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Bassinstrument

Bassinstrument

Als Bass-Instrument wird ein Musikinstrument bezeichnet, wenn es
- allgemein in einer tiefen Lage klingt
- oder aber das tiefste Exemplar einer Instrumentenfamilie darstellt, wie zum Beispiel Bass-Posaune, Bass-Gitarre oder Bass-Flöte. Ist nur von Bass als Instrument die Rede, so ist in der klassischen Musik sowie im Jazz meistens der Kontrabass, in der Pop- und Rockmusik dagegen der E-Bass (elektrische Bassgitarre) gemeint. Bassisten sind dem entsprechend im instrumentalen Bereich jene Musiker, die den akustischen Kontrabass oder E-Bass spielen. Während die Bedeutung der Bassisten sich in der Klassik meist auf die Erzeugung der harmonischen Grundlage konzentriert, ist der Bassist in den Bereichen Jazz sowie Pop- und Rockmusik neben der tragenden Rolle innerhalb der Rhythmusgruppe auch solistisch tätig. Kategorie:Musikinstrument

Musikinstrument

Ein Musikinstrument ist ein Gegenstand, der mit dem Ziel konstruiert oder verändert wurde, Musik zu erzeugen. Im Prinzip kann jeder Gegenstand, der Töne oder auch nur Geräusche hervorbringt, als Musikinstrument dienen, jedoch wird der Ausdruck normalerweise nur für solche Gegenstände verwendet, die zu diesem Zweck hergestellt oder verändert wurden.

Klassifikation

Es gibt viele verschiedene Versuche, die Vielfalt der Musikinstrumente in Gruppen einzuteilen. Bei praktisch allen Klassifikationssystemen zeigen sich Vor- und Nachteile sowie mehr oder weniger zahlreiche Ausnahmen.

Klassifikation nach Art der Tonerzeugung


- Chordophone (Saiteninstrumente / Tonerzeugung durch Saiten)
  - Streichinstrumente wie die Geige
  - Zupfinstrumente wie die Gitarre
- Aerophone ("Luftklinger" / Tonerzeugung durch Luftstrom)
  - Blasinstrumente
    - Blechblasinstrumente
    - Holzblasinstrumente
  - Tasten-Aerophone:
    - Orgel
    - Harmonium,
    - Handzuginstrumente (Akkordeon und verwandte Instrumente)
- Membranophone ("Fellklinger" / Tonerzeugung durch schwingendes Fell)
- Idiophone ("Selbstklinger" / Tonerzeugung durch Klingen des gesamten Instruments)
- Elektrophone (Elektronische Instrumente) Innerhalb dieses Schemas sind Mischformen möglich. Im 1914 veröffentlichten Klassifikationsschema von Curt Sachs und Erich von Hornbostel werden die Instrumente ähnlich unterteilt.

Klassifikation nach Benutzung durch den Spieler


- Blasinstrumente
- Streichinstrumente
- Zupfinstrumente
- Schlaginstrumente
- Tasteninstrumente

weitere Klassifikationen


- nach geographisch-kultureller Herkunft
- nach Bestimmung (Konzert-, Übe-, Kinder-, Spielzeuginstrumente, Harmonieinstrument, Lärm-, Rhythmus- oder Effektinstrument)
- nach Musikrichtung (klassische, Popmusik-, Volksmusikinstrumente) Siehe auch Liste der Musikinstrumente ! ja:楽器 ko:악기 simple:Musical instrument

Gitarre

Die Gitarre (griechisch κιθάρα, ursprünglich die Kithara, ein leierartiges Instrument) ist ein Musikinstrument, hinsichtlich der Tonerzeugung ein Saiteninstrument, von der Spieltechnik her ein Zupfinstrument. Es kann grundsätzlich zwischen akustischen und elektrischen Gitarren unterschieden werden.

Stimmung und Tonumfang

Die sechs verschieden dicken Saiten der traditionellen Gitarre sind meistens auf E - A - d - g - h - e’ gestimmt (Standardstimmung). Jede Saite klingt somit eine Quarte, das heißt fünf Halbtöne, höher als die darunter liegende. Eine Ausnahme ist lediglich die h-Saite, die eine große Terz und damit vier Halbtöne höher als die darunter liegende g-Saite klingt. Es gibt verschiedene Merksprüche für die Standardstimmung:
- Ein Anfänger Der Gitarre Hat Eifer
- Eine Alte Dumme Gans Hat Eier
- Eine Alte Dame Ging Hering Essen
- Eine Alte Dame Ging Heute Einkaufen
- Eine Alte Deutsche Gitarre Hält Ewig
- Ein Alter Dackel Ging Honig Essen Diese Stimmung ist erst seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gebräuchlich. Gelegentlich werden auch eine oder mehrere Saiten der Gitarre auf andere Töne gestimmt. Eine solche veränderte Stimmung nennt man Skordatur. Häufige Skordaturen in der klassischen Gitarremusik sind D - A - d - g - h - e’ oder seltener D - G - d - g - h - e’. Um Renaissancelautenmusik auf der Gitarre zu spielen wird oft die Skordatur E - A - d - fis - h - e’ verwendet, da so die Intervalle zwischen den Saiten dieselben sind wie zwischen den ersten sechs Chören der Renaissancelaute. Daneben werden in der nichtklassischen Musik Skordaturen verwendet, bei denen die leeren Saiten einen einfachen Akkord ergeben. Solche Skordaturen werden offene Stimmungen (open tunings) genannt. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist das Stück Das Loch in der Banane von Klaus Weiland. Durch das Mitschwingen der leeren Saiten erhält die Gitarre einen volleren Klang. Wichtige offene Stimmungen sind:
- Offene D-Stimmung, (D - A - d - fis - a - d’)
- Offene G-Stimmung, (D - G - d - g - h - d’) Die Stimmung D - A - d - g - h - e’ wird als Dropped D-Stimmung manchmal auch zu den offenen Stimmungen gezählt, obwohl die leeren Saiten keinen einfachen Akkord ergeben. Weit seltener als sechssaitige sind Gitarren mit 7, 8 oder 10 Saiten. Die recht häufige 12-saitige Gitarre besitzt zum herkömmlichen EADGHE-Saitensatz sechs Saitenpaare. Die vier tiefen Saiten (E, A, D und G) werden um höhergestimmte Oktavsaiten und die zwei hohen Saiten (H und E) um gleich gestimmte Saiten ergänzt. Die so entstehenden, jeweils eng nebeneinander liegenden Saitenpaare werden zusammen gegriffen bzw. angeschlagen. So wird ein volleres Klangbild als bei der Sechssaitigen Gitarre erzielt.

Notation

Noten für Gitarre werden im oktavierten Violinschlüssel notiert, erklingen also eine Oktave tiefer. Um Musikstücke schriftlich festzuhalten und zu lesen, wird auch heute noch neben der Notendarstellung die Darstellung in Tabulatur benutzt - jedoch im wesentlichen für Musik aus den Bereichen Rock, Pop und Folk.

Geschichte

Instrumente wie die Gitarre waren bereits vor 5.000 Jahren sehr populär. Ägyptische Zeichnungen zeigen Frauen, die Instrumente wie eine Gitarre aus der Zeit der Pharaonen spielen. Der Name Gitarre allerdings geht auf die Kithara, ein leierähnliches Instrument der griechischen Antike zurück. Davon leitete sich später das arabische Wort qitara ab, welches ein Instrument bezeichnete, das im 10. Jahrhundert von den Mauren nach Spanien gebracht wurde. Die spanische Vihuela aus der Renaissance ist die Vorform der heutigen Gitarre. Sie hat einen schmalen Korpus und eine Wirbelplatte.

Frühgeschichte

Wann und wo zum ersten mal auf einer Vorgängerin der Gitarre gespielt wurde, ist ungewiss. Abbildungen aus Mesopotamien und Ägypten von Saiteninstrumenten mit einem Hals, sowie einem Resonanzkörper weisen jedoch auf einen Ursprung in den frühen Hochkulturen hin. Auch die Griechen spielten auf Saiten-Instrumenten, jedoch eines anderen Typs, den so genannten Jochlauten. Diese bestanden aus einem Schallkörper, der nach oben in zwei seitliche Arme auslief, welche mit einem Querholz verbunden waren. In den so gebildeten Rahmen wurden die Saiten gespannt. Eines dieser Jochlauten-Instrumente wurde damals als „Kithara“ (κιθάρα) bezeichnet, die etymologische Herkunft ist bis heute leider ungewiss. Das Leierinstrument erfreute sich, nach der Eroberung Griechenlands von dort importiert, im römischen Reich großer Beliebtheit. Aber auch Saiteninstrumente mit Resonanzkasten und Hals waren in Gebrauch und machten sogar einen wichtigen Schritt in ihrer Entwicklung. Der ursprünglich längs über den gesamten Resonanzkörper hinweg gehende Hals wurde nämlich stattdessen an den Körper angesetzt, wie es bei heutigen Gitarren auch noch der Fall ist. Diese Instrumente wurden hauptsächlich von der Unterschicht gespielt, also auch den Soldaten, welche das Instrument während der Punischen Kriege (264-146 vor Christus) nach Spanien brachten. Hier grenzt sich der Begriff „Kithara“ jedoch von seiner griechischen Bedeutung ab und bezieht sich von nun an nicht mehr auf die ursprüngliche Jochlaute.

Mittelalter

Durch den Einfluss des Christentums änderten sich auch die Anforderungen an die Instrumente. Besonders die Entstehung der Mehrstimmigkeit forderte eine Weiterentwicklung der Bauform. Der Resonanzkörper wurde nun vorwiegend aus Brettchen zusammen geleimt und die Seitenteile nach außen gebogen, um dem Druck, der durch den angesetzten Hals ausgeübt wurde, standhalten zu können. Außerdem hatten die Instrumente keinen bauchigen Körper mehr, sondern einen zunehmend flachen, wie wir es von den heutigen Gitarren her kennen. Zwar waren diese Instrumente auch im übrigen Europa bekannt, doch hauptsächlich wurden sie in Spanien verwendet. Seit dem Jahr 711 herrschten dort die Mauren, welche aus ihrer Heimat ein bereits voll ausgereiftes Instrument, die Laute, mitbrachten. Von dieser übernahmen die Gitarrenbauer einige wenige, aber dennoch bedeutsame Details, wie etwa die Bünde am Hals, welche maßgebend für die Stimmung waren. Neben der Gitarre gab es dort ein verwandtes Instrument, die „Vihuela“. Sie wurde als edlere Variante, der vierchörigen, meist von der Unterschicht gespielten, Gitarre, angesehen. Den einzigen wesentlichen Unterschied stellte die Besaitung dar: Eine „Vihuela“ hatte meist sechs oder mehr Chöre und war dadurch schwerer zu spielen.

Renaissance, Barock und Romantik

Die Musik dieser Zeit, dem 17. Jahrhundert ist uns in Form von Tabulaturen überliefert, nach denen, neben einigen damals sehr berühmten Berufsmusikern, auch viele Laien spielen konnten. Als jedoch in der Barockzeit die Musik akkordlastiger wurde, schaffte nur die „Guitarra“ die nötigen baulichen Anpassungen. Deren feinere Variante, die Vihuela, starb aus. Auch diese Entwicklung vollzog sich auf spanischem Boden, mit geprägt durch Gaspar Sanz und seine Gitarrenschule („Instrucción de música sobre la guitarra española“), und so wurde die Gitarre mit der Zeit als „Guitarra española“ – nun fünfchörig – bezeichnet. Mit dem Fortschreiten des 17. Jahrhunderts tendierte die Spielweise wieder vom „rasgueando“, dem Schlagen von Akkorden, zum kontrapunktischem Spiel, dem „punteando“, bis ein endgültiger Bruch schließlich in die Frühklassik mündete. Während dieser Zeit änderte sich die Besaitung der Gitarre ständig, da nun die Melodie, als tragendes Element, in den Vordergrund trat und viel experimentiert wurde, um neue Erfahrungen zu gewinnen. Auf diese Weise wandelte sich die fünfchörige Barockgitarre letztendlich zur sechssaitigen Gitarre des 19. Jahrhunderts, mit einer robusteren und, hinsichtlich der vielen Verzierungen der Barockgitarren, funktionaleren Bauweise. Klanglich war der Einbau von Resonanzleisten am prägnantesten, welche die Schwingungen auf den gesamten Körper übertrugen, sodass die Töne lauter wurden.

