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BehaviorismusDer Behaviorismus ist ein wissenschaftstheoretischer Standpunkt, der zugrundelegt, dass das Verhalten von Menschen und Tieren mit den Methoden der Naturwissenschaft untersucht werden kann. Er versteht sich somit als eine Theorie der Wissenschaft vom Verhalten, der Verhaltenswissenschaft oder Verhaltensanalyse. Er wurde nach wichtigen Vorarbeiten durch Edward Thorndike von John B. Watson zu Beginn des 20. Jahrhunderts begründet und in den 1950er Jahren vor allem von Burrhus Frederic Skinner gleichermaßen popularisiert wie radikalisiert. Als Vorläufer des Behaviorismus können Iwan Petrowitsch Pawlow und seine Experimente zur Konditionierung von Verhalten angesehen werden. Der Begriff Behaviorismus ist abgeleitet vom amerikanisch-englischen Wort behavior = Verhalten.
In den USA waren die Verfechter des Behaviorismus Jahrzehnte lang die einflussreichsten Verhaltensforscher an den Universitäten und entschiedene Gegner der zeitgleich aufkommenden psychoanalytischen Richtungen. Auch die seit den 1930er Jahren in Europa aus der Tierpsychologie entstehende Ethologie (vergleichende Verhaltensforschung) konnte in den USA wegen der dortigen Vorherrschaft des Behaviorismus nicht fußfassen.
Auf die Erkenntnisse der behavioristischen Forschung stützen sich diverse verhaltenstherapeutische Vorgehensweisen, u.a. die sogenannte Systematische Desensibilisierung von Patienten mit einer Phobie und die Behandlung von frühkindlichem Autismus, aber auch die moderne Abrichtung von Hunden und Zirkustieren. Auch das Programmierte Lernen, Sprachlabors und die heute gängigen PC-Programme zum Selbststudium von Fremdsprachen sind eine Nutzanwendung der behavioristischen Theorie einer Wissenschaft vom menschlichen Verhalten.
Wie erforschten Behavioristen das Verhalten des Menschen?
Die Initialzündung des Behaviorismus stellt Watsons berühmter Artikel "Psychology as the Behaviorist views it" dar, in dem er sich vehement gegen die damals in der Psychologie gebräuchliche Methode der Introspektion aussprach. Watsons Ziel war es, die Psychologie als eine Naturwissenschaft gleichsam neu zu begründen. Er setzte ausschließlich auf die sogenannte "objektive Methode", indem er alles Verhalten in Reiz und Reaktion zerlegte (englisch: stimulus – response); man nennt diese Form des Behaviorismus daher auch "molekularer" Behaviorismus. Als "Reiz" fasste er jede Veränderung in der äußeren Umwelt oder im Inneren des Individuums auf, die auf physiologischen Vorgängen beruht, also zum Beispiel auch einen "Mangel an Nahrung", sprich: Hunger; als Reaktion fasste er jegliche Aktivität auf, sei es das Hinwenden oder das Wegwenden von einer Lichtquelle oder das Schreiben von Büchern. Die von John B. Watson begründete Form des Behaviorismus wird auch als "Klassischer" oder "methodologischer" Behaviorismus bezeichnet.
Die dem beobachtbaren Verhalten zugrunde liegenden physiologischen Vorgänge gelten dem Behavioristen als uninteressant; aus seiner Sicht gehören sie zum Aufgabengebiet der Physiologen. Der Behaviorist konzentriert sich in weiser Selbstbeschränkung ausschließlich auf Prozesse, die sich zwischen Organismus und Umwelt abspielen. Der Organismus selbst wird vom klassischen Behavioristen als Black-Box betrachtet.
Skinners Hauptwerk Science and Human Behavior (deutsch: Wissenschaft und menschliches Verhalten) erschien 1953 in den USA. Im Gegensatz zu Watson und dem methodologischen Behaviorismus schloss Skinner im sogenannten "radikalen" Behaviorismus innerpsychische Prozesse bei der Erforschung von Verhalten nicht aus. Aussagen über "mentale" oder "psychische" Vorgänge könnten jedoch nie von außenstehenden, also unabhängigen Beobachtern getroffen werden, sondern allenfalls vom sich selbst beobachtenden Individuum. Beantworte beispielsweise ein Schüler die Frage des Lehrers unabsichtlich mit einer völlig unpassenden Antwort, so werde der "innere Zustand" des Schülers häufig als geistesabwesend bezeichnet. Diese Zuschreibung erkläre in Wirklichkeit aber keineswegs die Zustände im Inneren des Gehirns; sie sei in Wirklichkeit bloß eine zusätzliche, bildhafte Beschreibung für die fehlerhafte Äußerung des Schülers, also für die dem Beobachter ohnehin schon bekannte Reaktion des Schülers.
Die Vertreter einer behavioristischen Wissenschaft vom Verhalten forderten daher, dass auch alle Vorgänge, die in einem Experiment auf einen Organismus einwirken (also die Ursachen von Verhalten), mit streng naturwissenschaftlichen Begriffen zu beschreiben seien; die Psychologie müsse eine "exakte Wissenschaft" im Sinne einer Naturwissenschaft werden (wobei sich Skinner eher am Wissenschaftsbegriff der Biologie als an dem der Physik orientierte). Dies hatte unter anderem zur Folge, dass nicht-naturwissenschaftliche Einflüsse auf das Verhalten (zum Beispiel von "sozialen Strukturen" oder von "Kultur und Tradition") in den Studien der Behavioristen keine Rolle spielten, sofern sie nicht auf der Ebene von Umwelteinflüssen und Verhalten definiert werden. Zum wichtigsten Mittel ihrer Forschung wurden Laborstudien, da nur dort eine sehr weitgehende Kontrolle aller Einflussfaktoren auf das Verhalten der Testtiere und Testpersonen möglich ist, und speziell die eigens für behavioristische Experimente entwickelte Skinner-Box. Überdies können Laborstudien wesentlich leichter wiederholt werden als die von Ethologen bevorzugten Freilandstudien.
Das Gehirn – eine Black-Box?
Der Verzicht auf die Heranziehung innerpsychischer Vorgänge zu Erklärung von Verhalten, die mit naturwissenschaftlichen Begriffen nicht zu beschreiben sind – das gilt übrigens auch noch für unsere Gegenwart! – hat dem Behaviorismus anhaltende heftige Kritik eingebracht. Der betrachte das Gehirn als bloße Black-Box, die, wenn ein Reiz auf sie einwirkt, automatenhaft mit einer Reaktion antworte. Das ausschließliche Analysieren des Zusammenhangs zwischen Input und Output verkenne aber, dass es innere, veränderliche zentralnervös gesteuerte Antriebe für Verhaltensweisen gebe, die sich beispielsweise als sexuelle Lust und als Hungergefühl bemerkbar machten.
Skinner lehnt die "Black Box"-Metapher ab. Mentalistischen Aussagen in der Art "Er isst, weil er hungrig ist" sind nach ihm aber keine Erklärungen für Verhalten. In Wissenschaft und menschliches Verhalten schreibt er: "Er isst und er ist hungrig beschreiben ein und dieselbe Tatsache. (...) Die Gewohnheit, eine Feststellung durch eine andere zu erklären, ist insofern gefährlich, als sie den Eindruck erweckt, dass wir der Ursache auf die Spur gekommen sind und deshalb nicht weiter zu suchen brauchen." Skinner lehnt die Vorstellung eines cartesianischen Steuermannes ab, der gewissermaßen im Innern des Kopfes sitzend den Menschen steuert; der Mensch als ganzes Individuum ("Organism as a whole") verhält sich auf eine bestimmte Weise ("molarer Behaviorismus"), aufgrund der Umwelteinflüsse, denen er in seiner aktuellen und vergangenen Umwelt unterworfen war und ist und aufgrund der Umwelteinflüsse, denen seine Vorfahren in der Phylogenese unterworfen waren.
Historischer Hintergrund
Als Vorläufer des Behaviorismus gelten McDougall und Iwan Petrowitsch Pawlow. Der Begriff Behaviorismus wurde erstmals 1913 in einem Fachaufsatz, der zugleich ein Art Manifest war, von John B. Watson in die Psychologie eingeführt. Watson hatte zur gleichen Zeit wie Iwan Petrowitsch Pawlow mit Reflexen experimentiert und an dessen "Reflexologie" angeknüpft, mit deren Hilfe Pawlow bereits eine hypothetische physiologische Erklärung für den Aufbau von komplexen Verhaltensmustern entwickelt hatte.
Watson unterstellte unnachgiebig, dass ein Organismus nur durch auf ihn einwirkenden Reize etwas über seine Umwelt in Erfahrung bringen kann. Die Möglichkeit "angeborener Erfahrung" oder angeborenen Erkennens (wie sie die klassische vergleichende Verhaltensforschung erforschte) wurde daher in der behavioristischen Forschung lange Zeit vernachlässigt. Der Begriff Umwelt wird von Watson extrem weit gedehnt, zu einem nahezu magischen Konzept, da ausdrücklich auch Herzschlag, Magenknurren, das Sich-Ausdehnen der sich füllenden Harnblase und ähnliche innere Zustandsänderungen als Umwelt definiert werden. Aus diesem Umweltbegriff rührt dann auch die Vorstellung her, dass alles Verhalten – auch jede Verhaltensstörung – umweltbedingt sei.
Der klassische Behaviorismus verlor Ende der 1920er / Anfang der 1930er Jahre an Bedeutung, da sich die von ihm gemachten Erklärungen des Verhaltens als zu einfach erwiesen. Die dadurch ausgelöste erste Krise des Behaviorismus wurde allerdings durch die Arbeiten von Clark L. Hull von der Yale Universität überwunden. Der von Hull begründete Neobehaviorismus stützte sich zwar wie Watsons Klassischer Behaviorismus auf Reiz-Reaktions-Beziehungen, enthielt aber eine sophistizierte Theorie über Reiz-Reaktions-Ketten, die durch Klassische Konditionierung entstehen (sogenannte S-R-Psychologie). Die von Hull begründete Theorie wird systematische Verhaltenstheorie genannt und enthielt auch Annahmen über nicht direkt beobachtbare hypothetische Konstrukte wie z.B. einen allgemeinen Antrieb, in dem alle im Organismus zu einem bestimmten Zeitpunkt vorhandenen Energien zusammengefasst wurden. Zu Hulls bedeutendsten Schülern gehörten Kenneth W. Spence, John Dollard und Neil E. Miller, der Erfinder des Biofeedback.
Trotz der bemerkenswerten Leistungen der Hullschen Schule - ihre Forschungsmethodik ist bis heute die Wurzel der Methodik der wissenschaftlichen Psychologie geblieben - wurde diese Form des Behaviorismus ab den 1950er Jahren schnell durch den Radikalen Behaviorismus von Burrhus Frederic Skinner abgelöst. Eine Ursache dafür ist, daß sich die Hullsche Begründung für die Wirkung von Verstärkungen - die Befriedigung physiologischer Bedürfnisse - als zu eng erwiesen hatte. Außerdem reichte das Prinzip der Reiz-Reaktions-Verknüpfung auf Basis der Klassischen Konditionierung nicht aus, um die Vielfalt des Verhaltens vollständig erklären zu können.
Skinners Verdienst war es, das Forschungsinteresse von Reiz-Reaktions-Ketten im Sinne der S-R-Psychologie weg und hin zum operanten Verhalten zu lenken. Im Mittelpunkt des Interesses stand nicht mehr das respondent genannte Verhalten auf Basis der Klassischen Konditionierung, sondern das operante Verhalten, mit dem es einem Organismus gelingt, seine Umwelt zu beeinflussen und zu verändern. Für den Skinnerianer ist Verhalten daher in der Hauptsache nicht eine passive Reaktion auf Reize, sondern Verhalten wird spontan emittiert und anschließend durch seine Konsequenzen geformt ("selection by consequences"). Da Skinner dieses Prinzip sowohl in der biologischen Evolution der Art als auch in der Lerngeschichte der Individuen gleichermaßen am Werke sieht, spielt die Unterscheidung von "angeboren" und "erworben" für ihn eine untergeordnete Rolle. Er leugnet aber keineswegs, daß es beide Arten von Verhalten gibt. Außerdem schloss Skinner auch Gedanken und Gefühle, also das, was Behavioristen als private Ereignisse bezeichnen, nicht aus der wissenschaftlichen Betrachtung aus. Im Gegenteil besteht das Radikale am Radikalen Behaviorismus darin, private Ereignisse als verdecktes Verhalten aufzufassen und damit einer wissenschaftlichen Analyse zuzuführen. Skinner sieht in diesem Zusammenhang, dass er von den Verhaltensgesetzen, die anhand beobachtbaren Verhaltens gewonnen werden, auf nicht direkt beobachtbare Verhaltensweisen extrapoliert, er erklärt diese Extrapolation aber für nützlicher als den umgekehrten, traditionellen Weg, auf dem von Gedanken und Gefühlen auf Verhalten geschlossen wird.
