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Belgrad
Belgrad (serbisch Beograd, Београд , deutsch Belgrad oder Weißenburg, ungarisch Belgrád, lateinisch Singidunum) ist die Hauptstadt der Staatengemeinschaft Serbien und Montenegro und der Republik Serbien und liegt im Engeren Serbien. Gleichzeitig bildet die Stadt mit ihren drei Stadtteilen einen der 30 serbischen Bezirke. Die Stadt liegt am Zusammenfluss der Save und der Donau und hat 1,7 Mio. Einwohner (Stand 2002).
Belgrad ist Sitz eines serbisch-orthodoxen Patriarchen und eines römisch-katholischen Erzbischofs. Das historische Wahrzeichen der Stadt ist die seit dem Mittelalter beständig ausgebaute Festung Kalemegdan.
Jugoslawien
Der Name der Stadt besteht aus zwei Teilen: Beo- kommt von belo und bedeutet weiß, grad ist slawisch für Stadt.
Belgrad hat mehrere Universitäten und verschiedene andere Hochschulen, Theater, Museen und Kultureinrichtungen.
Die Stadt Belgrad bildet die politische, kulturelle und wirtschaftliche Metropole des Staatenbundes Serbien und Montenegro.
Sie ist eine der ältesten Städte Europas und neben Athen die größte urbane Einheit auf dem Balkan. Die ältesten archäologischen Funde auf seinem Gebiet reichen in das 5. Jahrtausend v. Chr. zurück. Keltische Stämme gründeten Singidun im 3. Jahrhundert v. Chr. Die Stadt wird 878 mit dem Namen Belgrad zum ersten Mal erwähnt.
Aufgrund ihrer Größe bildet Belgrad und Umgebung den serbischen Bezirk Belgrad, in dem über 2 Mio. Menschen leben.
Geographie
Geographische Lage
Belgrad liegt im Südosten Europas auf der Balkanhalbinsel. Die Stadt liegt recht zentral in Serbien und ist im Norden von der autonomen Provinz Vojvodina umgeben. In Belgrad befindet sich die Mündung der Save (Sava) in die Donau (Dunav). Die Altstadt mit der osmanischen Festung Kalemegdan liegt auf einem Felsvorsprung zwischen Donau und Save direkt an der Mündung und war dadurch von drei Seiten geschützt. Mit dieser Lage trug Belgrad mit Recht den Namen "Pforte" des Balkans und "Tor" Mitteleuropas.
Belgrads Kern befindet sich am rechten Donau- und rechten Save-Ufer. Am linken Donauufer beginnt der Banat mit der Pannonischen Tiefebene, am rechten zwischen Donau und Save Syrmien, und südlich von Belgrad liegt die waldreiche Šumadija. Im Winkel zwischen Donau und Save liegt die Neustadt Novi Beograd und ein Stück donauaufwärts Zemun (deutsch auch Semlin), zur Zeit der Türkenkriege ein habsburgischer Vorposten und heute Vorort von Belgrad.
Die Hauptverkehrsader der Stadt verläuft bei der Anhöhe der Festung Kalemegdan an der Knez Mihailova Straße über die Terazije bis zur Slavija.
habsburgischer
Belgrads Umgebung wird von zwei Landschaftsbildern geprägt: der Pannonische Tiefebene mit ihren großen Getreide- und Maisfeldern im Norden und der Šumadija mit ihren Obst- und Weingärten und den riesigen Wäldern im Süden an der Save und Donau. Die größten Erhebungen in der Nähe Belgrads sind der Berg Kosmaj (628 m) und der Avala (511 m). Die Geländeoberfläche Belgrads von Süden betrachtet erweckt den Eindruck, als breite sich die Stadt über viele Hügel aus.
Einige Hügel in Belgrad und Umgebung sind Banovo brdo, Lekino brdo, Topčidersko brdo, Kanarevo brdo, Julino brdo, Petlovo brdo, Zvezdara, Vračar und Dedinje.
Nördlich der Save und Donau erstrecken sich die alluvialen Ebenen und das Löß-Plateau (Bežanijska kosa), die ein 30 m hoher Steilhang trennt. Auf dem linken Save-Ufer, unterhalb des Löß-Plateaus, erstreckt sich der Stadtteil Novi Beograd und am linken der Stadtteil Zemun.
Das am höchsten gelegene Gebäude im Kerngebiet der Stadt ist auf Torlak (Voždovac) die Dreifaltigkeitskirche mit 303,1 m, während Ada Huja mit 70,15 m den tiefstgelegenen Punkt aufweist. Das Kosmaj-Gebirge (Mladenovac) ist mit 628 m die höchste Erhebung im breiteren Stadtgebiet. Für die Durchschnittshöhe Belgrads wird die absolute Höhe der Wetterwarte mit 132 m genommen.
Die genaue geografische Lage des Belgrader Stadtzentrums der Knez Mihailova (Hauptstraße im Zentrum) ist 44°49'14" nördlichen Breitengrades und 20°27'44" südlichen Breitengrades. Belgrad erstreckt sich auf 3,6 % des serbischen Territoriums.
Stadtgliederung
Belgrader Stadtzentrums
Das Stadtgebiet von Belgrad dehnt sich auf einer Fläche von 322.268 ha aus (das Kerngebiet der Stadt beträgt 35.996 ha) und ist in 17 Bezirke gegliedert. Der größte Belgrader Stadtbezirk ist Palilula (44.662 ha) und der kleinste Vračar (292 ha).
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Stadtbezirke:
Čukarica,
Novi Beograd,
Palilula,
Rakovica,
Savski venac,
Stari grad,
Voždovac,
Vračar,
Zemun,
Zvezdara
Vorstadtbezirke:
Barajevo,
Grocka,
Lazarevac,
Mladenovac,
Obrenovac,
Sopot,
Surčin
Klima
Čukarica
In Belgrad herrscht ein gemäßigtes kontinentales Klima mit den für Europa üblichen vier Jahreszeiten. Der Herbst ist ein typischer Altweibersommer und hat längere Sonnentage und wärmere Zeitabschnitte als der Frühling.
Der Winter hat insgesamt 21 Tage im Jahr mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Doch aus dem Nordosten Belgrads weht ein sehr kalter Wind, der Košava, der den längeren Aufenthalt im Freien teils nahezu unmöglich macht, auch wenn das Thermometer nur wenige Grade unter dem Gefrierpunkt anzeigt. Doch dieser Wind ist charakteristisch für Belgrads Klima. Er weht immer nur 2 bis 3 Tage lang mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von 25-43 km/h, doch er kann auch Geschwindigkeiten bis zu 130 km/h erreichen. Seine gute Seite ist, dass er der größte Luftreiniger Belgrads ist.
Der Januar ist der kälteste Monat mit einer Durchschnittstemperatur von 0,40°C. Der Frühling ist kurz und regnerisch. Der Übergang zum Sommer erfolgt plötzlich.
Der Sommer ist dagegen meist sehr heiß, mit konstanten Temperaturen über dreißig Grad. Am schönsten sind in Belgrad die Monate Mai, September und Oktober.
Doch gerade deswegen scheint der Belgrader verliebt in seine Stadt zu sein und hält diese wegen ihrer verschiedenen Variationen zu den schönsten der Welt.
Wer jedoch die Wärme bevorzugt, ist in den Sommermonaten Juni bis zum Anfang September in Belgrad gut aufgehoben.
Im Zeitram von 1961 bis 1990 wurde ein jährliche Durchschnittstemperatur von 11,90°C gemessen. Die wärmsten Monate sind laut Statistik die Monate Juli mit 21,70°C und August mit 21,30°C.
Die bisher gemessenen Extremwerte in Belgrad sind 10. Januar 1893 (-26,20°C) sowie der 12. August 1921 und 9. September 1946 (+42°C). Von 1888 bis 2003 wurden nur zwölf Tage mit Temperaturen über 40°C registriert. Die Zahl der Tage mit über 30°C beträgt im Schnitt 31, Tage mit sommerlichen Temperaturen über 25°C betragen im Durchschnitt 95 im Jahr.
Die Niederschläge weisen in Belgrad und seiner Umgebung im Jahresdurchschnitt 685 mm auf. Die größten Niederschlagsmengen werden im Mai und Juni registriert. Die Sonnentage betragen im Schnitt 2.096 Stunden. Die größte Sonneneinstrahlung beträgt etwa 10 Stunden täglich in den Monaten Juli und August, während im Dezember und Januar die Bewölkung am stärksten ist, wenn die Sonne im Schnitt 2 bis 2,3 Stunden täglich scheint. Im Schnitt schneit es 27 Tage, die Schneedecke hält sich 40 bis 44 Tage und ist zwischen 14 und 25 cm dick.
Natur
Durch Belgrad fließt die Donau in einer Länge von 60 km von Stari Banovci bis Grocka, und die Save in einer Länge von 30 km flussaufwärts von Obrenovac bis zur Mündung. Belgrad hat Flussufer von 200 km Länge mit 16 Flussinseln, davon sind die bekanntesten Ada Ciganlija, Veliko ratno ostrvo (Große Kriegsinsel) und Gročanska ada (Grocka-Insel).
Das Stadtgebiet ist mit zahlreichen Wäldern bestückt. Zu den größten und schönsten zählen die auf Kosmaj, Avala, und Trešnja, aber auch die Wälder Lipovačka šuma, auf Topčider, Obrenovački zabran und der Bojčin-Wald.
Geschichte
Mündung
Mündung
Mündung
Mündung
Mündung
Mündung
Belgrad ist eine Stadt mit einer langen und bewegten Vergangenheit.
Mit Starčevo und Vinča, die zu den Vororten Belgrads gehören, zählt das alte Belgrad mit gut 7.000 Jahren zu den ältesten ständig besiedelten Ortschaften Europas.
Im geschichtlichen Zeitalter ist die Stadt allerdings mehr als fünfzigmal zerstört worden, und allein im 20. Jahrhundert wurde sie dreimal schwer beschädigt. Das erklärt auch, warum Belgrad wenige Gebäude besitzt, die mehr als hundert Jahre alt sind. Sehenswürdigkeiten aus alten Zeiten sind rar, und wer trotzdem auf sie nicht verzichten möchte, ist auf die vielen Museen der Stadt angewiesen. Ein weiterer Grund für den geringen Bestand an alten Gebäuden ist, daß die städtebauliche Struktur Belgrads vor 1867 einer ungeplanten Agglomeration von eingeschossiger Bebauung im so genannten Balkanstil entsprach. So wurden dann in der Planung von Emilijan Josimović (1867) Straßenfluchten begradigt und in der folgenden Stadtentwicklung eine Vielzahl neoklassizistischer Gebäude an deren Stelle errichtet, die das Bild des Stadtzentrums bis heute prägen.
