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Bajuwaren

Bajuwaren

Die Bajuwaren (Boii-avari, Baiwaren, Baioaren, lat. Bavarii bedeutet Männer aus Baia, evtl. Germanen aus Böhmen/Boiohaemum, auch: Bojersheim) oder auch Volksstamm der Baiern genannt, bilden die Bevölkerung des frühen Bayern, besiedelten Österreich und auch Böhmen. Die Sprache der Baiern ist das Bairische (Süd-, Mittel- und Oberbairisch), ein oberdeutscher Dialekt des Hochdeutschen. Die tatsächlichen Ursprünge der Baiern sind nicht genau bekannt, wobei Anklänge an den Namen des keltischen Volkes der Boier in der Wissenschaft kontrovers diskutiert werden, jedoch evident sind. Der Name selbst beschreibt wahrscheinlich ein Konglomerat aus größeren und kleineren Teilen der folgenden Gruppen:
- verschiedene keltische Stämme: Boier, Räter, Vindeliker
- Siedlungsreste der Römerzeit, Romanen (beispielsweise um Salzburg)
  - inkl. Menschen aus verschiedenen Völkern Südeuropas und dem Orient, die im Gefolge der Römer einwanderten
- dem germanisch Stamm der Alamannen (in größerer Zahl im Westen)
- verschiedener Germanengruppen aus Böhmen, darunter wohl Markomannen
- dem Volk der Langobarden
- dem germanisch-deutschen Stamm der Thüringer (z.B. um Zeusleben)
- später auch von slawischen Völkern (Slawen) (in den östlichen Gebieten)
- und wahrscheinlich vereinzelt auch dem Volk der Awaren Zwischen 490 und 530 rückte Herzog Theodo I. der Sueben/Quaden mit seinen aus Siedlergemeinschaften der Markomannen und Sueben/Quaden, aber auch Alemannen, Thüringern, Langobarden, Rugiern, Herulern und Skiren geformten Neustamm der Bajuwaren in das von Römern geräumte Noricum und Rätien ein, i.e. die Donau-Hochebene (Oberösterreich, Ober- und Niederbayern) bis sie den Lech 560 erreicht hatten. Im Übrigen gilt der Lech als Siedlungsgrenze zwischen den Alemannen und den Bajuwaren, die auch heute noch als Dialekt- bzw. Sprachgrenze erhalten ist. In diesem Sinne waren die Bajuwaren kein genuiner Volksstamm, sondern vielmehr ein "Volkskonstrukt", das sich aufgrund einer bestehenden regionalen Herrschaftseinheit gefügt hat. Als Nachbarvölker der Bajuwaren gelten:
- Alamannen im Westen
- Franken im Norden
- Langobarden südlich der Alpen
- Awaren im Südosten
- Slawen im Osten Die Vorgänger in der Region zwischen Donau und Fichtelgebirge, die Narisker, (auch Naristen, Narister oder Varisten) zogen um 534 n. Chr. nach Burgund ab. Ortsnamen mit der Endung -ing, insbesondere aus der Zeit um 550 n. Chr., deuten auf bajuwarische Ursprünge hin, beispielsweise Erding, Freising, Germering, Herrsching, Leonding, Straubing. Die Regenten der Baiern wurden vom Herzogsgeschlecht der Agilolfinger gestellt:
- Fürst Agilulf (Sueben), vor 482
- Herzog Theodo I. der Sueben/Quaden
- Herzog Garibald I., 555 - etwa 591
- Herzog Odilo, 739 legt Bistümer fest
- Herzog Tassilo III., 748 - 788, danach Enteignung durch Frankenkaiser Karl der Große Regensburg gilt als die Hauptstadt der Baiern und wurde in karolingischer Zeit zum Zentrum des ostfränkischen Reiches. Die Baiern waren einer allmählichen Christianisierung unterworfen. Im Benediktinerkloster Niederalteich (gegründet 731 oder 741 n. Chr.) wurde als Gesetzeswerk die so genannte Lex Baiuvariorum auf 150 Pergamentseiten in Latein niedergeschrieben. Siehe auch: Geschichte Bayerns

Literatur


- Menghin, Wilfried: Frühgeschichte Bayerns. Römer und Germanen - Baiern und Schwaben - Franken und Slawen. Stuttgart: Verlag Konrad Theiss, 1990. - ISBN 3-80620-598-1
- Losert, Hans/Pleterski, Andrej: Altenerding in Oberbayern. Struktur des frühmittelalterlichen Gräberfeldes und "Ethnogenese" der Bajuwaren, Berlin [u.a.]: scrîpvaz, 2003. - ISBN 3-93127-807-7

Weblinks


- [http://www.archaeologie-bayern.de/mitt/mitt048.htm Die Bajuwaren - Von Severin bis Tassilo 488 - 788] (Gemeinsame Landesausstellung des Freistaates Bayern und des Landes Salzburg 19. Mai - 6. November 1988 in Rosenheim und Mattsee)
- [http://www.die-bajuwaren.de Die Bajuwaren] (Reenactmentprojekt)
- [http://www.bajuwarenhof.de/ Bajuwarenhof Kirchheim (BHK)]. (Ziel des Projektes Münchner ArchäologInnen ist es, das Leben der Menschen des 6. und 7. Jahrhunderts praxisorientiert und wissenschaftlich fundiert erfahrbar zu machen.)
- [http://72.rapidforum.com/area=96 Bajuwaren] im [http://72.rapidforum.com Frühmittelalterforum]
- [http://www.bingo-ev.de/~ks451/archaeol/baiuw-01.htm Frühe Bajuwaren in der Region Ingolstadt - Friedenhain-Gruppe]
- [http://www.bingo-ev.de/~ks451/archaeol/kemath01.htm Grab von Kemathen - Ein früher Bajuware] Kategorie:Bayerische Geschichte Kategorie:Deutsche Geschichte Kategorie:Germanischer Stamm Kategorie:Europäische Ethnie

Bayern

Der Freistaat Bayern liegt im Süden und Südosten der Bundesrepublik Deutschland und ist das flächenmäßig größte Bundesland. Angrenzend sind (im Uhrzeigersinn) die Länder Baden-Württemberg, Hessen, Thüringen und Sachsen. Im Osten grenzt Bayern an Tschechien, im Süden an Österreich und an den Bodensee. Im Freistaat leben traditionell drei deutsche Volksstämme: die Franken (Ober-, Mittel- und Unterfranken), die Schwaben und die Baiern ("Altbayern").

Geschichte

Siehe die Hauptartikel Vorgeschichte Bayerns, Geschichte Bayerns und Königreich Bayern Die Schreibweise des Landesnamens mit "y" geht auf eine Anordnung von König Ludwig I., König von Bayern vom 20. Oktober 1825 zurück, mit der die ursprüngliche Schreibweise "Baiern" abgelöst wurde. Er "importierte" das Y aus dem griechischen Alphabet, da sein zweiter Sohn, Otto I., König von Griechenland wurde und seinerseits die bayerischen Farben weiß-blau als griechische Nationalfarben etablierte.

Politik

Siehe den Hauptartikel Politisches System Bayerns. Im Bayerischen Landtag sind derzeit drei Parteien vertreten. Nach den Wahlen vom 21. September 2003 ergab sich folgende Sitzverteilung (insges. 180 Sitze):
- CSU 124 Sitze
- SPD 41 Sitze
- Bündnis 90/Die Grünen 15 Sitze
Die Ergebnisse der Landtagswahl 2003 sahen wie folgt aus:

Bayerische Staatsregierung

In Bayern regiert seit 1966 die CSU mit absoluter Mehrheit, seit den Landtagswahlen am 21. September 2003 sogar mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit der Abgeordneten. Amtierender Ministerpräsident ist seit dem 17. Juni 1993 Dr. Edmund Stoiber (CSU). Am 7. Oktober 2003 wurde Edmund Stoiber als Ministerpräsident vom Landtag wiedergewählt, am 14. Oktober das neue Kabinett von ihm ernannt und vom Landtag bestätigt. Der Bayerischen Staatsregierung gehören zurzeit folgende Mitglieder an:

- Edmund Stoiber (CSU), Ministerpräsident des Freistaates Bayern
- Günther Beckstein (CSU), Stellvertreter des Ministerpräsidenten und Staatsminister des Innern
- Erwin Huber (CSU), Leiter der Staatskanzlei und Staatsminister für Bundesangelegenheiten und Verwaltungsreform
- Eberhard Sinner (CSU), Staatsminister für Europaangelegenheiten und regionale Beziehungen
- Beate Merk (CSU), Staatsministerin der Justiz
- Thomas Goppel (CSU), Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst
- Siegfried Schneider (CSU), Staatsminister für Unterricht und Kultus
- Kurt Faltlhauser (CSU), Staatsminister der Finanzen
- Otto Wiesheu (CSU), Staatsminister für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie
- Werner Schnappauf (CSU), Staatsminister für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz
- Josef Miller (CSU), Staatsminister für Landwirtschaft und Forsten
- Christa Stewens (CSU), Staatsministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen
- Georg Schmid (CSU), Staatssekretär im Staatsministerium des Inneren
- Karl Freller (CSU), Staatssekretär im Staatsministerium für Unterricht und Kultus
- Franz Meyer (CSU), Staatssekretär im Staatsministerium der Finanzen
- Hans Spitzner (CSU), Staatssekretär im Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie
- Emilia Müller (CSU), Staatssekretär im Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz
- Jürgen Heike (CSU), Staatssekretär im Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen Siehe auch: Wahlergebnisse und Staatsregierungen in Bayern seit 1945

Staatsaufbau

Grundlage der Landespolitik ist die am 2. Dezember 1946 beschlossene Bayerische Verfassung. Bayern ist demnach Freistaat (Republik) und Volksstaat (Demokratie). Seit dem 1. Januar 2000 existiert nach der Abschaffung des Senats ein parlamentarisches Einkammersystem. Die gesetzgebende Gewalt liegt beim Bayerischen Landtag, dessen Abgeordnete alle fünf Jahre (bis 1998: alle vier Jahre) gewählt werden. Bis Ende 1999 existierte mit dem Senat eine zweite Kammer, mit der Vertreter sozialer und wirtschaftlicher Interessenverbände ein politisches Gegengewicht zum Landtag schaffen sollten. In einem Volksentscheid wurde am 8. Februar 1998 die Abschaffung dieser Kammer beschlossen. Chef der Staatsregierung ist der Bayerische Ministerpräsident, der ihre Geschäfte leitet, die Richtlinien der Politik bestimmt, Bayern nach außen vertritt und die Staatsminister und -sekretäre ernennt. Das oberste bayerische Gericht ist der Bayerische Verfassungsgerichtshof. Des weiteren gibt es noch diverse obere Landesgerichte (Bayer. Oberstes Landesgericht, Bayer. Verwaltungsgerichtshof, Landesarbeits-, Landessozialgericht) sowie die restliche Judikative. Am 20. Oktober 2004 beschloss der Bayerische Landtag die Auflösung des Bayerischen Obersten Landesgerichts mit Wirkung zum 1. Juli 2006. Außer vom Landtag können in Bayern Gesetze und Verfassungsänderungen auch durch Volksbegehren und Volksentscheid beschlossen werden. Ein Volksentscheid ist außerdem zu jeder Änderung der Bayerischen Verfassung notwendig, auch wenn die Verfassungsänderung vom Landtag beschlossen wurde. Siehe auch: Bayerischer Ministerpräsident, Gesetzgebungsverfahren in Bayern

