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Bajonett
Als Bajonett (nach der frz. Stadt Bayonne) bezeichnet man eine auf den Gewehrschaft aufsteckbare Stoßwaffe in Form eines langen Dorns oder einer Stahlklinge, die in unaufgepflanztem Zustand wie andere Waffen an der Seite oder am Koppel getragen wird.
Bajonette wurden seit Mitte des 17. Jahrhunderts in Frankreich verwendet und wurden allmählich in den meisten europäischen Armeen gebräuchlich. Anfangs wurden Bajonette mit Griff in den Gewehrlauf gesteckt (so genannte Spundbajonette), sodass die Muskete nicht feuern konnte. Bereits 1669 erfand Vauban Bajonette, die mit einer Tülle seitlich am Lauf befestigt wurden - sog. Tüllen- oder Dillenbajonett - und somit auch im aufgepflanzten Zustand das Abfeuern von Musketenkugeln nicht verhinderten. Mit diesen neuartigen Bajonetten wurde die französische Armee seit 1689 ausgestattet. Etwa um 1700 tauchten Bajonette auf, welche einen abgeknickten Arm besaßen und so auch das Nachladen ermöglichten. Zur wichtigsten Klingenform entwickelte sich bald eine stabile, dreikantige Form mit etwa 40 cm Länge. Ab dem 19. Jahrhundert wurde das Tüllenbajonett schrittweise von Bajonetten abgelöst, die eigene Griffe hatten – sog. Messer- oder Säbelbajonette – und wie Messer, kurze Pallasche oder Säbel beschaffen waren. „Vorfahren“ derselben waren im 18. Jahrhundert aufpflanzbare Hirschfänger, die wie diese mittels eines seitlichen Rings am Rohr fixiert wurden. Da solche Waffen aber das Nachladen des Vorderladers verhinderten, setzten sie sich erst mit Einführung des Hinterladers endgültig durch. Doch bereits 1840 wurde der doppelt gekrümmte französische „Yatagan“ mit ca. 60 cm Klingenlänge vorbildhaft, bekannt ist auch das gerade, vorn verbreiterte, etwa 50 cm lange (Klinge) preußische Füsilierseitengewehr von 1860.
Die Entwicklung des Bajonetts ließ den Einsatz von Pikenieren und Schweinsfedern in der Schlacht allmählich überflüssig werden. Bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts wurden die Pikenier-Einheiten der meisten europäischen Armeen aufgelöst, da die Pike eine sehr schwerfällige Waffe war und längst nur mehr zur Abwehr von Kavallerie diente. Tatsache ist aber, dass das Bajonett keinen echten Schutz vor deren Attacken darstellte- doch das tat die zu geringe Anzahl an Pikenieren auch nicht mehr wirklich.
Bajonette sind im 20. Jahrhundert zwar immer kleiner und handlicher geworden – heutige Bajonette haben die Größe und das Gewicht handelsüblicher Haushaltsmesser – wurden jedoch als Standard-Stoßwaffe der Infanterie nie verworfen und sind nach wie vor Zubehör eines jeden Sturmgewehrs. Über den Wert des Bajonetts im Kampf gab es bis in das 20. Jahrhundert hinein heftige Diskussionen. Die teils prominenten Befürworter wurden durch die Entwicklungen des Ersten Weltkriegs widerlegt. Dennoch kamen Bajonette in Stellungskämpfen des Zweiten Weltkriegs auf nahezu allen Kriegsschauplätzen zum Einsatz.
Moderne Survivalmesser und die gängigsten Armeemesser können teilweise als Bajonett aufgepflanzt werden. Die weitläufige Meinung, ein solches Messer müsse scharf sein, gilt nicht für die Klinge eines reinen Bajonetts, da die stumpfe Klinge beim Herausziehen größere Wunden verursacht.
Kategorie:Hieb- und Stichwaffe
ja:銃剣
Bayonne
Bayonne (baskisch Baiona für Guter Hafen, lat. Lapurdum) ist eine Stadt in der französischen Region Aquitanien und mit 40.078 Einwohnern (1999) nach Pau die zweitgrößte Stadt im Département Pyrénées-Atlantiques.
Pyrénées-Atlantiques
Die Stadt ist Sitz der Unterpräfektur (frz. Sous-préfecture) des Arrondissements Bayonne, dieses besteht aus 19 Kantonen, sie ist Hauptort (frz.: chef-lieu) der Kantone Bayonne-Est, Bayonne-Nord und Bayonne-Ouest.
Bayonne liegt im französischen Teil des Baskenlandes am Zusammenfluss der Flüsse Adour und Nive.
Bedeutende Wirtschaftszweige sind die metallurgische und die Chemieindustrie.
Bayonne ist Bischofssitz im gleichnamigen Bistum. Nach der Stadt Bayonne ist die auf einen Gewehrschaft aufzusetzende Stoßwaffe (sog. Bajonett) benannt.
Unter den jungen Leuten ist Bayonne auch bekannt wegen seines Fests "Fête de Bayonne". Hier werden im Gegensatz mit der Fiesta de San Fermin in Pamplona, auf der Stiere morgens durch die Strassen der Stadt getrieben werden, Jungstiere auf dem Place Saint André in petit Bayonne freigelassen. Das einwöchige Fest beginnt traditionel in der ersten Augustwoche und ist hinter der Fiesta de San Fermin das zweitgrösste baskische Fest.
Museen
- Musée Bonnat: Kunstsammlung
- Musée Basque: Baskische Geschichte und Kunst
Söhne und Töchter der Stadt
- Léon Bonnat, Maler
- Jean Baptiste du Casse, Bukanier und Admiral
- René Cassin, Jurist, Diplomat und Erzieher, Friedensnobelpreis 1968
- Marie Darrieussecq, französische Schriftstellerin
- Didier Deschamps, Fußballspieler und -trainer
- Antoine III. de Gramont, Militär, Diplomat und Staatsmann, Marschall von Frankreich
- Roger Lapébie, Radrennfahrer
- Michel Portal, Jazz-Musiker
Siehe auch: Arrondissement Bayonne, Kanton Bayonne-Est, Kommunen im Département Pyrénées-Atlantiques, GNU Bayonne, Bayonne (New Jersey)
Kategorie:Ort in Aquitanien
Waffe
Als Waffen bezeichnet man Werkzeuge oder Maschinen, die einerseits der Jagd, der Verteidigung, oder dem Angriff dienen können; andererseits aber auch nur dem Sport. So wie man Waffen häufig auch zu anderen Zwecken gebrauchen kann, ist es umgekehrt oft möglich, Geräte und Werkzeuge, die ursprünglich einem anderen Zweck dienten, als Waffe zu gebrauchen oder umzufunktionieren. Was eine Waffe ist, richtet sich demnach auch nach der Art des Gebrauchs. Im ursprünglichen Sinn bezeichnet das Wort Waffe einen Gegenstand, der nur zum Zweck des Kämpfens angefertigt wurde.
Zu modernen Waffensystemen gehören Massenvernichtungswaffen, die zum großen Teil weltweit geächtet sind.
Im übertragenen Sinn werden als Waffen auch Ideen und andere nichtmaterielle Güter (Informationen) angesehen. Bekannt ist die Losung: "Kunst ist Waffe". Auch Algorithmen, Patente, Verschlüsselungsmechanismen und ähnliche können als Waffe eingesetzt werden. Im Krieg haben Information und Desinformation heute zum Teil kriegsentscheidende Bedeutung erlangt.
Das Waffengesetz (WaffG) der Bundesrepublik Deutschland definiert Waffen und regelt deren Benutzung.
Für den Erwerb vieler Schusswaffen benötigt der Besitzer eine Waffenbesitzkarte, bzw. für das Führen (Tragen in der Öffentlichkeit) der Waffe einen Waffenschein.
Messer gehören zu den ältesten Waffen der Menschen.
Speziell zur Verwendung als Waffe konstruiert wurden:
Diese folgenden Waffen sind in erster Linie zur Jagd entwickelt worden.
Hauptsächlich werden heutzutage Schusswaffen als Jagdwaffen verwendet.
- Schusswaffen
::Jagdbüchse, Jagdflinte
Heute nicht mehr allgemein verwendet werden:
- Bogenwaffen
::Armbrust: wird im Waffenrecht der Schusswaffe gleichgestellt.
::Bogen: ist vom deutschen Waffenrecht ausgenommen, gilt also nicht im gesetzlichen Sinn als Waffe. Die Jagd damit ist in Deutschland und Österreich heute nicht mehr erlaubt, da die entstehende Energie beim Aufschlag am Wild nicht ausreicht, es sofort zu töten (siehe Tierschutz).
In den USA ist die Jagd mit dem Bogen jedoch noch immer erlaubt. Hierbei kommt in den meisten Fällen der sogenannte Compound-Bogen zum Einsatz.
Dieser arbeitet nach dem Prinzip des Flaschenzugs. Die Sehne ist dabei etwa dreimal so lang wie bei einem "normalen" Bogen und wird an den Enden des Bogens über jeweils eine Rolle geführt.
Durch das Flaschenzug-Prinzip entstehen zwei Vorteile: Erstens kann ein sehr viel stärkerer Bogen gefertigt werden, der jedoch Zweitens mit geringerem Kraftaufwand (gegenüber einem "normalen" Bogen) zu spannen ist.
Die Schusskraft eines Compound-Bogens ist nicht zu unterschätzen. Berichten zufolge durchschlägt der Pfeil auf dreissig Meter Entfernung mühelos einen Bären.
- Wurfwaffen
::Speer, Atlatl, Bumerang
Sportwaffen
Diese Waffen sind auf sportliche Belange optimiert und eignen sich nicht mehr oder nur noch eingeschränkt zum Kampf. Trotzdem sind sie, wie viele andere Sport- und sonstige Geräte, immer noch gefährlich und mit Respekt zu behandeln. Es scheint allerdings in der Handhabung zu gelten: Je gefährlicher eine Waffe, desto sorgsamer wird sie gehandhabt, so dass die meisten Unfälle mit vermeintlich ungefährlichen Gegenständen stattfinden.