Dem keltischen Stamm der Skordisker wird die Gründung von Singidun zugeschrieben. Um 279 v. Chr. wurde Singidun das erste Mal schriftlich erwähnt. Der Name bedeutete runde Festung oder runde Stadt. Singidun wurde durch die Römer um 86 v. Chr. erobert. Diese bauten das nun römische Singidunum als Festung weiter aus, doch sollte es lange Zeit im Schatten von Sirmium (heute Sremska Mitrovica in der Vojvodina an der Grenze zum engeren Serbien) stehen, das sogar die Hauptstadt einer der 4. Präfekturen des Römischen Reiches war. Seit 488 gehörte Singidunum zum Oströmischen Reich. Die Byzantiner siedelten die Heruler zur Abwehr der Gepiden.
Ende des 6. Jahrhunderts eroberten erstmals die mit den Awaren verbündeten Slawen Singidunum. Die Slawen nannten Singidunum weiße Festung oder weiße Stadt: Beograd, Belgrad, Beligrad, Biograd. Um 878 wurde diese Bezeichnung in einer päpstlichen Bulle erstmals schriftlich erwähnt. Seither wurde Belgrad auch Griechisch Weissenburg, Alba Graeca, Nándorfehérvár oder Castelbianco genannt. In Belgrad wechselten sich Bulgaren, Byzantiner und Ungarn ab.
Der erste serbische König, der die Stadt regierte, war Stefan Dragutin, der als ungarischer Vasall in der Zeit von 1282 bis 1316 eine Herrschaft im Norden Serbiens hatte. Nach seinem Tod herrschte wieder Ungarn über Belgrad. Stefan Uroš IV. Dušan (1331-1355), der mächtigste König des mittelalterlichen Serbien, sollte Belgrad kurzfristig seiner Herrschaft angliedern. Doch erst unter Stefan Lazarević (1389-1427) sollte Belgrad erstmals serbische Hauptstadt werden. Stefan Lazarević baute die Stadt großzügig aus, und angeblich zählte die Stadt damals an die 10.000 Einwohner. Konstantin der Philosoph, einer der letzten Universalgelehrten des byzantinischen Balkans, sollte Belgrad als das neue Jerusalem und Konstantinopel vergleichen.
1427 fiel Belgrad an Ungarn zurück, das zum wichtigsten ungarischen Stützpunkt gegen das aufstrebende Osmanische Reich wurde. Schließlich eroberten die Osmanen unter Süleyman I. Belgrad nach langer Belagerungszeit 1521. Belgrad diente auch den Osmanen als wichtigster Stützpunkt für ihre Feldzüge gegen den Westen. 1688 gelang Kurfürst Maximilian II. Emanuel von Bayern die Rückeroberung, er konnte die Stadt jedoch nur bis 1690 halten. 1717 besiegte Prinz Eugen von Savoyen die Osmanen bei Peterwardein und nahm Belgrad ein. Zitat vom Prinzen vor der Eroberung: "schlagen einen Brucken, dass man konnt' hinüber rucken mit d'r Armee wohl für die Stadt". Und somit gehörten von 1718 bis 1739 Stadt und Comendatur des Königreichs Servien den Habsburgern. Die Belgrader Festung Kalemegdan hat ihre jetzige Form von den Habsburgern erhalten. Später wurden nur noch leichte Veränderungen vorgenommen.
1804 entschlossen sich die Serben zum Aufstand gegen die Osmanen. Zu ihrem Anführer wählten sie Karađorđe, den schwarzen Georg. Belgrad wurde von den Aufständischen 1806 erobert und sogleich zu ihrer Hauptstadt gemacht. Der Aufstand wurde zwar 1813 niedergeschlagen, doch schon 1815 wagten die Serben unter Miloš Obrenović einen zweiten Aufstand. Die Serben bekamen ein autonomes Fürstentum, und Belgrad wurde serbisch. Allerdings verblieb ein osmanisches Regiment in der Belgrader Festung. 1867 zwang Fürst Mihailo Obrenović die letzten osmanischen Regimenter, das Fürstentum zu verlassen, und Belgrad wurde feierlich zur freien serbischen Hauptstadt geweiht. 1882 wurde das Fürstentum Serbien zum Königreich erklärt und Belgrad damit zur königlichen Hauptstadt.
Im Ersten Weltkrieg wurde Belgrad schwer zerstört. Nach Beendigung des Krieges wurde Belgrad zur Hauptstadt des neu gegründeten Jugoslawien, die Stadt wieder aufgebaut. Am 6. April 1941 griffen die Achsenmächte ohne Vorwarnung oder Kriegserklärung Jugoslawien an, und Bombardements fügten der Stadt schwere Schäden zu, u. a. wurde die Nationalbibliothek durch einen Brand zerstört und Kulturgut in unschätzbarem Wert ging verloren. Am 20. Oktober 1944 wurde Belgrad schließlich von der jugoslawischen Armee befreit, unterstützt durch die Rote Armee.
Belgrad wurde zur Hauptstadt des kommunistischen Jugoslawiens als auch der Teilrepublik Serbien. Neu-Belgrad (Novi Beograd), eine moderne Siedlung an der Mündung der Donau und Save gegenüber der Altstadt, wurde ausgebaut. 1991 kommt es zum Zerfall Jugoslawiens, und Belgrad wird Hauptstadt der Bundesrepublik Jugoslawien und seit dem 4. Februar 2003 der Staatenunion Serbien und Montenegro.
1965 wurde auf dem Berg Avala ein auch für Touristen zugänglicher, 203 Meter hoher, Fernsehturm errichtet, der bei den Luftangriffen 1999 zerstört wurde. (1999 wurde Belgrad im Rahmen des Kosovo-Krieges Ziel von Angriffen der NATO). In dessen Verlauf wurden zahlreiche Regierungsgebäude wie das Verteidigungsministerium und das Polizeipräsidium zerstört. Aber auch Gebäude von Fernsehsendern oder Radiosendern. An vielen Stellen ist das Stadtbild nach wie vor durch beeindruckende Kriegsruinen geprägt, die weder abgetragen noch wiederaufgebaut wurden.
Insgesamt leidet die städtische Infrastruktur (Straßen, öffentliche Verkehrsmittel usw.) nach wie vor unter mangelnden staatlichen Investitionen. Diese sind unter anderem Folge der instabilen politischen Situation Serbiens, die den Fluss ausländischer Investitionen hemmt sowie des Misstrauens der serbischen Bevölkerung in die politische Führung. Seit 1995 hat sich eine florierende Schattenwirtschaft entwickelt, deren Gewinne am Fiskus vorbeigeschleust werden.
Religionen
1995]
Gemäß der Volkszählung von 1991 gehörten 87 % der Belgrader der christlich-orthodoxen Konfession an, rund 2 % der römisch-katholischen und circa. 0,2 % der evangelischen. Etwa 2 % bekannten sich zum Islam und 0,03 % waren Juden. 6 % bekannten sich zu unbekannten Konfessionen und 4 % erklärten sich als Nichtgläubige. Seither wurden keine aktuellen Erfassung gemacht.
Belgrad ist Sitz eines orthodoxen Patriarchen (Serbisch-Orthodoxe Kirche), eines römisch-katholischen Erzbischof und verschiedener evangelischer Landeskirchen.
Stadtschutzpatronenfest - Himmelfahrtstag
Seit der Despot Stefan Lazarević Belgrad 1403 den Status einer Hauptstadt verliehen hat, wählte die Stadt zu Ehren der Erneuerung und des Fortschritts Christi Himmelfahrt - den Himmelfahrtstag - zu ihrem Schutzpatronenfest.
Wie viel Bedeutung die Serben diesem Festtag geben, bezeugt auch die Tatsache, dass das größte historische juristische Dokument des serbischen mittelalterlichen Staates, das berühmte Gesetzbuch Dušans (Dušanov zakonik), am Himmelfahrtstag 1349 veröffentlicht und desgleichen am Himmelfahrtstag 1354 ergänzt wurde. Auf dem Himmelfahrtsfest 1939 wurde der Stadt Belgrad die größte Kriegsauszeichnung verliehen - Karađorđes Stern mit Schwertern vierten Grades. Erwähnenswert ist, dass die 1863 erbaute Himmelfahrtskirche, die Originalfahne der Stadtverwaltung von Belgrad bewahrt hat. Die Fahne aus rotem Brokat veranschaulicht auf der einen Seite die Ikone von Christi Himmelfahrt und die mit Goldfäden gestickte Inschrift: Gemeinde der Stadt Belgrad 1938 und auf der anderen Seite die Ikone der Hl. Parascheva und die Botschaft: Wer das Schutzpatronenfest feiert - dem steht Gott bei. Von dieser Kirche, die das Stadtschutzpatronenfest bewahrt, brach 1992 erneut die Prozession auf, an der Spitze mit Seiner Heiligkeit, Patriarch Pavle.
Interessant ist auch, dass die Stadt desgleichen eine Schutzherrin, die Allerheilige Muttergottes, hat. Ihr hat der Despot Stefan Lazarević Belgrad geweiht.
Politik
Belgrad ist die Hauptstadt und Regierungssitz der Staatenunion Serbien und Montenegro und der Republik Serbien. Bürgermeister von Belgrad ist Nenad Bogdanović von der Demokratischen Partei DS.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Serbien
Serbien
- Festung Kalemegdan (u. a. Militärsmuseum, Römischer Brunnen, Belgrader Zoo)
- Konak (Residenz) der Fürstin Ljubica (ein besonders schönes Beispiel des Balkanstils unweit des Kalemegdan)
- Knez Mihailova ulica (Fürst-Michael-Straße, Fußgängerzone)
- das alte Bohèmeviertel Skadarlija (bekannt für seine Restaurants)
- Kirche des heiligen Sava (eine der größten orthodoxen Kirchen der Welt)
- Erzengel-Michael-Kathedrale, Markuskirche
- Nationalmuseum, Museum für Kunstgewerbe
- Nikola Tesla-Museum (mit der Urne Nikola Teslas)
- Platz der Republik, Terazije-Platz
- das Weiße Schloss und Schloss auf Dedinje (ehem. königliche Schlösser)
- Jugendstil-Offizierskaufhaus
- Park Topčider (u. a. Museum der serbischen Aufstände)
- Berg Košutnjak, Berg Avala etc.
