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Bautzen
Bautzen (obersorb. Budyšin, tschech. Budyšín, poln. Budziszyn, bis 1868 Budissin) ist eine Große Kreisstadt in der Oberlausitz im Osten von Sachsen. Ein Asteroid trägt den Namen dieser Stadt.
Obwohl in der Stadt selbst nur eine kleine sorbische Minderheit wohnt, gilt sie als das politische und kulturelle Zentrum der Sorben in der Oberlausitz.
Geographie
Geographische Lage
Die Stadt liegt am Fluss Spree am Übergang des Lausitzer Berglandes in das Tiefland im Norden. Nördlich der Stadt liegt die 1974 eröffnete Talsperre Bautzen. An ihrer Stelle befanden sich früher die Dörfer Malsitz und Nimschütz.
Geologie und Boden
Den Grundgebirgssockel im Bereich der Stadt Bautzen bildet der Lausitzer Granodiorit. Teilweise steht dieser im Bereich von Kuppen und Hügeln oberflächennah an, im Taleinschnitt der Spree tritt er in Form von offenen Felsbildungen zutage. Während Elster- und Saaleeiszeit überlagerten Schmelzwassersande das Grundgebirge. Besonders im Bereich Salzenforst treten deshalb Kiese und Sande oberflächennah auf.
Sowohl der Lausitzer Granodiorit als auch Kiese und Sande werden im Stadtgebiet Bautzen bergbaulich genutzt.
Die Böden im Stadtgebiet haben sich vorwiegend aus dem anstehenden Lößlehm entwickelt. Es dominieren vernässungsfreie Löß-Parabraunerden. Die Ackerzahlen liegen durchschnittlich zwischen 50 und 60.
Ausdehnung des Stadtgebiets
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Die alte Stadt Bautzen erstreckt sich auf dem Felsplateau über der Spree, dessen Spitze die Ortenburg bildet. Sie wird von der Stadtmauer begrenzt. Die später erbauten neueren Stadtteile im Osten der Stadt werden vom Stadtwall umschlossen. Nach dessen Abtragung breitete sich die Stadt zunächst weiter nach Osten und auf das andere Spreeufer im Westen aus. In den 70er Jahren wurden die Neubaugebiete Gesundbrunnen und Allendeviertel (beide im Osten) erbaut. Seit 1990 wurden mehrere benachbarte Dörfer eingemeindet (siehe Abschnitt Eingemeindungen).
Nachbargemeinden
Alle angrenzenden Gemeinden befinden sich ebenfalls im Landkreis Bautzen: Doberschau-Gaußig, Göda, Großdubrau, Großpostwitz, Kubschütz, Malschwitz, Obergurig und Radibor.
Stadtgliederung
Die 15 Stadtteile unterteilen sich wie folgt (Einwohnerzahl in Klammern, Stand 1. Januar 2005):
- Altstadt - Der historische Stadtkern Bautzens, abgegrenzt durch den ehemaligen Verlauf der Stadtmauer; 5.161 Einwohner.
- Stadtmitte - Erweiterungsgebiet aus dem 18. und 19. Jahrhundert im Osten und Süden der Altstadt; 7.286 Einwohner.
- Südvorstadt - Schließt sich südlich der Bahnstrecke Dresden-Görlitz an die Stadtmitte an; 1.659 Einwohner.
- Westvorstadt - Stellt den Teil der eigentlichen Stadt westlich der Spree dar; oft auch als „Neustadt“ bezeichnet; 3.543 Einwohner.
- Gesundbrunnen - Neubaugebiet im Nordosten der Stadt aus den 1970er Jahren; bevölkerungsreichster Stadtteil; 10.924 Einwohner.
- Ostvorstadt - Schließt sich südöstlich an die Stadtmitte an und besteht vorwiegend aus Bürgerhäusern des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, sowie einigen Siedlungen aus den 1930er Jahren und dem Neubaugebiet „Allendeviertel“; 7.954 Einwohner.
- Teichnitz - Besteht aus den eingemeindeten Dörfern Teichnitz, Neuteichnitz, Neumalsitz und Oehna im Norden des Stadtgebietes; 406 Einwohner.
- Nadelwitz - Ortsteil im Osten der Stadt, der aus dem Dorf Nadelwitz und größeren Acker- und Waldflächen besteht; 280 Einwohner.
- Burk - Dorf im nordöstlichen Stadtgebiet am Ufer der Talsperre Bautzen; 308 Einwohner.
- Oberkaina - Ortsteil im Süden der Stadt; besteht aus den Dörfern Oberkaina und Boblitz; 817 Einwohner.
- Niederkaina - Ortsteil im Nordosten Bautzens; besteht aus den Dörfern Niederkaina und Basankwitz, beide am Albrechtsbach gelegen; 543 Einwohner.
- Stiebitz (568) - Besteht aus den Dörfern Stiebitz und Rattwitz im westlichen Stadtgebiet; 568 Einwohner.
- Kleinwelka - Ehemals eigenständige Gemeinde im Norden des Stadtgebietes; besteht aus den Dörfern Kleinwelka, Großwelka, Lubachau und Kleinseidau; 1.365 Einwohner.
- Salzenforst-Bolbritz - Ehemals eigenständige Gemeinde im Nordwesten des Stadtgebietes; besteht aus den Dörfern Salzenforst, Bolbritz, Bloaschütz, Döberkitz, Löschau, Niederuhna, Oberuhna, Salzenforst, Schmochtitz und Temritz; flächenmäßig größter Stadtteil Bautzens; 927 Einwohner.
- Auritz - Früher zur Gemeinde Kubschütz zählender Ortsteil im Südosten der Stadt; besteht aus dem Dorf Auritz und einem Teil von Jenkwitz; 458 Einwohner.
Klima
Im Bereich der Stadt Bautzen herrscht kontinental ausgeprägtes Binnenlandklima mit maritimen Einflüssen. Typisch sind dafür kühl-feuchte Frühjahre und Sommer, ein langer warmer Herbst und ein Winter mit sehr häufigen, aber eher kurzen Schneeperioden (knapp über 50 Schneetage).
Bei einer Jahresmitteltemperatur von 8,5 °C und einem mittleren Jahresniederschlag von 600 mm bis 650 mm hat Bautzen ein mäßig trockenes Klima. Das Stadtgebiet liegt im Bereich der sommerwärmsten Landschaften im Süden Sachsens.
Im Bautzener Spreetal herrschen vor allem im Winter häufig starke Winde aus südlicher Richtung vor. Dies liegt daran, dass Kaltluft vom Böhmischen Becken ins Spreetal abfließt und sich durch die dortige Talverengung beschleunigt. In bestimmten Gassen der Altstadt tritt dieser Effekt noch verstärkt auf. Ein Bautzener Sprichwort besagt: „Weiß der Wind mal nicht wohin, weht er über Budissin.“ Andererseits war Bautzen deshalb vor allem im Mittelalter für seine gute Luft berühmt, da der Wind die klassischen Gassengerüche stark verringerte.
Geschichte
Vorgeschichte und frühes Mittelalter
Die Gegend der heutigen Stadt wurde bereits in der Steinzeit besiedelt. So fand man prähistorische Überreste im Stadtteil Burk im Nordosten und bei Niedergurig. Im 3. Jahrhundert bestand hier eine ostgermanische Siedlung. Für das Jahr 1002 wird die Ortenburg in Bautzen als "civitas budusin" bei Thietmar von Merseburg als zentraler Ort der Oberlausitz und Stammesmittelpunkt der Milzener erstmals genannt. Nach wiederholten Kämpfen fiel sie in diesem Jahr an den polnischen Fürsten Boleslaw Chrobry und blieb bis 1031 in polnischer Hand. 1018 wird auf der Ortenburg der Friedensvertrag zwischen dem Heiligen Römischen Reich und Polen unterzeichnet (Frieden von Bautzen). In der Folgezeit entwickelte sich östlich der Burg die Stadt Bautzen, die wesentlich von der Lage an den Spreeübergängen der Via Regia, einer wichtigen Verkehrsverbindung zwischen dem Rhein und Schlesien, sowie der Frankenstraße profitierte. 1031 kommt Bautzen erneut zum Heiligen Römischen Reich. König Heinrich IV. gibt das Land Bautzen im Jahre 1081 nach seinem Sieg über die Sachsen als Reichslehen an Herzog Vratislav II. von Böhmen, dieser überträgt es als Mitgift an Wiprecht von Groitzsch, der seine Tochter geheiratet hat. Als Wiprechts Sohn Heinrich von Groitzsch 1135 kinderlos stirbt, fällt Bautzen an den böhmischen König zurück. Von 1143-56 untersteht die Gegend dem wettinischen Markgrafen Konrad I. von Meißen. Zwischen 1158 und 1243 beherrschen die böhmischen Könige das Land erneut als Nebenland der Krone. 1213 erhält Bautzen die Stadtrechte, 1240 wird das Franziskanerkloster gegründet. Nach der Hochzeit des brandenburgischen Markgrafen Otto III. mit der Tochter des böhmischen Königs Wenzel I. im Jahre 1243 kommt die Oberlausitz als Pfandbesitz zu den Askaniern, 1283 wird sie in ein direktes Reichslehen umgewandelt.
Bautzen unter böhmischer Herrschaft
Im Jahre 1319 stirbt die brandenburgische Linie der Askanier aus, damit fällt Bautzen zurück an Böhmen. 1346 wurde unter Führung Bautzens der Oberlausitzer Sechsstädtebund gegründet, der in den folgenden Jahrhunderten eine bedeutende Rolle in der Geschichte der Gegend spielte. Im Jahre 1405 kommt es zu einem Handwerkeraufstand gegen den Rat der Stadt Bautzen, der erst durch das Eingreifen des böhmischen Königs Wenzel IV. niedergeschlagen werden kann. 1429 wurde Bautzen von den Hussiten belagert. Der Erzengel Michael rettete angeblich die Bürger, woraufhin ihm zu Ehren die Michaeliskirche errichtet wurde. Zwischen 1469 und 1490 gehört Bautzen zu Ungarn, daran erinnert noch heute ein Relief an der Ostseite des Matthiasturmes, welches den ungarischen König Matthias Corvinus zeigt. Danach kam die Lausitz zu Böhmen. Die Ortenburg war unter böhmischer Herrschaft bis 1635 Amtssitz des Oberlausitzer Landvogts. Zwischen 1520 und 1525 setzt sich die Reformation durch, das Kollegiatkapitel St. Petri bleibt jedoch katholisch. 1547 ist die Bautzen vom Oberlausitzer Pönfall betroffen. Im Dreißigjährigen Krieg brannte die Stadt 1634 bei der Belagerung durch die Schweden zum größten Teil ab. Im darauffolgenden Jahr kommt die Oberlausitz als Markgraftum zu Sachsen, fortan ist die Ortenburg der Sitz des Landvogtes.
Neuzeit
Im Jahre 1678 wird aufgrund der großen Bedeutung des Markgraftumes Oberlausitz ein kurfürstliches Postamt in der Stadt eingerichtet. 1780 wird die "Freiwillige Bürger Feuer Compagnie" gegründet. Bautzen besitzt damit die älteste Feuerwehr in Sachsen. 1813 endet die Schlacht bei Bautzen (genauer bei Hochkirch; am Arc de Triomphe als Bataille de Wurschen bezeichnet) zwischen der Koalition und den Franzosen mit dem Sieg der napoleonischen Truppen. 1868 wurde die Stadt offiziell von Budissin in Bautzen umbenannt. Der Bau der Sächsischen Landesstrafanstalt (Bautzen I) wird 1904 fertiggestellt und bestimmungsgemäß betrieben. Im Volksmund heißt die Anstalt wegen der verwendeten gelben Klinker "Das gelbe Elend". Um die gleiche Zeit entstand das zum Amts- und Landgericht gehörende Untersuchungsgefängnis Bautzen II. 1921 wird Bautzen Bischofssitz des Bistums Meißen. Während der Zeit des Dritten Reiches waren in der Stadt viele politische Gegner, Sozialisten und Kommunisten, aber auch Zeugen Jehovas inhaftiert. Ernst Thälmann war 1943/44 bis zu seinem Abtransport ins KZ Buchenwald in Bautzen I inhaftiert. Im Süden der Stadt - direkt an der Spree - gab es zudem eine Außenstelle des KZ Groß-Rosen. In der Pfingstwoche 1933 wurde in Bautzen eine 1000-Jahrfeier der Zugehörigkeit der Oberlausitz zum deutschen Reichsgebiet gefeiert. Diese Feier berief sich auf den Ritt Heinrich I. in die Niederlausitz um 932. Es soll eine lockere Bindung mit der Oberlausitz eingegangen worden sein. Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Stadt große Schäden. Die Kuppeln des Lauenturms und der Michaeliskirche wurden zerstört, es waren viele Menschenleben zu beklagen. Am 26. April 1945 fand im Zuge der Schlacht um Bautzen der letzte größere deutsche Panzerangriff des Zweiten Weltkrieges statt, woraufhin die Stadt noch einmal zurückerobert wird.
