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Baden AG

Baden AG

Baden ist der Hauptort des Bezirks Baden des Kantons Aargau in der Schweiz. Mit etwas mehr als 16'000 Einwohnern ist sie nach Wettingen, aber vor der Kantonshauptstadt Aarau, die zweitgrösste Gemeinde des Kantons. Die Stadt ist seit der Römerzeit für ihre Thermalquellen bekannt und war während der Zeit der Alten Eidgenossenschaft Tagsatzungsort. Dättwil wurde 1962 eingemeindet.

Geographie

Die Altstadt von Baden liegt an der von der Limmat durchflossenen Klus zwischen der Lägern und dem Schlossberg, die an der engsten Stelle gerade einmal 200 Meter breit ist. Die Bebauung von Baden ist durch zahlreiche steile Hügel stark zergliedert und hat eine strahlenförmige Struktur. Nördlich der Altstadt weitet sich die Klus aus; hier liegt das moderne Zentrum mit dem Bahnhof, den Kurbädern und einem ehemaligen Industriegebiet. Hier biegt die Limmat in einer fast rechtwinkligen Kurve ab und fliesst nach Westen. Im Nordwesten, durch den 497 Meter hohen Martinsberg begrenzt, liegt am Südufer der Limmat das dicht besiedelte Kappelerhof-Quartier. Westlich der Altstadt liegt ein Tal, das durch den Martinsberg, den Schlossberg und die 568 Meter hohe Baldegg begrenzt wird; hier befinden sich die Quartiere Allmend und Münzlishausen. Südwestlich der Altstadt liegt in einem engen, durch die Baldegg und der 531 Meter hohen Baregg begrenzten Tal, das Meierhofquartier. Südlich der Altstadt, auf dem schmalen Geländestreifen zwischen Baregg und Limmat, schliesst sich das Brunnmatt-Quartier an. Östlich der Limmat besitzt Baden einen kleinen Anteil am flachen Wettingerfeld. Baregg Rund 2,5 km südwestlich der Altstadt liegt Dättwil, das seit 1962 zu Baden gehört. Da die Gegend um diesen Ortsteil ziemlich flach ist, befinden sich hier fast die gesamten Baulandreserven der Stadt. Nochmals 1,5 km weiter südlich liegt die fast gänzlich überbaute Exklave Rütihof. Das Gemeindegebiet ist 1317 Hektaren gross, davon sind 751 Hektaren, mit Wald bedeckt und 415 Hektaren bewaldet. Die höchste Stelle liegt auf 619 Metenr im Oberhau, einem Teil der Heitersberg-Kette, die tiefste Stelle auf 341 Metern an der Limmat. Nachbargemeinden sind Obersiggenthal im Norden, Ennetbaden und Wettingen im Osten, Neuenhof im Südosten, Fislisbach im Süden, Birmenstorf und Gebenstorf im Westen sowie Turgi im Nordwesten. Die Exklave Rütihof grenzt an Birmenstorf, Fislisbach und Mellingen. Die Gemeinde Turgi besitzt ihrerseits eine kleine Enklave im Nordwesten des Badener Stadtgebiets, die lediglich aus einer von Wald umgebenenen Wiese besteht. Das Zentrum Badens ist vollständig mit den Nachbargemeinden Ennetbaden und Wettingen zusammengewachsen.

Geschichte

Antike und Mittelalter

Die Römer errichteten eine Ansiedlung (vicus) namens Aquae Helveticae und nutzten die 47° C warmen Thermalquellen. Die Gründung erfolgte im Zusammenhang mit dem Bau des Legionslagers Vindonissa. Tacitus erwähnte die respektable Siedlung in seinen Historien (67 n. Chr.). Im Jahr 69 (Dreikaiserjahr) wurde Aquae Helveticae durch die 21. Legion (Legio XXI Rapax) geplündert. Obwohl das Legionslager Vindonissa im Jahr 101 aufgegeben wurde, verlor Aquae Helveticae nur wenig an Popularität. Im 3. Jahrhundert erfolgten mehrere Überfälle der Alemannen. Im 4. Jahrhundert wurde noch eine Befestigungsanlage errichtet, doch dies konnte den Bedeutungsverlust in den nächsten Jahrhunderten nicht aufhalten. Im 10. Jahrhundert wurde die Festung Stein errichtet; die während des Investiturstreits in den Besitz der Grafen von Lenzburg gelangte. Durch Erbschaft ging der Stein 1172 an die Kyburger und 1264 an die Habsburger. Der Stein wurde zu einer der bedeutendsten Burgen der heutigen Nordschweiz, denn hier befanden sich der Verwaltungssitz und das Archiv von Vorderösterreich. Im Jahr 1297 erhielt Baden das Stadtrecht.

Untertanen der Eidgenossen

Stadtrecht Mit der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen im Jahr 1415 gelangte die Umgebung als Untertanengebiet Grafschaft Baden an die acht alten Orte. Die Festung Stein wurde zerstört und die Landvögte residierten von nun an im Landvogteischloss. Die Stadt selbst wurde formaljuristisch Freie Reichsstadt, wobei diese Freiheit in der Praxis nicht durchsetzbar war und spätestens mit dem Austritt der Schweiz aus dem Heiligen Römischen Reich im Jahr 1648 illusorisch wurde. Die Verwaltung der gemeinsam eroberten Gebiete machte häufigere Absprachen zwischen den einzelnen Orten nötig. Zu diesem Zweck trafen sich die Abgesandten ab 1416 zu Tagsatzungen, die im Badener Rathaus durchgeführt wurden. Zwar fanden Tagsatzungen auch in anderen Städten statt, doch Baden war aufgrund der Bäder und der damit verbundenen Zerstreuungen besonders beliebt. Die wichtigsten Geschäfte, die die ganze Eidgenossenschaft betrafen, wurden ausschliesslich in Baden verhandelt, so z.B. ab 1424 die Abnahme der Jahresrechnungen sämtlicher Gemeinen Herrschaften, aber auch Entscheidungen über Krieg und Frieden. 1526 fand hier der Badener Disput zwischen Johannes Oekolampad und Johannes Eck statt; die Mehrheit der anwesenden Geistlichen bekannte sich zum alten Glauben; Baden blieb mehrheitlich katholisch. Nach dem ersten Villmergerkrieg von 1656 liessen die siegreichen katholischen Orte die Festung Stein zwischen 1658 und 1670 wieder aufbauen. Im zweiten Villmergerkrieg von 1712 wurde sie von den siegreichen Zürchern und Bernern aber erneut zerstört. Im Friedensvertrag erzwangen sie den Bau einer reformierten Kirche, die aus den Überresten der zerstörten Festung entstand. Nach 1712 nahm die Bedeutung Badens als Tagungsort rasant ab; es fanden nur noch wenige Tagsatzungen statt. Daran konnte auch ein Kongress im Jahr 1714 nichts ändern, der zur Lösung des Spanischen Erbfolgekriges stattfand und am 7. September mit dem Frieden von Baden (im Prinzip einer Bestätigung des Rastatter Friedens) abgeschlossen wurde.

19. Jahrhundert

Rastatter Friede] Die Helvetische Republik brachte im März 1798 den eidgenössischen Untertanengebieten die Freiheit. Baden wurde Hauptstadt des kurzlebigen Kantons Baden. Mit der 1803 von Napoléon Bonaparte unterzeichneten Mediationsakte ging der Kanton Baden zusammen mit dem Kanton Fricktal im neu geschaffenen Kanton Aargau auf. 1819 spaltete sich das auf der rechten Seite der Limmat gelegene Ennetbaden als selbständige Gemeinde von der Stadt ab. 1834 wurden die Badener Artikel verabschiedet, die eine staatliche Aufsicht über die katholische Kirche forderten. Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts setzte die Industrialisierung ein; 1835 wurde die erste Fabrik gebaut. Am 9. August 1847 wurde Baden die Endstation der ersten schweizerischen Eisenbahn, der Spanisch-Brötli-Bahn, die von Zürich her ihren Betrieb aufnahm. Der damals populäre Architekt Ferdinand Stadler baute den Bahnhof mit Halle, Betriebs und Nebengebäuden. Das Hauptgebäude steht noch heute. Am 29. September 1856 folgte die Verlängerung nach Brugg. Dank Investitionen blühte Baden als Kurort wieder auf. Die Stadt erhielt am 6. September 1877 eine zweite Bahnstation, Baden Oberstadt an der Nationalbahn. Der Konkurs dieser Gesellschaft im darauf folgenden Jahr stürzte die Stadt in eine finanzielle Krise, da sie sich finanziell stark engagiert hatte. Als sich die Elektrofirma Brown, Boveri & Cie (BBC, heute ABB) im Jahr 1891 am nördlichen Ausgang der Klus ansiedelte, überwand Baden die Krise endgültig und wurde zu einer Hochburg der Elektro- und Elektrizitätsindustrie.

20. Jahrhundert

1926 wurde die Hochbrücke nach Wettingen eröffnet (1994 verbreitert), somit konnte die alte Holzbrücke für den Durchgangsverkehr gesperrt werden. Baden stiess bald an seine Grenzen, und so zogen die Industriearbeiter in die Nachbargemeinden. Wettingen zählt seit 1950 mehr Einwohner als Baden. 1962 konnte Baden neue Landreserven dazugewinnen, als die Gemeinde Dättwil (mit den Ortsteilen Münzlishausen und Rütihof) eingemeindet wurde. Von 1957 bis 1965 fand die grosse Verkehrssanierung statt, welche bezweckte, den natürlichen Engpass für den Strassenverkehr zu entschärfen. Im Verlauf dieser Sanierung wurde die Bahnlinie in einen neuen Tunnel gelegt, was es erlaubte, Schrankenübergänge am Schlossbergplatz und am Schulhausplatz aufzuheben. Der Schulhausplatz wurde zu einem Verkehrsknotenpunkt ausgebaut, der Durchgangsverkehr aus der Altstadt verbannt. Dieser fährt seither durch den alten Eisenbahntunnel von 1847, der zu einem Strassentunnel erweitert wurde. Um 1960 waren über zwei Drittel der Erwerbstätigen in der Industrie tätig. Als 1988 die BBC mit der schwedischen ASEA zur ABB fusionierte, wurden die Fabriken in Baden nach und nach aufgegeben und anderen Nutzungen zugeführt. Die Stadt ist heute durch Dienstleistungsbetriebe geprägt. Das ehemalige ABB-Areal wird in einen neuen Stadtteil mit gemischten Wohn- und Gewerbezonen umgewandelt; in der ehemaligen Trafostation wurde beispielsweise ein Multiplex-Kino eröffnet.

