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BankierDer Ausdruck Bankier (aus dem französ. banquier) bezeichnet den persönlich haftenden Inhaber einer Privatbank. Er benötigt zur Berufsausübung neben dem notwendigen Privatvermögen eine schriftliche Erlaubnis des Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht - BAFin - nach §§ 32, 33 KWG und muss seine Eignung und Befähigung nachweisen. Der Begriff wird heute teilweise in erweiterten Sinne auch für die Vorstandsmitglieder der als Kapitalgesellschaften geführten Banken benutzt. Der Unterschied zwischen einem "Bankier" und einem "Banker" wurde z. B. von Dr. h.c. Ludwig Poullain, ehemalige Chef der WestLB, in seiner "Ungehaltenen Rede" herausgestellt.
"Was den Unterschied zwischen einem Bankier und einem Banker ausmacht? Der Bankier war ein vornehmer Mann, kein Vornehmtuer, er war also ein Herr, der die Kunst und die Geduld des Zuhörens beherrschte und so souverän war, seine eigene Meinung durch das, was er aufnahm, zu korrigieren. Er räumte den Ratgebern Zeit ein, und er nahm die Sorgen derer, die sich ihm anvertrauten, ernst. Er war kein Mann des schnellen Geldmachens, sondern suchte seinen Nutzen in der Beständigkeit einer Beziehung.
Ein Banker dagegen ist ein globaler Universeller. Er weiß nicht nur alles, er weiß auch alles besser; etwa von Abläufen in Produktion und Versand, von Forschung und Entwicklung, also von Dingen, von denen er von Haus aus nur wenig wissen kann. Hat er sich einmal eine Meinung gebildet, steht sie unverrückbar fest. Sie ist nicht mehr diskutierbar. Am liebsten verkehrt er nur unter Gleichgekleideten. Gepflegte Tischsitten und strikte Beachtung der Regeln der Etikette gelten ihm als Ausdruck hochentwickelter Kultur." (Dr. h.c. Ludwig Poullain, FAZ vom 16.07.2004)
Zum Ende des Mittelalters, als die ersten Banken entstanden, war dieser Beruf in Europa weitgehend Juden vorbehalten, da Zinsen zu nehmen den Christen verboten war. Hier spielte später auch die Tatsache eine Rolle, dass Bankiers nur existieren können, wenn sie in guten Zeiten gute Gewinne machen, weil sie in schlechten Zeiten erhebliche Verluste hinnehmen müssen. Eine auf Ausgleich und künstlich festgelegte Einkommen angelegte ständestaatliche (christliche) Ordnung war nicht in der Lage, dem Rechnung zu tragen, sodass nur Außenseiter in diesem Bereich erfolgreich sein konnten.
Aus dem dabei entstandenen Reichtum einiger weniger Juden, und dem zwangsweise nicht immer sehr freundlichen Verhalten von Gläubigern gegenüber säumigen Schuldnern, rühren auch einige der Vorurteile, die manche gegenüber Juden hatten und teilweise heute noch haben.
Mit der Verbesserung der Bildungssysteme, der Einführung von teilweise relativ harten Gesetzen zum Schutz von Verträgen, und dem Wegfall vieler religiöser Vorstellungen, sind allerdings auch vermehrt Leute, die nicht jüdisch sind, in diesem Bereich erfolgreich geworden. Die Vertreibung vieler jüdischer Bankiers durch die Nationalsozialisten dürfte einen für die betroffenen Staaten nicht unerheblichen Brain Drain bewirkt haben.
Privatbanken
Die bekanntesten heute noch tätigen und in Familienbesitz befindlichen Privatbanken sind M. M. Warburg & CO KGaA, Hamburg; B. Metzler seel. Sohn & Co. KGaA, Frankfurt; Hauck & Aufhäuser, Frankfurt; Sal. Oppenheim, Köln; Bankhaus Lampe, Bielefeld; Berenberg Bank, Hamburg.
Zudem gibt es auch einige Banken, die sich zwar als Privatbanken bezeichnen, teilweise auch von persönlich haftenden Gesellschaftern geführt werden, aber größtenteils im Besitz großer Aktienbanken sind. Zu diesen gehört zum Beispiel das Bankhaus Delbrück Bethmann Maffei in Frankfurt am Main, das sich im Besitz der ABN Amro Bank befindet.
Personen
Als bekannte Bankiers gelten die Rothschilds, die dadurch, dass sie im 19. Jahrhundert gleichzeitig in Frankfurt, London, Wien, Paris und Neapel aktiv waren. So konnten sie Rezessionen einem Land durch Gewinne der anderen Bankhäuser leicht kompensieren. Zudem besaßen sie oft einen Informationsvorsprung, der ihnen bei einigen Geschäften große Gewinne einbrachte.
Weitere Privatbankiers sind u.a.:
- Simon Moritz von Bethmann (1769-1826)
- August von Finck sen. (1898-1980)
- Wilhelm von Finck (1848-1924)
- Anton Fugger (1493-1560)
- Jakob Fugger (1459-1525)
- August von der Heydt (1801-1874)
- Friedrich Metzler (1749-1825)
- Friedrich von Metzler ( - 1943)
- John Pierpont Morgan (1837-1913)
- Jacques Necker (1732-1804)
- Abraham von Oppenheim (1804-1878)
- Joseph Süß Oppenheimer (1698-1738)
- Georg von Siemens (1839-1901)
- Johann Friedrich Städel (1728-1816)
- Fritz von Waldthausen (1887-1957)
- Max Warburg
Literatur
- Erich Achterbach, Maximilial Müller-Jabusch: Lebensbilder Deutscher Bankiers aus fünf Jahrhunderten, Knapp, Frankfurt/M. 1964
Kategorie:Dienstleistungsberuf
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KreditinstitutEin Kreditinstitut wird umgangssprachlich meist als Bank oder Bankhaus bezeichnet.
Ein Unternehmen ist nach dem deutschen Kreditwesengesetz (KWG) dann ein Kreditinstitut, wenn es Bankgeschäfte gewerbsmäßig oder in einem Umfang betreibt, der einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert. Unter Bankgeschäften im Sinne des KWG werden gefasst:
- Einlagengeschäft: Die Annahme fremder Gelder als Einlagen oder anderer rückzahlbarer Gelder des Publikums, sofern der Rückzahlungsanspruch nicht in Inhaber- oder Orderschuldverschreibungen verbrieft wird, ohne Rücksicht darauf, ob Zinsen vergütet werden.
- Kreditgeschäft: Die Gewährung von Gelddarlehen und Akzeptkrediten.
- Diskontgeschäft: Der Ankauf von Wechseln und Schecks.
- Finanzkommissionsgeschäft: Die Anschaffung und die Veräußerung von Finanzinstrumenten im eigenen Namen für fremde Rechnung.
- Depotgeschäft: Die Verwahrung und die Verwaltung von Wertpapieren für andere.
- Investmentgeschäft: Die in § 7 Abs. 2 des Investmentgesetzes bezeichneten Geschäfte.
- Darlehnserwerbsgeschäft: Die Eingehung der Verpflichtung, Darlehensforderungen vor Fälligkeit zu erwerben.
- Garantiegeschäft: Die Übernahme von Bürgschaften, Garantien und sonstigen Gewährleistungen für andere.
- Girogeschäft: Die Durchführung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs und des Abrechnungsverkehrs.
- Emissionsgeschäft: Die Übernahme von Finanzinstrumenten für eigenes Risiko zur Platzierung oder die Übernahme gleichwertiger Garantien.
- E-Geld-Geschäft: Die Ausgabe und die Verwaltung von elektronischem Geld.
Diese Geschäfte umfassen aber nur das "Außengeschäft" des Kreditinstituts im Sinn der Volkswirtschaftslehre. Dazu kommen:
- das Einlagengeschäft gegenüber anderen Kreditinstituten (Interbankenhandel),
- das Kreditgeschäft gegenüber anderen Kreditinstituten (Interbankenhandel),
- das Einlagengeschäft gegenüber der Notenbank (zur Refinanzierung).
- Dieses ist Grundlage dafür, dass überhaupt Bargeld im Umlauf ist: Die Notenbank überlässt Bargeld in einer bestimmten Höhe dem Kreditinstitut, was sich im Gegenzug verpflichtet, Geld in dieser Höhe später an die Notenbank zurückzuzahlen.
Das KWG definiert auch Ausnahmen: Die Deutsche Bundesbank, die Kreditanstalt für Wiederaufbau, die Sozialversicherungsträger und die Bundesagentur für Arbeit sind beispielsweise keine Kreditinstitute im Sinne des Gesetzes.
Eine Geschäftsbank ist innerhalb des finanziellen Sektors eine Bank, die nicht Zentralbank ist.
Den Geschäftsbanken stehen neben der Zentralbank die Nichtbanken als Kunden gegenüber.
Arten von Geschäftsbanken
- Universalbanken
- private Geschäftsbanken
- Großbanken
- Privatbankiers
- Regionalbanken
- Teilzahlungskreditinstitute
- Auslandsbanken
- Zweigstellen ausländischer Banken
- Genossenschaftliche Kreditinstitute
- Genossenschaftsbanken (Kreditgenossenschaft)
- Genossenschaftliche Zentralkassen
- Öffentlich-rechtliche Banken
- Sparkassen
- Girozentralen
- Spezialbanken
- Realkreditinstitute
- Grundkreditanstalten
- Hypothekenbanken
- Kreditinstitut mit Sonderaufgaben
- Bausparkassen
- Kapitalanlagegesellschaften
- Direktbanken
Notenbanken/Zentralbanken
Europäische Zentralbank (EZB), Englisch: European Central Bank (ECB).
Die Bundesbank ist die nationale Zentralbank Deutschlands.
siehe auch: Bankbetriebslehre
Geschichte
Als eine der ersten Zettelbanken fungierte die Bank von Amsterdam im Jahr 1609.
Banken wurden in einer arbeitsteiligen Volkswirtschaft nötig, da die Leistungen der Wirtschaftssubjekte unter Zwischenschaltung von Geld ausgetauscht wurde. Die Vermittler dieser Geldströme sind die Kreditinstitute. Weiterhin sorgen sie für den Ausgleich zwischen Geldanlagewünschen und Kreditbedarf.
Kreditinstitute unterliegen aufgrund ihrer besonderen Bedeutung im Wirtschaftskreis im Regelfall einer Reihe von nationalen und internationalen gesetzlichen und aufsichtsrechtlichen Vorschriften (z. B. bei der Besetzung der Geschäftsleitung, bei der Bilanzierung usw.) und unterstehen im Regelfall zudem der Aufsicht einer eigens zuständigen Behörde. Daher gelten für sie auch besondere Anforderungen.
In Deutschland übt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die Aufsicht über Kreditinstitute und Finanzdienstleistungsinstitute aus, die die Ausübung von Bankgeschäften explizit genehmigen muss. Anfang 2004 waren in Deutschland 2292 Kreditinstitute zum Geschäftsverkehr zugelassen.
