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BalkankriegeAls Balkankriege werden zwei Kriege der Völker der Balkanhalbinsel im Vorfeld des Ersten Weltkriegs bezeichnet. Gelegentlich werden auch der Balkankonflikt, Jugoslawienkrieg oder Kosovokrieg als Balkankrieg bezeichnet (siehe unten bei „Dritter Balkankrieg“ Ende des 20. Jahrhunderts).
Erster Balkankrieg 1912
1912 war das Osmanische Reich durch die Revolution der Jungtürken 1907/1908 sowie den Italienisch-Türkischen Krieg 1912 geschwächt. In dieser Situation ergriffen die Balkanbundstaaten Serbien, Griechenland, Montenegro und Bulgarien die Gelegenheit, um die restlichen verbliebenen osmanischen Provinzen auf dem Balkan zu erobern. Am 8. Oktober 1912 erklärte Montenegro der Türkei den Krieg, die Bündnispartner folgten wenige Tage später.
In weniger als zwei Monaten verlor die Türkei fast ihre gesamten europäischen Besitzungen an die Balkanstaaten. Während Griechenland weiterhin Krieg gegen die Türkei führte, schlossen am 3. Dezember Serbien, Montenegro und Bulgarien einen Waffenstillstand mit den Osmanen. Die Friedensbedingungen wurden von der Türkei jedoch als unzumutbar abgelehnt. Zudem kam es in der Türkei Anfang 1913 zu einem Staatsstreich, sodass die Kämpfe wieder auflebten. Am 19. April erreichten die Türken einen erneuten Waffenstillstand.
Unter Vermittlung der europäischen Großmächte wurde am 30. Mai in London der Londoner Vertrag geschlossen, der den Krieg beendete. Die Türken verzichteten auf alle europäischen Gebiete westlich der Linie zwischen Midia am Schwarzen Meer und Enos an der Ägäisküste, die Insel Kreta kam zu Griechenland.
Ein weiteres Resultat des Krieges war die Unabhängigkeit Albaniens (siehe auch Geschichte Albaniens). Sie war von Vertretern der albanischen Nationalbewegung am 28. November 1912 in Vlora ausgerufen worden. Die Sieger des Ersten Balkankriegs waren aber vorläufig nicht bereit, den neuen Staat anzuerkennen. Griechenland, Serbien und Montenegro erhoben Anspruch auf große Teile der albanisch besiedelten Gebiete.
Zweiter Balkankrieg 1913
Vlora
Unstimmigkeiten bei der Verteilung der eroberten türkischen Gebiete, insbesondere von Makedonien, führten schließlich noch im selben Jahr zum Zweiten Balkankrieg. Am 29. Juni 1913 unternahm ein bulgarischer General ohne Befehl einen Angriff auf Serbien. Die bulgarische Regierung bestritt den Vorfall. Am 8. Juli erklärten Serbien und Griechenland gemeinsam Bulgarien den Krieg. Kurz darauf folgten Montenegro und Rumänien sowie auch das Osmanische Reich, das hoffte, dadurch einen Teil seiner im Ersten Balkankrieg verlorenen Gebiete zurückgewinnen zu können.
Angesichts dieser Übermacht blieb Bulgarien nur die Kapitulation. Am 10. August wurde mit dem Frieden von Bukarest ein Friedensabkommen unterzeichnet. Bulgarien musste einen Großteil seiner Gewinne aus dem Ersten Balkankrieg wieder abgeben. Gut 7.500 km² wurden Rumänien zugesprochen. Makedonien wurde fast vollständig unter Griechenland und Serbien aufgeteilt.
Die Folgen Anfang des 20. Jahrhunderts
Die Balkankriege waren Wegbereiter für den etwa ein Jahr später ausgelösten Ersten Weltkrieg. Aus den Friedensverhandlungen ging Serbien als politisch gestärkte Macht hervor. Dies führte zu Spannungen mit dem benachbarten Österreich-Ungarn, das 1908 Bosnien und Herzegowina formlos annektiert hatte. Serbische wie bosnisch-serbische Nationalisten strebten die Verdrängung Österreich-Ungarns vom Balkan an. Am 28. Juni 1914 wurde schließlich der österreichische Erzherzog und Thronfolger Franz Ferdinand bei einem Attentat, welches von Gavrilo Princip, einem jungen Serben, in Sarajevo ausgeführt wurde, ermordet. Das Attentat von Sarajewo gilt als der Auslöser des Ersten Weltkriegs.
Literatur
- Katrin Boeckh, Von den Balkankriegen zum Ersten Weltkrieg. Kleinstaatenpolitik und ethnische Selbstbestimmung am Balkan, München 1996. Oldenbourg Verlag; ISBN 3-486-56173-1
„Dritter Balkankrieg“ Ende des 20. Jahrhunderts
Siehe dazu Balkankonflikt, Jugoslawienkrieg und Kosovokrieg.
Siehe auch
- Liste von Kriegen
- Liste von Schlachten
Kategorie:Türkische Militärgeschichte
Kategorie:Balkan
Kategorie:Bulgarische Geschichte
Kategorie:Rumänische Geschichte
Kategorie:Serbische Geschichte
Kategorie:Geschichte Montenegros
Kategorie:Geschichte Mazedoniens
Kategorie:Griechische Geschichte
Kategorie:Osmanisches Reich
Kategorie:Albanische Geschichte
ja:バルカン戦争
Krieg
Krieg ist ein militärisch ausgetragener Konflikt zwischen Staaten und/oder planmäßig vorgehenden, bewaffneten nichtstaatlichen Kollektiven. Seine Formen sind vielfältig und nicht unbedingt an Staatssysteme gebunden: Er kann beispielsweise als Bürgerkrieg, Unabhängigkeitskrieg oder bewaffneter Konflikt auch innerhalb von Staaten stattfinden, zum Weltkrieg oder zum Völkermord werden.
Völkermord
Begriff
Das Wort "Krieg" bedeutet ursprünglich „Hartnäckigkeit“, „Anstrengung“, „Streit“. Das Verb „kriegen“ heißt einerseits „Krieg führen“, andererseits „bekommen, erhalten“: Dies kann Herkunft und Charakter dieser kollektiven Gewaltanwendung anzeigen. Auch wo andere Kriegsanlässe im Vordergrund stehen, fehlt selten ein ökonomischer Hintergrund. In der Sprache Sanskrit bedeutet Krieg "Wunsch nach mehr Kühen".
Während individuelles oder kollektives Rauben und Töten von Menschen heute generell als Verbrechen gilt und in einem Rechtsstaat strafbar ist, wird „Krieg“ nicht als gewöhnliche Kriminalität betrachtet, sondern als bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Kollektiven, die sich dazu legitimiert sehen. Damit hebt ein Krieg die zivilisatorische Gewaltbegrenzung auf eine Exekutive, wie sie der Rechtsstaat als Regelfall voraussetzt, partiell oder ganz auf: Es stehen sich bewaffnete Armeen gegenüber, die ganze Völker oder Volksgruppen repräsentieren. Diese sind damit Kriegspartei.
Kriegsparteien beurteilen ihre eigene Kriegsbeteiligung immer als notwendig und gerechtfertigt. Ihre organisierte Kollektivgewalt bedarf also einer Legitimation. Krieg als Staatsaktion erfordert daher ein Kriegsrecht im Innern eines Staates sowie ein Kriegsvölkerrecht zur Regelung zwischenstaatlicher Beziehungen. Dieses unterscheidet vor allem Angriffs- von Verteidigungskrieg.
Typen
Kriege lassen sich in verschiedene Grundtypen einordnen:
Ein zwischenstaatlicher Krieg findet in der Regel zwischen zwei oder mehreren Staaten statt. Dazu gehört der Koalitionskrieg: Mehrere Staaten verbinden sich zu einer gemeinsam agierenden Kriegspartei. Ist ein Land bereits besetzt und seine Regierung entmachtet, kann der Kampf zwischen Staaten als Partisanen- oder Guerillakrieg zwischen Bevölkerung und feindlicher Staatsarmee fortgesetzt werden: Nichtreguläre Streitkräfte kämpfen militärisch gegen die Armee einer Besatzungsmacht.
In einem Bürgerkrieg dagegen kämpfen verschiedene Gruppen innerhalb eines Staates, teilweise auch über Staatsgrenzen hinweg, aber nicht staatlich organisiert. Auch dieser kann mit nichtregulären Streitkräften, "Privatarmeen" und/oder Söldnern gegen die Armee der eigenen Staatsregierung geführt werden.
In einem Unabhängigkeitskrieg kämpft ein Volk um einen eigenen Staat: z. B. als Dekolonisationskrieg gegen eine Kolonialmacht, als Sezessionskrieg für die Loslösung eines Teilgebiets vom Staatsverband oder als Krieg um Autonomie für eine regionale Autonomie innerhalb eines Staates. Bei diesen Arten handelt es sich oft um die Folge eines Nationalitätenkonflikts.
Diese Typologie ist nicht eindeutig, da real zahlreiche Misch- und Übergangsformen vorkommen. Der heutige „Krieg gegen den Terror“, den die USA nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ausgerufen haben, ist darin ein Sonderfall. Er lässt sich weder als zwischenstaatlicher Krieg noch als Bürgerkrieg einordnen, sondern gilt als asymmetrischer Konflikt: Eine Staatenkoalition (Koalitionskrieg) kämpft gegen eine als weltweite Kriegspartei auftretende terroristische Gruppierung (Partisanen- oder Guerillakrieg, wobei die Eigensicht - Kriegspartei - der Außensicht - Gruppenkriminalität - widerspricht). Dabei verfolgen beide Parteien auf strategischer, taktischer und operativer Ebene unverkennbar bestimmte Ziele: politische Hegemonie, ideologische Vorherrschaft, wirtschaftliche Vorteile.
Weitere Sonderformen sind unter Anderem die Fehde, Bandenkriege und Wirtschaftskriege.
Verlaufsschema
Kriege werden innerhalb eines Verbandes immer auf drei Ebenen mit unterschiedlicher Entscheidungsgewalt organisiert:
- die strategische Ebene: Hier wird entschieden, ob, warum und wozu ein Krieg geführt wird. Strategische Entscheidungen werden meist von führenden Politikern oder den ranghöchsten Militärpersonen eines Kollektivs getroffen.
- die taktische Ebene: Hier wird entschieden, wie der Krieg geführt wird. Diese Entscheidungen werden meist von Personen getroffen, die innerhalb des Verbandes militärische Führungskompetenz erworben haben.
- die operative Ebene: Hier sollen Personen die innerhalb der übergeordneten Ebenen getroffenen Entscheidungen ausführen. Die meisten Kriegsteilnehmer agieren auf dieser Ebene.
Der allgemeine Ablauf einer Kriegsentscheidung kann in vier Phasen eingeteilt werden, die sich im Krieg wie ein Kreislauf ständig wiederholen:
- Orientierung: Der kriegerische Verband sucht im Gebiet seines (potentiellen) Gegnerkollektivs oder seiner Gegner nach möglichen Angriffszielen.
- Observierung: Das nähere Umfeld eines ausgewählten Kriegsziels wird auf Verteidigungsmaßnahmen des Gegnerverbands hin untersucht.
- Entscheidung: Der kriegerische Verband trifft aufgrund der gewonnenen Informationen eine Entscheidung darüber, ob ein Angriff erfolgt oder nicht.
- Handlung: Der kriegerische Verband führt nach getroffener Entscheidung einen Angriff auf seinen Gegner durch.
Der kriegerische Verband, der diesen Kreislauf - auch OOEH-Schema genannt - ungestört durchführen kann, ist in der Offensive. Ein Verband, der selber nicht zu einem vollständigen OOEH-Entscheidungskreislauf in der Lage ist, versucht diesen bei seinem Gegner mit Hilfe von geeigneten Verteidigungsmaßnahmen zu unterbrechen. Er befindet sich also in der Defensive.
Hauptursachen
Beim Krieg sind die vordergründigen Kriegsanlässe von den tieferen Kriegsursachen zu unterscheiden. Die meisten Kriege lassen sich auf einige Hauptursachen zurückführen. Dazu gehören vor allem:
- wirtschaftliche Vorteile, Ressourcenmangel
- politisches und/oder ideologisches Hegemoniestreben (z.B. Dschihad)
- drohender Verlust von Einfluss in besetzten bzw. annektierten Gebieten
- mangelnde Wehrhaftigkeit gegenüber möglichen Angreifern, die diese zum Krieg einladen (passive Kehrseite von aktivem Hegemoniestreben) Auch als "Machtvakuum" bezeichnet.
