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Baikonur

Baikonur

Baikonyr (kasachisch-kyrillisch Байконыр/Baikonyr, in neuer kasachischer Lateinschrift Baykonır; russisch Байконур/Baikonur) ist eine Stadt im südlichen Kasachstan, etwa 200 Kilometer östlich des Aralsees am Nordufer des Flusses Syrdarja. Die geografischen Koordinaten des Stadtzentrums sind ungefähr . Hier befindet sich der größte russische Weltraumbahnhof, das Kosmodrom Baikonyr.

Geschichte

1955 begann die Sowjetunion nahe der kleinen Siedlung Tjuratam den Bau eines Testgeländes für ihre ersten interkontinentalen Langstreckenraketen. Tjuratam lag für den Zweck recht verkehrsgünstig am Ufer des Flusses Syrdarja und an der Eisenbahnstrecke Moskau - Taschkent.

Namen und Tarnnamen

Die Bezeichnung des Testgeländes lautete "Forschungs- und Versuchsgelände # 5", kurz NIIP-5. Den Namen Baikonur erhielt es zur Irreführung der Westmächte. Der Standort Tjuratam unterlag einerseits strengster Geheimhaltung, andererseits wollte die Sowjetregierung sich ihrer Erfolge rühmen und nach Juri Gagarins Raumflug 1961 in den öffentlichen Bekanntgaben auch einen Ort der Raketenstarts nennen. Die Wahl fiel auf Baikonur, einen Ort etwa 320 km nordöstlich des wirklichen Standorts. Öffentliche Bezeichnung von NIIP-5 war fortan Kosmodrom Baikonur. Die geografischen Koordinaten des "originalen" Baikonur sind 47,50° Nord, 66,03° Ost. Die Siedlung, die sich um das Kosmodrom rasch entwickelte, erhielt nach Namen wie Sarja, Swesdograd, Taschkent-90 und Leninski mit dem Stadtrecht 1966 den Namen Leninsk. Der Bahnhof heißt nach wie vor Tjuratam. Am 20. Dezember 1995 wurde Leninsk schließlich in Baikonyr (russische Schreibweise Baikonur) umbenannt. Das "originale" Baikonyr wurde der korrekten Turk-Schreibweise entsprechend Baiqongyr genannt. Offizielle Bezeichnung des Raumfahrtzentrums ist mittlerweile "5. Staatliches Versuchskosmodrom der Russischen Föderation"

1957 - 1990: glorreiche Jahre

Baiqongyr Angetrieben vom Kalten Krieg wurde das Kosmodrom sehr schnell ausgebaut. Insbesondere Chruschtschow drängte auf immer neue und effektvolle Rekorde im prestigeträchtigen Wettlauf ins All. Sputnik 1, der erste künstliche Satellit im Weltraum 1957. Laika, das erste Lebewesen im Weltraum 1957. Strelka und Belka, die ersten Lebewesen, die auch heil wieder zurückkehrten 1960. Juri Gagarin, der erste Mensch im Weltraum 1961. Walentina Tereschkowa, die erste Frau im Weltraum 1963. Lunochod 1, das erste ferngesteuerte Mondfahrzeug 1970. Saljut 1, die erste Raumstation 1971. Mir, die erste ständig bemannte Raumstation 1986 – sie alle starteten von Baikonur. Der enorme Zeitdruck führte allerdings auch zu zahlreichen Unfällen. So ereignete sich am 24. Oktober 1960 in Baikonur der schwerste Unfall der Raumfahrtgeschichte, das sogenannte Nedelin-Desaster. Die Explosion einer R-16 Interkontinentalrakete bei den trotz offensichtlicher Mängel von Moskau angeordneten Startvorbereitungen kostete mindestens 92 Menschen das Leben, darunter auch Mitrofan Nedelin, Chef der strategischen Raketentruppen. Das Zentralkomitee der KPdSU ließ in einer kurzen Notiz daraufhin lediglich verlauten, Marschall Nedelin sei bei einem Flugzeugabsturz umgekommen. Die Katastrophe gelangte erst 1989 an die Öffentlichkeit, die offizielle Liste der Todesopfer wurde erst unter Präsident Jelzin freigegeben. Die Startvorbereitungen der nächsten R-16 Rakete wurden bereits am 4. Januar 1961 fortgesetzt . Als erste Person aus dem Westen besuchte der französische Staatspräsident Charles de Gaulle am 20. Juni 1966 Baikonur. Dem ersten NASA-Team wurden am 28. April 1975 im Rahmen der gemeinsamen Sojus-Apollo-Docking- Mission Teile des Kosmodroms gezeigt. Bei solchen Besuchen versuchte die Sowjetunion, den militärischen Charakter des Geländes zu verschleiern. Alles militärische Personal, das in Sichtweite der ausländischen Besucher geraten konnte, erhielt die Anweisung, Zivilkleidung zu tragen. Auch wenn Baikonur in der Welt vor allem für die bemannten Raumflüge bekannt wurde, lag der Hauptzweck der Einrichtung von Anfang an bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 im Test von flüssigkeitsgetriebenen Langstreckenraketen. Mitte der 80er Jahre hatte die verbotene Stadt Leninsk nach offiziellen Angaben 100.000 Einwohner, 356 Wohnblöcke, 9 Schulen, 31 Kindergärten, 18 Hotels, einen eigenen Fernsehsender, mehrere Kinos, ein Stadion, eine Getränkefabrik und zwei Betonwerke.

1991: Krise

Der Zerfall der Sowjetunion und die Unabhängigkeit Kasachstans 1991 stürzten Baikonur und Leninsk in eine schwere Krise. Das bei weitem wichtigste Kosmodrom Russlands befand sich nun auf kasachischem Staatsgebiet. Die Startplätze auf russischem Territorium waren nur beschränkt geeignet, Baikonur zu ersetzen. Zwar vereinbarten Kasachstan und Russland sehr früh eine Zusammenarbeit, wie diese jedoch konkret aussehen sollte, war Gegenstand langer Verhandlungen. Ohnehin angeschlagen von der schwierigen wirtschaftlichen Situation beider Staaten, drohte Baikonur unter der vertrackten Rechtslage zusammenzubrechen. Gehälter und Renten wurden nicht mehr ausgezahlt. Wasser- und Energieversorgung brachen des öfteren zusammen, Anwohner plünderten die Einrichtung, stahlen Autos, rissen Kabel aus technischen Anlagen, um sie als Wertmetall zu verkaufen. Im Januar 1992 war der Start eines Versorgungsschiffes zur Mir gefährdet, weil am Boden die unbezahlten Militärangestellten revoltierten. Etwa 40% der Bevölkerung verließ die Gegend. Nach offiziellen Angaben verließen 1993 die letzten Atomsprengköpfe Baikonur. Am 28. März 1994 pachtete Russland schließlich für jährlich 115 Millionen Dollar das Gelände von Kasachstan. Die Vertragslaufzeit betrug vorerst 20 Jahre, wurde am 9. Januar 2004 aber bis zum Jahr 2050 verlängert. Im Dezember 1994 wurden letzte Details vereinbart und die Stadt Leninsk unter russische Verwaltung gestellt. 1994

1995: Diener zweier Herren

Am 4. Januar 1995 trat die von den Präsidenten Kasachstans und Russlands ernannte russische Stadtverwaltung ihre Arbeit in der kasachischen Stadt an. Auf dem Gelände galt von nun an sowohl russisches als auch kasachisches Recht, was zum Beispiel dazu führte, dass russische Kinder in der Schule etwas zu essen bekamen, kasachische Kinder hingegen nicht. Die Situation Baikonyrs ist historisch und juristisch beispiellos. „Darüber“, sagte der Bürgermeister Baikonyrs 2002, „werden noch viele Juristen ihre Doktorarbeiten schreiben.“ 1996 waren im Haushaltsplan der Russischen Föderation 761 Milliarden Rubel für Baikonyr vorgesehen, von denen aufgrund finanzieller Probleme lediglich 296 Milliarden die Stadt erreichten. Trotz der Schwierigkeiten ging es in Baikonyr leicht aufwärts. Mit der Zunahme kommerzieller Aufträge und internationaler Zusammenarbeit wie zum Beispiel der internationalen Raumstation ISS floss wieder Geld in die Stadt. Die Möglichkeit der Gewährung von Steuererleichterungen führte zur Scheinverlegung des Firmensitzes zahlreicher großer russischer Firmen, darunter JUKOS und LUKOIL, nach Baikonyr. Die großen Steuerverluste veranlassten Russland, im Mai 2002 den Bürgermeister zu ersetzen und einen weiteren Russen, den Ex-Gouverneur der Leningrader Oblast Aleksei Malkow, mit der Stadtverwaltung zu beauftragen. Baikonyr hatte 2002 etwa 70.000 Einwohner, davon 70% Kasachen. Leningrader Oblast

Das Kosmodrom

Baikonyr ist der größte Raketenstartplatz der Welt. Nach offiziellen Angaben erstreckt es sich 2004 über eine Fläche von 6.717 Quadratkilometern, 75 Kilometer von Norden nach Süden und 90 Kilometer von Westen nach Osten. Hinzu kommen noch die Landegebiete. Zur Bodeninfrastruktur gehören neun Startkomplexe mit 15 Startvorrichtungen, 4 Abschusseinrichtungen zur Erforschung Interkontinentaler Langstreckenraketen, 11 Montage- und Versuchskomplexe, zwei Tankstellen, zwei Flugplätze, ein Meßkomplex, ein 600-Megawatt-Wärmekraftwerk, 470 Kilometer Eisenbahngleise, 1.281 Kilometer Straßen und 6.610 Kilometer Elektroleitungen. 70% aller russischen Starts von kosmischen Flugkörpern finden im kasachischen Baikonyr statt. Weitere Startplätze (auch für Satellitenraketen, aber nicht für bemannte Missionen) sind Kapustin Jar, Plessezk und Swobodny in Russland.

Weblinks


- http://www.russianspaceweb.com/baikonur.html (englisch) Kategorie:Ort in Kasachstan Kategorie:Raketenstartplatz Kategorie:Kasachstan

Kasachische Sprache

Die kasachische Sprache (Eigenbezeichnung: Қазақ Тілі oder Qazaq tili) kurz: Kasachisch (Qazaqşa) ist eine der westlichen Turksprachen. Als Alternativbezeichung ist aus der türkischen Turkologie Kazak Türkçesi (Kasacho-Türkisch) bekannt, aber auch die Bezeichnung Kazakça (Kasachisch) findet in der Türkei Verwendung. Ferner dienen auch die Begriffe Kazak, Kaisak, Khasakh, Kazakh und Kosach zur Bezeichnung des Kasachischen. Der Language code ist nach ISO 639 kaz und kk.

