:: wikimiki.org ::
| Bausparkasse |
BausparkasseBei den Bausparkassen handelt es sich um Spezialkreditinstitute, die aufgrund der im Bausparkassengesetz geregelten Geschäftskreisbeschränkung im wesentlichen nur die Wohnungsbaufinanzierung betreiben.
Grundidee
Die Grundidee des Bausparens kann man an folgendem Beispiel verdeutlichen:
Zehn Bauwillige, ohne Eigenkapital, sparen mit dem Ziel Wohneigentum zu erwerben. Wenn jeder in der Lage ist, ein Zehntel der Erwerbskosten pro Jahr zu sparen, so hätte jeder nach zehn Jahren das nötige Kapital angesammelt. Bringen die zehn Bauwilligen ihr Erspartes in einen gemeinsamen "Spartopf" ein, so kann hieraus die benötigte Summe dem ersten von ihnen bereits nach einem Jahr ausgezahlt (Zuteilung) werden (ein Zehntel als Rückzahlung der erbrachten Sparleistung und Neun Zehntel als Bauspardarlehen). Wenn jetzt unterstellt wird, dass der zugeteilte Bausparer, jedes Jahr ein Zehntel der erhaltenen Bausparsumme als Tilgung des Bauspardarlehens in den gemeinsamen "Zuteilungstopf" zurückzahlt, so kann der zweite Bausparer seine Baumaßnahme bereits im zweiten Jahr verwirklichen. Im dritten Jahr sind, unter gleichen Voraussetzungen, acht Spar- und zwei Tilgungsleistungen im "Zuteilungstopf", so dass auch der dritte Bausparvertrag zugeteilt werden kann.
Die Bausparwirklichkeit ist allerdings etwas komplizierter, da es keine geschlossene Bauspargruppe gibt. Gleichwohl basiert das heutige Bausparsystem auf der dargestellten Grundidee des kollektiven Bausparens.
Geschichte
Der dem Bausparsystem zugrundeliegende kollektive Spargedanke wurde bereits um 200 v. Chr. in China verwirklicht. Während der Han-Dynastie wurden gemeinnützige Spargesellschaften auf Gegenseitigkeit gegründet.
Die erste Bausparkasse entstand 1775 in Birmingham, danach in den USA (1831), in Australien und Neuseeland (1832), in Südafrika (1833) sowie in Brasilien (1834).
1885 wurde durch Pastor von Bodelschwingh in Bielefeld die erste deutsche Bausparkasse, die Bausparkasse für Jedermann, gegründet.
Endgültig konnte sich das Bausparsystem in den Jahren 1924 bis 1929, auf Grund des hohen Finanzmittelbedarfes für den Wiederaufbau nach dem Ersten Weltkrieg, in Deutschland etablieren.
Ende der 1930er Jahre gab es die erste grundlegenden Änderung im deutschen Bausparsystem. Das bis dahin gebräuchliche „Lossystem“ wurde durch ein Bewertungsverfahren, das gerechter war, ersetzt. Es machte den Zuteilungstermin des einzelnen Bausparers von der Art und Weise seiner Sparkapitalbildung anhängig.
Nach der Währungsreform im Jahre 1948, begann mit dem Wirtschaftswunder der Aufschwung der deutschen Bausparkassen.
1973 traten das Bausparkassengesetz und die Bausparkassenverordnung in Kraft. Damit wurde für die Geschäftstätigkeit der privaten und öffentlichen Bausparkassen eine einheitliche gesetzliche Grundlagen geschaffen.
Durch die Novellierung des Bausparkassengesetzes 1991 wurde dem Bausparkassen der Weg in den Europäischen Binnenmarkt eröffnet. Gleichzeitig wurde die Möglichkeit von Blankokrediten für Kleinstdarlehen und ein umfangreiches Paket bauspartechnischer Sicherungsmaßnahmen geschaffen.
Rechtsformen
Die Bausparkassen unterscheiden sich untereinander in ihren Rechtsformen.
Die im Verband der 16 privaten Bausparkassen zusammengeschlossenen Bausparkassen werden in der Rechtsform von Aktiengesellschaften betrieben und befinden sich überwiegend im Eigentum oder Einflussbereich von Versicherungsgesellschaften oder Banken. Die größte private Bausparkasse, die Bausparkasse Schwäbisch Hall, ist eng mit dem Genossenschaftssektor verbunden und verfügt mit den Volks- und Raiffeisenbanken über einen bedeutenden Unterbau für ihre akquisitorische und beratende Tätigkeit.
Über eine Sonderrolle im Lager der privaten Bausparkassen verfügt auch die BHW, das vom Deutschen Beamtenbund und Deutschem Gewerkschaftsbund getragen wird und sich so auf eine große Zahl von Vertrauensleuten im öffentlichen Dienst stützen kann.
Die zweite Bausparkassengruppe, derzeit 11 Landesbausparkassen, besteht aus Instituten, die überwiegend in der Trägerschaft eines oder mehreren Bundesländer und/oder der jeweiligen Sparkassenorganisation stehen. Die Landesbausparkassen sind Mitglieder im Deutschen Sparkassen- und Giroverband und werden von dort durch die Bundesgeschäftsstelle Landesbausparkassen betreut.
Vier Landesbausparkassen sind unselbständige Abteilungen/Geschäftsbereiche einer Landesbank oder Sparkasse. Sie gelten dennoch, gemäß dem Bausparkassengesetz, als selbständige Bausparkassen.
Drei Landesbausparkassen sind rechtsfähige Anstalten des öffentlichen Rechtes.
Auf Grund der regionalen Gebietsaufteilung auf einzelne oder eine Gruppe von Bundesländern, stehen die Landesbausparkassen, im Gegensatz zu den bundesweit tätigen, privaten Bausparkassen, untereinander nicht im Wettbewerb.
Bausparförderung in Deutschland
In der Bundesrepublik Deutschland wird das Bausparen durch die Gewährung von Wohnungsbauprämien für Sparleistungen auf Bausparkonten und die Zahlung von Arbeitnehmersparzulagen für die vermögenswirksamen Leistungen gefördert. Man spricht auch von der Vorsparförderung.
Nach Errichtung bzw. Erwerb von Wohneigentum setzt die sogenannte Nachsparförderung in Form der Eigenheimzulage und der Kinderzulage ein.
Bausparkassen in Deutschland
Der Bausparmarkt in Deutschland wir zu etwa zwei Drittel durch 16 privaten Bausparkassen und zu etwa einem Drittel durch elf Landesbausparkassen abgedeckt. Bei etwa zwei Drittel aller Wohnungsbaufinanzierungen in Deutschland, ist eine Bausparkasse beteiligt.
Siehe auch: Bausparvertrag, Private Bausparkasse, Landesbausparkasse
!Bausparkasse
ImmobilienfinanzierungEine Immobilienfinanzierung stellt eine Gesamtfinanzierung für eine nicht bewegliche Sache, nämlich ein Grundstück sowie dessen Bestandteile und Zubehör (Def. Immobilie) dar.
Die Immobilenfinanzierung ist wesentlicher Bestandteil für die Errichtung von Bauwerken. Es wird zwischen den Eigenmitteln bzw. dem Eigenkapital und dem Fremdfinanzierungsanteil oder Fremdkapital unterschieden.
Zur Fremdfinanzierung von Immobilien können u.a. Bank- bzw. Hypothekenbankdarlehen, Bausparverträge, Verwandtschafts- oder Gesellschaftskredite verwendet werden. Das Darlehen wird mit einem Grundpfandrecht, auf einem Beleihungsobjekt, abgesichert. Die Kunst der Finanzierungskonzeption besteht in der Mischung unter Berücksichtigung aller Verfügungs- und Fördermöglichkeiten, minimierter Finanzierungskosten, der Besicherung, der steuerlichen Optimierung und der abgestimmten Laufzeiten.
Größere, nicht privat genutzte Objekte werden überwiegend aus den Eigenmitteln der öffentlichen Hand, von Immobilienfonds, Unternehmen oder von Leasing- bzw. Kapitalanlagegesellschaften finanziert. Bei der Entwicklung derartiger Projekte kommen auch Spezialfinanzierungen wie z.B. Mezzaninkapital mit Equity-Kicker, Participating-Mortgage-Finanzierungen oder Joint-venture-Finanzierungen zum Einsatz, bei denen die Kapitalgeber für das Risiko aus ihrem ungesicherten Teil der Finanzierung zusätzlich eine Beteiligung am Projektgewinn erwarten.
Siehe auch: Hypothekenbank, Projektentwicklung, Portal:Architektur und Bauwesen, Corporate Real Estate Management
Weblinks
- [http://www.kfw.de Staatliche Förderung - Baufinanzierung für Bau, Umbau oder Kauf]
- [http://www.stiftung-warentest.de/online/bauen_finanzieren.html Stiftung Warentest]
Kategorie:Finanzierung
WohneigentumMit Wohneigentum (zu unterscheiden vom Wohnungseigentum) wird die Tatsache bezeichnet, daß die Immobilie, in der jemand wohnt, Eigentum des Bewohners ist. Die Immobilie kann beispielsweise eine Eigentumswohnung oder ein Haus sein.
Der Anteil der Bewohner mit Wohneigentum ist in den europäischen Ländern sehr unterschiedlich:
- Norwegen 86 %
- Spanien 86 %
- Irland 78 %
- Griechenland 74 %
- Belgien 74 %
- Großbritannien 69 %
- Österreich 56 %
- Frankreich 55 %
- Niederlande 53 %
- Deutschland 43 % (Ostdeutschland 35,4 %, Westdeutschland 44,5 %)
- Schweiz 36 %
Die Rate an Wohneigentum in Deutschland hat sich von 1993 bis 2003 von 39 % auf 43 % erhöht.
thumb
Einer der Gründe für die geringe Wohneigentumsrate in Deutschland sind die hohen Startkosten für die Anschaffung einer ersten Wohnung. Hierbei sind die hohen Nebenkosten des Kaufs (Makler, Grunderwerbsteuer, Notar, Transaktionskosten ...) ebenso wie die von den Kreditgebern geforderte vergleichsweise hohe Eigenkapitalrate von etwa 20 % störend. In den USA und Kanada reichen ca. 20 000 $ bis 30 000 $ für ein erstes Objekt. Dabei ist in diesen beiden Ländern nur eine Eigenkapitalrate von etwa 6 % notwendig.