Geschichte seit 1945
Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wird das "Gelbe Elend" eines der Speziallager der sowjetischen Geheimpolizei. Zwischen 1945 und 1950 kommen mindestens 2800 Menschen ums Leben. Augenzeugenberichten zufolge sollen die Toten am "Karnickelberg" vergraben worden sein. In der Wendezeit um 1990 erfolgte eine intensive Suche nach dieser Begräbnisstätte. Es konnten jedoch keine Gebeine oder anderen Hinweise gefunden werden. Einer Theorie zufolge lag der "Karnickelberg" im heute vom Stausee überfluteten Gebiet. Nach dem Krieg entwickelte sich Bautzen in der DDR zu einer Wissenschafts- und Industriestadt. Hier waren u.a. die Großbetriebe "Waggonbau Bautzen", "Perfecta-Papierschneidemaschinen", ein Rundfunk- und Fernmeldewerk, ein Baustoffkombinat, eine Fachhochschule für Maschinenbau, ein Lehrerbildungsinstitut und eine Außenstelle der Akademie der Wissenschaften der DDR angesiedelt. Während dieser Zeit waren in den Bautzener Gefängnissen zahlreiche Regime-Gegner, z. B. der Schriftsteller Erich Loest, inhaftiert. 1979 wanderte der katholische Bischofssitz nach Dresden ab. Im Jahre 1992 wird Bautzen II geschlossen. Heute dient der ehemalige "Stasi-Knast" als Gedenkstätte. Am 1. September 2002 feiert Bautzen mit einem Festumzug seine Ersterwähnung vor tausend Jahren.
Religionen
Unter den gläubigen Bewohnern der Stadt sind überwiegend Protestanten, wobei die sorbische Bevölkerung zum größten Teil katholisch ist. Viele Einwohner sind zudem konfessionslos. Der Dom der Stadt (Dom St. Petri) ist die größte Simultankirche Deutschlands.
Eingemeindungen
Folgende Dörfer wurden im Laufe der Zeit eingemeindet:
- Im Osten: Burk (sorb. Bórk), Niederkaina (Delnja Kina), Basankwitz (Bozankecy), Nadelwitz (Nadźanecy), Auritz (Wuricy), Jenkwitz-West (Jenkecy), Strehla.
- Im Süden: Oberkaina (Hornja Kina), Boblitz (Bobolcy).
- Im Westen: Stiebitz (Sćijecy), Rattwitz (Ratarjecy), Bloaschütz (Błohašecy), Oberuhna (Horni Wunjow), Niederuhna (Delni Wunjow), Bolbritz (Bolborcy), Salzenforst (Słona Boršć), Schmole.
- Im Nordwesten: Kleinwelka (Mały Wjelkow), Kleinseidau (Zajdow), Neumalsitz (Nowe Małsecy), Oehna (Wownjow).
Einwohnerentwicklung
Simultankirche
Seit der politischen Wende 1990 nahm die Einwohnerzahl aufgrund von Abwanderung und niedriger Geburtenrate von 50.000 (1989) auf 42.000 ab. Seit etwa 2000 hat sich dieser Trend merklich verlangsamt.
Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1834, jeweils zum 31. Dezember):
1) 29. Oktober
2) 31. August
Bürgermeister
Seit der politischen Wende 1990 ist Christian Schramm (CDU) Bürgermeister der Stadt, seit 1995 Oberbürgermeister. Er ist ebenfalls Präsident des Sächsischen Städte- und Gemeindetages sowie des Deutschen Städte- und Gemeindebundes.
Wappen
Das Wappen basiert angeblich auf dem Banner des Grafen Wiprecht von Groitzsch im 11. Jahrhundert. Es stellt die Bautzener Stadtmauer (in gelber Farbe) unter dem blauen Himmel dar. In der Zeit des Oberlausitzer Sechsstädtebundes war es auch dessen Wappen und ist seitdem auch das inoffizielle Wappen der ganzen Oberlausitz.
Oberzentraler Städteverbund
Seit 1994 bildet Bautzen zusammen mit Görlitz und Hoyerswerda als „Oberzentraler Städteverbund“ (OZSV) eines der 6 Oberzentren Sachsens. Der Verbund entstand durch eine normative Festlegung im Landesentwicklungsplan und befaßt sich mit dem Ausbau der Infrastruktur, mit der wirtschaftlichen Stabilisierung der Region und mit Regionalmarketing.
Städtepartnerschaften
- Worms (seit 1990)
- Heidelberg (seit 1991)
- Dreux (Frankreich, seit 1992)
- Jablonec nad Nisou (Gablonz, Tschechien, seit 1993)
- Jelenia Góra (Hirschberg, Polen, seit 1993).
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Polen]
Bautzen ist Sitz zahlreicher Institutionen des sorbischen Volkes (Sorbisches Institut, Domowina, Deutsch-Sorbisches Volkstheater, Sorbisches Nationalensemble, Sorbisches Museum).
Nur 5 km von Bautzen entfernt befindet sich der touristisch interessante Ort Kleinwelka. Zu sehen gibt es Deutschlands größten Irrgarten mit Abenteuer- und Rätsellabyrinth, einen Saurierpark und einen Miniaturenpark.
Museen
- Stadtmuseum Bautzen
- Sorbisches Museum (Serbski muzej)
- Domschatzkammer St. Petri
- Alte Wasserkunst
- Gedenkstätte Bautzen
Bauwerke
Gedenkstätte Bautzen] Gedenkstätte Bautzen Gedenkstätte Bautzen
Bautzen besitzt eine sehenswerte Altstadt mit bedeutenden Bauwerken. Über der Stadt thront die heute als Gericht genutzte Ortenburg, deren weiße Renaissancegiebel besonders auffallen. Im Hof der Ortenburg finden sich in verschiedenen Nebengebäuden auch das Sorbische Museum und das Puppenspieltheater mit dem hier aufgestellten Rietschelgiebel. Auch das mit einem filigranen Schornstein aus der Renaissance versehene Scharfrichterhaus an der nördliche Stadtmauer muss hier besonders hervorgehoben werden.
An der südwestlichen Ecke der Altstadt befindet sich, von der Friedensbrücke gut einsehbar, das markanteste Ensemble der Stadt, bestehend aus Alte Wasserkunst und Michaeliskirche. Der bedeutendste kirchliche Bau der Stadt ist jedoch der Petridom , welcher die Besonderheit besitzt, als Simultankirche sowohl von Katholiken als auch Lutheranern genutzt zu werden. In der Kirche werden die beiden Konfessionen nur durch ein Gitter getrennt.
Südlich des Domes befindet sich das barocke Rathaus der Stadt, vom Hauptmarkt aus kann man die verschiedenen Uhren des Rathausturmes sehen. Um den Hauptmarkt herum befindet sich das bedeutendste Barockensemble der Stadt mit verschiedenen prächtigen Bürgerhäusern. Die an der westlichen Seite der Lauenstraße - zwischen Lauenturm und Rathaus - befindlichen Bürgerhauser sind besonders bemerkenswert und finden sich in ähnlicher Pracht und Größe in Sachsen wohl nur noch in Leipzig wieder. Die Neue Wasserkunst befindet sich südlich des Stadtkerns.
Bautzen wird auch als „Stadt der Türme“ bezeichnet. Einer der bekanntesten Türme der Stadt ist der Reichenturm, der auch als „Schiefer Turm von Bautzen“ bezeichnet wird.
Auch außerhalb der Stadtmauern finden sich verschiedene bemerkenswerte Bauwerke. Östlich der Altstadt befindet sich der Taucherfriedhof, welcher neben einer im Inneren im reinen protestantischen Stil ausgeführten Friedhofskirche über die Besonderheit einer barocken Gruftstrasse verfügt, welche so nördlich der Alpen selten anzutreffen ist. Der Taucherfriedhof ist nach einem Wald bei Uhyst am Taucher benannt, in dem bis 1523 eine Marienkapelle (ein damals viel besuchter Wallfahrtsort) stand. Sie wurde 1523 abgerissen und auf dem Taucherfriedhof wieder aufgebaut. Nach ihrem Einsturz 1550 wurde 1558 an ihrer Stelle die jetzige Kirche erbaut. Weiter südlich befindet sich in einem neuzeitlichen Villenviertel die sogenannte „Villa Weigang“, welche im Äußeren im dekorativen art deco und im Inneren im historistischen Stil gehalten ist. Nahe der Villa befindet sich das in einem Jugendstilgebäude untergebrachte Gericht, in dessen hinterem Trakt heute die Gedenkstätte für Menschenrechte eingerichtet ist, die an das ehemals dort eingerichtete Gefängnis Bautzen II erinnert.
Parks
Entlang des ehemaligen Stadtwalles, der die Innenstadt von den östlichen und südlichen Stadtteilen trennte, befindet sich heute ein ausgedehnter Park mit Gehölzen aus den verschiedensten Erdteilen, die sogenannten „Wallanlagen“.
Sport
In der Stadt ansässig ist der Fußballverein FSV Budissa Bautzen, der seit der Saison 2005/06 in der Staffel Süd der Oberliga Nordost spielt. Sein Heimplatz ist das Stadion Müllerwiese, welches sich im Süden der Stadt im Spreetal befindet.
Steinhaus
Das Steinhaus ist ein Kulturzentrum auf der Steinstraße mit Konzertsaal, Theaterbühne, Eine-Welt-Laden, Atelier, Galerie und vielen anderen Angeboten. Es ist besonders bei der Jugend Bautzens beliebt (siehe [http://www.steinhaus-online.de/ hier]).
Sternwarte
Die Schulsternwarte Bautzen ist eine der ältesten und größten Schulsternwarten Deutschlands.
Regelmäßige Veranstaltungen
Im Frühjahr findet regelmäßig der sogenannte „Bautzener Frühling“ statt - ein Straßenfeste. Der Bautzener Weihnachtsmarkt zählt zu den ältesten Weihnachtsmärkten Deutschlands. Sehr beliebt sind auch die Freiluftvorstellungen des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters im Sommer, die meistens auf dem Hof der Ortenburg stattfinden.
Kulinarische Spezialitäten
Im Bautzener Senfladen gibt es eine große Auswahl verschiedener Sorten Bautz'ner Senf und anderer Produkte, wie Bautzener Biere, die als Mitbringsel gedacht sind.
In verschiedenen Restaurants kann man typische sorbische Gerichte ausprobieren. Zur Zeit der Vogelhochzeit am 25. Januar gibt es wie in weiten Bereichen der Lausitz verschiedene Spezialgebäcke, z.B. in Form von Nestern und Vögeln.
Gerichte wie "Teichelmauke" werden in vielen alten Bautzener Familien noch regelmäßig zubereitet, obwohl dieses Gericht eher für den südlichen Landkreis Bautzen, z.B. in Schirgiswalde typisch ist.
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr
Bautzen verfügt über eine Anbindung an die Autobahn A 4 Dresden-Görlitz (über die Anschlussstellen Bautzen-Ost und Bautzen-West sowie Salzenforst) und an die Bundesstraßen B 6 nach Dresden und Löbau, B 96 nach Berlin und Zittau sowie B 156 nach Weißwasser/O.L.. Bautzen besitzt einen Bahnhof südlich der Altstadt, welcher 1856 eröffnet wurde. Er ist Haltepunkt in den Netzen der Deutschen Bahn und der Lausitzbahn. Bautzen besitzt zudem einen Flugplatz, der ca. 3 km östlich der Stadt liegt.