Skinners wichtigste forschungsmethodische Neuerung war die Einführung eines Apparats zur quantitativen Erfassung von Reaktionen mit Hilfe der von ihm entwickelten Skinner-Box: die Kumulativaufzeichnung (cumulative record). Diese erfasste sowohl die Häufigkeit der Reaktion, die ein Organismus zeigt, als auch die Häufigkeit und die Zeitpunkte von Verstärkungen. Durch diese Methode wurde der Blick der Verhaltensforscher auf die genaue Analyse jener Verstärker gelenkt, von denen Verhalten nach radikal-behavioristischer Auffassung abhängt: Heute ist es ein Allgemeinplatz, dass ein Verhalten dann häufiger auftritt, wenn ihm ein positiv verstärkendes Ereignis (umgangssprachlich, aber nicht ganz korrekt auch als Belohnung bezeichnet) folgt; jede Hundeschule und jede Pferdedressur basiert heute auf diesen Erkenntnissen. Das Ziel der von Skinner begründeten Experimentellen Verhaltensanalyse (Experimental Analysis of Behavior oder Behavior Analysis, vgl. Weblinks) besteht genau darin, solche elementaren, aber auch die komplexeren Verhaltensgesetze zu finden und sie zur Vorhersage und Modifikation des Verhaltens einzusetzen. Eines der bekannteren Verhaltensgesetze aus der behavioristischen Schule Skinners ist das Matching Law, das sein Schüler und Nachfolger Richard Herrnstein 1961 erstmals formulierte und zu einer Verhaltenstheorie ausbaute.
Ab den 1960er und 1970er Jahren wurde der Behaviorismus zunehmend vom Kognitivismus als vorherrschendem Forschungsparadigma in der Psychologie abgelöst. Dazu trugen u.a. die Entwicklung des Digitalcomputers und seine Verwendung als Modell für das menschliche Gehirn sowie Erkenntnisse aus der Ethologie bei, denen zufolge Vererbung doch einen größeren Erklärungswert für gegenwärtiges Verhalten spielt. Die Studien Harry Harlows wiesen überdies nach, dass reine Futterdressuren nicht auf sämtliche höheren Lebewesen übertragen werden können. Auch die verheerende Rezension von Skinners Buch Verbal Behavior durch Noam Chomsky, in dem Skinner den radikal-behavioristischen Ansatz auf das Sprechverhalten anwandte, steht für den damals beginnenden Zweifel an der Tragfähigkeit des Behaviorismus und die Wende zum Kognitivismus. Der aufkommende Kognitivismus beschreibt in seiner einfachsten Form innerpsychische Vorgänge als Kette von internen Reizen und Reaktionen, ohne zu fordern, dass alle diese Vorgänge direkt beobachtbar sein müssen. Interessanterweise hatte es bereits während der Blütezeit des Behaviorismus unter seinen Anhängern Vertreter eines kognitiv orientierten Schule gegeben. Diese kognitiv-neobehavioristische Schule ist vor allem mit dem Namen Edward C. Tolman verbunden.
Auch heute gibt es noch behavioristisch orientierte Strömungen innerhalb der Psychologie. Neben dem orthodoxen Radikalen Behaviorismus der Skinnerschen Prägung existieren mehrere neue Ansätze, die auch verschiedene Aspekte älterer behavioristischer Richtungen aufgegriffen haben, so z.B. Howard C. Rachlins Teleologischer Behaviorismus und John E. R. Staddons Theoretischer Behaviorismus. Dagegen ging der methodologische Behaviorismus im Forschungprogramm der wissenschaftlichen Psychologie auf: Psychologen erforschen noch immer fast ausschließlich das objektiv beobachtbare Verhalten anderer (das größtenteils jedoch im Antwortverhalten beim Ausfüllen von Fragebogen und Tests besteht) und schließen auf dieser Basis auf nicht beobachtbare hypothetische Konstrukte wie z.B. Extraversion oder Neurotizismus (aus der Persönlichkeitstheorie von Eysenck). Zudem wenden viele Teile der modernen Psychologie und Psychotherapie, speziell die Verhaltenstherapie, Erkenntnisse aus behavioristischen Forschung an.
Literatur
- John B. Watson: [http://psychclassics.yorku.ca/Watson/views.htm Psychology as the Behaviorist Views It]. In: Psychological Review 20 (1913), S. 158-177 (auch enthalten in: John B. Watson: Behaviorismus. Köln 1968 bzw. Frankfurt am Main 1976)
- Burrhus Frederic Skinner: Wissenschaft und menschliches Verhalten. Science and Human Behavior. Kindler, München 1973, ISBN 3-463-00562-X
- Burrhus Frederic Skinner: Jenseits von Freiheit und Würde. (dt. Fassung von: Beyond Freedom and Dignity). Rowohlt, Reinbek 1982, ISBN 3-498-06101-1
- Burrhus Frederic Skinner: Was ist Behaviorismus? (dt. Fassung von: About Behaviorism). Rowohlt, Reinbek 1978, ISBN 3-498-06124-0
- Burrhus Frederic Skinner: Die Funktion der Verstärkung in der Verhaltenswissenschaft. Contingenies of Reinforcement. Kindler, München 1974, ISBN 3-463-00587-5
- Klaus-Jürgen Bruder: Psychologie ohne Bewußtsein. Die Geburt der behavioristischen Sozialtechnologie. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-518-28015-5
- William O’Donohue (Ed.). Handbook of Behaviorism. Academic Press, San Diego 1998. ISBN 0125241909.
- John A. Mills: Control: A History of Behavioral Psychology. New York University Press, New York 2000, ISBN 0814756123 (Paperback Edition).
Weblinks
- [http://beat.doebe.li/bibliothek/w00022.html Texte und Links zum Thema Behaviorismus]
- [http://people.freenet.de/oliverwalter/Psychologie/Behaviorismus/behaviorismus.htm Ausführliche Erklärung des Behaviorismus]
- [http://www.abainternational.org Internationale Vereinigung von Forschern und Praktikern im Bereich der Verhaltensanalyse (Behavior Analysis)]
- [http://verhalten.org Deutschsprachige Website zur Verhaltensanalyse]
- [http://www.experimentalpsychologie.de Einführung in die behavioristische Experimentalpsychologie und Testentwicklung]
Kategorie:Behaviorismus
Kategorie:Verhaltensbiologie
Kategorie:Philosophie des Geistes
ja:行動主義心理学
VerhaltensanalyseDie Verhaltensanalyse ist die Naturwissenschaft, die sich mit dem Verhalten von Menschen befasst, mit dem was Menschen sagen oder tun und mit dem Verhalten von Tieren. Die Verhaltensanalyse versucht dieses Verhalten zu verstehen, zu erklären, zu beschreiben und vorauszusagen. Die wissenschaftstheoretische Grundlage der Verhaltensanalye ist der Radikale Behaviorismus nach B.F. Skinner.
Nach Chance (1998) ist die Verhaltensanalyse die Untersuchung der funktionalen Relationen zwischen Verhalten und Umweltereignissen.
- Ein Verhalten ist alles was ein Mensch oder Tier tut und das (von anderen Menschen oder nur von dieser Person selbst) beobachtet werden kann.
- Ein Umweltereignis ist jedes Ereignis in der Umwelt eines Organismus, dass beobachtet werden kann.
- Eine funktionale Relation ist die Tendenz eines Ereignisses in regelhafter Art und Weise mit einer oder mehreren anderen Ereingissen zu variieren.
Die Grundlagenwissenschaft, die sich damit befasst die Gesetze des Verhaltens zu entdecken und zu beschreiben ist die experimentelle Analyse des Verhaltens (Experimental Analysis of Behavior).
Die angewandte Verhaltensanalyse (Applied Behavior Analysis) versucht das Verhalten von Menschen oder Tieren zu ändern, indem sie die vorausgehenden Bedingungen und nachfolgenden Konsequenzen des Verhaltens verändert. Bekannte Anwendungen der Verhaltensanalyse sind:
- die Behandlung des frühkindlichen Autismus
- diverse Methoden des programmierten Unterrichts (Direct Instruction, Personalized System of Instruction, Precision Teaching)
- die gewaltfreie Dressur von Tieren (vgl. Clickertraining)
- die Methode der verhaltensorientierten Arbeitssicherheit
u.v.m.
Literatur
Einführende Lehrbücher:
- Chance, P. (1998). First Course in Applied Behavior Analysis. Pacific Grove: Brooks/Cole Publishing.
- Miller, L. K. (1997). Principles of Everyday Behavior Analysis. Pacific Grove: Brooks/Cole Publishing.
Weblinks
- Cambridge Center for Behavioral Studies[http://www.behavior.org]
- Association for Behavior Analysis[http://www.abainternational.org]
- Deutsche Website zur Angewandten Verhaltensanalyse[http://www.verhalten.org]
- Journal of the Experimental Analysis of Behavior und Journal of Applied Behavior Analysis[http://seab.envmed.rochester.edu]
Edward ThorndikeEdward Lee Thorndike ( - 31. August 1874 in Williamsburg, Massachusetts, USA, † 9. August 1949) war ein US-amerikanischer Psychologe, dessen Verhaltensstudien an Tieren und speziell über Lernvorgänge zur Theorie des Konnektionismus führten.
Thorndike studierte bis 1895 an der Wesleyan Universität und bis 1896 an der Harvard Universität. Seinen Doktorgrad erwarb er 1898 an der Columbia University und war dort auch von 1904 bis 1940 als Professor tätig, zuletzt als Direktor der Fakultät für Psychologie.
Thorndike veröffentlichte wichtige Studien über die Fähigkeit von Katzen, Probleme zu lösen. Sie mussten zum Beispiel lernen, einen Mechanismus zu aktivieren, so dass sie eine so genannten "Puzzle Box" wieder verlassen konnten, in die sie vom Versuchsleiter eingesperrt worden waren. Hierzu fertigte er "Lernkurven" an, indem er die Verweildauer der Katzen in Abhängigkeit von der Anzahl der wiederholten Übungen grafisch darstellte. Er wollte auf diese Weise unter anderem herausfinden, ob Katzen (gleichsam mit einem "Aha-Erlebnis") das Problem plötzlich zu lösen in der Lage sind – ob man ihnen also Einsicht zuschreiben kann – oder ob sie durch Versuch und Irrtum lernen. Im Fall des einsichtigen Verhaltens müsste die Lernkurve ruckartig, von einem Test zum folgenden, nach unten gehen, im anderen Fall allmählich. Thorndike fand heraus, dass Katzen graduell lernen, also durch Versuch und Irrtum. Für das Lernverhalten der Testtiere benutzte er die Formulierung, dass die für das Entkommen nötigen Bewegungen durch den Erfolg verstärkt ("strengthened") worden seien.
Ferner formulierte er in seiner Lerntheorie zwei bedeutende Gesetzmäßigkeiten für das Lernen
- das Law of Effect ("Gesetz der Auswirkung"): Die Auswirkungen der Reaktion auf einen Reiz beeinflussen die Wahrscheinlichkeit des Wiederauftretens der Reaktion.
- das Law of Exercise ("Gesetz der Übung") : Je öfter und je interessierter eine Lernaufgabe wiederholt wird, desto eher kann man sich den Lernstoff einprägen.
Gemeinsam mit John B. Watson wurde Edward Thorndike zu einem der Begründer des Behaviorismus; in seinen theoretischen Überlegungen zur operanten Konditionierung wurzelte die Lerntheorie von Burrhus Frederic Skinner, und seine für Katzen entwickelten Testboxen waren ein Vorläufer der Skinner-Box.
Thorndikes Überlegungen flossen in den 1930er Jahren ferner in Wörterbücher ein, die er für Kinder und junge Erwachsene zusammenstellte - und wurden als theoretischer Unterbau genutzt für den als Pädagogik missverstandenen, ermüdenden schulischen Drill der Schülerinnen und Schüler in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
siehe auch: Andragogik
Werke
Edward L. Thorndyke, Arthur I. Gates: Elementary Principals of Education. MacMillan, New York 1930.
Weblinks
[http://www.plassmann.de/dipl/behavior/thorndike.htm Operante Konditionierung nach Thorndike]
Thorndike, Edward Lee
Thorndike, Edward
Thorndike, Edward Lee
Thorndike, Edward Lee
ja:エドワード・ソーンダイク
Burrhus Frederic SkinnerBurrhus Frederic Skinner ( - 20. März 1904 in Susquehanna, Pennsylvania; † 18. August 1990 in Cambridge, Massachusetts) war der prominenteste Vertreter des Behaviorismus in den USA, prägte den Begriff „operante Konditionierung“, erfand das so genannte „programmierte Lernen“ und verfasste den weltweit beachteten utopischen Roman Walden Two (auf deutsch zunächst unter dem Titel Futurum Zwei erschienen).