Diese statistischen Angaben basieren auf Daten vom Jahre 2003.
Siehe auch: Grundstück, Wohnungseigentum
Kategorie: Wohnungsmarkt
ErwerbskostenAls Erwerbskosten werden alle beim Erwerb eines Grundstückes anfallenden Kosten, z. B. Maklerprovision, Gerichts- und Notargebühren, Vermessungskosten, Kosten für die Grundbucheintragung, Kosten für Bodenuntersuchungen bezeichnet.
Kategorie:Wirtschaft
BausparvertragBei einem Bausparvertrag handelt es sich um eine staatlich begünstigte Sparform, für die nach Vorliegen der Voraussetzungen die Wohnungsbauprämie gezahlt wird.
Ein Rechtsanspruch auf die Gewährung eines Bauspardarlehens entsteht aus der Einrichtung des Vertrages nicht.
Nach Einrichtung des Bausparvertrages kann es, je nach Bedarf des Bausparers, erforderlich sein, bis zum Erreichen der Darlehensphase einen Zwischen- oder Vorfinanzierungskredit einzurichten.
Einrichtung
Ein Bausparvertrag kommt zustande, wenn ein Sparer mit einer Bausparkasse einen entsprechenden Vertrag schließt. Ein Abschluss für Sparer, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, ist nur in Ausnahmefällen möglich, beispielsweise für Jugendliche, die vermögenswirksame Leistungen anlegen wollen.
Der Vertrag hat folgende Inhalte:
Tarif, Vertragssumme, Abschlussgebühr (etwa 1 % bis 1,6 % der Vertragssumme), Guthabenverzinsung, Darlehenszins und Regelsparrate. Die Tarifdaten werden bei Vertragsabschluss festgelegt und können im Vertragsverlauf nicht verändert werden. Die Guthaben- und Darlehenszinsen unterliegen damit keiner Marktschwankung.
Nach der Abgabenordnung (§ 154 AO) muss eine Legitimationsprüfung vorgenommen werden. Eventuell ist ein Freistellungsauftrag wegen des Zinsabschlags zu erteilen. Die allgemeinen Geschäftsbedingungen sind dem Sparer auszuhändigen. In Ihnen werden Details des Vertrages geregelt (mögliche Vertragsänderungen, weitere Gebühren oder Boni, Kündigungsmodalitäten, Wartefristen etc.) .
Eine Aussage des Sparers über eine später geplante Verwendung der Bausparmittel gegenüber der Bausparkasse ist nicht erforderlich.
In Österreich bieten die Bausparkassen - anders als bisher in Deutschland - Tarife mit variablen Guthaben- insbesondere aber variablen Darlehenszinsen an: Der variable Darlehenszins wird dabei wie folgt berechnet: Der Durchschnitt des Euro-Zinsswap-Satzes 3 Jahre gemäß der von der Oesterreichischen Nationalbank veröffentlichten Tabelle "Tägliche Euro-Zinsswap-Sätze", Spalte 3 Jahre, für 15. August, 15. September und 15. Oktober (bzw. für den jeweils folgenden Banktag) des Berechnungsjahres wird um 1,0 erhöht und auf Zehntel-Prozentpunkte kaufmännisch auf -oder abgerundet. Die Basisformel für den variablen Zinssatz lautet also:
Durchschnitt Euro-Zinsswap-Satzes 3 Jahre 15.8., 15.9. und 15.10. + 1,0, kaufmännisch gerundet auf volle Zehntel-Prozentpunkte. Der so ermittelte Zinssatz ist mit einer Untergrenze von 3,0% und einer Obergrenze von 6% für die Verzinsung des folgenden Kalenderjahres anzuwenden. Die Anpassung des Darlehenszinssatzes anhand der genannten Kriterien erfolgt einmal jährlich und zwar mit Wirkung ab 1.1. des jeweiligen Kalenderjahres für das gesamte Kalenderjahr. Die Änderung wird dem Kunden vor Wirksamkeit schriftlich unter gleichzeitiger Bekanntgabe der sich bei gleich bleibender Vertragslaufzeit ergebenden neuen Rate bekanntgegeben.
Sparphase
Während der Sparphase wird das Bausparkonto durch regelmäßige eigene Zahlungen und/oder vermögenswirksame Leistungen des Arbeitgebers bis zur vertraglich vereinbarten Mindestansparsumme (im Durchschnitt zwischen 30 % und 60 % der Vertragssumme) bedient.
Sonderzahlungen, auch von Personen die nicht Vertragsinhaber sind, sind jederzeit möglich. Das Guthaben wird dabei jährlich mit dem im Vertrag festgelegten, tarifabhängigen Guthabenzins verzinst.
Ein jährlicher Kontoauszug wird zum 31. Dezember eines jeden Jahres erstellt. Er beinhaltet die Auflistung sämtlicher Buchungen (Soll und Haben) sowie die verbuchten Guthabenzinsen bzw. den an das Finanzamt abgeführten Zinsabschlag.
Gleichzeitig erhält der Sparer zu diesem Termin ein Formular für die Beantragung der Wohnungsbauprämie für das abgelaufene Sparjahr.
Zuteilung
Zugeteilt wird ein Bausparvertrag, wenn er an einem bestimmten Stichtag alle Zuteilungsvoraussetzungen wie Mindestsparzeit, Mindestguthaben und Mindestbewertungszahl erfüllt hat.
Nach dem Bausparkassengesetz dürfen sich die Bausparkassen nicht verpflichten, die Zuteilung zu einem bestimmten Zeitpunkt zu garantieren.
Je nach Bausparkasse kann sich an die Zuteilung eine Ruhephase oder die Auszahlung anschließen.
Vertragsänderungen
Der Vertrag kann während der Sparphase, entsprechend der Allgemeinen Geschäftsbedingungen, verändert werden. Vertragsänderungen können sein:
a) Teilung. Der Vertrag wird in 2 oder mehr Teilverträge geteilt wobei das Guthaben entsprechend (nach Wunsch des Bausparers) aufgeteilt wird. Die Bewertungszahlen werden neu errechnet.
b) Zusammenlegung. Es können separat abgeschlossene Verträge zusammen gelegt werden. Dies ist i.d.R. nur unter identischen Tarifen möglich. Die Bewertungszahlen werden neu errechnet.
c) Ermäßigung. Die Vertragssumme kann ermäßigt werden. Die Bewertungszahl wird entsprechend anteilig erhöht und kann so zu einer früheren Zuteilung führen. Das maximale Bauspardarlehen verringert sich entrsprechend.
d) Erhöhung. Die Bausparsumme kann erhöht werden. Die Bewertungszahl wird entsprechend anteilig verringert und kann so zu einer verzögerten Zuteilung führen. Eine der Erhöhungssumme entsprechende Abschlussgebühr ist zu entrichten. Das maximale Bauspardarlehen erhöht sich entsprechend.
e) Variantenwechsel. Sind in einem Tarif mehrere Varianten möglich, so kann zwischen diesen Varianten (ggf. mit Einschränkungen) gewechselt werden. Varianten unterscheiden sich i.d.R. im Guthaben und Darlehenszins oder den notwendigen Zuteilungsvoraussetzungen.
Alle Vertragsänderungen bedürfen der Zustimmung der Bausparkasse und sind in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen beschrieben. Sie wird dann i.d.R zustimmen da die Verweigerung nur aus bauspartechnischen Gründen möglich ist. Einzig die Erhöhung der Bausparsumme ist nach längerer Vertragslaufzeit nur begrenzt möglich. I.d.R. werden für Vertragsänderungen Gebühren erhoben. In der Darlehensphase sind Vertragsänderungen nicht mehr möglich.
Ruhephase
Die Ruhephase ist die Zeit, die zwischen Zuteilung und Auszahlung liegt. Diese variiert je nach Bausparkasse und kann bis zu sechs Monate betragen.
Auszahlung
Der Auszahlungstermin wird von den Bausparkassen unterschiedlich festgelegt, von Bekanntgabe des Termins am Zuteilungsstichtag, bis zur späteren Übersendung eines Darlehensantrages.
Vor dem Auszahlungstermin muss der Bausparer der Bausparkasse mitteilen, was ausgezahlt werden soll:
a) Nur Guthaben (inkl. Guthabenzinsen, unter Umständen Rückerstattung der Abschlussgebühr, erhöhte Guthabenverzinsung nachträglich, Sonderbonus o.ä. möglich). Bei Auszahlung vor 7 Jahren seit steuerlichem Vertragsbeginn wird die bereits gewährte Wohnungsbauprämie durch das Finanzamt zurückgefordert wenn kein Nachweis der wohnwirtschaftlichen Verwendung vorliegt. Nach 7 Jahren ist die Verwendung frei: Auszahlung Guthaben inkl. Wohnungsbauprämie. Durch die Bausparförderung kann die erzielte Rendite deutlich über der vergleichbarer Anlagen liegen.
b) Guthaben und Bauspardarlehen oder Teile des Darlehens. Das maximale Darlehen beträgt dabei i.d.R. die Differenz zwischen Bausparsumme und Bausparguthaben bei Auszahlung (inkl. Zinsen etc.) so dass der Gesamtauszahlungsbetrag gleich der Vertragssumme ist. In manchen Tarifen errechnet sich das maximale Darlehen anhand eines Vielfaches der bis zum Zuteilungsstichtag verdienten Guthabenzinsen. Bei Auszahlung von Darlehensbeträgen, muss auf jeden Fall der Nachweis der wohnwirtschaftlichen Verwendung erbracht werden.
c) Mehrzuteilung (wird nicht von allen Bausparkassen angeboten). Die Bausparkasse kann dem Bausparer bei Vorliegen aller Zuteilungsvoraussetzungen ein höheres als in b) beschriebenes Darlehen anbieten (Mehrzuteilung). Dies ist entweder bereits im Vertrag als Option so festgehalten oder kann von der Bausparkasse mit Zustimmung des BaFin angeboten werden. Ggf. sind damit Änderungen des Zinssatzes oder der Tilgungsintensität verbunden.
d) Wahlzuteilung (wird nicht von allen Bausparkassen angeboten). Die Bausparkasse kann dem Bausparer bereits vor Erreichen der zuteilungsvoraussetzungen ein Darlehen anbieten (Wahlzuteilung). Dies ist entweder bereits im Vertrag als Option so festgehalten oder kann von der Bausparkasse mit Zustimmung des BaFin angeboten werden. Die Modalitäten für die Wahlzuteilung variieren erheblich. Der Bausparer gibt den gewünschten Darlehenszins in Höhe des benötigten Bauspardarlehens an. Der erforderliche Tilgungsbeitrag wird in Abhängigkeit der erreichten Guthabensaldensumme oder anderer Bewertungsverfahren errechnet. Gibt der Bausparer stattdessen neben dem Darlehenszins die Höhe des gewünschten Tilgungsbeitrages vor, wird umgekehrt die Höhe des möglichen Darlehens bestimmt.