- ethnische Konflikte
- Nationalismus
- religiöser Fanatismus, Dogmatismus oder auf Krieg basierende Rituale in verschiedenen Religionskriegen (z.B. Dschihad im Islam, Kreuzzüge im Christentum, „Blumenkriege“ der Azteken)
- Ablenkung von innenpolitischen Missständen, um Bevölkerung und Staatsführung zusammenzuschweißen
- struktureller Militarismus, also die Abhängigkeit einer Wirtschaftsordnung vom Kriegführen zwecks Absatz militärischer Produkte.
Krieg ist jedoch selten monokausal zu erklären: Viele der hier genannten ökonomischen, politischen, ideologischen, religiösen und kulturellen Kriegsgründe spielen in der Realität zusammen, bedingen sich gegenseitig und gehen ineinander über. Darum lässt sich der Kriegsbegriff auch nicht auf militärische Aggressionshandlungen einengen. Diese durchlaufen fast immer eine Vorbereitungsphase: Krieg beginnt in der Regel im "Frieden". Wirklicher Frieden ist also mehr als die Abwesenheit von Krieg.
Geschichte
Antike und europäisches Mittelalter
Frieden
Raubkriege begleiten die menschliche Kulturgeschichte seit jeher. Für vorstaatliche Stammesgesellschaften war ein bewaffneter Raubzug oft Mittel des Überlebens und Machterwerbs zugleich. Die Frühzeit dieser Stammesfehden entsprach in etwa dem, was heute als Bewaffneter Konflikt gilt: Kleinere lokale Gruppen bekämpften sich in oft spontaner, ungeplanter Form und mit ständig wechselnden Allianzen.
Erst mit dem Aufkommen von staatsähnlichen Gebilden, die im Altertum fast immer Monarchien waren, entstanden speziell zum Kämpfen abgestellte Heere. Die Machthaber bedienten sich der Heere in Konflikten, die von ihnen als persönliches Duell verstanden wurden.
Die herrschenden Oberschichten der Zeit sahen den Krieg als Normalzustand an. Der darauf folgende Friede bedurfte besonderer Vertragsschlüsse. Im Griechenland des 4. vorchristlichen Jahrhunderts gab es infolge der Entwicklung nach dem Peloponnesischen Krieg, der die Polis-Ordnung Griechenlands destabilisiert hatte, dagegen mehrere Versuche, durch die Idee des Allgemeinen Friedens eine dauerhafte Friedensordnung zu begründen.
Antike Großreiche entstanden oft aus organisierten Raubzügen. Sie stellten die eroberten Gebiete unter Tributzwang, versklavten oder deportierten Teile der Bevölkerung. Sie setzten militärische Siege in eine dauerhafte Herrschaft um. Auch das römische Reich besetzte die eroberten Gebiete und nutzte sie ökonomisch aus. Die Pax Romana der römischen Kaiserzeit beruhte auf ständiger militärischer Präsenz.
Kriege und Bürgerkriege stellten auch später weiterhin einen Normalzustand dar. Dabei durchlief die Kriegsführung unterschiedliche Phasen. Die Waffentechnologie entwickelte sich dort am schnellsten weiter, wo Herrscher über Mittel und Absichten zum Krieg verfügten.
Im Gefolge der Reformation zerfiel die relativ stabile Einheit des Mittelalters, das Heilige Römische Reich unter Führung von Kaiser und Papst. Die Verbindung von konfessionellen und machtpolitischen Gegensätzen führte schließlich zum Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648. Dabei gingen angekündigte Feldschlachten oft mit Raubzügen, Plünderungen und Massakern an der Zivilbevölkerung einher. Im Verlauf starb etwa ein Drittel der mitteleuropäischen Bevölkerung, sei es durch unmittelbare Kriegswirkungen, sei es durch Kriegsfolgen wie Missernten und eingeschleppte Seuchen.
Diese Geschehnisse bewirkten einen Gesinnungswandel. Der Westfälische Frieden 1648 brachte zum ersten Mal das Prinzip der Nichteinmischung in die Angelegenheiten fremder Staaten in die Diskussion. Der Krieg entwertete den Anspruch, religiöse Standpunkte mit Waffengewalt durchzusetzen. Der Westfälische Friede leitete in Europa die Trennung von Politik und Religion ein.
Die darauf folgende vergleichsweise friedliche Periode begünstigte die Aufklärung. Aus der Idee der allgemeinen Menschenrechte entwickelte sich die Idee des gehegten Krieges im zivilen Rahmen. Hatte seit Augustinus von Hippo die kirchliche Lehre vom gerechten Krieg die Kriterien zur Legitimation geliefert, so übernahmen dies nun aufgeklärte Juristen wie Hugo Grotius. Machthaber folgten den Kriterien vor allem aus pragmatischen und finanziellen Gründen. Frieden als Ziel der Politik wurde denkbar und streckenweise auch erreicht: etwa in der Epoche nach dem Wiener Kongress 1815.
Die moderne Form des Krieges setzte Nationalstaaten voraus, die über ein Steueraufkommen und Militärbudget verfügen und damit eine stehende Armee aufstellen können. Die Entwicklung führte zu immer größeren Armeen mit immer stärkeren Waffen und entsprechend höheren Opferzahlen.
Im 19. Jahrhundert finden sich auch erste Ansätze zur Begrenzung und Regulierung von bewaffneten Konflikten, die sich als modernes Völkerrecht etablierten. Daraus abgeleitet wurde auch das kodifizierte Kriegsrecht und das Kriegsvölkerrecht (siehe [http://www.fak4.ch/truppeninfo/kriegsvoelkerrecht.htm hier]). Seine bedeutendsten Errungenschaften vor 1914 waren:
- die Genfer Konvention von 1864, die vor allem die humane Versorgung von Kriegsopfern vorsah;
- die Haager Landkriegsordnung von 1907, die erstmals strikt zwischen Zivilisten und Kombattanten trennte und in Artikel 22 den revolutionären Satz festschrieb ([http://www.brandtcomputer.de/Voelkerrecht/Texte/1910_107.html]): „Die Staaten haben kein unbegrenztes Recht in der Wahl der Mittel zur Schädigung des Feindes.“
Die Kriegsgründe blieben bei dieser Kodifizierung des Kriegsverlaufs ausgeklammert, und die Wahl der Mittel wurde ebenfalls noch nicht verbindlich geregelt.
Das Zeitalter der Weltkriege
Kombattant, 1919]]
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Kombattant eingebrannter Schatten einer Person und einer Leiter]]
Kombattant
Im Ersten Weltkrieg führte der Einsatz von Panzern, U-Booten, Giftgas sowie die totale Kriegswirtschaft zu einem neuen Gesicht des Krieges. Feld- und Seeschlachten forderten Millionen Todesopfer und Abermillionen von Schwerverletzten.
Die bisherige europäische Bündnis-, Gleichgewichts- und Vertragspolitik mit ihrer Doppelstrategie von Hochrüstung und Diplomatie war nicht zuletzt am Konkurrenzkampf um Kolonien gescheitert. Darum wurde vor allem auf Initiative des US-Präsidenten Woodrow Wilson nach 1918 versucht, eine internationale Konfliktregelung zu institutionalisieren. Die Gründung des Völkerbunds stellte den Frieden als gemeinsames Ziel der Staaten heraus und gab dem Völkerrecht eine organisatorische Basis.
Der Briand-Kellogg-Pakt zur Ächtung des Angriffskrieges war ein weiterer Schritt, um nicht nur den Kriegsverlauf, sondern die Staatssouveränität bei der Entscheidung zum Krieg zu begrenzen und den Verteidigungskrieg international akzeptierten Kriterien zu unterwerfen.
Angesichts der neuen Kriegsqualität, die die Massenvernichtungsmittel bedeuteten, wurde ferner versucht, bestimmte als unnötig grausam verstandene Waffen zu ächten und zu verbieten. Dies gelang bis 1939 jedoch noch nicht, obwohl die prinzipielle juristische Handhabe dafür mit der Haager Landkriegsordnung gegeben war.
Der Aufstieg des Nationalsozialismus beendete diese Bemühungen. Systematisch ignorierte Adolf Hitler von 1933 bis 1939 die völkerrechtlichen Obligationen Deutschlands und bereitete seinen Eroberungs- und Vernichtungskrieg vor. Die Appeasement-Politik Großbritanniens scheiterte 1938 mit der deutschen Besetzung von Tschechien. Der Weg in den 2. Weltkrieg war damit frei.
Dieser begann wie der erste als konventioneller Krieg, wurde aber rasch und unaufhaltsam zum totalen Krieg. Staatlich gelenkte Kriegswirtschaft, Kriegsrecht, allgemeine Wehrpflicht und Propagandaschlachten an der Heimatfront bezogen die Völker ganz und gar in die Kampfhandlungen ein. Die Mobilisierung aller nationalen Reserven für Kriegszwecke hob die Unterscheidung zwischen beteiligten Zivilisten und Kombattanten auf. Die Kriegsführung ignorierte das Völkerrecht.
So kam es im Kriegsverlauf
- zum Bombenkrieg gegen dicht besiedelte Gebiete, erstmals durch deutsche Bomber 1937 im spanischen Bürgerkrieg auf Guernica und 1940 auf London und Coventry, dann auch durch die englisch-amerikanischen Flächenbombardements von Dresden und anderen deutschen Städten,
- zur Verbindung von territorialer Eroberung und Massenvernichtung im deutschen Russlandfeldzug, wobei deutsche Wehrmacht und SS zusammenwirkten,
- das massenhafte Zugrundegehen von Kriegsgefangenen, wozu gleichermaßen organisatorische Überforderung, Gleichgültigkeit und kriminelle Energie beitrugen,
- zur Strategie der „verbrannten Erde“, die die Deutschen erst im Partisanenkrieg in Osteuropa, dann im Rückzug auch im eigenen Land anwandten,
- und schließlich zu den US-amerikanischen Atombombenabwürfen auf Hiroshima am 6. August und Nagasaki am 9. August 1945.
Die Nürnberger Prozesse schufen den neuen Straftatsbestand des „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“: dies war der erste Versuch, überhaupt Menschen nach dem Völkerrecht wegen ihrer Kriegsverbrechen zu beurteilen.
Die ungeheure Steigerung der Vernichtungskapazitäten und Verselbstständigung der Kriegführung verstärkte nach 1945 die Bemühungen, Kriege generell zu vermeiden. In Europa, besonders in Deutschland herrschte bei weiten Teilen der Zivilbevölkerung die Einstellung vor: Nie wieder Krieg!
Erneut wirkten nun vor allem die USA auf die Einrichtung einer Weltorganisation zur diplomatischen Konfliktlösung und Kriegsverhütung hin: die UNO. Die Erfahrung der Ohnmacht des Völkerrechts in den Weltkriegen fand ihren Niederschlag in ihrer Charta, hier vor allem in Kapitel II, Absatz 4:
:Alle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehungen jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete oder sonst mit den Zielen der Vereinten Nationen unvereinbare Androhung oder Anwendung von Gewalt.
Dies verbot erstmals allgemeinverbindlich jeden Angriffskrieg und jede militärische Erpressung. Die Charta bekräftigt das Prinzip der Nichteinmischung und das natürliche Recht zur Selbstverteidigung im Fall eines feindlichen Angriffs. Sie verpflichtet alle Mitglieder zu gemeinsamen friedenserhaltenden oder wiederherstellenden Maßnahmen und machte diese von einem Mandat des UN-Sicherheitsrats abhängig. Dabei stand auch die Sorge vor einem neuen weltumspannenden Konflikt Pate, die durch den Zerfall der Anti-Hitler-Koalition bereits auf der Konferenz von Potsdam im Juli 1945 am Horizont auftauchte.
Auch die Bemühungen zur Ächtung bestimmter Waffengattungen wurden seit 1945 verstärkt. Doch während das Verbot von B- und C-Waffen weithin akzeptiert wurde, misslang das universale Verbot der Atomwaffen. Bis 1949 besaßen die USA das Atommonopol; bis 1954 erreichte die Sowjetunion ein strategisches „Atompatt“, das vor allem auf der Bereithaltung von Wasserstoffbomben und Fernlenkwaffen beruhte. Beide weltpolitischen Kontrahenten waren von nun an zum atomaren Zweitschlag mit unkalkulierbaren Folgen im Feindesland fähig.