Siehe auch
- Landesbank
- Sparkasse
- Volksbank
- Raiffeisenbank
- Kreditinstitute in Deutschland
- Bankenpleite
- Finanzskandal
- Depotstimmrecht
Literatur
- Eckhard Wandel, Banken und Versicherungen im 19. und 20. Jahrhundert , München : Oldenbourg, 1998
Weblinks
- [http://www.bafin.de bafin.de] - Offizielle Website der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).
- [http://www.bundesbank.de bundesbank.de] - Offizielle Website der Bundesbank.
- [http://www.mises.org/mysteryofbanking/mysteryofbanking.pdf The Mystery of Banking] - (engl.) Kritischer Überblick über Geschichte und Probleme des Banksystems
-
Kategorie:Dienstleistungssektor
!Kreditinstitut
ja:銀行
ko:은행
ms:Bank
simple:Bank
th:ธนาคาร
KreditwesengesetzAls Kreditwesengesetz oder kurz KWG wird in Deutschland das Gesetz über das Kreditwesen bezeichnet. Gegenwärtig rechtskräftig ist das KWG in der Neufassung der Bekanntmachung vom 9. September 1998 (BGBl. I S. 2776), zuletzt geändert durch Art. 4a des Gesetzes vom 22. September 2005. Die jeweils gültige Fassung des Kreditwesengesetzes ist [http://www.bafin.de/gesetze/kwg.htm auf der Webseite] der BaFin zu finden.
Hauptzwecke des KWG sind:
- die Sicherung und Erhaltung der Funktionsfähigkeit der Kreditwirtschaft.
- der Schutz der Gläubiger von Kreditinstituten vor Verlust ihrer Einlagen
Die Regelungen des KWG beziehen sich auf Kreditinstitute und Finanzdienstleistungsinstitute.
Abschnitte
Erster Abschnitt. Allgemeine Vorschriften
:1. Kreditinstitute, Finanzdienstleistungsinstitute, Finanzholding-Gesellschaften und Finanzunternehmen
::§ 1 Begriffsbestimmungen
::§ 2 Ausnahmen
::§ 2a Rechtsform
::§ 2b Inhaber bedeutender Beteiligungen
::§ 2c Leitungsorgane von Finanzholding-Gesellschaften und gemischten Finanzholding-Gesellschaften
::§ 3 Verbotene Geschäfte
::§ 4 Entscheidungen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
:2. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
::§ 5 (weggefallen)
::§ 6 Aufgaben
::§ 6a Besondere Aufgaben
::§ 7 Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundesbank
::§ 8 Zusammenarbeit mit anderen Stellen
::§ 8a Zusammenarbeit bei der Beaufsichtigung von Finanzkonglomeraten
::§ 8b Zuständigkeit für die Beaufsichtigung auf zusammengefasster Basis
::§ 8c Zuständigkeit für die zusätzliche Beaufsichtigung auf Konglomerate
::§ 9 Verschwiegenheitspflicht
Zweiter Abschnitt. Vorschriften für Institute, Institutsgruppen, Finanzholding-Gruppen, Finanzkonglomerate, gemischte Finanzholding-Gesellschaften und gemischte Unternehmen
:1. Eigenmittel und Liquidität
::§ 10 Eigenmittelausstattung
::§ 10a Eigenmittelausstattung von Institutsgruppen und Finanzholding-Gruppen
::§ 10b Eigenmittelausstattung von Finanzkonglomeraten
::§ 11 Liquidität
::§ 12 Begrenzung von qualifizierten Beteiligungen und Beteiligungsbeschränkungen für E-Geld-Institute
::§ 12a Begründung von Unternehmensbeziehungen
:2. Kreditgeschäft
::§ 13 Großkredite von Nichthandelsbuchinstituten
::§ 13a Großkredite von Handelsbuchinstituten
::§ 13b Großkredite von Institutsgruppen und Finanzholding-Gruppen
::§ 13c Gruppeninterne Transaktionen mit gemischten Unternehmen
::§ 13d Risikokonzentrationen und gruppeninterne Transaktionen von Finanzkonglomeraten
::§ 14 Millionenkredite
::§ 15 Organkredite
::§ 16 (aufgehoben)
::§ 17 Haftungsbestimmung
::§ 18 Kreditunterlagen
::§ 19 Begriff des Kredits für die §§ 13 bis 14 und des Kreditnehmers
::§ 20 Ausnahmen von den Verpflichtungen nach den §§ 13 bis 14
::§ 21 Begriff des Kredits für die §§ 15 bis 18
::§ 22 Rechtsverordnungsermächtigung über Kredite
:2a. Refinanzierungsregister
::§ 22a Registerführendes Unternehmen
::§ 22b Führung des Refinanzierungsregister für Dritte
::§ 22c Refinanzierungsermittler
::§ 22d Refinanzierungsregister
::§ 22e Bestellung des Verwalters
::§ 22f Verhältnis des Verwalters zur Bundesanstalt
::§ 22g Aufgaben des Verwalters
::§ 22h Verhältnis des Verwalters zum registerführenden Unternehmen und zum Refinanzierungsunternehmen
::§ 22i Vergütung des Verwalters
::§ 22j Wirkung der Eintragung in das Refinanzierungsregister
::§ 22k Beendigung und Übertragung der Registerführung
::§ 22l Bestellung des Sachwalters bei Eröffnung des Insolvenzverfahrens
::§ 22m Bekanntmachung der Bestellung des Sachwalters
::§ 22n Rechtsstellung des Sachwalters
::§ 22o Bestellung des Sachwalters bei Insolvenzgefahr
:3. Kundenrechte
::§ 22p Rücktauschbarkeit von elektronischem Geld
:4. Werbung und Hinweispflichten der Institute
::§ 23 Werbung
::§ 23a Sicherungseinrichtung
:5. Besondere Pflichten der Institute, ihrer Geschäftsleiter, der Finanzholding-Gesellschaften und der gemischten Unternehmen
::§ 24 Anzeigen
::§ 24a Errichtung einer Zweigniederlassung und Erbringung grenzüberschreitender Dienstleistungen in anderen Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums
::§ 24b Teilnahme an Zahlungs- und Wertpapierliefer- und -abrechnungssystemen
::§ 24c Automatisierter Abruf von Kontoinformationen
::§ 25 Monatsausweise und weitere Angaben
::§ 25a Besondere organisatorische Pflichten von Instituten
::§ 25b Besondere organisatorische Pflichten im grenzüberschreitenden bargeldlosen Zahlungsverkehr
:5a. Vorlage von Rechnungslegungsunterlagen
::§ 26 Vorlage von Jahresabschluss, Lagebericht und Prüfungsberichten
:6. Prüfung und Prüferbestellung
::§ 27 (aufgehoben)
::§ 28 Bestellung des Prüfers in besonderen Fällen
::§ 29 Besondere Pflichten des Prüfers
::§ 30 (aufgehoben)
:7. Befreiungen
::§ 31 Befreiungen
Dritter Abschnitt. Vorschriften über die Beaufsichtigung der Institute
:1. Zulassung zum Geschäftsbetrieb
::§ 32 Erlaubnis
::§ 33 Versagung der Erlaubnis
::§ 33a Aussetzung oder Beschränkung der Erlaubnis bei Unternehmen mit Sitz außerhalb der Europäischen Gemeinschaften
::§ 33b Anhörung der zuständigen Stellen eines anderen Staates des Europäischen Wirtschaftsraums
::§ 34 Stellvertretung und Fortführung bei Todesfall
::§ 35 Erlöschen und Aufhebung der Erlaubnis
::§ 36 Abberufung von Geschäftsleitern und Übertragung von Organbefugnissen auf Sonderbeauftragte
::§ 37 Einschreiten gegen ungesetzliche Geschäfte
::§ 38 Folgen der Aufhebung und des Erlöschens der Erlaubnis, Maßnahmen bei der Abwicklung
:2. Bezeichnungsschutz
::§ 39 Bezeichnungen "Bank" und "Bankier"
::§ 40 Bezeichnung "Sparkasse"
::§ 41 Ausnahmen
::§ 42 Entscheidungen der Bundesanstalt
::§ 43 Registervorschriften
:3. Auskünfte und Prüfungen
::§ 44 Auskünfte und Prüfungen von Instituten, Unternehmen mit bankbezogenen Hilfsdiensten, Finanzholding-Gesellschaften und in die Aufsicht auf zusammengefasster Basis einbezogenen Unternehmen
::§ 44a Grenzüberschreitende Auskünfte und Prüfungen
::§ 44b Prüfung der Inhaber bedeutender Beteiligungen
::§ 44c Verfolgung unerlaubter Bankgeschäfte und Finanzdienstleistungen
:4. Maßnahmen in besonderen Fällen
::§ 45 Maßnahmen bei unzureichenden Eigenmitteln oder unzureichender Liquidität
::§ 45a Maßnahmen gegenüber Finanzholding-Gesellschaften und gemischten Finanzholding-Gesellschaften
::§ 46 Maßnahmen bei Gefahr
::§ 46a Maßnahmen bei Insolvenzgefahr, Bestellung vertretungsbefugter Personen
::§ 46b Insolvenzantrag
::§ 46c Berechnung von Fristen
::§ 46d Unterrichtung der anderen Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums über Sanierungsmaßnahmen
::§ 46e Insolvenzverfahren in den Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums
::§ 46f Unterrichtung der Gläubiger im Insolvenzverfahren
::§ 47 Moratorium, Einstellung des Bank- und Börsenverkehrs
::§ 48 Wiederaufnahme des Bank- und Börsenverkehrs
:5. Vollziehbarkeit, Zwangsmittel, Umlage und Kosten
::§ 49 Sofortige Vollziehbarkeit
::§ 50 (weggefallen)
::§ 51 Umlage und Kosten
Vierter Abschnitt. Besondere Vorschriften für Finanzkonglomerate
::§ 51a Ermittlung eines Finanzkonglomerats; Schwellenwerte
::§ 51b Feststellung eines Finanzkonglomerats
::§ 51c Befreiungen
Fünfter Abschnitt. Sondervorschriften
::§ 52 Sonderaufsicht
::§ 53 Zweigstellen von Unternehmen mit Sitz im Ausland
::§ 53a Repräsentanzen von Instituten mit Sitz im Ausland
::§ 53b Unternehmen mit Sitz in einem anderen Staat des Europäischen Wirtschaftsraums
::§ 53c Unternehmen mit Sitz in einem Drittstaat
::§ 53d Mutterunternehmen mit Sitz in einem Drittstaat
::§ 53e Zusammenarbeit mit der Kommission der Europäischen Gemeinschaften
Sechster Abschnitt. Strafvorschriften, Bußgeldvorschriften
::§ 54 Verbotene Geschäfte, Handeln ohne Erlaubnis
::§ 55 Verletzung der Pflicht zur Anzeige der Zahlungsunfähigkeit oder der Überschuldung
::§ 55a Unbefugte Verwertung von Angaben über Millionenkredite
::§ 55b Unbefugte Offenbarung von Angaben über Millionenkredite
::§ 56 Bußgeldvorschriften
::§ 57 (weggefallen)
::§ 58 (weggefallen)
::§ 59 Geldbußen gegen Unternehmen
::§ 60 Zuständige Verwaltungsbehörde
::§ 60a Mitteilungen in Strafsachen
Siebter Abschnitt. Übergangs- und Schlussvorschriften
::§ 61 Erlaubnis für bestehende Kreditinstitute
::§ 62 Überleitungsbestimmungen
::§ 63 (Aufhebung und Änderung von Rechtsvorschriften)
::§ 63a Sondervorschriften für das in Artikel 3 des Einigungsvertrages genannte Gebiet
::§ 64 Nachfolgeunternehmen der Deutschen Bundespost
::§ 64a Grenzen für Anlagen von bestehenden Kreditinstituten
::§ 64b Kapital von bestehenden Kreditinstituten
::§ 64c Übergangsregelung für aktivische Unterschiedsbeträge
::§ 64d Übergangsregelung für Großkredite
::§ 64e Übergangsvorschriften zum Sechsten Gesetz zur Änderung des Gesetzes über das Kreditwesen
::§ 64f Übergangsvorschriften zum Vierten Finanzmarktförderungsgesetz
::§ 64g Übergangsvorschriften zum Finanzkonglomeraterichtlinie-Umsetzungsgesetz
Weblinks
- [http://www.bafin.de/ Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht]
- [http://www.bafin.de/gesetze/kwg.htm Aktuelle Online-Fassung des KWG]
Kategorie:Handelsrecht Kategorie:Gesetz (Deutschland)
Kategorie:Bank und Kreditwesen
WestLB
Die WestLB AG ist eine international tätige Geschäftsbank mit Sitz in Düsseldorf und Münster.