Die Auszahlung des Darlehens kann ganz oder teilweise durch die Bausparkasse verweigert werden, wenn die Tragbarkeit der monatlichen Zins- und Tilgungsrate nicht gewährleistet, oder wenn eine gegebenenfalls notwendige Absicherung des Darlehens (Ersatzsicherheiten oder dingliche Sicherheit) nicht möglich ist.
Darlehensphase
Mit Vertragsabschluss wurden bereits Nominalzins des Darlehens und eventuelle Tarifgebühren (Darlehensgebühr, Agio, Disagio, Kontogebühr etc. je nach Tarif) vereinbart. Mit Beginn der Darlehensphase schließen Bausparer und Bausparkasse einen Darlehensvertrag, in dem die konkrete monatliche Darlehensrate vereinbart ist. Sie besteht aus einem Zins- und einem Tilgungsanteil und richtet sich i.d.R. nach der erreichten Bewertungszahl, dem Darlehensbetrag und/oder der Vertragssumme. Ggf. werden weitere Gebühren (Wertermittlungsgebühren, Darlehensversicherungen, ...) vereinbart. Daraus errechnet sich der Effektivzins.
Je nach gewähltem Bauspartarif beträgt die Zins- und Tilgungsleistung zwischen 0,3 % und 0,8 % der Bausparsumme pro Monat. Es gibt Varianten, bei denen der Zins- und Tilgungsbeitrag in Abhängigkeit des konkreten Darlehens errechnet wird (etwa zwischen 0,6 % und 1,6 % des Darlehensbetrages. Sondertilgungen bis hin zur völligen Tilgung des Bauspardarlehens sind jederzeit, ohne dass Gebühren anfallen, möglich. Bei hohen Sondertilgungsbeträgen (ab etwa 10 % des Restdarlehens) kann ggf. eine anteilige Reduktion der Monatsrate auf Antrag verlangt werden.
Nach der vollständigen Tilgung erfolgt die Freigabe eventuell vorhandener Sicherheiten durch die Bausparkasse.
Ein Jahreskontoauszug wird auch in der Darlehensphase erstellt.
Zwischen- oder Vorfinanzierungskredit
Der Bedarf des Bausparers kann es erforderlich machen, einen Zwischen- oder Vorfinanzierungskredit in Anspruch zu nehmen. Die Kreditmittel werden nicht aus den Spareinlagen der Kunden (kollektives Geschäft, wie in der Darlehensphase) gezahlt, sondern zu marktüblichen Konditionen finanziert.
Zwischenkredit
Der Bausparvertrag hat das Mindestguthaben erreicht, Zuteilung kann nicht erfolgen weil Zuteilungsstichtag, Mindestsparzeit oder Mindestbewertungszahl nicht erreicht ist. Es wird ein Kreditvertrag abgeschlossen, in dem die Zwischenkreditzinsen festgelegt sind (eine weitere Sparzahlung ist in den meisten Fällen nicht erforderlich), variabel oder fest bis zum Beginn der Darlehensphase. Mit Übergang in die Darlehensphase (nach erfolgter Zuteilung) erlischt der Zwischenkredit.
Vorfinanzierungskredit
Im Gegensatz zum Zwischenkredit, hat der Bausparvertrag das Mindestguthaben noch nicht erreicht (Einrichtung des Vorfinanzierungskredites direkt im Zusammenhang mit der Einrichtung des Bausparvertrages möglich). Es wird ein Kreditvertrag abgeschlossen, in dem die Vorfinanzierungszinsen, die Zinsbindung und die monatliche Sparrate festgelegt werden. Mit Übergang in die Darlehensphase (nach erfolgter Zuteilung) erlischt der Vorfinanzierungskredit.
Für die Gewährung beider Kreditformen gelten die Voraussetzung wie bei der Darlehensphase, Tragbarkeit der monatlichen Zins- und Tilgungsrate, eventuell notwendige Absicherung des Darlehens (Ersatzsicherheiten oder dingliche Sicherheit).
Für beide Kreditformen wird ein Jahreskontoauszug erstellt.
Verwendung der Darlehensmittel
Nach dem Bausparkassengesetz dürfen Bauspardarlehen nur zur Finanzierung wohnwirtschaftlicher Maßnahmen verwendet werden. Als solche gelten u. a.:
- Bau und Erwerb sowie die Renovierung und Modernisierung von Gebäuden und Wohnungen, die ausschließlich oder überwiegend Wohnzwecken dienen
- der Kauf von Bauland und der Erwerb von Erbbaurechten zum Bau von überwiegend zu Wohnzwecken dienenden Gebäuden
- Maßnahmen zur Erschließung und zur Förderung von Wohngebieten
- der Erwerb von Rechten zur dauerhaften Nutzung von Wohnraum, z. B. bei einem Einkauf in ein Seniorenstift
- die Umschuldung von Krediten, die der Finanzierung wohnwirtschaftlicher Maßnahmen dienen
siehe auch: Bausparsumme,
Tilgungsbausparvertrag,
Regelsparbetrag,
Bauspardarlehen,
Bauspareinlagen,
Bausparen,
Bausparförderung,
Bausparguthaben,
Bausparkassengesetz,
Bausparkassenverordnung,
Bauspar-Kollektiv,
Bausparsumme,
Bauspartarif,
Bausparkasse,
Bauspar-Vorratsvertrag,
Mietermodernisierung,
Mindestsparzeit
Weblinks
[http://www.stiftung-warentest.de/online/bauen_finanzieren.html Stiftung Warentest: Bauen & Finanzieren]
Kategorie:Bank und Kreditwesen
TilgungTilgung ist die Rückführung einer Geld- bzw. Kapitalschuld. Diese kann in gleich bleibenden Raten (Annuität), unterschiedlichen Raten (Tilgungshypothek) oder in einem einzigen Betrag erfolgen. Anwendung findet die Tilgung bei Darlehen, Krediten oder Anleihen.
Tilgung in Raten erfolgt meist anhand eines vorher festgelegten Tilgungsplanes.
Langfristige Tilgung nennt man Amortisation und findet v. a. bei Hypotheken und Anleihen Anwendung.
Vereinzelt kann es auch zum Ausbleiben einer Tilgung kommen. So setzte im Jahr 2001 der Staat Argentinien die Tilgung seiner Anleihen und 2003 die Tilgung seiner internationalen Kredite aus, was zu einem Kurssturz der Anleihen führte.
Siehe auch
- Schwingungstilgung (Technische Mechanik)
- Bankrott
kategorie:Bank und Kreditwesen
Kollektives BausparenMit kollektivem Bausparen wird der Grundgedanke des deutschen Bausparsystems bezeichnet.
Es handelt sich dabei um ein geschlossenes System, bei dem alle durch Spar- und Tilgungsleistungen der Zuteilungsmasse zufließenden Einlagen wieder als Bausparguthaben und Bauspardarlehen an die (Bau-)Sparer zurückfließen. Im Gegensatz zum individuellen Sparen zu Bauzwecken handelt es sich hierbei um den Zusammenschluss zukünftiger Kreditnehmer, die sich vertraglich zu planmäßigem Sparen verpflichten. Aus dem sich daraus ansammelnden Kapitalstock erhalten , die Sparer nach einem bestimmten Zuteilungsmodus ihr Bauspardarlehen.
200 v. Chr.
----
Ereignisse
- Beginn der früheren Han-Periode in China
- Der griechische Historiker Antipatros von Sidon stellt die Liste der sieben Weltwunder auf (vermutlich)
- Zweiter Makedonisch-Römischer Krieg beginnt (bis 196 v. u. Z.)
Geboren
-
Gestorben
-
9-0200
ko:200년
Kaiserreich ChinaDas Kaiserreich China // entstand 221 v. Chr. unter Qín Shǐ Huángdì aus mehreren kleinen Königreichen während der „Zeit der streitenden Reiche“ und währte über 2.133 Jahre bis zur Ausrufung der Chinesischen Republik durch Sun Yatsen und die darauf 1912 erfolgte Abdankung des letzten Kaisers Pu Yi. Auf die wechselvolle Geschichte und Vorgeschichte des Kaiserreichs und seiner Dynastien geht der Artikel Geschichte Chinas ein, worüber die Zeittafel China einen schematischen Überblick gibt.