Sehenswürdigkeiten

Multiplex-Kino
- Ruine der Festung Stein
- Landvogteischloss mit Historischem Museum, modernem Erweiterungsbau und Holzbrücke
- Zahlreiche alte Altstadthäuser
- Bruggerturm, mächtiger Torturm, welcher Gustav Gull als Vorbild für den Turm des schweizerischen Landesmuseums in Zürich diente
- Spätgotische katholische Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt (barockisierter Innenraum) mit Sebastianskapelle (ehemaliges Ossiarium)
- Bäderquartier mit sehenswerten Hotelbauten aus dem 19. Jahrhundert
- Industriekulturpfad Limmat-Wasserschloss
- Kulturweg Baden - Wettingen - Neuenhof

Bevölkerung

Am 31. Dezember 2004 lebten 16'384 Menschen in Baden, der Ausländeranteil betrug 25,5%. Bei der Volkszählung 2000 waren 43,4% römisch-katholisch, 28,5% reformiert, 4,2% christlich-orthodox und 3,1% moslemisch; 2,0% gehörten anderen Glaubensrichtungen an. 83,8% bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 3,3% Italienisch, 3,0% Serbokroatisch, 1,5% Englisch, 1,4% Französisch, je 1,0% Albanisch und Spanisch, 0,7% Portugiesisch.

Behörden

Legislative

Anstelle einer Gemeindeversammlung vertritt der von den Badener Stimmberechtigten gewählte Einwohnerrat die Anliegen der Bevölkerung. Er besteht aus 50 Mitgliedern und wird im Proporzwahlverfahren gewählt. Ihm obliegt das Genehmigen des Steuerfusses, des Voranschlages, der Jahresrechnung, des Geschäftsberichts und der Kredite; ausserdem kann er Reglemente erlassen. Die Amtsdauer beträgt vier Jahre. Bei den beiden letzten Wahlen erzielten die Parteien folgende Sitzzahlen: Auch auf Gemeindeebene finden sich verschiedene Elemente der direkten Demokratie. So stehen der Bevölkerung fakultative und obligatorische Referenden, sowie das Initiativrecht zu.

Exekutive

Ausführende Behörde ist der Stadtrat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse des Einwohnerrates und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden. Die sieben Stadträte sind:
- Josef Bürge, (CVP), Stadtammann, Ressort Finanzen
- Stefan Attiger (FDP), Vize-Stadtammann, Ressort Sicherheit/ Einwohnerschaft
- Daniela Berger (SP), Ressort Kultur
- Roger Huber (FDP), Ressort Liegenschaften/ Anlagen
- Martin Langenbach (EVP), Ressort Bildung
- Daniela Oehrli (SP), Ressort Gesundheit/ Soziales
- Kurt Wiederkehr (CVP), Ressort Planung/ Bau

Judikative

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Baden zuständig. Auf kommunaler Ebene gibt es einen Friedensrichter, der auch für die Gemeinden Ennetbaden, Oberehrendingen und Unterehrendingen verantwortlich ist.

Wirtschaft

Unterehrendingen Baden ist das wirtschaftliche Zentrum des Ostaargaus und zählt mehr als 24'000 Arbeitsplätze, davon weniger als 1% in der Landwirtschaft, 43% in der Industrie und 56% im Dienstleistungssektor. Obwohl der Elektrokonzern ABB seine industriellen Aktivitäten zu einem grossen Teil an andere Standorte im Aargau oder ins Ausland verlegt hat, ist die Firma in Baden noch immer präsent. Seit der Übernahme des ABB-Kraftwerksgeschäfts ist heute auch der französische Konzern ALSTOM in Baden ansässig. Beide Unternehmen besitzen in Dättwil Forschungszentren. Daneben gibt es viele Dienstleistungsunternehmen in allen Grössen. Baden ist auch Medienstadt, denn hier befindet sich die Redaktion der Aargauer Zeitung, der fünftgrössten Zeitung der Schweiz. Die 19 Thermalquellen mit einer Temperatur von 47° C (mit Schwefelwasserstoff angereichertes Wasser) machten Baden zu einem bekannten Kurort. Allerdings ging der Kurbetrieb zu Beginn des 20. Jahrhunderts stark zurück. Im Gegensatz zu den drei anderen Kurorten im Aargau (Rheinfelden, Zurzach und Schinznach-Bad) haben die Bäder von Baden ein etwas altmodisches Image. Im ehemaligen Kursaal wurde ein Spielcasino eingerichtet. Sehr beliebt ist Baden in neuester Zeit als Kongresszentrum. Die Stadt liegt in einer schönen Wandergegend am Jurahöhenweg.

Verkehr

Jurahöhenweg Baden verfügt über drei Bahnhöfe: Der Bahnhof Baden ist Schnellzugshalt an der Strecke Zürich - Brugg - Basel; es verkehren direkte Züge in alle grösseren Schweizer Städte. Weitere SBB-Linien verkehren nach Zürich-Oerlikon und Waldshut. Am 12. Dezember 2004 wurde der Zugsverkehr auf der Linie Wettingen - Lenzburg eingestellt, die Bahnhöfe Baden Oberstadt und Dättwil geschlossen. Die Stadt Baden darf ohne Übertreibung als Busdrehscheibe bezeichnet werden. Die Gesellschaft Regionale Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen (RVBW) betreibt ein dichtes Netz von Buslinien in Baden, Wettingen und zehn weiteren Gemeinden in der Umgebung. Der Postauto-Terminal neben dem Bahnhof ist eine der grössten der Schweiz; von hier verkehren Postautolinien nach Berikon-Widen, Bremgarten (via Mellingen oder Stetten), Döttingen, Endingen, Kaiserstuhl und Niederweningen. Südlich der Stadt verläuft die Autobahn A1. Zwischen den Anschlüssen Baden-West und Baden-Ost führt sie durch den Bareggtunnel, der früher für die häufigen Staus berüchtigt war. Am 14. September 2002 wurde eine neue Brücke über die Limmat eröffnet, die Baden direkt mit Obersiggenthal verbindet.

Kultur

Obersiggenthal
- Historisches Museum im Landvogteischloss; Stadtgeschichte Badens von den Römern bis zum Industriezeitalter
- Kunstraum Baden; wechselnde Ausstellungen der zeitgenössischen Malerei
- Museum Langmatt, Gemäldesammlung (Impressionisten) und Wohnmuseum, hervorgegangen aus der Privatsammlung John A. Brown
- Schweizer Kindermuseum
- Elektro-Museum im Kraftwerk Kappelerhof
- Stadtbibliothek
- Kurtheater
- Theater im Kornhaus
- Kulturlokal Merkker
- Trickfilmfestival Fantoche

Partnerstadt

Seit 1991 ist die rumänische Stadt Sighişoara Partnerstadt von Baden.

Bildung

In insgesamt acht Schulhäusern (davon je eines in Dättwil und Rütihof) werden alle Stufen der obligatorischen Volksschule unterrichtet. Seit 1961 besitzt Baden eine eigene Kantonsschule (Gymnasium) und kooperiert eng mit derjenigen im benachbarten Wettingen. Daneben gibt es auch die Berufsfachschule BBB, die Wirtschaftsschule KV, die ABB-Technikerschule und die Fachhochschule Aargau (Abteilung Wirtschaft).

Persönlichkeiten


- Charles Eugene Lancelot Brown (1863-1924), Mitbegründer der BBC (heute ABB) und Ehrenbürger
- Walter Boveri (1865-1924), Mitbegründer der BBC (heute ABB) und Ehrenbürger
- Albert Hofmann (
- 1906); Chemiker und Entdecker des LSD
- Rainer Huber (
- 1948), Regierungsrat des Kantons Aargau

Literatur


- Otto Mittler: Geschichte der Stadt Baden
- Thomas Bolt und Uli Münzel: Schweizerischer Kunstführer Nr.399/400: Der Bäderbezirk von Baden und Ennetbaden (ISBN 3-85782-399-9)
- Silvia Siegenthaler: Schweizerischer Kunstführer Nr.658: Die Villa Boveri in Baden (ISBN 3-85782-658-4)
- Carmela Kuonen Ackermann: Schweizerischer Kunstführer Nr. 703: Die Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt und die Sebastianskapelle in Baden (ISBN 3-85782-703-3)
- Hermann Hesse: Kurgast (ISBN 3-518-06883-0)

Weblinks


- [http://www.baden.ch Offizielle Website der Stadt Baden]
- [http://www.dhs.ch/externe/protect/textes/d/D1633.html Artikel Baden (AG, Gemeinde)] im Historischen Lexikon der Schweiz
- [http://www.werft22.com/html/history06.html Die Verkehrssanierung in Baden]
- [http://www.schule-baden.ch Schulen in Baden]
- [http://www.abbts.ch ABB Technikerschule]
- [http://www.chronikgruppe.ch Chronikgruppe Dättwil] Kategorie:Ort in der Schweiz Kategorie:Ort im Kanton Aargau Kategorie:Schweizer Gemeinde Kategorie:Reichsstadt Kategorie:Kurort

Bezirk

Der Begriff Bezirk (v. mittelhochdt.: zirc aus lat.: circulus Kreis) bezeichnet ... ... ursprünglich:
- ein abgegrenztes Gebiet, einen Landstrich, eine Region. ... in großen Städten:
- Verwaltungseinheiten unterhalb der Regierung der Gesamtstadt, die die örtlichen Angelegenheiten regeln, die Stadtbezirke, z. B. die Berliner, Hamburger, Wiener, Pariser oder Londoner Bezirke. Solche Stadtbezirke haben ein direkt gewähltes Parlament und einen eigenen „Bürgermeister“ (die Bezeichnungen und Kompetenzen sind je nach Stadt verschieden).
- So genannte Stadtbezirke können jedoch auch kleinräumige statistische Gebiete innerhalb von Städten sein, die nichts mit der vorgenannten Selbstverwaltungsernheit Stadtbezirk zu tun haben, ein Beispiel hierfür sind die Stadtbezirke von Frankfurt am Main. Die innerstädtischen Unterteilungen mit (sehr bescheidener) Selbstverwaltung heißt dort statt dessen Ortsbezirk. ... als regionale, staatliche Verwaltungseinheiten:
- in der Schweiz eine Gebietskörperschaft als Untergliederung der Kantone, auch Amtsbezirk oder Distrikt genannt, siehe Bezirke der Schweiz.
- in Deutschland wird der Begriff für folgende (in ihrer räumlichen Ausdehnung jedoch vergleichbare) regionale Verwaltungsebenen verwendet:
  - die in der preußischen Verwaltungsreform 1815 geschaffenen und später von anderen Ländern übernommenen Regierungsbezirke, an deren Spitze ein Regierungspräsident steht, sowie
  - die 14 Bezirke der DDR, oberstes Gremium war der Rat des Bezirks.
  - In Bayern gibt es außerdem neben den (staatlichen) Regierungsbezirken als kommunale Körperschaften sogenannte Bezirke, die aber mit den gleichnamigen Regierungsbezirken deckungsgleich sind. Sie haben einen direkt gewählten Bezirkstag.
  - In einigen Bundesländern werden gelegentlich auch die Landkreise als Verwaltungsbezirke bezeichnet, dies findet aber keine breite Verwendung.
- in Österreich sind Bezirke Verwaltungseinheiten zwischen Bundesland und Gemeinde, ähnlich den deutschen Landkreisen, siehe Bezirke in Österreich. Ihr Spitzenbeamter ist der Bezirkshauptmann.
- in Österreich gibt außerdem Gerichtsbezirke als der zuständiger Bereich eines Bezirksgerichtes.
- In Tschechien gab es bis 2002 Verwaltungseinheiten, die den deutschen Landkreisen vergleichbar waren, aber in deutscher Übersetzung meist wie in Österreich als Bezirk bezeichnet wurden, die Okresy. Die Verwaltungsebene darüber, einem deutschen Regierungsbezirk vergleichbar, heißt wiederum Kreis (Kraj).
- In der Volksrepublik China ist der Bezirk eine Gebietskörperschaft innerhalb einer Provinz.
- In englischsprachigen Ländern, etwa in Großbritannien, heißen Bezirke district, was im Deutschen oft ohne Übersetzung belassen wird (Distrikt), oder Borough, was wiederum auch für die Stadtbezirke großer Städte verwendet wird, etwa die London Boroughs.

