalistische Wirtschaftssystem, von dem sich viele benachteiligt fühlten. So ergaben sich fast überall bürgerlich-bäuerliche Dreiviertel-Mehrheiten gegen die schwache Opposition der SPD. Der Kapp-Putsch in Berlin und die so genannten Lebensmittelunruhen in den Unterweserstädten sorgten im Frühjahr und Sommer 1920 für Aufregung. Im selben Jahr wurde die Gemeinde Lehe aus ihrem Kreis ausgegliedert und erhielt die Stadtrechte, wie sie es schon lange angestrebt hatte. Der Kreis Geestemünde musste die Gemeinde Wulsdorf an die Stadt Geestemünde abgeben. Die verbliebenen Landkreise verloren auf diese Weise natürlich nicht nur einen großen Teil ihrer Bevölkerung, sondern auch einen guten Teil ihrer Wirtschaftskraft an die Städte. Die fast rein agrarischen Kreise Hadeln und Neuhaus hatten in den letzten Jahrzehnten, durch Auswanderung nach Amerika und Abwanderung in die Städte, ebenfalls merklich an Einwohnern verloren. Erst 1921 wurden die letzten russischen Kriegsgefangenen in ihre Heimat entlassen. Im Inflationsjahr 1923 gaben die Sparkassen Notgeldscheine heraus, deren Nennwerte bald astronomische Werte erreichten. Schließlich kam es, wie in ganz Deutschland, zu täglichen Lohnauszahlungen, und dem Otterndorfer Landrat wurden Dienstwohnungszuschläge in Millionen- später sogar Billionen-Prozent-Höhe abverlangt. Gleich nach der Umstellung auf die Rentenmark, mit der der Schwindel erregende Währungsverfall endlich gestoppt werden konnte, erwuchsen den Marschenbauern, im Gegensatz zu denen auf der Geest, große Schwierigkeiten durch hohe Steuerforderungen. Die Finanzämter hatten u. a. die ständigen Deich- und Wasserlasten zu gering eingeschätzt. Die Verschuldung der Höfe wurde zusätzlich durch wachsende Lohnforderungen der Landarbeiter erhöht. 1924 wurden die Städte Lehe und Geestemünde zur Stadt Wesermünde zusammen geschlossen. Da Bremerhaven, wegen der weiter bestehenden Eigenstaatlichkeit Bremens, nicht mit einbezogen werden konnte, ergab sich ein recht merkwürdiges Gebilde: die beiden Stadtteile berührten sich kaum, und der Weg von einem zum anderen führte durch das Territorium eines anderen Landes. Bis 1927 wurden auch noch Schiffdorfer Damm, Weddewarden und ein Teil von Langen eingemeindet, um das Stadtgebiet "abzurunden". Bis zur Reichstagswahl 1928 war das Landratsamt in Otterndorf eine Domäne der DNVP gewesen. Die Partei genoss lange Zeit die Unterstützung zahlreicher "nationaler" Gruppen, wie dem Frontsoldatenbund Stahlhelm, dem Bund Deutscher Osten und dem Bund der Landwirte (BdL), aber auch kirchlicher Gruppen, wie dem Evangelischen Bund. Viele der Mitglieder nahmen die Aktivitäten dieser Gruppen nur als unpolitische Traditionspflege wahr, aber tatsächlich hatten sich einige von ihnen bereits zu radikalisieren begonnen, und entzogen der DNVP die Hilfe. Der BdL zum Beispiel, war schon aus den Zeiten des Ersten Weltkriegs für seinen kriegerischen Nationalismus, Maßlosigkeit in der Kriegszieldiskussion und Antisemitismus bekannt gewesen. Er schürte nun Ängste vor angeblichen Enteignungsplänen der SPD bei Grundbesitz über 5 Hektar, forderte eine starke Landwirtschaft für ein "Volk ohne Raum", den Schutz der heimischen Märkte, sowie "Rüstungsparität" mit dem europäischen Ausland. Antisemitismus Auf Grund der Abwanderung ihrer Wähler zu solchen Splittergruppen, unter denen die NSDAP noch keine besondere Bedeutung erlangt hatte, verlor die DNVP in Hadeln die absolute Mehrheit. Durch die Umschichtungen zu Gunsten der SPD wurde nun Hinrich Wilhelm Kopf, ein Bauernsohn aus Neuenkirchen, Landrat in Otterndorf. Obwohl Kopf nur ein Jahrzehnt zuvor Mitglied des Cuxhavener Soldatenrats gewesen war, wurde er jetzt von seinem mehrheitlich konservativen Kreisrat einstimmig nominiert. In seiner Amtszeit wurden das Wester- und Osterende von Otterndorf zu Ortsteilen der Stadt. Vor allem wurde aber das große Schöpfwerk an der Mündung der Medem und des Hadelner Kanals in Betrieb genommen. Den bisherigen, fast alljährlichen