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Balkan

Balkan

Der Begriff Balkan bezeichnet:
- eine Halbinsel in Südosteuropa, siehe Balkanhalbinsel
- ein Gebirge in Südosteuropa, siehe Balkangebirge
- ein Bergmassiv in Turkmenistan, siehe Großer Balkan Siehe zu diesem Begriff auch:
- Balkanbund
- Balkanentente
- Balkanisierung
- Balkankonflikt
- Balkankriege
- Balkanküche
- Balkanpakt
- Balkanspiele
- Balkansprachen
- Balkan-Storchschnabel
- Balkan-Windröschen !

Balkanhalbinsel

Der Balkan oder die Balkanhalbinsel (protobulg. für „Großer Khan“, oft synonym mit Südosteuropa verwendet) ist eine Halbinsel in Südosteuropa.

Geographie

Die Halbinsel mit ca. 560.000 km² Fläche (inklusive vorgelagerter Inseln) liegt zwischen dem Adriatischen und dem Schwarzen Meer. Nach Norden hin wird sie typischerweise durch die Save-Donau-Linie abgegrenzt. Politisch gliedert sich die Balkanhalbinsel demnach heute in die Länder Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Griechenland, Mazedonien, Rumänien, Serbien und Montenegro und den europäischen Teil der Türkei. In einigen Definitionen werden auch Moldawien, Slowenien, Kroatien und Ungarn dazugezählt.

Geomorphologie

Parallel zur Südwestküste der gebirgigen Halbinsel bilden die Dinarischen Alpen einen großteils verkarsteten Wall. Den Südosten und Osten durchziehen das Rhodopen- und das Balkangebirge. Sowohl die Westküste (Dalmatien, Montenegro, Albanien) wie auch die Ostküste der Balkanhalbinsel sind stark zerrissen und in zahlreiche Inseln und Halbinseln aufgelöst. Zwischen den überwiegend kahlen, nur dünn besiedelten Gebirgen liegen zahlreiche fruchtbare und wirtschaftlich bedeutsame Becken.

Hydrologie

Vegetation

Becken Phytogeographisch läßt sich der Balkan in den basophilen ozeani-schen Westen - Illyrien und konti-nentalen azidophilen Osten – Moesien gliedern. Illyrien ist Zentrum mesophiler Buchenwälder, die submontan bis subalpin dominieren, während in Moesien subalpin Fichte boreale Wälder bildet. Stärker unterschieden sind colline Stufen; die Eichen im O (Quercus frainetto, Q. cerris) werden im W durch humide Eichen-Hainbuchenwälder (Quercus petrea, Carpinus betulus) ersetzt. Die balkanische Region ist durch viele endemische (tertiäre) Arten bereichert: z.B. Acer heldreichii, Picea omorika, Aesculus hippocastanum, Corylus collurna, Pinus peuce P. heldreichii, Rhamonda serbica, Amphoricarpos neumayerii Die Vegetation großer Ökosysteme (phytogeographische Territorien oder Vegetationsgürtel) ist ökologisch, chorologisch, floristisch-entwicklungsgeschichtlich sehr einheitlich. Durch Relief und den Beziehungen, die sich aus der Lage, insbesondere zu den Meeren ergeben, erfolgt innerhalb dieser Horione eine aus den klimatischen Faktoren und den Aspekten des Naturraumes differenzierte Teilung . Die Balkanhalbinsel Teil des holarktischen Florenreiches. Sie ist weiter in eine mediterrane-, sowie zirkumboreale Region zu ordnen . Die westliche sowie östliche zentrale Balkanhalbinsel ist in zwei Phytohorione, illyrisch und moesisch (nach den röm. Provinzen Illyria und Moesia) zu teilen. Thrakien ist pontische Unterregion. Als Subhorione der mitteleuropäischen Florenregion, ist Illyrien mit basophilen, Moesien mit azidophilen Typen verbunden. Die reich-gegliederte Küste Dalmatiens gehört zur adriatischen Provinz der mediterranen Florenregion. Die epirische und ägäische Küste mit den griechischen Inselgruppen sind Teil der ostmediterranen Provinz. Damit sind floristische Prinzipien vorgegeben. Unterschiede resultieren aus der Mischung der Horoelemente einzelner Gebiete, die wiederum von naturräumlichen Gegebenheiten und der Vegetationsgeschichte abhängen.

Flora

Becken]Die Genese der balkanischen Flora vollzog sich während tertiärer, glazialer und postglazialer Phasen. Rezent sind keine alten mesozoischen Vertreter vorhanden (wie z.B. in den Floren Ostasiens oder Argentiniens). Der Basisbestand insbesondere der Waldflora ist dennoch seit der Kreide bekannt (z.B. Quercus, Fagus, Castanea, Alnus, Salix). Die thermophilere tertiäre Flora war an tropischen Elementen reicher als heute, wo nur eine kleine Zahl reliktischer Arten (Adiantum capillusveneris), Gattungen (Dioscorea) und Familien (Gesneraceae) überlebt hat. Außertropische tertiäre Formen sind dagegen reichlich vertreten (z.B. Platanus, Aesculus, Scopolia, Sibiraea, Thelygonum, Picea omorika, Pinus peuce, Forsythia europaea, Syringa vulgaris). Durch die isolierte Stellung, die nächsten Verwandten sind zumeist in Ostasien oder dem vorderen Orient zu finden und die heterogene phytogeographische Genese, sind alle paläoendemischen Tertiärrelikte ökologisch und horologisch sehr differenzierte Vertreter unterschiedlicher Vegetations-geographischer Einheiten. Seit dem Tertiär erfolgte die Evolution der mediterranen Gebirgsflora, dies unabhängig arktoalpiner Einflüsse. Die Grenze zwischen den florenhistorisch determinierten alpinen- und oromediterranen Systemen fand man anhand 1350 Gefäßpflanzen balkanischer Gebirge nördlich des Parnass. Die südliche Grenze der arktoalpinen Gemeinschaften ist zugleich auch die nördliche Grenze der Hochgebirgspflanzen südlicher Herkunft. Diese Grenze stimmt außerdem mit den Gebieten der stärksten pleistozänen Vereisung der Gebirge überein, deren signifikanteste Ausnahme sind der Orjen, der stark vereist war, aber wenig Alpenarten aufweist, wie auch der entfernt gelegene Olymp. Im Velebit (Nord-West Kroatien), der obwohl fast unvereist, ganz arktoalpin geprägt ist, spielt die abkühlende Wirkung der Bora eine zentrale Rolle. Die höchsten Horione sind folgenden Zono- und Orobiomen zuzurechnen: 1. der mediterranen Region mit zwei Provinzen a. Adriatisch- Ionischen b. Ägäischen 2. Mitteleuropäische Region mit zwei Provinzen a. Illyrischen b. Balkanischen 3. Pontische Region 4. zirkumboreale Region (Supalpine Stufe kontinentaler Gebirge) 5. alpin-nordische Region (Gebirgstundra) Geoelemte anderer Regionen wie der irano-turanischen, arktischen, atlantischen, orientalischen sind vereinzelt vorhanden, bilden aber nur kleine disjunkte und sporadische Populationen auf entsprechenden Standorten. Der geringen Durchsnittshöhe wegen sind die mittelhohen dinarisch-hellenidischen, sowie bulgarischen Hochgebirge heute unvergletschert. Damit fehlen großteils arktische Horoelemente. Nur wenige Firnfelder sind ganzjährig im Durmitor insbesondere aber in den Prokletije vorhanden. Hier finden sich damit auch subnivale Zonen. Orobiome der Gebirge lassen eine Anordnung der Horione als Stufen erkennen. Als Beispiel sei hier die Höhenzonierung im Orjen erwähnt. Hier sind 4 Horione ausgebildet wobei die nur zirkumboreale rudimentär vorkommt (die mitteleuropäische reicht hier max. 1700 m hoch). Die Vegetation im Orjen gehört zum Südostdinarischen Typ und ist durch ausgeprägte mediterrane Prägung herausstechend. Nach TURRILL (1929) finden sich auf der Balkanhalbinsel 6.340 Arten. Mit den in der Flora Europaea aufgeführten 10.500 Arten verglichen, kommt der Balkanhalbinsel auch die Schlüsselrolle der europäischen Vegetationsgeschichte zu. Folgende Konditionen sind dafür anzuführen: -eine Flora, die viele tertiäre Arten enthält, welche hier die Eiszeiten überleben konnten –paläoendemische Relikte -Isolation der Landmassen, Inseln und Gebirgsgruppen. Änderungen des Meeresspiegels. Fragmentierung, Isolation und Migration von Arten, Bildung neuer Habitate – autonome Evolutionszentren der Nähe zu anderen Florenzentren -Einflussnahme des Menschen durch Zerstörung und Wechsel der natürlichen Landbedeckung, Schaffung neuer Habitate und Introduzierung neuer Arten. Griechenland als endemitenreichsten Teilraum besitzt 1100 endemische Arten. Der Endemismus beruht vor allem auf der hohen Spezifikation der illyrisch-balkanischen Florenprovinz. Die vergleichsweise höhere Artenvielfalt zu Alpen und Pyrenäen, durch größere petrographische Heterogenität als Pyrenäen und gegen die Alpen die Einbettung zwischen Florenprovinzen macht die komplexen Dinariden zu dem auffälligen Endemitenzentrum mit hohem Artenpotential. Die illyrische Provinz besitzt vier endemische Gattungen: Petteria, Halacsya, Haberlea, Jankaea. Endemiten sind: Picea omorika (Serbien, Bosnien), Pinus peuce (Gebirge zwischen 41°-43° N) Primula deorum (Bulgarien), Saxifraga ferdinandi-coburgii, Petteria ramentacea (Dalmatien, Herzegowina, Montenegro, Nord Albanien), Oxytropis prenja, Acer heldreichii, Forsythia europaea (Nord Albanien, Kosovo), Moltkia petrea, Wulfenia baldaccii (Montenegro, Nord Albanien), Haberlea rhodopensis (Bulgarien, Nordost Griechenland), Ramonda serbica, Jankae heldreichii (Olymp), Amphoricarpos neumayeri (Orjen), Cicerbita pancicii, Lilium jankae, Dioscorea balcanica (Montenegro, Nord Albanien). Reliktarten der illyrisch-balkanischen Provinz sind: Ostrya carpinifolia, Juglans regia, Syringa vulgaris, Corylus colurna, Aesculus hippocastanum etc. Reliktische Pflanzengesellschaften finden sich zumeist in Schluchten, die der Flora als Refugium dienten. Eiserne Tor (Donau), Neretva, Drina, Tara, Cijevna, Morača, Vikos Aoos, Radika etc. sind die bekanntesten. Klimatisch gliedern sich die Gebirge des Balkans in humid-temperate, submediterrane und mediterrane sowie subhumid-kontinentale Typen was den Gebirgsklimatypen X1, X2 und X3 entspricht. Edaphische Abweichung der generellen Typen ergeben sich in Karstgebieten in ansonsten humiden Klimaten. Zudem reihen sich Karstgebirge von den Julischen Alpen zum Pelopones. Somit sind klimatische und edaphische Faktoren stärker kombiniert in Alpen, Pyrenäen oder Karpaten. Ein klimatischer Makrogradient ist primär für zönotische Unterschiede verantwortlich Karstgebirge des NW sind generell humid, im SO semihumid bis semiarid.