Werdegang
Walden Two
Nach dem Besuch der High School absolvierte Skinner in Clinton, New York, bis 1926 ein kunst- und sprachwissenschaftliches Studium. Er wollte Schriftsteller werden, brachte jedoch nur ein Dutzend Artikel in Zeitungen unter, so dass er in New York als Gehilfe in einer Buchhandlung zu arbeiten begann. Der Biografie seiner Tochter Julie S. Vargas zufolge wurde er erst dort auf die Schriften von Iwan Petrowitsch Pawlow und John B. Watson aufmerksam und schrieb sich daher ab 1928 an der Harvard University im Fach Psychologie ein. Damals war dort gerade eine neue verhaltensphysiologische Abteilung eingerichtet worden, deren Leiter William Crozier Tiere „als Ganzes“ zu analysieren versuchte, also ohne Betrachtung von Vorgängen in deren Innerem. Skinner wurde zu eigenen Experimenten ermuntert und entwickelte letztlich eine (gleichermaßen simple wie geniale) Apparatur, mit deren Hilfe das Verhalten von Testtieren im Prinzip auch heute noch quantitativ erfasst wird – auch viele deutsche Universitäten und Schulen verwenden derartige Apparaturen im Rahmen von Praktika.
Die Skinner-Box
verhaltensphysiologische
Solch ein Lernexperiment kann folgenden Ablauf haben: Ein Tier wird in einen speziellen Testkäfig gesetzt, in den mindestens ein kleiner Hebel hineinragt (heute wird eine solche Testapparatur als „Skinner-Box“ bezeichnet); jeder Hebeldruck des Testtieres wird übersetzt in die Aufwärtsbewegung eines Schreibstiftes, unter dem ein Papierstreifen horizontal zur Seite bewegt wird. So entsteht eine kumulative Aufzeichung (das Aufzeichnungsgerät heißt Cumulative Recorder), in der die Reaktion des Tieres in Abhängigkeit von der Dauer des Lerntests dokumentiert wird – je steiler die Kurve nach oben geht, desto schneller hat das Tier die vom Testleiter erwünschte Aktion gelernt. Eine solche Aktion kann zum Beispiel wie folgt aussehen: Das Testtier drückt nach dem Aufleuchten eines Lämpchens oder nach einem akustischen Signal den Hebel.
Lernen auf Grund von Belohnung
Skinner entdeckte bei seinen Experimenten, dass die Häufigkeit der Hebeldrücke seiner Ratten nicht allein von vorhergehenden Stimuli abhängig war (wie dies Watson und Pawlow betont hatten), sondern auch – und vor allem – von Reizen, die erst nach einem Hebeldruck folgten: Er untersuchte also keine Verhaltensweisen, die (wie die Reflexe) nach dem relativ starren Prinzip „Reiz – Reaktion“ abliefen, sondern durch Umwelteinflüsse (sprich: die auf eine Reaktion folgenden Konsequenzen) beeinflusst wurden – zum Beispiel durch eine Futterbelohnung. Skinner prägte für die so beim Testtier aufgebauten Bewegungsabfolgen den Fachausdruck „operantes Verhalten“. Den Vorgang, in dessen Verlauf das operante Verhalten erzeugt wird, bezeichnete er als „operante Konditionierung“; das Wort „lernen“ verbietet sich hier, da es sich hierbei um einen angenommenen mentalen Vorgang im Tier handelt, was im Rahmen der Skinner'schen Lerntheorie aber als unwissenschaftlich angesehen wird.
Tauben im Kriegsdienst
Konditionierung
Aufgrund seiner erfolgreichen tierpsychologischen Arbeiten konnte er nach dem Doktorexamen 1931 in Harvard fünf Jahre lang eigenständig forschen, wechselte 1936 aber als Dozent (und später Professor) für Psychologie an die Universität von Minnesota in Minneapolis, wo er seine experimentellen Studien allerdings nicht mehr fortführte. Erst 1944, als Deutschland im Zweiten Weltkrieg bereits ferngesteuerte Bomben gegen Ziele in England einsetzte (V2-Raketen, die noch im Flug gelenkt werden konnten), während die anglo-amerikanischen Alliierten noch nicht einmal über erste Ansätze für derart innovative Kriegsgeräte verfügten, reaktivierte Skinner seine Experimentierfreudigkeit: Er ging auf die Suche nach finanzieller Unterstützung für ein (heute grotesk anmutendes) streng geheimes militärisches Projekt. Skinner dressierte Tauben, deren Pickbewegungen dazu genutzt werden sollten, eine Fernrakete auf Kurs zu halten; offenbar plante er, jeder Rakete eine Taube beizugesellen – man entschied sich dann aber für radargestützte Fernlenksysteme. Gleichwohl blieben Tauben für Skinner auch in späteren Jahren die wichtigsten Modellorganismen für seine Verhaltensstudien; jedenfalls führte er niemals wieder Experimente mit Ratten durch. Es existieren außerordentlich einrucksvolle Filmaufnahmen von konditionierten Tauben, anhand derer man beispielsweise das Entstehen von abergläubischem Verhalten nachvollziehen kann.
Leben in einer geplanten Gesellschaft
1948 kehrte Skinner als Ordinarius für Psychologie nach Harvard zurück und hielt dieser Hochschule bis zu seiner Emeritierung 1974 die Treue. Ebenfalls 1948 entstand, noch unter dem Eindruck hunderttausender Kriegsheimkehrer, sein Roman Walden Two (die erste deutsche Ausgabe trug den Titel: Futurum Zwei), der das Leben einer durch operante Konditionierung geformten Gemeinschaft schildert und bis heute weltweite Beachtung findet. Dieser noch immer lesenwerte utopische Roman wurde Skinners bekanntestes Werk, wegen der in ihm propagierten, von vielen als manipulativ bewerteten Sozial- und Verhaltenstechniken wird er aber weithin – gegen Skinners Intentionen – als „negative Utopie“ empfunden: Der Roman (und auch Skinner selbst) lässt die Frage offen, wer das Recht (die Allmacht) haben soll, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen festzulegen, die hernach das Zusammenleben der Angehörigen dieser Gesellschaft bis ins Kleinste bestimmen, also auch die ethischen Normen.
Programmiertes Lernen und Sprachlabors
In den 1950er Jahren entwickelte Skinner auf der Grundlage seiner tierexperimentellen Studien und seiner schon in Walden Two beschriebenen lerntheoretischen Erwägungen so genannte Lernmaschinen und die Methode des „programmierten Lernens“, die darauf beruht, den gesamten Lernstoff in kleine Untereinheiten zu zerlegen, deren korrekte Wiedergabe „belohnt“ wird durch die Erlaubnis, den nächsten Lernschritt zu unternehmen, so dass man im Selbststudium schrittweise sich Wissen selbst aneignen und den Lernerfolg auch selbst kontrollieren kann. Diese Vorgehensweise war in den 1960er Jahren auch in Deutschland unter jungen Lehrkräften recht populär, geriet dann aber weitgehend in Vergessenheit und feierte erst durch die „modernen“ PC-gestützten Sprachlernprogramme ein gewisses Comeback. Auch die so genannten Sprachlabors verdanken ihre Existenz letztlich Skinner.
Skinner, dessen Hauptwerk Science and Human Behavior (deutsch: Wissenschaft und menschliches Verhalten) 1953 erschienen war, schrieb bis ins hohe Alter Bücher und Aufsätze, selbst nachdem 1989 eine Leukämie bei ihm diagnostiziert worden war. Zehn Tage vor seinem Tod hielt er seinen letzten Vortrag vor der American Psychological Association. Seine Tochter hielt fest: „Er beendete den Artikel, aus dem die Rede stammte, am 18. August 1990, dem Tag, an dem er starb.“ („He finished the article from which the talk was taken on August 18, 1990, the day he died.“)
Operante Konditionierung: ein kurzer Überblick
Skinner prägte den Begriff der „operanten Konditionierung“ und stellte diese Form des Lernens der „klassischen Konditionierung“ gegenüber.
Die klassische Konditionierung, die zuerst von Iwan Petrowitsch Pawlow erforscht wurde, nutzt die Existenz einer bereits vorhandenen Abfolge von Reiz und Reaktion (schon das Riechen von leckerer Nahrung hat zur Folge, dass Speichelfluss einsetzt). Der Versuchsleiter bietet sodann parallel zum gewöhnlichen Reiz stets einen völlig andersartigen Reiz (zum Beispiel einen Glockenton), mit der Folge, dass nach erfolgreicher Konditionierung schon beim Ertönen der Glocke der Speichelfluss einsetzt.
Im Unterschied zur klassischen Konditionierung kommt bei der operanten Konditionierung ein weiteres Element hinzu: die der Reaktion folgende Konsequenz. Am wirkungsvollsten haben sich auch im Tierexperiment angenehme Konsequenzen („positive Verstärkung“) herausgestellt, also eine Belohnung zum Beispiel durch Futter. Allerdings können auch Vermeidungsreaktionen konditioniert werden, bei Katzen und anderen Haustieren zum Beispiel mit Hilfe einer Bestrafung durch Wasserspritzer.
Während die klassische Konditionierung also stets auf einem bereits weitgehend vorhandenen Verhaltensrepertoir aufbaut und dieses im Grunde nur variiert, können mit Hilfe der operanten Konditionierung sehr vielfältige neue Verhaltensmuster erzeugt werden (gleichwohl müssen natürlich auch hier die grundlegenden Bewegungsabfolgen zumindest als physiologisch möglich schon vorher existieren). Das Abrichten von Pferden und das erfolgreiche Absolvieren einer „Hundeschule“ basiert seit langem schon vollständig auf den von Skinner systematisch erforschten Techniken der Verhaltensformung.
Formelhaft beschreiben kann man die beiden Varianten der Konditionierung so:
- S ⇒ R (Stimulus – Response; Reiz – Reaktion)
- S ⇒ R ⇒ C (hinzu kommt: Consequence; Konsequenz), wobei „C“ in jedem Fall zurückwirkt auf „R": entweder positiv oder negativ (entweder wird sich die Auftretenswahrscheinlichkeit für die Abfolge S-R-C dank einer Belohnung erhöhen und aufgrund einer Bestrafung vermindern)
Schriften
- B. F. Skinner: A case history in scientific method. in: American Psychologist 1956,11, S. 221-33. (enthält eine Beschreibung seiner wissenschaftlichen Anfänge mit der „Skinner-Box“)
- B. F. Skinner: The Behavior of Organisms: An Experimental Analysis. 1938 erstveröffentlicht, 1991 und 1999 nachgedruckt durch die B. F. Skinner Foundation; Hardcover ISBN 1-58390-007-1, Paperback ISBN 0-87411-487-X (enthält eine Übersicht über seine frühen Studien in Harvard)
- B. F. Skinner: The Technology of Teaching. 1968 erstveröffentlicht, 2003 nachgedruckt durch die B. F. Skinner Foundation; Library of Congress Card Number 68-12340 E 81290 (enthält eine Zusammenfassung seiner Schriften zum „programmierten Lernen“)
- B. F. Skinner: Futurum Zwei. (erste deutsche Fassung von Walden Two) 1994: Reinbek (Rowohlt-Taschenbuch), ISBN 3-803-20103-9 (inzwischen gleichfalls vergriffene Neuausgabe des Taschenbuchs von 1973)
- B. F. Skinner: Walden Two - die Vision einer besseren Gesellschaftsform. 2002: FiFa - Fiction & Fantasy Verlag. ISBN 3-934-43204-2 ([http://www.realhomepage.de/members/FiFa-Verlag/3.html Neuübersetzung)]
- B. F. Skinner: Wissenschaft und menschliches Verhalten. Science and Human Behavior. 1973: München (Kindler), ISBN 3-463-00562-X
- B. F. Skinner: Die Funktion der Verstärkung in der Verhaltenswissenschaft. 1974: München (Kindler), ISBN 3-463-00587-5
- B. F. Skinner: Jenseits von Freiheit und Würde. (dt. Fassung von: „Beyond Freedom and Dignity") 1982: Reinbek (Rowohlt), ISBN 3-498-06101-1
- B. F. Skinner: Was ist Behaviorismus? (dt. Fassung von: „About Behaviorism“) 1982: Reinbek (Rowohlt), ISBN 3-498-06124-0
Siehe auch
- Psychologie
- Lernen
Weblinks
-
- [http://www.bfskinner.org/ B. F. Skinner Foundation]
- [http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LERNEN/KonditionierungOperant.shtml Arbeitsblätter zur Operanten Konditionierung]
- [http://www.verrueckte-experimente.de/leseproben_d.html#story_07 Beschreibung der Experimente (mit Filmclips und Cartoons)]
Skinner, Burrhus Frederic
Skinner, Burrhus Frederic
Skinner, Burrhus Frederic
Skinner, Burrhus Frederic
Skinner, Burrhus Frederic
Skinner, Burrhus Frederic
ja:バラス・スキナー
Iwan Petrowitsch Pawlow
Iwan Petrowitsch Pawlow (russisch Иван Петрович Павлов, wiss. Transliteration Ivan Petrovič Pavlov; - 14. September 1849 in Rjasan bei Moskau; † 27. Februar 1936 in Leningrad) war ein russischer Mediziner und Physiologe. Er erhielt 1904 den Nobelpreis für Medizin für seine Arbeiten über die Verdauungsdrüsen.