Wahlrecht

Gesetzgebungsverfahren in Bayern] Im Vergleich zu Wahlen auf Bundesebene weist das bayerische Wahlrecht mehrere Besonderheiten auf: Direktkandidaten, die in ihrem Wahlbezirk die Wahl gewonnen haben, können nur in den Landtag einziehen, wenn auch ihre Partei die Hürde von 5 Prozent erreicht hat. Darüber hinaus ergibt sich die Sitzverteilung im Landtag aus der Summe der Erst- und Zweitstimmen. In anderen Bundesländern und bei Bundestagswahlen entscheidet die Erststimme über die Wahl des Direktkandidaten im Wahlbezirk und allein die Zweitstimme bestimmt die Zahl der Sitze im Parlament, was üblicherweise dazu führt, dass Erststimmen häufiger den großen Parteien mit aussichtsreichen Direktkandidaten gegeben werden. Wer nach Bayern umzieht und eine kleinere Partei wählt, sollte also bei Landtagswahlen darüber nachdenken, ihr auch die Erststimme zu geben, die im bayerischen System also nicht "verloren gehen" kann. Eine weitere Besonderheit findet sich im Kommunalwahlrecht. Zum einen besitzt jeder Wähler genau so viele Stimmen wie Sitze zu vergeben sind; sind also im Gemeinderat bzw. Stadt- oder Kreistag z. B. 45 Sitze zu besetzten, so hat jeder Wähler 45 Stimmen. Desweiteren besteht die Möglichkeit des Kumulierens ("Häufeln", mehrere Stimmen können auf einen Kandidaten abgegeben werden) und des Panaschierens (Stimmen können auf Kandidaten verschiedener Listen verteilt werden). Am 21. September 2003 wurde per Volksentscheid die Altersgrenze für das passive Wahlrecht von 21 auf 18 abgesenkt. Daneben gibt es in Bayern zahlreiche direktdemokratische Elemente. Neben dem Volksentscheid auf Landesebene wurde am 1. Oktober 1995 durch eine Volksabstimmung die direkte Demokratie auf Kommunalebene eingeführt. Pro Jahr gibt es in Bayern rund 100 Volksabstimmungen.

Staatswappen, Flagge und Hymne

Hauptartikel: Bayerisches Staatswappen Das bayerische Staatswappen besteht aus sechs heraldischen Komponenten: Der goldene Löwe, ursprünglich mit der wittelsbachischen Pfalz am Rhein verbunden, steht heute für die Oberpfalz, der „fränkische Rechen“ für die drei fränkischen Bezirke, der blaue Panther für die Altbayern und die drei schwarzen Löwen für Schwaben. Das weiß-blaue Herzschild deutet den Gesamtstaat Bayern an, die Volkskrone bezeichnet nach dem Wegfall der Königskrone die Volkssouveränität. Der Freistaat Bayern besitzt zwei gleichgestellte Staatsflaggen: einmal die weiß-blau gerautete Flagge, zum anderen die Flagge mit horizontalen Streifen in den Farben Weiß und Blau. Zur Hymne siehe: Bayernhymne

Verwaltungsgliederung

Regierungsbezirke

Nachstehend die Regierungsbezirke mit Amtlichem Gemeindeschlüssel (AGS) und Abkürzung des Bayerischen Staatsministeriums des Innern: Amtlichem Gemeindeschlüssel (AGS)

Landkreise

Die 7 Regierungsbezirke unterteilen sich in 71 Landkreise und 25 kreisfreie Städte: kreisfreie Städte

Kreisfreie Städte

Städte und Gemeinden

Der Freistaat Bayern besteht aus 2.056 politisch selbständigen Städten und Gemeinden sowie 215 gemeindefreien Gebieten (letztere sind ausnahmslos unbewohnt und auf 44 der 71 Landkreise verteilt). Die Gemeinden verteilen sich wie folgt: 25 kreisfreie Städte und 2.031 kreisangehörige Gemeinden (davon 27 Große Kreisstädte, 262 sonstige Städte, 384 Märkte und 1.358 sonstige Gemeinden (Stand 1. Oktober 2004). Von den 2.031 kreisangehörigen Gemeinden sind 991 Mitgliedsgemeinden in 314 Verwaltungsgemeinschaften, und 1.040 Einheitsgemeinden, Stand 1. Januar 2005).
Änderungen seit dem 1. Januar 2005:
- Erhebung einer Gemeinde zum Markt am 17. September 2005
- Erhebung der Stadt Fürstenfeldbruck zur Großen Kreisstadt am 01. Januar 2006 (geplant)

Größte Städte

Siehe auch: Liste der Orte in Bayern, Große Kreisstadt

Regionen

Geografie

Große Kreisstadt Bayern liegt in Süddeutschland und umfasst:
- die bayerischen Alpen im Süden
- das Alpenvorland bis zur Donau mit den 3 großen Seen Oberbayerns
- das ostbayerische Mittelgebirge und
- die Stufenlandschaft der Schwäbischen und Fränkischen Alb. Die niedrigste Stelle von Bayern befindet sich mit 107 m in Kahl am Main (Unterfranken), die höchste auf dem Gipfel der Zugspitze (2.962 m ü. NN), dem höchsten Berg Deutschlands im Wettersteingebirge (Landkreis Garmisch-Partenkirchen). Hauptfluss ist die Donau, die bei Passau nach Österreich übertritt. Ihre größeren Nebenflüsse sind (von Westen):
- Iller, Lech, Isar und Inn (fließen rechts zur Donau hin)
- Wörnitz, Altmühl, Naab und Regen (fließen links dagegen). Die 4 ersteren entspringen in den Alpen und sind wasserreicher. Der Inn führt (wegen des langen Oberlaufs) bei seiner Mündung in Passau meist etwas mehr Wasser als die Donau. Das Klima geht vom Nordwesten (relativ ausgeglichen) nach Osten ins Kontinentalklima über. An etwa 100 Tagen sind die Temperaturen unter Null, die Westwinde bringen durchschnittlich 70 cm Regen, im Nordstau der Alpen lokal bis 180 cm. Die mittlere Sonnenscheindauer beträgt etwa 1600 bis 1900 Stunden. Eigene Artikel existieren für: Seen in Bayern, Flüsse in Bayern und Landschaften in Bayern, Liste der Berge in Bayern

Wirtschaft

Bayern gilt als sehr wirtschaftsstarkes und reiches Bundesland, es hat sich in den letzten Jahrzehnten vom Agrar- zum Technologieland entwickelt. Die Arbeitslosenquote betrug im Juli 2004 6,5 Prozent. Das Bundesland Bayern weist allerdings auch die größten wirtschaftlichen Unterschiede aller Bundesländer auf. So verteilt sich die Wirtschaftskraft vor allem auf die Regionen um München (mit Oberbayern und Augsburg), so wie auf die Region Nürnberg-Fürth-Erlangen, auf Unterfranken zwischen Würzburg und Aschaffenburg sowie die Region Regensburg. In Regionen wie in Oberfranken oder der nördlichen Oberpfalz geht die Wirtschaftskraft stark zurück. Diese Regionen weisen teilweise Arbeitslosenzahlen von über 10 Prozent auf. In den letzten Jahren konnten hier allerdings sehr gute Fortschritte bei der Verbesserung der Situation vorgewiesen werden. An drei Standorten in Bayern befinden sich Atomkraftwerke, außerdem wird in Garching bei München ein Forschungsreaktor betrieben.

Kultur

Die Bayern können auf eine über 1000 Jahre alte Kultur- und Geistesgeschichte zurückblicken. Laut Art. 3 der Verfassung des Freistaates Bayern ist Bayern ein Kulturstaat. Der Freistaat fördert in seinem Haushalt 2003 Kunst und Kultur mit jährlich über 500 Mio. €, zusätzlich kommen erhebliche Leistungen der bayerischen Kommunen und privater Träger hinzu.

Museen

Theater, Schauspiel und Oper

Bayern verfügt über vier staatliche und 18 kommunale Theater mit eigenen Ensembles sowie eine Vielzahl privater Bühnen und freier Gruppen. Als letzte große Neugründung ging 2004 aus den Städtischen Bühnen Nürnberg das Staatstheater Nürnberg hervor. Insgesamt gibt es 35 feste Schauspiel-, Opern- und Operettenbühnen, 41 Freilicht- und Festspielunternehmen und 17 Puppentheater mit mehr als 14.000 Vorstellungen und über 4,8 Millionen Zuschauern jährlich. Unter diesen Bühnen befinden sich so renommierte Häuser wie:

Musik

Operetten] Bayern ist nicht nur das Land der traditionellen Volksmusik, der Jodler und Schuhplattler, sondern auch die Heimat so bekannter Komponisten wie
- Max Reger
- Carl Orff
- Richard Strauss
- Christoph Willibald Gluck Zu den besten in Bayern beheimateten klassischen Orchestern zählen
- die Münchner Philharmoniker
- das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
- die Bamberger Symphoniker, Bayerische Staatsphilharmonie
- das Bayerisches Staatsorchester am Nationaltheater
- die Münchner Symphoniker
- das Münchner Kammerorchester
- die Nürnberger Philharmoniker am Staatstheater Nürnberg
- die Nürnberger Symphoniker
- die Hofer Symphoniker
- das Philharmonisches Orchester Bad Reichenhall
- und das Kammerorchester Schloss Werneck Unter den Musikfestspielen herausragend sind die Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth und die Münchner Opernfestspiele. Münchner Opernfestspiele