Sprecherzahl und Dialekte

ISO 639 Innerhalb der türkischen Sprachen gehört Kasachisch sprachgeschichtlich zur Kyptschak-Gruppe. Von den fast 8,2 Millionen Kasachen der damaligen UdSSR gaben 1989 rund 7,9 Millionen Kasachisch als Muttersprache und 40.606 als Zweitsprache an; von den Minderheiten beherrschten nur 1,6% die Landessprache. Kasachisch wird heute in Kasachstan von 6,6 Millionen Menschen gesprochen und ist dort auch Staatssprache; Russisch gilt aufgrund der großen russischen Minderheiten weiterhin als zweite Verwaltungssprache des Landes. In Usbekistan sprechen 808.227, in Russland 37.318, in Tadschikistan 11.376 Menschen Kasachisch. Ferner leben 1,1 Millionen Kasachen in der Volksrepublik China (1991) und dort allein 607.000 in Sinkiang. In der Mongolei gaben (1991) 100.000 Menschen Kasachisch als Muttersprache an. 1982 waren 3.000 Kasachen im Iran und 2.000 in Afghanistan ansässig. Aber auch in der Türkei gaben 1982 etwas über 600 Menschen die kasachische Sprache als Muttersprache an. Das Kasachische lässt sich in drei Dialektgruppen gliedern, in ungefähr den drei historischen Stammesverbänden der Kasachen entsprechen. Das Nordost-Kasachische wird im traditionellen Gebiet der Mittleren Horde im zentralen und nordöstlichen Kasachstan und von den Kasachen in Sinkiang gesprochen. Es bildet die Hauptgrundlage der heutigen kasachischen Schriftsprache. Das West-Kasachische wird im traditionellen Gebiet der Kleinen Horde im Westen Kasachstans gesprochen. Das Süd-Kasachische wird im traditionellen Gebiet der Großen Horde im Süden Kasachstans und im angrenzenden Teil Usbekistans gesprochen. Bis in die 1920er Jahre wurde die kasachische Sprache von den Russen (und den übrigen Europäer mit ihnen) meist als Kirgisisch oder auch als Kasak-Kirgisisch oder Kasak-Tatarisch bezeichnet und nicht immer von der eng mit ihr verwandten Kirgisischen Sprache unterschieden.

Entwicklung der Schriftsprache

In der Zeit vom 13. Jahrhundert bis zum 15. Jahrhundert diente auch den Kasachen das Kyptschak-Tatarische als Schriftsprache, die dann durch Tschagataisch abgelöst wurde. Beide Sprachen wurden mit arabischen Schriftzeichen niedergeschrieben. Im 18. Jahrhundert begannen die Kasachen, auch die eigene Sprache – damals noch als „Kasak-Kirigisisch“ bezeichnet – in dieser Schrift zu verfassen, und es herrschte (wie überall in Zentralasien) verbreitet Zweisprachigkeit: Tschagataiisch für den übergreifenden Verkehr und „Kirgisisch“ für den privaten Bereich. Die eigentliche Kasachische Schriftsprache wurde erst 1936/37 geschaffen, als die Sowjetunion die „Autonome Kirgisische Republik“ auflöste und u. a. die „Kasachische ASSR“ schuf. 1929 übernahmen die Kasachen das einheitliche türkische Alphabet, das aber 1940 wieder abgeschafft wurde. An seine Stelle trat nun ein modifiziertes kyrillisches Alphabet, das um die folgenden neun Zeichen ergänzt wurde. Diese neun Zusatzzeichen waren dem russischen Alphabet fremd und sollten rein kasachische Laute ausdrücken: Әә, Ғғ, Ққ, Ңң, Өө, Ұұ, Үү, Һһ, Іі. Anfang der 1990er Jahre vereinbarten die Staaten Zentralasiens und des Kaukasus, in denen Turksprachen gesprochen werden, für ihre Amtssprachen eine auf dem "neuen türkischen Alphabet" basierende Form des lateinischen Alphabets einzuführen. Für das Kasachische wurde ein lateinisches Alphabet auf dieser Grundlage ausgearbeitet, dieses wurde jedoch bis jetzt nicht zur amtlichen Schreibweise erklärt. Lediglich die Kasachische Nachrichtenagentur führte für ihre Internetseite am 16. April 2004 parallel zur kyrillischen auch diese lateinische Schreibweise ein, was vor allem den im Ausland in Ländern mit lateinischer Schrift lebenden Kasachen zugute kommen soll. In Kasachstan selbst wird jedoch weiterhin ausschließlich das kyrillische Alphabet zur Schreibung des Kasachischen verwendet, was unter anderem auch durch die große russische Minderheit im Lande und die weite Verbreitung der russischen Sprache bedingt ist.

Alphabete und Transkriptionen

Die mit
- gekennzeichneten Buchstaben kommen gewöhnlich nur in jüngeren Fremdwörtern russischer Herkunft vor.
1: Am Wortanfang und nach Vokal je, nach Konsonant e.
2: Am Wortende und vor folgendem Konsonanten I i, vor folgendem Vokal J j.
3: Zwischen Vokalen ss, sonst s.
4: U u nach vorangehendem Vokal, Û û nach vorangehendem Konsonanten.
5: Nur am Wortanfang oder nach Vokal.

Literatur


- Jin, Bingzhe 金炳喆 [Hg.] u. Kayyeng 开英 [Korr.]: 哈汉词典 Ha Han cidian / Ķazaķxa-Hanzuxa Sɵzdik (Kasachisch-Chinesisches Wörterbuch). 新疆人民出版社 Xinjiang renmin chubanshe (Xinjiang Volksverlag). 乌鲁木齐 Ürümqi 1979/1980. XII+897 Seiten.
- Nayman, S. (那衣满) u.a.: Hanzuxa-Ķazaķxa Sɵzdik / Han Ha cidian 汉哈辞典 (Chinesisch-Kasachisches Wörterbuch). 新疆人民出版社 Xinjiang renmin chubanshe (Xinjiang Volksverlag). 乌鲁木齐 Ürümqi 1979/1981. 6+53+1.550 Seiten.

Siehe auch


- Vergleichende Betrachtung der Turksprachen

Weblinks


- [http://www.omniglot.com/writing/kazakh.htm Kasachische Alphabete und Sprachbeispiele]
- [http://www.inform.kz/showarticle.php?lang=eng&id=75040 Informationen zur neuen lateinischen Schreibweise des Kasachischen (auf Englisch)]
- [http://www.inform.kz/index.php?lang=lat Nachrichtenseite in kasachischer Sprache (lateinische Schrift)] Kategorie:Einzelsprache Kategorie:Turksprachen ja:カザフ語 ko:카자크어 th:ภาษาคาซัค

Lateinisches Alphabet

Das lateinische Alphabet wurde von der lateinischen Sprache auf viele romanische, germanische, slawische, finno-ugrische und weitere Sprachen übertragen und ist das am weitesten verbreitete Alphabet der Welt. Das lateinische Alphabet wird vorwiegend in christlichen Ländern verwendet. Das lateinische Alphabet wurde, über Vermittlung der Etrusker, aus dem westgriechischen Alphabet entlehnt. Es bestand ursprünglich aus 20 Buchstaben: A B C D E F H I K L M N O P Q R S T V X. Anfangs wurde C für den stimmlosen (/k/) und den stimmhaften (/g/) Velar verwendet. Das zeigen noch die Abkürzungen C. für Gaius und Cn. für Gnaeus und inschriftliche Formen wie CRATIA. Später wurde durch Hinzusetzen eines diakritischen Striches unterschieden: C = /k/, G = /g/. In augusteischer Zeit wurden zur Wiedergabe griechischer Fremdwörter und Eigennamen die Buchstaben Y und Z eingeführt: ζώνη zona (Gürtel, Zone), κύκλος cyclus (Kreis, Zyklus). Die Römer verwendeten die Buchstaben I und V sowohl als Vokal ([i] bzw. [u]), als auch als Halbvokal/Konsonant ([j] bzw. [v], Lautwert etwa wie das W in engl. water). Erst im Mittelalter wurde dies auch in der Schrift durch die Buchstaben J und U unterschieden. Noch jünger ist der aus einer Ligatur von zwei V entstandene Buchstabe W (daher sein englischer Name "double u"). Damit war jenes Alphabet, das man heute unter dem Begriff lateinisches Alphabet versteht, komplett. Es besteht aus folgenden 26 Buchstaben: : A, B, C, D, E, F, G, H, I, J, K, L, M, N, O, P, Q, R, S, T, U, V, W, X, Y, Z. : a, b, c, d, e, f, g, h, i, j, k, l, m, n, o, p, q, r, s, t, u, v, w, x, y, z. Im Deutschen Alphabet kommen noch die Buchstaben Ä ä, Ö ö und Ü ü, sowie - außer in der Schweiz und Liechtenstein - der Kleinbuchstabe ß hinzu. Eine Umschrift anderer Alphabete in das lateinische Alphabet nennt man Latinisierung. Die Römer kannten nur Großbuchstaben (Majuskel). Erst in der Spätantike und im Frühmittelalter entstanden die Kleinbuchstaben (Minuskel, Gemeine).

Diakriten, Ligaturen, Variationen

Latinisierung In zahlreichen Sprachen wurde das lateinische Alphabet um diakritische Zeichen ergänzt (z.B. å, é, ï, ò, û), um weitere sprachspezifische Laute darstellen zu können. Am extremsten geht dabei das Vietnamesische vor, das wie das Türkische erst spät ein neues Alphabet erhielt. Daneben wurden Buchstabenkombinationen entwickelt (wie ch, sch, th, ng, sz), aus denen im Laufe der Zeit auch Ligaturen werden konnten, die später dann oft zu selbständigen Buchstaben wurden (wie W aus VV im Spätlateinischen, Englischen, Deutschen und Polnischen, æ aus a und e im Dänischen, Norwegischen und Isländischen oder ß aus langem s (ſ) und rundem s (s) bzw. im Deutschen zusätzlich aus ſ und z). Außerdem entstanden neue Buchstaben, indem Buchstaben in ihrer Form differenziert wurden. Aus ursprünglichen Varianten (Allografen) eines Buchstabens wurden eigenständige Buchstaben (im klassischen Latein schon G in Unterscheidung zu C, im späteren Latein j neben i und u neben v). Darüber hinaus wurde das lateinische Alphabet auch durch Buchstaben aus anderen Alphabeten ergänzt (zu Zeiten des klassischen Lateins gelangten so Y und Z aus dem Griechischen ans Ende des lateinischen Alphabets, im Isländischen wurden der Buchstabe Þ (Thorn) aus dem Runenalphabet übernommen). Siehe auch: Liste lateinisch-basierter Alphabete, Beghilos

Aussprache

Die Aussprache der einzelnen Buchstaben hat sich schon innerhalb des römischen Reiches gewandelt (Lautverschiebung) und unterscheidet sich auch heute mehr oder weniger von einer Sprache zur anderen. Auch das internationale phonetische Alphabet(IPA) basiert zum Großteil auf dem lateinischen Alphabet (wobei eine Variante des lateinischen Alphabets, das pannigerianische Alphabet, wiederum Zeichen aus dem IPA übernommen hat).

