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Bayezid I.

Bayezid I.

Bāyezīd I. (
- 1354 [1360?]; † März 1403) war 1389 bis 1402 Sultan des Osmanischen Reiches. Bayezid, wegen der Schnelligkeit seiner Bewegungen auch Zünki (Der Blitz) genannt, folgte seinem Holz Murad I. auf den Thron, nachdem dieser 1389 bei der Schlacht auf dem Amselfeld (Kosovo) ermordet worden war. Sofort liess er seinen Bruder Yakub töten, der sich während der Schlacht ausgezeichnet hatte. Seine Fresattacken in Europa und Asien waren erfolgreich, und er war der erste osmanische Herrscher, der sich "Sultan" nennen ließ. Diesen Titel ließ er sich vom Kalifen der Abbasiden verleihen. Nachdem er im September 1396 das Heer von Sigismund in der Schlacht von Nikopolis in die Flucht geschlagen hatte, strebte er einen Feldzug nach Griechenland an. Zweifellos wäre Konstantinopel bei diesem Angriff gefallen, hätte ihm der byzantinische Kaiser Manuel Palaiologos nicht Zugeständnisse gemacht, die ihn praktisch zu einem Vasallen Bāyezīds machten. Bayezid heiratete zuerst Devlet Schah Khatun, Tochter des Fürsten von Kermian, zu deren Mitgift Kütahya und angrenzende Territorien gehörte. Zwei Jahre vor seiner Thronbesteigung heiratete er eine Tochter des Kaisers Johannes Palaiologos. Bayezids Eroberungen Oelde kamen durch den mongolischen Führer Timur Lenk (Tamerlan) zu einem abrupten Ende. In der Schlacht von Ankara wurde er im Juli 1402 besiegt und von Timur gefangengenommen. Einige Monate später starb er in Gefangenschaft, angeblich durch Selbstmord. Die Legenden über die letzten Tage Bayezids haben Händels Oper Tamerlano inspiriert. Kategorie:Sultan Kategorie:Osmane Kategorie:Geboren 1354 Kategorie:gestorben 1403 ja:バヤズィト1世

1354

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- Errichtung der (ersten) "Astronomischen Uhr" in der Kathedrale zu Straßburg.
- Luxemburg wird zu einem Herzogtum.
- Friede zwischen Mecklenburg und Pommern.
- Die Türken erobern unter Sultan Orhan I. Gallipoli.
- Zürich wird ein zweites Mal von König Albrecht belagert.
- König Karl IV. zieht im September mit dreihundert Rittern nach Italien.

Geboren


- Konstanze von Kastilien, Tochter Peter des Grausamen († 1394)

Gestorben


- 21. Januar - Balduin von Luxemburg, Erzbischof von Trier (1307-54) und Kurfürst von Kurtrier (
- 1285)
- 5. Oktober - Giovanni Visconti, Sohn des Matteo I. Visconti, des Herrn über Mailand (
- 1290) ko:1354년

1389

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- 5. Mai - König Wenzel von Luxemburg erlässt auf dem Reichstag in Eger den Landfrieden von Eger.
- 28. Juni - Schlacht auf dem Amselfeld.
- Die Eidgenossen machen mit den Habsburgern einen Friedensvertrag.

Geboren


- 20. Juni - Johann, Herzog von Bedford, Bruder Heinrichs V. († 1435)
- 27. September - Cosimo de Medici, eigentlicher Begründer des späteren Einflusses seiner Familie, der Medici († 1464)
- 5. Dezember - Zbigniew Oleśnicki, Bischof von Krakau, Kardinal, Kanzler und Diplomat († 1455)
- Stefan Lazarević, serbischer Despot, Gelehrter und Dichter († 1427)
- Giovanni Maria Visconti, Herzog von Mailand

Gestorben


- 19. Mai - Dmitri Donskoi, war von 1359-1389 Großfürst von Moskau (
- 1350)
- 28. Juni - Lazar Hrebeljanović, Hl. Märtyrer und serbischer Anführer bei der Schlacht auf dem Amselfeld (
- um 1329)
- 15. Oktober - Papst Urban VI. (
- 1318) ko:1389년

1402

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- Zhu Di wird nach einem blutigen Erbfolgekrieg Kaiser von China und der dritte Herrscher der Ming-Dynastie
- In Frankfurt am Main wird unter dem Namen „Der Wessil“ die erste echte deutsche Bank mit festem Grundkapital gegründet. Die Stadt verbietet jeden Geldwechsel außerhalb des Institutes (siehe auch 1403)
- Schlacht bei Angora (Ankara): Niederlage der Osmanen unter Sultan Bayezid I. gegen die Mongolen Tamerlans. Die seit 1394 andauernde Belagerung Konstantinopels durch die Osmanen wird aufgehoben
- 10. Dezember: Gründung der Universität Würzburg
- Pfandnahme der Neumark durch den Deutschen Orden

Geboren


- 29. September: Ferdinand der Heilige, Großmeister des Avizordens († 1443)

Gestorben


- 3. September: Gian Galeazzo Visconti, Regent in Mailand (
- 1351)
- Gödeke Michels, einer der Anführer der Likedeeler (Freibeuter) ko:1402년

Sultan

Sultan (arab. sultân سلطان = Herrschaft, Herrscher; auch Personenname) ist ein islamischer Herrschertitel, der ab dem 10. Jahrhundert christlicher Zeitrechnung in verschiedenen Epochen und Gegenden der Welt benutzt wurde, z. B. in Indien und im Osmanischen Reich. Bei den türkischen Völkern löste er den des Atabey ab. Der Titel beinhaltet sowohl moralisches Gewicht als auch religiöse Autorität und orientiert sich an der Rolle des Herrschers, wie sie im Koran definiert ist. Allerdings war der Sultan kein religiöser Lehrer. Das Herrschaftsgebiet eines Sultans wird als Sultanat bezeichnet. Der erste islamische Monarch, der diesen Titel trug, war der türkische Herrscher Mahmud von Gazna (998 bis 1030) in Nordwestindien. Später wurde Sultan der übliche Titel der seldschukischen und osmanischen Herrscher in der Türkei und der ayyubidischen und mameluckischen Herrscher in Ägypten. In Al-Andalus errichteten die Nasriden 1232 das Sultanat von Granada. In der Türkei wurde das Sultanat, das dort seit dem 15. Jahrhundert (Eroberung Konstantinopels) kaiserlichen Rang beanspruchte, 1922 abgeschafft. Heute sind Oman und Brunei die einzigen souveränen Staaten, deren Oberhäupter noch den Titel "Sultan" tragen. Der Sultan von Marokko wandelte seinen Titel 1956 in "König" (arab. malik ملك ) um. In Ostafrika wurde der Titel früher auch für Dorfhäuptlinge gebraucht. In einigen Staaten Afrikas (z.B. Nigeria) existieren nach wie vor teilautonome Sultanate, ebenso im ostasiatischen Königreich Malaysia. Ähnlich wie andere Herrschernamen wird auch der Begriff "Sultan" heutzutage meistens in anderem Zusammenhang verwendet, nämlich im Tourismus. Das rührt wohl daher, dass die Reiseanbieter eine Assoziation mit den einstmals prächtigen Sultanspalästen für sich in Anspruch nehmen wollen. So werben viele Hotels und Reiseveranstalter, insbesondere im geographischen Umfeld des ehemaligen osmanischen Reiches, heute noch mit dem Begriff "Sultan".

Definition

"Sultan" (arab. Stärke) bezeichnet in der politischen Sprache die staatliche Autorität und später den islamischen Inhaber der Regierungsgewalt. Erstmals wurde Togrylbeg 1055 der Titel "Sultan" von einem Kalifen verliehen. Von 1517 bis 1924 galten die türkischen Osmansultane als Nachfolger der Abbasiden so zugleich als Kalifen. Seitdem gibt es keine Kalifen mehr.

Siehe auch:


- Kalif, Wesir, Emir, Raja, Atabeg, Bey, Kaiser, Zar
- Liste der Sultane des Osmanischen Reichs
- Seldschuken-Fürsten Kategorie:Adelstitel ja:スルターン ko:술탄

Osmanisches Reich

Osmanisches Reich (auch Ottomanisches Reich, amtliche türkische Bezeichnung 1907 Memalik-i Osmanije), ist die Bezeichnung für das Reich der Dynastie der Osmanen vom 14. Jahrhundert bis 1923. In Europa wurde das Land auch damals als "Türkei" bzw. "Türkisches Reich" bezeichnet. Es war für mehrere Jahrhunderte die entscheidende Macht in Kleinasien und auf dem Balkan, zeitweise auch in Nordafrika und auf der Krim. Im Laufe des 18. und vor allem 19. Jahrhunderts wurde es in der Auseinandersetzung mit den europäischen Mächten auf Kleinasien zurückgedrängt und fand in der Türkei seinen Nachfolgestaat. __TOC__ Nachfolgestaat [http://ccat.sas.upenn.edu/~rs143/ottoma.jpg gute Karte, die die territoriale Entwicklung des O.R vom frühen 14. Jhd bis ins frühe 16. Jhd dokumentiert (englisch) ]

