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Bark (Schiff)
Die Bark ist ein Segelschiffstyp mit ursprünglich drei, in Weiterentwicklungen auch vier bis fünf Masten, der an den vorderen Masten Rahsegel trägt, am letzten Mast dagegen Gaffelsegel. Die Bark war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Hochseefrachtschiff weit verbreitet.
Der Begriff "Bark" im engeren Sinne benennt einen Dreimaster. Eine Bark mit einer größeren Anzahl an Masten heißt dann Viermastbark beziehungsweise Fünfmastbark. Eine zweimastige Variante bezeichnet man dagegen als Schonerbrigg oder Brigantine.
Ein Segelschiff mit Rahsegeln an allen drei Masten nennt man Vollschiff.
Bei der Bark heißen die Masten, von vorne nach achtern: Fockmast, Großmast und zuletzt Besanmast. Die Viermastbark hat an dritter Position den Kreuzmast. Bei der Fünfmastbark gibt es verschiedene Systeme:
Fockmast, Großmast, Mittelmast, Kreuzmast, Besanmast; (bei der København üblich)
Fockmast, Großmast, Mittelmast, Achtermast, Besanmast; (bei der Potosí üblich)
Manche Marineautoren sagen, bei der "Potosí" sei auch die Bezeichnung LAEISZ-Mast für den vierten Mast in Gebrauch gewesen. Barken mit mehr als fünf Masten gab es nicht, wohl aber Schonerbarken.
Unterscheide: Barke
Bekannte Vertreter des Schiffstyps "Bark"
- Bark
- Gorch Fock, Segelschulschiff der Deutschen Marine, Heimathafen Kiel, Deutschland
- Statsraad Lehmkuhl, Heimathafen Bergen, Norwegen
- Alexander von Humboldt, Heimathafen Bremerhaven, Deutschland, auf dem Rumpf eines sehr alten Feuerschiffes neu aufgebaut
- Rickmer Rickmers, 1896 als Vollschiff gebaut, 1904 nach Kreuzmastbruch zur Bark umgetakelt, war als Sagres I portugiesisches Segelschulschiff, heute Museumsschiff, Heimathafen Hamburg, Deutschland
- Seute Deern, Heimathafen Bremerhaven, Deutschland ehemaliges Segelschulschiff, heute Museumsschiff.
- Viermastbark
- Krusenstern, 1926 als frachtfahrendes Schulschiff "Padua" gebaut, Flying P-Liner, Heimathafen Kaliningrad
- Pamir, Flying P-Liner, 1957 gekentert
- Passat, Flying P-Liner, Heimathafen Travemünde
- Peking, Museumsschiff am South Street Seaport von New York
- Pommern, Flying P-Liner, Museumsschiff in Mariehamn
- Sedow, (russ. СЕДОВ), 1921 als "Magdalene Vinnen (II)" gebaut, Heimathafen: 1946 Kaliningrad, seit 1991 Murmansk
- Kaiwo Maru I, 1930 als Schulschiff gebaut, 1989 durch Kaiwo Maru II ersetzt, Japan
- Nippon Maru I, 1930 als Schulschiff gebaut, 1984 durch Nippon Maru II ersetzt, Japan
- Fünfmastbark (es gab nur sechs Schiffe dieses Typs)
- France I, 3.784 BRT, 1890 in Glasgow für A.-D. Bordes & Fils gebaut, erste Fünfmastbark, 1901 gesunken
- Maria Rickmers, 3.822 BRT, Auxiliarbark, 1891/92 bei Russell & Co., P. Glasgow, gebaut, auf der Jungfernheimreise verschollen
- Potosí, 4.027 BRT, Flying P-Liner (F. Laeisz), 1895 gebaut, 1925 nach Brand versenkt
- R. C. Rickmers, 5.548 BRT, Auxiliarbark, 1906 gebaut, 1917 unter brit. Flagge versenkt
- France II, 5.633 BRT, 1911 gebaut, größtes Segelschiff der Welt, 1922 gestrandet
- København, 3.901 BRT, 1921 gebaut, dänisches Auxiliarsegelschulschiff, nach dem 22. Dezember 1928 verschollen
Benennung der Takelage einer Bark
(siehe auch [http://en.wikipedia.org/wiki/Standing_rig_of_a_barque englischer Artikel zum Barkrigg])
1928
Kategorie:Segelschiffstyp
Segelschiff
Ein Segelschiff ist ein Schiff, das ganz oder vornehmlich aufgrund seiner Segel durch die Kraft des Windes bewegt wird. Segelschiffe waren seit dem Altertum bis zum 19. Jahrhundert die wichtigsten Verkehrsmittel für den Transport von Gütern und Personen über längere Distanzen. Sie wurden seit dem 19. Jahrhundert durch Dampfschiffe und Motorschiffe abgelöst. Bis in das 19. Jahrhundert hinein waren auch die meisten Kriegsschiffe Segelschiffe. Kleine Segelschiffe werden als Segelboot bezeichnet.
Aufbau und Klassifizierung
Segelschiffe haben mindestens einen Mast und mindestens ein Segel. Man unterscheidet zwei Arten von Segeln:
- Rahsegel, die an einer Rahe hängen und quer zur Fahrtrichtung orientiert sind,
- und Schratsegel, die in Richtung der Schiffslängsachse gesetzt werden. Zu den letztern gehören auch:
- Hochsegel, dreieckiges Segel, das hinter oder am Mast gefahren wird und dessen untere Kante von einem Baum aufgespannt wird.
- Gaffelsegel, die viereckig sind und sich zwischen Gaffel (oben) und Baum (unten) befinden.
- Lateinersegel, dreieckige Segel, deren Rahe vornehmlich längs zur Fahrtrichtung ausgerichtet ist, schräg am Mast hängt und sich mit einem Teil vor dem Mast befindet.
- Luggersegel, die zwischen Gaffelsegel und Lateinersegel anzuordnen sind.
- Sprietsegel, viereckige Segel, die mit einer Stange (Spriet) von der vorderen unteren Ecke am Mast zur hinteren oberen Ecke aufgespannt werden. Diese Segel werden meist ohne Baum gefahren.
- Krebsscherensegel
- Spreizgaffelsegel
- Stagsegel
Historische Entwicklung
Die Entwicklung der Segelschiffe begann vermutlich in Ägypten. Segelboote sind uns das erste Fortbewegungsmittel im Wasser. Vornehmlich für die Fahrt auf dem Nil, aber auch für Fahrten über das Mittelmeer und das Rote Meer wurden Schiffe mit einem Mast und einem großen Rahsegel eingesetzt. Das Segel war bereits drehbar gelagert, so dass die Schiffe auch bei seitlichem Wind segeln konnten.
Die Phönizier und Griechen entwickelten ab ca. 1000 v. Chr. zwei Grundtypen von seegängigen Segelschiffen:
- das Lastschiff mit geräumigem Rumpf und einem Mast sowie einem großen Rahsegel, das ausschließlich gesegelt wurde, und
- die Galeere, die für die Marschfahrt einen Mast mit einem mittelgroßen Rahsegel hatte, während des Kampfes und bei Flaute aber mit Riemen gerudert wurde.
Insbesondere mit den Lastschiffen wurden bereits weite Reisen durchgeführt. So segelte der Karthager Hanno um 600 v. Chr. entlang der Westküste Afrikas bis zum Äquator. Der Grieche Pytheas aus Massilia, dem heutigen Marseille, umsegelte die britischen Inseln und kam vermutlich auch nach Helgoland. Die Römer nahmen diese Schiffstypen auf und entwickelten sie weiter. Die Lastschiffe erhielten einen Bugspriet, an dem ebenfalls ein Rahsegel hing.
In Mittel- und Nordeuropa wurden Langschiffe entwickelt, die zunächst gerudert wurden. Bereits die Sachsen und Angeln, die als Angelsachsen gegen Ende des römischen Reiches über die Nordsee nach England auswanderten, hatten die Langschiffe mit einem Mast und einem Rahsegel besegelt.
Die Wikinger entwickelten diesen Schiffstyp zur Perfektion weiter (Wikingerlangschiff). Nach zeitgenössischen Berichten waren die schlanken Wikingerschiffe schneller als ein berittener Bote. So konnten die Wikinger bei ihren Überfällen im frühen Mittelalter das Überraschungsmoment nutzen. Sie fuhren bereits über das offene Meer nach Island, Grönland und Nordamerika.
Nach dem Ende der Wikingerzeit wurde im Norden aus den breiteren offenen Handelsschiffen die Hansekogge entwickelt. Auch sie hatte nur einen Mast, bildete aber das Rückgrat des Fernhandels der Hanse. Gegen Ende des Mittelalters wurden auch zwei- und dreimastige Schiffe gebaut, z. B. die Hulk. Aus ihnen wurde in Spanien und Portugal die Karavelle entwickelt, mit der Christoph Kolumbus, Ferdinand Magellan und Vasco da Gama ihre Entdeckungsreisen unternahmen.
Seit dem 17. Jahrhundert verwendete man immer spezialisiertere Formen, u. a.
- Linienschiffe (als Kriegsschiffe mit mehreren Kanonendecks),
- Fregatten (leichter armierte Schiffe von erhöhter Schnelligkeit)
In China erreichte der Segelschiffbau schon im 15. Jahrhundert unter Admiral Zheng He ein sehr hohes Niveau. Damals wurden in Nanking so genannte Schatzschiffe von über 120 m Länge und 50 m Breite gebaut, die über bis zu neun Masten hatten. Sie wurden für Fernfahrten z. B. nach Indien, Arabien und Afrika eingesetzt. Diese Schiffe waren hinsichtlich der Größe nur mit den Großseglern Europas und Amerikas im 19. Jahrhundert vergleichbar.
Segelschiffstypen
19. Jahrhundert
19. Jahrhundert
- Bark
- Brigantine
- Brigg
- Schoner
- Galeasse, Dreimaster mit Lateinersegeln und Riemen.
- Galeere (Segelbenutzung i.d.R. nur für die Marschfahrt, nicht im Gefecht)
- Galeone
- Gulet
- Hansekogge
- Holk
- Karacke
- Karavelle
- Klipper
- Kraweel
- Lädine
- Linienschiff
- Vollschiff
- Windjammer
- Ewer
- Dau
- Dschunke
Segelschiff-Modelle: Albin Vega
Siehe auch:
- Segelbootsklassen
- Schiffstypen
- Entwicklungsgeschichte des Segelschiffs
- Segelyacht
Kategorie:Schiffstyp
!