Kaiserdynastien
Im Laufe der Geschichte des chinesischen Kaiserreiches gab es verschiedene Dynastien, die die jeweiligen Kaiser stellten. Die wichtigsten sind:
Verwandte Themen
- Portal: China
- Kategorie: Dynastien (China)
- Republik China und Volksrepublik China
- Zeit der Streitenden Reiche
Kategorie: Dynastien (China)
China
1775
- 19. April: Beginn des Krieges zwischen Großbritannien und seinen Kolonisten in Nordamerika (Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg)
- 10. Mai: Zweiter Kontinentalkongress in den amerikanischen Kolonien
- 15. Juni: George Washington, ein Plantagenbesitzer aus Virginia, wird zum Oberbefehlshaber des Kontinentalheeres gewählt
- Leonhard Euler formuliert das Drehimpuls-Gesetz dMx = (ybz: zby) dm usw
- Alessandro Volta perfektioniert den Elektrophor (Influenzmaschine) von Johann Carl Wilcke
- James Cook vermutet Land am Südpol, doch entdeckt die Antarktis nicht
- James Watt erfindet die Dampfmaschine
- United States Postal Service wird gegründet
Kultur
- 27. Januar: Uraufführung des Melodrams Ariadne auf Naxos von Georg Benda in Gotha
- 1. Mai: Uraufführung des Melodrams Medea von Georg Benda in Leipzig
- 29. August: Uraufführung der Oper L'incontro improviso (Die unverhoffte Zusammenkunft) von Joseph Haydn in Esterház
- Gründung der Bergakademie, heute Technische Universität Clausthal
- 22. Januar: André-Marie Ampère, französischer Physiker und Mathematiker († 1836)
- 27. Januar: Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling, deutscher Philosoph († 1854)
- 30. Januar: Walter Savage Landor, englischer Schriftsteller († 1864)
- 9. Februar: Farkas Wolfgang Bolyai, ungarischer Mathematiker († 1856)
- 21. März: Lucien Bonaparte, jüngster Bruder der Bonapartes († 1840)
- 30. März: Hieronymus Graf von Colloredo-Mannsfeld, österreichischer General († 1822)
- 6. April: James Mill, englischer Historiker und Ökonom († 1836)
- 22. April: Georg Hermes, deutscher Theologe und Philosoph († 1831)
- 23. April: Joseph Mallord William Turner, englischer Künstler des Impressionismus († 1851)
- 23. April: William Turner, englischer Maler († 1851)
- 24. April: Jakob Salentin von Zuccalmaglio, deutscher Jurist und Politiker († 1838)
- 9. Mai: Heinrich Karl Ludwig Bardeleben, deutscher Jurist und Politiker († 1852)
- 25. Mai: Charlotte Johanna, Prinzessin von Spanien und Königin von Portugal († 1830)
- 9. Juni: Georg Friedrich Grotefend, deutscher Sprachwissenschaftler († 1853)
- 12. Juni: Karl von Müffling, preußischer Generalfeldmarschall, Militärschriftsteller und Geodät († 1851)
- 13. Juni: Anton Radziwill, preußischer Politiker und Komponist († 1833)
- 9. Juli: Matthew Lewis, englischer Schriftsteller († 1818)
- 18. Juli: Karl von Rotteck, deutscher Historiker und Politiker († 1840)
- 23. Juli: Etienne Louis Malus, französischer Physiker und Mathematiker († 1812)
- 6. August: Daniel O'Connell, irischer Freiheitskämpfer († 1847)
- 20. August: Franz Dinnendahl, Konstrukteur der ersten Dampfmaschine im Ruhrgebiet († 1826)
- 26. August: Wilhelm Joseph Behr, deutscher Jurist, Politiker und Schriftsteller († 1851)
- 1. September: Honoré-Charles Reille, französischer General, Marschall und Pair von Frankreich († 1860)
- 13. September: Laura Secord, kanadische Nationalheldin des Kriegs von 1812 († 1868)
- 28. September: Johann Adam von Itzstein, deutscher Politiker und MdL († 1855)
- 3. Oktober: Isaac von Sinclair, deutscher Schriftsteller und Diplomat († 1815)
- 6. Oktober: Johann Anton André, deutscher Komponist und Musikverleger († 1842)
- 14. November: Paul Johann Anselm Ritter von Feuerbach, deutscher Rechtsgelehrter und Begründer der modernen deutschen Strafrechtslehre († 1833)
- 23. November: Clemens Wenzeslaus Coudray, deutscher Architekt und Oberbaudirektor († 1845)
- 6. Dezember: Nicolas Isouard, maltesischer Komponist († 1818)
- 14. Dezember: Thomas Cochrane, 10. Earl of Dundonald, britischer Politiker und Freiheitskämpfer († 1860)
- 15. Dezember: Sir Phineas Riall, britischer General († 1850)
- 16. Dezember: François-Adrien Boïeldieu, französischer Opernkomponist († 1834)
- 16. Dezember: Jane Austen, englische Schriftstellerin († 1817)
- 29. Dezember: Carlo Rossi, italienisch-russischer Architekt († 1849)
- Jeanne Labrosse, französische Ballonfahrerin und Fallschirmspringerin († 1847)
- João Domingos Bomtempo, portugiesischer Komponist († 1842)
- 3. Januar: Heinrich Gottfried Koch, deutscher Schauspieler und Theaterunternehmer ( - 1703)
- 8. Januar: John Baskerville, englischer Schriftentwerfer, Schreibmeister, Drucker ( - 1706)
- 15. Januar: Giovanni Battista Sammartini, italienischer Komponist ( - 1700 oder 1701)
- 21. Januar: Jemeljan Iwanowitsch Pugatschow, russischer Don-Kosake und Anführer des Bauernaufstands ( - ca. 1742)
- 11. April: Anna Schwegelin, letzte „Hexe“ in Deutschland zum Tode durch Verbrennen verurteilt
- 22. Mai: Emanuel Filibert von Waldstein, Adliger ( - 1731)
- 17. Juni: John Pitcairn, Britischer Marineoffizier, in Boston stationiert ( - 1722)
- 17. Juni: Joseph Warren, erster Soldat, der im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg starb. ( - 1741)
- 27. Juni: Ignaz Günther, deutscher Bildhauer ( - 1725)
- 30. Juli: Christian Reichart, deutscher Begründer des Gartenbaus ( - 1685)
ko:1775년
Birmingham
Birmingham [] ist nach London die zweitgrößte Stadt im Vereinigten Königreich und liegt in der Region West Midlands. Die Stadt zählt fast 1 Million Einwohner, im Ballungsraum leben ca. 2,6 Millionen Menschen. Birmingham liegt auf 52°30" Nord, 1°50" West.
Einführung
West Midlands
West Midlands
Die Stadt ist Zentrum der britischen Metallverarbeitung und liegt östlich der "Black Country" - benannt nach den rauchenden Schloten, welche die Industrielle Revolution hier konzentrierte. Sie hat sich aber längst - wie andere Städte der Region (Wolverhampton, Dudley oder Coventry) - zu einem modernen Dienstleistungszentrum mit futuristischen Hochhäusern gewandelt. Das Black Country Freilichtmuseum mit Original-Häusern und Handwerksbetrieben vermittelt aber einen Eindruck vom früheren Alltag.
Birmingham wird oft Brum genannt (abgeleitet vom alten Namen Brummagem), dessen Einwohner Brummies. Birmingham ist eine der ethnisch vielfältigsten Städte in Großbritannien. Ein großer Teil der Bevölkerung stammt aus der Karibik, vom indischen Subkontinent und aus Irland. Laut der Volkszählung von 2001 gehören 29.7 % der Einwohner ethnischen Minderheiten an. In der Stadt leben die meisten Rastafaris außerhalb von Jamaika und hier findet die drittgrößte Parade zum St. Patrick's Day statt (nach Dublin und New York).
Millionen von Touristen besuchen Birmingham jedes Jahr und die Stadt bietet nach dem West End in London die besten Einkaufsmöglichkeiten des Landes. Das einst von riesigen grauen Industrieanlagen geprägte Erscheinungsbild der Stadt wurde in den letzten Jahren merklich aufgefrischt und verschönert.
Birmingham gehört zur Stadtgrafschaft West Midlands. Nachbarstädte sind Solihull und Coventry im Osten sowie die zur Black Country gehörenden Metropolitan Counties Sandwell, Dudley, Walsall und Wolverhampton im Westen und Nordwesten.
Geschichte
Antike und frühes Mittelalter
Kleine Bauerndörfer existierten bereits während der Bronzezeit in der Region um Birmingham. Zur Zeit der Römer führte eine wichtige Straße durch Birmingham und es existierte ein römisches Lager in den heutigen südlichen Vororten. Es wurde auch eine kleine römische Siedlung (vicus) ausgegraben.
Nach dem Rückzug der Römer war die Gegend um Birmingham nur sehr dünn besiedelt, da die schlechte Qualität des Bodens keine produktive Landwirtschaft zuließ. Das heutige Stadtgebiet war zum größten Teil bewaldet.
Der Name Birmingham stammt vom angelsächsischen Beormaham (Dorf der Sippe von Beorma). Beorma war vermutlich ein lokaler Stammesführer. Später wurde daraus Brummagem und schließlich Birmingham.
Mittelalter
Nach der Eroberung Englands durch die Normannen wurde die Gegend ein Lehen der Familie de Birmingham, die dort eine kleine Bauernsiedlung errichten ließen. Im Domesday Book wird Birmingham als relativ unwichtiges Dorf mit einem Wert von nur gerade 20 Shilling erwähnt.
Im Jahre 1154 erhielt der Lehnsherr Peter de Birmingham das Recht, Märkte durchzuführen. Der Markt, der Bull Ring genannt wurde, ermöglichte den Aufstieg von einem winzigen, unbedeutenden Bauerndorf zu einem wohlhabenden Handelszentrum. Um 1300 war Birmingham bereits die drittgrößte Siedlung in der Grafschaft Warwickshire, hinter Coventry und Warwick. Die Familie de Birmingham kontrollierte die Gegend bis 1527, als der Herzog von Northumberland das Lehen übernahm.
Beginn der Industrialisierung
Vom 15. Jahrhundert an wurde Birmingham das Zentrum zahlreicher metallverarbeitender Industrien sowie der Waffenherstellung (Schwerter und Gewehre). Die Lage Birminghams im Landesinnern fern der Seehandelswege bedeutete, dass Waren von hoher Qualität produziert werden mussten, um auf dem Exportmarkt überhaupt eine Chance zu haben. Der Name Birmingham war deshalb bald gleichbedeutend mit Qualität.
Der Waffenhandel wurde vor allem durch den englischen Bürgerkrieg angekurbelt. 1642 wurde Birmingham von königlichen Truppen verwüstet. Aus diesem Grund schloss sich die Stadt der Sache der Parlamentarier an und lieferte Waffen an deren Armee. Nicht weniger als 15 000 Schwerter sollen für die Truppen von Oliver Cromwell produziert worden sein.
Die industrielle Revolution
Die gutausgebildeten Arbeitskräfte und die Tatsache, dass Birmingham nahe den Kohlefeldern von Warwickshire und Staffordshire lag, hatten zur Folge, dass die Stadt rasch wuchs. Am Ende des 18. Jahrhunderts war Birmingham bereits die größte Stadt von Warwickshire.
Um 1800 herum wurde ein weitverzweigtes Netz von Kanälen gebaut, welche das Wachstum noch weiter vorantrieben. In den 1830ern wurden Eisenbahnlinien nach Liverpool, Manchester und London gebaut. Birmingham New Street wurde einer der wichtigsten Bahnhöfe des Landes.
Um 1850 war Birmingham bereits die zweitgrößte Stadt des Landes. Birmingham erhielt den Übernamen "city of a thousand trades" wegen der riesigen Bandbreite von Gütern, die hier produziert wurden. Allerdings machten die vielen Industrieanlagen Birmingham zu einer grauen, ungesunden und unfreundlichen Stadt. 1896 erhielt Birmingham das Stadtrecht. Zwischen 1889 und 1911 wurden die Vorstädte Aston, Edgbaston, Erdington, Handsworth, King’s Norton, Northfield und Yardley eingemeindet.