Konzern
Die Westdeutsche Landesbank wurde am 1. Januar 1969 durch Fusion der Rheinischen Girozentrale und Provinzialbank, Düsseldorf und der Landesbank für Westfalen Girozentrale, Münster als Anstalt des öffentlichen Rechts gegründet. 1972 eröffnete die Bank eine Niederlassung in Luxemburg, 1973 in London und 1975 in New York City.
1996 übernahm die WestLB den Londoner Broker Panmure Gordon Co. Ltd. und begann, unter dem Namen WestLB Panmure ein internationales Investmentbanking-Geschäft aufzubauen. Nach riskanten Geschäften des Bereichs Principal Finance in London unter Robin Saunders ergab sich ein Bilanzverlust der Bank von 482,6 Millionen Euro. In der Folge des Bekanntwerdens der Probleme in den Jahren 2002 und 2003 traten zuerst der zuständige Arbeitsdirektor Andreas Seibert und kurze Zeit später auch der Vorstandsvorsitzende Jürgen Sengera und dessen Nachfolger Johannes Ringel von ihren Ämtern zurück. Die WestLB geriet insbesondere auch durch das schleppende Eingeständnis der Probleme in eine tiefe Krise, das Investmentbanking wurde aufgegeben und WestLB Panmure verkauft, unter anderem an Lazard. Durch die öffentlich-rechtlichen Eigentumsverhältnisse der Bank wurde die Schieflage auch in der Landespolitik aufgearbeitet.
Zum 1. August 2002 wurde die WestLB in die Landesbank NRW (heute: NRW.BANK) und in die WestLB AG aufgespalten. Die NRW.BANK betreibt als Anstalt des öffentlichen Rechts das sogenannte "öffentliche Auftragsgeschäft" für das Land Nordrhein-Westfalen (z.B. Vergabe von Förderkrediten). Die WestLB AG betreibt in der Rechtsform der Aktiengesellschaft das sogenannte Wettbewerbsgeschäft als Geschäftsbank und als Zentralbank der rheinischen und der westfälischen Sparkassen.
Anteilseigner der WestLB AG sind zurzeit (Stand: 30. September 2004) der Rheinische Sparkassen- und Giroverband (30,625 %), der Westfälisch-Lippische Sparkassen- und Giroverband (30,625 %) und die NRW.BANK (38,75 %). An der NRW.BANK sind wiederum das Land Nordrhein-Westfalen mit 64,74 % sowie die Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe mit jeweils 17,63 % beteiligt
Vorstandsvorsitzende
- 1969 - 1978 Ludwig Poullain
- 1978 - 1981 Johannes Völling
- 1981 - 2001 Friedel Neuber
- 2001 - 2003 Jürgen Sengera
- 2003 Johannes Ringel
- seit 1. Januar 2004 Thomas R. Fischer
Weblinks
- [http://www.westlb.de westlb.de] - Offizielle Website der WestLB.
- [http://zeus.zeit.de/text/2003/32/Der_Fall_WestLB Chronik der WestLB-Affäre bei Zeit.de]
Kategorie:Kreditinstitut
Kategorie:Unternehmen (Düsseldorf)
Kategorie:Unternehmen (Münster)
Ludwig PoullainDr. h.c. Ludwig Poullain ( - 23. Dezember 1919) war von 1969 bis 1977 Vorstandsvorsitzender der WestLB und von 1967 bis 1972 Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV).
Leben
Poullain war im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront eingesetzt. Nach dem Krieg nahm er eine Praktikantenstelle bei der Sparkasse Remscheid an. Er bildete sich weiter und stieg in der Sparkassenorganisation bis zum Chef der "Landesbank für Westfalen Girozentrale" in Münster auf.
Am 1. Januar 1969 vereinigte sich das Institut mit der "Rheinischen Girozentrale und Provinzialbank" in Düsseldorf zur öffentlich-rechtlichen "Westdeutschen Landesbank Girozentrale" (WestLB) mit Sitz in Düsseldorf und Münster. Es entstand in Nordrhein-Westfalen (NRW) die damals größte Bank im Bundesgebiet. Poullain war ihr erster Vorstandsvorsitzender. Er hatte das Amt bis zu seinem Rücktritt im Jahr 1977 inne. Poullain stärkte die Position der Bank vor allem im Auslandsgeschäft. Niederlassungen in Luxemburg (1972), London (1973) und New York (1975) wurden unter seiner Ägide eingerichtet.
Die Poullain-Affäre (siehe unten) beendete seine Karriere. Nach monatelangen gerichtlichen Auseinandersetzungen wurde es ruhiger um ihn. Ludwig Poullain betätigte sich dann als Berater, unter anderem von Max Grundig. Später übernahm er bei mittelständischen Unternehmen Funktionen wie Generalbevollmächtigter oder, zuletzt, Aufsichtsratsvorsitzender der Marseille-Kliniken AG in Hamburg.
"Opas Sparkasse ist tot."
Mit seinem Schlagwort sorgte Poullain Ende der 1960er-Jahre als Präsident der deutschen Sparkassenorganisation für Furore unter vielen altgedienten Sparkassendirektoren. 1967 wurde er ins Präsidentenamt des Verbandes gewählt. Er wollte in den Sparkassen einen Prozess professioneller und universaler Geschäftsführung in Gang setzen. Poullain stellte die Weichen in Richtung auf eine technische Modernisierung der Sparkassen und Geschäftsausweitung auf neue Produkte. 1972 entschied er sich wegen der Arbeitsbelastung für seinen Job bei der NRW-Landesbank. Helmut Geiger wurde sein Nachfolger beim DSGV.
Poullain sinnierte Monate später im Zusammenhang mit der Affäre um die Hessische Landesbank (Helaba), Frankfurt am Main, in ersten Gedanken über die Umgestaltung des Sparkassenwesens. Private Hafteinlagen, Zusammenschlüsse zur Landessparkasse oder die Umwidmung zu einer AG dürften kein Tabu in der Diskussion sein.
Zu Poullains Ausspruch siehe Barbara Hillen, "Opas Sparkasse ist tot - oder wie ein Satz Karriere machte" in: Sparkasse, Heft 3/2002.
Poullain-Affäre (1977)
Am 23. Dezember 1977, seinem Geburtstag, trat der WestLB-Vorstandsvorsitzende vom Amt zurück. Zuvor war in der Öffentlichkeit ein Beratervertrag Poullains mit einem anderen Unternehmen bekannt geworden, der in der Presse als skandalös empfunden wird. Eine Million DM hatte der Bankchef nebenher erhalten. Der Vertrag war von ihm nicht verheimlicht und auch ordnungsgemäß versteuert worden, wie sich später herausstellte.
Der Wirbel um das Millionen-Zubrot bewirkte, dass am 17. Januar 1978 die WestLB eine fristlose Kündigung wegen grober Pflichtverletzung nachschob. Den nordrhein-westfälischen Finanzminister Friedrich Halstenberg (SPD) kostete die Affäre sein Amt, er trat am selben Tag zurück. Halstenberg war Vorsitzender des WestLB-Aufsichtsorgans. Es mag hier auch eine Rolle gespielt haben, dass Ludwig Poullain zuvor dem NRW-Ministerpräsidenten Heinz Kühn (SPD) gegenüber standfest geblieben war. Kühn hatte Poullain gebeten, in der Öffentlichkeit künftig kritische Sätze zur Wirtschaftspolitik des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt (SPD) zu unterlassen. Poullain verweigerte sich dem Ansinnen und pochte auf sein Recht auf freie Meinungsäußerung.
Die Poullain-Affäre beschäftigte auch die Gerichte. Am 13. Juli 1979 endete die Berufungsverhandlung vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf wegen Erfüllung seines Abfindungsvertrags zugunsten Poullains. Im Strafverfahren wegen Betrugs und Untreue sprach das Landgericht Münster den ehemaligen WestLB-Chef am 16. November 1981 in allen Anklagepunkten frei. Poullain habe nicht als "Amtsträger" (also in hoheitlicher Funktion) gehandelt und den umstrittenen Beratervertrag somit schließen dürfen.
Ungehaltene Rede (2004)
Im Juli 2004 geriet Ludwig Poullain erneut in die Schlagzeilen der Wirtschaftspresse. Er sollte zur Verabschiedung des Vorstandschefs der Norddeutschen Landesbank, Manfred Bodin, einem Weggefährten aus NRW, würdige Worte finden. Die geplante Rede über „Bank und Ethos“ wurde kurzfristig abgesagt. Poullain hatte sich zur Feier eine Philippika mit zahlreichen Spitzen einfallen lassen, bei der mancher Deutsche-Bank-Manager und auch Politiker schlecht wegkam.
Ludwig Poullain redet dem Wert der Redlichkeit unter Bankern das Wort und zeigt den Unterschied zwischen einem Banker und einem Bankier auf.
Mit ihrer kurzfristigen Absage der Rede haben sich die Banker allerdings einen Bärendienst erwiesen, denn der brüskierte Ludwig Poullain informiert die Presse darüber, dass er hinauskomplimentiert worden ist. Die ursprünglich für einen kleinen Insiderkreis geschriebene Rede wird so unter der Überschrift „Ungehaltene Rede“ am 16. Juli 2004 in voller Länge in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlicht. Die Schelte, die man unterdrücken wollte, entfaltete so eine sehr viel größere Wirkung.
