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BaptistenDie Baptistenkirchen sind eine Familie von Freikirchen in evangelikaler Tradition, deren besonderes Merkmal die Glaubenstaufe auf Grund des Glaubens an Jesus Christus ist. Jesus Christus abgefassten „Glaubensbekenntniß der Evangelischen Taufgesinnten (Baptisten) Gemeinden in Amerika, Großbritanien, Hamburg pp und Jever“]]
Das Taufverständnis und die daraus folgende Taufpraxis ist ein wesentliches Kennzeichen dieser Freikirchen.
Etymologie
Die Bezeichnung Baptisten ist abgeleitet vom griechischen „baptizein“, was „untertauchen“ und im übertragenen Sinne „taufen“ bedeutet. Wie bei vielen christlichen Glaubensgemeinschaften ist auch bei den Baptisten ein ehemaliger Spottname zur Konfessionsbezeichnung geworden. Offizielle Namen der Baptistenkirchen in anderen Nationen sind unter anderem:
- Qendra Baptiste in Albanien
- Convención Evangélica Bautista in Argentinien
- Unie van baptisten in Belgien
- Unión Bautista in Bolivien
- Convenção Batista Brasileira in Brasilien
- Baptistkirken/ Baptistsamfund in Dänemark
- Evangelisch-Freikirchliche Gemeinden oder Baptistengemeinden in Deutschland
- Evangeeliumi Kristlasteja Baptistide Koguduste Liit in Estland
- Baptistiyhdyskunta in Finnland
- Eglises Evangéliques Baptistes in Frankreich
- Baptist church im Vereinigten Königreich, in den USA sowie in sonstigen englischsprachigen Ländern
- Unione Cristiana Evangelica Battista in Italien
- Rada Kosciola Chrzescijan Baptystow in Polen
- Uniunea Bisericilor Crestine Baptiste in Rumänien
- Savez Evandjeoskih Hriscana-Baptista in Serbien
- Bratska Jednota Baptistov Rada in der Slowakei
- Baptista Egyház in Ungarn
- Undeb Bedydd wyr Cymru in Wales
- Evangeliumschristen-Baptisten ist der Name von Gemeinden russlanddeutscher Prägung.
Verbreitung
Allgemeiner Überblick
In rund 160 Ländern der Welt existieren Baptistengemeinden mit zirka 47 Millionen Mitgliedern. Rechnet man die Kinder und die am Leben der Gemeinde teil nehmenden Freunde hinzu, muss die genannte Zahl mindestens verdoppelt werden. Die meisten nationalen Baptistenunionen gehören zum Weltbund der Baptisten (Baptist World Alliance / BWA). Bedeutsame Ausnahmen sind hier unter anderem der US-amerikanische Bund der südlichen Baptisten (Southern Baptist Convention) mit ca 11 Millionen getauften Mitgliedern und die Rückwanderergemeinden der russlanddeutschen Baptisten mit ca 350.000 Mitgliedern. Die Zahl der Baptisten hat sich seit 1905 versiebenfacht. Die stärksten baptistischen Gruppen befinden sich in den USA, den Ländern der ehemaligen UdSSR sowie in Brasilien, Burma und in Indien. Der offizielle Name der deutschen Baptisten lautet seit 1941 Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland (BEFG). Dieser Gemeindebund bildet mit rund 85.000 getauften Mitgliedern (ohne Kinder und Freunde) in 862 Gemeinden die größte Freikirche in Deutschland.
Statistischer Vergleich 1958 und 2004
1 Quelle für die Statistik 1958: J.D. Hughey, aaO, S. 140ff
2 Quelle für die Statistik 2004: [http://www.bwanet.org Offizielle Statistik des Baptistischen Weltbundes]
3 seit Oktober 2004 nicht mehr BWA-Mitglied
Lehre
Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland
Ein wesentliches Merkmal der Baptisten ist nach wie vor ihre Ablehnung der Kindertaufe, welche nach ihrem Verständnis nicht dem biblischen Gebot entspricht. Stattdessen lassen sich Baptisten im entscheidungsfähigen Alter taufen. Getauft werden nicht nur Erwachsene, sondern auch Jugendliche. Daher lehnen die Baptisten den Begriff Erwachsenentaufe ab und sprechen lieber von Glaubenstaufe.
Ein einheitliches baptistisches Glaubensbekenntnis existiert nicht. Große Übereinstimmung herrscht jedoch bei folgenden Prinzipien:
- Für Lehre, Glauben und Leben ist die Bibel alleinige Richtschnur.
- Das höchste Gebot stellt dabei die Nächstenliebe dar, wie Jesus Christus sie verkündet hat. Daraus folgen logischerweise alle anderen Gebote. Wer seinen Nächsten liebt, der bestiehlt oder tötet ihn nicht.
- Die Gemeinde Jesu ist eine Schöpfung des Wortes Gottes. Die Verkündigung weckt, stärkt und korrigiert den Glauben des einzelnen Menschen und verlangt nach dessen Antwort. Die Verkündigung des Evangeliums ist die Voraussetzung dafür, dass ein Mensch zum Glauben kommt. Wer zum Glauben an Jesus Christus gekommen ist, wird eingeladen, sich aufgrund seines persönlichen Bekenntnisses taufen zu lassen.
- Nicht die Taufe, sondern der Glaube an Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist ist heilsentscheidend.
- Die örtliche Gemeinde der Glaubenden "verwaltet" das Wort und die von Jesus Christus eingesetzten Zeichen Taufe und Abendmahl. Sie delegiert diese Aufgabe an einzelne Gemeindemitglieder.
- Grundsatz ist das Priestertum aller Gläubigen. Alle Handlungen, auch Taufe, Abendmahl und Predigt können von jedem Gemeindemitglied vollzogen werden.
- Das Abendmahl wird einmal im Monat als Gedächtnismahl gefeiert.
- Baptisten sehen in der Evangelisation die vordringlichste Aufgabe sowohl des einzelnen Gemeindemitglieds (Johann Gerhard Oncken: „Jeder Baptist ein Missionar!“) als auch der Gemeinde und ihrer regionalen und nationalen Zusammenschlüsse.
- Baptisten treten weltweit für Glaubens- und Gewissensfreiheit des Menschen ein. Staat und Kirche sind zu trennen. Keine Religion darf vom Staat bevorzugt behandelt werden (siehe dazu: Thomas Helwys, Roger Williams und Julius Köbner, Das Manifest des freien Urchristentums von 1848).
Die Theologie der Baptisten ist gewöhnlich evangelikal in calvinistischer Tradition, wobei es ziemliche Unterschiede zwischen den einzelnen Gemeinden geben kann.
Gottesdienst und Praxis
Die Gestaltung der Gottesdienste unterliegt keiner bestimmten Liturgie, wird also von jeder Gemeinde individuell gehandhabt. Die Verkündigung des Wortes Gottes steht aber klar im Vordergrund. Meistens teilt sich der Gottesdienst in einen Einleitungsteil, der von Gemeindemitgliedern oder -gruppen gestaltet wird und einen Predigtteil. Die Predigt kann durchaus auch von Laien gehalten werden. Die Musik ist oft modern. Viele Gemeinden sind charismatisch ausgerichtet. Ein wichtiges Element ist das offene Gebet der Gemeinde, bei dem jeder Gottesdienstbesucher die Möglichkeit hat laut mitzubeten. Vereinzelt wird dabei das Zungengebet praktiziert. Für Kinder wird parallel zum Gottesdienst die Sonntagsschule angeboten.
Die Taufe geschieht durch vollständiges Untertauchen. Für die Taufe gibt es in den meisten Baptistenkirchen ein Baptisterium (Taufbecken). Viele Baptistengemeinden taufen auch gerne in freien Gewässern. Im allgemeinen kann man nur durch eine Glaubenstaufe Mitglied einer Baptistengemeinde werden, sie muss jedoch nicht in einer Baptistengemeinde vollzogen worden sein.
Gewässer
Das Abendmahl betont die Gemeinschaft der Gläubigen untereinander und mit Jesus Christus. Eingeladen sind alle, die sich mit Gott und Menschen durch Jesus Christus versöhnt wissen. Es gilt die biblische Mahnung: "Darum prüfe sich ein jeder selbst und esse so von diesem Brot und trinke aus diesem Kelch!" (1. Kor 11) Meist werden Teller mit gebrochenem Brot sowie Kelche mit Wein durch die Reihen gereicht. Häufig wird dabei aus Rücksicht auf Suchtkranke Traubensaft statt Wein gereicht. Auch andere Abendmahlsformen werden praktiziert.
Baptisten kommt es nicht so sehr auf die äußere Form des Gottesdienstes an, als vielmehr auf die intensive Gemeinschaft mit den anderen Gemeindemitgliedern und Jesus. Deshalb ist in vielen Gemeinden der anschließende Kirchenkaffee oder sogar ein gemeinsames Mittagessen inzwischen obligatorisch.
Gäste sind abgesehen von den Gemeindeversammlungen, wo über alle wichtigen Fragen des Gemeindelebens entschieden wird, zu allen Veranstaltungen willkommen.
Als Orte der persönlichen Begegnung gibt es Hauskreise. Diese bestehen aus etwa 8-10 Personen und treffen sich regelmäßig (meist wöchtentlich oder 14-tägig). Wichtig dabei sind persönliche Anteilnahme an den anderen Mitgliedern und gemeinsames Wachsen im Glauben. Hier kommt auch das "Priestertum aller Gläubigen" stark zum Ausdruck.
Organisation
Die Baptistenkirchen sind kongregationalistisch organisiert, d.h. die einzelnen Gemeinden sind autonom. Auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene schließen sich Baptisten jedoch in der Regel zu Arbeitsgemeinschaften, Vereinigungen und Bünden zusammen. Die lokale Gemeinde spielt jedoch im Selbstverständnis der Baptisten die entscheidende Rolle. Oft existieren in einer Stadt mehrere Baptistengemeinden, die aus geschichtlichen, ethnischen, theologischen oder praktischen Gründen unterschiedlichen nationalen oder internationalen Zusammeschlüssen gehören. Es ist durchaus möglich, dass - zum Beispiel im Rahmen der Evangelischen Allianz - eine örtliche Baptistenkirche zu konfessionell anders geprägten Gemeinden intensivere Kontakte unterhält als zu den anderen Ortsgemeinden baptistischen Bekenntnisses.
Die einzelnen Gemeinden finanzieren sich ausschließlich durch freiwillige Spenden und Mitgliederbeiträge. Der deutsche Bund unterhält neben diakonischen Einrichtungen auch ein theologisches Seminar in Wustermark-Elstal bei Berlin, in dem eigene Pastoren ausgebildet werden. Auch Absolventen eines evangelischen oder katholischen Theologiestudiums können (nach einem Aufbaustudium) als Pastoren in den Gemeinden tätig werden.
Geschichte
Theologie
Auch im Rahmen der Reformationsbewegung gab es Gruppen, die nur Menschen taufen wollten, die sich vorher bekehrt hatten. Dies ist das sog. Täufertum. Sie gehörten zum „Linken“ Flügel der Reformation. Die Reformatoren setzten sich mit den damals sog. „Wiedertäufern“ intensiv auseinander. Aus dieser Bewegung gingen Gruppen wie die Mennoniten hervor.
Auf den britischen Inseln entwickelte sich eine eigenständige Reformation. 1529 kam es in England unter Heinrich VIII. zur Ablösung von der römisch-katholischen Kirche und der Gründung der nationalen anglikanischen Kirche. Nach Heinrichs Tod machten sich auch hier die Auswirkungen der kontinentalen Reformation bemerkbar – unter anderem in der Entwicklung des calvinistisch geprägten „Puritanismus“.
Die Baptisten sind von diesen Entwicklungen stark geprägt worden. Sie dürfen jedoch nicht als Teil der kontinentaleuropäischen oder englischen Reformation und auch nicht als Teil der reformatorischen "Wiedertäufer" gesehen werden.
