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Benennung

Benennung

Eine Bezeichnung (althochdeutsch: bizeihhanunga Vorzeichen, Symbol) ist in der Semiotik ein Code aus Zeichen und Symbolen, der auf einen Gegenstand oder Begriff verweist. Beispielsweise ist der Name einer Person eine Bezeichnung für diese Person. Besteht die Bezeichnung aus einem natürlichsprachlichen Ausdruck, so spricht man auch von einer Benennung (englisch term oder designation). Während der Begriff eher eine mentale Vorstellung ist, besteht die Benennung aus einem Wort (Einwortbenennung), z.B. Hund (Simplizium) oder Hundehalter (Kompositum) oder einer Wortgruppe (Mehrwortbenennung), z.B. Faradayscher Käfig. Arten von Bezeichnungen und Benennungen sind jegliche Formen von Kennzeichnung, Ausschilderung, Markierung, Namen... Die meisten dieser Wörter werden ebenso wie Bezeichnung und Benennung selbst sowohl für das jeweilige Zeichen (Name) als auch für den Vorgang der Zeichengebung (Namensgebung) verwandt. In der Praxis wird oft nicht zwischen einem Begriff und seiner Benennung unterschieden. Dies ist insbesondere dort kein Problem, wo Begriffe eine eindeutige Benennung besitzen, zum Beispiel in Fachsprachen. Genau genommen besteht ein Terminus (Fachwort) aus einem Begriff und seiner Benennung. Den Gesamtbestand der Begriffe und Benennungen in einem Fachgebiet bezeichnet man als Terminologie. In der Alltagssprache oder zwischen verschiedenen Fachgebieten sind jedoch Homonyme (Bezeichnungen, die mehrere Bedeutungen haben können) ein Problem, da sie unterschiedlich interpretiert werden, sowie Synonyme, da mehrere Benennungen auf einen Begriff verweisen (z.B. Eingabetaste, Entertaste, Returntaste). Dort wo es notwendig ist (z.B. in der Dokumentation), versucht man das "terminologische Wirrwarr" deshalb mit kontrollierten Vokabularien (zum Beispiel Thesauri) zu ordnen. Siehe auch: Semiotisches Dreieck Kategorie:Semiotik Kategorie:Zeichen

Althochdeutsch

Als Althochdeutsch (Ahd.) bezeichnet man die älteste schriftlich bezeugte Form der deutschen Sprache in der Zeit etwa von 750 bis 1050. 1050 Das Althochdeutsche ist keine einheitliche Sprache, wie der Begriff suggeriert, sondern die Bezeichnung für eine Gruppe von westgermanischen Dialekten, die südlich der so genannten „Benrather Linie“ (die von Düsseldorf-Benrath ungefähr in west-östlicher Richtung verläuft) gesprochen wurden. Diese Dialekte unterscheiden sich von den anderen westgermanischen Sprachen oder Dialekten durch die Durchführung der Zweiten (oder Hochdeutschen) Lautverschiebung. Die Dialekte nördlich der „Benrather Linie“, das heißt, im Bereich der norddeutschen Tiefebene und im Gebiet der heutigen Niederlande, haben die Zweite Lautverschiebung nicht durchgeführt. Diese Dialekte werden zur Unterscheidung vom Althochdeutschen unter der Bezeichnung Altsächsisch (seltener: Altniederdeutsch) zusammengefasst. Aus dem Altsächsischen hat sich das Mittel- und Neuniederdeutsche entwickelt. Da das Althochdeutsche eine Gruppe nahe verwandter Dialekte war, gab es im frühen Mittelalter auch keine einheitliche Schriftsprache; die überlieferten Textzeugnisse lassen sich den einzelnen Dialekten zuweisen, so dass man oft treffender von Altfränkisch, Altbairisch, Altalemannisch etc. spricht. Die althochdeutsche Überlieferung besteht zu einem großen Teil aus geistlichen Texten (Gebeten, Taufgelöbnissen, Bibelübersetzung); nur vereinzelt finden sich weltliche Dichtungen (Hildebrandslied) oder sonstige Sprachzeugnisse (Inschriften, Zaubersprüche). Charakteristisch für die althochdeutsche Sprache sind die noch vokalisch volltönenden Endungen (vgl. Latein), zum Beispiel: Im Zusammenhang mit der politischen Situation ging im 10. Jahrhundert die Schriftlichkeit im Allgemeinen und die Produktion deutschsprachiger Texte im Besonderen zurück; eine Neueinsetzung einer deutschsprachigen Schriftlichkeit und Literatur ist ab etwa 1050 zu beobachten. Da sich die schriftliche Überlieferung des 11. Jahrhunderts in lautlicher Hinsicht deutlich von der älteren Überlieferung unterscheidet, bezeichnet man die Sprache ab etwa 1050 als Mittelhochdeutsch.

Literatur


- Rolf Bergmann u. a. (Hrsg.): Althochdeutsch # Grammatik. Glossen. Texte. Winter, Heidelberg 1987, ISBN 3-533-03877-7 # Wörter und Namen. Forschungsgeschichte. Winter, Heidelberg 1987, ISBN 3-533-03940-4
- Wilhelm Braune: Althochdeutsche Grammatik. Niemeyer, Tübingen 2004, ISBN 3-484-10861-4
- Rudolf Schützeichel: Althochdeutsches Wörterbuch.Niemeyer, Tübingen 1995, ISBN 3-484-10636-0
- Stefan Sonderegger: Althochdeutsche Sprache und Literatur: eine Einführung in das älteste Deutsch. Darstellung und Grammatik. de Gruyter, Berlin (u. a.) 1987, ISBN 3-11-004559-1

Siehe auch

Deutsche Sprachgeschichte, althochdeutsche Literatur

Weblinks


- [http://www.cis.uni-muenchen.de/ahdeutsch/haupt.html www.cis.uni-muenchen.de/ahdeutsch/haupt.html] – Althochdeutsches Wörterbuch des 8. Jahrhunderts
- [http://www.koeblergerhard.de/germanistischewoerterbuecher/althochdeutscheswoerterbuch/nhd-ahd.pdf Neuhochdeutsch-althochdeutsches Wörterbuch] – im PDF-Format Kategorie:Deutsche Sprache Kategorie:Sprachstufe

Semiotik

Semiotik ist die allgemeine Lehre von den Zeichen, Zeichensystemen und Zeichenprozessen.