Überschwemmungen im Sietland wurde damit endlich ein Ende gesetzt. Aufstieg des Nationalsozialismus Im Laufe der Weltwirtschaftskrise von 1929 begannen die Preise für landwirtschaftliche Produkte zu verfallen. In den frühen 1930er Jahren nahmen die Verluste der landwirtschaftlichen Betriebe, besonders auf der Geest und im Sietland, schließlich aber auch im Hochland, dramatisch zu. Die Massenarbeitslosigkeit in den Städten verschärfte das politische Klima zusätzlich. Schon 1930 gelang der NSDAP der entscheidende Durchbruch: In Hadeln erlangte sie in den Kreiswahlen ca. 21 % der Stimmen, und wurde somit zur stärksten Partei neben der SPD. Besonders enttäuschte Marschenlandwirte hatten sich von der DNVP ab- und der NSDAP zugewandt. Unter den Landarbeitern in den Marschen legte jedoch die SPD weiter zu (ca. 35 % der Stimmen). Auf der Geest, oder im Sietland erlangte die SPD aber nur etwa 6 %, wohl weil dort der Standesunterschied zwischen Bauern und Knechten nie so ausgeprägt gewesen war. Die KPD blieb in den ländlichen Gebieten bedeutungslos. 1931 führte ein katastrophal verregneter Sommer zum fast völligen Verlust der Ernte im Hadler Sietland. Viele Landwirte sahen sich plötzlich vom Ruin bedroht, da sie kurz zuvor, in Erwartung höherer Ernteerlöse nach dem Bau des Schöpfwerks, neue Kredite aufgenommen hatten. Statt staatlicher Hilfen trafen aber fast nur Nahrungs- und Futtermittel des "Stahlhelm" ein. Mit Hilfe des freiwilligen Arbeitsdienst (in dem v. a. Arbeitslose aus den Städten Unterschlupf fanden) leistete der "Stahlhelm" außerdem schnelle Aufräumungs- Versorgungs- und Ausbesserungsarbeiten. Diese bewirkte einen enormen Prestigegewinn für die, mittlerweile vom "Stahlhelm" unterstützte, NSDAP. Daneben fand das Versprechen der NSDAP auf "Brechung der Zinsknechtschaft" ein offenes Ohr. Antisemitismus war bei der Wahlentscheidung für die NSDAP nur bedingt von Bedeutung. Erstens war die jüdische Bevölkerung im heutigen Kreisgebiet ziemlich klein und wurde nicht als Bedrohung empfunden. Zweitens arbeiteten die meisten Juden als angesehene Viehhändler, und nicht als verdächtige "Spekulanten", oder ähnliches. 1932 wurden im Rahmen einer preußischen Verwaltungsreform, nicht ohne Widerstände, die Kreise Hadeln und Neuhaus, ergänzt durch die Leher Gemeinde Altenwalde, zum Kreis Land Hadeln zusammen gefasst. Damit kamen Gebiete zusammen, die bis dahin eine durchaus unterschiedliche politische und gesellschaftliche Entwicklung durchgemacht hatten. Weder im Mittelalter, noch in der Neuzeit, war das Amt Neuhaus, oder die Börde Lamstedt, jemals Teil der historischen Landschaft Hadeln gewesen. Ebenso wurden die Kreise Lehe und Geestemünde zum Kreis Wesermünde zusammengelegt. Dies war in so fern einfacher, da sich für die beiden Altkreise schon ein gemeinsames Oberzentrum gebildet hatte, nämlich die zusammenwachsenden Städte an der Geestemündung (Bremerhaven). Ziel der Zusammenlegung waren dringend nötige Haushaltseinsparungen. Im Wahlkampf für die Reichstagswahlen 1932 stellten die verunsicherten bürgerlichen Parteien weiterhin die (staatstragende) SPD als Feindbild hin. Sie imitierten dabei den erfolgreichen Agitationsstil der NSDAP und beschworen die Angst, dass Eigentum, Familie und Christentum auf dem Spiel stünden. Diese Strategie erwies sich jedoch als kontraproduktiv, da sie die Wähler dazu veranlasste doch gleich für das "Original" zu stimmen. Die NSDAP erlangte im neuen Kreis Wesermünde die absolute Mehrheit; im Kreis Land Hadeln näherte sie sich der 50 %-Marke. Damit lag sie deutlich über dem Reichsdurchschnitt. Anders als in den turbulenten Zeiten zu Anfang der Weimarer Republik blieben dieses Mal drei der vier alten Landräte nicht mehr länger im Amt, sondern wurden entweder bald versetzt oder in den Ruhestand geschickt. Nur der altgediente Dr. Walter zur Nieden blieb als Landrat des Kreises Wesermünde bis 1935 im Amt. 1933 arbeitete er sogar für kurze Zeit als Chef der Gestapo im Regierungsbezirk Stade.

