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Balkankonflikt
Der Begriff Balkankonflikt bezeichnet das großenteils gewaltsame Zerbrechen des Staates Jugoslawien in den 1990er Jahren. Verursacht wurde er unter anderem durch die schweren ökonomischen Probleme, denen sich das Land in den 1980er Jahren ausgesetzt sah, verbunden mit einer nationalistischen Politik und Propaganda, die von der damaligen serbischen und kroatischen Macht-Elite, aber auch von Politikern anderer Teilrepubliken ausging. Eine wesentliche Ursache des Streits zwischen den Republiken lag in der Verteilung der finanziellen Mittel zwischen den Teilrepubliken (ähnlich dem deutschen Länderfinanzausgleich). Angesichts der auf Grund der Hyperinflation immer geringeren zur Verfügung stehenden Mittel beanspruchten Kroatien und Slowenien als die wohlhabenderen Teilrepubliken größere Teile der bei ihnen erwirtschafteten Mittel für sich, während die ärmeren Republiken Serbien und Mazedonien einen höheren Anteil als Ausgleich für die schlechte Wirtschaftslage für sich verlangten. Dieser Konflikt konnte, auch aufgrund eines nicht klar etablierten Regierungssystems nach Titos Tod 1980 nicht politisch gelöst werden.
In dieser bereits aufgeheizten Atmosphäre veröffentlichte 1986 die Serbische Akademie der Wissenschaften und Künste das Sanu-Memorandum, in dem das politische System Jugoslawiens angegriffen wird und von einer systematischen Benachteiligung des serbischen Volkes die Rede ist. Es ging soweit, von einem Genozid an den Serben im Kosovo zu schreiben. Dieses Memorandum war eine der Initialzündungen für einen immer stärker aufkommenden Nationalismus innerhalb der serbischen Volksgruppe, aber auch der anderen. Besonders durch die Politik von Slobodan Milošević, der seit 1984 Leiter der Belgrader Regionalgruppe und seit September 1987 Parteisekretär des Bundes der Kommunisten Serbiens war, wurden diese nationalistischen Spannungen verschärft. Einen weiteren Auftrieb erhielten diese, als 1989 unter Miloševics Anleitung und mit dem Ziel seiner Machterweiterung durch eine Änderung der serbischen Verfassung die seit 1974 bestehende Autonomie des Kosovo und der Vojvodina aufgehoben wurde.
Im Sog der politischen Umwälzungen in den anderen sozialistischen Staaten Osteuropas 1989/90 bildeten sich auch in Jugoslawien neue Parteien, und es kam 1990 zu ersten
freien Wahlen in einigen Republiken, die mehrheitlich von nationalistisch agierenden Parteien gewonnen wurden. Daraufhin proklamierten am 25. Juni 1991 zunächst Slowenien und Kroatien ihre Unabhängigkeit, was von Teilen der jugoslawischen Führung als Verfassungsbruch angesehen wurde. Dies war aufgrund unklarer Formulierungen in der Verfassung von 1974 möglich, in der zwar das Selbstbestimmungsrecht der Völker Jugoslawiens festgeschrieben war, aber Modalitäten für einen Austritt der einzelnen Republiken aus der Föderation nicht einmal in Erwägung gezogen worden waren. Die Belgrader Führung versuchte unter maßgeblichem Einfluss von Milošević, die Unabhängigkeit mit Hilfe der Jugoslawischen Volksarmee (JNA) zu verhindern. So kam es im Juni 1991 in Slowenien zu ersten Kämpfen zwischen der jugoslawischen Armee und den slowenischen Streitkräften. Die woanders in Jugoslawien ebenso vorhandenen Konflikte entwickelten sich zum offenen Krieg. Insbesondere in den Republiken mit ethnisch weitgehend heterogener Bevölkerung (Bosnien-Herzegowina, Kroatien) wurden die Kämpfe hart und lang andauernd geführt. So forderte dieser Balkankrieg allein in Bosnien um die 100.000 Todesopfer. Es kam zu Massenfluchten, Vertreibungen und Zerstörungen.
Da die Bundesarmee von Serben dominiert war und der serbischen Führung unter Slobodan Milošević nahestand, mussten die Republiken Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina eigene Armeen aus Polizei und Territorialverteidigung improvisieren. Bei der Territorialverteidigung handelte es sich um eine parallel zur Armee existierende Institution, welche mit einer der Feuerwehr ähnlichen Organisationsform im Falle eines Angriffes schnell und unbürokratisch die Verteidigung bis zum Eintreffen der Armee organisieren sollte und dem Befehl der Gemeindeverwaltung unterstand. Die Waffen der kroatischen Territorialverteidigung wurden bereits im Mai 1990 von der JNA beschlagnahmt, die der bosnischen wenig später. Lediglich die Polizei behielt ihre leichte Bewaffnung. Das kroatische Militär wurde seit 1990 jedoch erfolgreich schrittweise verstärkt und aufgerüstet.
Die westlichen Staaten waren im Jahr 1991 noch fest entschlossen, Jugoslawien als Staat zu erhalten.
Kriegsopfer
Zu den Zahlen der Kriegsopfer existieren unterschiedliche Angaben, die mitunter auch interessengeleitet sind.
Folgende offizielle Zahlen der Republiken zu den Kriegsopfern sind bekannt:
- Bosnien und Herzegowina: 242.330 Tote, 175.286 Verwundete, 36.470 Vermisste, ca. 40.000 vergewaltigte Frauen, von denen 10.000 minderjährig (Statistisches Amt der Föderation von Bosnien-Herzegowina). Eine von der norwegischen Regierung finanzierte Untersuchung durch das Research and Documentation Center in Sarajewo kam im November 2005 jedoch zu dem Ergebnis, dass während des gesamten Bosnien-Krieges wahrscheinlich 100.000 Menschen ums Leben gekommen seien. 70 Prozent der Toten seien bosnische Muslime, 25 Prozent bosnische Serben und 5 Prozent Kroaten. Die lange international kursierende und nach wie vor von bosnischen Stellen geschätzte Zahl von 250.000 Opfern habe sich als "Mythos" erwiesen. Auch das UN-Kriegsverbrechertribunal zum früheren Jugoslawien in Den Haag geht von einer Zahl von etwa 100.000 Kriegsopfern aus.
- Kroatien: 12.131 Tote, darunter 8.100 Zivilisten, 33.043 Verwundete, 2.251 Verschollene (kroatische Regierung aus dem Jahr 1995)
- Slowenien: bei den slowenischen Truppen 19 Tote und 182 Verletzte, bei der jugoslawischen Volksarmee 44 Tote und 146 Verletzte (Schätzungen)
- Kosovo: 4.000 Leichen oder Leichenteile bis 2002 ausgegraben, etwa 800 albanische Tote wurden bislang in Serbien gefunden (da es bis heute keine genauen offiziellen Zahlen gibt, beruhen die Opferzahlen auf Flüchtlingsberichten und Massengrabfunden).
- Serbien: 2.800 vermisste und bisher 1.000 identifizierte getötete serbische Zivilisten in Bosnien-Herzegowina 1991–1992; 6780 getötete Serben in Kroatien, laut ICTY 150.00 bis 200.000 Vertriebene in der Krajina; 142 getötete serbische Polizei- und Armeeangehörige im Kosovo; die NATO-Operation 1999 führte zu etwa 5.000 Todesopfern in der Bundesrepublik Jugoslawien (NATO-Angaben); nach jugoslawischen Angaben kamen 462 Soldaten, 114 Polizisten und etwa 2.000 Zivilisten ums Leben (Angaben der Jugoslawischen Volksarmee).
Chronologie
- 4. Mai: Jugoslawiens Staatspräsident Josip Broz Tito stirbt im Alter von 88 Jahren. Ein kollektives Staatspräsidium mit jährlich wechselndem Vorsitz (einmal Serben, dann Kroaten, dann Bosniaken etc.) übernimmt die Führung in Jugoslawien.
- In der serbischen Provinz Kosovo kommt es zu Unruhen. Albaner (zirka 80 % Bevölkerungsanteil) verlangen die Lösung von Serbien und den Status eines Staatsvolks. Dies wird von allen Teilrepubliken sowie der jugoslawischen Bundesregierung verweigert; Proteste werden blutig niedergeschlagen.
- Serbische Intellektuelle fordern im Sanu Memorandum ein Ende der so genannten „Diskriminierungen des serbischen Volkes“. Das Memorandum behauptet unter anderem einen „Genozid“ am serbischen Volk im Kosovo und eine Verschwörung Kroatiens und Sloweniens gegen Serbien. Eine Revision der jugoslawischen Verfassung wird gefordert.
- Andererseits wird routinemäßig der Albaner Sinan Hasani zum jugoslawischen Staatsoberhaupt gewählt.
- Im April 1987 bereist Slobodan Milošević den Kosovo und horcht auf verschiedenen Veranstaltungen den Sorgen der Serben und Montenegriner. Die orthodoxe Bevölkerung berichtet von einem massiven wirtschaftlichen, politischen und psychischen Druck durch die Albaner. Nach einer Rede im Kulturhaus von Kosovo Polje (alban. Fushë Kosovë) wird die Stimmung endgültig angeheizt: Einer aufgebrachten serbischen Menschenmenge verweigert die mehrheitlich albanische Provinzpolizei den Zutritt zum Gebäude. Als Milošević vor das Gebäude tritt und die Menschen rufen „Sie schlagen uns!“, antwortet er: „Niemand soll es jemals wieder wagen, euch zu schlagen!“ („nitko nesme da vas bije“ – wörtlich: „niemandem ist es erlaubt, euch zu schlagen“. Die angebotene Übersetzung im Text ist aber deutlich besser, da sie sehr gut die tatsächliche Tragweite dieses „niemand“ in dieser besonderen Situation hervorhebt). In den kommenden Monaten knüpft Milošević engere Beziehungen zur orthodoxen Kirche und nutzt seine Kontakte zu den Medien zu einer zunehmend nationalistischeren Kampagne.
- Slobodan Milošević wird Vorsitzender der serbischen Kommunistischen Partei.
1988
- Slobodan Milošević wird Präsident Serbiens.
- Im Oktober 1988 werden die Regierungen der Vojvodina und Montenegros durch Gefolgsleute Miloševićs ersetzt.
1989
- Im Februar 1989 stimmt das Parlament der SR Serbien einer Verfassungsänderung zu. Damit wird die Autonomie der Sozialistischen Autonomen Provinz Kosovo und der Sozialistischen Autonomen Provinz Vojvodina faktisch aufgehoben. Darauf flammen im Kosovo Unruhen auf, der Ausnahmezustand wird verhängt. In der Folgezeit werden die Albaner aus nahezu allen Bereichen des öffentlichen Lebens von Serben verdrängt. Die Verfassungsänderung markiert den Anfang vom Ende des Jugoslawiens Titos.
- Am „Vidovdan“ (St.-Veits-Tag) findet eine von hundertausenden Serben besuchte nationalistische Kundgebung in Gazimestan auf dem Amselfeld statt. Slobodan Milošević verlangt auf dieser Veranstaltung mehr Rechte und Einfluss für die Serben im jugoslawischen Staatsverband. :(Nachzulesen ist die Amselfeld-Rede in einer deutschen Fassung hier: http://www.friwe.at/jugoslawien/archiv/milosevic.rtf)
- Viele Slowenen und Kroaten fühlen sich durch den serbischen Machtanspruch bedroht. Bei ihnen wächst der Wunsch, den jugoslawischen Staat zu verlassen. Slowenien diskutiert die „asymmetrische Föderation“ (nicht jede Republik soll auf gleicher Art in die jugoslawische Föderation eingebunden sein) und schafft als erste Teilrepublik das Parteimonopol ab und setzt freie Wahlen an.
- Die Hyperinflation verschärft 1989 die wirtschaftlichen Probleme. Der Staatsbankrott kann nur durch eine Intervention des Internationalen Währungsfonds abgewendet werden. Im Dezember 1989 wird der Dinar, der mittlerweile als wertloses Papiergeld in dicken Bündeln kursiert (am 19. Dezember 1989 bekam man für 1 DM (umgerechnet 0,51 €) immerhin 70.000 Dinar), im festen Verhältnis 7:1 an die Deutsche Mark gekoppelt, und es werden vier Nullen gestrichen.
1990
- Die wirtschaftliche Talfahrt geht weiter. Die Inflation kann auf einen noch knapp zweistelligen Wert gedrückt werden. Aber der feste, realitätsfremde Wechselkurs zur Deutschen Mark erschüttert die bisher weitgehend stabile Wirtschaft in der SR Slowenien und der SR Kroatien, die bisher sehr exportorientiert waren und erhebliche Deviseneinnahmen aus dem Tourismus erzielen konnte.