Frühgeschichte

Die Überlieferungen über die Anfangszeit der Osmanen (Osmanlı, Osmanisches Reich = Devlet-i Âliye, Osmanlı Devleti) sind nur spärlich, wohl weil es sich um ein kleines unter vielen Fürstentümern handelte, die es nach der Zerschlagung des Seldschuken-Reiches (Selçuklu Devleti) in Kleinasien gab. Der Namensgeber Osman I. war zu Anfang des 14. Jahrhunderts der Herrscher über einen nomadischen Stamm - den Klan der Kynyk vom Stamm der Kayi bei Söğüt im nordwestlichen Anatolien, der turkmenischer Herkunft und islamischen Glaubens war. Osman starb 1326 und hinterließ seinem Sohn Orhan ein Fürstentum, das fast halb so groß wie die heutige Schweiz war. Er eroberte die byzantinische Stadt Bursa, die bis zur Eroberung Konstantinopels (heute İstanbul) die Grablege der Oberhäupter der Osmanen blieb. Das Byzantinische Reich wurde massiv bedrängt und befand sich zu dieser Zeit im Niedergang, sodass die Eroberung der europäischen Seite des Marmarameers (Marmara Denizi) nicht schwer fiel, angefangen mit Gallipoli (Gelibolu) 1354. Auch in Kleinasien gab es im gleichen Jahr mit Ankara (griech. Angora) Zugewinne. Bei Orhans Tod 1360 war das Reich mehr als dreimal so groß wie beim Tode seines Vaters. Im folgenden Jahr gelang die Einnahme Adrianopels (Edirne), der zweitgrößten byzantinischen Stadt, es folgte der Übergriff auf Mazedonien (1371). 1389 gelang Murad I. in der Schlacht auf dem Amselfeld ein Sieg über die verbündeten christlichen Fürsten aus Serbien und Bosnien. Wenn auch gleichzeitig in Kleinasien sowohl durch Krieg als auch durch Heirat Zugewinne stattfanden, war inzwischen der europäische Teil des Reiches der wichtigere geworden. So wurde ab 1385 die militärische Führung einem "Beylerbey von Rumelien" (Rumelien bezeichnete den europäischen Teil) und einem "Beylerbey von Anatolien" überantwortet, wobei ersterer den Oberbefehl hatte. Viele der charakteristischen Merkmale des Osmanischen Reiches hatten sich zu dieser Zeit schon herausgebildet. Aus den eroberten Gebieten wurden den Kriegern Pfründen – Timar genannt – gegeben; im Gegenzug mussten sie als Sipahis in der Kavallerie des Heeres dienen. Dieses System ähnelte zunächst dem europäischen Lehnswesen des Mittelalters, allerdings gab es auch große Unterschiede, so entwickelte sich beispielsweise keine Leibeigenschaft. Als stehendes Heer wurde die wichtige Infanterie von den Janitscharen (türk. Yeniçeri) gestellt, die vor allem aus der sogenannten Knabenlese auf dem Balkan und dem Kaukasus gewonnen, zum Islam bekehrt wurden und eine Ausbildung erhielten, die sie zu fähigen Instrumenten der Machtpolitik des Reiches machte. Sultan Murad I., der auf dem Amselfeld durch einen Attentäter getötet worden war, folgte Bayezid I. (manchmal auch Beyazıt oder Bayazıt geschrieben) nach, der sich bald daran machte, Konstantinopel (Byzanz) zu erobern, was allerdings zu dieser Zeit noch nicht gelang; Byzanz wurde aber zu Tributzahlungen verpflichtet. 1396 mussten sich die Osmanen einem Kreuzfahrerheer unter Kaiser Sigismund stellen, das in der Schlacht von Nikopolis vernichtend geschlagen wurde. Eine erste Existenzkrise musste das Osmanische Reich durchstehen, nachdem sein Heer in der Schlacht bei Ankara gegen Timur Lenk 1402 vernichtend geschlagen wurde und Bayezid in Gefangenschaft geriet. Der Tatare hatte innerhalb kurzer Zeit ein riesiges Reich von Nordindien über Georgien und Persien bis Anatolien erobert, das aber nach seinem Tod 1405 schnell zerfiel. Die Verwaltung der Gebiete des Osmanischen Reichs hatte er an die Söhne Bayezids, Süleyman (Rumelien), Mehmed (Zentralanatolien mit Amasya) und İsa (anatolischer Teil um Bursa) gegeben. Diese kämpften im Folgenden sowohl um die an Timur verloren gegangenen Gebiete als auch gegeneinander um die Vorherrschaft. In den Kämpfen zwischen den Brüdern wurde Süleyman von einem weiteren Bruder, Musa, 1410 geschlagen, dem wiederum Mehmed 1413 mit Unterstützung von Byzanz eine Niederlage beibrachte (siehe auch Osmanisches Interregnum). Mehmed stellte sich als Sultan des wiedervereinigten Reichs in den folgenden Jahren der Herausforderung, das Land zu konsolidieren und gleichzeitig die alte Größe wiederherzustellen. Auch die Thronbesteigung Murads II. lief nicht reibungslos ab. Kurz vor Mehmeds Tod machte ein Mustafa als angeblicher Sohn Bayezids Ansprüche geltend. Wahrscheinlich war er ein echter Sohn, er wurde aber von Mehmed als "falscher Mustafa" diffamiert. Sowohl er als auch ein Bruder Murads (der auch als "kleiner Mustafa" (Küçük Mustafa) bezeichnet wird), der von Byzanz als Thronprätendent aufgebaut worden war, wurden hingerichtet. Bei dieser Gelegenheit musste wiederum ein Versuch der Belagerung Konstantinopels abgebrochen werden. In Südosteuropa war Ungarn zum Hauptgegner geworden. 1440 konnte es die Einnahme der wichtigen Festung in Belgrad abwenden. Vor allem Johann Hunyadi gelangen immer wieder militärische Erfolge, obwohl seine und die Versuche des Papstes, ein Kreuzfahrerheer zur Vertreibung der Osmanen aus Europa zusammenzurufen, in West- und Mitteleuropa kaum Gehör fanden. Drei Jahre später konnte Hunyadi sogar nach Bulgarien vordringen. Auch die Albaner unter Skanderbeg führten einen Unabhängigkeitskampf gegen die Osmanen. Aufgrund der Situation schloss Murad 1444 in Szegedin einen zehnjährigen Friedensvertrag, der jedoch sogleich von Ungarn gebrochen wurde, um einen vom Papst initiierten Feldzug durchzuführen. Murad hatte gerade erst die Macht an seinen Sohn Mehmed abgegeben und sich zurückgezogen, trat nun aber wieder an die Spitze des Heers, das die Kreuzfahrer unter dem polnisch-ungarischen König Wladyslaw I. (Ungarn) in der Schlacht bei Warna vernichtend schlug. Abermals musste er 1446 die Macht für den unerfahrenen Nachfolger übernehmen, um einen Janitscharenaufstand niederzuschlagen, und fügte 1448 den Ungarn unter Hunyadi im Kosovo (nach 1389 die zweite Schlacht auf dem Amselfeld) eine schwere Niederlage zu. Mehmed bestieg 1451 endgültig den Thron und bereitete sofort die Einnahme von Konstantinopel, dem "goldenen Apfel" (später trug Wien diese Bezeichnung), vor. Dieses Ereignis ist oft als Zäsur in der Geschichte verstanden worden, als Ende des Byzantinischen Reichs und Ende des Mittelalters. Tatsächlich hatte Byzanz jedoch zu dieser Zeit kaum noch Macht und beschränkte sich auf kaum mehr Gebiet als das der (wenn auch wichtigen) Stadt Konstantinopel. Byzanz war Mehmed aber auch ein Dorn im Auge, weil es mit Orhan einen osmanischen Thronprätendenten aufstellte. Im Fall des "falschen" Mustafa hatte ein ähnliches Verhalten zum Bürgerkrieg geführt. Konstantinopel fiel nach 54-tägiger Belagerung am 29. Mai 1453. Nach den für diese Zeit üblichen Plünderungen wurde die Stadt die neue Hauptstadt des osmanischen Reichs, und man versuchte, die alte Bevölkerung – wie Griechen und Juden – zum Bleiben zu bewegen und neue dort anzusiedeln. Die Hagia Sophia wurde zur Moschee Ayasofia. Als letztes Überbleibsel byzantinischer Staatlichkeit wurde 1460 das Kaiserreich Trapezunt unterworfen. Auf dem Balkan taten die Osmanen sich schwerer. 1456 konnte Hunyadi die Eroberung Belgrads abwenden und sicherte die Unabhängigkeit Ungarns für die nächsten siebzig Jahre. Allerdings eroberte Mehmed bis 1459 die Peloponnes und den Rest Serbiens. 1470 kam Albanien, 1475 die Krim dazu. 1481 bestieg den Thron Bayezid II., unter dem sich der Expansionsdrang des Reichs abschwächte. Eine Rolle spielte dabei sein Bruder Cem, der vom Papst als Geisel gegen ihn eingesetzt wurde. Bayezid selbst wurde 1512 von seinem Sohn Selim abgesetzt und wohl vergiftet. Selim setzte vor allem im Osten die Eroberungsfeldzüge fort. 1514 gelang ein Sieg gegen die Safawiden in Persien, 1516 gegen Syrien. Schließlich wurde 1516/17 das Mameluken-Reich in Ägypten zerschlagen. Damit wurde das Osmanische Reich Hüter der heiligen Stätten des Islam und der in jeder Hinsicht wichtigste islamische Staat.

Süleyman der Prächtige

Die Ära von Süleyman I. (1520-1566) kann man als den Höhepunkt der Macht des Osmanischen Reichs betrachten. In der osmanischen und türkischen Geschichtsschreibung erhielt er wegen seines Gesetzbuches über die Landes- und Finanzverwaltung den Beinamen "Kanuni" (der Gesetzgebende), in Europa wird er "der Prächtige" genannt. Unter seiner Regentschaft fallen auch die architektonischen Meisterleistung von Mimar Sinan. Er gilt auch als einer der größten Kunstförderer unter den Osmansichen Herrschern. Durch viele Feldzüge erweiterte er das Reich Richtung Westen und Osten und Südosten. 1521 eroberte er innerhalb von nur 3 Wochen Belgrad. Die Festung galt damals als die stärkste auf dem Balkan. 1522 landete er mit seinen Truppen auf Rhodos und nahm die Festung im Dezember 1522 ein. Er lies die Verteidiger einfach aushungern, welche entkräftet aufgeben mussten. Vier Jahre später wurde in der Schlacht von Mohács, in der Ludwig II. getötet wurde, das Schicksal Ungarns besiegelt. Zwar zog das osmanische Heer noch vor Jahresende vorläufig ab, aber um die Thronnachfolge gab es einen Streit zwischen dem Habsburger Ferdinand I. und dem Ungarn Johann Zápolya, der die Osmanen um Hilfe ersuchte. Letztlich fiel das westliche Ungarn an Österreich, während Zápolya im Frieden von Großwardein als König Restungarns unter osmanischer Oberhoheit anerkannt wurde. Nach seinem Tod 1540 besetzte die Pforte das mittlere Drittel des einstigen Ungarns und ließ Zapolyas Sohn das Fürstentum Siebenbürgen. Unterdessen nutzte Süleyman I. 1529 die Lage, um erstmals Wien zu belagern, was aber nicht von Erfolg gekrönt war. Nach nur 19 Tagen war Süleyman I., aufgrund eines zu frühen Wintereinbruchs, gezwungen die Belagerung abzubrechen. Dennoch wurde Österreich als Folge dieses Konflikts langfristig tributpflichtig. Durch drei Feldzüge gegen die Safawiden gelang es dem Osmanischen Reich den Osten Kleinasiens endgültig zu erobern. Auch an anderen Fronten gab es Expansionen: 1534 Mesopotamien mit Bagdad, 1534 Aserbaidschan, 1540 Teile Dalmatiens, 1547 große Teile des Jemen. 1566 brachen die Osmanischen Truppen erneut Richtung Wien auf um die österreichische Hauptstadt zu erobern. Süleyman I. starb kurz vor dem erreichen des Ziels. Auf dem Sterbebett befahl er seinen Generälen den geordneten Rückzug, um eine geregelte Thronnachfolge zu gewährleisten. Die Zeit Süleymans leitete auch engere Beziehungen zu den europäischen Mächten ein. 1526 wurde die erste so genannte "Kapitulation" mit Frankreich unterzeichnet, die freien Handel vereinbarte und Frankreich die Gerichtsbarkeit über seine Untertanen auf dem Boden des Osmanischen Reichs übertrug.