Frühe Definitionen

Erste Zeichen- und Bedeutungslehren entstanden in der stoischen Dialektik durch Diogenes von Babylon u.a. sowie im mittelalterlichen Nominalismus durch Wilhelm von Occam. Wesentliche Begründer der „modernen“ Semiotik sind Charles Sanders Peirce (1839-1914), Ferdinand de Saussure (1857-1913), Charles William Morris (1901-1979) und der dänische Semiotiker Louis Hjelmslev (1899-1965) Saussure erklärt Sprache als ein System von Zeichen, welches fähig ist, Ideen auszudrücken. Daraus geht eine Wissenschaft hervor, die sich mit dem Umgang mit Zeichen in der Gesellschaft beschäftigt und später Teil der Soziopsychologie sein wird, und daraus folgend auch Teil der Allgemeinen Psychologie. Man bezeichnet sie als Semiologie, abgeleitet vom griechischen Wort semeion („das Zeichen“). Saussure geht davon aus, dass nur menschliche Sender semiologische Vorgänge verstehen und produzieren können, indem der Sender eine Idee als Nachricht an einen menschlichen Empfänger schickt. Peirce hingegen geht von einem dreiteiligen System aus, welches er Semiosis nennt. Die Semiosis ist ein Prozess der drei Instanzen umfasst, nämlich das Zeichen, sein Objekt und den Interpretanten. Der Interpretant kann hierbei in erster Annäherung als die Bedeutung des Zeichens verstanden werden, die in Peirce' System wiederum selbst als Zeichen mit eigenem Interpretanten aufgefasst wird. Auf diese Weise setzt sich der Interpretationsprozess prinzipiell bis ins Unendliche fort. Jedes Zeichen vermittelt so zwischen seinem Objekt und seinem Interpretanten. In einem bloßen Verhältnis von actio und reactio ist dies nicht möglich. Wenn bspw. eine Kugel auf eine andere trifft, ist dafür keinerlei Vermittlung oder Übersetzung nötig. Peirce schließt auch solche Phänomene ein, die keinen Menschen als Sender haben – die natürlichen Zeichen –, aber auch solche die keinen Menschen als Empfänger haben: so sei der Sonnenstrahl für die Blume ein Zeichen, sich ihr zuzuwenden. Saussure vernachlässigte diesen Bereich.

Sprachwissenschaftliche Definition

Ein semiotischer Vorgang in sprachwissenschaftlicher Hinsicht liegt vor, wenn eine codierte Nachricht von einem Sender zu einem Empfänger gesendet wird und diese Nachricht vom Empfänger decodiert, also entschlüsselt werden kann. Diese Daten oder Nachrichten werden durch den Empfänger klassifiziert und interpretiert. Durch diesen Prozess ist der Empfänger in der Lage, in Interaktion mit dem Sender zu treten. Das in einem bestimmten Code, beispielsweise Sprache, geschriebene Zeichen beschreibt sein Objekt und wird durch den Übersetzer interpretiert. Die Semiotik wird üblicherweise in die drei überlappenden Teilbereiche Syntax, Semantik und Pragmatik untergliedert, wobei diese Bereiche durch ihre Beziehungen zwischen Zeichen, der Zeichenbedeutung und den Benutzern der Zeichen in einer bestimmten Situation definiert werden: ;Syntax:Zeichen ↔ Zeichen ;Semantik:Zeichen ↔ Bedeutung ;Pragmatik:Zeichen ↔ Benutzer u. Situation Siehe auch: Struktur und Bedeutung von Information

Literatursemiotik

Vertreter der Literatursemiotik werden teilweise auch den Strukturalisten oder Formalisten zugerechnet. Die literatursemiotischen Ansätze sind zudem sehr unterschiedlich: Roland Barthes vertritt eine poststrukturalistische Position, von der aus er die Vieldeutigkeit eines Werkes betont, während Umberto Eco Barthes‘ Vorstellung einer grenzenlosen Offenheit der Bedeutung literarischer Werke korrigiert und die Rezeption literarischer Texte als Wechselspiel von Freiheit und Determiniertheit darstellt: Einerseits muss der Text eine Struktur aufweisen, sonst "gäbe es keine Kommunikation, sondern nur eine rein zufällige Stimulierung von aleatorischen Reaktionen" (Eco). Andererseits entscheidet der Leser, welche Codes und welchen semantischen Rahmen er auf den Text anwenden soll, wodurch er im Verlauf seines Lektüreprozesses die weitere Aktualisierung von Bedeutungen maßgeblich beeinflusst. Dem gegenüber stehen Ansätze in der Tradition des Strukturalisten Algirdas J. Greimas, der über die Analyse der verschiedenen bedeutungstragenden, hierarchisch organisierten Ebenen eines Textes eine semantische Tiefenstruktur eindeutig rekonstruieren will.

Über das Ästhetische

Es scheint trotz dieser Vielfalt einen Konsens darüber zu geben, dass ästhetische Objekte Zeichensysteme sind, die sich eines anderen Zeichensystems als Trägersystem, als Form bedienen: Im Fall der Literatur ist dies das überaus komplexe Zeichensystem Sprache. Herausragende Beispiele im deutschsprachigen Raum sind hier etwa Hans Wollschläger. Ästhetische Funktion nach Jan Mukařovský (geb. 11. November 1892 in Písek, Südböhmen; Mitglied des 1926 gegründeten "Cercle Linguistique de Prague", erste Schule der strukturalen Methode (vgl. Strukturalismus) Ein Zeichen kann mit der sog. ästhetischen Funktion belegt sein. Diese Funktion (im Gegensatz zum Beispiel zur referentiellen Funktion) führt dazu, dass ein Zeichen vornehmlich um seiner selbst willen rezipiert wird. Es verweist damit nicht mehr auf ein konkretes Objekt, sondern auf seine eigenen Möglichkeitsumstände, damit nach Mukarovský auf den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang seiner Rezeption. Wann und wie einem Zeichen die ästhetische Funktion beigelegt wird, ist zwar auch vom rezipiernden Subjekt abhängig, wird aber, allgemein gesehen, von der ästhetischen Norm bestimmt, die in einer Gesellschaft im Moment der Zeichenrezeption herrscht. (So können nach Mukařovský für uns heute Kathedralen u.ä. Bauwerke durchaus unter ästhetischem Gesichtspunkten betrachtet werden, waren aber zur Zeit ihres Baus weit stärker mit einer sakralen Funktion als mit der ästhetischen Funktion belegt) Literatur: vgl.: Mukařovský, Jan: Kapitel aus der Ästhetik. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 1970