- Die Republiken Slowenien und Kroatien beginnen 1990, zunächst nicht mehr die vollen Steuern und Zölle an die Bundeskasse abzuführen und stellen ihre Zahlungen, auch die in den Republikenausgleichsfonds, dann ganz ein. Die Sparer, die seit jeher ihre Ersparnisse überwiegend in Devisen angelegt haben, verlieren ab Mitte 1990 immer mehr das Vertrauen in das marode System. Immer mehr Sparer ziehen ihre Deviseneinlagen von den Banken ab. Im Oktober 1990 wird die Situation kritisch, innerhalb weniger Tage fließen umgerechnet über 3 Milliarden Dollar ab. Als damit die Devisenreserven des Bundesstaates immer schneller dahinschmelzen und der Staatsbankrott nun nicht mehr abwendbar scheint, bleibt der Regierung Marković nichts anderes übrig, als sämtliche Devisenkonten zu sperren. Damit werden sämtliche Sparer, die sich ihre Einlagen noch nicht haben auszahlen lassen, faktisch enteignet.
- In Slowenien wird der Reformkommunist Milan Kučan zum Staatspräsidenten gewählt.
- In Kroatien geht die HDZ unter Vorsitz von Franjo Tudjman als Sieger aus den Wahlen hervor.
- Slowenien und Kroatien legen einen Verfassungsentwurf für eine Umwandlung der jugoslawischen Föderation in die losere Form einer Konföderation vor.
- Das kroatische Parlament führt in Kroatien Kroatisch als Amtssprache ein und schränkt den administrativen Gebrauch der kyrillischen Schrift ein. In einer geplanten Verfassungsrevision wird das serbische Staatsvolk zur Minderheit herabgestuft. Diese „Kroatisierungsmaßnahmen“ führen zu Unruhen in den Gebieten der sog. Krajina, in denen eine große serbische Minderheit lebt. Ein Großteil dieser Serben spricht sich für ihre Unabhängigkeit aus. Es kommt zu gewalttätigen Aufständen und Blockaden gegen Kroatien.
- In Bosnien-Herzegowina wird Alija Izetbegović Staatspräsident. Slowenien und Kroatien kündigen für Juni 1991 ihre Unabhängigkeit an, falls es bis dahin nicht zu einer politischen Neuordnung Jugoslawiens kommt. In Slowenien stimmen am 23. Dezember bei einer Volksabstimmung 88,5 % für die staatliche Souveränität Sloweniens und ein endgültiges Ausscheiden, falls die politische Neuordnung nicht erfolgt.
1991
- Anfang 1991 proklamieren Kosovo-Albaner die unabhängige „Republik Kosova“, die aber weder von Serbien noch international (mit Ausnahme von Albanien) anerkannt wird.
- Am 28. Februar wird in Knin (Kroatien) die „Serbische Autonome Provinz Krajina“ ausgerufen. Kroatische Familien werden vertrieben.
- Ab März 1991 kommt es in Kroatien zu Zusammenstößen zwischen der kroatischen Polizei, der kroatischen Nationalgarde und autonomen Freischärlerverbänden auf der einen und Milizen der in Kroatien lebenden Serben, serbischen Freiwilligen und Tschetniks aus Bosnien und Serbien sowie der Jugoslawischen Volksarmee, welche die Aufstellung einer republikseigenen kroatischen Armee zu verhindern sucht, auf der anderen Seite.
- In Serbien stößt die harte nationalistische Linie von Slobodan Milošević noch auf entschiedenen Widerstand der Opposition und großer Teile der Bevölkerung. So kommt es im März in Belgrad zu ernsten Unruhen und Straßenkämpfen.
- Am 1. April versucht die Bundesarmee noch, die kämpfenden Parteien in Kroatien zu trennen; später ergreift sie offen Partei für die serbischen Extremisten.
- Am 15. Mai scheitert die turnusgemäße Wahl des Kroaten Stipe Mesic zum Vorsitzenden des jugoslawischen Staatenbundes an Serbien.
- Am 19. Mai entscheidet sich bei einem Referendum in Kroatien die kroatische Bevölkerung mit 93 % der Stimmen für die Trennung vom jugoslawischen Bund. Die serbische Minderheit boykottiert die Abstimmung.
- In einem Fait accompli proklamieren Slowenien und Kroatien am 25. Juni 1991 ihre Unabhängigkeit. Slowenien übernimmt noch am selben Tag die Gewalt über seine Grenztruppen (wo aber die Überwachung der Grenzübergänge außer der so genannten „Grünen Grenze“ schon laut jugoslawischer Verfassung zur Kompetenz der jeweiligen Republiken gehörte). Am 26. Juni 1991 greift die Jugoslawische Volksarmee in Slowenien ein, um die Unabhängigkeit zu verhindern. Von Belgrad aus starten MiG-29-Jagdflugzeuge und beschießen den Ljubljaner Flughafen. Nach zehn Tagen wird unter Vermittlung der EG ein Waffenstillstand geschlossen. Die Bundesregierung in Belgrad erkennt, dass die Unabhängigkeit nicht mehr aufzuhalten ist. Da in Slowenien keine bedeutende serbische Minderheit lebt, die militärisch aktiv werden könnte, zieht der letzte JNA-Soldat im Oktober 1991 aus Slowenien ab. So verschiebt sich der Krieg nach Kroatien.
- Besetzung des Nationalparks Plitvicer Seen durch die Jugoslawische Volkarmee. Dort stirbt das erste Opfer des Krieges. Die Plitvitzer Seen gehören heute zum UNESCO-Weltnaturerbe. Weite Teile dieses einzigartigen Naturparkes werden von den serbischen Soldaten vermint und verunreinigt. In den folgenden Monaten kommt es zu schweren Konfrontationen zwischen der JNA und kroatischen Verbänden, hauptsächlich in der Lika, Kordun, Banija, Norddalmatien und in Ostslawonien (Osijek, Vukovar).
- 5. Juli: Die EG verhängt ein Waffenembargo gegen Jugoslawien.
- Mitte Juli eskalieren die Zwischenfälle in Kroatien zum offenen Krieg. Er wird vor allem um das mehrheitlich von Serben bewohnte Gebiet der Lika, Banija, Kordun und Norddalmatien geführt. Aber auch größere kroatische Städte sowie Slawonien und West-Dalmatien, wo Serben eine Minderheit darstellen, sind betroffen. Ziel Serbiens ist, die Kontrolle über ein zusammenhängendes Territorium zu bekommen, um so den Anschluss der serbisch besiedelten Gebiete an die später gegründete Bundesrepublik Jugoslawien („Rest-Jugoslawien“) zu vollziehen. Die JNA beteiligt sich zunächst nicht direkt an den Kämpfen, unterstützt aber serbische Freischärlerverbände. Als sich Kroatien zur Blockade der Kasernen der JNA auf ihrem Territorium entschließt, tritt die Armee offen als kriegführende Partei in Erscheinung. Sie beteiligt sich an dem Beschuss kroatischer Städte wie Vukovar und Dubrovnik und blockiert kroatische Adriahäfen.
- 25. Juli: Der serbischstämmige Bevölkerungsteil Kroatiens erklärt aufgrund der sich abzeichnenden Verfassungsänderung die „Souveränität des serbischen Volkes in Kroatien“ und gründet einen Nationalrat.
- Die deutsche Bundesregierung erwägt die völkerrechtliche Anerkennung von Kroatien und Slowenien, was bisher von der EG abgelehnt wurde.
- am 26. Juli wird die kroatische Verfassung geändert, die keine speziellen Gruppenrechte für die serbische Minderheit vorsieht.
- 23. August: Die kroatische Stadt Vukovar wird von serbischen Streitkräften angegriffen.
- 24. August: Gewaltsame Unruhen greifen erstmals auf Bosnien-Herzegowina über. Die bosniakischen Truppen mit dem Kommandanten Naser Oric verüben bis 1992 Massaker und Verbrechen in und um Sarajevo, bei denen mindestens 50 serbische Dörfer zerstört werden und nach serbischen Angaben 2.800 serbische Zivilisten getötet werden, 1.000 Opfer sind mittlerweile identifiziert.
- 30./31. August: Mehrere zehntausend Mütter demonstrieren in Belgrad für die Entlassung ihrer Söhne aus dem Militär.
- Im September 1991 haben serbische Milizen ein Drittel von Kroatien erobert. Wichtige Verbindungen nach Dalmatien sind unterbrochen.
- 25. September: Der UN-Sicherheitsrat verhängt ein Waffenembargo gegen Jugoslawien.
- 26. September: Aus Kräften der kroatischen Polizei und der Nationalgarde wird die kroatische Armee (HV) gebildet.
- 1. Oktober: Die Altstadt von Dubrovnik wird angegriffen und teilweise zerstört (Belagerung und Beschuss von Dubrovnik 1991). Sie zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe und wurde ohne Rücksicht auf Verluste von serbischer Seite aus beschossen.
- 15. Oktober: Das Parlament Bosnien-Herzegowinas verabschiedet gegen die Stimmen der serbischen Vertreter ein Memorandum zur Unabhängigkeit.
- 24. Oktober: Die serbische Regierung erklärt, sie wolle ein Jugoslawien unter Einschluss der serbischen Gebiete in Kroatien und Bosnien-Herzegowina schaffen. Bosnische Serben gründen ein eigenes „Parlament“.
- 12. November: In Sarajevo demonstrieren 100.000 Menschen für ein friedliches Zusammenleben aller drei Volksgruppen in Bosnien-Herzegowina.
- 18. November: Nach 87 Tagen Belagerung (Schlacht um Vukovar) fällt die völlig zerstörte kroatische Stadt Vukovar in serbische Hand. Es werden Kriegsverbrechen wie z. B. das Massaker von Vukovar an Kroaten begangen .
- Es tritt eine weitgehende militärische Waffenruhe ein, allerdings nicht als Ergebnis des Waffenembargos und der Wirtschaftssanktionen. Vielmehr haben die serbischen Verbände fast überall rein kroatische Gebiete erreicht, wo sie nicht mehr mit lokaler Unterstützung rechnen können. Außerdem hat die kroatische Armee ihre Verteidigungslinien konsolidiert. Schließlich befindet sich die JNA in einer Umbruchphase von einer jugoslawischen zu einer rein serbisch dominierten Armee, nachdem das Personal der anderen Republiken aus der Bundesarmee zurückberufen oder entlassen wurde. Die JNA muss verstärkt serbische Reservisten mobilisieren.
- 19. November: Mazedonien erklärt seine Unabhängigkeit.
- Ende November: Im Kosovo stimmen bei einer geheimen Abstimmung mehr als 90 % der teilnehmenden Albaner für ihre Unabhängigkeit.
- 3./5. Dezember: Bundeskanzler Kohl verspricht Slowenien und Kroatien die Anerkennung noch im Jahr 1991. Sie erfolgt am 23. Dezember, ohne dass manche von der EG verlangten Bedingungen (z. B. ausreichender Minderheitenschutz in Kroatien) erfüllt sind.
- 22. Dezember: Kroatien verabschiedet eine neue Verfassung als einheitlicher und souveräner Staat, die Krajina-Serben erklären sich für autonom und rufen ihrerseits die sogenannte Republik Serbische Krajina aus. Ziel ist die Vereinigung mit den bosnischen Serben und Serbien zu einem gemeinsamen serbischen Staat.
- 23. Dezember: Bosnien-Herzegowina beantragt bei der EG seine Anerkennung.
1992
- 2. Januar: Der UN-Sonderbeauftragte Cyrus Vance vereinbart mit der Führung in Belgrad und Zagreb einen Friedensplan, der die Stationierung von UN-Truppen (United Nations Protection Forces, UNPROFOR) ermöglicht.
- 9. Januar: Bosnische Serben proklamieren in ihrem selbsternannten Parlament die „Serbische Republik in Bosnien-Herzegowina“
- 15. Januar: Anerkennung Kroatiens und Sloweniens durch die EG
- 3. März: Verkündung der Unabhängigkeit von Bosnien-Herzegowina, Beginn der militärischen Auseinandersetzungen zwischen bosnischen Serben auf der einen und bosnischen Kroaten und Bosniaken auf der anderen Seite.
- 5. April: Beginn der Belagerung Sarajevos mit der Einnahme des Flughafens durch die Jugoslawische Volksarmee.
- 6. April: Die EG beschließt die Anerkennung Bosnien-Herzegowinas. Daraufhin brechen in ganz Bosnien schwere Kämpfe aus.
- 27. April: Serbien schließt sich mit Montenegro zur „Bundesrepublik Jugoslawien“ zusammen.