Spätgeschichte

Ihre klassische Epoche durchlebte die Gitarre hauptsächlich im deutschsprachigen (Wien) und französischsprachigen (Paris) Raum. Die Hauptkomponisten für das Instrument waren neben anderen in Paris Fernando Sor (1778 -1839), Dionisio Aguado (1784 - 1849) und Napoléon Coste (1805 - 1883) sowie in Wien Mauro Giuliani(1781 - 1828) und Johann Kaspar Mertz (1806 - 1856). Schon in der Romantik führen jedoch einige Entwicklungen wieder nach Spanien. Der Gitarrist Francisco Tárrega (1852 – 1909) schlug dort mit seinen bis heute üblichen Griff- und Anschlagtechniken neue Wege ein. Zur gleichen Zeit vervollkommnete der Gitarrenbauer Antonio Torres (1817 – 1892) die Gitarre in Form und Abmessungen, Anordnung der Resonanzleisten und mechanischen Details. Zwar gab es im 20. Jahrhundert, auch bedingt durch elektronische Technologien, viele Neuerungen, doch deren Auswirkungen werden sich erst zu einem späteren Zeitpunkt beurteilen lassen. Die Torres-Gitarre ist bis heute die Grundlage einer jeden klassischen Konzertgitarre geblieben.

Aufbau

Antonio Torres

Grundform

In der Regel besteht eine Gitarre im Wesentlichen aus einem Korpus, der als Resonanzkörper dient und einem damit verbundenen Hals, über den die Saiten laufen und der üblicherweise in einem Kopf endet.

Hals

Während spezielle Formen der Gitarre (besonders spezielle E-Gitarren) quasi keinen Korpus und/oder keinen Kopf besitzen, ist allen der Hals gemein. Eine minimale Gitarre hat ausschließlich einen Hals, über dem zwischen Sattel (am Kopf) und Steg (auf dem Korpus) Saiten der Dicke nach geordnet aufgespannt sind. Bei heutigen Gitarren besteht der Hals meist nicht aus einem Stück, sondern hat ein aufgeleimtes Griffbrett über das die Saiten laufen. Diese Konstruktion hat zum einen Vorteile für die Stabilität des Halses, zum anderen hat die Wahl der Hölzer für Hals und Griffbrett einen erheblichen Einfluss auf den Klang und die Bespielbarkeit der Gitarre. Bei klassischen Gitarren mit Darm- oder Kunststoffseiten besitzt ein einfacher massiver Holzhals ausreichend Stabilität, um dem Zug der Saiten ohne störende Verformung standzuhalten. Viele Instrumente mit Stahlseiten, vor allem E-Gitarren und ganz besonders E-Bässe besitzen jedoch noch einen in den Hals eingelassenen Halsspannstab (auch truss rod oder Trussrod). Dieser liegt etwa in der Mitte des Halses in einem gebogenen Kanal und bewirkt eine Vorspannung des Halses entgegen der Saitenzugspannung. Typische Gitarren haben auf dem Hals Bünde. Diese helfen, die Saite beim Greifen zu verkürzen, um einen bestimmten Ton beim Anschlagen zu erzeugen. Jedes Bundstäbchen entspricht dabei einem Halbtonschritt. Heutzutage sind die, meist aus Metall (z.B. Nickel) bestehenden, Bünde unverrückbar in das Griffbrett eingelassen. Diese Bauweise erlauben es eigentlich nicht, Zwischentöne zu erzeugen. Mit geeigneten Spieltechniken (z.B. Ziehen, Bottleneck bzw. Slide) ist aber auch das möglich. Der Hals ist je nach Art der Gitarre am Griffbrett flach oder gewölbt, breit oder schmal. Hierbei haben klassische Gitarren eher einen breiten und flachen Hals, wogegen Stahlsaitengitarren eher schmale und gewölbte Hälse haben.

Kopf

Am Ende des Halses befindet sich der Kopf/die Kopfplatte, wo das eine Ende der Saiten an den Wirbeln befestigt ist. Mittels der Wirbel werden die Saiten gespannt und durch Regulierung der Spannung gestimmt. Der notwendige Druck auf den Sattel entsteht dabei durch die Abwinkelung der Saiten gegenüber dem Hals. Je nach Bauform wird diese Abwinkelung entweder durch die Abwinkelung der Kopfplatte oder durch andere geeignete Maßnahmen wie z.B. Seitenniederhalter oder getstaggerte Mechaniken (zum Ende der Kopfplatte niedriger werdende Wirbel) erzielt. Spezielle Bauformen von Kopfplatten gibt es vor allem bei manchen neueren E-Gitarren. So gibt es beispielsweise Klemmsattel, bei denen die Saiten am Sattel arretiert werden, um besonderes in Verbindung mit Vibratosystemen eine bessere Stimmstabilität zu erzielen. Noch extremer ist der komplette Verzicht auf eine Kopfplatte. In beiden Fällen werden die Wirbel durch Stimmmechaniken am Steg ergänzt oder gar ersetzt. D.h. die eigentliche Stimmfunktion wandert an das andere Saitenende auf dem Korpus.

Korpus

Der Korpus ist je nach Bauform der Gitarre stark unterschiedlich ausgeprägt. Bei akustischen Instrumenten (im Gegensatz zu elektrischen) besteht er meist aus einem leichten hölzernen Resonanzkörper bestehend aus Boden, Zargen und Decke. Die Decke besitzt dabei ein meist kreisrundes Schalloch. Es gibt jedoch, vor allem im Bereich der E-Gitarren, noch zahlreiche andere Bauformen wie z.B. Halbresonanz-Gitarren oder Solidbody-Gitarren (ohne Hohlkörper). Auf dem Korpus befindet sich der Steg. An diesem ist das andere Ende der Saiten befestigt, oder - zumeist bei elektrischen Gitarren - unterhalb davon an einem Saitenhalter. Auch für den Steg gibt es zahlreiche unterschiedliche Bauformen mit unterschiedlichen Einstellmöglichkeiten für Saitenlage, exakte Mensur einzelner Seiten oder auch mit Sonderfunktionen (z.B. Tremolo-Hebel).

spezielle Bauformen

Gitarren gibt es in unterschiedlicher Größe und Mensur. So gibt es unter anderem Kindergitarren und auch speziell für kleinere Menschen angefertigte Instrumente wie zum Beispiel so genannte Frauengitarren, die unter anderem von Künstlern wie Prince gespielt werden. Beim Bau der Gitarre werden traditionell Hölzer für den Korpus und den Hals verwendet. Jedoch kommen auch hier vereinzelt andere Materialien, wie zum Beispiel Metall, Verbundwerkstoffe oder Carbon zum Einsatz. Bei den Hölzern werden in der Regel spezielle Klanghölzer verwendet, die je nach Gitarrenart und Eigenschaft in unterschiedlichen Kombinationen beim Gitarrenbau verwendet werden. Speziell Flamenco-Gitarren sind mit einem Golpeador bestückt, einer dünnen Kunststoffschicht, die das Schallloch von drei Seiten umgibt und die Gitarrendecke vor Beschädigungen schützen soll, z. B. bei Verwendung der perkussiven Technik Golpe. Ein Golpeador kann auch nachträglich an einer Gitarre angebracht werden.

Akustische Gitarre

Eine akustische Gitarre ist eine Gitarre, bei der die Tonerzeugung und Tonverstärkung ohne Elektronik, rein mechanisch erfolgt. Seit längerer Zeit gibt es auch so genannte elektroakustische Gitarren. Dabei handelt es sich um akustische Gitarren mit eingebautem Tonabnehmer. Dadurch kann der Ton wie bei der elektrischen Gitarre über einen Verstärker ausgegeben werden.

Elektrische Gitarren

Die elektrische Gitarre (E-Gitarre) ist eine Gitarre, bei der die Saitenschwingungen über elektrische Tonabnehmer abgenommen und elektronisch verstärkt werden. Dies geschieht üblicherweise mit zur Verstärkung der E-Gitarre angepassten Gitarrenverstärkern. Der Korpus ist zumeist massiv.

Halbresonanz- und Jazzgitarre

Gitarrenverstärker Eine Halbresonanzgitarre (auch Semiakustik-Gitarre bzw. Halbakustikgitarre genannt) ist eine Zwischenstufe zwischen Solidbodygitarre (massiver Korpus) und Vollresonanz-E-Gitarre, und hat entweder (in Verlängerung des Halses) einen massiven Block in der Mitte (Center-Block/ Soustain-Block) und nur die Seitenteile des Korpus sind hohl, oder der Korpus ist massiv bis auf eine oder mehrere Resonanzkammern, was in beiden Fällen bewirkt, dass die Gitarre auch ohne Verstärkung hörbar ist. Dabei ist der Korpus oft nur so dünn wie bei einer Solidbody, bei der Konstruktion mit Center-Block oft etwas dicker. Das bei der Akustikgitarre übliche runde Schallloch ist abgelöst durch F-Löcher oder andere, die die Flanken verzieren. Die Anbringung der Tonabnehmer ist hingegen ähnlich gestaltet wie bei einer reinen E-Gitarre. Eine E-Gitarre mit einem vollständigen Resonanzkörper bezeichnet man als Vollresonanz-E-Gitarre oder Jazzgitarre. Der Resonanzkörper ist oft, aber nicht immer, so dick wie bei einer Akustikgitarre. Dieser Gitarrentyp hat keinen Center-Block, so dass die Decke frei schwingen kann. Bei vielen Ausführungen der Jazzgitarre und manchen der Halbresonanz-Gitarre ist der Saitenhalter nicht nahe dem Steg auf der Decke, sondern vergleichbar einem Geigensaitenhalter am unteren Ende der Gitarre befestigt. Eindeutige Beispiele für Halbresonanz sind die abgebildete Ibanez und das Urmodell Gibson ES 335. Typische Jazzgitarren sind z. B. Gibson L-5 und ES 175 sowie die Höfner Semiakustik Modelle. Bei der Bauart elektrischer Gitarren unterscheidet man außerdem zwischen Instrumenten mit durchgehendem Hals (neck-thru) und angeleimtem bzw. angeschraubtem Hals (bolt-on).

E-Bass

Ein E-Bass ist eine Mischung aus akustischer Bassgitarre und Kontrabass, nur elektronisch verstärkt. Er hat in der Regel vier Saiten (es gibt aber auch 5- und 6-Saiter), die den vier tiefen Saiten der Gitarre entsprechen, nur um eine Oktave tiefer gestimmt. Damit ist der E-Bass wie ein Kontrabass gestimmt.

Luftgitarre

Die Luftgitarre ist eine pantomimisch dargestellte Gitarre; ein Luftgitarrist imitiert mit oft nicht geringem Körpereinsatz das Spiel auf einer E-Gitarre. In Finnland gibt es seit einigen Jahren eine Weltmeisterschaft im Luftgitarrespielen. Imitiert wird hierbei die Bühnenshow von Rockgitarristen.

Silent/Traveller Guitar

Silent Guitar und Traveller Guitar sind die Markennamen von korpuslosen Gitarren, die sich wie eine Konzert- oder eine Folk-/Westerngitarre spielen. Durch den fehlenden Resonanzkörper sind sie wesentlich leiser, aber auch kompakter als andere Gitarren. Der Ton kann darüber hinaus auch elektrisch abgenommen und verstärkt werden.

Simulation/Synthesizer

Die Firma Roland schaffte es als erste, mit einem speziellen Tonabnehmer für Stahlsaiten und geeigneter Software verschiedenste Gitarrentypen, Formen, Bauarten, Stimmungen usw. zu simulieren. Auch konnten die Saitenschwingungen zur Klangsynthese weiterverwendet werden. Line 6 entwickelt mit der Variax als erste Firma eine Gitarre, die per Knopfdruck unterschiedliche Gitarrenmodelle simuliert.

Varianten


- abgeleitete Varianten der Gitarre:
  - Steelguitar/Hawaiigitarre
  - Ukulele
  - Gitalele
- ähnliche Varianten aus der Lautenfamilie
  - Banjo
  - Mandoline
  - Shamisen

Spieltechniken

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Spieltechniken, die mit der Greifhand oder der Anschlagshand ausgeführt werden. In seltenen Fällen werden einige Techniken in der Praxis auch mit beiden Händen angewendet.

