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Bekennende Kirche

Bekennende Kirche

Die Bekennende Kirche war eine Gruppe innerhalb der evangelischen Kirche Deutschlands, die sich in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur gegen die Gleichschaltung und Beeinflussung der Kirche durch den Nationalsozialismus wandte. Als Reaktion auf die Entfernung von sogenannten Nichtariern aus Kirchenämtern nach der Machtergreifung gründete Martin Niemöller im September 1933 den Pfarrernotbund, der zum Protest gegen diese Maßnahmen aufrief und Hilfe für die Betroffenen organisierte. Der Pfarrernotbund und andere Gruppen bildeten die Vorläufer der Bekennenden Kirche, die auf der ersten Barmer Bekenntnissynode vom 29. bis zum 31. Mai 1934 gegründet wurde. Auf dieser Synode wurde die "Barmer Theologische Erklärung" verabschiedet, die das theologische Fundament der Bekennenden Kirche bildete. Die theologische Rechtfertigung war der in der evangelisch-lutherischen Kirche fest geschriebene Bekenntnisstand oder Bekenntnisnotstand (status confessionis), der gegeben ist, wenn die Kirchenoberen sich vom lutherischen Bekenntnis - festgehalten im Augsburger Bekenntnis - entfernen. Das sah der Pfarrernotbund gegeben in der so genannten Schöpfungstheologie der Deutschen Christen, die Schöpfungsordnungen wie z.B. das Volk neben der Bibel anerkannten. Die bekanntesten Bekenntnistheologen waren Dietrich Bonhoeffer, Martin Niemöller und Karl Barth. Weitere Angehörige der Bekennenden Kirche:
- Heinrich Albertz
- Otto Dibelius
- Hermann Ehlers
- Hans Ehrenberg
- Ernst Theodor Eichelbaum
- Birger Forell
- Kurt Gerstein
- Eugen Gerstenmaier
- Helmut Gollwitzer
- Oskar Hammelsbeck
- Gustav Heinemann
- Franz Hildebrandt
- Julius von Jan
- Friedrich Kraft
- Karl Mensing
- Albrecht Oepke
- Emil Phillip
- Gerhard Ritter
- Paul Schneider
- Karl Steinbauer

Literatur

Das Standardwerk zur Geschichte der Bekennenden Kirche ist:
- Klaus Scholder: Die Kirchen und das Dritte Reich. Bd. 1: Vorgeschichte und Zeit der Illusionen, 1918 - 1934. Berlin 1977.
- Klaus Scholder: Die Kirchen und das Dritte Reich. Bd. 2: Das Jahr der Ernüchterung 1934. Berlin 1985.
- Gerhard Besier: Die Kirchen und das Dritte Reich. Bd. 3: Spaltungen und Abwehrkämpfe 1934 - 1937 Berlin 2001.

Siehe auch

Reichskirche, Deutsche Christen, Kirchenkampf

Weblinks


- [http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/innenpolitik/bekennende/ Die Bekennende Kirche] (Deutsches Historisches Museum)
- [http://www.ekd.de/bekenntnisse/117_142.html Die Barmer theologische Erklärung im Volltext] !

Evangelische Kirche in Deutschland

Die Evangelische Kirche in Deutschland (kurz EKD) ist eine Gemeinschaft von 23 selbständigen lutherischen, reformierten und unierten Landeskirchen mit Sitz in Hannover.

Bedeutung

Hannover Die EKD wurde 1945 gegründet und erhielt 1948 ihre Grundordnung. Die 23 Gliedkirchen haben mit der EKD ihre übergreifende institutionelle Gestalt gefunden. Das evangelische Kirchenwesen ist auf allen Ebenen föderal aufgebaut. Die EKD nimmt die ihr übertragenen Gemeinschaftsaufgaben wahr. Die demokratisch verfassten und gewählten Leitungsgremien der EKD sind Synode, Rat und Kirchenkonferenz. Sie tragen die Verantwortung für die Wahrnehmung der Aufgaben der EKD, die in der kirchlichen Verfassung, der Grundordnung der EKD, festgehalten sind. Die Geschäfte von Synode, Rat und Kirchenkonferenz nimmt das Kirchenamt der EKD wahr. Die EKD unterhält als Ansprechpartner gegenüber staatlichen Stellen das Amt eines Bevollmächtigten des Rates der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Gemeinschaft.

Geschichte

Bereits zwischen 1852 und 1903 gab es unter den obersten Kirchenbehörden Deutschlands regelmäßige Zusammenkünfte in der so genannten Eisenacher Konferenz. Eine feste Institution wurde hieraus jedoch zunächst nicht. 1922 kam es zur Gründung des Deutschen Evangelischen Kirchenbundes, dem die 28 damals bestehenden Landeskirchen des Deutschen Reiches angehörten. 1933 gründeten die Nationalsoziallisten die Deutsche Evangelische Kirche (DEK), mit dem Ziel, eine einheitliche evangelische "Reichskirche" zu schaffen. Dieser Wunsch konnte jedoch dank zahlreichen Widerständen einzelner Landeskirchen nicht verwirklicht werden. Es entstand als Gegenpol zur DEK unter Pfarrer Martin Niemöller die so genannte Bekennende Kirche, der sich viele Landeskirchen anschlossen. Einer ihrer bekanntesten Vertreter war Dietrich Bonhoeffer. Nach Ende des 2. Weltkriegs unternahmen auch die führenden Geistlichen der Evangelischen Landeskirchen einen neuen Versuch, den unterschiedlichen Kirchen ein gemeinsames Dach zu geben. So entstand 1945 auf einer in Treysa (heute Schwalmstadt) in Hessen stattfindenden Kirchentagung die Evangelische Kirche in Deutschland EKD. Sie gab sich am 13. Juli 1948 in Eisenach eine Grundordnung. Trotz der Teilung Deutschlands blieb die EKD zunächst als Zusammenschluss der evangelischen Landeskirchen beider deutschen Staaten bestehen. Spätestens seit dem Mauerbau 1961 führte dies zu großen organisatorischen Problemen, so dass die EKD ihre gemeinsamen Aufgaben in beiden deutschen Staaten nicht mehr aufrecht erhalten konnte. Auch die Probleme der alltäglichen kirchlichen Tätigkeit unterschieden sich zunehmend. So wurde 1969 der Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR als Zusammenschluss der acht Landeskirchen auf dem Gebiet der DDR gegründet. Nach der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten 1990/91 vereinigte sich der Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR wieder mit der EKD. Siehe auch: Christen und Kirche in der DDR

Rat der EKD

Der Rat der EKD ist das Leitungsgremium der Evangelischen Kirche in Deutschland. Er besteht aus 15 Mitgliedern: neben dem Präses der Synode werden von der Synode und der Kirchenkonferenz gemeinsam 14 weitere gewählt. Aus seiner Mitte wählt er einen Vorsitzenden. Seine Amtszeit beträgt sechs Jahre.

Ratsvorsitzende der EKD

Höchster Repräsentant der EKD ist der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschlands, kurz Ratsvorsitzender der EKD. Dem Bund Evangelischer Kirchen in der DDR stand ein leitender Bischof vor. Amtsinhaber seit 1945
- 1945 - 1948: D. Theophil Wurm, Württemberg
- 1948 - 1961: Otto Dibelius, Berlin-Brandenburg
- 1961 - 1967: Kurt Scharf, Berlin-Brandenburg
- 1967 - 1973: Hermann Dietzfelbinger, Bayern
- 1973 - 1979: Helmut Claß, Württemberg
- 1979 - 1985: Dr. Eduard Lohse, Hannover
- 1985 - 1997: Klaus Engelhardt, Baden
- 1997 - 2003: Manfred Kock, Rheinland
- 2003 - heute: Wolfgang Huber, Berlin-Brandenburg Vorsitzende des Kirchenbundes der DDR
- 1969 - 1981: Dr. Albrecht Schönherr, Berlin-Brandenburg
- 1981 - 1982: Dr. Werner Krusche, Kirchenprovinz Sachsen
- 1982 - 1986: Dr. Johannes Hempel, Sachsen
- 1986 - 1990: Dr. Werner Leich, Thüringen
- 1990 - 1991: Dr. Christoph Demke, Kirchenprovinz Sachsen

Die 23 Gliedkirchen der EKD

Kirchenprovinz Die Grenzen der 23 Gliedkirchen der EKD beruhen im Wesentlichen auf den politischen Grenzen von 1815. Obwohl als Landeskirchen bezeichnet fallen ihre Grenzen regelmäßig nicht mit den Grenzen der heutigen deutschen Länder zusammen. Im folgenden wird daher eine - ungefähre - Zuordnung im Sinne eine ersten Überblickes vorgenommen:
- Evangelische Landeskirche Anhalts - im mittleren Sachsen-Anhalt
- Evangelische Landeskirche in Baden - im westlichen Baden-Württemberg
- Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern - in Bayern
- Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz - in Berlin, Brandenburg, im südöstlichen Mecklenburg-Vorpommern, im nordwestlichen Sachsen
- zum 1. Januar 2004 entstanden aus
  - Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg
  - Evangelische Kirche der schlesischen Oberlausitz
- Evangelisch-Lutherische Landeskirche in Braunschweig - im südöstlichen Niedersachsen
- Bremische Evangelische Kirche - in Bremen
- Evangelisch-Lutherische Landeskirche Hannovers - in weiten Teilen Niedersachsens, Bremerhaven
- Evangelische Kirche in Hessen und Nassau - im mittleren und südlichen Hessen und östlichen Rheinland-Pfalz
- 1934 bzw. 1945/46 entstanden aus
  - Evangelische Landeskirche in Hessen
  - Evangelische Landeskirche in Nassau
  - Evangelische Landeskirche Frankfurt am Main
- Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck - im nördlichen Hessen, Exklave im südlichen Thüringen
- 1934 entstanden aus
  - Evangelische Landeskirche in Hessen-Kassel
  - Evangelische Landeskirche in Waldeck
- Lippische Landeskirche - im nordöstlichen Nordrhein-Westfalen
- Evangelisch-Lutherische Landeskirche Mecklenburgs - im westlichen Mecklenburg-Vorpommern
- Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche - in Hamburg und Schleswig-Holstein
- 1977 entstanden aus
  - Evangelisch-Lutherische Kirche im Hamburgischen Staate
  - Evangelisch-Lutherische Kirche in Lübeck
  - Evangelisch-Lutherische Landeskirche Schleswig-Holstein
  - Evangelisch-Lutherische Landeskirche Eutin
  - Kirchenkreis Harburg der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers
- Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg - im nordwestlichen Niedersachsen
- Evangelische Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche) - im südlichen Rheinland-Pfalz und östlichen Saarland
- Pommersche Evangelische Kirche - im nordöstlichen Mecklenburg-Vorpommern
- Evangelisch-reformierte Kirche - Synode evangelisch-reformierter Kirchen in Bayern und Nordwestdeutschland
- Evangelische Kirche im Rheinland - im westlichen Nordrhein-Westfalen, westlichen Rheinland-Pfalz und westlichen Saarland, Exklave im westlichen Hessen
- Evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen - in weiten Teilens Sachsen-Anhalt und im nördlichen Thüringen
- Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens - in weiten Teilen Sachsens
- Evangelisch-Lutherische Landeskirche Schaumburg-Lippe - im mittleren Niedersachsen
- Evangelisch-Lutherische Kirche in Thüringen - im mittleren und südlichen Thüringen
- Evangelische Kirche von Westfalen - im östlichen Nordrhein-Westfalen
- Evangelische Landeskirche in Württemberg - im östlichen Baden-Württemberg Der EKD angeschlossen:
- Bund Evangelisch-reformierter Kirchen Deutschlands
- Herrnhuter Brüdergemeine Bis 2003 war auch die Evangelische Kirche der Union Mitglied in der EKD. Diese ging jedoch in der Union Evangelischer Kirchen auf.