Kategorie:Wassersport
ja:帆船
zh-min-nan:Phâng-chûn
RahsegelDas Rahsegel ist ein zumeist rechteckiges oder trapezförmiges Segel, welches unter einer Rah genannten waagerechten Stange gefahren wird. Es dient dem Vortrieb auf großen Segelschiffen durch Windwiderstand oder Windströmung (siehe auch Segeln).
Segeln
Segeln
Der Vorteil des Rahsegels ist, dass es in nahezu beliebiger Anzahl auf einem Schiff gefahren werden kann, da es mehrfach übereinander an einem Mast und an vielen Masten hintereinander angebracht werden kann. Das erreichte Maximum ist das bisher nur in 2 Exemplaren gebaute Fünfmast-Vollschiff mit insgesamt 30 Rahsegeln (der berühmte Windjammer und Flying P-Liner PREUSSEN, 1902-1910) bzw. 26 Rahsegeln (das Luxus-Kreuzfahrtschiff ROYAL CLIPPER, seit 2000).
Die Fläche des einzelnen Segels bleibt daher begrenzt und somit handhabbar.
Der größte Nachteil des Rahsegels ist, dass man damit nicht so hoch am Wind segeln kann wie mit Schratsegeln.
Ein weiterer Nachteil des Rahsegels ist der hohe Personalbedarf beim Setzen und Reffen. Deshalb werden auf modernen Segelyachten keine Rahsegel mehr verwendet. Moderne Nachbauten großer Segelschiffe verwenden aber immer noch Rahsegel. Bei der ROYAL CLIPPER lassen sich die Rahsegel von Deck aus in den Rahen (Hohlrahen) aufwickeln! Rahsegelschiffe haben auch einige Schratsegel: den Besan (auf Vollschiffen zusätzlich am Kreuzmast auf Barken am eigenen Besanmast und auf Briggs am Großmast) sowie die Stagsegel zwischen den Masten und als Vorsegel.
Das Rahsegel entstammt der nordeuropäischen Entwicklungslinie des Schiffbaus. Als erste verwendeten die Wikinger auf ihren Langbooten ein einzelnes Rahsegel, ebenso die Koggen der Hanse.
Rahsegel verwendeten schon sehr früh die Ägypter und Phönizier, wie auf alten Abbildungen von Schiffen zu sehen ist. Im Mittelmeer setzte sich aber das Lateinersegel durch und das Rahsegel kam erst wieder in Gebrauch, als die nordeuropäische und mediterrane Entcklungslinie des Schiffbaus ab dem 13. Jahrhundert verschmolzen.
Benennung verschiedener Rahsegel
Rahsegel werden nach dem Mast und der Position an selbigem bezeichnet. Dabei trägt das jeweils unterste Segel (Untersegel) an jedem Mast den Namen des Mastes (Focksegel, Großsegel, Kreuzsegel (Bagien)). Die Namen darüber sind, von unten nach oben:
- Marssegel (engl. topsail)
- Bramsegel (engl. topgallantsail)
- Royalsegel (engl. royalsail)
- Skysegel (dt. = Himmelssegel; engl. skysail)
- Mondsegel (engl. moonsail, überaus selten)
Die Mars- und manchmal auch die Bramsegel wurden in Unter- und Ober- geteilt, um die Handhabung zu erleichtern. Die europäischen Windjammer des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts fuhren überwiegend geteilte Mars- und Bramsegel plus Royalsegel, selten Skysegel (wie die Fünfmast-Auxiliar-Bark MARIA RICKMERS und das Viermastvollschiff PETER RICKMERS, einziges, je für eine deutsche Reederei gebaute Schiff dieses Typs mit sieben Rahen an jedem der vier Masten).
Bei vielen Rahseglern sind die Obermars- und die Oberbramrah sowie die darüber liegenden Rahen geleitend am Mast gelagert und werden bei Nichtbenutzung abgesenkt. Die Obermarsrah und die Oberbrahmrah kommen dabei sehr dicht an die jeweils zugehörige Unterrah heran. Das verschiebt den Schwerpunkt des Schiffes bei geborgenen oberen Segeln deutlich in Richtung Schiffsrumpf und verbessert so das Verhalten bei Sturm. Siehe dazu das Bild der Krusenstern. Hochgezogen (geholt) werden die Rahen beim Setzen der Segel und abgesenkt (gefiert), beim Bergen.
Damit sind mit geteilter Mars und Bram bis zu acht Rahsegel übereinander möglich gewesen, jedoch waren Schiffe mit diesem Rigg extrem selten. Manche Klipper fuhren Mondsegel, hatten aber dafür meist einfache Bramsegel, so daß selbst sieben Segel am Mast nur während der Klipperära häufiger anzutreffen waren. US-amerikanische Rahschiffe bevorzugten sechs Rahen am Mast mit einfachen Bram- und geteilten Marssegeln, dazu Royals und Skysegel (sog. three-skysailyarder).
siehe auch: Rah, Rigg, Segel, Segeln, Takelage
Kategorie:Segel
GaffelsegelDer Begriff Gaffel (niederdeutsch für "Gabel") bezeichnet eine verschiebbare, an einem Mast befestigte, schräg nach oben ragende Stange. Zwischen der Gaffel und dem Baum wird das asymmetrisch trapezförmige Gaffelsegel aufgespannt.
Es handelt sich bei dem Gaffelsegel um eine Weiterentwicklung der Lateinertakelung. Allerdings findet Segel seinen hinteren Druckpunkt nicht über die Spiere am Mast, sondern in einer Klaue. Diese Klaue, ursprünglich aus einer starken Astgabel, später aus Gusseisen oder Stahl hergestellt findet ihren Widerpart in der sogenannten Piek, die am Ende des Rundholzes angeschlagen ist.
Beim Setzen muss darauf geachtet werden, dass das Holz bis zum Anschlagpunkt der Gaffelklaue mittels Piekfall und Klaufall parallel zum Baum gehieft wird.
Klaufall
Klaufall
Man unterscheidet prinzipiell die Normalgaffel von der Steilgaffel. Bei der Steilgaffel kann das Fahrzeug höher an den Wind gehen, allerdings steigt die Gefahr der Verwindung des Tuchs. Schnell waren die Grenzen des damaligen Baumwollsegeltuches erreicht. Man behalf sich mit eingearbeiteten Segellatten.
Als Weiterentwicklung ist das Bermudarigg oder Hochrigg mit Dreieckssegeln anzusehen, welches dem Stand der heutigen Segeltechnik entspricht. Das Bermudarigg sollte nicht mit dem Gaffelrigg in Bermuda-Takelung verwechselt werden, bei dem das Segel lediglich an der Gaffel schlanker und am Baum weiter geschnitten ist. Gaffelsegel haben gegenüber Hochsegeln den Vorteil, dass die Segelfläche im Verhältnis zur Masthöhe grösser sein kann, was erst durch moderne Materialien für den Mast ausgeglichen wird. Nachteil ist, dass statt des Achterstags in der Regel Backstagen gefahren werden müssen.
Ein typisches Segelschiff, welches nur Gaffel- und Sprietsegel führt, ist der Gaffelschoner.
Siehe auch: Quase
Kategorie:Schiffbau
Schonerbrigg
Eine Schonerbrigg ist ein Großsegler, den man auch als Briggschoner, Brigantine oder Hermaphrodite-Brigg (Zwitter-Brigg) bezeichnet.
Eine Schonerbrigg ist stets ein Zweimastsegler mit Mischtakelung.
Meist ist der (vordere) Fockmast vollrahgetakelt und der (hintere) Großmast trägt Gaffeltakelung. Toppsegelschoner (mit Untermast und Bramstenge) und Marssegelschoner (mit Untermast, Bramstenge und Marsstenge) stellen nach Takelungsart und Bauweise des Fockmastes weitere Briggschoner-Varianten dar.
Als Schonerbriggs getakelte, bauchige Frachtsegler gab es schon im Holland des 17. Jahrhunderts.
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in Europa und Nordamerika zahlreiche Schonerbriggs mit 100 bis 300 BRT gebaut.
Ein moderner Vertreter dieses Schiffstyps ist die deutsche Greif - (ex Wilhelm Pieck - DDR).
Siehe auch: Dreiviertelbrigg
Kategorie:Segelschiffstyp
Brigantine (Schiff)Siehe auch: Brigantine (Begriffsklärung)
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Die Brigantine ist ein zweimastiges Segelschiff.
Segelschiff
Ursprünglich wurde unter einer Brigantine ein kleineres Segelkriegsschiff bezeichnet, das mit Riemen auch durch Rudern fortbewegt werden konnte. Die Beseglung bestand aus einem Lateinersegel. Bug und Heck waren gegenüber den Galeeren erhöht, so dass dieser Schiffstyp einen Vorteil bei der Verteidigung hatte und zugleich seetüchtiger war. Dieser Typ war ab dem 10. Jahrhundert insbesondere im Mittelmeerraum verbreitet. Seit dem 17. Jahrhundert wurde die Bezeichnung auf zweimastige Segelschiffe mit Fockmast und Großmast übertragen (Brigg). Seit dem 19. Jahrhundert werden insbesondere solche Zweimaster als Brigantine bezeichnet, die am Großmast ganz oder teilweise Gaffelsegel führen. Ist der Großmast teilweise rahbesegelt und führt er nur das Großsegel als Gaffelsegel, so spricht man auch von einer Dreiviertelbrigg. Führt der Großmast nur Gaffelsegel, dann wird die Brigantine auch Schonerbrigg genannt.
Siehe auch: Schoner
Kategorie:Segelschiffstyp
RahDie Rah (auch Raa oder Rahe) ist Bestandteil der Takelage eines Segelschiffs.
Segelschiff
Es ist ein segeltragendes Rundholz (Spiere), das mit seiner Mitte waagerecht an der Vorderseite des Mastes angebracht und quer zur Fahrtrichtung angeordnet ist. An dieser Querstange ist das Rahsegel befestigt. Rahen und Masten können auch aus Stahlrohr bestehen.
Die Rah wird mittels Brassen um den Mast gedreht (gebrasst), bis das Rahsegel optimal zur Windrichtung steht und maximalen Vortrieb erzeugt. Im engeren Sinne bedeutet brassen zu berücksichtigen, dass das Strömungsprofil des Windes nahe der Wasseroberfläche abnimmt, so dass die optimale Ausrichtung übereinanderliegender Rahen eine leicht spiralförmige Anordnung ergibt.
Zum Setzen, Bergen oder Reffen des Segels stehen ausreichend viele Personen (Toppsgasten) auf dem Fußpferd, einem in regelmäßigen Abständen an der Rah aufgehängten Tau, lehnen bäuchlings über die Rah und sind durch entsprechend geformte Schuhabsätze sowie mit Karabinerhaken gesichert. Das gereffte oder geborgene Segel wird unter der Rah eingebunden. In den Nocken (Enden) einer Rah erfordert diese Arbeit den meisten Muskeleinsatz. Auch für das Rahsegel gibt es Schoten; anders als bei Schratsegeln sind die Schoten beim Rahsegel auch eine zusätzliche Hilfe zum Setzen und Bergen des Segels.