Siehe auch


- Provinz
- Landkreis
- County
- Komitat
- Département
- Oblast
- Woiwodschaft

Weblink

ja:郡

Baden (Bezirk, Aargau)

Baden ist ein Bezirk des Kantons Aargau in der Schweiz, der im wesentlichen die Gegend südlich der Lägern, sowie den Unterlauf der Limmat und der Reuss umfasst. Hauptort ist Baden, grösster Ort ist Wettingen. Der Bezirk umfasst 27 Gemeinden, ist 153.07 km² gross und zählt 121'071 Einwohner (Ende 2004). Mit Wirkung auf den 1. Januar 2006 werden die Gemeinden Oberehrendingen und Unterehrendingen zur Gemeinde Ehrendingen zusammengeschlossen.

Gemeinden

Ehrendingen Ehrendingen

Spezieller Rechtsstatus


- Kloster Fahr Kategorie:Schweizer Bezirk

Aargau

Der Kanton Aargau ist ein Kanton im Norden der Schweiz. Deutsch: Aargau; Französisch: Argovie; Italienisch: Argovia; Rätoromanisch: Argovia; Englisch: Aargau (veraltet: Argovia).

Geographie

Der Aargau liegt im Norden der Schweiz, im Mittelland und in den östlichen Ausläufern des Juras. Seinen Namen hat der Kanton vom Fluss Aare. Er grenzt im Norden an den Rhein, im Osten an den Kanton Zürich, im Süden an die Kantone Luzern und Zug, und im Westen an die Kantone Bern, Solothurn und Baselland. Baselland Der Aargau weist eine starke naturräumliche Gliederung auf. Der nördliche Kantonsteil wurde durch die Gebirgsbildung des Juras geprägt, der im Mittelland gelegene südliche Teil durch die Gletscherbewegungen der Eiszeiten geformt. Die Riss-Eiszeit, die vor rund 140'000 Jahren ihren Höhepunkt erreichte, bedeckte fast das gesamte Gebiet des heutigen Kantons, mit Ausnahme des westlichen Fricktals um Rheinfelden sowie einiger Juragipfel, die aus dem Eismeer ragten. Während der Würm-Eiszeit war die Vergletscherung zwar weitaus geringer (nur der südöstliche Teil des Kantonsgebiets war von Eis bedeckt), doch sie prägte die Landschaft nachhaltig. Der Reussgletscher und der Linthgletscher, die vor rund 20'000 Jahren ihre grösste Mächtigkeit erreicht hatten, hinterliessen zahlreiche Findlinge, die aus dem Alpenraum in die Ebene verschoben wurden. Die einstige Ausdehnung dieser Gletscher ist heute noch gut erkennbar an den Endmoränen bei Killwangen, Mellingen, Othmarsingen, Seon, Staffelbach, Würenlos und Zetzwil. Die bei der Moräne von Seon zurückgelassenen Gesteinsmassen stauten den Hallwilersee, der am Ende der Eiszeit etwa doppelt so gross war wie heute und innerhalb von einigen tausend Jahren durch Auffüllung des ehemaligen Seebeckens mit Sedimenten auf die heutige Grösse zurückschrumpfte. Die Flüsse lagerten in den Tälern im Vorfeld der Gletscher ausgedehnte Schotterfelder ab, die wichtige Grundwasserleiter darstellen. Die höchste Punkt des Kantons liegt auf dem Geissflue-Grat (Salhöhe) auf 908 m.ü.M.

Flächennutzung

(Stand: 1994)

Gewässersystem


- Rhein
  - Sissle
- Aare
  - Klingnauer Stausee
  - Surb
  - Limmat
    - Reppisch
    - Egelsee
  - Reuss
  - Bünz
    - Aabach
    - Hallwilersee
  - Suhre
    - Wyna
    - Uerke
  - Wigger

Bevölkerung


- Einwohner: 547'493
- Sprachen
  - Deutsch: 477'093 (87,1 %)
  - Italienisch: 17'847 (3,3 %)
  - Serbokroatisch: 10'645 (1,9 %)
  - Albanisch: 9823 (1,8 %)
  - Französisch: 4'151 (0,8 %)
  - Rätoromanisch: 618 (0,1 %)
  - Andere: 27'316 (5,0 %)
- Nationalität
  - Schweizer: 441'044 (80,6 %)
  - Ausländer: 106'449 (19,4 %)
- Religion
  - Reformiert: 203'949 (37,2 %)
  - Römisch-katholisch: 219'800 (40,1 %)
  - Moslemisch: 30'072 (5,5 %)
  - Christlich-orthodox: 11'523 (2,1 %)
  - Christkatholisch: 3418 (0,6 %)
  - Jüdisch: 342 (0,1 %)
  - Andere: 4941 (0,9 %)
  - Konfessionslos: 57'573 (10,5 %)
  - Keine Angabe: 15'875 (3,0 %) (Stand: 5. Dezember 2000)

Sprachen

Die deutschen Dialekte des Kantons Aargau gehören dem Hochalemannischen an. Im weiteren hat der Kanton jedoch keine homogene Mundart: Aufgrund seiner Lage gehören sie teilweise zum West- (fliege fliegen, zweiförmiger Plural beim Verb) - innerhalb dessen teils zum Nordwest- (Dag Tag) - und teilweise zum Ostschweizerdeutschen (Tag, flüüge, Einheitsplural beim Verb); im südlichen Teil machen sich auch innerschweizerische Züge bemerkbar. Im Surbtal, wo in Endingen und Lengnau jahrhundertelang eine bedeutende jüdische Bevölkerung lebte (im 19. und 20. Jahrhundert grösstenteils nach Zürich ausgewandert), wurde bis ins 20. Jahrhundert ein westjiddischer Dialekt gesprochen.

Religionen - Konfessionen

Da der Kanton Aargau erst im Jahre 1803 aus verschiedenen älteren Territorien geschaffen worden ist, gehört er zu den paritätischen Kantonen. Traditionell reformiert ist der ehemalige Berner Aargau mit den heutigen Bezirken Aarau, Brugg, Kulm, Lenzburg und Zofingen. Traditionell katholisch sind die ehemaligen Gemeinen Herrschaften (mehreren Kantonen gemeinsame Untertanengebiete) mit den heutigen Bezirken Baden, Bremgarten, Muri und Zurzach, wobei es in Baden und Zurzach traditionell eine reformierte und eine israelitische Minderheit gibt, sowie das bis 1803 österreichische Fricktal mit den heutigen Bezirken Laufenburg und Rheinfelden. Im letztgenannten Bezirk ist auch die christ- oder altkatholische Kirche stark vertreten. In den letzten Jahrzehnten haben sich die einst starren Konfessionsgrenzen stark verwischt.

Verfassung

Die gegenwärtige Kantonsverfassung datiert von 1980 (mit späteren Änderungen).

Legislative

Gesetzgebende Behörde ist der Grosse Rat, dem 140 (bis 2005 noch 200) vom Volk für eine feste Amtsdauer von vier Jahren, im Proporzverfahren (Verhältniswahlrecht) gewählte Mitglieder angehören. Darüber hinaus ist das Volk direkt an der Gesetzgebung beteiligt: Verfassungsänderungen sowie Gesetze, die vom Grossen Rat nicht mit absoluter Mehrheit angenommen worden sind, unterliegen zwingend der Volksabstimmung; andere Gesetze sind auf Antrag von 3'000 Stimmberechtigten der Volksabstimmung zu unterwerfen (Referendum). 3'000 Stimmberechtigte können zudem eine Verfassungs- oder Gesetzesänderung oder ein Gesetz überhaupt vorschlagen (Volksinitiative). Bei den Wahlen zum Grossen Rat erhielten die Parteien folgende Sitzzahlen:
1 Die Anzahl der Sitze wurde 2005 von 200 auf 140 verkleinert.
2 Die SVP erreichte in den Wahlen 46 Sitze. Urs Leuenberger ist nach den Wahlen aus der SVP-Fraktion ausgetreten und politisiert seither als Mitglied der CVP. Der Kanton Aargau gilt heute (in deutlichem Gegensatz zum 19. Jahrhundert!) als konservativster der grösseren Kantone, was man ausser am Verhalten bei eidgenössischen Volksabstimmungen auch am sehr grossen Anteil der SVP, den verhältissmässig schwachen Sozialdemokraten und den Sitzen der Rechtsaussen-Parteien (SD, FPS) sieht.

Exekutive

Ausführende Behörde ist der Regierungsrat, dem fünf vom Volk im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) auf eine feste Amtsdauer von vier Jahren gewählte Mitglieder angehören.
- Landammann: Vorsitz des Regierungsrats, vom Grossen Rat aus den Mitgliedern des Regierungsrates gewählt.
- Landstatthalter: Stellvertreter des Landammanns, vom Grossen Rat aus den Mitgliedern des Regierungsrates gewählt.
- Die fünf Regierungsräte stehen je einem Departement vor:
  - Kurt Wernli (parteilos), Departement des Innern
  - Rainer Huber (CVP), Departement für Bildung, Kultur und Sport
  - Roland Brogli (CVP), Finanzdepartement
  - Ernst Hasler (SVP), Gesundheitsdepartement
  - Peter Beyeler (FDP), Baudepartement

Judikative

Oberstes kantonales Gericht ist das Obergericht mit Sitz in Aarau, Gerichte mit regionaler Reichweite sind die Bezirks- und Jugendgerichte; kommunale Reichweite haben die Friedensrichter. Daneben bestehen Spezialgerichte. Die Verwaltungsgerichtsbarkeit wird im Wesentlichen durch das Verwaltungs- und das Versicherungsgericht ausgeübt.