Haltung

Klassische Haltung

Die Gitarre wird bei der klassischen Haltung auf dem Oberschenkel der Greifhandseite abgestützt. Der Hals zeigt dann zur Greifhandseite hin. Es ist möglich mit einem Gitarrenkasten oder mit einer Fußbank das Bein der Greifhandseite um einige Zentimeter zu erhöhen, damit eine optimale Sitzhaltung erreicht werden kann. Alternativ kann der Fuß der Greifhandseite auf dem Boden bleiben, wenn zwischen dem Auflagepunkt des Gitarrenkorpus und dem Bein der Greifhandseite eine Stütze angebracht wird, die somit ebenfalls die Position des Halses erhöht. Der Ellenbogen der Greifhandseite sollte entspannt und um etwa 90 Grad abgewinkelt sein. Die Schlaghand sollte locker über den Bauch der Gitarre hängen. Die Greifhand sollte so positioniert werden, dass noch etwas Platz (etwa von der Größe eines Tennisballs) zwischen dem Griffbrett und dem Handgelenk ist. Der Daumen sollte auf der Rückseite des Griffbretts etwa in der Mitte aufgesetzt werden. Beim Greifen der Saiten ist in der Regel darauf zu achten, dass die Fingergelenke der Greifhand nicht durchgedrückt werden, also nicht entgegen ihrer natürlichen Abknickrichtung gedehnt werden; diese für den Anfänger möglicherweise anstrengende Handhaltung kann durch etwas Übung leicht aufrecht erhalten werden, sie ist für ein präzises Spiel und viele Techniken der Greifhand von großem Vorteil. Beim Greifen eines „Barrégriffes“, also beim Greifen mehrerer Saiten mit nur einem Finger, sollte der durchgestreckte Finger nahe am Bundstäbchen angesetzt werden. Die Finger der Schlaghand sollten sich beim Zupfen aus den oberen Gelenken heraus bewegen, weshalb auch hier auf genügend Abstand zu den Saiten zu achten ist. Für das Akkordspiel ohne Plektrum ist es zweckmäßig, Daumen und Zeigefinger zusammen zu verwenden, wobei sich diese beiden Finger berühren und die drei restlichen Finger etwas abgespreizt werden, um das Spiel nicht zu behindern.

Techniken der Anschlagshand

Die Anschlagshand, bei Rechtshändern ist es die rechte, ist die „führende“ Hand. Sie gibt oftmals Rhythmus und Geschwindigkeit vor und produziert die Töne durch Anschlagen der Saiten. Generell lassen sich für die Anschlagshand die Spieltechniken Zupfen (engl. picking), Schlagen (engl. strumming), Dämpfen (engl. muting) und perkussive Effekte unterscheiden, die sich jeweils wieder in verschiedene Techniken aufteilen lassen: Beim Zupfen werden einzelne Saiten mit den Fingern oder einem Plektrum angeschlagen. Auf diese Weise können nicht nur einstimmige Tonfolgen, sondern auch mehrstimmige Melodien gespielt werden. Um höhere Geschwindigkeiten zu erreichen und das Spiel flüssiger klingen zu lassen, wird dabei meist eine Form des Wechselschlags eingesetzt: Zwei oder mehr Finger schlagen die Saiten abwechselnd an. Eine besondere Form des Wechselschlags ist das Tremolo, bei dem drei oder mehr Finger in schneller Folge hintereinander dieselbe Saite zupfen. Diese Technik ist besonders von der Mandoline her bekannt und häufig zu hören in spanischer und lateinamerikanischer Gitarrenmusik. Man unterscheidet darüber hinaus die Anschlagsarten tirando (span. „schießend, ziehend“) und apoyando (span. „aufstützend“), die die Klangeigenschaften des produzierten Tones verändern. Beim tirando-Zupfen wird nur die Saite berührt, die gerade angeschlagen wird, beim apoyando-Zupfen kommt der Finger nach dem Anschlag auf der nächst unteren Saite liegen. Eine weitere Form des Zupfens ist der einhändige Flageolett-Anschlag, bei dem ein Finger der Anschlagshand die Saite an einem bestimmten Punkt berührt, während ein anderer Finger die Saite anschlägt - die genaue Funktionsweise des Flageoletts wird weiter unten ausführlicher erklärt.
- Zupfen: Beim Zupfen werden einzelne Saiten mit den Fingern gezupft bzw. mit dem Plektrum angeschlagen. Dies kann auch in Kombination von Plektrum und Fingern erfolgen. Auf diese Weise ist auch ein mehrstimmiges Melodiespiel möglich. Man unterscheidet insbes. die folgenden Zupftechniken:
  - Apoyando, span. aufstützend, anlehnend: Angelegter Anschlag oder Stützschlag, bei dem der Finger nach dem Anschlagen einer Saite auf die nächste fällt. Diese Technik erzeugt einen kräftigen, voluminösen Ton. Das Gegenteil von Tirando.
  - Tirando, span. werfend, schießend, ziehend: Freier Anschlag, bei dem der Finger nach dem Anschlagen einer Saite die nächste nicht berührt. Das Gegenteil von Apoyando.
- Schlagen (auch Strumming): Beim Schlagen werden mehrere Saiten gleichzeitig angeschlagen. Dies kann mit einem einzigen oder mehreren Fingern und/oder mit einem Plektrum erfolgen. So lassen sich auch Akkorde spielen. Insbes. wird die folgende Schlagtechnik unterschieden:
  - Rasgueado, span. geschrammelt: Eine aus der spanischen Flamenco-Musik stammende Technik, bei der in der Regel drei oder vier Finger (außer dem Daumen) in schneller Folge dergestalt über die Saiten schlagen, dass die Anschläge in großer Geschwindigkeit aufeinander folgen und einen typisch rasselnden Effekt produzieren.
- Wechselschlag: Bezeichnung für unterschiedliche Techniken, mit denen Melodien und Läufe auf Tempo gebracht werden können:
  - In der Regel den abwechselnden Auf- und Abschlag (siehe oben Schlagen).
  - Bei der klassischen Spieltechnik das abwechselnde Benutzen verschiedener Finger - meist Zeige- und Mittelfinger - beim Spielen von Melodien.
  - Beim Spiel einzelner Saiten mit dem Plektrum das abwechselnde nach unten und oben Anschlagen der Saite mit dem Plektrum (Diese Technik wird auch alternate picking genannt).
- Two-Hand-Tapping Auch right hand tapping genannt: Ein erweitertes normales Tapping, bei dem die rechte Hand zusätzlich zum Einsatz kommt.
- Pizzicato/Palm-Muted: Man dämpft mit dem Handballen die Saiten unmittelbar neben dem Steg ab, um beim Anschlagen einen dumpfen Ton zu erzeugen. Pizzicato/Palm-muting wird in häufig bei Metal- und Rocksongs verwendet, ist aber auch bei der klassischen Gitarre ein gern verwendeter Effekt.
- Golpe, span. Schlag (perkussiver Effekt): Schlagen mit den Fingern auf die Decke der Gitarre, bzw. den Golpeador.
- Sweep Picking (auch „sweeping“): Beim sweep picking werden mehrere Saiten mit einem Plektrumanschlag gespielt. Im Gegensatz zum Akkord klingen die Saiten aber alle einzeln, was durch Dämpfen der Greifhand erreicht wird. Mit Hilfe des sweep pickings kann man schneller spielen und erreicht etwas flüssigere Übergänge zwischen den einzelnen Noten.
- Tremolo: Sehr schnelle Wiederholung eines Tones (häufig: p-a-m-i-Anschlag), durch die der Eindruck eines durchgehenden Tones vermittelt wird. Die Technik ist besonders von der Mandoline her bekannt und häufig zu hören in spanischer und lateinamerikanischer Gitarrenliteratur.
- Dead Note (auch „rake“): Die/der Finger wird nur leicht auf die Saite(n) gelegt, so dass eigentlich gar kein richtiger Ton erzeugt wird. Ein Beispiel dafür ist Nirvana - Smells like teen spirit.

Greifhandtechniken


- Vibrato: Der greifende Finger wird in einer mehr oder wenigen schnellen "Zitterbewegung" leicht hin und her bewegt. Dadurch ändert sich die Tonhöhe nach oben hin in einer leichten Schwingung.
- Flageolett: Ist eine Technik, um das Obertonspektrum eines Tones in den Vordergrund treten zu lassen. Es wird durch eine bestimmte Dämpftechnik der Grundton ausgeblendet. Dadurch hört man die Oktave, Doppeloktav und Quinte anstatt des eigentlich angeschlagenen Tones.
Bei dieser Technik berührt ein Finger nur leicht bestimmte Punkte der Saite und verlässt ganz kurz nach dem Anschlag wieder die Saite. Diese Dämpftechnik ist nur an bestimmten Punkten der Saite für das Flageolet sinnvoll einsetzbar. Bei ungegriffenen Saiten sind diese Punkte:
12. Bund Oktav
5. Bund Doppeloktav
7. und 19. Bund Quinte
Je nach Qualität der Gitarre sind auch noch an anderen Stellen Flageolets möglich. Sie tendieren aber nicht mehr zu klaren einzelnen Tönen, sondern zu Multiphonics.
Man unterscheidet zwischen

- natürlichen Flageoletts: (auch „natural harmonics“)
Bei diesen bleiben die Saiten ungegriffen und es wird an den obengenannten Stellen gedämpft/gegriffen.
- künstliche Flageoletts: (auch „artificial harmonics“)
Bei diesen werden die Saiten gegriffen. Hier verschieben sich die Anschlagspunkte um jeweils 12 Bünde (Oktav-Flageolet). Soll heißen, wenn die Saite am 3. Bund gegriffen wird, dann ist der Anschlagspunkt am 15. (12+3) Bund. Die Anschlagshand muss hier doppelte Arbeit verrichten, zum Beispiel mit dem i-Finger die Seite abdämpfen und mit dem a-Finger die Saite anschlagen. Was also bei den natürlichen Flageolets von zwei Händen verrichtet wird, muss hier von einer geleistet werden, da die linke Hand mit Greifen beschäftigt ist.
- Hammer-On (auch „Aufschlagbindung“): Ein vorher freier Finger schlägt eine Saite an einem bestimmten Bund schnell auf das Griffbrett. Die Tonerzeugung erfolgt also klopfend durch die linke Hand.
- Pull-Off (auch „Abzugsbindung“): Ein Finger, der vorher einen Ton gegriffen hat, lässt die Saite schnell los bzw. zupft sie leicht an. Dadurch erklingt der Ton, der an einem tieferen Bund auf dieser Saite gegriffen ist, oder aber der Ton der leeren Saite (= Zupfen mit der linken Hand).
- Ziehen (auch „bending“ ): Man greift eine Saite und zieht oder schiebt diese mit dem greifenden Finger entlang der Bundachse, wodurch ein höherer Ton entsteht.
- Gleiten (auch „sliden“ oder „Glissando“): Der Finger gleitet von einem Bund zu einem anderen, wobei die Saite heruntergedrückt bleibt.
- Rake: Die ersten paar Saiten werden vor dem eigentlichen Ton abgedämpft, aber trotzdem mit angeschlagen. Dadurch entstehen percussive Töne.

Gitarreneffekte

Unter Gitarreneffekten versteht man in der Regel elektronische Schaltungen bzw. Effektprozessoren, die das Gitarrensignal verändern. Hauptsächlich treten sie in Form so genannter Bodentreter oder Pedale auf, aber auch als 19"-Einbaugeräte (Racks). Genutzt werden hier vor allem verzerrende, Hall- und Modulationseffekte.

