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| Befestigungsanlage |
BefestigungsanlageEine Befestigung ist ein Ort oder eine Stelle, die gegen die Zerstörung durch Menschen, Tiere oder Naturgewalten abgesichert wird und vor zu leichter Zerstörung bewahrt werden soll, indem sie einem Gegner ein Hindernis entgegenstellt und den Insassen Schutz bietet.
Dies erfolgt im Zuge einer Umgestaltung des Geländes, wobei diese sich richtet
#auf den Ruhezustand, indem man den Streitkräften und Streitmitteln, die zur Erhaltung des kriegstüchtigen Zustandes nötige Unterkunft schafft (Herstellung von Unterkunftsräumen und Lagerbauten)
#auf den Marsch zu und auf das Kampfgebiet, indem man die Bewegungen der eigenen Truppen erleichtert und die des Gegners erschwert (Neubau, Ausbesserung und Zerstörung von Verkehrswegen)
#auf das Feuergefecht, indem man die Wirkung der eigenen Waffen vorteilhaft zur Geltung bringt und sich gegen die feindlichen deckt (Einrichten des Vorgeländes, Anlage von Deckungen)
#auf den Nahangriff (Sturm), indem man sich durch oder über die den Gegner schützenden Anlagen einen Weg bahnt, andererseits den gegner aufhält (Befestigung selbst, Anlage von Hindernissen)
Nach dem dauernden oder vorübergehenden Zweck der Bauten, der zur Ausführung vorhandenen Zeit und den verfügbaren Mitteln unterscheidet man
- die Permanente Befestigung
- die Provisorische Befestigung
- die Feldbefestigung
Komponenten einer Befestigung (Beispiele):
- Zäune
- Gräben
- Mauern mit Türmen, Zinnen, Toren
- Berge, Hügel
Deiche und Uferbefestigungen sollen das Wasser (Hochwasser, Sturmflut) von dem dahinterliegenden bewirtschafteten und/oder bewohnten Land abhalten, Uferbefestigungen sollen das Wegspülungen der Böschung verhindern.
Eine für militärische Zwecke errichtete Befestigung wird auch als Fortifikation bezeichnet. Orte die verteidigt werden sollen, werden von den Verteidigern befestigt, um die Kampfkraft des Verteidigers zu erhöhen, eine Verteidigung zu erleichtern und das Vordringen des Gegners zu erschweren. Städte, Dörfer können durch Mauern und Gräben befestigt werden, selbst provisorische militärische Lager können durch schnell zu errichtende Palisadenzäune befestigt werden. Der Höhepunkt der militärischen Befestigungen sind Festungen/Forts, Burgen und Bunker.
Beispiele für Grenzbefestigungen sind der Römische Limes oder die Berliner Mauer.
Früher wurde die Gesamtheit aller mit der Befestigungskunst in Zusammenhang stehenden Einrichtungen wurde früher unter dem Namen Geniewesen zusammengefasst worden.
Siehe auch: Bewehrung
Kategorie:Befestigungsanlage
NaturgewaltEine Naturkatastrophe ist eine natürlich entstandene Veränderung der Erdoberfläche oder der Atmosphäre, die auf Lebewesen und deren Umgebung verheerende Auswirkungen hat. Ein spektakuläres Naturereignis (beispielsweise ein Gletscherabbruch auf Grönland) genügt also nicht; im engeren Sinne kann ein Naturereignis nur dann zur "Katastrophe" werden, wenn es sich auf Menschen auswirkt: Es gibt keine Naturkatastrophen, nur Kulturkatastrophen (Lars Clausen/ Wieland Jäger). Wenn hingegen Menschen die Verursacher der Katastrophe sind, spricht man von einer Umweltkatastrophe. Der Zeitraum, in dem die Veränderungen stattfinden, reicht von Sekunden bis zu Jahren.
Die Betrachtung und Analyse von Naturkatastrophen ist immer abhängig von verschiedenen Komponenten. Die wichtigsten Gründe sind:
- Globale Bevölkerungszunahme (exponentielle Entwicklung). Beispiel: im Jahr 1800 lebten 1 Mrd. Menschen auf der Erde, heute sind es 6,3 Mrd.
- Insgesamt steigender Lebensstandard in fast allen Ländern der Erde führt zu wachsenden Wertbeständen, die im Falle einer Katastrophe betroffen sind.
- Konzentration von Bevölkerung und Werten in Großstadträumen: Entstehung zahlreicher Megastädte auch in gefährdeten Regionen (z.B. Tokio: 30 Mio. Einwohner).
- Besiedelung und Industrialisierung stark exponierter Regionen, insbesondere an Küsten, in Flussniederungen, Tourismus in Gefahrenzonen, z.B. in Florida.
- Anfälligkeit moderner Gesellschaften und Technologien, Bautechnik, Geräte, Netzwerke; Probleme auch bei Zulieferern.
- Weltweite Änderungen der Umweltbedingungen, Klimaänderung, Wasserverknappung, Verlust der Artenvielfalt.
Maßnahmen zur Abwehr von Naturkatastrophen werden im Rahmen des Katastrophenschutzes ergriffen.
Einteilung verschiedener Naturkatastrophen
Die Klassifikation erfolgt nach nicht von Menschen herrührenden (nicht anthropogenen) Ursachen. Viele dieser Ursachen lassen sich allerdings auch auf Menschen zurückführen (beispielsweise Eindeichungen). Kriege, Bürgerkriege und bewaffnete Konflikte werden nicht zu den Naturkatastrophen gezählt.
Endogene/tektonische Ursachen
- Erdbeben und Seebeben
- Vulkanausbrüche mit Lavafluss, Vulkaneinstürze, Vulkanexplosionen
- Tsunamis (durch Seebeben hervorgerufene Flutwellen)
- Gletscherlauf (auch gravitatorische Ursachen)
- Erdrutsche, Lawinen, Bergstürze, Muren
- Steinschlag
- Meteoriteneinschläge
- Gletscherlauf (auch endogene/tektonische Ursachen)
Sonstige Ursachen
- Strudel
- Heuschreckeneinfall
- Termitenbefall
- Ungeziefer
- Vorkommen bestimmter Krankheiten (z. B. Malaria)
Katastrophenstatistiken
Größere Versicherungskonzerne führen in der Regel geographisch organisierte Risikostatistiken, die ihnen als Berechnungsgrundlage für Versicherungsprämien dienen. Die EM-DAT OFDA/CRED International Disasters Database der WHO dokumentiert seit 1988 die weltweiten Katastrophen. Demnach ereigneten sich zwischen 1900 und 2003 insgesamt 9195 größere Katastrophen mit jeweils mindestens 10 Toten. Davon hatten Wetterkatastrophen mit 57 % den höchsten Anteil, keine 20 % waren geologischen Ursprungs (Vulkanausbrüche, Erdbeben), wie auch die in die geologische Kategorie gezählten Tsunamis; der Rest waren biologische Katastrophen (Seuchen und Plagen).
Die Weltbank hat 2005 in ihrem Report Natural Disaster Hotspots: A Global Risk Analysis Karten publiziert, die die Verteilung der Risiken auf Weltkarten zeigen. Etliche davon sind zu sehen auf den Seiten der Columbia University: [http://www.ldeo.columbia.edu/chrr/research/hotspots/].
Liste historischer Katastrophen
Siehe auch
- Katastrophe
- Katastrophensoziologie
- Vulkanismus
- Sommeranomalie
- Jahrhundertflut
Aööe tot
Weblinks
- [http://www.naturgewalten.de/ Naturgewalten von Thomas Sävert]
- [http://www.forstner-billau.at/detail/index.htm Über die Gewalten der Natur]
- [http://www.uni-muenster.de/MineralogieMuseum/vulkane/Vulkan-13.htm Naturkatastrophe durch Vulkanismus]
- [http://www.em-dat.net/ Die Emergency Disaster Database EM-DAT] (englisch)
Kategorie:Katastrophenliste
ja:自然災害
Zaun----
Ein Zaun ist eine künstliche Einfriedung und trennt zwei Gebiete dauerhaft oder auf Zeit durch eine von Menschen geschaffene Abgrenzung. Anders als eine Mauer oder Wand ist er jedoch transportabel, teilweise duchlässig und besteht gewöhnlich aus Holz, Draht, Aluminium oder Stahl, gelegentlich auch aus Beton oder Vollkunststoff. Ein Zaun kann knie- oder haushoch , wenige Zentimeter oder viele Tausende Kilometer lang sein, je nach Verwendungszweck. Gelegentlich sind Zäune farbig gestrichen,
lasiert oder lackiert, moderne Holzzäune meist imprägniert, Drahtzäune kunststoffbeschichtet.
Von einem Hindernis, einer Barriere oder Absperrung trennt ihn die klar definierte Grenzziehung, wenn auch die Begriffe gelegentlich in synonymer Bedeutung verwandt werden.
Vorrangig dient er der deutlichen Kenntlichmachung von Besitzverhältnissen an Grund und Boden im öffentlichen Raum.
Der Zaun wird dazu eingesetzt, um Menschen und/oder Tiere daran zu hindern, sich von einem Gebiet in ein anderes zu bewegen, z.B. auf Weiden, in Zoos, in Gefängnissen oder Gefangenenlagern. Er dient auch der Abgrenzung von staalichen Territorien. So trennte der Grenzzaun mitten durch Deutschland über Jahrzehnte die DDR von der BRD; aktuell ist der rund 700 km lange "Sicherheitszaun" entlang der Grünen Linie in Israel, der israeliches Kerngebiet vom Westjordanland trennt.
Unternehmen verwenden Zäune zur Absicherung ihrer Gewerbe- und Industriegebiete gegen Unbefugte ebenso wie Privatleute zur Sicherung ihre Grundstücke wie ein Eigenheim ode einen Garten. Auch in Landschaftsschutzgebieten werden sie eingesetzt; Im Straßenbau werden Krötenzäune zum Schutz von Amphibien in der Nähe ihrer Wanderwege angelegt.
Zudem kann der Zaun dazu verwandt werden, ein bestimmtes Objekt vor den Blicken Unbefugter in der Öffentlichkeit zu verbergen. Ein dem Zaun verwandtes Gebilde in geschlossenen Räumen wird Gitter genannt. Nicht selten erfüllt der Zaun aber auch nur ein dekorative Zwecke, z.B. als Rankhilfe bei der Gartengestaltung.