Semiotik als Sinnprozesslehre

Der deutsche Sozialphilosoph Johannes Heinrichs versteht Semiotik nicht als eine einzelwissenschaftliche Spezialdisziplin (Lehre von Zeichen), sondern als philosophische Sinnprozesslehre. Auch der Zeichenbegriff bedarf der Herleitung aus Bewusstseinsvollzügen (Handlungen im weiteren Sinn). Es wäre falsch, ihn einfach als eine Urgegebenheit neben der einzigen wirklichen philosophischen Urgegebenheit von Sinn als "Bewusstseinsvollzügen mit ihren Gehalten" hinzunehmen. Er grenzt diese philosophische Semiotik ab von dem Aspekt der inhaltlichen Hermeneutik von Sinn, als die er Philosophie primär definiert: Letztere befasst sich mit der Gehalt-Seite, die Semiotik mit der formalen Prozess-Seite. Er kennt vier Ebenen von bewusstseinsmäßigen Sinn-Prozessen (diese im Unterschied zur Übertragung biologischer oder anderer physischer Information): 1. die semiotischen Prozesse des Handelns und dem Erleben als dessen rezeptiver Form, worin sich auch eine Ortsbestimmung des Zeichen-Handelns, somit also des Zeichens, ergibt, 2. der Sprache (als sich selbst in eigenen syntaktischen Zeichen regulierenden Meta-Handelns), 3. der Kunst (als sich in einer Meta-Syntax reflektierende Meta-Sprache) sowie 4. der Mystik, die von der Annahme bzw. Erfahrung einer Eigenaktivität des von Anfang an vorausgesetzten Sinnes (Sinn-Mediums) ausgeht. Mystik ist in semiotischer Betrachtung der Titel für die Schließung eines systemischen Kreislaufs zwischen Subjekt und Sinn-selbst, worin die Einseitigkeit des Handelns, einseitig subjektgeleitet zu sein, über die Vorstufen der sozialen Gegenseitigkeit sowie des künstlerischen, "medialen" Prozesses hinweg, aufgehoben ist. Auf all diesen Ebenen spielt der Zeichenbegriff eine wesentliche Rolle, ohne aber eine bloß "positive" Gegebenheit zu bleiben oder gar eigene Unhintergehbarkeit zu beanspruchen.

Siehe auch

Allgemeine Linguistik, Sprachwissenschaft, medizinische Semiologie, Dekonstruktion, Grammatologie, Code

Wichtige Personen der Semiotik


- Peirce, Charles Sanders
- Jacques Derrida ( vergleiche besonders: Limited Inc.)
- Saussure, Ferdinand de
- Lévi-Strauss, Claude
- Baudrillard, Jean
- Uexküll, Jakob Johann von
- Eco, Umberto
- Barthes, Roland
- Morris, Charles W.
- Heinrichs, Johannes Russische Semiotik:
- Bachtin, Michail
- Lotman, Jurij
- Uspenskij, Boris Vorläufer:
- Diogenes von Babylon
- Locke, John
- Bruno, Giordano
- Occam, Wilhelm von
- Platon (vergleiche: Höhlengleichnis).

Literatur


- Chandler, Daniel (2001). Semiotics: The Basics London, New York: Routledge. ISBN 0-415-26594-0. [http://www.aber.ac.uk/media/Documents/S4B/ Onlineversion]
- Derrida, Jacques: (2001). Limited Inc. Wien: Passagen, 2001. ISBN 3-85165-055-7.
- Eco, Umberto (1962). Einführung in die Semiotik (autorisierte deutsche Auflage durch Jürgen Trabant). München: Fink, 2002. ISBN 3-8252-0105-8.
- Eco, Umberto (1991). Semiotik: Entwurf einer Theorie der Zeichen (2. Aufl.; G. Memmert, Übers.). München: Fink, (Orig. ersch. 1976)
- Eco, Umberto (1977). Zeichen: Einführung in einen Begriff und seine Geschichte (G. Memmert, Übers.). Frankfurt a. M.: Suhrkamp, (Orig. ersch. 1973)
- Heinrichs, Johannes (1980). Reflexionstheoretische Semiotik, Teil 1: Handlungstheorie. Strukturalsemantische Grammatik des Handelns, 192 S., Bouvier Verlag, Bonn. [http://www.johannesheinrichs.de/bibliographie.html Onlineversion]
- Heinrichs, Johannes (1981). Reflexionstheoretische Semiotik, Teil 2: Sprachtheorie. Philosophische Grammatik der semiotischen Dimensionen, 490 S., Bouvier Verlag, Bonn. [http://www.johannesheinrichs.de/bibliographie.html Onlineversion]
- Lucid, David P. (Hrsg.). (1977). Soviet Semiotics. An Anthology. Baltimore: Johns Hopkins University Press.
- Mersch, Dieter (Hrsg.). (1998). Zeichen über Zeichen: Texte zur Semiotik von Peirce bis Eco und Derrida. München: dtv.
- Nöth, Winfried (2000). Handbuch der Semiotik (rev. u. erw. 2. Aufl.). Stuttgart/Weimar.
- Pape, Helmut (Hrsg.)/Peirce, Charles S. (1983). Phänomen und Logik der Zeichen. Frankfurt a. M.: Suhrkamp
- Peirce, Charles S. / Uchtmann, Roger (Hrsg.) (2003). Von der Klarheit unserer Gedanken (inkl. Edwina Taborsky Evolution des Bewusstseins). Neuenkirchen: Phänomen-Verlag. ISBN 3-933321-46-8.
- Sebeok, Thomas A. (1979). Theorie und Geschichte der Semiotik (A. Eschbach, Übers.). Reinbek b. Hamburg: Rowohlt, (Orig. ersch. 1976)

Artikel zum Thema Semiotik


- Semiotisches Dreieck
- Signografie
- Semantik
- Syntax
- Pragmatik
- Atomsemiotik
- Semiosphäre

Weblinks


- [http://www.semiotik.de www.semiotik.de]
- [http://www.rechtssemiotik.de www.rechtssemiotik.de] ! Kategorie:Geisteswissenschaft ja:記号学 simple:Semiotics

Zeichen

Ein Zeichen ist das Grundelement zum Aufbau von Sprachen.