Hilfsmittel


- Kapodaster
- Plektrum
- Bottleneck
- E-Bow (E-Bogen)
- Fußbank
- Gitarrenstütze

Gitarrenhersteller

Bekannte Hersteller von Gitarren (und Verstärkern) sind (in alphabetischer Reihenfolge): Alembic, Auerswald, Aria, Art&Lutherie, Avalon, BC Rich, Collins, Cort, Crate, Danelectro, Dreizehnter, ENGL, ESP, Dean, Epiphone, Fender, Framus, Furch, Gibson, Giussanni, Godin, Gretsch,Hamer, Heritage, Hughes & Kettner, Hopf Ibanez, Jackson, Lakewood, Lowden, Line 6, Marshall, Martin Guitar, Mesa/Boogie, Matchless, MusicMan, Musima,Orange, Ovation, Paul Reed Smith, Peavey, Roland, Siggi Guitars, Silvertone, Steinberger, Stoll Guitars, Takamine, Taylor, Vigier, VOX,Warwick, Washburn, Yairi, Yamaha

Siehe auch


- Leadgitarre
- Rhythmusgitarre
- Liste von Gitarristen
- Gitarrist
- Musikinstrument
- Gitarrenhersteller

Weblinks


- [http://www.delcamp.net/de/index.html Delcamp.net (deutsch)] Gitarrennoten, Tablatur, Forum.
- [http://bs.cyty.com/visitabilis/gitarre/gitarkrs.htm Online-Gitarrenkurs (deutsch)]
- [http://www.gitarrekonkret.de Online-Magazin (deutsch)]
- [http://www.schanzel.de Schanzels Guitar Site (deutsch)] Richtig Gitarre spielen lernen mit Workshops etc.
- [http://www.gitarrero-beginner.de Gitarre lernen am PC (deutsch)] Lernsoftware für Gitarre und Website mit Infos rund um die Gitarre Kategorie:Gitarre ja:ギター ko:기타

Klassische Musik

#Im historischen Sinn bedeutet Klassische Musik die Musik der Zeitperiode der Klassik bzw. den Stilbegriff der Wiener Klassik. #In der Alltagssprache wird mit Klassischer Musik oft die Gesamtheit der abendländischen Kunstmusik bezeichnet, wobei die Bereiche der Alten Musik und Neuen Musik meist nicht im Bewusstsein des „durchschnittlichen Klassik-Hörers“ verankert sind, da dieser hauptsächlich Musik aus dem 18., 19. und frühe Musik des 20. Jahrhunderts kennt. #Die Kunstmusik außereuropäischer Kulturen wird auch oft als Klassische Musik bezeichnet. #Der Branchenjargon der Musikindustrie im deutschsprachigen Raum unterscheidet zwischen Klassischer Musik (E-Musik = „ernste Musik“) und Unterhaltungsmusik (U-Musik) - eine Unterteilung, die aufgrund vieler Grenzfälle und Ausnahmen umstritten ist. #Als klassisch im Sinne von mustergültig, beispielhaft, vollkommen wird oft auch die Musik anderer Epochen bezeichnet, beispielsweise beim klassischen Palestrinastil oder in der klassischen Moderne. Siehe auch: Portal:Musik, Portal:Klassische Musik, Epochen der Musik. ! ja:古典派音楽

Jazz

Der Jazz ist eine Musikrichtung, die in den USA im Zusammentreffen afrikanischer und europäischer Musiktraditionen entstanden ist. Seine Wurzeln liegen zum einen im Blues und in den "Worksongs", den Spirituals und Gospels der schwarzafrikanischen Sklavenarbeiter in den Südstaaten der USA, zum anderen in den verschiedenen Volksmusiken der europäischen Einwanderer, darunter dem "Irish Folk", kreolischer Tanzmusik, Wiener Walzern und Marschmusik. Aus ihrer Begegnung entstanden eine Reihe neuer musikalischer Ausdrucksformen, zuerst in New Orleans und entlang des Mississippi, später in Chicago und anderen Metropolen der USA mit einer damals hohen Zuwanderung vor allem von Farbigen aus den Südstaaten. Frühe Jazzstile wurden auch aus dem Ragtime heraus entwickelt: einer eigenen, durchkomponierten Musik für das Klavier mit klassischen Wurzeln und streng synkopischem Rhythmus. Der erste Jazz war dagegen eine Ensemble-Musik von Bands mit Elementen der Kollektivimprovisation (New Orleans-Stil) und einem freieren Rhythmus, der swing genannt wird. Bestimmte Bandleader des frühen Jazz wie Buddy Bolden waren auch markante Instrumentalisten mit einer sehr individuellen Tonbildung. Improvisation, swing und eigene Tonbildung beschrieb der Jazzhistoriker Joachim Ernst Berendt als Grundelemente der Jazzmusik, die seine Geschichte von Beginn an mitbestimmten.

Merkmale

Besondere Merkmale des Jazz sind:
- individuelle Tonbildung und Phrasierung,
- eine mit erweiterten Akkorden angereicherte Funktions- oder Stufenharmonik,
- kollektive und individuelle Improvisation,
- rhythmische Intensität und polyrhythmische Komplexität, u.a. die Spannung zwischen on-beat (Zusammentreffen mit dem Grundschlag) und off-beat (Akzente zwischen den Grundschlägen), dazu verschiedene Phrasierung hinter (laid back: "zurückgelehnt") oder vor dem Beat (laid forward, "vor-gelegt")
- Spontanität, Vitalität und Expressivität sowie
- „die Freiheit viele Formen zu haben“. Der Selbstausdruck des Interpreten, sein Charakter und seine „Message“ stehen im Mittelpunkt einer Jazz-Darbietung: im Gegensatz zur europäischen Kunstmusik, wo der Interpret sich den präzise notierten Kompositionen unterordnet und diese meist möglichst werkgetreu ausführt. Ein weiteres wesentliches Merkmal des Jazz ist ein besonderes, intensiviertes Zeit- und Rhythmus-Gefühl, das an latent vorhandene Beats oder Zählzeiten gebunden ist. 'swing', klein geschrieben, ist, das Spiel innerhalb jener Beats oder Zählzeiten zu phrasieren oder individuell auszudrücken, ohne diese Beats oder Zählzeiten zu verlassen. Dadurch erwächst die jazztypische rhythmische Intensität: je nach Jazzstil "binär" (mit zweigeteiltem Puls) oder "ternär" (mit dreigeteiltem - "triolischem" - Puls) oder bewusst ohne jede Festlegung im Free Jazz. Seit den 1950er Jahren kam die kubanische Polyrhythmik hinzu, in der sich genuin afrikanische Musiktraditionen erhalten hatten. Auch danach beeinflussten hispanische oder lateinamerikanische Musikstile - Bossa Nova, Samba, Salsa, Tango, Son usw. - den Jazz immer wieder als drittes Element neben der afrikanischen und europäischen Wechselbeziehung.

Harmonik

Der Jazz hat seinen Ursprung im Blues (der wiederum aus den "Worksongs" der schwarzen Sklaven im Süden der USA entstand), folglich hat auch die Jazz-Harmonik ihren Ursprung in der Blues-Harmonik. Der Blues ist gekennzeichnet durch seine feste Form. Ursprünglich bestand ein Blues aus improvisierten Liedtexten mit musikalischer Begleitung: Man sang die erste Zeile und wiederholte diese, um Zeit für die zweite Zeile zu gewinnen. Dann wurde die zweite Zeile gesungen. In den beiden jeweils letzten Takten jeder Zeile folgte ein instrumentales Fill oder eine Antwort. So entstand das 12-Taktige Bluesschema:
1. Textzeile
|Takt1|  2  |  3  |  4  |

Wiederholung 1. Textzeile
|  5  |  6  |  7  |  8  |

2.Textzeile
|  9  |  10  |  11  |  12  |D.C.

Das Stück begann in der Tonika. In der zweiten Zeile (während die 1.Textzeile wiederholt wurde) wurden der Abwechslung wegen andere Akkorde verwendet (Subdominante) und in der 3. Zeile folgte schließlich eine Kadenz, die wieder in die Tonika leitete. Jedoch war es keine dominantische Kadenz, wie im Volkslied oder in der Klassik, sondern eine plagale (Dominante-Subdominante-Tonika). Ein F-Dur Blues würde so aussehen:

Tonika
|  F  |  F  |  F  |  F  |

Subdom.     Tonika
| Bb  | Bb  |  F  |  F  |

Dom.  Subdom.Tonika
|  C  | Bb  |  F  |  F  |D.C.

Oft wurden sämtliche Akkorde als Septim-Akkorde gespielt. Im moderneren Jazz wurden jedoch zunehmend Akkorde mit anderen Spannungstönen (Tensions, Optionen) benutzt. Typische Akkorde sind (Internationale Schreibweise, B=H):

6 (Akkord mit großer Sexte)
F6 wäre f-a-c-d
Funktion: Harmonisch stabil, oft Tonika-Klang

sus bzw. sus4, sus2 (sus = suspended, Akkord ohne Terz; sus4 = dafür mit Quarte, sus2=mit großer Sekunde)
Fsus4 wäre f-Bb-c, Fsus2 f-g-c

maj 7 (Akkord mit großer statt kleiner Septime)
Fmaj7 wäre f-a-c-e
Andere Schreibweisen:FM7, FΔ
Funktion: Harmonisch stabil, oft Tonika-Klang

79 (Akkord mit kleiner Septime und großer None)
F79 wäre f-a-c-eb-g

7b9 (Akkord mit kleiner Septime und kleiner None)
F7b9 wäre f-a-c-eb-gb
Funktion: Stark dominant wegen Tritonus Quinte-None

7#9 (Akkord mit kleiner Septime und übermäßiger None)
F7#9 wäre f-a-c-eb-g#

711 (Akkord mit kleiner Septime, None und Undezime)
F711 wäre f-a-c-eb-g-Bb

7#11 (Akkord mit kleiner Septime, None und übermäßiger Undezime)
F7#11 wäre f-a-c-es-g-b

713 (Akkord mit kleiner Septime, None, ohne(!) Undezime und 13. Die Quinte kann ohne Klangveränderung weggelassen werden)
F713 wäre f-a-c-eb-g-Bb-d

mi7 (Moll-Akkord mit kleiner Septime)
Fmi7 wäre f-ab-c-eb
Andere Schreibweisen: F-7

mi6 (Moll-Akkord mit großer Sexte)
Fmi6 wäre f-ab-c-d
Andere Schreibweisen:F-6

0 (Verminderter Akkord)
F0 wäre f-ab-cb-d
Funktion: Dominant-Funktion (verk. Dominantseptakkord)
Andere Schreibweise:07 Andere Akkorde sind möglich, aber ungebräuchlich. Zu den neuen Spannungstönen kommen im modernen Blues neue Akkord-Progressionen. Dazu gehören Sequenz-Dominanten, bzw. II-V-I-Kadenzen. Eine II-V-I-Kadenz besteht ausschließlich aus diatonischen Akkorden, das heißt z.B., dass alle Akkordtöne einer solchen Kadenz innerhalb von F-Dur auf der F-Dur-Tonleiter wiederzufinden sind. Eine F-Dur II-V-I-Kadenz sähe folgendermaßen aus:

Gmi7 (II. Stufe) - C7 (V. Stufe)- Fmaj7 (I. Stufe, Tonika)

Ein moderner Blues sähe so aus:

|  F6  |   Bb7   |  F6  |  F6  |

| Bb7#9  | B7  |E7 A7|D7 G7|

|  C7  | Bb7  |  F6  |G7 C7|D.C.

Die II-V-I-Kadenz wurde zur hauptsächlich verwendeten Kadenz und viele Jazz-Standards sind ausschließlich auf Sequenz-Dominanten aufgebaut (gutes Beispiel: All Of Me). Viele andere basieren auf der Blues-Form.

Funktionstheorie

In der Funktionstheorie werden die Beziehungen der einzelnen Akkorde zueinander innerhalb einer Tonart erklärt.

