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Baden Bei Wien

Baden bei Wien

Baden bei Wien ist die Bezirkshauptstadt des Verwaltungsbezirkes Baden und liegt in Niederösterreich, Österreich, 26 km südlich von Wien an der Thermenlinie. Baden wird auch als Biedermeierstadt bezeichnet.

Geografie

Stadtgliederung

Baden gliedert sich in sieben Katastralgemeinden, die aber keine eigenen Orte darstellen:
- Baden
- Braiten
- Gamingerhof
- Leesdorf
- Mitterberg
- Rauhenstein
- Weikersdorf

Geschichte

Weikersdorf Die warmen Schwefelquellen waren schon zur Römerzeit bekannt ("Itinerarium Antonii"). 869 wurde der Ort als "Padun" neuerlich erwähnt. Der Ort erhielt im Jahr 1480 das Stadtrecht. Die Türkeneinfälle mit der Zerstörung Badens sowohl 1529 als auch 1683, die Wirren der Reformation und Gegenreformation, die Pest 1713 sowie ein großerer Brand 1714 waren einschneidende Ereignisse im Leben der Stadt. Kaiser Franz I. verbrachte von 1796 bis 1834 jeden Sommer in Baden und erhob die Stadt zu seiner Sommerresidenz. Nach dem großen Stadtbrand 1812 wurde die Stadt im Biedermeierstil nach Plänen von Josef Kornhäusel neu erbaut. Die Eingemeindungen von Leesdorf und Gutenbrunn 1850 sowie Weikersdorf 1912 führten zur Vergrößerung auf das heutige Gemeindegebiet. Im Ersten Weltkrieg wurde das Armeeoberkommando nach Baden verlegt. 1934 kam es Eröffnung des Spielcasinos in Baden. Der Ort wurde zum bedeutendsten Kurort Österreichs. Ein Bombenangriff am 2. April 1945 zerstörte viele Gebäude. Von 1945 bis 1955 war Baden Hauptquartier der russischen Besatzungsmacht in Österreich. Nach 1965 wurde die gesamte touristische Infrastruktur des Orts erneuert, so dass Baden heute wieder einer der bedeutendsten Kurorte Österreichs ist

Religionen

1965 Die Mehrheit der Einwohner Badens (62,7 %) ist römisch-katholisch. Evangelisch sind 8,3 %, orthodox 3,6 %. Zum Islam bekennen sich 4,0 %. 16,8 % sind ohne religiöses Bekenntnis. Die kleine (0,1 %) jüdische Gemeinde bemüht sich durch ihren Synagogenverein um die Renovierung der Badener Synagoge und unterhält das einzige jüdische Bethaus in Niederösterreich.

Einwohnerentwicklung

Die Bevölkerung Badens hat seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fast ununterbrochen zugenommen und sich vor allem zwischen 1869 und 1923 auf über 22.000 verdoppelt. Eine markante Abnahme der Bevölkerung um -11,6 % gab es lediglich während der Kriegsjahre von 1939 bis 1951. Auch seit der vorletzten Volkszählung im Jahr 1991 hat die Bevölkerung um 4,3 % zugenommen, was auf die positive Wanderungsbilanz (+8,8%) zurückzuführen war, während die Geburtenbilanz negativ war (-4,4%).

Kultur und Sehenswürdigkeiten

1991 Baden ist aufgrund der heißen Schwefelquellen eine bedeutende Kurstadt. Diese Schwefelquellen sind schon seit Jahrtausenden bekannt und so war es auch schon zu Zeiten der Römer eine bedeutende Kurstadt. Die älteste Schwefelquelle befindet sich in einem Stollen unter dem Casino. Heute kommt das Wasser aus vierzehn Quellen, die zu den schwefelhältigsten Österreichs zählen. Neben den Quellen ist Baden auch auf Grund seiner guten Luftverhältnisse ein Luftkurort.

Theater

Das Badener Theaterleben ist von Operettenaufführungen geprägt. Im Winter finden die Aufführungen im Stadttheater statt (erbaut 1908-1909 von Ferdinand Fellner d. J., Büro Fellner & Helmer), während des Sommers in der Badener Sommerarena (erbaut 1906 von Rudolf Krausz).

Museen

Rollett-Museum

Bauwerke

Rollett-Museum
- Pfarrkirche St. Stephan
- Burg Rauheneck
- Burgruine Rauhenstein
- Burg Scharfeneck
- Schloss Weikersdorf
- 2005 wurde die Synagoge nach der Renovierung wieder geweiht. Das ursprünglich 1873 errichtete Gebäude ist gemeinsam mit dem Wiener Stadttempel heute einer von zwei jüdischen Sakralbauten in Österreich aus der Zeit vor 1945, die in ihrer ursprünglichen Verwendung stehen.

Parks

1945
- Kurpark
- Rosarium

Naturdenkmäler


- Helenental

Sport


- Trabrennplatz
- Römertherme
- Strandbad

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Die Südbahn führt durch Baden hindurch und die Stadt ist auch eine Endstation der Badner Bahn, die Baden mit Wien verbindet. Aufgrund der Nähe zur Südautobahn ist es verkehrstechnisch günstig gelegen.

Ansässige Unternehmen

Die Wirtschaft ist zum einen vom Kur- und Konferenzbetrieb, zum anderen vom Casino (einem Standort der Casinos Austria und gleichzeitig grösstes Casino Österreichs) geprägt. Hinzu kommt noch der in der Umgebung betriebene Weinbau.

Öffentliche Einrichtungen

Als Verwaltungszentrum des Bezirks Baden ist die Stadt Sitz regionaler Behörden und anderer öffentlicher Einrichtungen wie Schulen und Gesundheitseinrichtungen.

Ämter und Behörden

Bezirks Baden
- Magistrat
- Bezirkshauptmannschaft
- Bezirksgericht
- Finanzamt
- Vermessungsamt
- Bezirksgendarmeriekommando und Gendarmerieposten
- Stadtpolizei

Schulen

Bezirks Baden
- Volksschulen einschließlich Übungsvolksschule der Pädagogischen Akademie
- Hauptschule, Wirtschafthauptschule, Übungshauptschule der Pädagogischen Akademie
- Polytechnische Schule
- Berufsschulen für Bäcker, Zahntechniker und Gastgewerbe
- Allgemeine Sonderschule
- Bundesrealgymnasium, Bundesgymnasium und -realgymnasium
- Pädagogische Akademie
- Bundeshandelsakademie und -handelsschule
- [http://www.hlabaden.ac.at/ Höhere Lehranstalt für wirtsch. Berufe]
- [http://www.bgbaden-frauen.ac.at/ BG und BRG Frauengasse]

Gesundheit

Bezirks Baden
- Thermenklinikum Baden
- Kurhaus
- Kuranstalt Mariazellerhof
- Bezirksstelle der Niederösterreichischen Gebietskrankenkasse

Militär


- Martinek-Kaserne (Artillerieschule)

Fotos von Baden

image:Stadttheaterbaden.jpg|Stadttheater Baden image:Casinobaden.jpg|Casino Baden image:Eingangkurpark.jpg|Kurpark Eingang

Weblinks


- [http://www.statistik.at/blickgem/gemDetail.do?gemnr=30604&gemnam=Baden Statistiken zu Baden] Kategorie:Thermalbad Kategorie:Ort in Niederösterreich Kategorie:Kurort in Österreich ja:バーデン・バイ・ヴィーン

Bezirk Baden (Österreich)

Der politische Bezirk Baden ist der von der Einwohnerzahl her größte Bezirk Niederösterreichs. Bekannt ist der Bezirk Baden unter anderem wegen seiner Thermalquellen und des guten Weins.

Lage

Der Bezirk wird durch die Thermenlinie in einen flachen östlichen Teil im Wiener Becken und einen westlichen bergigen Teil im Wienerwald geteilt. Die Hauptflüsse sind die Schwechat und die Triesting

Verkehr

Die wichtigsten Verkehrsverbindungen sind die A2 Südautobahn und die Österreichische Südbahn nach Norden nach Wien und nach Süden Richtung Wiener Neustadt. Im Westen tangiert die A21 Außenringautobahn, im Osten die A3 Südostautobahn. Einige Bahnlinien queren auch den Bezirk. Außerdem gibt es eine Lokalbahn von Wien nach Baden.

Gemeinden im Bezirk Baden

Alphabetische Liste der Gemeinden mit ihren Orten und Städte im Bezirk Baden:
- Alland
  - Glashütten, Holzschlag, Rohrbach, Schwechatbach, Untermeierhof, Windhaag, Groisbach, Maria Raisenmarkt, Mayerling,
- Altenmarkt an der Triesting
  - Altenmarkt, Kleinmariazell, Nöstach, Sulzbach, Thenneberg
- Baden
- Bad Vöslau
  - Bad Vöslau, Gainfarn, Großau
- Berndorf
  - Berndorf-Stadt, St.Veit, Ödlitz, Veitsau/Steinhof
- Blumau-Neurißhof
  - Blumau
- Ebreichsdorf
  - Ebreichsdorf, Schranawand, Unterwaltersdorf, Weigelsdorf
- Enzesfeld-Lindabrunn
- Furth an der Triesting
  - Aggsbach, Dürntal, Ebeltal, Eberbach, Furth, Guglhof, Hof, Maierhof, Niemtal, Rehgras, Steinwandgraben
- Günselsdorf
- Heiligenkreuz
  - Füllenberg, Heiligenkreuz, Preinsfeld, Sattelbach, Siegenfeld
- Hernstein
  - Aigen, Alkersdorf, Grillenberg, Hernstein, Kleinfeld, Neusiedl, Pöllau
- Hirtenberg
- Klausen-Leopoldsdorf
- Kottingbrunn
- Leobersdorf
- Mitterndorf an der Fischa
- Oberwaltersdorf
- Pfaffstätten
  - Einöde, Pfaffstätten
- Pottendorf
  - Landegg, Pottendorf, Siegersdorf, Wampersdorf
- Pottenstein
  - Fahrafeld, Grabenweg, Pottenstein
- Reisenberg
- Schönau an der Triesting
  - Dornau, Schönau an der Triesting, Siebenhaus
- Seibersdorf
  - Deutsch-Brodersdorf, Seibersdorf
- Sooß
- Tattendorf
- Teesdorf
- Traiskirchen
  - Möllersdorf, Oeynhausen, Traiskirchen, Tribuswinkel, Wienersdorf
- Trumau
- Weißenbach an der Triesting
  - Gadenweith, Kienberg, Neuhaus, Schwarzensee, Weissenbach Kategorie:Niederösterreich Baden