Bildung
Bautzen verfügt über sechs Grundschulen, vier Mittelschulen, fünf Gymnasien (Schiller-Gymnasium, Melanchthon-Gymnasium, Sorbisches Gymnasium, zwei berufliche Gymnasien), drei Förderschulen sowie die Staatliche Studienakademie Bautzen - Berufsakademie Sachsen, welche ein dreijähriges duales Studium in den Studienbereichen Finanzmanagement, Öffentliche Wirtschaft (Public Management), Wirtschaftsinformatik, Elektrotechnik, Medizintechnik und Wirtschaftsingenieurwesen anbietet.
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
- Wolfgang Berghofer ( - 1943), Politiker
- Karl Gustav Brescius (1824-1864), Eisenbahningenieur
- Marianne Britze (1883-1980), Malerin
- Will Grohmann (1887-1968), Kunsthistoriker und -kritiker
- Rudolf Hermann Lotze (1817-1881), Philosoph
- Dr. Gregor Mättig (1585-1650), Philosoph und Mediziner, Stifter
- August Gottlieb Meißner (1753-1807), Schriftsteller - Begründer der dt. Kriminalerzählung
- Hagen Melzer ( - 1959), Leichathlet
- Harald Metzkes ( - 1929), Maler
- Caspar Peucer (1525-1602), Mediziner, Astronom,Mathematiker
- Hans von Tettau (1888-1956), Infanteriegeneral
- Samuel Erdmann Tzschirner (1812-1870), Revolutionsführer (Dresdner Maiaufstand)
- Karl Friedrich Gottlob Wetzel (1779-1819), Schriftsteller
- Handrij Zejler (1804-1872), geboren im Ortsteil Salzenforst, Begründer der modernen sorbischen Dichtung
- Bandmitglieder von Silbermond
weitere Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen
Folgende Personen haben zeitweise in Bautzen gelebt, hier gewirkt oder sind hier gestorben:
- Sigmund Jähn ( - 1937), erster Deutscher im All, studierte 4 Jahre an Bautzener Offiziershochschule
- Detlef Kobjela ( - 1944), sorbischer Komponist
- Johann Leisentrit (1527-1586) Gesangbuchherausgeber, Bewahrer des Katholizismus in der Lausitz nach der Reformation
- Paulus Niavis (1460-1514), Humanist, Pädagoge, Schriftsteller
- Friedrich Olbricht (1888-1944), beteiligt am Attentat auf Adolf Hitler, Gymnasiast am Bautzener Melanchthon-Gymnasium
- Wilhelm von Polenz (1861-1903), Dichter, Romancier und Novellist
Literatur
- Joachim Meffert: Die Ortenburg in Bautzen - Der archäologische Forschungsstand und die Ausgrabungen von 1999-2001. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege 44, 2002, 75-177.
- Karin Sczech: Archäologische Untersuchungen zu Bautzen in der Oberlausitz in slawischer Zeit. Archäologische Forschungen am GWZO. Berichte und Beiträge des Geisteswissenschaftlichen Zentrums Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas e. V. 2003, 49-64.
- Grit Richter-Laugwitz: Der 17. Juni 1953 in Bautzen, hrsg. vom Stadtarchiv Bautzen, Bautzen 2004, ISBN 3-936758-04-2
- Andreas Bensch: Chronologie der Stadt Bautzen 1002 - 2001, Bautzen 2001, ISBN 3-930625-31-8
- Christine Seele und Jürgen Matschie: Bautzen und seine Kirchen. Ein kleiner ökumenischer Kirchenführer, Leipzig 1996, ISBN 3-7462-1118-2
- Deutscher Städteatlas; Band: IV; 3 Teilband. Acta Collegii Historiae Urbanae Societatis Historicorum Internationalis - Serie C. Im Auftrag des Kuratoriums für vergleichende Städtegeschichte e. V. und mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft, hrsg. von Heinz Stoob †, Wilfried Ehbrecht, Jürgen Lafrenz und Peter Johannek. Stadtmappe Bautzen, Autor: Karlheinz Blaschke. ISBN 3-89115-033-4; Dortmund-Altenbeken, 1989.
Weblinks
- [http://www.bautzen.de/ Offizielle Internetseite der Stadt]
- [http://www.sorbe.de/ Sorben und Lausitz]
- [http://www.lausitzfoto.de/themen/architektur/stadtansichten/bautzen.shtml Stadtansichten von Bautzen]
- [http://www.ba-bautzen.de/ Staatliche Studienakademie Bautzen - Berufsakademie Sachsen]
Kategorie:Ort in Sachsen
Kategorie:Ort in der Lausitz
Kategorie:Bautzen
Sorbische Sprache
Die beiden sorbischen Sprachen (auch Wendisch genannt, obersorbisch
serbšćina, serbska rěč, niedersorbisch serbšćina, serbska rěc) gehören zur Gruppe der westslawischen Sprachen. Man unterscheidet zwei Schriftsprachen, die wiederum in mehrere Dialekte zu untergliedern sind:
- Obersorbisch (in der Oberlausitz) und
- Niedersorbisch (in der Niederlausitz).
Der Language Code ist (nach ISO 639-2):
- für das Sorbische insgesamt: wen
- für Niedersorbisch: dsb
- für Obersorbisch: hsb.
Sorben in Deutschland
Insgesamt leben in Deutschland ca. 60.000 Sorben, davon ca. 40.000 in Sachsen und ca. 20.000 in Brandenburg. Somit sind die sorbischen Sprachen nach dem Dänischen zweitgrößte Minderheitensprache Deutschlands. Da es eine feste Nationalitätenzugehörigkeit für deutsche Staatsbürger nicht gibt, sind diese Zahlen auf der Basis von Hochrechnungen entstanden, und demzufolge vergleichbar genau anderen Angaben (auch hier in der Wikipedia). Die tatsächliche Anzahl der aktiven Sprecher ist wesentlich geringer. Nur eine kleine Minderheit spricht im Alltag primär Sorbisch, eine größere ist primär deutschsprachig, spricht und versteht es aber noch (gegebenenfalls nur gelegentlich und teilweise); das sorbische Zugehörigkeitsgefühl reicht deutlich darüber hinaus. Anders als das Obersorbisch gilt das Niedersorbische als akut vom Aussterben bedroht.
Sorbische Grammatik
Die obersorbische Grammatik kennt sieben Fälle:
#Nominativ
#Genitiv
#Dativ
#Akkusativ
#Instrumental
#Lokativ
#Vokativ
Im Niedersorbischen ist der Vokativ nur in einigen erstarrten Formen erhalten.
Bemerkenswert ist, dass es neben Singular und Plural noch den Dual (=Zweizahl) gibt.
Singular: ruka ("Hand")
Dual: ruce ("zwei Hände")
Plural: ruki ("mehr als zwei Hände")
Im Gegensatz zu anderen westslawischen Sprachen (Tschechisch, Slowakisch, Polnisch, Kaschubisch) hat sich in der obersorbischen Schriftsprache und einem Teil der Dialekte bis in die heutige Zeit auch das synthetische Präteritum (Aorist, Imperfekt) erhalten. Auch in der niedersorbischen Schriftsprache war diese Form gebräuchlich, ist aber im Laufe des 20. Jahrhunderts immer seltener geworden und wird heute kaum noch verwendet.
Das Niedersorbische hat dafür aber das Supinum (als Variante des Infinitivs nach Verben der Bewegung) erhalten, z. B. "njok spaś" (ich will nicht schlafen) gegenüber "źi spat" (geh schlafen).
Das geschriebene Sorbische kann von Muttersprachlern der westslawischen Sprachen zumindest verstanden werden.
Geschichte des Sorbischen
Die Geschichte des Sorbischen in Deutschland nahm mit der Völkerwanderung (etwa seit dem 6. Jahrhundert) ihren Anfang. Seit dem 12. Jahrhundert, mit dem massenhaften Zuzug von bäuerlichen germanischen bzw. deutschen Siedlern aus Flandern, Sachsen, Thüringen und Franken und der vorangegangenen Verwüstung des Landes durch kriegerische Handlungen begann der langsame Rückgang der sorbischen Sprache.
Hinzu kam, dass das Sorbische eine rechtlich untergeordnete Stellung gegenüber dem Deutschen bekam, die u.a. im Sachsenspiegel festgeschrieben wurde. Später kamen Sprachverbote hinzu: 1293 wurde das Sorbische in Bernburg (Saale) vor Gericht verboten, 1327 in Altenburg, Zwickau und Leipzig, 1424 in Meißen. Weiterhin gab es in vielen Zünften der Städte des Gebietes die Maßgabe, nur Mitglieder deutschsprachiger Herkunft aufzunehmen.
Das Kerngebiet der Milzener und Lusizer, zwei der etwa 20 sorbischen Stämme, die im Gebiet der heutigen Lausitz lebten, war von deutschsprachiger Neusiedlung und rechtlichen Beschränkungen relativ wenig betroffen. Die Sprache hatte daher dort einen guten Halt. Die Sprecherzahl wuchs dort bis in das 17. Jahrhundert zu über 300.000 Sprechern an.
Ältestes Sprachdenkmal des Obersorbischen ist der Budissiner (Bautzener) Bürgereid in sorbischer Sprache aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.
Wichtige sorbische Dichter und Schriftsteller
siehe auch die Liste sorbischsprachiger Schriftsteller
- Jakub Bart-Ćišinski
- Handrij Zejler
- Jakub Lorenc-Zalĕski
- Jurij Koch
- Jurij Chěžka
- Jurij Brězan
- Kito Lorenc
- Róža Domašcyna
- Marja Krawcec
- Mina Witkojc
- Mato Kosyk
Siehe auch
- Sorben
- Wenden
- Elbslawen
- Surbi
Weblinks
- [http://sibz.whyi.org/~edi/wucbnica/zawod.html Lehrbuch des Obersorbischen]
- [http://www.niedersorbisch.de www.niedersorbisch.de (Deutsch-Niedersorbisches Wörterbuch)]
- [http://www.internecy.de/slownik/slow.php Ortsnamen_Obersorbisch-Deutsch]
- [http://www.sorben.com/lodka/orte/Ortew.htm Ortsnamen_in_der_Niederlausitz_(niedersorbisch)]
- [http://www.boehmak.de/ Obersorbisches Onlinewörterbuch]
- [http://www.sorbspirit.com/hsb/ Tastaturlayouts für Mac OS X und Microsoft Windows 2000/XP]
Kategorie:Einzelsprache
Kategorie:Lausitz
Kategorie:Sorben
Kategorie:Slawische Sprache
Kategorie:Sprachinsel
ja:ソルブ語
ko:소르브어
Tschechische Sprache
Tschechisch ist eine Sprache aus dem westslawischen Zweig der indogermanischen Sprachfamilie.
Sie wird von ca. 12 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen (Stand 1999), von denen ca. 10 Millionen in Tschechien leben, wo es die Amtssprache ist. Seit dem 1. Mai 2004 ist Tschechisch auch eine Amtssprache der EU. Die Wissenschaft, die sich mit der tschechischen Sprache befasst, ist die Bohemistik.
Tschechisch und Slowakisch sind gegenseitig gut verständlich (siehe dazu unter slowakische Sprache). Schriftlich sind die beiden Sprachen am einfachsten durch den Buchstaben ř unterscheidbar, den es nur im Tschechischen gibt (zur Aussprache siehe unten). Der ebenso geschriebene Laut des Obersorbischen wird heute nach t wie tsch oder c, sonst wie sch gesprochen.
Die Aussprache des Tschechischen gilt als schwierig, einerseits wegen der Zischlaute und des ř, andererseits weil r und l eigene Silben bilden können (z.B. wird der Ortsname Brno, dt. Brünn, zweisilbig gesprochen). Dadurch sind Sätze wie Strč prst skrz krk möglich, die offensichtlich keine Vokale enthalten.
Grammatik
Tschechisch ist eine stark flektierende Sprache mit sieben grammatischen Fällen (Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ, Vokativ, Lokativ, Instrumental) im Singular und Plural. Im Akkusativ Singular und Nominativ Plural der Maskulina gibt es unterschiedliche Formen für belebte (Belebtheitskategorie) und unbelebte Wesen. Die Substantiva haben in jedem der drei Genera mindestens vier Grundformen.
Das Verbum verfügt über die Kategorien von Aspekt (perfektiv und imperfektiv) und Tempus (Präsens, Futur, Präteritum), Person, Numerus und Modus (Imperativ, Konditional).
