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Barbados
Barbados ist ein unabhängiger Staat im Commonwealth und östlichste Insel der Westindischen Inseln, nördlich von Saint Vincent gelegen. Barbados gehört zum Teilbereich der Südlichen Inseln über dem Winde. Die Insel ist 34 Kilometer lang und maximal 23 Kilometer breit, mit einer Gesamtfläche von 430 Quadratkilometern.
Geographie
Barbados ist die östlichste Insel der Inselkette der kleinen Antillen zwischen dem Atlantik und der Karibik.
Barbados besitzt im Süden und Westen flache Küstenbereiche mit schönen Sandstränden, im Norden und Osten gibt es Steilküsten, das Innere der Insel ist flachwelliges Hügelland. Die höchste Erhebung ist mit 340 Metern der Mount Hillaby. Die Oberfläche der Insel wird von Korallenablagerungen auf Sedimentgesteinen gebildet, deswegen gibt es auf Barbados auch keine Mineralienvorkommen. Barbados hat keine natürlichen Tiefwasserhäfen und ist fast gänzlich von Korallenriffen umgeben.
Die größten Städte sind (Stand 1. Januar 2005): Bridgetown 7.035 Einwohner, Speightstown 3.634 Einwohner und Oistins 2.285 Einwohner.
Siehe auch: Liste der Städte in Barbados
Bevölkerung
Etwa 92 Prozent der Bevölkerung sind Schwarze; die übrigen Weiße und Mulatten.
Die Kindersterblichkeit liegt bei elf Toten auf tausend Geburten.
Die Lebenserwartung liegt bei 76,4 Jahren, und der Alphabetisierungsgrad liegt bei 97,6%.
Die meisten Bajans gehören protestantischen Kirchen an (vor allem Anglikaner 40%, Pfingstler 8%, Methodisten 7% u.a.). Daneben gibt es Katholiken (4-5%), Juden und Muslime.
Geschichte
Die voreuropäischen Einwohner von Barbados waren Arawak und Kariben. Bei Beginn der europäischen Besiedlung waren sie jedoch bereits ausgestorben. Warum, ist nicht klar.
1625 übernahm England bzw. Großbritannien die Insel von den Portugiesen. Bis 1962 blieb sie danach in britischem Besitz. 1627 begann die Besiedlung der zu diesem Zeitpunkt menschenleeren Insel durch Großbritannien. Barbados' Wirtschaft blieb bis weit in das 20. Jahrhundert stark von der Zucker-, Rum- und Sirupproduktion abhängig.
Barbados blickt auf eine lange parlamentarische Geschichte zurück. Es verfügt über das drittälteste Parlament im Commonwealth (nach Westminster und Bermuda). Bereits 1639 wurde mit dem House of Burgesses das erste Parlament eingerichtet. Nach Konflikten mit Großbritannien wurden die Rechte des Parlaments und die der Bürger von Barbados 1652 in der „Charta of Barbados, or Articles of Agreement“ niedergelegt. Diese Verfassungsurkunde garantierte u.a. die Religionsfreiheit, Rechtstaatlichkeit, Eigentum und weitgehende parlamentarische Rechte und Unabhängigkeit.
Die in den Anfängen nur für die englischen Plantagenbesitzer geltenden Rechte wurde nach der vollen Sklavenemanzipation 1838 bis hin zur Unabhängigkeit am 30. November 1966 auf die schwarze Bevölkerungsmehrheit ausgedehnt. Von 1958 bis 1962 war Barbados eine Provinz der Westindischen Föderation.
Nach der Unabhängigkeit entwickelte sich in Barbados eine parlamentarische Demokratie, die sich ihrer Geschichte und Traditionen bewusst ist.
Politik
Barbados hat ein Zwei-Kammern-Parlament (House of Assembly und einen Senat).
Heute wird die Politik im wesentlichen durch die beiden großen Parteien, die Barbados Labour Party (BLP) und die Democratic Labour Party (DLP) bestimmt.
Nationalfeiertag ist der 30. November.
Siehe auch:
- Liste der Generalgouverneure von Barbados
- Liste der Premierminister von Barbados
Wirtschaft und Infrastruktur
In den 1990er Jahren liefen die Tourismusindustrie und die Handwerksproduktion der Zuckerindustrie ihren wirtschaftlichen Rang ab.
Das Pro-Kopf-Einkommen beträgt nach Angaben der Central Bank of Barbados 7.350 US-Dollar.
Flughafen: Grantley Adams International Airport (IATA-Flughafencode: BGI)
Weiteres
Superkanone von Gerald Bull
Bei 13.0670 nördlicher Breite und 59.4830 westlicher Länge befand sich gegen Ende der 60er Jahre die Versuchskanone von Gerald Bull (HARP-Gun), die ihre Geschosse in Höhen von über 100 Kilometern abfeuern konnte.
Startplatz von Forschungsraketen
Zwischen 1963 und 1968 wurden von Barbados einige Höhenforschungsraketen der Typen Nike Apache, Arcas und Nike Cajun gestartet.
Weblinks
- [http://www.barbados.gov.bb Seite der Regierung von Barbados]
- [http://www.accessbarbados.com Barbados Vacation Travel Guide & Business Directory]
- [http://www.centralbank.org.bb Central Bank of Barbados]
- [http://www.astronautix.com/sites/barbados.htm Raketenstarts auf Barbados]
Kategorie:Insel (Karibik)
Kategorie:Monarchie
Kategorie:Staat
Barbados
Kategorie:Raketenstartplatz
ja:バルバドス
ko:바베이도스
ms:Barbados
simple:Barbados
zh-min-nan:Barbados
Commonwealth
Das Commonwealth of Nations ist ein Staatenbund, der in erster Linie durch das Vereinigte Königreich und dessen ehemalige Kolonien gebildet wird.
Die Bezeichnung „Commonwealth“ (engl.: Gemeinwohl) meint einen freiwilligen Bund von unabhängigen, souveränen Staaten, die gemeinsame Ziele verwirklichen oder sich zu einer politischen Gemeinschaft oder gar einem übergeordneten Staat zusammenschließen.
Geschichte
Beim Commonwealth of Nations handelt es sich um einen Bund unabhängiger Staaten als Nachfolger des British Empire, welches nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend aufgespalten wurde. Zu dem Zerfall kam es einerseits durch aufkommende Unabhängigkeitsbewegungen in verschiedenen Gebieten (zum Beispiel in Indien unter dem Einfluss des Pazifisten Mahatma Gandhi) und andererseits aufgrund der beschränkten Mittel der britischen Regierung nach dem Krieg.
Commonwealth heute
Als Commonwealth Realms bezeichnet man die Staaten im Commonwealth, welche den britischen Monarchen als ihr Staatsoberhaupt anerkennen.
Heute leben 30% der Weltbevölkerung (1,7 Mrd. Menschen) in Mitgliedstaaten des Commonwealths: Indien ist das bevölkerungsreichste Mitglied mit über einer Milliarde Menschen. Auch Pakistan, Bangladesch und Nigeria haben jeweils eine Bevölkerung von mehr als 100 Millionen Menschen. Aber auch Staaten wie zum Beispiel die Inselkette Tuvalu, auf der nur etwa 11.000 Menschen leben, gehören dem Bund an.
In der Praxis sieht es so aus, dass die Staaten, wenn sie zu einer Republik werden, formell aus dem Bund austreten. Anschließend stellen sie einfach einen Antrag auf Wiederaufnahme, der automatisch gewährt wird. Die Republik Irland bewarb sich nach dem Austritt nicht um die Wiederaufnahme. Bis heute ist der Beitritt Irlands zum Commonwealth ein Thema in der irischen Politik.
Das Commonwealth Office in London ist die Zentrale des Staatenbundes. Ähnlich wie bei der UNO in New York entsendet jedes Mitgliedsland einen Vertreter dorthin, so dass ein ständiger Informationsaustausch stattfinden kann. Zusätzlich treffen sich die Staats- und Regierungschefs der Commonwealth-Länder einmal jährlich zu einem einwöchigen Gipfeltreffen. Hierbei werden wichtige politische und wirtschaftliche Fragen sowie die Weltlage diskutiert. Auch Sanktionen gegen einzelne Staaten, wie zuletzt 2002 gegen Simbabwe, werden hier beschlossen. Der Gipfel findet jedes Jahr in einem anderen Mitgliedsland statt und wird traditionell durch den britischen Monarchen, aktuell Königin Elisabeth II., als Oberhaupt des Commonwealths eröffnet.
Mitglieder
Königin Elisabeth II.
53 Staaten sind gegenwärtig Mitglieder im Commonwealth of Nations
(die Jahreszahlen zeigen das Beitrittsjahr)
- (1981)
- (1931)
- (1973)
- (1972)
- (1966)
- (1981)
- (1966)
- (1984)
- (1978)
- (1970, dann Austritt 1987 und Wiedereintritt 1997, Suspendierung von 2000 bis 2001)
- (1965)
- (1957)
- (1974)
- (1966)
- (1947)
- (1962)
- (1995)
- (1931)
- (1963)
- (1979)
- (1966)
- (1964)
- (1957)
- (1982)
- (1964)
- (1968)
- (1995)
- (1990)
- (1999)
- (1931)
- (1960, Suspendierung von 1995 bis 1999)
- (1947, Austritt 1972, Wiedereintritt 1989; Suspendierung 1999, aufgehoben 2004 da die Außenminister die loyale Haltung Pervez Musharrafs belohnen wollten)
- (1975)
- (1978)
- (1964)
- (1970)
- (1976)
- (1961)
- (1965)
- (1948)
- (1983)
- (1979)
- (1979)
- (1931, Austritt 1961, Wiedereintritt 1994)
- (1968)
- (1961)
- (1970)
- (1962)
- (1978)
- (1962)
- (1980)
- (1931)
- (1961)
Darunter: Commonwealth Realms
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Siehe auch: Commonwealth Realm
Ehemalige Mitglieder
- 20px Irland verließ den Bund 1949
- 20px Simbabwe (1980) am 6. Dezember 2003 ausgetreten, vorhergegangen war am 20. März 2002 eine Suspendierung
Siehe auch
- Frankophonie
- GUS
- CPLP
- Commonwealth (Begriffsklärung)
Literatur
- Nicholas Mansergh: Das Britische Commonwealth. Entstehung - Geschichte - Struktur. Zürich 1969
Weblinks
- http://www.thecommonwealth.org
Kategorie:Politische Organisation
ja:イギリス連邦
ko:영국 연방
ms:Negara-negara Komanwel
Westindische Inseln
Die Westindischen Inseln sind eine Inselgruppe in der Karibik. Sie umfassen die großen Antillen (Kuba, Jamaika, Puerto Rico und Hispaniola) und die kleinen Antillen, wobei die kleinen Antillen nochmals in die Inseln über dem Winde (Jungferninseln bis Trinidad und Tobago) und die Inseln unter dem Winde unterschieden werden (weil sie außerhalb der Hurricane-Zone liegen, Isla Margarita bis nach Aruba).