Die Geschichte der Baptisten beginnt erst ca. 100 Jahre später. Nicht immer sind ihre Anfänge klar zu erfassen. Die Hauptentwicklungslinie lässt sich folgendermaßen darstellen:
Niederlande, Vereinigtes Königreich sowie Asien und Afrika
Auswanderer, die im Vereinigten Königreich aufgrund ihrer nonkonformistischen Überzeugungen verfolgt wurden, bildeten 1609 in Amsterdam eine erste eigenständige taufgesinnte Gemeinde unter der Leitung von John Smyth.
Eine kleine Gruppe dieser Gemeinde ging unter Leitung des Juristen Thomas Helwys 1611 wieder nach England zurück und wurde zur Keimzelle der baptistischen Bewegung im Vereinigten Königreich. Helwys setzte sich vor allem schriftstellerisch für Religions- und Gewissenfreiheit ein, was ihm Gefängnis und Tod einbrachte. Bereits 1644 gab es allein in London - trotz Verfolgungen - sieben Baptistengemeinden. Bis 1689 kam es im Vereinigten Königreich zu einem starken Wachstum der britischen Baptisten. Erst mit der Gewährung der allgemeinen Religionsfreiheit kam es zu einer gewissen Stagnation, die aber durch die Einflüsse der methodistischen Erweckungsbewegung unter John Wesley überwunden werden konnte.
Durch die von William Carey begründete Particular Baptist Missionary Society fand die baptistische Bewegung 1792 ihren Weg nach Asien und Afrika, wo das Engagement baptistischer Missionare innerhalb der britischen Kolonien 1838 zur Abschaffung der Sklaverei führte.
Vereinigte Staaten
Neben dem Vereinigten Königreich waren die Vereinigten Staaten von Amerika ein weiterer Ausgangspunkt der baptistischen Bewegung. Wie viele andere Anhänger reformatorisch geprägter Glaubensbewegungen zogen es schließlich auch die Puritaner vor, in das Gebiet der späteren USA auszuwandern. Dort (Rhode Island) wurde 1611 unter der Leitung von Roger Williams eine erste Baptistengemeinde gegründet. Vor allem ab dem 18. Jahrhundert erlebten die dortigen Gemeinden des Nordens einen großen Aufschwung, u.a. wegen ihrer kompromisslosen Haltung gegen den Sklavenhandel. Die Baptisten des Südens sahen das allerdings ganz anders, obwohl sowohl die Schwarzen als auch die Weißen ganz überwiegend Baptisten waren, waren die Kirchen bis in die 1960er-Jahre fast durchweg rassisch getrennt, teilweise sind sie es noch heute. Im Süden der USA sind die Baptisten bis heute die dominante Konfession. Nach den Katholiken bilden sie die zweitgrößte Konfession der USA.
US-Bundesstaaten mit dem höchsten Bevölkerungsanteil an Baptisten:
Mississippi 55.00% -
Alabama 51.40% -
Georgia 50.80% -
North Carolina 47.10% -
Washington, D.C. 46.80% -
South Carolina 46.50% -
Tennessee 43.00% -
Kentucky 42.50% -
Arkansas 42.40% -
Oklahoma 32.60% -
Texas 32.00% -
Virginia 31.20% -
West Virginia 29.30% -
Louisiana 29.20% -
Missouri 24.90% -
Florida 22.20% -
Maryland 17.40% -
Indiana 16.50% -
Kansas 16.40% -
Michigan 15.70% (Stand:1990)
Deutschland und Kontinentaleuropa
Im 19. Jahrhundert kehrte der Baptismus wieder nach Kontinentaleuropa zurück. Der aus Varel stammende Hamburger Kaufmann Johann Gerhard Oncken hatte sich zunächst auf einer Englandreise in einer Evangelisch-methodistischen Gemeinde bekehrt. Nach Deutschland zurückgekehrt, kam er in Kontakt mit einem amerikanischen baptistischen Theologen, der die Gläubigentaufe an ihm vollzog. Oncken gründete am 23. April 1834 die erste Gemeinde in Hamburg, die zur Keimzelle vieler kontinentaleuropäischer Baptistenkirchen wurde.
Baptisten in Deutschland während des Dritten Reiches
Die Verantwortlichen der Baptisten in Deutschland waren während des Dritten Reiches bestrebt, Erreichtes nicht zu gefährden und missionarisch aktiv bleiben zu können.
Dafür sind Kompromisse bei dem Prinzip der völligen Unabhängigkeit eingegangen worden und in zunehmenden Maße wurde dieses Prinzip preisgegeben. Statt dessen wurden staatliche Formen der Gemeindeorganisation, wie etwa die Einführung des Führerprinzips für den Gemeindebund 1933-36 eingeführt.
Während des Dritten Reiches zählte man in Baptistengemeinden bis zu 120.000 Mitglieder.
Spätestens seit 1936 hatten alle Denominationen den generell antichristlichen Kurs der NS-Religionspolitik zu spüren bekommen.
Gegenüber dem Kirchenkampf verhielt man sich neutral oder desolidarisierte sich öffentlich von der Bekennenden Kirche, z.B. auf der Weltkirchenkonferenz 1937 in Oxford.
Unter dem Druck der Verhältnisse schloss sich der Bund der Baptistengemeinden 1942 mit den um ihre Existenz kämpfenden Brüdergemeinden zusammen. Der gemeinsame Bund erhielt den offiziellen, noch heute gültigen Namen Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden.
Fünfzig Jahre danach hat der deutsche Bund auf dem Kongress der Europäischen Baptistischen Föderation 1984 in Hamburg in einem Wort zur NS-Zeit u.a. erklärt: "Wir haben uns nicht öffentlich mit dem Kampf und Leiden der Bekennenden Kirche verbunden und ebenso versäumt, eindeutig den Verletzungen göttlicher Gebote und Ordnungen zu widerstehen. Es beugt uns, dass wir als deutscher Bund der ideologischen Verführung jener Zeit oft erlegen sind und nicht größeren Mut zum Bekenntnis für Wahrheit und Gerechtigkeit bewiesen haben.“
Religions- und Gewissenfreiheit
Baptisten waren von Anfang an engagierte Vertreter der Religionsfreiheit.
Das erste baptistische Glaubensbekenntnis von 1610 erklärt, dass Jesus Christus „das Amt der weltlichen Regierung nicht mit den Ämtern seiner Kirche verbunden hat“.
1639 wurde in der von Baptisten besiedelten Kolonie Rhode Island - als erstem Land der Welt - völlige Religionsfreiheit garantiert.
Neben den Quäkern setzten sich Baptisten dann später (1777) für die Aufnahme der Religionsfreiheit in die Verfassung der Vereinigten Staaten ein. In Deutschland vetrat Julius Köbner mit seinem Manifest des freien Urchristentums ähnliche Überzeugungen.
Bedeutende Baptisten
- Geistliche / Theologen
- Thomas Helwys
- Roger Williams
- John Bunyan, Verfasser von The Pilgrim´s Progress (deutsch: Pilgerreise zur seligen Ewigkeit)
- Charles Haddon Spurgeon, englischer Baptistenprediger und Schriftsteller
- Martin Luther King, US-amerikanischer Bürgerrechtler
- Jesse Jackson - amerikanischer Bürgerrechtler, Gründer der Rainbow Coalition
- Harvey Cox, Theologe
- Hans Luckey, Theologe
- Rudolf Thaut, Theologe
- Billy Graham, weltweit bekannter Evangelist
- August Rauschenbusch, deutsch-amerikanischer Theologe
- Walter Rauschenbusch, Begründes des Sozialen Evangeliums (social gospel)
- Politiker
- Abraham Lincoln, 16. Präsident der USA
- Harry S. Truman- 33. Präsident der USA
- Jimmy Carter - 39. Präsident der USA
- Bill Clinton 42. Präsident der USA
- Levy Mwanawasa, Präsident von Sambia
- Künstler und Literaten
- Brian Littrell, Sänger
- Aaron Carter, Sänger
- Johnny Cash, Country-Sänger
- Thomas A. Dorsey, Gospel-, Soul- und Bluessänger, Pianist
- Aretha Franklin, Gospel-, Soul- und Bluessängerin
- John Grisham, Schriftsteller
- Mahalia Jackson, Gospelsängerin
- Otis Redding, Soulsänger
- Sonstige
- John D. Rockefeller US-amerikanischer Industrieller
- Peter C. Dienel, Theologe und Soziologe, Erfinder des Bürgerbeteiligungsverfahrens „Planungszelle“
Die Baptisten unterhalten viele Kontakte zu anderen Kirchen, Freikirchen und internationalen Organisationen. "Jesus Christus baut seine Gemeinde in verschiedenen Kirchen und Gemeinschaften", heißt es in einer BEFG-Bekenntnisschrift. Sie engagieren sich in der Deutschen Evangelischen Allianz und gehören zu den Gründungsmitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen. Sie arbeiten auch in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen mit.
Literatur
- Charles Willams: The Principles and Practices of the Baptists - A Book for Inquirers, London 1880
- Henry C. Vedder: Eine kurze Geschichte der Baptisten, Hamburg 1896
- Ernest A. Payne: The Fellowship of Believers - Baptist Thought and Practice Yesterday abd Today, London 1944
- J.D. Hughey: Die Baptisten - Lehre, Praxis, Geschichte, Kassel 1959
- Rudolf Donat: Wie das Werk begann - Entstehung der deutschen Baptistengemeinden, Kassel 1958
- Rudolf Donat: Das wachsende Werk - Ausbreitung der deutschen Baptistengemeinden durch 60 Jahre (1849-1909), Kassel 1960
- Günter Balders: Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland (Baptisten), in: Hans-Beat Motel (Hrsg.): Glieder an einem Leib - Freikirchen in Selbstdarstellung, Stuttgart 1975, S.95-133 [ISBN 3-7673-6520-0]
- Günter Balders (Hrsg.): Ein Herr - ein Glaube - eine Taufe - 150 Jahre Baptistengemeinden in Deutschland, Wuppertal/Kassel 1985, [ISBN 3-7893-7883-6]
- Frank Fornaçon: Offene Türen, Eine Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde stellt sich vor, Kassel, 2004
- Strübind, Andrea, Baptisten, Baptistengemeinden in Deutschland seit 1945, in: KZG 13, 2000, S. 391-413
Siehe auch
- Zeittafel zur Geschichte der Baptisten
- Baptistischer Weltbund
- Portal:Freikirchen
- Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in der DDR
- Gemeindejugendwerk
- Freikirchen in Ostfriesland
- Bekenntnisse der christlichen Kirchen und Gemeinschaften
- Bible Belt
Weblinks
- [http://www.baptisten.org Offizielle Webseite der Baptisten in Deutschland]
- [http://www.bwanet.org Baptistischer Weltbund]
- [http://www.die-gemeinde.org Webseite der GEMEINDE, des Magazins des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland]
- [http://www.abc-usa.org/abhs/ American Baptist Historical Society]
- [http://www.valpo.edu/geomet/pics/geo200/religion/baptist.gif Karte zur Verbreitung der Baptisten in den USA]
- (englisch)
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Baptisten
Kategorie:Religionsfreiheit
ja:バプテスト教会
ko:침례교
FreikirchenEine Freikirche ist eine vom Staat unabhängige christliche Kirche. Sie ist gewöhnlich als Freiwilligkeitskirche organisiert und erwartet in der Regel eine persönliche Entscheidung für die Mitgliedschaft im religionsmündigen Alter.
Dies hat sie zwar mit zahlreichen kleinen Gemeinden und Religionsgemeinschaften gemeinsam, zum Wesensmerkmal einer Freikirche gehört jedoch auch, dass sie keinen Absolutheitsanspruch erhebt, sich deshalb dem interkonfessionellen Gespräch nicht verschließt und auf verschiedenen Ebenen (zum Beispiel Evangelische Allianz, Vereinigung Evangelischer Freikirchen, Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen) die Zusammenarbeit mit anderen Kirchen sucht.