Werke
- Gefährdete Wirtschaftsordnung, Deutsche Weltwirtschaftsgesellschaft, Berlin 1974
- Die Sparkassenorganisation, Knapp, Frankfurt/M. 1972
- Tätigkeitsbericht, Seewald, Stuttgart-Degerloch 1979, ISBN 3-5120-0532-2 (Biographie)
- Ungehaltene Rede, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung 163 (2004) vom 16. Juli 2004, S. 9
Literatur
- Helmut Reuther: Ludwig Poullain, Transcontact Verlag, Bonn 1973 (Menschen unserer Zeit; Bd. 19)
Poullain, Ludwig
Poullain, Ludwig
Poullain, Ludwig
Poullain, Ludwig
JudenAls Juden bezeichnet man die Angehörigen des jüdischen Volks bzw. der jüdischen Religion. Dabei ist jedoch der Begriff "jüdisches Volk" nicht als Nationalität anzusehen; vielmehr sehen sich die Juden nicht nur als Angehörige einer Glaubensgemeinschaft, sondern als das Volk in dem Sinne, dass sie sich mehrheitlich als Nachkommen ihres Stammvaters Ja'akob verstehen.
Im historischen Sinne bezeichnet der Begriff nur die Angehörigen des Stammes Juda, einer der zwölf Stämme Israels. Das deutsche Wort "Jude" kommt vom hebräischen j'hudi, was soviel wie "Bewohner des Landes Juda" bedeutet.
Aufgrund der Verwobenheit vom jüdischen Volk und Glauben sowie jüdischer Tradition und Geschichte greifen rein zivilisatorische, ethnische oder religiöse Ansatzpunkte zu kurz, um den Begriff genau zu umschreiben. Im Folgenden werden die heute am häufigsten benutzten Definitionen der Zugehörigkeit zum Judentum kurz aufgezeigt.
Entstehung des Judentums
Als Urvater der Juden gilt Abraham, der wahrscheinlich um 1800 v. Chr gelebt hat. Er war wohl der Führer eines westsemitischen Nomadenstammes, der irgendwo zwischen dem Mittelmeer und Mesopotamien lebte. Als Stifter der jüdischen Religion (man nannte sie bis ins ca. 5. Jahrhundert v. Chr „israelitische Religion“) gilt Moses (daher auch "mosaische Religion"). Um 1200 v. Chr. wurden die heutigen Grundaussagen festgelegt. Als eigentlicher Begründer des heutigen Judentums gilt Esra (um 6./5. Jahrhundert v. Chr.).
Begriff in der jüdischen Tradition
Innerhalb der Halacha, den jüdischen Gesetzen und Traditionen, gilt jeder Mensch als Jude, der eine jüdische Mutter hat, unabhängig davon, ob oder wie sehr er die jüdischen Glaubensvorschriften befolgt oder nicht. Dabei ist es Bedingung, dass die Mutter bei der Empfängnis Jüdin nach der Halacha sein muß. Wenn also eine nichtjüdische Frau vor der Geburt des Kindes zum Judentum konvertiert ist, sind die Kinder Juden. Wenn aber eine als Jüdin geborene Frau vor der Geburt der Kinder zu einer anderen Religion konvertiert oder konfessionslos wird, sind die Kinder keine Juden. Außerdem gilt als Jude, wer formell die Konversion zum Judentum (Gijur genannt) vollzogen hat. Einfacher Glaube an die jüdische Religion reicht nicht aus.
Das Prinzip der Halacha wird im Talmud auf die Tora zurückgeführt, weswegen man davon ausgehen kann, dass es schon seit Entstehung des Judentums seine Gültigkeit hat. Dadurch entwickelte sich eine Kultur, die über lange Zeit stabil blieb und den Juden eine eigene Identität bewahrte, obwohl sie über fast zwei Jahrtausende hinweg keinen eigenen Staat, vor allem kein eigenes Staatsgebiet hatten. Ihre Heimat war und ist der ewige Bund Gottes mit Abraham und das an Moses und die anderen Propheten verkündete ewige Gesetz Gottes. Eine gleiche Phase der Diaspora (Zerstreuung) hatte das Volk Israel bereits in der babylonischen Verbannung überstanden. Heimgekehrt nach Jerusalem, begrenzten die Kinder Israels ihre völkische Einheit erneut auf die leiblichen Nachfahren Abrahams, Isaaks und Jakobs (Israels). Damals erreichte der Prophet Esra, dass Juden, die sich mit nichtjüdischen Frauen verbunden hatten, diese und die mit ihnen gezeugten Mischlingskinder verstoßen mussten.
Neubewertungen
Mit dem Aufkommen der Aufklärung kam es auch innerhalb des Judentums zur Diskussion über den Sinn mancher Gesetze der Tora. So genannte Reformjuden oder liberale Juden begannen, ältere Bräuche, unter anderem auch die Frage, wer Jude ist und wer nicht, in Frage zu stellen. So kam es - vor allem in West- und Mitteleuropa, wo die Assimilationsbestrebungen weitaus stärker waren als im Osten - zu einer allmählichen Lockerung der bislang so engen Definition von "Jude". Die meisten modernen jüdischen Gemeinden - z.B. in den USA oder Großbritannien - vertreten heute eine andere, weniger strenge Fassung des Begriffs "Jude".
Im Reformjudentum in den USA und im liberalen Judentum Großbritanniens wird eine einfachere Konversion akzeptiert und es werden auch Kinder eines jüdischen Vaters und einer nichtjüdischen Mutter als Juden angesehen, wenn diese Kinder jüdisch erzogen wurden. Diese Abweichung von der traditionellen Sichtweise hat zu Spannungen mit traditionellen (konservativen, orthodoxen) Juden geführt.
Im Staat Israel
Das Parlament des Staates Israel, die Knesset, hat in einer ersten Fassung des Heimkehrgesetzes 1950 zwar bestimmt: "Jeder Jude ist berechtigt, in das Land einzuwandern." Damit war aber nicht geregelt, wer als Jude gelten darf. Behördliche und gerichtliche Auseinandersetzungen zwangen die Knesset im Jahre 1970 jedoch dazu, des Heimkehrgesetz (die so genannte "Law of Return"), neu zu formulieren. Als Jude gilt seither in Israel derjenige, dessen Mutter oder Großmutter, Urgroßmutter oder Ururgroßmutter (jeweils mütterlicherseits) religiöse Jüdinnen waren, oder der, der nach den orthodoxen religiösen Regeln zum Judentum konvertiert ist. Diese Definition folgt der des Talmud, fügt aber das Ausschlussmerkmal "nicht einer anderen Religion angehörend" hinzu. Jude ist nach offiziellem israelischem Verständnis keine Bezeichnung einer Nationalität, weil alle Juden der Welt unabhängig von ihrer Staatsbürgerschaft zum jüdischen Volk gehörten. Israel ist nach zionistischem Verständnis der "Staat des jüdischen Volkes".
Literatur
- Landmann, Salcia: Wer sind die Juden?. München, 1982, ISBN 3-423-00913-6
- Eisak Schlomer / Peter Guttkuhn: Liebes, altes, jüd'sches Moisling. 3. Aufl. Lübeck 1988
Weblinks
- [http://www.juden.de/ Juden in Deutschland]
- [http://www.schechina.org/ Die Lehren der Juden]
- [http://www.jewish-forum.de/ jüdisches Diskussionsforum]
- [http://www.synagoge.de/ jüdische Gemeinden in Deutschland]
- [http://www.chabad.de/ Chabad Deutschland]
- [http://www.talmud.de/ jüdisches Leben in Deutschland]
- [http://www.hagalil.com/ Jüdisches Internetportal]
- [http://www.judentum-projekt.de/ Jüdische Geschichte und Kultur]
- [http://www.liberale-juden.de/ Progressives Judentum in Deutschland, Österreich und der Schweiz]
- [http://www.chotzen.de/ Jüdisches Leben in Deutschland 1914-2005, Website der Bundeszentrale für politische Bildung und des Deutschen Historischen Museums (dt.&engl.)]
Siehe auch
- Portal:Judentum
- Judenfeindlichkeit
- Zionismus
- Holocaust
- Nürnberger Gesetze
- Religion während des Nationalsozialismus
Kategorie:Judentum
Kategorie:Ethnie
ja:ユダヤ人
ko:유대인
simple:Jew
th:ยิว
Brain DrainAls ein(en) Brain Drain (englisch wörtlich Gehirn-Abfluss im Sinne von Migration der Intelligenz eines Volkes) bezeichnet man die Emigration besonders ausgebildeter oder talentierter Menschen aus einem Land. Dies betrifft vor allem Akademiker und ausgebildete Facharbeiter.
Viele (nicht alle) wirtschaftliche und technologische Blütezeiten gehen auf Einwanderungswellen zurück, viele Niedergänge auf Auswanderung insbesondere der talentierteren Köpfe verfolgter Minderheiten.
Daher gibt es weltweit einen gewissen Wettbewerb um die klügsten Köpfe, mit erheblichen Nachteilen für die Länder, die nicht die Mittel haben, ihre Talente zu halten, und erheblichen Vorteilen für die anderen Länder und für die betroffenen Personen.
Historischer Brain Drain
Die Auswanderung vieler Wissenschaftler und anderer hochqualifizierter Arbeitskräfte aus Deutschland und Österreich insbesondere in angelsächsische Länder seit Adolf Hitlers Machtergreifung, und nochmals seit dem Ende des zweiten Weltkriegs wird von einigen als Brain Drain wahrgenommen. Als innerdeutsches Problem stellte sich Abfluss von Humankapital in Form von Bildung (Gebildeten) zwischen BRD und DDR dar. Zahlreiche Akademiker verließen die DDR vor und auch noch nach dem Mauerbau 1961. Dies stellte sich als wirtschaftliches aber auch politisches Problem für die DDR dar. Die Rekrutierung neuer Eliten (in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft) vollzog sich immer schwieriger.
Auch die Emigration von Hugenotten (verfolgte Protestanten aus Frankreich) nach Preußen hat große Nachteile für Frankreich gehabt. Mit den Hugenotten und anderer in einigen Teilen Europas verfolgter Gruppen kam sehr viel handwerkliches und sonstiges Wissen nach Preußen.
Immer wieder vorkommende Vertreibungen von Juden haben in daran teilnehmenden Ländern auch erhebliche Nachteile gehabt: Spanien dürfte unter Anderem der Wegfall jüdischer Bankiers seine Großmachtstellung des 16. Jahrhunderts gekostet haben. Deutschland und Österreich haben durch die erzwungene Emigration von Juden und Nazigegnern und durch den Holocaust viele hochkarätige Wissenschaftler und Unternehmer verloren.
Brain Drain Heute
In Europa gewinnt der Begriff wieder mehr Bedeutung mit den Diskussionen um die Schaffung eines europäischen Bildungsraumes (EHEA, European Higher Education Area, "Bologna-Prozess") und Forschungsraumes (ERA, European Research Area).