Weitere Bezeichnungen für Tauwerk dieses Segeltyps sind Geitau und Gordinge. Mit den Geitauen hilft man dem Toppsgast von Deck aus die Segel wieder einzuholen, während die Gordinge (nicht bei allen Rahsegeln vorhanden) eine Art Reffeinrichtung (Reffen) darstellt.
Die Rahbesegelung war bis zum Mittelalter in den nördlichen Regionen verbreitet. Im Mittelmeer und in den arabischen Regionen war eher die sog. Lateinertakelung (Schratsegel) an der Tagesordnung. Mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Segeltechnik ging die sinnvolle Kombination der beiden Prinzipien einher. Als Beispiel kann hierzu der Rahschoner, die Brigantine oder die Schebecke genannt werden.
Siehe auch
- Vollschiff
- Bark
- Windjammer
Kategorie:Schiffbau
AchternAchtern ist alles, was auf einem Wasserfahrzeug achterlicher als querab liegt (hinter der Mitte; vorn ist der Bug, hinten das Heck).
Das Wort achter ist im Niederdeutschen entstanden und entspricht dem hochdeutschen after - hinter und hinten, wie es mundartlich heute noch in vielen Verbindungen gebräuchlich ist.
Bereits um 1400 nannten Küstenbewohner die letzte Zeit der Ebbe Achterebbe und die letzte Zeit der Flut Achtervlot. Und aus dem nicht-seemännischen Verwendung ist überliefert he slöppt achter, dat he vör nich ruterföllt - er schläft hinten damit er vorn nicht runterfällt, hieß es wenn der Mann zu Hause nichts zu sagen hatte.
Bauteile oder Räume an Bord wurden und werden, wenn sie im hinteren Teil des Schiffes angeordnet sind, mit dem Bestimmungswort Achter versehen: das Achterschiff - die mit einem Spitz-. Rund- oder Spiegelheck abschließen; der Achtersteven - Hintersteven Achtergeschirr heißen die hinteren Segel mit dem dazugehörenden Tauwerk, und Achterkant stand früher für Hinterseite. Es war und ist in vielen Zusammensetzungen ein gebräuchliches Seemannswort.
Achterlastig - hecklästig bedeutet, dass das Schiff achtern einen größeren Tiefgang als vorn besitzt. Achterlastig sein hieß in machen Gegenden aber auch, einen gewissen menschlichen Drang spüren, und mit Achtersteven wird vielfach heute noch ein bestimmter Körperteil bezeichnet.
Als Wortzusammensetzung mit achtern sind Orts- und Richtungsbezeichnungen üblich, die in der Sprache der Seeleute ihren festen Platz haben: achteraus - hinten oder auch hinter dem Schiff, recht achteraus - hinten, genau in Verlängerung der Mittschiffsebene, achteraus laufen - rückwärts bewegen. Beim Befehl: Alle Mann achteraus! musste sich die Besatzung, auf dem Achterdeck, das sie nur dienstlich betreten durften, versammeln.
siehe auch: Liste seemännischer Fachwörter
Kategorie:Schifffahrt
FockmastEin Fockmast bezeichnet bei Segelschiffen mit mehreren Masten (außer bei Anderthalbmastern) den vordersten Mast.
Der Fockmast ist aufgeteilt in:
- Vor-Untermast
- Vor-Marsstenge
- Vor-Bramstenge
Die am Fockmast gefahrenen Segel heißen dementsprechend:
- Fock
- Voruntermarssegel
- Vorobermarssegel
- Vorunterbramsegel
- Voroberbramsegel
- Vorroyal
Kategorie:Schiffbau
GroßmastDer Großmast ist bei Segelbooten mit einem Mast eben dieser, bei einem Schoner (Zweimaster) der achtere und bei Ketsch und Yawl der vordere Mast; in beiden Fällen ist dies der größere Mast. Bei Segelschiffstypen (Großsegler) mit drei und mehr Masten ist es immer der zweite Mast, der nicht in jedem Fall auch der höchste Mast ist. Das war bei großen Fünfmastern (POTOSÍ, PREUSSEN, R. C. RICKMERS) der Mittelmast. Mancher Mehrmaster wie beispielsweise die KØBENHAVN hatte die vier Rahmasten von gleicher Höhe, oder der große us-amerikanische Schoner THOMAS W. LAWSON hatte sieben gleich hohe Masten.
Das am Großmast achtern befestigte Segel heißt "Großsegel" (im Gegensatz zur kleineren Fock). Des Gleichen heißen die Rahen eines Großseglers am Großmast "Großrah", "Großuntermarsrah", "Großbramrah" etc. In der abweichenden englischen Terminologie der Schiffsmasten heißt er "main mast", was genau "Hauptmast" bedeutet. Dieser Begriff erscheint beispielsweise als Bezeichnung des dritten Mastes bei Viermastvollschiffen. Manchmal wird er auch "Achtermast" genannt.
Kategorie:Schiffbau
KreuzmastDer Kreuzmast ist der vorletzte Mast bei Vier- und Fünfmastbarken, -barkentinen und –schonern, der letzte bei allen Vollschiffen. Bei Barkentinen und Gaffelschonern mit mehr als drei Masten ist der Kreuzmast der dritte Mast (engl. System):
- Fock-, Groß-, Kreuz-, Besanmast; englisch: fore, main, mizzen, spanker mast (vier Masten).
- Fock-, Groß-, Kreuz-, Tanzer-, Besanmast; englisch: fore, main, mizzen, jigger, spanker mast (fünf Masten).
- Fock-, Groß-, Kreuz-, Tanzer-, Treiber-, Besanmast; englisch: fore, main, mizzen, jigger, driver, spanker mast (sechs Masten).
Das am Kreuzmast befestigte Segel bei vielmastigen Schonern und Gaffelschonern heißt "Kreuzsegel", des Gleichen heißen die Rahen eines Rah-Großseglers am Kreuzmast "Kreuz(unter)rah" oder "Bagien" (engl. "cross jack", Aussprache: [krodschek]), "Kreuzobermarsrah", "Kreuzroyalrah, "Kreuzskyrah" etc.
In der englischen Terminologie der Schiffsmasten erscheint der Kreuzmast als "mizzen mast" und ist der Mast hinter dem "main mast" (wörtl.: Hauptmast ("Großmast" im deutschen System)); die Benennung erfolgt dort nicht immer dem deutschen System. Nach dem angelsächsischen System folgt hinter dem "mizzen mast" auf Viermastvollschiffen (als letzter) und Schiffen mit mehr als vier Masten (Barken, Gaffelschonern, Barkentinen) als vierter Mast der "jigger mast" (Tänzermast). Bei Sechsmastern (Gaffelschoner, Schonerbarken) heißt der fünfte Mast "driver mast" (Treibermast). Der letzte Mast bei allen Barken, Schonern und Barkentinen war der "spanker mast" (Besanmast). Den "pusher mast" (Schiebermast) als sechster Mast gab es nur (in diesem System) auf der THOMAS W. LAWSON, dem einzig je gebauten Siebenmastgaffelschoner. Da es im englischen Mastbenennungssystem keine Einheitlichkeit gab, wurde manchmal auch der "spanker mast" vor den "driver mast" gesetzt (s. Benennung der Masten der THOMAS W. LAWSON ). Da kein Sechsmaster für deutsche Reeder je gebaut wurde, gab es auch keine ursprünglich deutsche Mastbezeichnungen für "jigger mast", "driver mast" und "pusher mast". Bei den deutschen Fünfmastrahseglern ( POTOSÍ, PREUSSEN, R. C. RICKMERS ) kam gegenüber den Viermastschiffen der "Mittelmast" als fünfter Mast hinzu.
Kategorie:Schiffbau
BesanmastDas Besansegel (oder auch nur Besan genannt) ist ursprünglich ein Gaffelsegel am hintersten Mast eines Vollschiffes. Die Bark hat an letzter Position den Besanmast, der nur Gaffelsegel trägt.
Moderne Bootstypen mit Besansegel sind z.B. die Ketsch und die Yawl.
Das Wort "Besan" ist niederländisch vom arabischen Wort mazan für Mast, dessen Segel das Schiff in gleichmäßiger Fahrt hält. Dieser Begriff gelangte wie auch andere Marinebezeichnungen arabischer Herkunft durch den Mittelmeerhandel in das nördliche Europa. Ältere Formen des Begriffes in deutscher Sprache sind missan (1487) und Meisan (1636). Erst ab dem 16. Jahrhundert erschien die heutige Form mit dem anlautenden b.
Kategorie:Segel
Skoleskibet KøbenhavnDie KØBENHAVN (dän. "skoleskibet" = "Schulschiff") war eine Auxiliar-Fünfmast-Stahlbark. Sie lief am 24. März 1921 auf der Werft von Messrs. Ramage & Ferguson, Leith, Schottland, vom Stapel. Als Frachtsegelschulschiff wurde sie zur Ausbildung des ausschließlich dänischen Offiziersnachwuchses im Frachtverkehr von der dänischen Reederei A/S Det Østasiatiske Kompagni (Die Ostasiatische Kompanie AG), København (Kopenhagen) zwischen Europa, Südamerikas Ostküste, Ostasien und Australien meist im Weizentransport eingesetzt. Sie war ein schönes, modernes Segelschulschiff (kurze Back, extrem lange Poop, Mittschiffsdeck (Dreiinselschiff), ausgerüstet mit einer Fernbereichsfunkanlage. Der Rumpf war in Schwarz, Grün und Dunkelrot gehalten, unter dem Schanzkleid in Höhe der Hauptdeckslinie verlief ein heller Streifen rund um das Schiff. Sie hatte das dänische Unterscheidungssignal "NGHB".
Bereits 1915 lief der erste Schiffsrumpf für die große Bark vom Stapel, wurde aber wegen des Krieges 1918 von der brit. Admiralität beschlagnahmt und als Kohlenhulk "Black Dragon" eingesetzt.
Die KØBENHAVN machte einige Weltumsegelungen und insgesamt zehn Reisen. Sie war vorwiegend in Australien (Weizenfahrt), aber auch in Südamerika und in anderen Pazifikhäfen zu sehen. 1928 verließ sie am 14. Dezember Buenos Aires, Argentinien, mit Kurs auf Melbourne (nach einer Quelle Adelaide) und blieb nach dem letzten Kontakt am 21. oder 22. Dezember 1928 verschollen, ohne ein SOS zu senden. Eine großangelegte Suchaktion im Südatlantik bis in die Antarktis erbrachte kein Ergebnis. Die letzte Fünfmastbark wurde von Lloyd's in London im Januar 1930 als verschollen erklärt. Manche vermuteten eine nächtliche Kollision mit einem Eisberg innerhalb eines gewaltigen Eisfeldes im Südatlantik Januar 1929.