Klima

Im Winter wird es im Innern des Balkans sehr kalt, hingegen im Sommer sehr drückend heiß. An den Küsten herrscht durchgehend angenehmes Mittelmeerklima. Im Winter wird es dort kühl und im Sommer sehr heiß.

Bevölkerung

Die Balkanhalbinsel ist insbesondere bevölkert von Albanern (vermutlich ein Rest der Urbevölkerung), Bosniaken, Bulgaren, Griechen, Kroaten, Mazedoniern, Rumänen, Serben, Türken und je nach der genauen geographischen Definition auch von Slowenen und Ungarn (letztere jedenfalls in bedeutender Zahl in Serbien und Rumänien). Außerdem bilden die Roma in mehreren Balkanländern eine große ethnische Minderheit.

Geschichte

Die nach Osten hin offenen Küsten und die Durchgängigkeit des Nordens machen den Balkan seit jeher zu einer wichtigen Brücke zwischen Asien und Europa, aber auch immer wieder zum Schauplatz von Konflikten, Bürgerkriegen und ethnischen Unruhen. Siehe auch: Balkanbund, Balkanentente, Balkankonflikt, Balkankriege, Balkanpakt

Balkan als Begriff

Der Begriff Balkan war und ist in Westeuropa oft negativ konnotiert ("Pulverfass Europas"). Metternich meinte, der Balkan beginne schon am Rennweg in Wien-Landstraße. Bismarck wird der Spruch nachgesagt, der Balkan sei "nicht die Knochen eines einzigen pommerschen Grenadiers wert". Als politisch korrekter Begriff bürgert sich nicht zuletzt deshalb immer mehr der (geographisch nicht ganz deckungsgleiche) Terminus Südosteuropa ein. In den Balkanländern selbst ist die Bezeichnung Balkan aber zum Teil ein durchaus positiver Begriff: In Bulgarien etwa ist Balkan Namensbestandteil vieler Unternehmen und touristischer Einrichtungen, und die Bulgaren pflegen ein recht positives Verhältnis zu ihrer "Balkan-Identität". Ein Grund hierfür dürfte die Tatsache sein, dass dieses Gebirge über Jahrhunderte als Zufluchtsort verschiedener bulgarischen Freiheitskämper wie z.B. die Heiducken (im Kampf gegen die osmanische Herrschaft) und die Partisanen (beim kommunistisch geführten Widerstand gegen die Zusammenarbeit der bulgarischen Regierung mit Nazi-Deutschland) diente. Ganz anders ist die Situation dagegen in Kroatien, Ungarn oder Slowenien: Als Bestandteil Österreich-Ungarns gehörten diese Staaten jahrhundertelang zum mitteleuropäischen Kulturkreis und distanzieren sich aufgrund der negativer historischer Erfahrungen gerne vom Balkan. Aus diesem Grund wird in diesen Staaten die eigene historische Verbundenheit mit Mitteleuropa betont. Diese Staaten empfinden die Bezeichnung Balkan gar als Beleidigung. Siehe auch: Balkanisierung

Gemeinsamkeiten der Balkanländer

Die Staaten am Balkan weisen trotz aller Gegensätze doch zahlreiche Gemeinsamkeiten auf:
- Fast alle waren ehemals Teil des Osmanischen Reichs.
- In fast allen kam es erst relativ spät zur Bildung von Nationalstaaten.
- Die noch aus der osmanischen Zeit herrührende regional starke ethnische Vermischung löst immer wieder Konflikte aus (siehe auch "ethnische Säuberungen").
- In allen Ländern spielte in den vergangenen Jahrhunderten der Konflikt zwischen der römisch-katholischen und den orthodoxen Kirchen eine wichtige Rolle, außerdem das Spannungsverhältnis zwischen Islam und Christentum.
- Die Balkanländer waren nicht zuletzt wegen ihrer strategischen Bedeutung immer wieder Schauplatz von Stellvertreterkriegen und Durchgangsgebiet für fremde Heere (Kreuzritter, Osmanen) und wurden als solche oft schwer in Mitleidenschaft gezogen (teilweise ähnlich wie im Nahen Osten). Zu den vielen kulturellen Gemeinsamkeiten siehe auch Balkanküche, Balkanspiele, Balkanologie, Balkansprachen.

Literatur

Bücher
- Maria Todorova: Die Erfindung des Balkans. Europas bequemes Vorurteil, Primus Verlag 1999, ISBN 3896782096
- Karl Kaser: Freundschaft und Feindschaft auf dem Balkan. Euro-balkanische Herausforderungen, Wieser-Verlag 2001, ISBN 3851293622
- Richard Wagner: Der leere Himmel. Reise in das Innere des Balkan, Aufbau-Verlag 2003, ISBN 3351025483
- Steven W. Sowards: Moderne Geschichte des Balkans. Der Balkan im Zeitalter des Nationalismus, BoD 2004, ISBN 3833409770 Zeitschriften
- [http://www.suedosteuropa-gesellschaft.com/framescontent/publ_liste.cfm?Kategorie=8 Südosteuropa Mitteilungen]

Siehe auch


- Portal:Südosteuropa
- Mitteleuropa
- Ostmitteleuropa

Weblinks


- [http://www.bertelsmann-stiftung.de/medien/pdf/DiscussionPaper_RethinkingtheBalkans.pdf Discussion Paper – Rethinking the Balkans, Balkan Forum 2004, Bertelsmann-Stiftung 2004 (PDF-Format, englisch)]
- [http://www.rferl.org/balkan-report/ Radio Free Europe/Radio Liberty Balkan Report]
- [http://www.balkantimes.com/ Southeast European Times]
- [http://www.balkanalysis.com/ Balkanalysis.com]
- [http://www.csees.net/ The Centre for South East European Studies]
- [http://www.civilitasresearch.org/ Civilitas Research]
- [http://www.balkans.eu.org/ Le Courrier des Balkans – Nachrichten zu Politik, Kultur und Wirtschaft der Balkanländer] (französisch) Kategorie:Balkan Kategorie:Halbinsel ja:バルカン半島 ko:발칸 반도 th:คาบสมุทรบอลข่าน

Balkanbund

Der Balkanbund war ein 1912 geschlossenes militärisches Bündnis zwischen den Balkanländern Serbien, Bulgarien, Montenegro und Griechenland zur Aufteilung der verbliebenen osmanischen Provinzen Südosteuropas. Der Balkanbund eröffnete im Oktober 1912 den Ersten Balkankrieg.

Siehe auch


- Balkanentente
- Balkanpakt Kategorie:Politische Organisation Kategorie:Militärbündnis Kategorie:Serbische Geschichte Kategorie:Bulgarische Geschichte Kategorie:Geschichte Montenegros Kategorie:Griechische Geschichte (20. Jh.) ja:バルカン同盟

Balkanentente

Die Balkanentente (gelegentlich auch als Balkanpakt oder Erster Balkanpakt bezeichnet) war ein am 9. Februar 1934 geschlossenes militärisches Bündnis zwischen mehreren Balkanländern. Vertragsstaaten waren die Türkei, Griechenland, Rumänien und Jugoslawien. Die Balkanentente war hauptsächlich gegen bulgarischen Revisionismus gerichtet und tagte zum letzten Mal von 2. bis 4. Februar 1940 in Belgrad.

Siehe auch


- Balkanbund
- Balkanpakt
- Kleine Entente Kategorie:Politische Organisation Kategorie:Militärbündnis Kategorie:Rumänische Geschichte Kategorie:Türkische Geschichte Kategorie:Jugoslawien Kategorie:Griechische Geschichte