Seit dem Beinahe-Zusammenstoß der Supermächte in der Kubakrise von 1962 wurden ergänzend aber erste Schritte zur gemeinsamen Rüstungskontrolle gemacht. Die KSZE wurde 1973 eingerichtet und erlaubte den Europäern gewisse eigenständige Abrüstungsinitiativen mit der Sowjetunion. Hinzu kam die seit 1979 wachsende Friedensbewegung, die den innenpolitischen Druck zu Abrüstungsvereinbarungen vor allem in Westeuropa und den USA verstärkte. Mit Gorbatschows Angeboten gelang 1986 in Reykjavik ein Durchbruch zum vollständigen Rückzug aller Mittelstreckenraketen aus Europa, der eine Reihe Folgeverträge nach sich zog.
Mittelstreckenraketen
Unterhalb der Atomkriegsschwelle fanden jedoch zwischen 1945 und 1990 laufend sogenannte konventionelle Kriege vor allem in Ländern der so genannten Dritten Welt statt. Eine Reihe davon waren Stellvertreterkriege, z.B. der Koreakrieg (1950 bis 1953), der Vietnamkrieg (1964-1975) sowie zahlreiche Konflikte in Afrika und Lateinamerika. Dort verhinderte der Blockgegensatz des Kalten Krieges und das gegenseitige Abstecken von Einflusszonen der Supermächte häufig regionale Konfliktlösungen und begünstigte verlängerte Bürgerkriege mit vom Ausland finanzierten Guerillakämpfern.
Tendenzen seit 1990
Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1990 endete der Kalte Krieg. Die Auflösung der Sowjetunion und Jugoslawiens führte Anfang der 90er Jahre zu einem starken Anstieg der Zahl der Kriege. Seit 1992 hat sich die Zahl der laufenden Kriege (pro Jahr) jedoch nahezu halbiert [http://www.sozialwiss.uni-hamburg.de/publish/Ipw/Akuf/index.htm]. Es kam jedoch auch zu neuen Kriegen, die nun auch im Westen zunehmend wieder als legitime Mittel zum Erreichen politischer Ziele wie der Durchsetzung von Menschenrechten oder als Prävention gegen tatsächliche oder vermutete Rüstungspläne und Angriffsabsichten des Gegners angesehen werden.
Die UNO nahm ihre kriegsvermeidende Rolle nicht immer wahr, sondern legitimierte einige militärische Eingriffe, die zuvor als illegale Angriffskrieg galten. Durch dieses Schaffen neuer Fakten veränderte sich die Auslegung des geltenden Völkerrechts: Das Prinzip der Nichteinmischung in die Angelegenheiten fremder Staaten wird immer öfter aufgegeben.
Offenbar wird – zumindest in der westlichen Welt – die Vorstellung von Krieg als Kampf „Staat gegen Staat“ oder „Volk gegen Volk“ allmählich abgelöst von der Idee, dass Kriege eine Art Polizeiaktion der Weltgemeinschaft gegen aus den Regeln ausscherende Mitglieder sind oder sein sollten. Dabei besteht jedoch über die Auslegung der Regelverletzung, die einen Krieg rechtfertigen kann, bisher in der UNO keine Einigkeit. Das dort bisher zur Feststellung legitimer Selbstverteidigung gültige Verfahren im UN-Sicherheitsrat wurde zuletzt 2003 von der einzigen verbliebenen Supermacht, den USA, unterlaufen und missachtet. Damit wurde die Allgemeingültigkeit des Völkerrechts erneut in Frage gestellt.
Die Unzulänglichkeit der bisherigen völkerrechtlichen Kriterien, Entscheidungs- und Kontrollmechanismen wird zunehmend erkannt: etwa gegenüber ethnischen Völkermorden ohne offenkundige staatliche Lenkung, neueren asymmetrischen Konflikten; sich auflösenden oder mit Privatarmeen verbindenden Staatsgebilden, der Strategie der „preemptive strikes“ (vorbeugenden Entwaffnung) und dem internationalen Waffenhandel. So hat die UNO bisher weder die Überprüfung der tatsächlichen Kriegsgründe noch die Kontrolle der Waffentechnologie noch die Einhaltung von Abkommen zur Ächtung und Nichtverbreitung von ABC-Waffen wirksam geleistet.
Ferner wurde mit der neueren Legitimation von Angriffskriegen ein neues Wettrüsten eingeleitet. Dabei wird seitens der USA und anderer Staaten wie Nordkorea oder der Volksrepublik China auch der Ersteinsatz von Atomwaffen eingeplant und vorbereitet. In Russland ist ebenfalls eine neue Hinwendung zur auch atomaren Hochrüstung zu verzeichnen. Die Schwelle zum Atomkrieg wurde mit sogenannten „mini nukes“ deutlich gesenkt.
Krieg und Politik
Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland bestimmt im Artikel 26 (1):
„Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen.“
Seit der Neuzeit wird Krieg eng mit der Politik souveräner Nationalstaaten verknüpft, die innenpolitisch über ein Gewaltmonopol verfügen. Der preußische Militärtheoretiker Clausewitz sah Krieg als „Akt der Gewalt, um den Gegner zur Erfüllung unseres Willens zu zwingen“. Weil diese Gewalt von einem souveränen Staatswesen ausgeht, definierte er sie als „Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“:
„So sehen wir also, dass der Krieg nicht bloß ein politischer Akt, sondern ein wahres politisches Instrument ist, eine Fortsetzung des politischen Verkehrs, ein Durchführen desselben mit anderen Mitteln. Was dem Kriege nun noch eigentümlich bleibt, bezieht sich bloß auf die eigentümliche Natur seiner Mittel.“
Eine politische Orientierung, die Krieg für natürlich, unvermeidbar, sogar fortschrittsfördernd hält und Rüstungsanstrengungen prinzipiell bejaht, nennt man Militarismus. Der griechische Philosoph Heraklit drückt diese Haltung mit dem geflügelten Wort aus: „Krieg ist der Vater aller Dinge.“
Die entgegengesetzte Haltung will Kriege nicht nur vermeiden, sondern langfristig als Mittel der Konfliktaustragung ausschließen, abschaffen und überflüssig machen: Der Pazifismus (von Lateinisch pacem facere: „Frieden schaffen“).
Für ihn ist Krieg „eine Geißel der Menschheit“ (UNO-Charta).
Zwischen diesen Polen bewegt sich die so genannte „Realpolitik“ des Großteils aller Staaten, die militärische Gewalt als ultima ratio – „letztes Mittel“ – nie ganz ausschließt und von Fall zu Fall als unvermeidlich anwendet. Dabei ist in heutigen westlichen Gesellschaften vor, in und nach einem Krieg meist heftig umstritten, ob und wann dieses Mittel tatsächlich das letzte, der Krieg also wirklich unvermeidbar war und ist.
Auslöser
Hierzu werden mitunter kriegsauslösende Einzeltaten inszeniert (Erster Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg) oder wirtschaftliche Konflikte provoziert (Zoll, Patentrecht, Einfuhrbeschränkungen). Da sowohl Attentate als auch Terrorakte die moralische Rechtfertigung für einen Krieg bilden können, kommt der Inszienierung eines Krieges oft höhere Bedeutung zu, als der späteren Durchführung. Dies ergibt sich aus der Tatsache, dass Kriegsführung neben logistischen und humanitären Gesichtspunkten vor allem ökonomische Zwänge birgt.
Besondere regierungspolitische Motive
In ärmeren Ländern dienen Kriege oft innenpolitischem Kalkül. Dabei rechnet die Regierung eines solchen Landes damit, dass das Volk durch das durch den Krieg erzeugte Härteklima mit unmittelbaren Lebensfunktionen wie Nahrung, Kleidung, Wohnung so beschäftigt ist, dass es keine Zeit mehr hat, sich Themen wie Regierung, Politik oder Wirtschaft zu widmen. Eine Regierung kann so versuchen, Kritik zu unterdrücken.
Wohlstandsnationen führen Kriege meist abseits der eigenen Heimat. Eine drastische Einengung der Lebensgrundlage ist in diesen, eher höher gebildeten Bevölkerungen meist nicht vermittelbar und würde nicht breit akzeptiert. Dennoch wird in der Heimat eine „psychologische Militarisierung“ auf das gesamte Volk übertragen, welche auf Patriotismus und Duldung der Beschneidung von Grundrechten, beispielsweise im Wege der Terrorismusbekämpfung, abzielen.
In beiden Fällen handelt es sich um eine Art Flucht nach vorn, im Zusammenhang mit bereits unabhängig vom Krieg bestehenden Strukturproblemen im eigenen Land beziehungsweise drohendem Machtverlust der Regierung. Der Krieg kann als Rechtfertigung für unterschiedliche Einschränkungen (zum Beispiel der Menschenrechte oder der Sozialversorgung) verwendet werden.
Da eine Bevölkerung sich zumeist in relativer Akzeptanz mit ihrer Regierung befindet (gestützt durch staatlich gelenkte Medien oder durch echte Akzeptanz von aggressiven Expansionsabsichten beziehungsweise durch stillschweigendes Erdulden der Staatsführung), stellt die Wechselwirkung zwischen der Volksmeinung einerseits und der Legitimation einer Regierung Krieg zu führen andererseits, ein besonders wichtiges Instrument der Militarisierung im Vorfeld der Kriegsführung dar.
Ausnahmezustand
Zu diesen kleinen Kriegen zählen Krawalle, Aufstände, der Staatsstreich, Bürgerkriege usw. Sie bilden die überwältigende Mehrzahl aller Kriege; die „regulären“ Kriege zwischen Staaten und regulären Truppen demgegenüber die Ausnahme.
Einige Autoren (Agamben, Hardt und Negri) hinterfragen diese Ansicht mittlerweile, so werde Ausnahmezustand zum Normalzustand zu erklärt:
- Aktionen, die man früher in einem Krieg durchführte, werden nun als so genannte „Polizeimaßnahmen“ durchgeführt
- Die Bekämpfung des Terrorismus steht in einem Spannungsverhältniss zu Demokratie, etwa durch die Beschneidung von bürgerlichen Freiheiten.
Die Politik sehe Krieg nicht mehr als letztes Mittel, sondern als Werkzeug zur Kontrolle und Disziplinierung.
Ressourceneinsatz
Wegen der extremen Belastung, die der Krieg den beteiligten Parteien auferlegt, ist eine positiv gestimmte eigene Öffentlichkeit für eine kriegführende Institution oder Nation von kriegsentscheidender Bedeutung.
Militärstrategie
Die militärische Strategie ist der Plan, um den Zweck des Krieges zu erreichen. Zweck des Krieges ist nach Clausewitz immer der Friede, in dem die eigenen Interessen dauerhaft gesichert sind.
Militärische Strategien ändern sich mit der Waffenentwicklung. In der Geschichte wurden häufig dominante Mächte zurückgeworfen, weil neuere, wirksamere Waffen entwickelt wurden. Aber auch ohne Neuentwicklung von Waffen können bessere strategische Planungen einen Krieg entscheiden, u. U. auch aus der Unterlegenheit heraus.
In der Militärstrategie geht es immer darum, durch geschickte räumliche und zeitliche Anordnung der Gefechtssituationen den Erfolg herbeizuführen. Als Krönung gilt es allgemein, wenn man ohne einen Kampf den Sieg davonträgt. Kriegslisten sind daher ein wesentliches Element des Krieges. Die wohl berühmteste Kriegslist der Geschichte ist die des trojanischen Pferdes.
Militärstrategie lässt sich nach Edward Luttwak in zwei Dimensionen aufspannen. Einer Horizontalen und einer Vertikaklen. Die Horizontale Ebene entspricht der temporären Abfolge jeder strategischen Operation inklusive Clausewitzs Kulminationspunkt.
Die Vertikale Dimension gliedert sich in mehrere Ebenen. Die unterste ist die technische Ebene, diese umfasst die Effektivität, als auch die Kosten von Waffensystemen, und damit auch den Ausbildungsstand und Leistungsfähigkeit der einzelnen Soldaten.
Als nächstes folgt die taktische Ebene. Sie umfasst die untere Militärische Führung also alles bis Batallions oder Brigadeebene, sowie die Moral der Truppe und beinhaltet vor allem die Geländeausnutzung.
Als nächstes folgt die operative Ebene. In dieser findet sich die militärische Strategie von Divisionsebene und aufwärts. Hier werden größere militärische Manöver unter anderen Gesichtspunkten wie in der taktischen Ebene geplant und ausgeführt. Hier entscheiden weniger das Gelände als beispielsweise die zur verfügungstehenden Ressourcen inklusive die Einbeziehung wirtschaftlicher Kapazität.