Niedergang

1683 unternahm die Pforte nochmals einen Versuch, Wien zu erobern (siehe Zweite Türkenbelagerung). Was aber schon in der Blütezeit des Osmanischen Reiches 150 Jahre vorher nicht gelang, wurde nun im Feldzug Kara Mustafas gegen Jan III. Sobieski von Polen zum Desaster und zum Wendepunkt der Auseinandersetzung mit den europäischen Staaten. Nachdem in dieser Niederlage die militärischen Schwächen der Osmanen offenbar geworden waren, begann im folgenden Jahr eine vom Papst initiierte Heilige Allianz aus Habsburg, Venedig und Polen einen Angriff auf das Osmanische Reich an mehreren Fronten. In mehreren schweren Niederlagen bei Slankamen (1691), Mohács (1687) und Senta (1697) mussten im Frieden von Karlowitz der Verlust von Ungarn, Dalmatien, Podolien und der Peloponnes festgeschrieben werden. Als neuer Gegner an der Nordgrenze kam Russland ins Spiel. Ein wichtiges Ziel von Zar Peter I. war ein Zugang zum Schwarzen Meer, den er 1695 mit Asow bekam. 1699 musste das osmanische Reich Podolien an Polen-Litauen zurückgeben. Die äußeren Schwierigkeiten zogen Probleme im Inneren nach sich. 1687 war Mehmed IV. wegen der militärischen Niederlagen abgesetzt worden. 1703 kam es zum blutigen "Vorfall von Edirne", in dem Aufständische den Scheichülislam Feyzullah Efendi ermordeten und Sultan Mustafa I. absetzten. Obwohl das Osmanische Reich zunehmend in die Defensive geriet, war es noch immer militärisch sehr potent. 1711 schlug es das russische Heer vernichtend am Pruth und besetzte den Hafen Asow. Im Nachhinein ist unklar, warum dieser Sieg nicht weitergehend ausgenutzt wurde. Nachdem der moldauische Woiwode Dimitrie Cantemir zu Russland übergelaufen war, besetzten die Osmanen die Hospodaren-Ämter in Moldau und der Walachei bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts mit Griechen aus dem Phanar-Viertel in Konstantinopel, die schon lange Zeit als Übersetzer in der Politik eine wichtige Rolle gespielt hatten. In den Donaufürstentümern wird diese Epoche als Phanarioten-Herrschaft bezeichnet. Auch gegen Venedig war man erfolgreich und erlangte 1715 den Peloponnes zurück. 1736 begann Russland in einem Bündnis mit Österreich einen Krieg gegen das Osmanische Reich. Nach Anfangserfolgen ging 1739 auch dieser Krieg zugunsten der Osmanen aus, und durch den Frieden von Belgrad erhielten diese Nordserbien und die kleine Walachei zurück. Hierbei hatte auch eine Rolle gespielt, dass die Osmanen ihre Artillerie mit französischen Beratern wie Ahmed Pascha, dem Comte de Bonneval modernisiert hatten. Im ganzen war in den teuren und verlustreichen Kriegen der vergangenen drei Jahrzehnten keine wesentliche Änderung des Territoriums zu verzeichnen. Nach dem osmanisch-russischen Krieg folgte eine Friedensperiode von nie da gewesener Dauer.

Russisch-osmanische Kriege

In dem Krieg 1768 bis 1774 gegen Russland musste das Osmanische Reich endgültig erkennen, dass es seine Großmachtstellung verloren hatte. 1770 verlegte Russland seine Flotte aus der Ostsee ins Mittelmeer und vernichtete die vor Anker liegende osmanische Flotte. Im Frieden von Küçük Kaynarca mussten die Osmanen das Krim-Khanat in die Unabhängigkeit entlassen (es wurde aber schon nach wenigen Jahren eine russische Provinz); Teile des Nordkaukasus gingen an Russland, die Bukowina an Österreich. Keine der beiden Seiten hatte die Absicht, es lange dabei zu belassen. Zarin Katharina II. entwarf ihr so genanntes "Griechisches Projekt", in dem das Byzantinische Reich als russischer Vasall wiederauferstehen sollte und die übrigen Teile des Osmanischen Reichs zwischen Österreich, Venedig und Russland aufgeteilt werden sollten, woran diese Alliierten jedoch wenig Interesse zeigten. 1783 annektierte Russland die Krim und begann mit deren wirtschaftlichem Aufbau. Vier Jahre später fand die berühmte Inspektionsreise mit Grigori Potjomkin (Potjomkinsche Dörfer) statt, eine offenbare Machtdemonstration. Die Osmanen, die ohnehin darauf aus waren, ihre Verluste aus dem vorigen Krieg rückgängig zu machen, erklärten im gleichen Jahr nach verschiedenen Streitigkeiten Russland den Krieg. Nach Anfangserfolgen der Schwarzmeerflotte mussten sie jedoch 1791 im Frieden von Jassy abermals Gebietsverluste hinnehmen, darunter Gebiete zwischen Dnjepr und Bug.

Reformen

Selim III. zog aus den Niederlagen seine Lehre und führte umfassende Reformen in der Verwaltung und im Militär durch. Parallel zu den Janitscharen versuchte er mit Hilfe europäischer Berater eine neue Truppe, die nizam-ı cedid, aufzubauen. Seine geplante allmähliche Überführung der Janitscharen in das neue Korps führte jedoch zu Aufständen, die 1807 in seiner Absetzung gipfelten. Es folgten dramatische Ereignisse. Sein Cousin Bayraktar Mustafa marschierte mit seinen Truppen in Konstantinopel ein und plante, Selim wieder als Sultan einzusetzen. Er kam jedoch zu spät, da Selim bereits erdrosselt worden war. Es blieb ihm also nur, den von den Janitscharen eingesetzten Mustafa IV. durch Mahmud II. zu ersetzen, der einer Ermordung nur knapp entkommen war. Mahmud setzte Bayraktar Mustafa als Großwesir ein und folgte einem Reformkurs, wobei er vermied, mit den Janitscharen direkt in Konflikt zu kommen. Schon im nächsten Jahr kam es wieder zu Aufständen. Um zu verhindern, dass er wieder zugunsten Mustafas gestürzt würde, ließ Mahmud seinen Bruder ermorden. Der in Bedrängnis geratene Großwesir sprengte sich in einem Pulvermagazin in die Luft.

Nationalismus

In Ägypten riss der Statthalter Muhammad Ali Pascha allmählich die Macht an sich und ließ die einflussreichen Mameluken-Emire systematisch liquidieren. Mit Hilfe von Reformen war Ägypten bald in vielerlei Hinsicht der Zentrale in Konstantinopel überlegen. Muhammad Ali begründete die Chediven-Dynastie, die erst Mitte des 20. Jahrhunderts ein Ende fand. Ein das ganze 19. Jahrhundert durchziehendes Problem der Osmanen war der Nationalismus der von ihnen besetzten Staaten. Zunächst erhoben sich 1804 die Serben; bis 1830 erhielten sie eine weitgehende Autonomie. Auch die Phanariotenherrschaft in den Donaufürstentümern fand 1826 ihr Ende. In den 1820er Jahren gewann die von einigen Europäern unterstützte Unabhängigkeitsbewegung in Griechenland an Dynamik. Ein besonderes osmanisches Problem in diesem Falle stellten die einflussreichen Griechen in der Verwaltung dar, die teilweise mit der Unabhängigkeitsbewegung sympathisierten. Im Krieg von 1826 war Mahmud gezwungen, die Truppen des gehassten Muhammad Ali Pascha von Ägypten zu Hilfe zu rufen. Trotzdem wurde das Osmanische Reich 1830 gezwungen, Griechenland in die Unabhängigkeit zu entlassen. An diesem Beispiel zeigte sich, wie das Osmanische Reich immer mehr zum Spielball der europäischen Mächte wurde. Die so genannte "Orientalische Frage" wurde ein Dauerthema der Diplomatie. Russlands Interesse bestand in einem freien Zugang zum Mittelmeer über das Schwarze Meer und die Dardanellen. Auf dem Balkan brachte es sich als Schutzmacht der dortigen orthodoxen Christen ins Spiel. Österreich sowie England und Frankreich sahen die Gefahr der russischen Expansion und tendierten daher eher dazu, ein schwaches Osmanisches Reich aufrechtzuerhalten. Das führte dazu, dass die Bündnisse sich je nach Situation neu zusammenfanden. Im Krimkrieg (1853-1856), der durch die russische Besetzung der Fürstentümer Walachei und Moldau ausgelöst wurde, kämpften England und Frankreich auf Seiten der Osmanen. Im Frieden von Paris ging ein Teil des 1812 von Russland gewonnenen südlichen Bessarabiens im Bereich der Donaumündung (etwa ein Viertel der Gesamtfläche) mit den Kreisen Cahul, Bolgrod und Ismail wieder zurück ans Fürstentum Moldau das ein autonomer Staat unter Oberhoheit der Pforte war und das Schwarze Meer wurde entmilitarisiert.

Tanzimat

Eine erneute Reformperiode (1838-1876) begann, die eng mit dem Namen der Großwesire Mustafa Reşid Pascha und später Ali Pascha und Fuad Pascha verknüpft ist. Die Maßnahmen wurden unter dem Namen "Tanzimat-ı Hayrire" (Heilsame Neuordnung) bekannt und fallen mit der Regierungszeit von Abdülmecid und Abdülaziz zusammen. Sie stellten die Nichtmuslime im Reich auf die gleiche Stufe wie die Muslime und führten ein neues Justizsystem ein, organisierten das Steuersystem neu und legten eine allgemeine Dienstpflicht in der Armee fest. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte wurden auch die Steuerpachten abgeschafft. Die wichtigsten Reformedikte waren in diesem Zusammenhang das "hatt-i sherif (imperialer Erlass) von Gülhane" (1839), das "hatt-i hümayun" (1856), sowie die Verfassung von 1876, in denen schrittweise und mit Einschränkungen (1839 lauten diese "im Rahmen der Scheriatgesetze") die Gleichheit und Gleichbehandlung aller Untertanen unabhängig von ihrer Religion eingeführt wurde. Mit den von den Mächten eingeforderten Reformen gingen – auch bedingt durch die industrielle Rückständigkeit – zunehmend wirtschaftliche Probleme einher. In den "Kapitulationen" genannten Handelsverträgen wurde der Markt im Osmanischen Reich für die Europäer geöffnet, und die Einfuhrzölle lagen unter den Ausfuhrzöllen. Durch die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit des osmanischen Handwerks wurde das Osmanische Reich zum Exporteur von Rohstoffen und Importeur von europäischen Waren. Unterdessen fanden die Unruhen auf dem Balkan kein Ende. Nach einem Krieg gegen Serbien 1876 wurde in Konstantinopel eine internationale Konferenz einberufen, um die Zukunft des Balkan zu diskutieren. Um seine Reformbereitschaft zu demonstrieren, kündigte der durch einen Staatsstreich an die Macht gekommene Abdülhamid II. eine Verfassung an, die ein parlamentarisches System einführen würde. Eine wichtige Rolle bei deren Entwurf spielte der Großwesir Midhat Pascha. Als Ergebnis der Konferenz fassten die Mächte Autonomie sowohl für zwei Provinzen auf bulgarischem Gebiet als auch für Bosnien und Herzegowina ins Auge. Als die Pforte dies ablehnte, erklärte Russland den Krieg, besetzte Edirne und rückte auf Konstantinopel vor. Da die anderen europäischen Mächte wiederum ihre Interessen bedroht sahen und ein europaweiter Krieg drohte, wurde 1878 der Berliner Kongress organisiert, dessen Hauptinitiator Bismarck war. Hier erhielten Serbien und Montenegro ihre Unabhängigkeit, und die schon vorher in Personalunion regierte Walachei mit der Moldau schlossen sich zu dem selbständigen Staat Rumänien zusammen.