Tonika sind alle Akkorde, die einen (auch zeitweiligen) Ruhepunkt im Verlauf der Musik definieren. Das gehörsmässige Empfinden einer Tonika-Funktion entsteht dabei, neben einem grundsätzlichen Voraussetzen (abendländischer) Hörerfahrung, vor allem durch die Platzierung des Akkordes innerhalb einer harmonischen Entwicklung (Schwerpunkt, Ruhepunkt, Ziel einer harmonischen Entwicklung, etc.), sowie einen tendenziell stabilen, ruhigen Klangcharakter relativ zur Umgebung. Dominante ist der Gegenpol zur Tonika. Im Sinne eines Wechselspiels von Spannung und Entspannung in der Musik ist die Dominante der Akkord, der einer Tonika diametral gegenübersteht. Dominant-Akkorde 'möchten' sich in ihre Tonika-Akkorde auflösen (die geschieht nicht immer direkt!). Subdominante sind demnach alle Akkorde und Klänge, die weder Tonika- noch Dominant-Charakter haben. Subdominanten können 'auf dem Weg' zwischen Tonika und Dominante (und wieder zurück) eingesetzt werden. Doppeldominante (V von V oder II. Stufe): Sie leitet zur Dominante der Grundtonart d.h. ihrer eigenen Tonika (deshalb V von V). Mehrere Doppeldominanten hintereinander werden als Dominant-Sequenz bezeichnet. Es lassen sich nun aus einem System der diatonischen Vierklänge einer Tonart (zunäst in Dur) bestimmte Akkordfunktionen ableiten. Diese beruhen selbstverständlich vor allem auch auf unsrer Hörerfahrung. Dabei hat die grundsätzlich (mindestens) vierstimmige Struktur der Akkorde im Jazz die Eigenschaft, auch bei ihren Tonika-Akkorden immer eine gewisse Grundspannung zu behalten, also nicht die Auflösung in einen Dreiklang oder gar den Grundton alleine zu suchen. In diesem System sind folgende grundlegende Beobachtungen zu machen: Tonika-Akkorde haben grundsätzlich grosse Septimen, da die dazugehörigen Tonleitern einen Leitton haben sollen, der die Tonika-Wirkung unterstützt. Dominant-Akkorde enthalten zwischen ihrer (grossen) Terz und der (kleinen) Septim ein Tritonus-Intervall, das für den charakteristischen Dominant-Klang verantwortlich ist. Die Funktion der Akkorde kann durch die drei Akkordtöne 1, 3 und 7 meist vollständig ausgedrückt werden. Zumindest sind Akkorde mit reiner Quint ohne diese vollständig definiert. (Die Terz und die Sept heissen daher auch die Funktionstöne.) Die Anwendung dieser Zusammenhänge auf eine Moll-Tonalität folgt nun nicht ganz der in der klassischen Harmonik gebräuchlichen Beziehung einer Moll-Tonleiter zu ihrer Dur-Parallele (z. B. C-Dur/a-moll). Vielmehr wird das Dur-System nach Moll alteriert (b3, auch b6) und so analog beibehalten. Dominant-Substitution:
Der dominantische Klang eines Septim Akkords wird durch den Tritonus zwischen Terz und Septime erzeugt. Wenn man diesen Tritonus umkehrt (wenn es z.B. vorher der zu C7 gehörende Tritonus E(Terz)-Bb(kl. Septime) war wird einach das E jetzt zur Septime und das Bb zur Terz), entsteht ein neuer Akkord mit dem gleichen Tritonus, der dann natürlich auch in den gleichen Akkord aufgelöst werden kann. Dieser neue Akkord ist die Substitution des Ausgangsakkords. Wenn der Ausgangsakkord wie im Beispiel C7 war, ist der Substitutionsakkord Gb7. Beide leiten nach F. Tonika-Sustitution:
Auch die Tonika kann aufgrund von Akkordähnlichkeiten 'vertreten' werden: die III. Stufe (in Dur - also etwa Gm7 in Eb-Dur) wird daher oft als Tonika-Subszitut verwendet und hat vor allem den Effekt der Tonika-Vermeidung (längere harmonische Entwicklung!).

Melodik

Wie auch bei der Harmonik stammt die Jazzmelodik teilweise aus dem Blues. Sie baut auf der Pentatonik, der Tonleiter ohne die Halbtonschritte, auf. Dazu kamen im Blues die sogenannten "Blue Notes", b3 und b7. Das sind Mollterz und kleine Septime. Später folgte #4 (übermäßige Quarte). Das sind allerdings nur Annäherungen an die wirklichen Blue Notes, die eigentlich zwischen den Tönen liegen. Beispiel F-Dur: Die b3 liegt zwischen A und Ab, allerdings etwas näher am Ab. So verhält es sich auch mit b7 und #4. Diese Töne lassen sich mit Blas- oder Saiteninstrumenten sehr gut erzeugen, mit Tasteninstrumenten allerdings nicht.
Werden diese Töne der Moll-Pentatonik hinzugefügt, entsteht eine Tonleiter, die "Blues-Skala" genannt wird. Es gibt zwar verschiedene Bluesskalen aber diese ist die gebräuchlichste.

F-Dur Bluesskala:
f-ab-Bb-b-c-eb

Welche Skala verwendet wird, ist eine Frage des Geschmacks des Musikers. Es ist ebenfalls möglich, die Skala der parallelen Molltonart zu spielen.

Die Überlagerung von Moll-Melodik und Dur-Harmonik erzeugt den typischen Blues/Jazz-Klang. Zusätzlich werden eine Reihe verschiedener Tonleitern eingesetzt, die im Wesentlichen die jeweilige Akkordfunktion ausdrücken und mit Tensions und Durchgangs-Stufen angereichert sind. Neben Skalen, die aus den jeweils 7 Modi der Dur-Tonleiter und der melodischen Moll-Tonleiter gebildet werden, sind auch die beiden symmetrischen Skalen 'Dominat-Diminished' (=Halbton/Ganzton) und 'Wholetone' (=Ganztonleiter) sehr gebräuchlich.

Etymologie

Die Herkunft des Ausdrucks Jazz ist ungeklärt. 1909 tauchte der Begriff in dem Song "Uncle Josh in Society" auf: "One lady asked me if I danced the jazz ...", wahrscheinlich eine Art von Ragtime-Tanz meinend. 1913 ist der Begriff belegt als Bezeichnung einer Art von Musik, möglicherweise als Bezeichnung für die Musik zu jenem Ragtime-Tanz. Möglicherweise ist er abgeleitet aus einem Wort "jass" aus dem kreolischen Patois, "jass", für "tatkräftige Aktivität", im speziellen Sexualverkehr. Dazu eine Quelle: "If the truth were known about the origin of the word 'Jazz' it would never be mentioned in polite society." ["Étude," Sept. 1924] Ab spätestens 1915 gibt es Bands aus New Orleans, die das Wort Jass oder Jazz im Band-Namen tragen und/oder damit ihre Musik bezeichnen. Möglich ist auch eine Ableitung des Wortes Jass oder Jazz aus der Verwendung des Begriffes jasm (frz. dictionnaire von 1860 ) für Energie, Dynamik und Vitalität, als passender Ersatzbegriff für afrikanische Tanznamen (i.e. Mandingo jasi, Temne yas), jedenfalls gilt ein anderes Slangwort (jism) auch daher abgeleitet. Jasi ist nicht nur der Name eines Tanzes, sondern steht auch für "in Erregung versetzen". Eine andere Möglichkeit ist, dass "Jazz" von kreolisch "jizz" kommt, was ebenso mit dem Ki-Kongo-Wort "dinza" verwandt ist, und Ejakulation bedeutet. Manche Quellen wollen in "Jazz" eine Verballhornung des französisch-kreolischen chasse für Jagd erkennen: eine Anspielung auf die Kollektivimprovisation der Instrumente im New-Orleans-Stil. Andere leiten das Wort eher von chasse-beau ab, einer Tanzfigur beim Cakewalk, oder auf einen berühmten Tänzer einer Minstrelshow, der sich Jasbo nannte, und dem das Publikum zurief "We want more Jasbo". Wieder andere verweisen auf eine sexuelle Konnotation oder die verballhornte Version des Namens „Jézabel“, der zu Jazz-Belle ("Jazz"-Schöne) umgedeutet wurde: So nannte man eine populäre Prostituierte im alten New Orleans. Möglich ist auch die Bedeutung „blödes Zeug“ wie in der verächtlichen Redewendung „... and all that jazz“. So sollen die weißen Amerikaner die ersten musikalischen Gehversuche ihrer Sklaven genannt haben, aus denen sich der Jazz später entwickelte. Jass ist ein Kartenspiel, das durch Einwanderer in New Orleans bekannt gewesen sein dürfte. Jas ist ein Jargon-Wort mit evtl. sexueller Bedeutung aus dem Senegalesischen. Das Verb "to jazz" für "to speed or liven up", schneller werden oder beleben, in Schwung bringen, ist ab 1917 belegt. Noch mehr unter [http://www.wordorigins.org/]

Geschichte

Entstehung

In der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts gab es im Süden der USA eine Straßenmusiktradition. Die Brass Bands, schwarze aber auch weiße Marschkapellen, spielten zu vielfältigen Anlässen auf. Die schwarzen Blaskapellen waren vor allem vom Blues und kreolischer Musik beeinflusst und mischten diese Einflüsse mit europäischer Musiktradition. Die Musik dieser sogenannten "Marching Bands" nennt man auch „New-Orleans“-Stil oder Archaischen Jazz. Ihm fehlten die individuelle Improvisation und der Swing, obwohl auch dort schon die "leichten" Taktzeiten (2+4) betont wurden. Im heutigen „Dixieland“- oder „Oldtime“-Jazz hat er eine Fortsetzung gefunden, die aber fast nur von weißen Musikern gepflegt wird. Archaischen Jazz Um 1890 entstand der Ragtime (englisch: ragged time, „zerrissene Zeit“): Dies war ein in ausnotierten Stücken festgelegter Klavierstil, bei dem die linke Hand die Rhythmusgruppe einer Band ersetzt (Bass und Schlaggitarre). Auch dort wurde noch nicht improvisiert; aber aus der Spannung zwischen durchgehendem Viertelbeat und synkopisch „zerrissener“ Melodik entstand bereits eine Art Swing. Hauptkomponist dieses Stils war Scott Joplin, dessen bekanntester Ragtime - der "Entertainer" - durch den Film „Der Clou“ (1973) erneut populär wurde. Bereits weniger festgelegt und damit „jazzmäßiger" spielte Jelly Roll Morton in New Orleans, der von sich selbst behauptete, „im Jahre 1902 den Jazz erfunden“ zu haben. Er war ein großartiger Komponist von Blues, Blues-Songs, Ragtimes, Stomps, und ein herausragender und extravaganter Pianist, aber seine nachgewiesene Bedeutung für den Jazz hatte er mit seinen Bands in den 1920er Jahren, nicht als Erfinder. Ebenso behauptete Nick LaRocca den Jazz erfunden zu haben. Aber auch seine Behauptung gilt als unwahrscheinlich. Hauptrepräsentant des frühen, wahrscheinlich noch ragtimeverwandten Jazz von New Orleans war Buddy Bolden. Von seinem Vorbild ausgehend dürfte zwischen 1900 und 1915 der Jazz entwickelt worden sein von einer Vielzahl von Bands und Musiker-Persönlichkeiten, auch außerhalb von New Orleans, z.B. auch in Memphis. Als um 1915 erste namhafte Bands New Orleans verliessen, dürften diese dazu beigetragen haben, den Jazz auch abseits des Mississippi in den USA zu popularisieren. Evtl. haben bereits Bands, die um 1910 in andere Metropolen aufbrachen, jazzmäßig gespielt, aber erst ab 1914 nannten sich die Bands auch Jass bzw. Jazz Bands, traten also mit dem Selbstbewußtsein auf, eine neue Musikrichtung zu vertreten. Z.B. Pedro Stacholy's Cuban Jazzband (evtl. bereits 1914) in Havanna, Tom Brown's Band From Dixieland 1915 in Chicago, der folgte 1916 Johnny Stein's Jass Band, und 1915 ging das Black And Tan Orchestra mit dem Trompetenvirtuosen Buddy Petit nach Kalifornien.

Epochen


- Vor 1900: 'Archaischer Jazz', d.h. Ragtime, Street Bands

Traditioneller Jazz und Swing (ca. 1900-40)


- Um 1900: New Orleans Jazz, Creole Jazz
- Um 1910: Dixieland Jazz
  - 26. Februar 1917: Die "Original Dixieland Jass Band", eine weiße Dixielandkapelle, nimmt die erste Jazzplatte überhaupt auf.
- Seit etwa 1920: Chicago Jazz
  - 12. November 1925: Louis Armstrong's Hot Five machen die ersten Aufnahmen: Solistik löst die Kollektivimprovisation des frühen Jazz teilweise ab
  - 1928: Das Hoch'sche Konservatorium in Frankfurt am Main gründet eine Jazz-Klasse, ihr Lehrer wird Mátyás Seiber
- Seit etwa 1930: Swing oder 'klassische' Zeit der Big Bands
  - 1934: Gründung des Quintette du Hot Club de France, mit Django Reinhardt: Europa mischt in der Jazzgeschichte mit
- 1940er-Jahre: New Orleans/Dixieland Revival in den USA, später auch nachhaltig in Europa

Modern Jazz (ca. 1940-60)


- Seit etwa 1940: Bebop
  - 1941: Live-Aufnahmen in Minton's Playhouse mit Charlie Christian, Dizzy Gillespie, Thelonious Monk u.a.
- Seit etwa 1945: Afro Cuban Jazz
- Seit etwa 1950: Cool Jazz
- Seit etwa 1955: Hard Bop, Soul Jazz, East Coast Jazz
- Etwa 1955-60:
  - Latin Jazz, Bossa Nova
  - Third Stream, Progressive Jazz
  - West Coast Jazz
  - Modal Jazz
    - 2. März 1959: Erste Aufnahmesession zur Schallplatte "Kind of Blue" mit Miles Davis, John Coltrane, Bill Evans u.a.