Selbstständige Zusammenschlüsse von Mitgliedskirchen der EKD


- Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD)
- Union Evangelischer Kirchen (UEK)
- Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen
- Föderation Evangelischer Kirchen in Mitteldeutschland (EKM)

Werke, Institute und Arbeitsbereiche der EKD


- Diakonisches Werk (DW)
- Evangelischer Entwicklungsdienst (EED)
- Evangelisches Missionswerk in Deutschland e.V. (EMW)
- Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik gGmbH (GEP)
- Evangelisches Zentralarchiv
- Kirchenrechtliches Institut der EKD
- Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW)
- Konfessionskundliches Institut (KI)
- Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart
- Sozialwissenschaftliches Institut der EKD (SI)
- Evangelische Schulstiftung in der EKD
- Evangelische Arbeitsstelle Fernstudium für kirchliche Dienste
- Gemeinsame Arbeitsstelle für gottesdienstliche Fragen der EKD
- Burckhardthaus, Evangelisches Institut für Jugend-, Kultur- und Sozialarbeit e.V.
- Frauenstudien- und -bildungszentrum der Evangelischen Kirche in Deutschland
- Aussiedlerseelsorge in der EKD
- Informations- und Dokumentationsstelle der EKD
- Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt

Siehe auch


- evangelisch
- Liste von Kirchen, religiösen Einrichtungen und Institutionen
- Evangelisches Studienwerk e.V. Villigst

Weblinks


- [http://www.ekd.de/ EKD im Internet]
- Kategorie:Kirchliche Organisation Kategorie:Evangelische Kirche Kategorie:Körperschaft des öffentlichen Rechts (kirchenrechtlich) Kategorie:Christentum in Deutschland

Nationalsozialismus

Nationalsozialismus bezeichnet die totalitäre Weltanschauung und Bewegung, die im Deutschland der 1920er und 30er Jahre politisch wirksam wurde und die ab 1933 zur Errichtung einer Diktatur in einem nach völkischen Kriterien ausgerichteten Staat führte. Ihre Entstehung gründet sich auf die Ablehnung des nach 1918 in Deutschland entstandenen demokratischen Staates, der Weimarer Republik, sowie des geistigen Führungsanspruchs der Kirche und des Kommunismus. Zu ihren Grundlagen zählten ferner der völkische Rassismus und Antisemitismus sowie die Forderung nach einer Revision der infolge des verlorenen Ersten Weltkriegs erlittenen Sanktionen („Schmach von Versailles“). Die nationalsozialistische Weltanschauung lieferte die ideologische Begründung für den ab 1939 in Europa geführten deutschen Eroberungskrieg (Zweiter Weltkrieg) und die Verbrechen des Holocaust.

Begriff

„Nationalsozialismus“ war eine selbstgewählte, propagandistisch motivierte Bezeichnung, die später in der Bundesrepublik übernommen wurde; in der DDR wurde stattdessen (wie im Russischen) die Bezeichnung „Faschismus“ (speziell „Hitlerfaschismus“) verwendet. Die Bezeichnung „Nationalsozialismus“ rührt daher, dass in dem 1920 erschienen Programm der NSDAP tatsächlich eine sozialistische Gesellschaftsordnung gefordert wurde. Die Partei der deutschen Nationalsozialisten war die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. Der Begriff Nazismus, in Deutschland eher selten verwendet, ist die wieder eingedeutschte Version des englischen Wortes nazism. In Deutschland wird häufig der negativ konnotierte Begriff Nazi für einen Anhänger des Nationalsozialismus verwendet.

Hauptmerkmale des Nationalsozialismus

Es ist strittig, inwieweit es eine geschlossene nationalsozialistische Ideologie gab. Überliefert ist dazu die Aussage Hans Franks aus den Nürnberger Prozessen, dass es „soviele Nationalsozialismen wie Nationalsozialisten“ gegeben habe. Die Frage muss aber letztlich offen bleiben, weil man lediglich vermuten kann, inwieweit der Nationalsozialismus als Ideologie seinen ‚Führer‘ überdauert hätte, um den herum, als dem absoluten, zentralen Mittelpunkt, das komplette politische System aufgebaut war. Es lassen sich aber einige Hauptmerkmale benennen:
- Rassismus, insbesondere Antisemitismus, der im Holocaust kulminierte sowie Verherrlichung der „arischen und germanischen Rasse“; siehe auch Nationalsozialistische Rassenideologie (vgl. Rassentheorie und Ariosophie)
- Euthanasie und Eugenik bzw. ‚Rassenhygiene‘ sowie der Glaube an die Möglichkeit einer ‚Höherzüchtung‘ einer Herrenrasse,
- Verwandtschaft zum Faschismus, die sich insbesondere in den Propaganda-Inszenierungen zeigte
- Antimarxismus, Antikommunismus, Antibolschewismus und Antikapitalismus
- Totalitarismus – Ablehnung von Demokratie; Zerschlagung politischer Parteien, Gewerkschaften und freier Presse;
- weitreichned Vollmachten für Geheimdienste und Spitzel; siehe auch Gestapo und Denunziantentum
- Führerprinzip – Konzentration aller Autorität in einer zentralen Führungspersönlichkeit, sowie Projektion dieses Prinzips auf die restlichen Hierarchie-Stufen
- Militarismus - Verteidigung von "Blut und Boden"
- Ideologie der Volksgemeinschaft
- Lebensraumpolitik, „Lebensraum im Osten“
- Berufung auf Preußische Tugenden bzw. die Philosophie des Deutschen Idealismus Ähnlich wie im Faschismus in Italien, den dessen Urheber Benito Mussolini als „Verschmelzung von Großkapital und Staat“ bezeichnete, wurden die Nationalsozialisten von einzelnen deutschen wie auch ausländischen Unternehmern als Bollwerk gegen den Bolschewismus finanziell unterstützt. Bolschewismus]] Der Antisemitismus speiste sich aus verschiedenen, teilweise widersprüchlichen Richtungen. So wurden Juden pauschal für Missstände wie Massenarbeitslosigkeit, Verstädterung, Abwanderung der Landbevölkerung in die Städte, Zersiedelung der Landschaft usw. verantwortlich gemacht. Sie wurden auch als Hintermänner von Marxismus und Kapitalismus dargestellt und als ‚zersetzend‘, einer „minderwertigen Rasse angehörend“ gebrandmarkt. Der Begriff der Rasse war ein zentraler Begriff nationalsozialistischer Weltanschauung. Es wurde die „Überlegenheit einer arischen Rasse“ über andere Rassen postuliert, wobei „Arier“ fälschlicherweise mit Indogermane gleichgesetzt wurde. Die arische Rasse sollte vor dem schädlichen Einfluss, den die Nationalsozialisten in der ‚Vermischung‘ mit anderen Rassen sahen, bewahrt werden. Die Erhaltung der sogenannten „Reinheit des Blutes“ rechtfertigte z.B. die in den Nürnberger Gesetzen erlassenen Heiratsverbote von Deutschen mit „überwiegend anderer Rasse zugehörigen“ Partnern. Die Sterilisierung von geistig Behinderten, psychisch Kranken und von Schwerverbrechern sollte verhindern, dass sich ‚krankes‘ Erbgut weitervererben konnte. Parallel wurde Aufrüstung betrieben, zunächst geheim, dann offen. Sobald die Wehrmacht stark genug sein würde, sahen Pläne Hitlers und anderer hoher Nationalsozialisten vor, gezielt Angriffskriege einzufädeln. Dabei sollte ein Land nach dem anderen isoliert und einzeln ‚niedergekämpft‘ werden. Das Endziel war die Eroberung des kontinentalen Festlands, der Sowjetunion bis zur Linie Archangelsk–Uralgebirge–Kaukasus sowie die Besiedelung dieser Gebiete durch die Deutschen. Die Herrschaft über die besetzten Gebiete sollte durch Vertreibung unerwünschter Bevölkerungsgruppen gestärkt werden.

Machtergreifung des Nationalsozialismus

In Deutschland verpasste Hitler mit der NSDAP bei den Reichstagswahlen Anfang 1933 nur knapp die absolute Mehrheit und schloss infolgedessen vorerst einen Pakt mit dem Zentrum und der DNVP. Hitler wurde als Vorsitzender der stärksten Partei des Reichstags am 30. Januar 1933 Reichskanzler. Obwohl die Nationalsozialisten diesen Tag als Tag der "Machtergreifung" propagierten, kam dieser Vorgang vorerst einem gewöhnlichen Regierungswechsel gleich. Der Brand des Reichstagsgebäudes in Berlin am 27. Februar 1933 veränderte jedoch diese Situation. Die Nationalsozialisten behaupteten, dass der Brandanschlag ein kommunistischer Umsturzversuch sei, beschuldigten mehrere Politiker und schufen sich mit der bereits am Tag darauf erlassenen Notverordnung des Reichspräsidenten Hindenburg nach §48 der Weimarer Verfassung die Möglichkeit, unter Aufhebung der durch die Verfassung garantierten Grundrechte gegen die Opposition, insbesondere die KPD, vorzugehen. Im späteren Reichstagsbrandprozess vom 12. August bis 23. Dezember 1933 wurde der am Tatort verhaftete Holländer M. van der Lubbe zum Tode verurteilt; die mit ihm angeklagten kommunistischen Politiker wurden freigesprochen. Bis heute konnte kein Nachweis erbracht werden, dass van der Lubbe von den Nationalsozialisten oder von den Kommunisten zu der Brandlegung angestiftet wurde. Die vollständige Machtergreifung gelang den Nationalsozialisten erst durch das Ermächtigungsgesetz, für das sie eine Zwei-Drittel-Mehrheit der anwesenden Abgeordneten benötigten, welche sie durch das Verbot der KPD und einen Pakt mit dem Zentrum und der DNVP auch erlangten. Durch dieses Gesetz wurde die Weimarer Reichsverfassung praktisch beseitigt: Der Reichstag entzog sich am 5. März 1933 selbst die Macht, indem er die Trennung von Exekutive und Legislative aufhob und sich damit selbst überflüssig machte.