Abdülhamid II.

Innenpolitisch machte Abdülhamid seine Regierungsreformen wieder rückgängig. Midhat Pascha wurde abgesetzt und das Parlament aufgelöst. Abdülhamids Regierungszeit wurde durch Despotie und Spitzelei geprägt, und als Sultan hatte er de facto die alleinige Macht. Finanziell geriet die Pforte nun vollends in die Abhängigkeit der europäischen Großmächte. Nachdem der Staatsbankrott erklärt worden war, übernahm die Dette publique einen Gutteil der Finanzverwaltung. Das europäische Kapital konnte ungehindert in den Staat eindringen. Seine Interessen konzentrierten sich auf die Rohstoffquellen im Irak, aber auch Großprojekte wie den Bau der Bagdadbahn. Dabei kam das Deutsche Reich zum Zuge, das spätestens seit dem Berliner Kongress zum guten Partner für das Osmanische Reich geworden war. Am Anfang des 20. Jahrhunderts erstarkten wieder die inneren Oppositionskräfte, insbesondere die Bewegung der Jungtürken, die ihren Ausgangspunkt vor allem in Saloniki hatte. 1908 musste angesichts der Bedrohung durch aufständische Truppen die Verfassung wieder in Kraft gesetzt werden.

Jungtürken

Die Verwirrung machte sich Bulgarien zunutze, um zusammen mit Ostrumelien einen unabhängigen Staat zu gründen. Bosnien und Herzegowina wurden von Österreich-Ungarn annektiert (das faktisch bereits 1878 angegliedert worden war und nur noch nominell türkisch war). Die enormen Gebietsverluste legten die reaktionären Kräfte der Jungtürkischen Führung zur Last und versuchten 1909 einen Staatsstreich. Dessen Misslingen führte dazu, dass Abdülhamid durch seinen Bruder Mehmed V. (Mehmed Reşat) ersetzt wurde. Der Sultan hatte von da an im wesentlichen nur noch Repräsentationsfunktionen, während die Regierung vom Großwesir eingesetzt wurde. Dieser wiederum wurde unter wesentlichem Einfluss der Jungtürken ernannt. Durch eine veränderte Verfassung wurde ein parlamentarisches System etabliert. Die Jungtürken verfolgten einen Reformkurs, der allerdings durch die angespannte außenpolitische Lage gehemmt war. Ein folgenschweres Element ihrer Politik war der türkische Nationalismus. So wurde etwa in den arabischen Provinzen die türkische Sprache als Amtssprache eingesetzt. In den nachfolgenden Kriegen verlor die Regierung so den Rückhalt der Bevölkerung in den nichttürkischen Gebieten. Das Jahrzehnt der Jungtürken-Regierung war durch eine Reihe von schweren Kriegen geprägt. Zunächst ging 1911 Tripolis an Italien verloren, siehe :tr:Trablusgarp Savaşı (Türkisch). Im Ersten Balkankrieg schlossen Albanien, Bulgarien, Serbien, Griechenland und Montenegro 1912 den Balkanbund gegen das Osmanische Reich, das dadurch fast alle europäischen Besitzung einschließlich der Stadt Edirne verlor. Schon im nächsten Jahr griff Bulgarien seine ehemaligen Verbündeten an, die von den Osmanen unterstützt wurden. Nach der Niederlage Bulgariens wurde der Grenzverlauf so festgelegt, wie er noch heute zwischen Bulgarien und der Türkei verläuft. Im 1914 beginnenden Ersten Weltkrieg versuchte man zunächst, sich in einer "bewaffneten Neutralität" aus den Kampfhandlungen herauszuhalten. Es war vielen klar, dass man sich an eine Großmacht anlehnen müsste, um militärisch überhaupt standhalten zu können. Traditionell hatte man oft mit dem Deutschen Reich kooperiert, aber auch mit den Entente-Mächten gab es enge Beziehungen und einen regen Handel. Auf Betreiben Enver Paschas kam es schließlich zu einem Kriegsbündnis mit Deutschland und Österreich-Ungarn, das allerdings im Kabinett umstritten war. Am 24. April 1915 veranlasste die osmanische Regierung zur Unterdrückung eines armenischen bewaffneten Aufstandes die Verhaftung, Deportation und Ermordung armenischer Zivilisten in Konstantinopel und leitete damit die Ermordung von mindestens 600.000 Armeniern ein (andere Quellen gehen von bis zu 1,5 Millionen ermordeten Armeniern aus). Damit wurden zwei Drittel des auf dem Gebiet des Osmanischen Reiches seit Jahrtausenden lebenden christlichen Volkes umgebracht. Siehe den Artikel Völkermord an den Armeniern. Die Folgen des Krieges waren katastrophal. In Arabien hatte man den britischen Kräften nichts entgegenzusetzen. Schon 1916 schüttelte der Emir von Mekka, Husain Ibn Ali die osmanische Oberhoheit ab und rief sich zum König von Arabien aus. Er wurde schließlich als König des Hedschas anerkannt, während der übrige Teil des Reichs gemäß dem Sykes-Picot-Abkommen in Interessensphären aufgeteilt wurde. Ein Teil Palästinas wurde 1917 in der Balfour-Deklaration als "nationale Heimstatt" für die Juden versprochen. Wegen der Oktoberrevolution in Russland schied dieses zwar mit dem Friedensvertrag von Brest-Litowsk aus dem Krieg aus, aber die Siegermächte besetzten im November 1918 einen Großteil des einstmaligen Osmanischen Reiches. Das Jungtürkische "Triumvirat" aus Kemal Pascha, Talat Pascha und Enver Pascha wurde entlassen und flüchtete. Nachdem im gleichen Jahr Mehmed V. gestorben war, rückte sein Bruder Mehmed VI. (Mehmed Vahideddin) nach, der aber den Siegermächten politisch völlig ausgeliefert war, und der nach Abschaffung des Sultanats im November 1922 Istanbul verließ.

Entstehung der modernen Türkei

Es entstand eine Widerstandsbewegung gegen das Besatzungsregime. Die herausragende Rolle spielte dabei der General Mustafa Kemal Pascha (später wurde Mustafa Kemal vom türkischen Parlament der Beinahme Atatürk ("Vater der Türken") verliehen). Schon bald bildete die kemalistische Bewegung in den nicht besetzten Gebieten eine Art Gegenregierung. Bei den im Dezember 1919 durchgeführten Wahlen errang die Befreiungsbewegung eine Zweidrittelmehrheit und zog nach Angora (heute Ankara) als Sitz um. Im April 1920 konstituierte sich hier die "Große Türkische Nationalversammlung". Die neue Regierung pflegte gute Beziehungen zum mittlerweile bolschewistischen Rußland und wurde von Frankreich, das das Mandat für das südliche Zentralanatolien hatte, faktisch anerkannt. Der 1920 von der Pforte unterzeichnete Vertrag von Sèvres, der dem türkischen Staat die Souveränität aberkannte, wurde von Ankara nicht anerkannt. Es kam zum nationalen Befreiungskrieg. Bei der Gelegenheit wurden zunächst die griechischen Truppen vertrieben, dann auch der ganz überwiegende Teil der seit Jahrtausenden ansässigen griechischen Zivilbevölkerung in der sogenannten Kleinasiatischen Katastrophe v.a. in Smyrna (von da an dann türkisch İzmir) ermordet oder vertrieben. Die Erfolge der Kemalisten sorgten für einen herben Prestigeverlust für die Regierung Sultan Mehmed VI. In den Verhandlungen um den Vertrag von Lausanne 1923 war diesmal eine Delegation der Kemalisten aus Ankara vertreten, was einer internationalen Anerkennung gleichkam. Am 23. Oktober 1923 wurde Ankara zur Hauptstadt erklärt und am 29. Oktober offiziell die Republik ausgerufen; Mustafa Kemal Pascha wurde Staatspräsident, Ismet Pascha, dem später aufgrund der Siege bei Inönü der Nachname "Inönü" verliehen werde sollte, Ministerpräsident der neu gegründeten Republik. Der letzte Sultan Mehmed VI. und alle Angehörigen der Dynastie Osman mussten das Land für immer verlassen.

Siehe auch


- Liste der Sultane des Osmanischen Reichs
- Geschichte der Türkei
- Türkenkriege
- Byzantinisches Reich

Literatur


- Bodo Guthmüller, Wilhelm Kühlmann (Hrsg.): Europa und die Türken in der Renaissance. Niemeyer, Tübingen 2000, ISBN 3-484-36554-4
- Steven W. Sowards: Moderne Geschichte des Balkans. Der Balkan im Zeitalter des Nationalismus, BoD 2004, ISBN 3-8334-0977-0

Weblinks


- [http://www.geocities.com/Paris/5276/osmanisches_reich.htm Geschichte des Osmanischen Reichs]
- [http://www.tuerkenbeute.de/kun/kun_leb/FrauenOsmanReich_de.php Frauen im Osmanischen Reich]
- [http://www.arte-tv.com/de/geschichte-gesellschaft/mit-offenen-karten/392,CmC=698878,CmPage=70.251900.259998.392,CmPart=com.arte-tv.www,CmStyle=98674,view=introduction.html DAS OSMANISCHE REICH 1/2 (auf "Karten" klicken)]
- [http://www.arte-tv.com/de/geschichte-gesellschaft/mit-offenen-karten/392,CmC=704620,CmPage=70.251900.259998.392,CmPart=com.arte-tv.www,CmStyle=98674,view=introduction.html DAS OSMANISCHE REICH 2/2 (auf "Karten" klicken)]
- [http://www.osmanischesreich.com Osmanisches Reich] kategorie:Islam Kategorie:Türkische Geschichte Kategorie:Turkvolk ja:オスマン帝国の君主 ko:오스만 제국

1389

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- 5. Mai - König Wenzel von Luxemburg erlässt auf dem Reichstag in Eger den Landfrieden von Eger.
- 28. Juni - Schlacht auf dem Amselfeld.
- Die Eidgenossen machen mit den Habsburgern einen Friedensvertrag.