Mit zur Karibik im weiteren Sinne gehören noch die Bahamas und die Turks- und Caicosinseln, sie liegen allerdings schon im Atlantik und nicht mehr im karibischen Meer.
Der Name Westindische Inseln leitet sich davon ab, dass die frühen Entdecker und Eroberer (Christoph Kolumbus) eigentlich Indien, China oder Japan auf dem westlichen Seeweg erreichen wollten und nicht damit rechneten, einen neuen Kontinent zu finden. Dies erklärt auch den Namen Antillen, er leitet sich von der lateinischen Bezeichnung ante ilium = vorgelagerte Inseln ab, eben die Mittelamerika vorgelagerten Inseln.
Heute spielen die Westindischen Inseln noch eine wichtige Rolle als Cricket-Nation. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von Barbados, Guyana, Jamaika, den Leeward-Inseln, Trinidad und Tobago und den Windward-Inseln.
Kategorie:Inselgruppe
Kategorie:Geographie (Karibik)
ja:西インド諸島
ko:서인도 제도
Atlantik
Der bis 9.219 m tiefe Atlantische Ozean bzw. Atlantik (umgangssprachlich in Deutschland Großer Teich genannt) bedeckt mit 106,57 Mio. km² Fläche etwa ein Fünftel der gesamten Erdoberfläche und ist damit der zweitgrößte Ozean der Erde.
Geografie
Der Atlantik, der sich bis auf seinen äußersten Nordostteil und seinen Südostteil auf der Westhalbkugel der Erde befindet, liegt zwischen der Arktis im Norden, Europa im Nordosten, Afrika im Südosten, der Antarktis im Süden, Südamerika im Südwesten und Nordamerika im Nordwesten. Im Norden grenzt er an das Nordpolarmeer, im Süden an das Südpolarmeer.
Daten
Ohne Nebenmeere, wie zum Beispiel Karibik, Mittelmeer und Nordsee beträgt die Fläche des 106,57 Mio. km² großen Atlantiks "nur" noch 83,4 Mio. km². Seine Wassermassen umfassen diesbezüglich ein Volumen von 354,7 Mio. km³ (bzw. 323,6 Mio. km³). Während seine mittlere Tiefe dementsprechend 3.926 m (bzw. 3.332 m) beträgt, liegt seine tiefste Stelle bei 9.219 m unter NN (s.u.).
Namensherkunft
Der Name des Atlantiks entstammt der griechischen Mythologie und bedeutet Meer des Atlas.
Meeresboden
Innerhalb des Atlantiks bzw. auf dessen Meeresboden befindet sich ein hoher und sehr langgestreckter Mittelozeanischer Rücken, viele niedrigere Schwellen, Tiefseebecken, Tiefseerinnen und verschiedene Meerestiefs.
Zu den Mittelozeanischen Rücken gehört der Mittelatlantische Rücken, der sich ungefähr in der Mitte des Atlantiks von Nord nach Süd durch den Ozean zieht. Er stellt eine divergierende Plattengrenze dar. Der Ozeanboden wird immer älter, je weiter er vom Mittelozeanischen Rücken entfernt ist. Durch die ständig aus dem Mittelozeanischen Rücken hervorquellende Lava verbreitert sich der Atlantik und schiebt die Kontinente auseinander. Zu den Tiefseerinnen bzw. Meerestiefs gehört der Puerto-Rico-Graben mit seiner 9.219 m unter NN liegenden Milwaukeetief, welche die tiefste Stelle des Atlantiks darstellt.
Man kann den Atlantik in Nord-, Zentral- und Südatlantik einteilen. Hierbei weisen die Böden des Zentralatlantiks das größte Alter auf - hier öffnete sich der Ozean zuerst.
Nebenmeere
Inseln
Einige der größten Inseln der Erde liegen im Atlantischen Ozean, so beispielsweise Grönland, Island, Großbritannien, Irland und Neufundland. Inselgruppen im Atlantik sind die Kanaren, die Azoren, die Bahamas, die Antillen, die Kapverden und die Falklandinseln. Kleinere, isolierte Inseln sind Madeira, Ascension, St. Helena und Tristan da Cunha.
Literatur
- Holger Afflerbach (2001): Das entfesselte Meer. Die Geschichte des Atlantik, ISBN 3492239897
Siehe auch
- Globales Förderband
- Meerestief
- Meerestiefe
- Tiefseebecken
- Tiefseerinne
- Wasser
Kategorie:Ozean
als:Atlantik
ja:大西洋
ko:대서양
simple:Atlantic Ocean
th:มหาสมุทรแอตแลนติก
zh-min-nan:Tāi-se-iûⁿ
Bridgetown
Bridgetown, ursprünglich Indian Bridge genannt aufgrund einer berühmten Brücke (die nun careenage genannt wird), ist die Hauptstadt des karibischen Inselstaates Barbados, und ebenso dessen Haupthafen und wirtschaftliches Zentrum.
Die Stadt wurde 1628 von Großbritannien gegründet und hat heute ca. 7000 Einwohner, dazu kommen über 80.000 Einwohner in Vororten. Sie leben hauptsächlich vom Tourismus, produzieren aber auch Zucker, Rum und Melasse.
Bild:Bridgetown1.jpg|Stadtkern
Bild:Bridgetown2.jpg|Vororte und Hafen
Söhne und Töchter der Stadt
- Arthur Barclay (1854–1938), Präsident von Liberia
- Obadele Thompson (1976), Leichtathlet und Olympiamedaillengwinner
Kategorie:Hauptstadt in Mittelamerika
Kategorie:Barbados
ja:ブリッジタウン
Liste der Städte in BarbadosDies ist eine Liste der Städte in Barbados.
Die mit Abstand größte Agglomeration in Barbados ist Bridgetown mit einer Einwohnerzahl von 98.511 (Stand 1. Januar 2005). Damit konzentriert sich 37 Prozent der Bevölkerung des Landes in der Hauptstadtregion.
In der Tabelle sind die Städte über 500 Einwohner, die Ergebnisse der Volkszählung (Zensus) vom 2. Mai 1990, eine Berechnung für den 1. Januar 2005 sowie der Parish (Distrikt), zu dem die Stadt gehört, aufgeführt. Die Einwohnerzahlen beziehen sich auf die eigentliche Stadt ohne Vorortgürtel.
Siehe auch
- Liste der Städte der Welt
Weblinks
- [http://www.barbados.gov.bb/bgis.htm Barbados Government]
- [http://gazetteer.de/ World Gazetteer - Aktuelle Einwohnerzahlen der Städte in Barbados]
Kategorie:Barbados
Barbados
AnglikanerDie Anglikanische Kirche (von lat.: anglicanus = englisch), mit offiziellem Namen Anglikanische Kirchengemeinschaft (englisch Anglican Communion) ist eine weltweite Kirchengemeinschaft, die in ihrer Tradition evangelische und römisch-katholische Glaubenselemente vereinigt, wobei die römisch-katholische Tradition in der Liturgie etwas vorherrscht und die evangelische in der Theologie. Sie hat ca. 50.767.000 Mitglieder.
Sprachgebrauch
Der offizielle Name ist Anglican Communion. Die Church of England ist die Mutterkirche der anglikanische Kirche. Die einzelnen Kirchen der Anglikanischen Kirchengemeinschaft Communion bezeichnen sich gewöhnlich als "Kirche von x" (z.B. Church of England) oder "Episkopalkirche von x" (z.B. Episcopal Church of Scotland), es sind aber auch andere Namen möglich.
Verbreitung
Die anglikanische Kirche ist, nach der römisch-katholischen und der orthodoxen Kirche, die drittgrößte christliche Kirche. Sie ist besonders in englischsprachigen Gebieten und in Gebieten des Commonwealth of Nations vertreten.
Weltweit gibt es etwa 75 Millionen anglikanische Christen, davon etwa 42 Millionen in Großbritannien und Nordirland.
Organisation
Die Kirchen der Anglikanischen Gemeinschaft
Die Anglikanische Kirchengemeinschaft besteht aus 38 selbständigen Landeskirchen, beziehungsweise Provinzen, die jeweils einem Primas unterstehen.
- Anglican Church in Aotearoa, New Zealand and Polynesia
- Anglican Church of Australia
- Anglican Church of Bermuda
- Anglican Church of Canada
- Anglican Church of Kenya
- Anglican Church of Korea
- Anglican Church of Papua New Guinea
- Chung Hua Sheng Kung Hui (China)
- Church in Wales
- Church of Bangladesh
- Church of Ceylon
- Church of England
- Church of Ireland
- Church of Nigeria
- Church of North India
- Church of Pakistan
- Church of South India
- Church of the Province of Burundi
- Church of the Province of Central Africa
- Church of the Province of Congo
- Church of the Province of Melanesia
- Church of the Province of Myanmar
- Church of the Province of Rwanda
- Church of the Province of South East Asia
- Church of the Province of Southern Africa
- Church of the Province of Tanzania
- Church of the Province of the Indian Ocean
- Church of the Province of the West Indies
- Church of the Province of Uganda
- Church of the Province of West Africa
- Episcopal Church in Jerusalem and the Middle East
- Episcopal Church in the USA
- Episcopal Church of Cuba
- Episcopal Church of the Sudan
- Hong Kong Sheng Kung Hui (Hong Kong)
- Iglesia Anglicana de la Region Central America
- Iglesia Anglicana del Cono Sud de las Americas
- Iglesia Anglicana de México
- Igreja Episcopal do Brasil
- Lusitanische Kirche von Portugal
- Nippon Sei Ko Kai (Japan)
- Philippine Episcopal Church
- Philippine Independent Church
- Scottish Episcopal Church
- Spanish Reformed Episcopal Church
In den USA hat die Episcopal Church USA zahlreiche Gemeinden, die sich in 10 Provinzen aufgliedern, unter der Jurisdiktion des Presiding Bischofs der Episkopalkirche. Die Unabhängigkeit der US Kirche von der englischen folgte auf dem US-amerikanischen Unabhängigkeitskrieg einerseits, weil der König nicht mehr als weltliche Oberhaupt der Kirche gelten sollte, und andererseits, weil es notwendig und erwünscht war, eigene Bischöfe zu haben, anstatt wie bisher unter der Aufsicht von Bischöfen in England zu bleiben. In den USA gehört die Episkopalkirche zu den ältesten Kirchen, ist heute aber viel kleiner (nur etwa 1-2% der Bevölkerung) als etwa die Baptisten, Methodisten oder Katholiken.
