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Behinderte

Behinderte

Von einer Behinderung spricht man bei individuellen Beeinträchtigungen eines Menschen, die umfänglich, vergleichsweise schwer und langfristig sind. Die infrastrukturellen Umweltbedingungen, insbesondere aber gesellschaftliche Einstellungen und Verhalten gegenüber von Menschen mit Behinderung, nehmen in modernen Ansätzen zur Definition des Begriffs einen größeren Raum ein.

Überblick

Kategorien und Ursachen

Grundsätzlich lassen sich Behinderungen grob kategorisieren in:
- körperliche Behinderung
- Sinnesbehinderung (Blindheit, Gehörlosigkeit, Schwerhörigkeit, Taubblindheit)
- Sprachbehinderung
- psychische (seelische) Behinderung
- Lernbehinderung
- geistige Behinderung
- Eine modernere Bezeichnung ist Entwicklungsbeeinträchtigung. Diese umfasst alle Kategorien und soll laut Unterstützer abwertende Konnotationen, wie sie z.B. "geistige Behinderung" mitbringen, umgehen. Hinsichtlich der Ursachen lässt sich unterscheiden zwischen:
- erworbenen Behinderungen :- durch perinatale (während der Geburt) entstandene Schäden :- durch Krankheiten :- durch Unfälle :- durch Gewalteinwirkung :- durch Alterungsprozesse
- angeborenen Behinderungen :- durch Vererbung bzw. chromosomal bedingt :- durch pränatale (vor der Geburt entstandene) Schädigungen. Behinderungen können auch als Kombination aus mehreren Ursachen und Folgen auftreten (Mehrfachbehinderung, Schwerste Behinderung), oder weitere Behinderungen zur Folge haben, z.B. Kommunikationsbehinderung als Folge einer Hörbehinderung.

Häufigkeit

Nach einem am 16.12.2004 erschienenen "Bericht der Bundesregierung zur Lage behinderter Menschen und die Entwicklung ihrer Teilhabe" gelten über acht Prozent der deutschen Bevölkerung als schwerbehindert (S. 18). Diese Angabe beruht auf Angaben des statistischen Bundesamtes (Stand 31.12.2003), dass 6,639 Millionen Menschen mit einer Schwerbehinderung in Deutschland leben. Ein hoher Anteil von ihnen (52 Prozent) sind ältere Menschen über 65 Jahre. Jeweils 22 Prozent umfassen die Altersgruppen von 55 bis unter 65 Jahre und von 25 bis unter 55 Jahre. Die restlichen 4 Prozent sind unter 25 Jahre alt. 68 Prozent der Behinderungen werden von dieser Statistik als "körperliche Behinderung und 17 Prozent als "geistig-seelische" Behinderung eingeordnet. 84 Prozent der Behinderungen seien durch Krankheit, 2 Prozent durch Unfall erworben. Einer solche Statistik erfasst allerdings nicht alle Betroffenen, sondern nur Personen, die den rechtlichen Status eines Schwerbehinderten (Behinderungsgrad über 50%) und den damit verbundenen Schwerbehindertenausweis erfolgreich beantragt haben. Weil es keine „Meldepflicht“ für Behinderungen gibt, lässt sich die tatsächliche Zahl der Menschen mit Behinderung nur schätzen, wobei häufig die Zahl von 10 Prozent der Gesamtbevölkerung genannt wird. Nationale und internationale Schätzungen divergieren erheblich, da eine einheitliche und verbindliche Definition von „Behinderung“ nicht existiert. In der Schweiz sind Schwerbehindertenausweise unbekannt. Dort sind beim Bundesamt für Sozialversicherung die IV-Renten statistisch erfasst. 2003 bekamen 271'039 Personen einfache Invalidenrenten und 185'476 noch Zusatzrenten. Die durchschnittliche Rente betrug 1396 CHF. Individuelle Maßnahmen (Hilfsmittel, Sonderschulen, Berufliche Ausbildung usw.) bezogen 400'537 Personen. Bei den Männern ist einer von fünf kurz vor der Pensionierung IV-Rentner. [http://www.bsv.admin.ch/statistik/details/d/iv_04_d.pdf]

Definitionen

Sozialrechtliche Definition

Im bundesdeutschen Recht wird die Behinderung im Sozialgesetzbuch IX (dort: § 2 Abs. 1), so festgelegt: Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Sie sind von Behinderung bedroht, wenn die Beeinträchtigung zu erwarten ist.

Erweiterte Sicht

Eine Behinderung bringt in der Regel auch Schwierigkeiten dahingehend mit sich, als Betroffener an der Gesellschaft teilhaben zu können („Behindert ist man nicht, behindert wird man! Aktion Mensch). So erweitert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 2001 den Behinderungsbegriff in der International Classification of Functioning, Disability and Health" ICF) wie folgt:
- Schädigung: Beeinträchtigung einer Körperfunktion oder -struktur im Sinn einer wesentlichen Abweichung oder eines Verlustes,
- Beeinträchtigung der Aktivität: Aus der Schädigung resultierende Schwierigkeit oder Unmöglichkeit, eine Aufgabe oder Tätigkeit durchzuführen,
- Beeinträchtigung der Partizipation: Ein nach Art und Ausmaß bestehendes Problem einer Person bezüglich ihrer Teilhabe in einem Lebensbereich bzw. einer Lebenssituation,
- Umfeldfaktoren: beziehen sich auf die physikalische, soziale und einstellungsbezogene Umwelt, in der die Menschen ihr Leben gestalten. Beispielhaft für eine erweiterte Begriffsdefinition unter Einbeziehung der Umgebung ist die Formulierung Alfred Sanders: Behinderung liegt vor, wenn ein Mensch mit einer Schädigung oder Leistungsminderung ungenügend in sein vielschichtiges Mensch-Umfeld-System integriert ist (H. Eberwein, S. Knauer: Handbuch der Integrationspädagogik, Beltz 2002). Er führt Behinderung also nicht nur auf eine Schädigung oder Leistungsminderung eines einzelnen Menschen zurück sondern auf die Unfähigkeit des Umfelds des betreffenden Menschen diesen zu integrieren.

Begriffsdiskussion

Es gibt darüber hinaus eine Vielzahl von Definitionen des Behinderungsbegriffs, nicht zuletzt im ständigen Bemühen, eine (behindernde) Diskriminierung und Stigmatisierung schon bei der eingesetzten Sprache auszuschließen – schließlich werden Behinderte in spanischsprachigen Ländern auch heute noch häufig als „minusválidos“ (Minderwertige) bezeichnet. Mit dem Ziel einer „Political Correctness“ wurde gar versucht, den Begriff ganz zu verbannen bzw. durch Euphemismen wie „besondere Befähigung“ oder „besondere Bedürfnisse“ zu ersetzen. Aus den englischsprachigen Ländern kommt die begriffliche Umschreibung „people with special needs“ („Menschen mit besonderen Bedürfnissen“). Regelmäßig werden im akademischen Diskurs oder von Lobby-Organisationen einschlägige Begriffe hinsichtlich ihrer Passgenauigkeit oder aufgrund ihres Diskriminierungspotenzials in Frage gestellt, um sie durch fortschrittlichere Bezeichnungen zu ersetzen. (Noch) nicht durchgesetzt hat sich beispielsweise die kognitive Behinderung an Stelle der geistigen Behinderung. Der ursprünglich mathematische Begriff Inklusion schickt sich an, die bisherige Integration behinderter Menschen abzulösen, weil er nach Meinung seiner Befürworter der Gesellschaft eine höhere Verantwortung für die Einbeziehung betroffener Menschen mit all ihren Eigenarten zuweist, statt eine Anpassung zu verlangen. Von den zumeist selbst betroffenen Vertretern der Krüppelbewegung wurde der Begriff Behinderung dagegen bewusst durch den alten, eigentlich verpönten Ausdruck „Krüppel“ ersetzt, um damit provozierend auszudrücken, was nichtbehinderte Menschen nach ihrem Empfinden ohnehin über sie dachten. Letztlich ist Pragmatismus bei der Definition spätestens dann notwendig, wenn Kriterien für die Leistung von Hilfe durch die Gesellschaft festgelegt werden müssen (z.B. Schwerbehindertenausweis, Eingliederungshilfe, Rehabilitation, ...). Diese Situation wird in der sonderpädagogischen Fachdiskussion als Etikettierungs-Ressourcen-Dilemma bezeichnet. Der im süddeutschen und österreichischen Sprachgebrauch übliche Ausdruck „bresthaft“ für behindert wird heute als diskriminierend abgelehnt.

Hilfe und Selbstbestimmung

Traditionelle karitative Einrichtungen

Seit dem späten 18. Jahrhundert betrachteten es vor allem kirchliche und andere karitative Einrichtungen als ihre Aufgabe, Kinder und Erwachsene mit einer Behinderung zu fördern und zu pflegen. Seit dem 19. Jahrhunderts wurde die Pflege und schulische Förderung staatliche Aufgabe. Anfangs fand die Unterstützung von Menschen mit Behinderung überwiegend in dafür spezialisierten Einrichtungen wie Sonderschulen, Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM), Internaten oder Heimen statt. Inzwischen ist die Landschaft der Einrichtungen und der Konzepte der Behindertenhilfe breit aufgefächert, was auch Ergebnis der lebendigen politischen und wissenschaftlichen Diskussion der letzten Jahrzehnte ist.

Gesetzliche Vorgaben

Durch die neuere Gesetzgebung ist die Gesellschaft aufgefordert, Strukturen zur Unterstützung von Menschen mit Behinderung zu schaffen. In Deutschland findet dies Ausdruck in Artikel 3 Abs. 3 Satz 2 des Grundgesetzes: „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“. Dieses Prinzip muss vom Staat in der Gesetzgebung, der Verwaltung und bei der Rechtsprechung berücksichtigt werden. So finden sich zahlreiche Regelungen zum Nachteilsausgleich und zum Schutz der Rechtsposition von Menschen mit Behinderung u.a. im Sozialrecht, im Steuerrecht, im Arbeitsrecht oder auch in Bauvorschriften, hier insbesondere zum Thema Barrierefreiheit. Die Leistungen der Rehabilitation sind in den Sozialgesetzbüchern verankert. Konzepte, Maßnahmen und Einrichtungen der Behindertenhilfe setzen schon bei Kleinkindern (Frühförderung) an und gehen weiter über verschiedene Maßnahmen für Kinder und Jugendliche, insbesondere in den Fachgebieten der Sonderpädagogik und der Heilpädagogik. Auch für Erwachsene existieren Leistungsansprüche und Hilfsangebote im Bereich der Eingliederungshilfe im Alltag, im Beruf sowie im Bereich der medizinischen Rehabilitation. Behindertenspezische Regelungen sind notwendig in allen Lebensbereichen.