Balkankonflikt

Der Begriff Balkankonflikt bezeichnet das großenteils gewaltsame Zerbrechen des Staates Jugoslawien in den 1990er Jahren. Verursacht wurde er unter anderem durch die schweren ökonomischen Probleme, denen sich das Land in den 1980er Jahren ausgesetzt sah, verbunden mit einer nationalistischen Politik und Propaganda, die von der damaligen serbischen und kroatischen Macht-Elite, aber auch von Politikern anderer Teilrepubliken ausging. Eine wesentliche Ursache des Streits zwischen den Republiken lag in der Verteilung der finanziellen Mittel zwischen den Teilrepubliken (ähnlich dem deutschen Länderfinanzausgleich). Angesichts der auf Grund der Hyperinflation immer geringeren zur Verfügung stehenden Mittel beanspruchten Kroatien und Slowenien als die wohlhabenderen Teilrepubliken größere Teile der bei ihnen erwirtschafteten Mittel für sich, während die ärmeren Republiken Serbien und Mazedonien einen höheren Anteil als Ausgleich für die schlechte Wirtschaftslage für sich verlangten. Dieser Konflikt konnte, auch aufgrund eines nicht klar etablierten Regierungssystems nach Titos Tod 1980 nicht politisch gelöst werden. In dieser bereits aufgeheizten Atmosphäre veröffentlichte 1986 die Serbische Akademie der Wissenschaften und Künste das Sanu-Memorandum, in dem das politische System Jugoslawiens angegriffen wird und von einer systematischen Benachteiligung des serbischen Volkes die Rede ist. Es ging soweit, von einem Genozid an den Serben im Kosovo zu schreiben. Dieses Memorandum war eine der Initialzündungen für einen immer stärker aufkommenden Nationalismus innerhalb der serbischen Volksgruppe, aber auch der anderen. Besonders durch die Politik von Slobodan Milošević, der seit 1984 Leiter der Belgrader Regionalgruppe und seit September 1987 Parteisekretär des Bundes der Kommunisten Serbiens war, wurden diese nationalistischen Spannungen verschärft. Einen weiteren Auftrieb erhielten diese, als 1989 unter Miloševics Anleitung und mit dem Ziel seiner Machterweiterung durch eine Änderung der serbischen Verfassung die seit 1974 bestehende Autonomie des Kosovo und der Vojvodina aufgehoben wurde. Im Sog der politischen Umwälzungen in den anderen sozialistischen Staaten Osteuropas 1989/90 bildeten sich auch in Jugoslawien neue Parteien, und es kam 1990 zu ersten freien Wahlen in einigen Republiken, die mehrheitlich von nationalistisch agierenden Parteien gewonnen wurden. Daraufhin proklamierten am 25. Juni 1991 zunächst Slowenien und Kroatien ihre Unabhängigkeit, was von Teilen der jugoslawischen Führung als Verfassungsbruch angesehen wurde. Dies war aufgrund unklarer Formulierungen in der Verfassung von 1974 möglich, in der zwar das Selbstbestimmungsrecht der Völker Jugoslawiens festgeschrieben war, aber Modalitäten für einen Austritt der einzelnen Republiken aus der Föderation nicht einmal in Erwägung gezogen worden waren. Die Belgrader Führung versuchte unter maßgeblichem Einfluss von Milošević, die Unabhängigkeit mit Hilfe der Jugoslawischen Volksarmee (JNA) zu verhindern. So kam es im Juni 1991 in Slowenien zu ersten Kämpfen zwischen der jugoslawischen Armee und den slowenischen Streitkräften. Die woanders in Jugoslawien ebenso vorhandenen Konflikte entwickelten sich zum offenen Krieg. Insbesondere in den Republiken mit ethnisch weitgehend heterogener Bevölkerung (Bosnien-Herzegowina, Kroatien) wurden die Kämpfe hart und lang andauernd geführt. So forderte dieser Balkankrieg allein in Bosnien um die 100.000 Todesopfer. Es kam zu Massenfluchten, Vertreibungen und Zerstörungen. Da die Bundesarmee von Serben dominiert war und der serbischen Führung unter Slobodan Milošević nahestand, mussten die Republiken Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina eigene Armeen aus Polizei und Territorialverteidigung improvisieren. Bei der Territorialverteidigung handelte es sich um eine parallel zur Armee existierende Institution, welche mit einer der Feuerwehr ähnlichen Organisationsform im Falle eines Angriffes schnell und unbürokratisch die Verteidigung bis zum Eintreffen der Armee organisieren sollte und dem Befehl der Gemeindeverwaltung unterstand. Die Waffen der kroatischen Territorialverteidigung wurden bereits im Mai 1990 von der JNA beschlagnahmt, die der bosnischen wenig später. Lediglich die Polizei behielt ihre leichte Bewaffnung. Das kroatische Militär wurde seit 1990 jedoch erfolgreich schrittweise verstärkt und aufgerüstet. Die westlichen Staaten waren im Jahr 1991 noch fest entschlossen, Jugoslawien als Staat zu erhalten.

Kriegsopfer

Zu den Zahlen der Kriegsopfer existieren unterschiedliche Angaben, die mitunter auch interessengeleitet sind. Folgende offizielle Zahlen der Republiken zu den Kriegsopfern sind bekannt:
- Bosnien und Herzegowina: 242.330 Tote, 175.286 Verwundete, 36.470 Vermisste, ca. 40.000 vergewaltigte Frauen, von denen 10.000 minderjährig (Statistisches Amt der Föderation von Bosnien-Herzegowina). Eine von der norwegischen Regierung finanzierte Untersuchung durch das Research and Documentation Center in Sarajewo kam im November 2005 jedoch zu dem Ergebnis, dass während des gesamten Bosnien-Krieges wahrscheinlich 100.000 Menschen ums Leben gekommen seien. 70 Prozent der Toten seien bosnische Muslime, 25 Prozent bosnische Serben und 5 Prozent Kroaten. Die lange international kursierende und nach wie vor von bosnischen Stellen geschätzte Zahl von 250.000 Opfern habe sich als "Mythos" erwiesen. Auch das UN-Kriegsverbrechertribunal zum früheren Jugoslawien in Den Haag geht von einer Zahl von etwa 100.000 Kriegsopfern aus.
- Kroatien: 12.131 Tote, darunter 8.100 Zivilisten, 33.043 Verwundete, 2.251 Verschollene (kroatische Regierung aus dem Jahr 1995)
- Slowenien: bei den slowenischen Truppen 19 Tote und 182 Verletzte, bei der jugoslawischen Volksarmee 44 Tote und 146 Verletzte (Schätzungen)
- Kosovo: 4.000 Leichen oder Leichenteile bis 2002 ausgegraben, etwa 800 albanische Tote wurden bislang in Serbien gefunden (da es bis heute keine genauen offiziellen Zahlen gibt, beruhen die Opferzahlen auf Flüchtlingsberichten und Massengrabfunden).
- Serbien: 2.800 vermisste und bisher 1.000 identifizierte getötete serbische Zivilisten in Bosnien-Herzegowina 1991–1992; 6780 getötete Serben in Kroatien, laut ICTY 150.00 bis 200.000 Vertriebene in der Krajina; 142 getötete serbische Polizei- und Armeeangehörige im Kosovo; die NATO-Operation 1999 führte zu etwa 5.000 Todesopfern in der Bundesrepublik Jugoslawien (NATO-Angaben); nach jugoslawischen Angaben kamen 462 Soldaten, 114 Polizisten und etwa 2.000 Zivilisten ums Leben (Angaben der Jugoslawischen Volksarmee).

Chronologie

1980


- 4. Mai: Jugoslawiens Staatspräsident Josip Broz Tito stirbt im Alter von 88 Jahren. Ein kollektives Staatspräsidium mit jährlich wechselndem Vorsitz (einmal Serben, dann Kroaten, dann Bosniaken etc.) übernimmt die Führung in Jugoslawien.

1981


- In der serbischen Provinz Kosovo kommt es zu Unruhen. Albaner (zirka 80 % Bevölkerungsanteil) verlangen die Lösung von Serbien und den Status eines Staatsvolks. Dies wird von allen Teilrepubliken sowie der jugoslawischen Bundesregierung verweigert; Proteste werden blutig niedergeschlagen.

1986


- Serbische Intellektuelle fordern im Sanu Memorandum ein Ende der so genannten „Diskriminierungen des serbischen Volkes“. Das Memorandum behauptet unter anderem einen „Genozid“ am serbischen Volk im Kosovo und eine Verschwörung Kroatiens und Sloweniens gegen Serbien. Eine Revision der jugoslawischen Verfassung wird gefordert.
- Andererseits wird routinemäßig der Albaner Sinan Hasani zum jugoslawischen Staatsoberhaupt gewählt.

1987


- Im April 1987 bereist Slobodan Milošević den Kosovo und horcht auf verschiedenen Veranstaltungen den Sorgen der Serben und Montenegriner. Die orthodoxe Bevölkerung berichtet von einem massiven wirtschaftlichen, politischen und psychischen Druck durch die Albaner. Nach einer Rede im Kulturhaus von Kosovo Polje (alban. Fushë Kosovë) wird die Stimmung endgültig angeheizt: Einer aufgebrachten serbischen Menschenmenge verweigert die mehrheitlich albanische Provinzpolizei den Zutritt zum Gebäude. Als Milošević vor das Gebäude tritt und die Menschen rufen „Sie schlagen uns!“, antwortet er: „Niemand soll es jemals wieder wagen, euch zu schlagen!“ („nitko nesme da vas bije“ – wörtlich: „niemandem ist es erlaubt, euch zu schlagen“. Die angebotene Übersetzung im Text ist aber deutlich besser, da sie sehr gut die tatsächliche Tragweite dieses „niemand“ in dieser besonderen Situation hervorhebt). In den kommenden Monaten knüpft Milošević engere Beziehungen zur orthodoxen Kirche und nutzt seine Kontakte zu den Medien zu einer zunehmend nationalistischeren Kampagne.
- Slobodan Milošević wird Vorsitzender der serbischen Kommunistischen Partei.

1988


- Slobodan Milošević wird Präsident Serbiens.
- Im Oktober 1988 werden die Regierungen der Vojvodina und Montenegros durch Gefolgsleute Miloševićs ersetzt.

1989


- Im Februar 1989 stimmt das Parlament der SR Serbien einer Verfassungsänderung zu. Damit wird die Autonomie der Sozialistischen Autonomen Provinz Kosovo und der Sozialistischen Autonomen Provinz Vojvodina faktisch aufgehoben. Darauf flammen im Kosovo Unruhen auf, der Ausnahmezustand wird verhängt. In der Folgezeit werden die Albaner aus nahezu allen Bereichen des öffentlichen Lebens von Serben verdrängt. Die Verfassungsänderung markiert den Anfang vom Ende des Jugoslawiens Titos.
- Am „Vidovdan“ (St.-Veits-Tag) findet eine von hundertausenden Serben besuchte nationalistische Kundgebung in Gazimestan auf dem Amselfeld statt. Slobodan Milošević verlangt auf dieser Veranstaltung mehr Rechte und Einfluss für die Serben im jugoslawischen Staatsverband.
:(Nachzulesen ist die Amselfeld-Rede in einer deutschen Fassung hier: http://www.friwe.at/jugoslawien/archiv/milosevic.rtf)
- Viele Slowenen und Kroaten fühlen sich durch den serbischen Machtanspruch bedroht. Bei ihnen wächst der Wunsch, den jugoslawischen Staat zu verlassen. Slowenien diskutiert die „asymmetrische Föderation“ (nicht jede Republik soll auf gleicher Art in die jugoslawische Föderation eingebunden sein) und schafft als erste Teilrepublik das Parteimonopol ab und setzt freie Wahlen an.
- Die Hyperinflation verschärft 1989 die wirtschaftlichen Probleme. Der Staatsbankrott kann nur durch eine Intervention des Internationalen Währungsfonds abgewendet werden. Im Dezember 1989 wird der Dinar, der mittlerweile als wertloses Papiergeld in dicken Bündeln kursiert (am 19. Dezember 1989 bekam man für 1 DM (umgerechnet 0,51 €) immerhin 70.000 Dinar), im festen Verhältnis 7:1 an die Deutsche Mark gekoppelt, und es werden vier Nullen gestrichen.