Man kann mehrere Phänomene unterscheiden:
- Innereuropäischer Brain Drain von südlichen und östlichen Länder in die reicheren Länder der EU
- Braindrain aus Europa (und Asien) in die USA
- Braindrain aus Deutschland in andere Länder mit besseren Arbeitsbedingungen (siehe Hochschulrahmengesetz) oder Forschungsbedingungen (siehe Stammzellforschung, Embryonenschutzgesetz)
Um zu erreichen, daß Studenten und Forscher nach erwünschten Auslandserfahrungen wieder in ihr Heimatland zurückkehren, haben mehrere Länder eigene Aktionen und Netzwerke gestartet, z.B das "Network for Researchers" des Office of Science & Technology der österreichischen Botschaft in den USA.
Im Augenblick kommt nur jede vierte Fachkraft zurück nach Deutschland. Gründe dafür sind laut GSO (German Scholar Organization) die schlechte Bezahlung und das schwer nachzuvollziehende Berufungsverfahren für Professorenstellen in Deutschland sowie die bessere Betreuung von Forschung im Ausland.
Laut DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) studieren im Jahre 2005 ungefähr 10.000 Studenten in den USA.
siehe auch: "Brain Gain": Gewinn oder Vermehrung von Intelligenz
Weblinks
- [http://www.academics.de/(bhlne42kt45ey0axmk5lbwf1)/index.aspx?menu=3,10,23 Die Odyssee des Wissenschaftskosmopoliten]
- [http://www.laborjournal.de/editorials/156.html Rückkehr ja, aber...]
Kategorie:Soziologie
Kategorie:Arbeitsmarkt
Kategorie:Emigration
Kategorie:Wissenschaftspolitik
B. Metzler seel. Sohn & Co. KGaADas Kreditinstitut B. Metzler seel. Sohn & Co. KGaA, umgangssprachlich Bankhaus Metzler genannt, mit Sitz in Frankfurt am Main ist die älteste durchgehend in Familienbesitz befindliche deutsche Privatbank. Seit 1971 ist Friedrich von Metzler 11. Chef der Geschäftsleitung.
Metzler wurde 1674 durch Benjamin Metzler als Handelsunternehmen gegründet, 1742 wurde die Bank Mitglied der Frankfurter Börse. Ab 1760 konzentrierte sich das Unternehmen ausschließlich auf Bankgeschäfte.
Die Bank unterstützt und berät in- und ausländische Unternehmen bei Übernahmen und Fusionen (M&A, Investmentbanking). Dabei zählen die Frankfurter zu den 15 größten Beratern dieser Art in Deutschland.
Das zweite Standbein ist die Vermögensberatung und -verwaltung für vermögende Privatkunden und institutionelle Anleger. Zudem ist die Bank im Geld- und Devisenhandel, sowie in der Währungs- und Finanzierungsberatung tätig. Sie unterhält Filialen bzw. Tochtergesellschaften in München, Stuttgart, Los Angeles (USA), Seattle (USA), Tokio (Japan) und Dublin (Irland).
Weblinks
- http://www.metzler.com/ - Offizielle Website des Bankhauses Metzler
Metzler
Kategorie:Unternehmen (Frankfurt am Main)
Sal. Oppenheim jr. & Cie. KGaADie Privatbank Sal. Oppenheim jr. & Cie. KGaA ist ein deutsches Kreditinstitut mit Sitz in Köln.
Geschichte
Die Bank wurde 1789 vom 17-jährigen Salomon Oppenheim junior als Kommissions- und Wechselhaus in Bonn gegründet. Oppenheim handelt mit Waren, tauscht ausländische Sorten und vergibt Kredite.
1798 zieht das Unternehmen nach Köln - damals einer der bedeutendsten Bankenplätze Deutschlands - um. 1828 stirbt Salomon Oppenheim junior, seine Ehefrau Therese führt die Geschäfte mit den beiden Söhnen Simon und Abraham weiter. Durch die Hochzeit von Abraham Oppenheim mit Charlotte Beyfus 1834 ist die Familie eng mit der Bankiersfamilie Rothschild verwandt und auch geschäftlich verbunden.
Oppenheim finanziert seit den 1820er Jahren insbesondere die Rheinschifffahrt und später auch die Entwicklung des Eisenbahnwesens und die Industrialisierung des Rheinlands und des Ruhrgebiets.
1836 wird eine Tochtergesellschaft in Amsterdam gegründet, die bis 1856 besteht. Erstmals werden 1837 auch entstehende Großunternehmen finanziert. 1838 ist das Bankhaus zusammen mit dem Schaaffhausen'schen Bankverein und Herstatt Mitgründer der Colonia-Versicherung. Nach dem Tode Therese Oppenheims 1842 wird das Geschäft durch die beiden Söhne weitergeführt. 1853 ist Oppenheim auch an der Gründung der Darmstädter Bank und 1870 an der Gründung der Centralboden beteiligt.
Waren Salomon, Therese, Simon und Abraham Oppenheim noch jüdischen Glaubens, konvertiert 1858 Albert Oppenheim, ein Sohn Salomons, zum Katholizismus, 1859 Eduard Oppenheim, der älteste Sohn Simons, wird 1859 evangelisch getauft.
Abraham Oppenheim wird 1868 in den preußischen Freiherrnstand erhoben und gehört zum engeren Kreis um König Wilhelm I..
Im Jahre 1880 übernehmen nach dem Tode von Abraham und Simon deren Söhne Albert und Eduard die Bankgeschäfte. 1904 wird die Rechtsform der Offenen Handelsgesellschaft in eine Kommanditgesellschaft gewandelt, die fortan von Alfred von Oppenheim und dessen Cousin Emil geführt wird.
1912 wird mit Ferdinand Rinkel erstmals ein Familienfremder in die Führung der Bank berufen, er wird 1921 durch Otto Kaufmann abgelöst. Ab 1914 beteiligt sich das Bankhaus an neun deutschen Kriegsanleihen zur Finanzierung des Ersten Weltkriegs.
1936 wird Oppenheim "freundschaftlich" arisiert, indem die Bank an den der Familie verbundenen Teilhaber Robert Pferdmenges übergeht. Ebenfalls 1936 übernimmt die Bank das Bankhaus A. Levy. Ab 1938 firmiert die Bank nach Zeitungskampagnen der Nazis als Robert Pferdmenges & Co. um. Das von Eduard von Oppenheim 1869 gegründete erste deutsche Privatgestüt Schlenderhan muss 1942 der SS übereignet werden. Nach der Inhaftierung von Waldemar und Freidrich Carl von Oppenheim im Jahr 1944 ruht das Bankgeschäft.
1945 nimmt die Bank unter dem Namen Pferdmenges & Co. die Geschäfte wieder auf, 1947 wird der Name wieder zu Sal. Oppenheim jr. & Cie. geändert, die Oppenheims treten wieder als Gesellschafter ein. Die Bank finanziert u.a. die Gründung der Auto Union, dem späteren Audi-Konzern.
1968 übernimmt die Bank das Bankhaus Heinrich Kirchholtes & Co. in Frankfurt am Main. Eine weitere Expansion erfolgt durch Tochtergesellschaften in Zürich, München, Paris und London.
Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung positioniert sich die Bank als Berater des Staates bei Privatisierungen.
1989 wird die Beteiligung an der Colonia verkauft und die Rechtsform der Bank in eine KGaA umgewandelt.
2004 übernimmt Oppenheim die aus der Berliner Handels-Gesellschaft und der Frankfurter Bank entstandene ING-BHF-Bank vom niederländischen ING-Konzern, die seitdem unter dem Namen "BHF-BANK - Privat seit 1854" firmiert. Mit der BHF-Übernahme steigt Sal. Oppenheim zur größten deutschen Privatbank vor M. M. Warburg & CO aus Hamburg und zur größten europäischen Bank in Familienbesitz auf.
Ende 2003 beschäftigte die Bank 1.500 Mitarbeiter in circa 20 Niederlassungen und verwaltete ein Vermögen von 61 Milliarden Euro.
Bekannte Persönlichkeiten:
Bankiers von Sal. Oppenheim spielten in der deutschen Politik und Wirtschaftsgeschichte oft eine bedeutende Rolle, unter anderem:
- Salomon Oppenheim junior (Gründer)
- Abraham Oppenheim (Gesellschafter 1821-1878)
- Robert Pferdmenges (Gesellschafter 1929-1953)
- Alfred Freiherr von Oppenheim (Gesellschafter 1964-1993)
- Matthias Graf von Krockow (Gesellschafter seit 1986)
- Karl Otto Pöhl (Gesellschafter 1993-1998)
Siehe auch
- Oppenheim (Familie)
- M. M. Warburg & CO, Berenberg Bank, Bankhaus Metzler
- BaFin
- Bundesverband deutscher Banken
Weblinks
- [http://www.oppenheim.de oppenheim.de] - Offizielle Website der Sal. Oppenheim.
- [http://www.bhf-bank.de/ bhf-bank.de] - Offizielle Website der BHF-BANK.
Oppenheim
Kategorie:Unternehmen (Köln)
Bankhaus LampeDas Bankhaus Lampe ist ein nach seinem Gründer Hermann Lampe benanntes Bankhaus. Es wurde 1852 in Ostwestfalen gegründet.
Nach der Währungsreform wird der Sitz nach Bielefeld verlagert. Die Geschäftsführung sitzt heute jedoch in Düsseldorf. 1963 übernahm der Bielefelder Unternehmer Rudolf August Oetker das Bankhaus. Unter Oetker wuchs Lampe deutlich und ist heute mit rund 500 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von rund drei Milliarden Euro eine der größten inhabergeführten deutschen Privatbanken.
Neben Bielefeld und Düsseldorf besitzt die Bank heute Niederlassungen in Frankfurt am Main, Hamburg, München, Münster, Berlin und Luxemburg.
Weblinks
- [http://www.bankhaus-lampe.de Bankhaus Lampe KG]
Lampe
Kategorie:Unternehmen (Düsseldorf)
Kategorie:Unternehmen (Bielefeld)
Frankfurt am Main
Frankfurt am Main ist mit 657.126 Einwohnern die größte Stadt Hessens und nach Berlin, Hamburg, München und Köln die fünftgrößte Stadt in Deutschland. Frankfurt ist heute eine Weltstadt, eine der reichsten Metropolen Europas und eine Literatur- und Kulturmetropole.
Seit 1875 ist Frankfurt Großstadt mit mehr als 100.000 Einwohnern. Die städtische Bebauung reicht weit über die eng gezogenen Stadtgrenzen hinaus. Die engere Stadtregion hat etwa 1,8 Millionen Einwohner, die Gesamtregion Frankfurt Rhein-Main ist mit über 5 Millionen Einwohnern nach Rhein-Ruhr die zweitgrößte deutsche Metropolregion.
Frankfurt ist Hauptsitz der Europäischen Zentralbank und der wichtigste Finanzplatz Kontinental-Europas. Als Messestadt hat Frankfurt weltweite Bedeutung. Zudem ist es einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte Europas. Seit dem Mittelalter gehört die Stadt ohne Unterbrechung zu den wichtigsten urbanen Zentren in Deutschland. Die zentrale Lage von Frankfurt am Main in Europa trug maßgeblich zum Wachstum des Frankfurter Flughafens bei. Dieser ist einer der wichtigsten Passagier- und Frachtumschlagplätze Europas. Von hier aus bekommt man die größte Anzahl internationaler Anschlüsse weltweit.