Geschichtlicher Überblick
Der Kirchenbegriff der Reformation
Die Reformation übernahm ihren Staats- und Kirchenbegriff als Erbe aus der Antike und dem Mittelalter; sie kannte deshalb nur den einen Kirchentyp - das Staatskirchentum. Dieser beruhte auf der Einheitlichkeit der Weltanschauung, die nur eine absolute, das Leben der Herrscher und aller Untertanen umfassende und zur Einheit verbindende religiöse Wahrheit kannte. Es war für dieses Verständnis folgerichtig, dass Staat und Kirche sich verbanden, um alle Staatsangehörigen in dieser absoluten Wahrheit zu erziehen -- auch wenn es in der Praxis häufig Konflikte zwischen Staat und Kirche gab. Aber grundsätzlich andere religiöse Überzeugungen, welche etwa zur Abtrennung von der Staatskirche geführt hätten, konnten weder vom Staat noch von der Kirche geduldet werden. Zwar hat die Reformation diesen Grundkonsens in gewisser Weise aufgeweicht, indem sie neben der bisherigen alleinseligmachenden Kirche eine andere Kirchengemeinschaft begründete. In dieser Kirche - so die Auffassung der Reformatoren - war die religiöse Wahrheit von menschlich-geschichtlichen Zusätzen befreit und trat deshalb reiner und ursprünglicher in Erscheinung als in der althergebrachten. Dennoch blieb für die Reformation der Grundsatz, dass in einem Staat nur eine Kirche bestehen kann, bestehen und führte schließlich zu dem bekannten Kompromiss cuius regio, ejus religio (wessen das Land, dessen [ist] die Religion) des Augsburger Religionsfriedens von 1555, der dann im Westfälischen Frieden (1648) für die folgenden Jahrhunderte sanktioniert worden ist. Das Staatskirchentum wurde von der Reformation sogar noch gesteigert, indem anstelle des alten Nebeneinanders von weltlicher und geistlicher Obrigkeit die Unterstellung der Kirche unter den Staat trat. Das Prinzip des Staatskirchentums ist im europäischen Raum erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts allmählich durchbrochen worden - bedingt durch den Wandel des Staatsbegriffs und der Demokratisierung der Gesellschaft.
Die freikirchliche Alternative
Insofern waren die Freikirchen, deren tiefste Wurzeln vorreformatorisch (zum Beispiel: Waldenser) sind, eine avantgardistische Bewegung. Ihre Motivation war natürlich keine politische; die freikirchlichen Bewegungen orientierten sich an der Gemeinde des Neuen Testaments, einer Gemeinschaft der Gläubigen, die "Gott mehr gehorchen wollte als den Menschen" und "dem Kaiser" nur das zu geben bereit war, was ihm aufgrund der Bibel zustand. Diese Auffassungen brachten die die jungen freikirchlichen Bewegungen natürlich in einen starken Gegensatz zum Staat und seiner Kirche. Viele Freikirchler - man denke zum Beispiel an die Täufer und ersten Baptisten bezahlten ihre Überzeugungen mit Verfolgung und dem Märtyrertod. Amerika und Russland wurden für viele Freikirchler des 17. und 18. Jahrhunderts zu einer neuen Heimat, in der sie gemäß ihrer Glaubensüberzeugungen leben konnten. Während ihnen im zaristischen und orthodoxen Russland nur sehr eingeschränkte Religionsfreiheit gewährt wurde, erlebten sie Amerika als das "Land der unbegrenzten Möglichkeiten". Hier wirkten sie maßgeblich am Aufbau der jungen Staaten mit. So entwarf der Baptist Roger Williams um 1643 eine Verfassung für Rhode Island, in der zum ersten Mal in der Geschichte die völlige Trennung von Staat und Kirche verankert war. Diese Verfassung wurde später zur Grundlage der Verfassung der Vereinigten Staaten. Erst im 19. Jahrhundert kehrte die freikirchliche Bewegung nach Kontinentaleuropa zurück. Einer der Pioniere dieser Bewegung war Johann Gerhard Oncken, der 1834 in Hamburg die erste deutsche Baptistengemeinde begründete, die in der Folgezeit zur Keimzelle der meisten europäischen Baptistenkirchen wurde.
Freikirchliche Bewegungen im Überblick
Die Waldenser entstanden im 12. Jahrhundert aus einer Laienbewegung in Frankreich und Norditalien. Die historischen Wurzeln der Mennoniten liegen im teilweise radikalen Täufertum des 16. Jahrhunderts, welches durch sein Ausbrechen aus den etablierten Kirchen heftige Reaktionen und Verfolgungen auslöste.
In England und Schottland kam es im 17. Jahrhundert zu betont calvinistisch-reformierten Abspaltungen von der anglikanischen Kirche (Puritaner) aus denen sich Presbyterianer, Kongregationalisten und Baptisten entwickelten. 1843 spaltete sich die Free Church of Scotland von der ebenfalls calvinistisch-reformierten Church of Scotland ab. Ebenfalls in England bildeten sich unter George Fox die Quäker.
Im deutschen Sprachraum sind missionarische Gemeindegründungen aus dem Pietismus hervorgegangen, so die Herrnhuter Brüdergemeine unter Nikolaus Graf von Zinzendorf.
Im 18. Jahrhundert wurde in England von John Wesley der Methodismus in England als weit reichende Reformbewegung innerhalb der anglikanischen Kirche gegründet, die zuerst in den USA und im 19. Jahrhundert auch in England eine selbständige Kirche wurde.
Quasi als eine Spätfolge der revolutionären angelsächsischen Freikirchen-Bewegung zu Anfang des 19. Jahrhunderts und der damit einhergehenden Zersplitterung in mehrere kongregationalistische Gruppen entstanden zuerst in Großbritannien und später auch in Deutschland die ersten so genannten Brüdergemeinden (nach ihrem Begründer John Nelson Darby auch Darbysten genannt).
In dem Bestreben, soziales Handeln und missionarische Dienste als Ausdruck christlicher Überzeugung zusammen zu bringen, wurde schließlich die Heilsarmee gegründet. Ihre Wurzeln liegen im Methodismus.
Im 19. Jahrhundert entstanden die Altlutheraner und Altreformierten als konservative Abspaltungen der Staatskirchen. Sie verstehen sich jedoch nicht als Freikirchen im eigentlichen Sinne und arbeiten deshalb auch nicht in der freikirchlichen Vereinigung mit.
Definition
Man unterscheidet drei freikirchliche Grundtypen:
- die "prinzipiellen" Freikirchen. Darunter versteht man solche Freikirchen, für die sowohl die Trennung von Kirche und Staat als auch die freiwillige Mitgliedschaft zu den Grundsätzen ihrer Ekklesiologie gehören. Zu diesem Typ gehören zum Beispiel die Baptisten und die Mennoniten.
- Kirchen, die sich aufgrund eines "Bekenntnisnotstandes" von einer bestehenden Staatskirche getrennt und sich - der Not gehorchend - als Freikirche organisiert haben. Zu dieser Gruppe gehört zum Beispiel die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche, die sich von der Evangelischen Kirche Preußens trennte als dieser staatlicherseits ein uniertes Bekenntnis verordnet wurde.
- Freikirchen, die sich aus innerkirchlichen Erneuerungsbewegungen (Pietismus, Gemeinschaftsbewegung, Methodismus) gebildet haben. Hierher gehören unter anderen die Herrnhuter Brüdergemeine, die Evangelische Gesellschaft, die Stadtmission und die Heilsarmee.
Freikirchen im deutschen Sprachraum
Viele Freikirchen im deutschen Sprachraum schauen auf eine längere Geschichte zurück. Sie haben ensprechend ihrer jeweiligen Ekklesiologie Organisationsstrukturen entwickelt und arbeiten auf verschiedenen Ebenen (Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, Evangelische Allianz, VEF u.a.) zusammen. Die folgende Liste nennt solche Freikirchen bzw. freikirchliche Gemeinschaften in alphabetischer Reihenfolge, ohne freilich den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.
Liste von traditionellen Freikirchen des deutschen Sprachraums
- Brüderbewegung
- Christliche Versammlung
- Freier Brüderkreis
- Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden Baptisten BEFG
- Bund Freier evangelischer Gemeinden BFeG
- Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden BFP
- Evangelisch-Altreformierte Kirche
- Evangelisch-methodistische Kirche EmK
- Freikirchliches Evangelisches Gemeindewerk fegw
- Freikirchlicher Bund der Gemeinde Gottes
- Gemeinden Christi
- Gemeinde Gottes
- Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten STA
- Heilsarmee
- Herrnhuter Brüdergemeine
- Jesus Freaks
- Kirche des Nazareners
- Mennoniten
- Mülheimer Verband Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden
- Religiöse Gesellschaft der Freunde
- Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche SELK
- Vereinigung Apostolischer Gemeinden
Eine ganze Reihe der o. g. Freikirchen haben sich der Vereinigung Evangelischer Freikirchen als Voll- bzw. Gastmitglieder angeschlossen. In der Schweiz lautet der Name dieses Zusammenschlusses Verband Evangelischer Freikirchen. Daneben gibt es zahlreiche freie unabhängige Gemeinden, die keinem Bund angehören.
Neue freikirchliche Gemeindegründungen
Seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts haben sich - vor allem in den Großstädten - sogenannte unabhängige Gemeinden entwickelt, die durchaus freikirchliche Strukturen besitzen, den klassischen Freikirchen aber nicht angehören. Es lassen sich bei diesen sogenannten transdenominationellen Gemeinden folgende Typen ausmachen:
:: (1) Gemeinden mit pfingstlich-charismatischer Prägung
:: (2) Gemeinden mit evangelikal-missionarischer Prägung
:: (3) Gemeinden mit evangelikal-konservativer Prägung
:: (4) Migrantenkirchen
:: (5) Aussiedlergemeinden
:: (6) Hauskirchen-Bewegung
:: (7) Millieukirchen; dazu gehören u.a. die Jesus Freaks
:: (8) Freikirchliche Gemeinden, die aus der Arbeit überkonfessioneller Missionswerke (zum Beispiel CVJM, Jugend mit einer Mission) entstanden sind
Quelle: R. Hempelmann, aaO
Ablehnung der Kirchensteuer
Ein Kritikpunkt an der evangelischen und katholischen Kirche im deutschsprachigen Raum ist deren Finanzierung über die vom Staat eingezogene Kirchensteuer. Freikirchliche Gemeinden fordern eine strikte Trennung von Kirche und Staat und lehnen den Einzug von Kirchensteuern durch staatliche Organe ab. Sie finanzieren sich aus Beiträgen und Spenden und erwarten in der Regel von ihren Mitgliedern den so genannten "Biblischen Zehnten" (10 % ihres persönlichen Einkommens). Sofern die Gemeinden nicht durch ehrenamtliche Laienpastoren betreut werden, werden die Pastoren von der Gemeinde oder der Kirche finanziert.
Literatur
- Vereinigung evangelischer Freikirchen (Hrsg.): Freikirchenhandbuch. Informationen. Anschriften. Texte.Berichte, Wuppertal 2004
- Wolfgang E. Heinrichs, Freikirchen - eine moderne Kirchenform. Entstehung und Entwicklung von fünf Freikirchen im Wuppertal, Brunnen Verlag: Gießen 1989 (2. Aufl. 1990)
- R. Hempelmann: Die "neuen" evangelischen Freikirchen, in: Materialdienst der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, 6/2002
Siehe auch
- Portal:Religion/Freikirchen
- Freikirchen in Ostfriesland
- Wikipedia:WikiReader/Freikirchen
Weblinks
- [http://www.ekibb.com/seels/sekten/kirche.htm Was ist eine Kirche]
- [http://www.vef.info/ Vereinigung Evangelischer Freikirchen in Deutschland]
- [http://www.freikirchen.ch Verband Evangelischer Freikirchen in der Schweiz]
Kategorie:Christentum
!