Er hat aber auch wichtige Grundlagen für die Verhaltensforschung erarbeitet und legte den Grundstein für fast alle neueren Lerntheorien.
Er war der Überzeugung, dass Verhalten auf Reflexen beruhen kann und entdeckte das Prinzip der Konditionierung. Dabei unterschied er zwischen unkonditionierten (auch natürlich genannten) und konditionierten Reflexen (die durch Lernen erworben werden).
Am bekanntesten dürfte der so genannte Pawlowsche Hund sein: ein Forschungsprojekt, das unmittelbar aus seinen mit dem Nobelpreis gewürdigten physiologischen Studien hervorging. In diesem Zusammenhang stellte Pawlow fest, dass die Speichelsekretion eines Hundes nicht erst mit dem Fressvorgang beginnt, sondern bereits beim Anblick der Nahrung. Auch ein anderer Reiz, zum Beispiel ein Klingelton, kann die Sekretion von Speichel und anderen Verdauungssäften auslösen, wenn er regelmäßig der Fütterung vorausgeht. Pawlow erklärte das Geschehen durch das mehrmalige Zusammentreffen des Reizes und dem anschließenden Fressvorgang. Irgendwann reicht dann bereits der Reiz aus, um die Speichelsekretion auszulösen. Pawlow bezeichnet dies als konditionierten Reflex.
Weblinks
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- [http://www.verrueckte-experimente.de/leseproben_d.html#story_02 Beschreibung der Experimente (mit Filmclip)]
Pawlow, Iwan Petrowitsch
Pawlow, Iwan Petrowitsch
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ja:イワン・パブロフ
KonditionierungDieser Artikel beschäftigt sich mit dem Begriff Konditionierung im Fachgebiet Psychologie. Zur Verwendung im Gebiet der Kernenergie siehe Konditionierung (Kernenergie)
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Unter Konditionierung versteht man in der Psychologie das Erlernen von Reiz-Reaktions-Mustern (Stimulus-Response). Auf einen bestimmten Reiz folgt beim Organismus kontingent eine bestimmte Reaktion. Man unterscheidet zwei Grundtypen der Konditionierung:
Klassische Konditionierung
Diese Lernform wurde von Iwan Pawlow beschrieben. Er war Mediziner (Nobelpreis in Medizin 1904) und beobachtete eher beiläufig, dass seine Versuchshunde bereits bei einem Glockenton, der die Fütterungszeit ankündigte, Speichel absonderten, egal ob sie Futter sehen konnten oder nicht. Sie hatten offenbar gelernt, dass der Glockenton etwas mit Futter zu tun hat.
Als Pawlow dieses überraschende Phänomen genauer untersuchte, fand er heraus, dass durch die zeitlich unmittelbar aufeinander folgende Darbietung des Glockentons (neutraler Reiz) und des Futters (unkonditionierter Reiz, der eine reflexartige Reaktion auslöst) eine Verbindung zwischen diesen hergestellt wurde.
Nach häufiger gemeinsamer Darbietung wurde der vorher neutrale Reiz (= Glockenton) zu einem konditionierten Reiz, der alleine fast dieselbe Reaktion (= Speichelfluss) auslösen kann, wie der unkonditionierte Reiz (= Futter), mit dem er gekoppelt wurde. Aus der unkonditionierten Reaktion (= Speichelfluss) auf das Futter wurde eine konditionierte Reaktion auf den Glockenton.
Pawlows Ansatz war der erste und grundlegende Ansatz innerhalb der Lerntheorie. Aufgrund dieser beiden Sachverhalte wird die von ihm entwickelte Lerntheorie als Klassisches Konditionieren bezeichnet.
Schematisch:
1. Neutraler Reiz (Glockenton) => Neutrale Reaktion = Orientierungsreaktion OR(keine bestimmte Reaktion)
2. Unkonditionierter Reiz = US(Futter) => Unkonditionierte Reaktion = UR (Speichelfluss) [biologisch signifikant]
3. Neutraler Reiz = konditionierter Reize CS + UR => CR = konditionierte Reaktion (hier: Speichelfluss)
kurzgefasst:
vor Training: CS => OR US => UR
Training: CS - US
Test: CS => CR
Der Unterschied zwischen CS und US besteht in der Reaktion, die sie vor der Konditionierung auslösen: Der CS darf anfangs von sich aus keine deutliche Reaktion hervorrufen, er muss jedoch eine Orientierungsreaktion (OR) auslösen - dass bedeutet, der Organismus muss dem Reiz Aufmerksamkeit schenken. Der US hingegen löst eine deutliche Reaktion im Organismus aus.
Achtung: UR und CR müssen nicht die gleiche Phänomenologie aufweisen (wie bei Pawlows Experiment). Ein Beispiel dafür ist Schockkonditionierung beim Menschen: Die UR ist eine Schreckreaktion, verbunden mit einer Erhöhung von Herzfrequenz und Blutdruck. Testet man nach dem Training die CR, dann besteht diese jedoch in einer Senkung der Herzfrequenz.
mehrmalige Koppelung + Kontiguität: Das Gesetz der Kontiguität (lat. contiguitas = die Angrenzung) besagt, dass eine Konditionierung nur erfolgt, wenn der unbedingte Reiz mehrfach mit dem neutralen Reiz gekoppelt auftritt und wiederholt wird, sowie die Reize zeitlich und räumlich beeinander auftreten.
4. Konditionierter Reiz (= ursprünglich neutraler Reiz) => Konditionierte Reaktion (= Speichelfluss): ähnlich der unkonditionierten Reaktion, aber meist von geringerer Intensität.
Siehe auch: Pawlowscher Hund, Klassisches Konditionieren
Operante Konditionierung (auch: Instrumentelle Konditionierung)
Ein wichtiges Defizit der Theorie der klassischen Konditionierung ist ihr Unvermögen, das Auftreten neuer Verhaltensweisen befriedigend zu erklären. Eine elegante Methode, auf gleichermaßen anschauliche wie reproduzierbare Weise einem Testtier neue Verhaltensweisen beizubringen, stellt das Lernen mit Hilfe einer so genannten Skinner-Box dar.
Während beim klassischen Konditionieren ein neuer Reiz kennen und verstehen gelernt wird, so lernt das Versuchstier beim operanten Konditionieren eine bestimmte Handlung auszuführen, die nicht dem natürlichen Repertoire entspricht und welche anschließend positiv verstärkt wird. Besonders verdient gemacht in dieser Disziplin hat sich Burrhus Frederic Skinner, der viel auf diesem Gebiet forschte.
Das Prinzip ist einfach: wenn das Versuchstier zufällig die erwünschte Handlung ausführt, bekommt es einen positiven Verstärker. Es lernt schnell den Zusammenhang zwischen Handlung und Belohnung.
Das heißt, Verstärker sorgen beim operanten Konditionieren dafür, dass das Auftreten einer bestimmten Reaktion begünstigt oder erschwert wird. Aber was ist denn nun ein Verstärker?
Das können in den einzelnen Fällen recht unterschiedliche Dinge sein:
Für ein kleines Kind reicht da vielleicht schon etwas Schokolade, während bei einem Erwachsenen auch Kopfnicken oder Schulterklopfen Verstärkung genug sein kann. Was letztendlich als Verstärker funktioniert, bestimmt jedoch die Versuchsperson (also die Person, bei der eine bestimmte Verhaltensweise verstärkt werden soll). Wichtig ist, dass die Verstärker kontingent (also unmittelbar, erkennbar, regelhaft) und motivationsadäquat sind und eine Bedürfnisspannung (z.B. Hungergefühl, Freiheitsdrang usw.) befriedigen. Bei einem Verstärker, der erst Stunden nach der gewünschten Reaktion eintritt, ist nicht mehr erkennbar, wofür er gegolten hat und er hat demnach auch keine Wirkung. Auch eine satte Ratte wird für eine Futterpille nichts mehr veranstalten - die Bedürfnisspannung fehlt. Um einer Verfettung von Laborratten vorzubeugen (kein Scherz) beruft man sich in der Forschung wiederum auf die Klassische Konditionierung: Der Reiz "Verstärker" (hier: Futter) wird mit einem anfangs neutralen Reiz (z.B. einem Pfiff) gekoppelt, wodurch der Pfiff durch klassische Konditionierung zum bedingten Reiz wird, der dann - wie Futter - ebenfalls die Wirkung einer Belohnung hat. Um einer Extinktion vorzubeugen, muss die Kopplung gelegentlich wiederholt werden.
Positive und negative Verstärkung, Bestrafung
Verstärkung ist jener Prozess, der dazu führt, dass ein spontan gezeigtes Verhalten vermehrt auftritt. Als Verstärker werden jene Verhaltenskonsequenzen bezeichnet, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass das Verhalten wiederholt gezeigt wird.
Man unterscheidet die Verstärker nach ihrer Wirkung. Gerade negative Verstärker und Bestrafung werden häufig miteinander verwechselt.
Daher folgt zunächst eine Definition:
Positive Verstärkung bedeutet die Erhöhung der Auftretenswahrscheinlichkeit eines Verhaltens, wenn als Reiz ein positiver Verstärker hinzutritt. Beispiele für positive Verstärker sind Anerkennung, Achtung, Nahrung, Geld.
Negative Verstärkung bedeutet die Erhöhung der Auftretenswahrscheinlichkeit eines Verhaltens, wenn als Reiz ein negativer Verstärker entfernt wird. Negative Verstärker sind
z. B. Lärm, grelles Licht, Hitze oder Kälte, Stromschlag. Negative Verstärkung wäre z.B. das Entfernen von Kopfschmerzen durch Aspirin.
Bestrafung bedeutet die Reduzierung der Auftretenswahrscheinlichkeit eines Verhaltens. Wichtig ist dabei, dass es nicht zwingend einen "Bestrafer" geben muss, sondern Bestrafung bezeichnet alle Verhaltenskontingenzen, welche die Auftretenswahrscheinlichkeit eines Verhaltens reduzieren.
Positive Bestrafung bedeutet, dass ein spezifisches Verhalten einen Reiz auslöst, der die Auftretenswahrscheinlichkeit dieses Verhaltens senkt. Beispiele hierfür sind Lärm, grelles Licht, Hitze oder Kälte, Stromschlag.
Negative Bestrafung - auch omission training genannt - bedeutet, dass ein spezifisches Verhalten einen Reiz unterbindet, der die Auftretenswahrscheinlichkeit dieses Verhaltens senkt. Also wenn beispielsweise ein Kind einen Trotzanfall bekommt, nehmen ihm die Eltern das liebste Spielzeug weg.
Diese Arten der Beeinflussung von Reaktionen können in folgender Tabelle
festgehalten werden.
Wichtig ist hierbei, dass die Bezeichnung positive, bzw. negative Konsequenz sehr schwammig ist. Die Definition von Verstärkern ist nur anhand von Beispielen möglich. Im Behaviorismus sind Begrifflichkeiten wie "angenehm" eher unpassend, da sie subjektiv sind. Dieser Fehler wird leider auch von vielen Lehrbüchern und Lexika begangen.
Arten von Verstärkern und deren Beeinflussung
; Primäre und sekundäre Verstärker: Man unterscheidet verschiedene Arten von Verstärkern. Zwei klassische Arten sind: primäre Verstärker und sekundäre Verstärker. Primäre Verstärker sind jene Verstärker, die Grundbedürfnisse wie etwa Hunger, Anschluss oder sexuelle Bedürfnisse befriedigen. Sekundäre Verstärker können, treten sie zusammen mit primären Verstärkern auf, schon alleine als Verstärker dienen - sie sind quasi Stellvertreter der Verstärker und das Verfahren wird daher auch häufig stellvertretende Verstärkung genannt. Ein klassisches Beispiel dafür wäre Geld, welches alleine zwar keine Befriedigung liefert, jedoch in Güter und Dienstleistungen getauscht werden kann, die eben dies tun.