Parteiensystem

Das Parteiensystem des Kantons deckt sich mit dem Schweizerischen. Die kantonalen Sektionen der vier Bundesregierungsparteien SP, CVP, FDP und SVP haben das Zepter in der Hand, wobei die SP im Unterschied zum Bundesrat im kantonalen Regierungsrat nicht vertreten ist und somit eine Oppositionskraft darstellt. Die bürgerlichen Mitteparteien sind tendenziell rechter als ihre Schweizerischen Mutterparteien.

Wirtschaft

Tourismus

Verkehr

Bildung

Die obligatorische Schulzeit beträgt 9 Jahre und beginnt mit dem Eintritt in die Primarschule im Alter von rund 7 Jahren. Der Besuch eines Kindergartens ist nicht obligatorisch. Beim Eintritt kommt man entweder in die reguläre erste Klasse oder in die Einführungsklasse, welche zwei Jahre dauert. Die Primarschule dauert in der Regel 5 Jahre (1. bis 5.Klasse). Manchmal wird auch zwischen Unterstufe (1. bis 3. Klasse) und Mittelstufe (4. und 5. Klasse) unterschieden. Danach erfolgt der Übertritt in die Oberstufe (Real-, Sekundar- oder Bezirksschule). Diese dauert normalerweise 4 Jahre (6. bis 9.Klasse) und vollendet die Schulpflicht, wobei die Chancen auf eine anschliessende Berufsausbildung für Sekundar- und Bezirksschüler wegen der höheren Leistungsstufe in der Regel besser sind als für Realschüler. Wechsel innerhalb dieser drei Stufen erfolgen über Aufnahmeprüfungen (nach oben) beziehungsweise freiwillige oder Zwangsrelegation (nach unten). In einer anschliessenden Berufslehre findet immer auch der Besuch einer Berufsschule statt. Somit sorgen die Betriebe für die praktische Ausbildung, die (staatliche) Schule für die theoretische. Nur von der Bezirksschule aus ist der Übertritt an die kantonalen Maturitätschulen, die Kantonsschulen, möglich. Dazu muss die Bezirksschulabschlussprüfung mit einer Mindestnote von 4,7 bestanden werden (wobei 6 die beste und 1 die schlechteste Note ist). Die praktischen Prüfungsfächer sind Deutsch, Französisch (schriftlich und mündlich) sowie Mathematik. Aus dem Jahreszeugnis kommen Englisch, Geschichte, Biologie, Chemie, Musik und Zeichnen, sowie wahlweise Latein hinzu. Mit einer Mindestnote von 4,4 ist man zum Übertritt an die Diplommittelschule, an die Wirtschaftsdiplomschule oder an eine Berufsmaturitätsschule berechtigt. Die letztgenannte findet berufsbegleitend statt. An der Kantonsschule, die rund 4 Jahre dauert (10. bis 13.Schuljahr), kann die Eidgenössische Maturität erlangt werden. Neben obligatorischen Grundlagenfächern können die Schüler ihr Akzentfach (1./2. Jahr, 3 Wochenstunden), ihr Schwerpunktfach (3./4. Jahr, 6 Wochenstunden), ihr Ergänzungsfach (4.Jahr, 4 Wochenstunden), sowie verschiedene Freifächer selbst wählen. Der Kanton Aargau verfügt über keine Universität. Die Fachhochschulen aber ermöglichen Absolventen der Berufsmaturitätsschulen verschiedene Studienrichtungen. Der Aargau gehört neu zur Fachhochschulregion Nordwestschweiz. Für Erwachsene gibt es eine Erwachsenenmaturitätsschule. Für die Volksbildung sorgen Kurse der Volkshochschule, sowie verschiedene Bibliotheken in Gemeinden und die Kantonsbibliothek in Aarau. Es existieren auch diverse spezielle Schulen, wie beispielsweise die Heilpädagogischen Sonderschulen.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte des Kantons Aargau Das Gebiet des heutigen Kantons Aargau wurde bereits im 5. Jahrhundert von den Alemannen besiedelt. Im 6. Jahrhundert gehörte es zum Frankenreich, der Name Aargau wurde 763 zum ersten Mal erwähnt. Im 14. Jahrhundert fiel der Ober-Aargau an Bern. Der Unter-Aargau, das Gebiet des heutigen Kantons Aargau, gehörte im Mittelalter nacheinander den Grafen von Lenzburg, den Grafen von Kyburg und den Herzögen von Habsburg. Er wurde 1415 von den Eidgenossen erobert; politischer Hintergrund waren die Streitigkeiten um die römisch-deutsche Königswürde, weshalb die Gegner Sigismunds von Habsburg zur Eroberung von dessen Territorien aufriefen. Der im Westen gelegene Unteraargau war alleiniges Untertanengebiet von Bern (der so genannte Berner Aargau). Im Osten entstanden das von Zürich allein verwaltete Kelleramt sowie die Freien Ämter und die Grafschaft Baden, welche gemeine Herrschaften (gemeinsam verwaltete Gebiete) der Eidgenossenschaft waren. gemeine Herrschaften 1798 wurde der Aargau von den Franzosen erobert; Aarau war sogar während eines halben Jahres die Hauptstadt der Helvetischen Republik (und damit erste Hauptstadt der Schweiz). Es entstanden drei Kantone:
- Kanton Aargau (heutige Bezirke Aarau, Brugg, Kulm, Lenzburg und Zofingen)
- Kanton Baden (heutige Bezirke Baden, Bremgarten, Muri und Zurzach)
- Kanton Fricktal (heutige Bezirke Laufenburg und Rheinfelden; gehörten vorher zu Vorderösterreich) Der heutige Kanton wurde 1803 durch die Mediationsakte von Napoléon Bonaparte aus den drei Kantonen Aargau, Baden und Fricktal gebildet. Teile des zürcherischen Untertanengebiets im Limmattal blieben hingegen bei Zürich, das Amt Hitzkirch bei Luzern. Dafür wurden das bernische Amt Aarburg und das luzernische Amt Merenschwand dem neuen Kanton angefügt. Diese verschiedenen Gebiete unterscheiden sich auch heute noch in Wirtschaftsstruktur, Konfession und politischer Ausrichtung stark. Mit der Restauration 1815 blieb der junge Kanton erhalten, erhielt aber unter dem dominierenden Einfluss von Amtsbürgermeister (Regierungsratspräsident) Johann Herzog zunehmend aristokratische Züge. Der "Freiämtersturm", ein Zug der katholischen Opposition in die Hauptstadt Aarau, beendete im Dezember 1830 diese Phase und ermöglichte die Schaffung einer Verfassung mit erweiterten Volksrechten. Nach 1831 gehörte der Kanton Aargau zu den liberalen Kantonen; viele demokratische Flüchtlinge aus Deutschland fanden hier Aufnahme. Der Aargauer Klosterstreit 1841/43, als der Kanton zuerst alle Klöster aufhob, dann aber die Frauenklöster (z.B.Kloster Fahr) wieder zuliess, war eine der Ursachen für den Sonderbundskrieg von 1847, der in die Errichtung des modernen schweizerischen Bundesstaates mündete.

Städte und Orte

Der Kanton Aargau ist geprägt von Kleinstädten. Die Zwillingsstädte Wettingen und Baden bilden einen wichtigen Schwerpunkt:
- Wettingen, 18'479 Einwohner (2004)
- Baden, 16'384 Einwohner (2004)
- Aarau, 15'628 Einwohner (2004)
- Wohlen (AG), 13'932 Einwohner (2004)
- Rheinfelden, 10'884 Einwohner (2004)
- Oftringen, 10'568 Einwohner (2004)
- Zofingen, 10'210 Einwohner (2004)
- Spreitenbach, 10'032 Einwohner (2004)

Ortschaften

Im Aargau befinden sich viele historisch bedeutsame Orte:
- Baden bereits in der Römerzeit ein Badeort und war in der Alten Eidgenossenschaft Tagsatzungsort - der Tagsatzungssaal im Stadthaus ist bis heute erhalten
- Brugg war eine Zeit lang Hauptsitz der Habsburger, deren Stammsitz, die Habsburg, sich südwestlich von Brugg befindet
- Bruggs Nachbarort Windisch war als Vindonissa römisches Zentrum.
- Bei Windisch wurde 1308 Kaiser Albrecht I. ermordet. Das Kloster Königsfelden wurde im Gedenken daran erbaut. Weitere Städte mit altem Stadtrecht:
- Aarburg
- Bremgarten
- Kaiserstuhl
- Klingnau
- Laufenburg
- Lenzburg
- Mellingen
- Zofingen Für eine Übersicht aller Gemeinden des Kantons: Gemeinden des Kantons Aargau

Bezirke

Gemeinden des Kantons Aargau Der Aargau ist in 11 Bezirke unterteilt:
- Aarau mit Hauptort Aarau
- Baden mit Hauptort Baden
- Bremgarten mit Hauptort Bremgarten
- Brugg mit Hauptort Brugg
- Kulm mit Hauptort Unterkulm
- Laufenburg mit Hauptort Laufenburg
- Lenzburg mit Hauptort Lenzburg
- Muri mit Hauptort Muri
- Rheinfelden mit Hauptort Rheinfelden
- Zofingen mit Hauptort Zofingen
- Zurzach mit Hauptort Zurzach

Siehe auch


- Bezirke des Kantons Aargau und weiterer Kantone
- nota bene: Das Gebiet Ahrgau liegt am Niederrhein in Deutschland.

Literatur

Aargau, in Historisches Lexikon der Schweiz, Band 1, Basel 2002, Seiten 17 bis 45.

Weblinks


- [http://www.ag.ch/ Offizielle Website des Kantons Aargau]
- [http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/regionen/regionalportraets/aargau/blank/kennzahlen.html Regionalporträt des Aargaus vom Bundesamt für Statistik]
- [http://www.dhs.ch/externe/protect/textes/d/D7392.html Artikel Aargau] im Historischen Lexikon der Schweiz
Aargau ! als:Kanton Aargau ko:아르가우 주

Wettingen

Wettingen ist eine Gemeinde im Bezirk Baden im Schweizer Kanton Aargau. Sie grenzt direkt an den Bezirkshauptort und ist mit mehr als 18'000 Einwohnern die bevölkerungsreichste Gemeinde des Kantons.