Free Jazz, Rock Jazz und New Bop (ca. 1960-90)


- Seit etwa 1960: Free Jazz
- Etwa 1965-70: Jazz Rock
- Seit etwa 1970: Rock Jazz oder Fusion
  - 1975: Das United Jazz and Rock Ensemble wird gegründet
- Seit etwa 1980: New Bop oder Neobop (oder Modernjazz-Revival)
- Seit den späten 1980ern: Smooth Jazz

Seit etwa 1990

Die Jazzstile ab 1990 sind entsprechend der relativen Kürze der vergangenen Zeit ungenau
- Avantgarde Jazz oder Experimenteller Jazz ('gebundener Freejazz')
- Acid Jazz (inkl. Hip Hop Jazz u. ä.)
- 'Salsa-Jazz' (Jerry Gonzalez, tp, cong, u. a., nicht zu verwechseln mit früherem Latin-Jazz)
- 'Ethno-Jazz' (von World Music oder global beeinflusster Jazz)
- Jazz Metal (vom New Rock oder Hard & Heavy beeinflusster Jazz); u. a.
- Nu Jazz (auch Electro Jazz)
- Retro-Swing

Seit etwa 2000


- Pop Jazz à la Norah Jones

Entwicklungszentren


- New York, mit Abstand die meisten Jazzclubs weltweit
- Chicago, mehr blues-orientiert
- Los Angeles/Hollywood, mehr rock-orientiert
- New Orleans, das 'Betlehem des Jazz' oder dessen offizielle Wiege
- Kansas City
- Havanna, von Pedro Stacholy über Chano Pozo bis zum Buena Vista Social Club
- Kopenhagen
- Paris, besonders in den 1930ern (Hot Club de France) und auch sonst immer
- London, in der Swing-Ära, und auch gegenwärtig
- Tokio, besonders gegenwärtig
- Sao Paulo, besonders gegenwärtig
- Hannover, alle Mitglieder des Jazz Club Hannover, sowie des Vereins der Freunde des Jazz sind Ehrenbürger von New Orleans. Der Jazz-Club Hannover ist in New Orleans der bekannteste Deutsche Jazz-Club. Ferner finden in Hannover zwei große Jazzfestivals statt. Im Entstehen befindliche, noch instabile globale Zentren:
- Shanghai
- Buenos Aires
- Sydney
- Johannesburg
- Rom
- u. a.

Instrumente (Auswahl)

Melodie-Instrumente:


- Klarinette
- Saxophon (Sopran-, Alt-, Tenor- und Baritonsaxophon)
- Trompete
- Flügelhorn
- Posaune
- Piano
- Hammond-Orgel
- Keyboard
- Flöte
- Gesang
- Horn
- Gitarre

Rhythmusgruppen-Instrumente:


- Piano
- Vibraphon
- Gitarre
- Bass
- Schlagzeug

Bedeutende Persönlichkeiten


- Siehe auch: Liste von Jazzmusikern (alphabetisch geordnet)
- Siehe auch: Liste von Jazzmusikern nach Epoche und Instrument
- Siehe auch: Liste von Jazzsängerinnen und -sängern
- Siehe auch: Liste von Jazzpianistinnen und -pianisten oder :Kategorie:Jazzpianist

Komponisten


- Siehe auch: Liste von Jazzkomponisten

Jazzstandards

Siehe dazu den eigenen Artikel Jazzstandard sowie die Liste von Jazzstandards und -kompositionen.

Bedeutende Veranstaltungen


- [http://www.worldsax.net World Saxophone Congress 2006 - Jazz]
- Jazzfest Berlin - eines der ältesten und renommiertesten Festivals, 1964 von Joachim-Ernst Berendt gegründet. Jährlich im November.
- Montreux Jazz Festival - jährlich im Juli in Montreux, seit 1967
- North Sea Jazz Festival - jährlich im Sommer in Den Haag & Cape Town, seit 1976
- Warschauer Jazz Jamboree - jährlich im Herbst seit 1958
- Deutsches Jazz Festival Frankfurt - seit fast 40 Jahren jährlich im Oktober in Kooperation mit hr2
- Leverkusener Jazztage, jährlich im November, seit 1980
- Jazzfest Rottweil, jährlich im April / Mai, seit 1985
- Internationale Jazzwoche in Burghausen, jährlich im April/Mai ([http://www.b-jazz.com Website]), seit 1973
- Internationale Sonneberger Jazztage - jährlich im November, seit 1986
- Worms: Jazz & Joy - jährlich stattfindend, größtes Jazzfestival in Rheinland-Pfalz, seit 1991
- Jazzmeile - jährlich stattfindendes 2-monatiges Festival in Thüringen, seit 1994
- Enercity Swinging Hannover, dreitägiges internationales Jazzfestival in Hannover
- Hot Advent - Jazzfestival in Hannover
- Winning Jazz - dreitägiger Nachwuchswettbewerb in Hannover
- Jazz am Ballhof - Jeden Samstag in Hannover, von Mai bis September
- Internationale Wiehler Jazztage - seit 1989 regelmäßig in Wiehl
- Darmstädter Jazzforum - seit 1989 alle zwei Jahre Konzertreihe und internationales Symposium (siehe Link zu Jazzinstitut Darmstadt)
- Internationales Dixieland-Festival Dresden jährlich im Mai, seit 1970
- Internationales New Jazz-Festival Moers jährlich an Pfingsten, seit 1972
- Düsseldorfer Jazz-Rally jährlich im Juni, seit 1993
- Leipziger Jazztage jährlich im Oktober, seit 1976
- Jazzfest Wiesen (Burgenland) seit 1976
- Duerener Jazztage in Düren, jährlich im Juli ([http://www.euregiojazz.net Website]), seit 1991
- VS swingt Jazzfestival in Villingen-Schwenningen - jährlich Anfang Juli, seit 1977
- Internationales Jazz Festival Viersen ([http://www.jazz-festival-viersen.de Website]) - jeweils am 4. Septemberwochenende
- Jazz live im Speicher in Leer ([http://www.jazzinleer.de Website]) - seit 1992

Siehe auch

:Kategorie:Jazz, Jazzmuseum, Jazz-Piano, Blues, Jugend jazzt, Stilrichtungen der Musik, Portal:Musik

Literatur


- Ken Burns, Geoffrey C. Ward: Jazz - eine Musik und ihre Geschichte. Dt. Franca Fritz, Heinrich Koop. Econ, München. 2001. ISBN 3430116090. Nach einer Dokumentarfilm-Reihe. Original: Jazz - A History of America´s Music. Alfred A. Knopf, NY USA. 2000 bzw: The Jazz Film Project, Inc.
- Klaus Wolbert (Herausgeber): That's Jazz - Der Sound des 20. Jahrhunderts (Darmstadt 1988 und 1997)
- Joachim-Ernst Berendt, Günther Huesmann: Das Jazzbuch (Frankfurt am Main 2001)

- Geoff Dyer : but beautiful (Argon)
- John Fordham : Das Grosse Buch vom Jazz
- Studs Terkel: Giganten des Jazz. Zweitausendeins, Frankfurt 2005 ISBN 3-86150-723-4

Lexika


- Martin Kunzler: Jazz Lexikon (Reinbek bei Hamburg 1988 und 2002)
- Barry Kernfeld (Herausgeber): The New Grove Dictionary of Jazz (London 1988 und 1994)
- Carr/Fairweather/Priestley: JAZZ - Rough guide (Metzler Musik 1999)

Kataloge

Bielefelder Katalog Jazz, hrsg. Manfred Scheffner: Schallplatten CDs , MCs, jährlich neu, vollständiger Überblick über in Deutschland erhältliche Jazzaufnahmen, sehr übersichtlich sortiert nach Musiktiteln auf den Tonträgern, Interpreten und Labels (Etiketten). ISBN 3-89113-137-2 (bzw. neuste Ausgabe)

Weblinks


- [http://jazzworlddatabase.com Jazzworlddatabase.com]
- [http://www.jazzscene.no Jazz Scene with David Fishel. 55 hours of jazz-celebrity interviews]
- [http://www.jazzpages.com Jazzpages.com]
- [http://www.jazz-network.com jazz-network.com]
- [http://www.jazzecho.de JazzEcho - Online-Magazin von Universal Music]
- [http://www.harlem.org/index.html harlem.org: Jazzgeschichte auf einem Foto (engl.)]
- [http://www.jazzthing.de/ Website des Printmagazins Jazz thing]
- [http://www.jazzthetik.de Website des Printmagazins Jazzthetik]
- [http://www.jazzzeitung.de/ JazzZeitung.de]
- [http://www.jazzinstitut.de Jazzinstitut Darmstadt] inkl. seiner Auswahlbibliographie zur Jazzforschung: Präsenzbibliothek
- [http://www.breaking-the-rules.com Dokumentation BREAKING THE RULES (2005) über Jazz als Gegenkultur] Kategorie:Blues Kategorie:Jazz Kategorie:Musikgenre ja:ジャズ ko:재즈 simple:Jazz

Popmusik

Popmusik ist eine Abkürzung von "populäre Musik" und bezeichnet Unterhaltungsmusik. Der Begriff bezeichnet einerseits
- bei der breiten Masse sehr beliebte und somit kommerziell sehr erfolgreiche Musik.
- einen eingängigen, harmonisch und melodiösen Stil, in Abgrenzung zur Rockmusik mit ihren raueren, wilderen Ausdruckformen. Popmusik ist durch Einfachheit und Wohlklang gekennzeichnet:
- Harmonien in als angenehm empfundenen Abfolgen
- eingängige Melodien, die oft auf der Diatonik beruhen
- simple, durchgehende Rhythmen
- einfacher, klassischer Songaufbau (Strophe/Refrain)
- sanfter, melodischer Gesang

Popmusik als Mainstream

Die für den Mainstream produzierte Popmusik bezieht sich nicht nur auf ihre eigene ursprüngliche Tradition aus dem Vaudeville, dem Volkslied und dem Kunstlied, sondern inkorporiert verschiedene gerade aktuelle Musikstile. Dabei nimmt sie den ursprünglichen Musikformen meist die Komplexität, entfernt für die gängigen Hörgewohnheiten Ungewohntes und Irritierendes, um sie für eine breite Masse zugänglicher und konsumierbarer zu machen. Das trifft sowohl auf die Vereinnahmung von Volksmusikelementen in der volkstümlichen Musik zu als auch auf modifierte, "gezähmte" Anleihen bei ursprünglichen afro-amerikanischen Musikstilen wie Jazz, aber auch Rap und Hip Hop. Da der Begriff "Popmusik" aus der US-amerikansichen Kultur stammt, ist ein Großteil der Musikstücke englischsprachig. Heute werden aber auch hin und wieder deutsche Schlager dazugezählt und es gibt deutschsprachige Popinterpret/innen, die sich musikalisch auf die US-amerikanische Tradition beziehen. Der Erfolg der kommerziell ausgerichteten Popmusik misst sich in den Pop-Charts bzw. der Hitparade. Popmusik ist der lukrativste Zweig der Musikindustrie.

Popmusik als Teil der Popkultur

Die Eingängigkeit und Wohlgefälligkeit von Popmusik wird auch in der Popkultur als ästhetisches Mittel bzw. Stilmittel benutzt. Hier geht es allerdings nur bedingt oder gar nicht darum, die breite Masse per se zu erreichen, sondern Menschen mit einem bestimmten Lebensstil anzusprechen. Schon The Beatles wandten sich gezielt an die junge Generation, was vorher nur in der Rockmusik üblich war. Anfang der 1980er Jahre wurden von Musiker/innen des New Wave kritische Texte mit einschmeichelnden Melodien transportiert, um ein größeres Publikum zu erreichen. Andererseits besteht in Nischenkulturen auch ein Bedürfnis nach schönen Melodien. Diese stimmen jedoch nicht unbedingt mit der Gefühlsstruktur eines Massengeschmacks und einer gezielt für den leichten Konsum gefertigter musikalischer Ware überein.

