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BekenntnisEin Bekenntnis ist die offene Äußerung eines den Sprecher betreffenden Sachverhaltes. Spezielle Bekenntnisse findet man in folgenden Bereichen:
- im Recht:
- Geständnis
- religöses oder weltanschauliches Bekenntnis (vgl. zum Beispiel Art. 4 GG, § 166 StGB)
- Kriminalistik: Bekenntnis zu einer Tat: zum Beispiel Bekennerschreiben
- in der Religion:
- das allgemeine Glaubensbekenntnis oder zum Beispiel das Augsburger Bekenntnis
- das Schuldbekenntnis, zum Beispiel im Bußsakrament
- individuell: Das Öffentlichmachen von Details des persönlichen Lebens
- im alltäglichen Leben: zum Beispiel Coming-out,
- literarisch: Bekenntnisse
- emphatisch: das überzeugte Engagement für etwas, die Zugehörigkeit zu einer Gruppe: ; (zum Beispiel Bekenntnis zur FDGO oder Bekennende Kirche...)
GeständnisDas Geständnis ist das Einräumen eines bestimmten Sachverhaltes, das dem Gestehenden zur Last gelegt wird.
Bereits im Römischen Recht wurde der Satz Confessio est regina probationum (Das Geständnis ist die Königin der Beweismittel) geprägt.
Das Geständnis kann sowohl im Zivilprozess als auch im Strafverfahren eine Rolle spielen. Den gewichtigeren Anteil nimmt das Geständnis im Strafverfahren ein.
Strafverfahren
Das Geständnis im Strafverfahren gewinnt seinen besonderen Wert in der Hauptverhandlung vor Gericht. Es ist jederzeit zu widerrufen; jedoch unterliegt es der freien Beweiswürdigung nach § 261 StPO. Daher kann auch nach dem Widerruf eine Verwertung durch das Gericht erfolgen.
Das Geständnis muss aus der freien Willensbildung heraus erfolgen. Es darf nicht durch Folter, Drohungen, Misshandlungen, Ausnutzen von Ermüdungen, Hypnose, Versprechungen von Vorteilen (wie Entlassung aus der Haft) oder durch die Gabe von Psychopharmaka, die die Willensbildung beeinträchtigen, erfolgen. Wird das Geständnis nach einer Vereinbarung zwischen den Handlungsberechtigten des Prozesses (Staatsanwaltschaft, Verteidiger, Richter) herbeigeführt (so genannter "Deal"), so ist stets zu prüfen, ob die engen Voraussetzungen des Deals erfüllt sind.
Zivilverfahren
Das Geständnis ist in der Zivilprozessordnung in den §§ 288 - 290 ZPO gesondert geregelt. Eingeräumte Tatsachen bedürfen dann keines Beweises mehr. Werden zugestandene Tatsachen durch das Geständnis jedoch eingeschränkt (so genanntes qualifiziertes Geständnis) muss dies nach der Lage des Falls gemäß § 289 Abs. 2 ZPO beurteilt werden.
siehe auch: Recht | Rechtswissenschaft | Hauptseite Recht
Weblinks
- [http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/stpo/__261.html § 261 StPO]
- [http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/zpo/BJNR005330950BJNG029901301.html §§ 253 ff. ZPO]
Kategorie:Gerichtsverfahren
ReligionAls Religion wird oftmals ein in größeren Bevölkerungsgruppen verankertes System von Vorstellungen über die Existenz von Gegebenheiten jenseits des sinnlich Erfahrbaren, bezeichnet.
Diese in langen Traditionen entstandene Welterklärung bzw. Anleitung zur Lebensbewältigung wird in der westlichen Welt aufgrund christlicher Traditionen häufig mit der Kurzformel "Glaube" zusammengefasst. Hierbei handelt es sich um den zumeist institutionalisierten und organisierten Glauben an eine oder mehrere persönliche oder auch unpersönliche transzendente Wesenheiten, z.B. eine Gottheit, Geister und Ahnen) und/oder Prinzipien (z.B. Dao, Dhamma) und/oder andere Vorstellungen, wie z.B. Nirvana und Jenseits.
Nähere Bestimmung
Allerdings erfasst dieser westliche Ansatz einer Definition mit Hilfe des Begriffs "Glauben" nicht alle Religionen, da dieser Terminus in einigen Religionen nicht oder kaum existiert und damit nicht das eigentliche Merkmal dieser Religion sein kann.
Ein weiteres Problem stellt die Bestimmung einer Gemeinschaft als Religion dar. Einige Religionen beruhen auf philosophischen Systemen, bei anderen ist die politische Orientierung oder die Spiritualität sehr ausgeprägt. Eine klare Abgrenzung ist kaum möglich, Überschneidungen finden sich in nahezu allen Religionen und insbesondere bei der Rezeption durch einzelne Menschen. Den meisten Religionen sind Heilslehren, Symbolsysteme und Rituale zu eigen. Auf diesem Hintergund werden populäre Einteilungen vorgenommen.
Religiöse Vorstellungsbilder weiterzugeben und damit zu vergesellschaften, ist an die Sprachfähigkeit des Menschen gekoppelt und daher so alt wie das Sprachvermögen der Hominiden.
Als Hochreligionen werden meist Christentum, Islam, Judentum, Hinduismus, Buddhismus, Daoismus, Sikhismus, Konfuzianismus, Baha'i und Shinto verstanden (siehe auch Liste der Religionen der Welt).
Mit der wissenschaftlichen Erforschung von Religionen befassen sich insbesondere die Religionswissenschaft/Religionsgeschichte, die Religionssoziologie, die Religionsphänomenologie und die Religionsphilosophie.
Begriff und Etymologie
religio hatte im Lateinischen die unterschiedlichsten Bedeutungen: "Gottesfurcht", "Frömmigkeit", "Heiligkeit", aber auch "Rücksicht", "Bedenken", "Skrupel", "Gewissenhaftigkeit" oder "Aberglaube".
Die weitere Etymologie des Begriffs ist nicht mit Sicherheit geklärt. religare bedeutet im Lateinischen "anbinden, zurückbinden" und auch "festhalten, an etwas festmachen".
Der Begriff religio ist kein Terminus altrömischer Religion. Die frühesten Belege finden sich vielmehr erst in den Komödien des Plautus (ca. 250-184 v. Chr.) und in den politischen Reden des Cato (234-149 v. Chr.).
Nach Cicero (De Natura Deorum 2, 72) geht religio zurück auf relegere, was wörtlich "wieder aufwickeln", im übertragenen Sinn "bedenken, Acht geben" bedeutet. Cicero dachte dabei an den Tempelkult, den es sorgsam zu beachten galt. Lactantius (Divinae Institutiones 4, 28) führt das Wort zurück auf religare: "an-, zurückbinden". Mögliche ursprüngliche Bedeutungen von "Religion" sind demnach "frommes Bedenken" oder die "Rückbindung" an einen von Gläubigen an- bzw. wahrgenommenen universellen göttlichen Ursprung oder an sonstiges Höheres.
Religion und Religiosität
Der Begriff religio bzw. religiosus wurde im Mittelalter vor allem für den Ordensstand benutzt. Diese Bedeutung hat der Begriff bis heute im römisch-katholischen Kirchenrecht. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit waren für das Wort "Religion" die Bezeichnungen fides (Glaube), lex (Gesetz) und secta (Richtung, Partei) gebräuchlich. Der heutige Begriff "Religion" wurde erst nach der Reformation eingeführt. Darunter verstand man zunächst Lehren, die je nach Auffassung, entweder richtig oder falsch sein sollten. In der Aufklärung entwickelte sich dann ein abstrakterer Religionsbegriff, auf den die gegenwärtigen Definitionsansätze zurückgehen.
Im Deutschen sind die Begriffe Religion und Religiosität zu unterscheiden. Der Begriff Religiosität wird seit Ende des 18. Jh. verwendet. Religion bezeichnet demgemäß ein System - also das Äußerliche, Strukturelle, Gemeinschaftliche -, während Religiosität auf das Subjektiv-Individuelle bezogen ist, insbesondere auf das Erleben des Einzelnen.
Begriffliche Problematik
Religiosität
Wichtig bei der Betrachtung der Herkunft des Wortes ist die kritische Beobachtung seiner (ideologischen) Verwendung. Abgesehen von diesen etymologischen Unsicherheiten ist der Terminus auch heute noch problematisch. Mit der europäischen "Entdeckung" bisher in der so genannten Alten Welt unbekannter Kulturen wurde der Begriff auf Sachverhalte angewendet, die zwar Ähnlichkeiten mit dem europäischen Religionskonzept haben (zum Beispiel die Gottesverehrung), in mancher Hinsicht aber auch sehr gegensätzlich sind (zum Beispiel der Ausschließlichkeitsanspruch). Diese Differenz besteht auch zu den östlichen Religionen, was z.B. an den Übersetzungen des Wortes Religion in der jeweiligen Sprache zu erkennen ist.
Eine Folge ist, dass heute zwar viele verschiedene Religionen und Religionsformen bekannt und erforscht sind, jedoch eine auf alle Religionsgemeinschaften und -formen anzuwendende Definition aussteht und wahrscheinlich - wegen der heterogenen Theoriesysteme - auch in Zukunft nicht existieren wird.
Wissenschaftliche Ansätze zur Definition von Religion
Die Religionssoziologie und Religionswissenschaft untersuchen seit ca. 100 Jahren auf empirischer und theoretischer Grundlage Religionen als gesellschaftliche Phänomene. Dabei gibt es unterschiedliche Auffassungen über Definition und Funktion von Religion. In beiden Wissenschaften konnte man sich bisher auf eine wissenschaftliche Definition, die beschreibt, was Erkennungsmerkmale von Religionen sind und wann eine Weltanschauung als Religion bezeichnet wird, nicht einigen. Dennoch gab es vielversprechende Ansätze, an die die weitere Forschung anknüpfen kann.
Religionswissenschaft
Nach Karl Marx u. a. sind Religionen ursprünglich an eine unilaterale gesellschaftliche Praxis gekoppelt. Demnach sind Jäger-, Nomaden- und Ackerbauernreligionen (als Basalreligionen) zu unterscheiden. Nur die Nachfolger der beiden letzteren, mit dem Neolithikum entstandenen Religionen hatten noch wesentlichen Einfluß auf die heutigen Religionen Europas.
Erich Fromm bildete eine weite, sozialpsychologische Definition von Religion als jedes von einer Gruppe geteilte System des Denkens und Handelns, das dem einzelnen einen Rahmen der Orientierung und ein Objekt der Hingabe bietet.
Religionssoziologische Ansätze
- Nach Émile Durkheim, Begründer der Soziologie, trägt Religion zur Festigung sozialer Strukturen aber auch zur Stabilisierung des Einzelnen bei. Sein Religionsbegriff ist somit ein funktionalistischer. Gemäß Durkheim ist die Religion ein solidarisches System, das sich auf Überzeugungen und Praktiken bezieht, die heilige Dinge beinhalten und in einer moralischen Gemeinschaft wie beispielsweise der Kirche, alle vereinen, die dieser angehören. Daraus ergeben sich drei Aspekte von Religion, die Glaubensüberzeugungen (Mythen), die Praktiken (Riten) und die Gemeinschaft, auf die diese bezogen sind. Durkheim bezeichnet unter anderen Faktoren den Glauben als ein Element der Macht, die die Gesellschaft über ihre Mitglieder ausübt.
- Ferdinand Tönnies unterscheidet Ende des 19. Jh. zwischen 'Gesellschaft' und 'Gemeinschaft'. Er betont die sinnstiftende Funktion von Religion als typisch "gemeinschaftlich" und erforscht ihre Symbolsysteme. Religiöse Gemeinschaften - wie andere traditionelle Gemeinschaften - dienen demnach der kulturellen Bindung des Individuums. Sie verlieren zugunsten der Prägung durch die Gesellschaft in der Moderne an Bedeutung für den Einzelnen. Als Kirche, das heißt als Institution, behalten sie jedoch hohen gesellschaftlichen Einfluss. Laut Tönnies ("Geist der Neuzeit") folgt gegenwärtig einem Zeitalter der Gemeinschaft ein Zeitalter der Gesellschaft. Die Funktion der Religion im ersteren werde nunmehr von der öffentlichen Meinung mehr und mehr übernommen.