Grundlagen und Weiterentwicklungen

Eine ideologische Grundlage des Nationalsozialismus ist die Anfechtung des allgemeinen menschlichen Grundwertes, nach welchem der Mensch seinen Wert als solcher besitzt, das heißt ohne alle Leistung. Die Grundwerte des NS waren darum weder neu noch auf eine bestimmte historische Zeit beschränkt. Sie sind die der Leistungsgesellschaft, nur eben radikal und total. Die Inszenierung der Arbeit, des Körpers, der Technik, das Absinken der Künste auf die Beschwörung des Willens ist genauso Ausdruck dieser Sicht des Menschen wie das System der Arbeitslager und die Vernichtung sogenannten „unwerten Lebens“. (Siehe auch Asoziale) Der Versailler Vertrag und die Folgen der Weltwirtschaftskrise der zwanziger Jahre öffneten der Leistungsideologie und dem Gefühl, um die eigene Leistung betrogen zu sein, weit die Tore. Anders aber zeigt das Beispiel des Antisemitismus, gegründet auf dem Mythos, die jüdische Kultur lebe auf Kosten der deutschen, die geringe Bindung der Leistungswerte zur Wirklichkeit. Wesentliche Elemente der NS-Ideologie wurden von Adolf Hitler in seinem Buch Mein Kampf niedergeschrieben. Das Buch galt als Grundlage aller anderen Schriften des Nationalsozialismus. Als bedeutender Ideologe wird daneben Alfred Rosenberg angesehen, der mit seinem Buch "Mythus des zwanzigsten Jahrhunderts" eine sehr weite Verbreitung seiner Gedanken erreichen konnte. Der "Mythus" Rosenbergs wurde zusammen mit Hitlers "Mein Kampf" in den Grundstein der riesigen Kongresshalle in Nürnberg eingemauert, um die Grundlagen des Nationalsozialismus für die Zukunft zu bewahren. Gleichwohl wurde Rosenbergs Buch sogar von führenden NS-Politikern nicht sehr ernst genommen. Besonders Goebbels soll über Rosenberg immer wieder gespottet haben. Eine eigene Weiterentwicklung der nationalsozialistischen Ideologie nahm Heinrich Himmler vor. Die bereits bei Rosenberg vorhandenen Bezugspunkte zu Indien wurden in den SS-Einrichtungen wie den "Ordensburgen" (die Himmler als Elite des Systems verstand) ausgebaut. Esoterische Lehren mit deutlichen östlichen Einflüssen, die teilweise von der SS übernommen wurden, haben das Kriegsende überdauert und leben - meist als unpolitische religionsähnliche Lehren - bis heute fort. Himmler betrieb auch eine Europäisierung der Ideologie. Ein bekanntes Produkt dessen sind die Freiwilligen-Einheiten der "Europäischen SS" aus vielen Ländern; jedoch gab es auch Konzepte für einen europäischen Wirtschaftsraum. Häufig nahm der Nationalsozialismus religiöse Züge an. Auf den Reichsparteitagen wurde der Nationalsozialismus geradezu zelebriert, was durch den Film "Triumph des Willens" der Regisseurin Leni Riefenstahl besonders herausgearbeitet und verstärkt wurde. Das Verhältnis des Nationalsozialismus zur christlichen Religion war daher auch zwiespältig. Einerseits gab es den Versuch, mit einem "Deutschen Christentum" die Religion für den Nationalsozialismus einzuspannen. Andererseits aber gab es antichristliche Elemente bei Rosenberg und eine völlige Abwendung vom Christentum durch die Himmlersche Bezugnahme auf Buddha und vorbuddhistische indische Schriften. Die Haltung der Religionen und derer Vertreter während des NS-Regimes muss differenziert gesehen werden (siehe hierzu Religion während des Nationalsozialismus). Hinzu kam der "Blut-und-Boden-Mythos" und die Verherrlichung des Bauernstandes (der "Nährstand") sowie eine gewisse Nostalgie. Viele Nationalsozialisten lehnten die Verstädterung und die zunehmende Industrialisierung ab und sehnten sich nach einem Land, das wie eh und je von Bauern bestellt wurde. Auch Heinrich Himmler hatte solche Gedanken, als er vorschlug, die eroberten Gebiete der Sowjetunion mit Bauern zu besiedeln, die zugleich Soldaten ("Wehrbauern") waren. Russen, Ukrainer und Polen sollten die Landarbeiter, das Hauspersonal, die Bauarbeiter oder die Hilfsarbeiter stellen. Errichtung der NS- Diktatur: 30.1 .1933: Reichspräsident Paul von Hindenburg ernennt Adolf Hitler zum Reichskanzler Dies markierte das Ende der Weimarer Republik und den Beginn der Diktatur des Nationalsozialismus 27.2.1933: Reichstagsbrand. Ein geistig verwirrter zündet den Reichstag an. ( Wahrscheinlich war es NSDAP selbst ) 28.2.1933: Reaktion auf den Reichstagsbrand: „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“: Sie setzt sämtliche Grundrechte der Weimarer Verfassung außer Kraft ( Meinungs /Presse/Vereins/Versammlungsfreiheit) Der Reichstagsbrand lieferte die Begründung für die Gefangennahme vieler Parlamentsmitglieder. 5.3.1933:

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Festlegung von Neuwahlen: NSDAP erzielt Stimmenanteil von 44%. Im Vorfeld der Wahl kommt es zu Überfällen auf politische Gegner von SA und SS 21.3.1933: Tag von Potsdam: Gemeinsames Auftreten Hindenburgs und Hitlers am Grabe Friedrich des Großen 23.3.1933: Reichstag verabschiedet mit 94 Gegenstimmen der SPD das Ermächtigungsgesetz: Inhalte: · Reichsregierung kann alle Gesetze auch gegen die Verfassung beschließen · Reichsregierung hat die ganze Macht · Reichskanzler verkündet Gesetze · Wahrung der Rechte des RP,RT,RR · Aufhebung der Gewaltenteilung Begründung Hitlers: · Zustimmung des RT verschleppt Entscheidungen, schadet der Autorität und dem Ansehen der Regierung · Aufgrund der revolutionären Erregung wäre die Tagung des Reichstages eine Provokation · Mehr Stabilität durch klare Mehrheiten · Bestand der Länder, Kirchen, RR und RT wird nicht beseitigt 31.3.1933: Gleichschaltung der Länderparlamente durch Anpassung der Mandatsverteilung an die Reichstagswahlen vom 5.3.1933. D.h. sie haben das Wahlergebnis auf alle Parlamente übertragen und die NSDAP hatte somit die automatische Mehrheit- 7.4.1933: Auflösung der Landesregierungen und Einsetzung von Reichsstatthaltern, die für die Durchführung der Richtlinien des RK in den Ländern verantwortlich sind( alle von der NSDAP) 7.4.1933: Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums: Beamte können jederzeit gekündigt werden, wenn sie nicht arischer Abstammung sind oder jederzeit rückhaltlos für den nationalsoz. Staat eintreten 6.5.1933: Auflösung der Gewerkschaften: Wurden von SA und SS besetzt die Führer in Haft genommen und die Gewerkschaftsvermögen beschlagnahmt. Wurden durch die DAF ( Deutschearbeiterfront) ersetzt Sommer 1933: Beginn der Parteienauflösung: Verbot der SPD am 222. Juni Selbstauflösung der bürgerlichen Parteien Ende Juni auf Druck Hitlers NSDAP verbleibt einzige Partei Dezember 1933: Gesetz zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat: NSDAP wird als beherrschende Staatspartei bestätigt. Das heißt: NSDAP= Staat 30.1.1934 Gesetz über den Neuaufbau des Landes: Volksvertretungen der Länder werden aufgehoben ihre Rechte gehen auf das Reich über. Landesregierungen unterstehen nun endgültig der Reichsregierung- 14.2.1934: Reichsrat als Verfassungsorgan wird aufgehoben. April 1942: Volksgerichtshof erhält Status eines Sondergerichtes.( Richter und NSDAP Mitglieder) 1.8.1942: Gesetz über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches: Das Amt des Reichspräsidenten wird mit dem des Reichskanzlers vereinigt. Die bisherigen Befugnisse des Reichspräsidenten gehen auf Adolf Hitler über.

Wie wurde Hitler möglich?

1. Institutionelle Rahmenbedingungen: die verfassungsmäßigen Rechte und Möglichkeiten des Reichspräsidenten, zumal beim Fehlen klarer parlamentarischer Mehrheiten 2. Ökonomische Entwicklung: Hohe Inflationsrate/ Arbeitslosenrate 3. Politische Kultur: Republikferne/ Eliten waren gegen Demokratie 4. Soziale Umschichtungen: Umschichtungen im Mittelstand mit Konsequenzen für politische Orientierung und Wahlverhalten 5. Ideologische Faktoren: Extremer Nationalismus( verstärkt durch Kriegsniederlage). Hoffnung auf „starken Mann“/ Führerwahrung 6. Massenpsychologische Momente: Erfolgschancen der Propaganda infolge politischer Labilität der breiten Bevölkerungsmasse. 7. Rolle einzelner Persönlichkeiten: Hindenburg, Schleicher, Papen

Zitat

:"Ich betrachte das Nachleben des Nationalsozialismus in der Demokratie als potentiell bedrohlicher denn das Nachleben faschistischer Tendenzen gegen die Demokratie." ::Theodor W. Adorno (Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit? 1959)