1980 wurde durch eine Union der Diözese von Gibraltar und der Jurisdiktion of North and Central Europe (FULHAM) die Diözese von Europa ("Diocese [of Gibraltar] in Europe") gegründet, die seither für die Gemeinden in Europa außerhalb Großbritanniens und Irlands zuständig ist. In Deutschland gibt es 33 anglikanische Gemeinden, davon 22 Standortpfarreien. Für Skandinavien und Deutschland zuständig ist der "Venerable" David Ratcliff mit Wohnsitz in Stockholm. Die anglikanische Kirche in der Schweiz gehört ebenfalls zur Diözese von Europa. Sie hat acht Standortpfarreien in größeren Städten und einige weitere Gemeinden, die von dort betreut werden.
Seit 1999 existiert eine Arbeitsgemeinschaft der Anglikanisch-Episkopalischen Kirchen in Deutschland (CAECG), die gemeinsam ihre Missionstätigkeit in Deutschland koordinieren. Anglikanische Gemeinden existieren beispielsweise in Berlin, Freiburg im Breisgau, Düsseldorf, Bonn/Köln, Hamburg, Stuttgart und Leipzig. Episkopal-Gemeinden existieren beispielsweise in Augsburg, Baden-Baden, Frankfurt am Main, Ingolstadt, Karlsruhe, Wiesbaden, München und Nürnberg. Die Verbreitung ist nahezu identisch mit der ehemaligen britischen beziehungsweise US-amerikanischen Besatzungszone in Deutschland.
- [http://www.anglican.org/domain/admin/countries.html Übersicht der Kirchen nach Mitgliedern und Diözesen]
Leitung der Kirchengemeinschaft
Rechtlich gesehen, ist das oberste Gremium die Lambeth Conference, eine Konferenz der Bischöfe aller Kirchen der Anglikanischen Kirchengemeinschaft.
Oberster geistlicher Leiter der Kirche ist der Primas der Church of England, also der Erzbischof von Canterbury (gegenwärtig Rowan Williams) als Primus inter Pares. Er besitzt kein Weisungsrecht gegenüber den übrigen Kirchen der Kirchengemeinschaft.
Er beruft die Treffen der Primaten der Anglikanischen Kirche ein und leitet sie. Diese Treffen haben ebenfalls kein Weisungsrecht gegenüber den einzelnen Kirchen. Gewöhnlich wird dabei ein gemeinsamer Pastoralbrief herausgegeben.
Der Anglikanische Beratende Versammlung trifft etwa alle drei Jahre zusammen und hat in erster Linie koordinierende Funktionen. Sie setzt sich aus Delegationen aller Anglikanischen Kirchen zusammen, wobei jede Kirche einen Bischof, einen Priester und einen Laien stellt.
Aufbau einer anglikanischen Kirche/Kirchenprovinz
Eine anglikanische Kirche oder Kirchenprovinz hat an ihrer Spitze für gewöhnlich als höchste gesetzgebende Instanz die Provinzsynode, die sich aus den Bischöfen, Klerusvertretern und Laienvertretern zusammensetzt. Die Synode tagt stets zu bestimmten Zeiten, wird jedoch ständig durch das Provinzbüro aufrecht erhalten. In diesem Provinzbüro werden alle laufenden Angelegenheiten der Kirche bearbeitet. Angefangen von den Finanzen, bis hin zur Klerikerausbildung. An seiner Spitze steht ein/e Generalsekretär/in.
Jeder anglikanischen Kirche steht ein Primas vor. Dieser kann der Bischof eines bestimmten Sitzes sein, so wie für England in Canterbury, ist aber für gewöhnlich nicht daran gebunden. Der Erzbischof ist dann, wie in den meisten Kirchen der anglikanischen Gemeinschaft, einer der Bischöfe der Provinz, welcher auf der Provinzsynode gewählt wurde und den Titel Primas/Erzbischof von .... (Name der entsprechenden Landeskirche) trägt. In einigen Landeskirchen ist seine Amtszeit beschränkt (beispielsweise Tansania).
Aufbau einer anglikanischen Diözese
Jeder Diözese steht ein Bischof vor, welchem, ist die Diözese von entsprechender Größe, Suffraganbischöfe beigeordnet sind. Diese entsprechen den Katholischen Weihbischöfen, besitzen aber im Gegensatz zu diesen einen eigenen Bezirk innerhalb der Diözese, bleiben aber in jedem Fall dem Diözesanbischof untergeordnet.
- [http://www.ucl.ac.uk/~ucgbmxd/success1.htm Sukzessionsliste der anglikanschen Bischofe]
Der Diözesanbischof besitzt eine Kathedrale, an welcher es den Kathedralklerus gibt. Diese unterstehen dem Dean (Dekan) oder Provost (Propst) und unterteilen sich in Residenzkanoniker, Honorarkanoniker (Praebendare) und Niedere Kanoniker.
Große Diözesen besitzen einen oder mehrere Regionalbischöfe. Sie entsprechen einem katholischen Weihbischof und sind zumeist gleichzeitig Archidiakon.
Der Diözesanklerus besteht aus Pfarrern, Hilfspfarrern und Vikaren. Mehrere Pfarrkirchen sind in Dekanaten zusammengefasst, so wie dies auch in der Katholischen Kirche der Fall ist. Besonders große Diözesen sind zudem noch in Archidiakonate unterteilt. Ihre Leiter nennen sich Archdiacon (Erzdiakon) und sind oftmals mit den Suffraganbischöfen identisch. Diese Archidiakonate entsprechen den Regionen in großen Katholischen Diözesen.
Um in die Reihen des Klerus der Anglikanischen Kirche aufgenommen zu werden, bewirbt man sich beim Bischof einer Diözese. Dieser wird diese Bewerbung an ein Nationales Kirchenministerium (Selection Conferences) weiterleiten, welches den Bewerber auf seine Eignung im Geistlichen, Geistigen, Gesundheitlichen und Familiären prüft. Ist dies geschehen, so sendet es ein Gutachten an den jeweiligen Bischof, in welchem es den Bewerber empfiehlt, bedingt empfiehlt oder ablehnt. Zugleich macht es auch Vorschläge zur Ausbildung, welche von einem normalen Hochschulstudium bis zu regionalen Kursen reichen. Hat der Bewerber die Zustimmung des Bischofs erhalten, so untersteht er fortan einem Diözesandirektor für die Ausbildung, mit welchem er sich in allen Bereichen seines Lebens auseinanderzusetzen hat, da er zum Schluss des Studiums ein Zeugnis zu dessen Eignung abgeben muss. Ist dieses positiv ausgefallen, so steht der Weihe des Bewerbers, oder der Bewerberin, nichts mehr im Wege.
Lehre
In der anglikanischen Lehre gibt es ein weites Spektrum zwischen der High Church (Anglo-Katholizismus), die in Liturgie und Lehre den anderen katholischen Kirchen nahe steht und der Low Church, die dem Protestantismus, insbesondere dem Calvinismus nahe steht.
Theologisch sind innerhalb der anglikanischen Kirche sehr liberale wie auch streng evangelikale und konservativ anglo-katholische Richtungen vertreten.
Dieses sehr weite Meinungsspektrum wird teilweise als Stärke der Anglikaner betrachtet, die somit ein weites Spektrum des heutigen Christentums ohne Kirchenspaltung in einer Kirche umfassen können. Teilweise wird aber auch kritisiert, dass die Kirche so für nichts mehr steht und der Beliebigkeit zu viel Raum gibt.
Was unterscheidet die Anglikanischen Kirchen nun von der Römisch-Katholischen Kirche?
In konservativen Richtungen der Highchurch:
- kein Primat in Leitung, Glaubens- und Sittenlehre
- kein Zölibat für den Klerus
In liberalen Richtungen der Lowchurch:
- Frauenordination
- es gibt kein Purgatorium (Fegfeuer)
- Brot und Wein sind nur symbolisch und wandeln sich nicht in Leib und Blut Christi
- es gibt keinen Primat in Leitung, Glaubens- und Morallehre
- man glaubt nicht an die leibhafte Aufnahme Mariens in den Himmel
- es gibt keinen Zölibat für den Klerus
- die Ehe kann aufgelöst werden, damit ist eine Wiederverheiratung möglich
- Abtreibung und Invitrobefruchtung werden liberaler gesehen
- gleichgeschlechtliche Paare können zusammenleben/heiraten
Gottesdienst und Praxis
Der Gottesdienst der anglikanischen Kirche ist liturgisch ähnlich aufgebaut wie der der katholischen Kirchen. Er ist im "Book of Common Prayer" niedergelegt, von dem die einzelnen Gliedkirchen eigene Ausgaben haben.
Liturgie
Die Liturgie der anglikanischen Kirche ist im Book of Common Prayer festgelegt. Insbesondere die Liturgien der Eucharistiefeiern zeigen die Zughörigkeit des Anglikanismus zur Katholischen Kirche. Sie wurden allerdings, anders als in der römisch-katholischen Kirche schon seit der Reformationszeit in der jeweiligen Landessprache abgehalten.
Gebet
Das Stundengebet, in der anglikanischen Kirche als Daily Office bezeichnet, ist eine wichtige Tradition der anglikanischen Kirche. Insbesondere das Morgen- und Abendgebet sind zum Volksgebet geworden und werden in vielen Kirchen täglich gebetet.
Die anglikanische Kirche kennt auch die Rosenkranztradition, wobei der Aufbau des Rosenkranzes und die Gebet sich von denen der katholischen Kirche unterscheiden und weniger auf Maria, dafür stärker auf Jesus Christus ausgerichtet sind.