Seinen Ursprung hat der Zaun nicht in Deutschland, sondern in der England. Andere Kulturen, z.B. in Irland, grenzen ihre Grundstücke mit Trockenmauern voneinander ab, wieder andere mit Hecken oder Wassergräben. Es gibt auch in Deutschland Regionen, die gewollt keine Zäune bauen: So sind z.B. die Bewohner des alten Fischerdorfes (Neuendorf auf der OstseeinselHiddensee bis heute stolz darauf, auf Umzäunungen jeder Art ihrer Grundstücke von alters her zu verzichten.
Die ältesten Zauntypen waren Flechtzäune und Staketenzäune, wie sie heute noch bei traditionell gepflegten
Bauerngärten gibt. Häufig verwendete robuste Holzarten sind Edelkastanie, Lärche, Eiche, Fichte, Kiefer und Weide.
So wie in jeder Landschaft traditionell unterschiedliche Haustypen zu finden sind, so sind in den verschiedenen Gegenden Deutschlands, Europas und der Welt auch unterschiedliche Zaunformen entstanden, die das Gesamtbild einer Landschaft bedeutend mitprägen. So spielten Zäune in der Entwicklung des amerikanischen Westens eine wichtige Rolle, um die Besitzverhältnisse bei den riesigen Rinderherden klar abzugrenzen. Es kam um die seit den 1870er Jahren mit Stacheldraht versehenen Zäune sogar zu Weidekriegen.
Weidekrieg
Vorschriften für Zäune
Umzäunungen sind in Deutschland vorgeschrieben:
- bei offenen Hochspannungsanlagen (Umspannwerken, selbststrahlenden Sendemasten). Umspannwerke werden meist mit Metallzäunen umgeben, auf denen sich Stacheldraht befindet. Zur Umzäunung selbststrahlender Sendemasten werden zur Vermeidung von Wirbelstromverlusten häufig Holzzäune verwendet.
Allerdings müssen mit Stromschiene elektrifizierte Bahnen nicht vollständig eingezäunt sein.
- bei Anlagen mit gefährlichen beweglichen Teilen (zum Beispiel bei Fahrgeschäften in Vergnügungsparks)
- bei Sprengstofffabriken und -lagern
- bei Steinbrüchen
- bei den meisten Industrieanlagen
- bei Flugplätzen
- bei Militärgeländen
- bei Gefängnissen
- bei Zoos und Tierparks
Auch für die Anlage privater Gartenzäune bestehen von Gemeinde zu Gemeinde sehr unterschiedlich gehandhabte lokale Vorschriften.
Verschiedene Zauntypen
Je nach Einsatzgebiet kommt eine andere Art und Größe von Zaun zum Einsatz:
Maschendrahtzaun
Der Maschendrahtzaun oder auch Diagonaldrahtgeflechtzaun besteht aus Pfosten und Drähten. Die Drähte sind dabei zu Maschen verflochten. In definierten Abständen wird ein Pfosten im Boden verankert und Drähte zwischen diesen Pfosten gespannt. Die Dichte der Drähte richtet sich dabei nach dem Zweck des Zauns. Grobe Maschen halten große Lebewesen auf, feine Maschen kleine.
Bei einem speziellen Einsatzgebiet eines Maschendrahtzauns, z.B. um Vieh- und Pferdeweiden, wird an diesen eine elektrische Spannung angelegt. Er besteht in der Regel nur aus einem Draht, der an einer Batterie angeschlossen ist und der von Pfosten zu Pfosten gezogen wird.
Batterie
Metallzaun
Der Metallzaun oder auch Gittermattenzaun wird aus Stahl oder Aluminium gefertigt. Die
Metallstäbe können voll, quadratisch oder rechteckig sein, aber auch zu geschwungenen Mustern und Ornamenten verwoben sein.
Sowohl Draht- als auch Metallzäune sind heute in der Regel zum Schutz gegen Korrosion verzinkt.
Der Lattenzaun besteht aus senkrecht stehenden Latten, welche durch zwei oder drei Querbalken miteinander verbunden sind. An diese Querbalken werden in regelmäßigen Abständen Latten angebracht. Der Querschnitt der Latten ist rechteckig oder rohrförmig.
Eine ältere Form des Lattenzauns ist der Staketenzaun. Der Querschnitt der Staketen ist rohrförmig oder quadratisch, oben abgeschrägt. Im Gegensatz zum Lattenzaun werden die Staketen jeweils an einem unteren und einem oberen Querbalken befestigt.
Eine alte Zaunform, die früher besonders in Bayern üblich war, ist der Hanichlzaun. Er wird aus halbierten und oben zugespitzten Fichten- oder Tannenstämmen hergestellt.
Jägerzaun
Der Jägerzaun, auch Scheren- oder Kreuzzaun, wird noch heute in manchen Landstrichen sehr gerne beim Privathausbau angelegt. Besonders häufig trifft man ihn in geschlossenen Siedlungsformationen. Bei diesem etwa 80 Zentimeter hohen Zaun sind die oben zugespitzten Latten nebeneinander X-förmig an zwei Querbalken befestigt.
X
Der Palisadenzaun, auch Lanzenzaun, ist ebenfalls senkrecht ausgerichtet und vor zwei Querbalken befestigt. Die einzelnen Palisaden haben einen runden oder rohrförmigen Querschnitt und sind oben mit Spitzen versehen, was sie besonders für kletternde Kinder äußerst gefährlich und gelegentlich zur tödlichen Falle macht.
Der Bohlenzaun ist ein besonders blickdichter Zaun, bei dem die einzelnen Bohlen bzw. Latten einseitig bzw. beidseitig versetzt angeordnet sind.
Bretterzäune werden meistens als Sichtschutz z. B. bei Baustellen, eingesetzt oder als Schutz vor Sachbeschädigungen. Dabei werden Bretter zwischen den einzelnen Pfosten befestigt.
Flechtzaun
Der aus biegsamen Profilbrettern waage- oder senkrecht verflochtene Flechtzaun gehört zu den ältesten Zaunformen und wirkt sehr natürlich; klassisches Holz ist Weide.
Betonzaun
Betonzäune werden privat und gewerblich eingesetzt. Sie werden in Handarbeit hergestellt, nur die Pfosten werden einbetoniert. Zwischen den einbetonierten Pfosten werden Zaunplatten eingesetzt.
Weidezaun
Der Weidezaun wird dort gebraucht, wo man Tiere einzäunen möchte. Meistens verwendet man dafür Rundpfähle aus Fichte/Tanne mit Halbrundlatten aus demselbigen Material, oder das dauerhafte Akazienholz. Die Höhe des Zaunes für Pferde sollte ca. 150 - 160 cm sein.
Der elektrische Weidezaun besteht aus Drähten oder (zur besseren Sichtbarkeit) drahtdurchzogenen Kunststoffbändern, über die in kurzen Abständen Stromimpulse fließen. Diese versetzen Tieren - oder unvorsichtigen Wanderern - bei Berührung einen unangenehmen, aber nicht gefährlichen Stromschlag.
Das deutsche Wort Zaun ist verwandt mit dem englischen Wort town (Stadt) und dem niederländischen Wort tuin (Garten). Es bezeichnete also ursprünglich nicht das Hindernis selbst, sondern das von ihm umschlossene Gebiet. Das alte deutsche Wort dafür war hag, was jedoch einen "Zaun" aus natürlichem Material wie z.B. eine Dornenhecke bezeichnete.
Sonstiges
In der deutschen Kulturgeschichte wird der Zaun, insbesondere in Gestalt des Gartenzauns, oft gleichgesetzt mit kleinbürgerlicher Spießigkeit. Gemeinsam mit dem Gartenzwerg steht er Kritikern auch als Synonym für Rechthaberei und kleinkariertes Besitzdenken: Der berühmt-berüchtigte "Streit am Gartenzaun" unter Nachbarn war Anlass für zahlreiche Zivilprozesse und gab Stoff ab für Fernsehsendungen. Stefan Raabs Song Maschendrahtzaun um einen Nachbarschaftsstreit im sächsischen Vogtland hatte 1999 eine Zeitlang Kultstatus. Andere wiederum sehen vor allem im Gartenzaun ein Symbol für Gemütlichkeit und häusliche Harmonie.
- Über´n Gartenzaun ist eine Gartensendung von Radio Bremen.
- Einen Blick über den Gartenzaun werfen meint redensartlich, seinen Horizont über die eigene kleine Welt hinaus erweitern; vgl. auch Einen Blick über den Tellerrand werfen.
- Einen Streit vom Zaun brechen meint redensartlich, mit Absicht - unberechtigten - Streit anfangen.
- Sie nicht mehr alle auf dem Zaun haben bedeutet soviel wie durchgeknallt sein.
- Jemandem einen Wink mit dem Zaunpfahl bzw. mit der Zaunlatte geben heißt soviel, wie jemandem sehr deutliche Hinweise zu geben, ohne die Angelegenheit direkt anzusprechen.
- Der Lattenzaun ist ein bekanntes satirisches Gedicht von Christian Morgenstern.
- Der längste Zaun der Welt ist der "Dingo Fence", der auf einer Länge von ca. 5.353 km - den Südosten Australiens durchzieht [http://www.nicholsonprints.com/Essays/Nullarbor04.htm] ( - lt. "ZEITWISSEN 5/2005; die Angaben variieren zwischen rund 5.000 km und über 8.000 km je nach Quelle).
- Der kürzeste Zaun der Welt wurde 2005 von den Forscher Seth Marder und Joseph Perry mittels eines neuartigen Verfahrens der Mikrotechnik, der two-photon 3D lithography, zu Demonstrationszwecken hergestellt. Er ist ca. 200 Mikrometer lang und 50 Mikrometer hoch und besteht aus drei rechteckigen Kettengliedern und zwei "Pfosten" [http://gtresearchnews.gatech.edu/newsrelease/3dmicrostructures.htm].