Schiffsdaten
- Konstruktion: Stahlrumpf als Dreiinselschiff mit Schulschiffaufbauten (lange Poop); Rah-Masten mit Mars- u. Bramstengen
- Rigg: Fünfmastbark mit doppelten Mars- u. Bramrahen, Royalsegel; Besanmast mit Stenge u. zwei Gaffeln, später mit einer Gaffel
- Stapellauf: 24. März 1921; Indienststellung: 26. Oktober 1921
- Jungfernfahrt: 26. Oktober 1921 – 7. November 1922 nach San Francisco, USA und zurück
- Unterscheidungssignal: N G H B
- Bauwerft: Messrs. Ramage & Ferguson, Leith, Schottland
- Reederei: A/S Det Østasiatiske Kompagni, København (Die Ostasiatische Kompanie AG, Kopenhagen)
- Heimathafen: København (Kopenhagen), Dänemark
- Galionsfigur: ja, Ritter in Kettenhemd, rot-weißem Gewand, Dannebrog-Schild (lk. Hand vor der Brust), Morgenstern (re. Hand)
- Länge über alles: 132,62 m
- Länge Galion-Heck (Rumpflänge): 123 m
- Länge auf Deck: 120,6 m
- Länge in der KWL: 114,8 m
- Länge zwischen den Loten: 112,38 m
- Breite: 15 m
- Raumtiefe: 9,2 m
- Tiefgang: 8,14 m
- Vermessung: 3.901 BRT (Bruttoregistertonnen) / 3.329 NRT (Nettoregistertonnen)
- Verdrängung: 8.026 t (7.900 tons; 1 ton = 1,016 t)
- Ladekapazität/Tragfähigkeit: 5.200 tons
- Segelfläche: 4.700 m² (42 (41) Segel: 24 Rah-, 5 Vor-, 10 Stagsegel (zw. den Masten), 2 (1) Besane, 1 Gaffeltoppsegel)
- Masthöhe: 57,3 m (Masttop - Kiel)
- Hilfsantrieb: Burmeister & Wain 4,125 l Dieselmaschine von 508 PS (500 bHP (brit. horse power)
- Klassifikation: Lloyd's / Bureau Véritas +100A
- Erster Schiffsführer: Baron Niels Juel-Brockdorff (nur Jungfernreise)
- weitere Kapitäne: L. Mortensen, H. F. Christiansen und Hans Ferdinand Andersen
- Besatzung: 60 (15 Stamm, 45 Kadetten)
- Besonderheiten: Fernbereichsfunkanlage
Weblinks
- http://college.hmco.com/history/readerscomp/ships/html/sh_052500_kobenhaven.htm (engl.)
- http://www.bruzelius.info/Nautica/Ships/Fivemast_ships/Kobenhavn(1921).html (engl.)
- http://www.skoleskibet-koebenhavn.dk/index.html (dän.)
København
København
SchonerbarkEine Schonerbark ist ein Großsegler, den man auch als Barkentine (früher eine Schonerbark mit Rahtopp am Großmast), Hermaphrodit-Bark (Zwitter-Bark; engl. hermaphrodite barque oder barquentine) oder seltener als Barkschoner bezeichnet. Es handelt sich dabei um einen Dreimastsegler mit einer Mischtakelung aus Rah- und Schratsegeln, also einem Mischtyp aus Bark und Dreimastschoner. Der (vordere) Fockmast muß voll rahgetakelt sein, die übrigen Masten tragen Schoner- oder Gaffelsegel. Gegen 1800 wurde diese Takelungsart entwickelt.
Ein moderner Vertreter dieses Schiffstyps ist das chilenische Segelschulschiff ESMERALDA. Sie trägt am Fockmast nur Rahsegel, an den übrigen vier Masten Gaffelgroßsegel, Gaffeltoppsegel und Stagsegel (dreieckige Schratsegel). Ihre Werftschwester JUAN SEBASTIÁN DE ELCANO, das spanische Segelschulschiff, ist demgegenüber ein Viermastmarssegelschoner. (Dreimast)-Bramsegelschoner (mit Untermast und Bramstenge) und (Dreimast)-Marssegelschoner (auch Toppsegelschoner genannt, mit Untermast, Bramstenge und Marsstenge) stellen nach Takelungsart und Bauweise des Fockmastes stets Schoner-Varianten dar, sofern ein Gaffelsegel am Fockmast angeschlagen ist (alle Masten mit Gaffelsegel). Ohne Gaffelsegel am Fockmast, also reine Rahtakelung dort, ist es eine Schonerbark-Variante, z. B. mit Großrahtopp und reiner Rahtakelung am Fockmast wäre es eine (Dreimast)-Bramsegelschonerbark (Bramstenge) oder (Dreimast)-Marssegelschonerbark (Mars- und Bramstenge). Es gab Schonerbarken mit drei, vier (die Viermastbarkentinen MOZART (1903) und BEETHOVEN (1903)),
fünf (die US-Schiffe COUNTY OF VICKSBURGH, MARSALA) und sogar sechs Masten! Zur letzteren gehörte die CIDADE DO PORTO ex Viermastbark HANS und die E. R. STERLING, ursprünglich als eisernes Viermastvollschiff LORD WOLSELEY 1883 gebaut, später (1898) in eine Viermastbark, nach Entmastung (1903) zur Sechsmastbarkentine umgeriggt. Bei ihnen hießen die sechs Masten wie bei den Sechsmastschonern:
- Fockmast, Großmast, Kreuzmast, Tanzermast, Treibermast, Besanmast
- foremast, mainmast, mizzenmast, jiggermast, drivermast, spankermast (englische Benennung)
Eine besondere Takelage hatten Segler mit zwei rahgetakelten und zwei schratgetakelten Masten (der Down Easter OLYMPIC, 1892 in Bath, ME, gebaut) bzw. (dreimastige) Barkentinen mit Rahtopp am Großmast. Dieser Seglertypus hatte quasi die vordere Hälfte des Riggs rahgetakelt, die hintere Hälfte der Masten schratgetakelt. Man nannte diesen Takelagetyp Jackassbark; das Segelschulschiff NIOBE ex TYHOLM ex MORTON JENSEN war eine (dreimastige) Jackassbark. Ein fünfmastiges Schiff dieser Art hätte dann Fock- und Großmast rahgetakelt, den Mittelmast mit Gaffelsegel und Rahtop, die achteren beiden Masten mit Schratsegeln.
Manchmal findet sich auch der Begriff Polka-Bark für die Jackass-Bark. Korrekt ist eine Polka-Bark jedoch eine Dreimastschoner–Variante (Großgaffelsegel an allen drei Masten) mit Rahtopp (meist drei Rahsegel) an den beiden vorderen Masten, also ein Dreimast-Marstoppsegelschoner. Ein Dreimast-Marssegelschoner hat nur Rahen am Vortopp.
Kategorie:Segelschiffstyp
Gorch Fock (Segelschulschiff)Gorch Fock ist der Name von zwei weitgehend baugleichen Schiffen. Sie wurden nach dem Schriftsteller Gorch Fock benannt. Die angehängten Nummern (1) und (2) gehören nicht zum Schiffsnamen, sondern dienen hier nur zur Unterscheidung.
Segelschulschiff "Gorch Fock" (1)
Geschichte
Gorch Fock
Gorch Fock
Gorch Fock
Gorch Fock
Gorch Fock
Die erste "Gorch Fock" hatte ihren Stapellauf am 3. Mai 1933 bei der Werft Blohm & Voss in Hamburg.
Auftraggeber war die deutsche Reichsmarine, die einen Ersatz für das am 26. Juli 1932 durch eine Gewitterböe gekenterte Schulschiff "Niobe" suchte. Unter der Nummer 495 wurde der Bau am 2. Dezember 1932 bei Blohm & Voss in Auftrag gegeben. Für den Bau hatten der "Flottenbund Deutscher Frauen" und der "Deutsche Flottenverein" eine "Volksspende NIOBE" angeregt, die für den Bau verwendet wurde.
Die Bauzeit betrug 100 Tage. Am 3. Mai 1933 lief das Schiff vom Stapel und wurde auf den Namen des Hamburger Seeschifffahrtsdichters Gorch Fock getauft. Taufpatin war die Vorsitzende des "Flottenbundes Deutscher Frauen" Marie Fröhlich aus Plauen (Vogtland), die Taufrede hielt der Chef der Marineleitung Admiral Dr. h.c. Erich Raeder.
Am 27. Juni 1933 wurde die "Gorch Fock" in Dienst gestellt. Erster Kommandant des Schiffes war Kapitän zur See Raul Mewes. Neun Offiziere und 56 Mann Besatzung bildeten die Stammbesatzung, 198 Seekadetten bot das Schiff Platz.
Diverse Ausbildungsfahrten führten das Schiff auch ins Ausland. Eine Abordnung der "Gorch Fock" nahm u.a. am 13. August 1934 an der Gedenkfeier für die im November 1917 gefallene deutsche U-Boot-Besatzung von UC 57 teil. Auf der finnischen Insel Hamnskär fand dazu eine Feier mit Enthüllung eines Gedenksteines statt.
Im März 1935 übernahm Korvettenkapitän August Thiele das Kommando über das Schiff.
Am 2. Mai 1935 wurde die deutsche Reichs- in Kriegsmarine umbenannt, ab 7. November 1935 fuhr die "Gorch Fock" unter der Reichskriegsflagge. Heimathafen wurde Stralsund.
Auf der Grundlage der mit der "Gorch Fock" gemachten Erfahrungen gab die Kriegsmarine 1935 den Auftrag für den Bau weiterer zwei Segelschiffe an die Werft Blohm & Voss. Die beiden Schwesterschiffe "Horst Wessel" (20. September 1936) und "Albert Leo Schlageter" (14. Februar 1938) wurden in Dienst gestellt.
Im Dezember 1936 wechselte die Schiffsführung zu Korvettenkapitän Bernhard Rogge, im März 1938 zu Fregattenkapitän Otto Kähler, der das Schiff bis zum Kriegsausbruch führte.
Mit Kriegsausbruch wurden die Segelschulschiffe vor allem als stationäre Wohnschiffe und nur noch wechselnd als Ausbildungsschiffe genutzt. So lag die "Gorch Fock" 1942 in Swinemünde und im April 1944 in Kiel als Wohnschiff.