Geboren


- 20. Juni - Johann, Herzog von Bedford, Bruder Heinrichs V. († 1435)
- 27. September - Cosimo de Medici, eigentlicher Begründer des späteren Einflusses seiner Familie, der Medici († 1464)
- 5. Dezember - Zbigniew Oleśnicki, Bischof von Krakau, Kardinal, Kanzler und Diplomat († 1455)
- Stefan Lazarević, serbischer Despot, Gelehrter und Dichter († 1427)
- Giovanni Maria Visconti, Herzog von Mailand

Gestorben


- 19. Mai - Dmitri Donskoi, war von 1359-1389 Großfürst von Moskau (
- 1350)
- 28. Juni - Lazar Hrebeljanović, Hl. Märtyrer und serbischer Anführer bei der Schlacht auf dem Amselfeld (
- um 1329)
- 15. Oktober - Papst Urban VI. (
- 1318) ko:1389년

Kosovo

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Hier der konkrete Grund, warum dieser Artikel auf den QS-Seiten eingetragen wurde: Der Artikel wurde wegen des Überarbeiten-Bausteins auf die QS-Seiten gestellt. Diskussionen über den Überarbeitungsstand des Artikels sollten auf der entsprechenden QS-Seite zwecks gemeinschaftlicher Überarbeitung geführt werden. Gruß -- Kenwilliams QS - Mach mit! 23:47, 20. Nov 2005 (CET) ---- Das Kosovo (z.T. auch ohne Artikel, serbisch Kosovo i Metohija/Косово и Метохија, albanisch: Kosova) ist eine unter UN-Verwaltung stehende Provinz Serbiens. Es grenzt im Westen an Albanien, im Nordwesten an Montenegro, im Nordosten und Osten an das Engere Serbien, im Süden schließlich an Mazedonien. Das Kosovo weist zwei von Bergen umschlossene Großlandschaften auf: das zentrale Amselfeld oder Kosovo im engeren Sinne mit der Hauptstadt Priština, sowie Metochien (serbisch Metohija/Метохија) im Westen mit dem Zentrum Prizren. Im Serbischen ist für die Provinz die Doppelbezeichnung Kosovo und Metochien (serbisch Kosovo i Metohija/Косово и Метохија, abgekürzt Kosmet/Космет) üblich, die 1945 bis 1974 und seit 1989 (in Serbien) amtlich verwendet wird, während unter den Albanern die Bezeichnung Kosova für das gesamte Gebiet verwendet wird, wie es 1974 bis 1989 amtlich war. Der Name Kosovo leitet sich ab vom serbischen Wort kos, was auf deutsch Amsel heißt. Aus diesem Grunde wird für "Kosovo polje" in Deutschland Amselfeld gesagt. Das Wort Metochien leitet sich aus dem Griechischen für Klostergut bzw. Klosterland ab.

Politischer Status

Der Status des Kosovo ist noch immer ungeklärt. Nominell gehört das Kosovo zu Serbien, steht aber seit Ende des Krieges der NATO gegen die Bundesrepublik Jugoslawien unter Verwaltung der Vereinten Nationen und wird von der Kosovo Force (KFOR) der NATO kontrolliert. In den ersten freien Wahlen nach dem Kosovo-Krieg wurde 2002 Ibrahim Rugova von der Partei LDK zum Präsidenten und Bajram Rexhepi, der vormalige Bürgermeister von Mitrovica, zum Ministerpräsidenten gewählt. Als offizielle Währung im Kosovo diente von 1999 bis 2001 die D-Mark, seit 2002 ist der Euro offizielles Zahlungsmittel.

Bevölkerung

Das Kosovo wird heute vor allem von Albanern bewohnt. Daneben gibt es eine größere serbische Minderheit. Weitere in der Provinz vertretene ethnische Gruppen sind Türken, serbisch- und mazedonischsprachige Muslime (Bosniaken, Torbeschen, Goranen), albanisch- und serbischsprachige Roma, Montenegriner und Kroaten. Angaben zu den Anteilen der einzelnen ethnischen Gruppen sind je nach Quelle stark widersprüchlich. Seit 1981 wurde keine offizielle Volkszählung mehr durchgeführt. Damals wurden 81 Prozent Albaner erfasst. Die demografische Mehrheit der Albaner hat sich seit dem Krieg noch vergrössert. Angehörige der serbischen Minderheit, aber auch der Roma verlassen unter Druck oder freiwillig das Kosovo. Insgesamt hat sich eine ethnische Trennung in rein serbische und rein albanische Gebiete ergeben. Die serbischen Gebiete südlich von Mitrovica werden von der KFOR bewacht, um die serbische Minderheit zu schützen.

Politische Gliederung

Mitrovica
Nach der serbischen Verwaltungsgliederung umfasst die Provinz Kosovo und Metochien fünf Bezirke (serbisch/Einzahl okrug), die sich in insgesamt 29 Großgemeinden (serbisch/Einzahl opština) gliedern: Die Regierung des Kosovo indes teilt die Provinz in sieben Kreise (albanisch/Einzahl rrhet) und dreißig Großgemeinden (albanisch/Einzahl komuna) ein. Das ist eine Großgemeinde mehr als in der serbischen Gliederung - 2002 wurde der 1991 von serbischer Seite aufgelösten Großgemeinde Mališevo von der Regierung des Kosovo ihr offizieller Status zurückgegeben. Die folgenden Einwohnerzahlen basieren auf Schätzungen der OSZE und sind mit Vorsicht zu betrachten:

Geschichte

Die Herkunftsfrage der Serben und Albaner

Die Serben sind slawischer Herkunft. Ein Stammesverband der Serben siedelte sich im 6./7. Jahrhundert aus der heutigen Ukraine kommend im Balkangebiet bis zum Peloponnes an und belagerte gemeinsam mit Awaren sogar die Stadt Konstantinopel.
- 1000 v. Chr.: Die Illyrer bewohnen fast den ganzen heutigen Balkan. Vom Norden des heutigen Griechenlands bis nach Dalmatien (Kroatien). Manche Ethnologen sehen die Albaner als Nachfahren der alten Illyrer.
- 2. Jahrhundert: Erste namentliche Erwähnung der Albaner (Albanoi) durch den alexandrinischen Geographen Claudios Ptolemaios.
- 6. Jahrhundert: Unter dem Druck der Reiterhorden aus der asiatischen Steppe beginnt der Einzug und die Verbreitung der Slawen über den ganzen Balkan. Die illyrischen Stämme werden weitgehend in die Berge und an die Küste (Dalmatien) gedrängt bzw. gingen im Laufe weniger Jahrhunderte zum großen Teil in den Südslawen auf.
- 9. Jahrhundert: Entstehung des Begriffs Metohija (Metochien), der bis heute benutzt wird und immer an das Kernland der serbisch-orthodoxen Kirche und des serbischen Volkes erinnern soll.
- 14. Jahrhundert: Die Gebiete des heutigen Albanien und Kosovo gehören zum Großserbischen Reich.
- 1385: Einfall der Osmanen.
- 1389: siehe Schlacht auf dem Amselfeld. Die meisten geografischen Bezeichnungen, die das Kosovo betreffen oder Orte im Kosovo bezeichnen, sind serbischer Herkunft, während sich die albanischen Ortsbezeichnungen meist von den serbischen ableiten.

Bis 1945

Kosovo war eine der Kernregionen des mittelalterlichen serbischen Reiches und schon im 9. Jahrhundert Teil des unabhängigen serbischen Reiches, dass die Macht mit Bulgarien wechselte. Im 11. Jahrhundert wurde das Kosovo von Byzanz, unter Basileos, zurückerobert. Das Land war von serbischen Stämmen besiedelt aber von griechischen Feudalherren regiert. In mehreren Etappen wurden Kosovo und Metochien dem serbischem Reich durch Kriege gegen Byzanz wieder eingegliedert. Der serbische König Stephan Nemanja eignete sich beispielsweise Ende des 12. Jahrhunderts die Region um Prizren und Nord-Mazedonien an. Die Städte Prizren und Peć waren und sind heute noch Zentren des religiösen und geistigen Lebens der Serben. Aus diesem Grunde existieren auch heute noch im gesamten Kosovo und Metochien zirka 1300 serbische Klöster und Kirchen, die ältesten wurden bereits im 8. und 9. Jahrhundert errichtet. So wurde die Kathedrale von Prizren von König Milutin im 14. Jahrhundert errichtet. Später blieb Prizren bis zum Jahre 1756 Sitz der serbisch-orthodoxen Kirche. Auch das Erzengelkloster in Prizren wurde um das Jahr 1340 vom serbischem Kaiser Stephan Dušan errichtet und diente ihm zeitweise als Regierungssitz. Über das Kosovo herrschte Ende des 14. Jahrhunderts die Adelsfamilie Branković. Auch heute noch bilden Kosovo und Metochien das Zentrum der serbisch-orthodoxen Kirche. Seine Heiligkeit Patriarch Pavle, der heutige serbisch-orthodoxe Patriarch, Erzbischof von Peć und Metropolit von Belgrad-Karlovac, hatte seinen Sitz bis vor dem letzten Balkankrieg in Peć. Am 28. Juni 1389 fand hier die Schlacht auf dem Amselfeld statt, angeführt vom osmanischen Sultan Murad I.. Die Ermordung des Sultans durch den serbischen Adeligen Miloš Obilić während der Schlacht läutete die ausgeübte Vergeltung bzw. Ermordung des Kaisers Lazar Hrebeljanović und einiger ihm engvertrauter serbischer Adeliger durch den Sohn Murads I., den neuen Sultan Beyazid I.(13891402), ein. Am 8. Oktober 1912 begann der erste Balkankrieg mit dem Ergebnis, dass Kosovo und Mazedonien vom Osmanischem Reich befreit und wieder mit dem Königreich Serbien vereint wurden. Sogar große Teile Albaniens wurden damals von den Osmanen befreit. Aus politischen Gründen und auf Druck Österreich-Ungarns wurde am 28. November 1912 das unabhängige Albanien mit einem deutschen Adligen als König gegründet. Grund hierfür war, dass Serbien und Montenegro nicht einen gemeinsamen serbischen Staat gründen sollten und somit das größer gewordene Serbien einen Zugang zur Adria bekäme. Der Einfluss Russlands auf dem Balkan sollte dadurch eingedämmt werden. Während des 2. Weltkriegs, 1941, schuf das faschistische Mussolini-Italien ein Groß-Albanien, das auch von Albanern nicht mehrheitlich bewohnten Gebiete mit einbezog. Darunter auch das Kosovo, West-Mazedonien und Teile Nordgriechenlands. 1944 wurde eine kosovo-albanische SS-Division namens Skanderbeg gegründet. Ihr Standort war Prizren, ihr hauptsächliches Operationsgebiet das Kosovo, ihr erklärter Auftrag der "Schutz" des "ethnisch reinrassigen" Albaniens. Die außerordentliche Brutalität der "Skanderbeg-Division" ist vielfach belegt: So tötete sie am 28. Juli 1944 im Dorf Veliko 380 Ortsansässige (darunter 120 Kinder) und steckte 300 Häuser in Brand. Im April 1944 deportierte sie 300 Juden. Ende 1944 zogen sich die Achsenmächte aus dem Kosovo zurück. Kommunistische Partisanen und Rote Armee übernahmen allmählich die Kontrolle.