Niederösterreich

Niederösterreich ist eines der neun Länder von Österreich (alter Name: Erzherzogtum Österreich unter der Enns). Der Fläche nach ist es das größte und nach der Einwohnerzahl das zweitgrößte Bundesland. Es grenzt im Norden an Tschechien, im Nordosten an die Slowakei, im Südosten an das Burgenland, im Süden an die Steiermark und im Westen an Oberösterreich. Es umschließt das Land Wien, welches bis 1922 zu Niederösterreich gehörte. Sankt Pölten ist durch eine Volksabstimmung seit 1986 Landeshauptstadt Niederösterreichs. Davor war die Landesregierung und der Beamtenapparat in Wien untergebracht.

Geografie

Niederösterreich ist landschaftlich in Viertel eingeteilt: das Weinviertel und das Waldviertel nördlich, das Mostviertel und das Industrieviertel südlich der Donau. Die Viertel weisen eine geografisch vollkommen verschiedene Struktur auf. Während es im Mostviertel die Ausläufer der Kalkalpen mit Bergen um die 2.000 m gibt, ist das Waldviertel hauptsächlich ein Granitplateau. Im Nordosten liegt das hügelige Weinviertel, das in das flache Marchfeld abfällt und südlich der Donau das Wiener Becken. Getrennt werden die Viertel in westöstlicher Richtung durch die Donau, in Nord-Südrichtung durch den Manhartsberg und den Wienerwald mit der Thermenlinie.

Berge


- Schneeberg (Klosterwappen; 2.076 m)
- Rax (Scheibwaldhöhe; 1943 m; höchste Erhebung: Heukuppe; 2.007 m – Steiermark)
- Ötscher (1.893 m)
- Dürrenstein (Österreich) (1.878 m)
- Schneealpe (Ameisbühel; 1828 m; höchste Erhebung: Windberg; 1903 m – Steiermark)
- Hochkar (1.808 m)
- Hochwechsel (1.743 m)
- Großer Peilstein (1.061 m)
- Hocheck (1.036 m)
- Eibl (1.007 meter)

Alpenübergänge


- Semmering (985 m)
- Wechsel (980 m)

Flüsse

Niederösterreich wird fast gänzlich über die Donau entwässert. Der einzige Fluss, der seinen Abfluss über die Moldau und die Elbe in die Nordsee hat, ist die Lainsitz im nördlichen Waldviertel. Die wichtigsten Flüsse nördlich der Donau sind der Kamp, Krems, Klamm, Lainsitz, March und Thaya. Südlich der Donau sind es die Enns, Ybbs, Erlauf, Melk, Traisen, Schwechat, Fischa und die Leitha.

Seen


- Lunzer See (0,69 km²)
- Erlaufsee (etwa zur Hälfte in Niederösterreich gelegen; 0,56 km²)

Flächenverteilung

Bevölkerung

Religion

Im Jahr 2001 waren 79,3 % der Bewohner römisch katholisch, 3,3 % protestantisch, 3,2 % islamisch und 10,8 % konfessionslos.

Politik

Die politische Landschaft im niederösterreichischen Bundesland wird seit 1945 – in den meisten Fällen auch durch eine absolute Mehrheit – von der ÖVP dominiert, die seitdem den Landeshauptmann stellt. Derzeit ist Erwin Pröll Landeshauptmann (siehe auch Liste der österreichischen Landeshauptleute). Auch auf Gemeindeebene hält die ÖVP eine starke Mehrheit, sodass die Bürgermeister vorwiegend der ÖVP angehören. Zweitstärkste politische Kraft ist die SPÖ. In der I. Republik war Niederösterreich in vier Wahlkreise aufgeteilt und hatte 60 Abgeordnetensitze im Wiener Parlament. 1932 wurden die Wahlkreise auf acht erhöht und die Abgeordnetensitze auf 56 Sitze verringert. Damit wollte man, angesichts der stärkerwerdenden NSDAP, die Großparteien zu ungunsten der kleineren Parteien stärken. In der heutigen II. Republik sind im niederösterreichischen Landtag vier Parteien vertreten:
- ÖVP mit 31 Sitzen
- SPÖ mit 19 Sitzen
- Grüne mit 4 Sitzen
- FPÖ mit 2 Sitzen :(Stand:2003) Die Landesregierung setzt sich zusammen aus dem Landeshauptmann, seinen zwei Stellvertretern und sechs Regierungsmitgliedern. Obwohl die ÖVP mit absoluter Mehrheit regiert, sind auch SPÖ Mitglieder in der Landesregierung vertreten.

Verwaltung

Niederösterreich ist in 21 politische Bezirke und 4 Statutarstädte gegliedert. Seit der letzten Gemeindereform im Jahr 1970 und einigen kleineren Änderungen gibt es 573 Gemeinden. Der Sitz der niederösterreichischen Landesregierung ist seit 1986 die Landeshauptstadt Sankt Pölten. Seinen Sitz in Wien hatte Niederösterreich bis 1996 im Landhaus in der Herrengasse im ersten Bezirk. In der Volksabstimmung, in der nur die niederösterreichische Bevölkerung mitstimmen durfte, stand Krems ebenfalls zur Wahl. Zeitgleich mit der Übersiedlung der Landesregierung nach St. Pölten wurde auch eine Verwaltungsreform eingeleitet, die auch eine Dezentralisierung der Behörden bedeutete und man die einzelnen Verwaltungsstellen näher in die einzelnen Landesvierteln bei einzelnen Bezirkshauptmannschaften ansiedelte.

Statutarstädte


- Krems
- Sankt Pölten
- Waidhofen an der Ybbs
- Wiener Neustadt

Bezirke


- Amstetten
- Baden
- Bruck an der Leitha
- Gänserndorf
- Gmünd
- Hollabrunn
- Horn
- Korneuburg
- Krems-Land
- Lilienfeld
- Melk
- Mistelbach
- Mödling
- Neunkirchen
- St. Pölten-Land
- Scheibbs
- Tulln
- Waidhofen an der Thaya
- Wiener Neustadt-Land
- Wien-Umgebung
- Zwettl Siehe auch: Gemeinden in Niederösterreich

Wirtschaft

Verkehr

Die wichtigsten Verkehrsadern führen in Richtung Bundeshauptstadt Wien, wie die Südautobahn und die Westautobahn, die Südbahn und die Westbahn. Verkehrsmittel, die ihren Endpunkt in Sankt Pölten haben, sind die Wieselbusse. Die Güterschifffahrt auf der Donau hat mit dem größten Donauhafen Krems eine große Verkehrsbedeutung. Die Passagierschifffahrt ist meistenteils auf die Wachau für den Tourismus beschränkt. Verhältnismäßig wenige Schiffe befahren die gesamte Strecke in Niederösterreich. Zumeist sind es Kreuzfahrtschiffe, die von Passau kommend bis ins Schwarze Meer fahren. Nach dem Fall des eisernen Vorhanges hat sich der Straßen- und Schienenverkehr vor allem im Osten und im Norden Niederösterreichs stark erhöht. Während früher der Zielverkehr meist in den Wiener Raum führte, hat sich nunmehr der Transitverkehr in den ost- und mitteleuropäischen Länder stark erhöht. Daher wird zur Zeit die Westautobahn komplett dreispurig ausgebaut und auch die Westbahn um eine Hochgeschwindigkeitsstrecke ergänzt. Dafür muß auf Grund der topografischen Gegebenheiten (speziell durch den Wienerwald) die Strecke teilweise neu trassiert werden.

Wirtschaft

Die wirtschaftlich stärksten Regionen in Niederösterreich befinden sich entlang der Thermenlinie. Der Bezirk mit dem stärksten Steueraufkommen ist der Bezirk Mödling direkt am Südrand von Wien. Je weiter die Gebiete von Wien entfernt liegen, um so schwächer wird ihre Wirtschaftskraft. Dies ist auch dadurch noch bedingt, dass nach dem Zweiten Weltkrieg Niederösterreich in der sowjetischen Besatzungszone lag, was ein wesentlicher Standortnachteil für die Wirtschaft bedeutete. Während in den anderen Teilen Österreichs die Wirtschaft bereits mit dem Wiederaufbau beginnen konnte, blieben in der sowjetischen Besatzungszone viele Großbetriebe zerstört oder waren in den Händen der USIA-Betriebe. Die großen Reparationsleistungen an die Sowjetunion wurden u. a. in Form von Erdöl, das im Marchfeld gefördert wurde, geleistet. Erst nach der Unabhängigkeit Österreichs durch den Staatsvertrag 1955 konnte in Niederösterreich mit dem Wiederaufbau begonnen werden. Aber auch der Eiserne Vorhang wirkte sich eher hemmend für die Wirtschaftskraft aus, vor allem an der Nord und an der Ostgrenze. So pendeln auch heute noch viele Menschen aus dem Waldviertel als Tages- oder Wochenendfahrer für ihren Beruf nach Wien. Die Politik ist zwar ständig bemüht neue Betriebe in Niederösterreich anzusiedeln – dies zumeist über die landeseigene Gesellschaft Eco Plus -, aber noch können nicht alle arbeitssuchenden Menschen in Niederösterreich mit Arbeitsplätzen versorgt werden. Die Energieversorgung mit Strom und Gas erfolgt bis auf die Randbezirke durch die EVN. Niederösterreichs größte Medien sind der ORF Niederösterreich und das periodische Druckwerk Niederösterreichische Nachrichten (NÖN), das Flaggschiff des niederösterreichischen Pressehauses.