Orden
Wie die katholische Kirche, so kennt auch die anglikanische Kirche Männer- und Frauenorden. Die meisten zur Reformationszeit bereits bestehenden katholischen Orden haben anglikanische Entsprechungen. Diese leben nach den Evangelischen Räten und in Gemeinschaft, sind entweder kontemplativ oder aktiv in Erziehung, oder Pflege tätig. Siehe Anglikanische Orden.
Geschichte
Die Kirche von England datiert ihre Geschichte zurück bis in römische Zeiten. Während keltische Stämme in Irland den christlichen Glauben auch nach dem Einfall von Angeln, Sachsen, Juten, und Dänen behielten, verfiel England erst einmal einige Jahrhunderte dem heidnischen Glauben. Mit der Mission von Augustinus von Canterbury an den Hof von Kent im Jahr 698 kam erneut aus Rom die christliche Religion nach England. Diese Missionstätigkeit ergänzte sich mit einer Mission durch irische Mönche (siehe Columban).
Die Bistümer in England waren in zwei Kirchenprovinzen aufgeteilt, die von York und von Canterbury. Als unter Heinrich VIII. Streitigkeiten zwischen dem englischen Thron und dem Amtsnachfolger von Petrus in Rom über die Rechtmäßigkeit der königlichen Ehen aufkamen, erklärten die Bischöfe Englands, dass sie in Heinrich, und nicht im Papst, das Oberhaupt der englischen Kirche sahen. Somit ergab sich die Chance, dass in den Kirchenprovinzen von York und Canterbury Ideen der Reformation in der Praxis umgesetzt werden konnten.
Unter Heinrich VIII. änderte sich für die englische Kirche zunächst sehr wenig. Nur der Gebrauch der lateinischen Sprache wurde zugunsten der englischen aufgegeben. Mit Edward VI. wurde jedoch das erste Book of Common Prayer am Pfingstfest 1549 eingeführt, unter maßgeblicher Arbeit von Thomas Cranmer, Erzbischof von Canterbury. Damit wurde auch eine Tradition eingeleitet, nachder sich der Anglikanismus vorrangig durch eine episkopale Kirchenordnung und eine einheitliche gottesdienstliche Praxis definiert.
Nach einer kurzen Zwischenepisode unter der römisch-katholischen Monarchin Maria, setzte sich die Reformbewegung der englischen Kirche unter Elisabeth I. und den ersten beiden Stuart-Königen fort. Es entwickelte sich ein sich vertiefender Streit zwischen Puritanern, die eine stärker reformiert orientierte Theologie verfolgten, und Theologen wie Lancelot Andrewes, die eine katholischere Position einnahmen. Dieser Streit artete in dem englischen Bürgerkrieg aus. Nach der Restauration der Stuarts, unter Karl II. wurden diese Streitigkeiten mit einem neuen Book of Common Prayer (1661) beigelegt. Dies ist auch heute noch die offizielle Version, die in England neben dem Book of Alternative Services Anwendung findet.
Nach der amerikanischen Revolution bildete sich auch in den USA eine weitere anglikanische Kirche, die nunmehr auch neben der nichtetablierten episkopalen Kirche Schottlands existierte. Es folgten auch in anderen Ländern weitere Kirchen, die aber alle zusammen im sog. Anglikanischen Kommunion eine Kirchengemeinschaft pflegen.
Im 19. Jahrhundert, unter dem Einfluß der romantischen Bewegung, fand eine neue Hinwendung zu liturgischer Tradition statt. Diese Bewegung fand ihren Ausgang in Oxford und wurde unterstützt von John Henry Newman. Siehe auch Anglokatholizismus, High Church, Low Church.
In der 2. Hälfte des 20. Jhts. fand in vielen anglikanischen Kirchen eine liturgische Reformbewegung statt, die zu neuen Books of Common Prayer führten, die enger an altkirchlichen Liturgien angelehnt waren, jedoch eine modernere Sprache und Theologie enthielten. Parallel dazu wurde die Priesterschaft auch für Frauen geöffnet. Seit den späten 80er Jahren wurden auch die erste Bischöfinnen in apostolischer Nachfolge geweiht.
Ökumene
Die Anglikanische Kirchengemeinschaft ist Mitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen. Sie steht darüber hinaus in Kirchengemeinschaft mit den Altkatholischen Kirchen und der indischen Mar Thoma Kirche.
Kontroversen
Frauenordination
Uneinigkeit über die Zulassung von Frauen zu den Weihen hat zu Zerwürfnissen innerhalb der Anglikanischen Kirche geführt. Während manche Bischöfe, Priester und Gläubige sich wegen dieses Themas abgespalten haben oder zum römisch-katholischen oder zur orthodoxen Kirche übergetreten sind, hat diese Entwicklung den Anglikanismus andererseits für Menschen attraktiver gemacht, die aus diesem Grund von den anderen beiden katholischen Konfessionen übergetreten sind, oder für Anglikaner, die sonst der Kirche den Rücken gekehrt hätten.
Da die Anglikanische Kommunion nur die allgemein verbindlichen Regelungen kennt, die im Lambeth Quadrilateral enthalten sind, gibt es keine solche Regelung für die Frauenordination. So gibt es Kirchenprovinzen ohne jegliche Frauenordination, doch auch andere mit Zulassung nur zur Diakonenweihe, nur zu Diakonat und Priestertum und andere mit Zulassung zu Diakonat, Priestertum und Bischofsamt.
Die ökumenischen Beziehungen zur römisch-katholischen und orthodoxen Kirche - vor allem letztere waren zwischenzeitlich recht eng gewesen - sind durch die Weigerung der beiden Kirchen, Frauen zu Priestern zu weihen, merklich abgekühlt. Mit der Orthodoxen Kirche wäre eine Abendmahlsgemeinschaftserklärung möglich gewesen, wenn die Frauenordination nicht beschlossen worden wäre, oder wenn die Orthodoxen diesen Schritt ebenfalls mitgemacht hätten.
Provinzen ohne Frauenordination
Central Africa, Jerusalem and the Middle East, Korea, Melanesia, Nigeria, Papua New Guinea, South East Asia, Tanzania
Provinzen mit Zulassung der Frauen zum Diakonat
Indian Ocean, Southern Cone, Congo, Pakistan
Provinzen mit Zulassung der Frauen zu Diakonat und Priestertum
Australia, Burundi, England (am 11. Juli 2005 beschloss die Synode von York die Zulassung zum Bischofsamt), Hong Kong, Kenia, Rwanda, South India, Uganda, Wales, West Africa, West Indies
Provinzen mit Zulassung von Frauen zum Diakonen-, Priester- und Bischofsamt
Aotearoa and Polynesia (bereits geweiht), Bangladesh, Brazil, Canada (bereits geweiht), Central America, Ireland, Japan, Mexico, North India, Philippines, Scottland, Southern Africa, Sudan, USA (bereits geweiht)
Homosexualität
Die weltweite Anglikanische Kirchengemeinschaft befindet sich seit der Bischofsweihe von Gene Robinson am 2. November 2003 in New Hampshire (USA) in einer Krise, die die Kirche zu spalten droht. Da Robinson seine Beziehungen zu seinem gleichgeschlechtlichen Partner nicht verheimlicht, wurde mit seiner Weihe deutlich, dass es zum Thema Homosexualität innerhalb der Anglikanischen Kommunion keinen Konsens mehr gibt. Konservative Geistliche und Mitglieder (vor allem aus Asien und Afrika, aber auch aus den Teilen Europas und Nordamerikas, wo auch die Frauenweihe noch als kontrovers gilt) sehen diesen Schritt als unvereinbar mit der bislang vertretenen Lehre der Kirche und als Bruch der Kommunion. Die Befürworter der Weihe (vor allem aus Nordamerika, Schottland, Neuseeland und Südafrika) betonen einerseits die anglikanische Tradition, dass die Ortskirche ihre Angelegenheiten vor Ort regeln darf, andererseits vertreten sie die Auffassung, dass homosexuelle und heterosexuelle Christen gleich würdig sind, Leitungsämter der Kirche auszufüllen. Nicht nur der Vollzug der Bischofsweihe hat zu Kontroversen geführt, sondern auch die parallel verlaufende Entscheidung der kanadischen Diözese von New Westminster, Riten für die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften zu entwickeln. Nach diesen Schritten hat sich ein Teil der Kirchengemeinschaft eindeutig von der Episcopal Church in the USA und der Anglican Church of Canada distanziert und auch die Kommunionsgemeinschaft gelöst; auch die orthodoxen Kirchen und der Vatikan zeigten ihr Missfallen. Die Scottish Episcopal Church und die Metropolitan Community Church haben die Entscheidungen der nordamerikanischen Kirchen begrüßt.
Weblinks
- [http://www.anglicancommunion.org Anglican Communion]
- [http://www.anglican.org Zugang zu allen Anglikanischen Kirchen weltweit]
- [http://www.anglikaner-in-deutschland.de Arbeitsgemeinschaft der Anglikanischen und Episkopalkirchen in Deutschland]
- [http://www.episcopalchurch.org/europe Episcopal Church USA in Europa]
- [http://www.christchurchvienna.org Anglikanische Kirche in Österreich]
- [http://www.anglican.ch/index.html Anglikanische Kirche in der Schweiz]
Siehe auch
Unabhängige Kirchen anglikanischen Ursprungs
- Anglican Church in America
- Sydney Anglicans
- African Orthodox Church
- African Orthodox Church of the West
- African Orthodox Episcopal Church
- American Episcopal Church
- Anglican Catholic Church of Canada
- Anglican Mission in America
- Anglican Province of Christ the King
- [http://www.iccec.org Charismatic Episcopal Church]
- [http://www.cekid.privat.t-online.de Charismatisch Episkopale Kirche in Deutschland]
- Communion of Evangelical Episcopal Churches
- Church of England in South Africa
- Episcopal Missionary Church
- United Episcopal Church of North America
- Free Church of England
- Free Church of Scotland
- Free Protestant Episcopal Church
- [http://www.recus.org Reformed Episcopal Church]
- Southern Episcopal Church
- [http://www.rekd.de Reformierte Episkopalkirche in Deutschland]
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ja:聖公会
Methodisten
Die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) ist der deutsche Zweig der internationalen United Methodist Church (UMC), einer christlichen Kirche in der Tradition der Reformation.