- zahlreiche Restaurants, Kneipen, Klubs und Kaffeehäuser auf festen Hausbooten am rechten Donauufer in Höhe des Hotels Yugoslavia
Kalemegdan
Das historische Wahrzeichen der Stadt ist die seit dem Mittelalter beständig ausgebaute Festung Kalemegdan. Die spannungsvolle Entwicklung der Stadt spiegelt sich hier am deutlichsten wider.
Andere Bauten
In neuerer Zeit sind zahlreiche repräsentatitve Bauten dazugekommen. Durch ihre Dimensionen zeigen sie einen Hang zum imperialen Stil (Kathedrale Hl. Sava, Verteidigungsministerium, Parlament, Palast der Föderation, Basketballarena, Sava Kongresszentrum, Stadtteil Neu Belgrad, Metrostation Vuk Stefanović Karadžić). Belgrad wurde von den jeweiligen Machthabern als lokales Machtzentrum verstanden und sollte den vermeintlichen Anspruch als Metropole der Balkanhalbinsel untermauern. Darin glichen sich die Auftraggeber der Bauwerke, die von den jeweiligen Machthabern der Monarchie, kommunistischen und postkommunistischen Periode errichtet wurden. Durch ihre Gigantomanie, aber auch bedingt durch die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg, führte dies zu teilweise langwierigen Verzögerungen der Fertigstellung (Sv. Sava 1934-2004, Neuer Hauptbahnhof 1971-2008, Basketballarena 1989-2004).
Regelmäßige Veranstaltungen
- FEST (Belgrader Filmfestival)
- BITEF (Belgrader Theaterfestspiele)
- BEMUS (Belgrader Musikfestspiele)
Wirtschaft und Infrastruktur
Belgrad ist als Hauptstadt Serbiens ein wichtiges Verwaltungs- und Dienstleistungszentrum.
An Industrie gibt es Maschinen-, Fahrzeug-, Schiffbau, Textil- und Industriemesse, außerdem ist die Stadt ein bedeutender Binnenhafen und eine wichtige Zwischenstation für den Verkehr von Mitteleuropa in Richtung Istanbul, Skopje, Athen und Tirana. In Belgrad befinden sich im Dienstleistungsbereich viele Banken und Versicherungen. Der Dienstleistungssektor ist vor allem wichtig da Serbien ein wichtiges Transitland ist. In Zukunft wird eine Ölpipeline von Constanţa nach Pancevo nach Osijek und zuletzt nach Triest gebaut.
Verkehr
Der ÖPNV wird in der Stadt durch die Belgrader Verkehrsbetrieb GSP angewickelt. Diese Betreiben unter anderem ein Straßenbahn und die Metro in der Stadt.
Belgrad hat einen Flughafen.
Schifffahrt
Belgrad erstreckt sich an der Kreuzung der Wege Ost- und Westeuropas, die über das Morava- und Vardar-Tal und die Nišava- und Mariza-Ebene zur Küste der Ägäis, nach Kleinasien und in den Nahen Osten führen. Belgrad liegt an der Donau, dem Schifffahrtsweg, der die Länder West- und Mitteleuropas mit den Ländern Südost- und Osteuropas verbindet. Durch die Errichtung des Stausees und des Wasserkraftwerkes Eisernes Tor an der Donau entwickelte sich Belgrad auch zu einem Fluss- und Seehafen. Hier gehen Schiffe aus dem Schwarzen Meer vor Anker und mit der Inbetriebnahme des Rhein-Main-Donau-Kanals befindet es sich im Zentrum der bedeutendsten Schifffahrtsstraße in Europa: Nordsee - Atlantik - Schwarzes Meer.
Dass die Schifffahrt schon immer ein wichtiger Handelsschwerpunkt war, zeigt schon das Belgrader Wappen.
Persönlichkeiten
Schwarzes Meer
- Ivo Andrić, Nobelpreisträger, Schriftsteller
- Bogdan Bogdanović, Architekt, Belgrader Bürgermeister, Stadttheoretiker, Essayist
- Jovan Cvijić, Naturwissenschaftler, Präsident der Serbischen Akademie
- Zoran Đinđić, Politiker
- Prinz Eugen, Befreier Belgrads, österreichischer Feldherr
- Stevan Hristić, Komponist
- Johann Hunyadi, Ungarischer Reichsverweser, Verteidiger Belgrads
- Danilo Kiš, Schriftsteller
- Stefan Lazarević, Serbischer Despot
- Maximilian II. Emanuel, Befreier Belgrads, Bayerischer Kurfürst
- Kara Mustafa, Osmanischer Groswesir
- Josef Pančić, Naturwissenschaftler (Botanik), Erster Präsident der Serbischen Akademie
- Boris Tadić, Politiker
- Tito, Partizanenführer, Marschall und Präsident Jugoslawiens
- Lepa Brena, Sängerin
Siehe auch: Serbische Persönlichkeiten
Sonstiges
Wappen Belgrads
Serbische Persönlichkeiten
Die erste Erwähnung des Belgrader Wappens datiert das Jahr 1403 als Belgrad zum ersten Mal zur Hauptstadt des serbischen Reiches erklärt wurde. Doch bis zum heutigen Tag ist nicht mit Sicherheit festgestellt worden, wie es ausgesehen hat. Das darauffolgende Wappen genannt "Fugerspiegel der Ehre" stammt aus dem Jahre 1555 während der ungarischen Herrschaft. Die Tradition des Belgrader Wappens wurde unter der Türkenherrschaft unterbrochen, da das Wappen mit der Einigkeit der Serben verbunden wurde und somit verboten wurde. Doch als Österreich-Ungarn Belgrad im 18. Jahrhundert eingenommen haben, wurde diese Tradition fortgesetzt. Im Jahre 1725 wurde auf Vorschlag des kaiserlichen Gouverneurs Alexander von Württemberg ein neues Siegeswappen herausgebracht. Es folgten noch drei weitere Wappen. Doch hauptsächlich waren es Wappen, die eine nichtserbische Obrigkeit Belgrad zugedacht hat und somit vom Volk nie akzeptiert wurden.
1931 leitete Belgrads Bürgermeister Milan Nešić, eine Aktion zur Festlegung des Wappens. Ein Ausschuss aus Künstlern, Heraldikern, Universitätsprofessoren, Generälen und Staatsräten wurde gebildet. Es wurde beschlossen:
# Das Wappen muss die Form eines Schildes aufweisen, das nach unten in eine sanfte Spitze endet.
# Es müssen die Landesfarben, der Fluss (als Symbol der Kraft Belgrads), ein römisches Schiff (Triere) (als Symbol des Altertums) und weiße Mauern mit einem Turm und offenem Tor (Symbol für die Stadt und freien Verkehr).
# Die Erde, zwischen den Flüssen soll rot sein, als Symbol für das jahrhundertelange Leiden der Stadt . Die Flüsse und die Mauern sollen nach heraldischen Gesetzen weiß sein als Symbol der "weißen Stadt". Und der Himmel soll Blau sein als Symbol der Hoffnung und des Glaubens an eine bessere Zukunft.
Bei einer Ausschreibung ging die Skizze des Belgrader Malers Ðorđe Andrejević-Kun überzeugend als Sieger hervor. Auf Vorschlag der Jury sind an der Skizze geringfügige Änderungen vorgenommen worden. Die preisgekrönte und offiziell angenommene Skizze des Wappens in Farbe wurde in der "Belgrader Allgemeinen Zeitung" Nr. 1/32 veröffentlicht.
Wegen der veränderten gesellschaftlichen Umstände nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Stadt langsam ihr Wappen zu vergessen. Statutarische Lösungen bewegen sich zwischen dem völligen Fehlen einer Verordnung bezüglich des Wappens, über den Gebrauch des Terminus "Emblem", ohne Angabe des Blasons (Beschreibung) des Wappens, bis hin zur Verordnung, die dem Blason eine stilisierte Version verleiht, für die keine entsprechenden Dokumente vorlagen.
Tage Belgrads
Das Belgrader Parlament beschloss am 26. Dezember 2002, den Zeitraum zwischen den bedeutendsten Ereignissen in der langen Geschichte dieser Stadt von 16. und 19. April als "Tage Belgrads" zu ernennen. Der slawische Name Belgrad wird erstmals am 16. April 878 im Brief des Papstes Johannes VIII., an den bulgarischen Fürsten Boris erwähnt. Am 19. April 1867 wurde Belgrad wieder eine freie serbische Stadt, als der letzte osmanische Kommandant Ali Risa Pascha in der Festung Kalemegdan dem Fürsten Mihailo Obrenović symbolisch die Schlüssel übergab.
Auszeichnungen Belgrads
Papstes Johannes VIII.
- Orden der Ehrenlegion: Übergeben vom französische Marschall und Ehrenwoiwoden des serbischen Heeres, Franchet d'Esperey am 21. Dezember 1920. Außer Belgrad sind noch drei Städte außerhalb Frankreichs im Besitz dieses Ordens: Lüttich (Belgien), Luxemburg (Luxemburg) und Stalingrad (heute Wolgograd, Russland).
- Das Tschechische Kriegskreuz: Übergeben von der damaligen Übergangsregierung der Tschechoslowakei in Paris am 7. November 1918 als höchste Auszeichnung. Verliehen für Mut und Kühnheit im Kampf gegen den Feind und für Heldentaten im Kampf um die Unabhängigkeit von 1914 bis 1918.
- Orden des Karađorđe-Sterns mit Schwertern: Übergeben vom damaligen König Petar II. Karađorđević am 18. Mai 1939. Der Karađorđe-Stern war die größte und bedeutendste Kriegsauszeichnung im ehemaligen Jugoslawien.
- Orden des Volkshelden: Übergeben am 10. Oktober 1974. Dieser Orden ist eine Auszeichnung für Personen, die den Titel eines Volkshelden erworben haben.