Landwirtschaft

Niederösterreich ist aber auch vor allem ein Agrarland. Allein ca. 42 % der gesamten Landesfläche machen Ackerland aus. 40 % sind als Waldfläche ausgewiesen. Sowohl Nutzviehhaltung in den bergigen Regionen, als auch Ackerbau ist ein starker Wirtschaftszweig in diesem Bundesland. Allerdings ist die Zahl an Beschäftigten in diesem Wirtschaftszweig in den letzten 50 Jahren auf rund 10 % gesunken. Ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig ist der Weinbau, der vor allem – wie schon der Name sagt – im Weinviertel, aber auch in der Wachau und in der Thermenregion zu finden ist. Auch die Forstwirtschaft ist ein bedeutender Wirtschaftsteil.

Fremdenverkehr

War Niederösterreich früher im Fremdenverkehr das Schlusslicht unter den österreichischen Bundesländern, so hat sich die Situation heute durch die Touristen aus den ost- und mitteleuropäischen Ländern stark verändert. So hat beispielsweise das Waldviertel die stärksten Zuwachsraten an Nächtigungen. Die Tourismuswirtschaft bewirbt vor allem die großen Kulturzentren im Land, wie die vielen Klöster und Schlösser. Aber auch beispielsweise Urlaub am Bauernhof wird stark beworben und gerne angenommen, um der Landwirtschaft in den Bergen ein Zusatzeinkommen zu ermöglichen. Trotzdem der Fremdenverkehr noch nicht die große Bedeutung im Vergleich zu den westlichen und südlichen Bundesländern innerhalb der Gesamtwirtschaft.

Kultur

Neben zahlreichen Klöstern (Melk, Dürnstein, Göttweig, Klosterneuburg, Zwettl), Schlössern mit laufenden Ausstellungen (Schallaburg, Schloss Grafenegg, Schloss Thürnthal, Schloss Hof) und Museen (Landesmuseum Niederösterreich im Sankt Pöltner Kulturbezirk, die Kunstmeile Krems mit der Kunst-Halle und dem Karikaturmuseum) sind die römischen Ausgrabungen in Carnuntum, das Festspielhaus St. Pölten, die Stadtbühne Baden sowie die gut besuchten Sommerbühnen in Berndorf, Stockerau, Langenlois und bei der Burg Liechtenstein zu erwähnen. Große Veranstaltungen sind die zweijährlichen Landesausstellungen und das Donaufestival.

Geschichte

Die Gegend um die Donau war schon früh besiedelt. Eines der bedeutendsten Funde der Steinzeit war die sogenannte Venus von Willendorf, die bei Willendorf in der Wachau im Jahre 1908 entdeckt wurde. Die kleine Statue entstand wahrscheinlich 25.000 v. Chr. Viel Später lebten Kelten in der Gegend und errichteten ihre Reiche wie Pannonien. Diese Keltenvölker wiederum wurden von den Römern im Pannonischen Aufstand in den Jahren 6 bis 9 unterworfen. Die Garnisonstadt Carnuntum war die bedeutende Hauptstadt der Provinz und bis heute sind die Ruinen Touristenattraktion. Der römische Einfluss ging in den Wirren der Völkerwanderung unter und verschwand im 6. Jahrhundert, die Gegend wurde eventuell deutschsprachig. Mit dem Mittelalter beginnt die Entstehungsgeschichte des Landes Niederösterreich als Gebilde und politischer Akteuer. Niederösterreich ist das Kernland Österreichs. Es hat daher kaum eine eigene historische Tradition, die von der österreichischen Geschichte abweicht. Die frühere bairische Markgrafschaft Ostarrichi (spätere Schreibweise Österreich) ist die Gegend von Neuhofen an der Ybbs, also etwa dem heutigen Nibelungengau im westlichen Niederösterreich. Schon unter den Karolingern hatte in diesem Raum eine Mark gegen die Awaren bestanden, über die wir allerdings nur spärlich informiert sind. Irgendwann nach der Schlacht auf dem Lechfeld 955 wurde erneut eine Mark errichtet, die zum Herzogtum Baiern gehörte und vor allem von den Bajuwaren besiedelt wurde. Die regierende Dynastie waren von 976 bis 1246 die Babenberger. Um 1000 n. Chr. hatten sich March und Leitha als Grenzflüsse im Osten etabliert. Besonders Markgraf Leopold III. (später heilig gesprochen, heute Landespatron) erwarb sich durch seine Klostergründungen (vor allem das Stift Klosterneuburg) große Verdienste um die Urbarmachung des Landes. Die Gewinnung von Raum im Bereich des Wienerwaldes und östlich davon drückte sich auch in der Verlegung der Residenzen der Markgrafen aus, die von Pöchlarn über Melk nach Klosterneuburg zogen, ehe 1142 Heinrich II. Wien zur Hauptstadt der Markgrafschaft erhob. 1156 wurde Ostarrichi durch das Privilegium Minus zum Herzogtum erhoben. Mit der Ausdehnung der Babenberger Herrschaft 1192 auf die Steiermark begann auch für große Gebiete westlich der Enns die Geschichte Österreichs. Nach den Babenbergern 1246 folgte Ottokar Přemysls, der die österreichischen Länder mit Böhmen vereinigte. Gleichwohl setzte er die Kolonisierung des Landes fort – etwa durch Stadtneugründungen. Erst nach der Schlacht auf dem Marchfeld kam das Gebiet unter die Habsburger Herrschaft und wurde zu deren Kernland. Da die Habsburger in der Goldenen Bulle übergangen worden waren, versuchten sie auf andere Weise eine den Kurfürsten ähnliche Stellung zu erlangen. Herzog Rudolf IV. ließ das Privilegium Maius fälschen, in dem das Land zu einem Erzherzogtum erhöht wurde. Anerkannt wurde dies aber erst 1453 von Kaiser Friedrich III., der selbst Habsburger war. Ansätze zu einer administrativen Teilung des Herzogtums Österreich entlang der Enns finden sich bereits bei Ottokar Přemysl, doch erst unter den Habsburgern des Spätmittelalters etablierten sich eigene Stände für das Land ob der Enns in Linz. Es entstanden so die Landesteile Erzherzogtum Österreich unter der Enns und Erzherzogtum Österreich ob der Enns (das heutige Oberösterreich). Gleichwohl galten beide Territorien bis 1918 als zwei Teile desselben Erzherzogtums. Im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit war der niederösterreichische Raum ständig von Unruhen betroffen, angefangen mit den wirren Erbstreitigkeiten der Habsburger um 1400 über die Hussitenkriege und die ständigen Behauptungsversuche Friedrichs III.. Viele dieser Kämpfe verselbständigten sich und das „Fehdewesen“ wurde allgemein als Landplage empfunden, das die öffentliche Ordnung an den Rand der Auflösung brachte. Erst Ferdinand I. konnte die Ordnung halbwegs wieder herstellen, allerdings zu einem hohen Preis: den Städten wurde jegliche Selbstverwaltung genommen und Proteste wurde wie beim Wiener Neustädter Blutgericht brutal im Keim erstickt. Nach 1520 kamen zwei weitere entscheidende Faktoren ins Spiel: die Gefahr durch die Osmanen und der Protestantismus, der gerade in Niederösterreich breite Resonanz fand. Nach der Schlacht bei Mohács 1526 und dem darauffolgenden Zusammenbruch des ungarischen Königreiches wurde Niederösterreich zum Grenzgebiet des HRR und blieb es bis 1683, als die Osmanen nach der erfolglosen Belagerung Wiens zurückgedrängt wurden. Die Gegenreformation setzte in dem protestantisch gewordenen Land erst ab den 1570ern voll ein, dann aber mit aller Vehemenz. Träger waren vor allem die Jesuiten, die die Schulen und Universitäten übernahmen. Eine wichtige Figur der Rekatholisierung ist auch der Kardinal Melchior Khlesl, der Sekretär des späteren Kaisers Matthias. Zur Wahrung seiner politischen und religiösen Freiheiten schloss der protestantische Adel 1619 ein Bündnis (Konföderation) mit den Ständen des Königreichs Böhmen, das gegen den habsburgischen Landesherren Kaiser Ferdinand II. gerichtet war. Nur die katholische Minderheit blieb dem Kaiser treu. Die militärische Niederlage der Protestanten in der Schlacht am Weißen Berg machte auch in Niederösterreich den Weg für die gewaltsam erzwungene Gegenreformation frei. Die untertänige Bevölkerung musste in den zwanziger Jahren des 17. Jahrhunderts ausnahmslos wieder katholisch werden. Verschont blieben nur wenige protestantische Adelige, die sich nicht am Aufstand gegen den Kaiser beteiligt hatten. Die übrigen evangelischen Herren und Ritter mussten, wenn sie nicht konvertierten, das Land verlassen. Ihr Besitz wurde an katholische Parteigänger des Kaisers vergeben. Trotz der vielen Kriege erlebte Niederösterreich eine Zeit des Aufschwungs während des Barocks. Klöster gewannen durch die Gegenreformation wieder an Bedeutung, wichtige Orte waren das Stift Melk, Klosterneuburg, Stift Göttweig und andere. Auch der Adel blieb einflussreich und errichtete weitere Schlösser, wie Schloss Artstetten. Traditionel war die Landwirtschaft wichtig, vor allem der Weinbau. Im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wurde die Infrastruktur ausgebaut, das Land profitierte von der Nähe zur k.k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien. Nach dem Fall der Monarchie 1918 wurde Niederösterreich zum größten und bevölkerungsreichsten Bundesland der neuen Republik. Vielleicht um diese Dominanz in der föderalen Struktur zu brechen, wurde am 1. Jänner 1922 beschlossen Wien und Niederösterreich zu trennen. Somit hatte Niederösterreich keine offiziele Hauptstadt mehr, obwohl die Landesverwaltung weiterhin in Wien saß. Die traditionellen wirtschaftlichen und verkehrstechnischen Verbindungen nach Böhmen und Mähren wurden durch die Errichtung neuer Staatsgrenzen beeinträchtigt, was sich negativ auf die fragile Nachkriegswirtschaft auswirkte. Auch der Verbleib der deutschsprachigen Minderheit an den neuen Grenzen in der Tschechoslowakei wirkte sich negativ auf die politische Stabilität und Zufriedenheit der Bevölkerung aus. In der Zeit des Nationalsozialismus 19381945 mußte jeder Bezug zu Österreich verschwinden, das Land hieß Niederdonau. Wien blieb zwar der Verwaltungsitz, Krems wurde aber zur "Gauhauptstadt" erhoben. 1986 wurde Sankt Pölten zur neuen Landeshauptstadt gewählt. Diese Entwicklung sendete neue Impulse zur Weiterentwicklung des Landes aus. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem Abbau der strengen Grenzkontrollen wird eine weitere wirtschaftliche Entwicklung und Entfaltung der Region erhofft.