Als oberste Ebene gilt die Gefechtsfeldstrategie. In ihr entscheiden einzig und alleine die politischen Ziele und Eigenheiten der kriegführenden Parteien. Auf einem Kriegsschauplatz wird die Strategie im Rahmen von Feldzügen durch Operationen umgesetzt. Für Operationen werden Weisungen und Operationspläne erstellt, die die übergeordneten strategischen Ziele in praktische, militärische Aufträge und Handeln umsetzen.
Zu den berühmtesten strategischen Denkern gehören Sun Tzu (Die Kunst des Krieges) und Carl von Clausewitz (Vom Kriege).
Ethische Aspekte
Wirkungen
Carl von Clausewitz
Jeder Krieg ist, neben dem Verlust von Infrastruktur oder Arbeitsplätzen, immer auch mit Tod und furchtbarem Leid verbunden. Diese entstehen einerseits als zwangsläufige Nebenfolgen des Waffeneinsatzes gegen Menschen, andererseits aus strategischen Gründen (zum Beispiel beim Sprengen von Brücken oder durch Vergiftung von Grundnahrungsmitteln), zum Teil wird die Zerstörung von Gebäuden, ja der ganzen Infrastruktur des Kriegsgegners aber auch bewusst herbeigeführt, um die Zerstörungskraft einer Armee zu demonstrieren und den Gegner einzuschüchtern (zum Beispiel „Shock and awe“-Strategie im Irak-Krieg).
In vielen Kriegen wurden (und werden) Kriegsverbrechen begangen (beispielsweise Folterungen, Übergriffe auf die Zivilbevölkerung, etc.). Das große Machtgefälle in Kriegsgebieten und die weitgehende Freiheit vor Strafverfolgung können in Verbindung mit der Allgegenwart des Todes natürliche Hemmschwellen abbauen.
Bedeutung
Viele Kriege waren von entscheidender historischer Bedeutung. Durch die Römischen Kriege wurde die „Zivilisation“ in Europa verbreitet und durch Kriege im Rahmen der Völkerwanderung das Ende des römischen Reiches herbeigeführt. Die Auswirkungen hiervon waren so stark, dass 1000 Jahre Chaos folgten, welche aus heutiger Sicht als Mittelalter bezeichnet werden.
Durch die Revolutionskriege wurde der demokratische Gedanke in Europa verbreitet, durch die Bauernkriege der Protestantismus. So wurde das Aufstreben des Faschismus im 2. Weltkrieg beendet oder zumindest so stark zurückgedrängt, dass Faschisten nunmehr eine Randstellung einnehmen.
Neben den politischen Auswirkungen hat ein Krieg immer eine Vielzahl an negativen Folgen. So dezimiert er die Bevölkerung eines Landes extrem, durch den 2. Weltkrieg wurden ganze Jahrgänge nahezu ausradiert. Ebenso drastisch sind die wirtschaftlichen Folgen.
Alternativen
Da als eine der rationalen Kriegsursachen der Kampf um Ressourcen gilt, werden Kriege umso unwahrscheinlicher, je günstiger Ressourcen einer Region für eine andere Region verfügbar werden, ohne in einer kriegerischen Auseinandersetzung unter Lebensgefahr erobert werden zu müssen. Damit sind Kriege wirtschaftlich um so uninteressanter, je besser die bestehenden Ressourcen im Wege von Vereinbarungen genutzt werden.
Alternative zum militärischen Widerstand („Krieg“), wenn man angegriffen wird, sind die Konzepte des „zivilen Widerstands“.
Da Volkswirtschaften (ebenso wie Regionen, Städte und Familien) in erster Linie ihre eigenen Interessen vertreten und Ressourcen zurückhalten, erscheint dieses „Idealbild“ der Welt utopisch.
Bewertung des Krieges
Immer wieder wurde in der Geschichte versucht, die Kriegsführung bestimmten Regeln oder moralischen Vorgaben zu unterwerfen, also zu einer Art Verhaltenskodex zu finden. Die sich im Krieg Bahn brechende Aggression wird „höheren Werten“ unterworfen – und letztlich damit auch relativiert.
Nach verlorenen Kriegen neigen die Menschen dazu, Krieg generell zu verdammen. So kamen in Deutschland nach 1945 Formeln wie „Nie wieder Krieg“ auf (bekannt ist das Plakat von Käthe Kollwitz mit diesem Titel). Nach Siegen hingegen wird der Krieg verherrlicht. So ist die Welt voll von Siegesdenkmalen, Triumphbögen und anderen Erinnerungen an große militärische Erfolge.
Oft wird der Krieg heroisiert. Kant beispielsweise schreibt: Selbst der Krieg, wenn er mit Ordnung und Heiligachtung der bürgerlichen Rechte geführt wird, hat etwas Erhabenes an sich und macht zugleich die Denkungsart des Volks, welches ihn auf diese Art führt, nur um desto erhabener, je mehreren Gefahren es ausgesetzt war und sich mutig darunter hat behaupten können: da hingegen ein langer Frieden den bloßen Handelsgeist, mit ihm aber den niedrigen Eigennutz, Feigheit und Weichlichkeit herrschend zu machen und die Denkungsart des Volks zu erniedrigen pflegt. (Kritik der Urteilskraft, § 28.
Von der Natur als einer Macht.)
In der europäischen Literatur wird häufig so zwischen dem „geordneten“ und dem nicht geordneten Krieg unterschieden. Auf der anderen Seite stehen die, die im Prinzip mit der gleichen Grundüberlegung wirtschaftlichen Wohlstand als beste Kriegsprävention ansehen. Hier neigt man dazu, die Perversionen des ungehegten Krieges als Normalzustand des Krieges darzustellen. Daraus folgen Überlegungen, wie Krieg vermieden werden kann und Versuche, einen ewigen Frieden zu erreichen. Der Krieg wird so als das absolute Böse angesehen, als das Werk von moralisch verkommenen Machthabern, die aus niederen Motiven ihr Land in einen Krieg stürzen.
Es gibt auch Ansichten, dass sich der Charakter des Krieges geändert habe und folglich heute ein „gehegter Krieg“ nicht mehr möglich sei. Dass sich die Formen des Krieges ändern, ist aber eine Feststellung, die so alt ist wie die Geschichte der Menschheit. Neue Kriegsformen wurden zu allen Zeiten als ordnungswidrig geachtet, häufig als Verstöße gegen eine göttliche Ordnung. Heute werden in der abendländischen Kultur bestimmte Kriegsformen als zulässig dargestellt (etwa Bombenabwürfe auf Städte, die Militär treffen sollen, aber auch Zivilpersonen gefährden), während andere Kriegsformen (etwa Selbstmordattentate, die nicht militärische Einrichtungen treffen) als unzulässig interpretiert werden, während in der islamischen Welt oft die gegenteilige Ansicht anzutreffen ist.
Krieg ist nicht nur ein Mittel staatlich organisierter und gelenkter Politik. Neben den Staaten, die als kriegführende Seite ein Heer hatten, spielten offenbar zu allen Zeiten die ,nicht regulären' Gruppen im Krieg eine erhebliche Rolle: Kosaken, Jäger, Husaren, Samurai, Partisanen, in der neuerer Zeit die Guerilla, Freischärler, Milizen und Taliban. Was nicht regulär ist, wird politisch diskutiert. Bei noch genauerem Hinsehen allerdings merkt man, dass die Theorie des irregulären Kämpfers (Partisanen) eine Weiterentwicklung der Clausewitzschen Theorie ist, wie sie die Clausewitz-Kenner Lenin und Carl Schmitt vorgenommen haben.
Somit scheitert auch der Versuch, zwischen einem Konflikt und einem formal erklärten Krieg zu unterscheiden und die Bezeichnung „Krieg“ auf jene Konflikte einzuschränken, die mit einer formalen Kriegserklärung einhergehen.
Völkerrecht
Das moderne Völkerrecht versucht, zwischenstaatliche Kriege von anderen Formen gewaltsamer Konfliktaustragung, Angriffs- und Verteidigungskrieg, Zivilisten und Militärpersonal und damit legitime von illegitimen Kriegshandlungen zu unterscheiden.
Der zwischenstaatliche Krieg soll gemäß seinen Regeln mit einer Kriegserklärung beginnen. Diese war im Mittelmeerraum schon seit der Antike vorgesehen. Sie wird seit der Neuzeit aber sehr oft übergangen und durch den Angriff selbst ersetzt.
Ein erklärter Kriegszustand, bei dem jedoch die Waffen schweigen, heißt Waffenstillstand, ein formales Eingeständnis der Niederlage Kapitulation. Diese beendet regulär die Kriegshandlungen, aber noch nicht den Krieg selbst.
Gegenbegriff zum „Krieg“ ist der „Frieden“. Dieser setzt völkerrechtlich wiederum einen wie auch immer gearteten Friedensabschluss zwischen ehemaligen Kriegsgegnern voraus. Wird eine Kriegspartei im Krieg jedoch weitgehend oder vollständig zerstört, so dass sie nicht mehr Vertragspartner sein kann, spricht das Völkerrecht von Debellation (Lateinisch: „Besiegung“).
Historisch häufiger aber sind Zwischenzustände wie der einer dauerhaften Besetzung ohne gültigen Friedensvertrag oder ein Zustand, bei dem sich die Gegner ständig auf einen offenen Krieg vorbereiten, dessen Verlauf planen und einüben. Paradebeispiel dafür ist der Kalte Krieg.
Der organisierte Einsatz von Waffen bedeutet immer die massenhafte Tötung von Menschen. Schon die ständige Rüstung zum Krieg erfordert Aufwendungen und verschlingt Mittel, die für andere Aufgaben fehlen. Auch wenn eine kriegführende Partei Todesopfer nicht anstrebt, werden sie immer als unvermeidbar in Kauf genommen. Wer diese Wirkung betrachtet, nennt diese Form der gewaltsamen Konfliktaustragung daher meist „staatlich organisierten Massenmord“ (Bertha von Suttner, Karl Barth). Darin kommt zum Ausdruck, dass das Phänomen des Krieges kaum wertneutral zu betrachten ist, weil es dabei immer auch um das Leben vieler und die langfristigen Perspektiven aller Menschen geht.
Zugleich zeigt die Verbindung von Staat und Krieg sowie die Schwierigkeiten bei der Unterscheidung von Krieg, Raub und Mord das Fehlen einer allgemein akzeptierten Rechtsinstanz an. Die UN-Charta und der Internationale Strafgerichtshof können als Schritte zur verbindlichen Durchsetzung des Völkerrechts angesehen werden. Ob sie eher zur Rechtfertigung oder Reduktion neuer Kriege beitragen, ist noch nicht entschieden.
Die Ächtung des Krieges
Die menschliche Sehnsucht nach einem Frieden, der die „Geißel der Menschheit“ überwindet, ist uralt. Politische Friedensarbeit kann sich daher auf breite und heterogene Traditionen stützen.
- In der chinesischen Kosmologie des Taoteking und der Philosophie des weisen Staatslenkers Laotse spielte die Kriegsvermeidung durch harmonischen Interessenausgleich eine wichtige Rolle.
- In Indien, China und Japan breiteten Jainismus und Buddhismus eine Ethik der Gewaltlosigkeit, Toleranz und Friedensliebe aus, die seit 500 v. Chr. die Gestalt einer Weltreligion gewann.
- In der antiken griechischen Philosophie der Antike stellten Sokrates und die Skeptiker die Selbstverständlichkeit in Frage, mit der Wahrheitsbesitz beansprucht und angeblich ewige Rechte gegen andere verteidigt werden. Die Stoiker Zenon und Chrysippos wandten sich gegen das Kriegführen und stellten Überlegungen an, ob Kriege notwendig seien oder wie man sie vermeiden könne.
- In allen europäischen Staatsutopien von Platon bis Thomas Morus spielte die Gewaltminderung durch ideale Gesetzgebung und Menschenbildung eine Rolle.
- Das Gottesbild des Judentums hat den weithin üblichen Einsatz der eigenen Religion zur Rechtfertigung der eigenen Kriege erschwert. In den Visionen der Heilsprophetie erscheint Gott als kommender Weltrichter, der die Völker zu endgültiger Abrüstung anweist: „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Ein jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen, und niemand wird sie schrecken. Denn der Mund des Herrn Zebaoth (der Heerscharen) hat es geredet.“ (Micha 4, 2-4).