- 2. Mai: Vollständige Belagerung Sarajevos für 1.425 Tage.
- 5. Mai: Das Staatspräsidium der Bundesrepublik Jugoslawien gibt den Oberbefehl über die Jugoslawischen Streitkräfte in Bosnien-Herzegowina ab. Militärische Infrastruktur, die der bosnischen Territorialverteidigung oder kroatischen Verbänden in die Hände fallen könnte, wird vernichtet. Den bosnischen Serben wird dagegen militärisches Großgerät überlassen.
- 30. Mai: Der UN-Sicherheitsrat verhängt Sanktionen gegen Serbien und Montenegro.
- Mitte des Jahres werden ausländische Mudschaheddin nach Bosnien eingeschleust, um auf Seiten der muslimischen Streitkräfte zu kämpfen. In der Folge begehen die sich selber als Gotteskrieger bezeichnenden Freiwilligen schwere Gräueltaten an Serben und Kroaten.
- 3. Juli: Proklamation der Kroatischen Gemeinschaft Herceg-Bosna durch die „Kroatische Demokratische Gemeinschaft“ (HDZ) unter Führung von Mate Boban. Zur Hauptstadt wird Mostar erklärt.
- 2. August: Der Reporter Roy Gutman berichtet in der amerikanischen Zeitung „Newsday“ erstmals über Massenmorde in von bosnischen Serben betriebenen Internierungslagern, insbesondere Omarska. Der Sprecher des internationalen Komitees vom Roten Kreuz lässt verlauten, dass alle drei Konfliktparteien in Bosnien-Herzegowina Internierungslager eingerichtet hätten. Die Größenangaben divergieren stark.
- 25. August: In der Nacht wird die Universität von Bosnien-Herzegowina in Sarajevo in Trümmer geschossen. Serbische Artilleristen aus den umliegenden Hügeln beschießen absichtlich das historische Gebäude mit Granaten, und die Bibliothek geht in Flammen auf. Ihr gesamter Bestand – eineinhalb bis zwei Millionen Bücher – verbrennt. Die Asche geht stundenlang auf die Stadt nieder. Die Bibliothek galt als eine der bestausgestattetsten Südeuropas.
- 26./27. August: Jugoslawien-Konferenz in London unter Vorsitz von EG und UNO. Alle Kriegsparteien einigen sich auf 13 Grundsätze zur Konfliktlösung, u. a. Beendigung der Kämpfe, Einhaltung von Menschen- und Minderheitenrechten, Auflösung der Internierungslager, Respektierung der territorialen Integrität aller Staaten der Region. Nachfolgeprobleme der neuen Staaten Ex-Jugoslawiens sollen durch Konsens oder in einem Schiedsverfahren geregelt werden. Ein Lenkungsausschuss unter Vorsitz der beiden Sonderbeauftragten Vance und Owen soll den Verhandlungsprozess zwischen den Kriegsparteien institutionalisieren.
- 9. Oktober: Der UN-Sicherheitsrat verhängt ein Verbot für militärische Flüge über Bosnien-Herzegowina.
1993
9. Oktober
- 2. bis 5. Januar: Die beiden Vorsitzenden der Genfer Jugoslawienkonferenz, Owen und Vance, legen einen „Verfassungsrahmen für Bosnien und Herzegowina“ (Vance-Owen-Plan) mit beigefügter Landkarte vor.
- Ende Januar, kurz vor Ablauf des UN-Mandats, beginnen die Kämpfe in Kroatien von Neuem. Kroatien startete eine Offensive in die serbisch besetzten Gebiete Kroatiens mit dem Ziel, das strategisch wichtige Hinterland von Zadar zurückzuerobern. Anfang Februar weiten sich die Kämpfe auch auf das Hinterland von Split aus.
- 25. März: Der bosnische Präsident Izetbegović unterschreibt den Vance-Owen-Plan. Damit lehnt nur noch der Serbenführer Karadžić den Gesamtplan ab.
- 1. April: Der UN-Sicherheitsrat beschließt die militärische Durchsetzung des Flugverbots über Bosnien-Herzegowina. Dazu wird der NATO eine führende Rolle zugewiesen.
- April: Kroatische Streitkräfte unter Tihomir Blaškić greifen zahlreiche bosniakische Gemeinden im zentralbosnischen La Lasva-Tal an und vertreiben und ermorden große Teile der Zivilbevölkerung.
- 6. Mai: Der UN-Sicherheitsrat erklärt Sarajevo und fünf weitere belagerte Städte zu UN-Schutzzonen. Das "Parlament" der bosnischen Serben lehnt den Vance-Owen-Plan ab.
- Anfang Juni: Der Leiter des UNPROFOR-Zivilsektors befürchtet eine Ausweitung des Krieges auf Kosovo und Mazedonien. Die Lage in Bosnien-Herzegowina beschreibt er als chaotisch: "Die Bündnisse zwischen den kriegführenden Seiten wechseln von Woche zu Woche."
- 16. Juni: Die Präsidenten Serbiens und Kroatiens, Milošević und Tudjman, einigen sich unter Vermittlung von Owen und Stoltenberg, dem Nachfolger von Vance als UNO-Sonderbeauftragter, über die Aufteilung Bosnien-Herzegowinas: In einer losen Konföderation sollen drei auf ethnischen Gesichtspunkten beruhende Staaten miteinander verbunden sein. Nach einer Erklärung Tudjmans soll der bosniakische Staat aus zwei Teilen bestehen, einem im Zentrum des Landes und einem in der Region Bihać. Die kroatische Seite sei bereit, den Bosniaken Zugang zum Adria-Hafen Ploce zu gewähren.
- 23. Juli: Der UN-Sicherheitsrat verurteilt die Offensive der bosnischen Serben zur Isolierung Sarajevos.
- Die Machthaber der bosnischen Serben lassen ethnisch gemischte Ehen gesetzlich verbieten. Auch Bosniens Präsident Alija Izetbegovic spricht sich gegen ethnisch gemischte Ehen aus.
- 17. August: Owen und Stoltenberg legen einen Teilungsplan für Bosnien-Herzegowina vor.
- Herbst 1993: Heftige Kämpfe zwischen Truppen des „Kroatischen Verteidigungsrats“ HVO und bosniakischen Einheiten in Zentralbosnien. Es kommt zu Massakern an der Zivilbevölkerung. Angriffe von bosnischen Serben in Nordbosnien und in den ostbosnischen Enklaven.
- 9. November: Kroatische Geschütze zerstören die Altstadt von Mostar, darunter die weltberühmte Brücke der Osmanen Stari Most. Sie sollte gerade zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt werden. (2002 wurde die Brücke, unter anderen von kroatischen Geldern finanziert, wiedererbaut.)
1994
- 28. Februar: Erste Kampfeinsätze der NATO: US-amerikanische Kampfflugzeuge schießen bei Banja Luka vier serbische Kampfflugzeuge ab.
- Belagerung der Stadt Goražde. UN-Soldaten werden als Geiseln genommen.
- März: Kroaten und Bosniaken beenden ihren Konflikt in der Herzegowina und vereinbaren unter US-Vermittlung eine Föderation.
- Im März wird auch ein erneuter Waffenstillstand zwischen den Krajina-Serben und Kroatien vereinbart, der sich aber wieder als brüchig erweist.
- 10./11. April: amerikanische Flugzeuge bombardieren serbische Stellungen bei Goražde.
- 22. April: Der NATO-Rat erklärt Goražde zur militärischen Ausschluss-Zone, aus der alle schweren Waffen der bosnischen Serben abzuziehen seien. Auch Bihać, Srebrenica, Tuzla und Žepa sollen zu solchen Ausschluss-Zonen erklärt werden, falls sie mit schweren Waffen angegriffen werden. In den folgenden Tagen ziehen sich die bosnischen Serben aus der 3-km-Zone um Goražde zurück.
- 26. April: Die internationale Kontaktgruppe für Bosnien-Herzegowina, der Vertreter der UN, der EU, der USA, Russlands, Großbritanniens, Frankreichs und Deutschlands angehören, kommt in London zu ihrer ersten Sitzung zusammen.
- 27. April: Der UN-Sicherheitsrat beschließt, die UNPROFOR um fast 7.000 Soldaten zu verstärken.
- 11. Mai: Vertreter der bosnischen Kroaten und Bosniaken einigen sich in der US-Botschaft in Wien über die politische Führung und die Grenzen einer künftigen Konföderation: Der Bundesstaat soll 58 % des Territoriums Bosnien-Herzegowinas umfassen und aus acht Kantonen bestehen. Von diesen sollen vier von den Bosniaken, zwei von den Kroaten und zwei gemischt verwaltet werden. Die Region um Sarajevo soll mindestens zwei Jahre lang von den UN kontrolliert werden. Repräsentanten der bosnischen Serben, die ca. 70 % des Territoriums besetzt halten, weisen diese Aufteilung zurück.
- 12. Mai: der US-Senat fordert Präsident Clinton auf, das Waffenembargo gegen Bosnien-Herzegowina einseitig aufzuheben. Diese Forderung wird am 8. Juni auch vom Repräsentantenhaus gestellt.
- 15. Mai: Ein aus Kroaten und Bosniaken bestehendes gemeinsames Oberkommando wird eingesetzt.
- 30. und 31. Mai: In Sarajevo findet die konstituierende Sitzung des bosniakisch-kroatischen Parlaments statt. Der Kroate Zubak wird zum Präsidenten der Föderation Bosnien-Herzegowina gewählt.
- 8. Juni: Unter Vermittlung der UN einigen sich die Führung der bosnischen Serben und der bosniakisch-kroatischen Föderation darauf, einen Monat lang „keine offensiven Operationen“ zu unternehmen. Trotzdem kommt es zu heftigen Kämpfen in Zentralbosnien und Sarajevo.
- 23. Juni: Der bosnische Ministerpräsident Silaidzić stellt eine „gemeinsame Regierung“ vor, der zehn Bosniaken, sechs Kroaten und ein Serbe angehören.
- 5. Juli: Die internationale Kontaktgruppe legt gemeinsam mit Griechenland und Belgien einen neuen Teilungsplan für Bosnien-Herzegowina vor: 49 % des Territoriums werden den bosnischen Serben, 51 % der bosniakisch-kroatischen Föderation zugeteilt. Das selbsternannte Parlament der bosnischen Kroaten und das bosnische Parlament stimmen zu, das selbsternannte „Parlament“ der bosnischen Serben lehnt den Plan ab (trotz der Drohung der serbischen Regierung, im Falle der Ablehnung alle Beziehungen mit den bosnischen Serben abzubrechen).
- 23. Juli: Der ehemalige Bremer Bürgermeister Hans Koschnick tritt sein Amt als EU-Administrator von Mostar an. Die WEU stellt eine 200 Mann starke Polizeitruppe.
- 4. August: Die Regierung der Bundesrepublik Jugoslawien gibt den Abbruch der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu den bosnischen Serben sowie die Schließung der gemeinsamen Grenze bekannt.
- 5. August: Einheiten der bosnischen Serben überfallen ein UN-Lager bei Sarajevo und entwenden schwere Waffen. Nachdem daraufhin NATO-Flugzeuge serbische Stellungen angreifen, geben die bosnischen Serben die Waffen zurück.
- 10. August: Die UN drohen erstmals auch den bosnischen Regierungstruppen mit Luftangriffen, falls sie ihre schweren Waffen nicht aus der 20-km-Zone um Sarajevo abzögen und ihre Vorstöße bei Bihać nicht einstellten.
- 20. August: Bosnische Regierungstruppen nehmen die zuvor von bosniakischen Separatisten kontrollierte Hochburg Velika Kladuša ein.
- 27. und 28. August: In den von den bosnischen Serben kontrollierten Gebieten wird ein Referendum über den Friedensplan abgehalten, bei dem angeblich 96 % der Wähler den Plan ablehnen.
- 8. September: Der serbische Präsident Milošević stimmt der Überwachung der Grenze zwischen Serbien und Bosnien-Herzegowina durch eine „internationale humanitäre Mission“ zu. Die Kontaktgruppe entsendet dazu am 17. September 135 zivile Beobachter in das Grenzgebiet.
- 11. September: EU-Administrator Koschnick entgeht knapp einem Anschlag.
- 16. September: Der Führer der bosnischen Serben, Karadžić, kündigt Sanktionen gegen die bosniakische Bevölkerung an, falls die von Jugoslawien verhängte Blockade gegen die bosnischen Serben andauern sollte.
- 22. September: NATO-Kampfflugzeuge zerstören nach einem serbischen Angriff auf ein UN-Fahrzeug einen leeren serbischen Panzer in der Sperrzone in Sarajevo.