Der Zeichenbegriff der strukturalistischen Sprachwissenschaft

Nach Ferdinand de Saussure ist ein Zeichen die Beziehung (Verbindung) zwischen Bezeichnetem ('Signifié') und Bezeichnung (= 'Signifiant', Bezeichnendes). Das Bezeichnete entspricht einer Vorstellung oder einem Konzept, das Bezeichnende ist ein Lautbild. Das Lautbild ist auch etwas Gedachtes (also ein 'psychischer Eindruck' und nicht die physikalische Schallwelle), da man für sich selber eine Lautfolge gedanklich "aussprechen" kann, ohne die Lippen zu bewegen. Der Zusammenhang zwischen Bezeichnetem und Bezeichnendem ist beliebig (arbiträr). Beliebig bedeutet hier nicht, dass jede Person frei einen Signifikanten für ein Signifikat aussuchen kann, sondern dass die ursprüngliche Festlegung eines Zeichens unmotiviert ist. Zeichen für die Kommunikation zwischen Menschen bedürfen der "Verabredung", einer Konvention. Ist das Zeichen erst einmal zur Konvention geworden, bleibt es fest zugeordnet. Betrachtungsprinzipien:Synchronie und Diachronie und ihre Unterscheidung, Bilateralität des Zeichens, Arbitrarität, Linearität, Konstanz (über individuell), Primat der gesprochenen Sprache

Der Zeichenbegriff des Pragmatismus

Für den Logiker und Semiotiker Charles Peirce ist ein Zeichen "etwas, das für jemanden in gewisser Hinsicht für etwas steht". Umberto Eco schlägt vor, alles Zeichen zu nennen, was aufgrund einer vorher vereinbarten sozialen Konvention als etwas aufgefasst werden kann, das für etwas anderes steht. Er übernimmt damit weitgehend die Definition von Charles W. Morris (1938). Charles S. Peirce unterteilt die Zeichen in drei Zeichen-Trichotomien, so dass sich neun Subzeichenklassen und, durch deren Kombination untereinander, zehn Hauptzeichenklassen ergeben. Unter den Subzeichenklassen sind die wohl bekanntesten: Ikon, Index und Symbol. Sie gehören zur zweiten Trichotomie, in der die Objektrelation des Zeichens thematisiert wird. Ein Ikon ist ein Zeichen, das eine Ähnlichkeit zu seinem Gegenstand aufweist (ein Abbildverhältnis), wie z.B. bei dem lautmalerischen "Wau" für das Kläffen eines Hundes. Ein Index ist ein Zeichen, das die Folge oder Wirkung seines Objektes ist, so ist z.B. Rauch ein Zeichen für Feuer. Ein Symbol ist für Peirce schließlich ein Zeichen, das auf Konventionalität beruht, also auf einer arbitären Vereinbarung. Dies trifft auf einen Großteil der menschlichen Sprache zu, insbeondere auf Eigennamen. Die chinesische Schrift ist der Prototyp einer ikonischen Schrift. Gerade das Beispiel zeigt, dass auch diese konventioneller Festlegungen bedürfen um Missverständnissen entgegenzuwirken. Wörter in einer Alphabetschrift bestehen aus Buchstabensequenzen. Erst das ganze einzelne Wort ist im linguistischen Sinn ein Zeichen und zwar ein symbolisches. Nicht zu verwechseln mit dem Begriff des Zeichens ist der Begriff des Schriftzeichens. Letzterer muss nicht einer Bedeutung (Bezeichnetem) zugeordnet sein, sondern ist bei Alphabet- und Silbenschriften einer bestimmten Lautung oder Funktion innerhalb des Schriftsystems zugeordnet. (Im Deutschen ist diese Unterscheidung etwas verwirrend, im Englischen z.B. ist sie eindeutiger: sign vs. character.)

Literatur


- Ferdinand de Saussure, Grundfragen der Allgemeinen Sprachwissenschaft; Erster Teil, Kapitel I, Die Natur des sprachlichen Zeichens, 1915.
- Umberto Eco, Semiotik. Entwurf einer Theorie der Zeichen, Wilhelm Fink Verlag, 1987.

Weblinks


- http://www.lichtensteiger.de/zeichen_card.html
- http://www.lichtensteiger.de/saussure.html Siehe auch: Deixis, Semiotik, Wahrzeichen, Name, Begriff, Benennung, Zahl, Symbol, Syntax, Information, Daten, Signographie, Piktogramm ! Kategorie:Semiotik ja:記号

Symbol

Das Symbol (latein symbolum, von griechisch σύμβολον - das (Kenn-)Zeichen, Emblem, Sinnbild, Bild, von συν~, syn'~ - zusammen~ und ballein - werfen, also das Zusammengefügte) bezeichnet ein Zeichen der Verbundenheit mit einer Bedeutung oder ihrem Besitzer. Symbole sind visuelle oder sprachlich formulierte Zeichen, die auf etwas außerhalb ihrer selbst verweisen. Zumeist enthalten sie einen Bedeutungsüberschuß, lassen sich also nicht restlos verstehen, entschlüsseln oder ausinterpretieren. Während beispielsweise Verkehrszeichen eine genau definierte Bedeutung transportieren, ist der Gehalt eines Symbols, wie es vor allem in Religion, Mythos, Kunst und Psychologie verwendet wird, im Prinzip nicht ausschöpfbar. Von Symbolen abgeleitet sind Zeichen, aus denen man etwas eindeutig schließen oder erkennen kann. Also: Kennzeichen, Wahrzeichen, Abzeichen, Sinnbild, (Erkennungs-)Marke, (Ausweis-)Karte, Bezeichnung. Nicht zu verwechseln mit der Allegorie. Gleichwohl spricht man beispielsweise auch von mathematischen Symbolen, obwohl diese genau definiert sind. Der Begriff wird also nicht einheitlich verwendet, woraus zuweilen eine Begriffsverwirrung resultieren kann.

Ursprung

Die Ursprungsbedeutung leitet sich von einem antiken Brauch ab: Ein Gast reichte seinem Gastgeber zum Abschied eine zerbrochene Tontafel oder einen Tonring. Sie dienten als Erkennungszeichen bei einem möglichen Gegenbesuch eines Mitglieds aus dem Gastgeberhaushalt bei dem ehemaligen Gast: Durch das Zusammenfügen der beiden Bruchstücke konnte sich der ehemalige Gastgeber (oder einer aus seiner Familie) als solcher zu erkennen geben. Der Ring als Symbol weist so über sich hinaus auf die Bedeutung „Freundschaft“.