Weblinks
- [http://www.heimwerker-webverzeichnis.de/003,001,030.htm Informative Linkliste zum Thema "Zaun"]
- [http://www.wien.gv.at/wua/handbuch/544.htm Gut gemachte Service-Seite des Wiener Umweltamtes]
- [http://www.muenchen.de/Rathaus/plan/lbk/kundeninfo/vorgarten_einfriedung/122035/ Vorschriften der Stadt München zum Gartenzaun]
- [http://www.hradetzkys.de/bauerngarten_zaunbau.php Wissenswertes rund um en Zaun im Bauerngarten]
- [http://www.unterhaltungsspiele.com/Geschichten/Lattenzaun.htm Schräges Mundartgedicht zum Thema "Streit am Zaun"]
Siehe auch
Baustellenzaun, Einfriedung, Garten, Grenze, Hecke, Hof, Mauer, Palisade, Stacheldraht, Maschendraht, Sicherheitszaun, Krötenzaun, Zaungast, Grenzschichtzaun
Kategorie:Absperrung
ja:塀
Mauer
Eine Mauer ist eine massive Wand, also ein vertikales, flaches Bauteil. Im ursprünglichen Wortsinn besteht sie aus Mauerwerk, im Sprachgebrauch bezeichnet man aber auch Wände aus Stahlbeton als Mauer. Wesentliche Merkmale (in Abgrenzung zum Begriff Wand ist die Massivität, die einen Parameter für eine hohe Sicherheit darstellt. Die Mauerabdeckung wird Mauerkrone genannt. Aufgeschichtete Mauern ohne Verwendung von Mörtel werden Trockenmauern genannt.
Funktionen
- Bei einem Gebäude als tragendes Bauteil (Stützung von Dächern und Decken) oder als nichttragendes Bauteil (Raumteiler).
- Als Stützmauer, oder Abfangmauer, die dazu dient, Gelände abzutreppen oder eine steile Böschung abzufangen.
- Als Verteidungsmauer: Vor der Erfindung der Artillerie waren die Burgen und viele Städte durch mit Zinnen und Türmen versehene Schutzmauern bewehrt. Da diese heute für eine Verteidigung keine Bedeutung mehr haben, sind die Städte über ihre Stadtmauern hinaus gewachsen, viele wurden dabei geschleift.
- Als Grenzmauer, wie ehemals die Berliner Mauer
- Als Staumauer, um Flüsse oder Seen aufzustauen.
- Als Umwehrung zur Außensicherung von Justizvollzugsanstalten
Bekannte Mauern
Justizvollzugsanstalt
- Historische Grenzmauern: Chinesische Mauer, Limes, Hadrianswall
- Moderne Grenzmauern: Berliner Mauer, Mauer auf Zypern (durch die Hauptstadt Nikosia), Israelische Mauer durch Palästina: Israelische Sperranlagen
- Verteidigung: Westwall
- Symbolische Bedeutung: Mauern von Jericho, Klagemauer
Siehe auch
- Mauerwerk, Mauertrockenlegung
- Schallmauer
- Maurer
Weblinks
Kategorie:Mauer
ja:壁
simple:Wall
Zinne]
Die Zinne (v. althochdeutsch zin = Stab) ist ein pfeilerförmiges Stück Mauerwerk auf den Wällen von Burgen und frühen Festungen. Sie diente zur Deckung der Verteidiger gegen die Fernwaffen der Angreifer.
Zinnen und Maschikulis waren beliebter Zierrat in der Architektur des 19. Jahrhundert.
Kategorie:Befestigungsanlage
Kategorie:Bauteil
Kategorie:Heraldik
Tor (Architektur)
Ein Tor ist in der Architektur eine Öffnung in einem abgegrenzen Bereich, wie ein Gebäude, eine Ummauerung oder Zaun, der mit Fahrzeugen (Fuhrwerke, Kraftfahrzeuge) befahrbar ist. Eine derartige Öffnung nur für Fußgänger bzw. Menschen nennt man Tür.
Typische Beispiele für Tore sind:
- ein Gartentor als Öffnung in der Einfriedung des Gartens mittels Mauer oder Zaun,
- ein Werkstor oder Tor für eine Gewerbeanlage (Schiebetor, Schlagbaum),
- Stadttor als Tor in der Stadtmauer,
- Burgtor als Zufahrt zu dem Burghof,
- Tordurchfahrt als Tor für eine Durchfahrt durch ein Gebäude oder
- Garagentor als befahrbare Öffnung in die Garage.
Abgeleitet von den Stadttoren wurden alleine zu Repräsentationzwecken Triumphbögen erstellt, die die Macht des Erbauers demonstrieren sollten.
Historische Tore
Zu den bekanntesten Toren des Altertums zählt das babylonische Ischtar-Tor aus dem 6. Jh. vor Chr.
Als ein Beispiel einer antiken Toranlage Europas kann die Porta Nigra in Trier aus dem Jahre 180 dienen. Sie diente als ein Stadttor der römischen Stadtbefestigung, gleichzeitig sollte sie aber auch die Macht des Römischen Reiches zur Schau stellen.
Alleine der Repräsentation diente der Bautypus des Triumphbogens, solche Bauwerke wurden zu Ehren triumphierender Kaiser oder Feldherren errichtet.
Im Mittelalter spielte die Stadtmauer eine wichtige Rolle bei der Verteidigung einer Stadt, dementsprechend groß war auch die Bedeutung der Stadttore. Oft waren die Stadttore in Türme integriert, diese dienten nicht nur der Verteidigung, sondern - mit Ornamenten, Reliefs und Skulpturen ausgestattet - auch der Repräsentation.
Skulptur
Einige Beispiele mittelalterlicher Stadttore:
- Das Florianstor in Krakau aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts
- Der Hexenturm in Jülich aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts
- Das Isartor in München aus dem 14. Jahrhundert
- Das Holstentor in Lübeck aus dem 15. Jahrhundert
- Das Jerusalemer Tor in Büdingen (Hessen) aus dem Jahre 1503
- Die gut erhaltenen Stadttore in Nördlingen in Bayern aus dem 14. bis zum 17. Jahrhundert
Im 15. Jahrhundert wurden Kanonen entwickelt, mit denen man die Burg- und Stadtmauern zusammenschießen konnte. Dadurch sank zunehmend die militärische Bedeutung der Stadttore, doch es wurden weiterhin repräsentative Anlagen gebaut.
Einige Beispiele der Tore der Neuzeit:
- Das Heidelberger Karlstor aus den Jahren 1775 - 1781, als Geschenk der Bürger der Stadt Heidelberg an Kurfürst Karl Theodor gebaut
- Das Brandenburger Tor aus den Jahren 1788 - 1791
- Der Pariser Triumphbogen aus den Jahren 1806 - 1836
Repräsentative Stadttore werden auch in der Gegenwart gebaut - ein Beispiel ist der in den Jahren 1985-1989 gebaute, 110 m hohe Grande Arche in der Pariser Vorstadt La Défense, der auf derselben sog. Königlichen Achse wie der oben erwähnte Triumphbogen liegt. Das Gebäude dient allerdings nicht ausschließlich der Repräsentation, sondern beherbergt Büros und Ausstellungsflächen.
Oft knüpfen die Gebäude gar nicht an die Form eines historischen Stadttores oder Triumphbogens und doch werden seitens der Stadtplaner, Kommunalpolitiker und Investoren als (symbolische) Stadttore oder zum besonderen Bereich führende Tore bezeichnet. Ein Beispiel hierfür ist das Frankfurter Messe-Torhaus aus dem Jahre 1983.
Siehe auch: Kammertor, Tür, Torkontrolle, Torwache, Luftschleieranlage
Weblinks
- [http://www.tuer-und-tor.de/thumbnails.php?album=2 Tür & Tor - Alte Türen und Tore aus Österreich und Umgebung] - Torgalerie
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Kategorie:Absperrung
SturmflutEine Sturmflut, norddeutsch auch Blanker Hans, ist ein durch Sturm mit auflandigen Winden erhöhter Tidenstrom. Von einer Sturmflut wird gesprochen, wenn der Tidenhöchststand das mittlere Tidenhochwasser um 1,5 Meter oder mehr übersteigt. Sie tritt im Frühjahr und im Herbst z.B. in Gebieten der Nordsee auf.
Sturmfluten und ihre Wirkungen sind seit etwa dem Jahr 1000 u.Z. überliefert. Zuverlässige Angaben gibt es dabei -bis in die neuere Zeit hinein- allenfalls für das Ausmaß der jeweiligen Landverluste. Dazu, wieviele Tote jeweils zu beklagen waren, namentlich, welche Sturmflut unter dieser Sicht die bisher "verheerendste" war, gibt es nur Angaben, die zum einen sehr widersprüchlich, zum anderen im Hinblick auf die mittelalterliche Siedlungsdichte an der Nordsee vielfach deutlich zu hoch angesetzt sein dürften.
Die Opfer der Sturmfluten von 1953 (vor allem in den Niederlanden) und 1962 (vor allem in Deutschland und Dänemark) waren Anlass für umfangreiche Küstenschutzmaßnahmen, z.B. die Deltawerke.
Diese massive Investitionen in den Küstenschutz, insbesondere durch Deichbau und Sperrwerke, haben dafür gesorgt, dass die jüngsten Sturmfluten weitaus weniger Schäden verursachten als frühere, niedrigere Sturmfluten.
Im Zuge der globalen Erwärmung durch den verstärkten Treibhauseffekt wird allerdings mit einer Erhöhung der Sturmflutgefahren durch drei Effekte gerechnet: Erhöhte Sturmwahrscheinlichkeit, Erhöhung der Sturmintensitäten und genereller Anstieg des Meeresspiegels.
Große Sturmfluten
an der Nordsee-Küste:
- 1164, 17. Februar, Julianenflut, der Jadebusen beginnt zu entstehen, ca 20.000 Tote
- 1219, 16. Januar, Erste Marcellusflut, ca. 36.000 Tote an der westfriesischen Küste
- 1228, Sturmflut in Friesland und Holland, 100.000 Tote (?)
- 1277, Weihnachten, ca. 50 Dörfer werden zerstört
- 1287, 14. Dezember, Luciaflut, 50.000 Tote
- 1334, 23. November, Clemensflut, Vergrößerung des Jadebusen, die Dörfer Arngast und Jadelee versinken
- 1362, 15. bis 17. Januar, Zweite Marcellusflut (Grote Mandränke), ca. 100.000 Tote, große Landverluste, der Dollart beginnt zu entstehen
- 1421, 18. November, Sturmflut an der holländischen Küste (St.-Elisabeth-Flut)
- 1436, 1. November, Allerheilgenflut, deutsche Küste
- 1509, 26. September, Cosmas-und-Damian-Flut, größte Ausdehnung des Dollarts und des Jadebusen
- 1532, 2. November, Flandern bis Nordfriesland
- 1570, 1. November, Deiche von Holland bis Jütland werden zerstört (Allerheiligenflut), etwa 10.000 Tote zwischen Ems und Weser
- 1634, 11. Oktober, Burchardiflut (Zweite Grote Mandränke), die Insel Strand wird zerstört, ca. 9.000 Tote
- 1717, Weihnachtsflut an der ostfriesischen Küste, ca. 12.000 Tote
- 1745, 21. Oktober, Sturmflut an der Unterelbe das Dorf Bishorst wird zerstört.