Literatur


- Carl Faulmann: Das Buch der Schrift, enthaltend die Schriftzeichen und Alphabete aller Zeiten und aller Völker des Erdkreises (1878, aktuell in Nachdrucken erhältlich)
- Harald Haarmann: Geschichte der Schrift. C. H. Beck, München 2002, ISBN 3-406-47998-7
- Harald Haarmann: Universalgeschichte der Schrift. Campus Verlag, Frankfurt/Main; New York 1990, ISBN 3-593-34346-0
- Hans Jensen: Die Schrift in Vergangenheit und Gegenwart. 1987(Reprint). ISBN 3326002327

Weblinks

Unicode Code Charts (PDF):
- [http://www.unicode.org/charts/PDF/U0000.pdf Basic Latin]
- [http://www.unicode.org/charts/PDF/U0080.pdf Latin-1 Supplement]
- [http://www.unicode.org/charts/PDF/U0100.pdf Latin Extended-A]
- [http://www.unicode.org/charts/PDF/U0180.pdf Latin Extended-B]
- [http://www.unicode.org/charts/PDF/U1E00.pdf Latin Extended Additional] Kategorie:Alphabet als:Lateinisches Alphabet ja:ラテン文字 ko:로마 문자 th:อักษรละติน zh-min-nan:Lô-má-jī

Russische Sprache

Die russische Sprache (früher auch Großrussisch genannt) ist die slawische Sprache mit den meisten Sprechern. Sie bildet zusammen mit dem Ukrainischen (früher auch als Kleinrussisch bezeichnet), dem Weißrussischen und dem Russinischen die Gruppe der ostslawischen Sprachen. Die russische Standardsprache beruht auf den mittelrussischen Mundarten der Gegend um Moskau. Russisch wird von etwa 180 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen, von denen etwa 130 Millionen in Russland leben. Es ist Amtssprache in Russland, Weißrussland (zusammen mit Weißrussisch), Kasachstan (zusammen mit Kasachisch) und der zur Ukraine gehörenden Autonomen Republik Krim (zusammen mit Ukrainisch). In diesen und weiteren Staaten auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion ist es sowohl Muttersprache eines Teiles der Bevölkerung als auch Sprache eines großen Teiles des öffentlichen Lebens. Die russische Sprache ist ebenso eine verbreitete Sprache für Wissenschaft, Kunst und Technik. Zählt man die Zweitsprachler hinzu, kommt man auf etwa 300 Millionen Sprecher.

Alphabet

Russisch wird mit dem russischen Alphabet geschrieben (rus.: русский алфавит od. русская азбука), das dem kyrillischen Alphabet (rus.: кириллический алфавит od. кириллица) entstammt. Seit der letzten Rechtschreibreform im Jahre 1918 besteht das russische Alphabet aus 33 Buchstaben. Davon dienen 10 Buchstaben zur Wiedergabe der Vokale, und zwar: а, е, ё, и, о, у, ы, э, ю und я. Die übrigen 22 Buchstaben werden zur Wiedergabe von Konsonanten verwendet, wobei die Buchstaben ъ und ь nicht zur Nachbildung bestimmter, eingenständiger Laute, sondern als Indikatoren für die Härte oder Weichheit vorangehender Konsonanten dienen [mehr dazu siehe unter: Russische Phonetik]. Siehe auch: Russische Rechtschreibreform von 1918

Aussprache

Die Aussprache der russischen Sprache bezeichnet die Phonetik und die Phonologie der russischen Standardsprache. Im weiteren Sinne kann darunter auch die Aussprache in verschiedenen Varietäten (Dialekten und Mundarten) der russischen Sprache verstanden werden.

Tonalität

Russisch ist eine nicht-tonale Sprache, d.h. die Tonhöhe der Vokale hat keinen Einfluss auf die Bedeutung eines Wortes. Auch wie im Deutschen wird im Russischen innerhalb oder am Ende eines Satzes unterschiedliche Stimmhöhe benutzt, um z.B. einen Aussagesatz von einem Frage- oder Ausrufesatz kenntlich zu machen. Die Stimmhebung oder -senkung dient hier aber dazu, um die Bedeutung eines Satzes zu ändern oder dessen bestimmte Teile klanglich hervorzuheben. In tonalen Sprachen hingegen ändert der Ton die Bedeutung einzelner Wörter.

Wortbetonung

Die Betonung eines Wortes (der Wortakzent) hat im Russischen eine wichtige und häufig eine sinnunterscheidende Bedeutung. Falsch betonte Wörter können zu Verständnisschwierigkeiten führen, insbesondere dann, wenn sie aus dem sprachlichen Kontext isoliert oder einzeln ausgesprochen werden. In der sprachwissenschaftlichen Literatur wird die russische Wortbetonung u.a. als frei und beweglich bezeichnet. So werden z.B. durch die Verlagerung der Betonung innerhalb einiger russischen Wörter ihre unterschiedlichen Flexionsformen gebildet. Für eine ausführliche Darstellung siehe: Wortbetonung in der russischen Sprache

Phonetik

Die phonetische Struktur der modernen russischen Standardsprache zählt 42 bedeutungsunterscheidende Einzellaute (Phoneme), die sich wiederum in 6 Vokal- und 36 Konsonantenlaute aufteilen lassen. Das umfangreiche Phoneminventar des Russischen erklärt sich durch eine für slawische Sprachen typische Besonderheit der Aussprache, und zwar werden die meisten russischen Konsonanten sowohl hart als auch weich (palatalisiert) ausgesprochen. Hierbei handelt es sich aber nicht um so genannte Phone, sondern um einzelne Phoneme, denn jede dieser Aussprachevarianten ist bedeutungsunterscheidend. Einige russische Dialekte haben einen spezifischen Phonembestand, in dem einige Konsonanten vorwiegend hart bzw. palatalisiert oder etwas anders (z.B. guttural) ausgesprochen werden. Die Aussprache russischer Vokale und Konsonanten variiert in Abhängigkeit davon, welche Position sie in einem Wort einnehmen. Dabei unterscheidet man bei Vokalen zwischen einer betonten und einer unbetonten Position. So wird beispielsweise das "o" als [o] in betonter und als [a] oder ] in unbetonter Position ausgesprochen. Die Aussprache vieler russischen Konsonanten wird wiederum durch andere, ihm nachfolgende Konsonanten bestimmt. So werden u.a. alle stimmhaften Konsonanten nicht nur am Wortende stimmlos ausgesprochen, sondern auch dann, wenn sie einem anderen stimmlosen Konsonanten vorangehen. Im Unterschied zum Deutschen ist die Länge der Vokale im Russischen weder bedeutungsunterscheidend (wie z.B. in Stielstill) noch für die richtige Aussprache eines Wortes ausschlaggebend. Die betonten Vokale werden in der Regel halblang ausgesprochen. Die unbetonten Vokale sind dagegen kurz und unterscheiden sich häufig von den entsprechenden betonten Vokalen auch qualitativ. Im Russischen gibt es keine Diphthonge. Sowohl Doppelvokale als auch zwei unterschiedliche, aufeinander folgende Vokale werden stets als einzelne Laute ausgesprochen (wie z.B. in Kooperation, aktuell, Museum, geimpft). Für eine ausführliche Darstellung der russischen Phonetik siehe: Russische Phonetik

Grammatik

Wie die meisten slawischen Sprachen ist auch das Russische stark flektierend. In einer flektierenden Sprache ändert sich die Gestalt eines Wortes innerhalb diverser grammatischen Kategorien, und zwar einerseits durch Hinzufügung von Affixen (schwache od. äußere Flexion) oder durch Veränderung des Wortstammes (starke od. innere Flexion). Für das Russische sind die beiden Flexionsarten charakteristisch. Im Falle der starken Flexion verändert sich der Stamm vieler russischen Wörter bei deren Beugung (Deklination, Konjugation, Komparation), und zwar durch Ablaut (z.B.: мыть - мою, жевать - жуёт), Konsonantenverschiebung (z.B.: возить - вожу) oder Hinzufügung bzw. Wegfall der Stammvokale (z.B.: брать - беру, один - одна). Dabei können die Attribute der schwachen und der starken Flexion jeweils einzeln oder in Kombination miteinander auftreten (z.B.: жечь - жёг - жгу). Wortarten und deren grammatische Kategorien:
Auch wie im Deutschen werden im Russischen Substantive, Adjektive und Pronomen nach Kasus, Genus und Numerus gebeugt und Adverbien nur gesteigert. Russische Verben werden hingegen nicht nur nach Tempus und Numerus, sondern in der Vergangenheitsform auch nach Genus gebeugt. Anders als im Deutschen werden im Russischen auch Eigennamen (Personen-, Städte-, Ländernamen u.ä.) und Zahlwörter gebeugt. Außerdem kennt das Russische weder bestimmte noch unbestimmte Artikel. Für die Anzeige von Kasus, Genus und Numerus treten stattdessen zahlreiche Suffixe auf. Bei einer kleinen Gruppe russischer Wörter können grammatische Kategorien durch Verlagerung der Wortbetonung von einer auf die andere Silbe gebildet werden (mehr dazu siehe unter: Wortbetonung in der russischen Sprache). Weitere Wortarten im Russischen sind Präpositionen, Konjunktionen, Fragewörter, Interjektionen, Frage- und Modalpartikeln sowie die Verbpartikel «бы». In einem Satz bleiben sie immer ungebeugt. Substantive:
Das Russische kennt drei grammatische Geschlechter und sechs grammatische Fälle (Kasus). Bei der Deklination wird innerhalb der grammatischen Geschlechter weiterhin nach belebten (d.h. Lebewesen) und unbelebten (d.h. Sachen) Substantiven unterschieden. Verben:
Eine Besonderheit der meisten russischen Verben besteht darin, dass sie zwei unterschiedliche Formen haben, um eine Handlung im Zeitgeschehen als vollendet oder unvollendet zu spezifizieren. In der sprachwissenschaftlichen Literatur wird diese verbale Kategorie als Aspekt bezeichnet (mehr dazu siehe unter: Der Aspekt in der russischen Sprache). Tempus:
Im Unterschied zum Deutschen gibt es in der russischen Standardsprache nur eine Vergangenheitsform, die häufig als Präteritum bezeichnet wird. Diese Bezeichnung beschreibt aber lediglich die Art und Weise, wie die Vergangenheitsform russischer Verben gebildet wird. Diese erfolgt ausschließlich durch Änderung der Gestalt eines Verbs, wie etwa durch Anhängen spezifischer Suffixe, und nicht durch zusätzliche Nutzung von Hilfsverben, wie etwa von Verben „haben“ oder „sein“ im Deutschen. Syntax (Satzbildung):
Da das Russische stark flektierend ist, sind die gebeugten Formen vieler russischen Wörter oft einzigartig und entsprechen jeweils nur einer bestimmten grammatischen Kategorie. Deshalb ist die Verknüpfung einzelner Satzglieder im Russischen nicht so streng wie im Deutschen geregelt. So muss das Subjekt nicht notwendigerweise unmittelbar vor oder nach dem Prädikat gesetzt werden, ein Aussagesazt kann mit dem Prädikat anfangen oder enden. Innerhalb kurzer Sätze oder einzelner, geschlossener Satzteile kann die Wortfolge oft stark dennoch nicht willkürlich variieren, ohne dabei die Satzsemantik zu verändern. Insbesondere in der Poesie wird dieses besondere Merkmal der russischen Syntax häufig verwendet, indem Sätze zuweilen durch eine unübliche Umstellung der Wörter gebildet werden und somit die Reimfindung erleichtern. Einige Unterschiede zwischen den Satzbildungsregeln im Deutschen und im Russischen können durch folgende Beispiele veranschaulicht werden:

- Im deutschen Satz „Maria fragt Jan.“ wird die Satzsemantik durch die Reihenfolge [Subjekt] → [Prädikat] → [Akkusativobjekt] bestimmt. Die Substantive, in diesem Fall die Eigennamen „Maria“ und „Jan“, weisen keine grammatischen Merkmale auf, die sie als Subjekt bzw. Akkusativobjekt erkennen lassen. Deshalb, sobald man die beiden Substantive miteinander vertauscht, ändert sich die Bedeutung des Satzes im Deutschen: „Jan fragt Maria.“. Im Russischen lassen sich die beiden Substantive durch ihre Flexionsformen eindeutig als Subjekt bzw. Akkusativobjekt erkennen. Die Bedeutung des Satzes „Мария спрашивает Яна.“ („Maria fragt Jan.“) wird im Russischen also nicht durch die Reihenfolge der Satzglieder, sondern durch deren Flexionsformen bestimmt. Deshalb ändert sich die Satzsemantik durch die Umstellung der Satzglieder nicht. Im russischen Satz wird es immer Maria sein, die Jan fragt und nicht umgekehrt: „Мария спрашивает Яна.“ oder „Мария Яна спрашивает.“ oder „Яна Мария спрашивает.“ oder „Яна спрашивает Мария.“. Will man im Russischen sagen, dass Jan Maria fragt, muss man die Flexionsformen der beiden Substantive ändern: „Ян спрашивает Марию.“.
- Im deutschen Satz „Ich liebe dich.“ muss das Prädikat immer an der zweiten Stelle stehen. Im Russischen Satz kann es entweder an der zweiten oder an der letzten Stelle sein: „Я люблю тебя.“ bzw. „Я тебя люблю.“. Wird das Prädikat an die erste Stelle im Satz gesetzt, so leitet es im Russischen nicht eine Frage ein, sondern hebt lediglich die Handlung hervor und weist in diesem Fall auf die Gefühlsstärke des Sprechenden: „Люблю я тебя.“ („Ich liebe dich so sehr.“).
Für eine ausführliche Darstellung der russischen Grammatik siehe: Russische Grammatik

Dialekte

Man unterscheidet im europäischen Teil Russlands drei sprachlich unterschiedliche Gebiete: Nord-, Mittel- und Südrussland. Die Gebiete unterteilen sich ferner in einzelne Dialekte.

Nordrussisch

Nord-östlich einer Linie vom Ladogasee über Nowgorod und Jaroslawl bis Joschkar-Ola. Diese Mundart kennzeichnet sich durch ein klar ausgesprochens unbetontes "o" (оканье - Okanje), ein gutturales "g" und ein hartes "t".
- Mundartengruppe von Ladoga und Tichwin
- Mundartengruppe von Kostroma
- Mundartengruppe von Wologda
- Mundartengruppe von Onega
- Mundarten von Beloozersk

Mittelrussisch

Die Nördliche Grenze verläuft von Sankt-Petersburg über Nowgorod und Iwanowo bis Nischni Nowgorod und Tscheboksary, die südliche von Welikije Luki über Moskau bis Pensa. Dieses Gebiet zeigt sowohl nördliche als auch südliche Sprachzüge. Im Westen ist das unbetonte "o" ein "o", im Osten ein "a" (аканье - Akanje).
- Westmittelrussisch von Pskow
- Westmittelrussisch von Nowgorod
- Ostmittelrussisch von Moskau und Umgebung
- Ostmittelrussisch von Jegorewsk und Umgebung
- Ostmittelrussisch von Temnikow und Umgebung
- Ostmittelrussisch vom Wolga-Wladimir Gebiet

Südrussisch

Im Bereich südlich von Welikije Luki über Rjasan bis Tambow. Hier spricht man das unbetonte "o" als "a", ein frikatives "g" und ein weiches "t".
- Mundart von Rjasan
- Mundartengruppe vom Dnjepr
- Mundart von Oskol

Mischsprachen

Es gab und gibt einige natürlich entstandene Mischsprachen mit dem Russischen. Bekannteste Vertreter sind die Mischungen mit den nah verwandten Ukrainisch (Surschyk) und Weißrussisch (Trasjanka). Innerhalb der Sowjetunion vermischte es sich einst auch mit den isolierten Sprachen sibirischer und asiatischer Völker Russlands. An dessen Arktis-Grenzen zu Norwegen wurde vor 100 Jahren noch eifrig Russenorsk gesprochen. Im Fernen Osten wiederum brachte der Kontakt mit Chinesen Kjachta-Russisch hervor. Nationalismus hat auch diese Mischsprachen heute vernichtet. Allein das durch den sowjetischen Einfluss auf Kuba entstandene Rusinol lebt. In Deutschland entsteht zur Zeit unter den russischen Einwanderern eine deutsch-russische Mischsprache.

Lehnwörter

Das Russische hat sich eine ganze Reihe von Wörtern aus dem Deutschen entlehnt (siehe: Liste deutscher Wörter im Russischen). Darüber hinaus sind auch einige russische Wörter in die deutsche Sprache eingegangen (siehe: DDR-Sprache).
- Datsche - дача
- Perestroika - перестройка
- Pogrom - погром
- Sputnik - спутник
- Steppe - степь
- Subbotnik - субботник
- Troika - тройка
- Wodka - водка
- Zobel - соболь

Weitere verwandte Aktikel


- Russische Rechtschreibreform von 1918
- Wortbetonung in der russischen Sprache
- Russische Phonetik
- Russische Grammatik
- Russische Literatur
- Deutschrussisch
- Russischer Mat

Weblinks


- http://www.russian-online.net – Russisch lernen und verstehen – kostenloser Online-Sprachkurs und Sprachführer, für Einsteiger
- http://learning-russian.gramota.ru – Online-Sprachkurs, für Fortgeschrittene
- [http://www.rambler.ru/dict/scripts/go.cgi?btnG=%CD%E0%E9%F2%E8%21&query=&where=deru&start=0&count=15 http://www.rambler.ru/dict/] – Deutsch-Russisches Wörterbuch
- [http://www.dict.russian-german.net http://www.dict.russian-german.net] – freies Deutsch-Russisches Wörterbuch mit Lern-Modus
- [http://www.sz.euv-frankfurt-o.de/Homepages/Lektorate/Russisch/LRLinksOnlineWB.html Liste von Online-Wörterbüchern und Nachschlagewerken]
- [http://www.russlandjournal.de RusslandJournal.de] - Alphabet, Grammatik, viele praktische Sprachübungen und Tests der russischen Sprachlernsoftware und -bücher Kategorie:Einzelsprache Kategorie:Indogermanisch Kategorie:Russische Sprache ja:ロシア語 ko:러시아어 ms:Bahasa Russia simple:Russian language th:ภาษารัสเซีย

Kasachstan

Kasachstan (kasachisch Қазақстан/Qazaqstan, russisch Казахстан/Kasachstan; amtlich Republik Kasachstan, kasachisch Қазақстан Республикасы / Qazaqstan Respublîkasy, russisch Республика Казахстан / Respublika Kasachstan) liegt in Zentralasien und - betrachtet man den Fluss Ural als Grenze zwischen Europa und Asien - zu einem sehr kleinen Teil im äußersten Osteuropa. In Kasachstan selber sieht man sich in erster Linie im Zentrum Eurasiens. Es grenzt im Norden und Westen an Russland, im Südosten an die Volksrepublik China, im Süden an Kirgisistan, Usbekistan und Turkmenistan und im Südwesten an das Kaspische Meer.

Geographie

Kasachstan ist mit seinen 2.717.300 km² das neuntgrößte Land der Erde. Es liegt ziemlich genau in der Mitte Eurasiens und zieht sich von der Ebene der Wolga im Westen bis zum Altai im Osten. Die südliche Begrenzung bilden der Tienschan-Gebirgszug, der Aralsee und die Kysylkum-Wüste. Nach Norden reicht Kasachstan ohne natürliche Begrenzung in das Mittelsibirische Tiefland hinein. Der größte Teil des Landes besteht aus Ebenen (Steppe und Wüste), im Nordwesten befinden sich die Mugodscharberge, im Zentrum die Kasachische Schwelle, während sich im Südosten im Tienschan Höhen bis zu 4.973 m finden.

Landschaften

Das Relief von Kasachstan ist sehr vielfältig. Dennoch kann man behaupten, dass den größten Teil des Territoriums Ebenen, niedrige Berge und Hügel beherrschen. Der Westen des Landes wird von der Kaspischen Senke geprägt. Bei der Kaspischen Senke handelt es sich um ein meist sumpfiges Gebiet unterhalb des Meeresspiegels. Im Süden geht die Kaspische Senke in das Ustjurt-Plateau über. Westlich des Plateaus, auf der Mangghystau-Halbinsel, befindet sich auch die tiefste Stelle Kasachstans, die Karagije-Höhle (-132 m). Von Osten wird die Kaspische Senke durch einen Ausläufer der Ural-Gebirge begrenzt, Mugodscharberge, Mittelhöhe 500 Meter. Weiter südöstlich liegt um den Aralsee die Turanische Senke, die auch größte Wüste des Landes miteinschließt, Kysylkum, sowie Aralkarakum. Im Zentrum von Kasachstan befindet sich die Kasachische Schwelle, kasachisch Saryarka. Saryarka ist ein von Steppen und Halbwüsten geprägtes Gebiet mit vielen mittelgroßen (500-1.500 m) Bergen und Gebirgen wie Ulutau, Kökschetau oder Karkaraly. Im Nordwesten wird Saryarka von dem Turgai-Plateau und im Norden von der Westsibirischen Ebene begrenzt. In diesen Regionen wird die Landschaft von fruchtbaren Steppen und Waldsteppen geprägt, mit vielen Seen und Flüssen. Im Osten der Republik befinden sich die mit Wäldern bedeckten Gebirgsketten des Altai, die Sibirien von den mittelasiatischen Wüsten trennen. Der höchste Berg ist Belucha (4.506 m). Südlich der Kasachischen Schwelle liegt das Plateau der Hungersteppe, kasachisch Betpak-Dala. Weiter südlich des Plateaus und des Balchaschsees liegt ein Gürtel der Wüsten Mujunkum und das in der Vergangenheit fruchtbare Siebenstromland. Ganz im Süden Kasachstans, an den Grenzen zu China und Kirgisien, liegen Hochgebirge wie Alatau, Karatau und vor allem Tienschan (chinesisch: "Himmelsgebirge"). Der Tienschan ist eine der höchsten Gebirgsketten der Welt. Die von Wäldern und Gletschern bedeckten Gebirge erreichen im benachbarten Kirgisien fast 7.500 Meter Höhe. Der höchste Berg Kasachstans ist Khan Tengri (7.010 m), im äußersten Südosten gelegen.