In der Philosophie

In der Ästhetik (als einer Sparte der Philosophie) ein Erkennungszeichen, einfach in der Form, reich und tief im Sinn. Auf Denk- und Grabmälern nicht unüblich. Beispiel: Der „Lindenbaum“ im Lied „Am Brunnen vor dem Tore“ von Franz Schubert/Wilhelm Müller. Nach Dietrich Ritschl sind Symbole „Produkte bewusster, reifer Erkenntnisleistung durch Repräsentanzen in Form von Worten, Handlungen oder Gesten. Symbole vermitteln, was anders nicht artikuliert werden kann.“ (Zur Logik der Theologie, München 1984, 22). Hiergegen steht die These der Psychoanalyse, besonders Sigmund Freud und Ernest Jones, daß sich Symbole hauptsächlich über Verdrängung strukturieren. Der Philosoph Jacques Derrida nimmt Symbole als wirkend an und schuf für das wirkende Zeichen den Begriff der Differance. Der Literaturtheoretiker Kenneth Burke versucht, Symbole als rhetorische Strategien zu begreifen, die dazu dienen, Konflikte der individuellen Psyche in die Gesellschaft zu entlassen. Mit der Symbolik, der Erforschung des Wesens und der Arten der Symbole, hat sich bahnbrechend Ernst Cassirer befasst.

In der Religion

Religion] # Alle Religionen drücken Kerngedanken in Symbolen aus, z.B. das Rad (als Symbol der ewigen Wiederkehr), das leere Grab (als Symbol der Auferstehung), der Weg (als Symbol der Lebensgeschichte oder der Lebensführung). # Daneben gibt es in den christlichen Kirchen Glaubenssymbole, das sind Glaubensbekenntnisse. Dies leitet sich von einer Nebenform des griechischen Wortes sýmbolon, dem symbólaion (griechisch συμβόλαιο[ν]), ab: der Vertrag, die Übereinkunft. Diese Symbola sind als verbindliche Glaubensurkunden zu verstehen (z.B. das Apostolikum und die Confessio Augustana). Auch eine Zahlensymbolik durchzieht das theologische Denken, deren Grundlage die Drei als Zahl der Dreieinigkeit und der theologischen Tugenden, und die Vier als Zahl der Welt bilden. Es gibt vier Tages- und Jahreszeiten, Himmelsrichtungen, Elemente, Lebensalter, vier christliche Kardinaltugenden (Glaube, Liebe, Hoffnung, Barmherzigkeit), vier Ströme des Paradieses (Euphrat, Tigris, Pison, Geon), als Männer mit Wasserkrügen z.B. am Taufbecken des Hildesheimer Doms abgebildet. In der Vierzahl kommen auch die großen Propheten und die Evangelisten vor. Drei und vier ergeben addiert sieben, multipliziert zwölf. In der Siebenzahl treten die Tugenden, die Todsünden und die freien Künste (artes liberales) auf, zu zwölfen die Monate, die Stämme Israels, die kleinen Propheten, die Jünger Jesu. Religiöse Symbole sind konstitutive Elemente religiöser Identifikation, Sprache und Handlungen. Paul Tillich hat darauf hingewiesen, dass alle "Religiöse Sprache" im Wesentlichen symbolisch sei, weil die Religion sich ja meist auf die Transzendenz bezieht und damit alles Vordergründige ( als die Immanenz )übersteigt.

Beispiele

Religiöse Symbole sind u.a.:
- Baha'i: der neun-zackige Stern
- Buddhismus: das acht-speichige Rad der Lehre; Internationale Buddhistische Flagge
- Christentum: Alpha und Omega, Kreuz, Fisch, Christusmonogramm, Agnus Dei [http://www.apfelweibla.de/fachlexikon_symbole_christliche.htm Christliche Symbole]
- Hinduismus: Om
- Islam: Halbmond
- Judentum: Davidstern (magen David, das Schild Davids), Menora (siebenarmiger Leuchter) Beispiele „Religiöser Handlungen“ sind Sakramente wie Taufe und Abendmahl.

In der Mythologie

... werden, wie in der Religion, Symbole verwendet, die auf Transzendenz verweisen. Mit ihrer Erforschung befasst sich vor allem die Tiefenpsychologie in der Tradition von Carl Gustav Jung und die Vergleichende Mythologie. Auf der Arbeit Jungs beruhen z.T. auch die Forschungen von Mythologen wie Joseph Campbell, der die Symbole in Religion und Mythos als innere und geistige Wahrheiten im Gegensatz zu historischen Fakten interpretiert und zu den wichtigsten Vertretern der Vergleichenden Mythologie (Comparative Mythology) zählt. Laut Campbell enthält die Bildsprache von Mythos und Religion selbst keine absolute Wahrheit, sondern verweist auf eine Wahrheit jenseits von Bildern, Bedeutungen, Ideologien, Theologien und Konzepten. Insofern ist das mythische Symbol ein Hilfsmittel, um das Bewusstsein zu transformieren und zu erweitern im Hinblick auf Transzendenz. Es steht damit im Gegensatz zur ideologischen oder manipulativen Verwendung von Symbolen, wie sie zum Teil in Politik oder Religion zu beobachten ist.

In der Kunst

Die bildende Kunst verwendet seit den frühesten Beispielen von Höhlenmalerei bis in die Gegenwart hinein Symbole. In sakraler Kunst folgt die Symbolik dabei den Vorgaben von Religion und Theologie. Es gibt häufig eine verbindliche Ikonographie. In der Moderne tritt dagegen der individuelle und freie Umgang mit Symbolen an die Stelle traditioneller Bildprogramme.

In der Naturwissenschaft

Auch die Wissenschaft verwendet Symbole, indem Wirklichkeit in Form von symbolischer Repräsentanz abgebildet wird. Ernst Cassirer deutet den gesamten Bereich menschlicher Kultur in Form von symbolischen Formen: Auch in den Wissenschaften wird mit sinnlichen Zeichen gearbeitet, die zum Träger von geistigen Bedeutungen und damit von Sinn werden.