EvangelikalEvangelikal (v. engl. evangelical) bezeichnet eine konservative Richtung innerhalb des Protestantismus, die sich, unabhängig von ihrer Konfession, auf die Bibel als einzige Glaubensgrundlage berufen. Evangelikale sind der Überzeugung, dass zum Christentum eine klare persönliche Willensentscheidung (Bekehrung) und eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus gehören. Die Evangelikalen reduzieren im Allgemeinen die Transzendenz auf die Bibel, die ihrer Ansicht nach von Menschen geschrieben, aber von Gottes Geist inspiriert wurde.
Das im Deutschen relativ neue Wort ist von evangelisch zu unterscheiden.
Der Begriff "evangelikal"
Das relativ junge Wort Evangelikal ist heute ein feststehender Ausdruck für ein in seinem Selbstverständnis auf ausgezeichnete Weise bibeltreues Christentum geworden, das sich von Traditionalismus, Liberalismus, Säkularismus, aber meist auch vom sakralen Ritual der Nichtprotestanten, abgrenzt.
Die Bezeichnung Evangelical wurde in den Vereinigten Staaten im 20. Jahrhundert immer mehr verwendet, um Christen zu bezeichnen, die in der Tradition der bibeltreuen Erweckungsbewegungen stehen, aber nur zum Teil den christlichen Fundamentalisten zuzurechnen sind, von deren separatistischen Tendenzen sie sich in der Regel abgrenzen.
Im deutschen Sprachraum konnte die wörtliche Rück-Übersetzung evangelisch für den gleichen Begriff nicht verwendet werden, da der Begriff bereits seit der Reformation im 16. Jahrhundert besetzt ist (und beispielsweise in Österreich die Evangelische Kirche beinahe ein Rechtsmonopol auf die Bezeichnung beansprucht). Daher kam es zur Wortschöpfung evangelikal. Dieser Begriff hat sich gegenüber ähnlichen Begriffen wie bibeltreu oder pietistisch durchgesetzt, da er vom Wort her die Verbindung sowohl zum Evangelium als auch zur internationalen Bewegung herstellt.
Achtung: Im Englischen/Amerikanischen hat evangelical zwei Bedeutungen: Es wird zum einen mit "evangelikal" übersetzt. Zum anderen wird es (seltener) einfach "evangelisch" übersetzt, wie beispielsweise in der "Evangelical Lutheran Church in America" (ELCA), der evangelisch-lutherischen Kirche der USA, die keineswegs "evangelikal" ist. Zur Beschreibung des deutschen "evangelisch" wird im Englischen eher "protestant" verwendet. Gemäß einer Faustregel tendieren Evangelikale in den USA eher dazu, evangelical mit einem kurzem e auszusprechen, wogegen Nicht-Evangelikale eher ein langgezogenes "eeeevangelical" intonieren.
Verbreitung der Evangelikalen
Deutschland
Evangelikale gibt es in fast allen protestantischen Konfessionen. Freikirchen sind oft stark evangelikal ausgerichtet, z.B. Baptisten, Pfingstbewegung, Methodisten, Mennoniten, Siebenten-Tags-Adventisten. Aber auch in der Landeskirche gibt es einen (geringeren) Anteil an Evangelikalen. Insgesamt gibt es in Deutschland ca. 3% Evangelikale. (Quelle: das evangelikale Statistikwerk "Gebet für die Welt", 1994).
weltweit
Weltweit gehören heute etwa ein Drittel aller Christen zu den Evangelikalen. Insbesondere in Asien, Afrika, Südamerika und den Vereinigten Staaten ist die Bewegung in starkem Wachstum begriffen, teilweise auf Kosten liberaler und traditioneller Kirchen. International haben sich die Evangelikalen in der Evangelischen Allianz zusammengeschlossen. Bei der Evangelischen Allianz können Kirchen, diakonische und missionarische Werke und einzelne Christen Mitglieder sein.
In der evangelikalen Theologie sind England und Amerika führend. Bekannte evangelikale Theologen sind John Stott, J.N.D. Kelly, Donald Carson, Bruce Metzger, Norman Geisler, Craig Blomberg, William L. Craig, J.P. Moreland, Gary Habermas.
Einige ihrer Werke wurden ins Deutsche übersetzt (siehe unten: Literatur), von den meisten findet man auch Online-Artikel in englischer Sprache.
Gemeinsamkeiten von Evangelikalen
- Die Bibel: Evangelikale sehen die Bibel als Gottes Wort, von Menschen aufgeschrieben, aber von Gottes Geist inspiriert. Über das genaue Verständnis der Inspiration besteht keine Einigkeit. Nicht alle Evangelikalen glauben beispielsweise an die Irrtumslosigkeit der Bibel und die Verbalinspiration. Die Bibel sei der verbindliche Maßstab des Glaubens und der Lebensführung, an dem sich alles andere messen müsse. Evangelikale sind sich bewusst, dass die Bibel ausgelegt werden muss, sind aber der Überzeugung, dass auch Nichttheologen die Bibel richtig verstehen können. Wörterbücher, Konkordanzen und Kommentare werden oft verwendet, und bestimmte Kommentare sind für manche evangelikale Richtungen recht maßgeblich, zum Beispiel der der Scofield-Bibel für den Dispensationalismus. Den Methoden der nicht-evangelikalen Theologie, beispielsweise der historisch-kritischen Exegese stehen sie skeptisch gegenüber.
- Sündhaftigkeit und Schuld setzen den Menschen Gottes Zorn und Verdammnis aus. Die Erlösung hieraus könne nur durch einen Gnadenakt Gottes erfolgen und setze den Glauben an Jesus Christus, seinen stellvertretenden Opfertod und seine Auferstehung und die Bekehrung und Wiedergeburt durch den Heiligen Geist voraus.
- Die persönliche Glaubensentscheidung: Christentum basiert für Evangelikale auf einer persönlichen, bewussten Entscheidung für den christlichen Glauben und einer persönlichen Beziehung zu Jesus Christus, die auch im Alltag Auswirkungen auf das persönliche Handeln haben müsse. Kirchenmitgliedschaft allein genüge nicht, es bedürfe einer persönlichen Abkehr vom alten Leben und einer Hinwendung zu Jesus Christus (Bekehrung). Diese bewusste Entscheidung wird in Form eines persönlichen Gebets vollzogen, das als Lebensübergabe bezeichnet wird. Aufgrund der Vorstellung einer persönlichen Beziehung zu Gott rechnen Evangelikale mit dem direkten Eingreifen Gottes in ihr Leben. Wunder halten sie für möglich oder zumindest nicht ausgeschlossen, entdecken aber Gottes Wirken auch in alltäglichen Begebenheiten.
- Das allgemeine Priestertum der Laien spielt bei den Evangelikalen eine wesentliche Rolle. Jeder einzelne soll persönlich mit der Bibel umgehen, sie privat und in Kleingruppen studieren, auslegen und auf sich wirken lassen. Daher finden sich unter Evangelikalen viele Laien mit beträchtlicher Bibelkenntnis. Für Leitungs- und Schulungsaufgaben ist eine formelle theologische Ausbildung nicht unbedingt erforderlich.
- Kirchen und Konfessionen sind von eher untergeordneter Bedeutung. Die meisten Evangelikale sehen sich als Teil der weltweiten Christenheit und fühlen sich ungeachtet ihrer Kirchenzugehörigkeit mit anderen Evangelikalen verbunden.
- Absolutheitsanspruch: Andere Religionen (worunter manche auch die katholische und die orthodoxe Kirche oder den liberalen Protestantismus zählen) werden als Irrwege abgelehnt, da das Bekenntnis und die Hinwendung zu Christus unbedingte Vorbedingung für eine Erlösung sei. Nicht-evangelikale Christen werden als Namenschristen bezeichnet, die neu evangelisiert werden müssten. Eine zwangsweise Evangelisation kommt für die Evangelikalen nicht in Frage. Die Entscheidung für Jesus Christus sei heilsrelevant, aber freiwillig.
- Mission: Evangelikale sehen es als wichtig an, ihren Glauben gegenüber allen Nicht-Christen in ihrem Sinne zu bezeugen und die evangelikale Erlösungsbotschaft zu verbreiten - das Wie kann Großevangelisationen, Freizeiten, oder persönliche Gespräche einschließen.
- Mit der Bibel als Maßstab für die Lebensführung stehen Evangelikale den als Zeitgeist charakterisierten Lebensauffassungen kritisch gegenüber. Sie schätzen den technischen oder medizinischen Fortschritt, orientieren sich aber an ihrem Bibelverständnis, sofern dabei Konflikte mit modernen Lebensauffassungen auftreten. Viele Evangelikale sehen die Evolutionstheorie oder Relativismus als Widerspruch zur Bibel und betrachten die naturalistische Weltanschauung mit Skepsis. Aktive Sterbehilfe, Abtreibung, praktizierte Homosexualität und sexuelle Freizügigkeit halten sie für mit christlichem Leben nicht vereinbar. Im Unterschied zu Fundamentalisten lehnen es die meisten Evangelikalen ab, Andersdenkenden ihre Lebensweise per Gesetz aufzuzwingen, würden sie jedoch gerne mit Argumenten überzeugen.
Richtungen innerhalb der Evangelikalen in Deutschland
Trotz der vielen Gemeinsamkeiten sind die Evangelikalen nichts weniger als eine homogene Gruppe. Im deutschen Sprachraum lassen sich die Evangelikalen grob in drei theologische Hauptrichtungen einteilen:
- die Bekenntnis-Evangelikalen, denen die Autorität traditioneller kirchlicher Bekenntnisse wichtig sind. Sie finden sich besonders in konservativen lutherischen Freikirchen.
- die charismatischen Evangelikalen, hauptsächlich in charismatischen Kreisen der Landeskirchen und in den Gemeinden der Pfingstbewegung.
- die Evangelikalen in pietistischer Tradition, hauptsächlich im landeskirchlichen Pietismus und in traditionellen Freikirchen.
Ebenso unterscheiden sich Evangelikale stark bezüglich ihrer Offenheit gegenüber Andersdenkenden:
- separatistische Evangelikale (Fundamentalisten): biblisch-konservative Kreise, die sich betont gegen alle Gruppierungen abgrenzen, die ihre spezifische Sicht des Christentums nicht teilen. Sie halten streng an der Irrtumslosigkeit der Bibel fest, haben oft gruppenspezifische Auslegungen oder einen gruppenspezifischen Lebensstil. Im deutschen Sprachraum sind das eher kleine Gruppen, beispielsweise der Evangelische Brüderverein, die Freunde konkordanter Wortverkündigung, die Holic-Gruppen, Adullam, oder die Christlichen Versammlungen. Für Deutschland wird die Gesamtzahl der separatistischen Evangelikalen auf etwa 10.000 geschätzt.
- konservative Evangelikale: Sie halten an der Irrtumslosigkeit der Bibel fest, die einige, aber nicht alle, durch die Chicagoer Erklärung definieren, sind aber offen im Kontakt mit Andersdenkenden. Diese Richtung wird beispielsweise von den meisten Bibelschulen, der Freien Theologischen Akademie in Gießen oder auch der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule in Basel (Schweiz) vertreten. Unter den Freikirchen sind die Brüdergemeinden und viele unabhängige freikirchliche Gemeinden hier einzuordnen, Angehörige dieser Gruppe finden sich aber auch in vielen Freikirchen sowohl pietistischer als auch baptistischer und charismatischer Richtung, weniger in den Landeskirchen. Ihre Zahl wird für Deutschland auf 500.000 geschätzt.
- offene Evangelikale oder Neo-Evangelikale: diese Gruppe steht der Bibelkritik auch grundsätzlich distanziert gegenüber, ist aber bereit, bestimmte Ergebnisse zu übernehmen. Diese Richtung ist insbesondere unter den Evangelikalen in den Landeskirchen zu finden, in den Freikirchen insbesondere bei den Methodisten und den Mennoniten und im liberaleren Flügel anderer Freikirchen. Ihre Zahl wird für Deutschland ebenfalls auf 500.000 geschätzt.