Küche

Durch das Nebeneinander der drei bayerischen Stämme Altbaiern, Franken und Schwaben ist die bayerische Küche sehr vielfältig. Auch wenn die bayerische Küche deutlich mehr bietet als deftige und rustikale Spezialitäten, so sind es dennoch besonders diese Gerichte, die weit über die bayerischen Landesgrenzen hinweg bekannt geworden sind:
- Schweinsbraten, Schweinshaxe, Kalbshaxenbraten, Spanferkelbraten
- Semmelknödel, Kartoffelknödel, Leberknödel
- Sauerkraut, Kohlroulade, Krautwickel, Krautspätzle, Krautkrapfen
- Leberknödelsuppe, Leberspätzlesuppe, Speckknödelsuppe, Pfannkuchensuppe
- Weißwurst, Wollwurst, Stockwurst, Regensburger (Wurst), Nürnberger Rostbratwurst
- Apfelstrudel, Topfenstrudel, Kaiserschmarrn, Dampfnudeln, Rohrnudeln, Schmalznudeln, Bayerisch Creme
- Bayrischer Kartoffelsalat, Bayrischer Wurstsalat
- Obazda oder fränkisch: Grupfter
- Leberkäse, Leberkässemmel

Religion, Stämme und Sprache

Leberkässemmel
- röm.-katholisch 58,50% Stand 2003 (1950 71,9 %)
- evangelisch 23 % (1950 26,8 %)
- andere Konfessionen und Religionen etwa 4 % Jüdische Gemeinden gab es bis zum 19. Jahrhundert vor allem in ländlichen Gebieten Frankens und Schwabens sowie den freien Reichsstädten wie z. B. Nürnberg und Regensburg. Im wittelsbachischen Altbayern gab es so gut wie keine Juden; seit der Judenemanzipation zunehmend in bayerischen Städten. Von fast 200 jüdischen Gemeinden existieren heute in Bayern noch bzw. wieder 12 Gemeinden. Das bayerische Volk setzt sich aus vier staatlich anerkannten Stämmen zusammen: Zu den drei alten Stämmen, den Altbayern, Franken und Schwaben, kamen nach 1945 über zwei Millionen Flüchtlinge und Heimatvertriebene, vor allem Sudetendeutsche. Auch Sinti und Roma haben eine sehr lange Tradition in Bayern. Daneben sind auch Jenische in Bayern beheimatet. Gesprochen werden mehrere Dialekte aus drei großen Dialektfamilien:
- Bairisch im Großteil des Landes (Nord- und Mittelbairisch, am Rand zu Tirol auch Südbairisch)
- Fränkisch von etwa 3 Millionen im nördlichen und westlichen Landesteil
- Alemannisch von 2 Millionen Schwaben im Westen Ferner gibt es kleinere Gebiete, in denen Südostthüringisch sowie hessische Mundarten gesprochen werden. Sudetendeutsche Mundarten konnten sich nur in einzelnen Gemeinden, wo Sudetendeutsche angesiedelt wurden, vorübergehend halten. siehe: Dialekte in Bayern, Liste bayerischer Klöster

Literatur


- Max Spindler (Hg.): Handbuch der bayerischen Geschichte, München, 1971-1975 (4 Bände)
- Max Spindler (Hg.), Gertrud Diepolder: Bayerischer Geschichtsatlas, München, 1969
- Wilhelm Volkert, Richard Bauer: Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte: 1799-1980, München, 1983 ISBN 3-406-09669-7 Siehe auch: Portal:Bayern

Weblinks


- [http://www.bayern.de/ Bayerische Staatsregierung]
- [http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/ Bayerische Landesbibliothek Online]
- [http://www.digitalis.uni-koeln.de/Merianb/merianb_index.html Topographia Bavariae] Kupfertafeln von Matthäus Merian 1622
- [http://www.geschichte.hdbg.de Geschichte Bayerns (Haus der Bayerischen Geschichte)]
- [http://www.bayernviewer.de/ Bayern Viewer: Luftbilder und Karten flächendeckend]
- [http://www.bis.bayern.de/ Detaillierte Karten flächendeckend]
-
als:Bayern ja:バイエルン州 ko:바이에른 주 simple:Bavaria

Böhmen

Böhmen (lateinisch Bohemia, tschechisch Čechy) ist eine historische Region in Mitteleuropa. Sie umfasst die westlichen zwei Drittel Tschechiens. Dazu gehören heute die tschechische Hauptstadt Prag (Praha), die sie umgebende Mittelböhmische Region (Středočeský kraj) und die um diese Region im Uhrzeigersinn liegenden Regionen Liberecký kraj, Královéhradecký kraj, Pardubický kraj, die Westhälfte des Kraj Vysočina, die Südböhmischen Region (Jihočeský kraj), die Region Pilsen (Plzeňský kraj), der Karlovarský kraj, und der Ústecký kraj. Im historischen Zusammenhang wird die Bezeichnung Böhmen oft auch für die Gesamtheit der Länder der Böhmischen Krone verwendet. Böhmens Fläche beträgt etwa 52.060 km². Es grenzt im Nordosten an Polen, im Osten an die historische Region Mähren, im Süden an Österreich, im Südwesten und Westen an Bayern und im Nordwesten an Sachsen. Sachsenzum König. Die Kurfürsten, durch die Wappen über ihren Köpfen kenntlich, sind, von links nach rechts, die Erzbischöfe von Köln, Mainz und Trier, der Pfalzgraf bei Rhein, der Herzog von Sachsen, der Markgraf von Brandenburg und der König von Böhmen.]] Böhmen, dessen Namen sich von dem keltischen Stamm der Boier ableitet (Boiohaemum = Heim der Boier, spätlat.: Bohemia), ist ein Landschaftskessel, begrenzt, bis auf kleine Ausnahmen, durch die Wasserscheiden der Zuflussgebiete der Moldau (Vltava) und der Elbe (Labe) (bis zur Grenze mit Deutschland). In letztere mündet auch die Eger (Ohře), deren Quellgebiet in Franken liegt (im Fichtelgebirge). Am Rand wird das Land von Mittelgebirgen begrenzt, im Nordwesten von dem Erzgebirge, im Nordosten von dem Riesengebirge und dem Adlergebirge und im Südwesten vom Böhmerwald. Die Grenze zu Mähren im Osten bildet der Höhenzug der Vysočina (Böhmisch-Mährische Höhe). Die Kämme der beiden letztgenannten gehören zu der Mitteleuropäischen Hauptwasserscheide. Berühmt sind beispielsweise die Böhmische Küche, das böhmische Bier und die böhmische Blasmusik. Typisch für die böhmische Küche sind Mehlspeisen, Knödel, fettes Fleisch, wenig Salat und Gemüse, dafür süße Nachspeisen. Die kulturellen Traditionen Böhmens sind eng mit denen in Bayern und Österreich verwandt - die Wiener Küche etwa ist ohne böhmische Einflüsse undenkbar.

Landschaft

Die heutigen Grenzen Böhmens sind weit über 1000 Jahre alt, nur das Egerland kam erst im späten Mittelalter dazu. Böhmen wird von drei Seiten durch bergige Landschaften umfasst, ohne jedoch ein eigentliches Kesselland zu bilden. Es schließt sich durch das Fichtelgebirge an die mitteldeutschen Terrassenlandschaften an und ist ebenso wie diese vertikal ausgerichtet. Böhmen hängt mit Mähren so eng zusammen, dass man in dem Raum zwischen Eger, Elbe und Donau einerseits und March und Raab andererseits ein gemeinsamen böhmisch-mährisches Terrassenland verfolgen kann. Die Einzugsgebiete der Donau und der Oder betragen nur 6,4% des Landesgebietes (3.184 km²), während die Elbe mit 48.772 km² den Hauptanteil bringt. Neben der Elbe selbst sind dies die Moldau, die bei Mělník mündet. Das Terrassenland Böhmens wird durch die Elbe und die Eger, die Sasau und Beraun und durch die tiefe Meridianfurche der Moldau gegliedert. Die kleinen, rings umschlossenen Tiefebenen sind folgende:
- Teplitz-Komotauer Becken im Norden
- Laun-Saazer Ebene (an der Eger)
- Theresienstädter Ebene
- Melniker Ebene (Osten) Nimburger Ebene
- Pardubitzer Ebene
- Budweis-Wittingauer Tiefplatte Hier erheben sich auch zahlreiche Berge:
- Engelhäuser Berg (713 m)
- Burberg (591 m)
- Georgenberg (455 m)
- Tockberg (853 m)
- Trschemschinberg (822 m)
- Kubany (1.358 m) Die natürliche Grenze Böhmens nach Westen bildet der Böhmerwald, der durch das Plateau von Waldsassen mit dem Fichtelgebirge in Verbindung steht. Bild:EGER1.jpg|der Marktplatz von Cheb/Eger - Westböhmen Bild:THERES4.jpg|Die "Lange Strasse" in Terezín/Theresienstadt Bild:DECIN.jpg|Blick von der Schäferwand (Pastýřská stěna) über Děčín - Nordböhmen Bild:KAMENIC.jpg|im Tal der Kamenice - Ortsausgang Jetřichovice - Nordböhmen

Geschichte

Siehe Hauptartikel: Geschichte Böhmens Geschichte Böhmens]

Verwaltungsgliederungen in Böhmen

Alte böhmische Kreise

Der deutsche Kaiser Karl IV., zugleich König von Böhmen, begann in der Mitte des 14. Jahrhunderts, sein Königreich in große Verwaltungseinheiten einzuteilen. Eine solche Verwaltungseinheit hieß in den Urkunden auf deutsch Kreis, auf tschechisch kraj und auf lateinisch circulus). Es gab allein im Landesteil Böhmen je nach Zeitperiode 7 bis 16 Kreise. (Mähren und Österreichisch-Schlesien hatten zusammen etwa (2 bis 6)+2 Kreise.) [Achtung: Der preußischen Verwaltungstradition folgend ist der deutsche Begriff für einen heutigen tschechischen kraj meistens Bezirk oder Region!] Die Zahl (7 bis 16) der alten böhmischen Kreise, und somit auch deren Größe, änderte sich mehrmals. Diese Kreiseinteilung galt zwar bis 1862, spielte aber schon kurz nach der Revolution von 1848 praktisch keine Rolle mehr für die Verwaltung.
(Siehe auch Weblinks.)