Die Deklinierung und Konjugierung erfolgt mittels Endungen (und/oder kleine Änderungen im Stamm), deren Bildung sehr vielfältig und nicht immer regelmäßig und somit sehr schwer erlernbar ist.
Die Wortfolge ist relativ frei und ermöglicht stilistische Differenzierungen.
Im Tschechischen werden viele Adjektive und Partizipien nicht nur nach Genus, Numerus und Kasus abgewandelt, es wird zusätzlich zwischen langen und kurzen Formen unterschieden. Im Unterschied z.B. zum Serbokroatischen oder den baltischen Sprachen können kurze Formen nur prädikativ verwendet werden und weisen ein reduziertes Paradigma auf. Während die Kurzformen von Adjektiven meist in gehobenem Stil benützt werden, ist die Verwendung der Kurz-/Langformen von Partizipien im periphrastischen Passiv auch in der Umgangssprache bedeutungsunterscheidend, z.B. okno bylo zavřeno (Vorgangspassiv: das Fenster wurde geschlossen) vs. okno bylo zavřené (Zustandspassiv: das Fenster war geschlossen).
Alphabet
Tschechisch wird mit dem lateinischen Alphabet geschrieben, durch diakritische Zeichen differenziert.
Beim Sortieren und in Verzeichnissen (Telefonbuch) und Wörterbüchern werden die Zeichen: Č, Ch, Ř, Š, Ž als selbständige und eigenständige Buchstaben behandelt (das Ch folgt dem Buchstaben H); das tschechische Alphabet hat demzufolge ganze 34 statt nur 26 Buchstaben.
:nota bene: Da die diakritischen Zeichen im Web nicht immer korrekt dargestellt werden, werden tschechische Namen (Orts- und Personennamen) oft ohne sie geschrieben, es gibt auch zahlreiche tschechische Webseiten, die heute noch bewusst ganz auf die diakritischen Zeichen verzichten. Teilweise wird dem Besucher (Benutzer) die Wahl überlassen - "Diakritik ein oder ausschalten?" In der westlichen Presse werden dagegen viele Zeichen oft falsch (oft genau umgekehrt) verwendet. Für die Suche im Web braucht es sie meistens nicht, manche Suchmaschinen können mit Sonderzeichen schon gar nichts anfangen.
Vollständig lautet das tschechische Alphabet:
A, (Á), B, C, Č, D, (Ď), E, (É), (Ě), F, G, H, Ch, I, (Í), J, K, L, M, N, (Ň), O, (Ó), P, Q, R, Ř, S, Š, T, (Ť), U, (Ú), (Ů), V, W, X, Y, (Ý), Z, Ž.
Die in Klammern gesetzten Buchstaben werden beim Sortieren so behandelt wie der ihnen vorhergehende Buchstabe. So steht dann beispielsweise pět (= fünf) vor petrklíč (= Schlüsselblume). Wenn sich zwei Wörter nur durch die beiden verwandten Buchstaben unterscheiden, steht zunächst das Wort mit dem einfachen Buchstaben und dann das andere, also etwa pas (= Pass) vor pás (= Gürtel).
Ě, Ů und Ý kommen nie am Wortanfang vor, deshalb sind die entsprechenden Buchstaben sehr selten und werden nur dann verwendet, wenn das ganze Wort in Großbuchstaben geschrieben wird (z.B. MĚSTO).
Die tschechischen Laute
Vokale
Es gibt kurze und lange Vokale. Ferner können im Tschechischen die Konsonanten r, l und (selten) m Silben bilden, so gibt es auch Wörter, die nur aus Konsonanten bestehen, vgl. etwa krk "Hals" oder blb "Blödmann".
Diphthonge
Im Tschechischen gibt es die Diphthonge ou, au und eu. Der Diphthong ou ist auch in tschechischen Wörtern häufig, au und eu kommen nur in Fremdwörtern oder Interjektionen vor - in tschechischen Wörtern bilden sie zwei Silben, z.B. in neučím "ich lehre nicht", das dreisilbig gesprochen wird [].
- Der Diphthong au wird wie im Deutschen ausgesprochen, z.B. auto [].
- Bei der Aussprache des Diphthongs ou werden ein offenes o und ein unsilbisches offenes u verbunden, vgl. moudrý "weise" als [], auf keinen Fall darf – wie in französischen Lehnwörtern im Deutschen – nur ein Vokal gesprochen werden (vgl. Souterrain []).
- Bei der Aussprache des Diphthongs eu werden ein offenes e und ein unsilbisches u verbunden, vgl. Leukemie [ˈlɛʊ̯kɛːmɪɛ], auf keinen Fall darf wie im Deutschen oi [ɔʏ̯] gesprochen werden.
Konsonanten
In der tschechischen Rechtschreibung unterscheidet man sog. harte, neutrale und weiche Konsonanten. Weich ausgesprochen (wie in anderen slawischen Sprachen wie dem Russischen) werden aber nur die Konsonanten ť, ď und ň.
Für die Rechtschreibung und die Deklination ist diese Einteilung sehr wichtig. Die Kinder lernen daher in der Grundschule zum einen die Reihen der harten und neutralen Konsonanten wie das Alphabet aufzusagen und zum anderen jene Wörter mit neutralen Konsonanten aufzusagen, in denen ein [i] als y geschrieben wird (so genannte vyjmenovaná oder vybraná slova bzw. "ausgewählte Wörter"). Erwachsene haben aber meistens die Rechtschreibung bereits "automatisiert" und brauchen diese Reihen nicht mehr.
Sog. harte Konsonanten
Die 8 harten Konsonanten sind:
In der Rechtschreibung schreibt man nach diesen Konsonanten ein [i] wie y.
Sog. weiche Konsonanten
Die 9 weichen Konsonanten sind:
Anmerkung: ď wird handschriftlich als dˇ, ť als tˇ geschrieben.
In der Rechtschreibung schreibt man nach diesen Konsonanten ein [i] wie i.
Sog. neutrale Konsonanten oder Zwitterlaute
Die 8 neutralen Konsonanten sind:
In der Rechtschreibung schreibt man nach diesen Konsonanten in "ausgewählten Wörtern" und einigen Fremdwörtern ein [i] wie y, sonst wie i.
Aussprache
Das reglementierte Hochtschechisch (entsprechend der Schriftform) wird bei offiziellen Anlässen gesprochen (z. B. Nachrichten im Rundfunk, TV, Festreden), die tatsächlich gesprochenen Mundarten weichen jedoch oft stark davon ab, sowohl in der Aussprache als auch in der Grammatik.
Grundregeln
- Im Tschechischen wird grundsätzlich die erste Silbe des Worts betont.
- Die mit der so genannten čárka (Akut) gekennzeichneten Buchstaben (á, é, í, ó, ý, ú, sowie ů) werden lang ausgesprochen. Lange und betonte Silben fallen oft nicht zusammen.
- Die mit dem so genannten háček (Häkchen) gekennzeichneten Buchstaben sind entweder Zischlaute (š, č, ž, ř) oder sie werden weich ausgesprochen, d.h. mit einem Anklang an ein j hinter dem Konsonanten artikuliert (dies im Falle von ť, ď, ň).
- ě wird wie je gesprochen, außer nach d, t und n, wo es deren Erweichung auslöst.
- Vor ě und i werden die Konsonanten d, t und n weich ausgesprochen, d.h. mit einem Anklang an ein j hinter dem Konsonanten artikuliert. Die Zunge geht dabei zum vorderen Gaumen.
Im Folgenden eine Übersicht über die Aussprache einzelner Buchstaben und Buchstabenfolgen im Tschechischen:
- Statt ď/ť/ň+ e wird d/t/n+ ě geschrieben (und ď/ť/ň+ e ausgesprochen), wie in Německo [Njemecko], Deutschland).
- Statt ď/ť/ň+ i wird nur d/t/n+ i geschrieben (und ď/ť/ň+ i ausgesprochen), dy/ty/ny werden dagegen als di/ti/ni ausgesprochen;
- h wird immer ausgesprochen (kein stummes "h" wie im Deutschen!; z.B. husa [hussa] = Gans), ck = c + k (kein hartes k!), sch = s + ch (kein deutsches sch!), sp = s + p (kein deutsches s(ch)p!), st = s + t (kein deutsches s(ch)t!), eu = e + u (kein deutsches eu!; z.B. neutralita [ne-utralita]= Neutralität)
- ou ist ein Diphthong, der aus o und u besteht (Rakousko [Ra|kous|ko] = Österreich). Beide Bestandteile befinden sich in einer Silbe und werden daher zusammen ausgesprochen, wie im deutschen au bei Auto, wobei man jedoch mehr vom u hört, als vom o (etwa wie Rakusko mit nur ganz schwach angedeutetem o).
Tschechische Schrift und ihre diakritischen Zeichen
So schreibt man sie im Web und in der Wikipedia: Siehe Tschechische Sonderzeichen
Zahlen
Beim einfachen Zählen (Kardinalzahlen) im Nominativ gilt für den zu zählenden Ausdruck:
- nach 1 kommt Nominativ Singular,
- nach 2, 3, 4 kommt Nominativ Plural,
- nach 5 und mehr kommt Genitiv Plural.
Bei größeren Zahlen mit 1, 2, 3, 4 am Ende (z. B. 21, 103, 123, 2004 ...) ist nach 1 die erste, sonst die zweite Form grammatikalisch richtig, aber in der Praxis die letzte überwiegend gebräuchlich. Bei zusammengesetzten Zahlen (dvaadvacet) gilt immer die letzte Form.
:0 - nula
:1 - jeden (mask.), jedna (fem.), jedno (neutr.)
:2 - dva (mask.), dvě (fem. u. neutr.)
:3 - tři
:4 - čtyři
:5 - pět
:6 - šest
:7 - sedm (auch sedum - Volksmund)
:8 - osm (auch osum - Volksmund)
:9 - devět
:10 - deset
:11 - jedenáct
:12 - dvanáct
:13 - třináct
:14 - čtrnáct
:15 - patnáct
:16 - šestnáct
:17 - sedmnáct (auch sedumnáct - Volksmund)
:18 - osmnáct (auch osumnáct - Volksmund)
:19 - devatenáct
:20 - dvacet
:21 - dvacet jedna / jedenadvacet (auch jednadvacet)
:22 - dvacet dva / dvaadvacet
usw.
:30 - třicet
:40 - čtyřicet
:50 - padesát
:60 - šedesát
usw.
:100 - sto
:200 - dvě stě (grammatikalische Ausnahme)
:300, 400 - tři, čtyři sta
:500, 600, ... - pět, šest, ... set
:1000 - tisíc (jeden tisíc)
:2000, 3000, 4000 - dva, tři, čtyři tisíce
:5000, 6000, ... - pět, šest, ... tisíc
Uhrzeit
Kolik je hodin? - Wie spät ist es?
Je ... (z.B. jedna hodina usw.)
:1 Uhr - jedna hodina
:2, 3, 4 Uhr - dvě, tři, čtyři hodiny
:5, 6, ... Uhr - pět, šest, ... hodin
Preise
Co stojí ...? - Was kostet ... ? (Co to stojí - Was kostet das?)
... stojí jednu korunu. usw.
:1 Krone - jedna koruna
:2, 3, 4 Kronen - dvě, tři, čtyři koruny
:5, 6, ... Kronen - pět, šest, ... korun
Wörter tschechischen Ursprungs
- Pistole: abgeleitet von der Bezeichnung für Feuerwaffen in den Hussitenkriegen, ursprüngliche Bedeutung Pfeife, Rohr (vgl. das heutige Wort píšťala)
- Roboter: künstliche Menschen aus Karel Čapeks sozialutopischem Drama R.U.R. (1921)
- rabotten: abgeleitet von robotovat – fronen, rabotten
- Trabant: als drabant wurden Landsknechte zu Zeiten der Hussitenkriege bezeichnet
In Österreich (Auswahl)
- Tuchent (Federbett): von duchenka
- Buchtel (Dampfnudel): von buchta
- pomadig (langsam, dialektal): von pomalý
- plazen (weinen, dialektal): von plakat (on, ona, ono pláče – er, sie, es weint)
- Trafik (Tabakladen): von trafika
- Kuckeruz (Mais): von sladká kukuřice
Tschechische Wörter deutschen Ursprungs
- kšeft, ksicht: Dialektal aus Bayern von Geschäft, Gesicht.