Allgemeiner Überblick
Die Evangelisch-methodistische Kirche (United Methodist Church) ist eines von 74 Mitgliedern im Weltrat Methodistischer Kirchen (World Methodist Council). Dieser Weltrat umfasst verschiedene und jeweils eigenständige methodistische Kirchen weltweit, welche in der Tradition der Reformation im 18. Jahrhundert aus der anglikanischen Kirche hervorgegangen sind. Angehörige der Evangelisch-methodistischen Kirche werden als Methodisten bezeichnet, ihre Lehre als methodistische Lehre – die Bezeichnung Methodismus schätzen die Methodisten weniger, da ismen gewöhnlich als Abgrenzung verstanden werden und Abgrenzung für Methodisten gerade nicht ein Wesenszug ihrer Kirche ist.
Verbreitung
In Deutschland gibt es etwa 63.000 Methodisten in 568 Gemeinden, in der Schweiz etwa 13.000. Stark vertreten ist die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland vor allem im Raum Stuttgart sowie im Erzgebirge und Sächsischen Vogtland.
Geschichte
Sächsischen Vogtland
Die Wurzeln des Methodismus liegen im England des 18. Jahrhunderts. Eine religiöse Studentengruppe fiel in Oxford durch eine allzu systematische Zeiteinteilung und Lebenseinstellung auf. Die Studenten dieses "heiligen Clubs" wurden deshalb spöttisch als "Methodisten" bezeichnet.
Die Brüder John und Charles Wesley und George Whitefield begründeten zwischen 1729 und 1735 nach einer persönlichen Bekehrung eine enthusiastische Erweckungsbewegung innerhalb der anglikanischen Kirche, die Einflüsse des Puritanismus, Pietismus und der Herrnhuter Brüdergemeine aufnahm.
Nicht das erstarrte kirchliche Ritual der anglikanischen Kirche oder frommes Leben und gute Taten machten nach Ansicht der Methodisten den wahren christlichen Glauben aus, sondern bewusste innere Umkehr (Buße) und Wiedergeburt aufgrund der Rechtfertigung durch Jesus Christus, durch die eine persönliche Heilsgewissheit entsteht. Durch die Beziehung zu Jesus Christus muss der Mensch nicht ein der Sünde verhaftetes Wesen bleiben. Heiligung ist für die Methodisten kein erreichter Zustand sondern ein Ziel, verstanden als ein fortgesetztes Wachstum in der Liebe zu Gott und den Mitmenschen (für die Methodisten gibt es das eine nicht ohne das andere). Evangelisation ist ebenso wie Diakonie eine natürliche Folge dieser wachsenden Liebe, und beides gehörte und gehört für die Methodisten untrennbar zusammen.
Die frühen Methodisten zogen als Wanderprediger durch ganz Großbritannien und später auch durch die amerikanischen Kolonien mit dem Ziel, durch begeisternde Erweckungspredigten die Menschen, vor allem einfachere Bevölkerungsschichten, die von der anglikanischen Kirche vernachlässigt wurden, zum Glauben zu bekehren und zu einem geheiligten christlichen Leben zu führen. Wegen ihres ungewöhnlichen, unkonventionellen Auftretens und ihres leidenschaftlichen missionarischen Eifers wurden sie vielfach zur Zielscheibe des Spotts und mussten sich einer harschen Kritik der offiziellen Kirche stellen. 1788 gab es in England ca. 75.000 Methodisten.
Wesentliche Merkmale der frühen Methodisten waren ein persönlicher, engagierter Glaube, das Laienpredigertum, die Organisation in kleinen lokalen Gruppen (Klassen) mit Bibelstudium und strenger gegenseitiger Rechenschaftspflicht, das Ideal eines heiligen christlichen Lebens und die Sozialarbeit. John Wesley z.B. war Prediger, der Armenapotheken und Darlehenskassen gründete, Bücher über Volksmedizin schrieb und sich für Gefängnisreformen und gegen die Sklaverei engagierte.
Im 19. Jahrhundert waren die Methodisten zur größten Religionsgemeinschaft in den USA geworden. In dieser Zeit entwickelte sich in den USA auch ein deutschsprachiger Zweig der Methodisten, die Evangelische Gemeinschaft (Evangelical United Brethren Church).
Auf dem europäischen Kontinent fasste der Methodismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Fuß, in erster Linie durch zurückkehrende Auswanderer, die in Amerika Methodisten geworden waren, aber parallel dazu auch durch Missionare der englischsprachigen Methodisten aus England und den USA, so dass sich der kontinentale Methodismus aus drei methodistischen Zweigen entwickelte, die sich schließlich zur Evangelisch-methodistischen Kirche vereinigten.
Besonderheiten der Evangelisch-methodistischen Kirche
- Die methodistische Kirche hat sich, im Gegensatz zu den meisten anderen Kirchen, nie wegen einer Lehrdifferenz von einer anderen Kirche abgespaltet – die Entstehung von unterschiedlichen methodistischen Kirchen war durch politische Verhältnisse, sprachliche oder kulturelle Unterschiede bedingt.
- Die Evangelisch-methodistische Kirche besteht nicht aus einzelnen Gemeinden, sondern sie ist weltweit verbunden durch ein Netz (regionale Konferenzen, weltweite Generalkonferenz), deren Beschlüsse für die Kirche verbindlich sind.
- Kindertaufe ist die Regel, führt aber nicht zur automatischen Mitgliedschaft: Methodist ist nur, wer sich als Erwachsener bewusst dafür entscheidet, der methodistischen Kirche beizutreten und aktiv am Gemeindeleben teilzunehmen (es gibt in jeder methodistischen Kirche auch mehr oder weniger zahlreiche Gäste, die keine offiziellen Mitglieder sind, aber ebenfalls am Gemeindeleben teilnehmen).
- Die Laien (ehren- oder hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter) haben bei den Methodisten einen großen Stellenwert, sowohl in der Gemeinde selbst, wo sie auch Predigt und Führungsaufgaben übernehmen können, als auch bei der Willensbildung in den Konferenzen auf allen Ebenen.
- Die Evangelisch-methodistische Kirche ist eine Kirche, die sich bewusst in der Öffentlichkeit engagiert und für Christen anderer Konfessionen offen ist. Zur Abendmahlsfeier sind nicht nur Bekehrte, Glaubende oder Mitglieder der eigenen Kirche zugelassen, sondern jeder, der Gottes Vergebung sucht und das aufrichtige Verlangen hat, an der Tischgemeinschaft Jesu Christi teilzunehmen, auch noch nicht eingesegnete Personen (Einsegnung = vergleichbar der evang. Konfirmation), nicht Getaufte und Angehörige anderer Konfessionen.
- Gemeinschaft und soziale Tätigkeit sind für Methodisten ein wesentlicher Bestandteil des christlichen Lebens.
Soziales Bekenntnis der Evangelisch-methodistischen Kirche
:Wir glauben an Gott, den Schöpfer der Welt, und an Jesus Christus, den Erlöser alles Erschaffenen, und an den Heiligen Geist, durch den wir Gottes Gaben erkennen.
:Wir bekennen, diese Gaben oft missbraucht zu haben und bereuen unsere Schuld.
:Wir bezeugen, dass die natürliche Welt Gottes Schöpfungswerk ist. Wir wollen sie schützen, und verantwortungsvoll nutzen.
:Wir nehmen dankbar die Möglichkeiten menschlicher Gemeinschaft an. Wir setzen uns ein für das Recht jedes Einzelnen auf sinnvolle Entfaltung in der Gesellschaft.
:Wir stehen ein für das Recht und die Pflicht aller Menschen, zum Wohl des Einzelnen und der Gemeinschaft beizutragen.
:Wir stehen ein für die Überwindung von Ungerechtigkeit und Not.
:Wir verpflichten uns zur Mitarbeit am weltweiten Frieden und treten ein für Recht und Gerechtigkeit unter den Nationen.
:Wir sind bereit, mit den Benachteiligten unsere Lebensmöglichkeiten zu teilen. Wir sehen darin eine Antwort auf Gottes Liebe.
:Wir anerkennen Gottes Wort als Maßstab in allen menschlichen Belangen jetzt und in der Zukunft.
:Wir glauben an den gegenwärtigen und endgültigen Sieg Gottes. Wir nehmen seinen Auftrag an, das Evangelium in unserer Welt zu leben.
Organisation
Die Evangelisch-methodistische Kirche ist lokal und weltweit stark vernetzt (Konnexionalismus), im Gegensatz zu anderen Freikirchen, die die Selbständigkeit der Gemeinden betonen (Kongregationalismus).
Die Pastorinnen/Pastoren (in der Schweiz Pfarrerinnen/Pfarrer) sind nicht von der Gemeinde, sondern von der übergeordneten Konferenz angestellt und wechseln alle paar Jahre zu einer anderen Gemeinde. Im deutschsprachigen Raum erfolgt ihre Ausbildung in der Regel im Theologischen Seminar Reutlingen. Als Freikirche verzichtet die Evangelisch-methodistische Kirche auf den Einzug von Kirchensteuern; sie finanziert sich allein durch freiwillige Beiträge ihrer Mitglieder.
Ein weiteres Kennzeichen der Methodisten sind die Konferenzen, paritätisch aus Pastorinnen/Pastoren und Laien zusammengesetzte Gremien, die über Glaubens- und Verwaltungsfragen bis hin zur Kirchenordnung der Gesamtkirche entscheiden. Es gibt Konferenzen auf lokaler, regionaler und gesamtkirchlicher Ebene. In Europa gibt es drei Zentralkonferenzen, die jeweils die unter der Leitung eines Bischofs stehen:
- Europa
- Deutschland, amtierende Bischöfin ist Rosemarie Wenner
- Norddeutsche Jährliche Konferenz mit den Distrikten Berlin, Essen und Hamburg (Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern sowie teilweise Hessen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Thüringen)
- Ostdeutsche Jährliche Konferenz mit den Distrikten Dresden und Zwickau (Sachsen sowie teilweise Sachsen-Anhalt und Thüringen)
- Süddeutsche Jährliche Konferenz mit den Distrikten Nürnberg, Reutlingen, Stuttgart, Frankfurt/Main und Karlsruhe (Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz, Saarland sowie teilweise Hessen und Nordrhein-Westfalen)
- Nordeuropa, amtierender Bischof ist Øystein Olsen
- Estland
- Finnland
- Lettland
- Litauen
- Norwegen
- Schweden
- Mittel- und Südeuropa, amtierender Bischof ist Heinrich Bolleter (ab 2006 Patrick Streiff), bestehend aus den Ländern
- Algerien
- Bosnien und Herzegowina
- Bulgarien
- Frankreich
- Serbien und Montenegro
- Kroatien
- Mazedonien
- Österreich
- Polen
- Schweiz
- Slowakei
- Tschechien
- Tunesien
- Ungarn
- Eurasien, amtierender Bischof ist Hans Växby
- Russland
- Ukraine
- Weißrussland
Diakonie und Soziales
Die Diakonie gehört zur Wesens- und Lebensäußerung der Kirche. Unter dem Dach der Evangelisch-methodistischen Kirche gibt es in Deutschland eine Reihe von diakonischen Einrichtungen, welche im Verband der Evangelisch-methodistischen Diakoniewerke (EmD) organisiert sind.