; Premack-Prinzip: Ferner hat sich gezeigt, dass bereits antizipiertes Verhalten als Verstärker dienen kann. Verhalten, das wir gerne und häufig tun, hat eine verstärkende Wirkung. Wird uns nach den Hausaufgaben etwa ein Kinobesuch versprochen, so wird die Auftretenswahrscheinlichkeit der Handlung, dass die Hausaufgaben gemacht werden, erhöht. Das Premack-Prinzip besagt, dass ein Verhalten, das unter natürlichen Bedingungen mit einer höheren Häufigkeit gezeigt wird, als Verstärker für ein Verhalten dienen kann, das unter natürlichen Bedingungen mit einer geringeren Häufigkeit gezeigt wird. Nehmen wir als Beispiel ein Kind: Wenn wir es vollkommen frei vor die Wahl zwischen den beiden Verhalten "Fernsehen schauen" und "Zimmer aufräumen" stellen, wird es sich mutmaßlich für ersteres entscheiden. Nun können wir das Verhalten mit der höheren Auftretenswahrscheinlichkeit als Verstärker benutzen: Dem Kind wird erst erlaubt, Fernsehen zu schauen, wenn es sein Zimmer aufgeräumt hat.
Es gibt jedoch Einschränkungen in der Gültigkeit des Premack-Prinzips. So hat man in Tierversuchen mit Ratten nachgewiesen, dass auch ein Verhalten, dass eine niedrigere Auftretenswahrscheinlichkeit besitzt, als Verstärker dienen kann: Nehmen wir an, eine Ratte, die eine Stunde in einem Käfig sitzt, verbringt ohne äußere Zwänge 50 Minuten damit, an einem Wasserspender zu lecken und zehn Minuten damit, in einem Laufrad zu rennen. Man kann nun nach dem Premack-Prinzip ohne Probleme das längere Rennen im Laufrad durch das Lecken verstärken. Es geht jedoch auch anders herum. Wenn die Ratte zwei Minuten lecken muss, um danach eine Minute im Laufrad zu rennen, wird dies nicht als Verstärker wirken, da die Ratte nach diesem Verstärkerplan 'locker' auf ihre Basisverhaltenhäufigkeit von 10 Minuten Rennen in der Stunde kommt. Wenn die Ratte aber fünfzehn Minuten lecken muss, um eine Minute rennen zu dürfen, wirkt dieses Verhalten als Verstärkung für das Lecken. Somit kann, entgegen dem Premack-Prinzip, auch ein Verhalten mit einer niedrigeren Auftretenshäufigkeit als Vertärker dienen.
; Token-Konditionierung: Ähnlich zu sekundären Verstärkern, gibt es das Prinzip, für eine Verstärkung so genannte Token zu vergeben. Diese können dann später - nach ausreichender Akkumulation von Token - gegen andere Dinge, Handlungen, Dienstleistungen usw. eingetauscht werden. Häufig findet das Prinzip bei der Verhaltensformung Anwendung, wenn in therapeutischen Einrichtungen das Verhalten der Patienten in einer bestimmten Art und Weise geformt werden soll.
Nicht immer führt eine sofortige Verstärkung nach der gewünschten Reaktion zum gewünschten Ziel. So haben sich Verstärkerpläne herauskristallisiert, die zu unterschiedlichen Konsequenzen führen, was das Lernen und insbesondere auch Vergessen (Extinktion) betrifft. Die verschiedenen Varianten sollen kurz vorgestellt werden.
; Kontinuierliche Verstärkung: Hier wird bei jeder gewünschten Reaktion verstärkt. Dies führt zu einem starken Anstieg der Lernkurve. Die Versuchsperson lernt also schnell, vergisst aber auch ebenso schnell wieder.
; Intermittierende Verstärkung: Hierbei wird nicht jede gewünschte Reaktion verstärkt, sondern etwa jede zweite, dritte usw. Zwar steigt hier die Lernkurve erwartungsgemäß nicht so stark an, jedoch fällt danach die "Vergessenskurve" auch weniger stark ab: Der Extinktionsgrad ist geringer, man vergisst also nicht so schnell.
; Intervallverstärkung: Bei dieser Methode wird erst nach einer bestimmten Zeit verstärkt und nicht sofort.
; Quotenverstärkung: Bei dieser Variante verstärkt man erst, wenn eine bestimmte Anzahl von gewünschten Reaktionen erfolgt ist.
Eine weitere Variante, auf die Verstärkung Einfluss zu nehmen, ist das Shaping (es wird auch Approximation genannt). Hier wird nicht erst die komplette Handlung verstärkt, sondern bereits jede Annäherung an eine gewünschte Handlung. Soll eine Taube etwa auf einen roten Punkt auf einer ovalen Scheibe picken, so wird bereits verstärkt, wenn die Taube den Kopf zur Scheibe bewegt; dann, wenn sie zur Scheibe schaut; dann, wenn sie sich der Scheibe nähert; dann, wenn sie auf die Scheibe pickt und schließlich, wenn sie den roten Punkt auf der Scheibe trifft. Insbesondere dient diese Technik der Erlernung komplexerer Handlungsweisen. Auf diese Weise können auch recht unnatürliche Handlungsweisen bei Tieren konditioniert werden, wie es etwa in Zirkussen der Fall ist.
Kritik
Sowohl das klassische Konditionieren als auch das operante Konditionieren gehen von einem recht mechanischen Menschenbild aus. Ihre Begründer waren Behavioristen, die den Menschen als Black-Box sahen und ihre Forschungsergebnisse auf Regeln mit mathematischer Präzension zurückführen wollten.
Dieses Menschenbild geht jedoch in einem ungenügenden Maße auf die selbstständigen Prozesse innerhalb des Menschen ein, sodass sich viele Verhaltensweisen nicht mit diesen Regeln erklären ließen. Dazu zählt die selbstständige Verstärkung des Menschen sowie das Lernen ohne die Bildung einer Reaktion. Erst mit der Betrachtung alternativer Modelle - etwa Albert Banduras sozialkognitiver Lerntheorie - wurden auch diese Verhaltensmuster erklärbar.
Auch auf Seiten der Ethik gibt es kritische Stimmen: die erzieherischen Konsequenzen des Behaviorismus werden als problematisch angesehen, wenn sie in einem Maße, der an Dressur und Gehirnwäsche erinnert, eingesetzt werden. Die operante und klassische Konditionierung sollte nur in einem ethisch vertretbaren Rahmen eingesetzt werden, wozu die willentliche Partizipation des Lernenden am Konditionierungsprozess neben einer transparenten Offenlegung eine wichtige Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Konditionierung ist.
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Über diese beiden Konditionierungstypen (klassisches und operantes Konditionieren) hinaus existieren bei höher entwickelten Tieren noch weitere Formen des Lernvermögens, z.B. das Beobachtungslernen oder Modelllernen.
Weblinks
- kontroverse [http://www.amazon.de/exec/obidos/tg/stores/detail/-/books/3934333095/customer-reviews/ Diskussion] zum Buch "Jedes Kind kann schlafen lernen" bezüglich Kritik
- [http://www.stangl-taller.at/ARBEITSBLAETTER/LERNEN/KonditionierungKlassisch.shtml Signallernen, Reiz-Reaktionslernen, S-R-Lernen]
- [http://www.uni-bielefeld.de/paedagogik/Seminare/moeller02/06konditionieren/index.html Seminarinformationen der Uni Bielefeld]
Siehe auch
- Verstärkung
- Pseudokonditionierung, Gegenkonditionierung
Kategorie:Verhaltensbiologie
Kategorie:Behaviorismus
Amerikanisches EnglischAmerikanisches Englisch (American English, kurz AE oder AmE) ist die Form der Englischen Sprache, die in den Vereinigten Staaten von Amerika gesprochen wird.
Unterschied zum britischen Englisch
Die US-amerikanische Sprache unterscheidet sich vom britischen Englisch in der Aussprache, im Bereich der Grammatik und in einigen Fällen der Rechtschreibung.
Rechtschreibung
Seit der Rechtschreibreform Noah Websters werden viele Wörter, die in britischer Rechtschreibung auf -re enden, in Amerika mit -er geschrieben, z. B. centre/center, meagre/meager usw. Das britische -our entspricht dem amerikanischen -or in Wörtern wie colour/color und favour/favor. In einigen Wörtern entspricht das britische -ce dem amerikanischen -se, z. B. licence/license und defence/defense, aber wo der Amerikaner practice sowohl für das Nomen als auch für das Verb, schreibt der Brite practice für das Nomen und practise für das Verb. Das Verbalsuffix -ize (z. B. organize, colonize) kann im Britischen nicht jedoch im Amerikanischen auch -ise geschrieben werden. Manche Autoren ziehen -ise vor, weil sie es für "weniger amerikanisch" halten. Manchmal bevorzugt das Amerikanische kürzere und vereinfachende Schreibweisen, wie z. B. plow für das britische plough, program für das britische programme und catalog für das britische catalogue.
Vokabular
Einige Wörter des britischen English existieren im Amerikanischen Wortschatz überhaupt nicht beziehungsweise haben eine andere Bedeutung, wie zum Beispiel der Aufzug, der im Vereinigten Königreich lift, in den USA hingegen elevator heißt. Starke Unterschiede bestehen naturgemäß zwischen britischem und amerikanischem Slang.
Gebrauch und Verbreitung
Die Bedeutung und der Gebrauch des Amerikanischen Englisch nimmt in unserer Zeit immer weiter zu, was auf die größere weltweite Verbreitung der Sprache durch amerikanische Fernsehsender wie CNN oder Newsworld und US-amerikanische Kinofilme zurückzuführen ist.
Nicht zuletzt über das Internet gelangen diese Begriffe immer mehr unter die Bevölkerung, auch in Staaten wie Indien und Pakistan, die ehemals Britische Kolonien waren.
Die Entwicklung des Amerikanischen Englisch wird oft, ähnlich wie die Entstehung von Französisch oder Italienisch, die sich aus dem Lateinischen entwickelten, als Weiterentwicklung der Sprache des Mutterlands angesehen, allerdings sind die Unterschiede zwischen den beiden Standardvarietäten, dem britischen Englischen und dem amerikanischem Englisch relativ gering. Es besteht die Tendenz zur Konvergenz der beiden Standardvarietäten des Englischen.
Aussprache des Amerikanischen Englisch
Das Amerikanische Englisch ist wie das Schottische, Irische und Kanadische ein rhotischer Akzent, im Gegenteil zu den Akzenten von England, Wales, Australien, Neuseeland und Südafrika, die nichtrhotisch sind. Einige regionale Akzente des Amerikanischen sind jedoch nichtrhotisch, wie z. B. die Akzente von Neuengland, New York City, und Teilen der Südstaaten.
Einer der auffälligsten Eigenschaften ist das so genannte Flapping: im Amerikanischen wird ein t zwischen zwei Vokalen wie ausgesprochen, z. B. in pretty .
Beschrieben wird nachfolgend der als "Allgemein-Amerikanisch" (engl. General American) bezeichnete Akzent, der in den USA als "akzentfrei", also frei von regionalen Einflüssen, gilt. Beheimatet ist dieser Akzent im Mittelwesten (Bundesstaaten Nebraska, Iowa und Illinois — allerdings nicht in Chicago, wo ein eigener Akzent herrscht).
: - [n] kann auch einen Silbengipfel bilden, z. B. button .
: - kann auch einen Silbengipfel bilden, z. B. pickle .
: - kommt als Variante von vor unbetontem Vokal vor.
: - wird als Silbengipfel meist und geschrieben, siehe R-gefärbte Vokale unten.
: - Bei einer Minderheit amerikanischer Sprecher wird wh- noch als ausgesprochen, z. B. white . Ausnahmen sind Wörter wie who und whole . Ansonsten wird wh-, wie auch im Britisch-Englischen, als ausgesprochen, sodass whine und wine identisch als ausgesprochen werden.
Ungespannt
In betonten einsilbigen Wörtern müssen ungespannte Vokale vor einem Konsonanten stehen, z. B. bit , cap . - oder - sind keine möglichen Wörter des Amerikanischen.
: - In Wörtern wie bath, ask, half usw. hat Amerikanisch ungespanntes , wo Britisch gespanntes hat:
: - darf in ein paar betonten einsilbigen Wörtern auch ohne folgenden Konsonanten stehen, z. B. spa , bra
Gespannte Vokale und Diphthonge
: - wird häufig diphthongisch ausgesprochen, besonders in offenen Silben: day
: - Zu : Normalerweise entspricht dem Britischen das Amerikanische , wie z. B. in lot , John usw. Aber in einer Reihe von Wörtern wie cloth, lost, off, gone, dog, long, chocolate usw. hat Amerikanisch gespanntes , wo Britisch ungespanntes hat: . Bei vielen Wörtern herrscht Uneinigkeit unter amerikanische Sprecher, z. B. das Wort on wird im Norden (New York, Connecticut, New Jersey) ausgesprochen, im Süden (Virginia, Nord- und Südkarolina) dagegen .