- Max Weber, der sich Anfang des 20. Jahrhunderts ausführlich mit dem Phänomen "Religion" aus soziologischer Sicht befasste, unterschied zwischen Religion und Magie. Unter Religion versteht er ein dauerhaftes, ethisch fundiertes System mit hauptamtlichen Funktionären, die eine geregelte Lehre vertreten, einer organisierten Gemeinschaft vorstehen und gesellschaftlichen Einfluss anstreben. Magie dagegen ist nach Weber lediglich kurzfristig wirksam, gebunden an einzelne Magier oder Zauberer, die als charismatische Persönlichkeiten vermeintlich Naturgewalten bezwingen und eigene moralische Vorstellungen entwickeln. Diese Abgrenzung versteht Weber als idealtypisch. Reinformen sind selten, Überschneidungen und Übergänge werden konstatiert.
Religionswissenschaftliche Ansätze
- Nach Clifford Geertz (1973) ist Religion ein kulturell-geschaffenes Symbolsystem, das versucht, dauerhafte Stimmungen und Motivationen im Menschen zu schaffen, indem es eine allgemeine Seinsordnung formuliert. Diese geschaffenen Vorstellungen werden mit einer solch überzeugenden Wirkung ("Aura von Faktizität") umgeben, dass diese Stimmungen und Motivationen real erscheinen. Solche "heiligen" Symbolsysteme haben die Funktion, das Ethos - das heißt das moralische Selbstbewusstsein einer Kultur - mit dem Bild, das diese Kultur von der Realität hat, mit ihren Ordnungsvorstellungen zu verbinden. Die Vorstellung von der Welt wird zum Abbild der tätsächlichen Gegebenheiten einer Lebensform. Die religiösen Symbolsysteme bewirken eine Übereinstimmung zwischen einem bestimmten Lebensstil und einer bestimmten Metaphysik, die einander stützen. Religion stimmt demnach menschliche Handlungen auf eine vorgestellte kosmische Ordnung ab. Die ethischen und ästhetischen Präferenzen der Kultur werden dadurch objektiviert und erscheinen als Notwendigkeit, die von einer bestimmten Struktur der Welt erzeugt wird. Die Glaubensvorstellungen der Religionen bleiben demgemäß nicht auf ihre metaphysischen Zusammenhänge beschränkt, sondern erzeugen Systeme allgemeiner Ideen, mit denen intellektuelle, emotionale oder moralische Erfahrungen sinnvoll ausgedrückt werden können. Da somit eine Übertragbarkeit von Symbolsystem und Kulturprozess vorliegt, bieten Religionen nicht nur Welterklärungsmodelle, sondern gestalten auch soziale und psychologische Prozesse . Durch die unterschiedlichen Religionen wird eine Vielfalt unterschiedlicher Stimmungen und Motivationen erzeugt, sodass es nicht möglich ist, die Bedeutsamkeit von Religion in ethischer oder funktionaler Hinsicht festzulegen.
- Jacques Waardenburg bezeichnet die Definition von Religion als 'Glauben' als ein Produkt westlicher Tradition. Dieser Begriff treffe daher nicht auf die Vorstellungen anderer Kulturen zu und sei für die Beschreibung von Religionen eher ungeeignet. Religionen können nach seiner Auffassung als Bedeutungsgefüge mit darunterliegenden Grundintentionen für Menschen angesehen werden.
- Der amerikanische Religionswissenschaftler Ninian Smart entwirft ein multidimensionales Modell von Religion und unterscheidet dabei sieben Dimensionen: 1. die praktische und rituelle, 2. die erfahrungsmäßige und emotionale, 3. die narrative oder mythische, 4. die doktrinale und philosophische, 5. die ethische und rechtliche, 6. die soziale und institutionale und 7. die materielle Dimension (z.B. sakrale Bauwerke).
Phänomene und religionsspezifische Begrifflichkeit
Um Religionen zu beschreiben, haben Menschen, die sich mit Religion(en) beschäftigten, Kriterien und Begriffe für gefundene Phänomene geschaffen. Viele dieser Begriffe sind selbst Produkte religiöser Sichtweisen und damit problematisch für das Beschreiben religiöser Phänomene, da sie oftmals religiöse Interpretationen des jeweiligen Objektes sind und höchstens einen Ausschnitt des eigentlichen Phänomens zeigen können. So ist z.B. der Begriff "Gebet" ein christlicher und beschreibt eine christliche Praktik, die nicht auf Dinge wie Meditation oder Versenkung angewandt werden kann, obgleich dies immer wieder geschieht. Dennoch gibt es in vielen Religionen ähnliche Konzepte, die miteinander verglichen und einander gegenüber gestellt werden können, wodurch ein Ordnen und Beschreiben von Religionen erst möglich wird.
Theismus und Atheismus
Versenkung]
Religionen, die einen Gott verehren, werden als monotheistisch bezeichnet, Religionen, die mehrere Götter verehren, als polytheistisch, Religionen, die das Göttliche in der gesamten Welt sehen, als pantheistisch, Religionen die sich nicht auf ein oder mehrere transzendente Wesen beziehen als atheistisch, obwohl der Atheismus als solcher keine Religion ist. Dennoch gibt es atheistische Religionen wie z.B. den Theravada-Buddhismus.
Auch einige atheistische Weltanschauungen haben an religiöse Rituale erinnernde ideologisch geprägte Formen. Man denke z.B. an die Aufmärsche und Feiern kommunistischer Staaten oder an die sozialistischen Jugendweihen. Der Faschismus bzw. Nationalsozialismus trägt ebenfalls die Züge eines extremistischen religiösen Systems. Ein Beispiel ist die quasigöttlichen Verehrung des Führers. Neuere Forschungen zur Entstehung des Nationalsozialismus widmen dieser Thematik besondere Aufmerksamkeit. Die These, dass scheinbar nichtreligiöse Systeme sich religiöser Formen bedienen, wird wissenschaftlich diskutiert (siehe auch: Politische Religion). Weitere Kategorien zur Bezeichnung von (weniger weit verbreiteten) Religionen sind indigene und animistische Religionen.
Schöpfungsmythen und Kosmologie
Häufig vermitteln Religionen eine Vorstellung, wie die Welt entstanden ist, eine Schöpfungsgeschichte und ein Bild der letzten Dinge, eine Eschatologie. Dazu gehört immer die Hauptfrage, was mit dem Menschen nach dem Tod geschieht. Themen wie Reinkarnation, Nirwana, Ewigkeit, Jenseits, Himmel oder Hölle, und was letztlich mit der Welt geschehen wird (Weltuntergang, Apokalypse, Ragnarök, Reich Gottes), sind in vielen Religionen zentral.
Religiöse Spezialisten
Die meisten Religionen kennen Priester, Prediger, Geistliche, Magier, Druiden oder Schamanen, die die Religion überliefern, lehren, ihre Rituale ausführen und zwischen Mensch und Gottheit vermitteln. Manche Religionen sprechen einzelnen dieser Menschen übernatürliche Eigenschaften zu. In vielen Religionen sind diese Personen innerhalb einer formellen Organisation tätig, in anderen unabhängig. Sie werden bezahlt oder üben ihre Tätigkeit unentgeltlich aus. In einigen Religionen werden die religiösen Rituale vom Familienoberhaupt durchgeführt oder geleitet. Es existieren auch Religionen, in denen es keinen autorisierten Vermittler zwischen dem Übernatürlichen und dem Menschen gibt.
Spiritualität und Rituale
Häufig pflegen Religionen und Konfessionen eine eigene Art von Spiritualität. Spiritualität - insbesondere im Christentum - ist das geistliche Erleben, im Gegensatz zur Dogmatik, welche die festgesetzte Lehre einer Religion darstellt. Das Ritual hingegen ist durch die Religion formalisierte Spiritualität. Im heutigen westlichen Sprachgebrauch wird Spiritualität als seelische Suche nach Gott oder einem anderen transzendenten Bezug bezeichnet, ob im Rahmen von spezifischen Religionen oder jenseits davon. In einigen Religionen finden sich Strömungen, deren Anhänger die Begegnung mit der Transzendenz oder dem Göttlichen in mystischen Erfahrungen finden.
Zu religiösen Riten gehören unter anderem Gebet, Meditation, Gottesdienst, religiöse Ekstase, Opfer, Liturgie, Prozessionen und Wallfahrten. Daneben gibt es im Alltag gelebte Frömmigkeit wie Almosen geben, Barmherzigkeit oder Askese.
Schismen und Synkretismus
Aufgrund ihrer ideologischen Momente haben Religionen die latente Tendenz zur Spaltung. Neue Religionen sind oft durch die Abtrennung einer Gruppe aus der ursprünglichen Religionsgemeinschaft entstanden.
Der Begriff Synkretismus beschreibt das gleichzeitige Ausüben von Praktiken verschiedener Religionen. Im klassischen Sinne ist er aber der Versuch, Religionen zu vereinen oder die Schaffung einer neuen Religion aus unterschiedlichen Vorgängern zu initiieren.
Seit der Aufklärung wird - vor allem im westlichen Kulturkreis - zwischen institutionalisierter Religion und persönlicher Haltung zum Transzendenten unterschieden.
Hinzu kommen seit den 1980er Jahren postmoderne Ansätze, nach denen Gruppen oder Individuen Ideen, Rituale usw. aus Religionen und anderen Weltanschauungen neu zusammenstellen und auf ihre Bedürfnisse zuschneiden. Dieses eklektizistische Vorgehen wird von Vertretern traditioneller Religionen zuweilen "Patchwork- bzw. Cafeteria-Religion" oder "Supermarkt der Weltanschauungen" genannt.
Religionen in Zahlen
Viele Menschen haben das Bedürfnis, zu erfahren, wie viele "Gläubige" sich zu einer Religion bekennen. Obwohl immer wieder Statistiken auftauchen, ist die Quellenlage zumeist fraglich. Auch gibt es Religionen wie das Christentum oder den Buddhismus nicht (man vergleiche das "Christentum" in Südamerika und Skandinavien). Daher sollte stets beachtet werden, dass solche Statistiken im besten Falle nur etwas über die Anzahl der Mitglieder einer Religionsgemeinschaft (ähnlich einer Vereinsmitgliedschaft) und über die Ideologie der Statistikveröffentlicher aussagen. Darüber hinaus gibt es sehr unterschiedliche Ausprägungen der Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft. Beispielsweise werden zum Judentum häufig auch diejenigen gerechnet, die sich als Atheisten bezeichnen, zum Christentum in Deutschland alle Kirchensteuerzahler, auch wenn sie nicht gläubig sind.
eklektizistische
Statistik A - Religionen der Welt - Zugehörige
(Quelle: [http://www.adherents.com/Religions_By_Adherents.html adherents.com])
- Christentum (2,1 Milliarden)
- Islam (1,3 Milliarden)
- Atheismus, Nichtreligiöse (1,1 Milliarden)
- Hinduismus (900 Millionen)
- Traditionelle Chinesische Religionen (394 Millionen)
- Buddhismus (376 Millionen)
- Nichtafrikanische Indigene Religionen (300 Millionen)
- Traditionell Afrikanische Religionen (100 Millionen)
- Sikhismus (23 Millionen)
- Spiritismus (15 Millionen)
- Judentum (14 Millionen)
- Baha'i (7 Millionen)
- Jainismus (4,2 Millionen)
Statistik B - Religionen der Welt - Zugehörige
(Quelle: [http://www.globalchristianity.org/resources.htm David B. Barrett])
- Islam (1,313 Milliarden)
- Römisch Katholische Kirche (1,119 Milliarden)
- Hinduismus (870 Millionen)
- Nichtreligiös (769 Millionen)
- Unabhängige Christliche Kirchen (427 Millionen)
- Traditionelle Chinesische Religionen (405 Millionen)
- Buddhismus (379 Millionen)
- Protestantische Kirchen (376 Millionen)
- Ethnoreligionen (256 Millionen)
- Orthodoxe Kirchen (220 Millionen)
- Atheismus (152 Millionen)
- Afrikanische Religion (100 Millionen!)
- Neue Religionen (108 Millionen)
- Anglikaner (80 Millionen)
- Sikhismus (25 Millionen)
- Judentum (15 Millionen)
Stand Mitte 2005, Weltbevölkerung: 6,454 Milliarden.
Statistik C - Religionen in Deutschland - Zugehörige
(Quelle: [http://www.remid.de/remid_info_zahlen.htm REMID])
- Römisch-Katholische Kirche (26,46 Millionen)
- Evangelische Landeskirchen (26,21 Millionen)
- Islam (gesamt: 3,3 Millionen)
- Hinduismus (gesamt: 0,092 Millionen)
- Neuapostolische Kirche (0,38 Millionen)
- Buddhismus (gesamt: 0,21 Millionen)
- Judentum (gesamt: 0,189 Millionen)
Religion und Ethik
eklektizistischeen, in welchen ethisches Verhalten festgelegt und über die Schrift weitergegeben wird.]]