Neue Ansätze zu Rehabilitation und Integration

Seit den 1970er Jahren entstanden neue Denkansätze zur Rehabilitation und Integration von Menschen mit Behinderungen. Politisch engagierte Mitglieder der Selbsthilfevereine fühlten sich von Vertretern und Mitarbeitern historisch gewachsener Strukturen der Rehabilitation weniger gefördert und forderten mehr persönliche Freiheiten in Pflegeheimen und Sonderarbeitsplätzen. Im Zusammenhang mit reformpädagogischen Überlegungen bestehen heute auch integrative Ansätze, so z.B. integrative Kindergärten, integrative Schulen oder Integrationsfirmen. Dies sind reguläre Organisationen, in denen durch konzeptionellen, personellen und strukturellen Aufwand auch die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung berücksichtigt werden, wodurch gemeinsames Lernen und Arbeiten ermöglicht werden soll. Als Rehabilitation werden alle Maßnahmen verstanden, die auf eine Integration von Menschen in die Gesellschaft abzielen. Leistungen werden im Bereich der schulischen und beruflichen Ausbildung, der Medizin und der Förderung zur Teilnahme am sozialen Leben erbracht. In den Folgejahren entstanden neue soziale Initiativen und Modelle zur eigenständigen Organisation von Pflege und Betreuung (unter anderem persönliche Assistenz, persönliche Budget, die Arbeitsassistenz im Beruf, oder die betriebliche Mitbestimmung in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung, die heute durch den Werkstattrat ausgeübt wird. Seit einigen Jahren zeichnet sich ein Paradigmawechsel ab. Behinderung wird zunehmend als krisenhaftes Ereignis nicht nur für den Betroffenen, sondern auch für seine Angehörigen und Freunde begriffen (Schuchhardt, 1982). Rehabilitation wird daher auch als Anbahnung eines Lernprozesses gedeutet, an dessen Ende nicht nur die Verarbeitung des Eintritts einer Behinderung durch die Betroffenen erfolgreich gemeistert werden können, sondern auch die Umgebung des Behinderten „behindertengerecht“ für die spezifischen Bedürfnisse und das natürliche „anders Sein“ angepasst würden. Wichtige Leitgedanken sind hier:
- Soziale Teilhabe statt Pflege
- Überlegte Planung statt Barrierenerrichtung
- Achtung und Respekt statt Diskriminierung
- Integrierte Teilhabe statt vorgeburtliche Selektion und gesellschaftlich-institutionelle Ausgrenzung

Behindertenbeauftragte, Behindertenorganisationen und Selbsthilfegruppen

Die Interessen von Menschen mit Behinderungen sollen im Bund sowie in den Bundesländern, Städten und Gemeinden von Beauftragten für ihre spezifischen Belange vertreten werden. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Behindertenorganisationen, Verbänden und Selbsthilfegruppen, die entweder als Lobby Einfluss auf die Sozialpolitik versuchen zu nehmen oder dem Erfahrungsaustausch von Menschen mit Behinderungen dienen sollen.

Gesetze


- Grundgesetz der BRD, Artikel 3
- Das Behindertengleichstellungsgesetz macht unter anderem Vorgaben für barrierefreies Bauen.
- Landesgleichstellungsgesetz
- Schwerbehindertenrecht (Deutschland) (SGB IX Teil 2)
- Die Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung (BITV) gibt Vorgaben für behindertengerechte IT-Systeme, beispielsweise barrierefreies Internet.
- Das SGB XII: hier regeln im 6 Kapitel die §§ 53 bis 60 die Eingliederungshilfe für Menschen die im Sinne von § 2 Abs.1 Satz 1 des SGB IX als behindert gelten.

Forschungsprojekte


- Projekt „SELBST - Selbstbewusstsein für Mädchen und Frauen mit Behinderung." [http://www.neukirchener.de/traegerverbund/ffi/institut.php] Das Projekt dient der Bestandsaufnahme und Qualitätsanalysen zu Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungsübungen für behinderte Frauen und Mädchen innerhalb des Behindertensports.

Behinderte Menschen in Kunst und Film


- Verrückt nach Paris (2002) ist eine von Behinderten in den Hauptrollen gespieltes Road Movie über das Thema Wahrnehmung und Selbstdarstellung von Behinderung, Freundschaft, Liebe.
- Unser Walter (1974). Mehrteiler über ein Kind mit Down Syndrom.
- Talking with Angels (Gespräche mit Engeln). Spielfilm, Großbritannien, 2003 Regie: Yousaf Ali Khan

Schauspieler


- Peter Radtke, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Behinderung und Medien, Schauspieler, der mit der Glasknochenkrankheit lebt. Radtke spielte unter George Tabori bei den Münchener Kammerspiele, im Wiener Burgtheater spielte oder in der Verfilmung des Romans von Günther Grass Die Rättin.

Literarische Figuren


- Lincoln Rhyme – Querschnittsgelämter Kriminologe – Autor Jeffery Deaver. Für die Darstellung Lincoln Rhymes u.a. in dem Thriller Der Knochenjäger wurde Jeffery Deaver der "Dream-Award-Preis" verliehen. Der Knochenjäger (USA, Originaltitel: The Bone Collector) wurde 1999 mit Denzel Washington als Lincoln Rhyme unter der Regie von Phillip Noyce verfilmt.

Filmfestival


- Internationales Kurzfilmfestival "Wie wir leben" [http://www.abm-festival.de/]

TV-Sendereihen


- Normal - Ein wöchentliche Sendung im Deutschen Sportfernsehen aus und über die Behindertenszene
- Challenge - Ein Magazin im Privatsender Kabel 1

Verwandte Themen


- Paralympics bezeichnet die internationalen Wettkämpfe des Behindertensports.
- Deaflympics bezeichnet die jeweils ein Jahr nach jeder Olympiade stattfindenden "Weltspiele der Gehörlosen".
- Die Behindertenhilfe bezeichnet soziale Einrichtungen für Behinderte.
- Sonder- und Heilpädagogik umfasst Bildung und Erziehung Behinderter.
- Schulische Integration bezeichnet die Aufnahme behinderter Kinder in Schulen Nichtbehinderter.
- Integrationsamt fördert die Arbeitsplatzgestaltung und -erhaltung für behinderte Arbeitnehmer.
- Hilfsmittel (Rehabilitation) bezeichnet Geräte, die die Folgen einer Behinderung mildern. Sie werden in der EN ISO 9999 klassifiziert und in Deutschland teilweise auch von der Gesetzlichen Krankenversicherung oder der Pflegeversicherung zugunsten der Versicherten bezahlt.
- Kraftfahrzeughilfe-Verordnung
- Rehabilitationsträger
- Gemeinsame Service-Stellen für Rehabilitation
- Leistung zur Teilhabe
- Werkstatt für behinderte Menschen

Literatur


- Reinhard Markowetz, Günter Cloerkes (Hrsg.): Freizeit im Leben behinderter Menschen: theoretische Grundlagen und sozialintegrative Praxis. Edition S, Heidelberg 2000, ISBN 3-8253-8262-1
- Ch. Fürll-Riede, R. Hausmann, W. Schneider: Sexualität trotz(t) Handicap. Thieme-Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 3-13118211-3
- Ingeborg Zurbrügg: Klarissa. Harald Fischer, Erlangen 1994, ISBN 3-89131-111-7
- Gisela Hermes: Behinderung und Elternschaft - kein Widerspruch. Ag Spak, Neu-Ulm 2004, ISBN 3-930830-46-9
- Peter Radtke: Behinderung und die Ideologie des "Normalen" in: Hellmut Puschmann (Hrsg.): Not sehen und handeln (Caritas), Freiburg/Br. 1996
- Karl Friedrich Schlegel, der Körperbehinderte in Mythologie und Kunst, Stuttgart 1983

Weblinks


- [http://www.behindertenarbeit.at www.behindertenarbeit.at]
- [http://www.behindertenbeauftragter.de www.behindertenbeauftragter.de] - Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen (Deutschland)
- [http://www.bmgs.bund.de/download/broschueren/a125.pdf Bericht der Bundesregierung zur Lage behinderter Menschen und die Entwicklung ihrer Teilhabe 2004] - Bundestagsdrucksache 15/4575
- [http://www.jkc.de/links.html www.jkc.de] - EHB-Suchmaschine Behinderung
- [http://www.dimdi.de/static/de/klassi/ICF/index.html www.dimdi.de] - Klassifikation, Dokumente in deutscher und englischer Sprache
- [http://www.proinfirmis.ch www.proinfirmis.ch] - Pro Infirmis - Dachverband Behindertenorganisationen (Schweiz)
- [http://www.studieren.de/aktuell/behinderung.asp www.studieren.de] - Studium für Behinderte - alles Wissenswerte
- [http://www.behindertenzeitschrift.de www.behindertenzeitschrift.de] - Zeitschrift HANDICAPPED-Kurier mit vielen Online-Beiträgen
- [http://www.intakt.info www.intakt.info] - bayrisches Behindertenportal Intakt: Informationen für Eltern von Kindern mit Behinderung
- [http://www.itg-oberfranken.de/gensler/www.-Mittelalter/behi/behinderte_im_mittelalter.htm www.itg-oberfranken.de] - Leben von Behinderten im Mittelalter ! Kategorie:Sonderpädagogik ja:障害者 th:คนพิการ

Infrastruktur

Der Sammelbegriff Infrastruktur ist dem lateinischen infra (unten, unterhalb) abgeleitet. Infrastruktur und Suprastruktur sind Begriffe, die erstmals von der NATO verwendet wurden. Infrastruktur bezeichnete ursprünglich die im Boden befindlichen Leitungen wie Rohrleitungen und Kabel. Infrastruktur' (somit Unterbau) bezeichnet alle langlebigen Grundeinrichtungen personeller, materieller und institutioneller Art, die das Funktionieren einer arbeitsteiligen Volkswirtschaft garantieren. Meist wird sie Öffentliche Infrastruktur genannt. Die Planung, Erstellung und Instandhaltung einer Infrastruktur ist im Normalfall die Aufgabe des Staates oder ihm assoziierter Organe (öffentlich-rechtliche Einrichtungen, Staatsbetriebe). Im Zuge der Privatisierung von öffentlichen/staatlichen Betrieben und staatlichen Aufgaben werden insbesondere Erstellung und Instandhaltung der Infrastruktur vermehrt privaten bzw. privatrechtlich organisierten Firmen übertragen. Die Planungshoheit bleibt aber weiterhin beim Staat. Die Nutzung einer Infrastruktur ist jedem Bürger eines Staates möglich bzw. verpflichtend (z. B. Müllentsorgung). Nutzungsgebühren sind in der Regel durch den Nutzer zu entrichten. Die Erstellung einer (öffentlichen) Infrastruktur wird dagegen meist durch Steuergelder finanziert. Bei der Infrastruktur gibt es mitunter nationale Besonderheiten. So verfügen die Schweiz, Österreich und Deutschland über ein Bahnstromnetz, während in den anderen Ländern der elektrische Bahnbetrieb im Regelfall mit Strom des allgemeinen Elektrizitätsnetzes durchgeführt wird. Es gibt folgende Arten von öffentlichen Infrastrukturen:

Technische Infrastruktur


- Versorgung
  - Energieversorgung
    - Strom
    - Gas
    - Fernheizung
  - Wasserwirtschaft
- Entsorgung
  - Müllentsorgung
  - Abwasser
  - Wertstoffverwertung
- Kommunikation
  - Telefon
  - Rundfunk
  - Fernsehen
  - Internet
  - Sonstige Funkdienste (wie Zeitzeichensender)
- Verkehrsinfrastruktur
  - öffentlicher Verkehr
    - Binnengewässer
    - Seeschifffahrt
    - Eisenbahnen
    - Öffentlicher Personenverkehr
    - Luftverkehr
    - Flughäfen
    - Navigationsfunksender für Luft- und Seefahrzeuge
  - Individualverkehr
    - Straßen
    - Radwege
    - Gehwege

Infrastrukturrecht

Infrastrukturrecht ist das Recht, dass sich mit der staatlichen und kommunalen Infrastruktur und der Gewährleistung flächendeckender Angebote der Daseinsvorsorge beschäftigt (Wasser, Abwasser, Energie, Verkehr, Telekommunikation, Post). Dabei handelt es sich um ein Querschnittsrecht. D.h., es gibt keinen Gesetztext, in dem zentral Infrastrukturrecht geregelt wäre. Bestimmungen des Infrastrukturrechts finden sich daher in:
- Grundgesetz (GG),
- EG-Vertrag (EGV),
- EU-Verordnungen, EU-Richtlinien und EU-Entscheidungen,
- EG-Beihilfenrecht,
- EU-Wettbewerbsrecht, EU-Kartellrecht,
- Rechtsprechung des EuGH (europäischer Gerichtshof),
- Kartellrecht (Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen - GWB),
- Wettbewerbsrecht (GWB, Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb – UWG),
- Freistellungsverordnungen,
- Vergaberecht (GWB, Vergabeverordnungen – VgV)
- Rechtsprechung der Vergabesenate und Kartellsenate des BGH und der Oberlandesgerichte,
- Entscheidungen der Kartellbehörden und der EU-Kommission
- Beschlüssen der Vergabenachprüfungsinstanzen. ---- Im Infrastrukturrecht sind insbesondere folgende Aspekte von Bedeutung:
- Offener und diskriminierungsfreier Netzzugang,
- Ausschreibungspflicht,
- Missbrauch marktbeherrschender Stellung,
- Durchleitungsentgelte,
- Gemeinsame Nutzung (ggf. Finanzierung) von Infrastruktureinrichtungen,
- Berechtigung zum Erhebungen von Maut und Gebühr (Beleihung),
- Gebührenhöhe, Mauthöhe,
- Erhebung von Erschließungsbeträgen / Erschließungsgebühren,
- Vermeidung von Doppelbelastungen für Nutzer / Bürger,
- Privatfinanzierung staatlicher und kommunaler Infrastruktur.
---- Die herausragende Bedeutung des Infrastrukturrechts beruht auf der großen Bedeutung staatlicher und kommunaler Infrastruktur.
Staatliche und kommunale Infrastruktur ist:

- Wasser (z.B. Wasserleitungen, Brunnen, Wasserwerke, Wasseraufbereitung)
- Abwasser (z.B. Kanalisation, Klärwerk, Vorfluter, Versickerungsanlage)
- Straßen (z.B. Straßen, Autobahn, Umgehungsstraße, Straßenbau, Straßenausbau, Autobahnbau, Autobahnausbau, Brücken, Tunnel, Pässe, Umgehungsstraßen)
- Immobilien (z.B. Verwaltungsgebäude, Rathaus, Schule, Turnhalle, Schwimmbad)
- Schienenverkehr (z.B. Schienennetze, Schienenstrecken, Hochgeschwindigkeitsstrecken, Streckenausbau, zweigleisiger Ausbau, Errichtung von Haltestellen und Bahnhöfen, Sanierung von Bahnhöfen)
- Nahverkehr (z.B. Ausbau von U-Bahn-Strecken, Errichtung von Ergastankstellen / Wasserstofftankstellen für den ÖPNV, Ausbau von Straßenbahnen, Haltepunkte, Park ans Ride Gelegenheiten)
- Abfall (z.B. Abfalleinsammlung, Abfallsammlung, Abfallbeseitung, Müllverbrennung, Mülldeponie)
- Strom (z.B. Stromnetz, Hausanschlüsse, Kraftwerke, Umspannwerke)
- Fernwärme (z.B. Leitungsnetz, Kraftwerke)
- Gas (z.B. Leitungen, Hausanschlüsse)
- Telekommunikation (z.B. Leitungen, Netzknoten, Hausanschlüsse) ---- Nähere Informationen zur Privatfinanzierung staatlicher und kommunaler Infrastruktur finden Sie auf den folgenden Seiten:[http://www.infrastruktur-recht.de/ infrastruktur-recht]

Rechtliche und Soziale Infrastruktur


- Rechtsordnung
- Verwaltung
- Dienstleistungen
  - Schulen und andere Bildungseinrichtungen
  - Kinderbetreuungs-Einrichtungen
  - Krankenhäuser und Pflegedienste
  - Polizei
  - Feuerwehr und Rettungsdienste
- Kulturelle Einrichtungen
  - Bibliotheken
  - Museen
  - Ausstellungsräume
  - Sehenswürdigkeiten

Siehe auch

Freie Informationsinfrastruktur Kategorie:Volkswirtschaftslehre Kategorie:Politik Kategorie:Öffentliches Recht Kategorie:Struktur Kategorie:IT-Management ja:インフラストラクチャー ms:Infrastruktur

Körperliche Behinderung

Der Ausdruck Körperbehinderung bezeichnet eine angeborene oder erworbene, vollständige oder teilweise, vorübergehende oder anhaltende Beeinträchtigung körperlicher Funktionen, sei es durch eine Schädigung des Stütz- und Bewegungsapparates, des Zentralnervensystems oder anderer Organsysteme des Körpers. Insoweit eine Einschränkung der kognitiven Leistungsfähigkeit gegeben ist, ist die Abgrenzung zwischen Körperbehinderung und kognitiver Behinderung unscharf; sie wird unter anderem daran festgemacht, inwieweit körperliche Beeinträchtigungen des Gehirns Ursache für die reduzierte kognitive Leistungsfähigkeit sind. Ab einem gewissen Grad der Beeinträchtigung besteht Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis, der zu diversen Erleichterungen berechtigt, wie etwa steuerliche Erleichterungen, die Benutzung von Behindertenparkplätzen, den Europaschlüssel oder die kostenlose Beförderung im Öffentlichen Personennahverkehr. Ferner gibt es zur Förderung besondere Kindergärten, Berufsausbildungen sowie Behindertenwerkstätten. Dennoch gilt in weiten Bereichen immer noch, dass Behinderungen häufig erst durch soziale Ausgrenzung zu einer schwerwiegenden Beeinträchtigung führen, wie es die Aktion Mensch in ihrem Leitspruch "Man ist nicht behindert - man wird behindert" ausdrückt. Die soziale Ausgrenzung kommt nicht zuletzt in abwertenden Bezeichnungen (z.B. invalid aus dem Lateinischen für "ungültig") bzw. Schimpfworten wie "Krüppel" oder "Missgeburt" oder der spanischen Bezeichnung für Behinderte - "minusválidos" ("Minderwertige") - zum Ausdruck.

Anliegen für die Zukunft

Die Anliegen, deren Realisierung ein Ziel von Menschen mit unterschiedlichen Körperbehinderungen und deren Familien und Freunden ist, lassen sich zusammenfassen in den Leitgedanken:
- Soziale Teilhabe statt Pflege
- Überlegte Planung statt Barrierenerrichtung
- Achtung und Respekt statt Diskriminierung
- Integrierte Teilhabe statt vorgeburtliche Selektion und gesellschaftlich-institutionelle Ausgrenzung

Weblinks


- [http://www.uni-leipzig.de/~kbpaed/links/startseite_links.htm www.uni-leipzig.de] - Linksammlung zum Thema Körperbehinderung
- [http://www.behinderung.org/koe.htm www.behinderung.org] - Was ist eine Körperbehinderung?
- [http://www.aaonline.dkf.de/bb/p229.htm www.aaonline.dkf.de] - Prof. Dr. Hans Stadler: Körperbehinderungen
- [http://www.behinderung.org/koe.htm www.behinderung.org] - Ratgeber für Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen ---- Siehe auch: Behinderung - Lernbehinderung - Sehbehinderung - Hörbehinderung - Mehrfachbehinderung - kognitive Behinderung - Liste der Syndrome Kategorie:Behinderung ja:障害者

Blindheit

Unter Blindheit versteht man den Verlust der Sehfähigkeit, die Einschränkung der Sehfähigkeit auf unter 2 Prozent oder die Einschränkung des Gesichtsfeldes auf 5 Grad und weniger. Nicht zur Blindheit nach obiger Definition gehören die Farbenblindheit und die Nachtblindheit. Diese Krankheitsbilder werden der Kategorie Sehbehinderungen zugeordnet. Außerdem wird blind gelegentlich als Adjektiv benutzt um Dinge ohne Fortsatz zu beschreiben (vgl. Blinddarm, Blindschacht, Blindgänger, Blindflansch; auch blinder Alarm, blinder Passagier).

Ursachen für Blindheit


- angeborene
  - fehlende Elemente des Sehapparates
  - fehlende Verbindung zwischen Auge und Gehirn
  - unerkannte Erkrankungen wie z.B. der angeborene grüne Star
  - genetische Veranlagungen, die im Laufe des Lebens zur Erblindung führen können (z.B. Retinitis Pigmentosa, Makuladegeneration ...)
- erworbene
  - am häufigsten ist der graue Star, die alterungsbedingte Trübung der Linse
  - Altersblindheit bedingt durch Diabetes oder altersbedingte Makuladegeneration, kurz AMD
  - langanhaltender unbehandelter Bluthochdruck
  - Embolien in den versorgenden Blutgefäßen
  - Verletzungen (Amaurose)

Medien für Blinde

Die von Louis Braille entwickelte Blindenschrift, die so genannte Brailleschrift, ermöglicht blinden Menschen das Lesen und Schreiben von Texten. Das Moonalphabet, eine weitere Blindenschrift, wurde fast vollständig von der Brailleschrift verdrängt. Das Schreiben von Texten ist z. B. mithilfe der Blindenschreibmaschine möglich, welche bereits 1899 von Oskar Picht erfunden wurde. Es gibt heute auch Braille-Drucker für den PC. Es gibt diverse Zeitschriften für Blinde. Die Zeitschrift Brigitte war die erste deutsche Frauenzeitschrift, die es vollständig in Blindenschrift gibt. Auch wird diese in elektronischer Form als Textdatei angeboten, um sie mithilfe eines durch Sprachausgabe, Braillezeile und/oder Schriftvergrößerung (für Sehbehinderte) modifizierten PCs lesbar zu machen. Viele Zeitschriften, auch Hörzeitschriften (auf Cassette oder DAISY-CD aufgesprochene Beiträge), werden durch Blindenbüchereien oder gemeinnützige Vereine vertrieben. Aber auch die immer mehr aufkommenden Hörbücher ermöglichen blinden Menschen einen weiteren Zugang zur Literatur. In vielen bekannten Bauwerken werden auch Modelle zum taktilen Erleben aufgestellt. Auf Bahnhöfen werden die Bahnsteige mit speziellen Einkerbungen, sog. Leitlinien, versehen, die es Blinden ermöglichen, sich dort zurecht zu finden. In der Kartographie arbeitet man intensiv an Blindenkarten, die helfen sollen, die räumliche Situation der Umgebung für Blinde erfahrbar zu machen. Einige Fernsehsender senden Filme im Zweikanalton, bei denen auf dem zweiten Kanal per Audiodeskription die Handlung erzählt wird. Das jüngste Medium für Blinde heißt DAISY. DAISY ist der Name eines weltweiten Standards für navigierbare, zugängliche Multimedia-Dokumente. Die Abkürzung [http://www.sbs-online.ch/daisy/produkt/daisy2_was.html DAISY] steht für "Digital Accessible Information System", zu deutsch: digitales System für den Zugang zu Informationen. Im Frühjahr 2004 wurde die DAISY-CD im deutschsprachigen Raum eingeführt, welche die veraltete Kompaktkassette bald ersetzen soll.

Allgemeine Hilfsmittel

Blinde Menschen benutzen einen Langstock (umgangssprachlich oft als Blindenstock bezeichnet), (siehe auch Tag des weißen Stockes). Dieser dient nicht nur zur Orientierung, sondern auch als Kennzeichen im Straßenverkehr, damit jeder Verkehrsteilnehmer auf die Behinderung aufmerksam gemacht wird. Zusätzlich tragen Blinde meist einen Anstecker oder zwei Armbinden. Dort sind auf gelben Untergrund drei schwarze Punkte abgebildet. Einige Blinde vertrauen sich auch einem Blindenführhund an. Um sich völlig selbständig orientieren und bewegen zu können, muss die Umgebung allerdings so ausgestattet sein, dass sie akustisch oder taktil ausgewertet werden kann. Dazu dienen Markierungsstreifen auf Gehwegen, ergänzende akustische oder vibrierende Signaleinrichtungen bei Verkehrsampeln, Geländer und Handläufe, aber auch eine vorschriftsmäßige Absicherung von Gefahrenstellen wie Baustellen oder Bodenöffnungen. Das Zurechtfinden in unvertrauten Gegenden bleibt für Blinde aber trotzdem oft schwierig.