Wasserressourcen

In Kasachstan gibt es einige bedeutende Flüsse, die auch schiffbar sind. Sie alle fließen aber in den Randregionen des Landes, im zentralen Teil dagegen gibt es fast ausschließlich abflusslose Steppenströmchen, die im Hochsommer häufig austrocknen, ähnlich wie australische Creeks. Die längsten Flüsse Kasachstans sind Irtysch (4.248 km, davon 1.700 in Kasachstan), Syrdarja (2.212/1.400 km), Zhajyk (rus. und dt. Ural) (2.428/1.100 km) und Ili (1.001/815 km). Weitere wichtige Flüsse sind Ischim, Tobol, Emba, Sarysu (der längste abflusslose Steppenstrom), Tschu, und Nura. Irtysch und Nura verbindet der bedeutendste Kanal des Landes: der Irtysch-Karaganda-Kanal (500 km). Kasachstan ist reich an Seen, besonders was den Norden des Landes angeht. Im ganzen Land gibt es ca. 4.000 große und kleine Seen, die mehrheitlich Salzseen sind. Der größte See Kasachstans ist das Kaspische Meer. Das Kaspische Meer ist 390.000 km² groß, ungefähr ein Viertel der Fläche entfällt auf Kasachstan. Das Kaspische Meer verfügt über reiche Naturreserven, z. B. in Form von Fischen; hier lebt auch die artengeschützte kaspische Seerobbe. Der zweitgrößte See ist der Aralsee, der auszutrocknen droht. Dieser Prozess dauert seit 1975 an und hat bereits nachhaltige Schäden für Mensch und Natur bewirkt. Inzwischen hat sich der See in zwei Teile aufgeteilt. Soweit bekannt, hat sich aber die Verkleinerung der Wasseroberfläche in den letzten Jahren sehr verlangsamt. Der Balchaschsee zählt ebenso zu den weltweit bedeutendsten Seen. Er ist 18.200 km² groß und 614 km lang. Er gehört vollständig zu Kasachstan. Zu den Besonderheiten Balchaschs zählt, dass er als einziger See der Erde zur Hälfte aus Süß- und zur anderen Hälfte aus Salzwasser besteht. In den Bergen des Altai liegt der wunderschöne und naturreiche Saisansee. Weitere größere Seen Kasachstans sind der Siletinizsee im Norden, der Tengiz- und der Karakojynsee im Zentrum und der Alakolsee im Westen des Landes. Touristisch bedeutend sind die prächtigen Seen von Borowoje und Marakol. Die größten Stauseen sind Kaptschagai und Buchtarma.

Tier- und Pflanzenwelt

Wegen seiner Größe und der Ausdehnung über viele Naturzonen besitzt Kasachstan eine ausgesprochen reiche Palette von Flora und Fauna. Im Norden, wo die Steppen und Waldsteppen vorherrschen, die zusammen 28,5 % der Fläche Kasachstans ausmachen, wachsen viele Getreidepflanzen, Gräser, besonders häufig in Steppen ist Federgras. Auch viele medizinisch nützliche Pflanzen kommen vor, so etwa Adonis, Johanniskraut und Baldrian. Sehr verbreitet ist Wermut. In den Wald-"Inseln" wachsen Birken, Espen, Weiden, Johannisbeersträuche; weiter westlich Fichten; nach Westen hin Eiche und Linde. In den Wäldern gibt es viele Beeren. Die typischen Bewohner dieser Zone sind Nagetiere wie Zieselmaus, Murmeltier, Springmaus, Eichhörnchen. Es gibt aber auch viele Hasen, Hermeline, Dachse, Wölfe und Füchse. In den Wäldern leben vereinzelt Hirsche und Rehe, in der Steppe die seltene und geschützte Saiga-Antilope. Vögel gibt es besonders viele, auch Wasservögel, da es in dieser Region über 1.500 Seen gibt. Man kann nur einige hervorheben: Schwäne, Adler, Trappen (diese sind die größten Vögel Kasachstans, erreichen bis zu 16 kg Gewicht), Geier, Kraniche, Reiher, Enten, Gänse, Waldhühner, Spechte, Lerche u.v.a. Über 14 % des Territoriums erstrecken sich Halbwüsten. Hier trifft man auf deutlich geringeren Artenreichtum als in den Steppen. Besonders häufig sind Wermut, Kamillen, Federgras. Auch Hasen, Zieselmäuse und Springmäuse kann man hier noch finden, man trifft überall auf Wölfe und Korsak-Füchse, etwas seltener auf Saiga und Kropfgazelle. Es gibt viele Eidechsen und Schlangen wie Natter und Otter. Wüsten sind die größte Naturzone Kasachstans - sie bedecken 44 % seiner Fläche. Es sind in der Regel Sandwüsten und Kieswüsten. Dort herrschen extreme Klimabedingungen; die Kälte im Winter erreicht bis zu -40° C, im Sommer dagegen ist es über +40° C heiß. Die Temperatur des Sandes geht bis an die Marke von +70° C! Hier wachsen nur trockene, kleinwüchsige Pflanzen mit langen Wurzeln. Riedgras, Wüstenfedergras, Wermut, Stachelbarsch sind die häufigsten. Im Sommer verbrennen die meisten Pflanzen an der Sonne. Ziemlich verbreitet sind Sträuche, besonders Saksaul. Große Tiere trifft man in der Wüste sehr selten, es sind meistens Antilopen und Saiga oder Eber, die nahe der Wasserquellen vegetieren. Noch seltener sieht man Wölfe und Schilfkater. Die kleinen Tiere wie Igel, Schildkröten, Springmäuse können sich an die extremen Bedingungen besser anpassen. In der Wüste überall verbreitet sind Reptilien wie verschiedene Agamen und einige Schlangen, insgesamt kommen in Kasachstan ca. 50-60 verschieden Reptilien vor. Außerdem gibt es viele Spinnentiere wie die Malmignatte verschiedene Tarantelarten und ferner Skorpione. In den riesigen Bergen von Tienschan, die meist von Fichtenwäldern bedeckt sind, trifft man heute noch auf den Schneeleopard - eins der Nationalsymbole Kasachstans. Auch der Luchs ist ziemlich verbreitet, und in Altai gibt es viele Bären. Einer Verbindung vom Nordpolarmeer bis zum Kaspischen Meer vor der letzten Eiszeit verdanken wir, dass am Kaspischen Meer noch heute große Robbenkolonien vorzufinden sind. Die Robbe am Kaspischen Meer stellt zusammen mit der Baikalrobbe die einzige außerpolare Robbenart dar.

Natürliche Ressourcen

Kasachstan ist eines der rohstoffreichsten Länder der Erde. Von den 105 Elementen des Periodensystems kommen auf dem Gebiet der Republik 99 vor. Um das Kaspische Meer liegen große Erdöl- und Gasfelder, die eigentlich den gesamten Westen des Landes einschließen, besonders die Gebiete von Mangghystau, Atyrau und Aqtöbe. Bedeutendste Quellen sind Makat, Dossor, Usen, Karazhanbas. Man vermutet außerdem Erdölvorkommen um den Aralsee. Weitere, ärmere Erdöl- und Gasfelder gibt es im Süden der Republik, in den Gebieten von Taras, Schymkent, Schesqasghan und Qysylorda. Ein weltweit bedeutendes Steinkohlevorkommen ist das Becken von Qaraghandy. Diese Region war eines der wichtigsten Kohlelieferanten in der Sowjetunion. Auch die Becken von Ekibatuz und Astana sind längst noch nicht ausgeschöpft. Im Gebiet von Qostanai befinden sich reiche Vorkommen von reinem Eisen, wie Sarybaj. Um Schesqasghan und Balchasch liegen die bedeutendsten Kupfervorkommen der Republik, und in den Altai-Bergen wird Gold gewonnen. Ergiebige Manganvorkommen existieren um Atasu und Shesdy nahe Sheskasgan. Im Gebiet von Aqtöbe liegt Nickel unter der Erde. Ca. 300 km südlich von Qostanai liegt die einst schöne Stadt Zitikara(Dshetygara). Das Gold liegt hier buchstäblich unter den Häusern. Diese werden nun abgerissen, um an das Gold zu gelangen. Kasachstan nimmt weltweit den ersten Platz an Vorkommen folgender Rohstoffe ein: Chrom, Vanadium, Wismut, Fluor. Einen der führenden Plätze hat Kasachstan bei den Vorkommen von Uran, Eisen, Kupfer, Kohle, Wolfram, Blei, Zink und Molybdän.

Klima

Das Klima ist kontinental, d. h. nach kalten Wintern folgen direkt heiße lange Sommer.

Bevölkerung

Kasachstan hat ca. 15.143.700 Einwohner (Juli 2004). Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte in Kasachstan beträgt 5,57 Einwohner pro Quadratkilometer und ist damit eine der niedrigsten der Welt. Am dichtesten besiedelt sind die Kreise im äußersten Süden, um Almaty, Schymkent und Taras, sowie Steppenregionen im Norden, Gebiete von Astana, Petropawl, der Norden der Gebiete Qostanai und Qaraghandy; das rechte Ufer des Irtysch. Dazu ist noch anzumerken, dass die höchste Bevölkerungsdichte in Kasachstan lediglich 25 E/km² beträgt, niedriger als in Vorpommern.

Nationalitäten

Die Bevölkerung Kasachstans besteht zu 54 % aus Kasachen, einem Turkvolk. Die größte Minderheit sind die Russen (30 %). Weitere Minderheiten europäischer Herkunft sind die Ukrainer (3,7 %) und Kasachstandeutschen (2 %). Zu den turkvölkischen Minderheiten zählen die 332.017 Usbeken (2,5 %), 185.301 Uiguren(1,4 %), 132.000 Tataren (1,7 %), 105.000 Mescheten, 41.847 Baschkiren und ca. 8.000 Tschuwaschen. Aufgrund der Bestrebungen der Regierung, die Kasachische Sprache als vorherrschende Amtssprache durchzusetzen, hat die Anzahl der Angehörigen der Minderheiten seit der Unabhängigkeit des Landes abgenommen, da es einige vorgezogen haben, auszuwandern. In den letzten Jahren scheint sich der Trend verlangsamt zu haben.