Literatur


- Wolfgang Benz: Geschichte des Dritten Reiches, ISBN 3423308826
- Sebastian Haffner: Anmerkungen zu Hitler, Kindler Verlag, 1978, ISBN 3596234891
- Franz Neumann: Behemoth. Struktur und Praxis des Nationalsozialismus 1933-1944 Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/M., 1984
- Der Nationalsozialismus. Dokumente 1933-1945, herausgegeben und kommentiert von Walther Hofer, Fischer Taschenbuch Verlag, Reihe Bücher des Wissens, Erstausgabe 1957, ISBN 3-436-00183-X
- Michael Ruck, Bibliographie zum Nationalsozialismus, 2 Bde. m. CD-ROM, Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2000, ISBN 3534149890
- Nicholas Goodrick-Clarke: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus, Marixverlag, ISBN 3937715487
- Rüdiger Sünner: Schwarze Sonne, Herder Spektrum Verlag, Freiburg im Breisgau 1999, ISBN 3-451-05205-9,
- F.P. Heller/A. Maegerle: Thule. Vom völkischen Okkultismus bis zur neuen Rechten. Schmetterling-Verlag. Stuttgart, 1998.
- Reinhard Kühnl: Der deutsche Faschismus in Quellen und Dokumenten. Pahl-Rugenstein, Köln.
- Karin Neidhart: Nationalsozialistisches Gedankengut in der Schweiz. Eine vergleichende Studie schweizerischer und deutscher Schulbücher zwischen 1900 und 1945, Peter Lang Verlag : Bern u.a. 2004, ISBN 3-631-51892-7
- Cornelia Schmitz-Berning: Vokabular des Nationalsozialismus. Berlin: de Gruyter 2000, ISBN 311016888X.
- Kurt Pätzold, Manfred Weißbecker: Geschichte der NSDAP, Köln 2002 ISBN 3894381345
- Vinnai, Gerhard: Hitler – Scheitern und Vernichtungswut. Zur Genese des faschistischen Täters. Psychosozial-Verlag. Gießen 2004. ISBN 3-89806-341-0 Errichtung der NS- Diktatur: 30.1 .1933: Reichspräsident Paul von Hindenburg ernennt Adolf Hitler zum Reichskanzler Dies markierte das Ende der Weimarer Republik und den Beginn der Diktatur des Nationalsozialismus 27.2.1933: Reichstagsbrand. Ein geistig verwirrter zündet den Reichstag an. ( Wahrscheinlich war es NSDAP selbst ) 28.2.1933: Reaktion auf den Reichstagsbrand: „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“: Sie setzt sämtliche Grundrechte der Weimarer Verfassung außer Kraft( Meinungs /Presse/Vereins/Versammlungsfreiheit) Der Reichstagsbrand lieferte die Begründung für die Gefangennahme vieler Parlamentsmitglieder. 5.3.1933: Festlegung von Neuwahlen: NSDAP erzielt Stimmenanteil von 44%. Im Vorfeld der Wahl kommt es zu Überfällen auf politische Gegner von SA und SS 21.3.1933: Tag von Potsdam: Gemeinsames Auftreten Hindenburgs und Hitlers am Grabe Friedrich des Großen 23.3.1933: Reichstag verabschiedet mit 94 Gegenstimmen der SPD das Ermächtigungsgesetz: Inhalte: · Reichsregierung kann alle Gesetze auch gegen die Verfassung beschließen · Reichsregierung hat die ganze Macht · Reichskanzler verkündet Gesetze · Wahrung der Rechte des RP,RT,RR · Aufhebung der Gewaltenteilung Begründung Hitlers: · Zustimmung des RT verschleppt Entscheidungen, schadet der Autorität und dem Ansehen der Regierung · Aufgrund der revolutionären Erregung wäre die Tagung des Reichstages eine Provokation · Mehr Stabilität durch klare Mehrheiten · Bestand der Länder, Kirchen, RR und RT wird nicht beseitigt 31.3.1933: Gleichschaltung der Länderparlamente durch Anpassung der Mandatsverteilung an die Reichstagswahlen vom 5.3.1933. D.h. sie haben das Wahlergebnis auf alle Parlamente übertragen und die NSDAP hatte somit die automatische Mehrheit- 7.4.1933: Auflösung der Landesregierungen und Einsetzung von Reichsstatthaltern, die für die Durchführung der Richtlinien des RK in den Ländern verantwortlich sind( alle von der NSDAP) 7.4.1933: Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums: Beamte können jederzeit gekündigt werden, wenn sie nicht arischer Abstammung sind oder jederzeit rückhaltlos für den nationalsozialistischen Staat eintreten 6.5.1933: Auflösung der Gewerkschaften: Wurden von SA und SS besetzt die Führer in Haft genommen und die Gewerkschaftsvermögen beschlagnahmt. Wurden durch die DAF ( Deutschearbeiterfront) ersetzt Sommer 1933: Beginn der Parteienauflösung: Verbot der SPD am 222. Juni Selbstauflösung der bürgerlichen Parteien Ende Juni auf Druck Hitlers NSDAP verbleibt einzige Partei Dezember 1933: Gesetz zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat: NSDAP wird als beherrschende Staatspartei bestätigt. Das heißt: NSDAP= Staat 30.1.1934 Gesetz über den Neuaufbau des Landes: Volksvertretungen der Länder werden aufgehoben ihre Rechte gehen auf das Reich über. Landesregierungen unterstehen nun endgültig der Reichsregierung- 14.2.1934: Reichsrat als Verfassungsorgan wird aufgehoben. April 1942: Volksgerichtshof erhält Status eines Sondergerichtes.( Richter und NSDAP Mitglieder) 1.8.1942: Gesetz über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches: Das Amt des Reichspräsidenten wird mit dem des Reichskanzlers vereinigt. Die bisherigen Befugnisse des Reichspräsidenten gehen auf Adolf Hitler über. Wie wurde Hitler möglich? 1. Institutionelle Rahmenbedingungen: die verfassungsmäßigen Rechte und Möglichkeiten des Reichspräsidenten, zumal beim Fehlen klarer parlamentarischer Mehrheiten 2. Ökonomische Entwicklung: Hohe Inflationsrate/ Arbeitslosenrate 3. Politische Kultur: Republikferne/ Eliten waren gegen Demokratie 4. Soziale Umschichtungen: Umschichtungen im Mittelstand mit Konsequenzen für politische Orientierung und Wahlverhalten 5. Ideologische Faktoren: Extremer Nationalismus( verstärkt durch Kriegsniederlage). Hoffnung auf „starken Mann“/ Führerwahrung 6. Massenpsychologische Momente: Erfolgschancen der Propaganda infolge politischer Labilität der breiten Bevölkerungsmasse. 7. Rolle einzelner Persönlichkeiten: Hindenburg, Schleicher, Papen Phasen der Verfolgung: Die Entrechtung und Verfolgung der Juden begann direkt nach der „Machtergreifung“. Das erste Konzentrationslager wurde - zunächst noch vor allem für politische Gegner - schon 1933 in Dachau eingerichtet 1. Schritt: ab 1921 · Boykott-Aktionen gegen jüdische Geschäfte · Beginn der Ausgrenzung der Juden aus dem öffentlichem- und wirtschaftlichem Leben · Durch einen Arierparagraphen wurden „Nicht-Arier“ zuerst aus dem öffentlichen Dienst entfernt ( durften keine Beamte mehr sein) · dieser Paragraph wurde auf immer mehr Bereiche ausgedehnt und auch von Vereinen, Verbänden und anderen Gruppierungen übernommen · -Judenstern/Ghettos 2. Schritt: 10.Mai 1933 · Bücherverbrennung · „undeutsche Bücher“ wurden auf dem Opernplatz in Berlin öffentlich verbrannt. · z, B. Heinrich Heine oder Karl Marx 3. Schritt: 15.September 1935 Nürnberger Gesetze · sie erklären den Juden zu Staatsbürger minderen Rechts · Sie verlieren das aktive und passive Wahlrecht Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre · Eheschließungen und außerehelichen Geschlechtsverkehr zwischen Juden und ,,Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes" verboten, Zuwiderhandlungen galten als ,,Rassenschande"_ Gefängnis- oder Zuchthausstrafe · außerehelicher Verkehr zw. Juden und Dt. verboten Bedeutung: · stellten gesetzliche Grundlage zur Diskriminierung, Verfolgung und Vernichtung der Juden dar · Juden Menschen 2. Klasse, wehrlos, Rechte genommen · weiterer Schritt auf dem Weg zur vollständigen Pervertierung des Rechtsstaates · auf diesen Gesetzen bauten weitere Rassengesetzgebungen des NS-Staates auf Ziel: ,,politische und biologische Scheidung des jüdischen Volkes vom deutschen Volke · März 1936 Kinderreiche jüdische Familien keine Beihilfe mehr · Oktober 1936 Verbot Nichtjuden Privatunterricht von jüdischen Lehrern · April 1937 Juden an Uni kein Doktortitel mehr erwerben · April 1937 jüdische. Ärzte verlieren Krankenkassenzulassung · Juli 1938 dann auch die Erlaubnis der Berufsausübung 4. Schritt: 9/10. November 1938 · April 1938 Juden gezwungen Vermögen zu deklarieren, wenn über 5000 RM · Mai 1938 Juden von der Vergabe öffentlicher Aufträge ausgeschlossen · November 1938 jüdischen Kindern der Besuch an dt. Schulen untersagt · „Reichskristallnacht“ der befohlene Pogrom (russ.: Unwetter, Verwüstung) · Es kommt zu Progromen gegen die jüdische Bevölkerung · 91 Juden werden ermordet, über 7000 Geschäfte verwüstet · Für die angerichteten Schäden mussten Juden t 1 Milliarde Reichsmark zahlen · Alles jüdische Eigentum wird beschlagnahmt · Bewegungsfreiheit wird eingeschränkt( Ausgehverbote, Einzug der Führerscheine) · 3000 Juden werden verhaftet · Bedeutung: · Endgültiger Ausschluss aus dem WIrtschaftsleben · Einleitung der endgültigen Ausgrenzung der dt. Juden aus sozialen und ökumenischen Bereichen :Dezember 1938 Autofahren verboten · 1939: Es kommt zu ersten Erschießungen polnischer Juden durch Einsatztruppen der Sicherheitspolizei- · Im Oktober finden bereits Deportationen von Juden im neu errichteten Polen statt · Noch im selben Monat wird die Euthanasie- Verordnung , die Ermordung von 120 000 geistig behinderter Menschen eingeleitet. 5. Schritt: ab 1941 · Ghettoisierung (Warschauer Ghetto) · Mit dem schnellen Vordringen der dt. Truppen in die Sowjetunion befinden sich millionen osteuropäischer Juden im deutschen Herrschaftsbereich. · Es beginnen Sonderkommandos auf dem eroberten Gebiet mit Erschießungen · Auswanderung wird ihnen untersagt, müssen Judenstern tragen Auf der Wannseekonferenz am 20. Januar 1942 wurden von führenden Verwaltungsgrößen des NS-Regimes geheim die Weichen für die sogenannte „Endlösung der Judenfrage“ gestellt. · Mit den dort gefassten Beschlüssen wurde der direkt hinter der Front schon begonnene Völkermord an den europäischen Juden auf eine gemeinsame organisatorische Basis gestellt und die Ermordung auf industrieller Grundlage mit Hilfe von Massenvergasungen für die Nationalsozialisten „effizienter“ geregelt. · Die Verwertung des Eigentums der vernichteten Juden wurde bis ins Detail geregelt. · In Auschwitz wird noch im selben Monat mit der Ermordung der Juden in Gaskammern begonnen · 6. Endlösung · Mit der Ausdehnung der Endlösung auf alle Gebiete Europas, die unter dt. Herrschaft stehen, werden Juden vonüberallher in die Vernichtungslager deportiert. · Nur einige Länder wie Italien, Rumänien und Ungarn ( bis 1944) leisten Widerstand gegen die Deutschen · Bis zum Kriegsende werden in KZ über 5 Millionen Juden ermordet · Zu den Opfern zählen auch 500 000 Sinti und Roma, politische Gegner, „Assoziale“, Kriminelle. · Systematische und fabrikmäßige Ermordung von Juden in den Konzentrationslagern ( z.B. Auschwitz) · Vor dem Eintreffen alliierter Armeen werden viele KZ zerstört( Auschwitz 1944). · Die noch Überlebenden werden verlegt ( Todesmärsche) Endlösung der Judenfrage" oder auch kurz "Endlösung" ist die in der Zeit des Nationalsozialismus von den Machthabern benutzte Bezeichnung für die planmäßige Vertreibung und Ermordung der Juden in Deutschland und im deutschen Machtbereich in den Jahren 1941 bis 1945. Es handelt sich somit um die euphemistische Umschreibung für die Planung und Realisierung des Holocaust.

Weblinks


- [http://www.bpb.de/publikationen/01646950938424722470412600973617,0,0,Nationalsozialismus_II.html Nationalsozialismus II] Informationen zur politischen Bildung (Heft 266)
- [http://www.shoa.de/nationalsozialismus.html Nationalsozialismus] Ausführlicher Artikel beim Arbeitskreis Shoa.de
- [http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/ LEMO]
- [http://www.nationalsozialismus.at Nationalsozialismus in Österreich]
- [http://www.doew.at/thema/terror/chron.html Opfer des Terrors der NS-Bewegung in Österreich 1933-1938]
- [http://www.documentarchiv.de/ns.html Chronologische Abfolge wichtiger politischer Entscheidungen von 1933 - 1945 mit Gesetzestext]
- [http://www.ns-archiv.de Dokumente zum Nationalsozialismus]
- [http://www.documentarchiv.de/wr/1920/nsdap-programm.html Das Programm der NSDAP] Nationalsozialismus Kategorie:Rassismus Kategorie:Rechtsextremismus ja:ナチズム simple:Nazism

Gleichschaltung

Gleichschaltung bezeichnet allgemein die erzwungene politische, wirtschaftliche und kulturelle Vereinheitlichung in autoritären Staaten. Im eigentlichen Sinne bezeichnet man damit das Bestreben totalitärer Parteien und Systeme, bestehende gesellschaftliche und staatliche Organisationen zu übernehmen und entsprechend ihrer Ideologie auszurichten. Diese werden dann nach dem Prinzip der Parteigliederungen gestaltet, wie es zu Beginn der Herrschaft des Nationalsozialismus in Deutschland der Fall war.