Siehe auch: Deutsche Evangelische Allianz
Kritik
Da die evangelikale Bewegung ein sehr weites Spektrum umfasst, sind die meisten Kritikpunkte nur für Teile der Bewegung zutreffend.
- Mission: Kritiker werfen manchen evangelischen Gemeinschaften vor, dass sie bei der Mission keine Rücksicht auf die kulturellen Eigenheiten von Völkern und Ländern nähmen. In Israel hätten einige Gruppen durch ihren aggressiven Missionierungsdrang dem Ruf der ganzen Bewegung geschadet. Von verschiedenen Seiten wird ihnen Kritik an anderen Religionen vorgeworfen.
- Politik: Problematisch sei die Gleichsetzung von evangelikaler Glaubenshaltung und rechtsgerichteter Politik, die in den USA weit verbreitet ist. Im Gegensatz zu einem Großteil der amerikanischen Evangelikalen haben europäische Evangelikale politisch keine einheitliche Haltung.
- Überbewerteter Okkultismus: die meisten Evangelikalen bewerten aufgrund des biblischen Weltbilds okkulte Phänomene bis zu einem gewissen Grad als Realität. In einigen Gruppen spielt jedoch der Kampf gegen okkulte Phänomene oder das, was dafür gehalten wird, eine so große Rolle, dass andere Ursachen für Probleme ausgeblendet würden. Außerdem gibt es Gruppen mit einer Neigung zu Verschwörungstheorien (Rom, Ökumene, Illuminaten, Kommunismus).
Evangelikale und Fundamentalisten
Evangelikale werden oft undifferenziert mit sogenannten Fundamentalisten gleichgesetzt. Der Wortgebrauch ist problematisch, da mit Fundamentalisten fälschlicherweise oft gewaltbereite Islamisten gemeint sind. Trotzdem hier eine Tabelle mit den grundsätzlichen Unterschieden zwischen (evangelikalen) Fundamentalisten und nicht-fundamentalistischen Evangelikalen:
Literatur
Geschichte der evangelikalen Bewegung
- Friedhelm Jung: Die deutsche Evangelikale Bewegung. Grundlinien ihrer Geschichte und Theologie. Biblia et Symbiotica 8. Verl. für Kultur und Wissenschaft, Bonn 1994 (Diss. Marburg 1991) ISBN 3-926105-34-8
- Derek J. Tidball: Reizwort Evangelikal. Entwicklung einer Frömmigkeitsbewegung. Ed. Anker, Stuttgart 1999. (engl. 1994) ISBN 3-7675-7058-0. Evangelikaler Theologe aus England beschreibt Geschichte und Lehre der Bewegung detailliert und nicht unkritisch.
- Werner Beyer (Hrsg.): Einheit in der Vielfalt. Aus 150 Jahren Evangelischer Allianz. Brockhaus, Wuppertal; Zürich 1995. ISBN 3-417-24135-9. Knappes Büchlein über die Anfänge der ev. Allianz in Deutschland im 19.Jh. und heutige Initiativen.
- Harold Fuller: People of the Mandate. The story of the World Evangelical Fellowship. Paternoster, Carlisle / Baker, Grand Rapids 1996 ISBN 1-900890-00-3
Bücher von evangelikalen Theologen
- John Stott: Christsein in den Brennpunkten unserer Zeit (Ein führender Theologe in der europäischen evangelikalen Bewegung nimmt Stellung zu Zeitfragen)
- LaSor, William Sanford / Hubbard, David Allan / Bush, Frederic William: Das Alte Testament. Entstehung - Geschichte - Botschaft. 3. Aufl. Brunnen, Gießen; Basel 1992. (engl. 1982) ISBN 3-7655-9344-3 (Evangelikales Standardwerk über das Alte Testament)
- Craig L. Blomberg: Die Gleichnisse Jesu, ihre Interpretation in Theorie und Praxis (Evangelikaler amerikanischer Neutestamentler über Gleichnisforschung)
- Eckhard J. Schnabel: Sind Evangelikale Fundamentalisten?, Brockhaus, Wuppertal; Zürich 1995. ISBN 3-417-29067-8. Evangelikaler Theologe betont einerseits die Notwendigkeit von Glaubensfundamenten, warnt aber auch vor lieblosen Engstirnigkeiten.
- Jahrbuch für Evangelikale Theologie 1ff. (1987ff.), Brockhaus, Wuppertal.
- European Journal of Theology 1ff. (1992ff.), Paternoster, Carlisle.
Weblinks
Evangelikale Dokumente
- [http://www.evangelikal.de/glaubensbasis_ead.html Glaubensbasis der Evangelischen Allianz von 1846], der Grundkonsens der Evangelikalen
- [http://www.evangelikal.de/lausanne.html Die Lausanner Verpflichtung von 1974] vom Lausanner Kongress für Weltevangelisation
- [http://www.evangelikal.de/manila.html Das Manifest von Manila von 1989] beschreibt die wesentlichen Anliegen der Evangelikalen Bewegung
- [http://www.efg-hohenstaufenstr.de/downloads/bibel/chicagoerklaerung-artikel.htm Chicago-Erklärung zur Irrtumslosigkeit der Bibel]
- [http://www.emk-vorpommern.de/texte/grundlagen.rtf John Stott: Evangelikale Grundlagen]
Wissenschaftliche Artikel
- [http://www.efb.ch/Texte/adefusa.htm Evangelikalismus und Fundamentalismus in den USA] Eine Arbeit aus nicht-evangelikaler Sicht
- [http://www.relinfo.ch/evangelikalismus/themen.html RelInfo - Evangelikalismus] Neutrale Beschreibung eines Religionswissenschaftlers
- [http://www.fta.de/download_ext/Holthaus%2520Stephan/Geschichte%2520und%2520Erscheinungsbild%2520des%2520protestantischen%2520Fundamentalismus.pdf Stephan Holthaus, Geschichte und Erscheinungsbild des Protestantischen Fundamentalismus] Sicht der konservativen Evangelikalen
Kritik
- [http://www.evangelischeallianz.at/handrei/ha_evan.html Kritik am Evangelikalismus aus Sicht der österreichischen evangelischen Allianz]
- [http://www.infosekta.ch/is5/themen/evkal_duncker1999.html Evangelikale Christen und das Feindbild Islam]
- [http://www.efb.ch/Texte/adefusa.htm Evangelikalismus und Fundamentalismus in den USA]
Gruppierungen
- [http://www.worldevangelical.org Weltweite Evangelische Allianz]
- [http://www.ead.de/ Deutsche Evangelische Allianz]
- [http://www.each.ch Schweizerische Evangelische Allianz]
- [http://www.evangelischeallianz.at/ Österreichische Evangelische Allianz]
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Kategorie:Evangelikale Theologie
Kategorie:Christentum
ja:福音派
Glaubenstaufe
Mit Gläubigentaufe wird in vielen Freikirchen und anderen christlichen Gemeinschaften eine Taufe bezeichnet, die an solchen Taufbewerbern vollzogen wird, die sich persönlich u.a. nach einem Bibelstudium für den christlichen Glauben entschieden haben. Der Begriff "Gläubigentaufe" wird dort in der Regel alternativ für "Erwachsenentaufe" verwandt, da die Gläubigentaufe nicht nur an Erwachsenen, sondern auch an reifen Kindern und Jugendlichen vollzogen wird, die eine persönliche Entscheidung für den Glauben an Jesus Christus getroffen haben. Sie geschieht meist nach biblischem Vorbild durch vollständiges Untertauchen in Wasser.
Aus der Sicht von Verteidigern der Kindertaufe sollte der Ausdruck Gläubigentaufe als Gegenüberstellung zur Kindertaufe allerdings nicht so verstanden werden, als würde bei letzterer der Glaube keine Rolle spielen. Unabhängig davon, in welchem Alter die Taufe vorgenommen wird, geschehe sie immer auf den Glauben hin (auch wenn dieser bem Säugling nicht vorhanden sein kann).
Der entscheidende Unterschied sei, dass bei der Gläubigentaufe der Täufling selbst seinen Glauben in eigener Verantwortung bekennt, während bei der Kindertaufe die Eltern und Paten stellvertretend für das Kind den Glauben bekennen. Im interkonfessionellen Gespräch (zum Beispiel zwischen Baptisten und Lutheranern) wird in diesem Zusammenhang die Frage diskutiert, ob der persönliche Glaube des Täuflings für die Gültigkeit der Taufe konstitutiv ist.
Literatur
- Wolfram Kerner: Gläubigentaufe und Säuglingstaufe (Diss. Heidelberg, Norderstedt 2004)
Siehe auch
- Baptisten
- Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde
- Freie evangelische Gemeinde
- Freie Bibelforscher
- Gemeinde Gottes
- Mennoniten
- Pfingstbewegung
- Siebenten-Tags-Adventisten
- Brüdergemeinde
Weblinks
- [http://www.baptisten.org/efg/Dortmund/Mitte/taufe_high.rm Videoclip einer baptistischen Gläubigentaufe]
Kategorie:Baptismus
Kategorie:Sakrament
Kategorie:Adventisten
Kategorie:Pfingstbewegung
Jesus von Nazaret
]
Jesus von Nazaret ( - vermutlich zwischen 7 und 4 v. Chr. in Nazaret, Kafarnaum oder Bethlehem; † 30 oder 33 in Jerusalem) war die historische Person, die hinter dem Jesus Christus des Neuen Testaments (NT) steht.
Jesus war ein Jude aus Galiläa, der etwa seit 28 als Wanderprediger im Gebiet des heutigen Israel und im Westjordanland öffentlich auftrat und wenige Jahre später als angeblicher Aufrührer gegen die römische Besatzungsmacht gekreuzigt wurde. Er wollte nach dem NT keine neue Religion gründen, sondern das Judentum angesichts des erwarteten Gottesreichs zur Umkehr rufen.
Aus den urchristlichen Quellen lassen sich nur bedingt gesicherte biografische Details zu Jesus erschließen, da sie ihn als den Christus (Messias, Sohn Gottes, Erlöser) verkündigen wollen. So sehen Christen ihn aufgrund der Auferstehungstexte im NT. Auch außerhalb des Christentums haben Jesu Lehre und persönliches Vorbild religiöse, kulturelle und aktuelle Bedeutung.
Dieser Artikel stellt weithin als plausibel anerkannte Grundzüge seines Auftretens und seiner Verkündigung, aber auch umstrittene Thesen der heutigen Leben-Jesu-Forschung dar. Diese werden in der angegebenen Literatur näher ausgeführt; Bibelstellen werden wie üblich abgekürzt.
Grundlagen der Kenntnisse über den historischen Jesus
Jesus hat keine schriftlichen Werke hinterlassen. Fast alles Wissen über ihn stammt aus zeitgenössischen Quellen, die nach seinem Tod verfasst wurden, um ihn als den Christus zu verkünden. Nur wenige Daten dieser Glaubensdokumente werden durch außerchristliche Notizen gestützt. Ihre Prüfung und kritische Interpretation unternimmt die Leben-Jesu-Forschung.
Nichtchristliche Zeugnisse
Einige jüdische, römische und griechische Geschichtsschreiber überliefern kurze außerbiblische Notizen zu Jesus von Nazaret. Diese wurden frühestens 60 Jahre nach Jesu Tod verfasst und nennen fast nur seine Hinrichtung, nicht sein Wirken und seine Lehre. Sie sind zudem quellenkritisch umstritten, da sie zum Teil auf Gerüchten und Missverständnissen beruhen oder später von christlichen Kopisten eingefügt wurden.
Das sogenannte Testimonium Flavianum ist das älteste außerchristliche Dokument, das Jesus erwähnt. Der jüdische Historiker Flavius Josephus berichtet in seinen etwa 90 bis 94 verfassten Antiquitates Judaicae (Kap. 20,200) über die Hinrichtung des Jakobus, eines Bruders Jesu. Diese Notiz wird in der Regel als echt angesehen. Eine längere Notiz dagegen (Kap. 18,63f.), die Jesus als „Gesalbten“ (Messiasanwärter) bezeichnet, gilt als nachträglicher Einschub von Christen. Allenfalls die erwähnte Hinrichtung durch Pilatus wird als echter Kern vermutet.