Am 24. April 1944 wurde die "Gorch Fock" von Kiel im Schlepp zur Insel Rügen überführt. Vor Lauterbach wurde der Anker geworfen. Kommandant des Schiffes, auf dem nun wieder die Ausbildung begonnen wurde, war Kapitänleutnant Wilhelm Kahle. Das Schiff unterstand dem 1. Schiffstammregiment in Stralsund. Die beiden Schwesterschiffe befuhren zu Ausbildungszwecken die Ostsee und den Greifswalder Bodden. Am 1. Oktober 1944 wurde die "Gorch Fock" in den Stralsunder Hafen verholt; wegen der schlechten Heizmöglichkeiten wurde das Schiff zuerst von einer Dampfprahn und später von einer Lokomotive beheizt.
Im Frühjahr 1945 näherten sich die Truppen der Sowjetarmee Stralsund. Die Segelbark wurde am 9. März 1945 aus dem Hafen zu einem Liegeplatz vor der Halbinsel Drigge geschleppt. Ungeklärt ist bis heute, warum das Schiff nicht zur Evakuierung von Soldaten in Richtung Westen eingesetzt wurde.
Am 27. April 1945 wurde das Schiff befehlsgemäß außer Dienst gestellt und teilweise abgetakelt. Die Ausrüstung wurde im Bootsschuppen auf dem Dänholm eingelagert. An Bord des Schiffes blieb nur eine kleine Mannschaft unter Führung von Oberbootsmannsmaat Karl Köhnke.
Wahrscheinlich auf einer Lagebesprechung am 29. April 1945, auf der das Näherkommen der Roten Armee und chaotische Zustände in Stralsund und auf allen Zufahrtsstraßen festgestellt wurden, beschloss die Führung die Versenkung der "Gorch Fock", um sie nicht der Sowjetarmee zu überlassen. Bereits am 30. April 1945 stand eine Vorausabteilung der Sowjetarmee vor Devin, in Sichtweite der "Gorch Fock". Als gegen 12:30 Uhr dieses Tages eine Motorschute längsseits der "Gorch Fock" festmachte, erfolgte ein Beschuss durch die auf Höhe Devin liegenden sowjetischen Panzer. Die Gorch Fock erhielt während des 45-minütigen Beschusses drei Granattreffer, wobei die Takelage und der Rumpf leicht beschädigt wurden. Von deutscher Seite aus war am selben Tag Sprengstoff an Bord gebracht worden. Dieser wurde mittels Zündschnüren gezündet, die Versenkung erfolgte um 14 Uhr. Die "Gorch Fock" lag nun auf Position 54° 17,28 N und 13° 08,22 O im Strelasund, mit stehenden Masten noch gut sichtbar.
Im Rahmen der Potsdamer Konferenz wurde die "Gorch Fock" der Sowjetunion zugesprochen. Den Auftrag zur Schiffshebung erhielt die Stralsunder Firma B. Staude Schiffsbergung, die Bergungskosten wurden mit 450.000 Reichsmark (RM) veranschlagt. Das Schiff sollte entgegen bisheriger Gepflogenheiten mit stehenden Masten geborgen werden. Im März 1947 begann man mit den Arbeiten. Da die kleine Stralsunder Firma den Aufgaben nicht gewachsen war, gründete man am 12. Mai 1947 eigens das Bergungskontor als Landesgesellschaft in Stralsund. Im Juni 1947 konnte das Schiff endlich gehoben werden. Es wurde nach Stralsund gebracht und gereinigt, wobei das Inventar "abhanden kam" bzw. an Bord einer Schute gebracht und später im Greifswalder Bodden versenkt wurde. Die Gesamtkosten für Bergung und Reinigung betrugen letztlich 800.000 RM.
Im Herbst 1947 wurde das Schiff in die Neptunwerft Rostock überführt. Dort sowie in Wismar erfolgte die Reparatur. In Wismar erhielt das Schiff im September 1949 den Namen Towarisch.
Am 15. Juni 1951 wurde sie als Segelschulschiff für die sowjetische Marine mit Heimathafen Cherson am Schwarzen Meer in Dienst gestellt.
Nach der Auflösung der Sowjetunion ging das Schiff in den Besitz der Ukraine über.
Ende der 1990er Jahre war die Towarisch in beklagenswertem Zustand zur Reparatur in Großbritannien. Weil die Ukraine jedoch die Reparaturkosten nicht aufbringen konnte, wurde das Schiff mit Unterstützung des deutschen Vereins "Tall Ship Friends" nach Wilhelmshaven gebracht, wo es als Flaggschiff der Expo 2000 am Meer diente.
2003 wurde die GORCH FOCK (1) vom Verein Tall-Ship Friends gekauft und hat ein Liegeplatzangebot in Stralsund angenommen. Am 29. November 2003 wurde im Beisein eines Enkels des Namensgebers und tausender begeisterter Stralsunder das Schiff wieder auf ihren alten Namen getauft. Ob die alte Dame allerdings wieder in See stechen oder stationär im Hafen (an der sog. Ballastkiste) bleiben wird, ist noch unklar.
Der Eignerverein Tall-Ship Friends geht von einem finanziellen Bedarf von mehreren Millionen Euro aus, ist aber zuversichtlich, dieses Geld durch Spenden zusammenzubringen.
An Bord des Großseglers konnte Ende November 2004 der 70.000. Besucher begrüßt werden.
- Sagres II, ehem. Albert Leo Schlageter
- Eagle, ehem. Horst Wessel
- Mircea
- Herbert Norkus
- Gorch Fock (2)
Segelschulschiff "Gorch Fock" (2)
Herbert Norkus
Für die neu entstandene Bundesmarine wurde 1958 wiederum bei Blohm + Voss eine neue Gorch Fock gebaut, die noch immer als Segelschulschiff in der Deutschen Marine dient. Ihr Heimathafen ist Kiel.
Gorch Fock (2) ist nach den gleichen Plänen gebaut wie die nachfolgenden Schwesterschiffe der Gorch Fock (1), die etwas größer ausfielen. Allerdings wurden nach dem Untergang der Pamir 1957 die Sicherheitsstandards deutlich verbessert. Alle angehenden Offiziere der Deutschen Marine werden hier ausgebildet, ebenso verschiedene Unteroffiziere. Außerdem dient "der weiße Schwan der Ostsee" während der langen Fahrten in alle Teile der Welt als "Botschafter" für die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Marine. Sie war beispielsweise das erste deutsche Kriegsschiff - und somit der erste Truppenteil der Bundeswehr - das 1974 mit Danzig in Polen ein Land des damaligen Warschauer Pakts besuchte.
Das Bild der Gorch Fock zierte die Rückseite des alten 10-DM-Scheins.
Technische Daten
- Dreimastbark
- Wasserverdrängung: 2.006 t
- Länge: 89,4 m
- Breite: 12 m
- Tiefgang: 4,90 m
- Besatzung: 77 Stammbesatzung und max. 160 Lehrgangsteilnehmer
- Segelfläche: 1.964 m²
- Baukosten: 8,5 Millionen DM
- Höhe Großmast: 45,5 m (38 m davon begehbar)
- Größte Rahlänge: 24 m
- Leistung: 1.240 kW (1.690 PS)
- Geschwindigkeit
- unter Motor: max 12 kn
- unter Segel: max 16 kn
Geschichte der Galionsfigur der Gorch Fock (2)
Dreimastbark
Dreimastbark
Wohl nur wenige Schiffe haben ihre Galionsfigur so oft gewechselt wie die Gorch Fock (2). Dabei blieb die Form der Figur, ein Albatros, bis auf Details jedoch gleich. Zuletzt ist sie sogar innerhalb eines Jahres (2002/2003) zweimal auf See verloren gegangen.
- Der erste Albatros von 1958 riss nach wenigen Jahren ab.
- Die Ersatzfigur (zweiter Albatros) war wie die erste auch aus Holz.
- 1969 wurde die Holzfigur aus Gewichtsgründen gegen den dritten Albatros ausgetauscht, der diesmal aus Polyester war. Die alte Figur kam ins Museum.
- Von 2000 bis 2001 wurde die Gorch Fock (2) in der Werft überholt. Als man versuchte, die Figur abzuschrauben, brach sie ab. Der nachfolgende vierte Albatros war ebenfalls aus Polyester.
- In der Nacht zum 11. Dezember 2002 im Ärmelkanal ging die Galionsfigur in schwerer See verloren. Der fünfte Albatros wurde aus Eschenholz gefertigt.
- Am 5. Dezember 2003, also ein knappes Jahr später, verlor die Gorch Fock ihre Galionsfigur etwa 100 Seemeilen westlich der französischen Küste, in der stürmischen Biskaya. Der sechste Albatros ist diesmal aus Kohlefaser.
Weblinks
- [http://www.marine.de/GorchFock www.marine.de/GorchFock: Das Segelschulschiff GORCH FOCK der Deutschen Marine]
- [http://www.gorch-fock-1.de/ Homepage der Gorch Fock I von Tall-Ship Friends e.V.]
- [http://www.esys.org/gofo/ Homepage der Gorch Fock II beim Europäischen Segel-Informationssystem]
- [http://www.gorchfock.de/ Private Homepage eines ehemaligen Gorch-Fock-Fahrers]
Kategorie:Segelschiff
Kategorie:Schulschiff
Kategorie:Militärschiff (Deutschland)
Kategorie:Stralsund
Deutsche Marine
Deutsche Marine ist die offizielle Bezeichnung der Seestreitkräfte der deutschen Bundeswehr seit 1990 und wird in der Umgangssprache auch für alle anderen Seestreitkräfte in den verschiedenen Epochen der Deutschen Geschichte verwendet. Die richtigen Bezeichnungen lauten:
- Reichsflotte (1848 bis 1853)
- Marine des Norddeutschen Bundes (1866 bis 1871)
- Kaiserliche Marine (1871 bis 1918)
- Vorläufige Reichsmarine (1919 bis 1921)
- Reichsmarine (1921 bis 1935)
- Kriegsmarine (1935 bis 1945)
- Bundesmarine (1955 bis 1990)
- Volksmarine (1956 bis 1990) (DDR)
- Deutsche Marine (ab 1990) als offizielle Bezeichnung
Allgemeines
Die Marine ist die kleinste Teilstreitkraft der Bundeswehr. Sie leistet einen Beitrag zu deren Aufgaben, wie sie in den jeweils gültigen Verteidigungspolitischen Richtlinien des Bundesministers der Verteidigung festgelegt sind. Seit 1990 haben sich die Aufgaben der Bundeswehr immer mehr weg von der Landesverteidigung hin zu friedensunterstützenden Einsätzen am Rande und außerhalb Europas gewandelt.