- 24. September: Der UN-Sicherheitsrat beschließt in der Resolution 943, die Sanktionen gegen Jugoslawien zu lockern, falls die Einhaltung des jugoslawischen Embargos gegen die bosnischen Serben bestätigt werden kann. Aufrecht erhalten bleibt das Handelsembargo.
- 12. November: Die USA ziehen sich aus der Überwachung des UN-Waffenembargos zurück.
- 21. November: NATO-Kampfflugzeuge fliegen einen Angriff auf die Landebahn des Flughafens Udbina in der „serbischen Krajina“, von dem aus Serben Luftangriffe gegen Bihać gestartet hatten.
- 23. November: Kampfflugzeuge der NATO bombardieren Raketenstellungen der bosnischen Serben im Raum Bihać, nachdem zuvor ein britisches Flugzeug beschossen war. Als Reaktion blockieren serbische Verbände 350 UN-Soldaten bei Sarajevo und nehmen weitere 55 Blauhelme für mehrere Tage als Geiseln.
- 2. Dezember: Die kroatische Regierung und die Führung der Krajina-Serben einigen sich mit Hilfe der Vermittler Owen und Stoltenberg auf ein Abkommen, nach dem die Ölpipeline sowie mehrere Straßen und Bahnstrecken, die durch die Krajina verlaufen, wieder in Betrieb genommen werden.
- 17. Dezember: Verbände der von Fikret Abdić geleiteten „aufständischen“ Bosniaken erobern Velika Kladuša zurück.
- 20. Dezember: Der ehemalige US-Präsident Carter vermittelt eine siebentägige Waffenruhe zwischen der bosnischen Regierung und der Führung der bosnischen Serben, die am 24. Dezember beginnen soll. Die Krajina-Serben und der bosniakische „Rebellenführer“ Abdić beteiligen sich nicht an dem Abkommen, weshalb die Kämpfe um Bihać anhalten.
- 31. Dezember: Die bosnische Regierung und die Führung der bosnischen Serben schließen eine „Vereinbarung über die völlige Einstellung von Feindseligkeiten“. Trotzdem kommt es weiterhin zu schweren Kämpfen.
1995
31. Dezember
- 2. Januar: Auch die Führung der bosnischen Kroaten und Abdić unterzeichnen das Waffenstillstandsabkommen. Es kommt trotzdem weiterhin zu schweren Kämpfen.
- 11. Januar: Unter Vermittlung der UNPROFOR wird eine weitere Vereinbarung über die Umsetzung des Waffenstillstands getroffen. Die heftigen Gefechte gehen ungeachtet dessen weiter.
- 12. Januar: Der kroatische Präsident Tudjman kündigt die Beendigung des UN-Mandats zum 31. März 1995 an.
- 23. Januar: Die Führung der bosnischen Serben verpflichtet sich, die Versorgungswege nach Sarajevo freizugeben.
- 25. Januar: Die Kontaktgruppe bricht ihre Vermittlungsbemühungen ab.
- 5. Februar: Vertreter der bosniakisch-kroatischen Föderation einigen sich auf einen Neun-Punkte-Plan zur Stabilisierung der Föderation. Ein internationaler Vermittler soll Differenzen zwischen den beiden Volksgruppen schlichten.
- 9. Februar: Die Führung der Krajina-Serben teilt die Gefechtsbereitschaft und den Abbruch des Dialogs mit der kroatischen Regierung mit.
- In Mazedonien kommt es Mitte Februar zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Angehörigen der albanischen Minderheit und makedonischen Sicherheitskräften.
- 21. Februar: Russland erkennt Bosnien-Herzegowina an.
- 1. März: Die Verteidigungsminister Russlands und Jugoslawiens vereinbaren ein Abkommen über die bilaterale Zusammenarbeit.
- 6. März: Die Oberkommandierenden der Streitkräfte Bosnien-Herzegowinas und Kroatiens schließen ein Militärbündnis, das einen gemeinsamen Kommandostab vorsieht.
- 12. März: Die kroatische Regierung stimmt dem Verbleib eines um 10.000 auf 5.000 Soldaten verkleinerten UN-Kontingents zu unter der Voraussetzung, dessen künftige Hauptaufgabe bestünde in der strikten Kontrolle der Grenze zu Bosnien-Herzegowina und der BRJ.
- 31. März: Der UN-Sicherheitsrat beschließt eine neue Aufgabenbeschreibung der in Kroatien stationierten Blauhelme. Sie tragen zukünftig den Namen „UN Confidence Restoration Operation in Croatia“ (UNCRO).
- Mai: Die kroatische Armee startet die „Operation Bljesak“ (kroat. „Blitz“) gegen die serbisch kontrollierten Gebiete in Westslawonien und erobert diese zurück. Serbische Einheiten beschießen daraufhin die kroatische Hauptstadt Zagreb mit Raketen, können die kroatische Offensive aber nicht aufhalten. Die serbische Bevölkerung flieht. (Siehe auch: Republik Serbische Krajina). Die zuvor von serbischen Freischärlern und der JNA vertriebene kroatische Bevölkerung kehrt zurück.
- 22. Mai: Einheiten der bosnischen Serben transportieren schwere Waffen aus einem Waffendepot der UNO ab. Das UNO-Kommando fordert die sofortige Zurückgabe. Die gesetzte Frist wird von den Serben ignoriert.
- 25. Mai: Die NATO bombardiert ein Munitionsdepot der bosnischen Serben in Pale, nachdem ein Ultimatum zur Rückgabe von aus einem UN-Depot gestohlenen Waffen verstrichen war. Die Serben antworten mit Artilleriebeschuss von Sarajevo und Tuzla und bringen eine Anzahl von Blauhelmen in ihre Gewalt. Die bosnischen Serben betrachten die Blauhelme als Kriegsgefangene und verlangen für ihre Freilassung die Einstellung der Luftangriffe.
- Im Juni greifen kroatische Verbände von bosnischem Territorium aus Knin, die Hauptstadt der Krajina-Serben, an.
- 11. Juli: Eroberung der UN-Schutzzone Srebrenica durch serbische Truppen. Dabei kommt es zu dem Massaker von Srebrenica.
- August: Die USA legen dem UNO-Sicherheitsrat Fotomaterial eines US-Aufklärers vor. Die Bilder lassen auf Massenexekutionen und -gräber in der Region schließen.
- 4. August bis 7. August: Die kroatische Polizei und Armee beendet mit der Militäroperation Oluja (kroat. "Sturm") den Krieg in Kroatien und stellt damit die territoriale Einheit Staates her. Dem kroatischen General, Ante Gotovina, wirft das ICTY schwere Kriegsverbrechen an serbischen Zivilisten vor. Unter anderem seien etwa 150 Serben getötet, 150.000 bis 200.000 vertrieben worden. Hierzu zählen auch die Mitglieder der schätzungsweise 40.000 Mann starken "Armee der Republik Serbische Krajina".
- 21. November: Vertrag von Dayton. Friedensvertrag unter Vermittlung von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland und den USA. Bosnien-Herzegowina werden dadurch zu einem föderativen Staat mit zwei Entitäten. Daneben sieht der Vertrag die Beendigung des serbisch-kroatischen Konflikts vor. Dem Abschlussdokument war unter starkem amerikanischem Vermittlungsdruck am 12. November ein Abkommen zwischen der Serbenführung in Ostslawonien und der kroatischen Regierung vorangegangen, das die Wiedereingliederung Ostslawoniens in das kroatische Staatsgebiet vorsah. Die Demilitarisierung des Gebietes und die Rückkehr der Flüchtlinge sollte für die Dauer eines Jahres von einer eigens aufgestellten „Implementation Force“ (IFOR) der NATO im Auftrag der UN geleistet werden. Der Vertrag wird am 14. Dezember in Paris von den drei Präsidenten Izetbegović, Milošević und Tudjman unterzeichnet.
seit 1996
- Im Dezember 1996 wird die IFOR durch die SFOR („Stabilization Force“) abgelöst. Sie übernimmt die Funktion einer internationalen Schutztruppe in Bosnien-Herzegowina mit dem Ziel der Stabilisierung des Landes.
1999
- Siehe: Kosovo-Krieg.
- 24. März: Beginn der NATO-Bombardierung der serbischen Teilrepublik Ex-Jugoslawiens.
Literatur
- Arbeitsgruppe Sicherheitspolitik der Deutschen Kommission Justitia et Pax (Hrsg.): Der Konflikt im ehemaligen Jugoslawien. Vorgeschichte, Ausbruch und Verlauf. Schriftenreihe Gerechtigkeit und Frieden, Arbeitspapier 66, ISBN 3-928214-41-1 (knappe Übersicht, Stand: Sept. 1993)
- Dr. Hans Benedikter: Die bitteren Früchte von Dayton. Völkermord und Vertreibungsterror in Kroatien und Bosnien-Herzegowina, das Versagen des Westens, ein Friede ohne Gerechtigkeit, Menschenrechte und Demokratiefragen, die Protestbewegung in Belgrad., Autonome Regierung Trentino-Südtirol, Bolzano/Bozen 1997
- Christopher Bennet: Yugoslavia's Bloody Callapse. Causes, Course und Consequences. Hurst & Company, London 1995
- Joanna Lucia Bodenstein: Frankreichs Antwort auf das Ende des Ost-West-Konflikts. LIT Verlag, Münster 2002
- Marie-Janine Calic: Krieg und Frieden in Bosnien-Hercegovina. Suhrkamp 1996. ISBN 3518119435
- Leonard J. Cohen: Broken Bonds. The Disintegration of Yugoslavia. o. O. 1993
- Philip J. Cohen: Serbia's Secret War: Propaganda and the Deceit of History. Eastern European Studies, No 2, ISBN 953-6108-36-4
- Jürgen Elsässer: Kriegslügen. Vom Kosovokonflikt zum Milosevic-Prozess. Wie die deutsche Kriegsbeteiligung 1999 medial vorbereitet wurde. Kai Homilius Verlag, Berlin 2004. ISBN 3-89706-884-2
- Hajo Funke, Alexander Rhotert: Unter unseren Augen. Ethnische Reinheit: Die Politik des Milosevic-Regimes und die Rolle des Westens. Verlag Das Arabische Buch, o. O. 1999. ISBN 3860932195
- James Gow: Triumph of the Lack of Will. International Diplomacy and the Yugoslav War. Hurst & Company, London 1997.
- Nikolaus Jarek Korczynski: Deutschland und die Auflösung Jugoslawiens: Von der territorialen Integrität zur Anerkennung Kroatiens und Sloweniens. Studien zur Internationalen Politik 1/2005,
- Götz Kubitschek, Peter Felser: Raki am Igman – Texte und Reportagen aus dem Bosnien-Einsatz der Bundeswehr. ISBN 3000054324
- Sonia Lucarelli: Europe and the Breakup of Yugoslavia. Kluwer Law International, Den Haag 2000.
- Reneo Lukic, Allen Lynch: Europe from the Balkans to the Urals. The Disintegration of Yugoslavia and the Soviet Union. Oxford University Press, Oxford 1996
- Hanns W. Maull: Germany and the Yugoslav Crisis, in: Survival, Vol 37, No. 4, Winter 1995–96, S. 99–130
- Dunja Melčić (Hrsg.): Der Jugoslawien-Krieg. Handbuch zu Vorgeschichte, Verlauf und Konsequenzen. Westdeutscher Verlag, Opladen/Wiesbaden 1999. ISBN 3531132199
- Thomas Paulsen: Die Jugoslawienpolitik der USA 1989–1994. Begrenztes Engagement und Konfliktdynamik. Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 1995
- Jane M. O. Sharp: Honest Broker or Perfidious Albion? British Policy in Former Yugoslavia. Institute for Public Policy Research IPPR, London 1997.
- Steven W. Sowards: Moderne Geschichte des Balkans. Der Balkan im Zeitalter des Nationalismus. BoD 2004. ISBN 3-8334-0977-0
- Angelika Volle, Wolfgang Wagner (Hrsg.): Der Krieg auf dem Balkan. Die Hilflosigkeit der Staatenwelt. Verlag für Internationale Politik, Bonn 1994.