Geschichte der Popmusik

Der Begriff "populäre Musik" und seine Vorgeschichte

Der Begriff "populär" läßt sich in der Musikgeschichte schon wesentlich früher nachweisen als in den 1950ern und 1960er Jahre des 20. Jahrhunderts, als der Begriff "Popmusik" im Rahmen der Entwicklung der Popkultur bekannt wurde. Der deutsche Begriff "Volkslied", auch in der englischen Bezeichnung "popular song", stammt aus einer 1773 erschienenen Rezension von Johann Gottfried Herder über eine 1765 in England erschienene Sammlung von englischen und schottischen Balladen.

Populäre Musik im Mittelalter

Schon Zeiten feudaler Herrschaftssysteme hatte Musik zwei Hauptaufgaben: für die Regenten bzw. Adligen war die bei Hofe gespielte, als anspruchsvoll und vollendet geltende Musik nicht nur Unterhaltung, sondern auch Statusymbol, da zumindest im Mittelalter nur wohlhabende Adlige bzw. Fürsten sich professionelle Musiker und teure Instrumente wie Violinen leisten konnten, während bei der noch zumeist eher separiert über die Dörfer verteilt lebenden Bevölkerung die Musik überhaupt seltener und nur zu bestimmten Anlässen wie Erntedankfesten o.ä. von musikalisch gering qualifizierten Gemeindemitgliedern gespielt wurde und nur die Funktion erfüllen mußte, "tanzbar" zu sein. Dabei war die Trennung zwischen den (musikalischen) Schichten durchaus durchlässig, denn um die strengen Etikette bei Hof umgehen zu können, erfand der Adel die berühmten Maskenbälle, bei denen sich die vornehme Gesellschaft als einfache Leute verkleidete und ungeniert deren ausgelassene Feste einschließlich der Musik imitierte. Die schnelle Verbreitung von Musikstücken oder gar die Entwicklung von neuen Musikrichtungen wurde jedoch durch mehrere Faktoren behindert: die Menschen waren durch die dörfliche Siedlungsstruktur relativ isoliert, Austausch fand eher selten statt; fahrende Musikanten kamen selten und blieben nicht lang genug, um von ihnen neue Stücke auswendig zu lernen; die meisten Menschen konnten nicht lesen und schreiben und damit nicht ihre eigenen Lieder aufzeichnen, die Fähigkeit, Töne in Form von Noten aufzuzeichnen, war noch viel seltener. In Deutschland kam noch erschwerend hinzu, daß es bis vor wenigen hundert Jahren z.T. enorme Sprachbarrieren gab, da Personen, die von weit her kamen, manchen regionalen Dialekt kaum verstehen konnten. Dadurch war auch nach der Erfindung des Druckens die Verbreitung von Liedtexten in Form von Textflugblättern zusätzlich eingeschränkt.

Das 19. Jahrhundert

Die Verbreitung der Musik an sich war bis zum Ende des 18. Jahrhunderts auf das Abschreiben von Notenblättern beschränkt, da das Notensystem zu kompliziert zum Letter-Druck war; es konnten (auch in Ermangelung von zum Noten lesen fähiger Schreiber) lediglich im mechanischen Verfahren des Notenstichs einzelne Kopien von Notenblättern hergestellt werden. Dies änderte sich erst, als Alois Senefelder das Verfahren des Steinplattendrucks (die Lithographie) erfand. Dadurch gelang es zum erstenmal im Jahre 1796 in München eine auf Spezialpapier geschriebene Partitur als Negativ aufzutragen und originalgetreu abzudrucken. Zwar waren mit diesem Verfahren zuerst nur wenige Kopien möglich, doch die Erfindung der Dampfmaschine und die Verbesserung der Technik ermöglichten schon Anfang des 19. Jahrhunderts größere Auflagen von Notenblättern. Durch die Industrialisierung des Notenblattdruckes ergaben sich bedeutende Konsequenzen für die Entwicklung der populären Musik: die Musik des "einfachen" Volkes konnte nun erstmals günstig in Massen reproduziert werden, was eine Vereinheitlichung der Versionen klassischer Volkslieder in Bezug auf Text und Tonfolge zur Folge hatte, ähnlich der "Standardisierung" der deutschen Märchen durch die Zusammenstellung der Brüder Grimm; bei der klassischen Konzert- und Opernmusik setzte außerdem ein Trend ein, der dem heutigen "covern" von Popsongs nicht unähnlich ist, so wurden z.B. ganze Opern für wenige oder nur ein Instrument umarrangiert - mit teilweise kuriosen Ergebnissen wie z.B. Mozarts "Zauberflöte" als reines Flötensolo. Damit entstand auch ein ganz neuer Berufszweig: der "Arrangeur", der quasi aus altbekanntem Material klassischer Komponisten "frische" Versionen bastelte. Die bedeutenden gesellschaftlichen Umwälzungen des 19. Jahrhunderts hatten natürlich auch Auswirkungen auf die populäre Musik. Die Urbanisierung z.B. führte zu einer Anpassung der Dialekte innerhalb der großen Stadtgemeinschaften, die Städte übernahmen die Funktion kultureller "Schmelztiegel", in denen sich Menschen aus verschiedenen Regionen auch musikalisch austauschten. Die kleinen bäuerlichen Gemeinden verwandelten sich im urbanen in die große Berufsklasse der Industriearbeiter, die nach wie vor viel arbeiten mußten, ihre gelegentlichen Feste nun aber im großen Rahmen feierten (das Oktoberfest in München dürfte ein bekanntes Beispiel sein). Aber auch das an Einfluß und Wohlhaben immer mehr gewinnende Bürgertum fand in Salons und Varietés einen gemeisamen Ort und Stil von Musik. Die zunehmende Geschwindigkeit, mit der Personen und Waren sich durch ganz Europa bewegen konnten, erleichterte auch die Verbreitung neuer Stile, im Bereich der Tanzmusik sei hier der Walzer als Beispiel angeführt.

Die Entwicklung in den USA

Dass die USA in der Musikgeschichte bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts praktisch kaum eine Rolle spielten, hat im wesentlichen zwei Gründe: erstens waren die gesellschaftlichen Verhältnisse anders als in Europa, vor der Gründung der USA existierten nur einzelne Kolonien europäischer Nationen, die keine eigenständige kulturelle Identität besaßen, sondern einfach das Kulturgut bzw. die Musik der Mutternationen importierten; zweitens mußte erst der Prozess der Erschließung des Westens vollendet sein, damit sich eine stabile Gesellschaftsstruktur und eine eigenständige kulturelle Identität entwickeln konnte.

Die afroamerikanische Musiktradition

Besonders bedeutend für die Entwicklung der populären Musik war jedoch der Unterschied zwischen den Rassen: während die europäischstämmige Bevölkerung trotz eines amerikanischen Selbstbewußtseins in kultureller Hinsicht weitestgehend an ihren zumeist europäischen Wurzeln verhaftet blieb, waren die Afroamerikaner als Sklaven aus Afrika verschleppt und in den USA oft absichtlich von Menschen ihrer eigenen ethnischen Gruppe getrennt worden. Da die Siedlungsstruktur in Afrika dezentral war bzw. einige Stämme auch nomadisch lebten, standen die Verschleppten in den USA nicht nur vor einer Sprachbarriere (fast jeder sprach eine andere Sprache bzw. Dialekt), sondern auch vor einem kulturellen Problem, da es kein "nationales" Liedgut gab, das allen bekannt war. Zudem war ihnen die Ausübung ihrer kulturellen Traditionen, so auch der Musik, verboten. So mußten die Sklaven nicht nur die Sprache ihrer "Besitzer" lernen (das Sprechen oder Singen in der Heimatsprache stand auf den Baumwollplantagen oft unter Strafe), sondern sich auch auf gemeinsame Inhalte verständigen, die zumeist auch noch von christlichen Missionaren beeinflusst wurden. Andererseits entwickelte sich durch diese Unterdrückung und gewaltsame Abtrennung von der Heimatkultur unter den Afroamerikanern als ersten US-Amerikanern so etwas wie eine gemeinsame neue Kultur, die aus übernommenen Elementen der europäischen Kultur in Verbindung mit afrikansichen Traditionen beruhte. Diese spielte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgrund ihres Staus und ihrer sozialen Situation ersteinmal keine besondere Rolle. Nach dem US-amerikanischen Bürgerkrieg, der den Sklaven zumindest formal die Freiheit der Berufswahl brachte, strömten viele der ehemaligen Sklaven von den Plantagen im Süden in die Industriezentren im Norden, um dort ihr Geld zu verdienen, ein nicht unbedeutender Teil aber ergriff auch andere "einfache" Berufe, die bei den Weißen nicht auf besonderes Interesse stießen, dazu zählte z. B. auch der Beruf des Salonmusikers, der zumeist verschiedene populäre musikalische Stile beherrschte. So mischten sich auch immer mehr Schwarze unter die zuvor rein weißen Minstrels. Einige ehemalige Plantagenarbeiter gründeten aber auch gleich nach dem Bürgerkrieg eigene kleine Bands und kauften u.a. die ausgemusterten Instrumentenbestände der recht zahlreichen Militärkapellen auf. Daraus entwickelte sich in den ersten 20 Jahren nach dem Bürgerkrieg eine fortschreitende Dominanz von Schwarzen im Berufsmusikertum, während die weißen Musiker vornehmlich Bereiche wie die "vornehmen" klassischen Orchester besetzten. Von den Zentren wie New Orleans, das sich schon aufgrund vergleichsweise größerer Freiheiten für Afroamerikaner im 19. Jahrhundert zu einem musikalischen Zentrum entwickelt hatte, und Chicago aus gewannen die schwarzen Musiker so einen bedeutenden Einfluß auf die Entwicklung der populären Musik in den USA. Zu erkennen ist dies z.B. an den zunehmenden Imitationen von "schwarzen" Kompositionen durch weiße Komponisten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Schließlich entwickelte sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts der erste von Schwarzen geprägte Musikstil, der quasi zum nationalen "Trend" wurde der Ragtime. Die enststehende Jazz-Musik gilt als erste eigenständige US-amerikanische Form der populären Musik.

Ragtime

Der Ragtime (zu deutsch etwa "Fetzentakt") entstand in den 1890er Jahren aus der europäischen Kulturtradition entlehnte, auf die eigene Art interpretierte Tänzen der Afroamerikaner wie dem Cakewalk, dem Jig oder dem Strut und war ursprünglich eher als Tanzmusik konzipiert, viele frühe Ragtimes tragen auch die Taktbezeichnung "march time", sind also auch verwandt mit dem aus Europa stammenden Marsch - nicht zuletzt deshalb entstanden bereits um 1885 herum erste Ragtimes weißer Komponisten. Als der bedeutendste Komponist des Ragtime gilt Scott Joplin, dessen erste Stücke 1895 erschienen. Ihm gelang es, aus einer Musik der Bordelle und Kneipen einen allgemein anerkannten, konzertfähigen Stil zu machen, nicht zuletzt durch seine mit dem Genie von Mozart, Chopin und Brahms verglichenen Fähigkeiten am Klavier, dem Instrument des Ragtime und überhaupt dieser Zeit. Ein besonderer Meilenstein in der Musikgeschichte gelang ihm 1899, als er seinen "Maple Leaf Rag" veröffentlichte, dessen "sheet of music" (engl. für "Notenblatt" - man nannte die populäre Musik dieser Zeit daher auch "sheet music") sich innerhalb kürzester Zeit eine Millionen mal verkaufte - ein bis dahin nie gesehener Erfolg eines kurzen Unterhaltungsmusikstückes. Der Ragtime ging schließlich ab ca. 1916 im Blues bzw. Jazz auf.