Elektronische Hilfsmittel für Blinde und Sehbehinderte

Um den Computer für Blinde nutzbar zu machen, wurde ein spezielles Ausgabegerät entwickelt, das so genannte Braille-Display oder Braillezeile, mit dem der Text auf dem Bildschirm in Brailleschrift Zeile für Zeile ertastbar wird. Das Braille-Display kann, je nach Bauform, bis zu 80 Zeichen abbilden und benötigt eine spezielle Übersetzungssoftware wie z.B. Blindows (Screenreader). Grafische Benutzeroberflächen erschweren den Umgang für Blinde gegenüber dem klassischen Textmodus. Screenreader aber werden ständig weiterentwickelt, die Betriebssysteme arbeiten besser mit ihnen zusammen, sodass inzwischen auch die meisten Blinden den Umstieg zu Betriebssystemen mit grafischer Benutzeroberfläche gemeistert haben. Dank dieser Technik ist es ihnen möglich, viele Funktionen eines PCs zu nutzen. Vorlesesysteme setzen Bildschirminhalte in synthetische Sprache um, so dass Sehbehinderte, die die Brailleschrift nicht beherrschen (viele Späterblindete haben nie eine Blindenschule besucht), komfortabel mit diesen Systemen arbeiten können. Auch für das alltägliche Leben gibt es viele verschiedene Hilfsmittel. Das fängt bei einfachen Dingen wie sprechenden Uhren und Weckern an und geht über den Milchalarm, der das Überkochen der Milch verhindert bis hin zu einer Herdüberwachung, die piept, wenn der Herd zu lange angeschaltet ist oder die Kochplatten gefährlich heiß werden. Viele Spielehersteller bieten mitlerweile auch Versionen ihrer Spiele für Blinde an. Schon seit geraumer Zeit gibt es Skat-Karten, die mit einer Plastikfolie überzogen sind, so dass Sehende wie gewohnt spielen und Blinde die Karten gleichzeitig ertasten können. Auch für den Computer gibt es mittlerweile eine große Auswahl an Soundgames, bei denen der Spieler die Informationen über den Spielverlauf über die Lautsprecher erhält statt über den Bildschirm. Diese Art der Spiele wird auch bei Sehenden immer beliebter.

Berühmte Blinde


- David Blunkett
- Jorge Luis Borges
- Louis Braille
- Ray Charles
- Appius Claudius Caecus
- Georg V.
- Homer
- Aldous Huxley
- Helen Keller
- Leslie Lemke
- Tom Wiggins
- Stevie Wonder Auch sagenhafte Figuren wie der griechische Seher Teiresias und der alte Ödipus wurden als blind beschrieben. Desgleichen stehen Blinde im Zentrum literarischer Werke (z. B. in Vladimir Nabokovs Roman "König Dame Bube").

Formen


- Achromatopsie
- Anopsie

Museen

AnopsieAnopsie
- Blindenmuseum Berlin, Steglitz, Rothenburgstr. 14
- Blindenmuseum Hannover, Bleekstraße 22
- Dialog im Dunkeln, Hamburg, Am Wandrahm 4
- http://www.stiftadmont.at Stift Admont, A-8911 Admont 1 Im neuen Museum des Stiftes Admont bilden grundsätzlich für Blinde konzipierte multimediale Kunstwerke besondere Stationen.

Zitate


- "Blindheit trennt von Dingen, Taubheit trennt von Menschen", (Helen Keller)

Redensarten

Im übertragenen Sinne steht die Fähigkeit zu sehen oft für die Fähigkeit, die Wirklichkeit überhaupt wahrzunehmen. Die selbe Metapher gilt für das Fehlen der beiden Fähigkeiten. "Ich will die Sache im Auge behalten" oder "Ich will ein Auge darauf haben." bedeutet: "Ich will dafür sorgen, dass die Sache zufriedenstellend weiterkommt." "Nachsicht üben, nicht genau hinschauen, ein Auge zudrücken, durch die Finger sehen" bedeutet "Mängel oder Verstöße nicht so behandeln, wie es richtig wäre." "Jemand ist politikblind, wirklichkeitsblind." bedeutet: "Er versteht nicht die Zusammenhänge der Politik, der Wirklichkeit." "Liebe macht blind" bedeutet: "Wer liebt, erkennt die oder den Geliebten nicht so wie sie oder er wirklich ist." "Die waren auf dem rechten (auf dem linken) Auge blind." weist auf eine parteiliche Haltung hin, welche gegenüber der politischen "Rechten" (der politischen "Linken") zu Duldsamkeit und Nachsicht neigt. "Dem muss ich mal die Augen öffnen." bedeutet: "Dem will ich erklären, was wirklich geschieht und womit das zusammenhängt." Wenn ein Sachverhalt ganz und gar eindeutig ist, sagt man volkstümlich derb: "Das sieht doch ein Blinder mit dem Krückstock."

Literaturhinweis


- "Enzyklopädie des Blinden- und Sehbehindertenwesens" - 516 Seiten mit Abbildungen, 3,50 Euro

siehe auch


- Blindenanstalt, Christoffel-Blindenmission,

Weblinks


- [http://de.dmoz.org/World/Deutsch/Gesellschaft/Menschen/Behinderte/Blinde_und_Sehbehinderte/ Verweisliste von Dmoz.org]
- [http://www.kriegsblindenbund.de/ Bund der Kriegsblinden Deutschlands e.V. (BKD)]
- [http://www.szb.ch/ Dachverband der Schweizer Blindenorganisationen SZB]
- [http://www.dbsv.org/ Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. (DBSV)]
- [http://www.pro-retina.de/ Pro Retina Deutschland e.V.]
- [http://www.milina-radio.de/ Erstes bundesweites Blindenradio] Kategorie:Augenheilkunde Kategorie:Blindheit ja:失明 simple:Blindness

Gehörlosigkeit

Der Begriff Gehörlosigkeit bezeichnet das vollständige oder weitgehende Fehlen des Gehörs bei Menschen. Der Begriff wurde seit Beginn des 20. Jahrhunderts zunehmend im deutschen Sprachraum synonym oder anstelle von Taubheit verwendet. Von Taubheit wird dann gesprochen, wenn die betroffene Person keine akustische Wahrnehmung mehr hat. Taubheit kann unilateral, d.h. auf nur einem Ohr vorkommen, freilich aber auch bilateral, d.h. beidseitig vorkommen. Das Wort gehörlos entstand erst nach der Einführung der allgemeinen Schulbildung tauber Kinder im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts als Begriff für einen Taubstummen, der durch eine unermüdliche Sprecherziehung entstummt worden ist. Daher hat das Wort die Bedeutung von "taub, aber sprechend" erlangt, und taube Schulentlassene und Erwachsene werden als "Gehörlose" bezeichnet.

Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen

Gehörlosigkeit ist synonym zu den Begriffen hochgradiger Schwerhörigkeit oder hochgradiger Hörschädigung oder Resthörigkeit. So hat medizinisch gesehen ca. 98 % aller Gehörlosen ein Restgehör. Wer dieses nicht hat, ist taub. Bei diesen drei Synonymen handelt es sich um eine Hörbehinderung, bei denen akustische Reize nur noch mit Hörhilfen wie dem Hörgerät oder einem Cochlea-Implantat wahrgenommen werden können. Dass Gesprochenes trotz Hörhilfen noch verstanden werden kann, bildet keine Voraussetzung. Tritt die Hörschädigung erst nach dem natürlichen Alter des Spracherwerbs auf (ca. ab dem 3.Lebensjahr), so spricht man von "postlingualer Ertaubung", zu Deutsch "Spätertaubung". Der Begriff taubstumm wird von tauben Personen diskriminierend empfunden. Das Wort "taub" ist etymologisch mit "stumm" mit "dumm" verwandt. Die englische Wendung "deaf and dumb" bedeutet taubstumm - auch sie wird nicht mehr gebraucht. "Dumb" hat die gleiche Bedeutung wie dumm. Außerdem können heute alle Gehörlosen bzw. taube Personen kommunizieren, ob in der Gebärdensprache oder in der Lautsprache. Daher ist im Deutschen entweder der Begriff "gehörlos" oder "taub" zu verwenden, während man im Englischen den Begriff deaf verwendet, wobei letzteres von deutschen und schweizer (Gebärdensprache bevorzugende) Gehörlosen gern als Synonym für "gehörlos" verwendet wird. Allerdings wird das Wort von ihnen großgeschrieben – Deaf – analog zu Volksnamen, die gemäß der englischen Orthographie stets großgeschrieben werden, um die Ethnizität der Gehörlosenkultur (Deaf culture) zu verdeutlichen.

Ursachen und Feststellung von Gehörlosigkeit

Medizinisch wird Taubheit (lateinisch: Surditas) unterschieden nach absoluter Taubheit für alle Schallreize und nach praktische Taubheit mit Hörverlust für laute Umgangssprache bei noch vorhandener Wahrnehmung einzelner Töne u. Geräusche (> 70 dB). Angeborene T. kann entweder vorgeburtlich erworben sein (durch Röteln-Embryopathie, Rh-Inkompatibilität mit Kernikterus, Labyrinthitiskonnatale Syphilis) sein oder als isolierte erbliche Form (meist autosomal-rezessiv) sowie im Rahmen von Fehlbildungssyndromen (z.B. Alport-, Jervell-Lange-Nielsen-, Waardenburg-, Cockayne-, Pendred- u. Usher-Syndrom) auftreten. Erworbene T. (Innenohrschaden) kann als Folge von z.B. (Meningokokken-)Meningitis, Enzephalitis, Scharlach, Masern, Tuberkulose, Osteomyelitis, Mittelohr-Erkrankungen, Otosklerose, (Baro-)Trauma u.a. (bei absoluter T. stets mit Innenohr- oder Hörnervbeteiligung) auftreten. Nach dem Schlüssel der International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems (ICD10) wird für Taubheit bzw. Gehörlosigkeit die medizinische Code-Bezeichnung "H91.9" verwendet. Neben dem generellen Befund „Taubheit“ werden folgende weitere Formen definiert:
- Psychogene Taubheit (F44.6)
- Rindentaubheit (H90.5)
- Seelentaubheit (R48.1)
- Worttaubheit (F80.2)
- Zentrale Taubheit (H90.5) Diese Auflistung weist übrigens darauf hin, dass Taubheit auch anders als durch eine Beeinträchtigung der Hörorgane bedingt sein kann. So bezeichnet "Zentrale Taubheit" den Sachverhalt, dass die Hörorgane intakt und funktionsfähig sind, jedoch im Hirn keine Verarbeitung der Höreindrücke erfolgt. Eine von Geburt an vorliegende Beeinträchtigung des Gehörs wird häufig erst spät erkannt. Das Alter bei der Erkennung von Taubheit liegt im statistischen Durchschnitt bei etwas mehr als 2 Jahren. Man bemüht sich heute im deutschen Raum, ein so genanntes Hörscreening einzuführen. Bei diesem Verfahren wird das Neugeborene ein oder zwei Tage nach der Geburt in der Klinik mit einer Hörsonde auf seine Hörfähigkeit getestet, bei dem das Baby in der Regel schläft und nichts davon bemerkt. Das physikalisch definierte Ausmaß der Gehörlosigkeit wird in der Regel mit einem audiometrischen Verfahren festgestellt, dessen Ergebnis das Audiogramm ist. Aus diesem lässt sich der Grad der Hörbehinderung feststellen.

Kultur

Eigene Sprache

Hauptartikel: Gebärdensprache Die spezifische Sprache der Gehörlosen ist traditionell die Gebärdensprache, die sich immer da entwickelte, wo zwei oder mehr taube Menschen sich trafen. Es ist anzunehmen dass es Gebärdensprache bereits seit Bestehen der Menschheit überhaupt gab, möglicherweise auch als erstes Verständigungsmittel ohne dass dies durch Taubheit begründet war. Gebärdensprachen sind vollwertige Sprachen, die in ihren Möglichkeiten gesprochenen Sprachen in nichts nachstehen. Sie besitzen eine eigene Grammatik, die sich den Raum zunutze macht. Die wichtigsten Elemente sind die bewegten Handzeichen (Gebärden), die Körperhaltung und -Bewegung, die Mimik und meist auch das Mundbild. In der hörenden Gesellschaft weit verbreitet ist die Annahme, es gäbe nur eine einzige universelle Gebärdensprache. Tatsächlich hat sich in jedem Land eine eigene Gebärdensprache in Anlehnung an die jeweils umgebende Kultur entwickelt. Die Entwicklung der landeseigenen Gebärdensprachen erfolgte jedoch immer unabhängig von den jeweiligen Lautsprachen, was zu interessanten Zusammenhängen führen kann. Obwohl in manchen Ländern die Lautsprache gleich und auf einen gemeinsamen Ursprung zurückgeführt werden kann, muss dies nicht für die jeweiligen Gebärdensprachen gelten. So gibt es im deutschsprachigen Raum die Deutsche Gebärdensprache (DGS), die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS) wie auch die Deutschschweizer Gebärdensprache (DSGS). Letzere zum Beispiel ist wiederum in fünf verschiedene Dialekten unterteilt (Zürcher, Berner, Luzerner, Basler und St. Galler Dialekt). Unter diesen kann es wiederum auch regionale Unterschiede geben. Im Graubünden zum Beispiel erkennt man Gebärden aus dem Zürcher wie auch aus dem St. Galler Dialekt. Die verbreitetste Gebärdensprache dürfte die American Sign Language (ASL) sein. Die Gebärdensprache wird vorrangig im Kontakt von Gehörlosen untereinander benutzt. Im Kontakt mit der Mehrheitsgesellschaft wird die Lautsprache benutzt, soweit dies individuell möglich ist. Gebärdensprachen werden daneben auch von Hörenden benutzt, z.B. von Gebärdensprach-Dolmetschern, Pädagogen oder allgemein an Gebärdensprache interessierten Menschen. Zudem sind die Gebärdensprachen aufgrund ihrer Besonderheiten für Linguisten ein hochinteressantes Forschungsgebiet.