- Eric A. Witte: Die Rolle der Vereinigten Staaten im Jugoslawien-Konflikt und der außenpolitische Handlungsspielraum der Bundesrepublik Deutschland (1990–1996). in: Mitteilungen Nr. 32 März 2000 des Osteuropa-Instituts München
Filme
- 2004, Das Leben ist ein Wunder (Život je čudo), [http://german.imdb.com/title/tt0322420/ IMDb]
- 2003, Gori vatra! [http://german.imdb.com/title/tt0347105/ IMDb]
- 2001, No Man's Land (Ničija zemlja), [http://german.imdb.com/title/tt0283509/ IMDb]
- 1999, Warriors, [http://german.imdb.com/title/tt0119873/ IMDb]
- 1998, Savior - Soldat der Hölle, [http://german.imdb.com/title/tt0120070/ IMDb]
- 1996, Pretty Village, Pretty Flame (Lepa sela lepo gore), [http://www.imdb.com/title/tt0116860/ IMDb]
- 1997, Welcome to Sarajevo, [http://german.imdb.com/title/tt0120490/ IMDb]
- 1993, Vrijeme za... [http://german.imdb.com/title/tt0108506/ IMDb]
- 1993, Warheads - Söldner im Balkan, [http://german.imdb.com/title/tt0108516/ IMDb]
Siehe auch
historische Balkankriege
- Balkan
- Jugoslawienkrieg
- Krieg
- Liste der Kriege
- Liste von Schlachten
- Söldner
Weblinks
- [http://www.bmlv.gv.at/omz/ausgaben/artikel.php?id=316 Österreichs Bundesheer - ÖMZ - Ausgabe 4/2005 - Siegt die Wahrheit?]
- [http://www.uni-konstanz.de/FuF/wiwi/kempf/dis-33-1.html#Einleitung Gerhard Meder, Michael Reimann: Chronik des Bosnien-Konflikts (Januar 1990 bis März 1996)]
- [http://www.ritterbach-interaktiv.de/justitia/pdf/doc_40.pdf Thomas Hoppe, Jörg Lüer (Hrsg): Erfahrungen aus dem Konflikt im ehemaligen Jugoslawien, Konferenzdokumentation, September 1997 (PDF 429 kB).]
- [http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/NATO-Krieg/Welcome.html kritische Auseinadersetzung mit der Rolle der Nato im Balkankonflikt, Artikelsammlung, laufend aktualisiert]
- [http://www.faz.net/s/Rub28FC768942F34C5B8297CC6E16FFC8B4/Doc~E4E3EE4EB105F437B8E70F046459E6E26~ATpl~Ecommon~Scontent.html Milosevic: Deutschland verursachte Balkankrieg, Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, 31. August 1994]
- [http://www.ess.uwe.ac.uk/comexpert/ANX/IV.htm#0-V Die Politik der ethnischen Säuberung, Abschlussbericht der UN-Expertenkommission, Dezember 1994, Englisch]
- [http://www.ess.uwe.ac.uk/genocide/yugoslav.htm Umfangreiche Linksammlung Web Genocide Documentation Centre, Englisch]
Kategorie:Balkankonflikt
Kategorie:Militärgeschichte
Kategorie:Kroatien
ja:ユーゴスラビア紛争
ko:유고슬라비아 전쟁
JugoslawienJugoslawien (»Südslawien«) bezeichnete von 1929 bis 2003 einen Staat in Südosteuropa. Während es zwischen dem ersten und dem zweiten jugoslawischen Staat eine juristische Kontinuität gibt, ist das 1992 gegründete dritte Jugoslawien nach vorherrschender Rechtsaufassung nur einer von fünf Nachfolgestaaten des zweiten Jugoslawien.
Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen bzw. Königreich Jugoslawien (1918-1941)
Der jugoslawische Staat entstand nach dem Ersten Weltkrieg aus den vorher unabhängigen Königreichen Serbien und Montenegro und südslawisch besiedelten Teilen Österreich-Ungarns (hpts. Krain, Kroatien-Slawonien, Dalmatien, Bosnien und die Vojvodina). Es nannte sich zunächst Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (1918-1920 Kraljevstvo Srba, Hrvata i Slovenaca, seit 1920 Kraljevina Srba, Hrvata i Slovenaca, abgekürzt auch SHS-Staat). Am 3. Oktober 1929 ließ es König Alexander I. während einer Staatskrise in Königreich Jugoslawien (Kraljevina Jugoslavija) umbenennen. 1941 wurde das Königreich Jugoslawien von Deutschland und Italien besetzt und aufgelöst: Während Serbien militärisch besetzt blieb, wurde Slowenien zwischen Deutschland und Italien geteilt, Kroatien (mitsamt großen Teilen Bosnien-Herzegovinas) zu einem schein-unabhängigen faschistischen Vasallenstaat, während Montenegro und einige weitere südliche Gebiete, die zu Albanien geschlagen wurden, italienisch besetzte Vasallenstaaten wurden.
- Gliederung:
- ab 1929 9 Banschaften (Banovine)
- ab 1939 7 normale Banschaften und die autonome Banschaft Kroatien (Banovina Hrvatska)
FV Jugoslawien bzw. SFR Jugoslawien (1945-1992)
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Jugoslawien als sozialistischer Bundesstaat aus 6 Teilrepubliken (Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Serbien und Mazedonien) und zwei Autonomen Provinzen innerhalb der Republik Serbien (Vojvodina und Kosovo) wiederhergestellt. Es hieß ab 1945 offiziell zunächst Demokratisches Föderatives Jugoslawien (Demokratska Federativna Jugoslavija), ab 1946 Föderative Volksrepublik Jugoslawien (Federativna Narodna Republika Jugoslavija), ab 1963 Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien (Socijalistička Federativna Republika Jugoslavija/SFRJ).
Im Laufe der Jahre 1991-1992 erklärten nach den ersten demokratischen Wahlen und einem Referendum alle Teilrepubliken bis auf Serbien und Montenegro ihre staatliche Unabhängigkeit.
- Gliederung: 6 Teilrepubliken (Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Serbien, Slowenien) und 2 Autonome Provinzen innerhalb Serbiens (Kosovo, Vojvodina)
- Bevölkerung: Serben, Kroaten, Slowenen, Mazedonier, Bosnier, Jugoslawische Roma und Sinti, Montenegriner, Albaner
- Religionen: Serbisch-Orthodoxe, Katholiken, Muslime, Juden
- größte Städte: Belgrad (Beograd) 1.500.000 Einw., Zagreb 780.000 Einw., Skopje 500.000 Einw., Sarajevo ca. 400.000 Einw.
Sarajevo
Bundesrepublik Jugoslawien (1992-2003)
Im Jahre 1992 bildeten die Republiken Serbien und Montenegro die Bundesrepublik Jugoslawien (Savezna Republika Jugoslavija). Diese wurde am 4. Februar 2003 durch den Staatenbund Serbien und Montenegro (Srbija i Crna Gora) abgelöst.
- Gliederung: 2 Teilrepubliken (Montenegro und Serbien)
Die Vollversammlung der Vereinten Nationen beschloss am 22. September 1992 durch Mehrheitsbeschluss (Billigung von 127 Ländern bei 26 Enthaltungen und sechs Gegenstimmen), dass die aus Serbien und Montenegro bestehende Bundesrepublik Jugoslawien nicht automatisch die Rechtsnachfolge der SFRJ als Mitgliedstaat der UN antreten könne, sondern sich ebenso wie die anderen Nachfolgestaaten der SFRJ neu um die Mitgliedschaft bewerben müsse. Die Bundesrepublik Jugoslawien dürfe deshalb den Sitz der SFRJ in der Vollversammlung der UN nicht mehr wahrnehmen. Da die Bundesrepublik Jugoslawien sich weigerte, diesen Beschluss zu akzeptieren, verlor sie de facto ihren Sitz in der UN-Vollversammlung. Erst im Jahre 2000 wurde die Bundesrepublik Jugoslawien, nachdem sie sich wie gefordert neu beworben hatte, wieder in die UN aufgenommen.
Siehe auch
- Geschichte Jugoslawiens
- Liste der Staatsoberhäupter Jugoslawiens
- [http://www.serbien-montenegro.de/html/jugoslawien.html Jugoslawien im Internet - SFRJ-Linkliste]
Kategorie:Staat (historisch)
ja:ユーゴスラビア
Länderfinanzausgleich
Der Länderfinanzausgleich ist ein staatsorganisationsrechtlicher Mechanismus in der Bundesrepublik Deutschland zur Zuweisung finanzieller Mittel an Bund und Länder. Sie sollen so mit den zur Erfüllung ihrer jeweiligen Staatsaufgaben notwendigen Mitteln ausgestattet werden. Der Länderfinanzausgleich ist vom Kommunalen Finanzausgleich zu unterscheiden, mit ihm wird in den Flächenländern die Finanzausstattung der Kommunen geregelt.
Der Begriff Länderfinanzausgleich wird in zwei Ausprägungen verwendet:
- Der Länderfinanzausgleich im engeren Sinn bezeichnet den Ausgleichsmechanismus der Länder untereinader.
- Der Länderfinanzausgleich im weiteren Sinn bezeichnet darüber hinaus das gesamte finanzielle Ausgleichssystem zwischen Bund und Ländern.
Ziele
Der Finanzausgleich dient der Herstellung und Wahrung gleichwertiger Lebensverhältnisse in allen Teilen Deutschlands und soll wirtschaftliche Benachteiligungen ausgleichen. Nach Art. 107 Abs.2 Satz 1 GG soll „die unterschiedliche Finanzkraft der Länder angemessen ausgeglichen“ werden.
Ausgleichsmechanismen
Der Länderfinanzausgleich im weiteren Sinne ist ein mehrstufiges Verfahren. Die einzelnen Ausgleichsstufen sind in der gesetzlich vorgeschriebenen Reihenfolge anzuwenden. Es gibt verschiedene Ausgleichsmechanismen zusammen, von denen der Länderfinanzausgleich im engeren Sinne ein Bestandteil ist:
- Horizontaler Finanzausgleich
- Umsatzsteuervorwegausgleich
- Länderfinanzausgleich im engeren Sinne
- Vertikaler Finanzausgleich
- Bundesergänzungszuweisungen
Der Finanzausgleich ist im Maßstäbegesetz [http://www.bundesfinanzministerium.de/cln_02/nn_4480/DE/Service/Downloads/Downloads__5/27453__5,templateId=raw,property=publicationFile.pdf] und im Finanzausgleichsgesetz (FAG) [http://www.bundesfinanzministerium.de/cln_02/nn_4480/DE/Service/Downloads/Downloads__6/29394__14,templateId=raw,property=publicationFile.pdf] gesetzlich geregelt. Dabei soll das Maßstäbegesetz als langerfristig geltende, die verfassungsrechtlichen Vorgaben konkretisierende Grundlage dienen, während das FAG die aktuell geltenden Berechnungsschritte des Ausgleichsmechanismusses vorgibt. Mit dieser ungewöhnlichen Konstruktion entsprach der Gesetzgeber Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts in seinem Urteil vom 11.11.1999 [http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/frames/fs19991111_2bvf000298].
Seit 01.01.2005 ist eine Neuregelung in Kraft.
Bevor der Länderfinanzausgleich einsetzt, sind zunächst die Steuern, die Bund und Ländern gemeinsam zustehen (Einkommen- Körperschaft- und Umsatzsteuer), zwischen den beiden Ebenen aufzuteilen. Ausgangspunkt der eigentlichen Ausgleichsmechanismen ist dann das örtliche Aufkommen der Länder. Nach Art. 107 Abs.1 GG sind damit die in den Finanzämtern der Länder vereinnahmten Steuern, korrigiert durch die Zerlegung, zu verstehen.
Umsatzsteuervorwegausgleich
Vom Umsatzsteueranteil der Länder werden maximal 25 % dazu verwendet, die Finanzkraft der schwachen Länder der durchschnittlichen Finanzkraft aller Länder anzunähern. Bei einem großen Abstand zur durchschnittlichen Finanzkraft wird zunächst 95 % des Unterschiedsbetrages ausgeglichen, mit zunehmender Annäherung an den Durchschnitt sinkt die Ausgleichsintensität linear auf 60 %.
Der Rest des Aufkommens wird entsprechend der Anzahl der Einwohner auf die Bundesländer verteilt.
Länderfinanzausgleich im engeren Sinne
Der Länderfinanzausgleich im engeren Sinne besteht in Ausgleichszahlungen reicherer Bundesländer (Geberländer) an ärmere Bundesländer (Nehmerländer).
Die Ausgleichspflichtigkeit ergibt sich aus einem Vergleich der sog. Ausgleichsmesszahl mit der Finanzkraftmesszahl. Die Ausgleichsmesszahl besteht aus der durchschnittlichen Finanzausstattung aller Bundesländer pro Einwohner multipliziert mit den Einwohnern des betreffenden Bundeslandes. Für die Stadtstaaten wird das Ergebnis mit 1,35 multipliziert. Die Finanzkraftmesszahl besteht aus den Steuereinnahmen des jeweiligen Landes zuzüglich aktuell 64% der Gemeindesteuern.