In der Politik

finden Symbole häufige Verwendung (z. B. in Gestalt nationaler Fahnen), siehe auch politisches Symbol

Beispiele

Beispiele für politische Symbole:
- das Hakenkreuz als Symbol für den Nationalsozialismus
- Hammer und Sichel als Symbol des Kommunismus
- der Halbmond als Symbol für den Islam und islamische Einrichtungen (Roter Halbmond)
- das christliche Kreuz als Zeichen christlicher Bewegungen und Institutionen (Rotes Kreuz)
- das Kreuz ist das zentrale religiöse Symbol des Christentums, wurde aber vielfach politisch gezeigt (von den Kreuzzügen bis zu politischen Freiheitsdemonstrationen 2004 in der Ukraine)
- das rote Kreuz auf weißem Grund als Abzeichen des Roten Kreuzes als einer nichtstaatlichen Organisation, in politischer Absetzung zu Nationalfahnen, besonders im Krieg als Zeichen politischer Neutralität
- der Turban und das Schwert des Sikh als öffentliches symbolisches Bekenntnis
- der Fez als Kennzeichen islamischer Männer (vgl. das laizistische Fez- und Kopftuchverbot in der modernen Türkei im Kampf gegen das Kalifat)
- das Kopftuch oder auch der Schleier als Kennzeichen islamischer Frauen, politisch vom Islamismus zum Zeichen der öffentlichen Bekenntnisses zur Recht- und Strenggläubigkeit aufgewertet
- die Farbe Grün steht für den Islam und islamische Einrichtungen und wird politisch vielfach verwandt (vgl. die Fahne des revolutionären Libyen)
- die Farbe Violett steht für die evangelische Kirche bzw. für die Frauenbewegung In manchen Staaten (z. B. in Frankreich), ist das Tragen von politischen oder religiösen Symbolen in öffentlichen Gebäuden verboten. Siehe auch: Nationale Symbole, Meinungsfreiheit, Kopftuchstreit, Staatsneutralität, weltanschauliche Neutralität

In der Wirtschaft

sind Symbole zumal am Erfolg von Marken beteiligt (z. B. der "Erdal"-Frosch, "Mercedes"-Stern). Doch auch allgemeine Symbole existieren, wie das Standbild zum Zeichen des Marktfriedens - der "Roland" - in deutschen Städten (heute noch unter anderem in Bremen und Wedel, einige im Ausland).

In der Technik

sind eher Allegorien als Symbole von großer Bedeutung,vereinfachte Darstellungen als Repräsentanten real existierender Teile oder Systeme. (Aus ihnen geht hervor, um welches prinzipielle Teil es sich handelt, unabhängig davon, ob die reale Ausführung modernisiert ist, wie z.B. der Papierkorb in der Desktopeinstellung.) Doch haben einige davon auch symbolische Kraft gewonnen (die Silhouette einer Dampflokomotive, der Zirkel in der Fahne der DDR).

Im Sport

Im Wettkampf haben sich etliche Symbole durchgesetzt (z. B. die Goldmedaille bei Sieg, Silber für den zweiten, Bronze für den dritten, dem vierten bleibt nur die „blecherne“ Medaille).

In der Pädagogik

Hier ist die Symboldidaktik zu nennen.

Siehe auch


- Symbolik
- Liste von Symbolen
- Abzeichen
- Allegorie
- Begriff
- Dingbats
- Einheitenzeichen
- Formelzeichen
- Genealogische Zeichen
- Hieroglyphen
- Kennzeichen
- Maskottchen
- Piktogramm
- Siegel
- Signal
- Signographie
- Sinnbild
- Symbolischer Interaktionismus
- Symbolismus (Symbole in der Literatur)
- Symboltier
- Todessymbolik
- Wappen
- Wikipedia:Tabelle mathematischer Symbole

Literatur


- Udo Becker: Lexikon der Symbole, ISBN 3-89836-219-1
- Manfred Lurker: Die Botschaft der Symbole, ISBN 3466203198
- Carl Gustav Jung et al.: Der Mensch und seine Symbole, ISBN 3530565016
- Rudi Keller: "Zeichentheorie”, UTB, ISBN 382521849X

Weblinks


- [http://www.katholisch.de/2493.htm katholische Kirche im Internet: katholische Symbole und Riten]
- [http://www.kunstdirekt.net/Symbole/exkursheinzmohr.htm Gerd Heinz-Mohr: Über Symbolik]
- [http://www.sukhavati.de Symbole in Mythologie, Religion und Tiefenpsychologie]
- [http://www.kath.de/kurs/symbole/ christliches Symbollexikon]
- [http://www.symbolforschung.org Gesellschaft für wissenschaftliche Symbolforschung e.V.]
- [http://www.reinigungsportal.com/pictogramme.html Typische Reinigungs- und Entsorgungssymbole] ! Kategorie:Rhetorischer Begriff Kategorie:Literarischer Begriff Kategorie:Stoffe und Motive Kategorie:Psychoanalyse ja:シンボル simple:Symbol

Begriff

Begriff (mittelhochdeutsch begrif oder begrifunge) ist eine Zusammenstellung von Merkmalen, die in Gegenständen und Sachverhalten als deren identische Eigenschaften „begriffen“ werden. Der Begriff Begriff lässt sich nicht eindeutig vom Begriff Wort (der Bezeichnung eines Begriffs) trennen: Synonyme sind unterschiedliche Wörter für einen identischen Begriff, ein Homonym ist ein Wort, das für verschiedene Begriffe stehen kann. Unter einer Begrifflichkeit versteht man die Menge der Begriffe, die im Zusammenhang mit einem konkreten Thema, in einem bestimmten Kontext oder in einer bestimmten Theorie verwendet werden. Die Begriffe innerhalb einer Begrifflichkeit stehen in einem engen inhaltlichen Zusammenhang und können häufig nur relativ aufeinander bezogen erläutert und definiert werden. In der Philosophie nimmt man die Begriffe als elementare Einheiten des Denkens an.

Begriffsumfang, Begriffsdefinition und Begriffsinhalt

Einige Theorien unterscheiden Begriffsumfang und Begriffsinhalt. Der Begriffsumfang (= Extension) ist die Menge (oder Klasse) aller Gegenstände, die der gegebene Begriff umfasst. Beispielsweise ist der Begriffsumfang des Begriffes „weiß“ die Menge aller weißen Gegenstände. Begriffe, die denselben Begriffsumfang haben, heißen äquipollent, umfangsgleich oder extensional gleich und gelten bei logischen Untersuchungen, insbesondere in der mathematischen Logik, häufig als identisch (siehe auch: Extensionalitätsprinzip). Wird ein Begriff weiter unterteilt, ist auf Dichotomie bei der Einteilung des Begriffsumfangs zu achten, um Fehlschlüsse zu vermeiden. Siehe Pseudodichotomische Einteilung eines Begriffsumfangs. Die Definition eines Begriffes wird in der Logik als angemessen bezeichnet, wenn Definiendum und Definiens, d.h. der zu definierende Begriff und der Ausdruck, der diesen definiert, gleichen Umfang besitzen. Zum Beispiel ist in der Definition : Ein Quadrat ist ein Rechteck mit vier gleich langen Seiten. diese Bedingung erfüllt: Die Begriffsumfänge von Quadrat, dem Definiendum, und Rechteck mit vier gleich langen Seiten, dem Definiens, decken sich völlig. Der Begriffsinhalt (= Intension) bezeichnet die Gesamtheit derjenigen im Bewusstsein vorhandenen Eigenschaften und Beziehungen von Gegenständen, die zur Begriffsbildung dienen. Zum Inhalt des Begriffes Zootechnik gehören z.B. alles, was als Eigenschaft dieser Technik verstanden wird. Wenn er aber kurz definiert werden soll, wenn die Grenzen des Begriffes festgestellt werden sollen, wählt man nur die wesentlichen Eigenschaften aus, und definiert z.B. „Zootechnik als die Technik von der Aufzucht, Fütterung, Haltung und richtigen Nutzung landwirtschaftlichen Nutzviehs zur Gewinnung hochwertiger Produkte“.