20. Jahrhundert
1911
Während des Ersten und Zweiten Weltkriegs wurde in Birmingham alles nur Erdenkliche hergestellt: Munition, Panzerfederungen, Stahlhelme und Minen. Auch Jagd- und Bomberflugzeuge wurden gebaut (Hawker Hurricane, Avro Lancaster, Supermarine Spitfire).
Die Stadt erlitt während des Zweiten Weltkriegs große Zerstörungen durch Bombardierungen der deutschen Luftwaffe. Über 5 000 Menschen wurden getötet und über 6 000 Häuser zerstört, doch die Moral blieb ungebrochen. Man sagt, dass Großbritannien ohne die industrielle Kapazität von Birmingham den Krieg wohl verloren hätte.
Nach Kriegsende wurden viele der heruntergekommenen Arbeiterviertel abgerissen, da sie sich teilweise zu Slums entwickelt hatten. Große Teile der Stadt mitsamt dem Stadtzentrum wurden neu gebaut. Nach einer Kommunalreform im Jahre 1974 wurde die Vorstadt Sutton Coldfield eingemeindet und Birmingham wurde eine kreisfreie Stadt.
Ab 1950 setzte eine große Einwanderungswelle ein. Viele Menschen aus den Commonwealth-Staaten zogen nach Birmingham und in die nähere Umgebung. Im Jahre 2001 gehörten 29.7 % der Bevölkerung ethnischen Minderheiten an, davon 10.6 % aus Pakistan, 5.7 % aus Indien und 6.1 % aus der Karibik. Ab 1980 kam ein zweiter Einwanderungsschub, diesmal von Menschen aus dem Kosovo und aus Somalia. Auseinandersetzungen zwischen Minderheiten und der Polizei führten 1985 zu heftigen Rassenunruhen.
Seit den 1970er Jahren wandelt sich Birmingham von einer Industrie- zu einer Dienstleistungsstadt. Neben dem Flughafen wurde das National Exhibition Centre gebaut, das größte Messegelände des Landes. Interessant hierbei ist, dass sowohl Flughafen als auch Messe eigentlich gar nicht zu Birmingham gehören, sondern zur Nachbarstadt Solihull. 1998 fand in Birmingham ein G8-Gipfel statt. US-Präsident Bill Clinton trank damals ein Bier in einem Pub am Kanal, hat aber die Rechnung bis heute nicht bezahlt! 1999 fand hier der außerdem weltweite IUGG-Kongress statt. Birmingham kandidierte erfolglos als europäische Kulturhauptstadt 2008.
Entwicklung der Einwohnerzahl
europäische Kulturhauptstadt
:1550: 1.500
:1650: 5.000
:1750: 24.000
:1800: 75.000
:1900: 650.000
:1981: 1.013.431
:2002: 990.000
Wirtschaft
Zur Zeit der Industriellen Revolution blühten Birmingham und die umliegenden Gebiete auf. In den Fabriken wurden Schwerter, Kanonen, Pistolen, Uhren, Schmuck, Eisenbahnwaggons und Dampfmaschinen hergestellt. Obwohl Birmingham über 100 km vom Meer entfernt liegt, wurden hier sogar Schiffe hergestellt; die vorfabrizierten Einzelteile wurden dann an der Küste zusammengesetzt.
1836 wurde die erste Filiale der Midland Bank eröffnet. Sie war eine der größten Banken des Landes und gehört heute zum HSBC-Konzern. Bis 2003 wurden in der Birmingham Mint, der ältesten unabhängigen Münzprägestätte der Welt, Münzen hergestellt. Birmingham ist ein Zentrum der Bier- und Schokolodenindustrie, hier werden auch Autos der MG Rover Group hergestellt.
Obwohl die Industrie noch immer eine wichtige Rolle einnimmt, wird seine einstige Bedeutung vom Dienstleistungssektor langsam aber sicher übertroffen, der Finanzsektor und der Tourismus werden immer wichtiger.
Sport
In Birmingham spielen zwei der ältesten und renommiertesten Fußballclubs der Premier League, Aston Villa (gegründet 1874) und Birmingham City (gegründet 1875). Der Club West Bromwich Albion stammt aus einem Vorort. Die erste professionelle Fußballliga Englands wurde am 22. März 1885 in Vorort Aston gegründet.
Birmingham ist auch Zentrum der britischen Leichtathletik. 2003 wurden hier die Hallen-Weltmeisterschaften durchgeführt. Birmingham wird 2007 die Hallen-Europameisterschaften ausrichten. Weitere beliebte Sportarten sind Golf, Rugby, Basketball, Boxen, Cricket, Landhockey und Badminton.
Kultur
Rock- und Popmusik
In den späten 1960er Jahren entwickelte sich in Birmingham der Heavy Metal, mit Bands wie Black Sabbath, Judas Priest, The Fortunes, The Move sowie Robert Plant, dem Sänger von Led Zeppelin.
Die Firma Bradmatic aus Birmingham entwickelte und stellte das Mellotron her, eine der ersten brauchbaren Synthesizer, die einen bedeutenden Einfluss auf die Rockmusik jener Zeit ausübte.
In Birmingham begannen zahlreiche Blues- und Progressive Rock-Bands ihre Karriere, unter anderem The Spencer Davies Group, The Moody Blues, Judas Priest, Traffic und Electric Light Orchestra.
Auch diverse bekannte Sänger und Songwriter stammen aus Birmingham oder begannen dort ihre Karriere, darunter Steve Winwood, Carl Palmer (von Emerson, Lake and Palmer), Phil Lynott (von Thin Lizzy), Jeff Lynne oder Joan Armatrading.
Nach der Einwanderungswelle aus den Karibikstaaten in den 1970ern wurde die Reggae-Musik immer bedeutender; die bekanntesten Vertreter sind sicherlich UB40. In den 1980ern wurden weitere Bands aus Birmingham weltbekannt, wie Duran Duran oder Dexy’s Midnight Runners. In den 1990ern wurde Birmingham Zentrum des britischen Hip Hop, des House und des von indischen Elementen beeinflussten Bhangra Rap.
Klassische Musik
Birmingham besitzt zwei herausragende Institutionen, das City of Birmingham Symphony Orchestra und das Birmingham Royal Ballet. Von 1784 bis 1912 fand das Birmingham Triennal Music Festival statt, welches damals als das beste Musikfestival Großbritanniens galt. Berühmte Komponisten wie Mendelssohn und Dvořák schrieben eigens für dieses Festival neue Kompositionen.
Literatur
Einige berühmte Schriftsteller lebten in Birmingham und schrieben dort manch berühmte Werke:
- Arthur Conan Doyle, der Autor der Sherlock Holmes-Romane lebte einst im Vorort Aston
- Die für ihre Kitschromane bekannte Barbara Cartland, auch The Lady in Pink genannt, wurde im Vorort Edgbaston geboren
- J.R.R. Tolkien, der Autor der Fantasy-Saga Der Herr der Ringe, verbrachte den größten Teil seiner Kindheit in Birmingham und Umgebung
Kultur allgemein
Birmingham besitzt zahlreiche Theater und Kunstgalerien. Die Stadt übernahm auch eine Pionierrolle in der Graffiti- und Hip-Hop-Kultur. Hier finden auch zahlreiche kulturelle Großveranstaltungen statt, z.B. die drittgrößte Parade der Welt zum St. Patrick’s Day (nach Dublin und New York), die Militärshow Birmingham Tattoo oder das Birmingham Film Festival.
Sehenswürdigkeiten
- Birmingham Museum & Art Gallery
- Birmingham Botanical Gardens
- The Barber Institute of Fine Arts – Kunstmuseum mit Werken von Van Gogh, Rodin, Picasso und Monet
- New Street Station – einer der größten Bahnhöfe des Landes
- Rotunda – zylinderförmiges Bürohochhaus
- Brindleyplace und Millennium Point – zwei Beispiele einer erfolgreichen Stadtteilsanierung
- Chinese Quarter – im Chinesen-Viertel pulsiert heute das Nachtleben
- National Sealife Centre – riesiges Süß- und Meerwasseraquarium
- Birmingham Thinktank – Technik-Museum, darin wird z.B. die älteste noch funktionierende Dampfmaschine gezeigt (Jahrgang 1779, gebaut von James Watt)
- Jewellery Quarter - die größte Häufung von Juweliergeschäften und Schmuckherstellern in Europa
- Bullring - neues Einkaufszentrum in der Innenstadt von Birmingham James Watt
- Selfridge Kaufhaus - modernes Kaufhaus in geschwungener Form, welches vollständig mit 60 cm großen Aluminiumscheiben verkleidet ist.
Bildung
Birmingham besitz drei Universitäten, die [http://www.bham.ac.uk University of Birmingham], die Aston University und die University of Central England (früher unter dem Namen Birmingham Polytechnic bekannt). Die beiden letztgenannten planten eine Fusion, Aston stimmte jedoch letzten Endes dagegen. Das vor 100 Jahren gegründete Konservatorium von Birmingham ist eines der renommiertesten des Landes.