Weblinks
- [http://www.beograd.org.yu/deutsch/ Stadt Belgrad]
- [http://www.goethe.de/ms/bel/deindex.htm Goethe-Institut Belgrad]
- [http://zivotic.com/photo/ Bildergalerie von ZZ Digital]
- [http://www.pbase.com/eliashan/belgrade Bildergalerie von Eliashan]
- [http://www.pbase.com/vmarinkovic/belgrade Bildergalerie von VMarinkovic]
- [http://www.planplus.co.yu/s/bg.asp Stadtplan von Belgrad]
- Weitere Artikel zum Thema Südosteuropa unter Portal:Südosteuropa
- [http://www.belgradeinsideout.com/ Belgrad Info]
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Kategorie:Ort in Serbien
Kategorie:Hauptstadt in Europa
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ko:베오그라드
Serbische Sprache
Serbisch ist eine Sprache aus dem slawischen Zweig der indogermanischen Sprachen. Innerhalb dieser wird es den südslawischen Sprachen zugerechnet.
Grammatikalischen Kriterien zufolge ist die serbische Sprache der kroatischen und bosnischen Sprache ähnlich. Viele Serbischsprecher können sich mühelos mit Sprechern des Kroatischen und Bosnischen verständigen. Wobei diese beiden immer neue Wörter in deren wortschatz einführen, so dass es für künftige serbische Generationen etwas schwieriger sein wird, diese neuen Tur- und Slawozismen zu verstehen.
Die serbische Sprache existiert in zwei Aussprachevarianten. Im Grunde genommen ist die ekawische Aussprachevariante vorherrschend, insbesondere im Großteil Serbiens. In Montenegro und Bosnien und Herzegowina wird jedoch die ijekawische Aussprache verwendet, die der Kroatischen und Bosnischen Sprache ähnlicher ist. Zur Erläuterung einiger Unterschiede sei auf den Artikel zum Kroatischen verwiesen.
Serbisch wird von ca. 10 Millionen Menschen in Serbien, wo es Amtssprache ist, als Muttersprache gesprochen. Serbisch ist auch Amtssprache in Montenegro und in Bosnien und Herzegowina. Zudem existiert eine große serbische Diaspora, deren Zahl mit Nachkommen auf ca. 7.000.000 beziffert werden kann.
Serbisch wird mit dem lateinischen Alphabet sowie seltener mit demkyrillischen geschrieben. Die Verwendung der kyrillischen Schrift, der serbischen Urschrift hängt dabei von mehreren Faktoren ab: Geographie (vor allem in Zentralserbien und Montenegro, weniger von den Serben Kroatiens, Bosniens und der nordserbischen Provinz Vojvodina), von der politischen Ausrichtung (traditionell ausgerichtete Zeitungen eher kyrillisch), und vom Textgegenstand (religiöse und traditionelle Texte eher kyrillisch, ehemals kommunistische, moderne Inhalte eher lateinisch).
Die Tendenz geht aber immer mehr zum Lateinischen. So sind die meisten serbischen Fernsehsender mit lateinischem Alphabet ausgestattet.
Straßenschilder z.B. wurden bis vor kurzem oft mit beiden Schriften erstellt, sind inzwischen meistens mit dem lateinischen Alphabet geschrieben.
Für linguistische Details, siehe Štokavisch und Torlakisch.
Alphabet und Aussprache
Die Sprache wird mit dem kyrillischen Alphabet und dem lateinischen Alphabet mit einigen Sonderzeichen geschrieben.
Das serbische Alphabet hat 30 Buchstaben:
a, b, c, č, ć, d, dž, đ, e, f, g, h, i, j, k, l, lj, m, n, nj, o, p, r, s, š, t, u, v, z, ž.
A, Б, Ц, Ч, Ћ, D, Џ, Ђ, E, Ф, Г, X, И, J, K, Л, Љ, M, H, Њ, O, П, P, C, Ш, T, Y, B, З, Ж
Die Buchstaben q, w, x, y kommen nur in fremdsprachigen Eigennamen vor. Die Digraphen dž, lj und nj werden in der alphabetischen Ordnung jeweils als ein einzelner Buchstabe aufgeführt. Es gibt nur eine sehr geringe Anzahl von Wörtern, in denen diese Zeichengruppen zwei getrennte Laute bezeichnen und deshalb als zwei Buchstaben behandelt werden müssen. Auslänische Namen werden im serbischen, in der Regel, geschrieben wie man sie spricht z.B.: Grace Kelly- Grejs Keli. Das wird selbst von Zeitschriften so gehandhabt. Im kroatischen hingegen werden Namen und Eigennamen in ihrer ursprünglichen Form übernommen.
Die Sonderzeichen können mit den folgenden Entities erstellt werden (Achtung, das Đ nicht mit dem isländischen Ð verwechseln):
Die Mehrzahl der Buchstaben werden im Großen und ganzen wie im Deutschen ausgesprochen.
Grammatik
Das Serbische besitzt sieben Fälle (Kasus): neben den auch im Deutschen bekannten Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ sind dies: Vokativ, Instrumental und Lokativ.
Siehe auch
- Sprache
Weblinks
- http://www.bg.ac.yu/university/uni/index.html Universität Belgrad
- http://www.krstarica.com/dictionary/serbian-german/ Serbisch-Deutsches Wörterbuch
Kategorie:Einzelsprache
Kategorie:Serbien
Kategorie:Bosnien und Herzegowina
Kategorie:Slawische Sprache
ja:セルビア語
ko:세르비아어
Deutsche Sprache
Die deutsche Sprache (Hochdeutsch und Niederdeutsch) zählt zur indoeuropäischen Sprachfamilie (in Deutschland abweichend auch indogermanische Sprachfamilie genannt), spezifisch zu den westgermanischen Sprachen.
Geschichte
Hauptartikel: Deutsche Sprachgeschichte
Als hochdeutsche Sprache bezeichnet man zunächst alle germanischen Dialekte, die im frühen Mittelalter an der zweiten oder althochdeutschen Lautverschiebung beteiligt waren (alemannisch, bairisch, ost-, rhein-, mittelfränkisch, ostmitteldeutsch = ober- und mitteldeutsche Mundarten = hochdeutsche Mundarten). Die germanischen Dialekte, die diese zweite germanische Lautverschiebung nicht oder nur zu einem sehr geringen Teil mitgemacht haben, bezeichnet man seit der frühen Neuzeit als niederdeutsche Sprachen (niedersächsisch und niederfränkisch).
Das Wort „teutsch“ (deutsch) bildete sich dabei innerhalb des Lateinischen aus dem germanischen Wort für „Volk“ (thioda, thiodisk) heraus und bezeichnete die Sprache der nicht lateinisch (und nicht romanisch) sprechenden Bevölkerung. Die ältere Bezeichnung „fränkisch“ für die eigene Sprache traf etwa seit dem 9. Jahrhundert nicht mehr eindeutig zu, nachdem einerseits die westfränkische Oberschicht im späteren Frankreich den romanischen Dialekt der einheimischen Bevölkerung übernommen hatte und andererseits das Ostfrankenreich auch nicht-fränkische Stämme wie die Alemannen, die Bayern, die Thüringer und die (Nieder-)Sachsen umfasste.
Da während des ganzen Mittelalters im Unterschied zu den Nachbarländern in dem Land der Teutschen stark territorial zersplitterte politische Strukturen existierten, entwickelten sich die zum Teil extrem unterschiedlichen deutschen Dialekte (deutsche Mundarten) lange parallel nebeneinander her.
Einen ersten Ansatz zu einem überregionalen Ausgleich der Mundarten hat man teilweise in der mittelhochdeutschen Dichtersprache der höfischen Dichtung um 1200 sehen wollen. In der Tat ist teilweise das Bemühen der Dichter zu erkennen, nur regional verständliches Vokabular und dialektale lautliche Besonderheiten zu vermeiden, um ein überregionales Verständnis ihrer Werke zu ermöglichen; andererseits muss aber die Breitenwirkung der an den Fürstenhöfen tätigen Dichter zu einer Zeit, als nur eine verschwindend geringe Minderheit der Bevölkerung alphabetisiert war und Zugang zu dieser elitären Kunst hatte, als äußerst gering eingeschätzt werden. Der Beginn der neuhochdeutschen Schrift- und Standardsprache kann daher erst in überregionalen Ausgleichsprozessen des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit gesehen werden.
Während die Standardsprache in den meisten europäischen Ländern aus dem Dialekt der jeweiligen Hauptstadt hervorgegangen ist, stellt die heutige deutsche Hochsprache (Standardsprache) eine Art „Kompromiss“ zwischen den mittel- und oberdeutschen Dialekten südlich der Benrather Linie dar.
Benrather Linie
In Norddeutschland hat sich das Hochdeutsche, vor allem im Gefolge der Reformation als Amts- und Schulsprache gegen das Niederdeutsche (Plattdeutsche/Niedersächsische und Niederfränkische) durchgesetzt. Zur Blütezeit der Hanse fungierte das Niederdeutsche als Verkehrssprache im gesamten Nord- und Ostseeraum. Auch die Niederländische Sprache ist eine niederfränkische und daher niederdeutsche Sprache.
Martin Luther übersetzte 1521 das Neue Testament und 1534 das Alte Testament in die sich damals noch entwickelnde neuhochdeutsche Schriftsprache. Die dort verwendete Sprache in einer ostmitteldeutschen Färbung prägte durch die religiöse Bedeutung Luthers ganze Generationen. Es muss aber angemerkt werden, dass Luthers Bedeutung im Hinblick auf die Entstehung der Neuhochdeutschen Schriftsprache lange Zeit überschätzt wurde. Bereits seit dem 14. Jahrhundert bildete sich allmählich eine immer stärker überregional geprägte Schriftsprache heraus, die man auch als Frühneuhochdeutsch bezeichnet. Die Herausbildung der hochdeutschen Schriftsprache war im 17. Jahrhundert zum Großteil abgeschlossen. Durch die Beseitigung der so genannten Letternhäufelung im 18. Jahrhundert wurde das seitdem in Grundzügen kaum veränderte deutsche Schriftbild abgerundet.
Die Geschichte der deutschen Sprache wird häufig in vier Abschnitte (Sprachstufen) unterteilt:
- 750 – 1050: Althochdeutsch
- 1050 – 1350: Mittelhochdeutsch
- 1350 – 1650: Frühneuhochdeutsch
- ab 1650: Neuhochdeutsch
Johann Christoph Adelung veröffentlichte 1781 das erste große Wörterbuch. Jacob und Wilhelm Grimm begannen 1852 mit der Herausgabe des umfassendsten Deutschen Wörterbuchs, das 1961 vollendet wurde, aber seither einer Überarbeitung unterzogen wird.