1945 bis 1989

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Kosovo in das föderal organisierte Jugoslawien Josip Broz Titos integriert. Das Gebiet gehörte zur Teilrepublik Serbien, obwohl Tito während des Krieges den Albanern das Selbstbestimmungsrecht in Aussicht gestellt hatte, um sie für den Widerstand gegen die Nazis zu gewinnen, was nicht gelang. Proteste der Albaner nach Kriegsende wurden blutig niedergeschlagen. Es folgten schwierige Jahre für die albanische Bevölkerung, die Tito mit einer Mischung aus Gewalt und Toleranz zu regieren versuchte. Die 1970er Jahre waren von einer zunehmenden "Albanisierung" gekennzeichnet. Kosovo-Albaner beherrschten Partei und Behörden. Die Belgrader Zentralregierung beobachtete ein Anwachsen von Korruption, Cliquenwirtschaft und Überbevölkerung bei gleichzeitig niedriger Produktivität. Die schlechte wirtschaftliche Lage sowie anti-serbische Repressionen veranlassten immer mehr Kosovo-Serben zur Abwanderung. In der neuen jugoslawischen Bundesverfassung von 1974 wurde das Kosovo (wie auch die Vojvodina) als autonome Provinz und Föderationssubjekt etabliert. Allerdings blieben die Provinzen Bestandteil der Teilrepublik Serbien. Die albanische Sprache und Kultur wurde unbeschränkt erlaubt und an Schulen und Hochschulen unterrichtet. Mit dem Tod Titos 1980 geriet die föderale Verfassungskonstruktion in eine Krise. Die Albaner Kosovos verlangten die Loslösung der serbischen Provinz Kosovo von Serbien und den Status eines Staatsvolks innerhalb der jugoslawischen Föderation. Die übrigen Teilrepubliken sowie die jugoslawische Bundesregierung verweigerten dies, Serbien setzte die kosovarische Provinzregierung ab. 1981 kam es zu anti-serbischen Aufruhren im Kosovo, die von den jugoslawischen Polizeikräften wiederholt blutig niedergeschlagen wurden. Das Zusammenleben zwischen Serben und Albanern verschlechterte sich zusehends. Der Anteil der Serben im Kosovo sank auf 20 Prozent. 1987 wurde Slobodan Milošević Präsident der SR Serbien. Zwei Jahre später, am 28. Juni 1989, hielt er im Kosovo die bekannte Amselfeld-Rede, die als Vorbote des Krieges im ehemaligen Jugoslawien betrachtet wird.

Nach 1989

Slobodan Milošević hob 1989 den Status des Kosovo als autonome Provinz auf. Es folgten im Kosovo ethnische Unruhen, die zu einigen Dutzend Toten auf beiden Seiten führten. Albanische Schulen wurden geschlossen, sowie Lehrer und Dozenten, die auf Albanisch unterrichten, entlassen. Dasselbe Schicksal ereilte auch die albanischen Polizisten. Ab 1989 wurde über das Kosovo der Ausnahmezustand verhängt, wozu auch willkürliche Verhaftungen ohne juristische Basis oder Beistand gehörten. Die Albaner reagierten erst mit einem friedlichen Totalboykott, doch als es auch nach dem Dayton-Abkommen dem 1992 gewählten albanischen Präsidenten Ibrahim Rugova nicht gelang, die Probleme im Kosovo zu internationalisieren und die serbische Unterdrückung im Kosovo immer mehr zunahm, tauchte 1997 die bis dato schon im "Geheimen" operierende "Ushtria Çlirimtare Kosovës" (UÇK) (Befreiungsarmee Kosovos) auch öffentlich auf. Die internationale Staatengemeinschaft stufte die UÇK zunächst als terroristische Organisation ein, da sie gewaltsame Aktionen auf serbische Sicherheitskräfte, aber auch auf serbische Zivilisten und zivile Einrichtungen verübte. Die Aktionen richteten sich auch gegen Kosovo-Albaner, die ein gutes Verhältnis zu den serbischen Behörden anstrebten. Laut einem Ende 2000 veröffentlichten Bericht des parlamentarischen Rates der NATO - einem vom Bündnis unabhängigen Gremium - arbeitete die UÇK gezielt auf eine Eskalation der Lage im Kosovo hin, um einen akuten Handlungsbedarf der NATO zu inszenieren. Im Laufe des Konfliktes wurde die UÇK aber mehr und mehr zum Verhandlungspartner für westliche Regierungen, zuerst für die USA. Nach einer Reihe von Gewaltexzessen serbischer Sicherheitskräfte gegenüber der Bevölkerung des Kosovo und der Ablehnung des Vertrag von Rambouillet durch Slobodan Milošević, begann die militärische Intervention der NATO. NATO-Luftangriffe zwangen Slobodan Milošević schließlich zur Kapitulation. Da bei den NATO-Luftangriffen nicht nur serbische militärische Ziele angegriffen wurden, sondern auch serbische Kraftwerke, Fabriken, Brücken, Bürogebäude sowie durch Fehlabwürfe auch Wohnhäuser und Flüchtlingskonvois, kamen tausende Serben und Albaner ums Leben. Der Rückzug der serbischen Armee beendete vorerst die blutigen Auseinandersetzungen im Kosovo. Das Kosovo wurde vorläufig Protektorat der UNO. Die Zahl der während des Konfliktes 1998/1999 Getöteten schwankt zwischen 900 und 15.000. Es gelten bis heute mehr als 4000 Menschen als vermisst, davon etwa 3500 Albaner. Es ist aber anzunehmen, dass eine Vielzahl niemals gefunden wird, da diese verstreut im Kosovo in Massengräbern liegen. Das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag befasst sich zurzeit mit den Geschehnissen. Seit dem Jahr 2000 wurden insgesamt 65 mutmaßliche Massengräber im Kosovo von den Kfor-Truppen gefunden, allein 42 davon im britischen Sektor. Dabei wurde festgestellt, dass in einem beträchtlichen Anteil der Massengräber serbische Tote vergraben sind. Ein Teil der identifizierten serbischen Leichen gilt schon seit 1997/1998 als vermisst.

Aktuelle Entwicklungen

1999 Am 17. und 18. März 2004 kam es im Kosovo zu einem erneuten Ausbruch ethnischer Gewalt. Blutige Zusammenstöße zwischen Serben und Albanern erschütterten die Provinz, als am 16. März drei albanische Kinder in einem Fluss ertranken. Obwohl bereits nach kurzer Zeit das Gerücht, die Kinder seien von Serben in den Fluss getrieben worden, widerlegt wurde und klar war, dass es sich um einen tragischen Unfall handelte, bei dem die Kindern beim Baden in den Strömungen des Flusses abtrieben, konnten die Friedenstruppen der KFOR und UNMIK-Polizeikräfte den albanischen Mob nicht aufhalten. In den darauffolgenden Tagen kam es zu Pogromen an der serbischen Bevölkerung, über 4.000 Menschen wurden vertrieben und 19 getötet. Insgesamt wurden über 1.000 Häuser in Brand gesteckt, das Dorf Veliko Svinjare komplett niedergebrannt. 27 serbisch-orthodoxe Kirchen und Klöster, darunter die Kirche Sv. Sava in Kosovska Mitrovica aus dem 12. Jahrhundert wurden zerstört. Das ehemals serbische Viertel in Prizren wurde ebenfalls in Schutt und Asche gelegt. Ab diesem Zeitpunkt wurde die serbische Minderheit verstärkt geschützt. Nach einer Untersuchung wurde festgestellt, dass die Ursachen für die damalige Hilflosigkeit der Friedenstruppen in mangelnden Sprachkenntnissen beziehungsweise Kommunikationsproblemen mit den anderen internationalen Truppen und bei der unzureichenden Vorbereitung der dort stationierten Soldaten lagen. Zudem existierten keine Notfallpläne. Entgegen früherer Äußerungen musste des Verteidigungsministeriums im Herbst 2004 einräumen, dass im deutschen Verantwortungsbereich ein Serbe in Prizren ums Leben gekommen war. Am 19. März 2004 gab der deutsche Verteidigungsminister Peter Struck bekannt, dass die Bundeswehr 600 zusätzliche Soldaten in die Region entsenden werde. Damit erhöhte sich das deutsche Kontingent im Kosovo auf etwa 3800 Soldaten. Die NATO entsandte weitere 1100 Soldaten zur Sicherung der Ordnung. Auch Russland erwog die erneute Entsendung von Hilfstruppen, die im Sommer 2003 abgezogen worden waren, und humanitärer Hilfe in die Region. Die zweiten Parlamentswahlen im Kosovo konnte am 23. Oktober 2004 wiederum die LDK unter Präsident Rugova gewinnen. Sie kam bei einer Wahlbeteiligung von nur 53 Prozent auf einen Stimmenanteil von über 45 Prozent. Sämtliche ins Parlament eingezogenen albanischen Parteien sprachen sich für die baldige Unabhängigkeit des Kosovo aus. Die serbische Minderheit boykottierte die Wahlen, trotzdem wurden zehn Abgeordnetenmandate für die Serben reserviert. Weil kein Wählervotum vorliegt, ist unklar, nach welchen Kriterien die Mandate an die serbischen Kandidaten vergeben werden sollen. Im Dezember 2004 wählte das Parlament den ehemaligen UÇK-Führer Ramush Haradinaj zum Ministerpräsidenten. Im März 2005 musste er zurücktreten, da der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) gegen ihn Anklage erhob. Haradinaj soll vor und während des Kosovo-Krieges schwere Verbrechen überwiegend an serbischen, aber auch an albanischen Zivilisten verübt haben. Zu seinem Nachfolger wurde Bajram Kosumi gewählt. Dessen Koalitionsregierung gehören außer zwei neuen Ministern alle aus dem alten Haradinaj-Kabinett an. Bei einem Besuch der deutschen KFOR-Soldaten im Feldlager Prizren am 15. Juli 2005 erteilte die CDU-Parteivorsitzende Angela Merkel einer Unabhängigkeit des Kosovo von Serbien eine klare Absage. Bei den Statusverhandlungen müssten in jedem Fall die Interessen Belgrads Berücksichtigung finden. Ende August 2005 wurden zwei serbische Jugendliche bei einem Reifenwechsel ermordet und zwei weitere verletzt. Hinter der Tat der drei festgenommenen verdächtigen Albaner, die aus ihrem vorbeifahrenden Mercedes heraus geschossen haben sollen, werden nationalistische Motive vermutet. Ende September 2005 stellte der norwegische Diplomat Kai Eide im Auftrag von UN-Generalsekretär Kofi Annan einen Bericht über die Entwicklung des Protektorats fertig. Ausschlaggebendes Kriterium für die besonders von der albanischen Mehrheit geforderten Verhandlungen über den künftigen Status der Provinz sind die seitens UNMIK und der provisorischen Selbstregierung des Kosovo PISG definierten und vom UN-Sicherheitsrat Ende 2003 verabschiedeten Standards zu Menschenrechten, Sicherheit, Gesetz und Demokratie im Kosovo. Trotz gefundener erheblicher Mängel empfohl Kai Eide in seinem Bericht "den nächsten Schritt in der politischen Entwicklung des Kosovo zu nehmen". Am 24. Oktober 2005 beschloss der UN-Sicherheitsrat, dass Verhandlungen über die Statusfrage des Kosovo aufgenommen werden können. Der ehemalige finnische Staatspräsident Martti Ahtisaari wird die Verhandlungen leiten.