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
- Rod Allen, britischer Gitarrist und Sänger
- Kenny Baker, britischer Schauspieler
- Martin Barre, Leadgitarrist der britischen Musikgruppe Jethro Tull
- Edward Burne-Jones, britischer Maler und einer der führenden Vertreter der Präraffaeliten
- Neville Chamberlain, britischer Politiker und Premierminister
- Austen Chamberlain, britischer Politiker und Außenminister
- John Curry, Eiskunstläufer
- Lindsey Davis, englische Krimi-Schriftstellerin
- Bernard William Griffin, Erzbischof von Westminster und Kardinal der römisch-katholischen Kirche
- Ann Haydon-Jones, britische Tennis- und Tischtennisspielerin
- Tony Iommi, Gitarrist
- Jamelia, englische Rhythm-and-Blues-Sängerin
- Phil Lynott, Bassist und Sänger
- Hilary Mason, britische Schauspielerin
- Nick Mason, Schlagzeuger der Gruppe Pink Floyd
- Ken Matthews, britischer Leichtathlet und Olympiasieger
- Tony Miles, englischer Schachmeister
- Ozzy Osbourne, Sänger, Rockmusiker
- Carl Palmer, bekannter Rockmusiker
- Alfred Radcliffe-Brown, britischer Anthropologe, Begründer des Strukturfunktionalismus
- Sax Rohmer, englischer Kriminalautor und Esoteriker
- Martin Shaw, britischer Schauspieler
- Carl Wayne, britischer Sänger und Schauspieler
- David Wheeler, britischer Computerpionier
- Steve Winwood, Musiker
- Roy Wood, britischer Songschreiber und Gitarrist
Berühmte Einwohner
- Barbara Cartland – Autorin von romantischer Literatur, Stiefgroßmutter von Diana, Prinzessin von Wales
- Neville Chamberlain – britischer Premierminister von 1937 – 1940
- Samuel Johnson – Gelehrter und Schriftsteller
- Nigel Mansell – Formel 1-Weltmeister von 1992
- Thomas Rickman - Architekt und Erbauer unzähliger Kirchen im neugotischen Stil
- J. R. R. Tolkien – der Autor von Der Herr der Ringe verbrachte hier seine Kindheit
- James Watt – entwickelte in Birmingham die Dampfmaschine zur Serienreife
- David Lodge – Englischer Autor von humoristischen Wekren wie "Nice Work"; lehrte von 1960 bis 1987 am English Department
Verkehr
Der Hauptbahnhof von Birmingham, New Street Station, gilt als größter Eisenbahnknotenpunkt von Großbritannien. Züge verkehren in alle wichtigen Städte des Landes, inkl. London. New Street Station wird von den Bahngesellschaften Arriva Trains Wales (Regionalverkehr Richtung Wales), Central Trains (Regionalverkehr, überregionaler Verkehr Richtung Osten) und Virgin Trains (Fernverkehr Richtung Norden, Westen und Süden, insbesondere London) bedient. Chiltern Railways (Regionalverkehr von London) fährt den Bahnhof "New Street Station" nicht an, bedient aber u.a. den nahegelegenen Bahnhof "Snow Hill".
Die Midland Metro ist eine Straßenbahn, welche Birmingham mit den Nachbarstädten Wednesbury, West Bromwich und Wolverhampton verbindet. Erweiterungen ins Stadtzentrum und nach Dudley sind geplant. Der städtische Busverkehr ist weitgehend dereguliert.
Birmingham ist der Knotenpunkt verschiedener Autobahnen. Das Autobahnkreuz Gravelly Hill nordöstlich der Stadt wird wegen seiner Kompliziertheit scherzhaft "Spaghetti Junction" genannt.
Im Osten der Stadt liegt der Flughafen Birmingham International, mit Flügen zu Destinationen in ganz Europa sowie nach New York. Der Flughafen ist ans Eisenbahnnetz angeschlossen.
Obwohl keine bedeutenden Flüsse durch Birmingham fließen, ist die Stadt der Knotenpunkt des mittelenglischen Kanalsystems. Innerhalb der Stadtgrenzen gibt es Kanäle mit einer Gesamtlänge von 60 Kilometern. Es wird oft zu Recht behauptet, dass Birmingham mehr Kanäle als Venedig besitzt (allerdings ist die Stadtfläche auch um einiges größer). Viele Kanäle waren mit der Zeit unpassierbar geworden, werden jedoch seit den 1980er Jahren wieder instandgesetzt und sind heute beliebte Touristenattraktionen mit zahlreichen Bars und Restaurants.
Partnerstädte
- Lyon, Frankreich
- Frankfurt am Main, Deutschland
- Leipzig, Deutschland
- Milano, Italien
- Johannesburg, Südafrika
- Chicago, USA
Weblinks
- [http://www.birmingham.org.uk Stadtverwaltung]
- [http://www.birminghamuk.com Eine andere Website über Birmingham]
-
Kategorie:Ort in England
ja:バーミンガム
simple:Birmingham, England
th:เบอร์มิงแฮม
USA
Die Vereinigten Staaten von Amerika (engl.: United States of America, kurz: USA) sind eine Bundesrepublik in Nordamerika. Sie grenzen im Norden an Kanada und (über die 100 km breite Beringstraße mit dem Bundesstaat Alaska) an Russland, im Süden an Mexiko, im Osten an den Atlantik und im Westen an den Pazifik.
Die Vereinigten Staaten entstanden 1776 mit der Unabhängigkeitserklärung der britischen Kolonien in Amerika und gewannen durch starke Industrialisierung und massive Immigration aus Europa im 19. Jahrhundert rasch an Einfluss. Am Ende des 20. Jahrhunderts waren sie nach der Überwindung des totalitären Faschismus (im 2. Weltkrieg) und Kommunismus (im Kalten Krieg), zu der sie wesentlich beitrugen, die einzige verbliebene Supermacht.
Seit etwa der Mitte des 20. Jahrhunderts sind die USA weltweit die weltpolitisch, wissenschaftlich, wirtschaftlich, (populär)kulturell und militärisch führende Macht. In all diesen Gebieten prägen sie die Gegenwart in einem Maße wie kein anderes Land der Welt.
Geographie
Hauptartikel: Geographie der USA
Das Kernland der USA besteht aus 48 Bundesstaaten und dem District of Columbia (D.C.), die innerhalb einer gemeinsamen Grenze liegen. Inklusive der beiden Bundesstaaten Alaska und Hawaii, die außerhalb dieses Kernlandes liegen, zählen die USA 50 Bundesstaaten.
Das Landschaftsbild ist sehr vielfältig: es gibt Waldgebiete und Mittelgebirge an der Ostküste, Mangrovenwälder im subtropischen Florida, die Flusssysteme von Mississippi und Missouri, weite Ebenen im Zentrum des Landes, große Gebirgszüge wie die Rocky Mountains, trockene Wüsten im Südwesten, gemäßigte Regenwälder im Nordwesten und Küstengebirge an der Westküste der USA. Hinzu kommen die arktische Region der Tundra in Alaska und die tropischen Inseln von Hawaii mit dem 4.170 Meter hohen Vulkan Mauna Loa.
Das Kernland der USA liegt zwischen dem 24. und 49. nördlichen Breitengrad und zwischen dem 68. und 125. westlichen Längengrad und ist in vier Zeitzonen eingeteilt. Alaska und Hawaii sowie die politisch an die USA angeschlossenen Außengebiete (beispielsweise Puerto Rico und Guam) liegen außerhalb dieser Zone.
Im Norden grenzt das Kernland an Kanada, im Süden an Mexiko und an den Golf von Mexiko. Im Osten liegt der Atlantische Ozean und im Westen der Pazifische Ozean. Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt etwa 2.500 km. Zwischen Atlantik und Pazifik liegen rund 4.500 km.
Hawaii ist eine Inselkette im Pazifischen Ozean. Alaska liegt nordwestlich von Kanada und ist durch die Beringstraße von Russland getrennt.
- Grenze zu Kanada: 8.895 km (davon 2.477 km zwischen Alaska und Kanada)
- Grenze zu Mexiko: 3.326 km
- Küstenlinie: 19.924 km
Fläche
Die Vereinigten Staaten sind der flächenmäßig drittgrößte Staat der Erde nach Rußland und Kanada.
- Fläche der 50 Bundesstaaten (inkl. District of Columbia): 9.629.891 km²
- Landmasse: 9.158.453 km²
- Wasserfläche: 47.356 km²
Siehe auch: Liste der US-amerikanischen Staaten nach Fläche sortiert
Bevölkerung
Bevölkerungsgruppen
Die USA gelten traditionell als Schmelztiegel (melting pot) der Völker. Die ersten kolonialen Einwanderer auf dem von Indianern besiedelten Kontinent waren Europäer; anfänglich vorrangig spanischer, französischer und englischer Herkunft. Ab Mitte des 18. und verstärkt zur Mitte des 19. Jahrhunderts folgten Europäer deutscher und irischer Herkunft. Später kamen Einwanderer aus anderen Regionen Europas, vor allem aus Italien, Skandinavien und Osteuropa. Die europäischstämmigen US-Amerikaner bilden heute 74 % der Bevölkerung der USA.
deutscher
Afro-Amerikaner, Nachfahren der afrikanischen Sklaven, stellen etwas mehr als 13 % Bevölkerungsanteil. Sie leben vor allem im Süden der USA und in den großen Industriestädten des Nordens, wie z. B. Detroit. Asiatische Einwanderer, z. B. aus China, Japan, Korea, Indien und den Philippinen bilden noch eine relativ kleine Gruppe (ca. 4 %). Die Einwanderungspolitik war Anfang des 20. Jahrhunderts gegenüber Asiaten besonders restriktiv.
Heute zeigen sich weiterhin sozialstrukturell große Unterschiede zwischen weißer und schwarzer Bevölkerung: Schwarze haben im Durchschnitt ein geringeres Einkommen, eine kürzere Lebenserwartung, eine schlechtere Ausbildung und eine höhere Kriminalitätsrate. Die Ursachen dafür und mögliche Wege der Problembehebung sind innerhalb der USA heftig umstritten. Nicht nur in den Südstaaten sind Wohngegenden und nicht-öffentliche Einrichtungen - wie die sozial wichtigen Kirchen oder private Organisationen - oft faktisch noch nach Rassen getrennt, wenn auch die formale Trennung inzwischen ungesetzlich und verpönt ist. Vielfach liegt dies ebenfalls an den ökonomischen Unterschieden.
Vor allem im Südwesten der USA und in Florida gibt es einen hohen Bevölkerungsanteil lateinamerikanischer (hispanischer) Herkunft. Sie werden in den Statistiken separat geführt, unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft. Ihr Anteil wuchs in den letzten Jahrzehnten stetig (bis 2004 auf knapp 13 %), da viele Lateinamerikaner vor der wirtschaftlichen Not ihrer Heimatländer in den Norden fliehen. Sie leben oft als illegale Einwanderer und halten stark an ihrer Kultur und Sprache fest.
Die Indianer ("Native Americans") (siehe auch Indianer Nordamerikas) bilden heute eine kleine, jedoch langsam wieder wachsende Minderheit; nur in Alaska erreichen sie eine zweistellige Prozentzahl der Bevölkerung. Ebenfalls relativ viele Indianer leben in South Dakota und Oklahoma.