Schulische Erfassung und Bildung

Hauptartikel: Geschichte der Gehörlosen Im Gegensatz zur Spätertaubung im späten Jugend- oder Erwachsenenalter ist die „Gehörlosigkeit“ vor allem durch deren Bestehen von Kind auf gekennzeichnet. Damit gewinnt die Erziehung und schulische Bildung unter diesem Begleitaspekt eine besondere Bedeutung. Dies ist vor allem dadurch bedingt, dass die weltweit bestehenden regulären Schulsysteme ausnahmslos ihren Schwerpunkt in der mündlichen Vermittlung der Unterrichtsinhalte haben, in einer Form also, die tauben Kindern zunächst nicht zugänglich ist. Die besonderen Schulen, die sich der Erziehung tauber Kinder widmeten, gewannen damit eine weit über die bloße Bildung hinausgehende Bedeutung für die Gemeinschaft der Gehörlosen. Dies war auch dann der Fall, wenn sie aktuell oder im Nachhinein auf Grund ihrer Methoden als repressiv empfunden wurden. Die Schulen und vor allem die mit ihnen verbundenen Internate waren der Sammel- und Kristallisationspunkt für die Tauben. Fast die gesamte historisch erfassbare Geschichte der Gehörlosen ist praktisch identisch mit der Geschichte der Gehörlosenpädagogik. Bereits im 18. Jahrhundert bildeten sich zunächst zwei Ansätze von Unterrichtssystemen in Verbindung mit eigenen Sonderschulen heraus: das gebärdensprachlich orientierte System, und die lautsprachorientierte Methode, als deren jeweils erste Vertreter der französische Abbe de l'Epée und der Deutsche Samuel Heinicke angesehen werden. Um die Wirksamkeit und die Nützlichkeit dieser unterschiedlichen Ansätze entbrannte bereits früh ein Streit, der bis heute andauert, er ist als der "Methodenstreit" zwischen der "deutschen" bzw. "oralen" Methode und der "französischen", gebärdensprachlichen Methode bekannt geworden. Unabhängig davon wie die Sprecherziehung, ob nun in Gebärdensprache oder auditiv-verbal, vollgezogen wird, ist der Unterricht im Lesen und Schreiben ähnlich dem von normalhörenden Kindern. Nicht unüblich ist es, dass dies schon im Kindergartenalter stattfindet. Auf dem Mailänder Kongreß von 1880 entschieden sich die damaligen führenden Pädagogen, alle tauben Kinder ausschließlich lautsprachlich zu schulen, Fortentwicklungen der Medizin und der Technik suggerierten die jeweils bald bevorstehende Heilbarkeit von Taubheit und wirkten zusätzlich fördernd für die „orale“ Methode. In den 1950-er Jahren wurde schließlich die so genannte auditiv-verbale Methode entwickelt, bei der taube Kinder nicht mehr nur artikulieren und Lippenablesen lernen, sondern -sofern Hörreste vorhanden waren - auch das Hören trainieren sollten. Die Auseinandersetzung hat sich an den Sonderschulen jetzt verlagert auf die Polarität zwischen rein lautsprachlich orientiertem Monolingualismus und dem Bilingualismus, der neben dem Gebrauch der Gebärdensprache für die parallele Lehre und Verwendung der Lautsprache plädiert. Die aktuellen Ansätze zur schulischen Bildung tauber Kinder sind mittlerweile sehr differenziert geworden. Im deutschsprachigen Raum war bisher die Beschulung in einer Sonderschule für Gehörlose oder - bei größerem Resthörvermögen - einer Schule für Schwerhörige der Standard. Um das Jahr 2000 herum standen in Deutschland für schätzungsweise 10.000 bis 20.000 taube oder hochgradig schwerhörige Schüler etwa 60 Sonderschulen zur Verfügung. Das Rheinisch-Westfälisches Berufskolleg für Hörgeschädigte in Essen ist die größte Sonderschule für Schwerhörige und Gehörlose in Deutschland und führt Bildungsgänge bis zur Fachhochschulreife und zur Allgemeinen Hochschulreife. Die Schule wird von ca. 900 Schülerinnen und Schülern aus ganz Deutschland, zum Teil auch aus dem deutschsprachigen Ausland besucht.
Eine umfassende Liste von allgemeinbildenden und weiterführenden Sonderschulen ist in der Website [http://www.taubenschlag.de Taubenschlag, Abschnitt Lernen / Schule] enthalten. Wegen der geringen Klassenfrequenzen lokaler Schulen bestimmten vor allem die schwächeren Kinder das Niveau an den Sonderschulen. Dies führte zunächst zu einer Abwanderung von den Gehörlosenschulen zu den Schwerhörigenschulen. Inzwischen hat sich, ausgehend von den körperbehinderten Kindern der Gedanke der Integration auch auf das Feld der Hörgeschädigten übertragen, mit der Folge eines Trends zur Abwanderung an die Regelschule. Begünstigt wird diese Diversifizierung in Deutschland auch davon, dass letztlich die Eltern bestimmen können, welche Schule ihr Kind besucht, und diese das in ihren Augen gegebene Optimum zu wählen versuchen. Bei den Schulbehörden in Deutschland wird verschiedentlich auch der Regelschulbesuch mit dem Argument der „Integration“ offensiv gefördert, wobei im Hintergrund jedoch oft die Erwartung der Kostendämmung durch Einsparungen von Sonderschul-Pädagogen und separaten Schulen steht. Der „integrative“ Schulbesuch an einer Regelschule hat keine einheitliche Fassung, es gibt neben dem sonderpädagogisch völlig unbegleiteten Regelschulbesuch noch den sonderpädagogisch und /oder von einer Gebärdensprachdolmetscherin begleiteten Schulbesuch, sowie sehr vereinzelt auch das Konzept der „umgekehrten“ Integration, bei der in eine Sonderschule nicht behinderte Kinder aufgenommen werden. Je weniger sonderpädagogische oder sprachliche Unterstützung bei einem „integrativen“ Regelschulbesuch erfolgt, umso mehr ist der Erfolg dieses Schulbesuchs von besonders hoch entwickelten Fähigkeiten und Talenten des Kindes abhängig. Unberücksichtigt bleibt bei der Diskussion der integrativen Beschulung in der Regel die „Gefühlslage“ des Kindes, das im Klassenverband der anderen Kinder mehr oder weniger eine Sonderstellung einnimmt, die zusätzlich zum Unterrichtsstoff auch psychisch verarbeitet werden muss.

Freizeit-, Sport- und Kulturvereine

Hauptartikel: Gehörlosenkultur Da taube Personen durch ihre Kommunikationsbehinderung in der Gesellschaft häufig isoliert sind, werden soziale Kontakte gern innerhalb von Gehörlosenkreisen gepflegt. Die über Jahrhunderte hinweg gepflegte Gemeinschaft mit gleichartig Betroffenen führte zumindest im außerberuflichen, privaten Bereich zur Entwicklung einer eigenen Kultur. Zur speziellen Kultur der Gehörlosen gehört neben der Gebärdensprache beispielsweise, dass es in sämtlichen größeren Städten einen Verein und einen festen Treffpunkt, oft "Clubheim" genannt, gibt. Stark entwickelt ist zudem der Gehörlosensport. So werden weltweit die Deaflympics jeweils ein Jahr nach den Olympischen Spielen veranstaltet. Auch in den "schönen Künsten" haben sich eigene Strukturen gebildet, so z. B. mit dem Gehörlosentheater, Gebärdensprachchören und den Kulturtagen der Gehörlosen. Wichtiger Bestandteil der Gehörlosen-Kultur sind auch deren meist hörende Kinder, die der Gemeinschaft oft lebenslang verbunden bleiben und auch ihre eigenen Vereinigungen haben. Sie sind international unter dem Akronym CODAs - Children of Deaf Adults - bekannt. Gehörlose, die in der Gehörlosen- und Gebärdensprachgemeinschaft leben, lehnen medizinische und juristische Definitionen von Gehörlosigkeit ab, nach denen sie unvollständig, reparaturbedürftig und behindert sind. Nach ihrem Selbstverständnis handelt es sich bei der Gehörlosengemeinschaft um eine sprachliche und kulturelle Minderheit.

Interessenvertretungen

Als politische, soziale und kulturelle Interessenvertretung der Gehörlosen im deutschsprachigen Raum betrachten sich der Deutsche Gehörlosen-Bund, der Österreichische Gehörlosen Bund ([http://www.oeglb.at/ ÖGLB]), der Schweizerische Gehörlosenbund ([http://www.sgb-fss.ch/ SGB]) und der Weltverband der Gehörlosen [http://www.wfdeaf.org/ WFD]. Als politische und soziale - jedoch nicht kulturelle - Interessenvertretung im deutschsprachigen Raum für lautsprachlich kommunizierende Hörgeschädigte betrachten sich Lautsprachlich Kommunizierende Hörgeschädigte Deutschland ([http://www.lkhd.de/ LKHD e.V.]) und Lautsprachlich Kommunizierende Hörgeschädigte Schweiz ([http://www.lkh.ch/ LKH Schweiz])

Kommunikation mit Lautsprache

Hauptartikel: Hörgerät, Cochlea Implantat (CI) und Hirnstamm-Implantat (ABI) Zum Verstehen lautsprachlicher Informationen sind gehörlose Personen auf das Lippenlesen und auf technische Hilfsmittel angewiesen. Sowohl visuell von den Lippenstellungen wahrnehmbare Sprechtöne als auch die eventuell mit Hilfsmitteln gehörten Töne sind für sie nur bruchstückhaft wahrnehmbar. Die übermittelte Information muss daher teilweise "erraten" werden, wobei Hinweise aus dem Kontext der Umgebung und aus vorhergehenden Sätzen herangezogen werden. Bei größerem Umfang oder je nach Komplexität - z. B. in einem Vortrag - ist das sehr anstrengend bis gar unmöglich. Vielfach wird bei nicht direkt therapierbarer Taubheit als medizinische Maßnahme eine technische Hörhilfe verschrieben bzw. angewendet. Technische Hörhilfen sind das Hörgerät sowie die chirurgisch eingesetzten Cochlea- (CI) und Hirnstamm-Implantate (Auditory-Brainsteam Implant, ABI). Der Erfolg dieser technischen Hilfsmittel ist individuell sehr unterschiedlich. Bei hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit können die derzeit bekannten Hörhilfen nicht den Umfang und die Differenzierung von Tönen und Geräuschen vermitteln, wie sie ein Mensch mit normalem Hörvermögen hat. Das führt dazu, dass Hörhilfen allein zwar ein Hörerlebnis vermitteln, jedoch meist nicht ausreichen, um damit unmittelbar die Lautsprache zu verstehen. Dazu muss der Hörhilfen-Einsatz in der Regel von einem speziellen Training begleitet werden. Das taube Kind ist daher nicht nur auf technische Hilfsmittel, sondern auch auf eine spezielle Hör- und Sprecherziehung angewiesen, mit der - je nach Begabung und Übung - die Lautsprache erlernt werden kann. Für die eigene Sprech-Schulung ist die auditiven Rückkopplung oft nicht genügend nuanciert und die komplexe Kontrolle des Sprechapparates ist schwierig Dank besserer Förderungsmöglichkeiten gelingt es immer mehr Gehörlosen, die Lautsprache soweit zu beherrschen, dass ein dauerhafter sozialer Kontakt mit der Mehrheitsgesellschaft entsteht. Dazu gründen diese sog. „Lautsprachlich kommunizierenden Hörgeschädigten“ auch eigene Vereine mit vereinsinternen Aktivitäten.