Geographie

Wettingen liegt am rechten Ufer der Limmat unmittelbar vor der Klus von Baden. Der grösste Teil der Siedlungsgebietes bedeckt das Wettingerfeld, eine flache Ebene, die auf allen Seiten von natürlichen Grenzen umgeben ist; im Westen und Süden vom Fluss, im Norden vom steilen Südhang der Lägern und im Osten vom Sulperg (569 Meter). Zwischen der Lägern und dem Sulperg liegt das nicht überbaute Eigital. An dessen westlichem Ende, im Nordosten des Wettingerfelds, befindet sich der alte, noch relativ gut erhaltene Dorfkern. Der Südhang der Lägern ist teilweise mit Reben bepflanzt. Der Dorfbach durchquert das Wettingerfeld und mündet schliesslich über den Gottesgraben in die Limmat. Er ist teilweise kanalisiert, teilweise eingetunnelt und teilweise renaturiert. Das Gemeindegebiet ist 1059 Hektaren gross, davon sind 417 Hektaren bewaldet und 398 Hektaren überbaut. Die höchste Stelle liegt auf 859 Metern auf dem Burghorn, einem Teil der Lägern, die tiefste Stelle auf 360 Metern an der Limmat. Nachbargemeinden sind Ennetbaden, Oberehrendingen und Unterehrendingen im Norden, Otelfingen im Osten, Würenlos im Südosten, Neuenhof im Süden und Baden im Westen.

Geschichte

Auf dem Gemeindegebiet von Wettingen wurden zwei Gräber aus der Jungsteinzeit gefunden. Zur Zeit der Römer bestand hier eine kleine Siedlung. Durch das Wettinger Feld führte die Römerstrasse von Vindonissa (Windisch) über Aquae Helveticae (Baden) nach Vitodurum (Oberwinterthur). Als einziger Überrest eines Isistempels blieb eine Inschrift erhalten, die heute in die katholische Kirche St. Sebastian eingemauert ist. Der Name Wettingen selber deutet auf einen alemannischen Siedler namens Wetti oder Watto hin. Dieser hatte sich in Verlauf der ersten alemannischen Siedlungswelle im 6. Jahrhundert mit seinen Leuten, den Wettinge, an der Stelle der aufgegebenen römischen Siedlung niedergelassen. Im frühen Mittelalter fand auch das Christentum seinen Einzug in Wettingen. Dabei wurden die ersten Kirchen noch von Privaten, so genannten Kollatoren, gegründet. Als Gegenleistung dafür konnten sie den Zehnten für sich in Anspruch nehmen. Wettingen gehörte lange zum frühen Thurgau und fiel mit dessen Aufteilung zum Zürichgau. Im Jahr 1173 starben die Grafen von Lenzburg aus und ihre Gebiete fielen an die Kyburger. Kyburger Freiherr Heinrich II. von Rapperswil kaufte nach 1220 Güter in Wettingen sowie das Patronatsrecht über die Kirche des Dorfes. Nachdem Heinrich während der Kreuzzüge auf wundersame Weise aus Seenot gerettet wurde, schenkte er seine Besitztümer in Wettingen der Reichsabtei Salem. Dieses sandte Mönche nach Wettingen, um in einer Flussschlaufe der Limmat eine neue Abtei zu gründen. Der 14. Oktober 1227 gilt als Gründungsdatum des Klosters Wettingen, das in der Folge zum wichtigsten Grundherrn in der Region aufstieg und ab dem 14. Jahrhundert auch die niedere Gerichtsbarkeit ausübte. Als das Geschlecht der Kyburger im Jahr 1264 ausstarb, gelangen ihre Besitztümer an die Habsburger. Im Jahr 1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau und Wettingen war fortan Hauptort des gleichnamigen Amtes in der Grafschaft Baden, einer gemeinen Herrschaft. Während der Reformation trat die Mehrheit der Dorfbevölkerung zum neuen Glauben über, wurde aber nach dem Zweiten Kappelerkrieg von 1531 rekatholisiert. Während des Zweiten Villmergerkrieges von 1712 war das Dorf von Zürcher und Berner Truppen besetzt. Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Wettingen wurde eine Gemeinde im kurzlebigen Kanton Baden. In diesem und im nachfolgenden Jahr zogen nacheinander französische, österreichische und russische Truppen durch das Dorf und hielten sich auf Kosten der Bewohner schadlos. Seit 1803 gehört die Gemeinde zum Kanton Aargau. Im Zuge der Aargauer Klosterstreits wurde das Kloster Wettingen am 12. Januar 1841 geschlossen. Die umfangreichen Bestände der Klosterbibliothek wurden in die aargauische Kantonsbibliothek in Aarau überführt und die Mönche mussten das Kloster verlassen. Schliesslich bezogen sie am 8. Juni 1854 die Reste des alten Benediktinerklosters Mehrerau in Bregenz (heute Kloster Wettingen-Mehrerau). Wettingen war nun ein Bauerndorf mit einem Lehrerseminar in den Räumlichkeiten des ehemaligen Klosters. Die erste Eisenbahnlinie der Schweiz, die Spanisch-Brötli-Bahn, wurde am 9. August 1847 eröffnet. Zunächst führte sie jedoch am südlichen Ufer der Limmat entlang, weitab vom Dorf. 1858 wurde neben dem ehemaligen Kloster eine Spinnerei eröffnet. Auf Wunsch des Fabrikbesitzers wurde das Trassee der Eisenbahn auf die rechte Seite der Limmat verschoben und Wettingen erhielt 1876 endlich einen Bahnhof an zentraler Lage zwischen Klosterbezirk und Dorf. Die Eröffnung der Nationalbahn nach Zofingen war am 6. September 1877, der Abschnitt nach Winterthur folgte einige Wochen am 15. Oktober. Als Konkurrenz dazu war am 1. Oktober desselben Jahres die so genannte Bülach-Baden-Bahn eröffnet worden; diese wurde jedoch bereits am 18. Januar 1937 stillgelegt. Nachdem 1891 im benachbarten Baden die BBC gegründet worden war, die in der Folge stark expandierte, wandelte sich Wettingen sehr rasch von einem Bauerndorf zu einem Arbeitervorort. Baden selbst hatte aufgrund der schwierigen topographischen Lage wenig Platz für neue Siedlungen und so zogen die meisten BBC-Arbeiter nach Wettingen, das im flachen Wettingerfeld noch weitläufige Baulandreserven aufwies. Schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Wettingen mit Baden zusammengewachsen. Ein erneuter Wachstumsschub erfolgte zwischen 1950 und 1960, als die Einwohnerzahl um über zwei Drittel stieg und die letzten freien Flächen in der Mitte des Wettingerfelds überbaut wurden. 1967 wurde mit 20'019 Einwohnern der Höchststand erreicht. Bis 1990 sank die Einwohnerzahl um fast 12%, konnte sich aber seither bei rund 18'000 stabilisieren. 1974 erfolgte die Eröffnung des grossen Sport- und Erholungszentrums Tägerhard, das mit seinem vielfältigen Angebot eine überregionale Bedeutung erlangt hat.

Sehenswürdigkeiten

1974
- Kloster Wettingen: Ehemaliges Zisterzienserkloster (heute Kantonsschule), mit kath. Klosterkirche Maria Meerstern (frühgotisch) Chorgestühl (Renaissance, barockisiert) und Kreuzgang
- Marienkapelle (Spätbarock) und Kreuzweg auf dem Sulperg
- Kreuzkapelle (Hochbarock) am Ortsausgang Richtung Würenlos
- Katholische Pfarrkirche St. Sebastian; Historismus mit Jugendstilanklängen; im Eingangsbereich ist eine römische Inschrift aus einem Isistempel eingemauert
- Katholische Pfarrkirche St. Anton; Betonhallenkirche aus dem Jahre 1954; statt eines Chorgemäldes wird jeweils einer von sechs Bildwandteppichen gezeigt
- Bezirksschule, ein Frühwerk des Architekten Theo Hotz; musste allerdings wegen erheblicher baulicher Mängel in den 1970ern umgebaut werden
- Kulturweg Baden - Wettingen - Neuenhof mit zahlreichen zeitgenössischen Skulpturen
- Industriekulturpfad Wettingen - Windisch

Bevölkerung

Am 31. Dezember 2004 lebten 18’479 Menschen in Wettingen, der Ausländeranteil betrug 25,0%. Bei der Volkszählung 2000 waren 48,5% römisch-katholisch, 26,9% reformiert, 3,5% christlich-orthodox und 3,9% moslemisch; 1,6 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an. 84,2 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 5,1 % Italienisch, 2,3 % Serbokroatisch, 1,1 % Spanisch, 1,0 % je Albanisch und Französisch, je 0,8 % Englisch und Portugiesisch, 0,6 % Türkisch.

Behörden

Legislative

Anstelle einer Gemeindeversammlung vertritt der von den Stimmberechtigten gewählte Einwohnerrat die Anliegen der Bevölkerung. Er besteht aus 50 Mitgliedern. Ihm obliegt das Genehmigen des Steuerfusses, des Voranschlages, der Jahresrechnung, des Geschäftsberichts und der Kredite. Er kann Reglemente erlassen. Die Amtsdauer beträgt vier Jahre. Der Einwohnerrat wird im Proporzwahlverfahren gewählt. Bei den Wahlen im November 2001 erzielten die Parteien folgende Sitzzahlen:
- CVP: 14
- SVP: 11
- SP: 9
- FDP: 7
- EVP: 4
- Forum 5430: 3
- Wettigrüen: 2 Auch auf Gemeindeebene finden sich verschiedene Elemente der direkten Demokratie. So stehen der Bevölkerung fakultative und obligatorische Referenden, sowie das Initiativrecht zu.

Exekutive

Ausführende Behörde ist der Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse des Einwohnerrates und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden. Der Gemeindeammann (Gemeindepräsident) übt seine Tätigkeit im Vollamt aus, die übrigen im Nebenamt. Die sieben Gemeinderäte sind:
- Karl Frey (CVP), Gemeindeammann
- Heiner Studer (EVP), Vize-Gemeindeammann
- Robert Picard (CVP)
- Doris Stump (SP)
- Antoinette Eckert (FDP)
- Daniel Huser (SVP)
- Felix Feiner (SVP) Heiner Studer und Doris Stump sind gleichzeitig Mitglieder des Nationalrats.

Judikative

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Baden zuständig. Auf kommunaler Ebene gibt es einen Friedensrichter.

Wirtschaft

In Wettingen gibt es über 7100 Arbeitsplätze, davon 1 % in der Landwirtschaft, 27 % in der Industrie und 72 % im Dienstleistungssektor. Bei der Betriebszählung von 2001 wurden 25 Landwirtschaftsbetriebe, 159 Industriebetriebe und 733 Dienstleistungsunternehmen registriert. In Wettingen gibt es keine grossen Konzerne, dafür aber eine Vielzahl von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Wettingen hat etwa gleich viele Weg- wie Zupendler. Viele Erwerbstätige arbeiten in Baden, im Limmattal oder in Zürich.