Sprachen
Die am meisten gesprochene Sprache in den USA ist historisch bedingt amerikanisches Englisch. Daneben werden aber auch noch vereinzelt die vielen Sprachen der amerikanischen Ureinwohner und zunehmend die Sprachen anderer immigrierter Ethnien gesprochen, insbesondere Spanisch, aber auch Koreanisch, Chinesisch und Vietnamesisch. Französisch, Polnisch und Deutsch, die aufgrund früherer Migrationswellen in bestimmten Regionen einst eine wichtige Rolle spielten, werden heute fast nur noch als Fremdsprache gesprochen.
Die USA als Ganzes haben keine Amtssprache, jedoch werden alle amtlichen Schriftstücke auf Englisch verfasst. In einigen Bundesstaaten ist Englisch Amtssprache, einzelne Staaten und Territorien definieren sich jedoch als zwei- oder dreisprachig.
Siehe auch:
- Gesellschaft der USA
- Deutsche Sprache in den USA
- Deutsche in den USA
- Das amerikanische Spanisch der USA
- Französisch in Louisiana
- Französisch in Neuengland
- Liste US-amerikanischer Persönlichkeiten
Religion
Im Jahr 2004 bezeichneten sich 54 % der Bevölkerung als protestantisch, 25 % als römisch-katholisch, 10 % gaben keine religiöse Überzeugung an (aber nur 0,3 bis 0,5 % waren explizit Atheisten oder Agnostiker), 3 % waren Mitglied einer orthodoxen Kirche, 2 % waren Mormonen, 2 bis 3 % Juden und weniger als 2 % moslemisch. Kleinere Gruppen, je 0,3 bis 0,5 %, bezeichneten sich als Buddhist, Hindu oder hingen dem Unitarismus an. Die größte einzelne Konfession war die Römisch-Katholische Kirche, gefolgt von der Southern Baptist Convention, der United Methodist Church und den Mormonen.
Die Zahl der praktizierenden Christen ist im Vergleich zu anderen westlichen Industrieländern sehr hoch. Allerdings hat auch hier der Bevölkerungsanteil, der sich zum Christentum bekennt in den Jahren von 1990 (86,2 %) bis 2004 (81 %) abgenommen
Geschichte
Hauptartikel Geschichte der USA
Das Gebiet der heutigen USA wurde vor Jahrtausenden durch die Vorgänger der späteren Indianerstämme besiedelt. Die schriftliche Geschichtsschreibung beginnt jedoch erst mit der Ankunft der europäischen Siedler im 16. Jahrhundert. Die erste europäische Siedlung auf dem heutigen US-Gebiet war von den Spaniern in St. Augustine, Florida, im Jahr 1565. Die politische Geschichte der USA geht jedoch aus den 13 britischen Kolonien hervor, deren Besiedlung mit der Gründung von Jamestown, Virginia im Jahr 1609 anfing. Der Ankunft der Mayflower in Plymouth Colony (später mit Massachusetts Bay Colony zu Massachusetts zusammengefügt) 1620 ist ebenfalls für viele US-Amerikaner ein wichtiges symbolisches Datum. Schwedische Kolonien an der Delaware-Bucht und niederländische Siedlungen um New York (damals Nieuw Amsterdam) waren nicht von Dauer bzw. wurden von den englischen Siedlern assimiliert. Französische Siedlungen entlang der Mississippi- und St.-Lorenz-Flüsse fielen 1763 an Großbritannien oder (westlich des Mississippi) an Spanien, das auch eigene Kolonien im Südwesten und in Florida hatte. Die spanischen Gebiete nahmen an der Revolution, die durch die Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776 ausgelöst wurde, nicht teil. Nach dem Unabhängigkeitskrieg, der im Vertrag von Paris 1783 endete, wurden die USA durch Großbritannien als eigenständiger Staat anerkannt.
Zur Zeit des Unabhängigkeitskrieges lebten etwa zwei Millionen Weiße und 500.000 versklavte Schwarze in den ursprünglichen 13 Kolonien. Jenseits der Appalachen erstreckte sich bis zum Mississippi-Fluss ein weiteres, großes Gebiet, das etwa zehn Millionen Ureinwohner („Indianer“) bewohnten. Diese Konstellation ergab zwei wichtige Themen für die kommende Entwicklung der Nation: Die weitere Landnahme Richtung Westen zu Lasten der Indianer sowie die Auseinandersetzung um die Sklaverei, die später den Kampf um die Bürgerrechte der Nachkommen der ehemaligen Sklaven bestimmte. Nördlich des Ohio-Flusses, im sogenannten Northwest Territory, aus der die späteren Bundesstaaten Ohio, Indiana, Michigan, Illinois, und Wisconsin hervorgingen, wurde die Sklaverei verboten. Ein Vermessungssystem von Quadraten ("Sections"), die eine Quadratmeile groß sind, wurde eingeführt, was noch heute für das Verkehrsnetz und die kommunalen Gemeindegrenzen dieses Gebiets prägend ist. Um die öffentlichen Schulsysteme zu finanzieren, wurde vereinbart, dass der Verkaufserlös von der 16. Section einer jeden Township (36 Sections) zugunsten der Schulen ging.
Nachdem sich die 1777 verabschiedeten und 1781 ratifizierten Konföderationsartikel als zu schwach erwiesen hatten, um das Überleben des jungen Staatenbundes zu gewährleisten, wurde 1787 in Philadelphia eine Verfassung geschrieben, welche die modernste Verfassung der damaligen Zeit war, und die heute die älteste noch gültige geschriebene Staatsverfassung der Welt ist.
Indianerpolitik
Die US-Indianerpolitik wurde bis etwa 1820 von einer vorsichtigen Erweiterung der europäischen Siedlungen geprägt, die im wesentlichen die vormalige Politik der europäischen Mächte in den USA fortsetzte. Mit der Präsidentschaft Andrew Jacksons und dem Trail of Tears begann eine verstärkte Landnahme und Besiedlungspolitik, die zu kriegerischen Auseinandersetzungen führte. Die Indianer-Kriege zogen sich mit größeren Unterbrechungen bis zum Massaker von Wounded Knee in South Dakota 1890 hin. 1900 wurden nur noch 237.000 Indianer gezählt, wobei nicht nur Krieg, sondern auch Krankheiten, gegen die sich die Ureinwohner keine Immunität entwickelt hatten, und ethnische Vermischung mit den Neuankömmlingen zu diesem Rückgang geführt haben. Bis die Ureinwohner des Kontinents volle Bürgerrechte erhielten, dauerte es bis 1924.
Sklaverei und Rassentrennung
South Dakota]]
Obwohl die Einfuhr von weiteren Sklaven aus Übersee 1808 verboten wurde, hatte sich die Zahl der Sklaven bis 1860 auf etwa vier Millionen erhöht. Die Sklavenfrage entzweite zunehmend die Süd- von den Nordstaaten, da in den Nordstaaten die Industrialisierung einsetzte, dagegen die Südstaaten mit ihren riesigen Baumwollplantagen auf die Sklaverei angewiesen zu sein glaubten. Im Norden gewannen Bewegungen wie die Abolitionists, die die Abschaffung der Sklaverei forderten, starken Zulauf, stand doch diese in deutlichem Widerspruch zur Verheißung der Unabhängigkeitserklärung "all men are created equal" (alle Menschen sind gleich geschaffen). Der Krieg gegen Mexiko (1846-48) verstärkte diese Spannungen, da viele im Nordosten des Landes in diesem Krieg eine ungerechtfertigte Landnahme zugunsten der Ausbreitung der Sklavenstaaten sahen. Nachdem 1860 Abraham Lincoln für die neu gegründeten Republikaner zum Präsidenten gewählt wurde, traten elf Südstaaten aus der Union aus. Dies bedeutete den Beginn des Sezessionsskrieges (1861–1865). Die Nordstaaten gingen als Sieger daraus hervor, und die Sklaverei wurde abgeschafft. Die Schwarzen erhielten mit dem Civil Rights Act von 1866 und dem 14th Amendment von 1868 formal das volle Bürgerrecht.
Nach dem Ende der militärischen Besetzung der Südstaaten durch die Nordstaaten (Reconstruction) 1876 haben erstere schnell (Jim-Crow-)Gesetze erlassen, welche die Bürgerrechte der Schwarzen wieder einschränkten. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Bürgerrechtsbewegung konnten die letzten formellen Ungleichbehandlungen aufgehoben werden. Ein sehr wesentlicher Schritt dahin war die Aufhebung der Rassentrennung in öffentlichen Einrichtungen durch den Supreme Court 1954 (Brown v. Board of Education), das ein Urteil des gleichen Gerichts (Plessey vs. Ferguson) aus dem Jahr 1896 aufhob.
Der Schulbesuch von Schwarzen in "weißen" Schulen musste teilweise mit Hilfe der Nationalgarde durchgesetzt werden; im öffentlichen Leben (insbesondere im Süden) herrschte bis in die 1960er Jahre hinein Rassentrennung. In Louisiana zum Beispiel war es nicht ungewöhnlich, dass Ku-Klux-Klan-Mitglieder ins Parlament gewählt wurden. Martin Luther King war die Galionsfigur der gewaltlosen Bürgerrechtsbewegung, und 1963 hielt er anlässlich eines Protestmarschs in Washington seine berühmte Rede „I have a Dream...“. 1968 wurde er in Memphis ermordet. Auch in den folgenden Jahrzehnten kam es gelegentlich zu Rassenunruhen.
Dennoch wurde auf Ebene der Bundesgesetzgebung schon in dieser Zeit Antidiskriminierungsregelungen (Civil Rights Act, das Restaurants, Hotels und Verkehrsunternehmen die ethnische Diskriminierung verbot) erlassen, vierzig Jahre vor den analogen Regelungen in der EU. Auch das Bewusstsein für Konzepte wie "Diversity" und die gegenseitige Rücksichtnahme sind zwischenzeitlich weiterentwickelt als in Ländern, die weniger Erfahrungen mit multikulturellen Gesellschaften haben.
Industrialisierung
1890 wurde die frontier für geschlossen erklärt: die Gebiete im Osten und im Westen des Kontinents waren faktisch zusammengewachsen. Der "Wilde Westen" war somit Geschichte. Als Folge der nach dem Sezessionskrieg einsetzenden stürmischen Industrialisierung bildeten sich riesige Trusts (Kartelle), die in ihrer Machtentfaltung auch die Regierungsgewalt beeinflussten. Daher wurde 1890 der Antitrust Act verabschiedet, als dessen Folge viele Großkonzerne zerschlagen wurden. Prominentes Beispiel: Standard Oil von John D. Rockefeller. Populistische Bewegungen, die von Bauern unterstützt wurden, setzten auch eine Regulierung der Eisenbahntarife durch und forderten (erfolglos) einen Wechsel vom Goldstandard auf eine bimetallische (Gold und Silber) Währung. Ein prominenter Vertreter dieser Bewegung war der erfolglose Präsidentschaftskandidat aus Illinois, William Jennings Bryan.