Sprachen

Die vorherrschende Sprache in Kasachstan ist nach wie vor das Russische, das von 83,1 % der Einwohner beherrscht wird, obwohl die Rolle des Kasachischen, das 40,2 % der Einwohner sprechen, durch die Bemühungen der Regierung in den Jahren nach der Unabhängigkeit stark gewachsen ist. Es herrschen 8 Jahre Schulpflicht. Die Rate der Analphabeten ist mit 2,5 % ungefähr so hoch wie in Deutschland. Der private Sprachverein Qazaq tili (Kasachische Sprache) genießt heute halboffiziellen Status, da er den Kasachen seit 1989/90 den verstärkten Gebrauch der eigenen Sprache und eine Re-Turkisierung, d. h. die Anpassung des Kasachischen an andere Turksprachen ans Herz legt bzw. betreibt.

Religionen

Ungefähr die Hälfte der Bevölkerung – größtenteils die Vertreter der Türkvölker – bekennt sich zum sunnitischen Islam, die andere Hälfte zum Christentum. Dabei handelt es sich größtenteils um russisch-orthodoxe Christen. Kasachstandeutsche bekennen sich zum Evangelismus und Protestantismus (größtenteils Lutheraner). Viele Ukrainer sowie Polen und Litauer sind Katholiken. In den Städten gibt es Gemeinden der Zeugen Jehovas und Juden.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Kasachstans Im Altertum entstanden auf dem Gebiet des späteren Kasachstan verschiedene Reiche, die z. T. Weltbedeutung erreichten. Am bekanntesten sind die Reiche der turkstämmigen Kangly, Scha-t'o, Kirgisen, Kimek und Naimanen, die vor allem das nördliche, südliche und östliche Kasachstan beherrschten. Der Süden wurde vor allem durch das türkisch-geprägte Reich des Choresm-Schah gebildet, dem auch formal die Gebiete der turkstämmigen Karakhaniden und der Türgesch untertan waren. Das spätere Westkasachstan unterstand den Reichen der Kyptschaken und der Oghusen. Im 13. Jahrhundert wurde Kasachstan von den Mongolen Dschingis Khans überrannt und seinem Reiche einverleibt: Große Teile des heutigen Kasachstans zählten zu der Orda-Horde. Im Westen des Landes befand sich das Gebiet der Goldenen Horde, während der Süden formal durch das Khanat Tschagatai kontrolliert wurde - de facto herrschten aber im südlichen Kasachstan die Khane der Roten Nogaier-Horde. Im 14./15. Jahrhundert von Timurs Eroberungen betroffen, bildete sich nun das Usbekische und Kasachische Khanat heraus. Im 17./18. Jahrhundert fielen noch einmal Mongolen in Kasachstan ein, wo es zeitweise einen Bestandteil der Westmongolischen Föderation der Oiraten bildete. Es war die Zeit des "Großen Unglücks" für die Kasachen. Mitte des 18. Jahrhunderts unterstellte sich das spätere Kasachstan nach und nach dem russischen Zarenreich. Es kam nun dort zur Bildung der drei "kasak-kirgisischen Horden". Im 19. Jahrhundert beginnt der kasachische Widerstand gegen die russische Herrschaft: Auf dem Gebiet des einstigen Kasachen-Khanates wird nun die Buqai-Horde begründet, die das Khanat wieder herstellen wollte. Doch wird das nachmalige Kasachstan durch General Kaufmann († 1882) unterworfen und dadurch dem Generalgouvernement Turkestan unterstellt. 1917 proklamierte die kasachische Nationalbewegung Alasch Orda die Autonomie Kasachstans innerhalb eines föderativen Russlands. Da die Alasch Orda die Anerkennung der Machtübernahme der Bolschewiki verweigerte, geriet sie in Konflikt mit der neuen russischen Sowjetregierung. Im Laufe des russischen Bürgerkrieges war das Gebiet des heutigen Kasachstans zwischen den Bolschewiki, der Alasch Orda sowie russischen antikommunistischen Gruppierungen umkämpft, wobei die Allianzen und Machtverhältnisse mehrmals wechselten. 1919 wurde das Gebiet schließlich von den Sowjets unterworfen. Am 26. August 1920 wurde aus dem nördlichen und zentralen Teil des heutigen Kasachstans die Kirgisische Autonome Sowjetrepublik innerhalb der RSFSR gebildet. Deren erste Hauptstadt wurde das heute zu Russland gehörende Orenburg. Nach der Auflösung der ASSR Turkestan wurden ihr 1924/1925 auch das heutige südliche Kasachstan sowie das heutige Karakalpakistan angegliedert. Im April 1925 wurde sie in Kasachische Autonome Sowjetrepublik umbenannt. Orenburg wurde von der Kasachischen ASSR getrennt und unmittelbar Teil der RSFSR, neue Hauptstadt wurde 1925 zunächst Qysylorda, 1929 dann Alma-Ata (heute Almaty). Am 5. Dezember 1936 wurde Kasachstan als Kasachische SSR zu einer von der RSFSR getrennten eigenständigen Unionsrepublik der Sowjetunion erklärt, während Karakalpakistan als autonome Republik dem benachbarten Usbekistan zugeschlagen wurde. 1990 erklärte Kasachstan seine Souveränität innerhalb der UdSSR. Nursultan Nasarbajew wurde Staatoberhaupt. Am 16. Dezember 1991 erklärte die Republik Kasachstan ihre Unabhängigkeit. Kasachisch wurde Amtssprache, die Hauptstadt Alma-Ata wurde in Almaty umbenannt, der 16. Dezember wurde Nationalfeiertag. Nursultan Nasarbajew war bereits am 1. Dezember 1991 in den ersten direkten Wahlen zum Präsidenten gewählt worden. 1992 gründete Kasachstan zusammen mit Usbekistan, Kirgisien, Turkmenistan, Tadschikistan, Aserbaidschan und der Türkei den Zentralasiatisch-Türkischen Gipfel. 1997 zogen Regierung und Parlament von Almaty nach Aqmola um. Akmola wurde als offizielle Hauptstadt proklamiert und 1998 in Astana ("Hauptstadt") umbenannt. Karte von Kasachstan

Politik

Die Innenpolitik wird weitgehend durch den autoritären Regierungsstil von Präsident Nursultan Nasarbajew und seiner Familie geprägt. Die Opposition wird stark eingeschränkt.

Außenpolitik

Außenpolitisch schwankt Kasachstan zwischen enger Anlehnung an Russland - z. B. in der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft und dem Rat für kollektive Sicherheit - einerseits und Emanzipationsbestrebungen von Russland mit enger Anlehnung an die USA andererseits. Mitgliedschaften: UNO und alle UNO-Organisationen wie UNESCO; Shanghai Cooperation Organization (SCO) , Rat für kollektive Sicherheit, Eurasische Wirtschaftsgemeinschaft, GUS, Organisation der Islamischen Konferenz (OIC), Economic Cooperation Organization (ECO), Zentralasiatisch-Türkischer Gipfel. Zentralasiatisch-Türkischer Gipfel

Verwaltungsgliederung

Kasachstan ist in 14 Gebiete (Regionen, kasach. Oblys, Mehrzahl Oblystar) und 3 Städte mit Sonderstatus (kasach. Qala) gegliedert. Alle unten angegebenen Bezeichnungen sind in kasachischer Transkription. Russische Namen, die bis 1994 galten und unter denen die Städte in Europa bekannt sind, werden nach dem Schrägstrich angegeben. Da diese Bezeichnungen aber nicht mehr offiziell sind, sollte man sich an die neuen, kasachischen Bezeichnungen gewöhnen. Städte mit Sonderstatus:
- Astana (Астана қаласы/Astana qalasy)
- Almaty (Alma-Ata) (Алматы қаласы/Almaty qalasy)
- Baikonyr (Baikonur, Leninsk) Nach der Verwaltungsreform von 1997 wurden folgende Gebiete aufgelöst:
- Gebiet Turgai (Turgai/Arkalyk)
- Gebiet Schesqasghan (Schesqasghan/Dscheskasgan)
- Gebiet Kökschetau (Kökschetau/Koktschetaw)
- Gebiet Taldykorgan (Taldykorgan/Taldy-Kurgan)
- Gebiet Semei (Semei/Semipalatinsk). Siehe auch: Liste der Städte in Kasachstan

Infrastruktur

Für den Verkehr hat die Eisenbahn mit Abstand die wichtigste Bedeutung. Das Streckennetz ist 14.560 km lang. Das Straßennetz ist durchschnittlich entwickelt und umfasst 141.000 km, europäischen Standards entspricht lediglich die Magistrale Astana-Almaty. In Atyrau und Aqtau befinden sich Häfen am Kaspischen Meer. Auf Irtysch und Zhajyk (Ural) gibt es Schifffahrt. In Baikonur befindet sich der größte Weltraumbahnhof der ehemaligen Sowjetunion. Er ist von Russland für 115 Millionen Dollar jährlich bis 2022 gepachtet worden.

Wirtschaft

Kasachstan ist ein rohstoffreiches Schwellenland. Erdöl- und Erdgasförderung sowie Ölprodukte bilden die Basis kasachischer Wirtschaft. In den 1990er Jahren wurden im Norden des Kaspischen Meeres und in der kasachischen Steppe die größten Erdölreserven der letzten 30 Jahre gefunden. Experten schätzen sie auf rund neun Milliarden Barrel. Die Ausbeutung erfolgt mit Hilfe ausländischer Gesellschaften. Sie müssen von der Fördermenge zwischen 50 und 40 Prozent an den kasachischen Staat abgeben. Allein im Jahr 2002 wurden in Kasachstan rund 360 Millionen Barrel im Wert von 7 Milliarden Euro gefördert. Sehr gut entwickelt ist auch die Hüttenindustrie (Schwarz- und Buntmetalle) sowie deren Erzeugnisse. Als Energieträger hat Steinkohle nach wie vor große Bedeutung. Kasachstan besitzt außerdem reiche Reserven an Zinn, Uran, Blei, Zink, Bauxit, Eisen, Gold, Silber, Phosphor, Mangan und anderem. In Kasachstan werden zudem chemische Erzeugnise (Dünger, Kunststoffe), Maschinen, Ausrüstungen, Textilien und Lebensmittel hergestellt. Die wichtigsten Industriezentren sind Almaty, Qaraghandy, Schymkent, Pawlodar und Aqtöbe. Nur ein Viertel der Landesfläche ist landwirtschaftlich nutzbar. Trotzdem deckt Kasachstan seinen Bedarf an Getreide dank der fetten, fruchtbaren Steppenböden vollständig selber und verkauft die überflüssigen Bestände nach China. Im Norden besteht um die Hauptstadt Astana ein landwirtschaftlich gut erschlossenes Gebiet. Darauf deutet auch der frühere russische Name der Stadt - Zelinograd - Neulandstadt hin. In den südlichen Gebieten von Almaty bis Schymkent werden Früchte angebaut. Von großer Bedeutung vor allem für die Bewohner der Halbwüsten- und Wüstengebiete ist die Viehhaltung. Es werden hauptsächlich Schafe gezüchtet, seltener Ziegen, Kühe, Pferde. In russisch oder deutsch dominierten Regionen ist auch Schweinezucht verbreitet. Im Süden steht der Aralsee nach extensiver Wasserentnahme zur landwirtschaftlichen Kultivierung der Region vor dem Austrocknen, was eine der größten ökologischen Katastrophen der heutigen Zeit darstellt.