1933 bis 1945

Ausbau der nationalsozialistischen Herrschaft Nach der "Machtergreifung" der NSDAP am 30. Januar 1933 wurden vor dem Otterndorfer Rathaus die Fahnen des "alten Regimes" verbrannt. Sofort begann man auch auf Kreisebene das Berufsbeamtentum von "fremdrassigen, ungeeigneten und politisch unzuverlässigen Elementen" zu säubern. Alle Beamten mussten von nun an einen Ariernachweis erbringen. Bis auf Gemeindeebene hinunter wurden "mit der Idee des Nationalsozialismus verwachsene Männer" eingesetzt. Nach den ersten Kreiswahlen im März 1933 gab der Machtwechsel in der Bevölkerung zunächst aber Anlass zu Hoffnung, Befriedigung und Erleichterung. Den verschuldeten Bauern griff man mit Steuererleichterungen, Umschuldungsaktionen, günstigen Krediten und gesicherten Erzeugerpreisen unter die Arme. Um die angestrebte Nahrungsmittel-Autarkie in Deutschland zu erreichen, kam es zu mehreren Anbauprogrammen, und zum Ausbau einer Einheits- und Zwangsorganisation. Der (seit 1935 nicht mehr freiwillige) Arbeitsdienst wurde beim Deichbau und Entwässerungsmaßnahmen eingesetzt. Staatliche Rüstungsaufträge, Kasernenbau, die Anlage von Flugplätzen und Truppenübungsplätzen sorgten bald für Vollbeschäftigung. Alle Arbeiter wurden zwangsweise in der Einheitsgewerkschaft Deutsche Arbeitsfront (DAF) organisiert. Die dabei rasch ansteigende Staatsverschuldung wurde zunächst kaum wahrgenommen. Die Landkreise entwickelten sich im Laufe der "Gleichschaltung" immer mehr von kommunalen Einrichtungen zu staatlichen Behörden. Die Rolle der Kreistage wurde bald bedeutungslos und die gesamte Verantwortung lag bei der Person des Landrats. Andererseits herrschte zwischen den staatlichen und den Parteiorganen oft ein (von Adolf Hitler offenbar gewolltes) Kompetenz-Wirrwarr. Bei strittigen Fragen konnte dann immer nur die jeweils höhere Instanz, letztendlich nur der "Führer", endgültige Entscheidungen treffen. Nachdem 1935 die Orte Groden, Wester- und Süderwisch, Stickenbüttel, Duhnen, Neuwerk und Teile von Sahlenburg der Stadt Cuxhaven eingemeindet worden waren, erfolgte 1937 eine weitere große Gebietsreform. Im Rahmen des Groß-Hamburg-Gesetz kam es zum Austausch von preußischen und hamburgischen Gebieten. Cuxhaven wurde damit preußisch und kreisfrei. Das vorher zu Cuxhaven gehörige Amt Ritzebüttel fiel an den Kreis Land Hadeln. Andererseits wurde 1939 auch die Stadt Bremerhaven preußisch und wurde der Stadt Wesermünde angegliedert, die damit zu einer Großstadt mit mehr als 100 000 Einwohnern wurde. Sehr zum Missfallen der Wesermünder verblieb aber das eigentliche Hafengelände weiterhin bei Bremen. Die oldenburgsche Exklave Landwürden wurde nicht angetastet. Zweiter Weltkrieg Im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg hielt sich bei Ausbruch des Zweiten die Begeisterung in Grenzen. Jedoch waren die systematischen Kriegsvorbereitungen der letzten Jahre nicht wirkungslos geblieben. Von Beginn an gehörte die Verdunkelung (Abdunkeln von Fahrzeugscheinwerfern und Fenstern, Ausschalten der Straßenbeleuchtung) zum Alltag, um feindlichen Flugzeugen keine Ziele zu bieten. Nach allerlei dienstlichen Schwierigkeiten und peinlichen Zwischenfällen nahm der Parteigenosse und SA-Angehörige Erich Hasse 1939 seinen Abschied als Landrat des Kreises Land Hadeln. Er wurde durch den kompetenten Verwaltungsjuristen Ernst Klemeyer ersetzt. Allerdings wurde dieser, wie viele andere Kreisbedienstete, bald zum Militärdienst eingezogen und war in den folgenden Jahren kaum im Kreis anwesend. Um zu verhindern, dass der Landrat von Wesermünde, der "Parteimann" Theodor Mahler, in dieser Zeit die Amtsgeschäfte wahrnähme, übertrug er dem Leiter der Bremervördener Kreisverwaltung, Freiherr Schenck zu Schweinsberg die Vertretung. 1943 wurde letzterer durch den kriegsversehrten Regierungsrat Waldemar Büning ersetzt. Ab 1942 wirkte sich das Kriegsgeschehen immer stärker auf die wirtschaftliche Lage aus: Lebensmittel, Haushaltsgeräte und Baustoffe waren für viele nur noch über Bezugsscheine zu bekommen. Da viele Bauernsöhne zum Wehrdienst eingezogen wurden, und sehr viel öfter als im Ersten Weltkrieg, niemals wiederkehrten, mussten die Höfe von den zurück gebliebenen Alten und Frauen bewirtschaftet werden. Die dabei eingesetzten Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen wurden in der Regel menschlich behandelt, da man auf ihre Arbeitskraft angewiesen war. Es gab aber auch Fälle von Misshandlungen. Nach den alliierten Luftangriffen auf Hamburg im Juli 1943 mussten tausende von Ausgebombten untergebracht werden. Abgesehen von gelegentlichen Angriffen von Tieffliegern (oft auf einzelne Passanten, oder Bauern bei der Feldarbeit!) und den Notabwürfen alliierter Bomber, die sich auf dem Rückflug von den großen Hafenstädten ihrer überzähligen Bomben entledigten, blieben die ländlichen Gebiete jedoch von Kampfhandlungen verschont. Nach dem massiven Luftangriff auf Wesermünde (Bremerhaven) am 18. September 1944, dem große Teile der Stadt zum Opfer fielen, mussten in der Umgebung Unterkünfte für tausende von Ausgebombten beschafft werden. Zur selben Zeit trafen die ersten Wellen von Flüchtlingen und Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten ein. Auch Kreisbewohner verschwanden in den Konzentrationslagern, und im Laufe des Jahres 1944 kam es auch hier zu Hinrichtungen von Bürgern, die sich abfällig über das Regime geäußert hatten. Man weiß, dass um 1900 etwa 300 gläubige Juden in den Kreisen Lehe und Wesermünde gelebt haben. Seit 1816 existierte eine Synagoge in Ritzebüttel. Am Ende des Krieges war die Region des heutigen Kreises "judenfrei". Bis zuletzt wurden im Kreisgebiet Panzersperren und Erdbefestigungen zur Verteidigung angelegt, die aber oft von der Bevölkerung heimlich wieder entfernt werden. Alte Männer und Jugendliche wurden zum Volkssturm aufgestellt. Zurück flutende deutsche Truppen und zehtausende Flüchtlinge strömten in den Kreis. Aber noch am 21. März 1945 versah Landrat Mahler eine Akte mit dem Vermerk: "Wieder vorzulegen nach dem Sieg" Der amtierende Landrat Büning hingegen konnte, unter erheblichem persönlichen Risiko, einige sinnlose Zerstörungen verhindern, wie die Sprengung der Ostebrücke bei Hechthausen. Die von Süden und Südosten heran rückende "britische Front" lag bei der Kapitulation am 4. Mai auf der Linie Lintig-Kührstedt-Köhlen. Bederkesa hatte noch unter Tiefflieger- und Artilleriebeschuss gelegen. Drei Tage später erfolgte die Gesamtkapitulation.