1990


- Die wirtschaftliche Talfahrt geht weiter. Die Inflation kann auf einen noch knapp zweistelligen Wert gedrückt werden. Aber der feste, realitätsfremde Wechselkurs zur Deutschen Mark erschüttert die bisher weitgehend stabile Wirtschaft in der SR Slowenien und der SR Kroatien, die bisher sehr exportorientiert waren und erhebliche Deviseneinnahmen aus dem Tourismus erzielen konnte.
- Die Republiken Slowenien und Kroatien beginnen 1990, zunächst nicht mehr die vollen Steuern und Zölle an die Bundeskasse abzuführen und stellen ihre Zahlungen, auch die in den Republikenausgleichsfonds, dann ganz ein. Die Sparer, die seit jeher ihre Ersparnisse überwiegend in Devisen angelegt haben, verlieren ab Mitte 1990 immer mehr das Vertrauen in das marode System. Immer mehr Sparer ziehen ihre Deviseneinlagen von den Banken ab. Im Oktober 1990 wird die Situation kritisch, innerhalb weniger Tage fließen umgerechnet über 3 Milliarden Dollar ab. Als damit die Devisenreserven des Bundesstaates immer schneller dahinschmelzen und der Staatsbankrott nun nicht mehr abwendbar scheint, bleibt der Regierung Marković nichts anderes übrig, als sämtliche Devisenkonten zu sperren. Damit werden sämtliche Sparer, die sich ihre Einlagen noch nicht haben auszahlen lassen, faktisch enteignet.
- In Slowenien wird der Reformkommunist Milan Kučan zum Staatspräsidenten gewählt.
- In Kroatien geht die HDZ unter Vorsitz von Franjo Tudjman als Sieger aus den Wahlen hervor.
- Slowenien und Kroatien legen einen Verfassungsentwurf für eine Umwandlung der jugoslawischen Föderation in die losere Form einer Konföderation vor.
- Das kroatische Parlament führt in Kroatien Kroatisch als Amtssprache ein und schränkt den administrativen Gebrauch der kyrillischen Schrift ein. In einer geplanten Verfassungsrevision wird das serbische Staatsvolk zur Minderheit herabgestuft. Diese „Kroatisierungsmaßnahmen“ führen zu Unruhen in den Gebieten der sog. Krajina, in denen eine große serbische Minderheit lebt. Ein Großteil dieser Serben spricht sich für ihre Unabhängigkeit aus. Es kommt zu gewalttätigen Aufständen und Blockaden gegen Kroatien.
- In Bosnien-Herzegowina wird Alija Izetbegović Staatspräsident. Slowenien und Kroatien kündigen für Juni 1991 ihre Unabhängigkeit an, falls es bis dahin nicht zu einer politischen Neuordnung Jugoslawiens kommt. In Slowenien stimmen am 23. Dezember bei einer Volksabstimmung 88,5 % für die staatliche Souveränität Sloweniens und ein endgültiges Ausscheiden, falls die politische Neuordnung nicht erfolgt.

1991


- Anfang 1991 proklamieren Kosovo-Albaner die unabhängige „Republik Kosova“, die aber weder von Serbien noch international (mit Ausnahme von Albanien) anerkannt wird.
- Am 28. Februar wird in Knin (Kroatien) die „Serbische Autonome Provinz Krajina“ ausgerufen. Kroatische Familien werden vertrieben.
- Ab März 1991 kommt es in Kroatien zu Zusammenstößen zwischen der kroatischen Polizei, der kroatischen Nationalgarde und autonomen Freischärlerverbänden auf der einen und Milizen der in Kroatien lebenden Serben, serbischen Freiwilligen und Tschetniks aus Bosnien und Serbien sowie der Jugoslawischen Volksarmee, welche die Aufstellung einer republikseigenen kroatischen Armee zu verhindern sucht, auf der anderen Seite.
- In Serbien stößt die harte nationalistische Linie von Slobodan Milošević noch auf entschiedenen Widerstand der Opposition und großer Teile der Bevölkerung. So kommt es im März in Belgrad zu ernsten Unruhen und Straßenkämpfen.
- Am 1. April versucht die Bundesarmee noch, die kämpfenden Parteien in Kroatien zu trennen; später ergreift sie offen Partei für die serbischen Extremisten.
- Am 15. Mai scheitert die turnusgemäße Wahl des Kroaten Stipe Mesic zum Vorsitzenden des jugoslawischen Staatenbundes an Serbien.
- Am 19. Mai entscheidet sich bei einem Referendum in Kroatien die kroatische Bevölkerung mit 93 % der Stimmen für die Trennung vom jugoslawischen Bund. Die serbische Minderheit boykottiert die Abstimmung.
- In einem Fait accompli proklamieren Slowenien und Kroatien am 25. Juni 1991 ihre Unabhängigkeit. Slowenien übernimmt noch am selben Tag die Gewalt über seine Grenztruppen (wo aber die Überwachung der Grenzübergänge außer der so genannten „Grünen Grenze“ schon laut jugoslawischer Verfassung zur Kompetenz der jeweiligen Republiken gehörte). Am 26. Juni 1991 greift die Jugoslawische Volksarmee in Slowenien ein, um die Unabhängigkeit zu verhindern. Von Belgrad aus starten MiG-29-Jagdflugzeuge und beschießen den Ljubljaner Flughafen. Nach zehn Tagen wird unter Vermittlung der EG ein Waffenstillstand geschlossen. Die Bundesregierung in Belgrad erkennt, dass die Unabhängigkeit nicht mehr aufzuhalten ist. Da in Slowenien keine bedeutende serbische Minderheit lebt, die militärisch aktiv werden könnte, zieht der letzte JNA-Soldat im Oktober 1991 aus Slowenien ab. So verschiebt sich der Krieg nach Kroatien.
- Besetzung des Nationalparks Plitvicer Seen durch die Jugoslawische Volkarmee. Dort stirbt das erste Opfer des Krieges. Die Plitvitzer Seen gehören heute zum UNESCO-Weltnaturerbe. Weite Teile dieses einzigartigen Naturparkes werden von den serbischen Soldaten vermint und verunreinigt. In den folgenden Monaten kommt es zu schweren Konfrontationen zwischen der JNA und kroatischen Verbänden, hauptsächlich in der Lika, Kordun, Banija, Norddalmatien und in Ostslawonien (Osijek, Vukovar).
- 5. Juli: Die EG verhängt ein Waffenembargo gegen Jugoslawien.
- Mitte Juli eskalieren die Zwischenfälle in Kroatien zum offenen Krieg. Er wird vor allem um das mehrheitlich von Serben bewohnte Gebiet der Lika, Banija, Kordun und Norddalmatien geführt. Aber auch größere kroatische Städte sowie Slawonien und West-Dalmatien, wo Serben eine Minderheit darstellen, sind betroffen. Ziel Serbiens ist, die Kontrolle über ein zusammenhängendes Territorium zu bekommen, um so den Anschluss der serbisch besiedelten Gebiete an die später gegründete Bundesrepublik Jugoslawien („Rest-Jugoslawien“) zu vollziehen. Die JNA beteiligt sich zunächst nicht direkt an den Kämpfen, unterstützt aber serbische Freischärlerverbände. Als sich Kroatien zur Blockade der Kasernen der JNA auf ihrem Territorium entschließt, tritt die Armee offen als kriegführende Partei in Erscheinung. Sie beteiligt sich an dem Beschuss kroatischer Städte wie Vukovar und Dubrovnik und blockiert kroatische Adriahäfen.
- 25. Juli: Der serbischstämmige Bevölkerungsteil Kroatiens erklärt aufgrund der sich abzeichnenden Verfassungsänderung die „Souveränität des serbischen Volkes in Kroatien“ und gründet einen Nationalrat.
- Die deutsche Bundesregierung erwägt die völkerrechtliche Anerkennung von Kroatien und Slowenien, was bisher von der EG abgelehnt wurde.
- am 26. Juli wird die kroatische Verfassung geändert, die keine speziellen Gruppenrechte für die serbische Minderheit vorsieht.
- 23. August: Die kroatische Stadt Vukovar wird von serbischen Streitkräften angegriffen.
- 24. August: Gewaltsame Unruhen greifen erstmals auf Bosnien-Herzegowina über. Die bosniakischen Truppen mit dem Kommandanten Naser Oric verüben bis 1992 Massaker und Verbrechen in und um Sarajevo, bei denen mindestens 50 serbische Dörfer zerstört werden und nach serbischen Angaben 2.800 serbische Zivilisten getötet werden, 1.000 Opfer sind mittlerweile identifiziert.
- 30./31. August: Mehrere zehntausend Mütter demonstrieren in Belgrad für die Entlassung ihrer Söhne aus dem Militär.
- Im September 1991 haben serbische Milizen ein Drittel von Kroatien erobert. Wichtige Verbindungen nach Dalmatien sind unterbrochen.
- 25. September: Der UN-Sicherheitsrat verhängt ein Waffenembargo gegen Jugoslawien.
- 26. September: Aus Kräften der kroatischen Polizei und der Nationalgarde wird die kroatische Armee (HV) gebildet.
- 1. Oktober: Die Altstadt von Dubrovnik wird angegriffen und teilweise zerstört (Belagerung und Beschuss von Dubrovnik 1991). Sie zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe und wurde ohne Rücksicht auf Verluste von serbischer Seite aus beschossen.
- 15. Oktober: Das Parlament Bosnien-Herzegowinas verabschiedet gegen die Stimmen der serbischen Vertreter ein Memorandum zur Unabhängigkeit.
- 24. Oktober: Die serbische Regierung erklärt, sie wolle ein Jugoslawien unter Einschluss der serbischen Gebiete in Kroatien und Bosnien-Herzegowina schaffen. Bosnische Serben gründen ein eigenes „Parlament“.
- 12. November: In Sarajevo demonstrieren 100.000 Menschen für ein friedliches Zusammenleben aller drei Volksgruppen in Bosnien-Herzegowina.
- 18. November: Nach 87 Tagen Belagerung (Schlacht um Vukovar) fällt die völlig zerstörte kroatische Stadt Vukovar in serbische Hand. Es werden Kriegsverbrechen wie z. B. das Massaker von Vukovar an Kroaten begangen .
- Es tritt eine weitgehende militärische Waffenruhe ein, allerdings nicht als Ergebnis des Waffenembargos und der Wirtschaftssanktionen. Vielmehr haben die serbischen Verbände fast überall rein kroatische Gebiete erreicht, wo sie nicht mehr mit lokaler Unterstützung rechnen können. Außerdem hat die kroatische Armee ihre Verteidigungslinien konsolidiert. Schließlich befindet sich die JNA in einer Umbruchphase von einer jugoslawischen zu einer rein serbisch dominierten Armee, nachdem das Personal der anderen Republiken aus der Bundesarmee zurückberufen oder entlassen wurde. Die JNA muss verstärkt serbische Reservisten mobilisieren.
- 19. November: Mazedonien erklärt seine Unabhängigkeit.
- Ende November: Im Kosovo stimmen bei einer geheimen Abstimmung mehr als 90 % der teilnehmenden Albaner für ihre Unabhängigkeit.
- 3./5. Dezember: Bundeskanzler Kohl verspricht Slowenien und Kroatien die Anerkennung noch im Jahr 1991. Sie erfolgt am 23. Dezember, ohne dass manche von der EG verlangten Bedingungen (z. B. ausreichender Minderheitenschutz in Kroatien) erfüllt sind.
- 22. Dezember: Kroatien verabschiedet eine neue Verfassung als einheitlicher und souveräner Staat, die Krajina-Serben erklären sich für autonom und rufen ihrerseits die sogenannte Republik Serbische Krajina aus. Ziel ist die Vereinigung mit den bosnischen Serben und Serbien zu einem gemeinsamen serbischen Staat.
- 23. Dezember: Bosnien-Herzegowina beantragt bei der EG seine Anerkennung.