Wappen
Blasonierung:
Das Wappen zeigt in Rot einen golden gekrönten silbernen Adler. Er ist in Gold und Grau bewehrt und bezungt.
Bedeutung:
Der Adler symbolisiert den ehemaligen Status der Stadt als freie Reichsstadt. In den 1920ern sollte das Wappen durch eine radikal vereinfachte Version ersetzt werden. Oberbürgermeister Ludwig Landmann wollte sich nach dem Zeitgeist richten und setzte sich für diese expressionistische Fassung des Adlers ein. Der Bevölkerung gefiel dieser Vorschlag allerdings nicht, und schnell wurde wieder das alte Wappen eingeführt.
Geographie
expressionistische
expressionistische
Geographische Lage
Die Stadt liegt auf beiden Seiten des Untermains südöstlich des Taunus in Südwestdeutschland zentral zwischen den wichtigsten Wirtschaftsräumen Deutschlands. Im Süden verfügt Frankfurt über den größten Stadtwald Deutschlands. Ihren höchsten natürlichen Punkt hat die Stadt an der Berger Warte auf dem Berger Rücken im Stadtteil Seckbach mit 212 m ü. NN. Ihr tiefster Punkt liegt am Mainufer in
Sindlingen bei 88 m ü. NN. Die Stadt liegt am nördlichsten Rand der Oberrheinischen Tiefebene, die von Basel bis ins Rhein-Main-Gebiet reicht.
Basel
Nachbargemeinden und Kreise
Frankfurt grenzt im Westen an den Main-Taunus-Kreis (Städte und Gemeinden Hattersheim am Main, Kriftel, Hofheim am Taunus, Kelkheim (Taunus), Liederbach am Taunus, Bad Soden am Taunus, Sulzbach (Taunus), Schwalbach am Taunus und Eschborn), im Nordwesten an den Hochtaunuskreis (Städte Steinbach (Taunus), Oberursel (Taunus) und Bad Homburg v.d. Höhe), im Norden an den Wetteraukreis (Städte Karben und Bad Vilbel), im Nordosten an den Main-Kinzig-Kreis (Gemeinde Niederdorfelden und Stadt Maintal), im Südosten an die Stadt Offenbach am Main, im Süden an den Kreis Offenbach (Stadt Neu-Isenburg) und im Südwesten an den Kreis Groß-Gerau (Städte Mörfelden-Walldorf, Rüsselsheim und Kelsterbach).
Stadtgliederung
Stadtteile
Die Stadt ist in 46 Ortsteile und diese wiederum in 118 Stadtbezirke aufgeteilt. Der flächengrößte Ortsteil ist Sachsenhausen-Süd. Die meisten Stadtteile sind eingemeindete Vororte oder auch ehemalige Städte (zum Beispiel Höchst). Einige, wie das Nordend, entstanden während des rasanten Wachstums der Stadt in der Gründerzeit. Andere wiederum entstanden aus Siedlungen, die bisher anderen Stadtteilen angehörten, wie beispielsweise Dornbusch und Frankfurter Berg.
Die 46 Ortsteile sind zu 16 Ortsbezirken zusammengefasst, die jeweils einen Ortsbeirat mit einer/m Ortsvorsteher/in als Vorsitzende/n haben.
Eingemeindungen
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts bestand das Stadtgebiet von Frankfurt am Main aus den heutigen Stadtteilen Altstadt, Innenstadt, Bahnhofsviertel, Gutleutviertel, Gallusviertel, Westend, Nordend, Ostend und Sachsenhausen. Ab 1877 wurden zahlreiche selbständige Gemeinden in die Stadt Frankfurt eingegliedert.
Siehe auch:
Stadtbild
1877
Altstadt und Innenstadt
1877
Wie bei vielen anderen deutschen Großstädten hat sich Frankfurts Stadtbild nach dem Zweiten Weltkrieg radikal geändert. Dies war bedingt durch die enormen Bombenschäden des Krieges und den darauf folgenden "modernen" Wiederaufbau, dem die Stadt ein "autogerechtes" Straßennetz und eine moderne, aber nicht innenstadttypische Altstadtbebauung verdankt. Von der ehemals größten zusammenhängenden Altstadt Deutschlands ist nur noch wenig übrig, von über 4.000 Fachwerkhäusern überlebte nur eines weitgehend unbeschadet, das Haus Wertheym am Fahrtor. Bereits kurz nach 1900 wurden Straßendurchbrüche (Braubachstraße) und der Abriss ganzer Quartiere (Judengasse) durchgeführt. Die Überreste der historischen Altstadt befinden sich rund um dem Römerberg, einem der bekanntesten Stadtplätze der Bundesrepublik. "Altstadt" ist offiziell das Viertel südlich der Zeil, westlich begrenzt durch die Neue Mainzer Straße, östlich durch das Fischerfeld. In der Altstadt befinden sich auch der Frankfurter Kaiserdom und die berühmte Paulskirche.
Ein Grafiker, der das alte Frankfurt des 17. Jahrhunderts detailgetreu in Stadtansichten darstellte, war Matthäus Merian.
Matthäus Merian
Die heutige Innenstadt, 1333 als Neustadt gegründet, erlebte im frühen 19. Jahrhundert starke Veränderungen. Die barocken Wallanlagen mit ihren großen Bastionen, die seit dem 17. Jahrhundert die Alt- und die Neustadt umfassten, wurden geschleift und stattdessen ein Anlagenring als ringförmiger Park um die alte Stadt geschaffen. Die Neustadt (außerhalb der alten Stadtmauer des 12. Jahrhunderts, der so genannten Staufermauer) wurde neu bebaut. Der Stadtplaner Georg Heß verfasste ein Statut, in dem geregelt wurde, wie sie aussehen sollte. Er verlangte, dass sich die Bauherren an den Stil des Klassizismus zu halten hätten. Ein Beispiel für den Frankfurter Klassizismus ist zum Beispiel das ehemalige Gebäude der Stadtbibliothek, das als „Literaturhaus“ im Originalzustand wiederaufgebaut worden ist. Seit dem 8. Oktober ist es an der "Schönen Aussicht 2", direkt am Mainufer gelegen, für die Öffentlichkeit zugänglich. Dazu kam das "Wallservitut", in dem festgelegt wurde, dass die in Spazierwege umgewandelten Wallanlagen nicht bebaut werden dürften. Diese Bestimmung gilt noch heute, auch wenn die Stadt einzelne Ausnahmen zugelassen hat (Alte Oper, Schauspielhaus, Hilton-Hotel).
Alte Oper
Alte Oper]
Seit den 50er-Jahren etablierte sich Frankfurt als Hochhausstadt. Der Henninger-Turm in Sachsenhausen war 1960 das erste Frankfurter Gebäude, das an Höhe (120 Meter) den Westturm des Kaiserdoms überbot. Die höchsten Hochhäuser der 70er-Jahre (Plaza Büro Center/ Marriott-Hotel, DG-Bank, Dresdner Bank) waren mit rund 150 Metern Höhe die höchsten der Bundesrepublik, der Messeturm erreichte 1990 257 Meter Höhe und war das höchste Gebäude Europas, bis es sieben Jahre später vom 300 m hohen Turm (inkl. Mast) der Commerzbank-Zentrale übertroffen wurde.
Neben den Hochhäusern sieht man aber immer noch die prächtigen Filialen der Bankhäuser vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Auch die Kirchengebäude kann man noch zwischen den Bürohochhäusern erkennen. Durch einen Hochhausrahmenplan wurde versucht, urbanen "Wildwuchs" zu vermeiden. Allerdings waren und sind einzelne Ausnahmen möglich, wie zum Beispiel der Neubau der Europäischen Zentralbank im Ostend.
Die radikalste Veränderung außerhalb des Rahmenplans vollzieht Frankfurt im Moment an der Einkaufsstraße Zeil. Dort entsteht derzeit an der Hauptwache auf Europas teuerster Baustelle ein exklusives Einkaufszentrum mit einem Hochhaus-Ensemble auf dem ehemaligen Gelände der Telekom. "FrankfurtHochVier" wird vom niederländischen Projektentwickler MAB vorangetrieben. Dabei soll auch das alte Palais Thurn und Taxis in einem dem Original ähnlichen Zustand neu errichtet und in das moderne Einkaufszentrum mit First Class-Hotel und Büroräumen eingefügt werden.
Gründerzeitliche Bezirke
Das Stadtgebiet wurde außerhalb dieses Ringes kontinuierlich erweitert und so entstanden seit etwa 1830 die Stadtteile Westend, Nordend und Ostend. Nach dem Bau des Hauptbahnhofes entstand in den 1890er Jahren auch das Bahnhofsviertel auf dem Gelände der drei zuvor direkt westlich an den Anlagenring angrenzenden Westbahnhöfe.
Bahnhofsviertel
Als Wohngebiete wuchsen vor allem die drei erstgenannten enorm. Die Frankfurter Bürger wollten an die frische Luft. Heute lebt gerade mal 1 % der Bevölkerung innerhalb der ehemaligen Stadtmauern. Die Bebauung erfolgte entlang breiter Ausfallstraßen wie der Eschersheimer Landstraße oder der Bockenheimer Landstraße. Üblicherweise wurden vier Stockwerke im Wilhelminischen Gründerzeit-Stil gebaut - und dabei die Gebäude des Klassizismus größtenteils abgerissen und ersetzt. Die um 1890 eingemeindeten Stadtteile wie zum Beispiel Bockenheim und Bornheim wurden in dieses Stadtbild integriert, erhielten neue Straßen und einen Anschluss an die Frankfurter Straßenbahn, konnten aber bis heute ihren eigenen Charakter bewahren. Um die neuen Grenzen der Stadt zu beschreiben, wurde am Anfang des 20. Jahrhunderts ein zweiter Ring gebaut. Der Alleenring ist heute zu einer stark befahrenen Ringstraße geworden.
Neben den Wallanlagen erhielt die Stadt im 19. Jahrhundert weitere Grünanlagen. Im Stadtteil Nordend-Ost befindet sich zum Beispiel der Bethmann-Park mit seinem chinesischen Garten des Himmlischen Friedens. Im Nordend sind auch der Holzhausenpark und der Günthersburgpark gelegen. Weiter westlich im Stadtteil Westend-Nord liegt der Grüneburgpark, im Ostend der Ostpark.
Höchst und die äußeren Stadtteile
Ostend.]]
In den 20er-Jahren folgten große Wohnsiedlungen von Ernst May außerhalb des Alleenrings, die das Neue Frankfurt symbolisieren: Die Römerstadt im Norden bei Heddernheim, die große Siedlung Bornheimer Hang im Osten, die Siedlung am Riedhof und die Heimatsiedlung im Süden sind einige Beispiele.