Zu diesen Diakoniewerken gehören:
- 13 Krankenhäuser
- Altenwohnungen
- 11 Seniorenzentren mit Pflegeheimen
- 3 Krankenpflegeschulen
- 2 Kindertagesstätten
- 2 Ferienheime
- 3 Diakonie-Sozialstationen
Zudem gibt es weitere Schwerpunkte, wie die Suchtkrankenhilfe und die Arbeit mehrere Sozialwerke. Unterschiedlichste Einrichtungen sind so auch auf diese Weise in der Evangelisch-methodistischen Kirche Deutschlands beheimatet: Altenheime und Seniorenzentren, Einrichtungen für die Rehabilitation und Suchtkrankenhilfe, Kurbetriebe sowie Erholungs- und Freizeitstätten.
Berühmte Methodisten
- John Wesley, (1703-1791), Gründer der Methodistenkirche
- William Booth, (1829-1912), englischer Methodistenpastor der später die Heilsarmee gründete.
- Thomas Ball Barratt, (1862-1940), norwegischer Methodistenpastor der eine der führenden Gestalten in der Pfingstbewegung wurde.
- Arthur Henderson, (1863-1935), britischer Gewerkschaftsführer und Politiker, Außenminister und Nobelpreisträger.
- Philip Snowden, (1864-1937), britischer Politiker, Finanzminister
- John Raleigh Mott, (1865-1955), einer der Väter der Ökumenischen Bewegung, Nobelpreisträger
- Nelson Mandela, (1918- ), Ex-Präsident von Südafrika
- Abel Muzorewa, (1925- ), Bischof, Premierminister in Zimbabwe beim Übergang zur Mehrheitsregierung 1979
- George W. Bush, (1946- ), Präsident der USA
- Dr. Samuel Kobia, (1947- ), Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen
- Hillary Clinton, (1947- ), US-Senatorin
- Boris Trajkovski, (1956-2004), Präsident von Makedonien
Siehe auch
- Portal:Freikirchen
- Freikirchen in Ostfriesland
- Portal:Religion
Literatur
- Rupert E. Davies: Methodism. 2. Auflage, London: Epworth, 1990.
- Martin Schmidt: John Wesley. 2 Bände, Zürich und Frankfurt/M. 1953-1966
- Karl Steckel und Ernst Sommer: Geschichte der Evangelisch-methodistischen Kirche, Stuttgart, 1982
Weblinks
- http://www.umc.org Evangelisch-methodistische Kirche (United Methodist Church) weltweit
- http://www.emk.de Evangelisch-methodistische Kirche Deutschland – enthält einen ausführlichen Teil über Geschichte und Theologie
- http://www.umc-europe.org Evangelisch-methodistische Kirche Schweiz/Frankreich
- http://www.emk.at Evangelisch-methodistische Kirche Österreich
- http://www.emkweltmission.de Weltmission der Evangelisch-methodistischen Kirche
- http://www.theologisches-seminar.de Theologisches Seminar der Evangelisch-methodistischen Kirche in Reutlingen
- http://www.worldmethodistcouncil.org Weltrat Methodistischer Kirchen
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Kategorie:Körperschaft des öffentlichen Rechts (kirchenrechtlich)
ja:メソジスト
ko:감리교
JudenAls Juden bezeichnet man die Angehörigen des jüdischen Volks bzw. der jüdischen Religion. Dabei ist jedoch der Begriff "jüdisches Volk" nicht als Nationalität anzusehen; vielmehr sehen sich die Juden nicht nur als Angehörige einer Glaubensgemeinschaft, sondern als das Volk in dem Sinne, dass sie sich mehrheitlich als Nachkommen ihres Stammvaters Ja'akob verstehen.
Im historischen Sinne bezeichnet der Begriff nur die Angehörigen des Stammes Juda, einer der zwölf Stämme Israels. Das deutsche Wort "Jude" kommt vom hebräischen j'hudi, was soviel wie "Bewohner des Landes Juda" bedeutet.
Aufgrund der Verwobenheit vom jüdischen Volk und Glauben sowie jüdischer Tradition und Geschichte greifen rein zivilisatorische, ethnische oder religiöse Ansatzpunkte zu kurz, um den Begriff genau zu umschreiben. Im Folgenden werden die heute am häufigsten benutzten Definitionen der Zugehörigkeit zum Judentum kurz aufgezeigt.
Entstehung des Judentums
Als Urvater der Juden gilt Abraham, der wahrscheinlich um 1800 v. Chr gelebt hat. Er war wohl der Führer eines westsemitischen Nomadenstammes, der irgendwo zwischen dem Mittelmeer und Mesopotamien lebte. Als Stifter der jüdischen Religion (man nannte sie bis ins ca. 5. Jahrhundert v. Chr „israelitische Religion“) gilt Moses (daher auch "mosaische Religion"). Um 1200 v. Chr. wurden die heutigen Grundaussagen festgelegt. Als eigentlicher Begründer des heutigen Judentums gilt Esra (um 6./5. Jahrhundert v. Chr.).
Begriff in der jüdischen Tradition
Innerhalb der Halacha, den jüdischen Gesetzen und Traditionen, gilt jeder Mensch als Jude, der eine jüdische Mutter hat, unabhängig davon, ob oder wie sehr er die jüdischen Glaubensvorschriften befolgt oder nicht. Dabei ist es Bedingung, dass die Mutter bei der Empfängnis Jüdin nach der Halacha sein muß. Wenn also eine nichtjüdische Frau vor der Geburt des Kindes zum Judentum konvertiert ist, sind die Kinder Juden. Wenn aber eine als Jüdin geborene Frau vor der Geburt der Kinder zu einer anderen Religion konvertiert oder konfessionslos wird, sind die Kinder keine Juden. Außerdem gilt als Jude, wer formell die Konversion zum Judentum (Gijur genannt) vollzogen hat. Einfacher Glaube an die jüdische Religion reicht nicht aus.
Das Prinzip der Halacha wird im Talmud auf die Tora zurückgeführt, weswegen man davon ausgehen kann, dass es schon seit Entstehung des Judentums seine Gültigkeit hat. Dadurch entwickelte sich eine Kultur, die über lange Zeit stabil blieb und den Juden eine eigene Identität bewahrte, obwohl sie über fast zwei Jahrtausende hinweg keinen eigenen Staat, vor allem kein eigenes Staatsgebiet hatten. Ihre Heimat war und ist der ewige Bund Gottes mit Abraham und das an Moses und die anderen Propheten verkündete ewige Gesetz Gottes. Eine gleiche Phase der Diaspora (Zerstreuung) hatte das Volk Israel bereits in der babylonischen Verbannung überstanden. Heimgekehrt nach Jerusalem, begrenzten die Kinder Israels ihre völkische Einheit erneut auf die leiblichen Nachfahren Abrahams, Isaaks und Jakobs (Israels). Damals erreichte der Prophet Esra, dass Juden, die sich mit nichtjüdischen Frauen verbunden hatten, diese und die mit ihnen gezeugten Mischlingskinder verstoßen mussten.
Neubewertungen
Mit dem Aufkommen der Aufklärung kam es auch innerhalb des Judentums zur Diskussion über den Sinn mancher Gesetze der Tora. So genannte Reformjuden oder liberale Juden begannen, ältere Bräuche, unter anderem auch die Frage, wer Jude ist und wer nicht, in Frage zu stellen. So kam es - vor allem in West- und Mitteleuropa, wo die Assimilationsbestrebungen weitaus stärker waren als im Osten - zu einer allmählichen Lockerung der bislang so engen Definition von "Jude". Die meisten modernen jüdischen Gemeinden - z.B. in den USA oder Großbritannien - vertreten heute eine andere, weniger strenge Fassung des Begriffs "Jude".
Im Reformjudentum in den USA und im liberalen Judentum Großbritanniens wird eine einfachere Konversion akzeptiert und es werden auch Kinder eines jüdischen Vaters und einer nichtjüdischen Mutter als Juden angesehen, wenn diese Kinder jüdisch erzogen wurden. Diese Abweichung von der traditionellen Sichtweise hat zu Spannungen mit traditionellen (konservativen, orthodoxen) Juden geführt.
Im Staat Israel
Das Parlament des Staates Israel, die Knesset, hat in einer ersten Fassung des Heimkehrgesetzes 1950 zwar bestimmt: "Jeder Jude ist berechtigt, in das Land einzuwandern." Damit war aber nicht geregelt, wer als Jude gelten darf. Behördliche und gerichtliche Auseinandersetzungen zwangen die Knesset im Jahre 1970 jedoch dazu, des Heimkehrgesetz (die so genannte "Law of Return"), neu zu formulieren. Als Jude gilt seither in Israel derjenige, dessen Mutter oder Großmutter, Urgroßmutter oder Ururgroßmutter (jeweils mütterlicherseits) religiöse Jüdinnen waren, oder der, der nach den orthodoxen religiösen Regeln zum Judentum konvertiert ist. Diese Definition folgt der des Talmud, fügt aber das Ausschlussmerkmal "nicht einer anderen Religion angehörend" hinzu. Jude ist nach offiziellem israelischem Verständnis keine Bezeichnung einer Nationalität, weil alle Juden der Welt unabhängig von ihrer Staatsbürgerschaft zum jüdischen Volk gehörten. Israel ist nach zionistischem Verständnis der "Staat des jüdischen Volkes".