Deutsches Reich 1933–1945

Erste Umsetzung dieses nationalsozialistischen Ideologie-Begriffs war „die Gleichschaltung des politischen Willens der Länder“ (so Hitler am 12. März 1933 in München). Dies bedeutete die Auslöschung des Weimarer Föderalismus. Nach den letzten „freien“ Wahlen am 5. März 1933, bei denen die NSDAP 43,9% erreichte, ergriffen die Nationalsozialisten noch am Wahlabend in Hamburg, Lübeck und Hessen die Macht. Es folgten in den Tagen bis zum 9. März: Sachsen, Württemberg, Baden und Bayern. In den übrigen Ländern waren bereits regulär Hitlerregierungen an der Macht. Legalisiert wurden die Machtübernahmen über den §2 der Reichstagsbrandverordnung, wonach die Reichsregierung in die Kompetenzen der Länder eingreifen konnte, sofern diese nicht für Ordnung und Sicherheit sorgen konnten. Dies vollzog sich im immergleichen Schema. SA-Trupps und Schaulustige demonstrierten und schufen so eine revolutionäre Atmosphäre, die Reichsinnenminister Frick über die Einsetzung eines Reichskommissars nach §2 RtBVO „bekämpfte“. Dieser Reichskommissar übernahm anschließend die Regierungsgeschäfte. Eine Sonderrolle bei der Gleichschaltung der Länder spielen zum einen Preußen, das als größtes Land bereits am 6. Februar durch die Reichsregierung übernommen wurde, und Bayern, wo sich nennenswerte Abwehrversuche ereigneten. So planten bayerische Monarchisten, den Kronprinzen Rupprecht von Wittelsbach zum König auszurufen, um Bayern vor dem Eingreifen Hitlers zu schützen. Dies scheiterte jedoch an der streng legalistischen Gesinnung des Ministerpräsidenten Heinrich Held. Andere Formen der Gleichschaltung mit ähnlichen pseudo-legalen Gewaltmitteln wurden praktisch auf alle gesellschaftlichen Gruppen und Vereinigungen, insbesondere auch Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände, Parteien, Interessenverbände, Jugendverbände, die Justiz usw. angewandt. Sie wurden entweder verboten oder in entsprechende NS-Organisationen überführt oder folgten freiwillig der nationalsozialistischen Bewegung. Mitglieder der Verbände wurden damit automatisch Mitglieder der NS-Organisationen. Damit wurden auch unpolitische Menschen, z. B. die im ADAC organisierten Kraftfahrer im gleichgeschalteten Nationalsozialistischen Kraftfahrer-Korps (NSKK), erfasst und ideologisch beeinflusst. Auf diese Weise gelang es der NSDAP, die gesamte Gesellschaft zu durchdringen. Andere Beispiele sind der „Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten“, der 1934 gleichgeschaltet wurde, sowie die Studentenverbindungen, die dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB) angegliedert wurden. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Gleichschaltung der Medien, insbesondere der Zeitungen und Zeitschriften. Die Pressefreiheit war damit ausgeschaltet. Weitere Beispiele:
- Hitler-Jugend (HJ)
- Bund Deutscher Mädel (BDM), Organisation für Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren. Der Begriff Gleichschaltung wurde – als typische Wortprägung des Nationalsozialismus (Urheber war Reichsjustizminister Franz Gürtner) – auch von Victor Klemperer in seine Lingua tertii imperii aufgenommen.

Justiz

Ein erster Eingriff in die Justiz war die Reichstagsbrandverordnung. Ihre Gleichschaltung begann mit dem Ermächtigungsgesetz, nach dem die Judikative ebenfalls der Exekutive unterstand. Das wichtigste Mittel zu ihrer Gleichschaltung waren Entlassungen, Versetzungen, Beförderungen und Auswahl neuer Richter. Die Gerichte wurden 1935 dem Justizministerium unterstellt, welches den Gerichten seine Wünsche mitteilte. Bereits im März 1933 wurden Sondergerichte für politische Straftaten gebildet, 1934 entstand der Volksgerichtshof. Beim Röhm-Putsch machte sich Hitler zum Richter über Leben und Tod und erließ im Nachhinein ein Gesetz zur Legalisierung seines Vorgehens. Mit der Zeit wurden die Einspruchsmöglichkeiten eingeschränkt und unerwünschte Urteile von der SS und Gestapo "korrigiert", deren Maßnahmen konnten ausdrücklich nicht gerichtlich überprüft werden. Die 5. Verordnung zur Ergänzung des Kriegssonderstrafrechts vom 5. Mai 1944 erlaubte die Anwendung jeder Strafe, wenn der regelmäßige Strafrahmen nach gesundem Volksempfinden zur Sühne nicht ausreicht.

Gesetze


- Erstes Gleichschaltungsgesetz 31. März 1933 („Vorläufiges Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich“)
- Zweites Gleichschaltungsgesetz 7. April 1933
- Gesetz gegen die Neubildung von Parteien vom 14. Juli 1933
- Reichskulturgesetz 22. September 1934

Weblinks


- http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/innenpolitik/gleichschaltung/
- http://www.ns-propaganda.de/gleichschaltung_der_medien.html
- http://www.documentarchiv.de/ns/lndrgleich01.html - Gesetzestext Kategorie:Nationalsozialismus Kategorie:Pressefreiheit

Arier

Arier (Altiranisch ar, gut, rein, edelmütig mit yan, der Sohn von; Aryan = "Sohn von Reinem", Sanskrit, m., आर्य, ārya, der Edle), Selbstbezeichnung der iranischen Völker, die 2000 v. Chr. ins Iranische Hochland einwanderten und zu den Vorfahren der heutigen Perser (Tadschiken), Kurden, Paschtunen und Belutschen wurden, sowie der Indoarier, die nach Indien einwanderten. Ebenfalls als Arier wurde im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts fälschlicherweise ein hypothetisches Volk bezeichnet, von dem alle hellhäutigen Europäer ("Kaukasier") abstammen sollten.

Ursprung des Begriffs

Der Ursprung dieser Vorstellung war linguistisch: Zu Anfang des 19. Jahrhunderts wurde bemerkt, dass viele Sprachen in Europa (Latein, Germanische Sprachen, Keltische Sprachen, Slawische Sprachen, Griechische Sprache) sowie in Armenien, Persien und Indien viele Gemeinsamkeiten in Vokabular und Grammatik aufweisen. Außerdem wurde eine bemerkenswerte Ähnlichkeit in der Mythologie und des Kultes dieser Völker festgestellt. Hieraus wurde die Vermutung einer gemeinsamen Vergangenheit und Ursprache dieser indogermanischen Sprachen (auch indoeuropäische Sprachen genannt) entwickelt; diese Feststellung ist nach einigen Bearbeitungen und Umformulierungen heute allgemein anerkannt. Weiter wurde anhand persischer und indischer Schriftstücke und Überlieferungen festgestellt, dass die Sprecher dieser Sprache sich selbst wahrscheinlich als Arier (Arya) bezeichneten. Alternativ spricht man heute auch von den Proto-Indoeuropäern. Im 19. Jahrhundert geschah dann ein weiterer Argumentationssprung von der Linguistik zur Ethnologie: Man behauptete, dass die Menschen, die eine vom Indogermanischen abstammende Sprache sprechen (also fast alle Europäer), auch genetisch von diesem durch die Sprachwissenschaft erschlossenen Ursprungsvolk abstammen. Infolgedessen wurden hellhäutige Menschen als Nachkommen der Arier identifiziert. Juden, obwohl in Europa ebenfalls von heller Hautfarbe, wurden aus dieser Definition ausgeschlossen, da ihre ursprüngliche hebräische Sprache semitisch, und nicht indogermanisch ist. Über den Lebensraum dieser Sprachgruppe wurde zu jener Zeit viel spekuliert. Aufgrund des hohen Alters der Altiranischen Sprache und des Sanskrit wurde eine Verbindung mit Persien oder der Indus-Kultur gesehen. Der Gebrauch des Begriffes Aryan in Inschriften und alten Schriften wurde so gedeutet, dass eine arische Vorgängerkultur existiert habe. In Europa wurde daraufhin nach dem Ursprung dieser europäischen 'Rasse' gesucht, obwohl offensichtlich auch Menschen in Asien von ihnen abstammten. Die am meisten verbreitete Theorie sieht die Arier als ein nomadisches Reitervolk aus den Steppen Eurasiens, das sich sowohl nach Süden als auch nach Westen ausbreitete, und so seine Sprache und Kultur verbreitete. Eine andere Theorie weist prähistorische arische Sprach- und Kulturreste in Sumer, Akkad und Ägypten nach, die eine frühe Präsenz der Arier im nahen Osten seit mindestens dem Anfang des 3. Jahrtausends v. Chr. nahelegt. Weiter wurde angenommen, dass die Arier als überlegene Eroberer kamen, da sie mit ihren Pferden und Streitwagen militärisch im Vorteil waren. - Jedoch kann man eine Kultur nicht zweifelsfrei mit einer Sprache identifizieren, solange keine Schriftzeugnisse überliefert sind.

Begriff im Nationalsozialismus

Die Theorie, die Arier hätten ihren Ursprung in den Steppen Russlands gehabt, wurde von deutschnationalen Kreisen im damaligen Deutschland weitgehend abgelehnt. Es wurde auf wissenschaftlicher Grundlage (beispielsweise Hans F.K. Günther) argumentiert, die Arier seien ursprünglich in Deutschland oder Skandinavien heimisch gewesen, oder zumindest hätten sich dort die ursprünglichen Eigenschaften insbesondere rassischer Art besonders klar erhalten. Daneben wurden die Arier den Goten, Wandalen oder anderen Stämmen der Völkerwanderung nahegebracht. Die Arier wurden als körperlich und geistig überlegene und auf Reinheit bedachte Rasse dargestellt, die in der Geschichte als Kriegeradel und Kulturbringer gewirkt habe. Die Weltanschauung des Nationalsozialismus missdeutete den Begriff „Arier“ also als eine rein germanische 'Herrenrasse', deren Mission es sei, alle angeblich 'nichtarischen' Völker zu dominieren. Die Nationalsozialisten rechtfertigten mit dieser zentralen Ideologie die Diskriminierung und Vertreibung der semitischen Juden sowie die negative Klassierung der Slawen. Dabei deuteten sie abermals einen ursprünglich linguistischen Begriff (nämlich „semitisch“) als rassischen und verwendeten ihn auch so. Die Menschen im Dritten Reich und den von den Nationalsozialisten beherrschten Gebieten mussten zum Beweis ihrer 'rassischen Reinheit' sogenannte Ariernachweise erbringen. Ideen zur „arischen Rasse“ gab es aber nicht nur in Deutschland, zuerst tauchte sie in Frankreich auf (Arthur de Gobineau), dann in England (Houston Stewart Chamberlain). In Indien suchte die britische Kolonialregierung die Zusammenarbeit mit der Elite. Die drei oberen Kasten gelten bis heute als Nachkommen der Arier, die die dunkelhäutigen Dravidier nach Süden verdrängt haben. Dies führte zu gesellschaftlichen Spannungen zwischen Nord- und Südindern.