Weblinks


- [http://www.noe.gv.at Niederösterreichische Landesregierung] Kategorie:Österreich ! Kategorie:Bundesland in Österreich als:Niederösterreich

Quelle (Gewässer)

] ] Quellen sind Orte, an denen Wasser auf natürliche Weise austritt, ohne dass es gepumpt werden muss. Wenn man das Quellwasser durch Baumaßnahmen sammelt, spricht man von einer Quellfassung. Das Quellwasser kommt nicht aus einem Grundwassersee, sondern von oben aus Erd- oder Gesteinsspalten, bzw. durch den unterirdischen Abfluss von Niederschlägen. Die Stellen des Wasseraustritts können auch unter der Erdoberfläche liegen, so dass das Wasser wieder versickert. Manche Quellen lassen sich nicht genau lokalisieren, z.B. in Feuchtgebieten oder in alpinen Hochtälern. Man spricht dann vom Quellgebiet des Gewässers. Bei entsprechendem geologischen Untergrund kann es sich über Dutzende km² erstrecken.

Beschaffenheit des Wassers

Quellen mit vadosem Wasser

Das Wasser ist in den meisten Fällen versickertes Niederschlagswasser, das durch die verschiedenen Bodenschichten bzw. ihre Porosität gefiltert, gereinigt und mit Mineralien angereichert wird. Die Qualität des Wassers ist stark von der Dauer des Aufenthalts im Boden abhängig. Man kann bei Quellen oft feststellen, wie lange die Zeit zwischen starken Niederschlägen und einem erhöhten Wasseraustritt ist. Man sagt oft, dass die Quelle anspringt. Wenn ein Quellwasser nur ein kurze Verweildauer im Boden hat, besteht die Gefahr, dass auch zeitweise Einschwemmungen stattfinden. So waren im Jahr 2003 durch die vorjährigen starken Niederschläge sehr viele Quellen leicht verkeimt. Da der Boden ähnlich wie ein Schwamm mit Wasser "vollgesogen" war, hatte er zu wenig Reinigungskraft, und die Oberflächenkeime gelangten ungehindert bis in die Quelle.

Quellen mit juvenilem Wasser

Es kann aber auch Wasser aus dem Erdinneren sein, welches das erste Mal in den Wasserkreislauf gelangt. Solche Quellen werden derzeit in Libyen erschlossen. Das Wasser ist dort Millionen Jahre alt.

Quellen mit Thermalwasser

Außerdem gibt es noch Thermalquellen, an denen warmes Wasser an die Oberfläche gelangt. Das Wasser kommt ebenfalls aus dem Erdinneren, besitzt jedoch eine wesentlich höhere Temperatur. Es kann noch zusätzliche Mineralien aufweisen, sodass es bestimmte Heilwirkungen besitzt. An derartigen Quellen entstehen oft Heilbäder.

Typen von Quellen

Je nach Lage einer Quelle unterscheidet man unterschiedliche Quelltypen:
- Auslaufquelle (Schichtquelle)
- Überlaufquelle
- Artesische Quelle (artesischer Brunnen)
- Verwerfungsquelle
- Stauquelle
- Steigquelle
- Schuttquelle
- Talquelle eine andere Gliederung unterteilt in drei grundsätzliche Quelltypen abhängig von Bodenbeschaffenheit und Art des Wasserausstoßes:
- Helokren (Sicker- oder Sumpfquelle): Bei diesem Typ tritt Grundwasser in zahlreichen kleinen Wasseradern aus, die das Erdreich durchtränken und einen mehr oder weniger großen flächigen Quellsumpf bilden. Ein Quellbach bildet sich beim Helokren dem Gefälle folgend erst aus dem Zusammenfluss vieler Quellrinnsale.
- Limnokren (Tümpelquelle, Trichterquelle): Der Quellaustritt liegt bei diesem Typ am Grund einer Mulde, in der sich das austretende Grundwasser sammelt und einen Quelltümpel bildet. Durch das Überlaufen des Quellwassers über dessen Rand bildet sich der Quellbach. Dieser Typ ist vor allem in Karstgebieten zu finden.
- Rheokren (Fließ- oder Sprudelquelle): Dieser Typ zeigt einen deutlich erkennbaren, lokal begrenzten Austritt und bildet unmittelbar einen sichtbaren Abfluss, der in der Regel langsam und laminar fließend ist und gelegentlich Stillwasserzonen aufweisen kann. Ein Untertyp ist die Fall- oder Sturzquelle, bei der das Wasser in steilem Gelände aus Gesteinsspalten austritt und als mehr oder weniger großer Wasserfall talwärts fließt.

Berühmte Quellen


- Berühmte Quellen in Deutschland
  - Aachtopf: Die größte deutsche Quelle, aus der das Wasser der Donauversickerung wieder zu Tage tritt.
  - Blautopf: Ähnlich große und berühmte Karstquelle bei Blaubeuren.
  - Wasserscheide Elbe-Rhein-Donau: Im Fichtelgebirge entspringen in relativ geringer Entfernung von einander vier große Flüsse: Die Eger, der Main, die Saale und die Naab. Eger und Saale fließen in die Elbe. Der weiße Main in den Rhein und die Naab in die Donau. Hier treffen drei europäische Wasserscheiden aufeinander.
  - Fulda (Fluss). Die Fulda entspringt am höchsten Berg von Hessen der Wasserkuppe.
- Berühmte Quellen in Österreich
  - Pießling Ursprung: Größte österreichische Karstquelle nahe Spital am Pyhrn im Toten Gebirge (Oberösterreich). Der von ihr gespeiste Fluss mündet nach ca. 7 km in die Teichl und später in die Steyr.
  - Wasserloch: Zweitgrößte Karstquelle in Österreich im Salzatal nahe Windischgarsten (Steiermark). Nach dem Austritt aus dem Felsen stürzen die Wassermassen über zahlreiche Wasserfälle und Kaskaden etwa 350 m in die Tiefe und bilden die Touristenattraktion der Wasserlochklamm.

Siehe auch

Liste der Flüsse in Deutschland, Einzugsgebiet Kategorie:Wasserwirtschaft Kategorie:Gewässer ja:湧水 ko:샘

Römisches Reich

Das Römische Reich (lateinisch: Imperium Romanum) war das von der Stadt Rom beherrschte Gebiet in der Zeit zwischen etwa dem 6. Jahrhundert v. Chr. und dem 5. bzw. 6. Jahrhundert n. Chr. Eine eindeutige Abgrenzung ist jedoch weder zur vorrömischen Epoche noch zum Byzantinischen Reich möglich. Zum Zeitpunkt seiner größten Ausdehnung, zu Zeiten Kaiser Trajans, erstreckte sich das Römische Reich über die Gebiete rund um das Mittelmeer, über Gallien und große Teile Britanniens und über die Gebiete rund um das Schwarze Meer (siehe auch Bosporanisches Reich). Das Römische Reich übte einen großen Einfluss auf die von ihm beherrschten Gebiete, aber auch auf die Gebiete jenseits seiner Grenzen aus. In der östlichen Reichshälfte mischte sich dieser Einfluss mit griechisch-hellenistischen und orientalischen Elementen, während der Westen latinisiert wurde. Latein, die Sprache Roms, wurde zur Amtssprache des Reiches, in Teilen des Reichs blieben aber auch andere Sprachen erhalten. Aus dem Lateinischen entstanden die modernen romanischen Sprachen Europas (Italienisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch und Rumänisch, sowie Ladinisch und Rätoromanisch). Sehr viele Lehnwörter finden sich zudem in den germanischen und in den slawischen Sprachen. Vor allem das Rechts- und Staatswesen in Europa ist maßgeblich vom römischen Erbe geprägt.