Kultur

Allgemeines


- [http://www.atameken.de/modules.php?name=News&file=article&sid=955/ Interview mit Dr. Werner Linden]
- [http://www.botschaft-kasachstan.de/de/kul/kultur.htm/ Kulturleben]
- [http://www.atameken.de/modules.php?name=Content&pa=showpage&pid=14/ Info zur Kultur]

Literatur


- Abai Kunanbajew (1845-1904)

Kasachische Küche

siehe Kasachische Küche

Weblinks


- [http://www.atameken.de/modules.php?name=coppermine&cat=9&art=2/ Kasachstan in Bildern] (Deutsch/Kasachisch/Russisch/Englisch)
- [http://www.government.kz/ offizielle Webseite der kasachischen Regierung] (kasachisch/englisch/russisch)
- [http://www.atameken.de/ ATAMEKEN - Kazakhstan Community Portal]
- [http://www.osteuropa-netzwerk.de/Kasachstan/index.htm Linksammlungen zu Kasachstan des Osteuropa-Netzwerks]
- [http://www-x.nzz.ch/folio/archiv/2004/09/articles/enderlin.html Kasachstans große Erdölvorkommen]
- [http://www.umweltbundesamt.org/fpdf-l/2529.pdf Umweltsituation in Kasachstan]
- [http://www.fz-juelich.de/gs/forschung/ Forschungsprojekte des Forschungszentrum Jülich in Kasachstan]: 1. ehemaliges Atomwaffentestgelände Semipalatinsk, 2. Strahlenbelastung am Kaspischen Meer
- [http://www.uni-graz.at/franz.koelbl/kasachstan/ Bilder und Erlebnisse einer Reise durch den Süden Kasachstans] Kategorie:Staat ja:カザフスタン ko:카자흐스탄 ms:Kazakhstan th:ประเทศคาซัคสถาน zh-min-nan:Kazakhstan

Aralsee

Der Aralsee (kasach. Aral tenizi, usbek. Orol dengizi, russ. Aralskoje more) ist ein abflussloser Salzsee in Asien, der innerhalb der Aral-Kaspi-Senke in einem Becken liegt, dem Tiefland von Turan. Er gehört je zur Hälfte zu Usbekistan und Kasachstan. Die Hauptzuflüsse sind die Flüsse Amudarja und Syrdarja. Da diesen Flüssen seit der Stalin-Ära (Beginn des intensiven Baumwollanbaus in Kasachstan und Usbekistan) viel Wasser für extensive Bewässerung entnommen wird, sinkt der Wasserspiegel des Sees kontinuierlich stark ab, so dass der Aralsee vermutlich in absehbarer Zeit nicht mehr existieren wird. Von 1960 bis heute sank der Wasserspiegel um 14 m. Die Fläche des Sees ging in der Zeit um 40 % zurück, das Wasservolumen um 70 %. Der Anfang der 1960er mit ursprünglich rund 68.000 km² viertgrößte See der Erde besteht heute durch Verlandung aus zwei Teilen, dem südlichen Großen Aralsee und dem nördlichen Kleinen Aralsee. 1990 wies der Große Aralsee noch eine Fläche von etwa 33.000 km² auf, der kleine etwa 3.000 km². Seit 2002 ist die Wosroschdenji-Insel im Aralsee zur Halbinsel geworden und etwa 2006 bis 2008 ist damit zu rechnen, dass der Große Aralsee in einen westlichen, tiefen Teil und einen östlichen, flachen Teil zerfallen wird. Beide Teile haben schon jetzt nur eine nur einige Kilometer breite Verbindung im Norden. Auch der kleine Aralsee wird in einigen Jahren in eine Reihe kleinerer Seen zerfallen. Die noch 1960 am Ufer gelegenen Städte Aral (russ. Aralsk) am Nordufer und Muynak am Südufer liegen heute (2003) aufgrund der Verlandung jeweils mehr als 100 km entfernt von der Uferlinie. Zur Rettung des kleinen Aralsees soll ein Damm errichtet werden, der verhindert, dass Wasser zum großen Aralsee abfließt. Das Projekt wird von der Weltbank finanziert. In den 1990er Jahren gab es schon einen derartigen, mit lokalen Mitteln errichteten Damm, der aber brach. Während seines Bestehens hat sich der Wasserspiegel im kleinen Aralsee erhöht, das Klima verbessert und es konnten dort wieder mehr Fische gefangen werden. Weil die Größe des Aralsees von den Niederschlägen und der Witterung abhängig ist und deren Größe immer wieder einmal zu verschiedenen Zeitpunkten vermessen wird, sind die Angaben bezüglich Flächengröße und seiner Tiefe sehr unterschiedlich. Aus diesem Grund weichen die angegebenen Werte in vielen Quellen deutlich voneinander ab. Der Wasserspiegel sank im großen Aralsee im Sommer 2003 schneller als vorausgesagt. Die Oberfläche betrug nur noch 30,5 Meter über dem Meeresspiegel bzw. über NN (3,5 Meter niedriger als in den frühen neunziger Jahren vorausgesagt), und das Wasser ist angeblich 2,4-mal so salzig wie der Ozean. In den tiefsten Teilen des großen Aralsees ist das untere Wasser salziger und schwerer als die Oberfläche und es findet keine Vermischung statt. So wird nur das oberflächennahe Wasser des großen Aralsees im Sommer aufgeheizt und verdunstet deshalb schneller als erwartet. Nach den neuen Daten wird erwartet, dass der westliche Teil des großen Aralsees innerhalb 15 Jahren verschwunden sein wird, der östliche Teil könnte überdauern, da der Amudarja dort mündet. Durch die Umleitung großer Wassermengen, was zum Beispiel über den von der Amudarja abzweigenden Karakumkanal geschieht, wachsen dagegen der südlich gelegene Sarykamysch-See und das westlich gelegene Kaspische Meer nachweisbar. Die starke landwirtschaftliche Nutzung und die sich beschleunigende Verlandung des abflusslosen Salzsees führten in den letzten 30 Jahren zur zunehmenden Versalzung des Sees, der Uferregionen und auch umgebender Bereiche. Im Satellitenbild ist südwestlich des Sees eine weiße Region zu erkennen, bei der es sich um eine Ansammlung von vom Wind angewehter Salze handelt, die sich an dieser Stelle zu Dünen sammeln. Die früher östlich des Sees beginnende Kyzyl Kum-Wüste reicht mittlerweile bis an den See heran, die sehr salzreichen Dünen teilweise am Westufer bis in den See hinein. Die Wüste dehnt sich auch zunehmend in die fruchtbaren, landwirtschaftlichen Bereiche südlich des Sees hin aus. Gleichzeitig stieg der Salzgehalt auf 26 % (auch 36 % wurden schon gemessen), was ein Fischsterben mit dem Niedergang von Fischerei nach sich zog. Ehemalige Hafenstädte, Bade- und Uferorte liegen heute mitten in der Wüste, mehr als 100 km von der Uferlinie entfernt. Nach dem Rückzug der Wasserlinie bleibt eine Salz- und Staubwüste, die durch jahrzehntelange hohe Einträge an künstlichen Düngemitteln, Herbiziden, Pestiziden und anderen Schadstoffen zudem hoch gesundheitsgefährdend ist. Zur Entlaubung der Baumwollkulturen für die maschinelle Baumwollernte wurde extensiv Agent Orange verwendet, eine giftige Substanz, die die US-Armee auch im Vietnamkrieg eingesetzt hatte. Agent Orange wurde im gesamten Aralbecken in der Regel direkt über den Baumwollpflückern versprüht, die nur wenige Sekunden Vorwarnzeit hatten, um sich unter Zeltplanen in Sicherheit zu bringen. Agent Orange Viele Bewohner im weiteren Umkreis um den See leiden an verschiedenen chronischen Erkrankungen. Auch die Kindersterblichkeit ist sehr hoch. Man schätzt, dass ungefähr 25 % der Bevölkerung in den Baumwollanbaugebieten geistig retardiert ist. Die Zahl der Kinder, die mit Geburtsschäden zur Welt kommen, ist außerordentlich hoch. Es wird davon ausgegangen, dass die gesundheitlichen Folgen der Austrocknung des Aralsees vom Ausmaß ähnlich der Folgen des Reaktorunfalls in Tschernobyl sind, jedoch ist die Aufmerksamkeit für den Aralsee in der westlichen Welt sehr gering. Im Süden des Aral-Sees hat sich in der Sarykamysch-Senke aus umgeleitetem Wasser des Amudarja und landwirtschaftlichen Abwässern mittlerweile der Sarykamyschsee gebildet. Dieser See gilt als einer der giftigsten Seen weltweit, der neben einem extrem hohen Anteil an Pestiziden und Schwermetallen auch einen weitaus höheren Salzgehalt als das Tote Meer hat. Die im See gelegenen Wosroschdenjie-Insel (russ. Wiedergeburt) diente dem sowjetischen Militär von 1936 bis 1991 über viele Jahre als Testgelände von Biowaffen. Unter anderem wurde Milzbrand (Bacillus anthracis), die Pest (Yersinia pestis), und die Tularämie (Francisella tularensis) getestet. Die Militärs in Usbekistan und der NATO befürchten, dass sich Terroristen auch hier Material für Biologische Waffen besorgen könnten. Aus dem Jahr 1852 (die Karte zeigt die Ausdehnung des Aralsees um 1850 im Vergleich zu 2003) existieren Berichte, die vom Reichtum an Ziegen, Wölfen, Antilopen, Welsen, Stören, Pelikanen, Möwen, Igeln und Tigern in beziehungsweise um den See erzählen. Zudem plant die russische Regierung für den Sommer 2007 ein Bewässerungsprojekt, um die weitere Austrocknung des Prestigesymbols zu verhindern. Ähnlich wie in den Rocky Mountains in den USA soll Gletscherwasser aus den russischen Bergen per Pipeline den See mit einem stabilen Minimum füllen. Das Projekt, welches nach Expertenmeinung aus finanziellen Gründen frühestens im Winter 2011 gestartet werden kann, soll die russische Regierung bis zu 300 Milliarden Dollar kosten. Der russische Umweltminister Dimitri Uschnowska sagte: „Auch wenn der Aralsee kein Teil von Russland ist, sind wir durch unsere Politik in der Sowjetunion zu diesem Handeln verpflichtet.“

Weblinks


- [http://www.unu.edu/unupress/unupbooks/uu18ce/uu18ce00.htm Central Eurasian water crisis: Caspian, Aral, and Dead Seas (Online-Publikation der United Nations University, 1998)]
- [http://www.ce.utexas.edu/prof/mckinney/papers/aral/aralhome.html Aral Sea Studies-Homepage des Center for Research in Water Resources der University of Texas at Austin]
- [http://www.mare.de/mare/hefte/beitrag-aufm.php?seite=1&id=836&heftnummer=45 Reportage "Elender Staub" von Dimitri Ladischensky] Kategorie:See in Asien Kategorie:Geographie (Kasachstan) Kategorie:Geographie (Usbekistan) ja:アラル海 ko:아랄 해

Syrdarja

Der 2.212 km lange Syrdarja (auch: Syr-Darja / Syr; im Altertum: Jaxartes) ist ein Zufluss des Aralsees in Zentralasien.