1945 bis 1977

Nachkriegszeit Nach dem Einmarsch britischer Panzerverbände wurde sofort ein nächtliches Ausgehverbot für die Bevölkerung verhängt. Als erstes wurden die politischen Leiter verhaftet und interniert. Alle leitenden Beamte und Bürgermeister wurden in mehreren Wellen durch Personen ersetzt, die nicht Mitglied der NSDAP gewesen sein durften. Wegen seines mutigen und umsichtigen Verhaltens wurde Landrat Büning jedoch in seinem Amt belassen. Die britischen Besatzer benahmen sich der Bevölkerung gegenüber im Allgemeinen korrekt, aber kühl und sachlich. Manche der befreiten Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter jedoch bewaffneten sich und drangsalierten die Bauern bei denen sie hatten arbeiten müssen. Abgesehen von den Flüchtlingen aus Ostdeutschland drängten sich in den Dörfern auch die deutschen Soldaten, die sich in den letzten Kriegswochen hierher zurück gezogen hatten, denn auf Anordnung der Briten durften sie die Gegend zunächst nicht verlassen. Im ersten Jahr nach der Kapitulation nahm die Einquartierung von Flüchtlingen sogar noch zu. Dennoch litt die Landbevölkerung längst nicht so unter der Nahrungsmittelknappheit, wie die Städter, die auf Zuteilungen, oder den Schwarzmarkt angewiesen waren. Bald erkannte die Besatzungsmacht, dass ihre ursprüngliche Absicht, alle NSDAP-Mitglieder von der öffentlichen Arbeit auszuschließen, nicht zu realisieren war. Daraufhin wurden Entnazifizierungs-Kommissionen eingerichtet, die die persönliche Belastung eines jeden Verantwortungsträgers beurteilen sollten, bevor er eventuell wieder in seine Beschäftigung zurückkehren konnte. Als erzieherische Maßnahme mussten viele ehemalige Parteigenossen zwangsweise die Panzersperren und Erdarbeiten beseitigen. Daneben legte man aber auch Wert auf Übungen in demokratischem Denken und Handeln. Durch Ernennung von Gremien auf Gemeinde- und Kreisebene wurde das vorherige "Ein-Mann-Prinzip" zur Entscheidungsfindung aufgehoben. Mit Billigung der Besatzer wurden die alten demokratischen Parteien neu gegründet. Im Oktober 1946 gab es bereits wieder gewählte Kreistage. Die wiederbegründete SPD dominierte nur im kreisfreien Cuxhaven. In den beiden Landkreisen blieb sie aber, als ob seit den Zeiten der Weimarer Republik nichts geschehen wäre, in der Minderheit. Ebenso verschwand die KPD bald wieder. Sichere Mehrheiten erlangte statt dessen die Niedersächsische Landespartei, später umbenannt in Deutsche Partei (DP). Hierbei handelte es sich, wie gehabt, um die Nachfolgepartei der welfisch-antipreußischen DHP. Sie forderte v.a. den freien Zusammenschluss der welfischen Landschaften zu einem Land Niedersachsen. (In den späteren Jahren der gefestigten Demokratie wanderten die meisten Wähler der DP, sowie auch einige ihrer Politiker, zur CDU ab.) Letztendlich behielt sich die britische Militär-Regierung aber bis 1947 (mit einem amerikanischen Intermezzo im Kreis Wesermünde) in allen Belangen die endgültige Entscheidung vor. Nach der Auflösung Preußens fand am 1. November 1946 durch Verordnung der britischen Militär-Regierung tatsächlich die Gründung des Landes Niedersachsen statt. Erster Ministerpräsident wurde übrigens der ehemalige Hadler Landrat Hinrich Wilhelm Kopf. (Da er niemals einen Hehl aus seinen Sympathien für die Vertreter der alten Monarchie machte, wurde er als der "Rote Welfe" bekannt.) Die Funktionen der Landräte gingen (nach Jahrhunderte alter englischer Verwaltungstradition) größten Teils auf das neu geschaffene Amt des Oberkreisdirektors über. Dieser war fortan Mittler zwischen der Landesbehörde und der Kreisbevölkerung, und repräsentierte den Kreis nach außen. Der Landrat war danach nur noch, als "Erster unter Gleichen", Mitglied des Kreistages, der die eigentliche kommunale Verwaltung betrieb, und sein Amt wurde ehrenamtlich. Den deutschen Vertretern fehlte zuweilen jedoch das Verständnis für solche, ihrer Meinung nach, zweitrangigen Projekte, im Angesicht der zu bewältigenden Notlage, wie eklatanter Wohnungsmangel und Flüchtlingselend. In den ländlichen Gebieten war man beinahe wieder in vorindustrielle Zeiten zurück gefallen. Geld hatte seinen Wert fast verloren. Das wenige, was man nicht selbst produzieren konnte, wurde gegen Lebensmittel eingetauscht. Man heizte mit getrocknetem Torf, das Dunkel erhellten nur Stalllaternen. Man rauchte selbstgezogenen Tabak, "brannte schwarz" und schlachtete auch so. Anfang 1947 wurde die Stadt Wesermünde in das Land Bremen eingegliedert und in Bremerhaven umbenannt. Trotzdem verblieb der Verwaltungssitz des niedersächsischen Kreises Wesermünde in der neuen Stadt. Im Rückblick scheint es, dass man sich manchen Ärger bei der späteren Gebietsreform hätte sparen können, wenn damals, statt dessen, das relativ kleine bremische Hafengebiet an Niedersachsen gefallen wäre. Im Rahmen der Währungsreform von 1948 wurde auch die bisher immer noch herrschende Zwangswirtschaft weitgehend abgebaut. Viele Verbrauchsgüter waren plötzlich frei verkäuflich, und auch erhältlich! Für die öffentliche und private Wirtschaft bedeutete dies aber zunächst, dass viele Güter auch erheblich teurer wurden. Rigorose Einsparungen in den Verwaltungskosten der Kreise, aber auch Steuererhöhungen und Kreditaufnahmen, wurden nötig. Selbst die Heimkehrer aus russischer Kriegsgefangenschaft bekamen die nun einsetzende Geldknappheit beim Soforthilfeamt zu spüren. Die Einlagen der Sparkassen schmolzen von einem Tag auf den anderen zu einem Bruchteil zusammen. So waren sie nicht mehr in der Lage die lokale Wirtschaft mit Krediten zu unterstützen. Im privaten Sektor kam es zu vermehrten Entlassungen und zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit. Am 24. Mai 1949 trat das Grundgesetz als vorläufige Verfassung der Bundesrepublik Deutschland in Kraft. Bei der ersten Wahl zum ersten Bundestag, am 14. August des selben Jahres, wurde im Wahlkreis 10, der genau deckungsgleich mit dem heutigen Landkreis war, ein Kandidat der SPD direkt gewählt. Über die Landesliste gelangte zusätzlich ein Kandidat der DP aus dem Wahlkreis in den Bundestag. Verglichen mit späteren Wahlen war die Beteiligung mit 72 % nicht sehr hoch. Besonders die noch nicht wirklich heimisch gewordenen Flüchtlinge zögerten, an der politischen Meinungsbildung Teil zu nehmen. Am 21. September endete im Gebiet die Tätigkeit der Militär-Regierung. In den ersten Monaten des Jahres 1951 kam es zu Hochwasserkatastrophen im Hadler Sietland, bei Lüdingworth und in der Gegend um den Balksee, besonders weil das Otterndorfer Schöpfwerk ausgefallen war. Ebenso machten sich in dieser Zeit ungewöhnlich hohe Sturmflutpegel bemerkbar. Im selben Jahr wurde der ehemalige Hadler Landrat Klemeyer Oberkreisdirektor in Wesermünde. 1954 trat der ebenfalls ehemalige Hadler Landrat Büning dasselbe Amt im Kreis Land Hadeln an. Damit endete im heutigen Kreisgebiet die eigentliche Nachkriegszeit. Wiederaufbau In den 1950er Jahren waren die Probleme der schieren Existenzsicherung einigermaßen gelöst. Durch Schulerweiterungen und zusätzliche Lehrerstellen war ein erträglicher Alltag für die, durch Zuwanderung (Flüchtlinge) und Geburtenüberschuss (!) um mehr als die Hälfte gestiegene, Zahl der Schüler erreicht worden. Die Kreisbauämter förderten durch Hergabe eigener Mittel, sowie Beschaffung von Landesmitteln und ersten Hypotheken, den Bau von Wohnungen und Eigenheimen. Anfang der 1950er nahm man ebenfalls die Urbarmachung eines der letzten verbliebenen Hochmoore in Niedersachsen, des Ahlenmoors, in Angriff. Dahinter stand die Absicht, neue Bauernstellen für die Vertriebenen zu schaffen, die meist ebenfalls aus ländlichen Gebieten stammten. Damals hätte sich wohl noch niemand träumen lassen, dass eines Tages ausgerechnet die landwirtschaftliche Überproduktion zu einem der größten Probleme des Kreises werden würde. Das restliche Moor wurde, bis auf wenige kleine Schutzgebiete, zur industriemäßigen Abtorfung frei gegeben. Schon wenige Jahre später machte sich aber bereits ein erwachendes Umweltschutz-Bewusstsein bemerkbar, als es gelang, die britischen Übungs-Bombenabwürfe auf den Großen Knechtsand vor der Wurster Küste zu stoppen. Dieses wichtige Rast- und Mausergebiet für Brandgänse und andere Seevögel wurde 1957 als größtes deutsches Naturschutzgebiet ausgewiesen. Ende der 1950er Jahre wurden auch in entlegenen Kreisteilen Wasser- und Stromleitungen verlegt. Im Rahmen des "Grünen Plans" wurde das Wegenetz verbessert. Obwohl die verheerende Sturmflut vom 16. und 17. Februar 1962 den höchsten jemals gemessenen Pegelstand erreichte, und in Hamburg viele Todesopfern forderte, hielten die Deiche im Kreisgebiet dieses Mal den entfesselten Naturgewalten stand. Neben den einheimischen Deichverbänden nahmen auch Freiwillige Feuerwehr, Bundeswehr-Soldaten, Polizei-Beamte und das Technische Hilfswerk an der dramatischen Verteidigung der Deiche Teil. Die entstandenen Schäden konnten rasch behoben werden. Die Lebensverhältnisse auf dem Land begannen sich denen in der Stadt immer mehr anzugleichen. Es wurden in großem Umfang neue Schulen gebaut. Die meisten Flüchtlinge waren nach und nach in die prosperierenden Städte abgewandert, auch in andere Teile Deutschlands, wie das Ruhrgebiet. Wegen des zunehmenden Einsatzes von Maschinen in der Landwirtschaft, aber auch wegen der Aufgabe vieler kleinerer Betriebe, mussten sich immer mehr Einheimische einen Arbeitsplatz in Cuxhaven oder Bremerhaven suchen. Andererseits zogen in den 1960er Jahren auch viele Städter wieder zurück auf