Verkehr

Der Bahnhof von Wettingen wird durch zwei Linien der Zürcher S-Bahn bedient. Die S6 fährt durch das Furttal, die S12 durch das Limmattal. Weitere direkte Verbindungen führen ins untere Aaretal bis nach Waldshut und nach Brugg/Aarau/Olten. Die Eisenbahnlinie nach Lenzburg wurde am 12. Dezember 2004 geschlossen. Der nächste Bahnhof mit Schnellzugshalt befindet sich in Baden. Die Busgesellschaft "Regionale Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen" (RVBW) betreibt ein dichtes Netz von Buslinien in Wettingen, Baden und zehn weiteren Gemeinden in der Umgebung. Südlich der Gemeinde verläuft die Autobahn A1. Zwei Autobahnanschlüsse befinden sich in den angrenzenden Gemeinden Neuenhof und Würenlos.

Bildung

In vier Schulhäusern werden alle Stufen der obligatorischen Volksschule unterrichtet. Wettingen besitzt seit 1976 eine eigene Kantonsschule (Gymnasium) in den Gebäuden des ehemaligen Klosters und kooperiert eng mit derjenigen im benachbarten Baden. Weitere Schulen von Bedeutung sind die Heilpädagogische Sonderschule und die Volkshochschule.

Persönlichkeiten


- Alberich Zwyssig, Komponist des Schweizerpsalms (schweizerische Nationalhymne)
- Eduard Spörri, (1901 - 1995), Bildhauer.

Weblinks


- [http://www.wettingen.ch Offizielle Website der Gemeinde Wettingen]
- [http://www.bruehlmeier.info/familienforschung.htm "Arthur Brühlmeier: 'Brühlmeier von Wettingen - Forschungsbericht über die Entstehung und Entwicklung des Geschlechts von 1526 - 2001'. Der Bericht enthält zahlreiche Angaben über die Geschichte von Wettingen."]
- [http://de.wikipedia.org/wiki/Br%C3%BChlmeier Siehe dazu auch den Wikipedia-Artikel "Brühlmeier"] Kategorie:Ort in der Schweiz Kategorie:Ort im Kanton Aargau Kategorie:Schweizer Gemeinde

Römisches Reich

Das Römische Reich (lateinisch: Imperium Romanum) war das von der Stadt Rom beherrschte Gebiet in der Zeit zwischen etwa dem 6. Jahrhundert v. Chr. und dem 5. bzw. 6. Jahrhundert n. Chr. Eine eindeutige Abgrenzung ist jedoch weder zur vorrömischen Epoche noch zum Byzantinischen Reich möglich. Zum Zeitpunkt seiner größten Ausdehnung, zu Zeiten Kaiser Trajans, erstreckte sich das Römische Reich über die Gebiete rund um das Mittelmeer, über Gallien und große Teile Britanniens und über die Gebiete rund um das Schwarze Meer (siehe auch Bosporanisches Reich). Das Römische Reich übte einen großen Einfluss auf die von ihm beherrschten Gebiete, aber auch auf die Gebiete jenseits seiner Grenzen aus. In der östlichen Reichshälfte mischte sich dieser Einfluss mit griechisch-hellenistischen und orientalischen Elementen, während der Westen latinisiert wurde. Latein, die Sprache Roms, wurde zur Amtssprache des Reiches, in Teilen des Reichs blieben aber auch andere Sprachen erhalten. Aus dem Lateinischen entstanden die modernen romanischen Sprachen Europas (Italienisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch und Rumänisch, sowie Ladinisch und Rätoromanisch). Sehr viele Lehnwörter finden sich zudem in den germanischen und in den slawischen Sprachen. Vor allem das Rechts- und Staatswesen in Europa ist maßgeblich vom römischen Erbe geprägt.

Geschichtlicher Überblick

Die Geschichte des Römischen Reiches lässt sich grob in folgende sechs Phasen gliedern, die im Verlauf dieses Artikels genauer beschrieben werden; zu Details siehe die entsprechenden Verweise im Artikel (Beispiel: Prinzipat): # Königszeit (753 v. Chr.510 v. Chr.) # Die Zeit der Republik (509 v. Chr.133 v. Chr.) # Zeit der Bürgerkriege (ab 133 v. Chr.) # Prinzipat (Römische Kaiserzeit I, ab 27 v. Chr.) # Spätantike, in der älteren Forschung auch Dominat (Römische Kaiserzeit II, ab 284 n. Chr.) # Untergang des Reiches im Westen und Übergang zum Byzantinischen Reich im Osten (ab 395 n. Chr., noch zur Spätantike zu rechnen)

Römische Königszeit und frühe Republik

395 n. Chr.]] Der Stadtstaat Rom, der zuerst unter etruskischer Königsherrschaft stand (Königszeit), gewann in Italien zunehmend an Einfluss, nachdem er sich ca. 500 v. Chr. von der Herrschaft der Etrusker gelöst hatte. Zu dieser Zeit erfolgte ebenfalls die Umwandlung des ehemaligen Königreiches in die Römische Republik (Republik = res publika, die öffentliche Sache), während derer alljährlich zwei Konsuln die oberste Regierungsgewalt ausübten. Der letzte aller römischen resp. etruskischen Könige, Tarquinius Superbus (Tarquinius der Hochmütige), wurde vom römischen Volk unter der Führung von Lucius Iunius Brutus aus Rom vertrieben, weil er eine Römerin namens Lucretia geschändet hatte. Das Jahr 509 v. Chr. ist jedoch spätere Fiktion, die als Parallele zum Sturz der Peisistratiden in Athen um 510 v. Chr. gesehen werden kann. Wahrscheinlicher ist die Zeit um 475 v. Chr. Als ersten, einigermaßen festen Punkt in der römischen Geschichte kann man die Niederlegung des Zwölftafelgesetzes 451 v. Chr. sehen.
Über die römische Königszeit existieren verschiedene berühmte Legenden, die die römische Geschichte mit der Geschichte Trojas zu verknüpfen versuchen. Diese entstanden jedoch erst Jahrhunderte später. Rom begann mit einer gezielten Expansion in Mittelitalien (Eroberung von Veji 396 v. Chr.), musste dabei aber auch schwere Rückschläge verkraften (v.a. der Galliersturm von 387 v. Chr., der psychologisch seine Spuren hinterlassen sollte, sowie mehrere Niederlagen gegen italische Volksstämme). Es folgen die Samnitenkriege (1. 343-341 v. Chr.; 2. 327-304 v. Chr.; 3. 298-290 v. Chr.) und der Latinerkrieg (ca. 340-338 v. Chr.). Rom etabliert schließlich ein weitverzweigtes Bündnissystem. So wurden Kolonien an strategisch wichtigen Plätzen angelegt und Bündnisse mit mehreren italischen Stämmen geschlossen, die jedoch nicht das römische Bürgerrecht erhielten.

Der Aufstieg Roms - Expansion in Italien und im Mittelmeerraum

Im 3. Jahrhundert v. Chr. setzte sich Rom gegen die Samniten und andere italische Stämme durch. Nach und nach fiel die gesamte Halbinsel an Rom (außer Oberitalien, welches erst später annektiert wurde). Im Süden verleibte sich die Republik um 275 v. Chr. die dortigen griechischen Stadtstaaten ein, nachdem es gelungen war, den hellenistischen Condottiere Pyrrhos von Epiros abzuwehren. Mit dieser Expansion kam Rom allerdings in Konflikt mit der bisher Rom freundlich gesonnenen Handelsrepublik Karthago (im heutigen Tunesien), was zu den Punischen Kriegen führte. Im Ersten Punischen Krieg (264-241 v. Chr.) dehnte sich Rom nach vorherigen Spannungen auf Sizilien bis in karthagische Gebiete aus. Nachdem Karthago, solcherart provoziert, die Römer von See aus angegriffen und geschlagen hatte, baute Rom eine Flotte auf, um der Seemacht Karthago entgegentreten zu können. Nach mehreren Rückschlägen und wechselhaftem Kriegsglück gelang es Rom schließlich, besonders auf Sizilien Fuß zu fassen und die karthagische Flotte mehrmals zu schlagen. Karthago verlor fast alle seine sizilianischen Besitzungen und sann fortan auf Rache. Im Zweiten Punischen Krieg (218-201 v. Chr.) gelang es dem genialen Strategen Hannibal beinahe, Rom in die Knie zu zwingen. Besonders die Niederlage bei Cannae (216 v. Chr.) schmerzte, die schwerste Niederlage in der römischen Geschichte, doch gelang es Hannibal nicht, das Bündnissystem Roms in Italien zu zerstören. Der römische Feldherr Scipio setzte 204 v. Chr. nach Afrika über und besiegte Hannibal 202 v. Chr. bei Zama. Karthago verlor alle außerafrikanischen Besitzungen und seine Flotte. Es war als Machtfaktor endgültig ausgeschaltet, während Rom mit seiner neuen Provinz Hispanien zunehmend an Einfluss gewann. Der Sieg über Karthago im 1. und 2. Punischen Krieg sicherte Roms Vormachtstellung im westlichen Mittelmeer. In diese Zeit, genauer gesagt in die Zeit ab 200 v. Chr., fiel auch die Einmischung Roms in das Machtspiel der hellenistischen Großreiche. Dort waren die Großmächte nicht in der Lage gewesen, ein friedliches Zusammenleben zu erreichen. Es folgten Konflikte mit den Antigoniden, wobei Rom 200-197 v. Chr. in Griechenland intervenierte, um den makedonischen Einfluss zurück zu drängen. Auch gegen das hellenistische Seleukidenreich führte Rom Krieg. Auf ein Hilfegesuch hin kam es 192-188 v. Chr. zum Krieg gegen Antiochos III., in welchem Rom siegreich blieb. Antiochos musste auf einen Großteil seiner Besitzungen in Kleinasien verzichten. Rom wurde damit zur De-facto-Vormacht im östlichen Mittelmeerraum. Versuche Makedoniens, die alte Hegemonie wieder aufzurichten, führten zum Krieg. 168 v. Chr. wurden die Makedonen endgültig besiegt und ihr Königreich zerschlagen, 148 v. Chr. schließlich in eine römische Provinz umgewandelt. So erging es 146 v. Chr. auch Griechenland (ab 27 v. Chr. Provinz Achaea, vorher zu Makedonien) und der neuen römischen Provinz Africa nach der Zerstörung Karthagos, welches vor dem Dritten Punischen Krieg (150-146 v. Chr.) wieder an Macht gewonnen hatte. Pergamon wurde durch Erbvertrag 133 v. Chr. zur römischen Provinz. Gleichen Status erhielt 64/63 v. Chr. das Restreich der Seleukiden, das nicht mehr lebensfähig war und von Pompeius, der eine Neuordnung des Ostens vornahm, zur Provinz Syria gemacht wurde. Nur das schwächelnde Ägypten der Ptolemäer, welches zu einem römischen Protektorat wurde, behielt seine Unabhängigkeit, ehe es im Jahre 30 v. Chr. ebenfalls im Römischen Reich aufging. So glänzend auch die außenpolitischen Erfolge Roms gewesen waren – im Inneren erodierte allmählich die republikanische Ordnung.