- 1825, 3./4. Februar, Halligflut
- 1953, 1. Februar, Hollandsturmflut hauptsächlich Niederlande, über 2000 Tote
- 1962, 16./17. Februar Hamburger Sturmflut, 315 Tote
- 1976, 3. Januar, Januarflut
- 1981, 24. November, Nordfrieslandflut
- 1990, 26. bis 28. Februar, zwei Sturm-, zwei Orkan- und eine Windflut
Sonstige Küsten:
- 1642, Überschwemmungen in China, 300.000 Tote
- 1824, Sturmflut in Sankt Petersburg, ca. 10.000 (25.000?) Tote
- 1872, Ostseesturmflut, 271 Tote
Weblinks
- [http://www.naturgewalten.de/sturmflut.htm Sturmflutseite von naturgewalten.de]
- http://www.geschichte.schleswig-holstein.de/vonabisz/sturmflut.htm
- http://fhh.hamburg.de/stadt/Aktuell/behoerden/wirtschaft-arbeit/wir-fuer-sie/hafen/wasser/hochwasserschutz/start.html
- [http://geschichtsatlas.de/~gc18/ Geschichtliche Sturmfluten im Wangerland]
Kategorie:Naturkatastrophe
Kategorie:Katastrophenliste
Kategorie:Friesland
Kategorie:Schleswig-Holsteinische Geschichte
Kategorie:Niedersächsische Geschichte
Dorf
Das Dorf bezeichnet eine kleine menschliche Besiedlung, die ursprünglich durch eine landwirtschaftlich geprägte Siedlungs-, Wirtschafts- und Sozialstruktur gekennzeichnet ist. Charakterisierendes Kennzeichen ist nach wie vor die Landwirtschaft; doch sind auch Fischerdörfer, sogar Wanderhändler- oder Flößerdörfer bezeugt. Siedlungen, in denen heute (2004) kein Bauer mehr ansässig ist, sind streng genommen keine Dörfer, werden aber hier mit behandelt. In Deutschland sind die meisten Dörfer in Landgemeinden zusammengefasst.
In Bayern gilt gemäß der Entschließung des Bayerischen Staatsministeriums des Innern vom 18. Oktober 1950 (Nr. I B1 - 68a 1) grundsätzlich jede Ansiedlung mit 10 oder mehr Wohngebäuden, die keine Stadt ist, als Dorf.
Die Form und der Aufbau der siedelnden Gemeinschaft sind abhängig von der Bodenart und deren Fruchtbarkeit, von der Wirtschaftsform und von den traditionellen Gewohnheiten und Eigenheiten der siedelnden Ethnie. Im Gegensatz zur Einzelsiedlung, eines Wohnplatzes, Haubargs, Einzelgehöftes oder einer Honschaft (vgl. auch die Eschflur) ist das Dorf eine Gruppensiedlung.
Historisch gewachsene Dorfformen
Nach Grundriss, Lage, sozialökonomischer Funktion und Wirtschaftsweise werden Dörfer klassifiziert. Auf eine allzu einengende Einteilung in Haupt- und Nebenformen soll hier jedoch verzichtet werden, da die reine Dorfform kaum noch anzutreffen ist. Auf Besonderheiten, Parallelen soll in den einzelnen Hauptartikeln eingegangen werden. Spätestens im 20. Jahrhundert traten in den Dörfern Zersiedelungsprozesse ein, wurden Flure bereinigt, Felder zu großen Schlägen zusammengelegt ("Verkoppelung").
Eng im Zusammenhang mit den Dorfformen stehen die Flurformen. Zu den häufigsten Dorfformen der Erde gehören die Haufen-, die Reihen- und die Straßendörfer.
In manchen Teilen Amerikas, Australiens und Afrikas überwiegen Einzelsiedlungen. Die Dorfbildung in Mitteleuropa begann in der Jungsteinzeit mit den ersten Ackerbauern. Die Dörfer entstanden zunächst, wenn selbstständige, aber gewöhnlich untereinander verwandte Familien ohne gemeinsames Oberhaupt beieinander siedelten.
Grob unterscheidet man nach ungeregelten und geregelten Dorfanlagen, wobei letztere nur bei gelenkter, planmäßiger Kolonisation vorkommen.
Reihendorf
Kolonisation
Ein Reihendorf setzt ein langgestrecktes topografisches Objekt wie eine Straße oder einen Weg, einen Deich, ein Tal oder Höhenrücken, einen Bach oder Graben voraus, an dem die bäuerlichen Siedlungsplätze, das heißt die Höfe oder Hofstellen in mehr oder minder regelmäßigen Abständen angelegt (aneinander gereiht) worden sind.
Meist sind Reihendörfer dadurch gekennzeichnet, dass, sofern die örtlichen Gegebenheiten und Geländebedingungen es ermöglichen, jeweils am Anfang und am Ende des Reihendorfes noch weiter gesiedelt werden, also noch weitere Hofstellen
angelegt werden können.
Zeilendorf
Ein Zeilendorf besteht aus einer Häuser- bzw. Hofzeile, die regelmäßig und linear aneinander gereiht ist.
Moorhufendorf
Beim Moorhufendorf handelt es sich um eine planmäßig angelegte Reihensiedlung des 16. und 17. Jahrhunderts. Das Moorhufendorf hat in der Regel eine Breitstreifenflur (Flurformtyp, bei dem Streifen von ca. 50-800 m Breite dominieren). Die Grenzen der Breitstreifen bilden Entwässerungsgräben.
Marschhufendorf
Ein Marschhufendorf ist ein Reihendorf in Marschgebieten längs eines Entwässerungskanals. Der Landbesitz schließt in gereihten Längsstreifen an die Hofanlagen an. Marschhufendörfer gibt es besonders in den Niederlanden und etwa seit dem 10. Jahrhundert in Norddeutschland in den Gebieten, in denen die Niederländer an der Entwässerung mitwirkten.
Waldhufendorf
Als Waldhufendorf bezeichnet werden planmäßig angelegte Siedlungen des Mittelalters, die durch Rodung angelegt wurden und die, ausgehend von den badischen, schwäbischen und fränkischen Gebieten in Süddeutschland, bei der Kolonisierung in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schlesien sowie teilweise auch Brandenburg eine wichtige Rolle spielten.
Hagenhufendorf
Brandenburg
Ein Hagenhufendorf oder Bachhufendorf ist eine langgestreckte Siedlung, ähnlich dem Reihendorf, entlang einer Straße, die parallel zu einem Bach verläuft, wobei die Straße nur einseitig bebaut wird, während auf der gegenüberliegenden Straßenseite die zu den Höfen gehörenden handtuchförmigen Ackerflächen von 20 bis 40 Morgen, die Hufe, liegen.
Die eingehägten Grundstücke, dienen als Bauerngarten und zur Kleintierhaltung. Der rückwärtig angrenzende Bach liefert das nötige Wasser. Idealerweise gibt es noch einen nahegelegenen Wald zur Brennholz- und Nutzholzgewinnung.
Straßendorf
eingehägten
Ein Straßendorf ist ein lineares, doppelzeiliges Dorf, dessen Häuser bzw. Gehöfte eine Straße in dichter Anordnung säumen.
Typischerweise sind die einzelnen Häuser bzw Gehöfte Giebelständig zur Straße angeordnet. Eine von der Hauptstraße abzweigende Straße ist oft eine Sackgasse die im Wald endet.
Siehe auch: Straßenangerdorf
Angerdorf
Ein Angerdorf ist ein Dorf, dessen hervorstechendes Merkmal der Anger, ein im Gemeindebesitz befindlicher Platz, ist. Angerdörfer kommen in Mitteleuropa vor allem auf Grundmoränenplatten und in Lößgebieten vor, in Deutschland vor allem in Ost- und Ostmitteldeutschland.
Rundling, Rundplatzdorf, Rundweiler
Ein Rundling, Rundplatzdorf oder auch regional Rundweiler genannt, sind ländliche Siedlungen in Rundform, deren Verbreitungsgebiet sich auf den einstigen deutsch-slawischen Grenzraum beschränkt: westlich und östlich der Saale und Elbe, z.B. im Hannoverischen Wendland. In den ehemals dauerhaft nur von Slawen bewohnten Gebieten kommen Rundlinge nicht vor. Rundling, Rundplatzdorf, Rundweiler zählen sämtlich zu den Platzdörfern. Rundlinge liegen häufig auf Spornen, die in die Niederungen der Urstromtäler hineinragen. Der rundliche Platz in der Mitte ist nur über einen Weg an das Verkehrsnetz angeschlossen. Um den Platz sind wenige Bauernhöfe angeordnet. Daran schließt sich eine Streifengemengeflur an. Ob die Rundform sich erst allmählich aus zwei bis drei Höfen durch Teilung und Erweiterung entwickelte oder ob sie von vornherein angestrebt wurde, ist ungeklärt, ebenso ob sie aus Sicherheitsgründen oder in Anpassung an die vorwiegende Viehwirtschaft gewählt wurde.
Urstromtäler
Ein typisches Beispiel ist Bugk, (slaw. "bug" oder "buk", dt. "Eiche"), im Landkreis Oder-Spree in Brandenburg. Aus einem Wegestern entstanden, auf einer kaum wahrnehmbaren Anhöhe in feuchtem, sumpfigen Gelände gelegen, stellt der Ort im Ortskern ein slawisches Rundplatzdorf dar.
Eine Besonderheit stellt dabei das Wurtendorf dar. Es gehört zu den Siedlungen, deren Gehöfte auf einen zentralen (Dorf-)Platz ausgerichtet sind. Das Wurtendorf entstand in der Regel auf einem künstlich vom Menschen aufgeschütteten Erdhügel, der als Siedlungsplatz für eine Einzel- oder Gruppensiedlung dient. Der Hügel sollte das Dorf schützen (vor Sturmfluten/Hochwasser etc.). Dieser Siedlungstyp kommt vor allem an Marschenküsten vor, mitunter auch an Flussläufen. Wurtendörfer entstanden vor allem im 7. und 8. Jahrhundert.