die Dörfer, um sich dort eine Wohnung "im Grünen" zu mieten, oder ein eigenes Haus zu bauen. Das dadurch gewandelte Erscheinungsbild mancher Dörfer, die sich so in Pendlervororte verwandelten, wurde nicht von jedem als Verbesserung empfunden. Technische Hilfswerk Im Laufe der 1960er Jahre entwickelte sich auch der Tourismus zu einem wachsenden Wirtschaftsfaktor. Davor war er nur im Seebad Cuxhaven von Bedeutung gewesen. Die Anziehungskraft der Region "Cuxland", wie sie in den heutigen Werbe-Broschüren gerne genannt wird, liegt aber wohl nicht so sehr im Trubel der Badestrände, sondern eher im herben Reiz der weiten Weide- und Moorlandschaften, mit dem hohen, wechselhaften Himmel; in der Faszination des ewig gleichen und doch ewig wandelbaren Meeres; in den malerischen Altstadtfassaden der Städtchen und Flecken; im maritimen Flair der Überseehäfen. 1969 schied der Oberkreisdirektor Klemeyer aus Altersgründen aus dem Amt; 1971 ebenfalls Oberkreisdirektor Büning. Bis zum Abschluss der Gebietsreform übernahm im Kreis Wesermünde der bisherige stellvertretende Oberkreisdirektor Jürgen H. Th. Prieß das Amt; im Kreis Land Hadeln Dr. Torsten Quidde, zuletzt Kommunaldezernent bei der Osnabrücker Bezirksregierung. Gebietsreform Bereits 1966 hatte die Niedersächsische Landesregierung die so genannte Weber-Kommission eingesetzt, um die Verbesserungsmöglichkeiten in der Verwaltungs- und Gebietsstruktur des Landes zu prüfen. Das Schlussgutachten von 1969 löste jedoch heftige, z.T. parteitaktisch motivierte, Diskussionen im Land aus. Die Zahl der bestehenden Landkreise und der kreisfreien Städte sollte um etwa die Hälfte reduziert werden. Da die Widerstände auf Landesebene unüberwindlich schienen, begann man mit der Reform zuerst bei den schwächsten Gliedern, den Gemeinden. Als 1970 bis 1971 die Gemeinden Sahlenburg, Holte-Spangen und Berensch-Arensch aus dem Kreis Land Hadeln ausgegliedert und der Stadt Cuxhaven einverleibt wurden, geschah dies noch mit aktiver Unterstützung des Kreises. Als dieser aber schon zwei Jahre später gezwungen wurde, auch noch die Großgemeinde Altenwalde, und die althadler Gemeinden Altenbruch und Lüdingworth an die Stadt abzutreten, geschah dies gegen dessen ausdrücklichen Widerstand. Wieder bestätigte sich der Trend, dass sich die Städte nur allzu gerne, zu Lasten der umliegenden Landkreise, mit deren Gebiet und Bevölkerung ausstatten. Auch im Kreis Wesermünde kam es 1974 zu Neuordnungen: die seit dem Mittelalter bestehende Exklave Landwürden wurde dem Kreis angegliedert, ebenfalls Teile des Kreises Bremervörde. Dafür musste Wesermünde Gebiete an den Kreis Osterholz abgeben. Besonders der Zusammenschluss der Räume Spaden und Schiffdorf, über die Geeste hinweg, sowie der Zusammenschluss des ländlichen Neuenwalde mit der Stadtrandgemeinde Langen, erregte wenig Begeisterung unter den Betroffenen. Während in anderen Teilen Niedersachsen die Gebietreform nun abgeschlossen war, zog sich hier das unerquickliche Gezerre noch einige Jahre hin. Die ursprünglichen Vorschläge der Weber-Kommission waren 1977 längst überholt. Diese hatte einen Zusammenschluss der Kreise Wesermünde und Osterholz mit der Stadt Cuxhaven und der westlichen Hälfte des Kreises Land Hadeln erwogen. Bremerhaven sollte Amtssitz werden, obwohl es zu Bremen gehörte, und heute immer noch gehört. Der restliche Kreis Land Hadeln sollte mit dem Kreis Stade, mit Sitz in Stade, zusammengelegt werden. Als dann jedoch die Landesregierung vorschlug, statt Bremerhaven Osterholz-Scharnbeck zum Kreissitz zu machen, war man in Wesermünde, verständlicher Weise, ziemlich unzufrieden. Die Stadt Cuxhaven war andererseits bemüht, ihren kreisfreien Status zu erhalten. Im Kreis Land Hadeln hingegen waren sich die Fraktionen, je nach parteipolitischer Ausrichtung, nicht einig, ob der Kreis besser an Wesermünde, oder Stade angegliedert werden sollte. Eine Teilung des Kreises kam aber für niemanden in Frage. Die nicht ausschließlich negative Wirkung des Hick-Hacks war jedoch, dass sich die Kreisverwaltungen gedrängt fühlten, rasch einige lang gehegte Projekte durchzuführen, so lange sie noch existierten. Man richtete Büchereien und psychologische Beratungsstellen ein, baute Schulzentren aus, richtete historische Bauten zu Museen her, baute Brücken und Altenheime, restaurierte alte Windmühlen, etc. Um die Gebietsreform abzuschließen waren im Ganzen acht Gesetzte notwendig. Schließlich wurden mit Wirkung zum 1. August 1977 die Landkreise Land Hadeln und Wesermünde mit der kreisfreien Stadt Cuxhaven zum Landkreis Cuxhaven zusammengelegt. Amtssitz wurde, zum immer noch verständlichen Missfallen der Wesermünder, Cuxhaven. Jürgen H. Th. Prieß blieb als neuer Oberkreisdirektor des vergrößerten Kreises im Amt.