Beispiele für Sportwaffen:
- Luftdruckwaffen
- Kleinkaliber-Präzisionswaffen
- Sportpistolen, -revolver und -gewehre
- Wurfspeere
- Wurfmesser
- Florett, Degen, Säbel, Bokken, Iaito
- Sportbögen
Historische Kampfwaffen aus Europa
- Stangenwaffen
:: Ango, Bartaxt, Berdish, Falces, Glefe, Hellebarde, Korseke, Lanze, Luzerner Hammer, Partisane, Pike, Pilum, Speer, Spieß, Sponton
- Hiebwaffen
:: Bauernwehr oder Hauswehr, Falchion, Streitflegel, Franziska, Katzbalger, Keule, Entermesser, Kopesh, Kriegsflegel, Morgenstern, Pallasch, Rabenschnabel, Rapier, Säbel, Sax, Schwert, Streitaxt, Streithammer, Streitkolben, Xyphon
- Stichwaffen
:: Degen, Dolch, Florett, Stilett, Schwert (Handschar, Yatagan), Seitengewehr (Bajonett), Panzerbrecher,Gladius
- Fernwaffen
:: Bogen, Schleuder, Armbrust, Blasrohr
- Feuerwaffen
:: Arkebuse, Muskete, Pistol(-e), Karabiner
Historische Kampfwaffen aus Japan
- Nihonto
- Katana
- Tachi
- Wakizashi
- Tanto
- Aikuchi
- Kogatana
- Ōdachi
- Yari
- Naginata
- Nagamaki
- Yoroi-doshi
Historische Kriegsmaschinen
- Katapult, Balliste, Tribok (Trebuchet), Onager, Feuerschleuder, Artilleriewaffen, Wagen-Rotationsgeschütze, Falarika, Mauerbohrer (Terebra, Tarant, Fuchs, Krebs)
Moderne Waffen
Diese Waffen können unterschiedlichen Zwecken dienen.
- Hiebwaffen
:: Totschläger, Stahlrute, Schlagring, Gummiknüppel, Schlagstock, "Hampelmann", Ochsenziemer, Nunchaku
- Schusswaffen, Handfeuerwaffen
::Revolver, Pistole, Maschinenpistole, Maschinenkarabiner, Gewehr, Personal Defence Weapon
- Brandwaffen
::Molotowcocktail, Flammenwerfer, Brandgranaten, Phosphorbomben, Blendbrandwaffen, Napalm, C5-Devices, MultiPurposeFireMissiles/FPFM,
Moderne Kriegswaffen
Waffen, die ausschließlich dem Krieg dienen:
- Schusswaffen
:: Sturmgewehr, Maschinenpistole, Scharfschützengewehr, Maschinengewehr, Maschinenkanone, Panzerabwehrhandwaffe, Panzerbüchse
- Brandwaffen
::Flammenwerfer, Brandbombe, Napalm
- Explosionswaffen
:: Bombe, Granate, Schrapnell, Handgranate, Mine, Atombombe, Neutronenbombe, Sprengkopf
- Massenvernichtungswaffen
:: ABC-Waffen (Atomwaffen, Biologische Waffen, Chemische Waffen z.B. Sarin, Senfgas, Tabun, Soman, Lost)
- Trägersysteme
:: Rakete, Lenkwaffe, Torpedo, Marschflugkörper, Seezielflugkörper, Flugabwehrrakete
- Moderne Waffensysteme
:: Kanone, Geschütz, Haubitze, Mörser, Kampf-Panzer, Schützenpanzer, Flugzeugträger, U-Boot, Kampfhubschrauber, Jagdflugzeug, Bomber
- Kampfroboter
:: SWORDS
- Moderne Kriegswaffen im Polizeidienst
Scharfschützengewehre, Maschinenpistolen, Blendbrandgranaten,
Sprengmittel
Non Lethal Weapon
Non Lethal Weapons sind Waffen, die Personen nicht töten, sondern verteidigungsunfähig machen sollen:
- Active Denial System
- High Power Microwave (HPM-Waffe)
- Long Range Acoustic Device (LRAD)
- StunStrike CQ (Close Quarters).
- Elektroschockpistole
Dinge, die zu einem Angriff oder zu einer Verletzung nicht geeignet sind, aber vor Verletzungen schützen, werden vom Staat seit dem Jahr 1989 als Schutzwaffe oder passive Waffe bezeichnet, obwohl sie keine Waffe sind.
Unklassifiziert
- Bo,
- Glefe, Shuriken,
- Katana, Wakizashi
- Rohrbombe, Briefbombe
- Sai
- Tonfa
Siehe auch
Portal:Waffen, Krieg, Bewaffneter Konflikt, passive Waffe, Uranmunition, Waffenhandel, Kriegswaffe, Gaußkanone
Weblinks
- [http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/waffg_2002/index.html Waffengesetz]
- [http://www.waffenhq.de Moderne Waffen aller Art]
Kategorie:Führungs- und Einsatzmittel
!
ja:武器
ko:무기
ms:Senjata
simple:Weapon
th:อาวุธ
17. Jahrhundert
Das 17. Jahrhundert begann am 1. Januar 1601 und endete am 31. Dezember 1700. Es ist die Epoche der Neuzeit (Frühe Neuzeit).
Persönlichkeiten
- Francis Bacon, englischer Philosoph
- Oliver Cromwell, englischer Politiker
- René Descartes, Philosoph und Mathematiker
- Galileo Galilei, Wissenschaftler
- Thomas Hobbes, Philosoph
- Jan Amos Komenský, Theologe und Pädagoge
- Gottfried Leibniz, Philosoph und Mathematiker
- John Locke, englischer Philosoph
- Claudio Monteverdi, Komponist
- Isaac Newton, Physiker und Mathematiker
- Blaise Pascal, Theologe, Mathematiker und Philosoph
- Franz von Sales, Bischof und Heiliger
- Heinrich Schütz, Komponist
- William Shakespeare, Dramatiker
- Baruch Spinoza, Philosoph
- Rembrandt van Rijn, Maler
Anderes
- Barock, von 1550 - 1750
- Dreißigjähriger Krieg von 1618 - 1648
- Pfälzischer Erbfolgekrieg, 1688 - 1697: Leitet die Machtverlagerung von Frankreich zu Großbritannien ein.
Erfindungen und Entdeckungen
- Isaac Newton entwickelt den Differentialkalkül und legt die Grundlagen der klassischen Mechanik.
- Erste Messung der Lichtgeschwindigkeit, 1676.
- Flaschenkorken ermöglichen die Lagerung von Wein in Flaschen.
01-17
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ja:17世紀
ko:17세기
Frankreich
Frankreich (franz.: La France) ist ein demokratischer, noch immer stark zentralistischer Einheitsstaat im Westen Europas. Es grenzt an Belgien, Luxemburg, Deutschland, die Schweiz, Italien, Monaco, Spanien, Andorra, an den Atlantik mit dem Ärmelkanal und an das Mittelmeer. Neben dem Territorium in Europa gehören zu Frankreich Überseegebiete in der Karibik (u. a. Saint-Martin, das eine Landgrenze mit dem niederländischen Sint Marteen aufweist), Südamerika (Französisch-Guayana, das Landgrenzen zu Brasilien und Surinam hat), vor der Küste Nordamerikas, im Indischen Ozean und in Ozeanien.
Geographie
Hauptartikel: Geographie Frankreichs
Insgesamt hat das „französische Mutterland” in Europa eine Fläche von 543.965 km². Frankreichs Landschaftsbild prägen überwiegend Ebenen oder sanfte Hügel im Norden und Westen. Der Rest ist gebirgig, Hauptgebirge sind die Pyrenäen im Südwesten, das Zentralmassiv und die Alpen im Südosten. Der höchste Berg Frankreichs und höchster Berg Europas ist der Mont Blanc (4.808 Meter). Aufgrund seiner Form wird Frankreich auch als l'Hexagone (Sechseck) bezeichnet.
Mit Abstand wichtigste und größte Stadt in Frankreich ist die Hauptstadt Paris mit rund 12 Millionen Einwohnern im Großraum Paris (Region Île-de-France). Die Großräume um Marseille, Lille und Lyon haben ebenfalls mehr als eine Million Einwohner.
Siehe auch: Städte in Frankreich, Nationalparks in Frankreich
Geschichte
Nationalparks in Frankreich
Hauptartikel: Geschichte Frankreichs
Durch die Französische Revolution 1789 wurde die mehr als 1.200 Jahre währende Monarchie gestürzt. So begann eine Periode des Umbruchs, in der wechselnd republikanische, napoleonisch-imperiale und monarchistische Staatsformen herrschten. Seit der Niederlage Napoleons III. 1870 ist Frankreich endgültig Republik.
Im Ersten und Zweiten Weltkrieg war Frankreich einer der Hauptgegner Deutschlands. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor Frankreich seine größten Kolonien, Vietnam und Algerien, nach kriegerischen Auseinandersetzungen. Seit 1958 (Fünfte Republik) hat der Präsident umfassende Exekutivgewalt. Beim europäischen Einigungsprozess spielt Frankreich heute gemeinsam mit Deutschland eine tragende Rolle.
Politik
Politisches System
Frankreich ist eine zentralistisch organisierte Demokratie mit einem semi-präsidentiellen Regierungssystem. In der Verfassung der V. Republik nimmt der direkt durchs Volk gewählte Staatspräsident eine starke Stellung ein. Er ernennt den Premierminister und das Kabinett, hat gegenüber Gesetzbeschlüssen des Parlaments ein Veto-Recht und kann die Nationalversammlung auflösen. Das Parlament besteht aus zwei Kammern, der Nationalversammlung (Assemblée Nationale) mit 577 vom Volk gewählten Abgeordneten und dem indirekt gewählten Senat mit 331 Mitgliedern.
Siehe auch:
Politisches System Frankreichs, französische Regierung, Francophonie, französische Präsidenten, französische Premierminister, Cohabitation, Finanzministerium
Aktuelle politische Lage
Finanzministerium
Momentan stellt die Partei UMP unter Führung des früheren Wirtschaftsministers und aktuellen Innenministers Nicolas Sarkozy mit 363 Sitzen die absolute Mehrheit in der Nationalversammlung.
Am 29. Mai 2005 wurde die neue EU-Verfassung mit 54,87% Gegenstimmen von der Bevölkerung abgelehnt. Darauf trat die Regierung des seit 2002 amtierenden Premierministers Jean-Pierre Raffarin zurück. Als neuer Premierminister wurde Dominique de Villepin eingesetzt.