: - Etwa 40% amerikanischer Sprecher kennen keinen Unterschied zwischen und . Bei ihnen werden Paare wie cot/caught, Don/Dawn identisch ausgesprochen: je nach Region entweder als oder als .
: - wird häufig diphthongisch ausgesprochen, besonders in offenen Silben: dough .
: - zu : Im Amerikanischen kommt kein zwischen und vor: tune , duty , new .
R-gefärbte (r-colored) Vokale
: - ist nicht mit zweisilbigem (z. B. freer ) zu verwechseln.
: - Der im Britischen und regional im Amerikanischen gefundene Unterschied zwischen Mary, merry und marry kommt im Allgemein-Amerikanischen nicht vor: Alle drei werden gleich als ausgesprochen.
: - ist nicht mit zweisilbigem (z. B. player ) zu verwechseln.
: - ist nicht mit zweisilbigem (z. B. rower ) zu verwechseln.
: - ist nicht mit zweisilbigem (z. B. truer ) zu verwechseln.
: - Bei vielen Amerikanern wird zu , besonders nach palatalen Lauten: sure , fury , Europe .
: - Es ist unklar, ob die Gruppen und als ein- oder zweisilbig zu betrachten sind.
Siehe auch
Von der englischsprachigen Wikipedia:
- American and British English differences
- List of words having different meanings in British and American English
Weblinks
- [http://hcs.harvard.edu/~golder/dialect/index.html Dialect Survey of the United States (engl.)]
- [http://www.ling.upenn.edu/phono_atlas/home.html Phonologischer Atlas Nordamerikas (engl.)]
- [http://www.englisch-hilfen.de/words_list/british_american.htm Britisches, Amerikanisches, Australisches Englisch - Vokabellisten] und [http://www.englisch-hilfen.de/exercises_list/verschiedenes.htm Übungen]
Kategorie:Englischvariante
Kategorie:USA
Kategorie:Amerikanistik
ko:미국 영어
simple:American English
USA
Die Vereinigten Staaten von Amerika (engl.: United States of America, kurz: USA) sind eine Bundesrepublik in Nordamerika. Sie grenzen im Norden an Kanada und (über die 100 km breite Beringstraße mit dem Bundesstaat Alaska) an Russland, im Süden an Mexiko, im Osten an den Atlantik und im Westen an den Pazifik.
Die Vereinigten Staaten entstanden 1776 mit der Unabhängigkeitserklärung der britischen Kolonien in Amerika und gewannen durch starke Industrialisierung und massive Immigration aus Europa im 19. Jahrhundert rasch an Einfluss. Am Ende des 20. Jahrhunderts waren sie nach der Überwindung des totalitären Faschismus (im 2. Weltkrieg) und Kommunismus (im Kalten Krieg), zu der sie wesentlich beitrugen, die einzige verbliebene Supermacht.
Seit etwa der Mitte des 20. Jahrhunderts sind die USA weltweit die weltpolitisch, wissenschaftlich, wirtschaftlich, (populär)kulturell und militärisch führende Macht. In all diesen Gebieten prägen sie die Gegenwart in einem Maße wie kein anderes Land der Welt.
Geographie
Hauptartikel: Geographie der USA
Das Kernland der USA besteht aus 48 Bundesstaaten und dem District of Columbia (D.C.), die innerhalb einer gemeinsamen Grenze liegen. Inklusive der beiden Bundesstaaten Alaska und Hawaii, die außerhalb dieses Kernlandes liegen, zählen die USA 50 Bundesstaaten.
Das Landschaftsbild ist sehr vielfältig: es gibt Waldgebiete und Mittelgebirge an der Ostküste, Mangrovenwälder im subtropischen Florida, die Flusssysteme von Mississippi und Missouri, weite Ebenen im Zentrum des Landes, große Gebirgszüge wie die Rocky Mountains, trockene Wüsten im Südwesten, gemäßigte Regenwälder im Nordwesten und Küstengebirge an der Westküste der USA. Hinzu kommen die arktische Region der Tundra in Alaska und die tropischen Inseln von Hawaii mit dem 4.170 Meter hohen Vulkan Mauna Loa.
Das Kernland der USA liegt zwischen dem 24. und 49. nördlichen Breitengrad und zwischen dem 68. und 125. westlichen Längengrad und ist in vier Zeitzonen eingeteilt. Alaska und Hawaii sowie die politisch an die USA angeschlossenen Außengebiete (beispielsweise Puerto Rico und Guam) liegen außerhalb dieser Zone.
Im Norden grenzt das Kernland an Kanada, im Süden an Mexiko und an den Golf von Mexiko. Im Osten liegt der Atlantische Ozean und im Westen der Pazifische Ozean. Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt etwa 2.500 km. Zwischen Atlantik und Pazifik liegen rund 4.500 km.
Hawaii ist eine Inselkette im Pazifischen Ozean. Alaska liegt nordwestlich von Kanada und ist durch die Beringstraße von Russland getrennt.
- Grenze zu Kanada: 8.895 km (davon 2.477 km zwischen Alaska und Kanada)
- Grenze zu Mexiko: 3.326 km
- Küstenlinie: 19.924 km
Fläche
Die Vereinigten Staaten sind der flächenmäßig drittgrößte Staat der Erde nach Rußland und Kanada.
- Fläche der 50 Bundesstaaten (inkl. District of Columbia): 9.629.891 km²
- Landmasse: 9.158.453 km²
- Wasserfläche: 47.356 km²
Siehe auch: Liste der US-amerikanischen Staaten nach Fläche sortiert
Bevölkerung
Bevölkerungsgruppen
Die USA gelten traditionell als Schmelztiegel (melting pot) der Völker. Die ersten kolonialen Einwanderer auf dem von Indianern besiedelten Kontinent waren Europäer; anfänglich vorrangig spanischer, französischer und englischer Herkunft. Ab Mitte des 18. und verstärkt zur Mitte des 19. Jahrhunderts folgten Europäer deutscher und irischer Herkunft. Später kamen Einwanderer aus anderen Regionen Europas, vor allem aus Italien, Skandinavien und Osteuropa. Die europäischstämmigen US-Amerikaner bilden heute 74 % der Bevölkerung der USA.
deutscher
Afro-Amerikaner, Nachfahren der afrikanischen Sklaven, stellen etwas mehr als 13 % Bevölkerungsanteil. Sie leben vor allem im Süden der USA und in den großen Industriestädten des Nordens, wie z. B. Detroit. Asiatische Einwanderer, z. B. aus China, Japan, Korea, Indien und den Philippinen bilden noch eine relativ kleine Gruppe (ca. 4 %). Die Einwanderungspolitik war Anfang des 20. Jahrhunderts gegenüber Asiaten besonders restriktiv.
Heute zeigen sich weiterhin sozialstrukturell große Unterschiede zwischen weißer und schwarzer Bevölkerung: Schwarze haben im Durchschnitt ein geringeres Einkommen, eine kürzere Lebenserwartung, eine schlechtere Ausbildung und eine höhere Kriminalitätsrate. Die Ursachen dafür und mögliche Wege der Problembehebung sind innerhalb der USA heftig umstritten. Nicht nur in den Südstaaten sind Wohngegenden und nicht-öffentliche Einrichtungen - wie die sozial wichtigen Kirchen oder private Organisationen - oft faktisch noch nach Rassen getrennt, wenn auch die formale Trennung inzwischen ungesetzlich und verpönt ist. Vielfach liegt dies ebenfalls an den ökonomischen Unterschieden.
Vor allem im Südwesten der USA und in Florida gibt es einen hohen Bevölkerungsanteil lateinamerikanischer (hispanischer) Herkunft. Sie werden in den Statistiken separat geführt, unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft. Ihr Anteil wuchs in den letzten Jahrzehnten stetig (bis 2004 auf knapp 13 %), da viele Lateinamerikaner vor der wirtschaftlichen Not ihrer Heimatländer in den Norden fliehen. Sie leben oft als illegale Einwanderer und halten stark an ihrer Kultur und Sprache fest.
Die Indianer ("Native Americans") (siehe auch Indianer Nordamerikas) bilden heute eine kleine, jedoch langsam wieder wachsende Minderheit; nur in Alaska erreichen sie eine zweistellige Prozentzahl der Bevölkerung. Ebenfalls relativ viele Indianer leben in South Dakota und Oklahoma.
Sprachen
Die am meisten gesprochene Sprache in den USA ist historisch bedingt amerikanisches Englisch. Daneben werden aber auch noch vereinzelt die vielen Sprachen der amerikanischen Ureinwohner und zunehmend die Sprachen anderer immigrierter Ethnien gesprochen, insbesondere Spanisch, aber auch Koreanisch, Chinesisch und Vietnamesisch. Französisch, Polnisch und Deutsch, die aufgrund früherer Migrationswellen in bestimmten Regionen einst eine wichtige Rolle spielten, werden heute fast nur noch als Fremdsprache gesprochen.
Die USA als Ganzes haben keine Amtssprache, jedoch werden alle amtlichen Schriftstücke auf Englisch verfasst. In einigen Bundesstaaten ist Englisch Amtssprache, einzelne Staaten und Territorien definieren sich jedoch als zwei- oder dreisprachig.
Siehe auch:
- Gesellschaft der USA
- Deutsche Sprache in den USA
- Deutsche in den USA
- Das amerikanische Spanisch der USA
- Französisch in Louisiana
- Französisch in Neuengland
- Liste US-amerikanischer Persönlichkeiten
Religion
Im Jahr 2004 bezeichneten sich 54 % der Bevölkerung als protestantisch, 25 % als römisch-katholisch, 10 % gaben keine religiöse Überzeugung an (aber nur 0,3 bis 0,5 % waren explizit Atheisten oder Agnostiker), 3 % waren Mitglied einer orthodoxen Kirche, 2 % waren Mormonen, 2 bis 3 % Juden und weniger als 2 % moslemisch. Kleinere Gruppen, je 0,3 bis 0,5 %, bezeichneten sich als Buddhist, Hindu oder hingen dem Unitarismus an. Die größte einzelne Konfession war die Römisch-Katholische Kirche, gefolgt von der Southern Baptist Convention, der United Methodist Church und den Mormonen.
Die Zahl der praktizierenden Christen ist im Vergleich zu anderen westlichen Industrieländern sehr hoch. Allerdings hat auch hier der Bevölkerungsanteil, der sich zum Christentum bekennt in den Jahren von 1990 (86,2 %) bis 2004 (81 %) abgenommen
Geschichte
Hauptartikel Geschichte der USA
Das Gebiet der heutigen USA wurde vor Jahrtausenden durch die Vorgänger der späteren Indianerstämme besiedelt. Die schriftliche Geschichtsschreibung beginnt jedoch erst mit der Ankunft der europäischen Siedler im 16. Jahrhundert. Die erste europäische Siedlung auf dem heutigen US-Gebiet war von den Spaniern in St. Augustine, Florida, im Jahr 1565. Die politische Geschichte der USA geht jedoch aus den 13 britischen Kolonien hervor, deren Besiedlung mit der Gründung von Jamestown, Virginia im Jahr 1609 anfing. Der Ankunft der Mayflower in Plymouth Colony (später mit Massachusetts Bay Colony zu Massachusetts zusammengefügt) 1620 ist ebenfalls für viele US-Amerikaner ein wichtiges symbolisches Datum. Schwedische Kolonien an der Delaware-Bucht und niederländische Siedlungen um New York (damals Nieuw Amsterdam) waren nicht von Dauer bzw. wurden von den englischen Siedlern assimiliert. Französische Siedlungen entlang der Mississippi- und St.-Lorenz-Flüsse fielen 1763 an Großbritannien oder (westlich des Mississippi) an Spanien, das auch eigene Kolonien im Südwesten und in Florida hatte. Die spanischen Gebiete nahmen an der Revolution, die durch die Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776 ausgelöst wurde, nicht teil. Nach dem Unabhängigkeitskrieg, der im Vertrag von Paris 1783 endete, wurden die USA durch Großbritannien als eigenständiger Staat anerkannt.