Tacitus berichtet um 117 in den „Annales“ (Buch XV, 44) von so genannten Chrestianern, denen Kaiser Nero die Schuld am Brand Roms im Jahr 64 zugeschoben habe. Er fährt fort:
:Der Mann, von dem sich dieser Name herleitet, Christus, war unter der Herrschaft des Tiberius auf Veranlassung des Prokurators Pontius Pilatus hingerichtet worden.
Unklar bleibt, ob diese Nachricht sich auf unabhängige römische Quellen oder bereits auf christliche Überlieferung stützt.
Sueton schreibt etwa um 120 in seiner Biographie des Kaisers Claudius (Kap. 25,4), dieser habe die Juden, welche, von einem gewissen Chrestos aufgehetzt, fortwährend Unruhe stifteten, aus Rom vertrieben (49). Ob „Chrestos“ sich auf Jesus Christus bezieht, ist ungewiss.
Weitere Notizen stammen von Plinius dem Jüngeren, dem ansonsten unbekannten syrischen Stoiker Mara bar Sarapion sowie aus rabbinischen Quellen. Diese Autoren beziehen sich jedoch nur polemisch auf ihnen bekannte christliche Gebräuche und Überlieferungen.
Christliche Zeugnisse
Informationen über Jesus lassen sich primär aus der Analyse und Interpretation der vier Evangelien sowie dem apokryphen, nicht in das NT aufgenommenen Thomasevangelium gewinnen. Diese bilden eine eigene Literaturform von Christen meist jüdischer Herkunft, die von Jesu Auferstehung überzeugt waren (Mk 16,6) und ihn als den Messias für ihre Gegenwart erzählerisch verkündigen wollten. Sie enthalten fast keine exakten historischen Daten, da sie nicht deren nachprüfbare Feststellung, sondern die Glaubensentscheidung der Leser intendierten. Ihre historische Auswertbarkeit und Zuverlässigkeit ist daher seit Beginn der Leben-Jesu-Forschung stark umstritten.
Nach heutigem Wissensstand wurden die drei synoptischen Evangelien nach Markus, Matthäus und Lukas frühestens 30 bis 40 Jahre nach Jesu Tod schriftlich fixiert, wahrscheinlich erst nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahr 70. Nur wenige Historiker vertreten ein früheres Entstehungsdatum einzelner Evangelien. Demnach hat wohl keiner ihrer Autoren Jesus persönlich gekannt.
Jedoch lag den Evangelisten Matthäus und Lukas nach der im Kern weithin akzeptierten Zweiquellentheorie bereits das Markusevangelium vor. Von diesem übernahmen sie die Komposition und die meisten Texte, wobei sie diese ihren theologischen Aussageabsichten gemäß veränderten (Peter Stuhlmacher).
Sie verarbeiteten außerdem wohl eine nur ihnen bekannte Logienquelle, in der Reden und Sprüche Jesu gesammelt waren. Ähnliche Jesusworte wurden eventuell zeitlich parallel auch von syrischen Gemeinden gesammelt und später im Thomasevangelium fixiert. Alle diese Stoffe wurden seit Jesu Tod jahrzehntelang mündlich von Angehörigen der ersten Christengeneration (Lk 1,2) überliefert. Ihre frühesten Bestandteile können direkt auf Jesus zurückgehen, da sie eventuell von Jüngern stammen, die ihn noch selbst erlebt haben.
Der „Markus“ genannte Evangelienredaktor fügte seinerseits einen frühen Passionsbericht der ersten Christengemeinde in sein Evangelium ein, der die in den Paulusbriefen überlieferten Credoformeln erzählend ausführt (Ulrich Wilckens). Diese bilden die wahrscheinlich ältesten Kristallisationskerne der NT-Überlieferung.
Der vormarkinische Passionsbericht legt den Schwerpunkt auf die Jerusalemer Ereignisse am Lebensende Jesu, auf die hin alle Evangelien verfasst wurden. Er begann wahrscheinlich mit dem Verrat des Judas (Mk 14,10) und endete mit der Entdeckung des leeren Grabes Jesu. Ihm wurden dann allmählich weitere Ereignisse vorangestellt.
Dass alle Evangelien vom Einzug Jesu in Jerusalem an demselben festgefügten Ablauf folgen, gilt als starkes Indiz für Alter und Zuverlässigkeit der Passionsüberlieferung. Diese bildet ihren größten Anteil, so dass diese Literaturform seit Martin Kähler als „Passions- und Ostergeschichte mit ausführlicher Einleitung“ gilt.
Das Johannesevangelium kann nach heutiger Forschermeinung trotz seiner späten Entstehung (um 130) durchaus unabhängige historische Stoffe enthalten, etwa von Jesu Verhältnis zu den Mandäern oder seinen Jerusalem-Besuchen. Da die Evangelisten ihre Quellen auf je eigene Weise theologisch gestalteten und in ihre Missions- und Lehrabsichten einordneten, lassen ihre Gemeinsamkeiten umso mehr auf einen realen, historischen Kern schließen.
Die Leben-Jesu-Forschung
Seit etwa 1750 entstand die universitäre Leben-Jesu-Forschung, die sich von kirchlicher Bevormundung zu lösen begann. Sie versuchte, historische Informationen von rein theologischen Aussagen des NT nach wissenschaftlichen Kriterien methodisch zuverlässig zu unterscheiden. Seitdem erwogen NT-Forscher jede denkbare Hypothese. Manche bezweifelten Jesu Existenz oder ergänzten spekulativ fehlendes Wissen. Viele der so entstandenen „Jesusbiografien“ gelten seit Albert Schweitzers Geschichte der Leben-Jesu-Forschung (1899) als überholt. Auch heute gibt es einige spekulative Theorien über Jesus von Nazaret, die die seriöse NT-Forschung verwirft.
Seit dem frühen 20. Jahrhundert werden zunehmend außerbiblische Quellen herangezogen, um die historische Glaubwürdigkeit der NT-Überlieferung zu überprüfen. Aufgrund gewachsener Kenntnisse der Archäologie, Sozialgeschichte und Orientalistik und dank immer differenzierterer historisch-kritischer Textanalysen gehen heute auch nichtchristliche Historiker in der Regel davon aus, dass Jesus tatsächlich gelebt hat und sich relativ sicher ermitteln lässt, was er verkündete, wer er sein und was er tun wollte.
So bieten u. a. die Schriftfunde von Qumran der Judaistik heute ein differenzierteres Bild des palästinischen Judentums zur Zeit Jesu. Danach haben sich manche, von theologischen Vorurteilen bestimmte Sichtweisen – etwa Jesu angebliche „Aufhebung“ der Tora und sein Gegensatz zu den Pharisäern – als unhaltbar erwiesen. Auch apokalyptische und weisheitliche Elemente seiner Predigten werden nicht mehr vom Judentum abgerückt. Andererseits hält man auch einen Messiasanspruch und die bewusste Leidensannahme heute eher für Bestandteile der Eigenverkündigung Jesu als nur für eine nachösterliche Deutung früher Christen.
Jesu Herkunft
Der Name
- Jesus ist die latinisierte Form des griechischen Ιησους und wird demgemäß lateinisch dekliniert (Genitiv „Jesu“). Es übersetzt den männlichen hebräischen Vornamen Jeschua, auch Jehoschua oder Josua. –- Hebräisch wurde in Palästina zur Zeit Jesu kaum noch gesprochen. Griechische, nicht jedoch hebräische oder aramäische Namen wurden damals in andere Sprachen übersetzt.
- Jehoschua verbindet „Je“ (Vorsilbe von JHWH, dem Gottesnamen der hebräischen Bibel) mit „Hoshea“ (Rettung, Heil, siehe Hosea). „Jesus“ bedeutet auf Hebräisch also „Gott-Retter“ oder „Gott-rettet“. Dieser Name war damals unter Juden verbreitet. Nach der Trennung des Christentums vom Judentum wurden Juden aber nur noch selten so genannt.
- Ben oder Bar Joseph hieß Jesus mit Nachnamen, falls man ihn wie üblich bei seiner Beschneidung nach seinem Vater nannte (Lk 2,21). Das NT belegt dies nicht: Lk 4,22 nennt „Josefs Sohn“ ohne Vornamen und betont so den Kontrast zur Jungfrauengeburt (Lk 3,23). Joh 1,45 betont mit „Jesus, Josefs Sohn aus Nazaret“ seine königliche Abstammung von David. Frühere Versionen nennen ihn dagegen „Sohn der Maria“ (Mk 6,3; Mt 13,55).
- Christus ist die lateinische Form des griechischen Χριστος. Dieses übersetzt das hebräische „Maschiach“, deutsch „der Gesalbte“. Das ist ein jüdischer Ehrentitel für Könige und Hohepriester, später für den erwarteten König der zukünftigen Heilszeit, den Messias.
- Jesus Christus verbindet den jüdischen Vornamen und griechischen Titel zu einem Nominalsatz, der das christliche Glaubensbekenntnis in Kurzform ausdrückt: Dieser Jesus ist der Messias.
Nazarener, Nazoräer oder Nasiräer?
Die Angabe von Nazaret (lat.: „Nazarenus“) bezeichnet im NT Jesu Herkunftsort in Galiläa (Mk 1,9). Doch dieser Zusatz wird mit „Nazoraios“ variiert: So nannten die Mandäer die Lehrer ihrer Taufriten. Auch Jesus (Joh 19,19) und die Christen (Apg 24,5) nannte man anfangs Nazoräer: eventuell weil er und einige seiner Jünger früher zu Johannes dem Täufer gehörten und auch tauften. Nach Mark Lidzbarski bezogen erst die Evangelien-Autoren den Ausdruck irrtümlich oder bewusst auf den Ort. So sagt Mt 2,23:
:(Josef) kam und wohnte in der Stadt, die Nazaret heißt, damit erfüllt würde, was die Propheten gesagt haben: Er soll Nazarener heißen.
Doch diese Verheißung kennt die Bibel nicht.
Die Herleitung von „Nasiraios“ ist dagegen unwahrscheinlich: Ein Nasiräer war ein Asket, der – wie der Täufer – auf strenge kultische Reinheit bedacht war. Er legte einen Eid ab, keinen Alkohol zu trinken, sich die Haare nicht mehr zu scheren, sich keiner Leiche und keinem Grab zu nähern (Num 6,1–4). Doch Jesus tat all das im Verlauf seines Wirkens und lehnte jeden Eid ab (Mt 5,33ff).
Geburt und Lebensdauer
Historiker beurteilen die Geburts- und Jugendgeschichten des NT weitgehend als spät entstandene Legenden. Dies gilt auch für das apokryphe Kindheitsevangelium nach Thomas, das von Wundertaten des Knaben Jesus erzählt.
Mt 1–2 und Lk 1–2 wollen Jesus als Messias verkünden und stellen seine Geburt dazu in den Rahmen biblischer Verheißungen. Der unbelegte Kindermord des Herodes (Mt 2,13) etwa erinnert an den Kindermord des ägyptischen Pharao vor Israels Exodus (Ex 1,22): Damit wird Jesus wie Moses als Befreier des Gottesvolks dargestellt. Auch der Stern, der orientalische Astrologen zu seinem Geburtsort geführt haben soll (Mt 2,2), verkündet Jesus als kosmischen Erlöser. Ob zum Zeitpunkt seiner Geburt ein besonderes stellares Phänomen zu beobachten war, ist umstritten.
In Betlehem, einer Kleinstadt nahe Jerusalem, sollte nach biblischer Weissagung der Messias geboren werden (Mi 5,1). Damit bezeugen Mt 2,1.6 und Lk 2,4 Jesu Abstammung vom König David. Die meisten Historiker nehmen dagegen an, dass er in Nazaret, dem Wohnort seiner Familie, oder in Kafarnaum, dem Ort seines ersten und wiederholten Auftretens (Mk 1,21), geboren wurde.