Städte und Gemeinden

(Einwohnerzahlen vom 30. Juni 2005) Einheitsgemeinden
- Cuxhaven, Große selbständige Stadt (52.384)
- Langen, Stadt (18.630)
- Loxstedt (16.302)
- Nordholz (7.611)
- Schiffdorf (14.145) Samtgemeinden mit ihren Mitgliedsgemeinden
- Sitz der Samtgemeindeverwaltung

Weblinks


- [http://www.landkreis-cuxhaven.de/ Offizielle Website des Landkreises Cuxhaven]
- [http://www.cuxland.de/ Cuxland Informationen]
- [http://www.regiochannel.de/kreis-cuxhaven/index.html Homepages im Landkreis Cuxhaven]

Literatur


- Erich von Lehe: "Geschichte des Landes Wursten." Mit einem Beitrag von Werner Haarnagel. Bremerhaven 1973
- Rudolf Lembcke (Hrsg.): "Kreis Land Hadeln. Geschichte und Gegenwart." Otterndorf 1976.
- Rudolf Lembcke: "100 Jahre Kreise an Elb- und Wesermündung 1885 - 1985. Der Landkreis Cuxhaven und seine Rechtsvorgänger." Otterndorf 1985.
- Hans Jürgen Hansen, Klaus Rohmeyer: "Küstenkreis Cuxhaven" Urbes Verlag Gräfeling vor München, 1983. (v.a. hübscher Bildband) Cuxhaven Kategorie:Bremerhaven