Politische Bezirke und Gerichtsbezirke

Ab 1850 wurden in allen Gebieten der Monarchie außer Ungarn die alten großen Kreise durch politische Bezirke (der Exekutive) ersetzt, von denen jeder aus einem oder mehreren Gerichtsbezirken (der Judikative) bestand. In den österreichischen Bundesländern besteht diese Einteilung bis heute. Normalerweise war ein politischer Bezirk (tschechisch: politický okres) kleiner als ein ehemaliger alter Kreis, und ein Gerichtsbezirk (tschechisch: soudní okres) ist kleiner als ein Politischer Bezirk. Es gab allein im Landesteil Böhmen etwa 104 politische Bezirke und darin etwa 229 Gerichtsbezirke. (Mähren und Österreichisch-Schlesien hatten zusammen 32+9 politische Bezirke.) [Achtung: Der preußischen Verwaltungstradition folgend ist der deutsche Begriff für einen tschechischen okres meistens Kreis!] Diese Bezirkeinteilung galt für Böhmen (abgesehen von kleineren Änderungen) bis 1938, also auch noch nach dem Ende des Staates Böhmen, in der (Ersten) Tschechoslowakischen Republik (1918 bis 1938).
(Siehe auch Weblinks.)

Stadt- und Landkreise neben Politischen Bezirken und Gerichtsbezirken

Aufgrund des Münchner Abkommens vom 29. September 1938 wurde der vorwiegend deutschsprachige Teil Böhmens als Reichsgau Sudetenland dem Deutschen Reich zugeschlagen und (wie in Deutschland) in Stadt- und Landkreise eingeteilt; übergeordnet waren Regierungsbezirke. Der restliche Teil Böhmens (im neu geschaffenen Protektorat Böhmen und Mähren) blieb weiterhin in Politische Bezirke und Gerichtsbezirke eingeteilt, wobei allerdings je über einer Gruppe von Politischen Bezirken noch ein Oberlandratsbezirk eingeführt wurde.
Im gesamten Reichsgau Sudetenland gab es 5 Stadtkreise und 52 Landkreise. (Im gesamten Protektorat Böhmen und Mähren gab es 67+30 politische Bezirke.) Diese Verwaltungsgliederung galt bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges (1945).
(Siehe auch Weblinks.)

Böhmische Kultur

Böhmen war stets eine europäische Region, in der religiöse und ethnische Gegensätze aufeinander trafen. Dies erzeugte Konflikte, aber auch reiche Wechselwirkungen, in denen die Teilkulturen einander befruchtet haben. Die böhmische Kultur ist in ihrer Vielfalt geprägt vom Zusammenwirken und Aufeinanderprallen von deutschen, tschechischen und jüdischen Einflüssen. So war beispielsweise Prag unter den Luxemburgern maßgeblich an der Ausprägung der internationalen Kunst der Parlerzeit beteiligt. Schriftsteller wie Adalbert Stifter, Franz Kafka, Franz Werfel, Friedrich Torberg, Jaroslav Hašek und Karel Čapek oder Komponisten wie Antonín Dvořák, Leoš Janáček und Bedřich Smetana schöpfen in ihren Werken aus diesem Reichtum. Das deutschsprachige Prager Tagblatt galt als eine der besten Zeitungen seiner Zeit. Der Einfluss der böhmischen Kultur insbesondere auf Österreich beschränkte sich nicht nur auf Kunst und Literatur. Auch im Alltagsleben bereicherten böhmische Schöpfungen die österreichische Kultur, etwa in der Küche (Powideltascherln), die bis heute von der Reichhaltigkeit böhmischer Kochkunst zehrt. Auch die sehr seltene Pferderasse der goldenen Kinsky-Pferde, die 1838 in Chlumec von Oktavian Graf Kinsky aus der Adelsfamilie Kinsky begründet wurde, haben in Böhmen ihren Ursprung.

Literatur

Geschichte


- Bosl, K. (Hg.): Handbuch der Geschichte der böhmischen Länder, 4 Bde. Stuttgart 1966-1974.
- Hoensch, J. K.: Geschichte Böhmens. Von der slavischen Landnahme bis zur Gegenwart. München 1997
- Collegium Carolinum (Hg.): Ortslexikon der böhmischen Länder. München/Wien 1983. ISBN 3-486-51761-9.

Kunstdenkmäler


- Poche, Emanuel : Böhmen und Mähren, München/Berlin 1986 (Kunstdenkmäler in der Tschechoslowakei, hg. v. Reinhardt Hootz)
- Zdenek Prochazka - Jan Oulik: HISTORICKE NAHROBNIKY TACHOVSKA - DIE HISTORISCHEN GRABMÄLER DER TACHAUER REGION, Herausgegeben im Verlag "Cesky les" Domazlice 1995: - ISBN 80-901122-69

Sprache


- Fehr, Götz: Fernkurs in Böhmisch. - ISBN 3-458-33033-X

Weblinks


- [http://www.bohemistik.de/index.html Bohemistik.de]
- [http://ekeil.gmxhome.de/vwe-bms.htm Verwaltungsgliederungen in Böhmen bis 1945]
- [http://www.datenmatrix.de/cgi-local/hdbg-karten/karten.cgi?action=detail&templ=01_01_karten_detail&id=24 Karte: Königreich Böhmen um 1619 : Historische Karten (Haus der Bayerischen Geschichte)]

Siehe auch


- Liste der Herzöge und Könige von Böhmen
- Přemysliden
- Karl IV. (HRR)
- Jan Hus
- Habsburg
- Österreich-Ungarn
- Austroslawismus
- Geschichte der Tschechoslowakei
- Tschechische Sprache
- Liste deutscher Bezeichnungen tschechischer Orte
- Mitteleuropa Kategorie:Staat (historisch) Kategorie:Europa Kategorie:Böhmen ja:ボヘミア

Kelten

Mit Kelten (lat. celtae, galli, griech. keltoi, galatai – die Tapferen, die Edlen) bezeichnete man schon in der Antike eine Gruppe von Völkern und Stämmen in Europa und Kleinasien, die sich durch kulturelle Gemeinsamkeiten und verwandte Sprachen auszeichneten. Auch die heutige Wissenschaft sieht in den keltischen Sprachen eine eigene indogermanische Sprachgruppe, während die Archäologie in den keltischen Stämmen in Mitteleuropa (vom Norden Spaniens bis nach Böhmen) kulturelle Gemeinsamkeiten während der jüngeren Eisenzeit (ca. 500 v. Chr.) sieht. Sie setzt im allgemeinen die Gruppe der antiken keltischen Stämme, sogenannte Zeit der „klassischen Kelten“, mit der La-Tène-Kultur gleich, die im 5.1. Jahrhundert v. Chr. weite Teile Mitteleuropas prägte. Der Name La Tène bezieht sich auf einen Fundort in der Nähe des Neuenburgersees (Westschweiz), wo in der Mitte des 19. Jahrhunderts reiche Funde gemacht wurden. Die La-Tène-zeitliche Kultur umfasst aber nicht das gesamte Ausbreitungsgebiet keltischer Gruppen und Sprachen nach der Überlieferung der Antike. Die Kelten haben wahrscheinlich die Seife erfunden und führten auch die exzessive Badekultur, die die Römer später pflegten, in Italien ein. In ihrer weitesten Ausprägung reichte die keltische Kultur von Irland, Südostengland, Nordspanien und Frankreich im Westen bis Westungarn im Osten, von Oberitalien im Süden bis zum nördlichen Rand der Mittelgebirge. Außerdem gab es das Siedlungsgebiet der Galater in Anatolien (heutige Türkei). In Galatien lassen sich zwar einzelne Latène-Fibeln nachweisen, doch kann dort nicht von einer keltischen Kultur im Sinne der Latène-Kultur die Rede sein; ausschlaggebend ist hier vielmehr ein spätantiker Beleg, wonach dort ein Dialekt ähnlich wie in der Gegend um Trier gesprochen wurde und die von der Antike bezeugte Einwanderung keltischer und thrakischer Stämme nach Anatolien. Es manifestierte sich auch in der Gleichsetzung der Bezeichnung für die Gallier in Frankreich und die Galater in Kleinasien. Irland erreichte nur sprachliche Einflüsse des Keltischen in der Spätantike, bzw. in frühchristlicher Zeit. Im Süden des keltisch geprägten Gebietes Mitteleuropas grenzte anfangs noch der etruskische, später der griechisch-römische Kulturkreis an, nördlich des keltischen Einflussgebietes waren germanische Stämme ansässig. germanische/450 v. Chr.)
Orange: weiteste Ausbreitung La-Tène-Kultur bzw. der keltischen Sprache (3. Jh. v. Chr.)]]