Geburtstag und -jahr Jesu waren schon den Urchristen unbekannt. Historische Bezüge im NT legen nahe, dass er nach dem ersten römischen Reichscensus unter dem Statthalter Syriens, Quirinius (7 v. Chr.; Lk 2,1–2) und vor dem Tod Herodes des Großen (4 v. Chr.; Mt 2,1) geboren wurde. Die abendländische Zeitrechnung, deren Nullpunkt das Geburtsjahr Jesu sein sollte, beruht auf einem Rechenfehler.
Historisch gesehen ist aus Jesu Kindheit und Jugend fast nichts bekannt. Die Evangelien erzählen außer den Geburts- und Jugendlegenden nur von Jesu letzten drei bis vier Lebensjahren. Zu Beginn seines Auftretens soll er etwa 30 Jahre alt gewesen sein (Lk 3,23). Sein Todesdatum ist nicht überliefert. Da er aber nach allen Evangelien am Vortag eines Schabbat an einem Passahfest gekreuzigt wurde, bleiben nur 30 oder 33 n. Chr. als Todesjahr. Demnach wurde er 34 bis 40 Jahre alt.
Sprache
Als galiläischer Jude sprach Jesus im Alltag die westliche Variante des Aramäischen: die Reichssprache der Assyrer, die die Perser in Israel eingeführt hatten. Das bestätigen einige aramäische Jesuszitate im NT. Er sprach wohl auch das verwandte Hebräisch, in dem der Tanach – Israels Heilige Schrift – abgefasst war. Fraglich ist, ob er lesen und schreiben konnte und auch Griechisch beherrschte, die damalige Verkehrssprache im Osten des römischen Reichs. Die ins Griechische übersetzte Bibel, die Septuaginta, lasen wohl nur hellenistisch gebildete Angehörige der jüdischen Oberschicht, nicht arme Galiläer.
Ob man griechische Ausdrücke und Redewendungen ins Aramäische zurück übersetzen kann, ist ein wichtiges Kriterium für die Suche nach „echten“, anfangs mündlich tradierten Jesusworten (Joachim Jeremias). So versucht man, seine eigene Verkündigung von urchristlicher Deutung zu unterscheiden.
Familie
Jesus war nach Lk 2,4 ff. und Mt 13,55 der älteste Sohn Josefs und seiner Frau Maria, beide aus Nazaret. Seine Stammbäume (Mt 1; Lk 3) betonen seine väterliche Abstammungslinie. Zugleich verkünden Mt 1,18 und Lk 1,35 ihn als vom Heiligen Geist gezeugt. Dies sahen Urchristen jüdischer Herkunft nicht unbedingt als Gegensatz.
Nach Mt 1,19 glaubte Josef, Jesus sei unehelich gezeugt, bis ein Engel ihm den wahren Sachverhalt erklärt habe (Mt 1,20). Der jüdische Talmud stellt Jesus als uneheliches Kind eines römischen Soldaten dar. Der Historiker Gerd Lüdemann greift diese These heute wieder auf und vermutet, ein Römer habe Maria vergewaltigt. Urchristen hätten dies zur göttlichen Herkunft umgedeutet. Daraus erklärt er Jesu Benennung als „Sohn der Maria“ anstelle des üblichen „Joschua ben Josef“ und seine Außenseiterrolle in seiner Heimatstadt.
Nach Mk 6,3 hatte Jesus vier Brüder – Jakobus, Joses (Josef? Mt 13,55), Judas, Simon – und eine unbekannte Zahl Schwestern, deren Namen nicht überliefert sind. „Brüder“, seltener auch „Schwestern“, kann im biblischen Umfeld aber auch andere Verwandte einer Sippe bezeichnen (siehe dazu Geschwister Jesu).
Laut Lk 2,43 ging Jesus schon als Junge zur Familie auf Distanz, um im Tempel zu lehren. Nach seiner Taufe erwähnen die Evangelien seinen Vater nicht mehr: dafür nun öfter Kafarnaum, wo Jesus zuerst auftrat (Lk 4,16.23). Daher vermuten manche Forscher, er sei dorthin umgezogen, nachdem sein Vater fort oder tot war. Andere gehen von einer Geburt und einem Leben in Kafarnaum aus, da Nazaret zu dieser Zeit für einen Baumeister keine Arbeit geboten habe.
Das 4. der 10 Gebote – Ehre Vater und Mutter (Ex 20,12) – verlangte damals die Fürsorge des ältesten Erben für seine Sippe. Doch zu Jesu Nachfolge gehörte das Aufgeben der familiären Bindungen. Nach der Gesellschaftsmoral seiner Zeit verhielt er sich damit wie ein Mörder und Ehebrecher. Sein Umherziehen, Predigen und Heilen stieß auf Unverständnis und führte zu Konflikten mit seinen Verwandten. Sie lehnten seine Gastfreundschaft für Arme und Kranke ab, erklärten ihn für verrückt und versuchten, ihn zurückzuhalten (Mk 3,20f.; 3,31). In diesen Kontext gehören Aussagen wie Mk 3,33–35:
:Wer sind meine Mutter und meine Brüder? Und er schaute auf die, die rings um ihn saßen und sagte: Siehe, ihr seid meine Mutter und meine Brüder! Wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.
Bei anderer Gelegenheit mahnte er (Mt 10,37):
:Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner (Nachfolge) nicht wert...
oder noch schärfer (Lk 14,26):
:Wer zu mir kommt und seine Eltern, Kinder, Geschwister und dazu sein eigenes Leben nicht hasst, der kann nicht mein Jünger sein.
Er hob damit das 4. Gebot nicht auf (Mk 7,10 f.), legte es aber konträr zur jüdischen Tradition aus: Achte nur die als deine Angehörigen, die Gottes Willen tun. Darum wurde er in Nazaret abgelehnt und verließ es daraufhin ganz (Mk 6,1–6):
:Ist das nicht der Bauhandwerker, Marias Sohn ...? Und sie waren verärgert über ihn. Jesus aber sagte zu ihnen: Ein Prophet gilt nirgends weniger als in seiner Heimat, bei seiner Sippe und in seinem Ort.
Aber Frauen aus Jesu näherer Umgebung sorgten für ihn und die übrigen Männer auf ihrem Weg (Mk 1,31). Sie blieben bis zum Ende bei ihm (Mk 15,41), so nach Joh 19,26f auch seine Mutter. Er soll noch am Kreuz für ihr Wohlergehen gesorgt haben, indem er sie einem anderen Jünger anvertraute. – Verwandte Jesu gehörten nach Ostern zu den ersten Christen. Sein ältester Bruder Jakobus wurde sogar ein Leiter der Urgemeinde (Gal 2,9).
Jugend, Ausbildung, Beruf
Jesus soll schon früh mit Pharisäern diskutiert und gute Torakenntnis gehabt haben (Lk 2,46f). Der Argumentationsstil seiner Predigten und Gleichnisse ist originär rabbinisch (Halacha und Midraschim). Dazu wurde er wohl von Rabbinern seiner Heimat ausgebildet. Er heilte am Sabbat (Mk 2–3) und ordnete die Nächstenliebe allen übrigen Geboten über (Mk 12,28ff), so wie es zuvor Rabbi Hillel gelehrt hatte. Seine Armenfürsorge, seine Heilwunder und die Tateinheit von Beten und Almosengeben ähneln dem Auftreten von Chanina Ben Dosa (ca. 40–70), dem berühmtesten der galiläischen Chassidim (von „Chesed“ = Gnade, Barmherzigkeit Gottes). So ordnet die Judaistik Jesu Tora-Auslegung heute ganz in das zeitgenössische Judentum ein.
Seine ersten Jünger nannten ihn „Rabbuni“ (aramäisch: „mein Meister, Lehrer“). Ein Rabbi lebte von einem gewöhnlichen Handwerk, nicht vom Lehren. Jesus erlernte von seinem Vater das Bauhandwerk (Mk 6,3). Ein „Tekton“ (oft irreführend als „Zimmermann“ übersetzt) konnte generell mit Steinen, Stroh und Holz umgehen und war meist im Hausbau tätig. Ob Jesus beim Broterwerb der Familie half, bevor er sie verließ, ist den Texten aber nicht zu entnehmen. Manche Forscher nehmen dies an, da Josef allein die Familie nicht hätte ernähren können.
Jesu Wirken
Johannes und die Taufe im Jordan
Zimmermann
Nach allen Evangelien begann Jesus nach seiner Begegnung mit dem Täufer Johannes öffentlich aufzutreten. Nach den Synoptikern (Mk, Mt, Lk) ließ er sich von Johannes taufen. Sie verkünden dies als das Ereignis, bei dem Gott ihn wie sein Volk Israel (Hos 11,1) als seinen Sohn bezeugte und seinen Geist auf ihn sandte (Mk 1,11).
Johannes war einer der damaligen jüdischen Bußprediger. Er kündete die bevorstehende radikale Wende der Endzeit an und rief das ganze Volk Israel zur Umkehr: Damit griff er auf die Zukunftserwartung (Eschatologie) der jüdischen Prophetie und Apokalyptik zurück. Er berief Anhänger, lebte aber abseits bewohnter Gegenden als Wüstenasket. Das Tauchbad im Jordan war symbolische Vorwegnahme des Todes, sollte von sündigem Lebenswandel reinigen, zur Umkehr befähigen und die Getauften so vor dem drohenden Endgericht retten. Darauf geht die spätere christliche Taufe zurück.
Ob Jesus sich ihm nach seiner Taufe anschloss, ist ungewiss. Nach den älteren Evangelien hat er nicht, nach Joh 3,22ff aber eine Weile parallel zu Johannes getauft. Eventuell lernte er die Brüder Petrus und Andreas bei ihm kennen und warb sie ihm ab (Joh 1,35–42). Er predigte das Reich Gottes dann auf andere, offenbar attraktivere Art: als gnädige Zuwendung Gottes zu den Armen und Sündern. Er übernahm den endgültigen Umkehrruf von Johannes, lehnte aber das Fasten, die Askese für seine Jünger ab (Mk 2,16–19), pflegte die Tischgemeinschaft mit „Unreinen“ und heilte gerade die, die Gottes Gericht verfallen gewesen wären. Daraus wollte er ganz Israel, nicht bloß ein „reines“ Restisrael retten.
Wohl deswegen sahen die Mandäer in Jesus später einen „Lügenpropheten“. Die Evangelien dagegen sehen in Johannes den letzten Propheten des Alten Bundes, den Vorläufer der Ankunft des geistbegabten Messias (Mk 1,7f; 8,28f). Sie betonen den Zeugnischarakter seiner Botschaft (Joh 1,7f) gegenüber dem ihm überlegenen endgültigen Heilsbringer (Mt 3,11). Historiker nehmen daher an, dass es Austausch und Konkurrenz, aber auch gegenseitige Achtung zwischen Jesu und Johannes’ Anhängern gab (Joh 4,1).
Gebiet des Auftretens
Jesus war ein Wanderprediger unter vielen. Er sah sich nur zu den „verlorenen Schafen des Hauses Israel“ gesandt (Mt 10,5/15,24) und hatte kein Interesse an Weltruhm. Sein Wirken blieb anfangs auf das Ortsdreieck Kafarnaum–Bethsaida–Chorazim am Nordufer des Sees Genezareth begrenzt, das höchstens 200 Quadratkilometer umfasste. Diese Gegend war im römischen Reich unbedeutend. Römerstädte wie Sepphoris, Tiberias oder Cäsarea Philippi betrat Jesus laut NT nicht, wohl weil fromme Juden die Besatzer ablehnten und er von den Herodianern verfolgt wurde (Mk 3,6). Daher wundert es nicht, dass damalige römische Quellen ihn nicht erwähnen.