- Diese Weisung zur universalen Abrüstung hat Jesus Christus durch das prophetische Zeichen des Gewaltverzichts (Markus 11, 7/Sacharja 9, 9) und die Selbsthingabe zur Versöhnung (Markus 14, 22-24) im Neuen Testament bekräftigt. Darum ist der tätige Einsatz für weltweiten Frieden (Lukas 2, 14) für Christen wie für Juden integraler Bestandteil ihres Glaubens (Römerbrief 12, 18).
- Der klassische, konservative und fundamentalistische Islam sieht Frieden nach der Eroberung des gesamten Dar al-Harb (Gebiet der Nichtmuslime) vor. Danach soll die gesamte Erde unter der Scharia in einer Pax islamica leben. Die Welteroberung geschieht mittels kriegerischem Dschihad. Danach soll dann das Idealbild eines „Paradieses unter dem Schwert des Islam“ herrschen.
- Die Instrumentalisierung religiöser Ideale für politische Interessen fand einen Höhepunkt mit den Kreuzzügen des Mittelalters, die die heiligen Stätten „befreien“ und christliche Staaten errichten wollten. Die Kreuzzugs-Ideologie des ewigen Kampfes des „Guten“ gegen das „Böse“ spielt noch heute eine bedeutende Rolle.
- In der Neuzeit wurde der Gewaltverzicht im Westen von den Religion entkoppelt. Immanuel Kant, Jean-Jacques Rousseau und andere Aufklärer strebten den „ewigen Frieden“ an und entwarfen rechtsstaatliche und demokratische Konzepte, um ihn herbeizuführen. Ludwig van Beethoven hat diesem Traum am Ende der 9. Sinfonie mit seiner Vertonung von Schillers Gedicht Ode an die Freude („alle Menschen werden Brüder“) ein musikalisches Denkmal gesetzt.
- Im Zeitalter der europäischen Nationalkriege gewann das Völkerrecht, nach der verheerenden Erfahrungen des 1. Weltkriegs der Gedanke eines Völkerbunds zur Kriegsverhinderung Akzeptanz. Der Briand-Kellogg-Pakt galt der Ächtung des Krieges als eines Mittels der Politik. Die UNO hat den Angriffskrieg verboten, den Weltfrieden zum Ziel aller Politik erhoben und erstmals ansatzweise wirksame Formen der Konfliktvermeidung und Konfliktlösung ermöglicht.
Diese Tendenzen wurden durch die ungeheure Steigerung der Vernichtungsmöglichkeiten im Krieg notwendig und gestärkt. Die UNO konnte Kriegsursachen wie ökonomische und politische Interessengegensätze jedoch nicht aufheben und viele Kriege nicht verhindern. Auch die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen ließ sich bis heute nicht wirksam stoppen. Der am Ende des Kalten Kriegs eingeleitete Abrüstungsprozess kam seit den „neuen Kriegen“ zum Erliegen und wurde durch neue Aufrüstungstendenzen abgelöst. Internationaler Terrorismus und Antiterrorkrieg lassen die Gewaltbereitschaft weltweit noch weiter wachsen.
So ist der Frieden nach wie vor eine äußerst bedrohte, verletzliche Pflanze und eine Utopie, die des täglichen Einsatzes bedarf, um eines Tages wirklich werden zu können. Eine Alternative dazu gibt es im Zeitalter der Massenvernichtungsmittel nicht mehr. Spätestens seit Erfindung der Atombombe ist der Frieden „die Überlebensbedingung des technischen Zeitalters“ geworden
(Heidelberger Thesen der EKD 1959).
Siehe auch
- Portal:Militär
- Destruktivität
- Polemologie, Kriegsakademie, Liste der Kriege
Literatur
- Capa, Robert: Slightly Out of Focus. New York: The Modern Library 1999.
- Clausewitz, Carl von : Vom Kriege. Ullstein, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-548-36413-6
- Creveld, Martin L. van: Die Zukunft des Krieges. Gerling Akademie Verlag, München 1998, ISBN 3-932425-04-9
- Creveld, Martin L. van: Frauen und Krieg. Gerling Akademie Verlag, München 2001, ISBN 3-932425-33-2
- Einstein, Albert; Freu
Balkanhalbinsel
Der Balkan oder die Balkanhalbinsel (protobulg. für „Großer Khan“, oft synonym mit Südosteuropa verwendet) ist eine Halbinsel in Südosteuropa.
Geographie
Die Halbinsel mit ca. 560.000 km² Fläche (inklusive vorgelagerter Inseln) liegt zwischen dem Adriatischen und dem Schwarzen Meer. Nach Norden hin wird sie typischerweise durch die Save-Donau-Linie abgegrenzt. Politisch gliedert sich die Balkanhalbinsel demnach heute in die Länder Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Griechenland, Mazedonien, Rumänien, Serbien und Montenegro und den europäischen Teil der Türkei. In einigen Definitionen werden auch Moldawien, Slowenien, Kroatien und Ungarn dazugezählt.
Geomorphologie
Parallel zur Südwestküste der gebirgigen Halbinsel bilden die Dinarischen Alpen einen großteils verkarsteten Wall. Den Südosten und Osten durchziehen das Rhodopen- und das Balkangebirge. Sowohl die Westküste (Dalmatien, Montenegro, Albanien) wie auch die Ostküste der Balkanhalbinsel sind stark zerrissen und in zahlreiche Inseln und Halbinseln aufgelöst. Zwischen den überwiegend kahlen, nur dünn besiedelten Gebirgen liegen zahlreiche fruchtbare und wirtschaftlich bedeutsame Becken.
Hydrologie
Vegetation
Becken
Phytogeographisch läßt sich der Balkan in den basophilen ozeani-schen Westen - Illyrien und konti-nentalen azidophilen Osten – Moesien gliedern.
Illyrien ist Zentrum mesophiler Buchenwälder, die submontan bis subalpin dominieren, während in Moesien subalpin Fichte boreale Wälder bildet.
Stärker unterschieden sind colline Stufen; die Eichen im O (Quercus frainetto, Q. cerris) werden im W durch humide Eichen-Hainbuchenwälder (Quercus petrea, Carpinus betulus) ersetzt.
Die balkanische Region ist durch viele endemische (tertiäre) Arten bereichert: z.B. Acer heldreichii, Picea omorika, Aesculus hippocastanum, Corylus collurna, Pinus peuce P. heldreichii, Rhamonda serbica, Amphoricarpos neumayerii
Die Vegetation großer Ökosysteme (phytogeographische Territorien oder Vegetationsgürtel) ist ökologisch, chorologisch, floristisch-entwicklungsgeschichtlich sehr einheitlich. Durch Relief und den Beziehungen, die sich aus der Lage, insbesondere zu den Meeren ergeben, erfolgt innerhalb dieser Horione eine aus den klimatischen Faktoren und den Aspekten des Naturraumes differenzierte Teilung . Die Balkanhalbinsel Teil des holarktischen Florenreiches. Sie ist weiter in eine mediterrane-, sowie zirkumboreale Region zu ordnen .
Die westliche sowie östliche zentrale Balkanhalbinsel ist in zwei Phytohorione, illyrisch und moesisch (nach den röm. Provinzen Illyria und Moesia) zu teilen. Thrakien ist pontische Unterregion.
Als Subhorione der mitteleuropäischen Florenregion, ist Illyrien mit basophilen, Moesien mit azidophilen Typen verbunden. Die reich-gegliederte Küste Dalmatiens gehört zur adriatischen Provinz der mediterranen Florenregion. Die epirische und ägäische Küste mit den griechischen Inselgruppen sind Teil der ostmediterranen Provinz. Damit sind floristische Prinzipien vorgegeben. Unterschiede resultieren aus der Mischung der Horoelemente einzelner Gebiete, die wiederum von naturräumlichen Gegebenheiten und der Vegetationsgeschichte abhängen.
Flora
Becken]Die Genese der balkanischen Flora vollzog sich während tertiärer, glazialer und postglazialer Phasen. Rezent sind keine alten mesozoischen Vertreter vorhanden (wie z.B. in den Floren Ostasiens oder Argentiniens). Der Basisbestand insbesondere der Waldflora ist dennoch seit der Kreide bekannt (z.B. Quercus, Fagus, Castanea, Alnus, Salix). Die thermophilere tertiäre Flora war an tropischen Elementen reicher als heute, wo nur eine kleine Zahl reliktischer Arten (Adiantum capillusveneris), Gattungen (Dioscorea) und Familien (Gesneraceae) überlebt hat. Außertropische tertiäre Formen sind dagegen reichlich vertreten (z.B. Platanus, Aesculus, Scopolia, Sibiraea, Thelygonum, Picea omorika, Pinus peuce, Forsythia europaea, Syringa vulgaris). Durch die isolierte Stellung, die nächsten Verwandten sind zumeist in Ostasien oder dem vorderen Orient zu finden und die heterogene phytogeographische Genese, sind alle paläoendemischen Tertiärrelikte ökologisch und horologisch sehr differenzierte Vertreter unterschiedlicher Vegetations-geographischer Einheiten. Seit dem Tertiär erfolgte die Evolution der mediterranen Gebirgsflora, dies unabhängig arktoalpiner Einflüsse.
Die Grenze zwischen den florenhistorisch determinierten alpinen- und oromediterranen Systemen fand man anhand 1350 Gefäßpflanzen balkanischer Gebirge nördlich des Parnass.
Die südliche Grenze der arktoalpinen Gemeinschaften ist zugleich auch die nördliche Grenze der Hochgebirgspflanzen südlicher Herkunft. Diese Grenze stimmt außerdem mit den Gebieten der stärksten pleistozänen Vereisung der Gebirge überein, deren signifikanteste Ausnahme sind der Orjen, der stark vereist war, aber wenig Alpenarten aufweist, wie auch der entfernt gelegene Olymp. Im Velebit (Nord-West Kroatien), der obwohl fast unvereist, ganz arktoalpin geprägt ist, spielt die abkühlende Wirkung der Bora eine zentrale Rolle. Die höchsten Horione sind folgenden Zono- und Orobiomen zuzurechnen:
1. der mediterranen Region mit zwei Provinzen
a. Adriatisch- Ionischen
b. Ägäischen
2. Mitteleuropäische Region mit zwei Provinzen
a. Illyrischen
b. Balkanischen
3. Pontische Region
4. zirkumboreale Region (Supalpine Stufe kontinentaler Gebirge)
5. alpin-nordische Region (Gebirgstundra)
Geoelemte anderer Regionen wie der irano-turanischen, arktischen, atlantischen, orientalischen sind vereinzelt vorhanden, bilden aber nur kleine disjunkte und sporadische Populationen auf entsprechenden Standorten. Der geringen Durchsnittshöhe wegen sind die mittelhohen dinarisch-hellenidischen, sowie bulgarischen Hochgebirge heute unvergletschert. Damit fehlen großteils arktische Horoelemente. Nur wenige Firnfelder sind ganzjährig im Durmitor insbesondere aber in den Prokletije vorhanden. Hier finden sich damit auch subnivale Zonen. Orobiome der Gebirge lassen eine Anordnung der Horione als Stufen erkennen.
Als Beispiel sei hier die Höhenzonierung im Orjen erwähnt. Hier sind 4 Horione ausgebildet wobei die nur zirkumboreale rudimentär vorkommt (die mitteleuropäische reicht hier max. 1700 m hoch). Die Vegetation im Orjen gehört zum Südostdinarischen Typ und ist durch ausgeprägte mediterrane Prägung herausstechend.
Nach TURRILL (1929) finden sich auf der Balkanhalbinsel 6.340 Arten. Mit den in der Flora Europaea aufgeführten 10.500 Arten verglichen, kommt der Balkanhalbinsel auch die Schlüsselrolle der europäischen Vegetationsgeschichte zu.
Folgende Konditionen sind dafür anzuführen:
-eine Flora, die viele tertiäre Arten enthält, welche hier die Eiszeiten überleben konnten
–paläoendemische Relikte
-Isolation der Landmassen, Inseln und Gebirgsgruppen. Änderungen des Meeresspiegels. Fragmentierung, Isolation und Migration von Arten, Bildung neuer Habitate
– autonome Evolutionszentren der Nähe zu anderen Florenzentren
-Einflussnahme des Menschen durch Zerstörung und Wechsel der natürlichen Landbedeckung, Schaffung neuer Habitate und Introduzierung neuer Arten.
Griechenland als endemitenreichsten Teilraum besitzt 1100 endemische Arten.
Der Endemismus beruht vor allem auf der hohen Spezifikation der illyrisch-balkanischen Florenprovinz. Die vergleichsweise höhere Artenvielfalt zu Alpen und Pyrenäen, durch größere petrographische Heterogenität als Pyrenäen und gegen die Alpen die Einbettung zwischen Florenprovinzen macht die komplexen Dinariden zu dem auffälligen Endemitenzentrum mit hohem Artenpotential.