Esoterik und Völkische Esoterik

Die Theosophie, eine von Helena Blavatsky und Henry Steel Olcott auf buddhistischen, gnostischen, hinduistischen und anderen Vorstellungen gegründete mythologisch-religiöse Weltanschauung des ausgehenden 19. Jahrhunderts nahm ebenfalls Ideen über die Arier auf. Die Rußlanddeutsche Blavatsky (geb. von Hahn) bezeichnete mit den Ariern die „fünfte Wurzelrasse“, die ihrerseits wiederum „in vier Unterrassen aufgeteilt“ ist (nordisch, fälisch, mittelländisch und ostisch). Die Angehörigen der nordische Rasse wurden hierbei von Rassenwissenschaftlern wie Ludwig Ferdinand Clauß als „Leistungsmenschen“ bezeichnet, woraus sich bei Clauß allerdings keine wie auch immer geartete Höherwertigkeit der nordischen Rasse verbindet, wie vielfach behauptet. Laut Blavatsky kamen die Arier weit aus dem Norden, aus Hyperborea. Auch glaubten viele Theosophen und Ariosophen, der Ursprung der Arier sei Atlantis gewesen, die Arier somit die Atlanter. Die in der Theosophie entwickelte Vorstellung der Arier wurde durch die Ariosophie und die Guido-von-List-Gesellschaft verfälscht und fand ihren Weg nach Deutschland, wo durch Vermischung mit nationalistischen Elementen dem Nationalsozialismus zugearbeitet wurde.

Begriffsgebrauch heute

Der Begriff war und ist im Zoroastrismus, im Buddhismus, im Hinduismus und im Jainismus in Gebrauch. Hier bezeichnet er keine Rasse, sondern ist Ehrenbezeichnung für einen „edlen“ oder „geistlichen“ Menschen. Jedoch bezeichnete sich der frühere Schah von Persien als 'Licht der Arier' im Sinne eines Herrschers über eine Volksgruppe. Auch im Staatsnamen Iran, der aus dem Genitiv Plural 'Arianam' (altpersisch) in den westiranischen Dialekten zum mittelpersischen 'Eran' und neupersischen 'Iran' wurde, bezeichnet der Begriff eine Volksgruppe. So bedeutet 'Iran' nichts anderes als 'Land der Arier'. Das ostiranische Äquivalent ist Aryana, das heute noch in Tadschikistan und Afghanistan sehr beliebt ist. Danach ist die afghanische Fluggesellschaft folgerichtig Aryana Afghan Airlines benannt. Dass es je eine identifizierbare antike Volksgruppe gegeben hat, die man als Arier bezeichnen kann, wird von manchen Wissenschaftlern bestritten. In der wissenschaftlichen Literatur werden als Arier Kulturgruppen bezeichnet, aus denen vedische und zoroastrische Glaubenssysteme hervorgegangen sind. Linguistisch werden die von Sanskrit abgeleiteten Sprachen als Indoarische Sprachen bezeichnet, um sie von den nicht-indoeuropäischen Sprachen Indiens zu unterscheiden. 'Arier' benutzen einige Wissenschatler auch als Synonym für die Iranier. Aufgrund des Gebrauchs durch die Nationalsozialisten verwendet man die Bezeichnung heute nicht mehr als Synonym für „Indogermane“. Die Sprecher der ursprünglichen indogermanischen Sprache nennt man heute meist Proto-Indoeuropäer. Von Gruppen, die eine Überlegenheit der „weißen Rasse“ über andere Menschen propagieren, wird der Begriff „Arier“ heute noch als Bezeichnung der White race benutzt (häufig falsch als „weiße Rasse“ übersetzt; die korrekte Übersetzung ist „weiße Menschheit“), zum Beispiel von der Aryan Nation in den USA.

Literatur


- Derakhshani, Jahanshah. Die Arier in den nahöstlichen Quellen des 3. und 2. Jahrtausends v. Chr. Teheran, 1998. ISBN 964-90368-6-5.
- Evola, Julius. The Doctrine of Awakening: The Attainment of Self-Mastery According to the Earliest Buddhist Texts. Rochester, Vermont: Inner Traditions, 1996. [Anm.: Julius Evola nimmt in bezug auf den Buddhismus und das Arische einen genau entgegengesetzten Standpunkt zu Houston Stewart Chamberlain ein.]
- Gimbutas, Marija. „Das Ende Alteuropas: Der Einfall von Steppennomaden aus Südrußland und die Indogermanisierung Mitteleuropas.“ In Archeolingua. Series Minor 6. Budapest, 1994. [Anm.: Feministischer Blickwinkel auf die Problematik.]
- Goodrick-Clarke, Nicholas. Hitler's Priestess: Savitri Devi, the Hindu-Aryan Myth, and Neo-Nazism. New York/London: NYU, 1998. ISBN 0814731104. [Anm.: Über den Hintergrund rechten Arier-Verständnisses am Beispiel von Savitri Devi.]
- Haudry, Jean. Die Indo-Europäer: Eine Einführung. Wien: Karolinger, 1986. ISBN 385418025X. (Anm.: Über die okkulten Hintergründe der Rassenideologie und Arier-Fantastereien im Nationalsozialismus.)
- Mallory, J. P. In Search of the Indo-Europeans: Language, Archaeology and Myth. ISBN 0500276161.
- Schmoeckel, Reinhard. Die Indoeuropäer. ISBN 3-404-64162-0.
- Tilak, Bâl Gangâdhar. The Orion; or Researches into the Antiquity of the Vedas. 7. Aufl. Poona: Shri J.S. Tilak, 1994.
- Tilak, Bâl Gangâdhar. The Arctic Home in the Vedas: Being also New Key to the Interpretation of Many Vedic Texts and Legends. Poona: Shri J.S. Tilak, 1971.

Siehe auch


- Aristokrat
- Genozid
- Avesta
- Kurganvolk
- Streitaxtleute
- Indoiranische Sprachen
- Tadschiken

Weblinks


- [http://www.avesta.org/ www.avesta.org] Avesta mit avestanischen und pahlevischen - arischen Texten
- [http://www.sacred-texts.com/zor/ www.sacred-texts.com/z] Zend Avesta eines avestanisch altaramäischen Volkes, des Bruders Sems, des Japhets
- [http://www.farvardyn.com/avesta.htm www.farvardyn.com/] Vieles über Zaratustrah und Avesta
- [http://sangha.net/messengers/zoroaster.htm sangha.net/] Zar-Adusht-Rah(Geistiger Seelenkönig)
- [http://www.zoroaster.com/ www.zoroaster.com] Zoroaster, Zostrinos, Zaratustrah Kategorie:Ethnie Kategorie:Rassismus

Martin Niemöller

Martin Niemöller (
- 14. Januar 1892 in Lippstadt (Westfalen), † 6. März 1984 in Wiesbaden), war ein deutscher Theologe und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.

1892 - 1919

Martin Niemöller war der Sohn des lutherischen Pfarrers Heinrich Niemöller und seiner Frau Paula geb. Müller. 1900 zogen sie von Lippstadt nach Elberfeld (heute zu Wuppertal), wo er 1910 sein Abitur ablegte. Von 1910 bis 1919 war er bei der kaiserlichen Marine, seit 1915 war er auf einem U-Boot stationiert und seit 1918 U-Boot-Kommandant. Nach dem Krieg schied er aus dem Militärdienst wegen der Ablehnung der neuen demokratischen Regierung aus.

1919 - 1930

Am 20. Juli 1919 vermählte er sich mit Else, geb. Bremer (
- 1890 †1961 durch einen Verkehrsunfall in Dänemark). Im selben Jahr nahm Niemöller eine landwirtschaftliche Lehre auf einem Bauernhof bei Osnabrück auf. Da das Geld nicht für den Erwerb eines eigenen Gehöftes ausreichte, entschloss er sich zum Studium der evangelischen Theologie in Münster (1919-1923). Motivation zum Studium war sein Bestreben, der scheinbar orientierungslos gewordenen Gesellschaft durch die christliche Botschaft wieder Sinn und durch die kirchlichen Strukturen Ordnung zu vermitteln. Das Vikariat leistete er gleichfalls in Münster. 1924 wurde er Vereinsgeistlicher der westfälischen Inneren Mission Während des Ruhrkampfes beteiligte er sich an der "Akademischen Wehr".

1931 - 1945

Der Weg in den Widerstand

1931 wurde Niemöller zum Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Berlin-Dahlem gewählt. Bald kam es hier zu Auseinandersetzungen mit den Deutschen Christen. Zwar hatte Niemöller seit 1924 nationalsozialistisch gewählt und die Einführung des "Führerstaates" 1933 begrüßt, aber die Vermischung von politischen Aussagen mit dem Glaubensbekenntnis lehnte er schärfstens ab. So war er im Mai 1933 einer der Gründer der Jungreformatorischen Bewegung und stellte sich an die Seite Friedrich von Bodelschwinghs. Nachdem der Arierparagraph eingeführt und in mehreren evangelischen Landeskirchen erste oppositionelle Pfarrerbruderschaften gegründet worden waren, rief Niemöller im September 1933 als Reaktion auf die Entfernung von „Nichtariern“ aus Kirchenämtern zur Gründung eines reichsweiten Pfarrernotbundes auf; dem Bund traten etwa ein Drittel der Pfarrer bei. Seine primären Aufgaben bestanden aus dem Protest gegen diese Maßnahmen sowie der Organisation von Hilfe für die Betroffenen. Der Pfarrernotbund und andere Gruppen bildeten die Vorläufer der Bekennenden Kirche, die auf der 1. Barmer Bekenntnissynode vom 29. bis zum 31. Mai 1934 gegründet wurde. Auf dieser Synode wurde die "Barmer Theologische Erklärung" verabschiedet, die das theologische Fundament der Bekennenden Kirche bildete. Die theologische Rechtfertigung war der in der evangelisch-lutherischen Kirche fest geschriebene Bekenntnisstand oder Bekenntnisnotstand (status confessionis), der gegeben ist, wenn die Kirchenoberen sich vom lutherischen Bekenntnis - festgehalten im Augsburger Bekenntnis - entfernen. Das sah der Pfarrernotbund gegeben in der so genannten Schöpfungstheologie der Deutschen Christen, die Schöpfungsordnungen, wie z. B. das Volk neben der Bibel anerkannten. Dabei ging es ihm um eine scharfe Abgrenzung gegenüber den Deutschen Christen und bald auch um eine Durchsetzung der Beschlüsse der Bekenntnissynoden von Barmen im Mai 1934 und Dahlem im Oktober 1934. Niemöller dachte weiterhin im wesentlichen betont nationalkonservativ. So erschien 1934 sein Erinnerungsbuch Vom U-Boot zur Kanzel. Trotzdem geriet er zunehmend in die Illegalität. Höhepunkt dieser Entwicklung war ein Empfang von Kirchenführern in der Berliner Reichskanzlei im Januar 1934. Dabei kam es zu einer direkten Konfrontation zwischen Hitler und Niemöller. Während Hitler den Kirchenkampf durch die Bekennende Kirche als Kampf gegen den deutschen Staat betrachtete, versuchte Niemöller vergeblich deutlich zu machen, dass es sich nur um die Freiheit und Reinheit der Verkündigung auch aus politischer Verantwortung, aus "Sorge um das Dritte Reich" gehe. Niemöllers Vorträge und Predigten galten zunehmend als oppositionell. Schließlich schlug er die radikalsten Wege innerhalb der Bekennenden Kirche ein. Der altpreußische Bruderrat, dem er angehörte, sah sich als "wahre Kirchenleitung". Ein häretisch gewordener Kirchenrat könne nicht mehr Kirchenleitung sein. Dabei fand Niemöller wenig Gefolgsleute. Viele setzten demgegenüber auf die vom Reichskirchenminister Kerrl eingesetzten Kirchenausschüsse, in denen alle kirchlichen Gruppierungen vertreten waren - mit Ausnahme der Bruderräte und der Thüringer Richtung der Deutschen Christen. Niemöller - immer noch Nationalsozialist - scheute sich nicht, Unrecht zu benennen und die staatliche Kirchenpolitik zu attackiern. So wandte er sich zusammen mit hunderten anderen Pfarrern gegen verbale Angriffe Alfred Rosenbergs, des Chefideologen der Nationalsozialisten, was 1935 zu einer ersten Verhaftung führte.