Zitate


- Blindheit trennt von Dingen, Taubheit trennt von Menschen, (Helen Keller, ursprünglich Immanuel Kant zugeschrieben)

Siehe auch


- Deutscher Schwerhörigenbund
- Schwerhörigkeit
- Usher-Syndrom
- Taubblindheit
- Lautsprachlich kommunizierende Hörgeschädigte
- Deaf History
- Liste berühmter Gehörloser
- Spätertaubung
- Literaturliste in Geschichte der Gehörlosen/Teil I

Weblinks

Portale


- [http://www.taubenschlag.de Taubenschlag - Portal für Hörgeschädigte in Deutschland]
- [http://www.deafzone.ch Deafzone.ch - Kommunikationsplattform für Schweizer Hörgeschädigte]
- [http://www.igjad.de/ Interessengemeinschaft Gehörloser Jüdischer Abstammung in Deutschland e.V.]

Selbsthilfeorganisationen


- für visuell orientierte Hörgeschädigte: [http://www.gehoerlosen-bund.de DGB Deutschland] [http://www.oeglb.at ÖGLB Österreich] [http://www.sgb-fss.ch SGB Schweiz]
- für lautsprachlich kommunizierende Hörgeschädigte: [http://www.lkh.ch LKH Schweiz] [http://www.lkhd.de LKH Deutschland]

Weitere Links


- [http://www.sonos-info.ch Sonos - Fachhilfeorganisation in der Schweiz]
- [http://www.typolis.de/hear/ Was bedeutet Hörschädigung?]
- [http://www.kestner.de/elternhilfe/frameset05.html Hilfe für Eltern von gehörlosen Kindern (aus Sicht der Gebärdensprach-Befürworter)] Kategorie:Gehörlosigkeit Kategorie:Hörbehinderung Kategorie:Hals-Nasen-Ohrenheilkunde ja:ろう者

Taubblindheit

Von Taubblindheit spricht man, wenn sowohl das Hör- als auch das Sehvermögen soweit eingeschränkt sind, dass der Ausfall des einen Sinnes nicht mehr durch den anderen ausgeglichen werden kann. Zur zwischenmenschlichen Kommunikation bedienen sich Taubblinde u.a. des Lormens. Dies gilt für die Länder, in denen Lehrer verhinderten, dass Betroffene selbst ihre Kommunikationsform frei wählten, z.B. Deutschland. In fast allen Ländern der Welt wird von Taubblinden demgegenüber die "geführte Gebärde" eingesetzt, eine darauf angepasste Gebärdensprache, dass sie vom "Hörenden" an den Händen des "Sprechenden" abgefühlt wird. Bei geringer Sehfähigkeit können zum Lesen bestimmte Hilfsmittel (große Bildschirme, Leselupen) zum Einsatz kommen. Bei geringer Hörfähigkeit kann mit Hörhilfen gearbeitet werden. Eine geringe Zahl von taubblinden Kindern wird auch mit einem Cochleaimplantat versorgt, d.h. mit einer Hörprothese. Es gibt bis heute aber keine sicheren Erkenntnisse über den Nutzen dieser (operativen) Methode. Die historisch bekannteste taubblinde Person war mit ihrer gelungenen Schicksalsbewältigung Helen Keller. Sie war allerdings nicht von Geburt an taubblind, hatte somit ein Weltverständnis, das dem taubblind geborener Menschen nicht ähnlich ist. Grundsätzlich kann man unterscheiden zwischen:
- blind geboren und ertaubt vor Spracherwerb,
- blind geboren und ertaubt nach Spracherwerb,
- gehörlos geboren und erblindet im Kindesalter,
- gehörlos geboren und erblindet in hohem Alter,
- taubblind geboren. Es ist leicht vorstellbar, dass in den ersten beiden Situation blindenspezifische Hilfsmittel eine größere Rolle spielen, in den beiden dann genannten Situation eine Zugehörigkeit zur Gehörlosen(kultur)gemeinschaft möglich ist, in letztgenannter Situation ein davon völlig unterschiedliches (erheblich hilfsbedürftiges) Leben geführt wird.

Weblinks


- http://www.taubblinde.de/ - Fördergemeinschaft für Taubblinde
- http://www.taubblindenwerk.de/ - Taubblindenwerk Hannover
-


Psychische Behinderung

Als psychische Störungen werden erhebliche Abweichungen vom Erleben oder Verhalten psychisch gesunder Menschen bezeichnet. Das Denken, das Fühlen und das Verhalten können beeinträchtigt sein. Als weiteres Kriterium für eine Diagnose psychischer Störungen wird heute neben der Abweichung von der Norm häufig auch psychisches Leid auf Seiten der Betroffenen gefordert. Die Vertreter der Antipsychiatrie stellen das vorherrschende Verständnis von psychischen Krankheiten in Frage und verneinen teilweise sogar deren Existenz.

Begriffsabgrenzung

Zu den psychischen Störungen zählen alle körperlich nicht begründbaren psychischen Erkrankungen; jedoch auch solche, die als Folge von körperlichen Erkrankungen (z. B. Hirnhautentzündungen oder Hirnverletzungen) vorliegen und eine Bedeutung mit Eigenwert erlangt haben. Heute wird dieser Begriff jenem der "psychischen Krankheit" vorgezogen, um eine Stigmatisierung der Betroffenen zu erschweren: Störung ist neutraler und entzieht sich einer - in diesen Fällen regelhaft negativen - Bewertung mehr, als dies mit dem Begriff Krankheit möglich ist. Durch Kostenträger (Krankenkassen, Rentenversicherungen), die in ihrem Leistungskatalog den Krankheitsbegriff als elementare Voraussetzung eines Leistungsanspruches haben, wird die Bezeichnung "Krankheit" durch die Hintertüre allerdings wieder eingeführt, indem von Störung von Krankheitswert gesprochen wird. Gerade bei psychischen Störungen als Beeinträchtigungen vorübergehender Art mag diese Unterscheidung sinnvoll sein, um übermäßige und ungerechtfertigte Leistungsforderungen abzuwehren. Letztlich dient die Verwendung des Begriffs "Störung" somit dem Zweck, den Paradigmenwechsel in der Beurteilung psychischer Probleme aus ärztlicher/therapeutischer Sicht auch im Sprachgebrauch zu dokumentieren.

Klassifikation

Die Klassifikation psychischer Störungen ist länderspezifisch unterschiedlich und oft auch von der psychologischen oder medizinischen Schule abhängig. Es gibt zwei gängige Diagnose- und Klassifikationsschemata. Zum einen das weit verbreitete ICD-10. Zum anderen das besonders in der psychologischen Forschung gebräuchliche DSM 4. Diese Störungen sind zusammengefasst in der Liste psychischer Störungen.

Verbreitung

Psychische Störungen sind weit verbreitet. Nach einer Studie der WHO leidet weltweit jeder vierte Arztbesucher an einer solchen Störung. Deutsche Studien sprechen von ca. 8 Millionen Deutschen mit behandlungsbedürftigen psychischen Störungen. Die meisten Störungen würden jedoch nach einiger Zeit abklingen.

Behandlung

Der Begriff psychische Erkrankung ist oft angstbesetzt, u. a. aufgrund der Erfahrungen im Nationalsozialismus, wo diese Einordnung zu staatlich angeordnetem Mord führen konnte. Deshalb ist ein vorsichtiger Umgang mit diesem Begriff notwendig, im Bewusstsein, dass nach wie vor gilt: "Irren ist menschlich." Andererseits ist ohne das Erkennen von psychischen Erkrankungen - ohne dass damit eine Stigmatisierung Erkrankter verbunden ist - auch eine Heilung nur schwer möglich. Bei der Beurteilung psychischer Erkrankungen ist zu beachten, dass sie teilweise eine wichtige Schutz- und Signalfunktion haben, d.h., nicht verschwinden können, ohne dass "sich etwas ändert". Außerdem ergeben sich einige psychische Erkrankungen aus einem Wechselspiel zwischen dem Kranken und seiner Umwelt, so dass bei einer Behandlung die Umwelt des Kranken mit einbezogen werden sollte. Viele psychische Erkrankungen sind heutzutage gut behandelbar. Dabei können sich Psychotherapie und Psychopharmaka ergänzen. Allerdings ist es immer noch oft sehr schwer, eine gute ambulante oder stationäre Therapie zu finden. Mit der Ätiologie und den spezifischen Krankheitsbildern beschäftigen sich vor allem die Psychiatrie, die Psychoanalyse und die Tiefenpsychologie, aber auch ganzheitlich und systemisch orientierte Ansätze wie etwa die Gestalttheorie. Körperliche Ursachen werden auch in der Neurologie erforscht.

Zwangsbehandlung

Nur in seltenen Fällen ist es möglich, Menschen mit psychischen Störungen gegen ihren Willen oder gegen die eigene Einsicht als "psychisch krank" einzustufen, zu behandeln oder in geschlossenen Anstalten unterzubringen. Voraussetzung dafür ist in der Regel eine bestehende Selbst- oder Fremdgefährdung und eine (krankheitsbedingte) fehlende Einsicht des Patienten in die Behandlungsnotwendigkeit. Eine zwangsweise Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung erfolgt entweder als so genannte Maßregel der Besserung und Sicherung nach einer Straftat (Maßregelvollzug), als Unterbringung nach dem jeweiligen Unterbringungsgesetz (dies ist je nach Bundesland unterschiedlich gestaltet) oder nach Beschluss eines Vormundschaftsgerichts (in der Regel in Verbindung mit der Errichtung einer Betreuung).