Literatur
- Landmann, Salcia: Wer sind die Juden?. München, 1982, ISBN 3-423-00913-6
- Eisak Schlomer / Peter Guttkuhn: Liebes, altes, jüd'sches Moisling. 3. Aufl. Lübeck 1988
Weblinks
- [http://www.juden.de/ Juden in Deutschland]
- [http://www.schechina.org/ Die Lehren der Juden]
- [http://www.jewish-forum.de/ jüdisches Diskussionsforum]
- [http://www.synagoge.de/ jüdische Gemeinden in Deutschland]
- [http://www.chabad.de/ Chabad Deutschland]
- [http://www.talmud.de/ jüdisches Leben in Deutschland]
- [http://www.hagalil.com/ Jüdisches Internetportal]
- [http://www.judentum-projekt.de/ Jüdische Geschichte und Kultur]
- [http://www.liberale-juden.de/ Progressives Judentum in Deutschland, Österreich und der Schweiz]
- [http://www.chotzen.de/ Jüdisches Leben in Deutschland 1914-2005, Website der Bundeszentrale für politische Bildung und des Deutschen Historischen Museums (dt.&engl.)]
Siehe auch
- Portal:Judentum
- Judenfeindlichkeit
- Zionismus
- Holocaust
- Nürnberger Gesetze
- Religion während des Nationalsozialismus
Kategorie:Judentum
Kategorie:Ethnie
ja:ユダヤ人
ko:유대인
simple:Jew
th:ยิว
Muslime
Ein Muslim (arabisch مسلم muslim, „der sich Unterwerfende“ oder „sich Hingebende“), auch Moslem (aus dem Persischen), ist ein Anhänger des Islam. Die Mehrzahl ist Muslime (arab. muslimun) beziehungsweise Moslems. Eine Anhängerin des Islam wird als Muslimin (Mehrzahl Musliminnen) oder auch Muslima (entsprechend arab. مسلمة, Mehrzahl مسلمات muslimat) bezeichnet. Das Adjektiv muslimisch bezieht sich immer auf Personen(gruppen), sonst heißt es islamisch – z.B. islamisches Fest.
Ein Muslim muss nach islamischem Selbstverständnis ein Monotheist sein und Mohammed als letzten und entscheidenden Propheten anerkennen. Die von Mohammed überbrachte Offenbarung ist im Koran aufgezeichnet um sie für ewig den Menschen zu erhalten, da Mohammed ein Mensch und damit sterblich war. Ein Muslim glaubt daran, dass Mohammed der Koran (nach islamischer Sicht das unmittelbare Wort Gottes) durch den Erzengel Gabriel übermittelt wurde.
Die Sufis unterscheiden zusätzlich zwischen einem Muslim und einem Gläubigen. Nach ihrer Auffassung unterwirft sich ein Muslim lediglich den Geboten Gottes äußerlich, ein Gläubiger glaubt jedoch auch unerschütterlich daran und ist sich dessen bewußt, daß er ununterbrochen "vor seinem Schöpfer steht". Laut den Sufis gibt es viele Muslime, die keine Gläubigen sind, aber auch Gläubige, die keine Muslime sind.
Die Bezeichnung „Mohammedaner“ wird von vielen Muslimen abgelehnt, da sie den Eindruck erweckt, Mohammed stünde vor Gott im Zentrum des islamischen Glaubens. Im Persischen ist mohammadi jedoch durchaus gebräuchlich.
Das früher weitverbreitete Wort Muselman oder Muselmane (mit einem „n“, wohl aus der persischen Form musalmân entlehnt), verballhornt sogar „Muselmann“ und „Muselmännin“, ist heute selten geworden, in der verballhornten Form ist es im Deutschen heute ein abfälliger Begriff. Peter Scholl-Latour gebraucht das Wort „Muselmane“ jedoch öfter. Da im Deutschen der Begriff „Muselmane“ teilweise abfällig benutzt wird oder wurde, hat dieser Terminus eine negative Konnotation erhalten und wird aus diesem Grund von Muslimen abgelehnt. Der Begriff Mohammedaner wird auch von vielen als "politisch unkorrekt" gesehen. In einigen überwiegend von Muslimen gesprochenen Sprachen heißt Muslim jedoch ähnlich wie Muselman, z.B. Türkisch müslüman oder im Bosnischen musliman. Sowohl im Französischen und im Spanischen hat das Wort musulman keinerlei negativen Beigeschmack.
Wer ist Muslim
Einigen Religionsgemeinschaften, deren Mitglieder sich selbst als Muslime sehen, wird von anderen Muslimen die Anerkennung als Muslim versagt. Dies trifft vor allem auf die Ahmadiyya zu. Aber auch auch anderen Gemeinschaften wird von konservativer-sunnitischer, besonders wahhabitischer-hanbalitischer Seite die Anerkennung als Muslim verweigert. Dies trifft auf Aleviten und Schiiten imamitischer und ismailitischer Richtung zu, deren Wertschätzung Alis als Schirk (Polytheismus) gewertet wird. Zaiditischen Schiiten und den Ibaditen wird gemeinhin zugestanden, dass sie Muslime sind, auch wenn sie nicht immer geschätzt werden. Die Ibaditen sehen sich als die einzigen wahren Muslime an, was aber zu keinerlei negativen Konsequenzen für andere Muslime führt. Auch die Wahhabiten sehen sich als die einzig wahren Muslime an und haben in der Vergangenheit andere Muslime auch blutig verfolgt.
Neben ganzen Religionsgemeinschaften wird aber auch, vor allem von fundamentalistischer Seite, einzelnen Personen abgesprochen, dass sie Muslime sind, was als Takfir bezeichnet wird. Kriterium ist dabei traditionellerweise, ob derjenige das fünfmal tägliche Ritualgebet Salat verrichtet. Auch wer gegen die Anwendung der Scharia ist, wird von bestimmten Fundamentalisten zum Nichtmuslim erklärt und im Extremfall deswegen nach der Lehre Ibn Taimiyyas ermordet, wie etwa Sadat. Dschihadisten sehen sogar jeden, der nicht am bewaffneten Dschihad teilmehmen will als Murtadd (vom Islam abgefallenen) an. Diese Sichtweise wird insofern vom Koran gestützt, als darin die Munafiqun, die "Heuchler", deren wichtigstes Kennzeichen ihr Unwille zum militärischen Kampf für dem Islam ist, an vielen Stellen aufs heftigste verurteilt und als schlimmer als alle Ungläubigen bezeichnet werden.
Nach muslimischer Auffassung ist jeder Mensch, der einen muslimischen Vater hat oder der zum Islam übergetreten ist Muslim. Rein theoretisch ist aus islamischer Sicht die "natürliche" Religion aller Menschen der Islam, was aber in der Praxis keinerlei Auswirkungen hat. Aus Sicht des muslimischen Rechts (Fiqh) ist es einem Muslimen nicht möglich zu einer anderen Religion zu konvertieren, er kann lediglich vom Islam abfallen (Ridda), was jedoch nach islamischen Recht nicht toleriert wird und auch in der Praxis kaum geduldet wird. Eine Ausnahme findet man beispielsweise bei einigen wenigen Anhängern des Sufismus (islamische Mystik), die sich neben den äußeren auch auf die inneren Aspekte des Islam konzentrieren. Jedoch haben auch in der Vergangenheit vereinzelte Sufiorden andere Muslime, die sie für nicht rechtgläubg hielten, militärisch bekämpft; siehe dazu auch Dschihad der Fulbe, Dschihad von al-Haddsch Omar.
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Indigene VölkerIndigene Völker ist eine relativ junge Lehnübersetzung, wahrscheinlich vom spanischen Pueblos indígenas und bezeichnet Gemeinschaften von Ureinwohnern einer Region oder eines Landes. Der Ausdruck "Indigene Völker" hat in Lateinamerika als Sammelbezeichnung für alle Nachkommen der vorkolumbianischen Bevölkerung die auf Kolumbus' Verwechslung mit Indien beruhenden Begriffe Indios/Indianer ersetzt.
In internationalen politischen Kontexten ist "Indigene Völker"/"Indigenous Peoples"/"Pueblos Indígenas" die übliche Sammelbezeichnung für Ureinwohnervölker aller Kontinente, während im nationalen Rahmen oft andere Sammelbegriffe verwendet werden (z.B. Aborigines, Native Americans, First Nations, Adivasi).
Definition
Die heute meistgebrauchte Definition dieses Begriffs geht auf UN-Sonderberichterstatter José Martínez-Cobo zurück, der diesen 1986 in seiner grundlegenden Studie über Diskriminierung gegen Indigene Völker (UN-Dokument Nr. E/CN.4/Sub.2/1986/87) an vier Kriterien knüpfte. Der hier gewählte Wortlaut weicht leicht von der Cobo-Definition ab und orientiert sich an der weiter präzisierten Fassung von Erika-Irene Daes, der langjährigen Vorsitzenden der WGIP.
(Siehe:
Working Paper by the Chairperson-Rapporteur, Mrs. Erica-Irene A. Daes, on the concept of indigenous people[http://www.unhchr.ch/Huridocda/Huridoca.nsf/(Symbol)/E.CN.4.Sub.2.AC.4.1996.2.En?Opendocument]):
- Zeitliche Priorität in Bezug auf die Nutzung oder Besiedlung eines bestimmten Territoriums: Indigene Völker sind relativ die "ersten" Bewohner eines Gebiets.
- Die freiwillige Bewahrung kultureller Besonderheit (voluntary perpetuation of cultural distinctiveness), die die Bereiche Sprache, Gesellschaftsorganisation, Religion und spirituelle Werte, Produktionsweisen und Institutionen betreffen kann: Indigene Völker sind kulturell deutlich von der dominierenden Gesellschaft unterschieden.
- Selbstidentifikation und Anerkennung durch andere als eine distinkte Gemeinschaft: Die Betroffenen müssen selbst mehrheitlich der Ansicht sein, dass sie einer distinkten Gruppe (einem Volk) angehören und dass dieses als "indigen" anzusehen ist. Gleichzeitig muss diese Ansicht von anderen, etwa von Angehörigen anderer indigener Völker in nennenswertem Umfang geteilt werden.
- Eine Erfahrung von Unterdrückung, Marginalisierung, Enteignung, Ausschluss oder/und Diskriminierung, wobei diese Bedingungen fortbestehen oder nicht: Der Grad der heute fortbestehenden Unterdrückung kann höchst unterschiedlich sein - von struktureller Benachteilung bei Aufstiegsmöglichkeiten bis hin zu Zwangsvertreibung und Ausrottung. Als Gruppe erfahrene Unterdrückung ist in jedem Fall konstitutiv für das politische Selbstverständnis indigener Völker.