In Haft

Am 1. Juli 1937 wurde Niemöller erneut verhaftet und im Februar 1938 zu 9 Monaten Haft verurteilt, die er jedoch durch seine Untersuchungshaft bereits verbüßt hatte. Einen Tag später wurde er als "persönlicher Gefangener" Adolf Hitlers im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert. Bei Kriegsausbruch 1939 meldete er sich aus dem Konzentrationslager heraus (als ehemaliger U-Bootkommandant des 1. Weltkriegs) freiwillig - allerdings vergeblich - zur deutschen Kriegsmarine. Wozu angemerkt werden sollte, daß dort noch konsequent das Verständnis des unpolitischen Soldaten preussischer Tradition gepflegt wurde, und zwar auch hinsichtlich der NS-Politik, der auf deutschen Kriegsschiffen und U-Booten seitens der Admiralität kein Raum gegeben wurde. Das änderte sich erst mit den regierungsseitigen Maßnahmen nach dem Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 (u.a. Einführung des "deutschen Grußes", Einsatz "Nationalsozialistischer Führungsoffiziere" etc.) Dementprechend zogen bis dahin z.B. auch viele Wehrpflichtige mit inneren Vorbehalten gegen den NS-Staat die Marine den anderen Waffengattungen vor (Hitler ironisch: "Ich habe eine kaiserliche Marine,...und eine nationalsozialistische Luftwaffe"). Niemöller rechtfertigte seine Freiwilligenmeldung kurz nach dem Krieg damit, daß sein Widerstand gegen den Nationalsozialismus in erster Linie religionstheoretisch motiviert gewesen sei, zum lutherischen Ethos habe es aber auch gehört, für sein Vaterland zu kämpfen. 1941 wurde er in das KZ Dachau verlegt, wo er seine Zelle mit drei katholischen Priestern teilte. Während seiner Haftzeit erfuhr Niemöllers Theologie einen Neuansatz. Hatte er bislang vor allem den Dienst am Volk als kirchliche Aufgabe betont, so erkannte er in der Kreuzigung Jesu Christi nun ein Geschehen für alle Völker; daher habe Kirche vor allem an der Überwindung von Grenzen, Rassen und Ideologien zu arbeiten. Zudem musste er einsehen, dass die Kirchen in Deutschland für die nationalsozialistische Machtergreifung mitverantwortlich gewesen waren. 1945 wurde er während eines Hinrichtungstransportes nach Südtirol zunächst von deutschen, dann von amerikanischen Soldaten befreit. Bis zum 19. Juni 1945 musste er amerikanischen Dienststellen noch in Italien zur Verfügung stehen, bevor er nach einem Hungerstreik nach Deutschland zurückkehren konnte. Niemöller verurteilte (u.a. in Briefen an den amerikanischen General Clay) auch rechtswidriges Vorgehen der alliierten Besatzungsmächte. Den (nach Protesten in der amerik. Bevölkerung und Politik ad acta gelegten) ursprünglichen "Morgenthau-Plan" bezeichnete er u.a. als "...das Vorhaben, das deutsche Volk bis zu seinen Wurzeln auszurotten...“, ferner Praktiken des Nürnberger Gerichtshofes als „...schwere Verdunkelung des öffentliches Gewissens...“. Es erinnere "...an die Behandlung der Offiziere des 20. Juli durch Adolf Hitler, wie man jetzt mit Wehrmachtoffizieren vor amerikanischen Tribunalen verfährt...". Auch den Bombenterror gegen die deutsche Zivilbevölkerung und Vertreibungen im Osten verurteilte Niemöller entschieden. Er müsse überdies im besetzten Deutschland Verhältnisse feststellen, „...die auf Schritt und Tritt an die hinter uns liegenden Schreckensjahre erinnern...“; manche durch die Besatzungsbehörden zu verantwortende Zustände und Maßnahmen seien „...selbst unter dem Naziregime niemals gewesen...“.

1945 - 1984

In Deutschland hatte nach Niemöllers Rückkehr mittlerweile Otto Dibelius die Leitung der Kirche in Berlin übernommen. Für Niemöller schien kein Platz mehr zu sein, auch wenn er von 1945 bis 1955 dem Rat der EKD angehörte und ihr Auslandsbeauftragter war. Anders als Dibelius, der mit einer bischöflichen Struktur sympathisierte, dachte Niemöller an eine konsequente Überwindung des Landeskirchentums von bruderrätlichen Traditionen her: die Kirche solle von den Gemeinden her aufgebaut sein, territoriale Traditionen und konfessionelle Gegensätze dürften künftig nicht mehr von Bedeutung sein. Inzwischen war das Beharrungsvermögen jedoch zu groß geworden. Das Ehepaar von Ysenburg-Büdingen, das 1936 von Martin Niemöller getraut worden war, nahm ihn und seine Familie im November 1945 in Schloss Büdingen auf, wo er bis zur Wahl zum Kirchenpräsidenten wohnte. Seit dem Frühjahr 1946 gestaltete er den Aufbau der hessen-nassauischen Kirche mit. Es gelang ihm, konzeptionelle Elemente der Bruderräte in das "Leitende Geistliche Amt" einfließen zu lassen. Schließlich wurde er am 1. Oktober 1947 zum Kirchenpräsidenten berufen. Das Amt bekleidete er bis 1965. Im von ihm mit erarbeiteten Stuttgarter Schuldbekenntnis wird die Mitschuld der Kirchen für den Nationalsozialismus betont. Damit wurde den deutschen evangelischen Kirchen der Weg zurück in die ökumenische Gemeinschaft eröffnet. An den Vollversammlungen des Ökumenischen Rates der Kirchen nahm er von 1948 bis 1975 teil; von 1961 bis 1968 war Niemöller einer der sechs Präsidenten des ÖRK. Scharf kritisierte Niemöller die Gründung der Bundesrepublik Deutschland, die Wiederbewaffnung Deutschlands, die Positionen der Kirche im Kalten Krieg sowie die Rüstungspolitik der Großmächte. Seine dabei oft verletztenden und überscharf formulierte Ansichten brachte ihm Ablehnung wie große Beachtung ein. 1954 wandte sich Niemöller radikal pazifistischen Positionen zu, um derentwillen er auch nicht die Zusammenarbeit mit Kommunisten scheute. In Zeiten von ABC-Waffen schien ihm Krieg nicht nur absurd, sondern christlich unverantwortbar zu sein. So war in seinen Augen die Ableistung von Militärdienst mit christlichem Glauben unvereinbar. Viele seiner folgenden Reisen sollte sein Versöhnungsbereitschaft dokumentieren zu setzen und dem Frieden zu dienen. Während schärfster politischer Konflikte besuchte er 1952 auf Einladung des russisch-orhodoxen Patriarchen Moskau. 1959 attackierte er die Ausbildung zum Soldaten als "die Hohe Schule für Berufsverbrecher". Während des Vietnam-Krieges reiste er 1967 nach Nord-Vietnam. Im Alter griff er die bundesdeutsche Politik an und unterstützte die außerparlamentarische Opposition; auch der Kirche traute er Reformfähigkeit nicht mehr zu, so dass er schließlich die hessen-nassauische Synode verließ. Niemöller wurden vielfache Ehrungen zuteil. Er erhielt u. a. die Wichernplakette der Inneren Mission, den Lenin-Friedenspreis der UdSSR, das Großkreuz des Bundesverdienstordens, die Albert-Schweitzer-Friedensmedaille, die DDR-Friedensmedaille in Gold sowie Ehrendoktorwürden in Eden/USA, Budapest, Göttingen, Halifax/Chicago, Neu-Delhi und Chicago verleihen dem Ausdruck. Nur wenige Vertreter der Kirche besaßen im Nachkriegsdeutschland ein so ausgeprägtes Profil. Zudem steht er exemplarisch für viele Evangelische in Deutschland. Dem Nationalprotestantismus folgte das Engagement für die Ökumene, Begeisterung für das Militär wurde durch den Pazifismus abgelöst. In seiner Sozialethik bewegte sich Niemöller zwischen der lutherischen Prägung durch sein Elternhaus und reformiertem Einfluss. So erkannte er in engem Rahmen eine relative Autonomie des Politischen an, zunehmend aber betrachtete er politische Entscheidungen als Glaubensentscheidungen. Die Frage "Was würde Jesus dazu sagen?" wurde zu einem Markenzeichen von Niemöllers Denken.

Ein Zitat

Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte. Siehe auch: Soldaten sind Mörder

Weblinks


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- [http://www.martin-niemoeller-stiftung.de/ Martin Niemöller Stiftung]
- http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/NiemoellerMartin/
- http://www.history.ucsb.edu/faculty/marcuse/niem.htm Kategorie:Christentum in Deutschland (NS-Zeit) Niemöller, Martin Niemöller, Martin Niemöller, Martin Niemöller, Martin Niemoeller, Martin Niemoeller, Martin Niemoeller, Martin Niemoeller, Martin Niemoeller, Martin Niemoeller, Martin

Bekenntnissynode

Die Bekennende Kirche hielt 4 Synoden ab, die als Bekenntnissynode bekannt sind. Die erste geschah Ende Mai 1934 in Barmen und verabschiedete die Barmer Theologische Erklärung. Die zweite geschah Oktober 1934 in Berlin-Dahlem und verabschiedete das kirchliche Notrecht von Dahlem. Die dritte geschah 1935 in Augsburg und wählte die Erste Vorläufige Leitung der Bekennenden Kirche. Die vierte und letzte fand in Bad Oeynhausen 1936 statt und konnte sich nicht über die Frage der Teilnahme an den Reichskirchenausschüssen einigen. Sie war schwer belastet von der Dissenz zwischen den Mitgliedern des Lutherrats und den Mitgliedern der "zerstörten" Landeskirchen. Sie wählte die Zweite Vorläufige Leitung und bestimmte auch die Mitglieder des Reichsbruderrats. Kategorie:Bekennende Kirche

31. Mai

Der 31. Mai ist der 151. Tag des Gregorianischen Kalenders (der 152. in Schaltjahren) - somit verbleiben noch 214 Tage bis zum Jahresende.