Die deutsche Rechtschreibung wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts zunehmend normiert. Ein Durchbruch zu einer deutschen „Einheitsschreibung“ gelang mit dem „Orthographischen Wörterbuch der deutschen Sprache“ von Konrad Duden (1880), das in der Rechtschreibreform von 1901 in leicht veränderter Form zur Grundlage der amtlichen Rechtschreibung erklärt wurde. Erst 1996 kam es zu einer erneuten Rechtschreibreform. Siehe dazu auch Geschichte der deutschen Rechtschreibung.
In der Bundesrepublik Deutschland ist Hochdeutsch:
- nach § 23 Verwaltungsverfahrensgesetz (BVwVfG) als Amtssprache,
- nach § 5 Beurkundungsgesetz als Sprache für notarielle Urkunden,
- nach § 184 Gerichtsverfassungsgesetz als Gerichtssprache festgelegt.
Besondere Regelungen gelten für die dänische Minderheit in Schleswig-Holstein sowie für die Sorben in Brandenburg und Sachsen; mittlerweile aber auch für die niederdeutsche Sprache.
In Österreich ist laut Artikel 8. (1) Bundes-Verfassungsgesetz (BVG) die (hoch-)deutsche Sprache, unbeschadet der den sprachlichen Minderheiten eingeräumten Rechte, die Staatssprache der Republik.
In Liechtenstein ist Deutsch die alleingültige Amtssprache. Es kennt keine Minderheitensprachen.
Hochdeutsch als Amtssprache (neben anderen Sprachen)
- Belgien (mit Französisch und Niederländisch)
- Luxemburg (mit Luxemburgisch und Französisch)
- Schweiz (63 % deutsch) (auf gesamtstaatlicher Ebene neben Französisch, Italienisch und Rätoromanisch; in 17 von 26 Kantonen alleinige Amtssprache, in 4 weiteren Amtssprache neben anderen Sprachen)
- Italien: nur regional in Südtirol (mit Italienisch und Ladinisch; in anderen Regionen: Aostatal: Französisch; Friaul: Slowenisch jeweils mit Italienisch)
- Dänemark: in Gebieten der deutschen Minderheit (Sønderjylland) (neben Dänisch)
- Namibia (seit Juni 1984 mit Afrikaans und Englisch, seit der Unabhängigkeit Namibias 1990 nicht mehr Amtssprache)
- Russland: Anerkannte Verkehrssprache der deutschstämmigen Bevölkerung in den beiden westsibirischen Nationalkreisen Asowo (Gebiet Omsk) und Halbstadt (Altai-Region).
Deutsch ist zudem eine Amtssprache der Europäischen Union und eine Arbeitssprache der Vereinten Nationen.
Dass Deutsch beinahe Amtssprache der USA geworden wäre, ist ein Gerücht, das auf eine Fehlinterpretation zurückzuführen ist (Mühlenberg-Legende, siehe auch Deutsche Sprache in den USA).
Als Minderheitensprache
- Argentinien 300.000
- Australien 200.000 oder mehr ( 2 Millionen Deutschstämmige)
- Belgien 112.458
- Brasilien (1.900.000)
- Chile (100.000)
- Dänemark 20.000
- Estland 3.460
- Frankreich: von den 1.200.000 potenziell deutschsprachigen Elsässern und Lothringern spricht nur noch ein kleiner Teil den angestammten Dialekt
- Italien 330.000
- Kanada 500.000 oder mehr (2,8 Millionen Deutschstämmige, siehe Auswärtiges Amt).
- Kasachstan 358.000
- Kroatien 11.000
- Lettland 3.780
- Litauen 2.060
- Moldawien 7.300
- Namibia 30.000
- Niederlande 47.775
- Paraguay 200.000
- Polen 170.000
- Rumänien (70.000.)
- Russland: europäischer Teil (75.000), Sibirien (767.300)
- Slowakei 12.000
- ((Südafrika)) 300.000-500.000 (100.000 Passdeutsche, 1 Million Deutschstämmige, siehe Auswärtiges Amt).
- Togo
- Tschechien 50.000
- Ukraine 38.000
- Ungarn 145.000
- Vereinigte Staaten von Amerika 6.100.000 , insbes. Pennsylvaniadeitsch s. Kapitel Pennsylvania Dutch
Siehe auch: Deutschsprachige Minderheiten
Als Fremdsprache
Deutsch (Hochdeutsch) wird in vielen Ländern als Fremdsprache gelehrt; in Europa ist es nach Englisch am weitesten verbreitet. Besonders häufig wird Hochdeutsch als Fremdsprache in den Niederlanden, Skandinavien, Baltikum, Slowenien, Kroatien, Polen, Japan, Bosnien und Herzegowina, der romanischen Schweiz, Serbien, Ungarn, Montenegro, Mazedonien und Bulgarien gewählt. Teilweise gilt Deutsch in diesen Ländern als erste Schulfremdsprache und steht damit noch vor dem Englischen. Auch in Weißrussland wird Deutsch oft an Schulen unterrichtet.
In anderen Ländern, so zum Beispiel in Frankreich und den USA, verliert Deutsch zunehmend an Bedeutung gegenüber Spanisch.
In Ostasien (Japan) wurde im 19. und 20. Jahrhundert Deutsch als Medizinsprache verwendet (an Stelle von Latein).
Nach einer Erhebung der Ständigen Arbeitsgruppe Deutsch als Fremdsprache, der u. a. das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut angehören, gab es 2000 die meisten Deutschlerner in:
- Russische Föderation: 4.657.500
- Polen: 2.202.708
- Frankreich: 1.603.813
- Tschechien: 799.071
- Ukraine: 629.742
- Ungarn: 629.472
- Kasachstan: 629.874
- Niederlande: 591.190
- USA: 551.274
Deutsch ist heute die nach Englisch am meisten verwendete Sprache im Internet (gefolgt von Französisch, Japanisch, Spanisch und Chinesisch). Mehr als acht Prozent aller Seiten im Internet sind auf Deutsch.
(Internetseiten auf Englisch:Cirka 50 %)
Im Zuge der Kolonialisierung entstand im heutigen East New Britain das so genannte Unserdeutsch, das weltweit einzige Kreoldeutsch. Diese Sprache ist jedoch mittlerweile fast ausgestorben, da die meisten Sprecher auswanderten.
Außerdem haben sich in Papua-Neuguinea bis zu 150 Wörter deutschen Ursprungs in der Sprache Tok Pisin erhalten.
Aussprache
Siehe Aussprache der deutschen Sprache.
Grammatik
siehe dazu deutsche Grammatik
Rechtschreibung
Siehe dazu deutsche Rechtschreibung.
Textsammlungen
Beim Projekt Gutenberg-DE gibt es Texte von über 1000 Autoren. Wikisource enthält mehr als 2000 deutschsprachige Werke.
Siehe auch: Deutsche Literatur, Sprichwörter,
Deutschsprachige Schriftsteller: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
Die Einteilung der deutschen Dialekte beruht auf Untersuchungen des 19. Jahrhunderts. In gleicher Zeit begann die Herausbildung von Umgangssprachen als einer Art Mischform zwischen Standardsprache und Dialekt. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts verdrängen die Umgangssprachen die alten Dialekte.
- Mitteldeutsch
- Westmitteldeutsch (siehe auch: Fränkische Sprache)
- Mittelfränkisch (Ripuarisch, Moselfränkisch, Luxemburgisch)
- Rheinfränkisch (Pfälzisch, Hessisch)
- Ostmitteldeutsche Sprache
- Thüringisch-Obersächsisch, (Kolonialdialekte)
- Berlin-Brandenburgisch (Mischform mit Ostniederdeutsch)
- Ostmitteldeutsche Dialekte
- Lausitzische Dialekte
- Ermländisch
- Fränkisch im Übergangsbereich zwischen dem Oberdeutschen und Mitteldeutschen (Wird häufig dem Oberdeutschen zugeordnet.)
- Ostfränkisch, umgangssprachlich "Fränkisch"
- Mainfränkisch
- Süd-Rheinfränkisch
- Oberdeutsch
- Alemannisch
- Schwäbisch
- Elsässisch
- Niederalemannisch (darunter auch schweizerdeutsche Dialekte)
- Hochalemannisch (darunter auch schweizerdeutsche Dialekte)
- Höchstalemannisch (schweizerdeutsche Dialekte)
- Bairisch
- Südbairisch
- Mittelbairisch
- Nordbairisch
Niederdeutsche Sprachen
- Niederdeutsch
- Niedersächsisch
- Niederfränkisch
Niederdeutsch bzw. die niederdeutschen Sprachen zeigen bedeutende phonologische, morphologische und lexikal-semantische Unterschiede gegenüber den übrigen deutschen Mundarten. Diese Sprachgruppe hat die zweite hochdeutsche Lautverschiebung nicht mitvollzogen.
Das Niedersächsische, das in Deutschland und in den Niederlanden gesprochen wird und gemeinhin in Norddeutschland als Niederdeutsch oder Plattdeutsch (Plattdüütsch) bezeichnet wird (in den Niederlanden als „nedersaksisch”) wird auch als Teil einer niederdeutschen Sprachgruppe aufgefasst.
Mittlerweile hat das Niedersächsische infolge der Sprachencharta des Europarats einen offiziellen Status als Regionalsprache erhalten, weil die Länder Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen Niedersächsisch für einen Schutz gemäß Teil III der Sprachencharta angemeldet haben. Vermutlich kann dennoch sein allmähliches Aussterben nicht aufgehalten werden.
Das Niederfränkische lebt weiter im Niederländischen. Auch die ursprünglichen Dialekte am Niederrhein (Kleve, Wesel, Duisburg, Mülheim an der Ruhr) sowie die alten Mundarten im Ostbergischen gehörten dem niederfränkischen Zweig an. Sie sind seit dem Zweiten Weltkrieg praktisch im Aussterben.
Die Mundarten des Gebietes zwischen der Uerdinger Linie (Ik-/Ich-Linie) und der Benrather Linie (Maken-/Machen-Linie) (Düsseldorf, Mönchengladbach, Krefeld, Neuss) weisen sowohl niederfränkische als auch mittelfränkische Züge auf und sind ein mundartliches Übergangsgebiet zwischen den hochdeutschen und den niederfränkischen Mundarten.