Zwischen 1880 und 1910 wurde die riesige Zahl von 18 Millionen Einwanderern in die USA aufgenommen, und die USA wurden zur größten Industrienation der Welt.
Börsenkrach und New Deal
Auf den New Yorker Börsenkrach im Oktober 1929 folgte die Weltwirtschaftskrise, welche die USA in die bisher größte innenpolitische Krise stürzte. 1932 waren etwa 15 Millionen US-Amerikaner arbeitslos. Präsident Franklin D. Roosevelt legte daraufhin das Sozial- und Investitionsprogramm New Deal auf, das den Social Security Act von 1935 sowie zahlreiche öffentliche Projekte wie Straßen, Brücken, Flughäfen oder zum Beispiel auch das Tennessee-Valley-Staudamm-Projekt enthielt. Dennoch dauerte es bis Ende der 1930er Jahre, bis die Krise überwunden war.
Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit
Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor traten die USA in den Zweiten Weltkrieg ein, und im August 1945 gingen sie siegreich aus dem Krieg hervor. Der sich kurz darauf abzeichnende Kalte Krieg führte dazu, dass viele US-Amerikaner den Kommunismus als Feindbild betrachteten. Eine innenpolitische Folge des Kalten Krieges nach 1945 war die "McCarthy-Ära". Der republikanische Senator Joseph McCarthy profilierte sich im Senatsausschuss für unamerikanische Aktivitäten (HUAC) dadurch, dass er eine paranoide Hexenjagd auf angebliche Kommunisten veranstaltete, die er besonders unter Filmschaffenden, Politikern und Militärs vermutete. Die zu diesem Zweck inszenierten Anhörungen wurden auch oft im Fernsehen übertragen. Wer die Aussage verweigerte, musste mit Berufsverbot rechnen. Als McCarthy sogar den Präsidenten Eisenhower verdächtigte, wurde er 1954 vom Senat entmachtet.
Gesellschaftlicher Umbruch: 1960er und 1970er
Die 1950er und 1960er Jahre waren geprägt von ökonomischer Prosperität sowie dem Auftreten der Bürgerrechtsbewegung der Afro-Amerikaner. Im Zuge eines gesamtgesellschaftlichen Umbruchs entwickelte sich in den 1960er Jahren auch eine starke Bewegung gegen den Vietnamkrieg und um 1970 auch eine starke Frauenrechtsbewegung und eine wachsende Schwulenbewegung, die (anders als in Europa) schnell gemeinsam von und für Schwule und Lesben gekämpft wurde. Durch diese Bewegungen modernisierten sich die gesellschaftlichen Werte der Vereinigten Staaten. Der Versuch einer Verfassungsänderung, welche die Gleichheit von Mann und Frau vorschreiben sollte, scheiterte jedoch. Sodomiegesetze, die bis 1962 die Praxis der männlichen Homosexualität in jedem Bundesstaat verboten hatten, wurden teilweise zurückgenommen, aber 1987 als der Supreme Court sie bestätigte, existierten sie noch in der Mehrheit der Bundesstaaten und wurden erst mit einer gegenteiligen Gerichtsentscheidung 2003 aufgehoben.
Die Watergate-Affäre um einen Einbruch in den Watergate-Gebäudekomplex der Demokratischen Partei, von dem Präsident Richard Nixon wahrscheinlich gewusst hat, und bei dem er die FBI-Ermittlungen zu behindern versuchte, entwickelte sich zum größten Skandal der US-amerikanischen Nachkriegsgeschichte. Um der drohenden Amtsenthebung zu entgehen, trat Nixon 1974 zurück. Die Ölkrise 1974, die 200-Jahresfeier der Unabhängigkeit 1976 und die iranische Geiselkrise 1979 waren prägende Ereignisse für die 1970er Jahre.
1980er
In den 1970er und 1980er Jahren war ein Konjunkturabschwung und ein Verfall der Bausubstanz infolge von Kriminalität und Verwahrlosung zu verzeichnen. Zum Teil wurde auf die Kriminalität mit drakonischen Gesetzen wie dem kalifornischen „Three strikes and you are out“ geantwortet, das für das dritte Delikt (auch bei Bagatelldelikten) 25 Jahre Haft vorsieht. Die Haltung zur der in 38 der 50 Bundesstaaten gesetzlich vorgesehenen und von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung befürworteten Todesstrafe spielt bei der Volkswahl von Politikern, Richtern, Staatsanwälten und Sheriffs eine wichtige Rolle.
Politik
Hauptartikel: Politisches System der USA
Die USA haben ein präsidiales Regierungssystem mit einem Präsidenten (seit 2001 George W. Bush, 2004 wiedergewählt, Sohn von George Herbert Walker Bush, Präsident von 1989-1993) an der Spitze der Exekutive.
Die Legislative ist der Kongress. Er setzt sich aus gewählten Repräsentanten aller 50 Bundesstaaten zusammen. Laut Verfassung hat der aus zwei Kammern bestehende US-Kongress die Budgethoheit sowie das Recht zur Gesetzesinitiative. Der Kongress hat unter anderem infolge des ihm zustehenden Budgetrechts wesentlichen Einfluss auf die US-amerikanische Politik. Allein dem Kongress kommt das Recht zu, Bundesgesetze zu erlassen und Kriegserklärungen auszusprechen. Verträge mit fremden Ländern werden vom Exekutiv unterzeichnet, bedürfen aber der Ratifizierung durch die obere Kammer des Kongresses, den Senat. Bei wichtigen Ernennungen (z. B. zu Kabinettsposten oder Richterämtern des Bundes, insbesonders dem Obersten Gericht) muss der Senat den Vorschlag des Präsidenten ebenfalls bestätigen.
Die Mitglieder des Repräsentantenhauses werden für zwei Jahre gewählt. Jeder Repräsentant vertritt einen Wahlbezirk seines Bundesstaates. Die Anzahl der Wahlbezirke wird durch eine alle zehn Jahre durchgeführte Volkszählung festgelegt. Senatoren werden für sechs Jahre gewählt. Ihre Wahlen finden gestaffelt statt, das heißt alle zwei Jahre wird ein Drittel des Senats neu gewählt. Die Verfassung sieht vor, dass der Vizepräsident dem Senat vorsteht. Er hat dabei kein Stimmrecht, außer bei Stimmengleichheit.
Für den Fall der Abwesenheit des Vizepräsidenten benennt der Senat einen "Pro-Tempore-Vorsitzenden", einen Vorsitzenden auf Zeit. Die Mitglieder des Repräsentantenhauses wählen ihren eigenen Vorsitzenden, den "Speaker of the House". Der Sprecher (das Amt wird derzeit von Dennis Hastert bekleidet) und der Pro-Tempore-Vorsitzende (zur Zeit Senator Ted Stevens) sind Mitglieder der jeweils stärksten Partei ihrer Kammer.
Bevor eine Gesetzesvorlage zum Gesetz wird, muss sie sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat durchlaufen haben. Die Vorlage wird zunächst in einer der beiden Kammern vorgestellt, von einem oder mehreren Ausschüssen geprüft, abgeändert, im Ausschuss abgelehnt oder angenommen und danach in einer der beiden Kammern diskutiert. Sobald sie in dieser Kammer angenommen ist, wird sie an die andere Kammer weitergeleitet. Erst wenn beide Kammern die gleiche Version der Gesetzesvorlage angenommen haben, wird sie dem Präsidenten zur Zustimmung vorgelegt.
An der Spitze der Judikative steht als oberster Gerichtshof der Supreme Court. Die 1787 in Kraft getretene Verfassung, deren Bestimmungen einklagbar sind, hat eine große Bedeutung im politischen System der USA. Es spricht für den Erfolg und die Stabilität dieser Verfassung, dass sie bislang nur 27 Änderungen (Amendments) erfahren hat.
In den USA hat sich, durch das einfache Mehrheitswahlrecht begünstigt, ein Zweiparteiensystem gebildet. Diese Parteien sind die Demokraten und die Republikaner. Sie stellen bereits Koalitionen von unterschiedlichen Strömungen dar. Neue politische Strömungen versuchen eher, Einfluss auf die Abgeordneten beider Großparteien zu nehmen, als selbstständige Parteien zu gründen. Ein Beispiel hierfür sind die American Civil Liberties Union (Demokraten) oder die fundamental-christliche Moral Majority (Republikaner).
Kleinere Parteien wie die Grünen oder die Libertäre Partei sind unbedeutend, wenn auch bei Präsidentschaftswahlen mitunter die für den Kandidaten der Grünen abgegebenen Stimmen als – womöglich entscheidender – Nachteil für den demokratischen Kandidaten wahrgenommen werden. Einer der Hauptexponenten der Grünen Partei der USA ist Ralph Nader, der im In- und Ausland einen hohen Bekanntheitsgrad genießt.
Siehe auch: Gesellschaft der USA, US-Präsidentschaftswahlen 2004, Gerichtsorganisation in den USA
Innenpolitik
In den 1990er Jahren erlebten die USA unter dem demokratischen Präsidenten Bill Clinton (1993–2001) einen länger anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung ("New Economy"). Die weitere Verwahrlosung der Städte wurde aufgehalten - so erwachten die New Yorker Stadtteile Bronx und Harlem zu neuem Leben.
Einen wesentlichen Eingriff in die Sozialgesetzgebung gab es 1996, als der Bezug von Sozialhilfe auf zwei Jahre in Folge und insgesamt fünf Jahre verkürzt wurde. So kam es zu einem beträchtlichen Rückgang der Anzahl der Sozialhilfe-Empfänger.
Wichtige innenpolitische Themen sind auch in den USA der Strukturwandel der Wirtschaft und der Umbau der Sozialsysteme insbesondere der Gesundheitsfürsorge. Zudem spielen überwiegend moralisch-ethische Fragen wie das Recht auf Abtreibung, die Berechtigung der Todesstrafe, die politische Anerkennung von Homosexua | | |