Die meisten alten Religionen hatten zugleich den Anspruch menschliches Zusammenleben durch Gesetze zu regeln (10 Gebote). Die meisten Religionen der Gegenwart haben ein ethisches Wertesystem, dessen Einhaltung sie fordern. Dieses System umfasst Vorstellungen darüber, was richtig und falsch und was gut und böse ist, wie ein Angehöriger der jeweiligen Religion zu handeln und teilweise zu denken hat. Immer also findet sich eine zugrundeliegende Auffassung über die Welt, die Natur und die Stellung des Menschen dazu darin. Obgleich sich diese Vorstellungen historisch wandeln, stehen hinter solchen religiösen Pflichten in fast allen Religionen ähnliche moralische Prinzipien. Diese sollen das konfliktarme Miteinander der Mitglieder der Religionsgemeinschaft regeln, sollen Gesellschaft und zum Teil Politik positiv beeinflussen und die Menschen individuell dem jeweiligen religiösem Ziel näher bringen. Zum Teil bieten sie für den Einzelnen einen moralischen Rahmen, der ihn psychisch und physisch stabilisieren kann.
In einigen Religionen sollen diese moralischen Gesetze der jeweiligen Überlieferung nach direkt dem Religionsstifter von der entsprechenden Gottheit überbracht worden sein und somit höchste Autorität besitzen. Nach dieser Vorstellung müssen sich auch weltliche Herrscher diesen ethischen Anforderungen beugen. Gehorsam wird teilweise unter Androhung von diesseitigen oder jenseitigen Strafen gefordert oder als einziger Weg zum Heil dargestellt.
Häufig existieren noch weitere Regeln, die nicht direkt vom Stifter der Religion stammen, sondern aus den heiligen Schriften und anderen Tradierungen der jeweiligen Religion abgeleitet werden (z.B. Talmud, Sunna). Einige dieser Normen verloren im Laufe der historischen Entwicklung für viele Gläubige ihren Sinn und wurden in einigen Fällen den sehr unterschiedlichen Wertesystemen der entsprechenden Zeit angepasst.
Ethik im Judentum und Christentum
Die gelebte Ethik von Judentum und Christentum unterscheidet sich unter anderem dadurch, ob die jeweilige Religion mit einem weiten individuellem Denk- und Handlungsspielraum, traditionell oder fundamentalistisch ausgelegt wird. Auch innerhalb der einzelnen Religionen gibt es häufig unterschiedliche Schulen, welche die jeweilige Morallehre verschieden auslegen und anwenden. So gab es z.B. im Christentum Strömungen, die das Alte Testament aufgrund der darin sehr gewalttätig wirkenden Gottheit "verbannen" wollten.
Judentum und Christentum verbindet in ihren ethischen Systemen beispielsweise der Gedanke an eine Endzeit. Dieses lineare Verständnis von Zeit bedeutet, dass die Gläubigen im Diesseits nach den von ihrer Gottheit geforderten Regeln leben, um den Lohn dafür in einer späteren Zeit zu erhalten; obgleich die Gottheit auch im Diesseits schon wirken kann. Allerdings wird im Protestantismus ebenso oftmals die göttliche Gnade für ausschlaggebend gehalten, auch teilweise unabhängig von der Befolgung moralischer Postulate. Das Judentum ist weniger jenseitsbezogen jedoch gebotreicher als das Christentum, was sich u.a. im hebräischen Wort für Religion, nämlich Torah (Gesetz), widerspiegelt. Ähnlich wie im Hinduismus gibt es genaue Anweisungen, wie die Handlungsweisen des Mitglieds in der Gruppe sein sollen. In den christlichen Religionen sind durch die Relativierungen ihres Stifters und die neuplatonischen Einflüsse weit weniger Richtlinien vorgegeben - beispielsweise die Zehn Gebote.
Ethik im Islam
Die Ethik im Islam ist ähnlich wie im Judentum sehr stark an Gebote für einzelne Situationen gebunden. Der Koran gibt genaue Anweisungen für die Handlungen des Einzelnen in der Gruppe. Wichtig für den Islam ist eine kollektive Verantwortung für Gut und Böse. Dies wird beispielsweise in der Anweisung al-amr bil ma'ruf wa n-nahi an al-munkar (das Gute befehlen und das Schlechte verbieten) deutlich. In Folge besteht die Gefahr einer unumschränkten Befehlsgewalt der Gemeinschaft (siehe auch Hisba). Der Islam geht in seinen Hauptrichtungen Sunna und Schia von der Prädestination (Vorherbestimmung) aus, die dem Individuum nur begrentzten Handlungsspielraum zugesteht.
Ethik bei den "östlichen Religionen"
Religionen wie der Buddhismus, der Hinduismus oder auch der Daoismus stellen ebenso ethische Anforderungen, wie unter anderem die Überwindung von Hass, Habgier, Lüge sowie besonders Gewaltlosigkeit. Dabei werden die Regeln an einer angenommen kosmischen Gesetzmäßigkeit bzw. einem Weltprinzip ausgerichtet (z.B. Dharma im Hinduismus und im Buddismus, Dao im Daoismus). Dieses kosmische Weltprinzip beinhaltet ethische Vorgaben für jedes Individuum. Von den Anhängern wird erwartet, die Gesetzmäßigkeiten des Daseins zu erkennen und entsprechend zu handeln. So existieren z.B. Tötungsverbote, die sich teilweise auch auf Tiere beziehen.
Abweichendes Verhalten wird in solchen Religionen weniger von der Religionsgemeinschaft sanktioniert, sondern soll vor allem negative Konsequenzen für das Individuum z.B. in einer der nächsten Existenzen nach sich ziehen (im Hinduismus, Buddhismus, Jainismus innerhalb der Vorstellung von Karma und Wiedergeburt, Samsara); im Daoismus und chinesischen Buddhismus äußern sich diese Konsequenzen z.B. innerhalb der daoistischen bzw. buddhistischen "Hölle", wo grausame Strafen auf Missetäter warten.
Die populäre Annahme, dass "östliche Religionen" bedingt durch deren Ethik weniger zu Gewalt neigen, kann wissenschaftlich nicht bestätigt werden, da Gewalt eher von den jeweiligen Machthabern, als von den religiösen Autoritäten selbst ausgeht. Aber, religiös motivierte Gewalt, wie wir sie aus der Kreuzzugs-, Conquista-, Missionierungs-Historie im christlichen Kulturkreis oder auch im Rahmen der islamischen Expansion kennen, tritt im Kulturkreis östlicher Religionen deutlich seltener auf.
Siehe auch: Buddhistische Ethik
Ethik bei indigenen Kulturen
Indigene Kulturen, die oftmals auch mit den problematischen Begriffen "Naturvölker" oder "Stammeskulturen" bezeichnet werden, weisen häufig Moralsysteme auf, welche die Gemeinschaft schützen sollen. Da nur durch ein funktionierendes Sozialbewusstsein das Überleben der Gruppe gesichert werden kann, steht ein prosoziales Verhalten im Mittelpunkt der mündlich weitergegebenen Verhaltensweisen. Diese "Naturreligionen" beinhalten weiterhin Rituale zur Beeinflussung ihrer Götter bzw. Naturgewalten.
Religion nach der Aufklärung
Die Aufklärung bringt einen Wandel des Religionsverständnisses: Verstand man in den vormodernen Gesellschaften unter Religion die öffentliche Verehrung der Götter (lat. religio), so verschiebt sich die Religion jetzt ins Private. Sie wird zur Religiosität, zur inneren Haltung des frommen Individuums. Als Vordenker dieser Haltung gilt der Theologe Schleiermacher, der in seinem Buch Über die Religion (1799) schrieb: "Religion ist nicht Metaphysik und Moral, sondern Anschauen und Gefühl".
Dementsprechend ist seitdem - im Gegensatz zu den vorzeitlichen und vormodernen christlichen Gesellschaften, in denen alle Bereiche menschlichen Lebens unter der Autorität der Religion standen - eine Tendenz bemerkbar, die zunehmend Bereiche der Gesellschaft aus dem Herrschaftsbereich der Religion ausgliedert. Beispielsweise beanspruchen die Natur- und Geisteswissenschaften verbunden mit der Idee eines natürlichen Grundrechts Autorität in Fragen zu Evolution oder Ethik/ Recht - Bereiche, die zuvor der Religion unterstanden. Diese Entwicklung wird als Säkularisierung bezeichnet. Erklärungsversuche für dieses Phänomen beziehen sich oft auf die Industrielle Revolution, die allmähliche Überwindung des Ständestaates und den damit verbundenen ökonomischen, sozialen, kulturellen und rechtlichen Wandel.
In Europa verlor das Christentum im späten 19. Jahrhundert Jahrhundert und im gesamten 20. Jahrhundert hinsichtlich seiner Reputation, seines gesellschaftlichen und politischen Einflusses und seiner Verbreitung an Bedeutung. Einige traditionell christliche westliche Länder verzeichnen sinkenden Klerikernachwuchs, Verkleinerung der Klöster und ein Anwachsen von Kirchenaustritten oder andere Formen von Distanzierung. In den meisten europäischen Staaten gehörten im Jahr 2005 mehr als 50 % der Einwohner einer christlichen Kirche an.
Besonders im Gebiet der ehemaligen DDR, deren Regierung die Verbreitung einer atheistischen Weltanschauung förderte und in Frankreich, wo Napoleon die Schließung und Enteignung von Klöstern anordnete und Anfang des 20. Jahrhunderts eine strikte Trennung von Kirche und Staat durchgesetzt wurde, ging der gesellschaftliche Einfluss der Kirchen zurück. Studien im Vereinigten Königreich belegen rückläufige Besucherzahlen in Kirchen, Synagogen und anderen religiösen Einrichtungen, obwohl die Kirchen hier Umfragen zufolge weiterhin zu den reputierten öffentlichen Einrichtungen zählen. In Polen, Irland, Spanien und Italien gilt die katholische Kirche, der jeweils mehr als 80 % der Bewohner angehören, als einflussreich.
In den meisten europäischen Ländern wurde früher oder später das Recht auf Religionsfreiheit gesetzlich verankert. Davor waren auch nichtreligiöse Menschen in aller Regel in religiöse Organisationen eingebunden, da eine demonstrative Abwendung von der Religion zu Diskriminierungen führen konnte. Diese Gruppe sieht derzeit weniger Gründe, sich einer Religionsgemeinschaft anzuschließen. Während des Kommunismus konnte in einigen Ostblockstaaten eine religiöse Orientierung zu formellen und informellen Benachteiligungen führen. In vielen europäischen Ländern ist es nach wie vor üblich, zumindest formell, einer Religion anzugehören.
Parallel zur Säkularisierung kam es sowohl im protestantischen als auch im katholischen Raum zu einer vertieften und bewussteren Teilnahme am kirchlichen Leben von Seiten einer Minderheit von engagierten und häufig kritischen Laien. Auch junge Menschen wenden sich im Zuge ihrer Sinnsuche seit Ende des vorigen Jahrtausends häufiger wieder der Religion zu.
Im Gegenzug zur Säkularisierung in Europa gewinnt die Religion in der übrigen Welt partiell an Einfluss. In den USA und Lateinamerika beispielsweise zeigen empirische Studien , dass die Religion nach wie vor ein wichtiger Faktor ist. In Afrika südlich der Sahara wuchs das Christentum im 20. Jahrhundert von 8 auf 335 Millionen Gläubige. In der oft konservativen arabischen Welt ist der Islam nach wie vor das prägende Element der Gesellschaft. Auch in China zählen, trotz jahrelangem staatlich verordnetem Atheismus, die Weltreligionen wieder circa 100 Millionen Anhänger.
Positive und negative Wirkungen von Religion
Oft wird der Streit zwischen Befürwortern und Gegnern einer Religion in Form einer Schaden-Nutzen-Analyse ausgetragen. Allerdings sagt das wenig über den Wahrheitswert von religiösen Botschaften aus. Dies sollte im Folgenden bedacht werden.
Positive Wirkungen
Dass viele Menschen trotz Aufklärung und moderner Religionskritik an ihrem Glauben festhalten, hat mit positiven Erfahrungen zu tun, die sie mit ihrer Religion verbinden.
Religionen postulieren eine Realität jenseits des physisch Wahrnehmbaren sowie oft ein Leben nach dem Tod. Sie ermöglichen so eine Sinngebung, die als fundierter empfunden wird als eine Sinngebung, die durch die als unbefriedigend erlebte Welt und die eigene Sterblichkeit limitiert ist. Sie bieten ihren Anhängern häufig stabile soziale Strukturen. Fast alle Religionen setzen einen, oft rigorosen, ethischen Standard. Manche Menschen befürchten, ohne solches religiöses Fundament würden ethische Standards in der Praxis stark reduziert ("Ohne Gott ist alles erlaubt."). Diese moralischen Postulate sind wichtig, um die Gesellschaft und den einzelnen selbst vor destruktiven Exzessen zu schützen.