Historische Definitionen

Nach der klassischen auf der Antike fußenden Definition wird ein Begriff durch Abstraktion und Unterscheidung gewonnen. Im Mittelalter wurden Begriffe auch als Universalia post res (lat.: post = nach + res = Sache) bezeichnet, da im Begriff die Gemeinsamkeiten aller Exemplare der Sache, aus welcher der Begriff abstrahiert ist, enthalten sind (s.u.). In die Terminologie der deutschen Philosophie wurde der "Begriff" durch Christian Wolff eingeführt als eine jede Vorstellung einer Sache in Gedanken. Für Descartes und Leibniz sind Klarheit und Deutlichkeit hinreichende Merkmale eines Begriffs. Immanuel Kant unterscheidet zwischen der Anschauung und dem Begriff. Die Anschauung ist eine Vorstellung, die auf einen einzelnen Gegenstand bezogen ist. Der Begriff ist als eine „allgemeine Vorstellung dessen, was mehreren Objekten gemein ist“ zu verstehen.

Streitpunkte

Zur Diskussion über den ontologischen Status von Begriffen siehe Universalienproblem. Die Auffassung, dass es neben den Bezeichnungen als sprachlichen (gesprochenen, geschriebenen, gedachten) Entitäten und den von ihnen bezeichneten Gegenständen noch weitere mentale, geistige oder abstrakte Entitäten wie „Denkeinheiten“, Intensionen oder Extensionen gibt, ist philosophisch umstritten. Der Extensionalismus verzichtet im Sinne einer wissenschaftstheoretischen Sparsamkeit (Ockhams Rasiermesser) auf die Annahme der Existenz von Intensionen. Der Nominalismus geht weiter und verzichtet auf die Annahme der Existenz von Intensionen wie von Extensionen. Einigen Erkenntnistheorien gilt der Begriff als „Widerspiegelung“ der objektiv, d.h. unabhängig vom Menschen existierenden wesentlichen Eigenschaften der realen Gegenstände. Erweiterung und Änderung von Begriffen seien Ausdruck von tieferem Wissen über die Welt und damit fortschreitender Erkenntnis.

Definition nach DIN

DIN 2342 definiert Begriff als eine „Denkeinheit, die aus einer Menge von Gegenständen unter Ermittlung der diesen Gegenständen gemeinsamen Eigenschaften mittels Abstraktion gebildet wird“ DIN 2330 "Begriffe und ihre Bennungen" geht etwas ausführlicher auf den Begriff ein und beginnt mit Gegenständen :Jeder Mensch lebt in einer Umwelt von Gegenständen, die einmalig, d.h. zeitlich gebunden sind, und deshalb „individuelle Gegenstände“ genannt werden. Individuelle Gegenstände können materieller oder nichtmaterieller Art sein. und leitet aus der Notwendigkeit die unüberschaubare Anzahl von individuellen Gegenständen zu strukturieren die Begriffe ab: :Die gedankliche Zusammenfassung von individuellen Gegenständen zu gedachten „allgemeinen Gegenständen“ führt zu Denkeinheiten, die als „Begriffe“ bezeichnet werden können. Im Weiteren wird dann erklärt, dass sich die Zusammenfassung auf Grund von Merkmalen vollzieht. Als Mermale werden die Eigenschaften eines einzelnen oder mehrer individueller Gegenstände verstanden, die zur Bildung bzw. Analyse des jeweiligen Begriffs herrangezogen werden. Sie definiert dann noch zwei Hauptformen von Begriffen.
- Individualbegriffe, z.B. die Person Albert Einstein, die Wikimedia Foundation, die Zugspitze etc. : Individuelle Gegenstände bestehen, wenn auch mit Variationen einzelner Eigenschaften, über gewisse Zeiträume. Durch die gedankliche Zusammenfassung all dieser zeitlichen Varianten eines individuellen Gegenstandes (Zeitabstraktion, diachrone Abstraktion) entsteht der zugehörige Individualbegriff.
- Allgemeinbegriffe wie Mensch, Stiftung, Berg etc. : Diese entstehen dadurch, dass unterschiedliche individuelle Gegenstände hinsichtlich ihrer gemeinsamen Merkmale gedanklich zusammengefasst werden. Ferner weist die Norm explizit daraufhin zu beachten, dass den Allgemeinbegriffen unterschiedliche Gegenstandsarten, insbesondere materielle und immaterielle Gegenstände, Beziehungen zwischen Gegenständen und andere Begriffe (allgemeine Gegenstände), zugrunde liegen können.

Klassifikation

Begriffe lassen sich nach verschiedenen Kriterien unterteilen:
- Allgemeinbegriff / Individualbegriff
- Gattungsbegriff / Artbegriff
- Abstrakter Begriff / Konkreter Begriff Als konkreter Begriff im Gegensatz zum abstrakten Begriff wird ein bestimmter, gegebener Gegenstand oder eine bestimmte Klasse von Gegenständen bezeichnet: z.B. Hotel, Berlin, Umgebung, Apfel. Als abstrakten Begriff dagegen bezeichnet man nichtgegenständliche Entitäten wie "Freiheit", "Begriff", "Sein". In der Logikliteratur findet man mitunter Einwände gegen diese Einteilung, da alle Begriffe durch Abstrahieren und Verallgemeinern gebildet werden. Insofern ist auch der konkrete Begriff ein Resultat der Abstraktion. Um die Unterteilung beizubehalten und strenger zu fassen, ist versucht worden, sie auf unterschiedliche methodische Arten der Abstraktion zurückzuführen. So müsse auf irgendeine Weise das Abbild eines Gegenstandes und das Abbild von Eigenschaften eines Gegenstandes unterschieden werden. Diese Unterscheidung führe dann zur Einteilung der Begriffe in konkrete und abstrakte.