Geschichte

3. Jh. v. Chr. 3. Jh. v. Chr. Der Begriff Kelten geht auf griechische Überlieferungen aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. zurück, die die Keltoi zum einen an den Quellen der Donau und zum anderen im Hinterland von Massilia (Marseille) identifizierten. Ihr Auftreten fällt mit der eisenzeitlichen Späthallstattkultur in Mitteleuropa zusammen. Diese Kultur hatte sich seit etwa 750 v. Chr. in einer Region zwischen Ostfrankreich und der Schweiz über Süddeutschland und Österreich bis Slowenien aus den ansässigen spätbronzezeitlichen Kulturen entwickelt, wobei teilweise Kontakte zur südeuropäischen Antike nachgewiesen wurden. Sie ist berühmt für ihre reich ausgestatteten Fürstengräber aus Süddeutschland und der Bourgogne (z. B. in Hochdorf an der Enz und Vix). In der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts gerieten die Gesellschaften am nördlichen und westlichen Rand der Hallstattkultur zunehmend unter ihren Einfluss, übernahmen einen Teil ihrer Sitten und wurden ins hallstättische Beziehungsnetz eingebunden, wobei die Hunsrück-Eifel- und die Champagne-Marne-Region im Westen sowie die Gegend um den Dürrnberg in Österreich bei dieser Entwicklung eine besondere Rolle einnahmen. Der Hallstattkultur folgt die als keltisch zu bezeichnende La-Tène-Kultur (ab ca. 480 v. Chr. bis 40/0 v. Chr., je nach Region), deren Kunststile durch mediterrane Vorbilder geprägt sind. Die La-Tène-Zeit stellt die Blüteperiode keltischer Kultur dar. Erste Aufenthalte von Kelten im damals v. a. etruskisch geprägten Oberitalien sind ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. nachweisbar. Während der ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. einsetzenden Wanderungswellen wird die keltische Kultur in Nordspanien und Portugal fassbar, wobei hier kein Verdrängen ortsansässiger Kulturen nachgewiesen werden kann. Ein allmähliches Annehmen mitteleuropäischer Kulturelemente durch die ansässige Gesellschaft ist weit wahrscheinlicher. Die in Nordspanien und Portugal lebenden Menschen der späten Eisenzeit werden deshalb auch als Keltiberer bezeichnet. Keltische Gruppen ließen sich in Oberitalien und der Poebene nieder, von wo aus sie zu Beginn des 4. Jahrhunderts v. Chr. u. a. Rom angriffen. Die Belagerung Roms unter dem keltischen Heerführer Brennus (wahrscheinlich 387/386 v. Chr.) hinterließ bei der späteren Weltmacht ein lang anhaltendes Trauma. Andere Stämme drangen über Südosteuropa und den Balkan nach Griechenland und Kleinasien vor, begegneten Alexander dem Großen und plünderten Delphi. Ein Stammesteil ließ sich schließlich in Zentralanatolien nieder und wurde als Galater noch Jahrhunderte später im Neuen Testament erwähnt. Ab der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts v. Chr. wurden vom Osten ausgehend Oppida, d. h. Städte gegründet. Die keltische Oppidakultur erlebt ab Ende des 2. bis ins 1. Jahrhundert v. Chr. ihre Blüte, wobei sie aufgrund ihrer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Differenzierung, hochentwickelter Handwerks- und Kunstfertigkeit sowie Fernhandel die Stufe zur Hochkultur erreichte. Lediglich das Fehlen einer allgemeinen Schriftlichkeit steht dieser Bezeichnung entgegen. Man darf aber von einer exakten Weitergabe mündlichen Wissens im Bereich der keltischen Stämme ausgehen. Die größte Ausbreitung erreichten die Kelten um 200 v. Chr.. Im Osten ihrer Siedlungsgebiete, d. h. im weitesten Sinn „rechtsrheinisch“, verschwand die keltische Kultur in der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr. weitgehend, was vielleicht mit dem Vorrücken germanischer Stämme nach Süden zusammenhängen könnte. Dagegen überlebte die keltische Lebensart in Gallien und südlich der Donau in Rätien – sowie u. a. auch im heutigen Rheinland-Pfalz, Saarland und Bayern – nach Eroberung durch die Römer unter Caesar noch einige Jahrzehnte und ging mit zunehmender Romanisierung etwa seit der Zeitenwende in der relativ eigenständigen gallo-römischen Kultur auf. Der Ursprung der Kelten auf den britischen Inseln ist umstritten. Spuren einer Einwanderung sind für den Großteil der Inseln unbekannt und bis auf den Südosten Englands auch wenig wahrscheinlich; eventuell waren die britischen Inseln jedoch darüber hinaus sprachlich mit dem keltischen Festland verbunden. Dennoch besteht auf den britischen Inseln eine keltisch geprägte Kultur, wobei die Zuordnung hier insbesondere aufgrund linguistischer Annahmen erfolgt. Nur in Südost-England sind für das 1. Jahrhundert v. Chr. auch archäologische Zeugnisse der „klassischen“ kontinentalen keltischen Kultur nachzuweisen. Dieses Inselkeltentum blieb in den Randzonen Wales und Cornwall noch bis ins 5. Jahrhundert n. Chr. eigenständig und wandelte sich erst im Zuge der folgenden Christianisierung. Die frühe Christianisierung erfolgte aber vorwiegend durch keltisch geprägte Mönche, die keltische Sprache und kulturelle Einflüsse auch nach Irland trugen.

Wissenschaftliche Kontroverse

Je nach Fachgebiet oder Sichtweise werden mit dem Begriff Kelten entweder Stämme mit einer ähnlichen materiellen Kultur (archäologische Definition) oder eine mittel- und westeuropäische Sprachengemeinschaft der Eisenzeit (sprachwissenschaftliche Definition) bezeichnet. In der Forschungspraxis werden die beiden Definitionen häufig nicht deutlich genug geschieden. Grundsätzlich ist es fraglich, ob die Kelten eine Ethnie, d. h. ein geschlossenes Volk bildeten. (s. a. Volk, Ethnie, Ethnogenese). Iren, Schotten, Waliser und Bretonen definieren sich in neuerer Zeit vor allem aus einer Abgrenzung gegen Engländer oder Franzosen als Kelten. Dabei diente die frühe sprachwissenschaftliche Definition des 18. Jahrhunderts als Legitimation: Der Kelten-Begriff hat sich hier auf eine völlig andere Region und Bevölkerung verschoben, deren Gemeinsamkeit mit den Festlandkelten der vorrömischen Eisenzeit vor allem darin besteht, dass die frühe Sprachwissenschaft sie einer gemeinsamen Gruppe zugewiesen hat, deren Bezeichnung als "keltisch" aber relativ willkürlich ist. Dieser Artikel geht vor allem von den Erkenntnissen der archäologischen Wissenschaft aus, die auf die Ausbreitung und Ausprägung der La-Tène-Kultur fokussiert. Ein besonderes Kapitel ist das nachantike und frühmittelalterliche keltische Selbstverständnis verschiedener Randgruppen und Nachbarn des zerfallenden Römischen Reiches. Die Erinnerung an gemeinsame Kämpfe gegen das Römische Reich sowie verbindende geschichtliche Ereignisse, überliefert in Mythen und Sagen, werden in der mittelalterlichen Literatur und Kunst tradiert und romantisch verklärt.

Allgemeines

Die Kelten vermieden es vermutlich bewusst, gesellschaftliche, religiöse oder ihre Tradition betreffende Inhalte schriftlich festzuhalten – wie beispielsweise Caesar berichtet. Es gibt aber sowohl eine Reihe Inschriften in griechischer Schrift als auch archäologische Nachweise von Schreibgerät aus den spätkeltischen Oppida, die Schriftlichkeit – besonders in wirtschaftlichen Belangen – und eventuelle Fremdsprachenkenntnisse, zumindest der Oberschicht, nahe legen. Trotzdem beruhen die Kenntnisse über die Kelten auf der Geschichtsschreibung ihrer mediterranen Nachbarn (antikes Griechenland, Römisches Reich) sowie auf archäologischen Funden. Die spätantike/frühmittelalterliche Ogham-Schrift, die z. B. von irischen Grab- und Grenzsteinen des 4.-7. Jahrhunderts n. Chr. bekannt ist, scheint nur wenigen Eingeweihten bekannt gewesen zu sein und nur begrenzte Aussagemöglichkeiten gehabt zu haben.

Wirtschaft

Die keltische Wirtschaft basierte auf Ackerbau und Viehzucht. Auf kleinen, umzäunten Äckern wurden Getreide (Emmer, Dinkel, Gerste, Hirse) und Leguminosen (Saubohnen, Erbsen, Linsen) angebaut. Bekannt waren u. a. Löwenzahn, Brennnessel, Rübe, Rettich, Sellerie, Zwiebel und Kohl. Aus archäologischen Funden (Speiseresten) in Hallstatt lässt sich etwa ablesen, dass die Kelten ein noch heute in Österreich übliches Gericht gegessen haben, „Ritschert“, einen Eintopf aus Rollgerste und Bohnen. Da das lateinische Wort für Bier (cervisia) ein keltisches Lehnwort ist, wird vermutet, dass die Kelten das Brauen beherrschten. Römische Autoren beschreiben das Getränk allerdings mit deutlichem Abscheu. In Hochdorf und dem Glauberg ist Met archäologisch nachgewiesen (Pollenfunde). Wichtigstes Haustier war das Rind, welches neben der Lieferung von Fleisch, Milch (Käse) und Leder auch unabdingbar bei der Ackerbestellung war. Daneben wurden Schafe (Wolle) und Schweine gehalten; Hunde kannte man ebenfalls als Nutztiere (Hütehunde und Jagdhunde). Pferde waren ein Statussymbol und bei Kriegszügen wichtig und wurden wahrscheinlich von einigen Stämmen intensiver gezüchtet. Von Bedeutung für die keltische Wirtschaft war auch der Bergbau. Bergbau auf Salz ist eindeutig nachgewiesen. Eisengewinnung und -verhüttung ist zu vermuten. Es fehlen hier aber aus den Mittelgebirgen meist die letzten Beweise eines eisenzeitlichen Eisenerzabbaus. Aufgrund der reich ausgestatteten Hügelgräber der späten Hallstattzeit („Fürstengräber“) kann vermutet werden, dass die Gesellschaft auf lokaler Ebene einem „Fürsten“ unterstand. In der späten La-Tène-Zeit hatten sich weiträumige politische Strukturen entwickelt. Die keltischen Stämme auf dem Kontinent übernahmen das Geldwesen von Griechen und Römern, prägten aber eigene Münzen lediglich zum Informationsaustausch, wie heute vermutet wird. Grabfunde zeugen noch heute von dem ausgedehnten Handel der Kelten mit allen Völkern des antiken Europa. Exportiert wurden u. a. Eisen, Zinn, Salz, Holz, Flachs, Wolle, Waffen, Werkzeuge, Prunkwagen, Textilien, Schuhe. Importiert wurden vor allem Glas, Wein und andere Luxusgüter aus dem Mittelmeerraum. Entlang der wichtigsten Handelsstraßen entstanden keltische Oppida; das sind befestigte städtische Siedlungen. Durch jahrzehntelange Ausgrabungen in mehreren Ländern sind einige Oppida heute besser bekannt. Einige guterforschte Oppida von Ost nach West:
- Tschechien: Stradonice, Zavist;
- Österreich: Magdalensberg;
- Deutschland: Manching, Martberg, Wallendorf, Heuneburg
- Schweiz: Bern-Enge, Basel-Münsterhügel
- Luxemburg: Titelberg;
- Frankreich: Bibracte, Alesia. In einigen dieser Oppida dauern die Ausgrabungen weiterhin an. Aus zahlreichen weiteren Oppida liegen Ergebnisse aus kleineren Grabungskampagnen vor. Das populäre Bild eines keltischen Oppidums wird jedoch im Wesentlichen durch die Ergebnisse in Tschechien, Manching und Bibracte geprägt.