Die Deutsche Einheit im Jahr 1990 wurde nicht durch die Vereinigung zweier Staaten sondern durch den Beitritt der fünf neuen Länder zur Bundesrepublik Deutschland vollzogen. Mit der DDR sind ihre Institutionen untergegangen, während die der Bundesrepublik fortbestehen. Das gilt auch für die Streitkräfte. Die Marine der Bundesrepublik Deutschland ist 1990 - wie die gesamte Bundeswehr – bruchlos fortgeführt worden. Die Führung der Marine hat jedoch entschieden, die bisherige, stets inoffizielle, Bezeichnung Bundesmarine nicht mehr zu verwenden, sondern fortan den Begriff „Deutsche Marine“ in allen offiziellen Texten zu benutzen. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist die Bezeichnung Bundesmarine noch immer anzutreffen.
Die Veränderungen in der Marine seit 1990 sind inzwischen so groß, dass es auch sachlich geboten ist, die Periode zwischen 1955 und 1990 und die Zeit seit 1990 in getrennten Artikeln „Bundesmarine“ und „Deutsche Marine“ zu behandeln.
Entwicklung seit 1990
1990 hatte die Marine zunächst ihre bisherige Struktur im Wesentlichen beibehalten, war jedoch, wie die gesamte Bundeswehr, schrittweise verkleinert worden. Die Nationale Volksarmee der DDR hatte mit Ablauf des 2. Oktober 1990 aufgehört zu bestehen. Ein Teil des Personals und des Materials wurde von der Bundeswehr übernommen. Die Regelungen des 2+4-Vertrages erlaubten es bis Ende 1994 nicht, der NATO zuzuordnende Streitkräfte auf dem Territorium der vormaligen DDR zu stationieren. Deshalb wurden die Teile der ehemaligen Volksmarine, die zunächst noch weiterhin in Dienst gehalten werden sollten, in einem eigenen Marinekommando Ost mit Sitz in Rostock zusammengefasst, das zunächst dem Bundeswehrkommando Ost in Strausberg unterstand.
Ab 1995 konnte eine einheitliche Marinestruktur geschaffen und die im Beitrittsgebiet stationierten Kräfte der NATO assigniert werden. Das Marinekommando Ost wurde aufgelöst, statt dessen wurden einige neue Dienststellen im Beitrittsgebiet aufgestellt (Marineabschnittskommando Ost, Marinetechnikschule), andere wurden von Westen dorthin verlagert (Schnellbootflottille, Marineamt).
Erst mit der 2000 von Verteidigungsminister Rudolf Scharping eingeleiteten Bundeswehrreform begann sich die Organisation der Marine grundsätzlich zu verändern. Inzwischen ist an die Stelle der bisher üblichen stufenweisen Bundeswehrreformen ein kontinuierlicher Prozess getreten, der mit dem Begriff Transformation beschrieben wird.
Die wesentlichen Veränderungen, die noch nicht alle vollzogen wurden, sind:
- Verlagerung wichtiger Unterstützungsaufgaben in die neu geschaffene Streitkräftebasis und damit verbunden die Auflösung des Marineunterstützungskommandos und der Marineabschnittskommandos
- Abgabe der Marinejagdbomber Tornado an die Luftwaffe
- Umgliederung der Flotte in zwei Einsatzflottillen (englisch: Naval Task Flotilla) und zwei dem Flottenkommando direkt unterstehende Marinefliegergeschwader
Die Anzahl kleinerer, vor 1990 speziell für die Ostseekriegführung vorgesehener Schiffe und Boote wird reduziert. Dafür wird eine kleinere Zahl größerer Fahrzeuge verschiedener Typen beschafft. Gleichzeitig wird die Anzahl der Marinesoldaten auf etwa 25.000 verringert. Im Verhältnis zu den anderen Teilstreitkräften ist der Anteil der Marinesoldaten in der Bundeswehr allerdings gewachsen von etwa 7,7% vor 1990 auf künftig etwa 10%.
Organisation und Führung
An der Spitze der Marine steht der Inspekteur der Marine im Bundesministerium der Verteidigung. Als truppendienstlicher Vorgesetzter seiner Teilstreitkraft untersteht er direkt dem Bundesminister der Verteidigung. Der Inspekteur wird unterstützt durch den Führungsstab der Marine, eine Abteilung des Ministeriums in Bonn. Die Teilstreitkraft Marine besteht aus zwei Kommandobereichen, der Flotte und dem Marineamt.
Wie vor 1990 bleibt die Marine in die Struktur der NATO eingebunden, die sich ihrerseits den Veränderungen nach Ende des Ost-West-Konflikts angepasst hat. Schiffe und Boote beteiligen sich an den ständigen Einsatzverbänden der NATO, die im Wechsel mit anderen Nationen auch von deutschen Marineoffizieren geführt werden.
Die Flotte
Die Flotte wird vom Befehlshaber der Flotte im Flottenkommando in Glücksburg operativ und administrativ geführt. Größere Einsätze werden seit 2002 durch das Einsatzführungskommando in Potsdam geführt. Zur Flotte gehören die Schiffe und Flugzeuge der Marine und sonstige Einsatzkräfte. Die Flotte gliedert sich derzeit noch in fünf Flottillen, künftig werden es nur noch zwei Einsatzflottillen und zwei Marinefliegergeschwader sein.
Der Schiffs- und Flugzeugbestand der Flotte 2005:
- 15 Fregatten
- 10 Schnellboote
- 12 U-Boote
- 22 Minenjagdboote
- ca. 20 Hilfsschiffe
- 12 Seeaufklärer Breguet Atlantic
- 4 Dornier Do 228
- 21 Hubschrauber des Typ Sea King MK 41
- 22 Hubschrauber des Typ Sea Lynx MK 88A
Zur Flotte gehören auch einige Landeinheiten, darunter
- das Flottenkommando, Glücksburg
- die Marinefliegergeschwader 2, 3, und 5 in Tarp, Nordholz und Kiel
- das Kommando Spezialisierte Einsatzkräfte der Marine (einschließlich der Kampfschwimmer), Eckernförde
- das Schifffahrtsmedizinische Institut der Marine, Kiel
Kiel
Das Marineamt
Das Marineamt in Rostock ist für die Ausbildung und die Logistik der Marine zuständig. Eine eigene Abteilung Weiterentwicklung Marine (WEM) bearbeitet die Marineaspekte des Transformationsprozesses der Bundeswehr. Dem Marineamt unterstehen Schulen, Stützpunkte und Ämter. Derzeit hat die Marine fünf Schulen:
- Marineschule Mürwik, Flensburg (Offizierausbildung, unterstellt: Segelschulschiff Gorch Fock)
- Marineunteroffizierschule, Plön
- Marinetechnikschule, Parow bei Stralsund (unterstellt: Ausbildungszentrum Schiffssicherung, Neustadt in Holstein)
- Marineoperationsschule, Bremerhaven
- Marineversorgungsschule, List auf Sylt (wird zum 31.12.2007 geschlossen)
Zuküftige Marinestützpunkte:
- Wilhelmshaven (Fregatten der Klasse 122, 123, 124, größere Hilfsschiffe)
- Eckernförde (U-Boote, Hilfsschiffe, Marineschutzkräfte, Spezialisierte Einsatzkräfte Marine)
- Kiel (Minenabwehreinheiten, Hilfsschiffe, Segelschulschiff, Marineflieger)
- Warnemünde (Schnellboote, Hilfsschiffe und zukünftig die Korvetten (Kl. 130))
Die Marinestützpunktkommandos Eckernförde, Kiel und Warnemünde unterstehen ab Mitte 2006 truppendienstlich dem Marinestützpunktkommando Wilhelmshaven.
Die wichtigsten, dem Marineamt nachgeordneten Fachkommandos sind:
- Kommando für Truppenversuche der Marine, Eckernförde
- Kommando Marineführungssysteme, Wilhelmshaven
Kommando Marineführungssysteme
Das Marinearsenal mit Betrieben in Wilhelmshaven und Kiel untersteht nicht der Marine sondern dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung [http://www.bwg.org/ BWB].
Personal
Von den derzeit 26.000 Marinesoldaten dienen etwa 20.000 in der Marine selber, die anderen in den übrigen Teilen der Bundeswehr, vor allem in der Streitkräftebasis, dem Zentralen Sanitätsdienst und im Ministerium. In der Marine gibt es neben Berufs- und Zeitsoldaten auch Wehrpflichtige, diese allerdings in sehr viel kleinerer Zahl als in anderen Bereichen der Bundeswehr. Ca. nur 6.000 Soldaten sind auf seegehenden Einheiten.
Außer den Soldaten arbeiten in der Marine eine Anzahl ziviler Mitarbeiter. Einige Hilfsschiffe der Marine sind zivil besetzt, darunter auch die Flottentanker.
Die Pflege von Tradition und Brauchtum der Marine vermitteln den Angehörigen ein besonderes Zugehörigkeitsgefühl zu ihrer Teilstreitkraft.
Wichtigste Vereinigungen von Marineangehörigen und Ehemaligen sind
- Der Deutsche Marinebund
- Die Marine-Offizier-Vereinigung
Aufgaben der Marine
Während des Ost-West-Konflikts hatte die Bundesmarine im Wesentlichen drei Aufgaben. Sie sollte die Ostseezugänge gegen die Besetzung durch den Warschauer Pakt schützen und dadurch die in der Ostsee befindlichen Seestreitkräfte des Warschauer Pakts einschließen. In der Nordsee und im Nordatlantik sollte sie alliierte Verstärkungstransporte nach Europa schützen.
Seit 1990 hat die Marine neue Aufgaben im Rahmen von Auslandseinsätzen bekommen (siehe unten). Künftig zeichnen sich drei Bereiche ab, in denen die Marine eingesetzt werden wird:
- Auf der Hohen See, also außerhalb der Hoheitsgewässer von Staaten, gilt es, Transporte militärischer Güter zu schützen und zugleich illegale Transporte, insbesondere von Massenvernichtungsmitteln, zu unterbinden.
- In Krisengebieten, und hier vor allem vor fremden Küsten, leistet die Marine zusammen mit anderen Teilstreitkräften einen Beitrag zu Konfliktverhütung und Krisenmanagement.
- Der Schutz Deutschlands und seiner Bürger bleibt Aufgabe der Marine, steht aber konzeptionell nicht mehr im Mittelpunkt der Überlegungen.
Wie in der Vergangenheit wird die Marine in aller Regel zusammen mit den Streitkräften der Verbündeten eingesetzt werden. Die Zusammenarbeit mit den anderen Teilstreitkräften und Organisationsbereichen der Bundeswehr wird verstärkt. So können zum Beispiel die neuen Luftverteidigungsfregatten der Sachsen-Klasse auch in Küstennähe eingesetzte Landverbände gegen Luftangriffe schützen.