Seit dem 27. Oktober 2005 wird Frankreich von einer Welle gewalttätiger Ausschreitungen heimgesucht. Angefangen in der Pariser Banlieue, griffen die Unruhen inzwischen auf viele, über das gesamte Land verteilte, Großstädte wie Lille, Rouen, Nizza oder Marseille über. Auslöser war der Tod zweier Jugendlicher im Pariser Vorort Clichy-sous-Bois, welche sich vor der Polizei in einem Starkstromhaus verstecken wollten.
Die Regierung hat zwischenzeitlich den Notstand ausgerufen und es somit den Präfekten der Départements ermöglicht, in besonders stark betroffenen Gebieten Ausgangssperren zu verhängen.
Bisher haben die Ausschreitungen einem Menschen das Leben gekostet und viele Schwerverletzte hervorgebracht.
Außen- und Sicherheitspolitik
Frankreich war 1949 Gründungsmitglied des Nordatlantikvertrages (NATO) und erhielt militärischen Schutz durch die USA. Mit der Machtübernahme von de Gaulle 1958 änderten sich die Beziehungen zu den USA und zu der von den USA dominierten NATO. Unter de Gaulles Führung entwickelte sich Frankreich 1960 zu einer Atommacht und verfügte ab 1965 mit der Force de Frappe über Atomstreitkräfte, die zunächst 50 mit Atombomben (Kernwaffen) ausgestattete Flugzeuge in Dienst stellte. 1968 hatte Frankreich bereits 18 Abschussrampen für Mittelstreckenraketen aufgestellt, die 1970 und 1971 mit Atomsprengköpfen ausgestattet wurden. 1968 verlässt Frankreich den militärischen Teil der NATO, bleibt aber im politischen Teil des Bündnisses integriert. In den 1970er Jahren erweiterte Frankreich ihre Atommacht auch auf See. Vier Atom-U-Boote verfügten über jeweils 16 atomar bestückten Mittelstreckenraketen.
In der aktuellen Außenpolitik bemüht sich Frankreich um ein gutes Verhältnis zu seinem Nachbarn Deutschland (siehe auch „Kerneuropa“) und steht mit diesem gemeinsam der Vormachtstellung der USA mit einer gewissen Skepsis gegenüber.
Dies führte zu einem Austritt Frankreichs aus der militärischen Organisation der NATO und vielen Eigeninitiativen Frankreichs in weltpolitischen Entscheidungen.
Hinzu kommt ein Engagement auch nach Ende der Kolonialherrschaften in Afrika, wo Frankreich bis heute in vielen Ländern die bestimmende Ordnungsmacht geblieben ist.
Frankreich ist zudem ständiges Mitglied im UNO-Sicherheitsrat mit Vetorecht.
Die Todesstrafe wurde in Frankreich 1981 abgeschafft.
Siehe auch: Fremdenlegion, Gendarmerie Nationale
Administrative Gliederung
Frankreich ist in 26 Regionen aufgeteilt, welche sich ihrerseits in 100 Départements untergliedern. Zweiundzwanzig dieser Regionen befinden sich im europäischen Kernland (France métropolitaine), darunter auch die Mittelmeerinsel Korsika, welche allerdings als collectivité territoriale einen Sonderstatus hat. Die übrigen vier Regionen bestehen aus jeweils nur einem Département und werden daher Départements et régions d'outre-mer (D.R.O.M.) genannt (bis zur Verfassungsänderung 2003 Départements d'outre-mer, Abk. D.O.M.). Im Deutschen spricht man von Überseedépartements. Im Einzelnen handelt es sich dabei um Guadeloupe (971), Martinique (972), Französisch-Guayana (973) und La Réunion (974).
Abgesehen davon gibt es
- die Départementskörperschaft (Collectivité départementale, Abk. C.D.) Mayotte (976)
- die Gebietskörperschaft (Collectivité territoriale, Abk. C.T.) Saint-Pierre und Miquelon (SPM)
- die vier Überseeterritorien (Territoires d'outre-mer, Abk. T.O.M.) Französisch Polynesien (P), Neukaledonien (NC), Wallis und Futuna (WF) und die Französischen Süd- und Antarktisgebiete (Terres australes et antarctiques françaises, T.A.A.F.)
- die Îles éparses und die Insel Clipperton
Die D.R.O.M. sind wie das französische Kernland Teil der EU, für die T.O.M. gilt das nicht. Auch in Frankreich erlassene Gesetze gelten in den TOM nur, wenn dies ausdrücklich erwähnt ist.
Siehe auch: Liste der französischen Regionen, Liste der französischen Départements (nach Regionen geordnet)
Demographie
Zum 1. Januar 2004 wurde die Bevölkerung, einschließlich der Menschen in den Überseegebieten, auf 61,9 Millionen geschätzt. Nach Deutschland nimmt Frankreich in der EU den zweiten Platz bei der Bevölkerungszahl ein. Innerhalb der EU hat Frankreich einen Bevölkerungsanteil von 13 %.
Im Jahre 2003 kamen auf 792.600 Geburten 560.300 Sterbefälle, das entspricht einem Überschuss von 232.300 Personen. 2004 betrug die Geburtenrate 1,9.
Am Stichtag 1. Januar 2004 waren 16,2 % der Bevölkerung älter als 65 Jahre, gegenüber 14,6 % im Jahre 1994. Im selben Zeitraum ist der Anteil der unter 20-Jährigen von 26,7 % auf 25,3 % gesunken.
2003 wurden 280.300 Ehen geschlossen, das sind 6.000 (-2,1 %) weniger als 2002, wobei das Durchschnittsalter bei den Männern 30,4 Jahre und bei den Frauen 28,3 Jahre betrug.
Die Kindersterblichkeit beträgt zur Zeit 4,28 ‰.
Der durchschnittliche männliche französische Staatsbürger hat eine Lebenserwartung von 76,7 Jahren, während die Frauen auf 83,8 Jahre kommen.
Ethnische Gruppen
- Franzosen
- Bretonen
- Basken
- Italiener (einschließlich Korsen)
- Elsässer/Alemannen, Rheinfranken/Franken
- Flamen (Niederfranken)
- 4,5 Millionen Araber
- Katalanen
- Flamen
- Polen
- andere Ausländer
Neben der (einzigen) Amtssprache Französisch gibt es zahlreiche Minderheitssprachen, über deren Sprecherzahlen aber keine auch nur halbwegs gesicherten Daten vorliegen:
- Bretonisch,
- Deutsch in den Dialekten
- Elsässisch (Elsass)
- Rheinfränkisch bzw. Lothringisch (nördliches und östliches Lothringen),
- Niederfränkisch bzw. Flämisch (Flandern, an der Grenze zu Belgien),
- Baskisch (in den zentralen und östlichen Pyrenäen),
- Katalanisch (im Roussillon),
- Korsisch,
- Italienisch (an der französischen Riviera),
- Okzitanisch (in Südfrankreich) mit dem Dialekt
- Provenzalisch (nur noch wenige Sprecher)
- Polnisch
Daneben existieren in Nordfrankreich mehrere enger mit dem Französischen verwandte romanische Oïl-Sprachen, die teilweise als französische Dialekte angesehen werden: Picard, Normannisch, Gallo, Poitevin-Saintongeais, Champanois und Morvandiau.
Religionen
Frankreich ist offiziell ein laizistischer Staat, das heißt, Staat und Religionsgemeinschaften sind vollkommen voneinander getrennt. Da von staatlicher Seite keine Daten über die Religionszugehörigkeit der Einwohner erhoben werden, beruhen alle Angaben über die konfessionelle Zusammensetzung der Bevölkerung auf Schätzungen oder den Angaben der Religionsgemeinschaften selbst und weichen deshalb oft erheblich voneinander ab, weshalb auch die folgenden Zahlen mit Vorsicht zu behandeln sind.
85 % der Franzosen sind katholisch (also etwa 51 Mio.) und etwa 8 % Muslime (etwa 4,8 Mio.). Daneben gibt es protestantische und jüdische Minderheiten, die zusammen etwa 3 % ausmachen. 4 % gehören keiner Religion an, Tendenz davon steigend. Das sind jedoch Schätzungen.
Bildungswesen
Wie in fast allen europäischen Staaten (Ausnahme: z. B. Deutschland) herrscht eine Bildungspflicht, die im Ggs. zur Schulpflicht auch durch Hausunterricht (Homeschooling) oder durch selbstständiges Lernen abgegolten werden kann. Die Zahl der unbeschulten Kinder und Jugendlichen wird gegenwärtig auf etwa 10.000 geschätzt.
Der Staat bietet folgende Schulformen an:
Lernen
- Vorschule: Maternelle
- Grundschule: école élémentaire
- weiterführende Schulen: collège (das mit dem brevet abgeschlossen wird), gefolgt von
- lycée
- lycée professionnel
- oder CFA für Auszubildende in Betrieben
- Hochschulreife:
- baccalauréat nach insgesamt 12 Schuljahren; nach elf Schuljahren wird je nach Schulzweig (naturwissenschaftlich, wirtschaftlich oder literarisch) schon ein Teil der Prüfungen bewältigt
- baccalauréat professionnel nach 13 Schuljahren für Abgänger des lycée professionnel oder des CFA
- Studium (1. und 2. Jahr):
- Normalweg: DEUG
- Eliteweg: classe préparatoire (zur Vorbereitung auf Grande école)
- Studium (3. und 4. Jahr):
- Normalweg: licence und maîtrise oder école d'ingenieur oder école de commerce
- Eliteweg: Grande école (ENS, ENA etc.)
- Studium (5. Jahr):
- DESS oder DEA. Letzteres dient auch zur Auswahl für eine eventuell sich anschließende Doktorarbeit (thèse)
Im Zuge der europaweiten Harmonisierung der Studienabschlüsse im Rahmen des Bologna-Prozess wird auch an französischen Hochschulen das System LMD eingeführt. LMD bedeutet, dass nacheinander die Licence bzw. Bachelor (nach 3 Jahren), der Master (nach 5 Jahren) und das Doktorat (nach 8 Jahren) erworben werden können. Die bisherigen nationalen Diplome (DEUG, Maîtrise, DEA/DESS) werden an manchen Universitäten übergangsweise noch bescheinigt, fallen ab Ende 2006 aber weg.