Ereignisse


- 1669 - Wegen seiner nachlassenden Sehkraft macht Samuel Pepys, ein hoher Beamter im britischen Schatz- und Flottenamt (secretary of the Admirality), den letzten Eintrag in sein Tagebuch.
- 1740 - Friedrich II., später Friedrich der Große und Alter Fritz genannt, tritt als Preußens König die Nachfolge seines verstorbenen Vaters Friedrich Wilhelm I. an.
- 1849 - Märzrevolution: In der Frankfurter Paulskirche hält die deutsche Nationalversammlung ihre letzte Sitzung ab.
- 1861 - Im Zuge des Basler Stadterweiterungsgesetz von 1859 wird das Aeschentor abgerissen.
- 1902 - Ende des Burenkrieges in Südafrika.
- 1906 - Bei einem Attentat auf die Hochzeit des spanischen Königs Alfons XIII. sterben mehr als zwanzig Menschen.
- 1910 - Geschichte Südafrikas: Mit der Südafrikanischen Union entsteht ein Dominion.
- 1916 - Skagerrakschlacht - Größte militärische Auseinandersetzung der Hochseeflotte der deutschen Kaiserlichen Marine und der Grand Fleet der Royal Navy in den Gewässern vor Jütland.
- 1940 - Die deutsche Luftwaffe bombardiert Coventry in England.
- 1945 - Im Brünner Todesmarsch werden 25.000 Deutsche aus Brünn vertrieben, 10.000 überleben nicht.
- 1952 - General Dwight D. Eisenhower scheidet aus dem Militärdienst aus.
- 1961 - Die "Republik Südafrika" wird ausgerufen, nachdem das Land auf Druck der anderen Mitglieder aus dem britischen Commonwealth ausgetreten war.
- 1980 - In Zürich setzen sich die am Vorabend begonnenen Jugendunruhen fort.
- 1982 - Der konservative Belisario Betancur Cuartas wird als Nachfolger des liberalen Julio César Turbay Ayala zum Präsidenten von Kolumbien gewählt.
- 1990 - Kulturabkommen zwischen Deutschland und Singapur. In Kraft seit dem 23. August 1991
- 1991 - Die Bürgerkriegsparteien Angolas stimmen in Bicesse, Portugal, dem Waffenstillstand, der Schaffung von gemeinsamen Streitkräften und der Abhaltung freier Wahlen unter internationaler Beobachtung zu.
- 2001 - Algerien. Protestmarsch in Algier gegen die Ermordung von Demonstranten.
- 2003 - Der russische Präsident Wladimir Putin und der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder weihen in St. Petersburg (Russland) eine Rekonstruktion des Bernsteinzimmers ein.
- 2003 - Birmas Militärführung nimmt die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi erneut fest.

Wirtschaft


- 1884 - John Harvey Kellogg lässt seine Cornflakes patentieren.

Wissenschaft, Technik


- 1892 - Eröffnung der Preßnitztalbahn.

Kultur


- 1802 - Uraufführung der Oper Le concert interrompu von Henri Montan Berton an der Opéra-Comique in Paris.
- 1817 - Uraufführung der Oper La gazza ladra (Die diebische Elster) von Gioacchino Rossini am Teatro alla Scala di Milano in Mailand.
- 1884 - Uraufführung der Oper Le Villi von Giacomo Puccini am Teatro Dal Verme in Mailand.
- 1895 - Büchners 1836 verfasstes Lustspiel Leonce und Lena wird erstmals aufgeführt.

Religion

Katastrophen


- 1889 - Nach einem Dammbruch der South-Fork-Talsperre bei Johnstown (Pennsylvania)) sterben mehr als 2.200 Menschen.
- 1921 - Rassenunruhen in Tulsa (Oklahoma) fordern 300 Menschenleben.
- 1946 - Erdbeben der Stärke 6.0 in der Türkei, rund 1.200 Tote
- 1970 - Erdbeben in Nord-Chile und Peru, etwa 66.000 Tote. Alleine in der nordperuanischen Stadt Yungay sterben bis zu 20.000 Menschen bei einem Bergsturz.

Sport


- Einträge im Bereich Formel 1 siehe Formel 1.
- Einträge von Leichtathletik-Weltrekorden s. u. der jeweiligen Disziplin unter Leichtathletik.
- 1903 - In Hamburg/Altona findet das erste Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft statt - der VfB Leipzig besiegt den DFC Prag mit 7:2 und erhält die Victoria.

Geboren


- 1557 - Fjodor I., russischer Zar
- 1656 - Marin Marais, französischer Gambist und Komponist
- 1750 - Karl August Fürst von Hardenberg, preußischer Staatsmann
- 1773 - Ludwig Tieck, deutscher Schriftsteller und Übersetzer
- 1817 - Georg Herwegh, deutscher Dichter des Vormärz und Revolutionär
- 1819 - Walt Whitman, US-amerikanischer Lyriker
- 1852 - Perito Moreno, argentinischer Geograph, Anthropologe und Entdecker
- 1857 - Pius XI. (Papst), Papst von 1922 bis 1939
- 1860 - Walter Richard Sickert, britischer Maler
- 1872 - Charles Greeley Abbot, US-amerikanischer Astrophysiker
- 1880 - Richard Kuöhl, wird als Architekturplastiker bezeichnet
- 1887 - Saint-John Perse, französischer Lyriker
- 1896 - Ernest Haller, US-amerikanischer Kameramann
- 1898 - Georg Singer, KPD-Politiker und Antifaschist
- 1911 - Maurice Allais, französischer Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger
- 1912 - Alfred George Deller, britischer Sänger und Dirigent
- 1913 - Peter Frankenfeld, deutscher Showmaster
- 1915 - Bernard Schultze, deutscher Maler
- 1915 - Heinz Zahrnt, deutscher evangelischer Theologe und Schriftsteller und Publizist
- 1922 - Bernhard Hassenstein, deutscher Verhaltensbiologe
- 1923 - Rainier Grimaldi III., Fürst von Monaco
- 1924 - Gisela May, deutsche Sängerin und Schauspielerin
- 1926 - James Krüss, deutscher Schriftsteller und Dichter
- 1930 - Clint Eastwood, US-amerikanischer Produzent, Filmregisseur und Schauspieler
- 1931 - John Robert Schrieffer, US-amerikanischer Physiker, Nobelpreis 1972
- 1932 - Jay Miner, US-amerikanischer Chipdesigner, Vater des Amigas
- 1935 - Karlmann Geiß, deutscher Jurist, Präsident des Bundesgerichtshofs
- 1938 - Peter Yarrow, US-amerikanischer Sänger ("Peter, Paul and Mary")
- 1940 - Augie Meyer, US-amerikanischer Musiker
- 1941 - Wolfgang Fahrian, deutscher Fußballspieler
- 1941 - Karin Tietze-Ludwig, deutsche Journalistin und ehemalige Lottofee der ARD
- 1943 - Antje Vollmer, deutsche Politikerin und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages
- 1943 - Joe Namath, US-amerikanischer Football-Spieler
- 1944 - Volker Reiche, deutscher Comic-Zeichner
- 1945 - Laurent Gbagbo, Präsident des afrikanischen Staates Côte d'Ivoire
- 1945 - Rainer Werner Fassbinder, deutscher Regisseur, Filmproduzent und Bühnenautor
- 1946 - Agnes Schierhuber, österreichische Politikerin und Mitglied des EU-Parlaments
- 1946 - Gabriele Goettle, deutsche Journalistin und Schriftstellerin
- 1947 - Junior Campbell, britischer Sänger, Songschreiber und Musiker
- 1948 - John Bonham, war Schlagzeuger der Rock-Band Led Zeppelin
- 1948 - Jürgen Stark, Vize-Präsident der Deutschen Bundesbank
- 1949 - Tom Berenger, US-amerikanischer Schauspieler
- 1954 - David Sterry, australischer Sänger, Songschreiber und Musiker
- 1954 - Petra Gerstenkorn, ist Mitglied des Bundesvorstandes von ver.di
- 1957 - Gabriel Barylli, österreichischer Schriftsteller, Schauspieler und Regisseur
- 1959 - Andrea de Cesaris, Fahrer in der Formel 1
- 1961 - Lea Thompson, US-amerikanische Schauspielerin
- 1962 - Corey Hart, kanadische Sängerin
- 1962 - Sebastian Koch, deutscher Schauspieler
- 1963 - Viktor Orbán, ungarischer Politiker, 1998 bis˙2002 Ministerpräsident von Ungarn
- 1963 - Wendy Smith, britische Background-Sängerin
- 1965 - Brooke Shields, US-amerikanische Schauspielerin
- 1966 - Frank Goosen, ist Kabarettist und Roman-Autor
- 1967 - Sandrine Bonnaire, französische Schauspielerin
- 1975 - Toni Nieminen, finnischer Skispringer
- 1979 - Tanja Mairhofer, österreichische Schauspielerin und Moderatorin
- 1981 - Marlies Schild, österreichische Skirennläuferin

Gestorben


- 601 - Rekkared I., König der Westgoten
- 1089 - Sigewin von Are, von 1078 bis 1089 Erzbischof des Erzbistums Köln
- 1252 - Ferdinand III. (Kastilien), als Ferdinand II. König von Kastilien und als Ferdinand III. König von Spanien
- 1491 - Philippe Basiron, französischer Komponist, Organist und Kleriker
- 1594 - Tintoretto, italienischer Maler
- 1601 - Gebhard I. von Waldburg, Kurfürst und Erzbischof von Köln
- 1680 - Joachim Neander, deutscher Pastor und Kirchenlieddichter und -komponist
- 1740 - Friedrich Wilhelm I. von Preußen
- 1747 - Heinrich Johann Friedrich Ostermann, russischer Diplomat und Staatsmann
- 1809 - Ferdinand von Schill, preußischer Offizier
- 1809 - Franz Joseph Haydn, österreichischer Komponist der klassischen Periode
- 1809 - Jean Lannes, französischer General, Marschall von Frankreich
- 1825 - George Chalmers, englischer politischer Schriftsteller
- 1827 - Pierre Louis Prieur, französischer Politiker
- 1832 - Evariste Galois, französischer Mathematiker
- 1846 - Philip Marheineke, deutscher Theologe
- 1847 - Thomas Chalmers, Schriftsteller und Begründer der Freien Kirche Schottlands
- 1854 - Vatroslav Lisinski, kroatischer Komponist
- 1872 - Friedrich Gerstäcker, deutscher Abenteurer und Schriftsteller
- 1874 - Felician Martin von Zaremba, russischer Diplomat, Prediger und Missionar
- 1884 - Bethel Henry Strousberg, deutscher Unternehmer der Gründerzeit
- 1908 - Anton Lux, österreichischer Artillerieleutnan