Die illyrische Provinz besitzt vier endemische Gattungen: Petteria, Halacsya, Haberlea, Jankaea. Endemiten sind: Picea omorika (Serbien, Bosnien), Pinus peuce (Gebirge zwischen 41°-43° N) Primula deorum (Bulgarien), Saxifraga ferdinandi-coburgii, Petteria ramentacea (Dalmatien, Herzegowina, Montenegro, Nord Albanien), Oxytropis prenja, Acer heldreichii, Forsythia europaea (Nord Albanien, Kosovo), Moltkia petrea, Wulfenia baldaccii (Montenegro, Nord Albanien), Haberlea rhodopensis (Bulgarien, Nordost Griechenland), Ramonda serbica, Jankae heldreichii (Olymp), Amphoricarpos neumayeri (Orjen), Cicerbita pancicii, Lilium jankae, Dioscorea balcanica (Montenegro, Nord Albanien). Reliktarten der illyrisch-balkanischen Provinz sind: Ostrya carpinifolia, Juglans regia, Syringa vulgaris, Corylus colurna, Aesculus hippocastanum etc.
Reliktische Pflanzengesellschaften finden sich zumeist in Schluchten, die der Flora als Refugium dienten. Eiserne Tor (Donau), Neretva, Drina, Tara, Cijevna, Morača, Vikos Aoos, Radika etc. sind die bekanntesten.
Klimatisch gliedern sich die Gebirge des Balkans in humid-temperate, submediterrane und mediterrane sowie subhumid-kontinentale Typen was den Gebirgsklimatypen X1, X2 und X3 entspricht. Edaphische Abweichung der generellen Typen ergeben sich in Karstgebieten in ansonsten humiden Klimaten. Zudem reihen sich Karstgebirge von den Julischen Alpen zum Pelopones. Somit sind klimatische und edaphische Faktoren stärker kombiniert in Alpen, Pyrenäen oder Karpaten. Ein klimatischer Makrogradient ist primär für zönotische Unterschiede verantwortlich Karstgebirge des NW sind generell humid, im SO semihumid bis semiarid.
Klima
Im Winter wird es im Innern des Balkans sehr kalt, hingegen im Sommer sehr drückend heiß.
An den Küsten herrscht durchgehend angenehmes Mittelmeerklima. Im Winter wird es dort kühl und im Sommer sehr heiß.
Bevölkerung
Die Balkanhalbinsel ist insbesondere bevölkert von Albanern (vermutlich ein Rest der Urbevölkerung), Bosniaken, Bulgaren, Griechen, Kroaten, Mazedoniern, Rumänen, Serben, Türken und je nach der genauen geographischen Definition auch von Slowenen und Ungarn (letztere jedenfalls in bedeutender Zahl in Serbien und Rumänien). Außerdem bilden die Roma in mehreren Balkanländern eine große ethnische Minderheit.
Geschichte
Die nach Osten hin offenen Küsten und die Durchgängigkeit des Nordens machen den Balkan seit jeher zu einer wichtigen Brücke zwischen Asien und Europa, aber auch immer wieder zum Schauplatz von Konflikten, Bürgerkriegen und ethnischen Unruhen.
Siehe auch: Balkanbund, Balkanentente, Balkankonflikt, Balkankriege, Balkanpakt
Balkan als Begriff
Der Begriff Balkan war und ist in Westeuropa oft negativ konnotiert ("Pulverfass Europas"). Metternich meinte, der Balkan beginne schon am Rennweg in Wien-Landstraße. Bismarck wird der Spruch nachgesagt, der Balkan sei "nicht die Knochen eines einzigen pommerschen Grenadiers wert".
Als politisch korrekter Begriff bürgert sich nicht zuletzt deshalb immer mehr der (geographisch nicht ganz deckungsgleiche) Terminus Südosteuropa ein. In den Balkanländern selbst ist die Bezeichnung Balkan aber zum Teil ein durchaus positiver Begriff: In Bulgarien etwa ist Balkan Namensbestandteil vieler Unternehmen und touristischer Einrichtungen, und die Bulgaren pflegen ein recht positives Verhältnis zu ihrer "Balkan-Identität". Ein Grund hierfür dürfte die Tatsache sein, dass dieses Gebirge über Jahrhunderte als Zufluchtsort verschiedener bulgarischen Freiheitskämper wie z.B. die Heiducken (im Kampf gegen die osmanische Herrschaft) und die Partisanen (beim kommunistisch geführten Widerstand gegen die Zusammenarbeit der bulgarischen Regierung mit Nazi-Deutschland) diente.
Ganz anders ist die Situation dagegen in Kroatien, Ungarn oder Slowenien:
Als Bestandteil Österreich-Ungarns gehörten diese Staaten jahrhundertelang zum mitteleuropäischen Kulturkreis und distanzieren sich aufgrund der negativer historischer Erfahrungen gerne vom Balkan. Aus diesem Grund wird in diesen Staaten die eigene historische Verbundenheit mit Mitteleuropa betont. Diese Staaten empfinden die Bezeichnung Balkan gar als Beleidigung.
Siehe auch: Balkanisierung
Gemeinsamkeiten der Balkanländer
Die Staaten am Balkan weisen trotz aller Gegensätze doch zahlreiche Gemeinsamkeiten auf:
- Fast alle waren ehemals Teil des Osmanischen Reichs.
- In fast allen kam es erst relativ spät zur Bildung von Nationalstaaten.
- Die noch aus der osmanischen Zeit herrührende regional starke ethnische Vermischung löst immer wieder Konflikte aus (siehe auch "ethnische Säuberungen").
- In allen Ländern spielte in den vergangenen Jahrhunderten der Konflikt zwischen der römisch-katholischen und den orthodoxen Kirchen eine wichtige Rolle, außerdem das Spannungsverhältnis zwischen Islam und Christentum.
- Die Balkanländer waren nicht zuletzt wegen ihrer strategischen Bedeutung immer wieder Schauplatz von Stellvertreterkriegen und Durchgangsgebiet für fremde Heere (Kreuzritter, Osmanen) und wurden als solche oft schwer in Mitleidenschaft gezogen (teilweise ähnlich wie im Nahen Osten).
Zu den vielen kulturellen Gemeinsamkeiten siehe auch Balkanküche, Balkanspiele, Balkanologie, Balkansprachen.
Literatur
Bücher
- Maria Todorova: Die Erfindung des Balkans. Europas bequemes Vorurteil, Primus Verlag 1999, ISBN 3896782096
- Karl Kaser: Freundschaft und Feindschaft auf dem Balkan. Euro-balkanische Herausforderungen, Wieser-Verlag 2001, ISBN 3851293622
- Richard Wagner: Der leere Himmel. Reise in das Innere des Balkan, Aufbau-Verlag 2003, ISBN 3351025483
- Steven W. Sowards: Moderne Geschichte des Balkans. Der Balkan im Zeitalter des Nationalismus, BoD 2004, ISBN 3833409770
Zeitschriften
- [http://www.suedosteuropa-gesellschaft.com/framescontent/publ_liste.cfm?Kategorie=8 Südosteuropa Mitteilungen]
Siehe auch
- Portal:Südosteuropa
- Mitteleuropa
- Ostmitteleuropa
Weblinks
- [http://www.bertelsmann-stiftung.de/medien/pdf/DiscussionPaper_RethinkingtheBalkans.pdf Discussion Paper – Rethinking the Balkans, Balkan Forum 2004, Bertelsmann-Stiftung 2004 (PDF-Format, englisch)]
- [http://www.rferl.org/balkan-report/ Radio Free Europe/Radio Liberty Balkan Report]
- [http://www.balkantimes.com/ Southeast European Times]
- [http://www.balkanalysis.com/ Balkanalysis.com]
- [http://www.csees.net/ The Centre for South East European Studies]
- [http://www.civilitasresearch.org/ Civilitas Research]
- [http://www.balkans.eu.org/ Le Courrier des Balkans – Nachrichten zu Politik, Kultur und Wirtschaft der Balkanländer] (französisch)
Kategorie:Balkan
Kategorie:Halbinsel
ja:バルカン半島
ko:발칸 반도
th:คาบสมุทรบอลข่าน
Balkankonflikt
Der Begriff Balkankonflikt bezeichnet das großenteils gewaltsame Zerbrechen des Staates Jugoslawien in den 1990er Jahren. Verursacht wurde er unter anderem durch die schweren ökonomischen Probleme, denen sich das Land in den 1980er Jahren ausgesetzt sah, verbunden mit einer nationalistischen Politik und Propaganda, die von der damaligen serbischen und kroatischen Macht-Elite, aber auch von Politikern anderer Teilrepubliken ausging. Eine wesentliche Ursache des Streits zwischen den Republiken lag in der Verteilung der finanziellen Mittel zwischen den Teilrepubliken (ähnlich dem deutschen Länderfinanzausgleich). Angesichts der auf Grund der Hyperinflation immer geringeren zur Verfügung stehenden Mittel beanspruchten Kroatien und Slowenien als die wohlhabenderen Teilrepubliken größere Teile der bei ihnen erwirtschafteten Mittel für sich, während die ärmeren Republiken Serbien und Mazedonien einen höheren Anteil als Ausgleich für die schlechte Wirtschaftslage für sich verlangten. Dieser Konflikt konnte, auch aufgrund eines nicht klar etablierten Regierungssystems nach Titos Tod 1980 nicht politisch gelöst werden.
In dieser bereits aufgeheizten Atmosphäre veröffentlichte 1986 die Serbische Akademie der Wissenschaften und Künste das Sanu-Memorandum, in dem das politische System Jugoslawiens angegriffen wird und von einer systematischen Benachteiligung des serbischen Volkes die Rede ist. Es ging soweit, von einem Genozid an den Serben im Kosovo zu schreiben. Dieses Memorandum war eine der Initialzündungen für einen immer stärker aufkommenden Nationalismus innerhalb der serbischen Volksgruppe, aber auch der anderen. Besonders durch die Politik von Slobodan Milošević, der seit 1984 Leiter der Belgrader Regionalgruppe und seit September 1987 Parteisekretär des Bundes der Kommunisten Serbiens war, wurden diese nationalistischen Spannungen verschärft. Einen weiteren Auftrieb erhielten diese, als 1989 unter Miloševics Anleitung und mit dem Ziel seiner Machterweiterung durch eine Änderung der serbischen Verfassung die seit 1974 bestehende Autonomie des Kosovo und der Vojvodina aufgehoben wurde.
Im Sog der politischen Umwälzungen in den anderen sozialistischen Staaten Osteuropas 1989/90 bildeten sich auch in Jugoslawien neue Parteien, und es kam 1990 zu ersten
freien Wahlen in einigen Republiken, die mehrheitlich von nationalistisch agierenden Parteien gewonnen wurden. Daraufhin proklamierten am 25. Juni 1991 zunächst Slowenien und Kroatien ihre Unabhängigkeit, was von Teilen der jugoslawischen Führung als Verfassungsbruch angesehen wurde. Dies war aufgrund unklarer Formulierungen in der Verfassung von 1974 möglich, in der zwar das Selbstbestimmungsrecht der Völker Jugoslawiens festgeschrieben war, aber Modalitäten für einen Austritt der einzelnen Republiken aus der Föderation nicht einmal in Erwägung gezogen worden waren. Die Belgrader Führung versuchte unter maßgeblichem Einfluss von Milošević, die Unabhängigkeit mit Hilfe der Jugoslawischen Volksarmee (JNA) zu verhindern. So kam es im Juni 1991 in Slowenien zu ersten Kämpfen zwischen der jugoslawischen Armee und den slowenischen Streitkräften. Die woanders in Jugoslawien ebenso vorhandenen Konflikte entwickelten sich zum offenen Krieg. Insbesondere in den Republiken mit ethnisch weitgehend heterogener Bevölkerung (Bosnien-Herzegowina, Kroatien) wurden die Kämpfe hart und lang andauernd geführt. So forderte dieser Balkankrieg allein in Bosnien um die 100.000 Todesopfer. Es kam zu Massenfluchten, Vertreibungen und Zerstörungen.