1992


- 2. Januar: Der UN-Sonderbeauftragte Cyrus Vance vereinbart mit der Führung in Belgrad und Zagreb einen Friedensplan, der die Stationierung von UN-Truppen (United Nations Protection Forces, UNPROFOR) ermöglicht.
- 9. Januar: Bosnische Serben proklamieren in ihrem selbsternannten Parlament die „Serbische Republik in Bosnien-Herzegowina
- 15. Januar: Anerkennung Kroatiens und Sloweniens durch die EG
- 3. März: Verkündung der Unabhängigkeit von Bosnien-Herzegowina, Beginn der militärischen Auseinandersetzungen zwischen bosnischen Serben auf der einen und bosnischen Kroaten und Bosniaken auf der anderen Seite.
- 5. April: Beginn der Belagerung Sarajevos mit der Einnahme des Flughafens durch die Jugoslawische Volksarmee.
- 6. April: Die EG beschließt die Anerkennung Bosnien-Herzegowinas. Daraufhin brechen in ganz Bosnien schwere Kämpfe aus.
- 27. April: Serbien schließt sich mit Montenegro zur „Bundesrepublik Jugoslawien“ zusammen.
- 2. Mai: Vollständige Belagerung Sarajevos für 1.425 Tage.
- 5. Mai: Das Staatspräsidium der Bundesrepublik Jugoslawien gibt den Oberbefehl über die Jugoslawischen Streitkräfte in Bosnien-Herzegowina ab. Militärische Infrastruktur, die der bosnischen Territorialverteidigung oder kroatischen Verbänden in die Hände fallen könnte, wird vernichtet. Den bosnischen Serben wird dagegen militärisches Großgerät überlassen.
- 30. Mai: Der UN-Sicherheitsrat verhängt Sanktionen gegen Serbien und Montenegro.
- Mitte des Jahres werden ausländische Mudschaheddin nach Bosnien eingeschleust, um auf Seiten der muslimischen Streitkräfte zu kämpfen. In der Folge begehen die sich selber als Gotteskrieger bezeichnenden Freiwilligen schwere Gräueltaten an Serben und Kroaten.
- 3. Juli: Proklamation der Kroatischen Gemeinschaft Herceg-Bosna durch die „Kroatische Demokratische Gemeinschaft“ (HDZ) unter Führung von Mate Boban. Zur Hauptstadt wird Mostar erklärt.
- 2. August: Der Reporter Roy Gutman berichtet in der amerikanischen Zeitung „Newsday“ erstmals über Massenmorde in von bosnischen Serben betriebenen Internierungslagern, insbesondere Omarska. Der Sprecher des internationalen Komitees vom Roten Kreuz lässt verlauten, dass alle drei Konfliktparteien in Bosnien-Herzegowina Internierungslager eingerichtet hätten. Die Größenangaben divergieren stark.
- 25. August: In der Nacht wird die Universität von Bosnien-Herzegowina in Sarajevo in Trümmer geschossen. Serbische Artilleristen aus den umliegenden Hügeln beschießen absichtlich das historische Gebäude mit Granaten, und die Bibliothek geht in Flammen auf. Ihr gesamter Bestand – eineinhalb bis zwei Millionen Bücher – verbrennt. Die Asche geht stundenlang auf die Stadt nieder. Die Bibliothek galt als eine der bestausgestattetsten Südeuropas.
- 26./27. August: Jugoslawien-Konferenz in London unter Vorsitz von EG und UNO. Alle Kriegsparteien einigen sich auf 13 Grundsätze zur Konfliktlösung, u. a. Beendigung der Kämpfe, Einhaltung von Menschen- und Minderheitenrechten, Auflösung der Internierungslager, Respektierung der territorialen Integrität aller Staaten der Region. Nachfolgeprobleme der neuen Staaten Ex-Jugoslawiens sollen durch Konsens oder in einem Schiedsverfahren geregelt werden. Ein Lenkungsausschuss unter Vorsitz der beiden Sonderbeauftragten Vance und Owen soll den Verhandlungsprozess zwischen den Kriegsparteien institutionalisieren.
- 9. Oktober: Der UN-Sicherheitsrat verhängt ein Verbot für militärische Flüge über Bosnien-Herzegowina.

1993

9. Oktober
- 2. bis 5. Januar: Die beiden Vorsitzenden der Genfer Jugoslawienkonferenz, Owen und Vance, legen einen „Verfassungsrahmen für Bosnien und Herzegowina“ (Vance-Owen-Plan) mit beigefügter Landkarte vor.
- Ende Januar, kurz vor Ablauf des UN-Mandats, beginnen die Kämpfe in Kroatien von Neuem. Kroatien startete eine Offensive in die serbisch besetzten Gebiete Kroatiens mit dem Ziel, das strategisch wichtige Hinterland von Zadar zurückzuerobern. Anfang Februar weiten sich die Kämpfe auch auf das Hinterland von Split aus.
- 25. März: Der bosnische Präsident Izetbegović unterschreibt den Vance-Owen-Plan. Damit lehnt nur noch der Serbenführer Karadžić den Gesamtplan ab.
- 1. April: Der UN-Sicherheitsrat beschließt die militärische Durchsetzung des Flugverbots über Bosnien-Herzegowina. Dazu wird der NATO eine führende Rolle zugewiesen.
- April: Kroatische Streitkräfte unter Tihomir Blaškić greifen zahlreiche bosniakische Gemeinden im zentralbosnischen La Lasva-Tal an und vertreiben und ermorden große Teile der Zivilbevölkerung.
- 6. Mai: Der UN-Sicherheitsrat erklärt Sarajevo und fünf weitere belagerte Städte zu UN-Schutzzonen. Das "Parlament" der bosnischen Serben lehnt den Vance-Owen-Plan ab.
- Anfang Juni: Der Leiter des UNPROFOR-Zivilsektors befürchtet eine Ausweitung des Krieges auf Kosovo und Mazedonien. Die Lage in Bosnien-Herzegowina beschreibt er als chaotisch: "Die Bündnisse zwischen den kriegführenden Seiten wechseln von Woche zu Woche."
- 16. Juni: Die Präsidenten Serbiens und Kroatiens, Milošević und Tudjman, einigen sich unter Vermittlung von Owen und Stoltenberg, dem Nachfolger von Vance als UNO-Sonderbeauftragter, über die Aufteilung Bosnien-Herzegowinas: In einer losen Konföderation sollen drei auf ethnischen Gesichtspunkten beruhende Staaten miteinander verbunden sein. Nach einer Erklärung Tudjmans soll der bosniakische Staat aus zwei Teilen bestehen, einem im Zentrum des Landes und einem in der Region Bihać. Die kroatische Seite sei bereit, den Bosniaken Zugang zum Adria-Hafen Ploce zu gewähren.
- 23. Juli: Der UN-Sicherheitsrat verurteilt die Offensive der bosnischen Serben zur Isolierung Sarajevos.
- Die Machthaber der bosnischen Serben lassen ethnisch gemischte Ehen gesetzlich verbieten. Auch Bosniens Präsident Alija Izetbegovic spricht sich gegen ethnisch gemischte Ehen aus.
- 17. August: Owen und Stoltenberg legen einen Teilungsplan für Bosnien-Herzegowina vor.
- Herbst 1993: Heftige Kämpfe zwischen Truppen des „Kroatischen Verteidigungsrats“ HVO und bosniakischen Einheiten in Zentralbosnien. Es kommt zu Massakern an der Zivilbevölkerung. Angriffe von bosnischen Serben in Nordbosnien und in den ostbosnischen Enklaven.
- 9. November: Kroatische Geschütze zerstören die Altstadt von Mostar, darunter die weltberühmte Brücke der Osmanen Stari Most. Sie sollte gerade zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt werden. (2002 wurde die Brücke, unter anderen von kroatischen Geldern finanziert, wiedererbaut.)

1994


- 28. Februar: Erste Kampfeinsätze der NATO: US-amerikanische Kampfflugzeuge schießen bei Banja Luka vier serbische Kampfflugzeuge ab.
- Belagerung der Stadt Goražde. UN-Soldaten werden als Geiseln genommen.
- März: Kroaten und Bosniaken beenden ihren Konflikt in der Herzegowina und vereinbaren unter US-Vermittlung eine Föderation.
- Im März wird auch ein erneuter Waffenstillstand zwischen den Krajina-Serben und Kroatien vereinbart, der sich aber wieder als brüchig erweist.
- 10./11. April: amerikanische Flugzeuge bombardieren serbische Stellungen bei Goražde.
- 22. April: Der NATO-Rat erklärt Goražde zur militärischen Ausschluss-Zone, aus der alle schweren Waffen der bosnischen Serben abzuziehen seien. Auch Bihać, Srebrenica, Tuzla und Žepa sollen zu solchen Ausschluss-Zonen erklärt werden, falls sie mit schweren Waffen angegriffen werden. In den folgenden Tagen ziehen sich die bosnischen Serben aus der 3-km-Zone um Goražde zurück.
- 26. April: Die internationale Kontaktgruppe für Bosnien-Herzegowina, der Vertreter der UN, der EU, der USA, Russlands, Großbritanniens, Frankreichs und Deutschlands angehören, kommt in London zu ihrer ersten Sitzung zusammen.
- 27. April: Der UN-Sicherheitsrat beschließt, die UNPROFOR um fast 7.000 Soldaten zu verstärken.
- 11. Mai: Vertreter der bosnischen Kroaten und Bosniaken einigen sich in der US-Botschaft in Wien über die politische Führung und die Grenzen einer künftigen Konföderation: Der Bundesstaat soll 58 % des Territoriums Bosnien-Herzegowinas umfassen und aus acht Kantonen bestehen. Von diesen sollen vier von den Bosniaken, zwei von den Kroaten und zwei gemischt verwaltet werden. Die Region um Sarajevo soll mindestens zwei Jahre lang von den UN kontrolliert werden. Repräsentanten der bosnischen Serben, die ca. 70 % des Territoriums besetzt halten, weisen diese Aufteilung zurück.
- 12. Mai: der US-Senat fordert Präsident Clinton auf, das Waffenembargo gegen Bosnien-Herzegowina einseitig aufzuheben. Diese Forderung wird am 8. Juni auch vom Repräsentantenhaus gestellt.
- 15. Mai: Ein aus Kroaten und Bosniaken bestehendes gemeinsames Oberkommando wird eingesetzt.
- 30. und 31. Mai: In Sarajevo findet die konstituierende Sitzung des bosniakisch-kroatischen Parlaments statt. Der Kroate Zubak wird zum Präsidenten der Föderation Bosnien-Herzegowina gewählt.
- 8. Juni: Unter Vermittlung der UN einigen sich die Führung der bosnischen Serben und der bosniakisch-kroatischen Föderation darauf, einen Monat lang „keine offensiven Operationen“ zu unternehmen. Trotzdem kommt es zu heftigen Kämpfen in Zentralbosnien und Sarajevo.
- 23. Juni: Der bosnische Ministerpräsident Silaidzić stellt eine „gemeinsame Regierung“ vor, der zehn Bosniaken, sechs Kroaten und ein Serbe angehören.
- 5. Juli: Die internationale Kontaktgruppe legt gemeinsam mit Griechenland und Belgien einen neuen Teilungsplan für Bosnien-Herzegowina vor: 49 % des Territoriums werden den bosnischen Serben, 51 % der bosniakisch-kroatischen Föderation zugeteilt. Das selbsternannte Parlament der bosnischen Kroaten und das bosnische Parlament stimmen zu, das selbsternannte „Parlament“ der bosnischen Serben lehnt den Plan ab (trotz der Drohung der serbischen Regierung, im Falle der Ablehnung alle Beziehungen mit den bosnischen Serben abzubrechen).
- 23. Juli: Der ehemalige Bremer Bürgermeister Hans Koschnick tritt sein Amt als EU-Administrator von Mostar an. Die WEU stellt eine 200 Mann starke Polizeitruppe.
- 4. August: Die Regierung der Bundesrepublik Jugoslawien gibt den Abbruch der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu den bosnischen Serben sowie die Schließung der gemeinsamen Grenze bekannt.
- 5. August: Einheiten der bosnischen Serben überfallen ein UN-Lager bei Sarajevo und entwenden schwere Waffen. Nachdem daraufhin NATO-Flugzeuge serbische Stellungen angreifen, geben die bosnischen Serben die Waffen zurück.
- 10. August: Die UN drohen erstmals auch den bosnischen Regierungstruppen mit Luftangriffen, falls sie ihre schweren Waffen nicht aus der 20-km-Zone um Sarajevo abzögen und ihre Vorstöße bei Bihać nicht einstellten.
- 20. August: Bosnische Regierungstruppen nehmen die zuvor von bosniakischen Separatisten kontrollierte Hochburg Velika Kladuša ein.
- 27. und 28. August: In den von den bosnischen Serben kontrollierten Gebieten wird ein Referendum über den Friedensplan abgehalten, bei dem angeblich 96 % der Wähler den Plan ablehnen.
- 8. September: Der serbische Präsident Milošević stimmt der Überwachung der Grenze zwischen Serbien und Bosnien-Herzegowina durch eine „internationale humanitäre Mission“ zu. Die Kontaktgruppe entsendet dazu am 17. September 135 zivile Beobachter in das Grenzgebiet.
- 11. September: EU-Administrator Koschnick entgeht knapp einem Anschlag.
- 16. September: Der Führer der bosnischen Serben, Karadžić, kündigt Sanktionen gegen die bosniakische Bevölkerung an, falls die von Jugoslawien verhängte Blockade gegen die bosnischen Serben andauern sollte.
- 22. September: NATO-Kampfflugzeuge zerstören nach einem serbischen Angriff auf ein UN-Fahrzeug einen leeren serbischen Panzer in der Sperrzone in Sarajevo.
- 24. September: Der UN-Sicherheitsrat beschließt in der Resolution 943, die Sanktionen gegen Jugoslawien zu lockern, falls die Einhaltung des jugoslawischen Embargos gegen die bosnischen Serben bestätigt werden kann. Aufrecht erhalten bleibt das Handelsembargo.
- 12. November: Die USA ziehen sich aus der Überwachung des UN-Waffenembargos zurück.
- 21. November: NATO-Kampfflugzeuge fliegen einen Angriff auf die Landebahn des Flughafens Udbina in der „serbischen Krajina“, von dem aus Serben Luftangriffe gegen Bihać gestartet hatten.
- 23. November: Kampfflugzeuge der NATO bombardieren Raketenstellungen der bosnischen Serben im Raum Bihać, nachdem zuvor ein britisches Flugzeug beschossen war. Als Reaktion blockieren serbische Verbände 350 UN-Soldaten bei Sarajevo und nehmen weitere 55 Blauhelme für mehrere Tage als Geiseln.
- 2. Dezember: Die kroatische Regierung und die Führung der Krajina-Serben einigen sich mit Hilfe der Vermittler Owen und Stoltenberg auf ein Abkommen, nach dem die Ölpipeline sowie mehrere Straßen und Bahnstrecken, die durch die Krajina verlaufen, wieder in Betrieb genommen werden.
- 17. Dezember: Verbände der von Fikret Abdić geleiteten „aufständischen“ Bosniaken erobern Velika Kladuša zurück.
- 20. Dezember: Der ehemalige US-Präsident Carter vermittelt eine siebentägige Waffenruhe zwischen der bosnischen Regierung und der Führung der bosnischen Serben, die am 24. Dezember beginnen soll. Die Krajina-Serben und der bosniakische „Rebellenführer“ Abdić beteiligen sich nicht an dem Abkommen, weshalb die Kämpfe um Bihać anhalten.
- 31. Dezember: Die bosnische Regierung und die Führung der bosnischen Serben schließen eine „Vereinbarung über die völlige Einstellung von Feindseligkeiten“. Trotzdem kommt es weiterhin zu schweren Kämpfen.

1995

31. Dezember
- 2. Januar: Auch die Führung der bosnischen Kroaten und Abdić unterzeichnen das Waffenstillstandsabkommen. Es kommt trotzdem weiterhin zu schweren Kämpfen.
- 11. Januar: Unter Vermittlung der UNPROFOR wird eine weitere Vereinbarung über die Umsetzung des Waffenstillstands getroffen. Die heftigen Gefechte gehen ungeachtet dessen weiter.
- 12. Januar: Der kroatische Präsident Tudjman kündigt die Beendigung des UN-Mandats zum 31. März 1995 an.
- 23. Januar: Die Führung der bosnischen Serben verpflichtet sich, die Versorgungswege nach Sarajevo freizugeben.
- 25. Januar: Die Kontaktgruppe bricht ihre Vermittlungsbemühungen ab.
- 5. Februar: Vertreter der bosniakisch-kroatischen Föderation einigen sich auf einen Neun-Punkte-Plan zur Stabilisierung der Föderation. Ein internationaler Vermittler soll Differenzen zwischen den beiden Volksgruppen schlichten.
- 9. Februar: Die Führung der Krajina-Serben teilt die Gefechtsbereitschaft und den Abbruch des Dialogs mit der kroatischen Regierung mit.
- In Mazedonien kommt es Mitte Februar zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Angehörigen der albanischen Minderheit und makedonischen Sicherheitskräften.
- 21. Februar: Russland erkennt Bosnien-Herzegowina an.
- 1. März: Die Verteidigungsminister Russlands und Jugoslawiens vereinbaren ein Abkommen über die bilaterale Zusammenarbeit.
- 6. März: Die Oberkommandierenden der Streitkräfte Bosnien-Herzegowinas und Kroatiens schließen ein Militärbündnis, das einen gemeinsamen Kommandostab vorsieht.
- 12. März: Die kroatische Regierung stimmt dem Verbleib eines um 10.000 auf 5.000 Soldaten verkleinerten UN-Kontingents zu unter der Voraussetzung, dessen künftige Hauptaufgabe bestünde in der strikten Kontrolle der Grenze zu Bosnien-Herzegowina und der BRJ.
- 31. März: Der UN-Sicherheitsrat beschließt eine neue Aufgabenbeschreibung der in Kroatien stationierten Blauhelme. Sie tragen zukünftig den Namen „UN Confidence Restoration Operation in Croatia“ (UNCRO).
- Mai: Die kroatische Armee startet die „Operation Bljesak“ (kroat. „Blitz“) gegen die serbisch kontrollierten Gebiete in Westslawonien und erobert diese zurück. Serbische Einheiten beschießen daraufhin die kroatische Hauptstadt Zagreb mit Raketen, können die kroatische Offensive aber nicht aufhalten. Die serbische Bevölkerung flieht. (Siehe auch: Republik Serbische Krajina). Die zuvor von serbischen Freischärlern und der JNA vertriebene kroatische Bevölkerung kehrt zurück.
- 22. Mai: Einheiten der bosnischen Serben transportieren schwere Waffen aus einem Waffendepot der UNO ab. Das UNO-Kommando fordert die sofortige Zurückgabe. Die gesetzte Frist wird von den Serben ignoriert.
- 25. Mai: Die NATO bombardiert ein Munitionsdepot der bosnischen Serben in Pale, nachdem ein Ultimatum zur Rückgabe von aus einem UN-Depot gestohlenen Waffen verstrichen war. Die Serben antworten mit Artilleriebeschuss von Sarajevo und Tuzla und bringen eine Anzahl von Blauhelmen in ihre Gewalt. Die bosnischen Serben betrachten die Blauhelme als Kriegsgefangene und verlangen für ihre Freilassung die Einstellung der Luftangriffe.
- Im Juni greifen kroatische Verbände von bosnischem Territorium aus Knin, die Hauptstadt der Krajina-Serben, an.
- 11. Juli: Eroberung der UN-Schutzzone Srebrenica durch serbische Truppen. Dabei kommt es zu dem Massaker von Srebrenica.
- August: Die USA legen dem UNO-Sicherheitsrat Fotomaterial eines US-Aufklärers vor. Die Bilder lassen auf Massenexekutionen und -gräber in der Region schließen.
- 4. August bis 7. August: Die kroatische Polizei und Armee beendet mit der Militäroperation Oluja (kroat. "Sturm") den Krieg in Kroatien und stellt damit die territoriale Einheit Staates her. Dem kroatischen General, Ante Gotovina, wirft das ICTY schwere Kriegsverbrechen an serbischen Zivilisten vor. Unter anderem seien etwa 150 Serben getötet, 150.000 bis 200.000 vertrieben worden. Hierzu zählen auch die Mitglieder der schätzungsweise 40.000 Mann starken "Armee der Republik Serbische Krajina".
- 21. November: Vertrag von Dayton. Friedensvertrag unter Vermittlung von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland und den USA. Bosnien-Herzegowina werden dadurch zu einem föderativen Staat mit zwei Entitäten. Daneben sieht der Vertrag die Beendigung des serbisch-kroatischen Konflikts vor. Dem Abschlussdokument war unter starkem amerikanischem Vermittlungsdruck am 12. November ein Abkommen zwischen der Serbenführung in Ostslawonien und der kroatischen Regierung vorangegangen, das die Wiedereingliederung Ostslawoniens in das kroatische Staatsgebiet vorsah. Die Demilitarisierung des Gebietes und die Rückkehr der Flüchtlinge sollte für die Dauer eines Jahres von einer eigens aufgestellten „Implementation Force“ (IFOR) der NATO im Auftrag der UN geleistet werden. Der Vertrag wird am 14. Dezember in Paris von den drei Präsidenten Izetbegović, Milošević und Tudjman unterzeichnet.