Geschichtlicher Überblick

Die Geschichte des Römischen Reiches lässt sich grob in folgende sechs Phasen gliedern, die im Verlauf dieses Artikels genauer beschrieben werden; zu Details siehe die entsprechenden Verweise im Artikel (Beispiel: Prinzipat): # Königszeit (753 v. Chr.510 v. Chr.) # Die Zeit der Republik (509 v. Chr.133 v. Chr.) # Zeit der Bürgerkriege (ab 133 v. Chr.) # Prinzipat (Römische Kaiserzeit I, ab 27 v. Chr.) # Spätantike, in der älteren Forschung auch Dominat (Römische Kaiserzeit II, ab 284 n. Chr.) # Untergang des Reiches im Westen und Übergang zum Byzantinischen Reich im Osten (ab 395 n. Chr., noch zur Spätantike zu rechnen)

Römische Königszeit und frühe Republik

395 n. Chr.]] Der Stadtstaat Rom, der zuerst unter etruskischer Königsherrschaft stand (Königszeit), gewann in Italien zunehmend an Einfluss, nachdem er sich ca. 500 v. Chr. von der Herrschaft der Etrusker gelöst hatte. Zu dieser Zeit erfolgte ebenfalls die Umwandlung des ehemaligen Königreiches in die Römische Republik (Republik = res publika, die öffentliche Sache), während derer alljährlich zwei Konsuln die oberste Regierungsgewalt ausübten. Der letzte aller römischen resp. etruskischen Könige, Tarquinius Superbus (Tarquinius der Hochmütige), wurde vom römischen Volk unter der Führung von Lucius Iunius Brutus aus Rom vertrieben, weil er eine Römerin namens Lucretia geschändet hatte. Das Jahr 509 v. Chr. ist jedoch spätere Fiktion, die als Parallele zum Sturz der Peisistratiden in Athen um 510 v. Chr. gesehen werden kann. Wahrscheinlicher ist die Zeit um 475 v. Chr. Als ersten, einigermaßen festen Punkt in der römischen Geschichte kann man die Niederlegung des Zwölftafelgesetzes 451 v. Chr. sehen.
Über die römische Königszeit existieren verschiedene berühmte Legenden, die die römische Geschichte mit der Geschichte Trojas zu verknüpfen versuchen. Diese entstanden jedoch erst Jahrhunderte später. Rom begann mit einer gezielten Expansion in Mittelitalien (Eroberung von Veji 396 v. Chr.), musste dabei aber auch schwere Rückschläge verkraften (v.a. der Galliersturm von 387 v. Chr., der psychologisch seine Spuren hinterlassen sollte, sowie mehrere Niederlagen gegen italische Volksstämme). Es folgen die Samnitenkriege (1. 343-341 v. Chr.; 2. 327-304 v. Chr.; 3. 298-290 v. Chr.) und der Latinerkrieg (ca. 340-338 v. Chr.). Rom etabliert schließlich ein weitverzweigtes Bündnissystem. So wurden Kolonien an strategisch wichtigen Plätzen angelegt und Bündnisse mit mehreren italischen Stämmen geschlossen, die jedoch nicht das römische Bürgerrecht erhielten.

Der Aufstieg Roms - Expansion in Italien und im Mittelmeerraum

Im 3. Jahrhundert v. Chr. setzte sich Rom gegen die Samniten und andere italische Stämme durch. Nach und nach fiel die gesamte Halbinsel an Rom (außer Oberitalien, welches erst später annektiert wurde). Im Süden verleibte sich die Republik um 275 v. Chr. die dortigen griechischen Stadtstaaten ein, nachdem es gelungen war, den hellenistischen Condottiere Pyrrhos von Epiros abzuwehren. Mit dieser Expansion kam Rom allerdings in Konflikt mit der bisher Rom freundlich gesonnenen Handelsrepublik Karthago (im heutigen Tunesien), was zu den Punischen Kriegen führte. Im Ersten Punischen Krieg (264-241 v. Chr.) dehnte sich Rom nach vorherigen Spannungen auf Sizilien bis in karthagische Gebiete aus. Nachdem Karthago, solcherart provoziert, die Römer von See aus angegriffen und geschlagen hatte, baute Rom eine Flotte auf, um der Seemacht Karthago entgegentreten zu können. Nach mehreren Rückschlägen und wechselhaftem Kriegsglück gelang es Rom schließlich, besonders auf Sizilien Fuß zu fassen und die karthagische Flotte mehrmals zu schlagen. Karthago verlor fast alle seine sizilianischen Besitzungen und sann fortan auf Rache. Im Zweiten Punischen Krieg (218-201 v. Chr.) gelang es dem genialen Strategen Hannibal beinahe, Rom in die Knie zu zwingen. Besonders die Niederlage bei Cannae (216 v. Chr.) schmerzte, die schwerste Niederlage in der römischen Geschichte, doch gelang es Hannibal nicht, das Bündnissystem Roms in Italien zu zerstören. Der römische Feldherr Scipio setzte 204 v. Chr. nach Afrika über und besiegte Hannibal 202 v. Chr. bei Zama. Karthago verlor alle außerafrikanischen Besitzungen und seine Flotte. Es war als Machtfaktor endgültig ausgeschaltet, während Rom mit seiner neuen Provinz Hispanien zunehmend an Einfluss gewann. Der Sieg über Karthago im 1. und 2. Punischen Krieg sicherte Roms Vormachtstellung im westlichen Mittelmeer. In diese Zeit, genauer gesagt in die Zeit ab 200 v. Chr., fiel auch die Einmischung Roms in das Machtspiel der hellenistischen Großreiche. Dort waren die Großmächte nicht in der Lage gewesen, ein friedliches Zusammenleben zu erreichen. Es folgten Konflikte mit den Antigoniden, wobei Rom 200-197 v. Chr. in Griechenland intervenierte, um den makedonischen Einfluss zurück zu drängen. Auch gegen das hellenistische Seleukidenreich führte Rom Krieg. Auf ein Hilfegesuch hin kam es 192-188 v. Chr. zum Krieg gegen Antiochos III., in welchem Rom siegreich blieb. Antiochos musste auf einen Großteil seiner Besitzungen in Kleinasien verzichten. Rom wurde damit zur De-facto-Vormacht im östlichen Mittelmeerraum. Versuche Makedoniens, die alte Hegemonie wieder aufzurichten, führten zum Krieg. 168 v. Chr. wurden die Makedonen endgültig besiegt und ihr Königreich zerschlagen, 148 v. Chr. schließlich in eine römische Provinz umgewandelt. So erging es 146 v. Chr. auch Griechenland (ab 27 v. Chr. Provinz Achaea, vorher zu Makedonien) und der neuen römischen Provinz Africa nach der Zerstörung Karthagos, welches vor dem Dritten Punischen Krieg (150-146 v. Chr.) wieder an Macht gewonnen hatte. Pergamon wurde durch Erbvertrag 133 v. Chr. zur römischen Provinz. Gleichen Status erhielt 64/63 v. Chr. das Restreich der Seleukiden, das nicht mehr lebensfähig war und von Pompeius, der eine Neuordnung des Ostens vornahm, zur Provinz Syria gemacht wurde. Nur das schwächelnde Ägypten der Ptolemäer, welches zu einem römischen Protektorat wurde, behielt seine Unabhängigkeit, ehe es im Jahre 30 v. Chr. ebenfalls im Römischen Reich aufging. So glänzend auch die außenpolitischen Erfolge Roms gewesen waren – im Inneren erodierte allmählich die republikanische Ordnung.

Die Revolutionszeit und die Bürgerkriege

Die Republik geriet seit der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. in eine innenpolitische Krise, die schließlich in die Epoche der Bürgerkriege mündete und mit dem Untergang der bisherigen Staatsform enden sollte. Hintergrund war zunächst der Ruf nach Reformen, vor allem im Agrarbereich. So sollte die nach den Brüdern Tiberius Gracchus und Gaius Gracchus benannte Gracchische Reform die Grundbesitzverhältnisse reformieren und den ärmeren Schichten der Bevölkerung zu Land und Einkommen verhelfen. Die Reform scheiterte allerdings am Widerstand der konservativen Senatskreise, der zugrundeliegende Konflikt blieb weiter bestehen: die Popularen und Optimaten bekämpften sich gegenseitig, um ihre jeweilige Politik durchzusetzen. Auch machten sich innere Spannungen im Bündnissystem Roms bemerkbar, sodass es 91-89 v. Chr. zum so genannten Bundesgenossenkrieg kam. Am Ende wurde das römische Bürgerrecht auch den Bundesgenossen verliehen. Im Anschluss daran kam es 88 v. Chr. zur berüchtigten "Vesper von Ephesus": Nach der Ermordung Zehntausender römischer Siedler in Kleinasien zog Rom in den Krieg gegen Mithridates von Pontos und besiegte ihn nach mehrjährigen Kämpfen. Pontos Diesen Ereignissen folgte der Beginn des römischen Bürgerkriegs, in dem sich wieder Popularen und Optimaten gegenüber standen (Marius, Cinna, Sulla). Sulla blieb siegreich und errichtete die Diktatur, doch hatte diese Lösung keinen wirklichen Bestand, zumal Sulla bald zurücktrat und die alten Kräfte sich wieder bekämpften. Die Krise der Republik wurde durch das (erste) Triumvirat verdeutlicht: der ehrgeizige Gaius Iulius Caesar, der erfolgreiche Militär Gnaeus Pompeius Magnus und der reiche Crassus gingen ein informelles Bündnis ein, um sich in ihren jeweiligen Interessen zu unterstützen. Nach dem Tod des Crassus in einem Feldzug gegen die Parther rangen die einstigen Freunde Caesar und Pompeius um die Macht im Staat (49-46 v. Chr.), wobei sich Pompeius auf die Seite des Senats stellte. Caesar obsiegte. Nur durch seine Ermordung wurde verhindert, dass sich die Republik in eine Diktatur verwandeln konnte. Nach der Ermordung Caesars im Jahre 44 v. Chr. gelang es den Anhängern der Republik nicht, die alte republikanische Verfassung wiederherzustellen. In dem Bürgerkrieg, der nun wieder ausbrach, setzte sich schließlich Octavian, der spätere „Augustus“, gegen Marcus Antonius in der Schlacht bei Actium als Sieger durch (31 v. Chr.).