Religiöse Aktivitäten, wie Gebet oder Meditation oder auch die Sinneseindrücke und Symbolik von religiösen Zeremonien, führen bei manchen Menschen zu spirituellen Empfindungen. Religiöse Gemeinschaften können ihren Mitgliedern Inspiration für Mitgefühl, praktische Nächstenliebe und moralische Selbsteinschränkung bieten.
Alle Weltreligionen und darüber hinaus die meisten kleineren Religionen, fordern Barmherzigkeit von ihren Mitgliedern, das heißt, sie sollen sich fürsorglich um andere Menschen kümmern. Hierbei ist es weitgehend unerheblich, ob diese der eigenen Religionsgemeinschaft angehören oder nicht. So ist im Islam z.B. vorgeschrieben, dass jeder einen festen Anteil seines Einkommens für soziale Zwecke spenden soll. Besondere Hilfe und Fürsorge wird den Mitgliedern der eigenen Religionsgemeinschaft zuteil. Ein besonderer Aspekt der Religion ist der Frieden stiftende, welche besonders im Gebot der, in einigen Religionen postulierten, Feindesliebe Ausdruck findet. Alle diese Werte und Haltungen werden in unterschiedlicher Weise auch in nicht religiös orientierten Gruppierungen vertreten.
Es lässt sich beobachten, dass beispielsweise das Christentum in der Vergangenheit für die Gründung vieler großer Universitäten und Schulen, den Aufbau von Hospitälern, den Vorläufern der heutigen Krankenhäuser, das Verteilen von Nahrungsmitteln und die Schaffung von Waisenhäusern verantwortlich war. Andere Religionen und weltliche Organisationen haben im Rahmen ihrer Kulturen und im Verhältnis zu ihrer Größe und ihrem Reichtum vergleichbare Leistungen vorzuweisen.
Forschungen von Abraham Maslow nach dem Zweiten Weltkrieg zeigten, dass die Überlebenden des Holocaust oft diejenigen mit starken religiösen Überzeugungen (nicht notwendigerweise Tempelbesuch etc.) waren. Die humanistische Psychologie untersuchte, ob eine religiöse oder spirituelle Persönlichkeitsprägung mit längerer Lebensdauer und besserer Gesundheit verknüpft ist. Viele Menschen brauchen möglicherweise insbesondere religiöse Bindungen, weil diese verschiedene emotionale Bedürfnisse, wie das Bedürfnis, geliebt zu werden, das Bedürfnis, zu einer gleichförmigen Gruppe zu gehören, das Bedürfnis nach verständlichen Erklärungen oder das Bedürfnis nach Gerechtigkeit befriedigen.
Maslows Ergebnisse haben sich in anderen Zusammenhängen nicht als wiederholbar erwiesen. Die These einer Korrelation zwischen Religion und Gesundheit bzw. Lebensdauer eines Individuums ist daher wissenschaftlich umstritten. Der besondere Umstand, dass Maslow ausschließlich Überlebende des Holocaust befragt hatte, und dass Religion das primäre Auswahlkriterium für die Forschungssubjekte war, könnte zu einer Verzerrung der Ergebnisse geführt haben.
Religion kann auch, soweit sie moralische Leistungen - gute Taten - fordert, neben Hilfe im Einzelfall, begrenzte oder umfassende Reformen und Verbesserungen des rechtlichen oder wirtschaftlichen Systems einer Gesellschaft motivieren.
Negative Wirkungen
Die stärkste Form negativer Wirkung stellen Kriege und andere Gewalttaten dar, die mit religiösen Auffassungen begründet werden. Dies werten Gläubige zumeist als Missbrauch ihrer Religion, während Religionskritiker von einer allen Religionen immanenten Tendenz zu "Fanatismus und Grausamkeit" ausgehen.
Im Westen beispielsweise wurde der römisch-katholischen Kirche die Inquisition vorgeworfen. Andere Verbrechen im Namen der Religion vor christlichem Hintergrund sind beispielsweise Kreuzzüge, Hexenverfolgung, Judenverfolgung, Gewalttätige Formen der Missionierung sowie teilweise die Unterstützung von an sich atheistischen Diktaturen und die ambivalente Rolle der Kirchen im Nationalsozialismus. Der Kirchen- und Religionskritiker Karlheinz Deschner hat in seinem auf zehn Bände angelegten Werk Kriminalgeschichte des Christentums eine Fülle historischen Materials zu diesem Thema ausgewertet, kommentiert und für den Laien verständlich aufbereitet.
In den meisten demokratisch regierten Ländern werden Religionen von der Politik mehr oder weniger getrennt. Wenn man die Auswirkungen einer Säkularisierung im direkten Vergleich mit einem religiös gebundenen System wissenschaftlich, d.h. empirisch, untersucht, werden die Vor- und Nachteile beider Ansätze deutlich. Hierbei wird das oben behandelte Problem der Definition eine Rolle spielen: denn nicht alles, was unter dem Terminus "Religion" subsummiert wird, hat die gleichen Konsequenzen, wenn politische Macht ausgeübt wird. (vgl. hierzu die Untersuchungen Max Webers zu der unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklung in protestantischen und katholischen Ländern).
Wo religiöse Kräfte zu viel Einfluss auf nationale und supranationale politische Strukturen haben, prägen sie entweder die Gewalt der jeweiligen Regierung oder werden von ihr geprägt. Die beiden Fälle lassen sich nicht immer deutlich unterscheiden:
- Seit der islamistischen Revolution von 1979 wurden in Iran tausende von Menschen wegen sogenannter Verbrechen gegen die Religion inhaftiert, gefoltert und oft sogar ermordet. Frauen werden systematisch benachteiligt und schon wegen einer Nichteinhaltung von Bekleidungsvorschriften bestraft. Wegen sogenannter moralischer Verfehlungen können sie legal öffentlich gesteinigt werden. Homosexualität gilt als Verbrechen. Religiöse Minderheiten und politische Dissidenten werden strafrechtlich und von den sogenannten Religionswächtern verfolgt.
- Im christlichen Namibia kam es in den 1990er Jahren zu Gewalttätigkeiten gegenüber Homosexuellen, die von religiösen Autoritäten aber teilweise auch von der Regierung für eine langdauernde Dürre verantwortlich gemacht wurden.
- In Indien gibt es von Zeit zu Zeit Ausschreitungen von Hindus vor allem gegenüber Muslimen. Vereinzelt kommt es auch zu Gewalttätigkeiten gegenüber Christen. So verbrannte der Mob in einem hinduistischen Dorf 1999 den christlichen Leiter eines Lepraspitals zusammen mit seinen Söhnen lebendigen Leibes in seinem Auto.
Hinzu kommt, dass religiöse Autoritäten aller Religionen für ihre Gläubigen oft Vorschriften erlassen, die die Privatsphäre reglementieren sollen. Wie in allen Weltanschauungen, so gibt es auch in den Religionen einen sichtbaren Widerspruch zwischen theoretischem Anspruch und praktischer Umsetzung. Während Machtmissbrauch und andere Missstände im Mittelalter und der frühen Neuzeit häufig zu religiösen Erneuerungsbewegungen führten, haben sie gegenwärtig eher eine Abkehr von der Religion zur Folge.
Viele Religionskritiker betrachten religiöse Belehrungen in der frühen Kindheit als Mittel zur Anpassung an veraltete Normen. Erziehung zu religiösem Fanatismus wird von diesen, aber auch von religiös orientierten Menschen, häufig als Gehirnwäsche kritisiert.
Manche stimmen weiter mit der marxistischen Sichtweise überein, wonach "Religion das Opium des Volkes" sei, also zur passiven Hinnahme ökonomischer und sozialer Machtstrukturen beitrage. Die Kritik wirft insbesondere Christen vor, durch die Hoffnung auf ein Jenseits im Diesseits keine gesellschaftlichen Veränderungen mehr hervor zu bringen. In der Tat haben sich kommunistische Staaten anders entwickelt als christliche Staaten. Tatsächlich gab es aber christliche Staaten, die in Erstarrung verharrten, während andere große Reformen erlebten.
Hingegen verlangen manche säkularisierte Formen von Religion so wenig Engagement, dass sie kaum Einfluss auf das Leben ihrer Mitglieder ausüben. Viele davon gehören nur formell einer Religionsgemeinschaft an, was auf ihr Alltagsleben kaum Auswirkungen hat. Nur zu bestimmten Gelegenheiten werden einige religiöse 'Dienstleistungen' in Anspruch genommen.
Siehe auch
- Portal:Religion, Atheismus, Agnostizismus Religionskritik,
Literatur
- Primärquellen: Die Bibel, ISBN 3460330074; Der Koran, ISBN 3937229760; Der Talmund, ISBN 3937229787 (o. Hrsg.)
- Cancik, Hubert (Hrsg.), Die Religionen der Menschheit, 36 Bde, Kohlhammer-Verlag, Stuttgart, wird seit 1979 fortlaufend überarbeitet.
- Weber, Hartwig, Lexikon Religion, Reinbek, 2001, ISBN 3499606291
- Markus Witte (Hrsg.): Der eine Gott und die Welt der Religionen. 1. Aufl. Religion & Kultur-Verlag, Würzburg 2003 ISBN 3933891140
- René Girard, Das Heilige und die Gewalt, Fischer TB, ISBN 3596109701
- Erwin Fahlbusch (Hrsg.): Taschenlexikon Religion und Theologie, 5 Bde, Vandenhoeck & Ruprecht, 1983, ISBN 3-525-50123-4
- Hans- Michael Haußig: Der Religionsbegriff in den Religionen, Berlin, Philo 1999
- Wulf Meth (Hrsg.): Handbuch Weltreligionen: eine umfassende Einführung in Gedanken und Riten der Weltreligionen, R. Brockhaus, 2003, ISBN 3-417-24779-9
- Geertz, Clifford (1987) Dichte Beschreibung. Beiträge zum Verstehen kultureller Systeme, Frankfurt/M.: Suhrkamp
- Friedrich D. E. Schleiermacher (1799): Über die Religion, Reclam, Ditzingen ISBN 3150083133
- Vinnai, Gerhard: Jesus und Ödipus. 1999. Fischer-TB.-Vlg. Frankfurt/M. ISBN 3596144787
Weblinks Deutsch
- [http://www.religion-links.de.vu Links zu Religionen und religionswissenschaftlichen Seiten]
- [http://www.religion-online.info/ Informationsplattform Religion (REMID)]
- [http://www.kirche.at/ Staatlich anerkannte Religionsgemeinschaften in Österreich]
- [http://www.weltethos.org/ Stiftung für eine Weltethik]
- [http://www.relinfo.ch/ Evangelische Informationsstelle Kirchen - Sekten - Religionen]
- [http://www.rpi-virtuell.net/ Religionspädagogische Plattform: Artikel über Religionen, Weltanschauungen und Persönlichkeiten]
- [http://www.c6-magazin.de/monatsthema/2005/09-religionen Dossier über Religion und Glaube]
- [http://members.aol.com/ehsdober/reli/glossar.html Glossar religiöser Begriffe]
- [http://www.dittmar-online.net/religion/index.html Psychologie, Religion und Glauben]
- [http://www.religionen.at/ Verschiedene Religionen und Glaubensüberzeugungen]
Weblinks Englisch
- [http://www.bbc.co.uk/religion/ Religion & Ethics] (BBC; englisch)
- [http://religion-wiki.wikicities.com/wiki/Main_Page religion-wiki] - Koexistenz: alle Sprachen, alle Religionen
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ja:宗教
ko:종교
ms:Agama
simple:Religion
th:ศาสนา
WeltanschauungEine Weltanschauung ist ein umfassendes Konzept oder Bild des Universums und der Beziehung zwischen Mensch und Universum. Sie umfasst die Menge bestimmter Meinungen, als organischer Gesamtheit, über die Welt als Grund, Boden und Bühne der menschlichen Existenz, des menschlichen Handelns. Das umfasst Anschauungen über: Wissenschaft, Philosophie, Politik, Wirtschaft, Ökologie, Umwelt, Kultur, Bräuche, Religion, Ethik, Werte, Moral, Kindererziehung bis hin zur Ernährung.
Das Wort findet sich zuerst in dem Buch Kritik der Urteilskraft (§ 26; 1790) von Immanuel Kant.