Geschichte Hadelns

Der altsächsische Gau Haduloha (der Name wird meist als "Kampfwald" gedeutet) umfasste sowohl das Gebiet der späteren Landschaft Land Hadeln, als auch das Land Wursten, sowie die Geest- und Moor-Gebiete rund um das heutige Bad Bederkesa. Im Norden wurde er von der Mündung der Elbe begrenzt, im Westen von der Mündung der Weser. Die Südgrenze bildeten die Moore der Geeste-Niederung. Die Ostgrenze verlief wahrscheinlich über die Höhen der Wingst bis an die Mündung der Oste. Um dieses Gebiet vom späteren Land Hadeln zu unterscheiden wird es zuweilen "Althadeln", oder gar "Großhadeln" genannt. Es gehörte zum ursprünglichen Kerngebiet des sächsischen Volksstammes. Die mittelalterliche Geschichte von Hadeln und Wursten illustriert, wie sich in engster Nachbarschaft drei verschiedene Lösungen für den Konflikt zwischen den Unabhängigkeitsbestrebungen der ansässigen Bauern und dem Herrschaftsanspruch der Feudalherren entwickeln konnten:
- Entwicklung von normalen feudalen Strukturen (Amt Bederkesa, Klosteramt Neuenwalde, Amt Ritzebüttel)
- völlige Unabhängigkeit der Bauern, gefolgt von völliger Unterwerfung (Land Wursten)
- Akzeptanz einer lockeren feudalen Oberherrschaft bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung einer weitgehenden bäuerlichen Selbstverwaltung (Land Hadeln). Die Neuzeit ist gekennzeichnet durch die wechselvollen Kämpfe der verschiedenen Typen von Territorialstaaten um die Vorherrschaft.
- Die Adelssitze fielen an die Hansestädte (Amt Bederkesa an Bremen, Amt Ritzebüttel an Hamburg).
- Das Land Wursten kam an einen geistlichen Landesherrn (Erzstift Bremen).
- Das Land Hadeln verblieb unter weltlicher Herrschaft (Herzogtum Sachsen-Lauenburg). Nach der Säkularisierung des Erzbistums und dem Aussterben der askanischen Herzöge teilte die Region weitgehend das Schicksal des Herzogtums Bremen-Verden, wobei nur noch das Land Hadeln eine gewisse Sonderrolle behaupten konnte. Erst im 19. und 20. Jahrhundert entwickelten sich die ersten städtischen Zentren in Bremerhaven und Cuxhaven. Der heutige Landkreis Cuxhaven umfasst das gesamte Gebiet des alten Gaus. Im Süden und Osten reicht er jedoch über die alten Grenzen hinaus und beinhaltet große Teile der Gaue 'Wigmodia' und 'Ostingabi' (Ostegau).

Vorgeschichte

Landkreis Cuxhaven Gelegentliche Funde von Faustkeilen und Flintbeilen belegen eine Besiedlung der Region durch Jäger und Sammler der Alt - und Mittelsteinzeit. In den Geestgebieten finden sich heute noch zahlreiche Megalithbauten der Jungsteinzeit, wie Dolmen und Kammergräber der Ackerbau treibenden Trichterbecherkultur. Manche dieser Großsteingräber wurden schon in vorgeschichtlicher Zeit ausgeräumt und von Angehörigen der Einzelgrabkultur neu belegt. Der Übergang zur Bronzezeit war langsam und fließend. Im Verlauf des 2. Jahrtausend v.C. nahmen die Importe von Kupfer- und Bronzedolchen aus Mittel- und Süddeutschland zu. Andererseits wurden die Flintvorkommen in den anstehenden Kreidegesteinen bei Hemmoor weiterhin systematisch abgebaut. In der Bronzezeit erreichte die Siedlungsdichte (Streusiedlung) in der Region einen Höhepunkt. In der anschließenden vorrömischen Eisenzeit (ca. 750 v.C. - 0) machte sich ein Siedlungsrückgang bemerkbar, der erst kurz vor Christi Geburt in eine fast explosionsartige Siedlungsentwicklung umschlug. Viele dunkle und schwer deutbare Orts- und Gewässernamen, wie Wingst oder Medem sind möglicher Weise sehr alt. Z.B. ist der Wortstamm uil- in Wilster (heute nur noch ein kleiner, begradigter Zulauf der Medem) nicht sicher erklärt, und der Suffix -str ist anscheinend vorgermanischen Ursprungs.

Frühgeschichte

Die Haufendörfer mit den typischen, gemeingermanischen Ortsnamen auf -stedt liegen fast ausschließlich auf der Geest. Dort lag, bis zur Landnahme in den Marschen, der Bevölkerungsschwerpunkt. Die ersten Siedlungen an den Küsten lagen, um Christi Geburt, zu ebener Erde auf den Strandwällen. Später wurden sie, weg