Die frühe und hohe Kaiserzeit (Prinzipat)

Prinzipat Octavian zielte wie Caesar auf eine Alleinherrschaft. Doch anders als Caesar versuchte Octavian dieses Ziel nicht durch das Mittel einer außerordentlichen Diktatur zu erreichen. Octavian ließ vielmehr die alte republikanische Verfassung formal in Kraft und sicherte seine Position durch die Übernahme verschiedener Ämter, vor allem durch die Übernahme eines mehrjährigen Kommandos über wichtige Legionen. Den alten senatorischen Adel konnte Octavian zu einer Anerkennung seiner Herrschaft bewegen. Der Senat sah in Octavian keinen König, sondern den "Ersten Bürger des Staates" (Princeps). Die von Octavian begründete Verfassung, die sich in wesentlichen Punkten von der alten republikanischen Verfassung unterscheidet, nennt man deshalb auch Prinzipat. Octavian selbst erhielt im Jahre 27 v. Chr. vom Senat den Titel „Augustus“ (der Erhabene). Das Imperium Romanum beherrschte zu diesem Zeitpunkt bereits den gesamten Mittelmeerraum. Auch der Westen und Süden Germaniens gehörte zum römischen Reich; die Expansion nach Nordosten, die unter Augustus eingeleitet worden war, wurde erst durch die Varusschlacht im Jahre 9 gestoppt. Augustus' Adoptivsohn und Nachfolger Tiberius beschränkte sich auf weitgehend defensive Maßnahmen zur Sicherung der Grenzen. Unter Claudius wurde einzig Britannien dem Reich hinzugefügt, später folgte noch Thrakien, das aber schon vorher ein von Rom abhängiger Klientelstaat gewesen war. Mit dem Tod des als unfähig und wahnsinnig geltenden Nero, der vor allem das Militär vernachlässigte, endete 68 das julisch-claudische Haus. Dessen Nachfolge traten nach den Wirren des Vierkaiserjahres die insgesamt erfolgreich regierenden Flavier an, wobei Vespasian im Jahre 70 einen Aufstand in Judäa durch seinen Sohn und späteren Nachfolger Titus niederschlagen ließ. Nach Titus´ nur kurzer Regierungszeit trat sein Bruder Domitian seine Nachfolge an. 96 brachte diesen eine Hofintrige zu Fall - es kam zu einer Krisenzeit, welche erst unter den so genannten Adoptivkaisern überwunden werden konnte. Die Zeit der Adoptivkaiser, die mit Nerva begann, wird allgemein als die Glanzzeit des Imperiums verstanden, sowohl kulturell als auch in Bezug auf die Machtstellung Roms. Seine größte Ausdehnung hatte das Römische Reich denn auch unter Kaiser Trajan im Jahre 117 erreicht, wobei Trajan, der als erster Kaiser aus den Provinzen stammte, als optimus princeps gefeiert wurde, als "bester Kaiser". Das Imperium erstreckte sich nun von Schottland bis Nubien in Nord-Süd-Richtung und von Portugal bis nach Mesopotamien in West-Ost-Ausrichtung. Unter dem gebildeten Hadrian, der die östlichen Eroberungen Trajans aufgab, kommt es nun zu einer inneren Konsolidierung des Reiches und zu einer zivilisatorischen, kulturellen und technischen Blüte, die die Ausbreitung des damals noch jungen, schon stark angewachsenen Christentums begünstigte. Christentum Um die Mitte des 2. Jahrhunderts schien das Imperium auf seinem Höhepunkt angelangt zu sein, doch traten unter Mark Aurel bereits die ersten Probleme auf (Kämpfe mit Germanen, besonders den Markomannen, und im Osten Kämpfe mit den Parthern). Das Reich kam in den folgenden Jahrzehnten nicht zur Ruhe. Von außen wurde es kriegerisch bedrängt, während im Inneren sich Zerfallserscheinungen bemerkbar machten. Nach dem Tod Marc Aurels, der gerade im Bereich der nördlichen Grenze nur vorläufige Erfolge verbuchen konnte, kam es zu einer Reihe von Krisenereignissen, zudem sein Sohn Commodus nicht in der Lage war, dem Reich Sicherheit zu geben. Zu Beginn des 3. Jahrhunderts konnten die Severer die Lage stabilisieren. Jetzt kam es vor allem an der Ostgrenze zu schweren Kämpfen mit dem Neupersischen Reich der Sassaniden, die sich Rom als gewachsen erwiesen und den römischen Heeren eine Reihe von Niederlagen bereiten sollten. Es folgte nach dem eher unrühmlichen Ende der Severer die Reichskrise des 3. Jahrhunderts, in welcher sich die Soldatenkaiser dem Ansturm der Germanen an Rhein und Donau (besonders der Alamannen und der Goten) und der Sassaniden im Osten ausgesetzt sahen. Es kam sogar zur Abspaltung einzelner Provinzen (besonders Galliens), die aber wieder rückgängig gemacht werden konnten. 272 wurde Palmyra unterworfen, das in der Krisenzeit des Imperiums Teile der östlichen Provinzen Roms erobert hatte.

Die späte Kaiserzeit und der Beginn der Spätantike

Mit Diokletian vollzog sich 284 der Übergang in die Spätantike, die von einer stärkeren Zentralisierung und Bürokratisierung sowie dem späteren Sieg des Christentums geprägt war und die keineswegs die reine Zerfallszeit war, wie noch die ältere Forschung weitgehend meinte. Diokletian reformierte die Verwaltung und schuf die so genannte Ordnung der Tetrarchie, wonach es zwei Senior-Kaiser (Augusti) und jeweils einen Junior-Kaiser (Caesar; pl.: Caesares) geben sollte. Denn für einen Kaiser alleine war das Imperium schon längst unregierbar geworden, besonders da der Druck auf die Grenzen ständig anwuchs. Die Idee der Teilung des Herrschaftsraumes war nicht völlig neu, doch wurde sie nun konsequenter umgesetzt. Allerdings wurde der Gedanke der Reichseinheit nicht aufgegeben. In dieser Zeit wurde die Hauptstadt von Rom nach Trier, an die nördlichen Grenzen verlegt. Die letzten Christenverfolgungen fanden unter Diokletian statt. Konstantin der Große, dessen Vater nach dem Rücktritt Diokletians und dessen Mitkaiser Maximian das Amt des "Senior-Augustus" im Westen übernahm, gab sich damit nicht zufrieden. Er beseitigte nach und nach seine Rivalen und etablierte 324 die Alleinherrschaft über das Imperium. Bedeutend wurde seine Regierungszeit vor allem aus zwei Gründen: 1) der Privilegierung des Christentums und 2) der Gründung von Konstantinopel. Der Blick des Reiches wandte sich mehr und mehr gegen Osten. Konstantins Dynastie überlebte ihn nicht lange. Es folgten zunächst Bruderkämpfe, bis Constantius II. die Alleinherrschaft erlangte. Nach seinem Tod kam es 361 unter seinem Nachfolger Julian Apostata zu einer "Renaissance" des Heidentums, die aber nicht von langer Dauer war. Mit Julian erlosch 363 die konstantinische Dynastie. Unter Valentinian I. wurde das Reich aus Verwaltungsgründen vorläufig und nach dem Tod Kaiser Theodosius I. endgültig geteilt. Theodosius war nach dem Tod des Valens von Valentinians Sohn Gratian als Kaiser im Osten eingesetzt worden. Es gelang ihm nach der Niederlage von Adrianopel, die eingedrungenen Goten durch Verträge wenigstens vorläufig zu binden. 394 wurde Theodosius schließlich Alleinherrscher, nachdem es im Westen zu einer Reihe von Usurpationen und Revolten gekommen war; er war der letzte Kaiser, der über das gesamte Imperium herrschen sollte. Nach seinem Tod 395 kam es unter seinen Söhnen Honorius (im Westen) und Arcadius (im Osten) zur Reichsteilung, die von da an endgültig sein sollte.