Zur Zeit des Unabhängigkeitskrieges lebten etwa zwei Millionen Weiße und 500.000 versklavte Schwarze in den ursprünglichen 13 Kolonien. Jenseits der Appalachen erstreckte sich bis zum Mississippi-Fluss ein weiteres, großes Gebiet, das etwa zehn Millionen Ureinwohner („Indianer“) bewohnten. Diese Konstellation ergab zwei wichtige Themen für die kommende Entwicklung der Nation: Die weitere Landnahme Richtung Westen zu Lasten der Indianer sowie die Auseinandersetzung um die Sklaverei, die später den Kampf um die Bürgerrechte der Nachkommen der ehemaligen Sklaven bestimmte. Nördlich des Ohio-Flusses, im sogenannten Northwest Territory, aus der die späteren Bundesstaaten Ohio, Indiana, Michigan, Illinois, und Wisconsin hervorgingen, wurde die Sklaverei verboten. Ein Vermessungssystem von Quadraten ("Sections"), die eine Quadratmeile groß sind, wurde eingeführt, was noch heute für das Verkehrsnetz und die kommunalen Gemeindegrenzen dieses Gebiets prägend ist. Um die öffentlichen Schulsysteme zu finanzieren, wurde vereinbart, dass der Verkaufserlös von der 16. Section einer jeden Township (36 Sections) zugunsten der Schulen ging.
Nachdem sich die 1777 verabschiedeten und 1781 ratifizierten Konföderationsartikel als zu schwach erwiesen hatten, um das Überleben des jungen Staatenbundes zu gewährleisten, wurde 1787 in Philadelphia eine Verfassung geschrieben, welche die modernste Verfassung der damaligen Zeit war, und die heute die älteste noch gültige geschriebene Staatsverfassung der Welt ist.
Indianerpolitik
Die US-Indianerpolitik wurde bis etwa 1820 von einer vorsichtigen Erweiterung der europäischen Siedlungen geprägt, die im wesentlichen die vormalige Politik der europäischen Mächte in den USA fortsetzte. Mit der Präsidentschaft Andrew Jacksons und dem Trail of Tears begann eine verstärkte Landnahme und Besiedlungspolitik, die zu kriegerischen Auseinandersetzungen führte. Die Indianer-Kriege zogen sich mit größeren Unterbrechungen bis zum Massaker von Wounded Knee in South Dakota 1890 hin. 1900 wurden nur noch 237.000 Indianer gezählt, wobei nicht nur Krieg, sondern auch Krankheiten, gegen die sich die Ureinwohner keine Immunität entwickelt hatten, und ethnische Vermischung mit den Neuankömmlingen zu diesem Rückgang geführt haben. Bis die Ureinwohner des Kontinents volle Bürgerrechte erhielten, dauerte es bis 1924.
Sklaverei und Rassentrennung
South Dakota]]
Obwohl die Einfuhr von weiteren Sklaven aus Übersee 1808 verboten wurde, hatte sich die Zahl der Sklaven bis 1860 auf etwa vier Millionen erhöht. Die Sklavenfrage entzweite zunehmend die Süd- von den Nordstaaten, da in den Nordstaaten die Industrialisierung einsetzte, dagegen die Südstaaten mit ihren riesigen Baumwollplantagen auf die Sklaverei angewiesen zu sein glaubten. Im Norden gewannen Bewegungen wie die Abolitionists, die die Abschaffung der Sklaverei forderten, starken Zulauf, stand doch diese in deutlichem Widerspruch zur Verheißung der Unabhängigkeitserklärung "all men are created equal" (alle Menschen sind gleich geschaffen). Der Krieg gegen Mexiko (1846-48) verstärkte diese Spannungen, da viele im Nordosten des Landes in diesem Krieg eine ungerechtfertigte Landnahme zugunsten der Ausbreitung der Sklavenstaaten sahen. Nachdem 1860 Abraham Lincoln für die neu gegründeten Republikaner zum Präsidenten gewählt wurde, traten elf Südstaaten aus der Union aus. Dies bedeutete den Beginn des Sezessionsskrieges (1861–1865). Die Nordstaaten gingen als Sieger daraus hervor, und die Sklaverei wurde abgeschafft. Die Schwarzen erhielten mit dem Civil Rights Act von 1866 und dem 14th Amendment von 1868 formal das volle Bürgerrecht.
Nach dem Ende der militärischen Besetzung der Südstaaten durch die Nordstaaten (Reconstruction) 1876 haben erstere schnell (Jim-Crow-)Gesetze erlassen, welche die Bürgerrechte der Schwarzen wieder einschränkten. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Bürgerrechtsbewegung konnten die letzten formellen Ungleichbehandlungen aufgehoben werden. Ein sehr wesentlicher Schritt dahin war die Aufhebung der Rassentrennung in öffentlichen Einrichtungen durch den Supreme Court 1954 (Brown v. Board of Education), das ein Urteil des gleichen Gerichts (Plessey vs. Ferguson) aus dem Jahr 1896 aufhob.
Der Schulbesuch von Schwarzen in "weißen" Schulen musste teilweise mit Hilfe der Nationalgarde durchgesetzt werden; im öffentlichen Leben (insbesondere im Süden) herrschte bis in die 1960er Jahre hinein Rassentrennung. In Louisiana zum Beispiel war es nicht ungewöhnlich, dass Ku-Klux-Klan-Mitglieder ins Parlament gewählt wurden. Martin Luther King war die Galionsfigur der gewaltlosen Bürgerrechtsbewegung, und 1963 hielt er anlässlich eines Protestmarschs in Washington seine berühmte Rede „I have a Dream...“. 1968 wurde er in Memphis ermordet. Auch in den folgenden Jahrzehnten kam es gelegentlich zu Rassenunruhen.
Dennoch wurde auf Ebene der Bundesgesetzgebung schon in dieser Zeit Antidiskriminierungsregelungen (Civil Rights Act, das Restaurants, Hotels und Verkehrsunternehmen die ethnische Diskriminierung verbot) erlassen, vierzig Jahre vor den analogen Regelungen in der EU. Auch das Bewusstsein für Konzepte wie "Diversity" und die gegenseitige Rücksichtnahme sind zwischenzeitlich weiterentwickelt als in Ländern, die weniger Erfahrungen mit multikulturellen Gesellschaften haben.
Industrialisierung
1890 wurde die frontier für geschlossen erklärt: die Gebiete im Osten und im Westen des Kontinents waren faktisch zusammengewachsen. Der "Wilde Westen" war somit Geschichte. Als Folge der nach dem Sezessionskrieg einsetzenden stürmischen Industrialisierung bildeten sich riesige Trusts (Kartelle), die in ihrer Machtentfaltung auch die Regierungsgewalt beeinflussten. Daher wurde 1890 der Antitrust Act verabschiedet, als dessen Folge viele Großkonzerne zerschlagen wurden. Prominentes Beispiel: Standard Oil von John D. Rockefeller. Populistische Bewegungen, die von Bauern unterstützt wurden, setzten auch eine Regulierung der Eisenbahntarife durch und forderten (erfolglos) einen Wechsel vom Goldstandard auf eine bimetallische (Gold und Silber) Währung. Ein prominenter Vertreter dieser Bewegung war der erfolglose Präsidentschaftskandidat aus Illinois, William Jennings Bryan.
Zwischen 1880 und 1910 wurde die riesige Zahl von 18 Millionen Einwanderern in die USA aufgenommen, und die USA wurden zur größten Industrienation der Welt.
Börsenkrach und New Deal
Auf den New Yorker Börsenkrach im Oktober 1929 folgte die Weltwirtschaftskrise, welche die USA in die bisher größte innenpolitische Krise stürzte. 1932 waren etwa 15 Millionen US-Amerikaner arbeitslos. Präsident Franklin D. Roosevelt legte daraufhin das Sozial- und Investitionsprogramm New Deal auf, das den Social Security Act von 1935 sowie zahlreiche öffentliche Projekte wie Straßen, Brücken, Flughäfen oder zum Beispiel auch das Tennessee-Valley-Staudamm-Projekt enthielt. Dennoch dauerte es bis Ende der 1930er Jahre, bis die Krise überwunden war.
Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit
Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor traten die USA in den Zweiten Weltkrieg ein, und im August 1945 gingen sie siegreich aus dem Krieg hervor. Der sich kurz darauf abzeichnende Kalte Krieg führte dazu, dass viele US-Amerikaner den Kommunismus als Feindbild betrachteten. Eine innenpolitische Folge des Kalten Krieges nach 1945 war die "McCarthy-Ära". Der republikanische Senator Joseph McCarthy profilierte sich im Senatsausschuss für unamerikanische Aktivitäten (HUAC) dadurch, dass er eine paranoide Hexenjagd auf angebliche Kommunisten veranstaltete, die er besonders unter Filmschaffenden, Politikern und Militärs vermutete. Die zu diesem Zweck inszenierten Anhörungen wurden auch oft im Fernsehen übertragen. Wer die Aussage verweigerte, musste mit Berufsverbot rechnen. Als McCarthy sogar den Präsidenten Eisenhower verdächtigte, wurde er 1954 vom Senat entmachtet.
Gesellschaftlicher Umbruch: 1960er und 1970er
Die 1950er und 1960er Jahre waren geprägt von ökonomischer Prosperität sowie dem Auftreten der Bürgerrechtsbewegung der Afro-Amerikaner. Im Zuge eines gesamtgesellschaftlichen Umbruchs entwickelte sich in den 1960er Jahren auch eine starke Bewegung gegen den Vietnamkrieg und um 1970 auch eine starke Frauenrechtsbewegung und eine wachsende Schwulenbewegung, die (anders als in Europa) schnell gemeinsam von und für Schwule und Lesben gekämpft wurde. Durch diese Bewegungen modernisierten sich die gesellschaftlichen Werte der Vereinigten Staaten. Der Versuch einer Verfassungsänderung, welche die Gleichheit von Mann und Frau vorschreiben sollte, scheiterte jedoch. Sodomiegesetze, die bis 1962 die Praxis der männlichen Homosexualität in jedem Bundesstaat verboten hatten, wurden teilweise zurückgenommen, aber 1987 als der Supreme Court sie bestätigte, existierten sie noch in der Mehrheit der Bundesstaaten und wurden erst mit einer gegenteiligen Gerichtsentscheidung 2003 aufgehoben.
Die Watergate-Affäre um einen Einbruch in den Watergate-Gebäudekomplex der Demokratischen Partei, von dem Präsident Richard Nixon wahrscheinlich gewusst hat, und bei dem er die FBI-Ermittlungen zu behindern versuchte, entwickelte sich zum größten Skandal der US-amerikanischen Nachkriegsgeschichte. Um der drohenden Amtsenthebung zu entgehen, trat Nixon 1974 zurück. Die Ölkrise 1974, die 200-Jahresfeier der Unabhängigkeit 1976 und die iranische Geiselkrise 1979 waren prägende Ereignisse für die 1970er Jahre.
1980er
In den 1970er und 1980er Jahren war ein Konjunkturabschwung und ein Verfall der Bausubstanz infolge von Kriminalität und Verwahrlosung zu verzeichnen. Zum Teil wurde auf die Kriminalität mit drakonischen Gesetzen wie dem kalifornischen „Three strikes and you are out“ geantwortet, das für das dritte Delikt (auch bei Bagatelldelikten) 25 Jahre Haft vorsieht. Die Haltung zur der in 38 der 50 Bundesstaaten gesetzlich vorgesehenen und von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung befürworteten Todesstrafe spielt bei der Volkswahl von Politikern, Richtern, Staatsanwälten und Sheriffs eine wichtige Rolle.
Politik
Hauptartikel: Politisches System der USA
Die USA haben ein präsidiales Regierungssystem mit einem Präsidenten (seit 2001 George W. Bush, 2004 wiedergewählt, Sohn von George Herbert Walker Bush, Präsident von 1989-1993) an der Spitze der Exekutive.
Die Legislative ist der Kongress. Er setzt sich aus gewählten Repräsentanten aller 50 Bundesstaaten zusammen. Laut Verfassung hat der aus zwei Kammern bestehende US-Kongress die Budgethoheit sowie das Recht zur Gesetzesinitiative. Der Kongress hat unter anderem infolge des ihm zustehenden Budgetrechts wesentlichen Einfluss auf die US-amerikanische Politik. Allein dem Kongress kommt das Recht zu, Bundesgesetze zu erlassen und Kriegserklärungen auszusprechen. Verträge mit fremden Ländern werden vom Exekutiv unterzeichnet, bedürfen aber der Ratifizierung durch die obere Kammer des Kongresses, den Senat. Bei wichtigen Ernennungen (z. B. zu Kabinettsposten oder Richterämtern des Bundes, insbesonders dem Obersten Gericht) muss der Senat den Vorschlag des Präsidenten ebenfalls bestätigen.
Die Mitglieder des Repräsentantenhauses werden für zwei Jahre gewählt. Jeder Repräsentant vertritt einen Wahlbezirk seines Bundesstaates. Die Anzahl der Wahlbezirke wird durch eine alle zehn Jahre durchgeführte Volkszählung festgelegt. Senatoren werden für sechs Jahre gewählt. Ihre Wahlen finden gestaffelt statt, das heißt alle zwei Jahre wird ein Drittel des Senats neu gewählt. Die Verfassung sieht vor, dass der Vizepräsident dem Senat vorsteht. Er hat dabei kein Stimmrecht, außer bei Stimmengleichheit.