seit 1996


- Im Dezember 1996 wird die IFOR durch die SFOR („Stabilization Force“) abgelöst. Sie übernimmt die Funktion einer internationalen Schutztruppe in Bosnien-Herzegowina mit dem Ziel der Stabilisierung des Landes.

1999


- Siehe: Kosovo-Krieg.
- 24. März: Beginn der NATO-Bombardierung der serbischen Teilrepublik Ex-Jugoslawiens.

Literatur


- Arbeitsgruppe Sicherheitspolitik der Deutschen Kommission Justitia et Pax (Hrsg.): Der Konflikt im ehemaligen Jugoslawien. Vorgeschichte, Ausbruch und Verlauf. Schriftenreihe Gerechtigkeit und Frieden, Arbeitspapier 66, ISBN 3-928214-41-1 (knappe Übersicht, Stand: Sept. 1993)
- Dr. Hans Benedikter: Die bitteren Früchte von Dayton. Völkermord und Vertreibungsterror in Kroatien und Bosnien-Herzegowina, das Versagen des Westens, ein Friede ohne Gerechtigkeit, Menschenrechte und Demokratiefragen, die Protestbewegung in Belgrad., Autonome Regierung Trentino-Südtirol, Bolzano/Bozen 1997
- Christopher Bennet: Yugoslavia's Bloody Callapse. Causes, Course und Consequences. Hurst & Company, London 1995
- Joanna Lucia Bodenstein: Frankreichs Antwort auf das Ende des Ost-West-Konflikts. LIT Verlag, Münster 2002
- Marie-Janine Calic: Krieg und Frieden in Bosnien-Hercegovina. Suhrkamp 1996. ISBN 3518119435
- Leonard J. Cohen: Broken Bonds. The Disintegration of Yugoslavia. o. O. 1993
- Philip J. Cohen: Serbia's Secret War: Propaganda and the Deceit of History. Eastern European Studies, No 2, ISBN 953-6108-36-4
- Jürgen Elsässer: Kriegslügen. Vom Kosovokonflikt zum Milosevic-Prozess. Wie die deutsche Kriegsbeteiligung 1999 medial vorbereitet wurde. Kai Homilius Verlag, Berlin 2004. ISBN 3-89706-884-2
- Hajo Funke, Alexander Rhotert: Unter unseren Augen. Ethnische Reinheit: Die Politik des Milosevic-Regimes und die Rolle des Westens. Verlag Das Arabische Buch, o. O. 1999. ISBN 3860932195
- James Gow: Triumph of the Lack of Will. International Diplomacy and the Yugoslav War. Hurst & Company, London 1997.
- Nikolaus Jarek Korczynski: Deutschland und die Auflösung Jugoslawiens: Von der territorialen Integrität zur Anerkennung Kroatiens und Sloweniens. Studien zur Internationalen Politik 1/2005,
- Götz Kubitschek, Peter Felser: Raki am Igman – Texte und Reportagen aus dem Bosnien-Einsatz der Bundeswehr. ISBN 3000054324
- Sonia Lucarelli: Europe and the Breakup of Yugoslavia. Kluwer Law International, Den Haag 2000.
- Reneo Lukic, Allen Lynch: Europe from the Balkans to the Urals. The Disintegration of Yugoslavia and the Soviet Union. Oxford University Press, Oxford 1996
- Hanns W. Maull: Germany and the Yugoslav Crisis, in: Survival, Vol 37, No. 4, Winter 1995–96, S. 99–130
- Dunja Melčić (Hrsg.): Der Jugoslawien-Krieg. Handbuch zu Vorgeschichte, Verlauf und Konsequenzen. Westdeutscher Verlag, Opladen/Wiesbaden 1999. ISBN 3531132199
- Thomas Paulsen: Die Jugoslawienpolitik der USA 1989–1994. Begrenztes Engagement und Konfliktdynamik. Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 1995
- Jane M. O. Sharp: Honest Broker or Perfidious Albion? British Policy in Former Yugoslavia. Institute for Public Policy Research IPPR, London 1997.
- Steven W. Sowards: Moderne Geschichte des Balkans. Der Balkan im Zeitalter des Nationalismus. BoD 2004. ISBN 3-8334-0977-0
- Angelika Volle, Wolfgang Wagner (Hrsg.): Der Krieg auf dem Balkan. Die Hilflosigkeit der Staatenwelt. Verlag für Internationale Politik, Bonn 1994.
- Eric A. Witte: Die Rolle der Vereinigten Staaten im Jugoslawien-Konflikt und der außenpolitische Handlungsspielraum der Bundesrepublik Deutschland (1990–1996). in: Mitteilungen Nr. 32 März 2000 des Osteuropa-Instituts München

Filme


- 2004, Das Leben ist ein Wunder (Život je čudo), [http://german.imdb.com/title/tt0322420/ IMDb]
- 2003, Gori vatra! [http://german.imdb.com/title/tt0347105/ IMDb]
- 2001, No Man's Land (Ničija zemlja), [http://german.imdb.com/title/tt0283509/ IMDb]
- 1999, Warriors, [http://german.imdb.com/title/tt0119873/ IMDb]
- 1998, Savior - Soldat der Hölle, [http://german.imdb.com/title/tt0120070/ IMDb]
- 1996, Pretty Village, Pretty Flame (Lepa sela lepo gore), [http://www.imdb.com/title/tt0116860/ IMDb]
- 1997, Welcome to Sarajevo, [http://german.imdb.com/title/tt0120490/ IMDb]
- 1993, Vrijeme za... [http://german.imdb.com/title/tt0108506/ IMDb]
- 1993, Warheads - Söldner im Balkan, [http://german.imdb.com/title/tt0108516/ IMDb]

Siehe auch

historische Balkankriege
- Balkan
- Jugoslawienkrieg
- Krieg
- Liste der Kriege
- Liste von Schlachten
- Söldner

Weblinks


- [http://www.bmlv.gv.at/omz/ausgaben/artikel.php?id=316 Österreichs Bundesheer - ÖMZ - Ausgabe 4/2005 - Siegt die Wahrheit?]
- [http://www.uni-konstanz.de/FuF/wiwi/kempf/dis-33-1.html#Einleitung Gerhard Meder, Michael Reimann: Chronik des Bosnien-Konflikts (Januar 1990 bis März 1996)]
- [http://www.ritterbach-interaktiv.de/justitia/pdf/doc_40.pdf Thomas Hoppe, Jörg Lüer (Hrsg): Erfahrungen aus dem Konflikt im ehemaligen Jugoslawien, Konferenzdokumentation, September 1997 (PDF 429 kB).]
- [http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/NATO-Krieg/Welcome.html kritische Auseinadersetzung mit der Rolle der Nato im Balkankonflikt, Artikelsammlung, laufend aktualisiert]
- [http://www.faz.net/s/Rub28FC768942F34C5B8297CC6E16FFC8B4/Doc~E4E3EE4EB105F437B8E70F046459E6E26~ATpl~Ecommon~Scontent.html Milosevic: Deutschland verursachte Balkankrieg, Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, 31. August 1994]
- [http://www.ess.uwe.ac.uk/comexpert/ANX/IV.htm#0-V Die Politik der ethnischen Säuberung, Abschlussbericht der UN-Expertenkommission, Dezember 1994, Englisch]
- [http://www.ess.uwe.ac.uk/genocide/yugoslav.htm Umfangreiche Linksammlung Web Genocide Documentation Centre, Englisch] Kategorie:Balkankonflikt Kategorie:Militärgeschichte Kategorie:Kroatien ja:ユーゴスラビア紛争 ko:유고슬라비아 전쟁

Balkankriege

Als Balkankriege werden zwei Kriege der Völker der Balkanhalbinsel im Vorfeld des Ersten Weltkriegs bezeichnet. Gelegentlich werden auch der Balkankonflikt, Jugoslawienkrieg oder Kosovokrieg als Balkankrieg bezeichnet (siehe unten bei „Dritter Balkankrieg“ Ende des 20. Jahrhunderts).