- umgangssprachlich: švindlovat, vartovat, mašírovat für schwindeln, warten, marschieren. Auch Interjektionen wie au, pšt und no jo sind dem Deutschen sehr ähnlich.
hajzl = Toilette (Dialektal aus Österreich, Bayern). Ich gehe auf das Haisl. = Jdu na hajzl.
Eine Übersicht vieler im Tschechischen noch benutzen Germanismen als kostenlosen Download auf [http://www.tandem-org.de/ www.tandem-org.de] unter "Fremdsprachen".
Weblinks
- Tschechisches Nationalkorpus: Die Prager Karlsuniversität bietet für Forschungszwecke verschiedene, über Internet zugängliche Textkorpora: http://ucnk.ff.cuni.cz (Textsammlung)
- [http://slovnik.seznam.cz/ Wörterbuch zwischen tschechisch und dt / en / it / fr/ es / ru]
- [http://www.slovnik.cz/ Noch ein Wörterbuch, zusätzlich mit Latein]
- [http://archiv.radio.cz/deutsch/gesagt/index.html Eine Einführung in die tschechische Sprache mit Tonausgabe (Realplayer)]
- [http://www.tandem-org.de/seite_108.html Sprachanimation - spielerische Vermittlung des Tschechischen auf www.tandem-org.de]
- [http://www.nj.cz/cestina.htm Tschechisch per Internet]
- [http://www.eki.ee/letter/chardata.cgi?lang=cs+Czech&script=latin alle notwendigen Details zu der tschechischen Schrift, UniCode, HTML, Adobe, ISO, CodePage...]
- [http://www.uebersetzung.at/twister/cs.htm tschechische Zungenbrecher]
- [http://www.bohemica.com/czechonline/conversation/ Online-Kurs mit Sound: Ausspracheregeln, Konversation, Real Audio, engl.]
- [http://archiv.radio.cz/php/parse.phtml?start=/english/language/ Besonderheiten des Tschechischen, 36 Folgen von Radio Prag, Real Audio, engl.]
Kategorie:bohemistik
Kategorie:Einzelsprache
Kategorie:Alphabet
Kategorie:Slawische Sprache
ja:チェコ語
ko:체코어
Große KreisstadtGroße Kreisstadt ist ein Begriff aus dem deutschen Kommunalrecht. In einigen Bundesländern erhalten größere kreisangehörige Städte, die zusätzliche Aufgaben übernehmen sollen oder wollen, einen Sonderstatus, der oftmals mit einem besonderen Titel verbunden ist. Große Kreisstädte müssen allerdings nicht zwingend auch Kreisstädte, also Sitz eines Landratsamtes, sein.
Große Kreisstädte in Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen
In Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen nennt man diese Städte mit Sonderstatus Große Kreisstädte. Sie gehören also weiterhin zum Landkreis, übernehmen jedoch teilweise Aufgaben, die ansonsten der Landkreis für sie erledigen müsste. Die Einwohnergrenze ist unterschiedlich geregelt. In Baden-Württemberg und Sachsen liegt sie bei 20 000, in Bayern bei 30 000 Einwohnern. Hat eine Stadt die betreffende Einwohnerschwelle erreicht, kann sie den Status Große Kreisstadt bei der Landesregierung beantragen. In aller Regel wird diesem Antrag dann auch entsprochen und die Stadt ab einem bestimmten Zeitpunkt zur Großen Kreisstadt erklärt. Bei Gemeinden, die vorher noch kein Stadtrecht hatten, ist diese Erklärung automatisch mit dem Stadtrecht verbunden. Sinkt die Einwohnerzahl wieder unter die bestimmte Einwohnergrenze ab, so behält die Stadt dennoch den Status einer Großen Kreisstadt (z.B. bei Schramberg in Baden-Württemberg).
Baden-Württemberg
Hier gilt eine Einwohnerzahl von mindestens 20.000. Inzwischen haben die meisten der ehemaligen Kreisstädte den Status Große Kreisstadt, weil sie meist durch Eingemeindungen die 20.000-Grenze überschritten haben. Lediglich die heutigen (und ehemaligen) Kreisstädte Künzelsau, Sigmaringen und Tauberbischofsheim sowie die ehemaligen Kreisstädte Buchen (Odenwald), Hechingen, Neustadt im Schwarzwald (heute Titisee-Neustadt), Müllheim (Baden), Münsingen, Bad Säckingen, Bad Saulgau, Stockach, Tettnang und Wolfach sind keine Großen Kreisstädte, weil sie noch weniger als 20.000 Einwohner haben. Ferner gibt es nur eine ehemalige kreisfreie Stadt (Konstanz), die 1953 wieder in den Landkreis Konstanz integriert wurde. Da diese Stadt aber bereits bei Inkrafttreten der Gemeindeordnung 1956 mehr als 20.000 Einwohner hatte, wurde sie bereits damals kraft Gesetzes zur Großen Kreisstadt erklärt.
Es gibt derzeit 89 Große Kreisstädte in Baden-Württemberg (Stand 01. Jan. 2005).
Bayern
In Bayern wurde der Status Große Kreisstadt mit der Kreisgebietsreform am 1. Juli 1972 eingeführt. Am Vortag hatte Bayern noch 48 kreisfreie Städte, von denen 23 ihre Kreisfreiheit verloren und in die umliegenden bzw. neu gebildeten Landkreise eingegliedert wurden, denen man dennoch gewisse Aufgaben überlassen wollte (mit fortgeschriebene Bevölkerung zum 31. Dez. 2004):
mehr als 40000 Einwohner:
#Neu-Ulm (51440)
#Freising (48061)
weniger als 40000 Einwohner:
#Bad Reichenhall (16932)
#Eichstätt (12986)
#Landsberg am Lech (26916)
#Neuburg a.d.Donau (28314)
#Traunstein (18336)
#Deggendorf (31306)
#Neumarkt i.d.OPf. (39582)
#Schwandorf (28148)
#Neustadt b.Coburg (16626) (keine Kreisstadt)
#Forchheim (30581)
#Kulmbach (27604)
#Marktredwitz (18167) (keine Kreisstadt)
#Selb (17211) (keine Kreisstadt)
#Rothenburg ob der Tauber (11331) (keine Kreisstadt)
#Weißenburg i.Bay. (17731)
#Bad Kissingen (21389)
#Kitzingen (21327)
#Dillingen a.d.Donau (18770)
#Günzburg (19715)
#Lindau (Bodensee) (24389)
#Nördlingen (19377) (keine Kreisstadt)
- Dachau (39772, war nicht kreisfrei, wurde wegen der großen Einwohnerzahl jedoch zur Großen Kreisstadt erhoben)
Diese 24 Städte wurden am 1. Juli 1972 "Große Kreisstädte".
Seither sind in Bayern noch folgende Städte zu "Großen Kreisstädten" erhoben worden:
- Dinkelsbühl (11672) am 01. Jan. 1998 (war vorher bereits bis 31. März 1940 kreisfrei) (keine Kreisstadt)
- Donauwörth (18269) am 01. Jan. 1998 (war vorher bereits bis 31. März 1940 kreisfrei)
- Germering (36720) am 01. Okt. 2004 (keine Kreisstadt)
- Fürstenfeldbruck (33471) am 01. Jan. 2006
Somit gibt es in Bayern 28 Große Kreisstädte ab 01. Jan. 2006.
Weitere denkbare "Kandidaten" in Bayern wären folgende Städte:
- Bad Rodach war kreisfrei bis 31. März 1940, hatte am 31. Dez. 2004 aber nur eine Bevölkerung von 6477, wesentlich weniger als Rothenburg ob der Tauber (11331), die kleinste Große Kreisstadt
- Erding (32953)
- Friedberg könnte in absehbarer Zeit die 30 000-Marke überschreiten (29 386 am 31. Dez. 2004) (keine Kreisstadt)
Sachsen
Hier gilt eine Einwohnerzahl von mindestens 20 000. Es gibt jedoch einige Ausnahmen, z.B. Löbau.
#Annaberg-Buchholz
#Auerbach/Vogtl.
#Bautzen
#Bischofswerda
#Borna
#Brand-Erbisdorf
#Coswig
#Crimmitschau
#Delitzsch
#Döbeln
#Eilenburg
#Flöha
#Freiberg
#Freital
#Glauchau
#Hohenstein-Ernstthal
#Kamenz
#Limbach-Oberfrohna
#Löbau
#Markkleeberg
#Meißen
#Oelsnitz
#Oschatz
#Pirna
#Radebeul
#Reichenbach im Vogtland
#Riesa
#Rochlitz
#Schwarzenberg/Erzgeb.
#Sebnitz
#Weißwasser/O.L.
#Werdau
#Wolkenstein
#Wurzen
#Zittau
#Zschopau
Vergleichbare Städte in anderen Bundesländern
Vergleichbare Bezeichnungen aus anderen Bundesländern sind:
- "Große selbständige Stadt" in Niedersachsen
- "Selbständige Gemeinde" in Niedersachsen
- "Große kreisangehörige Stadt" in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Thüringen
- "Mittlere kreisangehörige Stadt" in Nordrhein-Westfalen
- "Mittelstadt" im Saarland
In Hessen gibt es auch sieben Städte mit Sonderstatus, sie haben dort jedoch keine besondere Bezeichnung.
In den anderen Bundesländern sind solche Sonderstatusstädte nicht vorgesehen.
Siehe auch: Kreisstadt, Gemeindearten, Liste der kreisangehörigen Städte mit Sonderstatus in Deutschland
Kategorie:Politische Geographie
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OberlausitzDie Oberlausitz (sorb. Hornja Łužica, lat. Lusatia superior, ist eine Region in Sachsen, in Polen und zu einem kleinen Teil auch im Land Brandenburg. In Sachsen umfasst die Oberlausitz in etwa die Landkreise Kamenz, Bautzen, Löbau-Zittau und den Niederschlesischen Oberlausitzkreis, sowie die beiden kreisfreien Städte Görlitz und Hoyerswerda. In Brandenburg gehört der südliche Teil des Landkreises Oberspreewald-Lausitz zur Oberlausitz (früher Kreis Senftenberg), der Städte wie Ruhland und Ortrand umfasst. Der seit 1945 polnische Teil der Oberlausitz zwischen den Flüssen Neiße und Queis gehört administrativ zur Woiwodschaft Niederschlesien (poln. Dolnośląskie).
Die alte Hauptstadt der Oberlausitz war Bautzen. Größte Stadt des Landes ist das zwischen Deutschland und Polen geteilte Görlitz-Zgorzelec. Ihren Namen hat die Oberlausitz Ende des 15. Jahrhunderts von ihrem nördlichen Nachbarland Niederlausitz bekommen. Ursprünglich wurde nur dieses Lausitz genannt, was sich vom dort lebenden sorbischen Volksstamm der Lusici ableitete. Später wurde der Name auch für das so genannte Land Budissin übernommen. Von da an unterschied man zwischen Ober- und Niederlausitz. Deshalb werden beide Länder zusammen im Plural als die Lausitzen bezeichnet.
Geographie und Natur
Lausitz
Der Norden das Landes wird von der flachen Oberlausitzer Teich- und Heidelandschaft eingenommen. Der mittlere Teil ist hügelig, während der Süden vom Lausitzer Bergland geprägt ist. Die höchsten Erhebungen der Oberlausitz befinden sich im Zittauer Gebirge, einem Teil des Lausitzer Gebirges, welches sich jedoch größtenteils in Tschechien befindet. Die wichtigsten Erhebungen und Berge der Oberlausitz sind: Lausche (793 m), Hochwald (749m), Landeskrone (420 m), Löbauer Berg (448m), Kottmar (583m), Czorneboh (561m), Bieleboh (499m), Valtenberg (587 m) und Mönchswalder Berg (447m).
Mönchswalder Berg
Alle größeren Flüsse der Oberlausitz fließen von Süden nach Norden. Im Westen bildete die Pulsnitz früher die Landesgrenze zu Sachsen. Die Spree nimmt ihren Ausgang ganz im Süden des Landes und fließt durch Bautzen. Die Lausitzer Neiße (poln. Nysa Łużycka) bildet heute die deutsch-polnische Grenze. Sie entspringt im böhmischen Isergebirge, tritt nahe Zittau auf Oberlausitzer Gebiet, durchfließt Görlitz und verlässt das Land bei Bad Muskau in Richtung Niederlausitz. Bad Muskau Die Ostgrenze der alten Oberlausitz wurde vom Queis markiert, der auch an Lauban vorbeiströmt und weiter nördlich auf schlesischem Gebiet in den Bober mündet. Besonders das mittlere offene Hügel- und Gefildeland zwischen Kamenz und Löbau, mit Bautzen im Zentrum war gut für die Landwirtschaft geeignet und ist auch heute noch sehr ertragreich.