Gesellschaft

Die Einblicke historischer Schreiber in den Aufbau der keltischen Gesellschaft sind gering. Gaius Iulius Caesar gibt im „Gallischen Krieg“ (De bello Gallico) einen Einblick in die Gesellschaft der Kelten. Demnach gab es die Oberschicht der Fürsten, mit einer politischen und militärischen Führungsrolle. Aus den oberen Gesellschaftsschichten stammten wahrscheinlich auch die Druiden, mit Verantwortung des Kultus, der keltischen Religion. Den Druiden oblag zudem die Rolle des Lehrers, Mediziners, Richters und Naturforschers. Sie bildeten gleichsam die intellektuelle Schicht des keltischen Gesellschaftssytems. Von den antiken Quellen und überlieferten Mythen keltischen Ursprungs wissen wir über deren Vormachtstellung auch gegenüber der Oberschicht der Fürsten. Viele wichtige Ämter wurden zum Beispiel bei den Aeduern (Haeduern) gewählt, weswegen man sagen dann das es auch in der Keltischen Tradition Züge von Demokratie beziehungsweise Republik gibt. Obwohl Frauen in hohem Ansehen standen und alle hohen Ränge einnehmen konnten, war die keltische Gesellschaft insgesamt patriarchal organisiert. Die bekannteste keltische Kriegerin war Boudicca, Anführerin der Icener (Britannien), die im Aufstand gegen die römische Besatzung im Jahre 61 n. Chr., sowie Cartismandua, Königin der Briganten, die 77 n. Chr. von Agricola besiegt wurde. So genannte Fürstengräber zeigen in den Grabstätten männlicher Toter meist reichere Grabbeigaben, wobei allerdings in den letzten bekannten – ausgesprochen reichen – "Fürsten"gräbern des 4. Jahrhundert ausschließlich Frauen bestattet wurden. Allerdings sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern in einfacheren Gräbern geringer; die Annahme ist, dass Frauen im Allgemeinen keine Waffen mit ins Grab bekamen. Siehe auch:
- Keltenfürst vom Glauberg und Fürstengräber
- Hügelgrab bei Thomm (Fürstengrab)

Religion

Thomm] Über die Religion der Kelten ist nur sehr wenig bekannt. Hauptgründe dafür sind die geringe Verbreitung bzw. Nutzung von Schrift sowie die Tradition der mündlichen Überlieferung des Druidentums, welches bei den Kelten einen hohen Stellenwert einnahm. Zentral in der keltischen Religion und Mythologie waren – nach Caesar – die Druiden, der keltische Priesterstand. Um das Druidentum ohne moderne (verstellende) Esoterik zu beschreiben, soll hier der Originaltext verwendet werden. Caesar schreibt u. a.: „Den Druiden obliegen die Angelegenheiten des Kultus, sie richten die öffentlichen und privaten Opfer aus und interpretieren die religiösen Vorschriften. Eine große Zahl von jungen Männern sammelt sich bei ihnen zum Unterricht, und sie stehen bei den Galliern in großen Ehren.“ (Caesar: De bello gallico, VI, 13). Überhaupt bescheinigte Caesar den Kelten eine tiefe Religiosität (Caesar, De bello gallico, VI, 16)). Nach der üblichen Interpretatio Romana glichen die Römer die keltischen Götter und Kulte den eigenen an. Das heißt, dass den keltischen Göttern, je nach ihrer „Zuständigkeit“ römische Interpretationen und Götternamen gleichgeordnet wurden. Teutates (u.a.) wurde z. B. Merkur, Cernunnos Iupiter, Grannus dem Apollo und Lenus dem Mars gleich geordnet, usw. Durch die unterschiedlichen religiösen Vorstellungen konnten diese Interpretationen zuweilen von den römischen "Patengöttern" abweichen, wodurch dieselben römischen Götter in unterschiedlichen Regionen mit verschiedenen keltischen Beinamen erscheinen. Die Ausbildung zum Druiden dauerte lange, nach Caesar gelegentlich bis zu zwanzig Jahre: „Die Druiden nehmen in der Regel nicht am Krieg teil und zahlen auch nicht wie die Übrigen Steuern. [...] Diese großen Vergünstigungen veranlassen viele, sich aus freien Stücken in ihre Lehre einweihen zu lassen, oder ihre Eltern und Verwandte schicken sie zu den Druiden. Wie es heißt, lernen sie dort eine große Zahl von Versen auswendig. Daher bleiben einige 20 Jahre lang im Unterricht.“ (Caesar, De bello gallico, VI, 14) Neben ihren priesterlichen Funktionen hatten die Druiden aber auch durchaus weltliche Pflichten und Privilegien. Die Druiden legten auch die Strafen fest, laut Caesar (VII 33,3) war die Exkommunikation (d. h. der Ausschluss von den Opferbräuchen) die schwerste der denkbaren Strafen. Die Druiden wären für ihre Gerechtigkeit bekannt, rühmte Strabon (IV, 4,4). In Wales, welches jedoch nur eingeschränkt als "keltisch" bezeichnet werden kann, soll es auch weibliche Druiden gegeben haben. Diese Angaben stammen aber aus wesentlich jüngeren Quellen. (Solin) Anmerkung: Bei Fragen der „keltischen Religion“ ist bei modernen Veröffentlichungen (wenn sie nicht archäologisch ausgerichtet sind) große Vorsicht geboten, da moderne esoterische Bewegungen sich allzu gern mit dem Prädikat „keltisch“ schmücken, ohne dass irgendwelche tatsächlichen „keltischen“ Bezüge bestehen. Eine Religion ohne schriftliche Tradition ist gut auszunutzen. Man kann quasi „alles“ hinein interpretieren, was leider auch allzu oft getan wird. Siehe auch: Keltische Kirche

Kunst und Kultur

Sprache

Die keltischen Sprachen werden von der Sprachwissenschaft der westlichen Gruppe der indogermanischen Sprachen zugerechnet. Keltische Sprachen werden heute noch in Wales (walisisch) sowie in Resten in Irland (irisch; dort ist es seit 1922 offiziell erste Amtssprache, neben dem Englischen), in Schottland (schottisch-gälisch in den Highlands) und in der Bretagne (bretonisch; wurde von Auswanderern von den britischen Inseln im 5. Jahrhundert auf den Kontinent gebracht) gesprochen. Das Manx auf der Isle of Man starb in den 70er Jahren aus, das Kornische in Cornwall bereits im 18. Jahrhundert. Es gibt aber in jüngster Zeit Bestrebungen, Manx und das Kornische wieder zu einer lebendigen Umgangssprache zu machen. Auf der Iberischen Halbinsel wurde Keltiberisch gesprochen, was bei der Romanisierung unterging.

Darstellende Kunst

Als uneingeschränkt "keltisch", d. h. auf die historisch belegten Kelten zurückzuführen, sind die Kunststile der La-Tène-Zeit, deren Erforschung besonders mit den Namen der beiden Archäologen Paul Jacobsthal und Otto-Herman Frey verbunden ist. Sie entwickelten sich ab Beginn des 5. Jahrhunderts v. Chr. aus mediterranen Vorbildern, die von den keltischen Kunstschaffenden relativ frei interpretiert, zerlegt und zu einem ganz eigenen Form- und Kunstausdruck synthetisiert wurden. Ein gewisser Einfluss der Kimmerer und Skythen könnte bestanden haben, wobei die deutlichsten Vorbilder aber in der orientalisierenden Kunst der Griechen und Etrusker zu finden sind, die ihrerseits Vorbilder im Orient, z. B. dem Iran gehabt zu haben scheinen. Siehe auch: Keltische Kunst, Keltische Muster

Literatur

Die Literatur und Mythologie der eisenzeitlichen Kelten ist unbekannt. Es wird gelegentlich – nur selten von archäologischer Seite – die These vertreten, dass Reste festlandkeltischer Überlieferungen in die britischen Erzählungen des frühen und hohen Mittelalters eingegangen sein könnten, darunter vielleicht auch Teile der Artussage, die aber vermutlich ihren Kern erst in spätkeltischer, frühchristlicher Zeit hat, als die Randzonen des Römischen Reiches in Bewegung gerieten. Von den Inselkelten sind Mythen in verschieden Zyklen überliefert, dem Fionn- Zyklus (handelt von dem irischen Helden Finn), dem Ulster- Zyklus (in erster Linie von der Geschichte zwei kämpfender Stiere), den vier Zweigen des Mabinogi (von Pwylls Lebensgeschichte) und der mythologische Zyklus.

Musik

Keltische Musik ist zwar durch Texte griechischer Schriftsteller belegt, ihre Art, Harmonie und Klang usw. ist jedoch verloren gegangen. Von archäologischen Funden und von Darstellungen auf römischen Reliefs kennt man das Aussehen der "Carnyx", einer Art Trompete. Verschiedene keltische Münzen zeigen Darstellungen von Saiteninstrumenten, die den antiken griechischen Instrumenten "Lyra" und "Kythara" ähneln. Die Statue eines Mannes mit einem derartigen Saiteninstrument in den Händen wurde 1988 bei archäologischen Grabungen in der keltischen Festung von Paule-Saint-Symphorien in der Bretagne gefunden. Die heute als "keltisch" bezeichnete Musik wurde erst ab dem 17. Jahrhundert niedergeschrieben und bezeichnete die traditionelle Musik Irlands, Schottlands und der Bretagne.

Keltische Stämme

Die gallischen Stämme, zusammenfassend unter Gallier geführt, besiedelten das heutige Frankreich, Teile der Schweiz, Luxemburg, das südöstliche Belgien, das Saarland und Teile des linksrheinischen Rheinland-Pfalz sowie Teile Hessens. Dabei werden die nördlichen Stämme bei Caesar als Belger bezeichnet, wobei insbesondere Gebiete im heutigen Belgien sowie in der Eifel hier in Frage kommen. Im heutigen Frankreich und in den angrenzenden Gebieten Belgiens und Deutschlands waren es insbesondere die Allobroger (Savoyen und Dauphiné), die Ambianer (bei Amiens), die Arverner (Auvergne), die Bituriger (bei Bourges), die Cenomanen (Seine-Loire-Gebiet, sowie teilweise in Norditalien), die Eburonen (Eifel, Ardennen), die Häduer (Bourgogne, um Autun und Mont Beuvray (Bibracte)), die Mediomatriker (Region um Metz, Teile des Saarlandes), die Menapier, die Moriner, die Parisier (Zentralbritannien und Gallien/Paris?), die Senonen (bei Sens, sowie in Norditalien), die Sequaner, die Remer, die Treverer (im Moselraum, ab der Maas über Trier bis zum Rhein), die Veneter (an der Loire-Mündung), die Viromanduer (bei Vermandois) und eine Reihe anderer Stämme, die bei Caesar genannt wurden. In Bayern, Baden-Württemberg und der heutigen Schweiz fand sich die Gruppe der Helvetier, u. a. mit den Gauen der Tiguriner und Toygener, außerdem der Stamm der Vindeliker im heutigen Oberbayern und Bayrisch Schwaben (Augsburg = Augusta Vindelicorum als römische Stadt: Hauptort der Vindeliker) und um Manching sowie die Boier in Ober- und Niederbayern. Die Noriker in Oberbayern, südlich des Inns, und in Österreich, die Likater um den Lech in Oberbayern und Schwaben. Im Süden des gallischen Gebietes, in Norditalien, saßen die Insubrer; im Norden die Nervier und Belger, die teilweise auch bis Britannien vorzufinden waren. In Nordspanien die Gallicier und die Asturen, im heutigen Portugal die Lusitaner.