Untergang des Reiches im Westen und Behauptung im Osten

Arcadius Das Oströmische Reich überlebte die Wirren der Völkerwanderung, vor allem, da es der ökonomisch gesündere und dichter bevölkerte Reichsteil war. Im Laufe des 5. Jahrhunderts zerfiel allmählich das Römische Reich im Westen. Eine wichtige Ursache dabei bildete die Völkerwanderung. Das Reich verlor nach der Schlacht von Adrianopel 378 zunehmend die Kontrolle über seine westlichen Provinzen. Große Teile Galliens und Spaniens gingen bis zur Mitte des 5. Jahrhunderts an die eingedrungenen Germanen (Vandalen, Franken, Goten) verloren. Vor allem der Verlust Africas an die Vandalen 435 war ein schwerer Schlag für Westrom. Der Regierungssitz war bereits um die Jahrhundertwende von Mailand nach Ravenna verlegt worden. Und selbst Italien geriet immer mehr unter den Einfluss der Germanen. 410 plünderten die Westgoten die Stadt Rom, 455 folgten ihnen darin die Vandalen (daher der Ausdruck "Vandalismus"). Es gab mehrere Gründe für den Verfall und Untergang des Römischen Reiches. Welche Prozesse letztlich zur Transformation des weströmischen Reiches in eine Reihe von germanischen Staaten führten, die spätestens seit dem 7. Jahrhundert als souverän gelten konnten, ist seit langem Gegenstand der Forschungsdiskussion. So bestand das Heer zum größten Teil nicht mehr aus römischen Bürgern, sondern aus "barbarischen" Söldnern. Die Stärke der Armee reichte zudem nicht mehr aus, um die Grenzen zu sichern. Im Inneren war die Verwaltung marode geworden, auch ein wirtschaftlicher Niedergang ist festzustellen, wenn auch nicht so dramatisch, wie noch die ältere Forschung meinte. 476 setzte der Germane Odoaker Romulus Augustulus als weströmischen Kaiser ab (letzter anerkannter Westkaiser war allerdings Julius Nepos gewesen). Odoaker sah sich selbst noch als einen "Germanen in römischen Diensten" und seine Herrschaft in Italien als Teil des Imperium Romanum unter dem römischen Kaiser in Konstantinopel. Anders war die Lage im Osten. Dies war der "gesündere" Reichsteil, der zudem über die größeren strategischen Reserven verfügte und auch die geschicktere Diplomatie betrieb. Zudem war es Hunnen und Germanen nie gelungen, den Hellespont zu überqueren; daher blieben die reichen Provinzen Kleinasiens, Syriens und Ägyptens weitgehend unbehelligt. Die "barbarischen" Elemente in der Armee, die mit zum Untergang Westroms beigetragen hatten, wurden noch im 5. Jahrhundert zurückgedrängt und zu Beginn des 6. Jahrhunderts zum größten Teil ausgeschaltet. Obzwar es zu schweren Kämpfen mit Hunnen und Sassaniden kam, blieb das Ostreich intakt. Unter Justinian I., dem letzten Kaiser, dessen Muttersprache Latein war, konnten die Oströmer große Teile des Westens (Nordafrika, Italien, Südspanien) zurückerobern, während sie im Orient unter großen Anstrengungen die Grenzen gegen die Perser halten konnten. Damit war der (ost)römische Kaiser noch einmal der mit Abstand mächtigste Herrscher im Mittelmeerraum, und Ostrom beherrschte den größten Teil des alten Reichsgebietes (mit Ausnahme Britanniens, Galliens und Nordspaniens). Die Wende kam Anfang des 7. Jahrhunderts, als zunächst weite Teile des Reiches zeitweilig von den Sassaniden erobert wurden. Nachdem Kaiser Herakleios den langen Krieg schließlich siegreich beendet hatte, konnte das erschöpfte Reich dem Angriff der islamischen Araber (arabische Expansion) kaum widerstehen und verlor ganz Syrien und Afrika. Herakleios brach außerdem mit der römischen Tradition, indem er statt des Titels Imperator den alten griechischen Königstitel Basileus annahm und Griechisch auch zur offiziellen Amtssprache machte. Das Oströmische Reich mit seiner Hauptstadt Konstantinopel blieb dann zwar staatsrechtlich noch bis in das 15. Jahrhundert erhalten - und die Griechen bezeichnen sich noch heute volkstümlich auch als romoi, also Römer, aber die inneren Strukturen veränderten sich nach etwa 640 so grundlegend, dass es gerechtfertigt erscheint, von nun an von Byzanz zu sprechen. Siehe auch:
- Römische Republik
- Prinzipat
- Römische Kaiserzeit
- Spätantike
- Der Untergang des Römischen Reiches
- Byzantinisches Reich
- Weströmisches Reich
- Liste der römischen Kaiser

Nachfolger

Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, das Nord- und Mittelitalien, die Niederlande, Belgien, Tschechien, Österreich, die Schweiz, Teile Frankreichs (Elsass, Lothringen, Provence), Luxemburg und Deutschland umfasste, sah sich später als Nachfolger des (west)römischen Reiches, während der russische Zar über das byzantinische Erbe ebenfalls die Nachfolge der römischen Kaiserkrone beanspruchte - die Begriffe Kaiser und Zar leiten sich beide aus dem römischen Caesar ab.

Siehe auch


- Portal und Themenliste Rom
- Ab urbe condita
- Auxiliartruppen
- Esskultur im Römischen Reich,
- Feuerwehren im Römischen Reich
- Germanisierung
- Kataphrakt
- Liste der römischen Kaiser
- Liste der römischen Könige
- Liste der römischen Konsuln
- Romanen
- Römische Bautechnik
- Römische Bestattungsrituale
- Römische Ehe
- Römische Erziehung
- Römische Kaiserzeit
- Spätantike
- Sprachen im Römischen Reich
- Römische Legion
- Römische Marine
- Römische Mythologie
- Römische Namen
- Römische Provinz
- Römische Republik
- Römischer Senat
- Römisches Recht
- Römische Vornamen
- Römische Ziffern
- S.P.Q.R.
- Tierhetzen im Römischen Reich

Literatur

Allgemein (neben Oldenbourg Grundriss der Geschichte Bd. 2-4 und vor allem der Cambridge Ancient History, 2. veränderte Aufl. ab Bd. 7, Teilband 2, The Rise of Rome to 220 B.C.):
- Alfred Heuß: Römische Geschichte. Schöningh, 2003, ISBN 3506739271 Bester (wenn auch manchmal recht knapper) Überblick zur römischen Geschichte in deutscher Sprache.
- Theodor Mommsen: Römische Geschichte. Deutscher Taschenbuchverlag, 2001, ISBN 3423590556 Geschichte Roms bis zur Ermordung Cäsars, für die Theodor Mommsen 1902 den Nobelpreis für Literatur erhielt. Wissenschaftlich allerdings vollkommen veraltet.
- Ada Gabucci: Rom und sein Imperium Sehr reich bebilderte Geschichte über die Gründung, Ausbreitung und Herrschaft. Konrad Theiss Verlag, 2005, ISBN 380621932X Spezialisiertere Literatur:
- Hermann Bengtson: Grundriss der Römischen Geschichte mit Quellenkunde. Republik und Kaiserzeit bis 284 n. Chr.. Handbuch der Altertumswissenschaft III. 5, München 1982, ISBN 3-406-08617-9
- Klaus Bringmann: Geschichte der Römischen Republik. München 2002, ISBN 3406492924 Solide und zuverlässige Darstellung der Republik.
- Karl Christ: Geschichte der Römischen Kaiserzeit, 4. Auflage. München 2002, ISBN 3406363164 Hervorragende moderne Darstellung der Kaiserzeit bis Konstantin. Standardwerk.
- David S. Potter: The Roman Empire at bay. AD 180-395. Routledge History of the Ancient World, London u.a. 2004. ISBN 0-415-10058-5 Sehr gute Gesamtdarstellung der Zeit von 180 bis 395.
- Glen Bowersock u.a.: Late Antiquity. A guide to the postclassical World. Cambridge 1999, ISBN 0674511735. Ausgezeichneter, gut lesbarer Überblick über den aktuellen Forschungsstand zur Spätantike mit einem nützlichen Lexikonteil.
- Alexander Demandt: Die Spätantike. Handbuch der Altertumswissenschaft III. 6, München 1989, Gutes Überblickswerk. (nur noch antiquarisch, 2. Auflage in Vorbereitung; aber als inhaltlich gekürzte Ausgabe ohne wissenschaftlichen Apparat erhältlich: Geschichte der Spätantike. München 1998, ISBN 3-406-44107-6)
- Arnold H.M. Jones: The Later Roman Empire 284-602. (Erstdruck in 3 Bde., Oxford 1964) Nachdruck in 2 Bde., Baltimore 1986 Die beste aus den Quellen gearbeitete moderne Darstellung der Spätantike Alternative Darstellungen:
- Arthur Rosenberg: Demokratie und Klassenkampf im Altertum. Fritz Erik Hoevels: Roter Leitfaden durch die römische Geschichte. Ahriman-Verlag 1997. ISBN 3-89484-810-3. Die beiden Altphilologen und Marxisten Rosenberg und Hoevels bieten eine kompakte Übersicht über die Geschichte des römischen Reiches und untersuchen die Triebfedern und Gesetzmäßigkeiten ihres Ablaufes - umstritten, wie alles aus marxistischer Feder.

Weblinks


- [http://la.wikipedia.org Die lateinische Wikipedia]
- [http://www.kirke.hu-berlin.de/vl/vlagdt.html#roem Virtual Library Geschichte - Einzelprojekte: Die Römer in Deutschland] (Ressourcen im Internet)
- [http://www.roman-emperors.org/impindex.htm De Imperatoribus Romanis - Sammlung von Kurzbiografien der römischen Kaiser, verfasst von mehreren Fachgelehrten (englisch)]
- [http://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/home.html LacusCurtius (Umfangreiche Informationen über das antike Rom)]
- [http://gutenberg.spiegel.de/mommsen/roemisch/roemisch.htm Theodor Mommsens Römische Geschichte im Projekt Gutenberg]
- [http://www.imperiumromanum.com Projekt Imperium Romanum: Darstellung der römischen Welt auf über 1000 Seiten]
- [http://www.die-roemer-online.de/ Die Römer online]
- [http://www.gottwein.de/roge/rom_hist.php Römische Geschichte in annalistischer Darstellung]
- [http://www.imperium-romanum.ch.vu Imperium Romanum: ausführliche Seite zur römischen Geschichte]
- [http://www.antikefan.de/kulturen/Roemisch.html Geschichte des Römischen Imperium] Romisches Reich ! Romisches Reich als:Römisches Reich ja:ローマ帝国 ko:로마 제국 simple:Roman Empire zh-min-nan:Roma Tè-kok

1480

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- Die Osmanen besetzen Otranto in Italien und kontrollieren damit die Ausfahrt der Adria
- 11. August: Hermann IV. von Hessen wird Erzbischof von Köln
- Kaiser Friedrich III. verliert Niederösterreich und Wien an Matthias Corvinus, König von Ungarn (bis 1490)
- Iwan III. Großfürst von Moskau befreit Russland von der Herrschaft der Tataren