Siehe auch: Schulsystem in Frankreich, Liste der Bildungsminister von Frankreich, Liste der Universitäten in Frankreich, École Polytechnique (Paris), Kindergeld
Wirtschaft
Traditionell ist in Frankreich die Wirtschaftspolitik von vergleichsweise starken staatlichen Eingriffen gelenkt. Hier spielt die historische Rolle des Merkantilismus – im Speziellen des Colbertismus – im Land eine Rolle.
Frankreich ist eine gelenkte Volkswirtschaft, die in den letzten Jahren zunehmend dereguliert und privatisiert wurde. Die Schlüsselindustrien, besonders Energiewirtschaft, sind bislang unter staatlicher Kontrolle; Frankreich ist ein bedeutender Produzent von Atomstrom, und Deutschland sein wichtigster Kunde. In Frankreich wird ca. 80 Prozent der Elektrizität mit Atomkraftwerken produziert. Damit hat Frankreich neben Litauen momentan (Anfang 2005) den höchsten Prozentsatz an Atomstromproduktion der Welt. (Siehe auch: Liste der Kernkraftanlagen)
Wein steht in der französischen Ausfuhrliste an fünfter Stelle: nach Autos, Flugzeugen, pharmazeutischen Produkten und Elektronik. (Siehe auch: Weinbaugebiete in Frankreich)
- Tourismus (z. B. Logis de France)
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im 1. Quartal 2004 um 0,8 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im 4. Quartal 2003 waren es 0,6 Prozentpunkte.
Die Erwerbstätigenstruktur hat sich gegenüber früher grundlegend gewandelt, so arbeiteten 2003 nur mehr 4 % der Erwerbstätigen in der Land- und Forstwirtschaft und Fischerei, in der Industrie waren es 24 %, wohingegen 72 % im Dienstleistungsbereich tätig waren.
Deutschland ist der wichtigste Handelspartner Frankreichs (2003): Es exportiert 14,9 % seines Exportvolumens nach Deutschland, das seinerseits am Import mit 19,1 % beteiligt ist.
Die Inflationsrate betrug 2,1 % (2004).
Die Arbeitslosenzahl belief sich im Januar 2005 auf 10 %, das sind 2.716.000 Erwerbslose.
Die größten französischen Unternehmen 2003 (ohne Banken und Versicherungen)
# Total – Umsatz 104,7 Mrd. € – 11.000 Beschäftigte
# Carrefour – Umsatz 70,5 Mrd. € – 419.000 Beschäftigte
# PSA Peugeot Citroën – Umsatz 54,2 Mrd. € – 200.000 Beschäftigte
# France Télécom – Umsatz 46,1 Mrd. € – 222.000 Beschäftigte
# EDF – Umsatz 44,9 Mrd. € – 167.000 Beschäftigte
# Suez – Umsatz 39,6 Mrd. € – 171.000 Beschäftigte
# Les Mousquetaires – Umsatz 38,4 Mrd. € – 112.000 Beschäftigte
# Renault – Umsatz 37,5 Mrd. € – 140.000 Beschäftigte
# Publicis Groupe – Umsatz 32,2 Mrd. € – 35.000 Beschäftigte
# Saint-Gobain – Umsatz 29,6 Mrd. € – 172.000 Beschäftigte
# Groupe Auchan – Umsatz 28,7 Mrd. € – 156.000 Beschäftigte
# Veolia Environnement – Umsatz 28,6 Mrd. € – 257.000 Beschäftigte
# Centres Leclerc – Umsatz 27,2 Mrd. € – 84.000 Beschäftigte
Kultur
Frankreich leitet seinen Rang in Europa und der Welt auch aus den Eigenheiten seiner Kultur ab, die sich insbesondere über die Sprache definiert (Sprachschutz- und -pflegegesetzgebung). In der Medienpolitik wird die eigene Kultur und Sprache durch Quoten für Filme und Musik gefördert. Frankreich verfolgt in der Europäischen Union, der UNESCO und der WTO mit Nachdruck seine Konzeption der Verteidigung der kulturellen Vielfalt („diversité culturelle“): Kultur ist keine Ware, die schrankenlos frei gehandelt werden kann.
Landesweite Pflege und Erhalt des reichen materiellen kulturellen Erbes wird als Aufgabe von nationalem Rang angesehen. Dieses Verständnis wird durch staatlich organisierte oder geförderte Maßnahmen, die zur Bildung eines nationalen kulturellen Bewusstseins beitragen, wirksam in die Öffentlichkeit transportiert. Im jährlichen Kulturkalender fest verankerte Tage des nationalen Erbes, der Musik oder des Kinos beispielsweise finden lebhaften Zuspruch in der Bevölkerung. Großzügig zugeschnittene kulturelle Veranstaltungen entsprechen dem Selbstverständnis Frankreichs als Kulturnation und von Paris als Kulturmetropole. Die Förderung eines kulturellen Profils der regionalen Zentren in der Provinz wird verstetigt.
Siehe auch: Liste französischer Schriftsteller, Liste französischer Komponisten, Burgen und Schlösser in Frankreich
Nationalparks
Die heutigen Nationalparks haben eine Gesamtfläche von 992.000 ha. Die Kernbereiche, die rund 371.000 ha ausmachen, stehen unter strengem Schutz.
Es gibt 30 regionale Naturparks, die eine Fläche von 5.020.000 ha haben.
- Naturreservat Cap Sizun
- Regionalpark Armorique
- Naturreservat Les Sept lles
- Naturreservat Cap Frehel
- Naturreservat Pointe d' Arcay
- Naturreservat Golfe du Morbihan
- Regionalpark Briere
- Naturreservat Baie de Bourgneuf
- Naturreservat St. Denis-du-Payre
- Naturreservat Baie de l' Aiguillon
- Naturreservat Banc d' Arguin
- Vogel-Naturreservat Marquenterre
- Naturreservat Vallee de La Grande Pierre et de Vitain
- Naturreservat Le Lac de La Foret d'Orient
- Pyrenäen -Nationalpark
- Regionalpark Vosges du Nord
- Regionalpark Volcans d'Auvergne
- Nationalpark Cevennen
- Naturreservat und Vogelschutzpark Villars-les-Dombes
- Regionalpark Pilat
- Regionalpark Vercors
- Naturreservat Aiguilles Rouges
- Naturreservat Marais du Bout du Lac d' Annecy
- Nationalpark Vanoise
- Nationalpark Ecrins
- Regionalpark Luberon
- Nationalpark Mercantour
- Naturreservat und Regionalpark Camargue
- Nationalpark Port-Cros
- Korsischer Regionalpark
- Scandola Naturreservat
- Korsischer Nationalpark
Sport
Die populärste Sportart Frankreichs ist der Fußball. Als identitätsstiftendes Band gerade zwischen den verschiedenen sozialen und ethnischen Gruppen Frankreichs gilt die französische Fußball-Nationalmannschaft, die so genannte équipe tricolore (siehe auch: Fußball in Frankreich). Aktuell stellt Lyon den französischen Fussballmeister.
Weitere populäre Sportarten sind der Radsport (insbesondere im Juli, während der dreiwöchigen Tour de France), Rugby, Leichtathletik, Formel 1 (Großer Preis von Frankreich in Magny Cours) und Tennis (French Open in Paris).
In Frankreich fanden bereits mehrmals Olympische Spiele statt: Sommerspiele 1900 und 1924 in Paris, Winterspiele in Chamonix 1924, Grenoble 1968 und Albertville 1992.
Siehe auch: Skigebiete in Frankreich
Medien
Die wichtigsten französischen Printmedien sind die nationalen Tageszeitungen:
- Le Monde und Libération (linksorientiert, Druckauflage 2003 ca. 500.000 bzw. 200.000 Exemplare)
- Le Figaro (konservativ, Auflage: 450.000 Exemplare)
- Les Echos, La Tribune (Wirtschaft, 180.000 bzw. 125.000 Exemplare)
- L'Humanité (kommunistisch, 74.000 Exemplare)
- La Croix (katholisch, 114.000 Exemplare)
- L'Equipe (Sport, 485.000 Exemplare und damit die meistgelesene Zeitung überhaupt mit sieben Lesern pro Ausgabe)
Die wichtigsten Nachrichtenmagazine in Frankreich:
- Le Nouvel Observateur (400.000 Exemplare)
- L'Express (400.000 Exemplare)
- Le Point (400.000 Exemplare)
- L'événement du Jeudi
Größte Regionalzeitung ist die Ouest France mit einer Druckauflage von 900.000 Exemplaren.
Bedeutend ist auch das jeweils mittwochs erscheinende Investigations- und Satireblatt Le Canard enchaîné mit einer Auflage von 550.000 Exemplaren.
Feiertage
Militär
Frankreich hat eine Berufsarmee mit 300.000 Soldaten.
Siehe auch
- Chronologie französischsprachiger Zeitungen und Zeitschriften
- Französische Küche
- Nachrichtendienste Frankreichs
- Liste bedeutender Franzosen
- Liste der Präsidenten Frankreichs
- Die schönsten Dörfer Frankreichs
- Weinbaugebiete in Frankreich
Literatur
- Alfred Pletsch: Länderkunde Frankreich. Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft), 2. Auflage 2003, ISBN 3534116917
- Wilfried Loth: Geschichte Frankreichs im 20. Jahrhundert. Frankfurt am Main, 1995 ISBN 3-596-10860-8
- Bernhard Schmidt, Jürgen Doll, Walther Fekl, Siegfried Loewe und Fritz Taubert: Frankreich-Lexikon. Schlüsselbegriffe zu Wirtschaft, Gesellschaft, Politik, Geschichte, Kultur, Presse- und Bildungswesen. 2. überarbeitete Auflage 2005, 1224 Seiten, ISBN 3-503-06184-3
- Ralf Nestmeyer: Französische Dichter und ihre Häuser. Insel Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-458-34793-3
Weblinks
20px Portal:Frankreich
- [http://www.diplomatie.gouv.fr/index.de.html Website des französischen Außenministeriums]
- [http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?type_id=14&land_id=46 Länder- und Reiseinformationen] des Auswärtigen Amtes
- [http://www.frankreich-forum.de/ Frankreich Forum]
- [http://www.lesvilles.de/ Lokalportal für alle französischen Regionen und Städte]
- [http://www.tu-dresden.de/sulcifra/romanistik/ Romanistik im Internet: Kultur, Literatur und Politik]
Kategorie:Staat
!Frankreich
Kategorie:Land in der EU
Kategorie:Mittelmeer
als:Frankreich
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zh-min-nan:Hoat-kok
Sébastien Le Prestre de VaubanSébastien Le Prestre (oder auch Prêtre) Seigneur, später Marquis de Vauban ( - 15. Mai 1633 in Saint-Léger-de-Foucherets (oder auch Saint-Léger-s/-Foucher; heute Saint-Léger-Vauban, Département Yonne); † 30. März 1707 in Paris) war ein französischer General, Festungsbaumeister Ludwigs XIV. und Marschall von Frankreich.