Das Stadtgebiet wuchs 1928 durch Eingemeindungen weiter. Die Stadt Höchst am Main bereicherte Frankfurt um eine Altstadt, die noch heute sehr gut erhalten ist. Das älteste Gebäude Frankfurts befindet sich ebenfalls dort, die Justinuskirche. Die spätesten Eingemeindungen fanden 1972 und 1978 im Nordosten statt. Diese Stadtteile haben wohl am wenigsten mit dem Frankfurter Kerngebiet gemein (Kalbach, Harheim, Nieder-Eschbach und Nieder-Erlenbach; dazu im Osten Bergen-Enkheim).
Siehe auch: Liste der Hochhäuser in Frankfurt am Main
Geschichte
Liste der Hochhäuser in Frankfurt am Main]
Frankfurt am Main wurde erstmals am 22. Februar 794 in einer Urkunde Karls des Großen für das Regensburger Kloster St. Emmeram erwähnt. In dem in Latein verfassten Dokument heißt es: "...actum super fluvium Moin in loco nuncupante Franconofurd" - "gegeben (ausgestellt) am Flusse Main in einem Orte, genannt Frankfurt." Eine kontinuierliche Besiedlung des Domhügels ist allerdings schon seit jungsteinzeitlicher Zeit nachgewiesen. Am selben Ort entstand in der Folge ein römisches Militärlager und in merowingischer Zeit ein fränkischer Königshof. 843 wurde Frankfurt die zeitweise wichtigste königliche Pfalz der Ostfranken und Ort von Reichstagen. 1220 wurde Frankfurt freie Reichsstadt.
Die Goldene Bulle erklärte Frankfurt ab 1356 zur ständigen Wahlstadt der römischen Könige, nachdem hier schon einige Königswahlen stattfanden. Ab 1562 wurde der Kaiser auch in Frankfurt gekrönt, der Letzte war 1792 der Habsburger Franz II..
Nach dem Ende des Heiligen Römischen Reichs trat Frankfurt dem Rheinbund bei und wurde unter dem Fürstprimas Karl Theodor von Dalberg die Hauptstadt eines kurzlebigen (1810 - 1813) Großherzogtums Frankfurt.
Danach wurde Frankfurt wieder Freie Stadt, diesmal im Deutschen Bund. Dessen Bundestag richtete sich in der Stadt ein. 1848 kam es in den deutschen Staaten zur Märzrevolution. Die einberufene Nationalversammlung tagte in der Frankfurter Paulskirche.
Frankfurter Paulskirche
Im Deutsch-Österreichischen Krieg nahm Frankfurt für Österreich Partei, wurde dem zu Folge 1866 von Preußen annektiert und verlor so endgültig seinen Status als Stadtstaat; es wurde dem Regierungsbezirk Wiesbaden der Provinz Hessen-Nassau zugeordnet. Als versöhnendes Symbol wurde 1871 in Frankfurt der Deutsch-Französische Krieg mit dem Frankfurter Frieden offiziell beendet.
Unterdes erweiterte Frankfurt seine Grenzen und gemeindete zahlreiche umliegende Orte ein. Damit wurde es schließlich sogar für kurze Zeit Deutschlands flächengrößte Stadt.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurden 9.000 Juden aus Frankfurt deportiert. Im Zweiten Weltkrieg zerstörten gezielte britische Luftangriffe fast die komplette Alt- und Innenstadt. Das bis 1944 nahezu geschlossen mittelalterliche Stadtbild - in dieser Form bereits damals einzigartig für eine deutsche Großstadt - ging aber auch im Zuge eines modernen Wiederaufbaus verloren. Weite Teile der einstigen Altstadt werden heute von Betonbauten der 50er-Jahre geprägt, wo sich einstmals ein Gassengewirr zwischen eng beieinander stehendem Fachwerk erstreckte.
Nach Kriegsende richtete die amerikanische Besatzung in der Stadt ihren Hauptsitz ein. Anschließend wurde Frankfurt zum Verwaltungssitz der Trizone. Bei der Wahl zur Bundeshauptstadt unterlag Frankfurt nur knapp und gegen Konrad Adenauers Favoriten Bonn. Ein Parlamentsgebäude war in Frankfurt bereits gebaut worden und beherbergt heute den Hessischen Rundfunk. In der Nachkriegszeit entwickelte sich die Stadt erneut zu einer wirtschaftlichen Metropole und wurde 1999 Sitz der Europäischen Zentralbank.
Mehr zur Geschichte der Stadt unter Geschichte von Frankfurt am Main.
Einwohnerentwicklung
Zur Entwicklung der Einwohnerzahl siehe Einwohnerentwicklung von Frankfurt am Main (Tabelle mit Diagramm).
Religionen
Als multikulturelle Vielvölkerstadt verfügt Frankfurt über zahlreiche religiöse Gruppierungen, von denen längst nicht alle offiziell registriert sind.
Die autochtonen, traditionell vorherrschenden Religionen Frankfurts sind der lutherische Protestantismus und das Judentum.
Obwohl sich die Freie Reichsstadt 1522 der Reformation anschloss, beließ man aufgrund des engen Verhältnisses zum (katholischen) Kaiserhaus der katholischen Gemeinde die volle Glaubensfreiheit. Sie nutzte den Kaiserdom als ihre Gemeindekirche. 1786 wurden auch reformierte Gemeinden zugelassen. Durch die starke Zuwanderung im 19. und 20. Jahrhundert konnten die Katholiken zahlenmäßig nahezu wieder zu den Protestanten aufschließen.
Frankfurts evangelisch-lutherische Gemeinden gehören zur Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (außer Bergen-Enkheim, das zur evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck gehört). Die katholischen Gemeinden gehören zum Bistum Limburg, außer Bergen-Enkheim (Bistum Fulda), und Harheim, Nieder-Erlenbach und Nieder-Eschbach (Bistum Mainz).
Die sehr alte Jüdische Gemeinde Frankfurt ist mit ungefähr 7200 Mitgliedern neben der in Berlin eine der vier großen Gemeinden in der Bundesrepublik.
Mehr Details siehe unter Religionen in Frankfurt am Main.
Politik
Hauptartikel: Politik in Frankfurt am Main
Die Satzung von Frankfurt und die Hessische Gemeindeordnung bestimmen heute den konstitutionellen Aufbau der Stadt.
Frankfurt wird zur Zeit von einem Viererbündnis (CDU, SPD, Grüne und FDP) unter Oberbürgermeisterin Petra Roth regiert.
Aktuelle Themen, mit denen sich Magistrat und Stadtverordnete befassen, sind unter anderem der bevorstehende Ausbau des Rhein-Main-Flughafens oder der so genannte Hochhausrahmenplan.
Frankfurt ist seit der Bundestagswahl 2002 in die Wahlkreise 183 und 184 aufgeteilt. Direktmandate bekamen Gregor Amann (SPD) und Erika Steinbach (CDU). Über die Landesliste zogen Hans-Joachim Otto (FDP) und Joschka Fischer (Grüne) in den Bundestag ein.
Siehe auch: Liste der Stadtoberhäupter von Frankfurt am Main
Städtepartnerschaften
Städtepartnerschaften gibt es mit folgenden Städten:
Ferner besteht zwischen dem Stadtteil Nieder-Eschbach und der Stadt Deuil-la-Barre (Frankreich) seit 1967 eine Partnerschaft.
Freundschaftsverträge gibt es mit folgenden Städten:
Wirtschaft und Infrastruktur
Laut einer Rangliste der Universität Liverpool kann Frankfurt als die reichste Stadt Europas (nach Bruttoinlandsprodukt pro Kopf) gelten; es folgen Karlsruhe, Paris und dann München.
Frankfurt hat mit 922 Arbeitsplätzen auf 1000 Einwohner die höchste Arbeitsplatzdichte Deutschlands. Die hohe Zahl von ca. 600.000 Arbeitsplätzen bei nur etwa 650.000 Einwohnern ergibt sich durch die große Zahl der Pendler, wodurch das BIP pro Kopf der ansässigen Wohnbevölkerung stark gesteigert wird. Deshalb kann man Frankfurt auch nur tagsüber (an Werktagen und Einkaufssamstagen) als Millionenstadt bezeichnen, andererseits schlägt sich der oben genannte statistische Reichtum tatsächlich in den Kassen umliegender Städte und Gemeinden des "Speckgürtels" wie z.B. von Bad Homburg nieder, die von überdurchschnittlichen Steuerzahlungen ihrer in Frankfurt verdienenden Pendler profitieren. Frankfurt hat sogar seit einer großzügigen öffentlichen Baupolitik in den 80er-Jahren unter den CDU-Oberbürgermeistern Walter Wallmann und Wolfram Brück die höchste Pro-Kopf-Verschuldung (ohne Stadtstaaten) Deutschlands.
In einer Rangliste der Großstädte mit der höchsten Lebensqualität belegt Frankfurt weltweit den fünften Platz. Trotzdem hatte die Stadt 2003 die höchste Kriminalität der deutschen Städte. Diese Statistik wird jedoch dadurch verzerrt, dass Frankfurt tagsüber aufgrund der vielen Pendler eine Millionenstadt ist, die Kriminalitätsrate jedoch nur mit 650.000 Einwohnern errechnet wird. Zudem fließen sämtliche Vergehen am Flughafen (wie Schmuggel etc.) mit in die Statistik ein. Tatsächlich ist Frankfurt daher eine sehr sichere Stadt, was Umfragen zur subjektiven Sicherheit der Bevölkerung auch verdeutlichen.
Der Frankfurter Flughafen ist die größte Arbeitsstätte Deutschlands.
Verkehr
Fernverkehr
Die Stadt Frankfurt am Main ist dank ihrer einzigartigen zentralen Lage einer der wichtigsten Verkehrsknoten in Europa.
Zum einen kreuzen sich am Frankfurter Kreuz, dem meistbefahrenen Autobahnkreuz Europas, die Autobahnen A 5 (Hattenbacher Dreieck - Weil am Rhein) und A 3 (Arnheim - Passau), zum anderen verfügt die Stadt über den Flughafen Frankfurt, einen der größten Flughäfen der Welt mit 51,1 Millionen Fluggästen im Jahr 2004.
Flughafen Frankfurt
Im Bahnverkehr besitzt Frankfurt mit dem Frankfurter Hauptbahnhof den nach Fahrgästen (etwa 350.000 pro Tag) größten Bahnhof Europas. Seit dem Jahr 2000 ist die ICE-Neubaustrecke nach Köln in Betrieb, die die Fahrzeit zwischen beiden Städten auf 1 1/4 Stunden verkürzt. Nach Fertigstellung der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Köln und Brüssel werden die Finanzzentren Frankfurt und London eine direkte Schnellzugverbindung (durch den Kanaltunnel) erhalten. Zudem wird die Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Paris derzeit ausgebaut.
Die Bedeutung im Güterverkehr auf der Schiene ist allerdings zurückgegangen: von den zwei Rangierbahnhöfen ist nur mehr der kleinere in Betrieb (Frankfurt am Main-Ost), während der größere (Frankfurt am Main-Hauptgüterbahnhof) stillgelegt ist und dessen Gelände teilweise von der Frankfurter Messe genutzt wird. Zudem soll auf dem Areal das neue "Europaviertel" entstehen. Jedoch ist Frankfurt weiterhin ein zentraler Logistikstandort und bei der Luftfracht europäischer Marktführer.