Haufendorf
Ein Haufendorf ist ein geschlossen bebautes Dorf mit unregelmäßigem Grundriss und häufig unterschiedlich großen Höfen. Haufendörfer entstanden in Mitteleuropa durch Zusammenwachsen benachbarter Weiler oder Gehöfte in Verbindung mit Bevölkerungswachstum und Siedlungskonzentration bereits im Mittelalter. Natürlich unterscheiden sich auch Haufendörfer. Je nach Erbschaftsformen in der Region sind sie locker gestaltet (bei Anerbenrecht) bzw. nach und nach dicht verbaut (bei Realteilung). Sie haben dabei meist einen unregelmäßigem Grundriss um einen zentralen Teich oder Platz. Gliederbar in Dorfkern, Ackerflur und Allmende.
Kolonistendörfer in Brandenburg
Die Brandenburger Kolonistendörfer entstanden nach 1157 im Zuge der von Albrecht dem Bären und seinem Sohn Otto I. betriebenen Ansiedlungspolitik. Die beiden ersten brandenburgischen Markgrafen versuchten mit dieser Politik erfolgreich, die 1157 eroberte und gegründete Mark Brandenburg, die noch in weiten Teilen von slawischen Stämmen bewohnt war, zu christianisieren und endgültig zu stabilisieren. Die Kolonisten kamen überwiegend aus der Altmark und aus Flandern. Die Dörfer wurden in der Regel als Reihendorf oder Rundling mit Wald-, Wiesen- und Ackerhufen angelegt, vereinzelt gab es dreieckige Sackgassendörfer wie Gröben bei Ludwigsfelde.
Streusiedlung
Ludwigsfelde
Eine Streusiedlung ist eine nicht geschlossene Siedlung, die aus weit auseinanderliegenden Bauernhöfen und Weilern ohne eigentlichen Ortskern bestehen. Streusiedlungen kommen des Öfteren im Schwarzwald vor und sind oft durch spontane Besiedlung zu Stande gekommen. Eine Streusiedlung ist nicht planmäßig angeordnet. Streusiedlungen sind auch die typische Dorfform der Walserkolonien in den Alpen.
Eisenbahnsiedlung
Die Eisenbahnsiedlungen entstanden vor allem in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. Wesentliche Voraussetzung war das Vorhandensein der Eisenbahn und ihr netzmäßiger Ausbau als Komponente der Infrastruktur.
Neuere Dorfformen
Nach dem Zweiten Weltkrieg bildeten sich wegen des Anwachsens des Tourismus als Wirtschaftszweig, wegen des Absterbens klassischer Handwerkszweige, wegen der größer gewordenen Mobilität und wegen der größer gewordenen Sensibilität der Menschen gegenüber der Umwelt und einzelner sozialer Gruppen und sogar einzelner Tiere eine ganze Reihe verschiedenartiger "Dörfer", die nicht mehr der klassischen Siedlungspolitik zu zuordnen sind. Der Begriff Dorf wird in diesem Zusammenhang herausgestellt, um die Interaktion des Menschen mit seinen Mitmenschen, mit der Umwelt, um die menschlichen Traditionen und Gewohnheiten zu verdeutlichen.
Es sind dies in einer unvollständigen Aufzählung:
- Feriendorf (auch: -siedlung, Urlauberdorf u. -siedlung, Wochenendsiedlung, Sommerhaussiedlung)
- Museumsdorf
- Touristendorf
- Töpferdorf
- Glasmacherdorf
- Kinderdorf
- Ökodorf
- Storchendorf, Schachdorf
- Studentendorf ( www.dorf.de )
- Olympisches Dorf
In der DDR gab es ein Dorf der Jugend.
Soziale Strukturen, Soziologisches
Hierarchie (historisch)
In der dörflichen sozialen Hierarchie standen die wohlhabendsten Bauern an der Spitze. Der Besitz von Pferden stellte den höchsten Reichtum dar (fast Luxus: Das Pferd frisst, was es einbringt), so dass man die Gespannbesitzer von den Kuhbauern unterschied. Pferde konnten sich meist nur die sogenannten Vollbauern (Hufner) leisten. Daneben gab es die landwirtschaftliche Kleinbetriebe (Häusler, Kötter, Seldner...), die über die Nutzung des eigenen Landes hinaus freie Arbeitskraft für die Vollbauern bereitstellten, sowie bis in die 1970er Jahre die traditionellen dörflichen Handwerks- und Dienstleistungsberufe (Müller, Grobschmied, Stellmacher (Wagner), Gastwirt (Krüger) ...), aber eben auch Bäcker, Fleischer, Tischler, Zimmermann, Dachdecker u.v.a. 2004 sind in der Bundesrepublik Deutschland diese Berufe aus dem Dorf praktisch verschwunden, zusammen mit dem Einzelhandelsgeschäft (Gemischtwarenladen), der Post usw. Dies ebenso wie das ländliche Hofgesinde (Knecht und Magd), und zuunterst in der Rangordnung die Dorfarmen und -irren. Der Großteil der Beschäftigten ist hauptberuflich außerhalb der Landwirtschaft tätig und meist in den nächstgelegenen Städten oder zentralen Orten. Außerdem entstanden in den Dörfern einige neue Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe (Elektriker- und Reparaturwerkstätten, Fuhrbetriebe, Tankstellen etc.).
Dorfgemeinschaft
Eine Dorfgemeinschaft zeichnet sich aus durch soziale Beziehungen (Nachbarschaftsbeziehungen, soziale Kontrolle), feste Strukturen und Normen (Sitten, Brauchtum, Feste, Vereinswesen, etc.) bis hin zur ländlichen Architektur, Bekleidung, Nahrung usw. Auch die Entwicklung der Bevölkerung blieb an die verfügbare Nutzfläche gebunden. Das Gleichgewicht wurde dadurch aufrecht erhalten, dass ein Teil der Bevölkerung keine Familien gründete oder auswanderte. Mit beginnender Industrialisierung fand der nichtbäuerliche Teil der dörflichen Bevölkerung durch Heimarbeit eine zusätzliche Einnahmequelle. In Südwestdeutschland wurde durch eine breitgestreute Ansiedlung kleinerer Industriebetriebe relativ früh eine größere Zahl außerlandwirtschaftlicher Dauerarbeitsplätze geschaffen. Heute bildet das überwiegend landwirtschaftlich bestimmte Bauerndorf die Ausnahme.
Soziologisch wird das Dorf empirisch vor allem in der Gemeinde- und Agrarsoziologie untersucht (tlw. auch in der Entwicklungssoziologie), konzeptionell ist dafür besonders auf den Begriff "Gemeinschaft" zu verweisen.
Siehe auch
- Dorferneuerung, Strukturwandel, Pendler
- Ortschaft, Gemeinde, Marktgemeinde, Stadt
- Anger, Weiler
- Haubarg (als Einzelgehöft)
- Dorfgeschichte, literar. Gattung
metaphorische Redewendungen
- Globales Dorf,
- Potjomkinsches Dorf
- Böhmisches Dorf,
Kategorie:Dorf Kategorie:Soziologie Kategorie:Volkskunde
ja:村
nb:Tettsted
StadtmauerEine Stadtmauer ist eine historische Befestigungsanlage einer Stadt zum Schutz vor Angreifern. Sie besteht aus Stein oder Lehm und ist mindestens mannshoch, meist deutlich höher. Sie umgab einen Ort ganz oder teilweise, je nach Topographie wurden auch natürliche Schutzmaßnahmen wie Felsen oder Flüsse einbezogen. Eine Stadtmauer konnte nur durch die Stadttore passiert werden.
Eine Wehrmauer zu errichten war im Mittelalter ein Privileg, dass durch das Befestigungsrecht verliehen wurde. Die Wehrmauer wurde damit zum Merkmal einer Stadt oder eines Marktes. Das Stadt- oder Marktrecht war aber nicht automatisch mit dem Befestigungsrecht verbunden.
Marktes]
Geschichte
Stadtmauern sind die Weiterentwicklung von Holzpalisaden und Wallanlagen, die zum Schutz früher Siedlungen errichtet wurden.
Seit der Antike bis in die Neuzeit sind Stadtmauern ein fast unabdingbarer Bestandteil jeder Stadt. Es gab nur wenige Ausnahmen, wie z.B. das antike Rom, das lange Zeit keine Mauer besaß, da es sich auf die Legionen als Schutz verließ.
In Mitteleuropa hinterließen die Kelten große, stark befestigte Burgstädte (Oppida), deren Stadtmauern manchmal bereits Einflüsse aus dem Mittelmeerraum erkennen lassen. Diese Befestigungsanlagen wurden immer wieder erweitert und modernisiert, bis die Kelten den einwandernden germanischen Stämmen weichen mussten. Anfangs waren die Befestigungen reine Holz-Erde-Konstruktionen, später wurden meist Mischkonstruktionen aus mörttellos übereinandergelegten Lesesteinen und Holzelementen errichtet. Die Römer befestigten ihre Stadtgründungen mit massiven gemörtelten Steinmauern. Das bekannteste Relikt dieser Festungsanlagen ist die Porta Nigra in Trier. Auch Regensburg und Köln haben noch einige Reste aufzuweisen.
Neben diese antiken Gemeinwesen wurden im frühen Mittelalter noch einige Burg- oder Bischoftstädte gegründet. Diese Stadtgründungen waren in der Regel durch Wall-Graben-Anlagen gesichert, selten durch einfache Steinmauern. Ab dem 12. Jahrhundert entstanden hunderte kleinerer und größerer neuer Siedlungen in ganz Europa, denen meist bald das Stadt- oder Befestigungsrecht zuerkannt wurde. Stadtgründungen waren - neben der Anlage von Burgen - ein wichtiges Element des Territorialausbaues, besonders in Osteuropa entstanden zahlreiche geplante Neuanlagen (Ostkolonisation). Diese Städte sind leicht an ihren regelmäßigen Grundrissen und großen Marktplätzen zu erkennen. Die Befestigungsanlagen dieser Stadtanlagen wurden im Laufe ihrer Geschichte immer wieder ausgebaut und dem aktuellen Stand der Kriegstechnik angepasst.