Marschall von Frankreich
Leben
Vauban bewarb sich heimlich in seinem 17. Lebensjahr bei der spanischen Armee im Regiment Condé. Dieses kämpfte damals gegen Frankreich. Er begann als Kadett und wurde von Condé wegen seiner mathematischen Kenntnisse als Ingenieur eingesetzt. 1653 wurde er von den Königlichen gefangen genommen und später als Ingenieuroffizier angestellt.
Erst 25 Jahre alt, leitete er bereits die Belagerungen von Gravelines, Ypern und Oudenaarde, zeigte 1662 beim Bau der Befestigungen von Dünkirchen, Lille, Ath und Charleroi hervorragendes Talent als Kriegsbaumeister, belagerte und eroberte 1667 im Kriege gegen Holland mehrere Festungen und leitete nach dem Aachener Frieden 1668 den Festungsbau von Tournai, Douai, Courtrai und Saarlouis. So legt er den Grund zu einem nördlichen französischen Festungsgürtel.
Nach dem Nimweger Frieden 1678 entstanden unter seiner Leitung viele Festungen insbesondere des westlichen französischen Festungsgürtels. 1669 wurde Vauban Generalinspektor sämtlicher französischer Festungen, 1703 Marschall, doch zog er sich durch eine Denkschrift während des spanischen Erbfolgekriegs die Ungnade des Königs zu und wurde in den Ruhestand versetzt.
Sein Geburtshaus befindet sich im Zentrum der französischen Ortschaft St.-Léger-Vauban
In dem Fachwerkgebäude mit Innenhof und Renaissance-Brunnen wird ein Überblick über Leben und Werk des Festungsbauers verschafft. Modelle zeigen einige der 300 Festungsbauten, die Vauban plante und ausführte, weiterhin informieren Originaldokumente und persönliche Gegenstände über den Architekten.
Literarisches und wissenschaftliches Werk
Seit 1699 war Vauban Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften und starb am 13. März 1707 in Paris. In seiner 57jährigen Dienstzeit hat er an 53 Belagerungen und 140 Gefechten teilgenommen, er führte die Parallelen 1673 vor Maastricht ein, erfand den Rikoschettschuss 1697 vor Ath und verbesserte den Bau von Land- und Wasserwegen. Modelle mehrerer von Vauban erbauter Festungen, 1814 im Artilleriemuseum zu Paris erbeutet, befinden sich im Zeughaus in Berlin. Für seine Verdienste im Festungsbau u. Festungskrieg wurde ihm 1881 in Avallon ein Denkmal gesetzt. Er hinterließ nur Handschriften, von denen ein Teil unter dem Titel: Oisivetes de M. de V. (Par. 1843–46, 4 Bände) herausgegeben wurde. Unter seinem Namen erschien noch die nationalökonomische Denkschrift Projet d'une dîme royale (1707), die indessen auch seinem Vetter Bois-Guillebert zugeschrieben wird; ferner, unter Benutzung seiner Handschriften erschienen:
- Traite de l'attaque et defense des places (1737, 2 Bände; neue Ausg. 1829)
- Traite des mines (1737)
- Traite des sieges (1747, neue Ausg. 1829)
- Euvres militaires (hrsg. von Foissac, 1793, 3 Bände)
- Memoires militaires (hrsg. von Fave, 1847)
- Memoires inedits du marechal V. sur Landau. Luxembourg etc. (hrsg. von Antoine-Marie Augoyat, 1841)
Bauwerke Vaubans
1841
1841
Insgesamt war Vauban am Bau bzw. Um- oder Ausbau von 160 Festungsanlagen beteiligt. Hier ist nur eine kleine Auswahl wiedergegeben:
- Besançon (Franche-Comté)
- Landau (Rheinland-Pfalz)
- Luxemburg (Hauptstadt von Luxemburg)
- Neuf-Brisach (Neubreisach, Elsass)
- Saarlouis (Saarland)
- Straßburg (Strasbourg, Elsass)
- Festung Mont Royal bei Traben-Trarbach/Mosel
- Belfort (Territoire-de-Belfort)
- Maubeuge (Nord Département))
- Huningue (Haut-Rhin) (Hüningen, Elsass)
- Bitche (Bitsch, Lothringen)
- Phalsbourg (Pfalzburg, Lothringen)
- Lutzelbourg (Lützelburg, Lothringen)
- Haguenau (Hagenau, Elsass)
- Sélestat (Schlettstadt, Elsass)
- Fort Lagarde, Prats-de-Molló-la-Preste (östliche Pyrenäen)
- Colmars les Alpes (Alpes des Hte. Prov.)
Nachwirkung
Nach Vauban wurde eine französische Kaserne in Freiburg im Breisgau benannt, die – nach ihrem Abriss – den Namen an das ab etwa 2000 an ihrer Stelle entstandene, stark ökologisch ausgerichtete Stadtviertel Vauban weitergab.
Weblinks
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Vauban, Sébastien Le Prêtre, marquis de
Vauban, Sébastien Le Prêtre, marquis de
Vauban, Sébastien Le Prêtre, marquis de
Vauban, Sébastien Le Prêtre, marquis de
Vauban, Sébastien Le Prêtre, marquis de
Vauban, Sébastien Le Prêtre, marquis de
Vauban, Sébastien Le Prêtre, marquis de
PallaschDer Pallasch (kommt vom ungarischen Wort Pallos gespr. Pollosch, für Schwert) ist eine Hieb- und Stichwaffe mit gerader Klinge. Im deutschen Sprachraum wurde daraus das Wort Pallasch. Ursprünglich ein Säbel mit gerader Klinge und einem Bügel mit Mittelstange als Handschutz, der von der schweren ungarischen Adelskavallerie eingesetzt wurde.
Die einschneidige Klinge des Pallasch unterscheidet ihn vom Degen, der immer zweischneidig ist. Er ist dem Säbel gegenüber besser zum Stich geeignet. Mit ihm hat er die schwere, breite Klinge gemeinsam, jedoch ist sie bei letzterem immer gekrümmt. Am Griff hat der Pallasch oft einen korbartigen Handschutz. Ein typisches Exemplar hat eine Gesamtlänge (mit Griff) von bis zu 1,10 Meter.
Die Urform im 18. Jahrhundert war noch ein zweischneidiger Degen mit Vollklinge, die sich bis zu in die friderizianische Zeit nach dem ungarisch-polnischen Vorbild in eine einschneidige Version mit Hohlrinne wandelte.
Diese Waffe war hauptsächlich bei der schweren Kavallerie, den Kürassieren und Dragonern, üblich. Zur Mitte des 19. Jahrhunderts kamen leicht gekrümmte Säbel auf, welche den Mittelweg zwischen dem geraden Pallasch als für den Stich optimierter Blankwaffe und dem stark gekrümmten Säbel als für den Hieb optimierter Waffe darstellten. Bis diese neue Form sich jedoch gegen den Pallasch durchsetzen konnten, war das Jahrhundert fast vorbei, und die schwere Kavallerie hatte ihre Bedeutung verloren.
Kategorie:Hieb- und Stichwaffe
SäbelDer Säbel (von ungarisch: szablya) ist eine leichte Hieb- und Stichwaffe.
Der militärische Säbel hat eine Klinge, die nur an einer Seite geschliffen ist, in vielen Fällen ist aber auch der Klingenrücken auf den ersten 10-30 cm von der Spitze an geschärft (Schör), um beim Rückhandschlag Wirkung zu erzielen und die Stoßeigenschaften zu verbessern. In wenigen Fällen wurde in diese Schneide ein Dreieck geschliffen, um zusätzlich noch eine Reißwirkung zu erzielen. Die Klinge ist je nach Vorliebe des Besitzers verschieden stark gekrümmt (s.u.). Säbel wurden primär von der leichten Kavallerie verwendet, leichtere Modelle kamen gegen Ende des 18. Jahrhunderts auch bei der Infanterie in "Mode". Doch schon bald gingen viele Armeen dazu über, wieder nur noch das Bajonett zu verwenden. Die kurzen Infanteriesäbel blieben aber bei den Grenadieren, in manchen Staaten, z.B. in Preußen, auch generell als Statussymbole in Gebrauch. Außerdem wurden von den Offizieren der Tirailleure bald längere, feinere Säbel getragen, während die restlichen Offiziere meist beim Degen blieben.
Der Säbel kommt Ursprünglich aus dem Indo-Persischen Raum. Das Wort Säbel kommt vom Ungarischen Szablya, das wieder aus dem Alanischen kommt. Ursprünglich wurde der Säbel v.a. in Asien und Nordafrika, aber auch in Osteuropa eingesetzt. Zum Durchschlagen von Rüstungen ist er schlechter geeignet als das gerade Schwert, doch konnten bis zum Hochmittelalter generell nur relativ leichte Rüstungen entwickelt werden, weshalb dieser Nachteil der Moslems zur Zeit der Kreuzzüge durch die fortschrittlichere Klingenherstellung des Orients ausgeglichen wurde. Durch die Krümmung der Klinge entstanden deutlich größere Wunden als bei geraden Klingen - vorausgesetzt, man hatte genügend Übung, ansonsten richtete man meist kaum Schaden an. Außerdem war es bei einem entsprechend gekrümmten Säbel egal, wenn man den Gegner mit dem Mittelteil der Klinge traf, mit geraden Schwertern oder Degen sollte man ihn hingegen mit dem vorderen Teil treffen, um genügend Schaden anzurichten. Deshalb ist eine lange, gerade Klinge im Handgemenge auf engstem Raum - zumindest für den Durchschnittskämpfer - eher hinderlich. In Westeuropa war die Bedeutung des Säbels aber zunächst gering, das änderte sich aber, als zu Beginn des 18. Jahrhunderts erstmals Husaren im größeren Stil eingesetzt wurden.