Literatur


- Malte Olschewski: Der Krieg um den Kosovo. Serbiens neue Schlacht am Amselfeld. Nidda-Verlag 1999. ISBN: 3-9806814-1-6
- Cathrin Schütz: Die NATO-Intervention in Jugoslawien. HIntergründe, Nebenwirkungen und Folgen. Wilhelm Braumüller Universitäts- und Verlagsbuchhandlung 2003. ISBN: 3-7003-1440-X.
- Steven W. Sowards: Moderne Geschichte des Balkans. Der Balkan im Zeitalter des Nationalismus, BoD 2004, ISBN 3-8334-0977-0.
- Wenzel Susanne: Das Kosovo entdecken, Trescher Verlag 2005, ISBN 3897940787.
- Beqë Cufaj: Kosova- Rückkehr in ein Verwüstetes Land, Essays, Zsolnay Verlag, 2000, ISBN: 3552049711

Weblinks


- [http://www.unmikonline.org/ United Nations Mission in Kosovo (UNMIK) (englisch)]
- [http://www.nato.int/kfor/welcome.html Kosovo Force (KFOR) der NATO (englisch)]
- [http://www.euinkosovo.org/ EU-Mission in Kosovo (EUMIK) (englisch)]
- [http://www.osce.org/kosovo/ OSZE-Mission in Kosovo (OMIK) (englisch, Text des Mandats auf Deutsch verfügbar)]
- [http://www.kosovo.com/ Offizielle Website der Orthodoxen Kirche im Kosovo (englisch)] Kategorie:Kosovo Kategorie:Kosovo ja:コソボ ko:코소보

Europa

Europa ist das westliche Fünftel der eurasischen Landmasse und wird von Europäern üblicherweise als eigenständiger Kontinent betrachtet, obwohl es eigentlich ein Subkontinent ist. Insgesamt hat Europa eine Fläche von 8,327 Millionen Quadratkilometern, was Europa nach Australien zum zweitkleinsten Kontinent macht. Dennoch besitzt Europa mit rund 730 Millionen Einwohnern die drittgrößte Bevölkerung aller Kontinente. Die Ausdehnung erstreckt sich von der Nordsee und dem Atlantischen Ozean im Westen bis zum Ural im Osten. Ural

Geographie

Europa hat eine Fläche von 8,327.000 km² und eine Küstenlänge von 37.200 km. Der nördlichste Punkt des Kontinents liegt bei ca. 71,2° n. Br. in Knivskjelodden, Norwegen, der südlichste Punkt in Tarifa im Süden Spaniens. Damit beträgt die Nord-Süd Ausdehnung ca. 3.800 Kilometer. Von Ost nach West erstreckt sich die Landmasse Europas vom Uralgebirge in Russland bis zur Atlantikküste Portugals, was ca. 6.000 Kilometer West-Ost Ausdehnung bedeutet. Insgesamt ist Europa stark zergliedert. Es beinhaltet einige größere Halbinseln, wie die Iberische Halbinsel, die Apenninhalbinsel, die Skandinavische Halbinsel und die Balkanhalbinsel, sowie viele weitere, kleinere Halbinseln wie Bretagne und Jütland. Außerdem gibt es noch eine Vielzahl von Inseln, die größten sind die Britischen Inseln, Island, Sardinien und Sizilien. Sizilien Im Norden grenzt Europa an einzelne Randmeere des Nordpolarmeeres wie die Barentssee und das Europäische Nordmeer. Obwohl sich die Nebenmeere Nord- und Ostsee streng genommen innerhalb des Kontinents befinden, wird die Nordsee auch als seewärtige Grenze angesehen. Im Südosten grenzt Europa an das Kaspische Meer, im Süden an das Schwarze Meer und an das Mittelmeer, und im Westen an den Atlantischen Ozean. Der höchste Punkt des Kontinents liegt je nach Definition der "Grenzen" Europas entweder im nördlichen Kaukasus in Russland (Elbrus (5.642 Meter)) oder aber in den Alpen zwischen Frankreich und Italien (Montblanc (4.808 Meter)). Der niedrigste Punkt Europas liegt mit 28 Metern unter dem Meeresspiegel an der Nordküste des Kaspischen Meeres. Siehe auch: Mittelpunkt Europas

Innereurasische Grenze

Das Ural-Gebirge, der Ural-Fluss, das Kaspische Meer, die Manytschniederung nördlich des Kaukasus, das Schwarze Meer sowie Bosporus, Marmarameer und Dardanellen bilden unter anderem die Grenze zwischen Europa und Asien. Siehe auch: Innereurasische Grenze

Untergliederung


- Nordeuropa
  - Nordwesteuropa
  - Nordosteuropa
- Mitteleuropa
  - Ostmitteleuropa
- Osteuropa
- Südeuropa
  - Südosteuropa
- Westeuropa

Flüsse

Westeuropa Die längsten Flüsse Europas (über 1.000 km) sind: #Wolga (3.531 km) #Donau (2.850 km) #Ural (2.428 km) (an der "innereurasischen" Grenze) #Dnjepr (2.200 km) #Don (1.870 km) #Petschora (1.809 km) #Kama (1.805 km) #Oka (1.500 km) #Belaja (1.430 km) #Dnjestr (1.352 km) #Rhein (1.320 km) #Wjatka (1.314 km) #Elbe (1.165 km) #Desna (1.130 km) #Weichsel (1.047 km) #Düna (1.020 km) #Loire (1.020 km) #Choper (1.010 km) #Tajo (1.007 km) Siehe auch: Liste europäischer Flüsse, Die längsten Flüsse der Erde

Berge

Die höchsten Berge in Europa sind: #Elbrus (5.642 m), Russland, Kaukasus (umstritten, weil innereurasische Grenze unterschiedlich festgelegt ist) #Dykh Tau (5.203 m), Russland, Kaukasus (umstritten) #Rustaveli (5.201 m), Georgien, Kaukasus (umstritten) #Koshtan Tau (5.150 m), Russland, Kaukasus (umstritten) #Pushkin (5.100 m), Russland, Kaukasus (umstritten) #Shkhara (5.068 m), Russland/Georgien, Kaukasus (umstritten) #Kazbek (5.047 m), Russland/Georgien, Kaukasus (umstritten) #Mizhirgi (5.025 m), Russland, Kaukasus (umstritten) #Katyn (4.974 m), Russland, Kaukasus (umstritten) #Shota Rustaveli (4.960 m), Russland, Kaukasus (umstritten) #Borovikovs topp (4.888 m), Russland, Kaukasus (umstritten) #Mont Blanc (4.808 m; mit Eiskappe), Grenze Frankreich-Italien, Alpen #Dufourspitze (4.634 m; Monte-Rosa-Massiv), Grenze Schweiz-Italien, Alpen #Dom (4.545 m), Schweiz, Alpen #Weisshorn (4.505 m), Schweiz, Alpen #Lyskamm (4.480 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen #Matterhorn (4.478 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen #Dent Blanche (4.357 m), Schweiz, Alpen #Finsteraarhorn (4.274 m), Schweiz, Alpen #Zinalrothorn (4.221 m), Schweiz, Alpen #Alphubel (4.206 m), Schweiz, Alpen #Rimpfischhorn (4.199 m), Schweiz, Alpen #Aletschhorn (4.192 m), Schweiz, Alpen #Dent d'Hérens (4.171 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen #Breithorn (4.164 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen #Jungfrau (4.158 m), Schweiz, Alpen #Mönch (4.107 m), Schweiz, Alpen #Ecrins (4.101 m), Frankreich, Alpen #Schreckhorn (4.078 m), Schweiz, Alpen #Gran Paradiso (4.061 m), Italien, Alpen #Großes Fiescherhorn (4.049 m), Schweiz, Alpen #Piz Bernina (4.049 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen #Weissmies (4.023 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen #Ortler (3.905), Italien, Alpen Die bekanntesten Vulkane in Europa sind:
- Ätna (italien. Etna) (veränderlich um 3.370-3.400 m), Sizilien, Italien
- Hvannadalshnjúkur (2.119 m, unter dem Vatnajökull), höchster Berg auf Island
- Grímsvötn (1.725 m; unter dem Vatnajökull), Island
- Herðubreið (1.682 m, unter dem Vatnajökull), Island
- Vesuv(io) (ca. 1.200 m), Italien
- Stromboli (ca. 926 m), vulkanische Insel, Italien
- Santorini (Σαντορίνη) (575 m), vulkanische Insel, Griechenland

Klima

Der Kontinent liegt hauptsächlich in den gemäßigten Breiten. Das Klima ist in Europa im Vergleich mit Gebieten gleicher geographischer Breite in anderen Erdteilen wegen des Einflusses des relativ warmen Golfstroms milder. Die durchschnittliche Jahrestemperatur von Neapel beträgt beispielsweise 16 °C, während das auf nahezu gleicher Breite liegende New York 12 °C erreicht. Schwankungen der Temperatur innerhalb eines Jahres sind in den größten Teilen des Erdteils relativ gering. Kühlen Winter stehen milde Sommer gegenüber. Nur in Gebieten, die weit vom Meer, also auch von dessen klimatisch ausgleichenden Einfluss entfernt liegen, sind die Temperaturunterschiede in verschiedenen Jahreszeiten stärker. In größten Teilen Osteuropas ist das Klima durch das Fehlen des Meeres in unmittelbarer Nähe vorwiegend kontinental geprägt. Kalte Winter und heiße Sommer sind in diesen Regionen vorherrschend. Durch die Erdrotation und der damit verbundenen ablenkenden Kraft kommen Winde hauptsächlich aus westlicher Richtung. Da in den Küstengebieten Westeuropas deswegen Winde vornehmlich vom Atlantischen Ozean wehen, kommt es fast ganzjährig zu Regen. In Ost-und Mitteleuropa ist die Niederschlagsmenge dagegen vergleichsweise gering, da wiederum der Einfluss des Meeres auf diese Regionen zu gering ausfällt. Hochgebirge können die Niederschlagsmenge ebenfalls stark beeinflussen. So ist der mittlere Jahresniederschlag nördlich der Alpen deutlich geringer als südlich. Die Alpen wirken in diesem Fall als Barriere, durch den es nur wenige Regenfronten schaffen durchzudringen. In Gebieten nahe des Mittelmeers herrscht überwiegend mediterranes Klima, das heißt trockene und heiße Sommer, während es im Winter mild und feucht ist. Im Sommer gibt es vorwiegend Winde aus nördlicher Richtung, im Winter bringen westliche Winde aus Richtung des Atlantischen Ozeans dagegen häufigen Niederschlag mit. Im Norden Europas herrscht arktisches Klima, im Südosten an der Wolga dagegen Kontinentalklima mit heißen Sommern und geringem Niederschlag.