Siehe auch

Liste bekannter Psychologen und Psychotherapeuten - Psychoanalyse - Psychiatrie - Antipsychiatrie - Forensische Psychiatrie - Psychologie - Psychologischer Psychotherapeut - Psychosomatik, Portal:Psychotherapie - Somatisch - Somatoforme Störung, Betreuungsrecht - Patientenverfügung, Zwangsbehandlung

Literatur


- Gregory Bateson et.al. (Hg.): Schizophrenie und Familie. Suhrkamp: Frankfurt am Main. 1984.
- Gaetano Benedetti: Todeslandschaften der Seele. Psychopathologie, Psychodynamik und Psychotherapie der Schizophrenie. Vandenhoeck und Ruprecht: Göttingen. 1991. (Anm.: als Einstieg empfehlenswert)
- Klaus Dörner, Ursula Plog, Christine Teller und Frank Wendt: Irren ist menschlich, Lehrbuch der Psychiatrie und Psychotherapie, Psychiatrie-Verlag (ISBN 3884143336).
- Umfassend zum psychoanalytischen Standpunkt: die Werke von Sigmund Freud und Jacques Lacan
- Gerhard Stemberger (Hg.): Psychische Störungen im Ich-Welt-Verhältnis. Gestalttheorie und psychotherapeutische Krankheitslehre. Krammer: Wien. 2002. (Anm.: Psychopathologie aus Sicht der Gestalttheorie)
- Arno Gruen: Der Verrat am Selbst. Die Angst vor Autonomie bei Mann und Frau.dtv. München. 1986

Weblinks


- [http://www.psychiatrie.de/diagnosen/ Eine allgemeinverständliche, vereinfachende Aufstellung psychischer Krankheiten]
- [http://www.webpsychiater.de Psychiatrie verständlich erklärt]
- [http://www.epsy.de/krankheiten.htm Kommentierte Links zu Diagnosesystemen, Übersichten und einzelnen Störungen]
- [http://www.aktiv-90.de/webkatalog-psychiatrie/ Webkatalog zur Psychiatrie mit Erfahrungsberichten Betroffener]
- [http://home.tiscali.de/alex.sk/D_Bateson.html Gregory Bateson: Auf dem Wege zu einer Schizophrenie-Theorie]
- [http://www.bapk.de/ Angehörige Psychisch Kranker (Bundesverband)]
- [http://www.psychiatriegespraech.de/stoer.php Psychiatriegespräch - Basisinformationen zu einzelnen psychischen Störungsbildern und Krankheiten] >> zum Portal:Psychotherapie ! Kategorie:Psychoanalyse

Lernbehinderung

Seit den 1960er Jahren, als die "Hilfsschulen" in "Sonderschulen" und später noch in Förderschulen, bzw. Förderzentren umbenannt wurden, existiert der Begriff der Lernbehinderung. In der ICD-10-Klassifikation ist die Lernbehinderung nicht gesondert aufgeführt. Sie gilt als unterdurchschnittliche Intelligenz mit einem IQ von 70 bis 89. Menschen mit einer Lernbehinderung haben Schwierigkeiten, sich auf kognitivem Weg Kenntnisse anzueignen und besuchen deshalb oft eine Schule für Lernbehinderte. Die Gruppe der ICD-10 [http://www.lumrix.de/icd.php?f=lumrix-get&r=resource%2Ff%2Ff81.xml&h=1&ss=flar F81] umfasst sowohl die Lese-Rechtschreib-Schwäche, die isolierte Rechtschreibschwäche, die Rechenschwäche (Dyskalkulie), den Leserückstand als auch die Lernstörung ohne nähere Angabe. Diese Störung hat den Code ICD-10 [http://www.lumrix.de/icd.php?f=lumrix-get&r=resource%2Ff%2Ff81.xml&h=1&ss=flar F81.9]. Seitdem gab es einige Versuche, den Begriff zu definieren. Die eingängigste und damals plausibelste Definition liefert wohl Kanter mit der These, dass eine Lernbehinderung ein "langandauerndes, schwerwiegendes und umfängliches Schulleistungsversagen" bedeutet, das in der Regel mit einer Beeinträchtigung der Intelligenz einhergeht. Für den Deutschen Bildungsrat (1973) kommen für die Lernbehindertenschule solche Schülerinnen und Schüler in Frage, bei denen
- langandauerndes und umfassendes Schulleistungsversagen und
- Minderbegabung vorliegt, und die deswegen in der Grundschule und in der Hauptschule nicht ausreichend individuell gefördert werden können. Unter Schülerinnen und Schüler mit Minderbegabung ordnete der Deutsche Bildungsrat solche mit einem IQ zwischen 55 und 85 ein. Der IQ wird dabei mit einem standardisiertem Intelligenztest, zum Beispiel dem HAWIK ermittelt. Andere Autoren nennen ähnliche Kriterien, jedoch mit leichten Verschiebungen innerhalb des IQ-Bereiches, so etwa Wegener (1969), der "leichtere Grade der Begabungsminderung" in einem Bereich von IQ 70 bis 89 verortet. Lernbehinderung wird auch als geringe Intelligenz (Grenzdebilität) bezeichnet. Allen Definitionsversuchen gemein ist, dass der Begriff der "Lernbehinderung" nur im schulischen Kontext gesehen wird, so dass lediglich ein kleiner Ausschnitt des menschlichen Lernens darin widergespiegelt wird. Schröder (1996) schlägt vor, die Fachterminologie der Lernbehindertenpädagogik auf vier Begriffe zu begrenzen:
- Lernschwierigkeiten treten auf, wenn schulische Leistungen (gleich in welcher Schulart) unterhalb tolerierbarer Abweichungen von Bezugsnormen liegen.
- Lernbeeinträchtigungen "sind deren spezielle Formen, wenn es um Lernanforderungen der Grund- und Hauptschule [...] geht". Im Unterschied zu den Lernschwierigkeiten geht es hierbei also um Probleme bei den von der Gesellschaft definierten Mindestanforderungen.
- Lernstörungen als die 'geringere' Form der Lernbehinderung, bezogen auf die drei Dimensionen Schwere, Umfang und Dauer.
- Lernbehinderung (und zwar wieder nur im Sinne der Schule für Lernbehinderte) als schwerwiegende, umfängliche und dauerhafte Lernbeeinträchtigung. Neuere Definitionen von Lernbehinderung versuchen von monokausalen Erklärungsansätzen abzurücken. Viel zu starr wurden in der Vergangenheit Schülerinnen und Schüler nach IQ-Werten 'einsortiert'. Von Baier (1982) stammt dabei das Zitat: "Es gibt kein eindeutiges Merkmal, das Lernbehinderung als eine in sich geschlossene Gruppe von Nicht-Lernbehinderten unterscheiden läßt. Abgrenzungsprobleme bestehen nicht nur gegenüber Schülern mit Lernschwierigkeiten [...] oder mit Lernstörungen [...], sondern auch zu anderen Behindertengruppen wie zum Beispiel den Verhaltensgestörten und in Einzelfällen auch zu den Geistigbehinderten." Der multikausale Ansatz rückt dabei bei Baier in den Mittelpunkt, wenn er Lernbehinderung definiert als "multifaktoriell bedingte biosoziale Interaktions- und Kumulationsprodukte", die sich im schulischen Kontext negativ niederschlagen. Siehe auch:
- Lernstörung, Legasthenie, Dyskalkulie
- Praktisch bildbar
- Netzwerk People First

Weblinks


- [http://www.ag-lernen.de www.ag-lernen.de] - Arbeitsgruppe Lernen
- [http://www.people1.de www.people1.de] - Netzwerk People First Deutschland e.V. Kategorie:Sonderpädagogik Kategorie:Pädagogische Psychologie Kategorie:Psychische Störung ja:学習障害 simple:Learning difficulties

Entwicklungsbeeinträchtigung

Mit Entwicklungsbeeinträchtigung ist gemeint, dass die Entwicklungsfähigkeit und die Entwicklungsmöglichkeiten eines Menschen aus bestimmten Gründen beeinträchtigt sind. Die Gründe können im somatischen oder im psychischen Bereich liegen. Sie können aber auch im sozialen Bereich liegen, beim betroffenen Menschen oder bei seiner Umwelt. Hier schließt dieser Begriff grundsätzlich an die Begriffe der (beeinträchtigten) Aktivität und Partizipation von Menschen an, wie diese in der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert sind (vgl. ICF 2004: 94ff.).
In Abgrenzung zu den Begriffen „Behinderte/r“ oder „Mensch mit Behinderung“ steht der Begriff „Mensch mit Entwicklungsbeeinträchtigung“ für das Anliegen an eine ganzheitliche Sicht des Menschen und seiner Entwicklung. Hinter diesem Begriff steht die Ansicht und das Wissen, dass sich jeder Mensch ein Leben lang entwickelt, in verschiedenen körperlichen, geistig-seelischen und sozialen Prozessen. Diese lebenslange Entwicklung ist allen Menschen gemeinsam, sie kann nicht aufgehalten werden, unabhängig davon, ob jemand z.B. eine körperliche Schädigung hat oder in seiner Wahrnehmung beeinträchtigt ist. Wichtig bei einer Entwicklung ist, dass diese immer in der Interaktion eines Menschen mit sich selber und der Umwelt stattfindet.
Entsprechend dem Begriff Entwicklungsbeeinträchtigung beschreibt der Begriff „schwere oder schwerere Entwicklungsbeeinträchtigung“ den Umstand, dass die Entwicklungsfähigkeit oder -möglichkeiten eines Menschen schwer beeinträchtigt sind. Dies kann als Ursache haben, dass mehrere zentrale Entwicklungsdimensionen (z.B. der Bewegungsapparat, die Kognition, die Wahrnehmung oder die Sprache) wegen spezifischer Schädigungen beeinträchtigt sind und dass dementsprechend das Entwicklungspotenzial eines Menschen erheblich gemindert wird. Es ist möglich, dass ein Mensch wegen spezifischen Behinderungen und den daraus folgenden Partizipationseinschränkungen zusätzlich in seiner Entwicklung beeinträchtigt wird. Es ist unbestritten, dass schwere Entwicklungsbeeinträchtigungen einen erheblichen Hilfebedarf verursachen (vgl. Oberholzer 2005: 48f.).

Literatur


- Daniel Oberholzer: Entwicklungsbeeinträchtigungen. In: Wörter – Begriffe – Bedeutungen. Ein Glossar zur Sozialen Arbeit der Fachhochschule Aargau Nordwestschweiz. Truniger, Luzia et al. (Hrsg.), Brugg 2005, 48-49.

Weblinks


- [http://files.fh-aargau.ch/files/SozialeArbeit_Allgemein/icf_dimdi_final_draft_1.pdf ICF (2004) Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit] Kategorie:Pädagogik Kategorie:Soziologie

Geburt

Die Geburt eines Kindes (von der Mutter her gesehen: die Entbindung oder die Niederkunft) ist der Prozess am Ende der Schwangerschaft, durch den ein Fötus die Gebärmutter der Mutter verlässt.

Verschiedene Sichtweisen der Geburt

Die Geburt stellt für die noch Schwangere und ggf. weitere Beteiligte, z. B. den Vater, ein sehr emotionales Erlebnis dar. Die Geburt ist meist mit großen Schmerzen, aber auch mit großen Freuden verbunden. Sie wird in der Regel um so positiver empfunden, je vertrauter die Atmosphäre aus der Sicht der Gebärenden ist. Geburten finden im europäischen Kulturkreis in der Regel im Kreißsaal eines Krankenhauses unter der Verantwortung einer Hebamme statt. Mehr und mehr Schwangere (allerdings nur ca. 2%) entscheiden sich allerdings auch für eine Hausgeburt, bei der auch eine Hebamme die Verantwortung übernimmt. Gelegentlich kommen Kinder im Wasser zur Welt. Wassergeburten gelten als besonders schonend, weil Babys nach 9 Monaten im Fruchtwasser mit dem nassen Element vertraut sind, und weil sich die Mutter im warmen Wasser besser entspannen kann, was die Geburt schneller und leichter macht. Wichtigstes Ziel des die Geburt begleitenden Personals ist es, Schaden von Kind und Mutter abzuwenden. Was das genau heißt, ist allerdings umstritten. Die generelle Herangehensweise und Atmosphäre bei einer Geburt ist je nach Ort, Umfeld und Anspruch sehr verschieden. Dabei konkurrieren zwei grundlegende Sichtweisen des Ereignisses miteinander, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen:
- Auf der einen Seite wird die Geburt vor allem als medizinisches Ereignis gesehen, das eine Reihe von Risiken mit sich bringt. Ziel des die Geburt begleitenden Personals ist es dabei vor allem, Kind und Mutter vor möglichst vielen Risiken und vor allem vor bleibenden Schäden zu schützen. Andere Belange haben sich diesen Zielen in jedem Fall unterzuordnen.
- Auf der anderen Seite wird die Geburt als normaler körperlicher Vorgang gesehen, der in den meisten Fällen ohne Komplikationen abläuft. Daher sind auch nur wenige präventive medizinische Eingriffe wie Betäubungsmittel oder Dammschnitt erforderlich. Es wird eher auf sanfte Methoden der Unterstützung gesetzt. Risiken werden dabei nach ihrer Wahrscheinlichkeit beurteilt und ebenfalls sehr wichtig genommen. Wie die Geburt gesehen wird und wie sie dann abläuft, hängt am meisten vom Einzelfall ab; deutliche Unterschiede sind aber auch abhängig vom jeweiligen Krankenhaus, den behandelnden Ärzten und den Hebammen. Bei Hausgeburten liegt die Betonung deutlich auf der zweiten Variante.