Je nach Krümmung der Klinge ist der Säbel auch als Stichwaffe geeignet, mit zunehmender Krümmung dann nur noch als Hiebwaffe, wobei der Stich gegenüber dem Hieb einen deutlichen Reichweite- und vor allem Genauigkeitsvorteil hat. Zwar lassen sich nicht so große, dafür aber meist tiefere Wunden erzeugen.
Der Säbel wurde v.a. von der leichten Kavallerie verwendet, Hauptaufgabe war Aufklärung und schnelle Überfälle auf den Nachschub.
Die schweren Kavalleristen, die (Kürassiere) und meist auch die Dragoner, waren mit dem Pallasch bewaffnet.
Der ursprüngliche, "orientalische" Säbel ist stark gekrümmt und sehr breit und daher als Stichwaffe eher ungeeignet - im Gegensatz dazu stehen zunächst nur die Schaschka der Kosaken sowie die vielfältigen "Modelle" der japanischen Samurai, diese weisen außerdem beide ein besonders einfaches Gefäß (=Griff) auf. Im 18. Jahrhundert ging man auch in Europa zu etwas schmäleren Klingen über, im 19. Jahrhundert tauchten leichter gekrümmte Modelle auf, die später auch von vielen schweren Kavallerieeinheiten eingesetzt wurden.
Der Handschutz kann stark variieren, vom Korb, der die Hand komplett umschließt, über einfache Bügel bis zur ursprünglichen, rudimentären Parierstange (à la Mamelucke). Die Länge liegt meist zwischen 70 und 100 cm, das Gewicht reicht von 700 bis 1400 Gramm.
Heute werden Säbel bei verschiedenen Armeen nur noch zu repräsentativen Anlässen getragen.
Akademischer Säbel
19. Jahrhundert
Der akademische Säbel ist neben Korbschläger und Glockenschläger eine der drei studentischen Fechtwaffen. Er unterscheidet sich vom Korbschläger in der Klinge und im Korb. Die Säbelklinge ist schwerer, gebogen und besitzt eine Blutrinne. Der Korb besitzt am Hiebblatt einen Klingenfänger. Der akademische Säbel ist eine Duellwaffe und wird daher heute in Deutschland nicht mehr verwendet. In Österreich wird die Säbelmensur als Contrage nach "persönlicher Beleidigung" durchaus, trotz rechtlicher Lage, noch praktiziert.
Die Entstehung des studentischen Säbels geht auf die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. In dieser Zeit entwickelte sich das studentische Fechten mit dem Korb- bzw. Glockenschläger weg vom Duell hin zur Mensur im heutigen Sinne. Für die Austragung von Ehrenstreitigkeiten wurde dann ab den 1840er Jahren aus dem militärischen Säbel der studentische Säbel entwickelt, der bis in die Zeit des Dritten Reichs in Gebrauch war.
Nach dem Verbot der Studentenverbindungen durch die Nationalsozialisten wurde auch das studentische Duell mit dem Säbel und Pistole wiederholt ausdrücklich verboten, zuletzt durch persönlichen Befehl Adolf Hitlers im Jahre 1940. Nach Wiedergründung der studentischen Verbände in den 1950er Jahren kam auch die Diskussion über die Gesetzmäßigkeit des studentischen Fechtens auf die Tagesordnung (siehe dazu: Göttinger Mensurenprozess). Daraufhin bestätigten Vertreter der maßgebenden Verbände schlagender studentischer Verbindungen bei einem Treffen mit Bundespräsident Theodor Heuss, dass in deutschen Studentenverbindungen Ehrenstreitigkeiten nicht mehr mit der Waffe ausgetragen werden würden. Das war das Ende des akademischen Säbels und des studentischen Duells in Deutschland.
Säbel im Sportfechten
Der Säbel für das Sportfechten ist höchstens 105 cm lang. Er darf maximal 500 Gramm wiegen, ist aber meistens erheblich leichter. Er hat eine gerade Klinge mit angedeuteter (stumpfer) Vorschneide. Der Säbel hat eine Glocke, welche die Handfläche schützt. Anders als beim Degen und beim Florett hat er einen Bügel, der die Hand gegen Hiebe schützt. Außerdem unterscheidet sich auch der Griff des Säbels von dem des Floretts und des Degens. Er hat keine Vertiefungen für die Finger und kann beliebig gehalten werden. Gültige Treffer können mit dem Säbel auf Arme, Rumpf und Kopf des Gegners gesetzt werden. Dabei ist es unerheblich, ob der Treffer als Hieb oder als Stich aufkommt.
Siehe auch
- Sportfechten
- Waffen
- Studentische Fechtwaffe
Kategorie:Hieb- und Stichwaffe
ja:サーベル
Vorderlader
Der Vorderlader ist die ursprüngliche Form der Feuerwaffe. Ein typischerweise glatter, gebohrter Lauf wird mit Treibladung und Projektil durch die Mündung geladen. Das hintere Ende des Laufes ist fest verschlossen und verfügt nur über ein relativ kleines Zündloch, durch das ein mittels Lunte (Luntenschloss), Feuerstein (Steinschloss), Radschloss oder Zündhütchen (Perkussionswaffe) erzeugter Funke oder Feuerstrahl die Treibladung zündet. Vorderladerfeuerwaffen werden klassisch mit Schwarzpulver und einem Bleigeschoss geladen. Dazu kommt oft noch ein Schusspflaster zur Abdichtung. Vorderladerkanonen verwendeten als Geschosse unter anderem Stein- oder Eisenkugeln, sowie Fragmentgeschosse wie Kartätschen.
Entwicklung der Vorderladerhandwaffen
Gezogene Läufe
Bis in das 19. Jahrhundert hinein hatten die Waffen der Soldaten primär glatt gebohrte Läufe. Man hat schon im 17. Jahrhundert erkannt, dass gerade Rillen das Geschoss stabiler fliegen lassen und entwickelte recht schnell danach Züge und Felder die im Lauf eine gewisse Umdrehung machten und so dem Geschoss eine Rotation um seine Längsachse mitgab, die es im Flug stabilisierte und die Genauigkeit signifikant steigen ließ, aber nicht die Reichweite, da die Gewehre mit gezogenem Lauf kürzer sein mussten. Um einen Vorderlader mit gezogenem Lauf laden zu können ist es eben ziemlich schwer, ein passgenaues Geschoss (das für gezogene Läufe benötigt wird) von der Mündung her den ganzen Lauf hinunterzustoßen. Rundkugeln wurden daher mit gefetteten Schusspflastern in den Lauf gestoßen, die Pflasterränder drücken sich in die Züge des Laufes und übertragen so den Drall. Da das Laden so relativ viel Zeit und Aufmerksamkeit in Anspruch nahm, benutzten lange Zeit nur Jäger und Scharfschützen gezogene Vorderladerwaffen.Geschoss
Im militärischen Bereich blieb die glattrohrige Muskete mit ihrer Ungenauigkeit, aber wesentlich höheren Schussfrequenz bei gleicher Reichweite erste Wahl. Es wurde viel daran getüftelt wie man eine Kugel schneller in den gezogenen Lauf bekommt.
Delvigne, ein französischer Offizier, war der erste, der versuchte, das gezogene Gewehr zu einer Waffe zu entwickeln, die für die gesamte Infanterie geeignet ist. Er erkannte, dass das Geschoss nach dem Einbringen in den Lauf seine Form ändern musste und entwickelte eine kleine Pulverkammr auf der das (runde) Geschoss auflag und mit mehren kräftigen Stößen so ellipsoid verbreitert wurde, dass es den Zügen folgte. Das verformte Geschoss veränderte aber auch die Flugbahn auf Kosten der Genauigkeit, zeigte aber die richtigen Prinzipien auf.
Thouvenin, ein französischer Oberst griff die Idee auf. Er hatte die Idee das Geschoss auf einem Dorn, in der Schwanzschraube des Laufes, mit kräftigen Stößen mit dem Ladestock das unterkalibrige (d. h. minimal kleiner als der Laufdurchmesser) Langgeschoss so zu erweitern, dass es sich beim Schuss in die Züge presst. Es wurden keine runden Kugeln mehr verwendet und das Pulver lag um den Dorn herum. Das System hatte den Vorteil das man die Gewehre leicht umrüsten konnte, in dem man nur die Schwanzschraube ersetzte.Langgeschoss Das System hatte aber auch Nachteile, es musste sehr viel Kraft aufgewendet werden um das Geschoss auf dem Dorn zu erweitern und die Reinigung um den Dorn herum stellte sich als schwierig heraus, auch war der Dorn fehleranfällig und konnte brechen. Trotzdem war das System beeindruckend gut, so dass die Französischen Jäger 1846 damit ausgerüstet wurden.1846]
1849 wurde mit dem Minié-Geschoss das Problem von Hauptmann Claude F. Minié elegant gelöst. Das Geschoss ist zylindrisch, mit einer konischen oder runden Spitze und leicht unterkalibrig , so dass es sich leicht laden lässt.
Der Boden des Geschosses weist eine kleine Mulde auf, die eine kleine Eisentasse enthielt; diese sorgt dafür, dass das Geschoss sich beim Schuss etwas verbreitert und in die Züge greift. Diese kleine Änderung vervielfachte die mögliche Kampfentfernung und hatte einen großen Einfluss auf die Kriegsführung (z. B. im Krimkrieg 1854 und im amerikanischen Bürgerkrieg), da man die vorhandenen Musketen nur mit Zügen und Feldern ausstatten musste, was vergleichsweise schnell ging. Das Hinterlader-Zündnadelgewehr stand aber schon in den Startlöchern, die Vorderlader abzulösen.