Die Revolutionszeit und die Bürgerkriege

Die Republik geriet seit der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. in eine innenpolitische Krise, die schließlich in die Epoche der Bürgerkriege mündete und mit dem Untergang der bisherigen Staatsform enden sollte. Hintergrund war zunächst der Ruf nach Reformen, vor allem im Agrarbereich. So sollte die nach den Brüdern Tiberius Gracchus und Gaius Gracchus benannte Gracchische Reform die Grundbesitzverhältnisse reformieren und den ärmeren Schichten der Bevölkerung zu Land und Einkommen verhelfen. Die Reform scheiterte allerdings am Widerstand der konservativen Senatskreise, der zugrundeliegende Konflikt blieb weiter bestehen: die Popularen und Optimaten bekämpften sich gegenseitig, um ihre jeweilige Politik durchzusetzen. Auch machten sich innere Spannungen im Bündnissystem Roms bemerkbar, sodass es 91-89 v. Chr. zum so genannten Bundesgenossenkrieg kam. Am Ende wurde das römische Bürgerrecht auch den Bundesgenossen verliehen. Im Anschluss daran kam es 88 v. Chr. zur berüchtigten "Vesper von Ephesus": Nach der Ermordung Zehntausender römischer Siedler in Kleinasien zog Rom in den Krieg gegen Mithridates von Pontos und besiegte ihn nach mehrjährigen Kämpfen. Pontos Diesen Ereignissen folgte der Beginn des römischen Bürgerkriegs, in dem sich wieder Popularen und Optimaten gegenüber standen (Marius, Cinna, Sulla). Sulla blieb siegreich und errichtete die Diktatur, doch hatte diese Lösung keinen wirklichen Bestand, zumal Sulla bald zurücktrat und die alten Kräfte sich wieder bekämpften. Die Krise der Republik wurde durch das (erste) Triumvirat verdeutlicht: der ehrgeizige Gaius Iulius Caesar, der erfolgreiche Militär Gnaeus Pompeius Magnus und der reiche Crassus gingen ein informelles Bündnis ein, um sich in ihren jeweiligen Interessen zu unterstützen. Nach dem Tod des Crassus in einem Feldzug gegen die Parther rangen die einstigen Freunde Caesar und Pompeius um die Macht im Staat (49-46 v. Chr.), wobei sich Pompeius auf die Seite des Senats stellte. Caesar obsiegte. Nur durch seine Ermordung wurde verhindert, dass sich die Republik in eine Diktatur verwandeln konnte. Nach der Ermordung Caesars im Jahre 44 v. Chr. gelang es den Anhängern der Republik nicht, die alte republikanische Verfassung wiederherzustellen. In dem Bürgerkrieg, der nun wieder ausbrach, setzte sich schließlich Octavian, der spätere „Augustus“, gegen Marcus Antonius in der Schlacht bei Actium als Sieger durch (31 v. Chr.).

Die frühe und hohe Kaiserzeit (Prinzipat)

Prinzipat Octavian zielte wie Caesar auf eine Alleinherrschaft. Doch anders als Caesar versuchte Octavian dieses Ziel nicht durch das Mittel einer außerordentlichen Diktatur zu erreichen. Octavian ließ vielmehr die alte republikanische Verfassung formal in Kraft und sicherte seine Position durch die Übernahme verschiedener Ämter, vor allem durch die Übernahme eines mehrjährigen Kommandos über wichtige Legionen. Den alten senatorischen Adel konnte Octavian zu einer Anerkennung seiner Herrschaft bewegen. Der Senat sah in Octavian keinen König, sondern den "Ersten Bürger des Staates" (Princeps). Die von Octavian begründete Verfassung, die sich in wesentlichen Punkten von der alten republikanischen Verfassung unterscheidet, nennt man deshalb auch Prinzipat. Octavian selbst erhielt im Jahre 27 v. Chr. vom Senat den Titel „Augustus“ (der Erhabene). Das Imperium Romanum beherrschte zu diesem Zeitpunkt bereits den gesamten Mittelmeerraum. Auch der Westen und Süden Germaniens gehörte zum römischen Reich; die Expansion nach Nordosten, die unter Augustus eingeleitet worden war, wurde erst durch die Varusschlacht im Jahre 9 gestoppt. Augustus' Adoptivsohn und Nachfolger Tiberius beschränkte sich auf weitgehend defensive Maßnahmen zur Sicherung der Grenzen. Unter Claudius wurde einzig Britannien dem Reich hinzugefügt, später folgte noch Thrakien, das aber schon vorher ein von Rom abhängiger Klientelstaat gewesen war. Mit dem Tod des als unfähig und wahnsinnig geltenden Nero, der vor allem das Militär vernachlässigte, endete 68 das julisch-claudische Haus. Dessen Nachfolge traten nach den Wirren des Vierkaiserjahres die insgesamt erfolgreich regierenden Flavier an, wobei Vespasian im Jahre 70 einen Aufstand in Judäa durch seinen Sohn und späteren Nachfolger Titus niederschlagen ließ. Nach Titus´ nur kurzer Regierungszeit trat sein Bruder Domitian seine Nachfolge an. 96 brachte diesen eine Hofintrige zu Fall - es kam zu einer Krisenzeit, welche erst unter den so genannten Adoptivkaisern überwunden werden konnte. Die Zeit der Adoptivkaiser, die mit Nerva begann, wird allgemein als die Glanzzeit des Imperiums verstanden, sowohl kulturell als auch in Bezug auf die Machtstellung Roms. Seine größte Ausdehnung hatte das Römische Reich denn auch unter Kaiser Trajan im Jahre 117 erreicht, wobei Trajan, der als erster Kaiser aus den Provinzen stammte, als optimus princeps gefeiert wurde, als "bester Kaiser". Das Imperium erstreckte sich nun von Schottland bis Nubien in Nord-Süd-Richtung und von Portugal bis nach Mesopotamien in West-Ost-Ausrichtung. Unter dem gebildeten Hadrian, der die östlichen Eroberungen Trajans aufgab, kommt es nun zu einer inneren Konsolidierung des Reiches und zu einer zivilisatorischen, kulturellen und technischen Blüte, die die Ausbreitung des damals noch jungen, schon stark angewachsenen Christentums begünstigte. Christentum Um die Mitte des 2. Jahrhunderts schien das Imperium auf seinem Höhepunkt angelangt zu sein, doch traten unter Mark Aurel bereits die ersten Probleme auf (Kämpfe mit Germanen, besonders den Markomannen, und im Osten Kämpfe mit den Parthern). Das Reich kam in den folgenden Jahrzehnten nicht zur Ruhe. Von außen wurde es kriegerisch bedrängt, während im Inneren sich Zerfallserscheinungen bemerkbar machten. Nach dem Tod Marc Aurels, der gerade im Bereich der nördlichen Grenze nur vorläufige Erfolge verbuchen konnte, kam es zu einer Reihe von Krisenereignissen, zudem sein Sohn Commodus nicht in der Lage war, dem Reich Sicherheit zu geben. Zu Beginn des 3. Jahrhunderts konnten die Severer die Lage stabilisieren. Jetzt kam es vor allem an der Ostgrenze zu schweren Kämpfen mit dem Neupersischen Reich der Sassaniden, die sich Rom als gewachsen erwiesen und den römischen Heeren eine Reihe von Niederlagen bereiten sollten. Es folgte nach dem eher unrühmlichen Ende der Severer die Reichskrise des 3. Jahrhunderts, in welcher sich die Soldatenkaiser dem Ansturm der Germanen an Rhein und Donau (besonders der Alamannen und der Goten) und der Sassaniden im Osten ausgesetzt sahen. Es kam sogar zur Abspaltung einzelner Provinzen (besonders Galliens), die aber wieder rückgängig gemacht werden konnten. 272 wurde Palmyra unterworfen, das in der Krisenzeit des Imperiums Teile der östlichen Provinzen Roms erobert hatte.

Die späte Kaiserzeit und der Beginn der Spätantike

Mit Diokletian vollzog sich 284 der Übergang in die Spätantike, die von einer stärkeren Zentralisierung und Bürokratisierung sowie dem späteren Sieg des Christentums geprägt war und die keineswegs die reine Zerfallszeit war, wie noch die ältere Forschung weitgehend meinte. Diokletian reformierte die Verwaltung und schuf die so genannte Ordnung der Tetrarchie, wonach es zwei Senior-Kaiser (Augusti) und jeweils einen Junior-Kaiser (Caesar; pl.: Caesares) geben sollte. Denn für einen Kaiser alleine war das Imperium schon längst unregierbar geworden, besonders da der Druck auf die Grenzen ständig anwuchs. Die Idee der Teilung des Herrschaftsraumes war nicht völlig neu, doch wurde sie nun konsequenter umgesetzt. Allerdings wurde der Gedanke der Reichseinheit nicht aufgegeben. In dieser Zeit wurde die Hauptstadt von Rom nach Trier, an die nördlichen Grenzen verlegt. Die letzten Christenverfolgungen fanden unter Diokletian statt. Konstantin der Große, dessen Vater nach dem Rücktritt Diokletians und dessen Mitkaiser Maximian das Amt des "Senior-Augustus" im Westen übernahm, gab sich damit nicht zufrieden. Er beseitigte nach und nach seine Rivalen und etablierte 324 die Alleinherrschaft über das Imperium. Bedeutend wurde seine Regierungszeit vor allem aus zwei Gründen: 1) der Privilegierung des Christentums und 2) der Gründung von Konstantinopel. Der Blick des Reiches wandte sich mehr und mehr gegen Osten. Konstantins Dynastie überlebte ihn nicht lange. Es folgten zunächst Bruderkämpfe, bis Constantius II. die Alleinherrschaft erlangte. Nach seinem Tod kam es 361 unter seinem Nachfolger Julian Apostata zu einer "Renaissance" des Heidentums, die aber nicht von langer Dauer war. Mit Julian erlosch 363 die konstantinische Dynastie. Unter Valentinian I. wurde das Reich aus Verwaltungsgründen vorläufig und nach dem Tod Kaiser Theodosius I. endgültig geteilt. Theodosius war nach dem Tod des Valens von Valentinians Sohn Gratian als Kaiser im Osten eingesetzt worden. Es gelang ihm nach der Niederlage von Adrianopel, die eingedrungenen Goten durch Verträge wenigstens vorläufig zu binden. 394 wurde Theodosius schließlich Alleinherrscher, nachdem es im Westen zu einer Reihe von Usurpationen und Revolten gekommen war; er war der letzte Kaiser, der über das gesamte Imperium herrschen sollte. Nach seinem Tod 395 kam es unter seinen Söhnen Honorius (im Westen) und Arcadius (im Osten) zur Reichsteilung, die von da an endgültig sein sollte.