Einflüsse anderer Sprachen auf die deutsche Sprache
Durch ihre zentrale Lage in Europa wurde die deutsche Sprache über die Jahrhunderte durch andere Sprachen beeinflusst. Im Mittelalter und der Zeit davor war es vor allem die lateinische Sprache, aus der sich die deutsche Sprache bediente. So sind viele alltägliche Wörter, vor allem aus Architektur, Religion und Kriegswesen (z. B. Fenster, Keller, Karren, dominieren, Kloster), aus dem Lateinischen entlehnt. Auch die griechische Sprache hat das Deutsche in Religion, Wissenschaft und Philosophie stark beeinflusst (z. B. Philosophie, Physik, Demokratie, Krypta).
Später war es dann vor allem die französische Sprache, die großen Einfluss auf das Deutsche ausübte. Da nach dem Dreißigjährigen Krieg an vielen Höfen französisch gesprochen wurde und selbst preußische Könige diese Sprache besser beherrschten als Deutsch und letzteres, frei nach Voltaire, nur zur Kommunikation mit Soldaten und Pferden gebraucht wurde, kamen vor allem Wörter aus dem vornehmen Bereich in die deutsche Sprache (z. B. Boulevard, Trottoir, Konfitüre).
Auch aus den slawischen Sprachen (z. B. Grenze, Pistole), dem Jiddischen und dem Rotwelsch (z. B. Zoff, meschugge, Mischpoke, Schockse) kamen einige Wörter ins Deutsche, jedoch war der Einfluss dieser Sprachen im Vergleich zu den vorgenannten wesentlich geringer.
In Handel, Botanik und Medizin lassen sich auch einige Einflüsse aus dem Arabischen ausmachen, die verstärkt im Mittelalter beispielsweise durch die Kreuzzüge nach Europa und somit auch nach Deutschland kamen. Aber auch in alltäglichen Begriffen wie Koffer, Benzin oder Limonade lassen sich arabische Einflüsse bzw. Ursprünge nachweisen.
Ab Mitte des 20. Jahrhunderts nahm in Deutschland das Englische zunehmend Einfluss auf die deutsche Sprache (Anglizismen). Diese Entwicklung wird von einigen skeptisch betrachtet. Kritiker bringen vor, es handle sich oftmals (z. B. bei Handy) um Pseudo-Englisch, für das es genügend deutsche Synonyme gebe.
Auch technische Zwänge bei der Synchronisation englischsprachiger Filme üben mittlerweile einen Einfluss auf das Deutsche aus. Um Lippensynchronizität zu gewährleisten, werden Worte und Redewendungen kreiert, die zuvor im Deutschen nicht üblich waren, sich dann aber später in der Umgangssprache durchsetzen (z.B. "Oh mein Gott" statt "Um Gottes Willen" als Übersetzung für "Oh my God"). "Verdeckte" Anglizismen gibt es mittlerweile auch aus anderen Gründen: So ist der heute sehr gebräuchliche Ausdruck "nicht wirklich" die wortwörtliche Übersetzung von "not really" und bedeutet demzufolge soviel wie "eigentlich nicht" – allerdings hat sich der Ausdruck inzwischen verselbständigt.
Eine Sprachpolitik, wie sie unter anderem in Frankreich und Island betrieben wird, um eine Anreicherung der Sprache mit Anglizismen zu unterbinden, findet in Deutschland seit Mitte des 20. Jahrhunderts nicht mehr statt. Gründe hierfür sind möglicherweise in der Sprachpolitik des Nationalsozialismus zu suchen. Andere verwerfen solche Bemühungen unter Verweis auf Joachim Heinrich Campe als Sprachpurismus.
Literatur zu Kontakten der deutschen Sprache
- Johannes Bechert/Wolfgang Wildgen: Einführung in die Sprachkontaktforschung. Darmstadt, Wiss. Buchgesellschaft, 1991
- Csaba Földes: Kontaktdeutsch. Zur Theorie eines Varietätentyps unter transkulturellen Bedingungen von Mehrsprachigkeit. Tübingen, Verlag Gunter Narr, 2005
- Claudia Maria Riehl: Sprachkontaktforschung. Tübingen, Narr, 2004
Wie das Deutsche in anderen Sprachen heißt
Aufgrund der sehr wechselhaften Geschichte Deutschlands gibt es in den Sprachen der Welt mehr unterschiedliche Formen für den Namen der deutschen Sprache als für die meisten anderen Sprachen der Welt.
Allgemein kann man die Namen der deutschen Sprache aber aufgrund ihrer Herkunft in sechs Gruppen zusammenfassen.
Anmerkung: In der Vergangenheit war im Rumänischen die dem Slawischen entlehnte Form nemţeşte üblich, aber heute wird im Rumänischen vorwiegend das Wort germană benutzt. Das ungarische német ist auch aus dem Slawischen entlehnt, ebenso der Name Österreichs im Arabischen, an-Nimsā (النمسا).
Siehe auch
- Jiddisch
- Rotwelsch
- »BRD-Sprache« und »DDR-Sprache«, Duden als Sprachwächter
- Schweizer Hochdeutsch, Schweizerdeutsch
- Sprachgebrauch in Österreich
- Belgranodeutsch
- Deutschsprachiger Raum
- Institut für Deutsche Sprache
- Gebärdensprache im deutschsprachigen Raum
- Moselromanisch
- Deutsche Sprache in Namibia
- :Kategorie:Deutsche Sprache
- Variantenwörterbuch des Deutschen
- Pennsylvania Dutch, Hutterisch, Texasdeutsch
- Riograndenser Hunsrückisch
- Deutsche Redewendungen
- Studentensprache
- Liste deutscher Wörter in anderen Sprachen
- Liste der häufigsten Wörter der deutschen Sprache
Weblinks
- [http://www.ids-mannheim.de Institut für deutsche Sprache, Mannheim]
- [http://www.gfds.de/ Gesellschaft für deutsche Sprache, Wiesbaden]
- [http://wortschatz.uni-leipzig.de/index.html Wortschatz der deutschen Sprache]
- [http://www.dwb.uni-trier.de/ Grimm, Deutsches Wörterbuch]
- [news:de.etc.sprache.deutsch Newsgroup zur deutschen Sprache] ([http://groups.google.com/groups?q=de.etc.sprache.deutsch de.etc.sprache.deutsch bei Google], [http://faql.de FAQs zur Newsgroup])
- [http://www.canoo.net/index.html Rechtschreibung mit Online-Prüfung, Grammatik, Morphologie und anderes]
- [http://www.woerterbuch.info/ woerterbuch.info - Deutsch-Englisch Wörterbuch mit 600.000 Übersetzungen und 125.000 Synonymen]
- [http://www.deutsche-sprachwelt.de Magazin Deutsche Sprachwelt]
Eine Übersicht über die Beiträge in Wikipedia zum Thema Sprache bietet das Portal:Sprache.
Kategorie:Indogermanisch
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Latein
Als Latein bzw. Lateinisch (lat. lingua Latina: „lateinische Sprache“) bezeichnet man die Sprache, die ursprünglich vom Volksstamm der Latiner gesprochen wurde, der Bewohner von Latium mit Rom als Zentrum.
Innerhalb der indogermanischen Sprachen gehört Latein zur Gruppe der italischen Sprachen. Es bildete die Grundlage für alle heutigen romanischen Sprachen.
Entwicklung
romanischen Sprachen
Ursprünglich in Rom und dem umliegenden Gebiet (Latium) gesprochen, wurde Latein später an humanistischen Gymnasien unterrichtet. Neben Griechisch war Latein die Amtssprache des römischen Reiches. Wegen der kulturellen Überlegenheit des Ostens verlor es dabei zeitweise in Nordafrika und selbst in Rom seine Vorrangstellung. So war die Liturgiesprache der römischen Christen bis um 300 das Griechische. In dieser Zeit drangen viele griechische Lehnwörter ins Lateinische ein.
Während der Spätantike begannen sich verschiedene Volkssprachen, aus denen im Mittelalter die romanischen Sprachen entstehen sollten, phonetisch und grammatikalisch von der lateinischen Hochsprache wegzuentwickeln. Doch noch im 6. Jahrhundert entstanden hochsprachliche lateinische Werke. Im Oströmischen Reich war Latein bis ins frühe 7. Jahrhundert neben Griechisch eine der beiden Amtssprachen.
Im Westen übernahmen die Germanen mit den Grundelementen der spätrömischen Verwaltung auch die lateinische Sprache, die in der Administration bis in die frühe Neuzeit vorherrschend blieb. Seit der Völkerwanderung und der Christianisierung der (zunächst zumeist arianischen) Germanenvölker wurde Latein im Westen des früheren Römischen Reiches und in den römisch-katholischen Folgestaaten die Sprache des Klerus (Kirchenlatein), der Rechtswissenschaft (Glossatoren) und der sich bildenden Hochschulen (studia generalia). Es bildete somit die Schriftsprache, vor allem für das kirchliche und weltliche Urkundenwesen (Diplomatik) im frühen Europa.
In völkerrechtlichen Verträgen (z. B. im Westfälischen Frieden von 1648) dominierte Latein bis in das 17. Jahrhundert hinein. Es bildet noch bis ins 20. Jahrhundert den Affixvorrat für die Fachterminologie in den Wissenschaften und verliert durch die fortschreitende Absorption in die englische und andere Sprachen lediglich an direkter, nicht jedoch an indirekter Bedeutung. Es wird noch an vielen Schulen unterrichtet.
Antike
Antike Schreibweise
Die lateinische Sprache wurde ursprünglich als scriptio continua, d. h. als zusammenhängender Fluss von Zeichen ohne Zwischenräume geschrieben. Auch Satzzeichen und Kleinbuchstaben wurden in der Antike nicht verwendet. Auf Wachstafeln war nämlich wenig Platz zum Schreiben, und Papyrus war teuer. Die antiken lateinischen Texte sind für uns heute daher schwer zu lesen.