Schlosse
Die ersten Vorderlader waren kleine gegossene Bronze-Faustbüchsen. Auf das Ende einer Art Lanze gesteckt wurde die Waffe unter einen Arm geklemmt, grob gezielt und mit einer brennenden Lunte, die in einen gespaltenen Stock geklemmt war, gezündet. Die Tannenbergbüchse von 1399 ist ein gutes Beispiel dafür. Der nächste Schritt in der Entwicklung war die Erfindung einer S-Fömigen Eisenstange die durch die Holzstange des Schaftes führte und an deren Ende die Lunte eingeklemmt war. Diese Konstruktion ermöglichte ein erstes präziseres Zielen. Mit der Zeit wanderte das Zündloch auf die rechte Seite der Waffe und wurde mit einem kurzen Hahn, der die Lunte hielt, und einem Abzugsmechnismus kombiniert: Das Luntenschloss war geboren. Bis Anfang des 18. Jahrhunderts eine gebräuchliche Form. Um nicht die ständige Notwendigkeit eine brennende Lunte zu haben, ersann man andere Varianten der Zündung, das Radschloss. In der Pfanne lag unten ein Reiberad, das mit einem von oben darauf gedrückten Feuerstein das Pulver entzündete. Die Funktionsweise ist einem herkömmlichen Feuerzeug (ohne Piezzozündung) sehr änhlich und verdeutlicht das Prinzip sehr schön. Radschlossvorderlader wurden primär für die Kavallerie eingesetzt, der einfache Soldat behielt auf Grund der hohen Kosten für die vergleichsweise komplizierte Mechanik, das Luntenschloss.Kavallerie Gegen 1610 wurde das Steinschloss in der Schnapphahn Variante erfunden und in der Weiterentwicklung zum Steinschloss mit kombinierter Batterie und Pfannendeckel setzte es sich bis zum Anfang des 18. Jahrhundert durch.
1804 wurde das Knallquecksilber erfunden, das das Zündhütchen für das Perkussionsschloss ermöglichte. Das Steinschloss wurde durch die zuverlässigere Perkussionszündung ersetzt. Ein Hahn schlug auf das Zündhütchen das auf einem Piston saß und die Pulverladung im Lauf entzündete. Die bauliche Ähnlichkeit zum Steinschloss führte zu einer schnellen Einführung des Perkussionschloss, da die Steinschlosswaffen einfach zu aptieren (d.h. umgebaut) waren.
Kanonen
Die ersten Vorderladerkanonen waren Steinbüchsen - zweigeteilte Büchsen die eine Pulverkammer hatten und einen Flug. Erst wurde das Schwarzpulver (damals noch Mehlpulver) geladen und dann verdämmt. Anschließend wurde die bis zu 350kg und mehr wiegende Steinkugel eingesetzt. Diese wiederum wurde mit flachen Keilen und Lehm verpisst und verschoppt, d.h. die Zwischenräume zwischen der unebenen, grob behauenen Steinkugel und der Wand des Fluges mussten abgedichtet und die Kugel fixiert werden. Anschließend wurde der Lehm trocknen gelassen und dann erst gefeuert. Schwarzpulver: Kartaune auf Wandlafette]]So kam man auf gut einen Schuss pro Tag! Man ging immer mehr von den schmiedeeisernen Stabringgeschützen zu gegossenen Bronze-Geschützen über. Die Geschütze entstanden in verschiedenen Größen und es bildete sich immer mehr die Form heraus, die die Vorderladerkanonen noch 3 Jahrhunderte behalten sollten. Es entstanden die Kartaunen.
Mit Voderladerkanonen zu schießen war immer sehr gefährlich. Glimmende Pulverreste im Lauf konnten sich bei dem notwendigen Durchwischen des Rohres nach jedem Schuss entzünden. Schuld daran war der frisch zugeführte Sauerstoff, das kostete so manchem Kanonier den Arm. Verhindert wurde das dadurch, dass der Richtschütze mit einem ledernen Daumenschutz das Zündloch zuhielt. Auch die gegossenen Kanonen konnten nicht dauerhaft schießen. Die Rohre erhitzten sich so stark, das die Ladungen schon beim Einführen zu explodieren drohten; die Anzahl der Schüsse die in einer Stunde abgegeben werden durften, wurde begrenzt. Im Laufe der Zeit wurde das Material besser, so dass die Limits heraufgesetzt werden konnten. Die Rohre selbst erfuhren bis zur Einführung des Hinterladers keine bedeutenden Entwicklungen, lediglich die Zündarten änderten sich. Es wurde häufiger auch ein Steinschloss anstelle der Zündschnur und der Lunte eingesetzt. Mit der Erfindung des Minié-Geschoss kamen auch gezogene Kanonenläufe und die damit einhergehende Genauigkeit auf.
Heute / Sport
Vorderlader werden heutzutage in erster Linie sportlich geschossen, militärisch ist der Vorderlader technisch völlig überholt, da die Ladegeschwindigkeit zu gering ist und weil ab einer bestimmten Kalibergröße der Ladevorgang nur noch mit einem nicht vertretbaren Aufwand durchgeführt werden kann (zum Beispiel bei Schiffsgeschützen mit einem Kaliber von 400 mm). An Genauigkeit übertreffen Schwarzpulverwaffen allerdings oft die Patronenwaffen mit Nitrotreibmitteln. Heute noch werden in England Vorderlader-Disziplinen mit Entfernungen von 900 Yards geschossen, das sind 822,96 Meter. Lediglich Waffen wie Granatwerfer sind noch militärisch eingesetzte Vorderlader.
Ein weiterer Nachteil der Vorderlader (mit Ausnahme derer mit Perkussionszündung) ist die deutliche Verzögerung zwischen Betätigung des Auslösers und dem eigentlichen Schuss. Je nach verwendeter Zündtechnik kann dies bis zu einer halben Sekunde betragen.
Zudem stellt der Vorderlader bei schneller Schussfolge auch eine Gefahr für den Schützen dar. Im Lauf verbliebene Glut vom letzten Schuss kann die neu eingefüllte Ladung zur vorzeitigen Zündung bringen, was meist beim Verdichten der Treibladung geschieht, also während der Ladestock in den Lauf geführt wird.
Gerade diese diversen Eigenheiten, denen man mit Geschick und Sorgfalt entgegenwirken muss, machen den Reiz des Vorderladers als Sportwaffe aus. In Deutschland wird diese Sonderform des Schießsportes und Variante der Brauchtumspflege (z.B. auch Böllerschießen) beispielsweise von der Schwarzpulverinitiative vertreten. Diese ist nach dem Sprengstoffrecht ein staatlich anerkannter Schießsportverband.
Siehe auch: Brown-Bess
Literatur
- Thomas Fatscher/Helmut Leiser: Ausarbeitung zum neuen Waffenrecht. Krüger Druck+Verlag, Dillingen/Saar 2003, ISBN 3000120009
Weblinks
- [http://home.snafu.de/l.moeller/Engels.html Die Geschichte des gezogenen Gewehrs]
- [http://www.schwarzpulverinitiative.de/ Schwarzpulverinitiative]
- http://www.waffenservice.de/index1.htm#wb
- [http://www.seldas-rudel.at/Herrchen/NavPag1.htm Amerikanische Rifles und Geschichte]
Kategorie:Handfeuerwaffe
Kategorie:Geschütz
Kategorie:Militärtechnik
Kategorie:Waffentechnik
Hinterlader
Hinterlader sind Feuerwaffen, deren Läufe an beiden Enden offen sind und bei denen das Projektil und die Treibladung durch die hintere Öffnung in die Kammer gebracht wird. Diese wird dann durch einen speziellen Verschluss, der typischerweise auch die Auslösevorrichtung enthält, abgedichtet.
Hauptvorteil des Hinterladers bei Handfeuerwaffen ist die bedeutend erhöhte Schussgeschwindigkeit, bei Geschützen die gesteigerte Treffgenauigkeit. Zudem konnte man die Waffe auch einfacher hinter einer Deckung laden, da man keinen Zugang zur Mündung mehr benötigte.
Durch den Hinterlader wurde die Entwicklung der Patronenmunition erst möglich. Während beim Vorderlader der Schütze Treibladung, Projektil und Zündmaterial getrennt laden musste, sind bei der Patronenmunition alle Komponenten durch eine Hülse zusammengehalten und können in einem Vorgang geladen werden. Durch die direkte Einbringung des Zündhütchens in die Hülse und damit in die Treibladung verkürzt sich zudem die Verzögerung zwischen Betätigung des Auslösers und Schuss. Zudem ist eine ordentlich verarbeitete Patrone ausreichend dicht um das Schießen bei Regen zu ermöglichen.
Kategorie:Waffe
YataganEin Yatagan ist ein orientalisches kurzes Schwert, dessen etwa 60 bis 80 cm lange Klinge einschneidig und zweifach konvex gekrümmt ist. In Deutschland oft fälschlich umganssprachlich als Handschar bezeichnet. Das Yatagan wurde von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum 19. Jahrhundert verwendet.
Die Klinge selbst wurde aus Eisen gefertigt, während die Schneide aus Gründen der höheren Wirksamkeit aus Stahl bestand. Die türkische Infanterie, wie z.B. die Janitscharen, trugen eine verkürzte Version des Yatagans, die beim Marsch nicht hinderlich war.
Das Yatagan ist nach der gleichnamigen Stadt im Südwesten der Türkei benannt, die im heutigen Bezirk Denizli liegt.
1840 verwendete man in Frankreich für die Muskete M 1840 einen Yatagan als Bajonett und für die Württembergische Jägerbüchse 1860, wie auch für das französische Chassepotgewehr M 1866.
Weblinks
- [http://www.waffensammler-kuratorium.de/ya1860/ya1860ti.html Yatagan für die Württembergische Jägerbüchse 1860]
Kategorie:Hieb- und Stichwaffe
PikenierDie Pikeniere stellten vom 15. bis zum 17. Jahrhundert die schwere Infanterie in großen Teilen Europas dar und waren nach ihrer Hauptwaffe, der Pike benannt. Die Bezeichnung Pike wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts von dem französischen Wort pique entlehnt, das sich von dem Verb piquer ("stechen") ableitet. Die Pike erwies sich als effektive Waffe im Kampf gegen Kavallerieeinheiten. Dazu brauchten die in tief gestaffelten Formationen kämpfenden Pikeniere eine weniger intensive Ausbildung als Ritter bzw. Kürassiere und waren zudem äußerst billig auszurüsten.