Eine Weltanschauung gibt einen Begriff davon, wie die Welt funktioniert und strukturiert ist (was ist die Wirklichkeit), gibt eine Erklärung dafür, warum die Welt so funktioniert und strukturiert ist (warum ist die Wirklichkeit so), und eine Extrapolation dieser Funktion und Struktur in die Zukunft (wie wird sich die Welt entwickeln).
Weiter beinhaltet eine Weltanschauung ethische Werte, die sich aus dieser Sicht der Wirklichkeit ableiten lassen und eine Epistemologie.
Weltanschauungskritik wird von anderen Weltanschauungen geübt, wissenschaftlich erscheint sie als Ideologiekritik
Weltanschauungen beinhalten die Antwort auf Fragen wie
- Was ist die Wirklichkeit?
- Was ist die Natur der Welt?
- Was ist ein Mensch? Welches Menschenbild haben wir?
- Was geschieht nach dem Tod?
- Warum ist es möglich, überhaupt etwas zu wissen?
- Woher wissen wir, was richtig, was wahr und was falsch ist?
- Was ist der Sinn der menschlichen Geschichte?
- Gibt es einen Gott?
- Hat der Mensch einen freien Willen?
Irgendeine Art von Weltanschauung, die solche Fragen beantwortet, dürfte jeder Mensch haben - eine persönliche Weltanschauung kann allerdings mehr oder weniger durchdacht, logisch aufgebaut und konsequent sein.
Bezieht sich der Begriff Weltanschauung auf ein bestimmtes Gebiet, z.B. Kindererziehung, so spielen vielfältige andere Überzeugungen aus anderen Bereichen ein, z.B. Ethologie, Biologie, Religion, Erziehungswissenschaften, sowie Kultur und Tradition.
Eine Weltanschauung intendiert einen mehr oder weniger konsistenten (in sich stimmigen) und integralen Sinn- und Bedeutungsraum der menschlichen Existenz und schafft so den Rahmen für Bildung, Kultur und Wissen, bzw. bezüglich des Einzelnen, ein Umfeld für seine Bildungsanstrengungen, sein kulturelles Leben, seine Kulturbeflissenheit und sein Lernen.
Zu allen Zeiten haben vor allem Religionen und politische Systeme Weltanschauungen vertreten und gelehrt; oft waren sie selbst sogar Weltanschauungen. Beispielsweise Judentum, Christentum, Islam, Sozialismus, Marxismus, Scientology, Humanismus, Nationalismus könnten Weltanschauungen genannt werden, sie generieren und liefern aber eindeutig unterscheidbare Weltanschauungen. Natürlich gibt es dabei aber auch Überschneidungen, so existieren z.B. christliche Sozialisten oder jüdische Humanisten.
Manche Weltanschauungen sollen bestimmte Formen von Macht legitimieren bzw. delegitimieren, indem sie Herkunft und Basis der Macht erklären - beispielsweise sah der Monarchismus die Macht des Königs als von Gott verliehen an, in der Demokratie (Volksherrschaft) geht die Macht von der gesamten Bevölkerung als Souverän aus.
Weltanschauungen können Diskussionen anregen oder auch zerstören beziehungsweise verhindern, z.B. wenn man sich nicht gemeinsam auf Axiome oder ethische Grundsätze einigen kann.
Interkulturelle Dialoge und interreligiöse Dialoge bezeugen die Interessen der Menschen, gemeinsame Werte zu fördern und gemeinsame Probleme zu lösen, anstatt Unterschiede zu betonen.
Beispiel: [http://www.jcrelations.net/ Jüdisch-Christlicher Dialog]
Historisch ändern sich Weltanschauungen langsam und binden große, oft nicht hinterfragte Unterstützung (siehe: Sozialer Wandel, Fundamentalismus).
Der Postmodernismus proklamierte (unter anderem) die Idee des sich stets wandelnden Weltverständnisses, sich stets wandelnder Weltanschauung.
Beispiele für Weltanschauungen:
- Atheismus
- Agnostizismus
- Deismus
- Existenzialismus
- Materialismus
- Naturalismus (Brights)
- Nationalsozialismus
- New Age
- Nihilismus
- Pantheismus
- Postmodernismus
- Theismus
- Skeptizismus
Interessant ist, dass das Wort Weltanschauung ins Englische entlehnt wurde, da es ein englisches Äquivalent dieses Begriffes nicht gibt. Allerdings ist world view auch eine akzeptable Übersetzung und wird auch häufiger verwendet als weltanschauung.
Victor Klemperer sieht in seinem Buch LTI den Begriff Weltanschauung kritisch. Der Begriff sei in der Zeit des Nationalsozialismus' geprägt worden. Der Begriff "Weltanschauung" war jedenfalls Adolf Hitlers Umschreibung in seinem Buch "Mein Kampf" für eine, auf rassistische und sozialdarwinistische Hypothesen gestützte Werteordnung.
Naturwissenschaft
Es wird manchmal behauptet, auch die Naturwissenschaft bzw. Wissenschaft im Allgemeinen müsse als Weltanschauung betrachtet werden, weil bereits ihre Methodik von unbeweisbaren Axiomen ausgehe. Dies ist jedoch ein falscher Schluss. Eine Weltanschauung trifft Aussagen darüber, ob unbeweisbare Axiome wahr sind, wohingegen Wissenschaft von ihnen nur ausgeht, unabhängig davon, ob sie tatsächlich wahr sind oder nicht (darüber wird keine Wertung getroffen).
Wenn im Zusammenhang mit Naturwissenschaft von einer Weltanschauung gesprochen wird, so ist meist der Naturalismus gemeint, der im Gegensatz zur Naturwissenschaft die Aussage macht, die Axiome der Naturwissenschaft seien tatsächlich wahr. Beiden Begriffe werden häufig von Anhängern unwissenschaftlicher Theorien sowie im Widerspruch zur Naturwissenschaft stehender Weltanschauungen gleichgesetzt. Dadurch soll der Eindruck erweckt werden, letztendlich stünde Naturwissenschaft mit allen Weltanschauungen auf einer Ebene, obwohl es sich nicht um vergleichbare Begriffe handelt.
Möglich ist im Gegensatz dazu der Vergleich von anderen Weltanschauungen mit dem Naturalismus. Beim Versuch, neue Anhänger zu finden, wird von Vertretern dem Naturalismus widersprechender Weltanschauungen oft betont, alle Weltanschauungen seien gleichwertig. Dabei wird zwar manchmal erwähnt, dass man die Wahrheit der Axiome der Naturwissenschaft anzweifeln muss, um eine dem Naturalismus widersprechende Weltanschauung in Erwägung zu ziehen, jedoch werden äußerst selten diese Axiome konkret aufgelistet (z.B. die Widerspruchsfreiheit der Logik), und so gut wie nie wird erwähnt, warum sie äußerst plausibel sind (z.B. dass es bis heute trotz täglicher Verwendung der Logik niemandem gelungen ist, diese Widerspruchsfreiheit zu falsifizieren).
Siehe auch
Weltbild, Metaphysik, Ontologie, Ideologie
Weblinks
#[http://www.religion-online.info Info-Portal Religion]
#[http://lexikon.idgr.de/a/a_d/adler-manfred/adler-manfred.php Manfred Adler Antijudaismus]
#[http://www.jcrelations.net/de/?id=1955 Glaube an Gott und „Idee Mensch“ nach Auschwitz]
#[http://www.judentum.net/deutschland/gruenberg.htm Antisemitismus als massenpsychologisches Phänomen]
#[http://www.dittmar-online.net/religion/naturalismus.html Naturalismus versus Supernaturalismus]
Kategorie:Philosophie (Sonstiges)
Kategorie:Wortexport
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ja:世界観
ReligionsfreiheitDie Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit ist ein elementares Grundrecht und Menschenrecht, das in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UNO aufgeführt ist.
Der genaue Text lautet:
"Jeder Mensch hat Anspruch auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht umfasst die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung allein oder in Gemeinschaft mit anderen in der Öffentlichkeit oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Vollziehung eines Ritus zu bekunden."
Aus historischen Gründen wird dieses Recht in verschiedenen Staaten unterschiedlich interpretiert: in den USA liegt die Betonung auf absoluter Nichteinmischung des Staats in die Angelegenheiten einer Religion (trotzdem steht auf den Dollarnoten "In God We Trust"), in Europa liegt die Bedeutung der Religionsfreiheit zum einem in der religiösen Neutralität der Staaten (v.a. in Frankreich) und zum anderen ebenfalls der Nichteinmischung des Staates, wobei allerdings weitergehende Eingriffe zugelassen werden.
Die Schweizer Bundesverfassung sichert die Glaubens- und Gewissensfreiheit in Art. 15 BV. In der österreichischen Verfassung sind weitgehend ähnliche Bestimmungen in Art. 14 bis 16 des Staatsgrundgesetzes über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger enthalten.
Das Deutsche Grundgesetz sichert die Religionsfreiheit in Art. 4 GG:
:(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.
:(2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.
:(3) Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden. Das Nähere regelt ein Bundesgesetz.
Der Schutzbereich des Artikel 4 reicht von der positiven Religions- und Gewissensfreiheit über die entsprechende negative Freiheit zur kollektiven Freiheit (z.B. von Religionsgemeinschaften). Die positive Religionsfreiheit wird in das "forum internum" (die persönliche innere Überzeugung) und das "forum externum" (das nach außen wirkende Bekenntnis) unterteilt. Auch Atheisten können sich auf die Religionsfreiheit berufen. Religionsfreiheit bedeutet auch das Recht, keine Religion zu haben. Unter die Religionsfreiheit fällt auch das Recht, seine Religionszugehörigkeit zu verschweigen.
Der zweite Absatz des Artikels 4 hat lediglich klarstellenden Charakter bezüglich der Religionsausübung.
Dem Wortlaut nach ist die Religionsfreiheit schrankenlos. Dennoch kann die Religionsfreiheit eingeschränkt werden, allerdings nur durch kollidierendes Verfassungsrecht (Grundrechte anderer Personen oder Verfassungsprinzipien). So müssen Eltern ihr Kind auch dann zur Schule schicken, wenn sie aufgrund ihres Glaubens mit den Unterrichtsinhalten ihrer Kinder, wie beispielsweise der Evolutionstheorie oder der Sexualkunde, nicht einverstanden sind.
Aus Artikel 4 wird auch eine Pflicht des Staates zur religiösen Neutralität abgeleitet.
Die Religionsfreiheit ist ein Freiheitsrecht, das grundsätzlich nur die Abwehr von Beeinträchtigungen erlaubt, die durch den Staat erfolgen. Als Verfassungsprinzip erlangt es aber durch die sogenannte mittelbare Drittwirkung der Grundrechte auch Bedeutung im Zivilrecht, vor allem im Arbeitsrecht. Das Prinzip der religiösen Neutralität gilt allerdings nur für den Staat. So wäre die Einführung eines Kopftuchverbots für Schülerinnen in Deutschland verfassungswidrig, da diese sich gegenüber dem Staat auf ihre Religionsfreiheit berufen könnten. Im Gegensatz dazu müssen Lehrerinnen als (freiwillige!) Vertreterinnen des Staates die religiöse Neutralität des Staates beachten. Von ihnen kann daher verlangt werden, auch ohne Kopftuch zu unterrichten. Lehrer können sich sogar gegenüber dem Staat auf die Pflicht des Staates zur religiösen Neutralität berufen und verlangen, dass in den Klassenräumen in denen unterrichtet wird, das Kreuz entfernt wird.
Da sich auch Religionsgemeinschaften auf den Schutz des Artikels 4 berufen können, versuchen manche Gruppierungen sich den Schein der religiösen Gemeinschaft zu geben. Besonders Scientology hat mit diesem Vorwurf zu kämpfen.
Literatur
- M. Searle Bates: Glaubensfreiheit. Eine Untersuchung (New York 1947; deutsche Übersetzung: Richard Honig) - Bates' Buch kann als Standardwerk in diesem Zusammenhang bezeichnet werden. Es enthält eine Fülle von historisch relevantem Material zum Thema Religionsfreiheit.
Siehe auch
- Konrad Grebel, Thomas Helwys, Roger Williams, Johann Ludwig Hinrichs, Frerich Bohlken
- Glaubensfreiheit im Islam
- Kruzifix-Beschluss
Weblinks
- [http://www.baptisten.org/efg/Dortmund/Mitte/koebner.htm Julius Köbner (Mitbegründer der deutschen Baptistengemeinden), "Manifest des freien Urchristentums (1848)"]
- [http://konzil.stjosef.at/DH.htm Erklärung über die Religionsfreiheit] (Zweites Vatikanisches Konzil)
Kategorie:Religionsfreiheit
Kategorie:Menschenrechte
GotteslästerungsparagraphDer auch als Gotteslästerungsparagraph bezeichnete § 166 StGB der Bundesrepublik Deutschland stellt die "Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen" unter Strafe.