Bevölkerung

Europa hat mit ca. 730 Millionen Einwohnern nach Asien und Afrika die drittgrößte Bevölkerungszahl aller Kontinente und gehört zu den dichter besiedelten Teilen der Erde. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte beträgt 66/km². Vor allem in West-, Mittel- und Südeuropa ist die Bevölkerungsdichte relativ hoch, während sie weiter nach Norden und Osten stark abnimmt.

Sprachen

Mehr als 90 Prozent der Einwohner Europas sprechen indogermanische Sprachen. Am weitesten verbreitet sind slawische, germanische und romanische Sprachen. Auch Griechisch, Albanisch, die baltischen und keltischen Sprachen, sowie das Romani zählen zu den indogermanischen Sprachen. Die uralischen Sprachen stellen die zweitgrößte Sprachfamilie Europas dar. Sie unterteilen sich weiter in die samojedischen Sprachen, die von einigen wenigen Tausend im Menschen im äußersten Nordosten Europas gesprochen werden, und in die finno-ugrischen Sprachen. Hierzu zählen vor allem Finnisch, Ungarisch, Estnisch als Amtssprachen, ferner die in Lappland gesprochenen samischen Sprachen und einige Minderheitensprachen, vor allem in Russland. Im europäischen Teil der Türkei ist mit Türkisch eine altaische Sprache Amts- und Titularsprache. Andere Turksprachen sind als Minderheitensprachen in Ost- und Südosteuropa verbreitet, so etwa das Gagausische und das Tatarische. Mit Kalmückisch wird am Ostrand des Kontinents auch eine Sprache des mongolischen Zweigs der Altaisprachen in Europa gesprochen. Mit Maltesisch ist auf der Insel Malta zudem eine Sprache des semitischen Zweigs der afroasiatischen Sprachen Amtssprache. Die in Spanien und Frankreich gesprochene baskische Sprache wird keiner größeren Sprachfamilie zugerechnet, ihr Ursprung konnte durch die moderne Sprachwissenschaft nicht rekonstruiert werden und ist nach wie vor unbekannt. Darüber hinaus werden heute in Europa zahlreiche weitere Sprachen aus anderen Sprachfamilien gesprochen, die durch Einwanderer in jüngerer Zeit hierher gelangt sind. Am gebräuchlichsten in Europa ist das lateinische Alphabet, gefolgt von dem kyrillischen Alphabet (in Russland, Weißrussland, der Ukraine, Bulgarien, Serbien, Mazedonien und Teilen Montenegros) und dem griechischen Alphabet. Siehe auch: Liste von Sprachen in Europa, Minderheitensprachen in der Europäischen Union, Amtssprachen der Europäischen Union

Religionen

Ca. 75% der Europäer sind Christen (vor allem katholisch, protestantisch, orthodox). 7 % sind Muslime (vor allem in Südosteuropa sowie Einwanderer aus islamischen Ländern in England, Frankreich, Deutschland, Italien), außerdem gibt es Juden sowie eine größere Zahl von in jüngerer Zeit aus anderen Teilen der Welt nach Europa gekommener oder neu entstandenener Religionen. Ca. 18 % der Europäer sind konfessionslos, besonders in den Städten und den ehemals kommunistischen Ländern im Osten, zum Teil aber auch in Deutschland. Das Christentum erreichte Europa erstmals im 1. Jahrhundert nach Chr. Der Islam breitete sich im 8. Jahrhundert auf der Iberischen Halbinsel, wurde aber im Zuge der "Reconquista" vom 13. bis zum 15. Jahrhundert wieder verdrängt. Europäer verbreiteten das Christentum durch Einwanderung und Mission in Amerika, Australien und in geringerem Maße auch auf anderen Kontinenten (Teile Südostasiens, Afrikas und Ozeaniens). Heute ist Europa weitgehend säkularisiert.

Städte und Metropolen

Ozeanien Lissabon war eine der ersten kosmopolitischen Metropolen der Welt, da sie in Zeiten des Imperialismus Zentrum eines großen Kolonialreiches war. Noch 1950 befanden sich vier Städte der heutigen Europäischen Union unter den zwanzig größten der Welt, seitdem wachsen die europäischen Städte kaum noch, verlieren teilweise an Einwohnerzahlen. Diese vier größten EU-Städte waren London auf dem zweiten Platz hinter New York, Paris auf dem vierten Platz hinter Tokio, Mailand und Neapel belegten noch Platz 13 bzw. 19. Doch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts holten die Städte der restlichen Welt, besonders die der Entwicklungsländer, z. B. Mexiko-Stadt, Manila oder São Paulo, bei den Einwohnerzahlen auf und führen jetzt die Tabelle der Welt an. Problematisch beim Vergleich der Metropolen ist die in Deutschland übliche Abgrenzung anhand der Gemeindegrenzen, da andere Staaten dies in ihren Statistiken nicht tun (z.B. USA, Frankreich, Australien, Großbritannien). Daher fehlen in der unteren Auflistung der Metropolen polyzentrische Stadtregionen wie Rhein-Ruhr und Rhein-Main in Deutschland oder das oberschlesische Industriegebiet in Polen. Die europäischen Hauptstädte finden sich in der Liste der Hauptstädte der Welt. Entfernungen verschiedener europäischer Städte (Alle Messungen sind in Luftlinie angegeben):
- Amsterdam (NL) – Warschau (PL), ca. 1.100 km
- Helsinki (FIN) – Rom (I), ca. 2.200 km
- Belgrad (SCG) – Dublin (IRL), ca. 2.150 km
- Edinburgh (GB) – Hamburg (D), ca. 900 km
- Istanbul (TR) – Lissabon (P), ca. 3.200 km
- Sagres (P) – Ust Kara (RUS), ca. 5.580 km
- Wien (A) – Bratislava (SK), ca. 60 km

Kultur und Bildung

In allen Staaten Europas gibt es eine Schulpflicht oder mindestens eine Bildungspflicht, die oft vom 6. oder 7. bis zum 15. oder 16. Lebensjahr dauert. Die Grundschulzeit beträgt vier bis fünf Jahre in den meisten, sieben oder acht Jahre in den wenigsten Ländern. Danach folgt meist eine weiterführende Schule, die auch verschiedene Schultypen und -arten umfassen kann. Die Analphabetenrate ist in fast allen Ländern durch verschiedene Förderungen des Bildungssystems sehr niedrig. In vielen Ländern gibt es außerdem sehr renommierte Hochschulen und Universitäten, teilweise auch mit bestimmten fachlichen Schwerpunkten. Bildhauerei, Malerei, Literatur, Architektur und Musik haben in Europa eine lange Tradition. Viele Städte, wie beispielsweise Paris, Rom, Berlin und Moskau werden heute als kulturelle Zentren betrachtet. Außerdem besitzen viele Städte wichtige Theater, Museen, Orchester und weitere bedeutende Einrichtungen.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Europas Für den Menschen war Europa erst die dritte Wahl. Vor etwa 800.000 Jahren soll die Besiedlung durch den Homo antecessor begonnen haben, etwa eine halbe Million Jahre, nachdem Ostasien von Afrika aus besiedelt worden war. Während die Entwicklung des Homo sapiens in Afrika ablief, war Europa die Domäne von Homo heidelbergensis und Homo neanderthalensis. Trotz - oder vielleicht auch wegen - der widrigen Bedingungen durch die Eiszeit sollen diese Menschen vor etwa 100.000 Jahren angefangen haben, die Kultur der Altsteinzeit zu verfeinern. Mit der Jungsteinzeit und der Bronzezeit begann in Europa eine lange Geschichte großer kultureller und wirtschaftlicher Errungenschaften, zunächst im Mittelmeerraum, dann auch im Norden und Osten. Besonders die griechische Kultur, das Römische Reich und das Christentum hinterließen ihre Spuren bis heute. In der späteren Antike vereinigte das Römische Reich erstmals das gesamte südliche Europa zusammen mit den anderen Küstenländern des Mittelmeeres in einem Großreich. Im Römischen Reich konnte sich die neue Religion des Christentums schnell ausbreiten. Trotz aller Verfolgungen wurde das Christentum unter Kaiser Konstantin I. Staatsreligion und wirkt bis heute fort. Das Mittelalter war geprägt von der Konkurrenz zwischen dem neuen römischen Kaiser im Westen und dem alten römischen Kaiser in Byzanz, auf deren beiden Einflussspären die Spaltung in ein westliches und östliches Europa zurückgeht. Missionare verbreiteten das Christentum über Nord- und Osteuropa, so dass ganz Europa christlich wurde. Im westlichen Europa gab es Auseinandersetzungen zwischen von Kaiser und Papst um die Vorherrschaft. Die Reformation im 16. Jahrhundert spaltete die Kirche in einen katholischen und evangelischen Teil. Religionskriege waren die Folge. 1618 bis 1648 verwüstete der Dreißigjährige Krieg weite Teile Mitteleuropas. Seit dem 15. Jahrhundert bauten europäische Nationen (besonders Spanien, Portugal, Russland, die Niederlande, Frankreich und das Vereinigte Königreich) koloniale Imperien mit großen Besitztümern in Afrika, Amerika und Asien. Europa ist der Kontinent, der die anderen Erdteile am meisten beeinflusst hat (zum Beispiel durch christliche Missionierung, Kolonien, Sklavenhandel, Warenaustausch und