Aufbau
Grundriss Eine Stadtmauer besteht in der einfachsten Form aus einem geschlossenen Mauerring mit seinen Toren. Die Mauerkrone war meist begehbar und hatte an der Außenseite eine mannshohe Brüstung mit Schießscharten oder Zinnen. Nördlich der Alpen war dieser Wehrgang genannte Rundweg meist sogar überdacht. Gelegentlich wurden anstelle eines Wehrganges lose Rollsteine auf der Mauerkrone aufgeschichtet. Die herabfallenden Steine warnten die Verteidiger, wenn der Angreifer die Mauer übersteigen wollte. Beispiele hierfür haben sich an den fränkischen Stadtbefestigungen von Seßlach und Fladungen erhalten.
Dazu kamen im Laufe der Zeit zahlreiche Verstärkungen wie:
- Stadtgraben: ein vorgelagerter Graben, gelegentlich mit Wasser gefüllt
- Torturm: ein Turm, der neben oder über dem Stadttor errichtet wurde und zur besseren Verteidigung des Tores diente
- Mauerturm: ein Turm, der über der Mauer errichtet wurde und meist etwas hervorragte, so dass die Mauer mit Waffen bestrichen werden konnte
- Vormauer mit Zwinger: eine zusätzliche außen verlaufende Mauer geringerer Höhe; der Zwinger genannte Zwischenraum war meist durch Mauern in mehrere Bereiche geteilt.
- Vorwerke aus zusätzlichen Hindernissen, z.B Hecken
Während die Wehrtürme west- und südeuropäischer mittelalterlicher Stadtbefestigungen oft sehr einheitlich und regelmäßig gestaltet wurden (Avila, Provins), weisen unsere mitteleuropäischen Stadtmauern meist eine reiche Vielfalt unterschiedlicher Turmgestaltungen auf. Hier erreichen die Wehr- und Tortürme oft beträchtliche Höhen, Doppelturmtore sind wesentlich seltener. Neben der reinen Schutz- und Wehrfunktion haben meist auch Repräsentationsbedürfnisse und künstlerische Aspekte eine bedeutende Rolle bei der Konzeption der Wehranlagen gespielt. Die städtische Architektur trat hier in den Wettstreit mit der Adelsburg, Stadtmauern waren oft auch eine Manifestation städtischen Selbstbewusstseins.
Vorstädte hatten meist einen separaten Mauerzug, der in das Verteidigungskonzept der Stadt integriert wurde. In vielen Städten wurde die Stadtmauer neu erbaut, nachdem die Stadt durch Wachstum die alte Mauer überschritten hatte. Der Verlauf der alten Mauer ist im Wegenetz der Stadt noch zu erkennen, wie z.B. in Nördlingen, manchmal blieben sogar die alten Tortürme erhalten, wie der Weiße Turm in Nürnberg.
Zusätzliche Vorwerke verhinderten, dass die Stadt, durch die die Handelswege führten, umgangen und damit der fällige Zoll oder
der dortige Markt gemieden werden konnte. Außerhalb der Städte wurden oft noch Wart- und Signaltürme auf geeigneten Höhenzügen und Aussichtspunkten errichtet, die gelegentlich burgähnlich befestigt wurden. Häufig wurden die Aussengrenzen des städtischen Einflussgebietes ganz oder teilweise durch aufwendige Landhegen (Landwehren) gesichert. Meist wurde hierzu ein Wallgraben angelegt und der Wall mit einer undurchdringlichen Dornenhecke bepflanzt. Die Durchgänge waren in der Regel mit Toren oder Torhäusern bewehrt. Diese Grenzbefestigungen wurden regelmäßig von Hegereitern, die meist auch als Torwächter dienten, auf Beschädigungen kontrolliert. Die Reste solcher Landhegen können oft noch kilometerlang im Gelände verfolgt werden, auch einige Torbauten haben sich erhalten. Reiche Städte sicherten ihr Territorium auch durch die Anlage von Burgen, auf die Pfleger gesetzt wurden. Ein bekanntes Beispiel ist die rumänische "Draculaburg" Bran (Törzburg), die das heutige Brasov (Kronstadt) schützen sollte.
Die Stadtmauern waren oft durch Schenkelmauern mit den Befestigungsanlagen von Höhenburgen verbunden, Burg- und Stadtbefestigung bildeten also ein gemeinsames Verteidigungssystem. Es haben sich zahlreiche Beispiele erhalten, in Deutschland etwa Hirschhorn am Neckar, Königsberg und Pappenheim in Franken, Burghausen in Oberbayern und viele andere. Einige Burgen waren auch direkt in das städtische Verteidigungskonzept integriert (Nürnberg, Zons, Carcassonne), oder die Städte sind den Burganlagen in der Art großer "Vorburgen" vorgelegt (Coucy-le-Chateau, Conwy u.a). Grössere Städte hatten manchmal verschiedene Stadtherren, so war etwa Augsburg in eine Bischofs- und eine Reichsstadt geteilt. Solche Teilstädte waren oft durch eigene Befestigungsanlagen getrennt.
Reichsstadt Die Erfindung von Feuerwaffen erforderte einen weiteren Ausbau der Befestigungsanlagen, die in mehreren Etappen erfolgte. Zunächst erhielten die Zwinger halbkreisförmige Türme (Schalentürme), in denen einige wenige Kanonen aufgestellt werden konnten. Bald wurden größere Verstärkungen gebaut, die Basteien geanannt werden und sich an strategisch wichtigen Stellen, wie z.B. den Toren oder Ecken befanden. Ein gut erhaltenes Beispiel ist die Spitalbastei in Rothenburg ob der Tauber.
Die Stadt als solche wurde aber immer noch durch die relativ dünne Mauer geschützt, die Kanonen mit großer Feuerkraft kaum mehr widerstehen konnte. Deshalb erhielten manche Städte eine neue sternförmig angeordnete Befestigungsanlage mit zahlreichen Kanonen, die aus dicken, mit Mauerwerk verkleideten Erdwällen bestand und auch längerem Beschuss standhalten konnte.
Diese massiven Befestigungsanlagen schnürten das Wachstum der Städte stark ein, da sie nicht so leicht wie eine einfache Mauer verschoben werden konnte und eine zusätzliche Bebauung "vor den Toren der Stadt" aus strategischen Gründen verbot. Dadurch kam es in der Folgezeit zu einer immer dichteren Bebauung der Stadtfläche.
Ende
Im Zuge des Städtewachstums und der Verlagerung der Verteidigung auf umliegende Forts wurden die meisten Festungsmauern im 19. Jahrhundert geschleift. So zeugen heute in vielen Städten nur noch Wallgräben oder ringförmig die Stadt umschließende Parks von den ehemaligen Stadtbefestigungen. Manche Straßennamen deuten auf das ehemalige Vorhandensein von Befestigungsanlagen hin, zum Beispiel wenn in ihnen Wörter wie Tor, Wall oder Glacis vorkommen.
Leider wurde der historische und auch der architekturgeschichtliche Wert der städtischen Befestigungsanlagen meist erst zu spät erkannt. Gerade das 19. Jahrhundert, das auf seine Kunstwissenschaft so stolz war, richtete die schlimmsten Verwüstungen an. Auf der einen Seite wurden komplette Stadtbefestigungen restauriert (Carcassonne), auf der anderen wurden die Wehranlagen zahlreicher europäischer Städte in einem "Modernisierungswahn", der denjenigen nach dem 2. Weltkrieg vorwegnahm, teilweise völlig sinnlos geopfert. Das frühe Denkmalschutzgesetz des kunstsinnigen bayerischen Königs Ludwig I. bildet hier eine bemerkenswerte Ausnahme. Diesem Gesetz ist es zu verdanken, dass so eindrucksvolle Stadtdenkmäler wie Rothenburg ob der Tauber, Nördlingen und Dinkelsbühl nahezu vollständig erhalten blieben. Auch die zahllosen "geharnischten Zwerge", die kleinen, stark befestigten fränkischen Miniaturstädte, verdanken ihr malerisches Erscheinungsbild überwiegend diesem Erlass. Die Fülle erhaltener Wehrbauten Frankens macht den Verlust in anderen Gebieten schmerzlich bewusst.
Neuzeit
Auch in der Neuzeit werden befestigte Mauerwerke um städtische Gebiete errichtet, die dabei nicht die klassische Funktion aufweisen, einer längeren Belagerung oder dem Beschuss mit schweren Geschützen standhalten zu können.
Die Berliner Zollmauer von 1730er bis 1860er bestand teilweise aus Holz. Sie diente vornehmlich der Erhebung von Warenzöllen (Akzisen) und sollte außerdem die Desertion von Soldaten der Garnison Berlin verhindern.
Akzise
Eine pervertierte Form war die Berliner Mauer. Diese dient nicht dem Nutzen der eingeschlossenen Siedlung, sondern sie diente in erster Linie dazu, die Abwanderungsbewegung aus der DDR in den wohlhabenderen Westteil Deutschlands zu stoppen, der in einer Exklave West-Berlin repräsentiert war.
Weitere Mauern des 20. Jahrhunderts finden sich in Israel, wo regelmäßig Exklaven jüdischer Siedlungen von befestigten Mauern umschlossen werden. In vielen unruhigen Regionen und Ländern finden sich die Botschaften oft zusammengeschlossen in einem Botschaftsviertel, dass von einer befestigten Wehranlage mit Mauern und Türmen umschlossen ist.
Die Mehrzahl dieser modernen städtischen Mauerwerke besteht aus Stahl und Beton. Senkrecht stehende Betonplatten von 2m bis 5m Höhe werden möglichst fugenlos zusammengestellt und in den Boden eingelassen. Die Mauerkrone ist oft ausgestülpt oder mit Stacheldraht besetzt, um ein Übersteigen zu erschweren. Die Mauern sind oft geradelinig gezogen und in den Ecken stehen Wachtürme, die die Mauerstücke überstreichen. Doppelte Mauerlinien mit zwischenliegendem Schussfeld (wie bei der Berliner Mauer) sind selten.
Städte mit erhaltenen Stadtmauern
Deutschland
West-Berlin
West-Berlin]]
West-Berlin]
In Deutschland sind in den folgenden Städten historische Stadtmauern erhalten bzw. wiederaufgebaut oder neuerrichtet:
- Ahrweiler
- Annaberg-Buchholz (teilweise)
- Amberg (teilweise)
- Andernach
- Bad Münstereifel (nahezu vollständig)
- Bautzen (überwiegend erhalten)
- Berching (vollständig mit Wehrgang, Vorstadtbefestigung überwiegend erhalten)
- Bernau bei Berlin
- Blankenburg (Harz) (teilweise)
- Boppard
- Braunschweig (nur noch ein paar Meter aus dem 15. Jh.)