Da die Bundesarmee von Serben dominiert war und der serbischen Führung unter Slobodan Milošević nahestand, mussten die Republiken Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina eigene Armeen aus Polizei und Territorialverteidigung improvisieren. Bei der Territorialverteidigung handelte es sich um eine parallel zur Armee existierende Institution, welche mit einer der Feuerwehr ähnlichen Organisationsform im Falle eines Angriffes schnell und unbürokratisch die Verteidigung bis zum Eintreffen der Armee organisieren sollte und dem Befehl der Gemeindeverwaltung unterstand. Die Waffen der kroatischen Territorialverteidigung wurden bereits im Mai 1990 von der JNA beschlagnahmt, die der bosnischen wenig später. Lediglich die Polizei behielt ihre leichte Bewaffnung. Das kroatische Militär wurde seit 1990 jedoch erfolgreich schrittweise verstärkt und aufgerüstet.
Die westlichen Staaten waren im Jahr 1991 noch fest entschlossen, Jugoslawien als Staat zu erhalten.
Kriegsopfer
Zu den Zahlen der Kriegsopfer existieren unterschiedliche Angaben, die mitunter auch interessengeleitet sind.
Folgende offizielle Zahlen der Republiken zu den Kriegsopfern sind bekannt:
- Bosnien und Herzegowina: 242.330 Tote, 175.286 Verwundete, 36.470 Vermisste, ca. 40.000 vergewaltigte Frauen, von denen 10.000 minderjährig (Statistisches Amt der Föderation von Bosnien-Herzegowina). Eine von der norwegischen Regierung finanzierte Untersuchung durch das Research and Documentation Center in Sarajewo kam im November 2005 jedoch zu dem Ergebnis, dass während des gesamten Bosnien-Krieges wahrscheinlich 100.000 Menschen ums Leben gekommen seien. 70 Prozent der Toten seien bosnische Muslime, 25 Prozent bosnische Serben und 5 Prozent Kroaten. Die lange international kursierende und nach wie vor von bosnischen Stellen geschätzte Zahl von 250.000 Opfern habe sich als "Mythos" erwiesen. Auch das UN-Kriegsverbrechertribunal zum früheren Jugoslawien in Den Haag geht von einer Zahl von etwa 100.000 Kriegsopfern aus.
- Kroatien: 12.131 Tote, darunter 8.100 Zivilisten, 33.043 Verwundete, 2.251 Verschollene (kroatische Regierung aus dem Jahr 1995)
- Slowenien: bei den slowenischen Truppen 19 Tote und 182 Verletzte, bei der jugoslawischen Volksarmee 44 Tote und 146 Verletzte (Schätzungen)
- Kosovo: 4.000 Leichen oder Leichenteile bis 2002 ausgegraben, etwa 800 albanische Tote wurden bislang in Serbien gefunden (da es bis heute keine genauen offiziellen Zahlen gibt, beruhen die Opferzahlen auf Flüchtlingsberichten und Massengrabfunden).
- Serbien: 2.800 vermisste und bisher 1.000 identifizierte getötete serbische Zivilisten in Bosnien-Herzegowina 1991–1992; 6780 getötete Serben in Kroatien, laut ICTY 150.00 bis 200.000 Vertriebene in der Krajina; 142 getötete serbische Polizei- und Armeeangehörige im Kosovo; die NATO-Operation 1999 führte zu etwa 5.000 Todesopfern in der Bundesrepublik Jugoslawien (NATO-Angaben); nach jugoslawischen Angaben kamen 462 Soldaten, 114 Polizisten und etwa 2.000 Zivilisten ums Leben (Angaben der Jugoslawischen Volksarmee).
Chronologie
- 4. Mai: Jugoslawiens Staatspräsident Josip Broz Tito stirbt im Alter von 88 Jahren. Ein kollektives Staatspräsidium mit jährlich wechselndem Vorsitz (einmal Serben, dann Kroaten, dann Bosniaken etc.) übernimmt die Führung in Jugoslawien.
- In der serbischen Provinz Kosovo kommt es zu Unruhen. Albaner (zirka 80 % Bevölkerungsanteil) verlangen die Lösung von Serbien und den Status eines Staatsvolks. Dies wird von allen Teilrepubliken sowie der jugoslawischen Bundesregierung verweigert; Proteste werden blutig niedergeschlagen.
- Serbische Intellektuelle fordern im Sanu Memorandum ein Ende der so genannten „Diskriminierungen des serbischen Volkes“. Das Memorandum behauptet unter anderem einen „Genozid“ am serbischen Volk im Kosovo und eine Verschwörung Kroatiens und Sloweniens gegen Serbien. Eine Revision der jugoslawischen Verfassung wird gefordert.
- Andererseits wird routinemäßig der Albaner Sinan Hasani zum jugoslawischen Staatsoberhaupt gewählt.
- Im April 1987 bereist Slobodan Milošević den Kosovo und horcht auf verschiedenen Veranstaltungen den Sorgen der Serben und Montenegriner. Die orthodoxe Bevölkerung berichtet von einem massiven wirtschaftlichen, politischen und psychischen Druck durch die Albaner. Nach einer Rede im Kulturhaus von Kosovo Polje (alban. Fushë Kosovë) wird die Stimmung endgültig angeheizt: Einer aufgebrachten serbischen Menschenmenge verweigert die mehrheitlich albanische Provinzpolizei den Zutritt zum Gebäude. Als Milošević vor das Gebäude tritt und die Menschen rufen „Sie schlagen uns!“, antwortet er: „Niemand soll es jemals wieder wagen, euch zu schlagen!“ („nitko nesme da vas bije“ – wörtlich: „niemandem ist es erlaubt, euch zu schlagen“. Die angebotene Übersetzung im Text ist aber deutlich besser, da sie sehr gut die tatsächliche Tragweite dieses „niemand“ in dieser besonderen Situation hervorhebt). In den kommenden Monaten knüpft Milošević engere Beziehungen zur orthodoxen Kirche und nutzt seine Kontakte zu den Medien zu einer zunehmend nationalistischeren Kampagne.
- Slobodan Milošević wird Vorsitzender der serbischen Kommunistischen Partei.
1988
- Slobodan Milošević wird Präsident Serbiens.
- Im Oktober 1988 werden die Regierungen der Vojvodina und Montenegros durch Gefolgsleute Miloševićs ersetzt.
1989
- Im Februar 1989 stimmt das Parlament der SR Serbien einer Verfassungsänderung zu. Damit wird die Autonomie der Sozialistischen Autonomen Provinz Kosovo und der Sozialistischen Autonomen Provinz Vojvodina faktisch aufgehoben. Darauf flammen im Kosovo Unruhen auf, der Ausnahmezustand wird verhängt. In der Folgezeit werden die Albaner aus nahezu allen Bereichen des öffentlichen Lebens von Serben verdrängt. Die Verfassungsänderung markiert den Anfang vom Ende des Jugoslawiens Titos.
- Am „Vidovdan“ (St.-Veits-Tag) findet eine von hundertausenden Serben besuchte nationalistische Kundgebung in Gazimestan auf dem Amselfeld statt. Slobodan Milošević verlangt auf dieser Veranstaltung mehr Rechte und Einfluss für die Serben im jugoslawischen Staatsverband. :(Nachzulesen ist die Amselfeld-Rede in einer deutschen Fassung hier: http://www.friwe.at/jugoslawien/archiv/milosevic.rtf)
- Viele Slowenen und Kroaten fühlen sich durch den serbischen Machtanspruch bedroht. Bei ihnen wächst der Wunsch, den jugoslawischen Staat zu verlassen. Slowenien diskutiert die „asymmetrische Föderation“ (nicht jede Republik soll auf gleicher Art in die jugoslawische Föderation eingebunden sein) und schafft als erste Teilrepublik das Parteimonopol ab und setzt freie Wahlen an.
- Die Hyperinflation verschärft 1989 die wirtschaftlichen Probleme. Der Staatsbankrott kann nur durch eine Intervention des Internationalen Währungsfonds abgewendet werden. Im Dezember 1989 wird der Dinar, der mittlerweile als wertloses Papiergeld in dicken Bündeln kursiert (am 19. Dezember 1989 bekam man für 1 DM (umgerechnet 0,51 €) immerhin 70.000 Dinar), im festen Verhältnis 7:1 an die Deutsche Mark gekoppelt, und es werden vier Nullen gestrichen.
1990
- Die wirtschaftliche Talfahrt geht weiter. Die Inflation kann auf einen noch knapp zweistelligen Wert gedrückt werden. Aber der feste, realitätsfremde Wechselkurs zur Deutschen Mark erschüttert die bisher weitgehend stabile Wirtschaft in der SR Slowenien und der SR Kroatien, die bisher sehr exportorientiert waren und erhebliche Deviseneinnahmen aus dem Tourismus erzielen konnte.
- Die Republiken Slowenien und Kroatien beginnen 1990, zunächst nicht mehr die vollen Steuern und Zölle an die Bundeskasse abzuführen und stellen ihre Zahlungen, auch die in den Republikenausgleichsfonds, dann ganz ein. Die Sparer, die seit jeher ihre Ersparnisse überwiegend in Devisen angelegt haben, verlieren ab Mitte 1990 immer mehr das Vertrauen in das marode System. Immer mehr Sparer ziehen ihre Deviseneinlagen von den Banken ab. Im Oktober 1990 wird die Situation kritisch, innerhalb weniger Tage fließen umgerechnet über 3 Milliarden Dollar ab. Als damit die Devisenreserven des Bundesstaates immer schneller dahinschmelzen und der Staatsbankrott nun nicht mehr abwendbar scheint, bleibt der Regierung Marković nichts anderes übrig, als sämtliche Devisenkonten zu sperren. Damit werden sämtliche Sparer, die sich ihre Einlagen noch nicht haben auszahlen lassen, faktisch enteignet.
- In Slowenien wird der Reformkommunist Milan Kučan zum Staatspräsidenten gewählt.
- In Kroatien geht die HDZ unter Vorsitz von Franjo Tudjman als Sieger aus den Wahlen hervor.
- Slowenien und Kroatien legen einen Verfassungsentwurf für eine Umwandlung der jugoslawischen Föderation in die losere Form einer Konföderation vor.
- Das kroatische Parlament führt in Kroatien Kroatisch als Amtssprache ein und schränkt den administrativen Gebrauch der kyrillischen Schrift ein. In einer geplanten Verfassungsrevision wird das serbische Staatsvolk zur Minderheit herabgestuft. Diese „Kroatisierungsmaßnahmen“ führen zu Unruhen in den Gebieten der sog. Krajina, in denen eine große serbische Minderheit lebt. Ein Großteil dieser Serben spricht sich für ihre Unabhängigkeit aus. Es kommt zu gewalttätigen Aufständen und Blockaden gegen Kroatien.
- In Bosnien-Herzegowina wird Alija Izetbegović Staatspräsident. Slowenien und Kroatien kündigen für Juni 1991 ihre Unabhängigkeit an, falls es bis dahin nicht zu einer politischen Neuordnung Jugoslawiens kommt. In Slowenien stimmen am 23. Dezember bei einer Volksabstimmung 88,5 % für die staatliche Souveränität Sloweniens und ein endgültiges Ausscheiden, falls die politische Neuordnung nicht erfolgt.
1991
- Anfang 1991 proklamieren Kosovo-Albaner die unabhängige „Republik Kosova“, die aber weder von Serbien noch international (mit Ausnahme von Albanien) anerkannt wird.
- Am 28. Februar wird in Knin (Kroatien) die „Serbische Autonome Provinz Krajina“ ausgerufen. Kroatische Familien werden vertrieben.
- Ab März 1991 kommt es in Kroatien zu Zusammenstößen zwischen der kroatischen Polizei, der kroatischen Nationalgarde und autonomen Freischärlerverbänden auf der einen und Milizen der in Kroatien lebenden Serben, serbischen Freiwilligen und Tschetniks aus Bosnien und Serbien sowie der Jugoslawischen Volksarmee, welche die Aufstellung einer republikseigenen kroatischen Armee zu verhindern sucht, auf der anderen Seite.
- In Serbien stößt die harte nationalistische Linie von Slobodan Milošević noch auf entschiedenen Widerstand der Opposition und großer Teile der Bevölkerung. So kommt es im März in Belgrad zu ernsten Unruhen und Straßenkämpfen.
- Am 1. April versucht die Bundesarmee noch, die kämpfenden Parteien in Kroatien zu trennen; später ergreift sie offen Partei für die serbischen Extremisten.
- Am 15. Mai scheitert die turnusgemäße Wahl des Kroaten Stipe Mesic zum Vorsitzenden des jugoslawischen Staatenbundes an Serbien.