Erster Balkankrieg 1912

1912 war das Osmanische Reich durch die Revolution der Jungtürken 1907/1908 sowie den Italienisch-Türkischen Krieg 1912 geschwächt. In dieser Situation ergriffen die Balkanbundstaaten Serbien, Griechenland, Montenegro und Bulgarien die Gelegenheit, um die restlichen verbliebenen osmanischen Provinzen auf dem Balkan zu erobern. Am 8. Oktober 1912 erklärte Montenegro der Türkei den Krieg, die Bündnispartner folgten wenige Tage später. In weniger als zwei Monaten verlor die Türkei fast ihre gesamten europäischen Besitzungen an die Balkanstaaten. Während Griechenland weiterhin Krieg gegen die Türkei führte, schlossen am 3. Dezember Serbien, Montenegro und Bulgarien einen Waffenstillstand mit den Osmanen. Die Friedensbedingungen wurden von der Türkei jedoch als unzumutbar abgelehnt. Zudem kam es in der Türkei Anfang 1913 zu einem Staatsstreich, sodass die Kämpfe wieder auflebten. Am 19. April erreichten die Türken einen erneuten Waffenstillstand. Unter Vermittlung der europäischen Großmächte wurde am 30. Mai in London der Londoner Vertrag geschlossen, der den Krieg beendete. Die Türken verzichteten auf alle europäischen Gebiete westlich der Linie zwischen Midia am Schwarzen Meer und Enos an der Ägäisküste, die Insel Kreta kam zu Griechenland. Ein weiteres Resultat des Krieges war die Unabhängigkeit Albaniens (siehe auch Geschichte Albaniens). Sie war von Vertretern der albanischen Nationalbewegung am 28. November 1912 in Vlora ausgerufen worden. Die Sieger des Ersten Balkankriegs waren aber vorläufig nicht bereit, den neuen Staat anzuerkennen. Griechenland, Serbien und Montenegro erhoben Anspruch auf große Teile der albanisch besiedelten Gebiete.

Zweiter Balkankrieg 1913

Vlora Unstimmigkeiten bei der Verteilung der eroberten türkischen Gebiete, insbesondere von Makedonien, führten schließlich noch im selben Jahr zum Zweiten Balkankrieg. Am 29. Juni 1913 unternahm ein bulgarischer General ohne Befehl einen Angriff auf Serbien. Die bulgarische Regierung bestritt den Vorfall. Am 8. Juli erklärten Serbien und Griechenland gemeinsam Bulgarien den Krieg. Kurz darauf folgten Montenegro und Rumänien sowie auch das Osmanische Reich, das hoffte, dadurch einen Teil seiner im Ersten Balkankrieg verlorenen Gebiete zurückgewinnen zu können. Angesichts dieser Übermacht blieb Bulgarien nur die Kapitulation. Am 10. August wurde mit dem Frieden von Bukarest ein Friedensabkommen unterzeichnet. Bulgarien musste einen Großteil seiner Gewinne aus dem Ersten Balkankrieg wieder abgeben. Gut 7.500 km² wurden Rumänien zugesprochen. Makedonien wurde fast vollständig unter Griechenland und Serbien aufgeteilt.

Die Folgen Anfang des 20. Jahrhunderts

Die Balkankriege waren Wegbereiter für den etwa ein Jahr später ausgelösten Ersten Weltkrieg. Aus den Friedensverhandlungen ging Serbien als politisch gestärkte Macht hervor. Dies führte zu Spannungen mit dem benachbarten Österreich-Ungarn, das 1908 Bosnien und Herzegowina formlos annektiert hatte. Serbische wie bosnisch-serbische Nationalisten strebten die Verdrängung Österreich-Ungarns vom Balkan an. Am 28. Juni 1914 wurde schließlich der österreichische Erzherzog und Thronfolger Franz Ferdinand bei einem Attentat, welches von Gavrilo Princip, einem jungen Serben, in Sarajevo ausgeführt wurde, ermordet. Das Attentat von Sarajewo gilt als der Auslöser des Ersten Weltkriegs.

Literatur


- Katrin Boeckh, Von den Balkankriegen zum Ersten Weltkrieg. Kleinstaatenpolitik und ethnische Selbstbestimmung am Balkan, München 1996. Oldenbourg Verlag; ISBN 3-486-56173-1

„Dritter Balkankrieg“ Ende des 20. Jahrhunderts

Siehe dazu Balkankonflikt, Jugoslawienkrieg und Kosovokrieg.

Siehe auch


- Liste von Kriegen
- Liste von Schlachten Kategorie:Türkische Militärgeschichte Kategorie:Balkan Kategorie:Bulgarische Geschichte Kategorie:Rumänische Geschichte Kategorie:Serbische Geschichte Kategorie:Geschichte Montenegros Kategorie:Geschichte Mazedoniens Kategorie:Griechische Geschichte Kategorie:Osmanisches Reich Kategorie:Albanische Geschichte ja:バルカン戦争

Balkanpakt

Der Balkanpakt war ein am 28. Februar 1953 geschlossenes Militärbündnis zwischen den Balkanländern Türkei, Griechenland und Jugoslawien. Es wurde 1954 auf 20 Jahre verlängert, in der Folge aber nicht .

Siehe auch


- Balkanbund
- Balkanentente (gelegentlich ebenfalls als Balkanpakt bezeichnet) Kategorie:Politische Organisation Kategorie:Militärbündnis Kategorie:Balkan Kategorie:Jugoslawien Kategorie:Türkische Geschichte Kategorie:Griechische Geschichte

Balkanspiele

Die Balkanspiele sind seit 1930 regelmäßig durchgeführte internationale Wettkämpfe der Balkanländer in leichtathletischen Disziplinen. Die ersten, noch inoffiziellen Balkanspiele wurden 1929 durchgeführt. Ab 1930 offiziell veranstaltet, wurden sie bis 1940 jährlich abgehalten und dann 1953 (mit gelegentlichen Unterbrechungen) wieder eingeführt. 1946 und 1947 fanden zwei inoffizielle Balkanspiele statt (Balkan- und Mitteleuropaspiele), die nicht von allen Teilnehmerstaaten der Balkanspiele anerkannt wurden. In den letzten Jahren werden die Balkanspiele in den verschiedenen Disziplinen vermehrt zu verschiedenen Zeiten und auch an unterschiedlichen Wettkampforten durchgeführt, sodass es sich praktisch nur noch um eine lose Kombination von Balkanmeisterschaften handelt.

Austragungsorte

Die Balkanspiele wurden seit 1929 an folgenden Orten ausgetragen (bei mehreren Austragungsorten ist der Hauptaustragungsort angegeben): Der Marathonbewerb fand 1996 und 2000 in Belgrad, 1997 in Agrinio (Griechenland), 1998 in Skopje, 1999 in Sofia, 2001 und 2002 in Istanbul statt. Die Bewerbe im Gehen fanden 2000 und 2002 in Vlasotince (damals Jugoslawien), 2001 in Ástros (Griechenland), 2003 in Ruse (Bulgarien), 2004 in Reşiţa (Rumänien) und 2005 in Preveza (Griechenland) statt. Kategorie:Sportturnier/-wettbewerb Kategorie:Balkan

Balkan-Storchschnabel

Der Balkan-Storchschnabel (Geranium macrorrhizum) ist eine langlebige und problemlose Artel der Storchschnabelartigen. Er blüht weißlich-rosa bis karmin-rot und hat handförmig zerteilte, große Blätter. Die Blätter haben einen sehr aromatischen Duft, der besonders intensiv ist, wenn man die Blätter etwas reibt. Der Balkan-Storchschnabel wird gerne zur Unterpflanzung von Straßenbäumen verwendet, da er zum einen sehr robust ist und mit seinem dichten Wachstum Unkräuter nicht aufkommen lässt. Aufgrund des intensiven Geruches meiden Hunde diese Pflanze. Kategorie:Storchschnabelgewächse

Balkan-Windröschen

Das Balkan-Windröschen (Anemone blanda), auch Strahlenanemone genannt, ist eine Art aus der Gattung Windröschen (Anemone) in der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Die Pflanze besitzt acht bis vierzehn blaßblaue bis blauviolette Blütenblätter und oben schwach behaarte Blätter. Blütezeit ist März bis April. Sie ist ursprünglich in Südeuropa beheimatet, findet sich heute aber auch in Mitteleuropa, auch als verwilderte Gartenpflanze. Die Pflanze sieht dem Apennin-Windröschen (A. apennina) sehr ähnlich, bei diesem sind aber die Unterseiten der Laubblätter und der Blütenhüllblätter behaart. Siehe auch: Anemone :Buschwindröschen

Weblinks


- [http://www.frost-burgwedel.de/load_geschichte/show_anemonen/ mehr ausführliche Info] Kategorie:Hahnenfußgewächse

René Morax

René Morax est un auteur de théâtre suisse, né en 1873 à Morges, dans le canton de Vaud et décédé en 1963 à Morges. Il a étudié les lettres à Lausanne, Paris et Berlin. Sa première pièce dramatique, La nuit des quatre-temps (1901) fut donnée au casino de Morges. Ce spectacle, inspiré d'une légende des Alpes, donne une nouvelle orientation à la culture en Suisse. En effet, à l'exemple de ce qui se fait en France, il s'agit là de la première expression d'une véritable forme de théâtre populaire. Deux ans plus tard, il crée La dîme, à Mézières. Ce drame, basé sur un fait historique, bien connu dans la région, raconte l'histoire du pasteur Martin qui, en 1790, avait été jeté en prison parce qu'il contestait que les paysans dussent payer un impôt sur les pommes de terre. La dîme remporte un formidable succès. La scène improvisée, qui servit à en accueillir les représentations, est alors rendue définitive. Ainsi naît le Théâtre du Jorat, bientôt surnommé la «Grange sublime», qu’il fait construire en 1908 avec son frère Jean. Grand animateur du Théâtre du Jorat, René Morax écrit et met en scène des drames paysans et historiques. En 1910, il créé Aliénor, écrit en collaboration avec Gustave Doret, et en 1921 le Roi David, écrit avec un jeune compositeur alors inconnu, Arthur Honegger. René Morax est aussi auteur de petites comédies et de farces (dont Les Quatre Doigts et le Pouce, 1915, reprise par le Théâtre des Faux-Nez en 1955), de traductions et d’adaptations qui en ont fait l’auteur de théâtre contemporain le plus complet et le plus fécond de Suisse.

Bibliographie


- Schwab Yvan, René Morax, un théâtre pour le peuple : histoire et aventures du Théâtre du Jorat, Morges Editions Musée Alexis-Forel, 2003
- Meylan Pierre, René Morax et Arthur Honegger au Théâtre du Jorat, Genève : Éditions Slatkine, 1993
- Nicollier Jean, René Morax, poète de la scène, Fribourg Ed. du Panorama, 1958 Morax, René Morax, René Morax, René

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