- Büdingen (nahezu vollständig)
- Dettelbach (überwiegend erhalten)
- Dinkelsbühl (vollständig erhalten, ohne Wehrgang)
- Dollnstein (überwiegend erhalten)
- Donauwörth (große Teile erhalten)
- Dreieichenhain (überwiegend erhalten)
- Dresden (teilweise umfunktioniert erhalten; Zwinger, Brühlsche Terrasse)
- Duisburg (lange Strecken erhalten)
- Ebern (große Teile erhalten)
- Eibelstadt (nahezu vollständig)
- Eichstätt (große Teile erhalten)
- Fladungen (überwiegend erhalten)
- Forchheim, Oberfranken (Bastionärbefestigung auf längeren Strecken erhalten)
- Frankfurt am Main (Staufermauer, teilweise)
- Freiberg, Sachsen (größere Teile erhalten)
- Freinsheim (nahezu vollständig)
- Frickenhausen (überwiegend erhalten)
- Fritzlar (große Teile erhalten)
- Gerolzhofen (große Teile erhalten)
- Görlitz (große Teile erhalten)
- Greding (überwiegend erhalten)
- Heidingsfeld, Stadtteil von Würzburg (nahezu vollständig)
- Ingolstadt (überwiegend erhalten)
- Iphofen (nahezu vollständig)
- Isny im Allgäu (große Teile erhalten)
- Jena (stückweise)
- Karlstadt am Main (überwiegend erhalten)
- Kaufbeuren (große Teile erhalten)
- Korbach
- Kronach (nahezu vollständig)
- Kuppenheim (teilweise erhalten)
- Landsberg am Lech (nahezu vollständig)
- Lindau im Bodensee (große Teile erhalten)
- Mainbernheim (große Teile erhalten)
- Memmingen (große Teile erhalten)
- Merkendorf (nahezu vollständig)
- Mühlhausen, Thüringen (große Teile erhalten)
- Münnerstadt (große Teile erhalten)
- Nabburg (überwiegend erhalten)
- Neubrandenburg (nahezu vollständig)
- Neuburg an der Donau (nahezu vollständig)
- Neuruppin (überwiegend erhalten, teilweise mittelalterliche Stadtbefestigung, teilweise Akzisemauer aus späterer Zeit)
- Neustadt an der Saale (überwiegend erhalten)
- Nördlingen (Wehrgang rundum begehbar, fast komplett erhalten)
- Nürnberg (überwiegend erhalten, einzige erhaltene Grosstadtbefestigung Deutschlands)
- Oberwesel (überwiegend erhalten)
- Ochsenfurt (überwiegend erhalten)
- Ornbau (nahezu vollständig)
- Pappenheim (überwiegend erhalten)
- Prenzlau (große Teile erhalten)
- Ravensburg (Mauer teilweise, Türme und Tore fast vollständig erhalten)
- Rodach (große Teile erhalten)
- Röttingen (überwiegend erhalten)
- Rothenburg ob der Tauber (nahezu vollständig)
- Schongau (nahezu vollständig)
- Seßlach (nahezu vollständig)
- Soest (große Teile erhalten)
- Sommerhausen (nahezu vollständig)
- Stralsund (teilweise)
- Templin
- Ulm an der Donau (donauseitig erhalten)
- Vellberg (vollständig erhalten)
- Wangen im Allgäu (teilweise)
- Warburg
- Wemding (große Teile erhalten)
- Weißenburg i.Bay. (überwiegend erhalten)
- Wittstock/Dosse
- Wolframs-Eschenbach (nahezu vollständig)
- Würzburg (Bastionärbefestigung teilweise erhalten)
- Zerbst (große Teile erhalten)
- Zeil am Main (mainseitige Stadtmauer erhalten)
- Zons (nahezu vollständig)
- Zwickau (Stadtmauer mit Pulverturm)
In zahlreichen weiteren Städten haben sich einzelne Tortürme, Wehrtürme oder Mauerabschnitte erhalten. Besonders viele dieser Reste finden sich in Franken und im restlichen Bayern. Dies liegt hauptsächlich daran, dass der bayerische König Ludwig I. im 19. Jahrhundert das Abbrechen der Wehranlagen gesetzlich verbieten ließ.
Österreich
Beispiele in Österreich:
- Bruck an der Leitha
- Eisenstadt
- Freistadt
- Hainburg
- Schärding
- Stadtschlaining
- Friesach
Schweiz
Beispiele in der Schweiz:
- Basel (siehe Basler Stadtmauer)
- Luzern
- Murten
Sonstige Länder
Murten
Frankreich
- Aigues-Mortes (vollständig erhalten)
- Avignon (überwiegend erhalten)
- Carcassonne (vollständig erhalten, allerdings stark restauriert)
- Fougeres (überwiegend erhalten)
- Laon (überwiegend erhalten)
- Provins (nahezu vollständig)
- Saint Malo (vollständig)
Großbritannien
- Chester
- Conwy Wales (vollständig erhalten)
- York England (nahezu vollständig)
Italien
- Cittadella (nahezu vollständig)
- Glurns/Glorenza Südtirol (vollständig erhalten)
- Lucca (nahezu vollständige Renaissancebefestigung)
- Montagnana (vollständig)
- Monterriggioni (vollständig)
Spanien
- Ávila (vollständig erhalten)
- Toledo
- Niebla (vollständig erhalten)
Übriges Europa
- Dubrovnik (Kroatien) (vollständig erhalten)
- Famagusta (Zypern) (nahezu vollständig)
- Istanbul (Türkei) (große Teile der gewaltigen byzantinischen Landmauer)
- Vilnius (Litauen)
- Visby (Schweden) (Gotland) (nahezu vollständig erhalten, einzige erhaltene Stadtbefestigung Skandinaviens)
Außereuropäische Stadtbefestigungen
- Jerusalem (Israel)
- Fès (Marokko)
- Québec (Kanada)
- Xi'an (China)
Literatur
Monika Porsche: Stadtmauer und Stadtentstehung - Untersuchungen zur frühen Stadtbefestigung im mittelalterlichen Deutschen Reich. - Hertingen, 2000. ISBN 3-930327-07-4
Siehe auch
- Festung
- Liste von Festungen
- Letzimauer
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Kategorie:Stadtbaugeschichte
PalisadePalisaden (frz. palissade, ital. palizzata, lat. palus „Pfahl”) sind 20-30 cm starke, 3-4 m lange, oben zugespitzte Pfähle. Sie werden in der Befestigungskunst als Hindernismittel mit Zwischenräumen von 6-8 cm etwa 1 m tief eingegraben und in der Erde durch eine Grundschwelle, am oberen Ende durch eine aufgenagelte Latte verbunden.
Verteidigungspalisaden sollen gegen feindliches Gewehrfeuer decken und die Abgabe eigenen Feuers ermöglichen. Man setzt je drei Hölzer dicht nebeneinander und lässt dann eine Lücke von 8-10 cm, die bis zur Anschlagshöhe durch eine schwächere Brustpalisade gefüllt wird.
Zur Deckung gegen Feuer schüttet man gegen die Palisade von außen bis zur Schartenhöhe Erde an aus einem Spitzgraben, der zugleich die Benutzung der Scharten von außen erschwert. Verteidigungspalisaden wendet man an zum Schluss der Kehle offener Feldwerke, bei der Ortsverteidigung, ja selbst im freien Feld in Gestalt von runden, sogenenannten Tambours, z. B. zur Deckung einzelner Feldwachen gegen Überfall durch Kavallerie. Im Orient trifft man oft Ortsbefestigungen, wo Palisaden die äußere Brustwehrböschung bilden und ein Erdwall dahinter angeschüttet ist, Palanken.
Palisaden im Landschaftsbau
Seit den 1970er Jahren werden Palisaden im Garten- und Landschaftsbau verwendet. Sie stellen im eingebautem Zustand entweder eine freistehende Wand dar, dienen der Hangabfangung oder als Pflastereinfassung.
Eine optimale Möglichkeit der Befestigung im Erdboden besteht durch die Verwendung von Magerbeton.
Palisaden bestehen entweder aus kesseldruckimprägnierten Rundhölzern (Nadelhölzern) oder aus runden Betonpfosten. Betonpalisaden haben eine Einkerbung, in die die Nachbarpalisade passt.
Kategorie:Befestigungsanlage
Kategorie:Befestigungsanlage
Festung
Eine Festung ist eine eigenständige Wehranlage von permanenter Bauart, die systematisch für die Verwendung von und den Schutz gegen Feuerwaffen eingerichtet ist. Festungen wurden seit dem 15. Jahrhundert als Reaktion auf den Einsatz schwerer Pulvergeschütze erbaut und waren bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts üblich. Sie konnten der Grenz- oder Küstensicherung dienen, den Ausgangspunkt einer Offensive bilden und sich zurückziehende Heere aufnehmen. Darüber hinaus wurden manche Festungen als Verwaltungssitz, Gefängnis oder Aufbewahrungsort staatlicher Finanzreserven genutzt.
Grundriss und Profil einer Festung richteten sich nach den Schusslinien der zur Verteidigung verwendeten Feuerwaffen, wodurch die weitgehende Vermeidung toter Winkel erreicht wurde. Sie setzte sich aus unterschiedlichen Werken zusammen, worunter einzelne Befestigungsanlagen wie Bastionen oder Wälle zu verstehen sind. Hinzu kamen Kasernen, Munitionslager, Zeughäuser und weitere Garnisonsgebäude. Eine Festung konnte zudem einen zivilen Bereich umfassen.
Festungen wurden nach individuellen Befestigungssystemen erbaut, die als Manieren bezeichnet werden. Dabei handelte es sich in den meisten Fällen um spezifische Verwirklichungen des Bastionär-, Tenaillen- oder Polygonalsystems. Die sechs wichtigsten Manieren, anhand derer sich die fortifikatorischen Epochen des 16. bis 19. Jahrhunderts voneinander abgrenzen lassen, sind die alt- und neuitalienische, die alt- und neuniederländische und die alt- und neupreußische bzw. neudeutsche oder neuösterreichische. Viele erhaltene Festungsanlagen weisen Elemente verschiedener Manieren auf, da waffentechnische Fortschritte wiederholt zu baulichen Anpassungen zwangen.