Rezeptionsgeschichte

Politik

Die Berufung auf die Kelten in Frankreich, aber auch in Irland, Wales, Schottland und der Bretagne zeigt, wie in der Neuzeit versucht wird, die Vergangenheit als traditionsstiftend für moderne Nationen zu nutzen. Dabei wird die historische Realität nicht selten verfälscht.

Briefmarken

Briefmarken Das deutsche Sonderpostwertzeichen „Keltenfürst vom Glauberg“ (144 Ct., Auflage: 17 Millionen, Grafiker: Werner Schmidt, Frankfurt am Main) aus der Serie "Archäologie in Deutschland" wurde am 7. Januar 2005 durch den parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen Karl Diller (MdB) in Büdingen vorgestellt.

Comics


- Die Asterix-Geschichten handeln ausschließlich von dem Konflikt der Gallier mit den Römern.

Literatur

Quellentexte


- Gaius Julius Caesar, Der Gallische Krieg

Allgemeine Literatur


- Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. 2. Auflage. Wien 1997, ISBN 3-7001-2609-3.
- Barry Cunliffe: Die Kelten und ihre Geschichte München 2004, ISBN 3-7857-0506-9
- M. Dillon / N.K. Chadwick: Die Kelten. Von der Vorgeschichte bis zum Normanneneinfall. Zürich 1966
- Janine Fries-Knoblach: Die Kelten. 3000 Jahre europäischer Kultur und Geschichte. Stuttgart 2002, ISBN 3-17-015921-6.
- John Haywood: Die Zeit der Kelten – Ein Atlas. Frankfurt, Zweitausendeins 2003, ISBN 3-86150-431-6.
- P. Barford, Celts in Central Europe and beyond- Arch. Polona 29, 1991, 79-98
- Raimund Karl: Einführung in die kulturwissenschaftliche Keltologie. [http://ausgegraben.org/index.php?module=Static_Docs&func=view&f=Skripten%2FKulturwissenschaftliche+Keltologie%2FSkriptum.pdf PDF-File (7 MB, 239 Seiten)]
- Martin Kuckenburg: Die Kelten in Mitteleuropa. Stuttgart 2004, ISBN 3-8062-1593-6.
- Bernhard Maier: Lexikon der keltischen Religion und Kultur Stuttgart 1994, ISBN 3-520-46601-5
- Stefan Zimmer (Hrsg.): Die Kelten. Mythos und Wirklichkeit. Stuttgart 2004, ISBN 3-8062-1908-7.
- Sabine Rieckhoff und Jörg Biel: Die Kelten in Deutschland. Stuttgart 2001, ISBN 3-8062-1367-4.
- Anne Ross: Pagan Celtic Britain. London 1974, ISBN 0-351-18051-6

Siehe auch


- Liste der keltischen Stämme
- Liste keltischer Götter und Sagengestalten
- Der Keltenerlebnisweg

Sprachversion des Artikels

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Weblinks


- http://www.keltenfuerst.de Archäologischer Park am Glauberg
- http://kelten.piranho.at
- http://www.hallstattzeit.de
- http://www.geschichte-schweiz.ch/helvetier.html
- http://ausgegraben.org Webpublikationen mit vielen Arbeiten von keltologischem Interesse
- http://www.kriegsreisende.de/antike/kelten.htm Die Kelten als Eroberer und Söldner in der Antike
- http://www.fuerstensitze.de Frühe Zentralisierungs- und Urbanisierungsprozesse
- http://hassiaceltica.de Das keltische Hessen
- http://www.antikefan.de/kulturen/kelten.html Keltische Kultur
- http://www.gabreta.de

Keltologie


- [http://www.univie.ac.at/keltologie/ Keltologie an der Universität Wien]
- [http://www.uni-marburg.de/ios/sprachwissenschaft/ Keltologie an der Universität Marburg]
- [http://www.keltologie.uni-bonn.de/ Keltologie an der Universität Bonn]
- [http://archaeologieforum.at/forum/index.php?showforum=83 Fachforum Keltologie im archaeologieforum.at] Hier trifft man die ExpertInnen.
- [http://www.keltologie.org/ Deutschsprachiges Diskussionsforum zur wissenschaftlichen Keltologie.](keltologie.org)
- [http://www.keltenmuseum.at]

Museen und Grabungen


- [http://www.latenium.ch/www.latenium_d.ch/welcome_d.html Das Laténium - Museum für die La Tène-Kultur]
- http://geschichte.surfbrett.at/kelten/kelten.ausstellung/frame2.html Ausstellung: Kelten in Mähren
- http://www.heuneburg.de
- http://www.nhm-wien.ac.at/NHM/Prehist/Holzer/Sandberg/ Forschungsprojekt und Grabungsberichte "Fürstensitz Keltenstadt" über die vermutlich größte Keltensiedlung Österreichs
- [http://www.landschaftsmuseum.de/Seiten/lexikon/latenezeit.htm Archäologie im Landschaftsmuseum Obermain] Archäologisches Lexikon: Die Latenèzeit (kurzer Überblick)
- [http://www.keltenmuseum.de Keltenfürst von Hochdorf]
- [http://www.museum-manching.de Keltenmuseum Manching]
- [http://www.kulturpark-online.de/ Europäischer Kulturpark Bliesbruck - Reinheim]
- http://www.theiss.de/AiD/2002/6/thema3.php Artikel zu Ausgrabungen an der Schmidener Viereckschanze
- http://www.kelten-digital.de Württembergisches Landesmuseum Stuttgart
- http://www.glauberg.de/ Archäologischer Park Glauberg e.V.
- http://www.keltenmuseum.at Hier werden die keltischen Salzfürsten vom Dürrnberg bei Hallein präsentiert ! Kategorie:Archäologie als:Kelten ja:ケルト人 ms:Celt

Boier

Die Boier (Boii, Bojer) waren ein keltisches Volk, dessen Ursprungsgebiet in Böhmen liegt. Der Name der Boier lässt sich vermutlich auf eine Bezeichnung für "Krieger" zurückführen. Belegte Namen sind Boiorix (König der Boier) und Boiodurum (Passau). Die Boier hatten zu ihrer Zeit erheblichen Einfluss auf das Machtgefüge Mitteleuropas. Im 4. Jahrhundert v. Chr. beginnt ein Teil der Boier sein Stammgebiet zu verlassen. Dieser Teil wandert nach Norditalien aus, wo er sich bald mit den dort lebenden Etruskern und Umbrern vermischt. Sie machten die etruskische Siedlung Felsina zu ihrem Hauptort Bononia (heute Bologna). Zu Beginn des zweiten Jahrhunderts v. Chr. (193 v. Chr.) wird der norditalienische Teil der Boier romanisiert. Die böhmische Gruppe der Boier breitet sich nach Noricum, Pannonien und Gallien aus. Aus ihrem Stammgebiet werden die Boier im 1. Jahrhundert von Markomannen und Dakern zum Teil verdrängt. Die verbleibenden gingen in den Markomannen und Dakern auf. Ein Teil der Auswanderer ging 58 v. Chr. mit den Helvetiern in die Gallia Narbonensis. Laut Caesar soll der Stamm damals 32.000 Menschen umfasst haben. Nach der Schlacht von Bibracte soll über die Hälfte der Helvetier und Verbündeten tot gewesen sein. Die Boier sind beispielsweise namensgebend für Böhmen (=Bojer-heim), möglicherweise Bayern ("Bajuwaren"=Boii-avari) und Bologna. Siehe auch: Liste der keltischen Stämme Kategorie:Europäische Ethnie Kategorie:Kelten Kategorie:Bayerische Geschichte

Konglomerat

Ein Konglomerat (v. lat.: conglomerare = zusammenballen) ist #im allgemeinen Sprachgebrauch eine Zusammenballung verschiedener Materialien. #im übertragenen Sinn eine Zusammenfügung unterschiedlichster Ideen, Firmen (Mischkonzern), Architekturstile, etc. #ein klastisches Sedimentgestein aus mindestens 50% gerundeten Komponenten (Kies oder Geröll), deren Korndurchmesser 2 mm übersteigt und die in einem feinen, ausgehärteten Bindemittel (meist Kalk) eingebettet sind. Konglomerate werden entweder durch Flüsse hoher Transportleistung abgelagert oder sind bilden sich an Erosionsküsten (Strandkonglomerate). Konglomerate aus ehemaligen Ablagerungen findet man in Deutschland u.a. in der Nord-Eifel (Nideggen, Trias), im Thüringer Wald (Eisenach, Perm), am Alpenrand sowie an den Flüssen des Alpenvorlands.
Konglomerate können aus allen möglichen Gesteinsarten bestehen; im Alpenvorland bei Brannenburg ist das Bindemittel Kalk. Auch in der Molasse gibt es vielerorts Konglomerate. Die im nördlichen Alpenvorland vorkommenden geologisch jungen Konglomerate werden als Nagelfluh bezeichnet, z.B. in der Nagelfluhkette im Oberallgäu oder die Vorkommen in Ramsau bei Berchtesgaden.

Siehe auch


- Brekzie, Speer (Berg)

Weblinks


- [http://www.naturstein-konglomerat.com Gollinger Konglomerat] (Infos, Bilder und Anwendungsbeispiele)
- [http://www.nagelfluh.de Brannenburger Nagelfluh] (Information, Steinbruch, Anwendung)
- [http://www.brannenburger-nagelfluh.de Brannenburger Nagelfluh] (Grad Nagelfluhwerk GmbH & Co.KG) Kategorie:Gestein ja:礫岩 ko:역암

Boier

Die Boier (Boii, Bojer) waren ein keltisches Volk, dessen Ursprungsgebiet in Böhmen liegt. Der Name der Boier lässt sich vermutlich auf eine Bezeichnung für "Krieger" zurückführen. Belegte Namen sind Boiorix (König der Boier) und Boiodurum (Passau). Die Boier hatten zu ihrer Zeit erheblichen Einfluss auf das Machtgefüge Mitteleuropas. Im 4. Jahrhundert v. Chr. beginnt ein Teil der Boier sein Stammgebiet zu verlassen. Dieser Teil wandert nach Norditalien aus, wo er sich bald mit den dort lebenden Etruskern und Umbrern vermischt. Sie machten die etruskische Siedlung Felsina zu ihrem Hauptort Bononia (heute Bologna). Zu Beginn des zweiten Jahrhunderts v. Chr. (193 v. Chr.) wird der norditalienische Teil der Boier romanisiert. Die böhmische Gruppe der Boier breitet sich nach Noricum, Pannonien und Gallien aus. Aus ihrem Stammgebiet werden die Boier im 1. Jahrhundert von Markomannen und Dakern zum Teil verdrängt. Die verbleibenden gingen in den Markomannen und Dakern auf. Ein Teil der Auswanderer ging 58 v. Chr. mit den Helvetiern in die Gallia Narbonensis. Laut Caesar soll der Stamm damals 32.000 Menschen umfasst haben. Nach der Schlacht von Bibracte soll über die Hälfte der Helvetier und Verbündeten tot gewesen sein. Die Boier sind beispielsweise namensgebend für Böhmen (=Bojer-heim), möglicherweise Bayern ("Bajuwaren"=Boii-avari) und Bologna. Siehe auch: Liste der keltischen Stämme Kategorie:Europäische Ethnie Kategorie:Kelten Kategorie:Bayerische Geschichte

Räter

Die Räter waren ein antikes Volk des Alpenraumes. Sie sind die Namensgeber der späteren römischen Provinz Raetia.