Vergleiche folgendes Beispiel:
Alte Schreibweise:
AVREAPRIMASATAESTAETASQVAEVINDICENVLLO
SPONTESVASINELEGEFIDEMRECTVMQVECOLEBAT
POENAMETVSQVEABERANTNECVERBAMINANTIAFIXO
AERELEGEBANTVRNECSVPPLEXTVRBATIMEBAT
IVDICISORASVISEDERANTSINEVINDICETVTI
NONDVMCAESASVISPEREGRINVMVTVISERETORBEM
MONTIBVSINLIQVIDASPINVSDESCENDERATVNDAS
NVLLAQVEMORTALESPRAETERSVALITORANORANT
NONDVMPRAECIPITESCINGEBANTOPPIDAFOSSAE
NONTVBADIRECTINONAERISCORNVAFLEXI
NONGALEAENONENSISERANTSINEMILITISVSV
MOLLIASECVRAEPERAGEBANTOTIAGENTES
Heutige Schreibweise:
Aurea prima sata est aetas, quae vindice nullo,
sponte sua, sine lege fidem rectumque colebat.
poena metusque aberant nec verba minantia fixo
aere legebantur, nec supplex turba timebat
iudicis ora sui, sed erant sine vindice tuti.
nondum caesa suis, peregrinum ut viseret orbem,
montibus in liquidas pinus descenderat undas,
nullaque mortales praeter sua litora norant.
nondum praecipites cingebant oppida fossae,
non tuba directi, non aeris cornua flexi,
non galeae, non ensis erant: sine militis usu
mollia securae peragebant otia gentes.
Auszug aus Ovids Metamorphosen: Die Schöpfung (Das goldene Zeitalter)
Details zu den verwendeten Buchstaben finden sich in dem Artikel Lateinisches Alphabet. Siehe zu diesem Thema auch: Paläografie (dort Lateinische Paläografie), Capitalis, Versalschrift und Majuskel.
Antike Aussprache
Auf die antike Aussprache der lateinischen Sprache wird im Artikel Lateinische Aussprache eingegangen.
Literatur
Mit Antiker Literatur des Lateinischen beschäftigt sich u. a. der Artikel Lateinische Literatur.
Gegenwart
Auch heute ist Latein noch an vielen Gymnasien aller Fachrichtungen zu finden. Etwa ein Drittel aller Gymnasiasten im deutschen Sprachraum lernt Latein als erste, zweite oder dritte Fremdsprache. An humanistischen Gymnasien wird dem Lateinischen, neben dem Griechischen, noch eine herausgehobene Bedeutung zugemessen, was früher auf eine aktive Beherrschung des Lateinischen zielte.
Tatsächlich werden auch heute noch für zahlreiche Studiengänge das Latinum oder Lateinkenntnisse gefordert, insbesondere in zahlreichen geisteswissenschaftlichen Fächern. Das Latinum ist als Studienvoraussetzung für die Fächer Medizin und Jura weitestgehend abgeschafft, häufig aber nicht in Fächern wie Anglistik, Philosophie oder sogar Musikwissenschaften.
Unabhängig von den Studienanforderungen wird von Befürwortern des Lateins betont, dass das Erlernen der lateinischen Sprache weiterhin Basis für die korrekte Verwendung von Fremdwörtern sei, das Erlernen anderer romanischer Sprachen wesentlich erleichtere und erhebliche Transfer-Effekte für die Denkschulung aufträten. Das Übersetzen lateinischer Texte fördere auf Grund der erheblichen Komplexität vieler lateinischer Sätze auch das logische Denken. Von den Gegnern ist hingegen zu hören, dass die Auseinandersetzung mit jeder Art von Grammatik, egal welcher Sprache, das strukturierte Denken fördere, und dass das Erlernen moderner romanischer Sprachen, welche im Gegensatz zu Latein noch gebraucht werden, mindestens ebenso gut dazu geeignet sei, die zahlreichen lateinischen Lehnwörter im Deutschen korrekt zu verwenden und andere romanische Sprachen zu erlernen. In der Tat sind viele gesamtromanische, also in allen romanischen Sprachen auftretende Wörter nicht im klassischen Latein vorhanden und müssen dann neu gelernt werden: guerra „Krieg“, testa „Kopf“, cavallo „Pferd“, mangiare/manger „essen“, andare - „gehen“ , boc(c)a/bouche „Mund“, blanco/blanc „weiß“, die Himmelsrichtungen etc. Viele dieser Wörter erklären sich nämlich aus dem umgangssprachlichen oder dem späten Latein oder stammen aus der Soldatensprache, also aus Varietäten, die nicht in der Schule gelehrt werden.
Aus deutschen und US-amerikanischen Untersuchungen geht hervor, dass zwischen absolviertem Lateinunterricht und der Beherrschung der englischen Sprache in Schrift und vor allem Wort eine signifikante Korrelation besteht. Ein kausaler Zusammenhang ist allerdings nicht nachgewiesen worden – möglicherweise macht eine hohe sprachliche Begabung eines Kindes die Wahl des als schwierig geltenden Latein wahrscheinlicher.
Da auch im modernen Lateinunterricht die Sprachproduktion eindeutig der Rezeption (Leseverstehen) untergeordnet ist, glauben viele, Latein falle Menschen mit ausgeprägter Begabung für Mathematik und formelle Denkvorgänge generell leichter als andere Fremdsprachen, wohingegen Menschen mit ausgeprägter Begabung für intuitives Erlernen von Sprachen andere Fremdsprachen leichter fänden. Dieser Zusammenhang lässt sich allerdings nicht häufig verifizieren: Die Erfahrung zeigt, dass die Schülerleistungen in Latein überwiegend Hand in Hand mit denen in der Muttersprache und anderen Fremdsprachen gehen.
Modernes Latein
Auch heute werden deutsch-lateinische Lexika aufgrund neulateinischen Wortgutes herausgegeben, z. B. das „lexicon auxiliare“ oder das vom Vatikan herausgegebene „lexicon recentis latinitatis“, welches erst im Jahre 2004 eine Neubearbeitung erfuhr.
Der finnische Rundfunksender YLE (Yleisradio) verbreitet Wochennachrichten in neulateinischer Sprache. Radio Bremen veröffentlicht regelmäßig die Nuntii Latini in schriftlicher und gesprochener Version. Seit April 2004 veröffentlicht auch die deutschsprachige Redaktion bei Radio Vatikan Nachrichten auf Lateinisch. Dabei handelt es sich um ursprünglich deutsche Meldungen. Gero P. Weishaupt übersetzt sie für die Redaktion ins Lateinische. Sehr beliebt ist auch die lateinische Fassung der Asterix-Comics, die der deutsche Altphilologe Graf v. Rothenburg (Rubricastellanus) verfasst hat.
Der Autor Nikolaus Groß, beruflich seit zehn Jahren Deutsch-Lektor in der südkoreanischen Hauptstadt, hat 2004 eine komplett latinisierte Übertragung von Patrick Süskinds Das Parfum im Brüsseler Verlag der Fundatio Melissa, einem überregionalen Verein zur Pflege des gesprochenen Lateins, veröffentlicht. Dem Buch ist mit dem „Glossarium Fragrantiae“ eine größere Liste aktualisierter Neuschöpfungen beigegeben. Vom selben Wortartisten existiert des weiteren ein Buch über den Baron Mynchusanus (Münchhausen). 2003 erschien bereits der erste Teil der Harry Potter-Bücher von J. K. Rowling auf Latein (Harrius Potter et Philosophi Lapis). Daneben gibt es noch viele weitere Übersetzungen „klassischer“ Werke ins Lateinische, so zum Beispiel Karl Mays Winnetou III, oder Der kleine Prinz (Regulus) von St. Exupéry.
Durch das Internet ist die Verfügbarkeit alter lateinischer Texte sowie das Entstehen neuer lateinischer Texte erheblich begünstigt worden. Inzwischen gibt es sogar lateinische Fassungen von Popsongs. Daneben entstehen auch neue Popsongs in lateinischer Sprache, etwa Cursum Perficio, gesungen von Enya, Liberatio, eines von vielen lateinischen Musikstücken der Gruppe „Krypteria“, oder bei Gruppen der Dark Wave bzw. Gothic (Jugendkultur). Roma Ryan hat neben Cursum Perficio für Enya noch weitere Songs in lateinischer Sprache verfasst. In Internetforen wie Grex Latine Loquentium kommunizieren Teilnehmer aus vielen Ländern ausschließlich in Latein.
In der klassischen beziehungsweise neoklassischen Musik findet Latein ebenfalls Verwendung. So hat etwa der niederländische Komponist Nicholas Lens auf seinem Werk Flamma Flamma ein lateinisches Libretto vertont, für sein Werk Terra Terra hat Lens selbst ein Libretto in lateinischer Sprache verfasst. Nicht zu vergessen sind auch die zahlreichen Vertonungen lateinischer Gedichte wie z. B. von Jan Novák. Carl Orff unterlegte mehreren seiner Vokal-Kompositionen Texte in Latein oder Griechisch. Igor Strawinski ließ das nach Sophokles von Jean Cocteau in französischen Versen verfasste Libretto zu „Ödipus Rex“ von Jean Daniélou ins Lateinische übersetzen.
Das Lehrbuch Lingua Latina per se illustrata des dänischen Autors Hans H. Ørberg hat die bisher hauptsächlich für den Unterricht in modernen Sprachen eingesetzte einsprachige Lehrmethode auf den altsprachlichen Unterricht übertragen. Das Lehrbuch erfreut sich in verschiedenen Ländern einer steigenden Beliebtheit.
Latein in den Wissenschaften
In der Biologie erfolgt die Namensbildung der wissenschaftlichen Namen lateinisch und griechisch, wobei neuere Vorschläge vorsehen, die Regeln nur aus der lateinischen Sprache zu entnehmen. In der Medizin sind die anatomischen Fachbegriffe lateinisch, für die einzelnen Organe wird zusätzlich auch latinisiertes Griechisch verwendet. Die Krankheitsbezeichnungen leiten sich aus dem Griechischen ab. Zahlreiche Sprichwörter haben einen lateinischen Ursprung und sind teilweise auch in der deutschen Übersetzung zu geflügelten Worten geworden. In den Rechtswissenschaften existieren verschiedene lateinische Lehrsätze und Fachbegriffe (Latein im Recht). Auch in der Geschichtswissenschaft spielt vor allem Latein weiterhin eine große Rolle. In der Meteorologie werden lateinische Begriffe in der Wolkenklassifikation eingesetzt.
Latein in der katholischen Kirche
Latein ist neben Italienisch die Amtssprache des Vatikanstaats. Die katholische Kirche veröffentlicht alle amtlichen Texte von weltkirchlicher Bedeutung in Latein. Das gilt für die liturgischen Bücher, den Katechismus, den Codex des kanonischen Rechts sowie die päpstlichen Rechtsvorschriften (canones, decretales) und Rundschreiben (Enzykliken).