Diese vier Kriterien müssen nicht immer in gleicher Weise zutreffen, sondern es handelt sich hierbei um eine Arbeitsdefinition, die die Mehrzahl der Fälle angemessen beschreibt. Ein exklusive, "harte" Definition des Begriffs "Indigene Völker" kann und soll es nach Ansicht ihrer Vertreter, die aber auch von der UNO-Arbeitsgruppe über indigene Bevölkerungen geteilt wird, nicht geben. (Siehe: Working Paper by the Chairperson-Rapporteur, Mrs. Erica-Irene A. Daes, on the concept of "indigenous people"[http://www.unhchr.ch/Huridocda/Huridoca.nsf/(Symbol)/E.CN.4.Sub.2.AC.4.1996.2.En?Opendocument])
Es kann immer Fälle geben, in denen das Konzept "indigen" Anwendung findet, obwohl einzelne Kriterien nicht bzw. nicht mehr zutreffen. So kann die Selbstidentifikation als "indigen" fortdauern, auch wenn die erlittene Marginalisierung bereits (weitestgehend) überwunden ist, so etwa bei den Inuit Grönlands.
Ein zentrales Element der Unterscheidung indigener Gemeinschaften von der nicht-indigenen Mehrheitsgesellschaft ist oftmals die besonders enge Bindung indigener Kulturen an ihr jeweiliges Territorium sowie die besonders enge Beziehung zu diesem, die zumeist auch spirituelle Dimension besitzt. (Siehe auch Indigenous Peoples and their Relationship to Land[http://www.unhchr.ch/Huridocda/Huridoca.nsf/(Symbol)/E.CN.4.Sub.2.2001.21.En?Opendocument], Arbeitspapier von Erika-Irene Daes, der früheren Vorsitzenden der WGIP.)
Zentral zum Verständnis des Begriffs ist der Aspekt des Kollektivs. Indigene Völker existieren als Gesellschaften, nicht als bloße Ansammlung von Individuen. Somit sind die Forderungen nach indigenen Rechten überwiegend Forderungen nach Kollektivrechten.
Unterscheidung zu anderen Begriffen
Eingeborene
Die deutsche Übersetzung des Begriffs "indigen" lautet eingeboren. Wegen des kolonialen bzw. romantisierenden Beiklangs ist dieser Begriff jedoch belastet. (Eine weitere, bislang im Deutschen nicht eingebürgerte Variante der Übersetzung wäre "einheimisch", vgl. niederländ. Inheemse Volken.)
Naturvölker
Der romantisierende Begriff Naturvolk wird im Deutschen oft synonym mit "Indigene Völker" verwandt. Dieser Begriff kennt keine englische Entsprechung und spielt daher international keine Rolle.
Während indigen eine politische Kategorie ist, rekurriert Naturvolk auf das romantische Ideal des Edlen Wilden, der in vollkommener Harmonie mit der Natur lebe. Dabei wird übersehen, dass auch "naturverbundene" menschliche Gemeinschaften stets auch Kultur hervorbringen. So sind beispielsweise auch die tropischen Regenwälder und die Tundren des russischen Nordens Kulturlandschaften, die durch indigene Völker geprägt wurden und werden.
"Indigene Völker" bezieht sich zentral auf den Umstand der Diskriminierung und fordert die Realisierung und Respektierung von Menschenrechten ein. Für Anhänger des "Naturvolk"-Begriffs (im deutschsprachigen Raum etwa der Verein Freunde der Naturvölker e.V.[http://naturvoelker.org]) stehen dagegen Menschenrechte nicht im Vordergrund, sondern sie streben die Konservierung einer vermeintlich oder tatsächlich naturnahen, nicht-technisierten Lebensweise an, was die Gefahr des Paternalismus birgt. Wenn sie nach technischen Errungenschaften oder europäischer Bildung streben, begehen "Naturvölker" nach dieser Überzeugung Verrat an sich selbst.
Dagegen impliziert das Konzept "indigene Völker" zuallererst das Recht der Betroffenen, selbst über die eigene Entwicklung zu bestimmen, unabhängig davon, ob das Resultat dem Klischee vom Edlen Wilden entspricht, oder nicht.
Nationale Minderheiten/Volksgruppen
Vertreter indigener Völker legen großen Wert auf die Unterscheidung zwischen nationalen Minderheiten bzw. Volksgruppen und "indigenen Völkern". Zu den wichtigsten Unterscheidungsmerkmalen gehören die spezifische Bindung indigener Völker an ihre jeweiligen Territorien, der Umstand der politischen und ökonomischen Marginalisierung, sowie der größere kulturelle und soziale Abstand zur jeweiligen Mehrheitsgesellschaft.
Eindeutig um nationale Minderheiten handelt es sich bei Angehörigen einer Ethnie, die in einem anderen Staat die Titularnation stellt, also etwa Ungarn in Rumänien, Dänen in Schleswig-Holstein, Serben in Kroatien oder Polen in Litauen.
Gleichzeitig werden aber auch Bevölkerungsgruppen ohne ein solches "Mutterland" oft als "nationale Minderheiten" und keineswegs als "indigene Völker" eingestuft, so etwa Bretonen in Frankreich oder Sorben und Friesen in Deutschland.
Im letzteren Fall hängt die Unterscheidung zwischen Minderheit und indigenem Volk wesentlich von ökonomischen und kulturellen Faktoren sowie insbesondere von der Selbsteinschätzung der Betroffenen ab. So haben Vertreter der Sorben eine Selbstidentifikation als "indigen" stets abgelehnt.
Stammesvölker
Der Terminus Stammesvölker wird von der britischen Organisation Cultural Survival bevorzugt und ist in der Praxis zumeist deckungsgleich mit "indigene Völker". Der letztere Terminus hat jedoch den Vorteil, genauer und umfassender definiert und nicht an eine bestimmte Form der Sozialorganisation gebunden zu sein.
Autochthone Völker
Der Begriff "Autochthonen Völker" ist ein Synonym zu "indigene Völker", das v.a. im Französischen häufiger verwendet wird ("peuples autochtones").
Konfliktfelder
Land- und Ressourcenkonflikte
Da viele indigene Völker in enorm ressourcenreichen Gebieten der Erde leben, sind Konflikte, v.a. um Landnutzung und -rechte, ein generelles Problem dieser Völker. Ein Großteil der Uran-, Erdöl-, Gold- und Kohleförderung der Erde findet in den Gebieten indigener Völker statt. Ähnliches gilt für einen großen Teil der Atomtests der letzten Jahrzehnte, für Atommüllendlager und Großstaudämme. Dabei ziehen die Aktivitäten transnationaler Konzerne oftmals Militarisierung, Gewalt und bewaffnete Konflikte nach sich, so etwa auf der zu Papua-Neuguinea gehörenden Insel Bougainville, bei der ein Bürgerkrieg um eine Kupfermine des Konzerns Rio Tinto etwa 10 000 Menschen das Leben kostete.
Für eine allgemeine Analyse siehe auch das Arbeitspapier Indigenous Peoples and Conflict Resolution[http://www.ohchr.org/english/issues/indigenous/docs/wgip22/2.pdf ] von Miguel Alfonso Martínez, dem gegenwärtigen Vorsitzenden der UNWGIP
Der Streit um das kleine 's'
Der "Streit ums kleine 's'", also die Frage, ob es indigenous peoples (Völker) oder nur indigenous people (Menschen) gibt, gehört zu den bis heute am heftigsten umkämpften Fragen.
Aus diesem Grund heißt die zuständige UNO-Arbeitsgruppe bis heute Working Group on Indigenous Populations (UNWGIP) und nicht "Working Group on Indigenous Peoples". Ebenso heißt das von der UNO ausgerufene Jahrzehnt der Indigenen Völker offiziell "Decade of the World's Indigenous People" und ein neu eingerichtes UN-Gremium in New York, das ursprünglich den Namen "Permanent Forum on Indigenous Peoples" erhalten sollte, wurde letztendlich unter dem Namen "Permanent Forum on Indigenous Issues" (Ständiges Forum über indigene Angelegenheiten) begründet.
Der ernsthafte Hintergrund dieses Streits ist, dass das Völkerrecht mit dem Begriff Volk weitreichende spezifische Rechte verbindet, zuallererst das Recht auf Selbstbestimmung, was die freie Verfügung über Land und Ressourcen einschließt. Da indigene Völker häufig in der ressourcenreichen Regionen leben, fürchten zahlreiche Regierungen, im Falle einer Anerkennung dieses Rechts, die Kontrolle über diese Bodenschätze zu verlieren. Weiterhin besteht in Ländern, wo gewaltsame Konflikte zwischen Regierungen und indigenen Völkern stattfinden, mitunter die Befürchtung einer Sezession der letzteren.
Historisch gibt es jedoch zahlreiche Beispiele dafür, dass Kolonialmächte indigene Völker als souveräne Rechtssubjekte anerkannt haben. Dies dokumentieren zuallererst zahlreiche historische Verträge, die etwa zwischen der englischen oder spanischen Krone oder der US-Regierung und indigenen Völkern in Nordamerika abgeschlossen wurden.
Forderungen indigener Völker
Zentrale Forderung der meisten Organisationen indigener Völker ist die verbindliche und uneingeschränkte Anerkennung ihrer Menschenrechte, beginnend mit dem Recht auf Selbstbestimmung, wie es in den ersten Artikeln der Internationalen Pakte über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte sowie über bürgerliche und politische Rechte, also der beiden wichtigsten völkerrechtlich verbindlichen Menschenrechtsdokumente ausdrücklich anerkannt wird.
Dabei ist Selbstbestimmung keineswegs gleichbedeutend mit Sezession und der Gründung eines eigenen Staates, sondern es geht um die prinzipielle Anerkennung eines Rechts.
In Fällen, wo z.B. transnationale Konzerne große industrielle Vorhaben (z.B. Bau von Großstaudämmen, Erdöl- oder Uranförderung, Atomtests, Entsorgung von Giftmüll) auf von indigenen Völkern genutzten oder bewohnten Territorien planen, fordern indigene Völker, dass dies nur nach einer Freien, Vorherigen und Informierten Zustimmung ([http://www.ohchr.org/english/issues/indigenous/docs/wgip22/4.pdf Free, Prior and Informed Consent]) geschehen darf.
In einigen Ländern ist die Forderung nach Free, Prior and Informed Consent bereits gesetzlich verwirklicht, so etwa auf den Philippinen.
Auf der Ebene des internationalen Rechts lauten die wichtigsten Forderungen: Verabschiedung der Erklärung der Rechte der Indigenen Völker sowie die Ratifierung des | | |