Räter oder Rhäter?

Die gelegentliche Schreibung Rhäter und Rhätien, wie sie auch ganz offiziell von der Rhätischen Bahn (RhB) verwendet wird, ist pseudo-antikisierend und findet an den antiken Belegen keinen Rückhalt.

Geschichte

Vermutlich um 800 v. Chr. kamen die Räter in den Alpenraum. Aus Ausgrabungen ist bekannt, dass sie Ackerbau und Viehzucht betrieben. Einige römische Geschichtsschreiber bezeichneten sie als besonders kriegerisch, eine Beschreibung, die wohl auch politisch geprägt war. 107 v. Chr. versuchten die Römer erstmals in rätisches Territorium vorzudringen, was ihnen aber aufgrund des schwierigen Terrains nicht nachhaltig gelang. Im Jahre 15 v. Chr. wurden die Räter von Tiberius und Drusus unterworfen und verloren ihre Unabhängigkeit an das Römische Imperium. Die Provinz Raetia entstand, die jedoch weit über die vermuteten rätischen Gebiete hinausragte.

Geographie

Aus römischen und griechischen Quellen ist bekannt, dass die Räter in Nachbarschaft zu Vindelikern, Helvetiern und Boiern lebten. Ihr Gebiet soll sich im Süden bis nach Verona und Como erstreckt haben. So umfasste das ursprünglich rätische Gebiet das heutige Trentino, Südtirol, Osttirol, östliches Unterengadin und Münstertal und ist daher etwa deckungsgleich mit der jüngereisenzeitlichen Fritzens-Sanzeno-Kultur, die heute allgemein als rätisch angesehen wird.

Kultur

Da sich in der Antike weder Griechen noch Römer besonders für die Räter interessierten, ist wenig über sie bekannt. Einige Erwähnungen beziehen sich jedoch auf kriegerische Aktivitäten, vermutete Herkunft und Verwandtschaftsbeziehungen der Räter und den offenbar guten rätischen Wein. Griechischen Quellen zufolge wurden die Räter nach dem etruskischen Führer Rätus benannt. Eine Blütezeit erlebte die rätische Kultur, als die Macht der benachbarten Etrusker abnahm. Dies, die geographische Nähe und die Verwendung der etruskischen Schrift, nährten lange Zeit Vermutungen, die Räter seien mit den Etruskern verwandt. Diese Vermutung, die sich schon bei Titus Livius, Pompejus Trogus und Plinius fand, wird heute weitgehend als falsch angesehen. Auch dass die Räter Indogermanen gewesen seien, wird heute abgelehnt.

Sprache

Die rätische Sprache war einst über die alpinen Regionen Italiens, Österreichs, der Südschweiz und Deutschlands verbreitet. Sie ist durch eine Anzahl von Inschriften bekannt, die im nordetruskischen Alphabet gehalten sind. Aus den Inschriften sind auch einige etruskische Lehnworte im Rätischen bekannt. Eine direkte Abstammung des Rätischen vom Etruskischen oder eine gemeinsame Abstammung von einer Ursprache ist jedoch zweifelhaft. Früher sahen einige Wissenschaftler in der rätischen Sprache ein Bindeglied zwischen dem Keltischen und dem Illyrischen. Möglicherweise spielt hier die kaum erforschte venetische Sprache eine Mittlerrolle. Das heutige Romanisch wie auch das Lidinische und das Friulanische gehen nicht auf die rätische Sprache zurück, sondern auf das Vulgärlatein der romanisierten Bevölkerung dieser Gebiete. Wobei nicht auszuschliessen ist, dass sich Sprache und Kultur der vorrömischen (im Osten und Südosten rätischen, im Westen und Südwesten möglicherweise keltisch-ligurischen und/oder lepontischen) Bevölkerung in irgendeiner Form in der romanischen Kultur erhalten haben und die Grundlage für das Selbstverständnis der Romanen bilden.

Siehe auch


- Kelten
- Illyrer
- Veneter
- Rätische Alpen
- Nordwestblock

Weblinks


- [http://www.jfp.ch/inhalt/bw/infos/raeti/raeti.htm Raeti Incogniti. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Räterforschung - von Jano Felice Pajarola] (ausgezeichnete Einführung) Kategorie:Schweizerische Geschichte Kategorie:Historische europäische Ethnie

Römisches Reich

Das Römische Reich (lateinisch: Imperium Romanum) war das von der Stadt Rom beherrschte Gebiet in der Zeit zwischen etwa dem 6. Jahrhundert v. Chr. und dem 5. bzw. 6. Jahrhundert n. Chr. Eine eindeutige Abgrenzung ist jedoch weder zur vorrömischen Epoche noch zum Byzantinischen Reich möglich. Zum Zeitpunkt seiner größten Ausdehnung, zu Zeiten Kaiser Trajans, erstreckte sich das Römische Reich über die Gebiete rund um das Mittelmeer, über Gallien und große Teile Britanniens und über die Gebiete rund um das Schwarze Meer (siehe auch Bosporanisches Reich). Das Römische Reich übte einen großen Einfluss auf die von ihm beherrschten Gebiete, aber auch auf die Gebiete jenseits seiner Grenzen aus. In der östlichen Reichshälfte mischte sich dieser Einfluss mit griechisch-hellenistischen und orientalischen Elementen, während der Westen latinisiert wurde. Latein, die Sprache Roms, wurde zur Amtssprache des Reiches, in Teilen des Reichs blieben aber auch andere Sprachen erhalten. Aus dem Lateinischen entstanden die modernen romanischen Sprachen Europas (Italienisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch und Rumänisch, sowie Ladinisch und Rätoromanisch). Sehr viele Lehnwörter finden sich zudem in den germanischen und in den slawischen Sprachen. Vor allem das Rechts- und Staatswesen in Europa ist maßgeblich vom römischen Erbe geprägt.

Geschichtlicher Überblick

Die Geschichte des Römischen Reiches lässt sich grob in folgende sechs Phasen gliedern, die im Verlauf dieses Artikels genauer beschrieben werden; zu Details siehe die entsprechenden Verweise im Artikel (Beispiel: Prinzipat): # Königszeit (753 v. Chr.510 v. Chr.) # Die Zeit der Republik (509 v. Chr.133 v. Chr.) # Zeit der Bürgerkriege (ab 133 v. Chr.) # Prinzipat (Römische Kaiserzeit I, ab 27 v. Chr.) # Spätantike, in der älteren Forschung auch Dominat (Römische Kaiserzeit II, ab 284 n. Chr.) # Untergang des Reiches im Westen und Übergang zum Byzantinischen Reich im Osten (ab 395 n. Chr., noch zur Spätantike zu rechnen)

Römische Königszeit und frühe Republik

395 n. Chr.]] Der Stadtstaat Rom, der zuerst unter etruskischer Königsherrschaft stand (Königszeit), gewann in Italien zunehmend an Einfluss, nachdem er sich ca. 500 v. Chr. von der Herrschaft der Etrusker gelöst hatte. Zu dieser Zeit erfolgte ebenfalls die Umwandlung des ehemaligen Königreiches in die Römische Republik (Republik = res publika, die öffentliche Sache), während derer alljährlich zwei Konsuln die oberste Regierungsgewalt ausübten. Der letzte aller römischen resp. etruskischen Könige, Tarquinius Superbus (Tarquinius der Hochmütige), wurde vom römischen Volk unter der Führung von Lucius Iunius Brutus aus Rom vertrieben, weil er eine Römerin namens Lucretia geschändet hatte. Das Jahr 509 v. Chr. ist jedoch spätere Fiktion, die als Parallele zum Sturz der Peisistratiden in Athen um 510 v. Chr. gesehen werden kann. Wahrscheinlicher ist die Zeit um 475 v. Chr. Als ersten, einigermaßen festen Punkt in der römischen Geschichte kann man die Niederlegung des Zwölftafelgesetzes 451 v. Chr. sehen.
Über die römische Königszeit existieren verschiedene berühmte Legenden, die die römische Geschichte mit der Geschichte Trojas zu verknüpfen versuchen. Diese entstanden jedoch erst Jahrhunderte später. Rom begann mit einer gezielten Expansion in Mittelitalien (Eroberung von Veji 396 v. Chr.), musste dabei aber auch schwere Rückschläge verkraften (v.a. der Galliersturm von 387 v. Chr., der psychologisch seine Spuren hinterlassen sollte, sowie mehrere Niederlagen gegen italische Volksstämme). Es folgen die Samnitenkriege (1. 343-341 v. Chr.; 2. 327-304 v. Chr.; 3. 298-290 v. Chr.) und der Latinerkrieg (ca. 340-338 v. Chr.). Rom etabliert schließlich ein weitverzweigtes Bündnissystem. So wurden Kolonien an strategisch wichtigen Plätzen angelegt und Bündnisse mit mehreren italischen Stämmen geschlossen, die jedoch nicht das römische Bürgerrecht erhielten.

Der Aufstieg Roms - Expansion in Italien und im Mittelmeerraum

Im 3. Jahrhundert v. Chr. setzte sich Rom gegen die Samniten und andere italische Stämme durch. Nach und nach fiel die gesamte Halbinsel an Rom (außer Oberitalien, welches erst später annektiert wurde). Im Süden verleibte sich die Republik um 275 v. Chr. die dortigen griechischen Stadtstaaten ein, nachdem es gelungen war, den hellenistischen Condottiere