Die Marine beteiligt sich am SAR-Dienst im deutschen Küstenbereich.
Einsätze der Marine seit 1990
Bereits unmittelbar nach der Wiedervereinigung begann in Deutschland eine intensive Debatte über den Einsatz der Bundeswehr außerhalb des NATO-Vertragsgebiets ("out-of-area-Debatte"). Sie wurde beflügelt durch den Einsatz deutscher Streitkräfte während des Golfkonflikts, ausgelöst durch die irakische Besetzung Kuwaits am 2. August 1990. Die rechtlichen Fragen der bewaffneten Auslandseinsätze wurden durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 12. Juli 1994 weitgehend geklärt, die out-of-area-Debatte damit beendet. Es fehlt allerdings weiterhin eine Regelung für den Einsatz der Marine zur Bekämpfung der Proliferation von Massenvernichtungsmitteln, des Drogenhandels, des Menschenhandels und der Piraterie auf der Hohen See. An entsprechenden Operationen verbündeter Staaten kann sich die deutsche Marine auf Grund der innerstaatlichen Rechtslage nur mit Einschränkungen beteiligen.
Die Marine wurde hingegen von Beginn an mit bewaffneten Einsätzen im Sinne des Urteils des Bundesverfassungsgerichts beauftragt. Im Rahmen der ständigen Einsatzverbände der NATO nimmt die Marine darüber hinaus in wichtigen Seegebieten Überwachungs- und Präsenzaufgaben war, die nicht unter den formalen Begriff des bewaffneten Einsatzes fallen. Außerdem sind an fast allen anderen Einsätzen der Bundeswehr Marinesoldaten beteiligt, die im Zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr und der Streitkräftebasis dienen oder von der Marine für Sonderaufgaben abgestellt sind.
Die Einsätze haben die Marine, wie andere Teile der Bundeswehr auch, mit vielen neuen Herausforderungen konfrontiert. Das lag unter anderem daran, dass die vorhandenen Schiffe für die Aufgaben des Kalten Krieges konzipiert waren. Die neuen Aufgaben verlangten neue Ausrüstung (z.B. kleinkalibrige Maschinenwaffen auf Fregatten) und neue Verfahren. Das heiße Klima am Horn von Afrika führte auch zu technischen Problemen, z.B. bei der Kühlung der Wohnräume und der Schiffsdiesel. Insofern sind die Einsätze auch mit hohen physischen Belastungen für die Besatzungen verbunden. Zu den neuen Verfahren gehörte auch, kleine Fahrzeuge, in diesem Falle Schnellboote, nicht auf eigenem Kiel sondern an Bord eines Dockschiffs in das Einsatzgebiet zu transportieren, um das Material zu schonen. Die Einsatzerfahrungen fließen in die Entwürfe für neue Schiffe ein.
Einsätze im Zusammenhang mit dem Golfkrieg 1990-1991
Nach der Besetzung Kuwaits durch den Irak am 2. August 1990 wurden Kräfte der Bundeswehr zur Verstärkung der Südflanke der NATO ins Mittelmeer und in die Türkei verlegt. Die Marine beteiligte sich daran mit einem Minenabwehrverband (Operation Südflanke), mit Zerstörern, Fregatten, Hilfsschiffen und einigen Flugzeugen. Zeitweise befanden sich bis zu 20 Schiffe und Boote im Mittelmeer. Nach Ende der Kampfhandlungen beteiligte sich der Minenabwehrverband an der Minenräumung im Persischen Golf.
Einsätze in der Adria seit 1992
Mit Ausbruch der ersten bewaffneten Auseinandersetzungen im ehemaligen Jugoslawien 1992 begann die NATO mit Überwachungsoperationen in der Adria. Daran waren auch Schiffe und Flugzeuge der deutschen Marine beteiligt. Das erste Schiff der Deutschen Marine in der Adria war der Zerstörer "Bayern" D-183. Auf Grundlage verschiedener Resolutionen der Vereinten Nationen wurde aus der Überwachungsoperation der Embargoeinsatz Operation Sharp Guard. Die deutsche Beteiligung daran war einer der Gegenstände des erwähnten Verfahrens vor dem Bundesverfassungsgericht. Erst nach dessen Abschluss 1994 konnte sich die deutsche Marine in vollem Umfang an den Adriaoperationen beteiligen. Die Operation diente zum Einen dazu, Waffenlieferungen in das gesamte ehemalige Jugoslawien zu unterbinden, und sollte zum Anderen ein Handelsembargo gegen Rest-Jugoslawien durchsetzen, um es zu einer friedlichen Konfliktbewältigung in Bosnien und Herzegowina zu zwingen.
Auch nach Abschluss der Operation SHARP GUARD 1996 blieb die Marine - meist als Teil von NATO-Verbänden – mit Schiffen und Flugzeugen in der Adria präsent. So beteiligte sie sich im März 1997 an der deutschen Operation Libelle zur Evakuierung deutscher Bürger aus Albanien. Auch während des Kosovokrieges dauerten die Schiffspatrouillen in der Adria an, und nach Abschluss des Konflikts beteiligte sich die deutsche Marine an der Beseitigung von in der Adria versenkter Munition.
Somalia 1994
Im Dezember 1993 beschloss das Bundeskabinett, den seit Juli laufenden Unterstützungseinsatz des deutschen Heeres in Somalia bis Ende März 1994 zu beenden. Wegen der sich zügig verschlechternden Sicherheitslage wurde darauf verzichtet, das Heereskontingent per Lufttransport zurück zu führen. Die Marine evakuierte bis Februar 1994 die etwa 1.700 Soldaten mit Fregatten und Versorgungsschiffen in mehreren Transporten von Mogadischu nach Mombasa und Dschibuti.
Kampf gegen den Internationalen Terrorismus seit 2001
Dschibuti
Seit 2001 ist die Bundeswehr auch im Rahmen des Kampfes gegen den internationalen Terrorismus eingesetzt. Ein Marinekontingent überwacht seit Anfang 2002 abgestützt auf Dschibuti das Seegebiet am Horn von Afrika als Teil der internationalen Operation Enduring Freedom. In der Anfangsphase waren daran drei Fregatten, fünf Schnellboote, mehrere Hilfsschiffe, Seefernaufklärer und Hubschrauber mit etwa 1.500 Soldaten beteiligt. Das war der bisher größte Einsatz der Marine seit 1990. Inzwischen ist der Umfang erheblich reduziert worden. Das Marinekontingent besteht aus einer Fregatte, zeitweilig einem Versorgungsschiff und einer kleinen Basis in Dschibuti.
Außerdem ist die Marine bereits seit Ende 2001 an der NATO-Operation Active Endeavour im Mittelmeer beteiligt.
- [http://www.marine.de/enduring_freedom Informationen zur Operation ENDURING FREEDOM]
- [http://www.afsouth.nato.int/operations/Endeavour/Endeavour.htm Informationsseite der NATO zur Operation Active Endeavour (engl.)]
- [http://www.bundeswehr.de/C1256EF4002AED30/CurrentBaseLink/W264VFYS337INFODE Informationsseite der Bundeswehr zur Operation Active Endeavour]
- [http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/aussenpolitik/friedenspolitik/abr_und_r/jab2003/1/1_2_html Informationsseite des Auswärtiges Amts zu Auslandseinsätzen]
Verweise
Wikilinks
- Marine
- Deutsche Marine (Geschichte) mit einem Überblick über die deutsche Marinegeschichte seit der Hansezeit und eigenen Kapiteln über Tradition und Brauchtum der Marine und Marinemuseen, Gedenk- und Erinnerungsstätten.
Die Deutsche Flotte nach 1945
- Deutsche Kriegsschiffe seit 1945
- Deutsche U-Boote nach 1945
Weblinks
- [http://www.marine.de/ Offizieller Internetauftritt der Deutschen Marine]
- [http://www.marine-offizier-vereinigung.de/ Marine-Offizier-Vereinigung]
- [http://www.deutscher-marinebund.de/ Deutscher Marinebund]
- [http://www.marinemuseum.de/ Deutsches Marinemuseum]
- [http://www.dmkn.de/ Deutsches Maritimes Kompetenz Netz]
Kiel
Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt Kiel ist eine kreisfreie Stadt im Osten des Landes an der Ostsee (Kieler Förde). Sie ist die größte Stadt sowie, neben Lübeck, Flensburg und Neumünster, eines der vier Oberzentren des Bundeslandes. Ferner ist Kiel eine traditionsreiche Universitätsstadt mit starkem Bezug zum Meer in den Bereichen Marine, Schiffbau, Segeln und Meeresforschung. Die nächstgelegene größere Stadt ist die Freie und Hansestadt Hamburg, ca. 90 km südwestlich.
Die Einwohnerzahl der Stadt Kiel, des historischen Hauptortes von Holstein, überschritt im Zuge des Ausbaus als Reichskriegshafen um das Jahr 1900 die Grenze von 100.000, wodurch sie zur Großstadt wurde. Bereits 1913 hatte die Stadt über 200.000 Einwohner.
Geografie
Großstadt Kiel ist einer der wichtigsten Naturhäfen an der Ostsee und liegt zu beiden Seiten der Kieler Förde. Durch Kiel verläuft die Wasserscheide von der Nordsee zur Ostsee. So berührt ebenso wie die Schwentine der Fluss Eider, der in die Nordsee mündet, Kieler Stadtgebiet, außerdem endet der Nord-Ostsee-Kanal im Stadtteil Kiel-Holtenau. Die Umgebung Kiels ist von Moränenhügeln geprägt und geht direkt in die Holsteinische Schweiz über.
Nachbargemeinden
Folgende Gemeinden grenzen an die Stadt Kiel (sie werden nach dem Uhrzeigersinn beginnend im Nordosten, an der Ostküste der Kieler Förde, genannt):
Kreis Plön: Mönkeberg, Schönkirchen (Holstein), Klausdorf und Raisdorf (alles amtsfreie Gemeinden) sowie Pohnsdorf, Honigsee und Boksee (alle Amt Preetz-Land)
Kreis Rendsburg-Eckernförde: Flintbek (Amt Flintbek), Molfsee und Mielkendorf (Amt Molfsee), Melsdorf und Ottendorf (Amt Achterwehr), Kronshagen (amtsfreie Gemeinde), Neuwittenbek und Felm (Amt Dänischer Wohld), Altenholz (amtsfreie Gemeinde), Dänischenhagen (Amt Dänischenhagen) und Strande (Amt Dänischenhagen)
Stadtgliederung
Das Stadtgebiet Kiels ist in 30 Stadtteile eingeteilt. Meistens bilden ein oder mehrere Stadtteile zusammen einen der insgesamt 18 Ortsbezirke mit je einem Ortsbeirat. Diese Gremien werden von der Ratsversammlung (Gemeinderat) der Gesamtstadt nach jeder Kommunalwahl neu bestimmt und sind zu wichtigen, den Ortsbezirk betreffenden Angelegenheiten zu hören. Sie können auch Anträge, die den Stadtteil betreffen, an die Ratsversammlung stellen, damit diese dort beraten bzw. beschlossen werden.