Ein Land ist ausgleichsberechtigt, wenn die Ausgleichsmesszahl größer als die Finanzkraftmesszahl ist. In diesem Fall erhält das Nehmerland Zuweisungen der Geberländer, die technisch über den Bund als Zahlstelle abgewickelt werden. Zur Bemessung der Ausgleichszahlungen wird ein dreigeteilter, teilweise linear-progressiver Tarifverlauf angewendet. Erreicht ein Nehmerland mehr als 93 % der durchschnittlichen Finanzkraft sinkt die Ausgleichsintensität deutlich ab. Eine Mindestausstattung finanzschwacher Länder wird dadurch nicht garantiert.
Die ausgleichspflichtigen Länder müssen von ihrem Überschuss einen progressiv wachsenden Anteil abgeben. Auch dieser Teil wird mit dem dreigeteilten Tarifverlauf, der für die Nehmerländer gilt, berechnet. Die maximale Abschöpfung von 75 % wird bei den über 120 % des Durchschnitts liegenden Teilen des Steueraufkommens erreicht. Von den gesamten Überschüssen eines Landes werden maximal 72,5 % abgeschöpft.
Zur Verbesserung der Anreizwirkung, eigene Steuereinnahmen zu steigern, ist ein Prämienmodell vorgesehen. Danach werden deutlich überdurchschnittliche Steigerungen des Steueraufkommens aus dem Ausgleichsmechanismus herausgenommen, verbleiben also vollständig bei dem jeweiligen Land.
Weitere Klauseln stellen sicher, dass Beiträge und Leistungen identisch sind.
Bundesergänzungszuweisungen (BEZ)
Kleinere und finanzschwache Bundesländer erhalten zudem Bundesergänzungszuweisungen aus dem Bundeshaushalt.
Allgemeine Bundesergänzungszuweisungen werden gewährt, wenn die Finanzkraft eines Landes auch nach den bisherigen Ausgleichsmechanismen unter 99,5 % des Länderdurchschnitts bleibt. Der Fehlbetrag wird dann zu 77,5 % ausgeglichen.
Sonderbedarfs-Bundesergänzungszuweisungen (SoBEZ) werden derzeit aus zwei Gründen gewährt: Teilungsbedingte Sonderlasten der neuen Länder und erhöhte Kosten politischer Führung bei kleinen Ländern. Die teilungsbedingten SoBEZ sind degressiv ausgestaltet. Sie sinken von zunächst 10,5 Mrd. € jährlich ab 2007 bis 2019 jährlich ab. Diese SoBEZ sind ein bedeutender Bestandteil des Solidarpaktes II. Bis Ende 2004 gewährte der Bund darüber hinaus Bremen und dem Saarland SoBEZ zur Behebung ihrer Haushaltsnotlage. Nach Auslaufen dieser Hilfe klagen beide Länder vor dem Bundesverfassungsgericht auf Fortsetzung. Auch Berlin hat eine solche Klage eingereicht.
Finanzvolumen
Das Volumen des Länderfinanzausgleichs insgesamt hat sich im Lauf der Zeit mit dem gestiegenen Volumen der Staatshaushalte ebenfalls ausgedehnt. Sprunghaft nahm das Volumen 1995 zu, als erstmals die neuen Länder und Berlin in das System mit einbezogen wurden.
Im einzelnen entwickelte sich das Volumen des Länderfinanzausgleichs im engeren Sinne wie folgt. Negative Zahlen bezeichnen Zahlungen der Geberländer, positive Zahlen Zuweisungen an die Nehmerländer. Alle Zahlen in Mio. € (teilweise umgerechnet).
Quelle: Wissenschaftlicher Dienst des Bundestages, Bundesfinanzministerium
BE=Berlin, BW= Baden-Württemberg, BY= Bayern, BB= Brandenburg, HB=Bremen, HH=Hamburg, HE=Hessen, MV=Mecklenburg-Vorpommern, NI= Niedersachsen, NW=Nordrhein-Westfalen, RP=Rheinland-Pfalz, SL=Saarland, SN=Sachsen, SH=Schleswig-Holstein, TH=Thüringen
Kritik
Von Seiten der Geberländer gibt es von Zeit zu Zeit Bestrebungen, den Finanzausgleich einzuschränken. Dies führte zu mehreren Urteilen des Bundesverfassungsgerichtes, die immer wieder Anlass für eine Neugestaltung des Länderfinanzausgleichs waren.
Auch von wissenschaftlicher Seite wird der Länderfinanzausgleich heftig kritisiert. Als Argument wird dabei häufig angeführt, der Ausgleich sei wettbewerbsfeindlich, vgl. Wettbewerbsföderalismus. So würde er ökonomische Anreize nehmen, sich um eine Steigerung der eigenen Steuereinnahmen zu kümmern.
Der jetztige Länderfinanzausgleich stellt den Versuch dar, die Interessen der finanzschwachen Länder zu wahren und gleichzeitig eine Anreizwirkung in das System einzubauen. Da zudem die zahlreichen Vorgaben des Bundesverfassungsgerichtes zu beachten waren, entstand das dargestellte äußerst komplexe System.
Literatur
- Maßstäbegesetz [http://www.bundesfinanzministerium.de/cln_02/nn_4480/DE/Service/Downloads/Downloads__5/27453__5,templateId=raw,property=publicationFile.pdf] (PDF)
- Finanzausgleichsgesetz (FAG) (ab 2005)[http://www.bundesfinanzministerium.de/cln_02/nn_4480/DE/Service/Downloads/Downloads__6/29394__14,templateId=raw,property=publicationFile.pdf] (PDF)
- Finanzausgleichsgesetz (FAG) (bis 2004)[http://www.bundesfinanzministerium.de/cln_04/nn_4480/DE/Service/Downloads/Downloads__6/29393__13,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/29393_13] (PDF)
- BVerfG-Urteil vom 24.06.1986 (LFA I) [http://www.oefre.unibe.ch/law/dfr/bv072330.html]
- BVerfG-Urteil vom 27.05.1992 (LFA II) [http://www.oefre.unibe.ch/law/dfr/bv086148.html]
- BVerfG-Urteil vom 11.11.1999 (LFA III)[http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/frames/fs19991111_2bvf000298]
Kategorie:Finanzwissenschaft
Kategorie:Wirtschaftspolitik
HyperinflationHyperinflation ist eine Form der Inflation, in der sich das Preisniveau sehr schnell erhöht. Es gibt keine allgemein akzeptierte Definition, aber eine verbreitete Daumenregel spricht von einer Hyperinflation ab einer monatlichen Inflationsrate von 50%. Einfach gesagt ist eine Hyperinflation eine unkontrollierbare Inflation mit extrem hoher monatlicher Rate. Viele Hyperinflationen enden in einer Währungsreform.
Vor dem 20. Jahrhundert waren Hyperinflationen selten, da von einem gewissen Inflationsniveau an die Ökonomien zu ungeprägten Edelmetallen als Geldersatz oder zu Naturaltausch übergegangen sind. Die immer weitere Verbreitung von ungedecktem Geld (Fiat money) ermöglichte Hyperinflationen. Regierungen werden als Ursache für Hyperinflationen beschuldigt, da sie zur Deckung ihrer Ausgaben (Erfüllung von Leistungsversprechen) sich unverhältnismäßig rasch und hoch verschulden und damit das Vertrauen in die eigene Währung untergraben. Ab diesem Zeitpunkt erfolgt die "Flucht in Sachwerte". Ein sich selbst verstärkender Vorgang.
Während "normale" Inflationen meist mit ökonomischen Ursachen begründet werden, sind Hyperinflationen darüber hinaus fast immer mit schwerwiegenden Erschütterungen der Volkswirtschaft infolge Krieg, Bürgerkrieg oder gesellschaftlichen Umbruchssituationen verbunden.
Quantitätsgleichung
Eine Erklärung für das Ansteigen des Preisniveaus allgemein bietet die Quantitätsgleichung von Irving Fisher:
Diese Formel lässt sich umstellen zu:
Das Preisniveau steigt also demnach
# wenn die Geldmenge ansteigt bei gleichbleibender Umlaufgeschwindigkeit und gleichbleibender Transaktionsanzahl (wenn also die Zentralbank z. B. mehr Geld in Umlauf bringt)
# wenn die Umlaufgeschwindigkeit ansteigt bei gleichbleibender Geldmenge und gleichbleibender Transaktionsanzahl
# wenn die Transaktionsanzahl abnimmt bei gleichbleibender Geldmenge und gleichbleibender Umlaufgeschwindigkeit (z. B. bei Störung des Wirtschaftskreislaufs durch Katastrophen, wenn also plötzlich die Lieferbarkeit wegbricht, aber die Nachfrage bleibt)
Chronologie
Es gibt verschiedene geschichtliche Episoden von Hyperinflationen mit monatlichen Inflationsraten von über 50%. Beispiele sind
Auch vor dem 20. Jahrhundert fanden gab es schwere Inflationen:
Siehe auch
- Liste von Rezessionen
Kategorie:Geld und Kredit Kategorie:MakroökonomieKategorie:WirtschaftskriseKategorie:Reichsfinanzen (Begriff)
Slowenien
Slowenien (slowenisch: Slovenija) ist ein Staat in Mitteleuropa und grenzt an Italien, Österreich, Ungarn und Kroatien.
Geographie
Kroatien
Trotz seiner geringen Größe verfügt Slowenien über sehr unterschiedliche Landschaftsformen. Im Norden des Landes befinden sich mit den Julischen Alpen, den Karawanken und den Steiner Alpen Hochgebirgszüge. Im Nationalpark Triglav liegt der Triglav (2.864 m), der die höchste Erhebung des Landes ist. In den Julischen Alpen entspringen auch die Soča und die Save, die neben der Drau und der Mur wichtige Flüsse Sloweniens sind. Der Osten ist von einer Tiefebene geprägt, die in die Pannonische Tiefebene übergeht, während sich in der Mitte und im Westen Mittelgebirgszüge des Dinarischen Gebirges befinden. Hier gibt es auch die typischen Karst-Erscheinungen. Im äußersten Südwesten des Landes liegt die 47 km lange Adria-Küste, die den tiefsten Punkt des Landes markiert. Über die Hälfte der Staatsfläche ist mit Wald bedeckt.
Im Südwesten des Landes herrscht mediterranes Klima mit warmen Sommern und milden, feuchten Wintern. Winter und Frühjahr bringen an der Küste häufig kalte Fallwinde (Bora). Im Landesinneren ist das Klima kontinentaler geprägt.
Bevölkerung
- Bevölkerung: 83,06 % Slowenen, 1,98 % Serben, 1,81 % Kroaten, 1,1 % bosnische Muslime (Zensus 2002), sowie kleine autochthone Minderheiten von Italienern in Istrien, Ungarn in der östlichen Region Prekmurje und Deutschen um Marburg, in der Gottschee und in Laibach.
- Städte: Ljubljana (Laibach, 300.000 Einwohner), Maribor (Marburg, 110.000), Celje (Cilli, 41.000), Kranj (Krainburg, 37.000), Velenje (Wöllan, 26.500), Koper (Capodistria, 25.000), Novo Mesto (Rudolfswert, 23.000) und Ptuj (Pettau, 23.000)
Religionen und Konfessionen
Laut dem Zensus von 2002 bekennen sich 57,8 % der Slowenen zur Römisch-Katholischen Kirche, 2,4 % sind Muslime, 2,3 % orthodox, 0,9 % Protestanten. Als "Gläubige, ohne Zugehörigkeit zu einer Konfession" bezeichnen sich 3,5 % der Slowenen. Als Atheisten sehen sich 10,1 %. Bei 22,8 % der Slowenen kann keine Aussage über ihre Religionszugehörigkeit getroffen werden, da entweder die Frage im Zensus nicht beantwortet wurde oder andere Gründe eine Zuordnung unmöglich machen.
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte Sloweniens
Man nimmt an, dass die slawischen Vorfahren der Slowenen sich im 6. Jahrhundert ins Gebiet vom heutigen Slowenien begaben und dort niederließen. Im 7. Jahrhundert entstand das slawische Fürstentum Karantanien (Karantanija), der erste slowenische Staat, der zum Einen slawischer Herkunft war, und zum Anderen eine bemerkenswerte Stabilität aufwies. Im Verlauf der nächsten zwei Jahrhunderte fiel Karantanien zunächst unter bayerische, dann fränkische Vorherrschaft. In der Mitte des 10. Jahrhunderts war durch den Sieg des Königs und späteren Kaisers Otto I. in der Schlacht auf dem Lechfeld (bei Augsburg) der Weg frei für die Ostkolonisation des Heiligen Römischen Reiches. Die zuvor das Gebiet um das heutige Slowenien, Süddeutschland und Italien unsicher machendenden Ungarn ließen sich daraufhin in der Pannonischen Tiefebene nieder; dadurch wurden die Siedlungsgebiete der Südslawen von denen der Westslawen und der Ostslawen getrennt. Karantanien wurde in das Herzogtum Bayern eingegliedert, und ab 976 zum Herzogtum Kärnten des Heiligen Römischen Reiches, das in den folgenden Jahrhunderten in die Herzogtümer Kärnten (Koroška), Steiermark (Štajerska) und Krain (Kranjska) aufgespalten wurde.