Kürassiere]
Die Pike war mit einer Länge zwischen 3,50 und 6,60 Meter eine Weiterentwicklung des Spießes. Als Abwehrwaffe gegen Reiterei sollte ihre Reichweite die Länge der ritterlichen Lanzen übertreffen. In der Technik der Riposte (am Boden aufgestützt) eingesetzt, diente sie dazu, den angreifenden Gegner auflaufen zu lassen und anstürmende Kavallerie zu stoppen.
Vorläufer der Pikenier-Einheiten finden sich bereits im späten 13. Jahrhundert in Schottland, wo die aufständischen Schotten dichte Formationen aus Speerträgern bildeteten, die so genannten Schiltrons. Perfektioniert wurde diese Taktik in der Schweiz, wo zunächst mit Hellebarden und später vor allem mit Piken bewaffnete Schweizer den österreichischen Rittern in mehreren Schlachten schwere Niederlagen zufügten. Das Auftreten der Pikeniere auf den Schlachtfeldern Europas beschleunigte den im 14. Jahrhundert begonnenen Niedergang des Rittertums und machte den Weg frei für die Söldnerhaufen des 15. bis 17. Jahrhunderts. Die Schweizer kämpften in äußerst großen, tiefgestaffelten Formationen, den so genannten Gewalthaufen. Ein einziger Gewalthaufen konnte mehrere tausend Pikeniere umfassen. Setzte man in anderen Regionen Europas zunächst auf schweizerische Söldner, formierten sich bis zum 16. Jahrhundert auch außerhalb der Schweiz zahlreiche Pikenier-Einheiten.
Die Taktik des massiven Einsatzes von Pikenträgern wurde außerhalb der Schweiz von den Landsknechten verbessert, indem man durch eine tiefere Staffelung die Beweglichkeit der Formationen erhöhte. Zudem wurden die Pikenier-Einheiten im Laufe des 16. Jahrhunderts immer stärker durch (Feuerwaffen) Arkebusen- und dann auch durch Musketenschützen ergänzt. In Spanien ging man dazu über, die Musketenschützen an den Ecken des Gewalthaufens zu postieren. Die spanischen Pikenierformationen waren in der Regel 50 Mann breit und 30 Mann tief. Diese Formation wurde auch in anderen Teilen Europas übernommen und war als Tercio oder Spanisches Viereck bekannt.
Während des 16. Jahrhunderts kämpften die Pikeniere noch oft im Nahkampf gegeneinander. Bis zur zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts waren viele Pikeniere durch einen Brust- und Rückenpanzer und einen offenen Helm geschützt. Zudem waren die meisten Pikeniere mit einer Nahkampfwaffe wie zum Beispiel einem Schwert, einem Degen oder einem Dolch bewaffnet. Gelang es einer Pikenierformation in eine gegnerische Einheit eine Bresche zu schlagen, rückten sofort mit Hellebarden oder manchmal auch Zweihandschwertern bewaffnete Söldner vor, um einen Einbruch in die gegnerischen Linien zu erzielen. Starb ein Pikenträger im Gefecht, rückte sofort sein Hintermann auf. In einem Gefecht zwischen zwei Pikenierformationen verkeilten sich diese meist, weshalb die Ergänzung der Gewalthaufen durch Arkebusenschützen unverzichtbar war. Möglicherweise setzte man auch mit Zweihandschwertern bewaffnete Söldner ein, die in einer festgefahrenen Gefechtssituation einen Einbruch ermöglichen sollten. Im spanischen Tercio gab es schon keine Hellebardiere mehr, die Pikeniere stellten jetzt die einzigen Nahkämpfer der Infanterie dar. Das Manövrieren der großen Pikenierformationen war äußerst schwierig und erforderte einen intensiven militärischen Drill. Zudem wurden seit dem späten 15. Jahrhundert Trommler eingesetzt, die das Marschtempo vorgaben. An den Rändern der Formation wurden Feldwebel postiert, die eine ordnende Funktion übernahmen. Die Feldwebel waren mit einer Hellebarde bewaffnet, die nicht nur als Statussymbol diente, sondern auch als Werkzeug zum Zusammenhalten der Formation. Marschierte ein Pikenier nicht im Gleichschritt mit den anderen, musste er damit rechnen, das ihn ein Feldwebel zur Strafe mit der flachen Seite der Hellebarde schlug. Im Gefecht wurde eine Pikeniereinheit zusätzlich durch lautstark gebrüllte Befehle manövriert.
Das zahlenmäßige Verhältnis von Pikenträgern zu Musketenschützen verschob sich im Laufe des Dreißigjährigen Krieges zugunsten letzterer. Auch der Vorteil der Pikeniere gegenüber der Reiterei wurde ausgeglichen, da diese Gegentaktiken wie die Caracolla entwickelte. In der Mitte des 17. Jahrhunderts machten die Pikeniere in den meisten europäischen Heeren weniger als ein Drittel der Infanterie aus. Trotzdem schienen sie zu dieser Zeit immer noch für die Abwehr von Kavallerie unverzichtbar. Erst die Perfektionierung von Salven-Taktiken bei den Handfeuerschützen und vor allem die Verbreitung des Bajonetts und auch der Schweinsfedern in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts machten die Pikeniere allmählich mehr oder weniger überflüssig.
Pikeniere waren zunächst recht angesehen, da ihre Aufgabe eine hohe Disziplin erforderte und sie selbst schwere Kavallerieeinheiten erfolgreich bekämpfen konnten. Im Laufe der Zeit sank ihr Ansehen aber deutlich, da sie spätestens zu Zeiten des Dreißigjährigen Krieges den Musketenschützen beigeordnet waren und sich mit einer Reiterei konfrontiert sahen, die den Frontalangriff mied. Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen liess den Protagonisten seines Werkes "Der seltzame Springinsfeld" im 13. Kapitel über die Pikeniere höhnen:
:"Und dannenhero glaube ich daß der jenige der einen Piquenirer nidermacht (den er sonst verschonen köndte) einen unschuldigen ermordet / und solchen Todtschlag nimmermehr verantworten kan; dann ob dise arme Schiebochsen (mit disem Spöttischen Namen werden sie genennet) gleich creirt seyn / ihre Brigaden vor dem Einhauen der Reutter im freyen Feld zubeschützen / so thun sie doch vor sich selbst niemand kein Leid / und geschicht dem allererst recht / der einem oder dem anderen in seinen langen Spies rennet. Jn Summa ich habe mein Tage viel scharpffe Occasionen gesehen / aber selten wahrgenommen / daß ein Piquenirer jemand umgebracht hette."
Die französische Armee löste 1703 ihre letzten Pikenier-Einheiten auf. 1704 folgte England, und 1708 verzichtete auch die niederländische Armee auf die Verwendung von Piken. Lediglich in Schweden, das u.a. in der Schlacht bei Poltawa viele Pikeniere einsetzte, und in Russland kamen, neben Berdishi tragenden Schützen, bis in die 1720er Jahre Pikeniere zum Einsatz, die sich als effektiv gegen die türkische Reiterei erwiesen. Das Bajonett kann als Nachfolger der Pike gelten, und es gab noch bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts Generäle, die Bajonettangriffe für eine sinnvolle Taktik hielten - oft mit schrecklichen Resultaten für die eigenen Männer.
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Kategorie:Militärgeschichte
18. Jahrhundert
Das 18. Jahrhundert begann am 1. Januar 1701 und endete am 31. Dezember 1800. Es zählt zur Epoche der Neuzeit, gilt im Rahmen der europäischen Geschichte als eine Krönung der Aufklärung - man spricht auch von der Zeit der Spätaufklärung. Nachdem bereits seit der Renaissance und vermehrt im 17. Jahrhundert Forscher und Denker wie Galilei, Newton und Descartes Grundlagen geschaffen hatten, entwickelte sich die neuzeitliche Wissenschaft weiter, gab der Landwirtschaft und Warenproduktion (Manufaktur/ früher Industrialismus) neue Impulse, Ursprünge moderner Wirtschaftswissenschaft wurden erarbeitet - durch Adam Smith z. B. In Begleitung von Voltaire und Jean-Jacques Rousseau kam es auch zum Aufblühen einer Philosophie der Aufklärung. Neue Projekte wie die Enzyklopädie (Denis Diderot u. a.) bargen neben rein sachlichen Wissenssammlungen auch brisante Inhalte, beeinflussten die späteren politischen Revolutionen des Jahrhunderts. In Deutschland kam ein neues Durchsetzungskraft des Mittelstandes z. B. in den Werken Gotthold Ephraim Lessings zum Ausdruck. Mit der Aufklärung erweiterten auch die Vertreterinnen der Frauenemanzipation ihr Wirkungsfeld (Mary Wollstonecraft u. a.).
Ereignisse/Entwicklungen
- Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika
- Französische Revolution 1789
- Gründung der Zulu-Nation
- Die Aufklärung
- In London entwickelt sich anfangs Jahrhundert eine florierende Wertpapierbörse
- Wissenschaftliche Entdeckungen und Frühphase der Industriellen Revolution.
- Die Kleine Eiszeit (1500-1850) erreicht um 1750 ihren Höhepunkt.
- Die Parlamente von Schottland und England bilden das Vereinigte Königreich von Großbritannien
- James Cook umrundet die Welt in den 1770ern.
- Beginn der europäischen Besiedlung Australiens 1788.
- Napoleonische Truppen entdecken 1799 den Stein von Rosetta.
- Wars of Empire zwischen Großbritannien, Frankreich, Spanien, Österreich.
- siehe auch Spanischer Erbfolgekrieg 1701-1714 (engl. Queen Anne's War), Österreichischer Erbfolgekrieg, War of Jenkins Ear, Siebenjähriger Krieg (engl. French and Indian War). Besiegelt den Aufstieg Großbritanniens zur Großmacht.
Persönlichkeiten
- James Watt, schottischer Erfinder.
- Johann Sebastian Bach, Komponist
- Canaletto, italienischer Maler
- James Cook, englischer Entdecker
- Denis Diderot, französischer Schriftsteller und Philosoph
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