- Am 19. Mai entscheidet sich bei einem Referendum in Kroatien die kroatische Bevölkerung mit 93 % der Stimmen für die Trennung vom jugoslawischen Bund. Die serbische Minderheit boykottiert die Abstimmung.
- In einem Fait accompli proklamieren Slowenien und Kroatien am 25. Juni 1991 ihre Unabhängigkeit. Slowenien übernimmt noch am selben Tag die Gewalt über seine Grenztruppen (wo aber die Überwachung der Grenzübergänge außer der so genannten „Grünen Grenze“ schon laut jugoslawischer Verfassung zur Kompetenz der jeweiligen Republiken gehörte). Am 26. Juni 1991 greift die Jugoslawische Volksarmee in Slowenien ein, um die Unabhängigkeit zu verhindern. Von Belgrad aus starten MiG-29-Jagdflugzeuge und beschießen den Ljubljaner Flughafen. Nach zehn Tagen wird unter Vermittlung der EG ein Waffenstillstand geschlossen. Die Bundesregierung in Belgrad erkennt, dass die Unabhängigkeit nicht mehr aufzuhalten ist. Da in Slowenien keine bedeutende serbische Minderheit lebt, die militärisch aktiv werden könnte, zieht der letzte JNA-Soldat im Oktober 1991 aus Slowenien ab. So verschiebt sich der Krieg nach Kroatien.
- Besetzung des Nationalparks Plitvicer Seen durch die Jugoslawische Volkarmee. Dort stirbt das erste Opfer des Krieges. Die Plitvitzer Seen gehören heute zum UNESCO-Weltnaturerbe. Weite Teile dieses einzigartigen Naturparkes werden von den serbischen Soldaten vermint und verunreinigt. In den folgenden Monaten kommt es zu schweren Konfrontationen zwischen der JNA und kroatischen Verbänden, hauptsächlich in der Lika, Kordun, Banija, Norddalmatien und in Ostslawonien (Osijek, Vukovar).
- 5. Juli: Die EG verhängt ein Waffenembargo gegen Jugoslawien.
- Mitte Juli eskalieren die Zwischenfälle in Kroatien zum offenen Krieg. Er wird vor allem um das mehrheitlich von Serben bewohnte Gebiet der Lika, Banija, Kordun und Norddalmatien geführt. Aber auch größere kroatische Städte sowie Slawonien und West-Dalmatien, wo Serben eine Minderheit darstellen, sind betroffen. Ziel Serbiens ist, die Kontrolle über ein zusammenhängendes Territorium zu bekommen, um so den Anschluss der serbisch besiedelten Gebiete an die später gegründete Bundesrepublik Jugoslawien („Rest-Jugoslawien“) zu vollziehen. Die JNA beteiligt sich zunächst nicht direkt an den Kämpfen, unterstützt aber serbische Freischärlerverbände. Als sich Kroatien zur Blockade der Kasernen der JNA auf ihrem Territorium entschließt, tritt die Armee offen als kriegführende Partei in Erscheinung. Sie beteiligt sich an dem Beschuss kroatischer Städte wie Vukovar und Dubrovnik und blockiert kroatische Adriahäfen.
- 25. Juli: Der serbischstämmige Bevölkerungsteil Kroatiens erklärt aufgrund der sich abzeichnenden Verfassungsänderung die „Souveränität des serbischen Volkes in Kroatien“ und gründet einen Nationalrat.
- Die deutsche Bundesregierung erwägt die völkerrechtliche Anerkennung von Kroatien und Slowenien, was bisher von der EG abgelehnt wurde.
- am 26. Juli wird die kroatische Verfassung geändert, die keine speziellen Gruppenrechte für die serbische Minderheit vorsieht.
- 23. August: Die kroatische Stadt Vukovar wird von serbischen Streitkräften angegriffen.
- 24. August: Gewaltsame Unruhen greifen erstmals auf Bosnien-Herzegowina über. Die bosniakischen Truppen mit dem Kommandanten Naser Oric verüben bis 1992 Massaker und Verbrechen in und um Sarajevo, bei denen mindestens 50 serbische Dörfer zerstört werden und nach serbischen Angaben 2.800 serbische Zivilisten getötet werden, 1.000 Opfer sind mittlerweile identifiziert.
- 30./31. August: Mehrere zehntausend Mütter demonstrieren in Belgrad für die Entlassung ihrer Söhne aus dem Militär.
- Im September 1991 haben serbische Milizen ein Drittel von Kroatien erobert. Wichtige Verbindungen nach Dalmatien sind unterbrochen.
- 25. September: Der UN-Sicherheitsrat verhängt ein Waffenembargo gegen Jugoslawien.
- 26. September: Aus Kräften der kroatischen Polizei und der Nationalgarde wird die kroatische Armee (HV) gebildet.
- 1. Oktober: Die Altstadt von Dubrovnik wird angegriffen und teilweise zerstört (Belagerung und Beschuss von Dubrovnik 1991). Sie zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe und wurde ohne Rücksicht auf Verluste von serbischer Seite aus beschossen.
- 15. Oktober: Das Parlament Bosnien-Herzegowinas verabschiedet gegen die Stimmen der serbischen Vertreter ein Memorandum zur Unabhängigkeit.
- 24. Oktober: Die serbische Regierung erklärt, sie wolle ein Jugoslawien unter Einschluss der serbischen Gebiete in Kroatien und Bosnien-Herzegowina schaffen. Bosnische Serben gründen ein eigenes „Parlament“.
- 12. November: In Sarajevo demonstrieren 100.000 Menschen für ein friedliches Zusammenleben aller drei Volksgruppen in Bosnien-Herzegowina.
- 18. November: Nach 87 Tagen Belagerung (Schlacht um Vukovar) fällt die völlig zerstörte kroatische Stadt Vukovar in serbische Hand. Es werden Kriegsverbrechen wie z. B. das Massaker von Vukovar an Kroaten begangen .
- Es tritt eine weitgehende militärische Waffenruhe ein, allerdings nicht als Ergebnis des Waffenembargos und der Wirtschaftssanktionen. Vielmehr haben die serbischen Verbände fast überall rein kroatische Gebiete erreicht, wo sie nicht mehr mit lokaler Unterstützung rechnen können. Außerdem hat die kroatische Armee ihre Verteidigungslinien konsolidiert. Schließlich befindet sich die JNA in einer Umbruchphase von einer jugoslawischen zu einer rein serbisch dominierten Armee, nachdem das Personal der anderen Republiken aus der Bundesarmee zurückberufen oder entlassen wurde. Die JNA muss verstärkt serbische Reservisten mobilisieren.
- 19. November: Mazedonien erklärt seine Unabhängigkeit.
- Ende November: Im Kosovo stimmen bei einer geheimen Abstimmung mehr als 90 % der teilnehmenden Albaner für ihre Unabhängigkeit.
- 3./5. Dezember: Bundeskanzler Kohl verspricht Slowenien und Kroatien die Anerkennung noch im Jahr 1991. Sie erfolgt am 23. Dezember, ohne dass manche von der EG verlangten Bedingungen (z. B. ausreichender Minderheitenschutz in Kroatien) erfüllt sind.
- 22. Dezember: Kroatien verabschiedet eine neue Verfassung als einheitlicher und souveräner Staat, die Krajina-Serben erklären sich für autonom und rufen ihrerseits die sogenannte Republik Serbische Krajina aus. Ziel ist die Vereinigung mit den bosnischen Serben und Serbien zu einem gemeinsamen serbischen Staat.
- 23. Dezember: Bosnien-Herzegowina beantragt bei der EG seine Anerkennung.
1992
- 2. Januar: Der UN-Sonderbeauftragte Cyrus Vance vereinbart mit der Führung in Belgrad und Zagreb einen Friedensplan, der die Stationierung von UN-Truppen (United Nations Protection Forces, UNPROFOR) ermöglicht.
- 9. Januar: Bosnische Serben proklamieren in ihrem selbsternannten Parlament die „Serbische Republik in Bosnien-Herzegowina“
- 15. Januar: Anerkennung Kroatiens und Sloweniens durch die EG
- 3. März: Verkündung der Unabhängigkeit von Bosnien-Herzegowina, Beginn der militärischen Auseinandersetzungen zwischen bosnischen Serben auf der einen und bosnischen Kroaten und Bosniaken auf der anderen Seite.
- 5. April: Beginn der Belagerung Sarajevos mit der Einnahme des Flughafens durch die Jugoslawische Volksarmee.
- 6. April: Die EG beschließt die Anerkennung Bosnien-Herzegowinas. Daraufhin brechen in ganz Bosnien schwere Kämpfe aus.
- 27. April: Serbien schließt sich mit Montenegro zur „Bundesrepublik Jugoslawien“ zusammen.
- 2. Mai: Vollständige Belagerung Sarajevos für 1.425 Tage.
- 5. Mai: Das Staatspräsidium der Bundesrepublik Jugoslawien gibt den Oberbefehl über die Jugoslawischen Streitkräfte in Bosnien-Herzegowina ab. Militärische Infrastruktur, die der bosnischen Territorialverteidigung oder kroatischen Verbänden in die Hände fallen könnte, wird vernichtet. Den bosnischen Serben wird dagegen militärisches Großgerät überlassen.
- 30. Mai: Der UN-Sicherheitsrat verhängt Sanktionen gegen Serbien und Montenegro.
- Mitte des Jahres werden ausländische Mudschaheddin nach Bosnien eingeschleust, um auf Seiten der muslimischen Streitkräfte zu kämpfen. In der Folge begehen die sich selber als Gotteskrieger bezeichnenden Freiwilligen schwere Gräueltaten an Serben und Kroaten.
- 3. Juli: Proklamation der Kroatischen Gemeinschaft Herceg-Bosna durch die „Kroatische Demokratische Gemeinschaft“ (HDZ) unter Führung von Mate Boban. Zur Hauptstadt wird Mostar erklärt.
- 2. August: Der Reporter Roy Gutman berichtet in der amerikanischen Zeitung „Newsday“ erstmals über Massenmorde in von bosnischen Serben betriebenen Internierungslagern, insbesondere Omarska. Der Sprecher des internationalen Komitees vom Roten Kreuz lässt verlauten, dass alle drei Konfliktparteien in Bosnien-Herzegowina Internierungslager eingerichtet hätten. Die Größenangaben divergieren stark.
- 25. August: In der Nacht wird die Universität von Bosnien-Herzegowina in Sarajevo in Trümmer geschossen. Serbische Artilleristen aus den umliegenden Hügeln beschießen absichtlich das historische Gebäude mit Granaten, und die Bibliothek geht in Flammen auf. Ihr gesamter Bestand – eineinhalb bis zwei Millionen Bücher – verbrennt. Die Asche geht stundenlang auf die Stadt nieder. Die Bibliothek galt als eine der bestausgestattetsten Südeuropas.
- 26./27. August: Jugoslawien-Konferenz in London unter Vorsitz von EG und UNO. Alle Kriegsparteien einigen sich auf 13 Grundsätze zur Konfliktlösung, u. a. Beendigung der Kämpfe, Einhaltung von Menschen- und Minderheitenrechten, Auflösung der Internierungslager, Respektierung der territorialen Integrität aller Staaten der Region. Nachfolgeprobleme der neuen Staaten Ex-Jugoslawiens sollen durch Konsens oder in einem Schiedsverfahren geregelt werden. Ein Lenkungsausschuss unter Vorsitz der beiden Sonderbeauftragten Vance und Owen soll den Verhandlungsprozess zwischen den Kriegsparteien institutionalisieren.
- 9. Oktober: Der UN-Sicherheitsrat verhängt ein Verbot für militärische Flüge über Bosnien-Herzegowina.
1993
9. Oktober
- 2. bis 5. Januar: Die beiden Vorsitzenden der Genfer Jugoslawienkonferenz, Owen und Vance, legen einen „Verfassungsrahmen für Bosnien und Herzegowina“ (Vance-Owen-Plan) mit beigefügter Landkarte vor.
- Ende Januar, kurz vor Ablauf des UN-Mandats, beginnen die Kämpfe in Kroatien von Neuem. Kroatien startete eine Offensive in die serbisch besetzten Gebiete Kroatiens mit dem Ziel, das strategisch wichtige Hinterland von Zadar zurückzuerobern. Anfang Februar weiten sich die Kämpfe auch auf das Hinterland von Split aus.
- 25. März: Der bosnische Präsident Izetbegović unterschreibt den Vance-Owen-Plan. Damit lehnt nur noch der Serbenführer Karadžić den Gesamtplan ab.
- 1. April: Der UN-Sicherheitsrat beschließt die militärische Durchsetzung des Fl | | |