Geboren


- um 1479/1480: Peter Henlein, deutscher Schlosser und Erfinder der tragbaren Uhr († 1542)
- um 1480: Wendel Roskopf, deutscher Baumeister († 1549)
- um 1480: Ferdinand Magellan, portugiesischer Seefahrer († 1521)
- um 1480: Albrecht Altdorfer, deutscher Maler († 1538)
- um 1480: Gottfried von Berlichingen, bekannter auch als Götz von Berlichingen, „mit der eisernen Hand“, († 1563)
- 10. Januar: Margarete von Österreich, Tochter des Erzherzogs Maximilian, des späteren Kaisers († 1530)
- 18. April: Lucrezia Borgia, italienische Renaissance-Fürstin († 1519)
- Lorenzo Lotto, italienischer Maler ko:1480년

Türkenbelagerung

Als Türkenbelagerung wird in der Geschichte die Belagerung der Stadt Wien durch das Heer des Osmanischen Reiches verstanden. Dabei wird zwischen 2 verschiedenen Ereignissen unterschieden:
- Erste Wiener Türkenbelagerung (1529)
- Zweite Wiener Türkenbelagerung (1683) Obwohl die Osmanen bei beiden Angriffen eine grössere Streitmacht zur Verfügung hatten, konnten die Türken in beiden Belagerungen Wien als ganzes nie einnehmen. Im Zusammenhang mit der osmanischen Expansion in Südosteuropa, die sich vornehmlich gegen Österreich-Ungarn richtete, wird auch bei anderen Belagerungen von Türkenbelagerung gesprochen. Kategorie:Osmanisches Reich Kategorie:österreichische Geschichte

1683

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- 1. Januar: Gründung der kurbrandenburgischen Kolonie Groß-Friedrichsburg
- 7. April: Der französische Entdecker René-Robert Cavelier, Sieur de La Salle erreicht als erster Europäer die Mündung des Mississippi. Am 9. April nimmt er feierlich von allen Gebieten am Mississippi für die französische Krone Besitz und nennt das Territorium zu Ehren von König Ludwig XIV. „La Louisiane“ (Louisiana, heute ein Bundesstaat der USA)
- 3. Mai: Die türkische Armee erreicht Belgrad (200.000 Mann, 300 Geschütze) nach Überwinterung in Edirne. Sultan Mehmed IV. überträgt den Oberbefehl seinem Großwesir Kara Mustafa Paşa. Später wird in Stuhlweißenburg (Ungarn) als Ziel des Feldzuges Wien bekanntgegeben
- 7. Juli: Von der Raab aus gelangt die tatarische Vorhut (40.000 Mann) nach Petronell, 40 km östlich Wiens. Nach diesen Gefechten verlässt Kaiser Leopold I. mit seiner Familie Wien und flüchtet nach Linz. Graf Ernst Rüdiger von Starhemberg übernimmt die militärische Führung in der Hauptstadt
- 15. Juli: Einen Tag nach Eintreffen der Hauptarmee (300.000 Mann) lehnt Wien die Kapitulation ab (kaum 10.000 Verteidiger). Die Zweite Türkenbelagerung beginnt. Erst spät kommt eine Allianz des Kaisers mit Polen, Bayern und Sachsen zustande
- 15. August: Polens König Jan Sobieski startet mit seiner Armee von Krakau aus Richtung Wien
- August: Karl von Lothringen schlägt Thökölys Truppen und ein türkisches Hilfskorps am Bisamberg nördlich Wiens. So kann die Donau vom Entsatzheer überquert werden; die Polen vereinen sich mit den Truppen Sachsens, den Kaiserlichen, den Bayern und den fränkisch-schwäbischen Reichstruppen bei Tulln, 30 km stromaufwärts von Wien
- 12. September: Das Entsatzheer unter der Führung von Johann III. Sobieski schlägt die Türken in der Schlacht am Kahlenberg
- 6. Oktober: Die erste geschlossene Gruppe von Deutschen erreicht Nordamerika unter der Führung von Franz Daniel Pastorius

Geboren


- 13. Januar: Johann Christoph Graupner, deutscher Komponist († 1760)
- 14. Januar: Johann Gottfried Silbermann, bedeutender deutscher Orgelbauer († 1753)
- 13. Februar: Joseph Schmuzer, deutscher Baumeister und Stukkateur († 1752)
- 28. Februar: René Antoine Ferchault de Réaumur, französischer Wissenschaftler mit einem weiten Interessen- und Arbeitsgebiet († 1757)
- 21. März: Ludolf August von Bismarck, russischer General († 1750)
- 15. April: Katharina I. (Russland), Zarin von Russland 1725–1727 († 1727)
- 17. April: Johann David Heinichen, deutscher Komponist und Musiktheoretiker († 1729)
- 19. Mai: Burkhard Christoph Graf von Münnich, russischer Generalfeldmarschall und Politiker († 1767)
- 29. Mai: Antoine Pesne, Hofmaler in Preußen († 1757)
- 11. Juli: Caspar Neumann, deutscher Chemiker und Apotheker († 1737)
- 22. August: Erdmann II. Graf von Promnitz, († 1745)
- 7. September: Maria Anna von Österreich, Erzherzogin von Österreich und ab 1708 Königin von Portugal († 1754)
- 16. September: Lorenz Heister, deutscher Anatom († 1758)
- 18. Oktober: Augustin Leyser, Jurist
- 10. November: Georg II. (Großbritannien), von 1727 bis 1760 englischer König († 1760)
- 22. November: Franz Kaspar von Franken-Siersdorf, Kölner Weihbischof
- 19. Dezember: Philipp V. (Spanien), König von Spanien († 1746)

Gestorben


- 18. Februar: Nicolaes Berchem, niederländischer Maler (
- 1620)
- 28. April: Daniel Casper von Lohenstein, deutscher Dramatiker (
- 1635)
- 26. Juni: Ferdinand von Fürstenberg, Fürstbischof von Münster und Paderborn (
- 1626)
- 30. Juli: Maria Theresia von Spanien, war die Cousine und Frau des Sonnenkönigs (
- 1638)
- 6. September: Jean-Baptiste Colbert, französischer Staatsmann (
- 1619)
- 19. November: August Carpzov, deutscher Staatsmann (
- 1612)
- 25. Dezember: Kara Mustafa wird in Belgrad auf Befehl des Sultans erdrosselt. Er hatte die Schlacht um Wien trotz dreifacher Übermacht verloren. (
- um 1626)
- 27. Dezember: Maria Francisca Elisabeth von Savoyen, Königin von Portugal (
- 1646)
- Berend Jacob Karpfanger: Piratenjäger und Kapitän des Schiffes „Wappen von Hamburg“ (
- 1622)
- Izaak Walton, englischer Schriftsteller (
- 1593) ko:1683년

Gegenreformation

Als Gegenreformation wird die Reaktion der katholischen Kirche auf die von Martin Luther in Wittenberg ausgehende Reformation bezeichnet, die sich im Bereich der Theologie und der Kirchen abspielt und sich auf meist geistige Auseinandersetzungen beschränkt. Dieses lässt sich zunächst auch unter dem Begriff Katholische Reform zusammenfassen. Der Begriff Gegenreformation bezeichnet außerdem die Versuche der römisch-katholischen Kirche seit ca. 1540, den Protestantismus insgesamt gewaltsam zurückzudrängen, weil dieser wiederum sowohl politisch als auch in seinen kirchlichen Institutionen in einem Maße festgefügte Strukturen bekommt, dass er mit rein theologisch-geistlichen Mitteln nicht mehr wirksam bekämpft werden kann. Die Gegenmaßnahmen des Katholizismus erstrecken sich seit dieser Zeit sowohl auf den kirchlichen als auch auf den politischen Bereich. Sie beinhaltet zugleich Maßnahmen einer Durchführung der Rekatholisierung in protestantischen Territorien. Dieser Prozess reichte bis in das 18. Jahrhundert. Die wichtigsten Mittel waren Diplomatie, staatliche Repression und ideologische Indoktrination. Barocker Kirchenbau und barockes Theater spielen eine wichtige Rolle in der gegenreformatorischen Propaganda. Die Gegenreformation kann zugleich als groß angelegter Versuch einer Sozialdisziplinierung im Sinne Gerhard Oestreichs aufgefasst werden. Anstelle des Begriffspaares Reformation-Gegenreformation, das eine positive Reformation und eine negative Gegenreformation vorgibt, wird in der modernen Geschichtswissenschaft der Begriff Konfessionalisierung verwendet, womit der Akzent auf die Modernisierung der frühneuzeitlichen Gesellschaft gelenkt wird.

Begriffsgeschichte

Den Ausdruck Gegenreformation führte 1776 der Göttinger Jurist Johann Stephan Pütter in die Literatur ein. Er verstand darunter die gewaltsame Rückführung von Protestanten zur katholischen Religionsübung. Die Verwendung des Begriffes Gegenreformation im Sinne eines Zeitalters hat sich seit 1889 durch Moriz Ritter eingebürgert. Er dehnt den Begriff Gegenreformation aus bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Dabei war er es aber gar nicht, der als Erster den Begriff Gegenreformation für diese historische Epoche verwendete, sondern Leopold von Ranke im Jahre 1843, der vom "Zeitalter der Gegenreformation" unter Berücksichtigung der tiefgreifende katholischen Bewegung sprach. Bewusst ist Ranke somit schon die innerkirchliche Reformbewegung gewesen, die Wilhelm Maurenbrecher schließlich als katholische Reformation bezeichnete - siehe auch Katholische Reform. Der Begriff setzt sich nur langsam durch, weil hierbei konfessionelle Vorbehalte geltend gemacht wurden. Ein Teil der katholischen Historiker lehnte die beiden Ausdrücke, die ihnen Werturteile zugunsten des Protestantismus zu enthalten schienen, entschieden ab, andere suchten einen Ausgleich, indem sie zwischen katholischer Selbstreform und politischer Gegenreformation unterschieden und als Epochenbezeichnung "Zeitalter der Glaubensspaltung" (1517-1555) und "Zeitalter des konfessionellen Absolutismus" (1555-