Die Ortsbezirke mit ihren zugehörten Stadtteilen und deren amtlicher Nummer:
- Mitte
- 1 Altstadt
- 2 Vorstadt
- 3 Exerzierplatz
- 4 Damperhof
- Ravensberg/Brunswik/Düsternbrook
- 5 Brunswik
- 6 Düsternbrook
- 7 Blücherplatz
- 9 Ravensberg
- Steenbek-Projensdorf
- 8 Wik z.T.
- Wik
- 8 Wik z.T.
- Schreventeich/Hasseldieksdamm
- 10 Schreventeich
- 11 Südfriedhof
- 15 Hasseldieksdamm
- Gaarden
- 12 Gaarden-Ost
- 13 Gaarden-Süd und Kronsburg
- Hassee/Vieburg
- 14 Hassee
- Ellerbek/Wellingdorf
- 16 Ellerbek
- 17 Wellingdorf
- Holtenau
- 18 Holtenau
- Pries-Friedrichsort
- 19 Pries
- 20 Friedrichsort
- Neumühlen-Dietrichsdorf/Oppendorf
- 21 Neumühlen-Dietrichsdorf
- Elmschenhagen/Kroog
- 22 Elmschenhagen
- Suchsdorf
- 23 Suchsdorf
- Schilksee
- 24 Schilksee
- Mettenhof
- 25 Mettenhof
- Russee/Hammer
- 26 Russee
- Meimersdorf/Moorsee
- 27 Meimersdorf
- 28 Moorsee
- Wellsee/Kronsburg/Rönne
- 29 Wellsee
- 30 Rönne
Geschichte
Meimersdorf
- Kiel wurde zwischen 1233 und 1242 von Graf Adolf IV. von Holstein aus dem Hause Schauenburg gegründet. Nur bei Kiel stieß das alte deutsche bzw. sächsische Territorium an die Ostsee - nördlich der Levensau lag dänisches, östlich der Schwentine slawisches Gebiet. Damit war Kiel eine der nördlichsten Städte im Heiligen Römischen Reich. -- Der ursprüngliche Stadtname lautete Holstenstadt tom Kyle ("die Holstenstadt an der Förde)". Kyle heißt Keil und meint hier im Speziellen die Förde, eine Meeresbucht, die wie ein Keil weit ins Land hinein schneidet. Im Sprachgebrauch wurde der lange Name zu tom Kyle verkürzt und schließlich zu Kiel (das y im alten Namen ist ein langes i). Früher kursierte übrigens noch eine weitere Erklärung für den Namen der Stadt Kiel: Das Gewässer "Kleiner Kiel", das den Altstadtbereich fast total umschließt, ist ein ehemaliges "Noor". Dieses ehemalige Noor bildete - ähnlich wie in Haithabu an der Schlei - einen sicheren Naturhafen für die seefahrenden Wikinger. Die Ortsnamen Brunswik und Wik weisen auf die Anwesenheit der Nordmänner hin. Das alte nordische Wort "Kijl" [gesprochen = kijel] bedeutet "Quelle", also gutes Trinkwasser, auf das die seefahrenden Wikinger angewiesen waren. Eine "Wik" (sicherer Naturhafen) ohne gutes Trinkwasser, also eine Quelle = Kijl, war für die Wikinger kein guter Hafen! Wer sich alte Karten von Kiel anschaut wird mehrere kleine Bäche finden, die alle in das Noor, den "Kleinen Kiel" münden. Genau dort, wo sich der sichere Naturhafen - die Wik - befand, konnte man damals gutes Trinkwasser aus den Bächen schöpfen. Die Bäche sind heute alle kanalisiert und darum nicht mehr sichtbar. Diese damaligen Trinkwasserquellen = Kijls könnten also durchaus der eigentliche Ursprung des Namens "Kiel" sein. Beweisen lassen sich aber beide Versionen nicht.
- 1242 erhielt Kiel das Stadtrecht
- 1283 Eintritt in die Hanse
- 1301 war die Stadt befestigt
- Ab 1329 von einer Stadtmauer umgeben
- 1460 Unterzeichnung des Vertrags von Ripen
- 1469 Erstmalige Erwähnung des Kieler Umschlags
- 1518 Kiel wird aus der Hanse ausgeschlossen
- 1665 Gründung der Christian-Albrechts-Universität durch Herzog Christian Albrecht von Gottorf - die CAU ist damit die nördlichste Universität im römisch-deutschen Reich
- 1728 Im Kieler Schloß wird der spätere russische Zar Peter III. als Sohn des Herzogs Karl Friedrich von Holstein-Gottorf geboren
- 1773 kommt die Stadt an den dänischen König
- 1803 Errichtung eines Botanischen Gartens
- 1813 wird Kiel im Kosakenwinter von Schweden eingenommen
- 1814 Frieden von Kiel: Das Herzogtum Holstein wird weiter vom dänischen König regiert
- 1815 Holstein, das bis 1806 Teil des Heiligen Römischen Reiches gewesen war, wird Mitglied des Deutschen Bundes
- 1838 Gründung der Maschinenbauanstalt Schweffel und Howaldt, Kiels erster großer Betrieb, aus dem später die heutige HDW hervor geht
- 1844 Mit der Eisenbahnlinie nach Altona (König Christian VIII. Ostseebahn) wird der Ostseehafen Kiel mit Elbe und Nordsee verbunden
- 1848 In Kiel konstitutiert sich eine provisorische schleswig-holsteinische Regierung, die sich für die Unabhängigkeit von Dänemark einsetzt
- 1850 Mit dem Brandtaucher wird in Kiel das erste U-Boot der Welt gebaut
- 1864 Eroberung Schleswig-Holsteins durch Preußen und Österreich im Deutsch-Dänischen Krieg; Kiel wird zunächst von Preußen und Österreich gemeinsam verwaltet
- Am 24. März 1865 ordnet der preußische König die Verlegung der Ostsee-Marinestation von Danzig nach Kiel an. Ab da entwickelt sich Kiel zur Großstadt. Mit der Marine kommt auch die Norddeutsche Werft (später Germania-Werft) als zweiter Schiffbaubetrieb nach Kiel
- 1866 wird Kiel ganz preußisch. Das Artilleriedepot (ab 1891 Kaiserliche Torpedowerkstatt) wird eingerichtet. Hier werden unter anderem Über- und Unterseewaffen entwickelt
- 1867 Kiel wird Kriegshafen des neugegründeten norddeutschen Bundes und Sitz des aus den Ämtern Bordesholm, Cronshagen, Kiel und Neumünster gebildeten Kreises Kiel
- 1871 In der neuen Reichsverfassung heißt es in Artikel 52, Absatz 2:
:Der Kieler Hafen und der Jadehafen sind Reichskriegshäfen
- 1873 Die Kieler Werftarbeiter beginnen sich zu organisieren: Gründung des Allgemeinen Deutschen Schiffszimmerer-Vereins
- 1878 nimmt mit der Kaiserlichen Werft die dritte Großwerft ihren eigentlichen Betrieb auf (vorher Marinedepot seit 1865)
- 1882 Die erste Kieler Woche findet statt
- 1883 Kiel scheidet aus dem gleichnamigen Kreis aus und wird eine kreisfreie Stadt; Sitz des Kreises Kiel wird die Stadt Bordesholm
- 1885 Erstmals wird die "Kieler Woche" als Kombination von Schiffsparade, Segelregatten und Volksfest veranstaltet
- 1887 Kiel wird deutscher Reichskriegshafen; rasantes Bevölkerungswachstum durch die Ansiedlung der Werftindustrie
- 1893 Das Kieler Gewerkschaftskartell wird gegründet und hat zu Anfang 2.900 Mitglieder
- 1895 Eröffnung des Kaiser-Wilhelm-Kanals (heute Nord-Ostsee-Kanal), welcher bald die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt wird. In der Folge wird Kiel zum Haupthafen der deutschen Flotte
- 1907 Der Kreis Kiel wird in Kreis Bordesholm umbenannt; Kiel selbst bleibt weiterhin kreisfrei
- 1913 Am Vorabend des Ersten Weltkriegs arbeiten auf der Kaiserlichen Werft 6.900, auf der Germania-Werft 6.800, und bei den Howaldtwerken 3.700 Personen. Mehr als 30.000 Kieler waren Marineangehörige
- 1917 Kiel wird Sitz des Oberpräsidiums der preußischen Provinz Schleswig-Holstein und somit quasi "Landeshauptstadt". Vorher befand sich das Oberpräsidium in Schleswig
- 1918 Mit dem Matrosenaufstand endet der Erste Weltkrieg. Am 3. November erheben sich hier die Matrosen, gründen am 4. November den ersten Arbeiter- und Soldatenrat Deutschlands und begannen somit die Novemberrevolution, welche innerhalb weniger Tage ganz Deutschland erfasst und mit der dadurch erzwungenen Abdankung des deutschen Kaisers Wilhelm II. die Grundsteinlegung zur ersten deutschen Republik, der Weimarer Republik bildete
- 1928 Der Zivilflughafen Kiel-Holtenau wird in Betrieb genommen
- 1932 Der Kreis Bordesholm (bis 1907 Kreis Kiel) wird aufgelöst und sein Gebiet auf die Kreise Rendsburg, Segeberg und Plön aufgeteilt
- 1936 Kiel wird zum ersten Mal Austragungsort der olympischen Segelwettbewerbe. Im Landesarchiv Schleswig-Holstein existiert ein Film von Leni Riefenstahl über dieses Ereignis
- Im Zweiten Weltkrieg von 1939 bis 1945 wird Kiel wegen der militärischen Bedeutung (Kriegshafen, Werften) zu 80% zerstört. Die Integration der vielen ostdeutschen Kriegsflüchtlinge aus dem Baltikum, Ost- und Westpreußen, Pommern und Mecklenburg stellt die Stadt vor zusätzliche Herausforderungen. In den Nachkriegsjahren wird es unter damals modernen Gesichtspunkten neu aufgebaut. Die Stadt entwickelte sich bald wieder zum wirtschaftlichen, politischen und geistigen Zentrum Schleswig-Holsteins
- Kiel wurde 1946 unter briti | | |