Ablauf der Geburt

Der Ablauf jeder Geburt ist verschieden, da es sich um eine biologische Funktion des Menschen handelt, die nicht in jeder Einzelheit geplant oder gesteuert werden kann. Insofern sind Aussagen über die Normalität von Vorgängen während der Geburt so zu verstehen, dass normal der Durchschnittswert ist und Abweichungen die Regel sind. center Die normale Geburt (auch Spontangeburt) des Menschen beginnt mit der Eröffnungsphase, dem ersten Stadium der Wehen: Zuerst erfolgen alle 10-30 Minuten Kontraktionen der Gebärmutter mit einer Dauer von ca. 40 Sekunden. In dieser Phase platzt meist auch die Fruchtblase. Die Frequenz der Kontraktionen erhöht sich auf bis zu eine pro zwei Minuten. Jede Kontraktion der Gebärmutter drückt den Kopf des Kindes gegen den Gebärmutterhals und weitet ihn dadurch, bis er einen Durchmesser von etwa 10cm erreicht. In der Übergangsphase werden die Wehen schneller und intensiver, der Kopf des Kindes gelangt durch das Becken der Mutter. Hierzu muss das Kind eine 90°-Drehung machen. Dieser Abschnitt der Geburt wird oft als der anstrengenste empfunden. Im dritten Stadium der Geburt, der Austreibungsphase, ändert sich der Charakter der Wehen erneut. Sie werden zu Presswehen. Das Baby wird aus der Gebärmutter durch den Geburtskanal durch Kontraktionen der Gebärmutter und durch kräftige Unterleibskontraktionen ausgestoßen. Es wird normalerweise in Kopflage geboren (s. auch Beckenendlage). Beim Austritt des Kopfs aus dem Geburtskanal kann es zum Dammriss kommen. Dabei reißt ein Teil des zwischen Scheide und Anus befindlichen Damms ein. Dem Dammriss wird häufig durch einen Dammschnitt vorgebeugt. Dieser Eingriff ist allerdings sehr umstritten. Fest steht, dass zu häufig geschnitten wird und ein Riss meistens leichter verheilt und weniger Muskelschichten beschädigt als ein Schnitt. Größter Vorteil eines Schnittes ist der schnelle Abschluss der Geburt, da das Kind nicht mehr gegen den Druck des Damms gepresst werden muss. Der Kindsdruck kann durch Kristellerhilfe verstärkt werden; hierbei wird von außen während der Wehe kräftig auf die Gebärmutter gedrückt, allerdings ist auch dieser Eingriff sehr umstritten, da er ein großes Verletzungsrisiko der inneren Organe der Mutter mit sich bringt, insbesondere durch die häufig falsche Anwendung. Nach der Geburt wird das Neugeborene normalerweise sofort auf die Brust der Mutter gelegt und die Nabelschnur durchtrennt. Jetzt sollte das erste Anlegen an der Brust der Mutter erfolgen. In seltenen Fällen kann eine Glückshaube entstehen. Das letzte Stadium (Nachgeburtsphase) der Wehen tritt etwa eine viertel bis halbe Stunde nach der Geburt ein; jetzt wird die Plazenta (Nachgeburt) ausgestoßen. Die Dauer der Wehen ist sehr unterschiedlich, man rechnet durchschnittlich 13 Stunden für Erstgebärende, (lat. primiparae) und 8 Stunden für Frauen, die bereits ein Kind geboren haben. Die Zeiten, die für eine Geburt als normal angesehen werden, wurden innerhalb der letzten knapp 50 Jahre allerdings halbiert. Die Chronobiologie beobachtet, dass der Höhepunkt der Geburtenrate um etwa drei Uhr morgens liegt.

Medizinische Aspekte

Chronobiologie Die medizinische Disziplin, die sich mit der Geburt befasst, ist die Geburtshilfe, eine Unterdisziplin der Frauenheilkunde; ein Arzt, der sich auf Geburten spezialisiert, ist ein Geburtshelfer. Eine Hebamme ist in besonderer Weise ausgebildet, um nichtärztliche Geburtshilfe zu leisten. Wegen der durch den aufrechten Gang erzwungenen Form des menschlichen Beckens ist die menschliche Geburt schmerzlicher als die anderer Säugetiere. Eine Vielzahl von Betäubungsmitteln wird angewendet, um den Wehenschmerz zu lindern. Viele Gebärende verzichten darauf jedoch auch bewusst, weil durch die Betäubung auch die Wehen selbst schwächer werden können, was die Geburt hinauszögern kann. Ein weiterer Nachteil von Schmerzmitteln ist, dass sie die die Ausschüttung der körpereigenen Hormone zur Schmerzbewältigung unterdrücken bzw. verzögern. Außerdem sind Schmerzmittel, wie alle Medikamente nie frei von Nebenwirkungen und gelangen immer in den Kreislauf des Kindes, auch wenn dies gerne verschwiegen wird. Gelegentlich auftretende Komplikationen während der Geburt können Eingriffe wie einen Kaiserschnitt oder die Verwendung einer Geburtszange oder Saugglocke (vaginale Operation) erfordern. In der Vergangenheit starb eine große Anzahl Frauen während oder nach der Geburt im Wochenbett, oft aufgrund von Wundinfektionen in Folge mangelnder Hygiene (siehe Kindbettfieber) und schlechter Ernährung. Auch heute noch sterben in Entwicklungsländern ca. eine halbe Million Frauen jährlich an Geburtskomplikationen, die größte Gruppe, ca. 25%, an Blutverlust nach der Geburt, sowie Infektionen und durch mangelnde Überwachung. Die Müttersterblichkeit erreicht in Entwicklungsländern die 1%- Schwelle, die Kindersterblichkeit - um die Geburt - liegt oft höher als 5%. Zur Verbesserung der Geburtsüberwachung hat sich in den Ländern der dritten Welt, die auf einen Großteil der apparativen Ausstattung mit elektrischen/elektronischen Geräten verzichten müssen, das von der WHO empfohlene Partogramm erwiesen. Es dient dazu zu erkennen, wann welche medizinischen Maßnahmen eingeleitet werden müssen, um Schaden von Mutter und Kind fernzuhalten (z. B. Infusion, Sauerstoff, Katheterisierung, Vacuum, Zange, Kaiserschnitt).

Die soziokulturelle Geburt in der Soziologie

In der Soziologie wird mit René König und Dieter Claessens von der "zweiten, soziokulturellen Geburt" des Menschen gesprochen, auch als Übergang von der "Humanisation" zur "Sozialisation" bezeichnet. Während der Humanisation ist das Neugeborene etwa ein Jahr lang auf die zugleich anthropologisch (auch: biosoziologisch) und sozial geprägte Dyade zwischen Säugling und "Dauerpflegeperson" angewiesen, um das spezielle "Urvertrauen" zu gewinnen, mit dem es später sozial lernen kann (der Sozialisation fähig wird). In der Zoologie wird die Humanisation als das "extra-uterine Frühjahr" bezeichnet (Portmann; uterus (lat.) = die Gebärmutter). Siehe auch: Sturzgeburt, Säugling, Geburtenkontrolle, Geburtstrauma, Säuglingssterblichkeit, PDA, CTG, APGAR, Frühgeburt, Übertragung (Geburt), Mangelgeborenes, Totgeburt, Risikogeburt, Sarggeburt

Weblinks


- [http://www.who.int/mediacentre/news/releases/2004/pr65/en/ WHO: Geburtskomplikationen]
- [http://www.eltern-treff.de Informationsportal zum Thema Schwangerschaft und Geburt mit der Möglichkeit zum Austausch mit anderen Eltern und denen, die es werden]
- [http://birthdiaries.com/diary/63vbirth.htm Echte Geburt mit echten Bildern (Vorsicht man sieht alles)]
- [http://www.pikolino.de www.pikolino.de - Treffpunkt für werdende Eltern und junge Familien] Kategorie:Geburtshilfe ja:出産

Unfall

Ein Unfall liegt vor, wenn ein plötzlich von außen unfreiwillig auf einen Gegenstand oder ein Lebewesen einwirkendes Ereignis einen Schaden an Leben, Leib oder Sache hervorruft. (Siehe auch:Schaden (Recht)) Sinnvolle Einteilungen ergeben sich aus dem Umfeld, in dem der Unfall eintritt (Haushaltsunfall, Verkehrsunfall, Arbeitsunfall, Sportunfall), aus der Art des Ereignisses selbst (Sturz, Zusammenstoß, Verbrennung), und aus der Art des Verschuldens (Eigenverschulden, Fremdverschulden, höhere Gewalt). Für Versicherungszwecke wird der Begriff meist enger definiert. (Siehe auch: Unfallversicherung)

Siehe auch


- Portal:Alltagskultur
- Erste Hilfe
- Katastrophen der Luftfahrt
- Katastrophen der Raumfahrt
- Katastrophen der Seefahrt
- Katastrophen der Binnenschifffahrt
- Katastrophen im Schienenverkehr
- Katastrophen im Straßenverkehr
- Katastrophen in Industrie und Kraftwerken
- Katastrophen der Chemie
- Nuklearunfälle
- Brückeneinstürze, siehe Brücke (muß noch ausgebaut werden)
- Einstürze von Sendetürmen und Sendemasten, siehe unter Sendeturm Kategorie:Transport & Verkehr Kategorie:Ereignis ja:事故 simple:Accident

Gewalt

Gewalt (eine Bildung des althochdeutschen Verbes walten, bzw. waltan – stark sein, beherrschen) bezeichnet von seiner etymologischen Wurzel her das 'Verfügenkönnen über innerweltliches Sein'. Der Begriff hebt ursprünglich also rein auf das Vermögen zur Durchführung einer Handlung ab und beinhaltet kein Urteil über deren Rechtmäßigkeit. Im heutigen Sprachgebrauch wird "Gewalt" dagegen stark wertend verwendet. Eine allgemein akzeptierte Definition des Begriffs gibt es nicht, da seine Verwendung in Abhängigkeit von dem spezifischen Erkenntnissinteresse stark variiert. Dieses Fehlen einer belastbaren Definition verursacht insbesondere Probleme bei der statistischen Erfassung von Gewaltdelikten. Assoziierte Termini sind heute vor allem Aggression, Machtmissbrauch, Körperkraft oder Zwang. Gewalt ist in diesem Sinne definiert als Einwirkung auf einen anderen, der dadurch geschädigt wird. Als Gewaltformen werden psychische oder physische, personale oder strukturelle, statische oder dynamische sowie direkte oder indirekte unterschieden. Ein enger, auch als "materialistisch" bezeichneter Gewaltbegriff beschränkt sich auf die zielgerichtete, direkte physische Schädigung einer Person, der weiter gefasste Gewaltbegriff bezeichnet zusätzlich die psychische bzw. verbale Gewalt, teilweise auch den Vandalismus und in seinem weitesten Sinn die "strukturelle Gewalt". Wesentliche Anwendung findet der Begriff "Gewalt" in der Staatsphilosophie, der Soziologie und der Rechtstheorie.

Politik

Im Sinne der Rechtsphilosophie ist Gewalt gleichbedeutend mit Macht (englisch power, lateinisch potentia) oder Herrschaft (lateinisch potestas). Während Staatsgewalt einst als Ausdruck legitimer Machtausübung als gleichsam sakrosankt anerkannt wurde, entstanden mit zunehmender gesellschaftlicher Ausdifferenzierung Forderungen nach Verrechtlichung, prozeduraler Einhegung und demokratischer Legitimierung von Gewalt ("Gewaltenteilung", "Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus"). Man unterscheidet im demokratischen Rechtsstaat die gesetzgebende Gewalt, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung. Das Gewaltmonopol des Staates regelt und begrenzt die Ausübung physischen Zwanges gegenüber Staatsbürgern. Die Staatsphilosophie beschäftigt sich somit mit Ausübung von Gewalt im innerstaatlichen Verhältnis und im Verhältnis zwischen Staaten (im Inneren, s. z.B. Widerstandsrecht, im Äußeren "Theorie des gerechten Krieges"). Ein wesentliches Ziel ist es, Gewalt einzuhegen und an Legitimationsprozesse zu binden (z.B. Polizei- und Kriegsrecht).

Recht

Zivilrecht und Strafrecht basieren auf dem allgemeinen