Flusslauf

Der Fluss entsteht in Usbekistan durch den Zusammenfluss von Naryn und Karadarja, zwei aus Kirgisien stammende Quellflüsse. Deren "Flusshochzeit" befindet sich im riesigen Ferganatal zwischen dem Tienschan- und Alai-Gebirge. Von dort fließt er in Richtung Westen durch das Tal und passiert eingangs des Kajrakkum-Stausees die Grenze zu Tadschikistan, das er in westliche Richtung durchquert. Etwas unterhalb des Stausees gelangt sein Wasser erneut nach Usbekistan, um später die Grenze nach Kasachstan zu überqueren. Im zuletzt genannten Land, das die Syrdarja in Richtung Nordwesten durchfließt, bildet sie den Nordrand der Kysylkumwüste. Wenn die durch die starke Wasserentnahme für Bewässerungszwecke sehr gebeutelte Syrdarja in niederschlagsreichen Jahren genügend Wasser führt, mündet sie zumindest noch als Rinnsal in den abflusslosen Aralsee und ist zusammen mit dem Naryn (ihr rechter Quellfluss) 3.019 km lang. Dann beträgt ihr Einzugsgebiet inklusive aller Zuflüsse 219.000 km². Früher bildete sie im Becken dieses Sees bzw. in dessen Uferregion ein kleines Binnendelta.

Ökokatastrophe

Ein ausgedehntes System von Bewässerungskanälen, zum Teil schon im 18. Jahrhundert von den Khanen von Kokand angelegt, entzieht dem Fluss sein Wasser. Die gewaltige Expansion dieses Kanalsystems während der Sowjetzeit, als die Baumwollproduktion in Zentralasien forciert wurde und damit mehrere Stauseen angelegt werden mussten, hat der Region eine Umweltkatastrophe beschert. Abgesehen von niederschlagsreichen Jahren trocknet der Fluss heutzutage oftmals schon lange vor dem Erreichen des Aralsees vollständig aus und der See selbst ist nur noch ein kleiner Rest, durch das Austrocknen in zwei Teile geteilt. Seit 1980 versiegte der Syrdarja als Zufluss des Aralsees in seinem Unterlauf sogar vollständig, erst seit 1988 erreicht wierder ein Rinnsal den See. Weil heute Millionen von Menschen in dieser Baumwollregion siedeln, die zudem von repressiven Regierungen in Kasachstan, Usbekistan and Turkmenistan verwaltet wird, ist es höchst unklar, wie man diese Problematik in den Griff bekommen kann.

Stauseen

Die Syrdarja wird mehrmals für Bewässerungszwecke und zur Energiegewinnung aufgestaut; der größte Stausee ist der eben erwähnte Kajrakkum-Stausee (auch Kairakkum bzw. Kayrakum genannt), der bei Vollstau 520 km² groß ist und 4,16 Mrd. Stauvolumen aufweist. Kategorie:Fluss in Asien Kategorie:Geographie (Kirgisien) Kategorie:Geographie (Tadschikistan) Kategorie:Geographie (Usbekistan) Kategorie:Geographie (Kasachstan) ja:シルダリヤ川

Weltraumbahnhof

Als Weltraumbahnhof bezeichnet man einen Raketenstartplatz, an dem auch Trägerraketen für orbitale und interplanetare Weltraummissionen starten können. Dabei kann es sich um unbemannte Satelliten- oder Raumsondenstarts oder bemannte Raumflüge handeln. In Russland und China ist auch der Begriff Kosmodrom geläufig. Die meisten Weltraumbahnhöfe verfügen auch über Startanlagen für Höhenforschungsraketen und/oder für militärische Raketen zu Versuchszwecken. Weltraumbahnhöfe werden derzeit von einzelnen Weltraumnationen oder Staatenorganisationen (wie der ESA) unterhalten.

Standort-Bedingungen

Die Kriterien für den Standort eines Weltraumbahnhofs sind vielfältig. Er sollte an einem geologisch stabilen Ort gebaut werden, der von größeren und vielen Unwettern verschont wird, da Raketenstarts bei Regen oder Sturm meist abgesagt werden müssen. Zudem sollte der Startplatz wenn möglich nahe am Äquator liegen: Durch die Erdrotation hat die Rakete dort bereits die höchste Grundgeschwindigkeit und muss weniger beschleunigen, um insgesamt auf die gleiche Geschwindigkeit zu kommen. Zudem erleichtert die Lage das Erreichen der Umlaufbahn. Nur für Starts in polare Orbits sind polnahe Standorte günstiger (z. B. Plesetsk). Ein Raketenbahnhof sollte sich in einem politisch stabilen Staat befinden, da sein Aufbau mit großen Investitionen verbunden ist. Er sollte abseits von dicht besiedeltem Gebiet liegen und in östlicher Richtung einen Ozean oder ein sehr dünn besieltes Gebiet haben. Denn alle Raketenstarts erfolgen mit der Erdrotation (aus oben genanntem Grunde) in östlicher Richtung. Wenn es zu einem Fehlstart kommt, könnten sonst Menschen durch niederstürzende Trümmer und Treibstoffe gefährdet werden. Schließlich sollte genügend Raum vorhanden sein, um den Weltraumbahnhof gegebenenfalls ausbauen zu können.

Beispiel: Russische Kosmodrome

Nicht alle gebauten Weltraumbahnhöfe genügen diesen Kriterien. Besonders die russischen Kosmodrome sind durch ihre sehr weit nördliche Lage benachteiligt, da für orbitale Manöver zur Zielumlaufbahn mehr Treibstoff aufgewendet werden müssen.

Beispiel: Kourou

Der europäische Weltraumbahnhof Centre Spatial Guyanais in Kourou besitzt von ähnlichen Einrichtungen weltweit die günstigste Lage. Er liegt im französischen Übersee-Departement Französisch-Guayana im Norden Südamerikas (politisch stabil) und liegt sehr dicht am Äquator (günstige Starteigenschaften). Die Region ist sehr dünn besiedelt und grenzt im Nordosten an den Atlantik (geringe Gefährdung für Menschen). Da der Weltraumbahnhof direkt an ein ausgedehntes Waldgebiet grenzt, ist auch sein Ausbau problemlos möglich. Zwar besitzt Kourou ein subtropisches Klima, wird jedoch von den meisten Atlantikstürmen verschont.

Liste der Weltraumbahnhöfe

(Name, Standort, Betreiber)
- Alcântara, Brasilien
- Baikonur, Kasachstan, Russland
- Cape Canaveral Air Force Station, Cape Canaveral, Florida, USA
- Centre Spatial Guyanais, Kourou / Französisch-Guayana, Europa/ESA
- Jiuquan, Volksrepublik China
- Kapustin Jar, Nähe Wolgograd, Russland
- Kennedy Space Center, Cape Canaveral, Florida, USA
- Kodiak Launch Center, Kodiak-Insel / Alaska / USA, Alaska Aerospace Development Corporation
- Palmachim, Israel
- Plesetsk, Russland
- San-Marco-Plattform
- Satish Dhawan Space Centre (SHAR), Indien
- Sea-Launch-Plattform, nahe Hawaii / USA, internationales Konsortium
- Swobodny, Russland
- Taiyuan, China
- Tanegashima Space Center, Tanegashima, Japan
- Uchinoura Space Center, Uchinoura, Präfektur Kagoshima, Japan
- Vandenberg Air Force Base, Kalifornien, USA
- Wallops Island, USA
- Xichang, China

Stillgelegte Weltraumbahnhöfe


- Hammaguir, Algerien
- Woomera, Australien (nur noch Startplatz für Höhenforschungsraketen) Startplätze nur für ballistische Raketen (Höhenforschungsraketen oder militärische Raketen), siehe Raketenstartplatz.

Karte der Weltraumbahnhöfe

Literatur


- Ralf Butscher: Großer Bahnhof am Äquator. Bild der Wissenschaft 1/2005, S. 88 - 93 (2005), ISBN 0006-2375

Weblinks


- [http://www.astronautix.com/sites/index.htm Übersicht über alle Raketenstartplätze (auch inzwischen aufgegebene) der Welt] Kategorie:RaketenstartplatzKategorie:Verkehrsbauwerk

Sowjetunion

Die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (kurz UdSSR oder Sowjetunion, bzw. russisch Союз Советских Социалистических Республик (СССР), Sojus Sowjetskich Sozialistitscheskich Respublik (SSSR) ) war ein Staat in Osteuropa und Nordasien. Sie bestand vom 30. Dezember 1922 – nach der russischen Oktoberrevolution - bis zur offiziellen Auflösung am 8. Dezember 1991 – auf dem Gebiet des ehemaligen russischen Reiches. Später dehnte sie sich auf die von den Nachbarstaaten Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Deutschland, Rumänien und Polen eroberten Gebiete aus. Die Sowjetunion war damit der geographisch grösste Staat in der neueren Geschichte der Menschheit. Ihr Rechtsnachfolger (mit 78% der früheren Fläche) ist seit 1991/92 die Russische Föderation. Formal war die Sowjetunion ein Staatenbund von Teilstaaten (Unionsrepubliken); de facto war sie ein zentralistisch regierter und von Russland dominierter Staat. Nominell wurde sie demokratisch durch Räte (Sowjets) bzw. ein Parlament regiert. Die tatsächliche Macht lag aber stets bei der Führung der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, die das Land besonders unter Stalin totalitär, später eher diktatorisch regierte. Gegen Ende der UdSSR unternahm Michail Gorbatschow unter dem Stichwort Perestroika Anstrengungen, tatsächlich demokratische Institutionen einzuführen.

Politik

Die Regierung der Sowjetunion war nicht nur für die Gesetzgebung, Verwaltung und Gerichtsbarkeit des Landes zuständig, sondern verwaltete auch die Wirtschaft. Die grundlegenden politischen Entscheidungen wurden von der wichtigsten politischen Institution des Landes, der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) getroffen. In den späten 1980ern war der Aufbau des Staates in der Theorie ähnlich wie bei westlichen politischen Systemen organisiert. So setzte eine Verfassung alle Staatsorgane ein und garantierte den Bürgern eine Reihe von politischen Rechten und Bürgerrechten. Eine legislative Gewalt, der Kongress der Volksbeauftragten und ein ständiger legislativer Rat, der Oberste Sowjet, als Volksvertretung repräsentierten die Souveränität des Volkes. Der Oberste Sowjet wählte das Präsidium, dessen Vorsitzender au