Gesetzestext
: (1) Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
: (2) Ebenso wird bestraft, wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) eine im Inland bestehende Kirche oder andere Religionsgesellschaft oder Weltanschauungsvereinigung, ihre Einrichtungen oder Gebräuche in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören.
Rechtsgut
Geschütztes Rechtsgut ist der öffentliche Friede, nicht das Bekenntnis als solches. Erreicht werden soll ein Mindestmaß an gegenseitigem Respekt und Toleranz.
Kritik an der Vorschrift
Kritiker lehnen diesen Paragraphen als so genannten Gummiparagraphen ab, insbesondere weil nicht klar sei, wie "Beschimpfung" zu definieren sei -- darunter könne jede negative Äußerung fallen. Noch fraglicher sei, wann eine solche "Beschimpfung" geeignet sei, den öffentlichen Frieden zu stören. (Die "Eignung" reicht, sog. abstraktes Gefährdungsdelikt). Kritiker behaupten, eine solche "Friedensstörung" könne - analog zur Volksverhetzung - a priori konstruiert werden, wenn sich Gläubige beschwerten. Andererseits könne in politischen Wetterlagen, in denen die Verfolgung von Gotteslästerern nicht opportun sei, fast immer damit argumentiert werden, der Beschuldigte sei nicht bekannt genug, um mit seinen Äußerungen eine breite Öffentlichkeit zu schockieren.
Der Paragraph ist stark in der Kritik von atheistischen Gruppen und Kirchenkritikern sowie von Künstlern, die sich in ihrer Freiheit massiv beschnitten fühlen. Bereits Kurt Tucholsky meinte zu diesem "mittelalterlichen Diktaturparagraphen" (in der vorhergehenden Fassung): "Ich mag mich nicht gern mit der Kirche auseinandersetzen; es hat ja keinen Sinn, mit einer Anschauungsweise zu diskutieren, die sich strafrechtlich hat schützen lassen." (Peter Panter: "So verschieden ist es im menschlichen Leben!", in: Die Weltbühne, 14.4.1931, S. 542)
Rechtspraxis
Mit Hilfe des Gotteslästerungsparagraphen wurden etwa die Darstellung gekreuzigter Schweine und die Aufführung des Musicals Das Maria-Syndrom von Michael Schmidt-Salomon, in dem eine (neuzeitliche) "Marie" über eine verunreinigte Klobrille befruchtet wird und daraufhin einen Fall der unbefleckten Empfängnis annimmt, verboten.
Die Uraufführung dieses Stücks sollte am 28. Mai 1994 in Trier stattfinden. Einen Tag zuvor wurde die Aufführung jedoch vom dortigen Ordnungsamt verboten, das damit einem Antrag des Trierer Bistums folgte. Auch eine Aufführungen vor einem "garantiert religionsgefühllosen Publikum" wurde nicht zugelassen. Das anschließende Gerichtsverfahren ging über mehrere Instanzen: Das Bundesverwaltungsgericht (Beschluß vom 11. Dezember 1997, Az. 1 B 60/97) bestätigte die Rechtmäßigkeit des Verbots des Stücks und folgte somit dem Oberverwaltungsgericht Koblenz (Urteil vom 2. Dezember 1996, Az. 11 A 11503/96, NJW 1997, S. 1174 - 1176). Das Bundesverfassungsgericht lehnte eine Behandlung des Falls ohne Angabe von Gründen ab (Beschluß vom 20. April 1998, Az. 1 BvR 667/98).
Ein weiterer recht bekannter Fall ist der von Birgit Römermann, in dem sie in mehreren Instanzen wegen eines Jesus-Aufklebers mit dem Text "Masochismus ist heilbar" verurteilt wurde.
1993 zeigte die Kölner Stunksitzung ein Kruzifix mit der Inschrift "Tünnes" anstatt "INRI". Das Schild wurde nach einer Strafanzeige wegen Gotteslästerung polizeilich beschlagnahmt.
"Kleinere" Religionsgemeinschaften sowie Sekten könnten zwar theoretisch ebenfalls mit diesem Paragraphen gegen Diffamierungen vorgehen, aus der Rechtspraxis sind aber keine entsprechenden Fälle bekannt
Situation in Österreich
In Österreich gilt eine ähnliche Bestimmung unter dem Titel Herabwürdigung religiöser Lehren (§ 188 Strafgesetzbuch), weiters ist auch die Störung einer Religionsübung, beispielsweise eines Gottesdienstes, strafbar (§ 189 StGB). Diese Delikte werden mit Freiheitsstrafe bis zu 6 Monaten oder mit Geldstrafen geahndet. Bekannte Fälle sind ein Prozess wegen § 188 StGB gegen den Karikaturisten Manfred Deix, der 1994 in erster Instanz verurteilt, jedoch in zweiter Instanz freigesprochen wurde. Gegen den Karikaturisten Gerhard Haderer kam es zu mehreren Anzeigen wegen seines Buches Das Leben des Jesus (2002); das Verfahren wurde 2003 von der Staatsanwaltschaft Wien eingestellt. In einigen weniger bekannten Fällen kam es jedoch zu rechtskräftigen Verurteilungen wegen § 188 StGB.
Siehe auch
- Blasphemie
Kategorie:Besondere Strafrechtslehre
KriminalistikKriminalistik (aus lateinisch crimen Beschuldigung, Vergehen) ist die Lehre von der Bekämpfung einzelner Straftaten und des Verbrechertums (der Kriminalität) durch vorbeugende (präventive) und strafverfolgende (repressive) Maßnahmen. Sie kann aufgeteilt werden in Kriminaltaktik, Kriminaltechnik und Kriminaldienstkunde
Kriminalstrategie
Die Kriminalstrategie befasst sich mit der Planung des Vorgehens bei der allgemeinen Verbrechensbekämpfung. Darunter fällt auch die Vorbeugungsmaßnahmen der Kriminalität und einzelner Straftaten. Die Zweckmäßigkeit hat sich dabei nach Recht und Gesetz zu richten.
Kriminaltaktik
Die Kriminaltaktik befasst sich mit dem planmäßigen und zweckmäßigen Vorgehen bei der Verbrechensbekämpfung. Die Zweckmäßigkeit hat sich dabei nach Recht und Gesetz zu richten.
Kriminaltechnik
Unter dem Begriff der Kriminaltechnik sind alle Erkenntnisse und Maßnahmen zusammengefasst, die sich mit der Anwendung und Nutzbarmachung wissenschaftlicher Erkenntnisse im Hinblick auf kriminalistische Spuren (Spurenkunde) beschäftigen.
Kriminalballistik
Unter dem Begriff der Kriminalballistik sind alle Erkenntnisse und Maßnahmen zusammengefasst, die sich mit der Anwendung und Nutzbarmachung wissenschaftlicher Erkenntnisse im Hinblick auf kriminalistische Spuren (Spurenkunde) der Schießwaffen beschäftigen.
Daktiloskopie
Unter dem Begriff der Daktiloskopie sind alle Erkenntnisse und Maßnahmen zusammengefasst, die sich mit der Anwendung und Nutzbarmachung wissenschaftlicher Erkenntnisse im Hinblick auf kriminalistische Spuren (Spurenkunde) der Finger beschäftigen.
Kriminaldienstkunde
Die Kriminaldienstkunde gehört nur für die Sicherheitsorganisationen zum Bestandteil der Kriminalistik. Sie hat die in Verwaltungsanordnungen, Erlassen und Dienstanweisungen reglementierte Handhabung der kriminalpolizeilichen Mittel und die Regelung des Dienstbetriebes zum Gegenstand.
Abgrenzung zur Kriminologie
Kriminalistik muss als selbständige Disziplin von der Kriminologie abgegrenzt werden. Unter Kriminologie versteht man die Lehre von den Ursachen (Kriminalätiologie) und Erscheinungsformen (Kriminalphänomenologie) der Kriminalität. Beide Disziplinen können als Hilfswissenschaft der jeweils anderen gesehen werden.
Auswirkungen kriminalistisch/kriminologischer Erkenntnisse
Aus den Erkenntnissen von Kriminalistik und Kriminologie können sich neben den unmittelbaren Folgen für Verdächtige auch Einflüsse und Auswirkungen auf
a) die Kriminalpolitik im Hinblick auf die Gestaltung des formellen und materiellen Strafrechts, des Strafvollzugsrechts und
b) die Kriminalstrategie
ergeben.
Geschichte der Kriminalistik
Dem ersten modernen Kriminalisten Württembergs, dem Sulzer Oberamtmann Jacob Georg Schäffer (1745 - 1814), ging es nicht nur darum, Verbrechen aufzuklären: Er forschte sowohl nach ihren gesellschaftlichen Ursachen als auch nach den Gründen des Einzelnen.
Der Begründer der ersten Morduntersuchungskommission in Deutschland, so wie sie heute bei vielen Polizeibehörden eingerichtet ist, war der Berliner Kriminalist Ernst Gennat (1880 - 1939). Das Schema zur Abarbeitung wichtiger Schritte im Zuge der Aufklärung von Tötungsdelikten basiert auf seiner Ausarbeitung. Dieses Schema wird heute noch von der Kriminalpolizei angewendet.
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Unter dem Namen Kriminalistik wird auch eine Zeitschrift herausgegeben.
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BekennerschreibenEin Bekennerschreiben ist in der Kriminalistik ein von Terroristen, Attentätern oder Geiselnehmern verfasstes Schriftstück, in dem diese sich zu ihren Taten (häufig: Terroranschlag, Mord, Geiselnahme) gegenüber einer Behörde oder Regierung, einem Unternehmen oder einer Person bekennen. Meistens werden diese Schreiben über Mittelsmänner übergeben, um nicht ergriffen zu werden. Ein Bekennerschreiben enthält bei Terroristen häufig eine politische Forderung und eine politische Begründung für die Tat.
Es kommt auch vor, dass sich mehrere terroristische Gruppen zu der selben Tat bekennen, obwohl sie sie nicht begangen haben (Trittbrettfahrer), um Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.
Des Weiteren ist es möglich, dass der oder die Täter mit der Formulierung eines Bekennerschreibens so lange warten, bis in der Tagespresse ausführlich über etwaige Tatmotive spekuliert worden ist. Das Schreiben wird dann gemäss dieser veröffentlichten Erwartungshaltung formuliert, um die Fahnder auf eine falsche Fährte zu locken.
siehe auch: Verantwortung
Kategorie:Kriminalistik
GlaubensbekenntnisEin Glaubensbekenntnis ist in einer Religion ein öffentlicher Ausdruck des persönlichen und kollektiven Glaubens, zu dem der oder die Sprecher sich bekennen.
Ein Glaubensbekenntnis hat verschiedene Funktionen:
- Es ist Anerkennung und Ausdruck der Gemeinschaft, die durch diesen Glauben gegeben ist (z.B. beim gemeinsamen Rezitieren im Rahmen eines Gottesdienstes).
- Es fasst ihre Glaubenslehre in die wesentlichen Punkte zusammen.
- Es enthält eine Selbstverpflichtung, nach diesem Glauben zu leben (z.B. bei der Ordination eines kirchlichen Amtsträgers).
- Es markiert die zentralen Glaubensinhalte, die eine Religion oder Überzeugung gegen andere Religionen oder Konfessionen abgrenzen.
- Es gibt die Richtung an, in der diese Glaubensinhalte, oft in Heiligen Schriften dargelegt, verstanden werden (sollen).
- Es kann in bestimmten Kampfsituationen zum Ausdruck der ultimativen Entscheidung für den eigenen, gegen den Glauben anderer werden.
Das Wort Glaubensbekenntnis ist eine Übersetzung von Philipp von Zesen aus dem Wort Konfession.
Das ausdrückliche Bekennen des eigenen Glaubens vor Gott und der volkhaften Gemeinde ist im Judentum seit seinen Anfängen zentral.
Ein altes biblisches Credo Israels lautet:
:"Ein umherziehender Aramäer war mein Vater; er zog nach Ägypten hinab und hielt sich dort als Fremdling mit wenigen Angehörigen auf; aber er wurde dort zu einem großen, starken und zahlreichen Volk. Doch die Ägypter misshandelten uns; sie quälten uns und legten uns harten Frondienst auf. Da schrien wir zu Jahwe, dem Gott unserer Väter. Jahwe erhörte unser Rufen und sah unsere Qual, unsere Mühsal und Bedrängnis. Und Jahwe führte uns heraus mit starker Hand und ausgestrecktem Arm, mit großen, furchterregenden Taten, mit Zeichen und Wundern. Er brachte uns an diesen Ort und gab uns dieses Land; ein Land, das von Milch und Honig überfließt." (5. Mose 26, 5-9)
Das Bekenntnis zu den befreienden Geschichtstaten Gottes wurde zum gemeinsamen Glauben Israels, der die 12 hebräischen Stämme zu dem erwählten Volk Gottes einte, das nur einen Gott kannte und verehrte (Josua 24, 18). Ein Großteil der biblischen Geschichtsüberlieferung hat daher Bekenntnischarakter und enthält Credo-artige Texte.