Im 19. Jahrhundert wurde in der nördlichen Oberlausitz und im Osten zu beiden Seiten der Neiße und um Hoyerswerda herum Braunkohle gefunden. Besonders der Abbau im Tagebau hat große Teile der alten Kulturlandschaft zerstört. Derzeit wird noch im Tagebau Nochten südlich von Weißwasser und im polnischen Teil bei Turów Kohle gefördert. Viele der alten Braunkohletagebaue wurden seit den 1970er Jahren rekultiviert, wobei besonders nach 1990 besonders viel Wert auf die Neugestaltung der Altindustrielandschaft gelegt wird. Die neuentstandenen und entstehenden Seen werden bereits als "Lausitzer Seenplatte" bezeichnet.
Einwohner
In der Oberlausitz leben heute etwa 800.000 Menschen, 160.000 davon im polnischen Teil östlich der Neiße. Ein Teil des Landes gehört zum Siedlungsgebiet der Sorben. Zwischen Kamenz, Bautzen und Hoyerswerda sprechen etwa 20.000 Menschen Sorbisch. Aber auch die deutsche Bevölkerung vor Ort ist kulturell nicht homogen, die kulturellen Grenzen lassen sich recht gut an den unterschiedlichen Dialektregionen ausmachen. Während im Bautzener Becken ein recht gutes Hochdeutsch gesprochen wird spricht der Süden die Oberlausitzer Mundart, einen alten fränkischen Dialekt, der Osten hingegen kann seine preußische Tradition nicht verleugnen, hier wird teilweise noch Schlesisch gesprochen. Die größte Verdichtung der Bevölkerung weist die deutsch-polnische Doppelstadt Görlitz-Zgorzelec auf. Hier leben zur Zeit 97.000 Einwohner, davon 36.000 im polnischen Teil.
Im deutschen Teil der Oberlausitz nimmt die Bevölkerungszahl seit mehr als zehn Jahren ab. Junge Leute verlassen die Region, weil die Arbeitslosigkeit in Ostsachsen besonders hoch ist. Neben der sich verstärkenden Überalterung der Bevölkerung ist auch die Geburtenrate, wie in ganz Ostdeutschland, sehr niedrig. In Ermangelung von Arbeitsplätzen gibt es in den Oberlausitzer Gemeinden kaum Zuzug von Ausländern.
Auch die polnische Oberlausitz ist abgesehen von Zgorzelec (Görlitz-Ost), Luban (Lauban) und Bogatynia (Reichenau) dünn besiedelt. Das Gebiet gehört zu den strukturschwachen Regionen Polens. Nur das Kohlekraftwerk Turów bietet in größerem Umfang Industriearbeitsplätze.
Geschichte
Ur- und Frühgeschichte
Nach dem gegenwärtigen Stand der ur- und frühgeschichtlichen Forschung lag das Gebiet der Oberlausitz jahrtausendelang abseits der Siedlungsgebiete. Die Jäger der Mittelsteinzeit (bis etwa 8000 v. Chr.) haben das Gebiet nur gestreift. Auch die Kulturen der ältesten Ackerbauern (4500 v. Chr. bis 3300 v. Chr.) haben hier nur geringe Spuren hinterlassen.
In der jüngeren Bronzezeit (11. Jahrhundert v. Chr. bis 9. Jahrhundert v. Chr.) drangen die Träger der Lausitzer Kultur vom Neißetal und von Böhmen her in die bis dahin unbesiedelte Region vor. Funde lassen einen Weg erkennen, der die Siedlungsgebiete um Bautzen und Zittau verbindet. An diesem Weg hat die befestigte Höhensiedlung auf dem Schafberg bei Löbau im 10. Jahrhundert v. Chr. eine besondere Rolle gespielt. Eine weitere bedeutende Höhensiedlung entstand auf dem Felsen über der Spree, wo im weiteren Verlauf der Geschichte die Ortenburg als Herrschafts- und Verwaltungszentrum der Region um Bautzen errichtet wurde.
Mit dem Ausklingen der Lausitzer Kultur endet eine erste große Siedlungsphase. Über mehrere hundert Jahre existierte in der Region wahrscheinlich nur eine geringe Restbevölkerung bis zur Einwanderung slawischer Stämme.
Die Landnahme durch die Slawen setzte seit dem 7. Jahrhundert in den Altsiedellandschaften ein. Im Gebiet zwischen den heutigen Städten Kamenz und Löbau ließ sich der Stamm der Milzener nieder. Ihr Zentrum war die Burgsiedlung an der Stelle der heutigen Ortenburg in Bautzen. Auch im Neißetal hat es schon früh eine slawische Besiedlung gegeben. Die bäuerliche sorbische Bevölkerung errichtete zahlreiche Burgwallanlagen, die einerseits Stammesmittelpunkte und Fluchtburgen, andererseits aber bereits die Wohnsitze des slawischen Adels waren, was auf frühfeudale Entwicklungsansätze hindeutet.
Mittelalter
Die selbständige Entwicklung der Milzener wurde im 10. Jahrhundert durch die Ostexpansion des frühfeudalen deutschen Staates unterbrochen. König Heinrich I. leitete mit seinen Kriegszügen von 921/922 und 928/929 die Periode der militärischen Unterwerfung der Sorben ein. Die Milzener wurden 932 zu Tributzahlungen gezwungen. Nach 936 konnten sie infolge der nach Heinrichs Tod ausbrechenden Spannungen die Fremdherrschaft wieder abschütteln. Erst 939 gelang es König Otto I. die Milzener erneut zu besiegen. Er besetzte alle wichtigen Burgwälle in den Grenzgebieten, ließ sie ausbauen und als Ausgangspunkt für weitere Eroberungen vorbereiten. An die Stelle der Milzenerburgen traten deutsche Burgwarde (1006 erstmals erwähnt) wie zum Beispiel die Ortenburg in Bautzen, oder die Burgen in Doberschau und Göda. Im Jahre 1002 erwähnte Thietmar von Merseburg erstmals die Stadt Bautzen.
Bis in die zweite Hälfte des 10. Jahrhunderts dauerten die Kämpfe fort, erst um 990 konnte Markgraf Ekkehard I. von Meißen die Milzener endgültig unterwerfen. Kirchlich war die Oberlausitz dem 968 gegründeten Bistum Meißen zugeordnet worden. Im Jahr 1007 erhielt das Bistum die erste Schenkung im Milzenerland, die drei Burgen Ostrusna (Ostritz?), Trebista (vermutlich bei Dolgowitz) und Godobi (Göda). Für 1091 ist eine weitere Schenkung an die Meißener Kirche bezeugt. Kaiser Heinrich IV. übereignete ihr fünf weitere Dörfer im Gau Milsca, vier davon südlich von Göda.
Bald wurde die deutsche Feudalherrschaft vom erstarkenden polnischen Feudalstaat bedroht, der sein Expansionsstreben nach Westen richtete. 1002 erzwang Herzog Boleslaw I. Chrobry vom deutschen König Heinrich II. die Belehnung mit dem Gau Milsca. Im Frieden von Bautzen, der am 30. Januar 1018 zwischen den beiden Herrschern nach mehreren wechselhaften und erbitterten Kriegszügen abgeschlossen wurde, verblieben das Milzenerland und die Lausitz (die heutige Niederlausitz) zunächst bei Polen, wenn auch als deutsches Lehen. Erst 1031 kam es nach dem Sieg König Konrads II. über den polnischen Herzog Mieszko II. erneut unter die Herrschaft der Meißener Markgrafen.
1076 übertrug König Heinrich IV. das Bautzner Land Herzog Vratislav II. von Böhmen als Reichslehen, nachdem es wegen seiner Reichsgutpolitik mit dem sächsisch-thüringischen Regionaladel, darunter auch mit dem Meißener Markgrafen, Auseinandersetzungen gegeben hatte. Der Schwiegersohn des böhmischen Herzogs Graf Wiprecht I. von Groitzsch führte von 1084 bis 1108 die Regierung über das Milzenerland selbständig von der Ortenburg aus. Für das Jahr 1144 ist belegt, dass die provincia Zagost, das südöstlich von Görlitz gelegene Gebiet um Seidenberg, Teil des Landes Bautzen war. Auch in dieser Region war das Bistum Meißen mit Besitz ausgestattet worden. Damit hatte das später Oberlausitz genannte Land seine größte Ausdehnung nach Osten schon im 12. Jahrhundert erreicht und der Queis blieb auf die Dauer die Grenze zu Schlesien.
1156 ging Kaiser Friedrich I. Barbarossa ein Bündnis mit dem böhmischen Herzog Vladislav II. ein. Dafür versprach er ihm neben der Königskrone auch die Belehnung mit der Burg und dem Land Budissin; beides wurde zwei Jahre später in die Tat umgesetzt. Damit begann die erste dauerhafte böhmische Periode in der Geschichte der Oberlausitz, die sich für die Entwicklung des Landes als folgenreich erweisen sollte.
Im ersten Jahrhundert der böhmischen Herrschaft entstanden – abgesehen vom älteren Bautzen – alle bedeutenden Städte der Oberlausitz, und auch alle bedeutenden kirchlichen Institutionen des Landes wurden in dieser Zeit gegründet. Bischof Bruno II. richtete zwischen 1213 und 1218 das Kollegiatstift St. Peter in Bautzen ein, das auch von König Přemysl Ottokar I. und seinen Nachfolgern reich dotiert wurde; Königin Kunigunde stiftete 1234 das Zisterzienserinnenkloster St. Marienthal, das 1244 der Diözese Prag unterstellt wurde und Bernhard von Kamenz gründete 1248 das zweite Zisterzienserinnenkloster St. Marienstern.
Durch Rodungen hatten seit etwa 1100 vor allem sorbische Bauern das Kulturland erweitert. In dieser Zeit entstanden neue Orte im Gebiet um Hoyerswerda. Unter den böhmischen Königen intensivierte sich Mitte des 12. Jahrhunderts der Landesausbau in der Oberlausitz, der von den Königen und den Meißener Bischöfen quasi im Wettbewerb betrieben wurde. Deutsche Bauern wurden ins Land geholt; diese rodeten große Waldgebiete und legten zahlreiche neue Dörfer an. Nicht selten wurden auch sorbische Weiler durch deutsche Siedler erweitert. Die neu angesiedelten Bauern waren rechtlich besser gestellt als die alteingesessene Bevölkerung. (Die Masse der sorbischen Bauern waren Hörige und Leibeigene, die Fronarbeit verrichten mussten. So blieb es im Altsiedelland auch nach der deutschen Eroberung). Weil durch Rodung die Herrschaftsgebiete der Adligen erst einen Wert bekamen, erhielten die Kolonisten ihre Bauerngüter als Erbe. Sie mussten nur geringe Zinsen an die Grundherren zahlen und wenige Dienste für sie verrichten. Auch hatten sie mehr Boden zur Verfügung als die Bauern im sorbischen Altsiedelgebiet. Die neuen (meist deutschen) Dorfgemeinden konnten ihre Angelegenheiten außerdem relativ autonom regeln. Insofern sorbische Bauern beim Landesausbau beteiligt waren, genossen sie die selben Rechte wie die deutschen Kolonisten.
Durch Einwanderung aus den westlich der Elbe gelegenen Regionen war mit der Zeit ein eigener oberlausitzer Adel entstanden. Dieser hielt das Land für den König oder den Markgrafen unter Kontrolle und bekam als Gegenleistung Lehen zugewiesen. Der Adel bestand nur aus solchen Lehensleuten, denn nach der Eroberung gehörte das ganze Land dem König. Freie Landherren mit Allodialbesitz, die in Böhmen den größten Teil des Adels ausmachten, gab es im Land Bautzen nicht. Die Entstehung eines Ministerialadels war in der Oberlausitz unmöglich, da es hier zu keiner Zeit eine Hofhaltung des Landesherren und damit auch keine Dienstmannen gegeben hat.