Untergang des Reiches im Westen und Behauptung im Osten

Arcadius Das Oströmische Reich überlebte die Wirren der Völkerwanderung, vor allem, da es der ökonomisch gesündere und dichter bevölkerte Reichsteil war. Im Laufe des 5. Jahrhunderts zerfiel allmählich das Römische Reich im Westen. Eine wichtige Ursache dabei bildete die Völkerwanderung. Das Reich verlor nach der Schlacht von Adrianopel 378 zunehmend die Kontrolle über seine westlichen Provinzen. Große Teile Galliens und Spaniens gingen bis zur Mitte des 5. Jahrhunderts an die eingedrungenen Germanen (Vandalen, Franken, Goten) verloren. Vor allem der Verlust Africas an die Vandalen 435 war ein schwerer Schlag für Westrom. Der Regierungssitz war bereits um die Jahrhundertwende von Mailand nach Ravenna verlegt worden. Und selbst Italien geriet immer mehr unter den Einfluss der Germanen. 410 plünderten die Westgoten die Stadt Rom, 455 folgten ihnen darin die Vandalen (daher der Ausdruck "Vandalismus"). Es gab mehrere Gründe für den Verfall und Untergang des Römischen Reiches. Welche Prozesse letztlich zur Transformation des weströmischen Reiches in eine Reihe von germanischen Staaten führten, die spätestens seit dem 7. Jahrhundert als souverän gelten konnten, ist seit langem Gegenstand der Forschungsdiskussion. So bestand das Heer zum größten Teil nicht mehr aus römischen Bürgern, sondern aus "barbarischen" Söldnern. Die Stärke der Armee reichte zudem nicht mehr aus, um die Grenzen zu sichern. Im Inneren war die Verwaltung marode geworden, auch ein wirtschaftlicher Niedergang ist festzustellen, wenn auch nicht so dramatisch, wie noch die ältere Forschung meinte. 476 setzte der Germane Odoaker Romulus Augustulus als weströmischen Kaiser ab (letzter anerkannter Westkaiser war allerdings Julius Nepos gewesen). Odoaker sah sich selbst noch als einen "Germanen in römischen Diensten" und seine Herrschaft in Italien als Teil des Imperium Romanum unter dem römischen Kaiser in Konstantinopel. Anders war die Lage im Osten. Dies war der "gesündere" Reichsteil, der zudem über die größeren strategischen Reserven verfügte und auch die geschicktere Diplomatie betrieb. Zudem war es Hunnen und Germanen nie gelungen, den Hellespont zu überqueren; daher blieben die reichen Provinzen Kleinasiens, Syriens und Ägyptens weitgehend unbehelligt. Die "barbarischen" Elemente in der Armee, die mit zum Untergang Westroms beigetragen hatten, wurden noch im 5. Jahrhundert zurückgedrängt und zu Beginn des 6. Jahrhunderts zum größten Teil ausgeschaltet. Obzwar es zu schweren Kämpfen mit Hunnen und Sassaniden kam, blieb das Ostreich intakt. Unter Justinian I., dem letzten Kaiser, dessen Muttersprache Latein war, konnten die Oströmer große Teile des Westens (Nordafrika, Italien, Südspanien) zurückerobern, während sie im Orient unter großen Anstrengungen die Grenzen gegen die Perser halten konnten. Damit war der (ost)römische Kaiser noch einmal der mit Abstand mächtigste Herrscher im Mittelmeerraum, und Ostrom beherrschte den größten Teil des alten Reichsgebietes (mit Ausnahme Britanniens, Galliens und Nordspaniens). Die Wende kam Anfang des 7. Jahrhunderts, als zunächst weite Teile des Reiches zeitweilig von den Sassaniden erobert wurden. Nachdem Kaiser Herakleios den langen Krieg schließlich siegreich beendet hatte, konnte das erschöpfte Reich dem Angriff der islamischen Araber (arabische Expansion) kaum widerstehen und verlor ganz Syrien und Afrika. Herakleios brach außerdem mit der römischen Tradition, indem er statt des Titels Imperator den alten griechischen Königstitel Basileus annahm und Griechisch auch zur offiziellen Amtssprache machte. Das Oströmische Reich mit seiner Hauptstadt Konstantinopel blieb dann zwar staatsrechtlich noch bis in das 15. Jahrhundert erhalten - und die Griechen bezeichnen sich noch heute volkstümlich auch als romoi, also Römer, aber die inneren Strukturen veränderten sich nach etwa 640 so grundlegend, dass es gerechtfertigt erscheint, von nun an von Byzanz zu sprechen. Siehe auch:
- Römische Republik
- Prinzipat
- Römische Kaiserzeit
- Spätantike
- Der Untergang des Römischen Reiches
- Byzantinisches Reich
- Weströmisches Reich
- Liste der römischen Kaiser

Nachfolger

Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, das Nord- und Mittelitalien, die Niederlande, Belgien, Tschechien, Österreich, die Schweiz, Teile Frankreichs (Elsass, Lothringen, Provence), Luxemburg und Deutschland umfasste, sah sich später als Nachfolger des (west)römischen Reiches, während der russische Zar über das byzantinische Erbe ebenfalls die Nachfolge der römischen Kaiserkrone beanspruchte - die Begriffe Kaiser und Zar leiten sich beide aus dem römischen Caesar ab.

Siehe auch


- Portal und Themenliste Rom
- Ab urbe condita
- Auxiliartruppen
- Esskultur im Römischen Reich,
- Feuerwehren im Römischen Reich
- Germanisierung
- Kataphrakt
- Liste der römischen Kaiser
- Liste der römischen Könige
- Liste der römischen Konsuln
- Romanen
- Römische Bautechnik
- Römische Bestattungsrituale
- Römische Ehe
- Römische Erziehung
- Römische Kaiserzeit
- Spätantike
- Sprachen im Römischen Reich
- Römische Legion
- Römische Marine
- Römische Mythologie
- Römische Namen
- Römische Provinz
- Römische Republik
- Römischer Senat
- Römisches Recht
- Römische Vornamen
- Römische Ziffern
- S.P.Q.R.
- Tierhetzen im Römischen Reich

Literatur

Allgemein (neben Oldenbourg Grundriss der Geschichte Bd. 2-4 und vor allem der Cambridge Ancient History, 2. veränderte Aufl. ab Bd. 7, Teilband 2, The Rise of Rome to 220 B.C.):
- Alfred Heuß: Römische Geschichte. Schöningh, 2003, ISBN 3506739271 Bester (wenn auch manchmal recht knapper) Überblick zur römischen Geschichte in deutscher Sprache.
- Theodor Mommsen: Römische Geschichte. Deutscher Taschenbuchverlag, 2001, ISBN 3423590556 Geschichte Roms bis zur Ermordung Cäsars, für die Theodor Mommsen 1902 den Nobelpreis für Literatur erhielt. Wissenschaftlich allerdings vollkommen veraltet.
- Ada Gabucci: Rom und sein Imperium Sehr reich bebilderte Geschichte über die Gründung, Ausbreitung und Herrschaft. Konrad Theiss Verlag, 2005, ISBN 380621932X Spezialisiertere Literatur:
- Hermann Bengtson: Grundriss der Römischen Geschichte mit Quellenkunde. Republik und Kaiserzeit bis 284 n. Chr.. Handbuch der Altertumswissenschaft III. 5, München 1982, ISBN 3-406-08617-9
- Klaus Bringmann: Geschichte der Römischen Republik. München 2002, ISBN 3406492924 Solide und zuverlässige Darstellung der Republik.
- Karl Christ: Geschichte der Römischen Kaiserzeit, 4. Auflage. München 2002, ISBN 3406363164 Hervorragende moderne Darstellung der Kaiserzeit bis Konstantin. Standardwerk.
- David S. Potter: The Roman Empire at bay. AD 180-395. Routledge History of the Ancient World, London u.a. 2004. ISBN 0-415-10058-5 Sehr gute Gesamtdarstellung der Zeit von 180 bis 395.
- Glen Bowersock u.a.: Late Antiquity. A guide to the postclassical World. Cambridge 1999, ISBN 0674511735. Ausgezeichneter, gut lesbarer Überblick über den aktuellen Forschungsstand zur Spätantike mit einem nützlichen Lexikonteil.
- Alexander Demandt: Die Spätantike. Handbuch der Altertumswissenschaft III. 6, München 1989, Gutes Überblickswerk. (nur noch antiquarisch, 2. Auflage in Vorbereitung; aber als inhaltlich gekürzte Ausgabe ohne wissenschaftlichen Apparat erhältlich: Geschichte der Spätantike. München 1998, ISBN 3-406-44107-6)
- Arnold H.M. Jones: The Later Roman Empire 284-602. (Erstdruck in 3 Bde., Oxford 1964) Nachdruck in 2 Bde., Baltimore 1986 Die beste aus den Quellen gearbeitete moderne Darstellung der Spätantike Alternative Darstellungen:
- Arthur Rosenberg: Demokratie und Klassenkampf im Altertum. Fritz Erik Hoevels: Roter Leitfaden durch die römische Geschichte. Ahriman-Verlag 1997. ISBN 3-89484-810-3. Die beiden Altphilologen und Marxisten Rosenberg und Hoevels bieten eine kompakte Übersicht über die Geschichte des römischen Reiches und untersuchen die Triebfedern und Gesetzmäßigkeiten ihres Ablaufes - umstritten, wie alles aus marxistischer Feder.

Weblinks


- [http://la.wikipedia.org Die lateinische Wikipedia]
- [http://www.kirke.hu-berlin.de/vl/vlagdt.html#roem Virtual Library Geschichte - Einzelprojekte: Die Römer in Deutschland] (Ressourcen im Internet)
- [http://www.roman-emperors.org/impindex.htm De Imperatoribus Romanis - Sammlung von Kurzbiografien der römischen Kaiser, verfasst von mehreren Fachgelehrten (englisch)]
- [http://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/home.html LacusCurtius (Umfangreiche Informationen über das antike Rom)]
- [http://gutenberg.spiegel.de/mommsen/roemisch/roemisch.htm Theodor Mommsens Römische Geschichte im Projekt Gutenberg]
- [http://www.imperiumromanum.com Projekt Imperium Romanum: Darstellung der römischen Welt auf über 1000 Seiten]
- [http://www.die-roemer-online.de/ Die Römer online]
- [http://www.gottwein.de/roge/rom_hist.php Römische Geschichte in annalistischer Darstellung]
- [http://www.imperium-romanum.ch.vu Imperium Romanum: ausführliche Seite zur römischen Geschichte]
- [http://www.antikefan.de/kulturen/Roemisch.html Geschichte des Römische