Im Haus des Petrus in Kafarnaum richtete er eine Art Hauptquartier ein, in das er von seinen Missionswegen öfter zurückkehrte (Mk 1,29; 2,1). In jenem Fischerdorf von etwa 1.000 Einwohnern fanden Archäologen eine frühchristliche Pilgerstätte: Dort könnten Reisende ihn gehört haben, die auf der Fernstraße Via Maris nach Syrien oder Ägypten unterwegs waren. Er wirkte auch am Westufer des Sees Genezareth im heutigen Westjordanland (Gerasa, Mk 5,1) sowie im heutigen Südlibanon (Tyros und Sidon, Mk 7,24) und streifte eventuell auch durch Samaria (Joh 4,5 gegen Mt 10,5). Diese Provinz Palästinas gehörte früher zum Nordreich Israel, das den Jerusalemer Tempelkult im Südreich Juda ablehnte.
Reich-Gottes-Verkündigung
Nach allen Evangelien begann Jesus nach der Festnahme des Täufers durch Galiläas Dörfer zu ziehen und verkündete wie dieser das unmittelbar bevorstehende „Reich Gottes“ (Mk 1,14ff). Damit folgte auch er Israels Prophetie, die seit Amos (5,18ff, etwa 800 v. Chr.) einen „Gerichtstag“ Gottes als endzeitliche Befreiung von allen ungerechten irdischen Verhältnissen angekündet hatte. Jesus erneuerte diese jüdische Heilserwartung, indem er sie auf sein eigenes Leben bezog: In seinem Handeln und Dasein sei Gottes Reich schon angebrochen (Lk 7,22; 17,21; vgl. Mt 11,4-5). Er bezog sich dabei vor allem auf Heilsansagen der Exilspropheten Deuterojesaja (Jes 40–55) und Tritojesaja (Jes 56–66, ab etwa 530 v. Chr.). Nach Lk 4,17–21 wollte er diese erfüllen und den „Armen“ das Reich Gottes verkünden: Das sah er als seine ihm von Gott aufgetragene Sendung an.
Nach sozialgeschichtlichen Untersuchungen waren die meisten Juden damals bettelarm: Sie litten unter Ausbeutung, Abgaben für Rom und den Tempel, täglicher römischer Militärgewalt, Arbeitsmangel, Schuldversklavung, Hunger, Epidemien und sozialer Entwurzelung. Aus diesen Lebensumständen erklärt z.B. Gerd Theißen viele Texte der Logienquelle, die die prophetische Zukunftserwartung einer Revolution Gottes zu Gunsten der Besitz- und Rechtlosen erneuerten. Dazu gehören Aussagen, wonach Jesus den Armen das Erbe des Landes (Mt 5,5) und das „Gnadenjahr“ des allgemeinen Schuldenerlasses und der gerechten Bodenreform (Lk 4,19f) zusagte. An dieses alte biblische Gottesrecht (Lev 25; Dtn 15) erinnerte schon Deuterojesaja im babylonischen Exil (Jes 61).
Als Eigenverkündigung Jesu gelten auch die „Seligpreisungen“ (Makarismen), die dem ganzen angeredeten Volk zusagten (Lk 6,20):
:Glücklich ihr Armen, denn euch gehört Gottes Reich!
Sie versprachen den Leidenden, Machtlosen und Verfolgten die Überwindung ihrer Not, so dass sie auch das Erdreich besitzen würden (Mt 5,3-10). Als redaktioneller Beginn der Bergpredigt (Mt 5–7) bzw. „Feldrede“ (Lk 6,20–49) lassen sie sich als prophetische Auslegung des 1. Gebots (Ex 20,2) verstehen: Weil Gott der Sklavenbefreier ist, bringt sein Reich den Armen umfassende Gerechtigkeit.
Lukas ergänzte sinngemäß die Weherufe an die Reichen. Diese werden meist nicht als originär angesehen, da Jesus etwa nach Lk 19,1–10 auch reichen Zöllnern Vergebung schenkte. Nach Mk 10,21 lud er einen Großgrundbesitzer zum Besitzverzicht zu Gunsten der Armen ein, um ihn zu seiner Nachfolge zu befreien: Dies ist als „Einlassbedingung“ für Gottes Reich formuliert, während es den Armen ohne Vorbedingung zugesagt wird.
Diese Zusagen enthielten einen indirekten Messiasanspruch, da der Messias in Israels Prophetie Gottes Recht auf Erden durchsetzen soll. Demgemäß antwortete Jesus auf die Messiasfrage des Täufers („Bist du der Kommende?“) mit dem Hinweis auf sein Wirken, in dem sich die prophetischen Heilsverheißungen erfüllten (Mt 11, 2-5). Diese Verbindung von Gottes weltveränderndem Kommen mit seinem gegenwärtigen Handeln, das die Situation der Angeredeten bereits veränderte, unterschied seine Predigt von prophetischen, rabbinischen oder zelotischen Traditionen seiner Umgebung.
Der Begriff „Reich Gottes“ wurde in der Theologiegeschichte sehr verschieden gedeutet. Schon bald wurde die Spannung der „sich realisierenden Eschatologie“ Jesu (C.H. Dodd, W.G. Kümmel) zu Gunsten einer bloß jenseitigen Erlösung oder innerlichen Heilspräsenz aufgelöst. Dahin tendieren schon manche Aussagen im NT selbst (Joh 18,36). Andere reduzierten Jesu Heilszusagen auf ein rein kirchliches Gnadenangebot oder sozialpolitische Impulse ohne Bezug auf Gott. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts entdeckte Albert Schweitzer die apokalyptische Dimension der Botschaft Jesu wieder.
Heiltätigkeit und Wunder
Heilen gehörte zum Aufgabenbereich eines Rabbi. Wie andere reformorientierte Pharisäer erfüllte Jesus das Gebot der Nächstenliebe (Lev 19, 17f) mit seinem Heilwirken für Kranke und soziale Randgruppen.
Wunder berichtet die antike Umwelt oft von Herrschern oder berühmten Ärzten, denen als „göttlichen Menschen“ (griechisch theios aner) besondere Kräfte zugeschrieben wurden. Auch die Evangelien tradieren gemeinsame und verschiedene Heilwunder; einige davon gehören zu den ältesten Stoffen der Logienquelle. Doch die Jesuswunder lassen sich kaum auf einen historischen Kern zurückführen, da sie alle nachösterliche Verkündigung seiner Person sind.
Nach dem NT soll Jesus auch „Dämonen“ ausgetrieben haben. Textmotive legen nahe, dass es dabei um damals unheilbare Krankheiten wie Lepra, grauen Star, Epilepsie und Schizophrenie ging. Solche Kranke galten nach damaliger Tora-Auslegung als „von unreinen Geistern besessen“. Man vermied Umgang und Berührung mit ihnen, verstieß sie aus bewohnten Orten und verurteilte sie so meist zum Tod (Adolf Holl).
Jesu Zuwendung zu ihnen gilt dem NT bereits als Wunder; doch verkündet es seine Heiltaten nicht als isolierte Mirakel, sondern als Angriff auf die Herrschaft des Bösen über das Gottesvolk und zeichenhaften Beginn des Reiches Gottes (Mk 3, 27). Die Exorzismen betonen das dramatische Kampfgeschehen mit der Feindmacht, das den Sohn Gottes als Sieger erweist (Mk 1,25f). Demnach habe Jesus durch das Machtwort des Schöpfers sogar Tote auferweckt: Talita kumi! – „Mädchen, steh auf!“ (Mk 5,41).
Andere Texte betonen das Heilen durch Nähe (Mk 1,31), Berührung (Mk 1,41), Schuldvergebung (Mk 2,5), Handauflegen oder Speichel (Mk 7,32f). Hinzu kommen soziale Aspekte: Jesus führt den Kranken aus dem Dorf und heilt ihn getrennt von seiner Umgebung (Mk 8,23). Manche sendet er verwandelt dorthin zurück (Mk 5,19), andere nicht (Mk 8,26). Dem Bedürftigen wird das Heil ohne Vorleistung geschenkt (Mk 3,3); Jünger wie Zuschauer aber werden zum Glauben ermahnt (Mk 9,19.25). Demnach war Jesu Anliegen ganzheitlich zu verstehen: Er heilte den Einzelnen, indem er ihn Gottes bedingungslose Gnade spüren ließ, seine gesamte Lebensorientierung radikal umwandelte, wo möglich, auch seine krankmachende Umgebung veränderte und so den Geheilten neue Lebenschancen eröffnete.
Diese Tätigkeit galt auch Ausländern (Mk 7,24ff) wie dem Diener eines römischen Offiziers (Mt 8,5–13; Lk 7,1–10). In Israel galten besondere Kräfte jedoch schnell als Teufelei. Seine „Vollmacht“ brachte Jesus nicht nur Sympathie, sondern auch Misstrauen, Neid, Abwehr ein (Mk 3,22). So weisen gerade seine Heilerfolge schon auf seine Passion voraus (Mk 3,6).
Neben den Heilungen schreiben die Evangelien Jesus noch andere Wunder wie Massenspeisungen, Sturmstillung, Seewandel (Mt. 14, 24–33) zu. Während die rationalistische Theologie diese Texte seit der Aufklärung „entmythologisierte“, glauben viele besonders evangelikale und charismatische Christen auch heute noch an „Dämonen“ als reale übernatürliche Wesen. Auch Esoteriker sehen bei Jesus Fähigkeiten wie Levitation.
Die Naturwissenschaft schließt „Wunder“ generell aus. Die psychosomatische Medizin erkennt jedoch an, dass jede Krankheit auch seelisch-geistige Dimensionen hat und Heilung immer den ganzen Menschen umfasst. Moderne Therapiemethoden wie die Gestalttherapie finden in den Wundertexten daher durchaus verwandte Motive.
Tora-Auslegung
Nach den unbedingten Heilszusagen erinnert die Bergpredigt die Nachfolger Jesu an Israels Auftrag, als Volk Gottes „Licht der Völker“ zu sein, indem es die Tora vorbildlich erfüllt (Mt 5,14–16; Jes 42,6). Der Evangelist Matthäus betont demgemäß, dass Jesus alle Toragebote bis ins Kleinste erfüllen, nicht aufheben wollte und Christen die Juden darin übertreffen sollen (Mt 5,17–20).
Ob Jesus selbst das so sah, ist umstritten. Einige überlieferte Gebote verschärfte er, andere relativierte er, wieder andere hob ganz auf. Zum Gebot der Sabbatruhe soll er z. B. gesagt haben (Mk 2,27):
:Der Sabbat ist für den Menschen, nicht der Mensch für den Sabbat da!
So lehrte später auch der Talmud: Lebensrettung verdrängt Toragebot.
Dem entsprachen Jesu „Antithesen“ (Mt 5,21–48), die heute nicht mehr als neue Ethik im Kontrast zum Judentum, sondern innerjüdische Toradeutung aufgefasst werden. Sie beziehen sich auf die Zehn Gebote (Ex 20,2–17) und das Vergeltungsrecht (Ex 21,23f). Jesus radikalisierte sie über den Wortlaut hinaus und bezog sie auf die innere Einstellung: Schon wer andere hasst, ist tendenziell ein Mörder und verdient eigentlich den Tod (5. Gebot). Schon wer als verheirateter Mann eine andere Frau begehrt, bricht die Ehe (6. Gebot). Jeder Eid missbraucht den Gottesnamen (2. Gebot) und ist Lüge (8. Gebot). Gottes Schöpfungstreue (Gen 8,22) entkräftet das Vergeltungsgebot. Auch Israels Feinde sind als Nächste zu segnen. Das Anhäufen von Besitz bricht das 1. Gebot (Mt 6,19f.24). Besitzaufgabe für die Armen erfüllt den ganzen Dekalog (Mk 10,17–27).
Gerichte waren in römischer und sadduzäischer Hand, Rechtsbeistand konnten Arme dort kaum erwarten. Jesus rettete eine Hure vor der Steinigung, indem er ihren Anklägern ihre eigene Schuld bewusst machte (Joh 8,1–11). Das hob die Todesstrafe nicht direkt auf, entkräftete sie aber.
Die Besatzer benutzten Juden als Lastesel | | |