Zwischen 1253 und 1262 waren die Askanier in den Besitz des Landes Bautzen gelangt. Weder der genaue Zeitpunkt der Erwerbung noch die Rechtsform des Besitzes – Lehen, Heiratsgut oder Pfandherrschaft - lassen sich mit Sicherheit feststellen. Mit der Einsetzung von Landvögten als Stellvertreter des Landesherren schufen die Askanier das bedeutendste landesherrliche Amt in der Oberlausitz. Im Prinzip wurden die Befugnisse der Burggrafen und Landrichter aus der böhmischen Zeit in einer Hand vereinigt und sogar noch erweitert. Der Landvogt war als Stellvertreter des Landesherrn der höchste Beamte, er entschied in Lehenssachen, stand dem obersten Gericht vor und war militärischer Oberbefehlshaber. Im Großen und Ganzen blieben die grundlegenden Befugnisse der Landvögte bis nach dem Dreißigjährigen Krieg erhalten, wobei sich in dieser langen Zeit die Verwaltungspraxis öfters änderte.
Während der Herrschaft der Askanier war die von Markgraf Otto IV. 1268 vorgenommene Teilung der Oberlausitz in die Länder Bautzen (Land Budissin) und Görlitz das bedeutendste Ereignis. Die nur bis 1329 reichende Selbständigkeit, die in Gestalt des Herzogtums Görlitz zwischen 1377 und 1396 noch einmal auflebte, hatte dauerhaft zur Zweiteilung der adligen Landesgemeinde und der Verwaltung geführt. Im Land Görlitz wurden fortan eigene Zusammenkünfte des Adels abgehalten und dies blieb auch nach der Wiedervereinigung beider Länder so. Görlitz gewann als Mittelpunkt des östlichen Landesteils rasch an Bedeutung und entwickelte sich zur wirtschaftlich stärksten Stadt der gesamten Oberlausitz.
Nach dem Aussterben der brandenburgischen Askanier 1319 beanspruchten die Fürsten der benachbarten Territorien, darunter auch der böhmische König Johann, die Oberlausitz für sich. Nach der den Oberlausitzer Ständen nahe stehenden historiographischen Tradition haben diese sich „um Schutzes willen, freywillig und ungezwungen König Johanni Lucemburgico ergeben“, was sich aber nicht sicher nachweisen lässt. Jedenfalls wurde der böhmische König 1319 von Kaiser Ludwig IV. mit dem Land Bautzen belehnt, die östliche Landeshälfte fiel dagegen als Heiratsgut an den schlesischen Herzog Heinrich von Jauer, der das Land Görlitz (mit Ausnahme der Gegend um Lauban) 1329 an den böhmischen König abtrat. Im selben Jahr inkorporierte Johann terra et civitas goerlic der Krone Böhmen. Das heißt die Oberlausitz wurde staatsrechtlich eng und dauerhaft mit dem Königreich Böhmen verbunden, ohne dass seine innere Ordnung angetastet worden wäre.
1346 gründeten die fünf königlichen Städte der Oberlausitz und das damals noch böhmische Zittau den Sechsstädtebund. Die vereinigten Kräfte der Städte sollten den Landfrieden sichern und gegen das adlige Raubrittertum vorgehen. Dies war auch im Sinne des Landesherren, Kaiser Karl IV., der die Städte mit zahlreichen Privilegien unterstützte. Die sechs Kommunen konnten sich in der Folgezeit erfolgreich gegen den Adel durchsetzen. Mit ihrer wirtschaftlichen Prosperität stieg auch ihr politischer Einfluss. Sie konnten durch den Ankauf zahlreicher Dörfer in den folgenden 200 Jahren einen bedeutenden Anteil des flachen Landes unter die direkte Herrschaft der Stadträte bringen. Außerdem setzten sie im Rahmen der so genannten Weichbildverfassung ihre Gerichtshoheit auch über große Teile der Ritterschaft und deren Besitzungen durch.
Als in Böhmen Anfang des 15. Jahrhunderts die hussitische Revolution ausbrach, stellte sich die Oberlausitz gegen die tschechische Reformation. Im Bündnis mit Kaiser Sigismund und den Niederlausitzern führte man Krieg gegen die Heere der Hussiten. Kamenz, Löbau, Zittau und Lauban wurden von den Hussiten erobert und verwüstet. Nur die beiden größten Städte Bautzen und Görlitz konnten der Belagerung standhalten. Durch den Krieg lockerten sich die Bindungen der Oberlausitz an die Böhmische Krone und aufgrund der Schwäche des Königtums konnten die Stände des Markgraftums ihre inneren Angelegenheiten weitgehend ohne königliche Eingriffe regeln. In dieser Zeit entwickelte sich der Oberlausitzer Landtag als wichtigstes Instrument ständischer Freiheit.
1469 sagten sich die Oberlausitzer Stände vom böhmischen König Georg von Podiebrad los, weil dieser dem utraquistischen Bekenntnis anhing, das der Papst auch in seiner gemäßigten Form als ketzerisch verurteilt hatte. Die Oberlausitzer erkannten den Gegenkönig Matthias Corvinus von Ungarn an, der alle böhmischen Nebenländer (Mähren, Schlesien und die Lausitzen) unter seine Herrschaft bringen, Böhmen selbst aber nie erobern konnte. Bis zum Frieden von Olmütz (1479) nahmen auch die Oberlausitzer an dem Krieg um die Böhmische Krone teil. Matthias versuchte die Verwaltung seiner Länder effizienter zu gestalten. In Schlesien setzte er deshalb einen Oberlandeshauptmann ein, dem auch die beiden Lausitzen unterstellt wurden. Die Oberlausitzer Stände sahen in dieser Maßnahme eine Gefährdung ihrer Autonomie.
Mit dem Tod von Matthias Corvinus wurde die Oberlausitz 1490 auch real wieder ein Bestandteil des böhmischen Königreiches. Der im Land verhasste Landvogt Georg von Stein, wurde sofort nach dem Tod seines Herren von der Bautzener Ortenburg vertrieben.
Ende des 15. Jahrhunderts hatte sich das politische System des Markgraftums weitgehend gefestigt. Stellvertreter des abwesenden Landesherren war der Landvogt, welcher traditionell aus dem Adel eines der böhmischen Kronländer berufen wurde. Vor 1620 ist lediglich einmal ein Oberlausitzer Landvogt geworden. In Bautzen und Görlitz gab es noch je einen Amtshauptmann. Diese drei Beamten bildeten mit ein paar Sekretären die gesamte königliche Verwaltung.
Machtzentrum des Landes war der ständische Landtag. Schon seit dem 15. Jahrhundert konnten sich Prälaten, Adel und Städte ohne Einwilligung des Königs versammeln und selbstständig Beschlüsse fassen. Damit waren sie (neben dem König) mehr oder weniger Gesetzgeber in der Oberlausitz. Die Macht der Städte hatte bewirkt, dass es nur zwei stimmberechtigte Stände gab: die Städte eben und das Land (bestehend aus Prälaten, Herren und Rittern).
Die Städte hatten weitgehende Gerichtsbefugnisse auch über die Untertanen vieler Ritter und über die Adligen selbst. Höchstes Gericht war das Gericht von Land und Städten, das von beiden Ständen gemeinsam gebildet wurde. Eine dort gefällte Entscheidung war endgültig. An die Gerichte des Königs in Prag durfte nicht appelliert werden.
Zwischen Adel und Städten gab es ständig Konflikte, die im Prinzip drei Themen betrafen: 1. wollte der Adel die Obergerichtsbarkeit der Städte loswerden, 2. stritten beide Stände über die Anteile, die sie jeweils von den landesherrlichen Steuern aufzubringen hatten. 3. wollte der Adel die Aufteilung des Landstands in Herren, Ritter und Prälaten mit jeweils einer separaten Stimme durchsetzen. Bis zum Jahr 1547 konnten die Städte in allen drei Fragen die Oberhand behalten, die böhmischen Könige hatten alle Vorstöße des Adels gegen die Städte zurückgewiesen.
Reformation
Nur wenige Jahre nach Luthers Thesenanschlag in Wittenberg (1517) breitete sich das reformatorische Gedankengut auch in die Oberlausitz aus. In Görlitz, Zittau und Bautzen wurden die ersten evangelischen Predigten 1520 beziehungsweise 1521 gehalten. Der Adel und die Stadträte hatten für die neue kirchliche Bewegung allerdings wenig übrig und versuchten ihre Ausbreitung zu verhindern. Auch der König wandte sich mit scharfen Mandaten gegen die reformatorischen Bestrebungen in den Lausitzen. In Görlitz und Bautzen gaben die städtischen Obrigkeiten aber bald dem Druck der Bevölkerung nach und führten die Reformation in den Jahren 1523 und 1524 offiziell ein. Die Veränderungen hin zum neuen Kirchenwesen wurden aber nur in kleinen vorsichtigen Schritten vollzogen. Insbesondere das Bautzener Kollegiatstift widersetzte sich erfolgreich und blieb auf Dauer katholisch. Insgesamt dauerte es Jahrzehnte, bis sich die lutherische Lehre in den meisten Pfarreien des Landes endgültig durchgesetzt hatte. Das lag daran, dass in der Oberlausitz nicht der Landesfürst die Reformation einführte, sondern alle Ortsobrigkeiten (die Räte der Städte und die adligen Grundherren) für die unter ihrem Patronat stehenden Kirchen die neue Konfession anordneten und somit selbständig über die Hinwendung zum Protestantismus entschieden.
Die Zeit der Habsburgerherrschaft (1526-1635)
Nach dem Tod des böhmischen und ungarischen Königs Ludwig II. in der Schlacht von Mohács wählten die böhmischen Stände Ferdinand I. zum König, der damit auch Landesherr der Oberlausitz wurde. Allerdings hatten die Stände ihn schon vorher als ihren Erbherren anerkannt, weil er der Schwager Ludwigs II. war. Zum Landvogt setzte der neue König Zdislav Berka von Duba ein, der am Prager Hof auch das Amt des Landhofmeisters verwaltete. Zunächst änderten sich die inneren Verhältnisse der Oberlausitz unter neuen Herrschaft nur geringfügig. Nach wie vor bestimmte der Streit zwischen dem Landadel und den Sechs Städten das politische Leben. Die Auseinandersetzungen wurden dabei mit allen Mitteln der Diplomatie geführt. Beide Seiten versuchten den König auf ihre Seite zu ziehen. Ferdinand fällte jedoch widersprüchliche Entscheidungen. So kamen auf Vermittlung der königlichen Beamten 1530 und 1534 in Prag zwei Verträge zustande. Einmal wurden die Städte begünstigt und einmal der Adel. Auf diese Weise konnte kein dauerhafter Ausgleich gefunden werden.
Ferdinands inkonsequente Oberlausitz-Politik war der schwierigen Gesamtsituation geschuldet, in der sich der österreichische Habsburger befand. Einerseits hatte er Konflikte mit den mächtigen utraquistischen Ständen in Böhmen zu bestehen, andererseits brauchte er die Hilfe der Stände aller seiner Länder, um den Türkenkrieg finanzieren zu können. So stiegen auch die königlichen Steuerforderungen stetig, die Ferdinands Kommissare nun beinahe jährlich auf den Oberlausitzer Landtagen vorbrachten. Der König konnte es sich deshalb nicht leisten, die Stände dauerhaft zu verärgern. An einen Ausbau der landesherrlichen Gewalt war unter diesen Umständen nicht zu denken. Auch gegen den immer weiter um sich greifenden Protestantismus konnte der katholische König nicht aktiv eingreifen.
1537 besuchte Ferdinand I. das einzige Mal in seiner langen Regierung die Oberlausitz. Er hielt sich kurz in Bautzen und Görlitz auf und nahm auf der Ortenburg die Landeshuldigung entgegen. Bei dieser Gelegenheit bekamen Land und Städte ihre alten Privilegien bestätigt, so dass die wenige Jahre zuvor ausgehandelten Prager Verträge obsolet wurden.
1546 wurde die Oberlausitz in den Schmalkaldischen Krieg hineingezogen, an dem König Ferdinand auf Seiten seines Bruders Karl V. teilnahm. Während die utraquistischen Stände Böhmens dem König offen den Gehorsam verweigerten und nicht gegen die Protestanten des Schmalkaldischen Bundes ins Feld zogen, verhielten sich Land und Städte der Oberlausitz abwartend. Die mehrheitlich evangelischen Stände sahen sich dann 1547 aber doch genötigt, Ferdinand Geld und Truppen zur Verfügung zu stellen, obwohl der Wittenberger Theologe Johannes Bugenhagen alle Protestanten der böhmischen Länder in seiner "Christlichen Vermahnung" eindringlich aufgefordert hatte, nicht gegen ihre Glaubensgenossen zu kämpfen.