Im Zuge des Aufstiegs der Habsburger Mitte des 13. Jahrhunderts wurden große Gebiete Sloweniens habsburgisch. Eine Ausnahme bildete die Grafschaft der Sanegg in Cilli (Celje), die sich durch geschickte Heiratspolitik bis zum Aussterben der Dynastie 1456 gegen die habsburgische Hegemonie behaupten konnte. Danach stand Slowenien bis zum Ende des Ersten Weltkriegs - mit einer kurzen Unterbrechung während der Napoleonischen Kriege - unter habsburgischer Herrschaft.
Das schon im 19. Jahrhundert zunehmend aufflammende Nationalbewusstsein führte 1918 dann zur Proklamation des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen; Italien besetzte daraufhin die slowenische Küstenregion, die das Königreich dann im Vertrag von Rapallo 1920 offiziell abtreten musste. 1929 wurde das Land nach einem Staatsstreich des Königs in Königreich Jugoslawien umbenannt. Dadurch verstärkte sich die schon vorher zunehmende Dominanz der Serben im Königreich, zudem litten die Slowenen unter dem Verlust ihrer Küstenregion. Zunehmend innenpolitisch zerrüttet, bewahrte sich das Land aber seine Neutralität. Am 25. März 1941 wurde der bis dahin die Regierungsgeschäfte führende Prinz Paul (seit 1934 war der minderjährige Peter II. Staatsoberhaupt, Prinz Paul war sein Onkel) von den Achsenmächten zum Mitpaktieren gezwungen. Die Militärführung putschte aber bereits zwei Tage später und setzte Kronprinz Peter II. als Machthaber ein. Die Achsenmächte betrachteten diese Vorgänge an ihrer südöstlichen Flanke als Gefahrenquelle und besetzten im April 1941 das gesamte Jugoslawien. Slowenien wurde danach unter Italien, Ungarn und Deutschland aufgeteilt. Zahlreiche Partisanenverbände formierten sich unter der königstreuen und ab der Kriegserklärung Hitlers an Stalin auch unter den kommunistischen Oppositionellen (unter der Führung Titos). Am Ende des zweiten Weltkrieges wurde nahzu die gesamte deutschsprachige Minderheit vertrieben. Hierbei kam es im Gebiet um Maribor (Marburg an der Drau)
und in den Schluchten des Hornwaldes zu Massenmorden.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde am 29. November 1945 die Demokratische Föderative Volksrepublik Jugoslawien gegründet, ab 1963 nannte sie sich Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien (SFRJ). Die wachsende Unzufriedenheit mit der Belgrader Führung während der 1980er Jahre mündete in die Unabhängigkeitserklärung Sloweniens am 25. Juni 1991. Der darauffolgende Einmarsch jugoslawischer Truppen konnte im sogenannten 10-Tage-Krieg durch die territoriale Abwehr erfolgreich abgewehrt werden, was die Verabschiedung einer demokratischen Verfassung nach europäischem Vorbild am 23. Dezember 1991 ermöglichte. Schon binnen Monatsfrist wurde der neue Staat von allen Mitgliedern der EG anerkannt. Die relativ homogene Bevölkerung und die durch die nur kurzen und wenigen Kriegshandlungen geringen Zerstörungen ermöglichten eine schnelle Stabilisierung und demokratische Entwicklung des Staats. Dies wurde mit dem Beginn der Beitrittsverhandlungen zur EU im November 1998 honoriert und mit dem Beitritt Sloweniens am 1. Mai 2004 zur Europäischen Union besiegelt.
Politik
Staatsoberhaupt der Republik Slowenien ist der Präsident, der alle fünf Jahre direkt von der Bevölkerung gewählt wird. Als Teil der exekutiven Gewalt wird er vom Ministerpräsidenten und dem Ministerrat unterstützt, die beide vom Parlament gewählt werden.
Das slowenische Parlament besteht aus zwei Kammern: Die Nationalversammlung (Državni zbor) und dem Nationalrat (Državni svet). Die Nationalversammlung setzt sich aus 90 Abgeordneten zusammen (je einer aus autochthonen Minderheiten von Italienern in Istrien, und Ungarn in der östlichen Region Prekmurje), die jeweils zum Teil durch direkte Wahl beziehungsweise durch Proportionalwahlrecht bestimmt werden. In den Nationalrat werden 40 Abgeordnete aus sozialen, wirtschaftlichen und regionalen Interessensgruppen entsandt. Die Parlamentswahlen finden alle vier Jahre statt.
Im Zuge der NATO-Osterweiterung wurde Slowenien am 29. März 2004 Mitglied der NATO.
Seit 1. Mai 2004 ist es Mitglied der Europäischen Union.
Verwaltungsgliederung
Slowenien ist in 193 Gemeinden (slowenisch občine, Sg. občina), darunter elf Stadtgemeinden, gegliedert. Allerdings wird über die Schaffung von Regionen nachgedacht.
Die elf Stadtgemeinden sind:
Siehe auch:
- Liste der Gemeinden in Slowenien
- Liste deutscher Bezeichnungen slowenischer Orte
- Verwaltungsgliederung in Slowenien
Zudem ist auch eine Gliederung in 8 historische Landschaften (vor 1918 Kronländern) gebräuchlich:
Infrastruktur
Slowenien besitzt eine ausgezeichnet entwickelte Infrastruktur mit einem modernen Autobahnnetz.
Der internationale Flughafen der Hauptstadt heißt Brnik und liegt in der Nähe der Hauptstadt. Es gibt noch zwei kleinere internationale Flughäfen, und zwar Maribor und Portorož. Entlang der Save verläuft die Eisenbahn von Deutschland und Österreich auf den Balkan. Eine weitere wichtige Eisenbahnverbindung verläuft von Italien nach Ungarn.
Wirtschaft
Ein wichtiger Wirtschaftszweig Sloweniens ist der Tourismus, der sich vor allem auf die Alpen, Ljubljana, die Adria und andere Sehenswürdigkeiten wie die Höhlen von Postojna konzentriert.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug im Jahr 2002 21,905 Mrd. €, das bedeutet pro Kopf 11.709 €. Die Auslandsverschuldung belief sich 2002 auf 3968 Millionen Euro. Das reale Wachstum betrug 2002 3,2 % (2001: 3,0 %). Die Inflationsrate ist immer noch relativ hoch und betrug im Jahr 2002 7,5 % (2001: 8,4 %). Die Arbeitslosenquote konnte von 2001 auf 2002 von 6,4 % auf 6,0 % reduziert werden. Momentan (2005) hat Slowenien eine Inflation von 2,0 % und ein geschätztes Wirtschaftswachstum von 3,7 %.
Slowenien gehört innerhalb der EU zu den Nettoempfängern.
Karte Sloweniens
Kultur
Schriftsteller
- France Prešeren (1800-1849)
- Fran Saleški Finžgar (1871-1962)
- Fran Ksaver Meško (1874-1964)
- Ivan Cankar (1876-1918)
- Oton Župančič (1878-1949)
- France Bevk (1890-1970)
- Juš Kozak (1892-1964)
- Prežihov Voranc (1893-1950)
- Edvard Kocbek (1904-1981)
- Alojz Rebula ( - 1924)
- Drago Jančar
- Boris Pahor
- Ales Debeljak
- Kajetan Kovič -
- Žarko Petan
Feiertage
Literatur
- Steven W. Sowards: Moderne Geschichte des Balkans. Der Balkan im Zeitalter des Nationalismus, BoD 2004, ISBN 3-8334-0977-0
Weblinks
- [http://www.sigov.si Offizielle Seite der Republik Slowenien]
- [http://www.stat.si Statistični urad Republike Slovenije - Statistisches Amt der Republik Slowenien]
- [http://www.monde-diplomatique.de/pm/2002/12/13.mondeText.artikel,a0033.idx,9 Einige Zahlen zu Slowenien aus dem Jahr 2002 (Le monde diplomatique)]
- [http://www.destatis.de/download/d/veroe/laenderprofile/lp_slowenien.pdf Länderprofil Slowenien des Statistischen Bundesamts]
Kategorie:Staat
Kategorie:Land in der EU
als:Slowenien
fiu-vro:Sloveeniä
ja:スロベニア
ko:슬로베니아
ms:Slovenia
th:ประเทศสโลวีเนีย
zh-min-nan:Slovenia
Serbien
Serbien (serb. Србија/Srbija ) ist eine Republik in Südosteuropa und Mitglied der Staatengemeinschaft Serbien und Montenegro. Die offizielle Bezeichnung lautet Republik Serbien (Република Србија/Republika Srbija). Der Nationalfeiertag ist der 15. Februar.
Der Landescode nach ISO 3166-1 lautet: CS für Serbien und Montenegro (früher YU).
Nachbarländer sind Montenegro, Albanien, Mazedonien, Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Kroatien und Bosnien und Herzegowina.
Geographie
Bosnien und Herzegowina
Der nördliche Teil Serbiens gehört zur Pannonischen Tiefebene, der südliche Teil des Landes wird zum großen Teil von mehreren Mittelgebirgszügen eingenommen, die eine Verbindung zwischen dem Dinarischen Gebirge im Westen und dem Balkan-Gebirge im Osten bilden.
Hydrographisch gehört der größte Teil Serbiens zum Einzugsbereich der Donau, die in ihrem Mittellauf auf einer längeren Strecke das Land durchquert. Die wichtigsten Donaunebenflüsse in Serbien sind die Save (in die wiederum die Drina mündet), die Morava, die Theiß und der Timok. Lediglich der äußerste Südwesten des Landes wird durch den Weißen Drin zur Adria hin entwässert.
Die größte Insel Serbiens ist die 60 km² große Flussinsel Ostrvo in der Donau östlich von Belgrad bei Kostolac.
Die 12 längsten Flüsse in Serbien:
- Donau (serb. Dunav) 588 km (gesamt 2783 km)
- Zapadna Morava 308 km (gesamt 308 km)
- Južna Morava 295 km (gesamt 295 km)
- Ibar 272 km (gesamt 272 km)
- Drina 220 km (gesamt 346 km)
- Save 206 km (gesamt 945 km)
- Timok 202 km (gesamt 202 km)
- Velika Morava 185 km (gesamt 185 km)
- Theiß (serb. Tisa)168 km (gesamt 966 km)
- Nišava 151 km (gesamt 218 km)
- Tamiš 118 km (gesamt 359 km)
- Kolubara 110Km (gesamt 110 Km)
- Begej 75 km (gesamt 244 km)
Die 6 größten Seen Serbiens:
- Djerdapsee (serb. Đerdapsko jezero) 163 km² (gesamt 253 km²)
- Vlasinasee (serb. Vlasinsko jezero) 16 km²
- Perućacsee (serb. Perućko jezero) 12,4 km²
- Gazivodesee (serb. Gazivode jezero) 11,9 km²
- Zvorniksee (serb. Zvorničko jezero) 8,1 km²
- Zlatarsee (serb. Zlatarsko jezero) 7,25 km²
Die 9 höchsten Gipfel Serbiens:
- Đeravica 2.656 m
- Crni vrh 2.585 m
- Gusam 2.539 m
- Bogdaš 2.533 m
- Žuti kamen 2.522 m
- Ljuboten 2.498 m
- Veternik 2.461
- Crni krš 2.426 m
- Hajla 2.403 m
Geschichte
Hajla
Hauptartikel: Geschichte Serbiens, Geschichte Serbiens/19. Jahrhundert bis heute
Die erste namentliche Erwähnung der Serben findet sich beim griechischen Historikern, welche den Großteil der einfallenden slawischen Stämme unter dem Sammelbegriff der Serben bezeichnet haben. Bekannt ist hieraus, daß der ein gentildemokratisch gewählter Wojwode namens Višeslav 522 die Serben aus ihrer, heute ostdeutschen Urheimat, der Lausitz, nach Süden geführt habe. Erstmalige urkundliche Erwähnung findet der Staat Serbien angeblich im Jahre 822 bei Einhard, dem Biographen Karls des Großen. Außerdem bezog sich ein Schreiben des byzantinischen Kaisers Konstantin VII. Porphyrogenitus im 10. Jahrhundert darauf, daß die Serben bereits seit der Mitte des 7. Jahrhunderts auf dem Balkan lebten.