Das "Schma Jisrael" (Höre, Israel) wurde zum wichtigsten Glaubensbekenntnis dieses Volkes, das seine Existenz den Befreiungstaten Jahwes in der Geschichte verdankt:
:"Höre, Israel, Jahwe ist unser Gott, Jahwe allein! Und Du sollst Jahwe, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all Deiner Kraft." (5. Mose 6, 4-5).
Dieses Bekenntnis enthält als Anrede an die versammelte Gemeinde zuerst die Zusage des Bundes Gottes mit seinem Volk: "Jahwe ist unser Gott!", sodann das alle Volksangehörigen beschlagnahmende Gebot: "Und Du sollst..." Damit antwortet das Bekenntnis auf das erste der Zehn Gebote, das lautet:
:"Ich bin Jahwe, Dein Gott, der Dich aus Ägypten, aus der Sklaverei geführt hat. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. ..." (2. Mose 20, 2f/ 5. Mose 5, 6f)
Diese besondere, gemeinschaftliche und konzentrierte Antwort des Glaubens auf den einzigen Gott, der sich seinem Volk offenbart, hat das Judentum an das Christentum und den Islam "vererbt".
Neues Testament
Im Neuen Testament übernimmt Jesus Christus ausdrücklich das israelitische Schma Jisrael als sein eigenes Credo, und zwar bereits in der Gestalt, in der es im Judentum bis heute gebetet wird: indem er dem ersten Gebot der Gottesliebe das Gebot der Nächstenliebe gleichrangig zur Seite stellt (Markus 12, 29-31). Damit ist der Gott Israels auch für alle Christen der einzige Gott, den sie mit aller Kraft zu lieben haben wie sich selbst. Bekennen, Beten und Nachfolgen sind im christlichen wie im jüdischen Glauben eins.
Das urchristliche Bekenntnis zu diesem Gott wird ebenfalls als Rückblick auf und Lobpreis seiner rettenden Taten verkündet:
:"...Diesen Jesus hat Gott auferweckt; dafür sind wir alle Zeugen! ... So wisse nun das ganze Haus Israel gewiss, dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Kyrios und Christus gemacht hat." (Apostelgeschichte 2, 14-36)
Damit wurde der Eigenname des einzigen Gottes (hebräisch "Jahwe" = griechisch "Kyrios") auf diesen Galiläer, Gottes Sohn, übertragen. So hat das Christentum den Glauben des Judentums einerseits bewahrt, andererseits auf Jesus Christus bezogen und konzentriert. Damit markiert das urchristliche Credo die Bindung und Unterscheidung zum Judentum zugleich.
Die Urform aller neutestamentlichen Glaubensbekenntnisse lautet: Jesus (Christus) ist Herr (Jahwe)!.
Eines der ältesten christlichen Zusammenfassungen der christlichen Glaubenslehre findet sich bei Paulus im ersten Korintherbrief 15,3ff:
:"Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf."
Altkirchliche Bekenntnisse
Schon aus dem zweiten Jahrhundert sind Taufbekenntnisse bekannt. Aus diesen entwickelte sich dann in der westlichen Tradition das altrömische und das Apostolische Glaubensbekenntnis in lateinischer Sprache, in der östlichen Tradition verschiedene griechischsprachige Varianten, aus denen dann 325 das Nizänisches Glaubensbekenntnis und 381 das Nicäno-Konstantinopolitanum entwickelten.
Das Nicäno-Konstantinopolitanum wird von praktisch allen christlichen Traditionen als verbindliches Credo akzeptiert, das apostolische Glaubensbekenntnis von praktisch allen westlichen Traditionen.
Ein weiteres in den westlichen Kirchen weit verbreitetes Bekenntnis ist das Athanasianische Glaubensbekenntnis, das heute z.B. in der Evangelischen Kirche im Rheinland neben Apostolicum und Nicaeno-Constantinopolitaneum zu den drei grundlegenden Bekenntnissen gehört.
Konfessionelle Bekenntnisschriften und Katechismen
Neben den Glaubensbekenntnissen für den gottesdienstlichen Gebrauch gibt es noch Bekenntnisse verschiedener Konfessionen, die eher in Form dogmatischer Lehrsätze gefasst und überliefert sind: z.B. die evangelische Confessio Augustana der Lutheraner, das Zweite Helvetische Bekenntnis und den Heidelberger Katechismus der Reformierten, die Bekenntnisschrift Barmer Theologische Erklärung der Bekennenden Kirche, die Westminster Confession der Puritaner, die "Rechenschaft vom Glauben" des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland, das Glaubensbekenntnis der Baptisten von Johann Ludwig Hinrichs 1840 (siehe Abbildung).
Nach evangelischem Verständnis werden Glaubensbekenntnisse als Richtlinien des Glaubens norma normata (=normierte Norm) verstanden. Das heißt: Sie sind zwar verbindlich, sind aber selbst durch etwas anderes normiert, nämlich durch die Bibel als norma normans (=normierende Norm). Sie können sich also nur dadurch legitimieren, dass sie von der Eigenverkündigung der Bibel gedeckt sind und diese bewahren.
Siehe auch
Christliche Glaubensbekenntnisse, Bekenntnisse der Täufer, Baptistische Bekenntnisse, Katechismus, Dogmatik, Glaube, Kirche
Weblinks
- [http://www.glaubensstimme.de/bekenntnisse/index.html Glaubensstimme.de - Umfangreiche Sammlung christlicher Bekenntnisse]
- [http://www.reformiert-online.net/t/de/bildung/grundkurs/gesch/lek6/print6.pdf Reformierte Bekenntnisse im 16. und 17. Jahrhundert]
Islam
Der Islam kennt als Glaubensbekenntnis die Schahada, deren Kernsatz auf deutsch in etwa heißt: "Es gibt keine Gottheit außer Allah. Muhammad ist der Gesandte und Diener Allahs."
Kategorie:Religion
Kategorie:Bekenntnis
Schuldbekenntnis Ein Schuldbekenntnis ist das Eingeständnis der Schuld durch Sünde in der Religion. Es endet mit der Vergebungsbitte.
Es spielt im Zusammenhang mit der Vergebung der Sünden eine entscheidende Rolle. Im Unterschied zur individuellen gewissenserforschenden Beichte hat das Schuldbekenntnis einen eher öffentlichen und formalen Charakter.
Trotzdem soll jeder Gläubige vorher eine Gewissenserforschung betreiben; nach dem zusammen mit einem geweihten Leiter gebeteten Schuldbekenntnis folgt die Lossprechung.
Allgemeines Schuldbekenntnis
Das Allgemeine Schuldbekenntnis ist ein in der katholischen Liturgie verwendetes Gebet. Es steht in der Messe oder in der Komplet gleich zu Beginn nach der Eröffnung. Seit der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil ist seine Verwendung fakultativ.
Wortlaut in seiner nach der Liturgiereform üblichen Fassung::
Ich bekenne Gott, dem Allmächtigen,
und allen Brüdern und Schwestern,
dass ich Gutes unterlassen und Böses getan habe
- ich habe gesündigt
in Gedanken, Worten und Werken -
- zu den folgenden drei Zeilen schlägt man sich jeweils einmal an die Brust -
durch meine Schuld, durch meine Schuld,
durch meine große Schuld.
Darum bitte ich die selige Jungfrau Maria,
alle Engel und Heiligen,
und euch, Brüder und Schwestern,
für mich zu beten bei Gott, unserem Herrn.
Neue Fassung in Latein:
Confiteor Deo omnipotenti
et vobis, fratres,
quia peccavi
nimis cogitatione, verbo, opere et omissione:
mea culpa, mea culpa,
mea maxima culpa.
Ideo precor beatam Mariam semper Virginem,
omnes Angelos et Sanctos,
et vos, fratres,
orare pro me ad Dominum Deum nostrum.
Ursprüngliche Fassung in Latein (abweichende Teile sind übersetzt):
Confiteor Deo omnipotenti (Ich bekenne...)
beatae Mariae semper virginis (der Jungfrau Maria)
beato Michaeli Archangelo (dem Erzengel Michael)
beato Johanni Baptistae (Johannes dem Täufer)
sanctis Apostolis Petro et Paulo (den heiligen Aposteln Petrus und Paulus)
omnibus sanctis et vobis fratres (allen Heiligen und Euch, Brüdern)
quia peccavi nimis cogitatione, verbo et opere
mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa
Ideo precor
beatam Mariam semper virginem
beatum Michaelem Archangelum
beatum Johannem Baptistam
sanctos apostolos Petrum et Paulum
omnes sanctos et vos fratres
orare pro me ad Dominum, Deum nostrum
Vor dem Zweiten Vatikanum wurde ausschließlich diese lateinische Fassung gebetet, deren Verwendung zwingend vorschrieben war. Das Gebet war Bestandteil des Stufengebetes, welches der Priester im Wechsel mit dem Ministranten oder der Gemeinde vor dem Zutreten zum Altar zu Beginn der Messe betete.
Weblinks
- [http://www.theologie-systematisch.de/ekklesiologie/1kontext.htm Aktuelle Literatur zum Schuldbekenntnis des Papstes]
Siehe auch
- Strafe - Vergebung - Verzeihung
- Schuld - Sünde
- Stuttgarter Schuldbekenntnis
Kategorie:Religion
Coming-outComing-out (englisch ="herauskommen") ist der Prozess, in dem beispielsweise eine lesbische, bisexuelle, schwule, transidentische oder polyamouröse Person sich selbst und ihrer Umwelt gegenüber zu ihrer sexuellen Identität oder sexuellen Orientierung bekennt.
Emotionale Aspekte und Erwartungen der Umwelt
Dieser Prozess ist meist mit starken emotionalen und psychischen Spannungen verbunden. Es erfordert ein gewisses Maß an Mut (sowohl Selbstvertrauen als auch Vertrauen in die Umwelt) um zuzugeben, dass man zu einer Minderheit gehört. Diese Minderheit wird in manchen Fällen von der Umwelt oder sogar von dem Betroffenen selbst als nicht normal oder verachtenswert betrachtet; in anderen Fällen befürchtet der Betroffene zu Unrecht, dass die Umwelt sie so betrachten könnte. Viele Betroffene betrachten diese Phase im nachhinein als einen ihrer wichtigsten Lebensabschnitte. Dies wird nicht zuletzt auch in der zahlreichen Coming-out-Literatur deutlich, die oft auch eine Selbstreflexion der Autoren darstellt.
Eine positive Reaktion der Umwelt wirkt auf den Betroffenen erleichternd. Sie fühlen sich oft befreit und in ihrem Selbstvertrauen bestätigt. Sie neigen dazu, optimistisch in die Zukunft zu blicken.
Eine negative Reaktion der Umwelt kann Stressreaktionen bei den Betroffenen auslösen, die bis zu extremen Konsequenzen führen können. Eines der prominentesten Opfer, welches sich nach seinem unfreiwilligen Outing das Leben nahm, war der Mathematiker Alan Turing.
Besonders Jugendliche sind in solchen Fällen gefährdet: zu den Pubertätsproblemen gesellen sich Fragen wie "Bin ich normal? Bin ich allein so?" Dies verdeutlicht auch die erhöhte Suizidrate bei jungen Homosexuellen. Deswegen gibt es mittlerweile im deutschsprachigen Raum in allen größeren Städten Gruppen und Organisationen, die Hilfe und Selbsthilfe anbieten. Für ländliche Gegenden sind überregionale Organisationen, meist über Webseiten oder Telefondienste tätig.
Das Coming-out ist häufig ein langer, mitunter Jahre währender Prozess. Öffentliches Outing wie der des Berliner Bürgermeisters Klaus Wowereit findet eher selten und dann oft bei Prominenten, allerdings meist unter Druck statt. Rosa von Praunheim offenbarte beispielsweise einige homosexuelle Kollegen von Film, Funk und Fernsehen, die bis dahin eher das Image des lieben Schwiegersohns hatten. Dazu gehörte u.a. Alfred Biolek. Wowereit fand den Mut zu seinem erfolgreichen Bekenntnis nur deshalb, weil Gerüchte umgingen, dass die Bild-Zeitung Geschichten aus seinem Privatleben veröffentlichen würde. Mit seinem "Ich bin schwul und das ist gut so" umging er also die Gefahr, aufgrund eines Gerüchts als erpessbar zu gelten. Allerdings hat sein Bekenntnis, das schnell ein geflügeltes Wort wurde, dazu beigetragen, das Coming-Out vieler Betroffener ungemein zu erleichtern.