Das einzige bedeutende Definitionskriterium einer Festung ist die systematisch durchgeführte Ausrichtung auf die Kampfführung mit und gegen Artillerie. Neben Städten konnten auch Burgen, Schlösser und Klöster zu Festungen ausgebaut werden. Da hierbei die Berücksichtigung der vorhandenen Bausubstanz und der topographischen Gegebenheiten erforderlich war, bot üblicherweise nur die Neuerrichtung einer Festung in ebenem Gelände die Möglichkeit zur idealtypischen Umsetzung einer Manier.
Der Ursprung der Begriffe Festung, Befestigung und Feste findet sich im mittelhochdeutschen Adjektiv veste im Sinne von "beständig, hart, stark", das sich zu dem neuhochdeutschen fest entwickelte. Eine vergleichbare Wortherkunft ist bei der Fortifikation und dem Fort gegeben, die auf das lateinische fortis für "fest, kräftig, stark" zurückgehen.
Geschichte der neuzeitlichen Festung
Erste Artilleriebefestigungen
Bis in das Spätmittelalter hinein hing das Defensivpotenzial von Burgen und befestigten Städten zum Großteil von der Höhe ihrer Mauern und Türme ab. Bereits im späten 14. Jahrhundert wurde dieses wehrbauliche Grundprinzip in Frage gestellt, da zu dieser Zeit schwere Bombarden aufkamen, die große Steinkugeln verschossen. Die Reichweite von Bombarden war zunächst sehr gering und ihr Transport äußerst aufwändig, doch konnten die in Relation zu ihrer Stärke hohen Burg- und Stadtmauern mit diesen primitiven Kanonen leicht zerstört werden. Im Verlauf des 15. Jahrhunderts erhöhten sich Reichweite und Feuerkraft der Bombarden deutlich. So konnten französische Truppen unter Karl VII. vom Mai 1449 bis zum August 1450 mit Hilfe von Bombarden über siebzig englische Stützpunkte in der Normandie erobern, da allein das Aufstellen der Geschütze Drohung genug war. Die Städte ergaben sich reihenweise, ohne das ein Schuss abgefeuert werden musste.
Die europäischen Baumeister reagierten auf diese Entwicklung zunächst nur mit einer Modifikation der mittelalterlichen Wehranlagen. Die Mauern wurden niedriger und durch einen breiten Wall verstärkt, der als Geschützplattform diente. Hölzerne Aufbauten wurden von Mauern und Türmen entfernt, da sie ein leichtes Ziel darstellten. Der mittelalterliche Burgturm wandelte sich zu einem kegelstumpfförmigen, massiven Geschützturm, dem Rondell. Rondelle verfügten über Räume mit großen Schießscharten, durch die Geschütze feuern konnten. Auch auf der Spitze des Rondells wurden schwere Feuerwaffen platziert. Diese Veränderungen in der Errichtung von Befestigungen waren jedoch nicht ausreichend, da sie lediglich eine Erweiterung früherer Bauprinzipien darstellten.
Die verstärkten Befestigungsanlagen, die gegen Ende des Spätmittelalters errichtet wurden, erhöhten in erster Linie die passive Verteidigung und zögerten den Fall einer Stadt oder Burg nur hinaus. In den Rondellen konnten nur wenige Kanonen platziert werden, da sich der Pulverdampf in den Kasematten relativ lange hielt und Sicht und Atmung erschwerte. Im Bereich vor einem Rondell befand sich ein toter Winkel, der nicht von den Verteidigern beschossen werden konnte und somit ein bevorzugter Ausgangspunkt feindlicher Unterminierungsversuche war. Hierzu kamen ingeneurtechnische Truppen wie die Mineure zum Einsatz. Rondelle bildeten eigenständige Befestigungswerke und waren nicht dafür konzipiert, sich gegenseitig zu flankieren. Es wurde eine Befestigung notwendig, die eine stabile Plattform für zahlreiche Geschütze bot, die über keinen dem Feuer entzogenen Raum verfügte und deren Werke sich Flankenschutz bieten konnten.
In Italien wurde eine Lösung für diese wehrbaulichen Probleme gefunden. Bereits 1452 schlug Leon Battista Alberti in seinem Traktat De Re Aedificatoria vor, Festungsanlagen nach einem sägezahnartigen Muster zu erbauen, welches einen sternförmigen Grundriss bildet. Im weiteren Verlauf des 15. Jahrhunderts entwickelten andere italienische Architekturtheoretiker ähnliche Konzepte, doch fanden sie damit zunächst wenig Beachtung. Eine entscheidende Entwicklung begann 1487, als der Architekt Giuliano da Sangallo mit der Befestigung von Poggio Imperiale beauftragt wurde. Dabei plante er den Bau von zehn winkligen Bastionen, die weit aus den Festungsmauern herausragten. Die beiden vorderen Seiten einer Bastion, Facen genannt, liefen im Bastionswinkel zusammen, dem Saillant. Die beiden als Flanken bezeichneten, kürzeren hinteren Seiten bildeten mit dem Festungswall einen rechten Winkel. Bei einer Anordnung in regelmäßigen Abständen konnten sich Bastionen gegenseitig den bestmöglichen Feuerschutz bieten, wobei wegen ihres spitz zulaufenden Grundrisses kein toter Winkel vorhanden war. Deshalb setzten sich regelmäßige Vielecke als Idealform von Festungen durch.
Der Beginn der Italienkriege im Jahre 1494 beschleunigte die Entwicklung der bastionierten Befestigungsweise. Das in Norditalien eingefallene, französische Heer unter König Karl VIII. führte aus Bronze gegossene Kanonen mit sich, mit denen Eisenkugeln verschossen wurden. In Bezug auf Mobilität, Feuerkraft und Schussrate waren sie Bombarden überlegen. Ungehindert konnten die französischen Truppen nach Süditalien vordringen, wobei sie zahlreiche Städte und Burgen nach einem kurzen Bombardement einnahmen, sofern sich deren Garnisonen nicht kampflos ergaben. Antonio da Sangallo, der jüngere Bruder von Giuliano, wurde noch im selben Jahr von Papst Alexander VI. mit der Erneuerung des Forts von Civita Castellana beauftragt. Antonio da Sangallo ließ das Fort mit einem Rondell und vier Bastionen versehen.
Von 1501 bis 1503 wurde in der päpstlichen Hafenstadt Nettuno ein bastioniertes Fort nach Plänen von Giuliano da Sangallo erbaut. Die Bastionen an den Ecken des quadratischen Forts wiesen eine wesentliche Neuerung auf. Der hintere Teil der Bastionsflanken wurde zurückgezogen und der vordere Teil abgerundet, wodurch das so genannte Orillon entstand. Das Orillon deckte die zurückgezogene Flanke, die für Belagerer nur schwer einzusehen war. Die zurückgezogenen Flanken verfügten über geschützbestückte Kasematten, so dass sich feindliche Truppen bei einem Sturmangriff auf den Wallabschnitt zwischen zwei Bastionen, der Kurtine, einem schweren Kreuzfeuer ausgesetzt sahen. Im Gegensatz zu seinem Bruder Giuliano ließ Antonio da Sangallo bei späteren Bauten Bastionen mit winkligen Orillons errichten.
Weitere Entwicklungen gehen auf den Veroneser Architekten Michele Sanmicheli zurück, der die altitalienische Manier des Festungsbaus prägte. Sanmicheli stand zeitweilig in päpstlichen Diensten und machte dabei Bekanntschaft mit den Sangallos, deren Ansätze zu einem Bastionärsystem er übernahm. Nach dem Sacco di Roma von 1527 kehrte er in die Republik Venedig zurück, wo er 1530 den Auftrag erhielt, seine Heimatstadt Verona zu befestigen. Sanmicheli ließ Wälle und Bastionen von geringer Höhe und zugleich großer Tiefe erbauen. Lediglich die äußere Seite der Festungsanlagen bestand aus Mauerwerk, das durch Stützpfeiler verstärkt und mit Erde aufgefüllt wurde. Um eine Erstürmung der relativ niedrigen Festungswerke zu erschweren, wurden diese mit einem breiten Graben umgeben. In den zurückgezogenen Flanken befanden sich zwei Geschützplattformen auf verschiedenen Ebenen, wodurch sich die seitwärts ausgerichtete Feuerkraft der Bastionen erhöhte.
Entwicklung der neuitalienischen Manier
Graben. a: Zurückgezogene Flanke mit Orillon b: Ravelin c: Cavalier g: Gedeckter Weg w: Waffenplatz ]]
Bis zum späten 16. Jahrhundert wurden Bastionsbefestigungen um weitere, grundlegende Elemente ergänzt, was zur Entstehung der neuitalienischen Manier führte. Im Jahre 1556 schlug Niccolo Fontana Tartaglia in seinen Quesiti et Inventioni diverse vor, am äußeren Rand des Festungsgrabens einen breiten Weg auszuheben, in dem sich Infanteristen postieren können. Eine feindwärts abfallende Erdaufschüttung, das Glacis, deckte den Weg und zugleich die niedrigen Wälle und Bastionen. Pietro Cataneo steigerte den Nutzen des gedeckten Weges durch Waffenplätze, die als Sammelpunkte für eine größere Anzahl von Soldaten dienten. Diese konnten besonders starke Widerstandsnester bilden oder einen Ausfall durchführen.
Die Bastionen wurden deutlich vergrößert und in Abständen angeordnet, die der Reichweite der damaligen Geschütze entsprachen. Cavaliere genannte Werke aus Erde bildeten auf den Bastionen eine erhöhte Geschützplattform. Zudem wurden in den Gräben vor sämtlichen Kurtinen Ravelins errichtet, die aus zwei zusammenlaufenden Facen bestanden. An ihrer Rückseite, der Kehle, waren sie breit genug, um den gesamten Grabenabschnitt zwischen den Bastionen unter Feuer nehmen zu können. Die Wälle, die Ravelins und der gedeckte Weg bildeten drei Verteidigungslinien, welche die für eine effektive Artilleriebefestigung notwendige Tiefe des Kampfraumes gewährleisteten.
Mit der Entstehung des Bastionärsystems ging im Italien des 16. Jahrhunderts eine rege Bautätigkeit einher. Zahlreiche Städte erhielten eine komplette Umwallung aus bastionierten Befestigungsanlagen, doch ließ sich ein regelmäßiger, polygonaler Grundriss meist nur bei neu errichteten Idealstädten verwirklichen. In Städten wie Ancona, Florenz und Turin wurden zudem Zitadellen erbaut, die nicht nur den stärksten Teil einer Festungsstadt bildeten, sondern auch als Symbol fürstlicher Autorität verstanden werden sollten. | | |