Für den Fall der Abwesenheit des Vizepräsidenten benennt der Senat einen "Pro-Tempore-Vorsitzenden", einen Vorsitzenden auf Zeit. Die Mitglieder des Repräsentantenhauses wählen ihren eigenen Vorsitzenden, den "Speaker of the House". Der Sprecher (das Amt wird derzeit von Dennis Hastert bekleidet) und der Pro-Tempore-Vorsitzende (zur Zeit Senator Ted Stevens) sind Mitglieder der jeweils stärksten Partei ihrer Kammer.
Bevor eine Gesetzesvorlage zum Gesetz wird, muss sie sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat durchlaufen haben. Die Vorlage wird zunächst in einer der beiden Kammern vorgestellt, von einem oder mehreren Ausschüssen geprüft, abgeändert, im Ausschuss abgelehnt oder angenommen und danach in einer der beiden Kammern diskutiert. Sobald sie in dieser Kammer angenommen ist, wird sie an die andere Kammer weitergeleitet. Erst wenn beide Kammern die gleiche Version der Gesetzesvorlage angenommen haben, wird sie dem Präsidenten zur Zustimmung vorgelegt.
An der Spitze der Judikative steht als oberster Gerichtshof der Supreme Court. Die 1787 in Kraft getretene Verfassung, deren Bestimmungen einklagbar sind, hat eine große Bedeutung im politischen System der USA. Es spricht für den Erfolg und die Stabilität dieser Verfassung, dass sie bislang nur 27 Änderungen (Amendments) erfahren hat.
In den USA hat sich, durch das einfache Mehrheitswahlrecht begünstigt, ein Zweiparteiensystem gebildet. Diese Parteien sind die Demokraten und die Republikaner. Sie stellen bereits Koalitionen von unterschiedlichen Strömungen dar. Neue politische Strömungen versuchen eher, Einfluss auf die Abgeordneten beider Großparteien zu nehmen, als selbstständige Parteien zu gründen. Ein Beispiel hierfür sind die American Civil Liberties Union (Demokraten) oder die fundamental-christliche Moral Majority (Republikaner).
Kleinere Parteien wie die Grünen oder die Libertäre Partei sind unbedeutend, wenn auch bei Präsidentschaftswahlen mitunter die für den Kandidaten der Grünen abgegebenen Stimmen als – womöglich entscheidender – Nachteil für den demokratischen Kandidaten wahrgenommen werden. Einer der Hauptexponenten der Grünen Partei der USA ist Ralph Nader, der im In- und Ausland einen hohen Bekanntheitsgrad genießt.
Siehe auch: Gesellschaft der USA, US-Präsidentschaftswahlen 2004, Gerichtsorganisation in den USA
Innenpolitik
In den 1990er Jahren erlebten die USA unter dem demokratischen Präsidenten Bill Clinton (1993–2001) einen länger anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung ("New Economy"). Die weitere Verwahrlosung der Städte wurde aufgehalten - so erwachten die New Yorker Stadtteile Bronx und Harlem zu neuem Leben.
Einen wesentlichen Eingriff in die Sozialgesetzgebung gab es 1996, als der Bezug von Sozialhilfe auf zwei Jahre in Folge und insgesamt fünf Jahre verkürzt wurde. So kam es zu einem beträchtlichen Rückgang der Anzahl der Sozialhilfe-Empfänger.
Wichtige innenpolitische Themen sind auch in den USA der Strukturwandel der Wirtschaft und der Umbau der Sozialsysteme insbesondere der Gesundheitsfürsorge. Zudem spielen überwiegend moralisch-ethische Fragen wie das Recht auf Abtreibung, die Berechtigung der Todesstrafe, die politische Anerkennung von Homosexualität oder die Frage welche Rolle christliche Werte im öffentlichen Leben spielen sollen, eine wichtige Rolle.
Seit 1913 übernimmt das Federal Reserve System (Fed) die Aufgaben einer staatlichen Notenbank. Vorsitzender des Fed ist zur Zeit Alan Greenspan.
Gesundheitssystem
Das Gesundheitssystem der USA ist teilweise Weltspitze, in anderen Teilen aber in einem desolaten Zustand. Es werden jährlich etwa 1,8 Billionen US-Dollar für Gesundheit aufgewendet. Das ist im Vergleich zu Deutschland nahezu das Doppelte pro Kopf. Die Versorgungslage ist aber unzureichend: über 41 Millionen der ca. 293 Millionen US-Amerikaner sind nicht krankenversichert. Hinzu kommt eine hohe Dunkelziffer an illegalen Einwanderern, die ebenfalls keine Krankenversicherung haben. Viele derjenigen, die versichert sind, müssen bei sämtlichen ärztlichen Leistungen zuzahlen, andere, die in einer HMO sind, müssen bürokratische Papierkriege und lange Wartezeiten bei einer Einschränkung der Arztauswahl erdulden. 1993 scheiterte Präsident Bill Clinton mit dem Versuch der Einführung einer gesetzlichen Krankenkasse.
Außenpolitik
Die Außenpolitik der USA ist von drei großen Traditionen geprägt, die wechselnd an Einfluss gewinnen: Dem Isolationismus, der Überzeugung, ein Vorreiter für Demokratie und Menschenrechte zu sein und diese auf der Welt zu verbreiten, sowie einer seit dem Zweiten Weltkrieg offenen Betonung der Rolle als Supermacht im Sinne des politischen Realismus.
Früher Isolationismus
Die frühe US-amerikanische Außenpolitik wurde von der 1823 verkündeten Monroe-Doktrin des Präsidenten James Monroe geprägt, die verkürzt auf den Nenner „Amerika den Amerikanern“ gebracht wurde. Sie postulierte, dass sich die europäischen Mächte aus dem amerikanischen Kontinent heraushalten sollten, bei gleichzeitiger Nicht-Einmischung der USA in die Angelegenheiten anderer Staaten. Ende des 19. Jahrhunderts waren die USA jedoch zur Großmacht aufgestiegen und die frontier, das heißt die Grenze zum "unzivilisierten" Westen, war 1890 für geschlossen erklärt worden.
Frühes 20. Jahrhundert
Der erste Schritt in Richtung einer imperialistischen Außenpolitik war der spanisch-amerikanische Krieg von 1898, der den USA die Philippinen, Puerto Rico, Hawaii und Kuba einbrachte. Eine offen interventionistische Politik betrieb Präsident Theodore Roosevelt (1901–1909), der das Recht der USA beanspruchte, sich in den lateinamerikanischen Staaten als „internationaler Polizist“ zu betätigen. Diese big stick policy äußerte sich zum Beispiel darin, dass die USA 1903 Panama aus Kolumbien herauslösten, um sich von dem neu gebildeten Staat die Souveränität über die Panama-Kanal-Zone abtreten zu lassen.
Während der Zeit der Weltkriege betrieben die USA die längste Zeit eine isolationistische Politik und traten erst nach der Verkündung des uneingeschränkten deutschen U-Boot-Krieges (1917) in den Ersten Weltkrieg ein. Das industrielle Gewicht der USA entschied den Krieg. Präsident Woodrow Wilson (1913–1921) reiste nach Europa, um dort eine Nachkriegsordnung zu etablieren. Sein 14-Punkte-Programm sah unter anderem die Beachtung des Selbstbestimmungsrechts der Völker sowie die Bildung eines Völkerbunds vor. Wilson konnte sich mit seinen Ideen bei Engländern und Franzosen aber nicht durchsetzen und der US-Senat verweigerte sogar den Beitritt zum Völkerbund.
1920 bis zur Nachkriegszeit
Während der nächsten zwei Jahrzehnte betrieben die USA wieder eine isolationistische Politik. Auch bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs blieben die USA zuerst neutral, jedoch wurde die formale Neutralität von Präsident F. D. Roosevelt schon ab März 1941 unterlaufen, da im Rahmen des Leih- und Pachtgesetzes (lend-lease bill) England massiv mit Waffenlieferungen unterstützt wurde. Am 7. Dezember 1941 traten die USA nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor in den Krieg ein. Kurz darauf erklärte das mit Italien und Japan verbündete Hitler-Deutschland den USA den Krieg. Wie schon im Ersten Weltkrieg brachte das industrielle Potenzial der USA die Entscheidung. Die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945 beendeten den Zweiten Weltkrieg. Bis heute heftig umstritten ist die Frage, ob die Atombomben-Abwürfe tatsächlich notwendig waren zur Erzwingung der japanischen Kapitulation. Japan hatte zu diesem Zeitpunkt den USA militärisch nichts mehr entgegenzusetzen, jedoch hätte eine US-amerikanische Invasion der japanischen Hauptinseln noch zu schweren Verlusten führen können.
Die USA waren maßgeblich an der Gründung der UNO am 26. Juni 1945 in San Francisco beteiligt, die noch im Einvernehmen mit der Sowjetunion stattfand. Bald jedoch zeichnete sich eine Konfrontation mit Stalin ab, die schließlich in den Kalten Krieg mündete. Durch den Präsidenten Harry S. Truman wurde eine Politik des „roll back“, das heißt der Zurückdrängung des Kommunismus verkündet, die in der „Truman-Doktrin“ ihren Ausdruck fand. Die sagte allen Ländern zur Bewahrung ihrer Unabhängigkeit Militär- und Wirtschaftshilfe zu. Dies war eine klare Abkehr von der isolationistischen Monroe-Doktrin und fand seinen Ausdruck in der Unterstützung von Griechenland und der Türkei, sowie dem Marshall-Plan, der Westeuropa wirtschaftlich auf die Beine helfen sollte. Der Kalte Krieg erreichte einen ersten Höhepunkt mit der sowjetischen Berlin-Blockade 1948/49, auf die die USA mit der Berliner Luftbrücke antworteten. 1949 wurde die NATO als Militärbündnis zwischen den USA, Kanada und Westeuropa gegründet.
Kalter Krieg
Es kam in den folgenden Jahrzehnten zu einem atomaren Wettrüsten zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt, das beiden Seiten ab den 1960er Jahren eine mehrfache „Overkill-Kapazität“ verschaffte. Gefährliche Konfrontationen des Kalten Krieges waren der Korea-Krieg (1950-53) und die Kuba-Krise (1962), bei der die Welt nur knapp einem Dritten Weltkrieg entging. Durch den Kernwaffen-Sperrvertrag (1968) und die SALT-Verhandlungen (1969) wurde versucht, die gefährliche Situation zu entschärfen.
Der Vietnam-Krieg, in den die USA 1964 (Tongking-Zwischenfall) offen eingriffen, nachdem sie zuvor schon Militärberater entsandt hatten, entwickelte sich zu einem militärischen und moralischen Fiasko, und die Niederlage wurde mit dem Abzug der US-Truppen 1973 besiegelt. Der beherrschenden Maxime der US-Außenpolitik, den kommunistischen Machtbereich einzudämmen, wurde in den 1960er und 1970er Jahren oft die Glaubwürdigkeit als Verbreiter demokratischer Werte geopfert. Es wurden Militärdiktatoren und Kleptokraten wie Somoza in Nicaragua, Pinochet in Chile, Marcos auf den Philippinen oder Mobutu in Zaire unterstützt, so lange sie nur antikommunistisch waren.
Nach dem Vietnam-Krieg zeigte sich eine Desorientierung und Ratlosigkeit der US-Außenpolitik, die im Schwanken zwischen einer Abkehr von Interventionismus und Demonstration militärischer Stärke (Carter-Administration) und dessen Gegenteil (nach der sowjetischen Invasion in Afghanistan) ihren Ausdruck fand. Unter der Reagan-Administration (1981-89) wurde (wie vor dem Vietnam-Krieg) wenig Rücksicht darauf genommen, ob die strategischen Verbündeten die Menschenrechte respektierten. Auch stellt sich die Frage nach einem hinreichenden Verständnis fremder Kulturkreise durch die US-Außenpolitik. Deren mangelnde Voraussicht zeigte sich auch darin, dass die US-Unterstützung oft den aus heutiger Sicht falschen Leuten zugute kam: So wurde nach dem Ausbruch des ersten Golfkriegs zwischen Iran und Irak (1980–88) aus Angst vor den Mullahs in Teheran der irakische Diktator Saddam Hussein (hauptsächlich durch Satelliten-Aufklärung) unterstützt, was sich später als schwerer Fehler erweisen sollte. In diesen Zusammenhang gehört auch ein Vorgang, der sich zum größten Skandal der Reagan-Ära entwickelte, die Iran-Contra-Affäre: 1986 verkauften die USA nach Vermittlung durch Sicherheitsberater Robert McFarlane und Oberst | | |