Bis zum zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) war Latein die offizielle Gottesdienstsprache und ist dies (laut Sacrosanctum Concilium) offiziell noch heute, wobei andere Sprachen jedoch gleichfalls erlaubt sind. Tatsächlich werden nur noch sehr wenige Gottesdienste in Latein gehalten. Der gegenwärtig amtierende Papst Benedikt XVI. bevorzugt bei seinen Messen aber das Lateinische vor dem Italienischen.
Siehe auch: Lateinische Kirche
Referenzlisten
- Lateinische Präpositionen
- Liste lateinischer Ortsnamen
- Liste lateinischer Präfixe
- Liste lateinischer Redewendungen
- Liste lateinischer Suffixe
- Liste von lateinischen Palindromen
- Lateinische Zahlwörter
Siehe auch
- Grammatik des Lateinischen
- Lateinische Aussprache
- Lateinische Sprichwörter
- Küchenlatein
- Vulgärlatein
- Mittellatein
- Lateinische Literatur
- Sprachen im Römischen Reich
- Jägerlatein
- Panlatinismus
Weblinks
- [http://www.commtec.de/wb/ Wörterbuch Latein-Deutsch-Latein auxilium online (mit Download-Möglichkeit)]
- [http://www.latein-pagina.de/iexplorer/stil.htm Lateinische Stilblüten]
- [http://www.thelatinlibrary.com/ The Latin Library – klassische Texte im Original]
- [http://www.albertmartin.de/latein/ Latein-Deutsch-, Deutsch-Latein-Wörterbuch mit hilfreichen Extras]
- [http://www.radiobremen.de/online/latein/ Nuntii latini bei Radio Bremen]
- [http://www.latein-pagina.de/ Latein-Pagina]
- [http://www.antikeundeuropa.de/Alte_Sprachen_heute/alte_sprachen_heute.html Alte Sprachen heute]
- [http://www.fh-augsburg.de/~harsch/a_chron.html Sammlung lateinischer Texte/bibliotheca Augustana]
- [http://www.music.indiana.edu/tml/ Lateinische Musiktraktate im Original]
- [http://www.lateinservice.de/index.htm Die deutsche Latein-Seite]
- [http://www.alcuinus.net/GLL/ Grex Latine Loquentium (Internetforum in lateinischer Sprache)]
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Serbien
Serbien (serb. Србија/Srbija ) ist eine Republik in Südosteuropa und Mitglied der Staatengemeinschaft Serbien und Montenegro. Die offizielle Bezeichnung lautet Republik Serbien (Република Србија/Republika Srbija). Der Nationalfeiertag ist der 15. Februar.
Der Landescode nach ISO 3166-1 lautet: CS für Serbien und Montenegro (früher YU).
Nachbarländer sind Montenegro, Albanien, Mazedonien, Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Kroatien und Bosnien und Herzegowina.
Geographie
Bosnien und Herzegowina
Der nördliche Teil Serbiens gehört zur Pannonischen Tiefebene, der südliche Teil des Landes wird zum großen Teil von mehreren Mittelgebirgszügen eingenommen, die eine Verbindung zwischen dem Dinarischen Gebirge im Westen und dem Balkan-Gebirge im Osten bilden.
Hydrographisch gehört der größte Teil Serbiens zum Einzugsbereich der Donau, die in ihrem Mittellauf auf einer längeren Strecke das Land durchquert. Die wichtigsten Donaunebenflüsse in Serbien sind die Save (in die wiederum die Drina mündet), die Morava, die Theiß und der Timok. Lediglich der äußerste Südwesten des Landes wird durch den Weißen Drin zur Adria hin entwässert.
Die größte Insel Serbiens ist die 60 km² große Flussinsel Ostrvo in der Donau östlich von Belgrad bei Kostolac.
Die 12 längsten Flüsse in Serbien:
- Donau (serb. Dunav) 588 km (gesamt 2783 km)
- Zapadna Morava 308 km (gesamt 308 km)
- Južna Morava 295 km (gesamt 295 km)
- Ibar 272 km (gesamt 272 km)
- Drina 220 km (gesamt 346 km)
- Save 206 km (gesamt 945 km)
- Timok 202 km (gesamt 202 km)
- Velika Morava 185 km (gesamt 185 km)
- Theiß (serb. Tisa)168 km (gesamt 966 km)
- Nišava 151 km (gesamt 218 km)
- Tamiš 118 km (gesamt 359 km)
- Kolubara 110Km (gesamt 110 Km)
- Begej 75 km (gesamt 244 km)
Die 6 größten Seen Serbiens:
- Djerdapsee (serb. Đerdapsko jezero) 163 km² (gesamt 253 km²)
- Vlasinasee (serb. Vlasinsko jezero) 16 km²
- Perućacsee (serb. Perućko jezero) 12,4 km²
- Gazivodesee (serb. Gazivode jezero) 11,9 km²
- Zvorniksee (serb. Zvorničko jezero) 8,1 km²
- Zlatarsee (serb. Zlatarsko jezero) 7,25 km²
Die 9 höchsten Gipfel Serbiens:
- Đeravica 2.656 m
- Crni vrh 2.585 m
- Gusam 2.539 m
- Bogdaš 2.533 m
- Žuti kamen 2.522 m
- Ljuboten 2.498 m
- Veternik 2.461
- Crni krš 2.426 m
- Hajla 2.403 m
Geschichte
Hajla
Hauptartikel: Geschichte Serbiens, Geschichte Serbiens/19. Jahrhundert bis heute
Die erste namentliche Erwähnung der Serben findet sich beim griechischen Historikern, welche den Großteil der einfallenden slawischen Stämme unter dem Sammelbegriff der Serben bezeichnet haben. Bekannt ist hieraus, daß der ein gentildemokratisch gewählter Wojwode namens Višeslav 522 die Serben aus ihrer, heute ostdeutschen Urheimat, der Lausitz, nach Süden geführt habe. Erstmalige urkundliche Erwähnung findet der Staat Serbien angeblich im Jahre 822 bei Einhard, dem Biographen Karls des Großen. Außerdem bezog sich ein Schreiben des byzantinischen Kaisers Konstantin VII. Porphyrogenitus im 10. Jahrhundert darauf, daß die Serben bereits seit der Mitte des 7. Jahrhunderts auf dem Balkan lebten.
Im Jahre 622 erreichten sie die südlichen Gebiete Griechenlands, wo sie in manchen Teilen, wie z.B. im Taygetosgebirge des Chalkidiki, bis ins 14.Jhdt. als Sprachinseln erhalten blieben.
Serbien stand von seinen Anfängen bis zu seiner endgültigen Unabhängigkeit 1878 lange Zeit unter dem Einfluss des Byzantinischen beziehungsweise Osmanischen Reichs - teils war es Vasallenstaat, teils dem osmanischem Reich völlig einverleibt.
Eine Ausnahme bildete die Zeit des unabhängigen Serbischen Reichs (1180 - bis etwa 1389).
Im Ersten Balkankrieg 1912-1913 besiegte das Bündnis aus Serbien, Bulgarien, Griechenland und Montenegro das Osmanische Reich. Dieses verlor durch den Vertrag von London vom Mai 1913 fast alle seine europäischen Besitzungen. Bulgarien auf der einen und Serbien und Griechenland auf der anderen Seite gerieten jedoch in heftigen Streit um die Aufteilung des von ihnen eroberten Mazedonien. Daraufhin unternahm am 29. Juni ein bulgarischer General ohne Befehl einen Angriff auf Serbien. So kam es zum Zweiten Balkankrieg, in dem Serbien gemeinsam mit Griechenland, Rumänien und dem Osmanischen Reich Bulgarien angriff. Konfrontiert mit dieser Übermacht blieb Bulgarien nur die Kapitulation. Es musste im Vertrag von Bukarest vom August 1913 seine im Ersten Balkankrieg gewonnenen Territorien wieder abtreten.
Infolge der Balkankriege wurde der nordwestliche Teil Makedoniens serbisch.
Am Ende des Ersten Weltkrieges entstand 1918 aus Serbien, dem bis dahin unabhängigen Montenegro sowie den meisten südslawisch besiedelten Ländern Österreich-Ungarns das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, das sich ab 1929 Jugoslawien nannte. Innere Konflikte des monarchischen Staates wurden durch die Ermordung des serbischen Königs Alexander zusammen mit dem französischen Außenminister in Marseilles Mitte der 30-er Jahre zu einem Erstarken anderer nationaler Bewegungen. Diese, darunter die kroatische Ustaša-Bewegung, annektierte ab 1941 mit der Hilfe der Achsenmächte weite Territorien Serbiens im Norden inklusive der Stadt Novi Sad und auch sonst aller serbisch besiedelten Gebiete in Bosnien und der Herzegowina.
Möglich gemacht wurde das jedoch erst durch eine folgenschwere Unterschrift der damaligen Regierung unter Cvetković und Maček für ein Bündnis mit dem Deutschen Reich, was seinerseits Anfang April 1941 einen Volksaufstand in der serbischen Hauptstadt Belgrad auslöste. Nur Tage danach, am 6.April 1941 bombardierte der österreichische Nazi-General Alexander Löhr die Stadt und forderte rund 20.000 zivile Opfer. Serbien wurde dem General Böhme unterstellt, der dort schneller als sonst wo die Judenvernichtung vorantrieb. Während des Zweiten Weltkriegs war Serbien ideologisch geteilt zwischen kommunistischen und monarchistischen Bewegungen, von denen die letztere unter Minister Nedić kritiklos den Serbenmord (100 Zivilisten für einen Wehrmachler) der deutschen und kroatischen Okkupatoren hinnahm und offen mit den Nazis kollaborierte. Mit dem zweitwichtigsten Četnik-Führer Ljotić war die Spitze der Quisling-Gruppen erklommen worden, denn dieser beteiligte sich sogar an militärischen Aktionen der Wehrmacht zum Schaden der eigenen Bevölkerung.
Bis 2003 blieb Serbien Teil Jugoslawiens, von 1992 an nur noch zusammen mit Montenegro, mit dem es seit 2003 den Staatenbund Serbien und Montenegro bildet.
Politik
1992
1992
Serbien ist einer der beiden letzten aus Jugoslawien hervorgegangenen Staaten. Nach dem Zerfall der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien (SFRJ) bildeten Serbien und Montenegro ab 1992 zunächst die Bundesrepublik Jugoslawien. Diese wurde durch Parlamentsbeschluss des damaligen Bundesparlaments am 4. Feb | | |