Im Jahre 622 erreichten sie die südlichen Gebiete Griechenlands, wo sie in manchen Teilen, wie z.B. im Taygetosgebirge des Chalkidiki, bis ins 14.Jhdt. als Sprachinseln erhalten blieben.
Serbien stand von seinen Anfängen bis zu seiner endgültigen Unabhängigkeit 1878 lange Zeit unter dem Einfluss des Byzantinischen beziehungsweise Osmanischen Reichs - teils war es Vasallenstaat, teils dem osmanischem Reich völlig einverleibt.
Eine Ausnahme bildete die Zeit des unabhängigen Serbischen Reichs (1180 - bis etwa 1389).
Im Ersten Balkankrieg 1912-1913 besiegte das Bündnis aus Serbien, Bulgarien, Griechenland und Montenegro das Osmanische Reich. Dieses verlor durch den Vertrag von London vom Mai 1913 fast alle seine europäischen Besitzungen. Bulgarien auf der einen und Serbien und Griechenland auf der anderen Seite gerieten jedoch in heftigen Streit um die Aufteilung des von ihnen eroberten Mazedonien. Daraufhin unternahm am 29. Juni ein bulgarischer General ohne Befehl einen Angriff auf Serbien. So kam es zum Zweiten Balkankrieg, in dem Serbien gemeinsam mit Griechenland, Rumänien und dem Osmanischen Reich Bulgarien angriff. Konfrontiert mit dieser Übermacht blieb Bulgarien nur die Kapitulation. Es musste im Vertrag von Bukarest vom August 1913 seine im Ersten Balkankrieg gewonnenen Territorien wieder abtreten.
Infolge der Balkankriege wurde der nordwestliche Teil Makedoniens serbisch.
Am Ende des Ersten Weltkrieges entstand 1918 aus Serbien, dem bis dahin unabhängigen Montenegro sowie den meisten südslawisch besiedelten Ländern Österreich-Ungarns das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, das sich ab 1929 Jugoslawien nannte. Innere Konflikte des monarchischen Staates wurden durch die Ermordung des serbischen Königs Alexander zusammen mit dem französischen Außenminister in Marseilles Mitte der 30-er Jahre zu einem Erstarken anderer nationaler Bewegungen. Diese, darunter die kroatische Ustaša-Bewegung, annektierte ab 1941 mit der Hilfe der Achsenmächte weite Territorien Serbiens im Norden inklusive der Stadt Novi Sad und auch sonst aller serbisch besiedelten Gebiete in Bosnien und der Herzegowina.
Möglich gemacht wurde das jedoch erst durch eine folgenschwere Unterschrift der damaligen Regierung unter Cvetković und Maček für ein Bündnis mit dem Deutschen Reich, was seinerseits Anfang April 1941 einen Volksaufstand in der serbischen Hauptstadt Belgrad auslöste. Nur Tage danach, am 6.April 1941 bombardierte der österreichische Nazi-General Alexander Löhr die Stadt und forderte rund 20.000 zivile Opfer. Serbien wurde dem General Böhme unterstellt, der dort schneller als sonst wo die Judenvernichtung vorantrieb. Während des Zweiten Weltkriegs war Serbien ideologisch geteilt zwischen kommunistischen und monarchistischen Bewegungen, von denen die letztere unter Minister Nedić kritiklos den Serbenmord (100 Zivilisten für einen Wehrmachler) der deutschen und kroatischen Okkupatoren hinnahm und offen mit den Nazis kollaborierte. Mit dem zweitwichtigsten Četnik-Führer Ljotić war die Spitze der Quisling-Gruppen erklommen worden, denn dieser beteiligte sich sogar an militärischen Aktionen der Wehrmacht zum Schaden der eigenen Bevölkerung.
Bis 2003 blieb Serbien Teil Jugoslawiens, von 1992 an nur noch zusammen mit Montenegro, mit dem es seit 2003 den Staatenbund Serbien und Montenegro bildet.
Politik
1992
1992
Serbien ist einer der beiden letzten aus Jugoslawien hervorgegangenen Staaten. Nach dem Zerfall der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien (SFRJ) bildeten Serbien und Montenegro ab 1992 zunächst die Bundesrepublik Jugoslawien. Diese wurde durch Parlamentsbeschluss des damaligen Bundesparlaments am 4. Februar 2003 aufgelöst und durch den losen Staatenbund zweier unabhängiger Staaten namens Serbien und Montenegro (Srbija i Crna Gora) abgelöst.
Parteien in Serbien sind die SRS (Serbische Radikale Partei, rechtsnational), DSS (Demokratische Partei Serbiens, Zentrum), G17-Plus (liberal), DS (Demokratische Partei, liberal), SPS (Sozialistische Partei Serbiens), SPO (Serbische Erneuerungsbewegung, parlamentarisch-monarchistisch), NS (Neues Serbien, Zentrum) und andere. Bei den Wahlen am 28. Dezember 2003 kandidierten insgesamt 19 Listen, manche davon aus mehreren Parteien bestehend.
Im Herbst 2003 brach die bisherige Regierungskoalition unter dem Namen DOS (Demokratische Oppositition Serbiens) auseinander, so dass es am 28. Dezember 2003 zu Neuwahlen kam. Mit knapp 28% der Stimmen beziehungsweise etwa 35% der Parlamentssitze wurde die SRS, geleitet von Vojislav Šešelj, gegen den in Den Haag seit 24. Februar 2003 ein Gerichtsverfahren läuft, stärkste Partei, blieb jedoch in der Opposition.
Denn nach etwa zweimonatigen Verhandlungen bildete der demokratische Block eine Minderheitsregierung bestehend aus DSS, G17+, SPO-NS (unter Ausnahme der DS). Zunächst war diese Regierung partiell auf parlamentarische Unterstützung durch Miloševićs SPS angewiesen, was auch als Destabilisierungsfaktor gesehen wurde. Stabilisieren konnte sich die Regierungskoalition Ende September 2005, als die muslimische Sandžak-Partei dem Kabinett beitrat.
Mitte März 2004 verübten ethnische Albaner schwere Pogrome gegen die im Kosovo lebende serbische Minderheit. Dabei wurden über 4.000 Menschen vertrieben, 19 getötet, 1.000 Häuser in Brand gesteckt, 27 serbisch-orthodoxe Kirchen und Klöster zerstört.
Am 30. März 2004 wurde ein kontroverses Gesetz erlassen, durch welches die Republik Serbien verpflichtet ist, Angeklagten vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag alle Spesen zu ersetzen. Allerdings wurde drei Tage darauf ein Erlass veröffentlicht, wonach sich dieses Gesetz nicht auf die Familie von Slobodan Milošević erstreckt.
Am 27. Juni 2004 wurde ein neuer Präsident gewählt, nachdem mehrere vorangegangene Versuche wegen zu niedriger Wahlbeteiligung gescheitert waren. Die Beteiligung musste über 50% betragen; diese Quote wurde jedoch nie erreicht. Nach Abschaffung der 50%-Hürde gewann der liberale und Europa zugewandte Reformer Boris Tadić von der DS gegen Tomislav Nikolić von der nationalistischen Radikalen Partei mit 53,24% der Stimmen die Präsidentschaftswahl.
Am 17. August 2004 hat die serbische Nationalversammlung einstimmig das frühere königliche Wappen und die Hymne Bože Pravde des 19. Jahrhunderts als zu verwendende nationale Symbole vorgeschlagen, jedoch nur provisorisch, bis eine endgültige Lösung bestimmt wird. Die Hymne und das Wappen aus Zeiten der serbischen Monarchie sollen die letzten kommunistischen Symbole ersetzen. Das Wappen zeigt einen doppelköpfigen silbernen Adler, ein silbernes Kreuz und eine Krone.
Politische Gliederung
19. Jahrhundert
Innerhalb Serbiens existieren die autonomen Provinzen (serb. autonomne pokrajine) Vojvodina und Kosovo (albanisch: Kosova, amtliche serbische Bezeichnung: Kocoвo и Meтoхиja / Kosovo i Metohija, deutsch Kosovo und Metochien, als Kurzform Kosmet), die von 1974 bis 1989 eine weitgehende Selbständigkeit innerhalb Serbiens und Jugoslawiens besaßen. Unter Slobodan Milošević wurde die Autonomie der beiden Provinzen auf den Status vor der Verfassungsänderung von 1974 zurückgestuft, was vor allem im Kosovo zu Protesten führte. Seitdem wurden die Provinzregierungen nicht mehr gewählt, sondern von der Zentralregierung ernannt.
Mit der Wende vom 5. Oktober 2000 wurde beschlossen, dass das Regionalparlament der Vojvodina von den Bürgern Vojvodinas direkt und demokratisch gewählt werden kann.
Kosovo steht seit Juni 1999 unter UN-Verwaltung (UNMIK), ist jedoch völkerrechtlich weiterhin ein Teil Serbiens.
Derjenige Teil Serbiens (mehr als die Hälfte des Landes), der nicht zu diesen beiden Provinzen gehört, bildet keine eigene politische Einheit, deshalb gibt es auch keine offizielle Bezeichnung für ihn. Informell sind die Bezeichnungen Engeres Serbien (serbisch uža Srbija) und Zentralserbien gebräuchlich.
Zu administrativen Zwecken ist Serbien in 30 Bezirke (serb. Okrug) gegliedert (einschließlich der Stadt Belgrad). 18 Bezirke liegen im Engeren Serbien, 7 in der Vojvodina und 5 im Kosovo. (näheres siehe: Bezirke Serbiens)
Die örtlichen Selbstverwaltungseinheiten in Serbien sind die opštine (Sg. opština, wörtlich Gemeinde, der Größe nach oft eher Landkreise). Von diesen gibt es 108 im Engeren Serbien, 54 in der Vojvodina und 30 im Kosovo.
Bezirke
Bezirke Serbiens
Bezirke Serbiens
Bezirke Serbiens
im engeren Serbien:
- Bezirk Belgrad (Beograd) (Београдски округ)
- Bor (Борски округ)
- Braničevo (Браничевски округ)
- Jablanica (Јабланички округ)
- Kolubara (Колубарски округ)
- Mačva (Мачвански округ)
- Moravica (Моравички округ)
- Nišava (Нишавски округ)
- Pčinja (Пчињски округ)
- Pirot (Пиротски округ)
- Podunavlje (Подунавски округ)
- Pomoravlje (Поморавски округ)
- Raška (Рашки округ)
- Rasina (Расински округ)
- Šumadija (Шумадијски округ)
- Toplica (Топлички округ)
- Zaječar (Зајечарски округ)
- Zlatibor (Златиборски округ)
in der Vojvodina:
- Severna Bačka (Северно-Бачки округ)
- Južna Bačka (Јужно-Бачки округ)
- Zapadna Bačka (Западно-Бачки округ)
- Severni Banat (Северно-Банатски округ)
- Srednji Banat (Средње-Банатски округ)
- Južni Banat (Јужно-Банатски округ)
- Srem (Сремски округ)
im Kosovo:
- Kosovo (Косовски округ)
- Kosovo-Pomoravlje (Косовско-Поморавски округ)
- Kosovska Mitrovica (Косовско-Митровачки округ)
- Peć (Пећки округ)
- Prizren (Призренски округ)
Bevölkerung
Prizren
Die Zusammensetzung der Bevölkerung ist in den drei Landesteilen sehr unterschiedlich.
Im Engeren Serbien leben zum allergrößten Teil Serben, daneben auch Roma und Vlachen. In der Region von Stari Ras bzw. Sandschak lebt auch eine größere Minderheit von Bosniaken, im Preševo-Tal im südlichsten Zipfel des Engeren Serbiens eine albanische Minderheit.
Die Vojvodina ist schon seit Jahrhunderten geprägt durch ein buntes Völkergemisch - vor allem aus Serben, Ungarn, Slowaken, Kroaten, Roma, Juden und früher auch etwa 200.000 bis 350.000 Deutschen, die nach dem 2. Weltkrieg vertrieben wurden).
Das Kosovo wird von Albanern dominiert. Ergab die im Jahr 1981 durchgeführte Volkszählung noch einen albanischen Bevölkerungsanteil von 80%, gehen die Schätzungen nach dem Kosovo-Krieg von über 90% aus. Viele zuvor dort wohnende Serben, wie auch Angehörige anderer Minderheiten, etwa Roma, Bosniaken, | | |