Durch einen Zufall zogen sich die Oberlausitzer Sechs Städte den Zorn König Ferdinands zu. Sie hatten ihre Truppen nur für zwei Monate bewilligt und diese zogen als die Zeit um war aus dem Heerlager an der Elbe ab. Das war nun gerade am Vorabend der Entscheidungsschlacht bei Mühlberg. Der Befehl die Söldner weiter bereitzuhalten hatte die Städte nicht rechtzeitig erreicht.
Als der Krieg gegen die Fürsten des Schmalkaldischen Bundes gewonnen war, lud Ferdinand I. die Vertreter der Sechs Städte nach Prag vor, wo sie sich vor ihm zu verantworten hatten. In einer Art Schauprozess wurden die Städte verurteilt und verloren all ihre Privilegien sowie ihren gesamten Landbesitz. Überdies mussten sie die enorme Summe von 100.000 Gulden Strafe an den König zahlen. Dieses Ereignis ging als der Oberlausitzer Pönfall in die Geschichte ein. Die große Macht der Städte war gebrochen, von nun an hatten sie kein Übergewicht über den Landstand mehr. Die folgenden Jahre waren von den Anstrengungen der Städte gekennzeichnet, alte Positionen zurückzugewinnen. So wurden zahlreiche Landgüter, die man im Pönfall an den König abgetreten hatte, zurückgekauft und zahlreiche alte Privilegien bei der Prager Hofkanzlei erneut erworben. Seit 1560 konnten alle sechs Städte ihre Räte und Richter wieder selbst einsetzen. Im selben Jahr einigten sich die Stände mit dem König auf die so genannte Abhandlung. In diesem Dokument wurden die umfangreichen Rechte der Stände festgeschrieben und von Ferdinand I. offiziell anerkannt.
Im Jahr 1562 erteilte Ferdinand I. den Ständen die so genannte Obergerichtsgnade. Seitdem hatte der gesamte Adel und auch wieder die Städte die vollständige Gerichtsgewalt über ihre Untertanen. Damit kamen die von Ferdinand vorgenommenen Änderungen an der Oberlausitzer Landesverfassung zum Abschluss. Der um die Mitte des 16. Jahrhunderts geschaffene Zustand blieb im Großen und Ganzen unverändert bis 1815 in Kraft und bestimmte das Verhältnis der Stände untereinander und auch zu ihrem Landesherren. Bereits 1544 hatte der Kaiser in der nach ihm benannten Decisio Ferdinandea dem Adel das Privileg des Vorritts zugestanden und die Rechte der großen Oberlausitzer Herrschaften Muskau, Seidenberg und Hoyerswerda definiert. 1548 wurde das neu geschaffene Prager Appellationsgericht als letzte Berufungsinstanz für die Oberlausitzer Gerichtsbarkeit festgeschrieben und ein Jahr später wurde mit der Landeshauptmannschaft ein wichtiges neues Amt geschaffen. Der Landeshauptmann sollte die königlichen Rechte - vor allem in Bezug auf die Steuern und Abgaben - durchsetzen. Er wurde immer aus dem einheimischen Adel berufen und unterstand der Böhmischen Kammer in Prag.
1549 wurde mit Christoph von Dohna zum ersten Mal ein einheimischer protestantischer Adliger zum Landvogt berufen. Der Besitzer der Herrschaft Königsbrück machte sich aber in kurzer Zeit beim Adel und den Städten unbeliebt, weil er korrupt war und die Gerichte nicht ordnungsgemäß verwaltete. Die Stände verklagten Dohna deshalb beim König in Prag (die Klageschrift umfasste über 100 Punkte), aber noch vor dem Ende des Prozesses starb der Landvogt (1560) und bis zum Dreißigjährigen Krieg wurden nach alter Tradition nur noch böhmische oder schlesische Adlige zu Landvögten in Bautzen berufen.
Seit den fünfziger Jahren kam es zu einer Stabilisierung der im Lande übrig gebliebenen katholischen Institutionen. Dies war im wesentlichen der Politik des 1559 ins Amt gekommenen Bautzener Domdekans, Johann Leisentrit zu verdanken. Kaiser Ferdinand hatte ihn zum Kommissar für Religionssachen in den beiden Lausitzen ernannt. Leisentrit war damit nominell die kirchliche Obrigkeit für Katholiken und Protestanten. Er nutzte diese Stellung, um die noch vorhandenen katholischen Pfarreien für seine Konfession zu erhalten, verhielt sich aber sonst den Evangelischen gegenüber tolerant. Als Kaiser Maximilian II. 1564 auch in der Oberlausitz die Nachfolge seines Vaters antrat, gestattete er den Ständen erstmals offiziell die Confessio Augustana. Diese Zusicherung wurde auch von seinen Nachfolgern bei den Landeshuldigungen immer wieder neu gegeben.
Bildung und Kultur nahmen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts einen Aufschwung. In den Städten Görlitz, Zittau und Bautzen wurden Gymnasien gegründet, die nicht nur von Bürgersöhnen sondern auch von den Söhnen des Oberlausitzer und zunehmend auch des böhmischen und niederschlesischen Adels besucht wurden. Auch in den anderen Städten Löbau, Kamenz, Lauban und selbst in kleineren Landstädten wurden die Schulen ausgebaut. Bautzen wiederum erhielt als Druckort zumindest regionale Bedeutung. Der Görlitzer Bürgermeister Bartholomäus Scultetus erstellte Ende des 16. Jahrhunderts die erste Landkarte der Oberlausitz.
Ende des 16. Jahrhunderts verschärften sich in Europa und nicht zuletzt auch in Böhmen die konfessionellen Konflikte. In den Ländern der böhmischen Krone war dies einmal den Fortschritten der Gegenreformation geschuldet, die der päpstliche Nuntius in Prag, der dortige Erzbischof und der Bischof von Olmütz, besonders aber die Jesuiten langsam erzielten. Der andere Grund bestand im Erstarken des nicht in den Augsburger Religionsfrieden einbezogenen Calvinismus. In den böhmischen und österreichischen Ländern war der religiöse Konflikt zusätzlich von der Auseinandersetzung um die Macht im Staat überlagert. Sollte diese vornehmlich bei den mehrheitlich protestantischen Ständen oder aber ganz in der Hand des Kaisers liegen? Obwohl in der Oberlausitz die Stände das politische Übergewicht hatten und die Religionsfrage im Großen und Ganzen geklärt schien, wurde auch das kleine Markgraftum von den politischen Unruhen im benachbarten Böhmen angesteckt. Die protestantische Mehrheit war besorgt, dass die Gegenreformation auch auf die Oberlausitz übergreifen könnte und die katholischen Domherren in Bautzen waren längst nicht mehr so kompromissbereit und entgegenkommend wie zur Ära Leisentrit.
Anfang des 17. Jahrhunderts verschlechterten sich die Beziehungen der Stände zum damaligen Landesherren Rudolf II.. Man war unzufrieden wegen der stetig steigenden Steuerforderungen wegen der Türkenkriege, denn der Kaiser konnte dabei keine greifbaren Erfolge erzielen. Schon die Schaffung des Amts eines Kammerprokuratoren (dieser sollte die finanziellen Ansprüche des Landesherrn besser durchsetzen) im Jahr 1595 hatte das Missfallen der Stände erregt. Gemeinsam mit den Schlesiern beschwerte man sich außerdem über die Böhmische Hofkanzlei und verlangte die Einrichtung einer eigenen Kanzlei für die deutschsprachigen Nebenländer der Krone Böhmen.
Nachdem die Protestanten Schlesiens und Böhmens dem durch den habsburgischen Bruderzwist geschwächten Kaiser 1609 Majestätsbriefe abgetrotzt hatten und damit landesrechtlich anerkannt waren, wollten auch die Oberlausitzer solch eine Urkunde erlangen. Ihre Bemühungen blieben aber erfolglos. Auch Kaiser Matthias, der Rudolf II. 1611 auf dem böhmischen Thron nachfolgte, verweigerte den protestantischen Oberlausitzern den Majestätsbrief. Dies war einer der wichtigsten Gründe, dass sich die Oberlausitz 1618/19 nach dem Prager Fenstersturz dem böhmischen Ständeaufstand anschloss.
Als die Unruhen in Böhmen begannen, verhielten sich die Oberlausitzer Stände zunächst passiv. Sie ignorierten die dringenden Aufforderungen der Böhmen, sie im Krieg gegen die Habsburger zu unterstützen. Erst nach dem Tod Kaiser Matthias im März 1619 änderten sie ihre Politik. Sie traten der Böhmischen Konföderation bei und waren an der Absetzung Ferdinands II. und der Wahl Friedrich V. von der Pfalz zum König von Böhmen beteiligt. Ziel der protestantischen Stände des Markgraftums war es, die Oberlausitz zu einem vollständig protestantischen Land zu machen. Sie wollten das katholische Bautzener Domstift beseitigen, in den wenigen noch katholischen Orten protestantische Pfarrer einführen und endlich eine eigene Landeskirche gründen. Das militärische Risiko und die damit verbundenen Kosten für die Aufstellung von Truppen für den durch die katholische Liga bedrängten Winterkönig trugen sie allerdings nur ungern und als der Krieg auf die Oberlausitz übergriff, waren sie nicht in der Lage, wirksamen Widerstand zu leisten. Ohne größere Kampfhandlungen konnte der mit Ferdinand II. verbündete Kurfürst Johann Georg von Sachsen zwischen September 1619 und Januar 1620 die Oberlausitz besetzten.
Für seine militärische Hilfe gegen die aufständischen böhmischen Länder war dem sächsischen Kurfürsten vom Kaiser finanzielle Entschädigung zugesagt worden. Wenn nicht bezahlt wurde, sollten die Lausitzen als Pfand an den Wettiner übergeben werden. Ferdinand II. konnte nicht zahlen und musste 1623 die Pfandschaft über beide Markgraftümer einräumen. Die Übergabe wurde im so genannten Immissionrezess geregelt. Dadurch entging die Oberlausitz der kaiserlichen Gegenreformation, die in den zwanziger Jahren des 17. Jahrhunderts in Böhmen und Mähren zum Verbot der protestantischen Bekenntnisse und Kirchen führte. In der Folgezeit kamen viele Glaubensflüchtlinge aus Böhmen in die Oberlausitz. Sie siedelten sich vor allem in Zittau und den benachbarten Weberdörfern im Lausitzer Bergland an und sorgten dort durch ihren Gewerbefleiß für einen wirtschaftlichen Aufschwung.
Die Landesherren der Oberlausitz 1526-1635
Die Oberlausitz bis zur Teilung 1815
In der Schlacht bei Bautzen am 20./21. Mai 1813 konnte Napoleon seinen letzten größeren Sieg erringen.
Sächsische und preußische Oberlausitz (1815-1945)
Auf dem Wiener Kongress (1815) musste das Königreich Sachsen große Gebietsverluste zu Gunsten Preußens hinnehmen. Unter anderem musste auch die Hälfte der Oberlausitz mit Görlitz abgetreten werden. Die Oberlausitzer Stände hatten bis zu letzt versucht, die Teilung des Landes zu verhindern. Unter anderem hatten sie sich mit einer Bittschrift an den österreichischen Kanzler Metternich gewandt. Jedoch blieb diese Initiative ohne Erfolg. Die neue Grenze durchschnitt das Land von Nordwesten nach Südosten. Sie verlief südlich von Ruhland und Wittichenau in Richtung Reichenbach (Oberlausitz), traf südlich von Görlitz auf die Neiße und verlief entlang der Wittig bis zur böhmischen Grenze. (Alle hier genannten Orte fielen an Preußen.) Die willkürlich gezogene Grenze zerschnitt eine in 800 Jahren gewachsene politische, wirtschaftliche, kulturelle und kirchliche Einheit: Von den Sechs Städten gehörten nunmehr zwei (Görlitz und Lauban) zum preußischen Staat. Die Wirksamkeit der alten Oberlausitzer Ständeversammlung blieb auf das sächsische Rest | | |