In der Binnenschifffahrt ist Frankfurt über den Rhein mit den wichtigen Industrieregionen in Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden und über den Main-Donau-Kanal mit dem südöstlichen Mitteleuropa verbunden.
Main-Donau-Kanal
Frankfurt besitzt nach der Umwandlung des Westhafens in ein Wohn- und Büroquartier noch den Osthafen.
Nahverkehr
Das Angebot des ÖPNV in Frankfurt und der Region besteht aus dem S-Bahn-Netz, der teilweise zur U-Bahn ausgebauten Stadtbahn, der Straßenbahn, Omnibussen sowie mehreren Vorort- und Regionalbahnen. Den Hauptbahnhof bedienen alle S-Bahnen, fast alle Straßenbahnen und zwei der sieben U-Bahnen. Weitere wichtige Knotenpunkte sind die Hauptwache, wo sich U- und S-Bahn kreuzen (8 S-Bahnen und 5 U-Bahnen), sowie Konstablerwache (8 S-Bahnen, 4 U-Bahnen und eine Straßenbahnlinie). Dieses sind die zwei Stationen, welche unter der Einkaufsmeile Zeil liegen.
Das größte Verkehrsunternehmen für die lokalen Verkehrsmittel in der Stadt ist die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF). Die Lokale Nahverkehrsgesellschaft traffiQ GmbH übernimmt die Koordination und Bestellung des lokalen Nahverkehrsangebots. Sie ist Partner des Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), der für die regionalen Verkehre und ein einheitliches Tarifsystem zuständig ist.
Durch zahlreiche Stadtautobahnen (teilweise als BAB, teilweise als autobahnähnlich ausgebaute Bundesstraßen) kann die Stadtregion als für den Individualverkehr überdurchschnittlich erschlossen betrachtet werden.
Elektronische Kommunikation
Auch für das Internet stellt Frankfurt einen wichtigen Standort dar. Hier befindet sich der größte deutsche Internetknoten DE-CIX und die DeNIC.
Siehe auch: Wichtige Straßen und Plätze in Frankfurt am Main, Nahverkehr in Frankfurt am Main
Messe
Nahverkehr in Frankfurt am Main
Handelsmessen haben in Frankfurt eine lange Tradition. Nach neuesten Erkenntnissen war Frankfurt mit der Frankfurter Messe die erste Messestadt der Welt. Schon im Mittelalter konnten Handelsreisende hier ihre Waren anbieten. Mit Leipzig, dem zweiten großen Messestandort im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation (Leipziger Messe), war Frankfurt durch eine Fernstraße, die Via Regia, verbunden.
Wichtige Messen in Frankfurt sind neben der Frankfurter Buchmesse, der Internationalen Automobilausstellung und der Achema auch die Ambiente Frankfurt, die größte Konsumgütermesse der Welt.
Ansässige Unternehmen
Entgegen einer landläufigen Meinung sind in Frankfurt nicht nur Finanzunternehmen ansässig. In kaum einer anderen deutschen Stadt gibt es so viele international führende Unternehmen aus den verschiedensten Branchen. Hier findet man unter anderem Chemiekonzerne, Werbeagenturen, Softwareunternehmen und Call-Center. Frankfurt galt durch die Hoechst AG jahrelang als "Apotheke der Welt". Der Industriepark Höchst ist einer der drei größten Standorte der chemischen und pharmazeutischen Industrie in Europa. Auch Verbände wie der Verband der Chemischen Industrie (VCI), der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), der Verband der Elektrotechnik und Informationstechnik (VDE) mit der angeschlossenen elektrotechnischen Normenkommission (DKE im DIN und VDE) und der Verband der deutschen Automobilhersteller (VDA) siedelten sich in Frankfurt an. Zudem hat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der auch die Buchmesse organisiert, seinen Sitz in Frankfurt. Die Arbeitnehmerseite ist in Frankfurt mit dem Hauptsitz der IG Metall und der IG BAU vertreten.
IG BAU
Frankfurt am Main ist aber vor allem als internationaler Finanzstandort und Börsenplatz weltweit bekannt. In der Innenstadt befinden sich die Unternehmenszentralen drei der größten deutschen Banken.
Die Deutsche Bank AG liegt in der Mainzer Landstraße in der Nähe der Taunusanlage. Wenige Straßen weiter stadteinwärts kann man die Wolkenkratzer der Commerzbank AG erkennen, von denen der höchste fast 300 Meter in die Höhe ragt.
Anders als der Name vermuten lässt, wird auch die Dresdner Bank AG von Frankfurt aus geleitet. Sie gehört jedoch der Allianz AG mit Sitz in München. Ebenso findet sich die größte deutsche Direktbank, die ING-DiBa in Frankfurt. Zudem haben einige bedeutende Privatbanken ihren Hauptsitz in Frankfurt, diese sind das Bankhaus Metzler, Hauck & Aufhäuser Privatbankiers, Bankhaus Delbrück-Bethmann-Maffei und die BHF Bank.
Zu den großen Privatbanken kommen noch die DZ BANK, die Deka die Frankfurter Sparkasse von 1822 sowie die Landesbank Hessen-Thüringen (HELABA) hinzu. Die meisten der beinahe 300 weiteren Banken sind keine inländischen Unternehmen.
Mit den von der Deutsche Börse AG betriebenen Handelsplattformen „Frankfurter Wertpapierbörse“ und „XETRA“ ist Frankfurt der zweitgrößte Aktienmarkt Europas und wickelt den Löwenanteil des deutschen Wertpapierhandels ab. Gemessen an der Marktkapitalisierung ist die Deutsche Börse AG die größte Börse der Welt.
Staatliche Einrichtungen und Organisationen
Frankfurt am Main ist eine Bankenmetropole, auch in Bezug auf staatliche Banken. Neben der Deutschen Bundesbank und der KfW Bankengruppe haben auch die Europäische Zentralbank und das deutsche IFC-Büro (die International Finance Corporation ist Teil der Weltbankgruppe) ihren Sitz in Frankfurt.
Außerdem ist Frankfurt Sitz der Deutschen Bibliothek, des Hessischen Oberlandesgerichts sowie des Hessischen Landesarbeitsgerichtes und hat ein eigenes Polizeipräsidium und eine Berufsfeuerwehr mit 7 Feuerwachen. Bis zur Auflösung Ende 2003 war Frankfurt zudem Sitz des Bundesdisziplinargerichts.
Frankfurt ist zudem Sitz von 88 Konsulaten. Nur New York und Hamburg haben mehr ausländische Vertretungen, ohne dabei Hauptstadt eines Staates zu sein. China und Russland haben gerade Generalkonsulate in Frankfurt eröffnet.
Medien
Frankfurt, eine der ältesten Zeitungsstädte der Welt, ist Sitz von zwei überregionalen Tageszeitungen mit unterschiedlicher politischer Ausrichtung. Die liberal-konservative Frankfurter Allgemeine Zeitung unterhält sowohl Redaktion als auch Verlagshaus in der Nähe der Mainzer Landstraße im Stadtteil Gallusviertel. Die linksliberale Frankfurter Rundschau hingegen hat ihr Verlagshaus mitsamt Redaktion seit Juli 2005 in Sachsenhausen. Zudem erscheint in Frankfurt noch eine bedeutende (konservative) Regionalzeitung, die Frankfurter Neue Presse, im Verlag der Frankfurter Societät in direkter Nachbarschaft zum Verlagshaus der FAZ. In Frankfurt erscheint zudem die neue Tageszeitung NEWS Frankfurt aus dem Handelsblatt-Verlag, die vor allem durch ein neues kleines Format (tabloid rheinisch) und ein modernes Layout auffallen möchte.
Neben den Tageszeitungen gibt es in der Frankfurter Medienlandschaft noch einige interessante Magazine. Das Journal Frankfurt ist wohl die bekannteste Zeitschrift der Stadt für Veranstaltungen, Feste und so genannte Insidertipps. Wie auch die FAZ und die FNP hat das Journal Frankfurt seine Redaktion im Frankfurter Gallusviertel. Auf "ökologische Zeitschriften" hat sich der Öko-Test Verlag in der "Grünen-Hochburg" Bockenheim spezialisiert. Am bekanntesten ist darunter wohl die gleichnamige Testzeitschrift. Ebenfalls in Bockenheim befindet sich die Redaktion der Satire-Zeitschrift Titanic.
Frankfurts ältester Rundfunksender war die 1924 gegründete private Südwestdeutsche Rundfunkdienst AG. Heute ist das Nachfolgeunternehmen, der öffentlich-rechtliche Hessische Rundfunk mit seinem Funkhaus „Am Dornbusch“ eines der wichtigsten Medienunternehmen für Hörfunk und Fernsehen. Hier befinden sich auch die ARD-Sternpunkte, die die Gemeinschaftsprogramme (beispielsweise Das Erste) über ein Hochleistungsnetzwerk auf die einzelnen Sendeanstalten verteilen. Der US-amerikanische Medienkonzern Bloomberg hat in der Neuen Mainzer Straße in Frankfurts Innenstadt sein Deutschlandstudio. Hinzu kommt noch das Regionalstudio der RTL Group. Auch reine Radiosender senden von Frankfurt aus, etwa Main FM. Ein weiterer privater aber nicht kommerzieller Radiosender ist Radio X. Sein Studio ist unweit der Konstablerwache. Der größte private Radiosender der Region, FFH, hat seinen Sitz in der nahe gelegenen Stadt Bad Vilbel.
Ebenfalls in Frankfurt beheimatet ist die Nachrichtenagentur Reuters Deutschland. Sie hat ihre Büros im repräsentativen Messeturm.
Auch der US-amerikanische Soldatensender AFN hatte von August 1945 an sein Hauptquartier in Frankfurt. Im Rahmen der Truppenreduzierung wurde aber auch der AFN-Standort Frankfurt aufgegeben: Seit Oktober 2004 sendet das American Forces' Network sein Europa-Programm aus Mannheim.
Bildung und Forschung
In Frankfurt am Main befinden sich zwei Universitäten sowie mehrere Fachhochschulen. Die bekannteste und älteste Universität der Stadt ist die 1914 gegründete Johann Wolfgang Goethe-Universität mit ihren vier Standorten Bockenheim, Westend, Riedberg und Uni-Klinik Niederrad. Daneben existiert noch die Privatuniversität Business School of Finance and Management, die ehemalige Hochschule für Bankwirtschaft.
Im künstlerischen Bereich verfügt Frankfurt zum einen über die Staatliche Hochschule für bildende Künste, gegründet 1817 von Johann Friedrich Städel, die später in Besitz der Stadt gelangte und 1942 zur staatlichen Kunsthochschule der freien bildenden Künste erhoben wurde. Die andere bekannte Kunsthochschule ist die aus der 1878 gegründeten privaten Stiftung „Dr. Hoch's Konservatorium“ hervorgegangene Hochschule für Musik und Darstellende Kunst.
Die 1971 | | |