Der Beginn der Schallplattenaufnahmen und die Herausbildung der Musikindustrie

Medien und Musikverlage

In den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhundert hatte sich die Technik zur Aufzeichnung und Reproduktion von Tonaufnahmen soweit entwickelt, dass sie voll kommerziell nutzbar war; abgesehen von der mangelnden Tonqualität war der 1877 entwickelte Phonograph bis dahin noch so teuer, dass sich nur reichere US-Amerikaner ein solches Gerät leisten konnten. 1902 wurden die Caruso-Arien zum ersten weltweiten Schallplatten-"Hit". Das Geschäft mit der Musik bzw. den Notenblättern wurde von der sog. "Tin Pan Alley" in New York aus gesteuert, wo die meisten großen Musikverlage dieser Zeit ansässig waren. Deren Aufstieg begann mit der zunehmenden Nachfrage nach den song sheets (Notenblätter) bzw. song books (Liederbücher) ab den 1890ern, speziell durch die beliebten "Rags", den Schlagern der Ragtime-Zeit, die jedoch musikalisch nur wenig mit dem instrumentalen Ragtime zu tun hatten. Die Tin Pan Alley trug entscheidend zur vertärkten Kommerzialisierung der populären Musik in den USA bei: hier wurde nur das herausgebracht, was mit großer Sicherheit den Massengeschmack eines möglich großen Marktes treffen würde. Wollten Komponisten eher klassische Stücke veröffentlichen, wurden sie hier meist abgewiesen und mußten den Umweg über Europa nehmen oder im Eigenverlag veröffentlichen. Neben den Faktoren der zunehmenden Verbreitung von Phonographen und der wachsenden Beliebtheit der Broadway-Musicals in den 1920ern war die Einführung des Tonfilms in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts ein besonders wichtiger Wendepunkt, da nun die Film- und die Musikindustrie zu verschmelzen begannen (z.B. wurde der Musikverlag Warner Brothers als Filmstudio aktiv). Als die "Erfolgsproduzenten" der Tin Pan Alley gelten trotz prominenter Konkurrenz wie Irving Berlin und George Gershwin die Produzenten und Komponisten Richard Rodgers und Oscar Hammerstein, die nicht nur mit dem kommerziellen Erfolg ihres Musicals "Oklahoma!", das noch heute ausverkaufte Häuser bringt und als LP zum ersten mal die Millionen-Absatzmarke übersprang (sowie als Partitur in wenigen Jahren weltweit zwei Millionen mal verkauft wurde), einen Meilenstein setzten, sondern auch als erste Künstler ein selbst beim inflationsbereinigten Vergleich mit heutigen Gagen nur als exorbitant zu bezeichnendes Einkommen von 15 bis 20 Millionen Dollar jährlich erreichten.

Blues und Country

Ab ca. 1920 ließen sich auch für die einfache Bevölkerung erschwinglichein der Tonqualität für die damalige Zeit akzeptable Schallplatten und die entsprechenden Abspielgeräte herstellen. Diese schallplatten wurden in Drogerien und Gemischtwarenläden für einige Cent verkauft, die Abspielgeräte gab es beim Möbelhändler. Besonders interessant für die nicht an das Stromnetz angeschlossenen Landbevölkerung waren Kurbelplattenspieler, die in dieser Zeit populär wurden. Um den neuen Mart zu erschließen, wurden auch Aufnahmen von Minderheitenmusik wie die bald so bezeichnete Race Music der Afroamerikaner und den Hillbilly der weißen südstaatlichen Landbevölkerung gemacht. Im Februar 1920 erschien die erste Blues-Schallplatte, aufgenommen von Mamie Smith. Sie verkaufte so gut, daß die Musikindustrie plötzlich ein großes Interesse an den schwarzen Blues-Sängerinnen bekam, die bisher nur in den sogenannten Vaudeville-Theatern zu hören waren (man nennt den Blues der "Roaring Twenties" daher auch Vaudeville-Blues). Wie nah auch der Blues noch an den Wurzeln aus der Zeit der Sklaverei war, zeigt der neben dem "klassischen" Blues in dieser Zeit ebenfalls sehr populäre "Country Blues", der textlich und musikalisch deutlich den "work songs" bzw. "field hollers" der Plantagenarbeiter ähnelte. Um den Bedarf an Blues-Schallplatten zu decken wurden spezielle Labels von den Plattenfirmen gegründet, die zu Anfang ausschließlich schwarze Sängerinnen unter Vertrag nahmen - die bekannteste dürfte Bessie Smith sein, bei den männlichen Interpreten hat John Lee Hooker wohl den größten Ruf. Auch die (erst später so bezeichnete) Country-Musik, die sich aus verschiedenen volksmusikalischen Stilen der europäischen Einwanderer, besonders der irischen und englischen, entwickelt hatte, wurde ab ca. 1923 als Absatzmarkt entdeckt. Die Geschäftsleute Polk Brookmann und besonders erfolgreich Ralph Peer entdeckten das kommerzielle Potential der Musik der abgelegenen Bergregionen der Appalachen. Aufgrund seiner Popularität wurde die Musik z.T. auch gefördert, um der landesweiten Begeisterung auch vieler Weißer für Ragtime Einhalt zu gebieten. Während der Großen Depression in den 1930er Jahren wurde der Country, der auch bei den Schwarzen der Südstaaten beliebt war, als vereinigende US-amerikanische Musik von staatlicher Seite popularisiert.

Swing und Rock'n'Roll

Der Swing, der seine Blütezeit (den sog. "Swing Craze") etwa zwischen 1935 und 1945 hatte, war der erste Stil der populären Musik, der die gesamte amerikanische Gesellschaft ohne Unterschiede zwischen schwarz und weiß oder arm und reich erreichte. Dies lag nicht zuletzt an dem auf Tanzbarkeit statt auf "Aussage" ausgerichteten Charakter dieses Stils. Im gewissen Sinn ist diese Musik außerdem ein Bekenntnis der US-Amerikaner zu Größe und Aufwand, manifestiert durch die Big Bands, die aus doppelt oder dreimal so vielen Musikern bestehen wie übliche Jazz-Formationen. Bei Big Bands mit 14 oder mehr Mitgliedern war die Jazz-typische Kollektivimprovisation praktisch ausgeschlossen, an ihre Stelle traten Soli einzelner Musiker, meist von bekannten "Star-Solisten". Der Swing enthält gut hörbar Elemente des Jazz, aber auch von "weißen" Musikstilen, wobei der Anteil der schwarzen Musik am Swing oft unterschätzt wird, da viele der bekannten Big Bands auch aufgrund rassistischer Beschränkungen stark weiß besetzt waren. Der bekannteste schwarze Band-Leader dürfte Duke Ellington sein, mehr bekannte Namen finden sich bei den Weißen wie z.B. Benny Goodman, Jimmy und Tommy Dorsey, Les Brown und natürlich Glenn Miller. Nicht zuletzt bedingt durch den zweiten Weltkrieg blieb der Swing ein fast ausschließlich US-amerikanisches Phänomen, das lediglich in Großbritannien noch als "Import" gewisse Verbreitung fand. Der Rock'n'Roll als Musikstil ist eine Synthese aus verschiedenen, unabhängig voneinander entstandenen (regionalen) Stilen, die wichtigsten sind der Rhythm and Blues und die Country-Unterstile Western Swing und der Honky Tonk. Der R&B ist im Prinzip ein Blues-Stil, der aber auch Elemente aus speziellen Jazz- und Swing-Stilen enthält und von "Vocal Groups" mit nur geringfügiger instrumentaler Begleitung (meist nur Gitarre) geprägt wurde. Die bedeutendsten regionalen Formen waren der R&B aus Chicago, der z.B. Chuck Berry beeinflußte, und die New-Orleans-Variante, deren bekanntester Vertreter Fats Domino wurde. Der Western Swing ist eine Spielart der von der weißen Landbevölkerung der US-Südstaaten geprägten Country-Musik mit Elementen des Swing, die Ende der 1930er bekannt wurde, besonderen Auftrieb aber erst durch den ASCAP-Streit 1944 bekam. Er beeinflußte bekannte Interpreten wie Bing Crosby oder Bill Haley. Nicht zuletzt durch den bis dahin in seinem Ausmaß ungekannten Starkult um den "King" wurde der Rock'n'Roll zum weltweiten Trend, der auch das mittlerweile vom zweiten Weltkrieg etwas erholte Europa bzw. Deutschland ergriff, wo man sich wieder nach Unterhaltung und ("unschuldigen") Idolen sehnte. Außerdem prägte er den Jugendkult in der Popmusik entscheidend mit, da beim Rock'n'Roll die Interpreten von den Plattenfirmen erstmals hauptsächlich nach dem Kriterium der Altersnähe zum Zielpublikum ausgesucht wurden und oft nur Amateurmusiker waren. Die entstehung des Rock'n'Roll steht in engem Zusammenhang mit den massiven gesellschaftlichen Umbrüchen dieser Zeit und markiert gemeinsam mit den Beats auch die beginnende Entwicklung der Popkultur. Zum Rock'n'Roll zählte als kurzlebiger Trend der "Twist" Anfang der 1960er, und schließlich folgten die unter der Begriffsabspaltung "Rock" zusammengefassten Musikstile. Durch Rock'n'Roll und nachfolgende Stile habe seitdem vorangehende Stile wie Entertainer und Schlager in der Popularität stark zurückgedrängt und bestimmen die Popmusik-Hitparaden. Seit der Kommerzialisierung des Rock'n'Roll (und somit auch der Abschwächung seines widerständigen Potentials) in den späten 1950er Jahren wurden Trends der Popmusik in Europa, aber auch der restlichen Welt nicht nur aus ästhetischen, sondern auch ökonomischen Gründen von den USA aus geprägt.

Die Funktionen der modernen Popmusik und die Zukunft

In den letzten 50 Jahren entwickelten sich unzählige neuen Stile und Unterstile der Popmusik. Die Funktionen der Stile besteht vor allem der Unterhaltungsaspekt. Trotzdem gelang es aber auch Musikern wie Bob Dylan eine populäre Synthese aus Musik und politischen Inhalten zu schaffen bzw. wie zum Beispiel John Lennon in seinem Song "Imagine" eine philosophische Idee zu verbreiten.

Beispiele für die Kommerzialisierung neuer Trends

Popmusik war und ist auch stets ein Ausdrucksmittel einer Generation oder eines Milieus und dient zur Vermittlung eines gemeinschaftlichen Lebensgefühls und einer gemeinsamen Ästhetik, die sich z.B. in der Form der Musik und in der Kleidung ausdrückt. Als Beispiel für einen Milieu-Stil sei hier der Rap genannt, der ursprünglich nur die Musik der schwarzen Jugendlichen in den US-amerikanischen Großstadt-Ghettos war und dessen Wurzeln bis zum Rhythm&Blues zurückreichen. Erst in den letzten 20 Jahren wurde der Rap von den stets nach neuen Trends suchenden Medienkonzernen zum global populären Musikstil "hochpromotet", wobei diese Entwicklung nicht nur auf die Musik beschränkt blieb, denn auch der Kleidungsstil der Hip Hop-Bewegung wurde in den 1990ern zum allgemeinen Modetrend und ist heute fast schon fester Bestandteil unseres Modebewußtseins. Als Beispiele für Generationen erfassende Stile seien hier die Flower Power-Bewegung und die Disco-Musik der 1970er genannt. Allerdigs unterstützen die Musikproduzenten mittlerweile nicht nur Massenbewegungen, sondern auch zwar global verbreitete, aber im Gegensatz zur Musik einer Britney Spears oder Madonna nur von einer kleineren Zielgruppe in kulturellen Nischen nachgefragte Musikstile wie z.B. den Gothic Rock. Dies resultiert aus dem enorm harten Wettbewerb unter den Produzenten, der diese geradezu dazu zwingt, jeden irgendwie Absatz versprechenden Trend auszunutzen oder gar selbst neue, "unverbrauchte" Trends zu schaffen. Im Gegensatz dazu ist bei einer anderen Funktion, die die populäre Musik seit je her abdeckt, der individuelle Zuschnitt überhaupt nicht gefragt, sondern hauptsächlich der Rhythmus und die Genußbefriedig der breiten Masse, dem Mainstream. Ziel ist hier kein differenzierter ästhetischer Anspruch, sondern die Anregung und Begleitung zum Tanzen. Die bekanntesten Nachfolger des Swing als Tanzmusik dürften neben dem Twist der frühen 1960er vor allem die Disco-Musik, die seit Mitte der 1970er zum großen Teil ihren Underground-Charakter verloren hatte, und Teile des heute populäre Techno. Anfang der 1980er Jahre erlebt die deutschsprachige Popmusik im Zuge der Neuen Deutschen Welle einen großen Aufschwung in Deutschland. In Österreich existierte der Austropop, der sich großer Beliebtheit erfreute.

Film und populäre Musik

Im Zusammenhang mit der Disco-Musik wird außerdem der Aspekt der Wechselbeziehung zwischen Film und Musik noch einmal interessant, da in der Rock'n'Roll-Ära die Musikfilme noch eher die Folge des bereits popu