Gerade auf dem Lande hingegen wird das immer noch als eine Verrücktheit der Großstadt abgetan. Vom Land kommende junge Homosexuelle suchen daher zunächst Informationen über Medien. Wenn sie sich selbstsicher genug fühlen, offenbaren sie sich Vertrauenspersonen. Ein offenbarendes Gespräch mit Eltern oder Verwandten erfolgt meist später.
Es gibt keinen definierten Abschluss für einen Coming-out-Prozess. Von völlig offenen bis zum weitgehend zurückgezogenen Leben reichen die Schattierungen. Kriterium ist, ob der Betroffene innerlich seine sexuelle Orientierung akzeptiert hat und sich selbst nicht verleugnet. Dabei ist zwischen dem Coming-out und dem Feststellen eigener sexuellen Orientierung zu unterscheiden. Jemand kann sich seiner homosexuellen Veranlagung bewusst sein oder sogar sexuelle Beziehungen zum selben Geschlecht haben und trotzdem Schuldgefühle oder Selbsthass empfinden ("ichdystone Sexualorientierung" in der psychiatrischen Diagnostik genannt).
Der Coming-out-Prozess ist nicht an ein bestimmtes Alter gebunden. Es gibt durchaus Fälle, wo Menschen in relativ hohem Alter ihre Homosexualität ihren Familien, Kollegen, oder ihrem Freundeskreis offenbaren. Obwohl diese Menschen, im Gegensatz zu jüngeren meist finanziell unabhängig sind und nicht von Pubertätsproblemen geplagt werden, haben sie andere Probleme, weil sie meist sehr lange ihrer Umgebung eine Fiktion gezeigt haben (siehe Heteronormativität), die nur sehr schwer zu widerrufen ist. In vielen Fällen sind sie sogar verheiratet oder haben Kinder.
Coming-out ist auch nicht unbedingt ein einmaliger Prozess. Wann immer ein Betroffener in eine fremde Umgebung kommt (neuer Arbeitsplatz, Wohnort oder fremde Menschen, die er nicht auf Anhieb abschätzen kann, weil sie zum Beispiel aus anderen Kulturkreisen stammen) stellt sich für ihn die Frage, ob und wie er seine sexuelle Identität seiner Umgebung offenbart.
Sprachliches
Die aus dem Englischen übernommene Redewendung Coming-out, die im englischen Ursprung sowohl den Auftritt einer Debütantin bei ihrer Volljährigkeit als auch den Prozeß, eines Verstecks (Schrank) zu verlassen ("Coming out of the closet"), bezeichnet, hat in der deutschen Sprache eine feste Bedeutung erlangt, die durch keine anderen deutschen Wörter zu ersetzen ist. Dabei hat das eingedeutschte Wort Outen auch eigene, weitere Bedeutung erhalten:
- (transitiv): jemanden outen oder Zwangsouten ist die auch in der schwulen Community umstrittene, gegen den Willen des Betroffenen erfolgende Bekanntgabe seiner sexuell abweichenden Orientierung. Im allgemeinen gilt die Praxis als verpönt. Sie wird aber eher akzeptiert und dann als eine Art Notwehr betrachtet, wenn der Betroffene sich z.B. in der Politik aktiv gegen Homosexuelle engagiert. Näheres dazu unter Outing.
- sich outen wird oft in einem sehr allgemeinen Umfeld benutzt, um scherzhaft bekannt zu geben, dass man einer in der jeweiligen Gruppe verpönten Haltung, Geschmacksrichtung oder ähnlichem zuneigt. Beispiel: In eine Jugendgruppe sagt jemand: Ich oute mich mal als Klassikliebhaber.
- outen wird umgangssprachlich inzwischen auch für die Bekanntgabe beliebiger privater biografischer Momente verwendet, z. B.: Ich oute mal etwas aus meiner Ausbildungszeit.
Literatur
- Ellen Bass; Kate Kaufman: Wir lieben, wen wir wollen : Selbsthilfe für lesbische, schwule und bisexuelle Jugendliche. Berlin 1999. ISBN 3929823624.
- Thomas Grossmann: Schwul, na und? Reinbek bei Hamburg 2002. ISBN 3499191091.
- Pia Werner; Barbara Wörmann: Jane liebt Julia : das Coming-Out-Buch für Lesben. München 2000. ISBN 3426774496.
- Rolf Winiarski: Coming Out Total. Der Ratgeber für ein selbstbewusstes Leben. Berlin 2002. ISBN 3861873230
- Dorit Zinn: Mein Sohn liebt Männer. Frankfurt a. M. 1992. ISBN 3596112605
- Meike Watzlawik, Friederike Wenner: ...und ich dachte, Du bist schwanger! - Frauen erzählen ihr Coming-out Stuttgart 2002. ISBN 393285506X
Siehe auch:
- Themenliste Homosexualität
- Transgender
- Polyamorie
- Intersexualität
Filme
Filme, die sich mit Homosexualität, im speziellen mit dem Coming Out beschäftigen.
- - 1997, Komödie. Wenn ein Lehrer geoutet wird.
- - 2002, "You'll Get Over It"
- Sommersturm - 2004, Ein wunderschöner Coming-Out-Film
- Get Real - Von Mann zu Mann - 1999, Netter Coming-Out-Film aus Großbritannien
- Beautiful Thing - 1996, Einer der ersten Coming-Out-Filme, und auch einer der besten
- Coming Out - DDR 1989, historisch: Am Tag der Uraufführung hatte gleich ein ganzes Land sein 'coming rüber'
Weblinks
Deutschland
- [http://www.abqueer.de/inuout.html In&Out ] Ein Peer-to-Peer Beratungsprojekt für schwule, lesbische, bisexuelle und transgender Jugendliche
- [http://www.ComingOutHelp.de COH - ComingOutHelp.de ]- Die Seite für Gay - Kids - Beratung, Kontakte und Ansprechpartner - für alle Kids vor oder im ComingOut
- [http://www.gaystation.de/out/ GayOut - Coming-Out-Hilfe] - Broschüren, Behauptungen und Tatsachen, Gruppen, Bücher, Stories
- [http://www.befah.de/ bEFAh ] Bundesverband der Eltern, Freunde und Angehörigen von Homosexuellen
- [http://www.knackpunkt-hannover.de/ knackpunkt Hannover ] LesBiSchwuler Beratungsladen in Hannover
Schweiz
- [http://www.traudi.ch Trau Di.ch] - Beratungsseite für homosexuelle schweizer Jugendliche
- [http://www.comingoutday.ch Coming-out Day] - Homepage zum jährlichen COD (jeweils am 11. Oktober)
Kategorie:Homosexualität
Kategorie:Englische Phrase
ja:カミングアウト
BekenntnisseBekenntnisse (Konfessionen) nennt man die Literaturgattung einer bestimmten individuellen Selbstanalyse mit bekenntnishaftem Charakter.
Meisterhafte Bekenntnisliteratur wurde u. a. geschaffen von
- Augustinus von Hippo: Confessiones: Bekenntnisse (Augustinus)
- Jean-Jacques Rousseau: Die Bekenntnisse (Rousseau)
Kategorie:Literaturgattung
EmphaseEmphase (Emphasis)
Hergeleitet vom altgriechischen Verb "emphaínein" = "an den Tag legen, zeigen, anschaulich bzw. deutlich bzw. offensichtlich machen, abspiegeln"; daher eigentlich: "Öffentlich-anschauliche Darstellung, Verdeutlichung“; in späterer Verwendung "Kraft des Ausdrucks, Nachdruck in der Rede".
Emphase
- gibt es in der Literaturwissenschaft und Rhetorik: Das ist eine besonders nachdrückliche, begeisterte, die eigene innere Bewegung und Zustimmung widerspiegelnde Ausdrucksweise. Sie ist in gewisser Weise das Gegenstück zum Pathos, in dem das eigene Mitleiden und Erschauern zum Ausdruck kommt.
- wird in Anlehnung an den oben genannten ursprünglichen Wortsinn verwendet für Theaterstücke ("Emphasen für Bühne") von Gerd Hergen Lübben.
- ist (in der Phonetik) eine veraltete und schlechte, weil ungenaue, Bezeichnung für einige Laute in semitischen Sprachen (z. Bsp. Arabisch, Hebräisch); heute wird für diese Laute, für deren Artikulation - zusätzlich zur Lautbildung im Gaumen- und Lippenbereich - der Rachen verengt wird, von Linguisten allgemein der Begriff "pharyngal" verwendet.
- ist eine Anhebung des Amplitudensignals, um gegenläufig Störungen (Rauschen) zu vermindern.
- wird verwendet zur Frequenzgang-Entzerrung bei der elektro-akustischen Wandlung.
- ist in der Radio- und Signaltechnik der Begriff für eine bestimmte Methode zur Verhinderung von Störgeräuschen; auch Emphasis genannt. Bekannte Zeitkonstanten, die dazugehörenden Übergangsfrequenzen und ihre Normen sind unter Zeitkonstante zu finden.
Siehe auch Präemphase und Deemphase.
Kategorie:Literarischer Begriff
Kategorie:Nachrichtentechnik
Kategorie:Rhetorischer Begriff
Bekennende KircheDie Bekennende Kirche war eine Gruppe innerhalb der evangelischen Kirche Deutschlands, die sich in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur gegen die Gleichschaltung und Beeinflussung der Kirche durch den Nationalsozialismus wandte.
Als Reaktion auf die Entfernung von sogenannten Nichtariern aus Kirchenämtern nach der Machtergreifung gründete Martin Niemöller im September 1933 den Pfarrernotbund, der zum Protest gegen diese Maßnahmen aufrief und Hilfe für die Betroffenen organisierte.
Der Pfarrernotbund und andere Gruppen bildeten die Vorläufer der Bekennenden Kirche, die auf der ersten Barmer Bekenntnissynode vom 29. bis zum 31. Mai 1934 gegründet wurde. Auf dieser Synode wurde die "Barmer Theologische Erklärung" verabschiedet, die das theologische Fundament der Bekennenden Kirche bildete.
Die theologische Rechtfertigung war der in der evangelisch-lutherischen Kirche fest geschriebene Bekenntnisstand oder Bekenntnisnotstand (status confessionis), der gegeben ist, wenn die Kirchenoberen sich vom lutherischen Bekenntnis - festgehalten im Augsburger Bekenntnis - entfernen. Das sah der Pfarrernotbund gegeben in der so genannten Schöpfungstheologie der Deutschen Christen, die Schöpfungsordnungen wie z.B. das Volk neben der Bibel anerkannten.
Die bekanntesten Bekenntnistheologen waren Dietrich Bonhoeffer, Martin Niemöller und Karl Barth.
Weitere Angehörige der Bekennenden Kirche:
- Heinrich Albertz
- Otto Dibelius
- Hermann Ehlers
- Hans Ehrenberg
- Ernst Theodor Eichelbaum
- Birger Forell
- Kurt Gerstein
- Eugen Gerstenmaier
- Helmut Gollwitzer
- Oskar Hammelsbeck
- Gustav Heinemann
- Franz Hildebrandt
- Julius von Jan
- Friedrich Kraft
- Karl Mensing
- Albrecht Oepke
- Emil Phillip
- Gerhard Ritter
- Paul Schneider
- Karl Steinbauer
Literatur
Das Standardwerk zur Geschichte der Bekennenden Kirche ist:
- Klaus Scholder: Die Kirchen und das Dritte Reich. Bd. 1: Vorgeschichte und Zeit der Illusionen, 1918 - 1934. Berlin 1977.
- Klaus Scholder: Die Kirchen und das Dritte Reich. Bd. 2: Das Jahr der Ernüchterung 1934. Berlin 1985.
- Gerhard Besier: Die Kirchen und das Dritte Reich. Bd. 3: Spaltungen und Abwehrkämpfe 1934 - 1937 Berlin 2001.
Siehe auch
Reichskirche, Deutsche Christen, Kirchenkampf
Weblinks
- [http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/innenpolitik/bekennende/ Die Bekennende Kirche] (Deutsches Historisches Museum)
- [http://www.ekd.de/bekenntnisse/117_142.html Die Barmer theologische Erklärung im Volltext]
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Castel, GuernseyCastel is the largest Parish in Guernsey in terms of area.
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