Zitat

: SCHÜLER: : Doch ein Begriff muß bei dem Worte sein. : MEPHISTOPHELES: : Schon gut! Nur muß man sich nicht allzu ängstlich quälen : Denn eben wo Begriffe fehlen, : Da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein. : (aus Faust I von J.W.v.Goethe)

Siehe auch

Bedeutung, Thesaurus, Glossar, Name, Benennung, Begriffsbesetzung, Onomasiologie und Semasiologie (Teilgebiete der Semantik), Semiotisches Dreieck, Notiones inter se convenientes Kognitionswissenschaft, Künstliche Intelligenz

Weblinks


- [http://act-r.psy.cmu.edu/papers/58/Concepts.JRA.pdf John R. Anderson: What Are The Cognitive Units?]
- http://www.phillex.de/begriff.htm
- [http://culturitalia.uibk.ac.at/hispanoteca/Lexikon%20der%20Linguistik/ao/ARBOR%20PORPHYRII%20%20%20%C3%81rbol%20de%20Porfirio.htm Arbor Prophyrii] Kategorie:Erkenntnistheorie Kategorie:Linguistik Kategorie:Logik Kategorie:Sprachphilosophie ja:概念

Ausdruck (Sprache)

Ein Ausdruck ist eine aus einem oder mehreren Wörtern bestehende sprachliche Einheit, mit der eine bestimmte Aussage gemacht wird, die etwas Bestimmtes bezeichnet oder kennzeichnet. Siehe auch: Begriff, Begriffsbestimmung, Bezeichnung und Benennung, Terminus (Fachausdruck, Fachwort) Kategorie:Sprache

Wort

Wort bezeichnet eine grammatische Einheit. Der Plural von "Wort" lautet Wörter, wenn es um das Auftreten mehrerer einzelner davon geht (Das Verzeichnis enthält 100.000 Wörter.). Worte hingegen bezeichnet eine Aneinanderreihung in einem Sinnzusammenhang, zum Beispiel einer Rede (Dankesworte, Der Worte sind genug gewechselt...). Wort bezeichnet als Kollektivum auch eine bedeutsame, kurze Aussage (Ein Wort der Weisheit, Machtwort), insbesondere wenn sie eine feste Form bilden, in die Einschübe nicht möglich sind (etwa in Sprichwort). Diese bestehen ihrerseits aus mehreren grammatikalischen Wörtern. Der Plural Worte ist hierbei obligat (Wörter der Weisheit ist ein Oxymoron). Des Weiteren bezeichnet Wort als Singularetantum – von dem hierbei kein Plural gebildet werden kann – eine Lehre (z.B. das Wort Gottes) oder ein Versprechen (z.B. sein Wort brechen).

Entstehung

Wörter gehören zu den ältesten abstrahierenden symbolischen Formen der Menschheit. Ob nicht z.B. Bilder älter sind, ist eine empirisch schwer beantwortbare Frage (vgl. Urgesellschaft). Vorauf gingen ihnen jedenfalls erfahrungsbewährte Wiederholungen konkreter Handlungen. Ob sich bestimmte Urwörter (Ur-Sätze?) annehmen lassen, ist strittig, obwohl die Vergleichende Sprachwissenschaft hieran arbeitet. Erste etablierte Worte, wahrscheinlich sehr konkret durch Gestik und Mimik darstellenden Charakters begleitet, erlaubten dann weitere und stärker abstrahierende Wörter – zum Beispiel konnten sich aus „eine Handvoll“, „in Hörweite“ bzw. „zuerst“, „tags“ bzw. „Mamma“, „Vortänzer“, noch stärker abstrahierend, dann kategoriale Wörter bezüglich „Raum“ bzw. „Zeit“ bzw. benennbaren „Subjekten“ entwickeln. Schlüsse, die sich auf den Spracherwerb in der Ontogenese des einzelnen Kleinkindes stützen und daraus auf das erste Sprechen in der Phylogenese der Menschheit folgern, sind keineswegs zwingend, obwohl hilfreich.

Charakterisierung

Muttersprachler haben ein intuitives Verständnis davon, was in ihrer Sprache ein Wort ausmacht, die Sprachwissenschaft aber tut sich damit schwer, allgemein gültige Kriterien zur Abgrenzung von Wörtern zu finden. Je nach Blickwinkel sind verschiedene Kriterien möglich, die je nach theoretischem Hintergrund und Erkenntinisinteresse miteinander kombiniert oder ergänzt werden:
- morphologisches Kriterium: Ein Wort ist eine möglichst kleine sprachliche Einheit, die eine Bedeutung trägt und frei vorkommen kann. In dieser Definition entspricht Wort etwa einem freien Morphem, das aber durch Prä - oder Suffixe ergänzt sein kann (Bsp: Herr, herrlich, verherrlichen). Ein so definiertes Wort kann durch Flexionsendungen erweitert werden, wodurch man die Wortformen dieses Wortes erhält (zum Beispiel Frau, Frauen; laut, lauter, mache, machst, macht etc.). In der Sprachwissenschaft spricht man in diesem Fall statt von Wort von Lexem.
- orthographisches Kriterium: Ein Wort ist eine Buchstabengruppe zwischen zwei Trennzeichen, meistens Leerzeichen. Diese Definition schließt Sprachen ohne Schrifttradition aus, und ist stark vom Wandel der Orthographie abhängig.
- phonetisch/phonologisches Kriterium: Wörter sind Lautfolgen, die durch Grenzsignale wie zum Beispiel Pausen voneinander abgehoben sind. Im Deutschen hat jedes Wort genau eine Hauptakzentstelle. In einigen Sprachen, wie beispielsweise im Französischen, werden die Wörter beim Sprechen stark aneinander gebunden und miteinander verschmolzen. Das führt dazu, dass eine vom Schriftbild ausgehende Definition stark von einer lautorientierten Definition abweichen kann.
- semantisches Kriterium: Wörter zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine Bedeutung tragen. Die Bedeutung von Wörtern wird aber von ihrem Äußerungskontext mitbestimmt und ist deshalb nicht ohne weiters fassbar. Einigen Wörtern lässt sich keine lexikalische Bedeutung zuordnen, allenfalls eine grammatische (Funktionswörter).
- syntaktisches Kriterium: Wörter sind Einheiten, die sich innerhalb eines Satzes verschieben, durch andere austauschen und durch das Einfügen weiterer Wörter voneinander trennen lassen. Problematisch an dieser Definition ist, dass man mit diesem Kriterium Wortformen wie Frau und Frauen nicht als zusammengehörig bestimmen kann. Weitere Probleme werfen zum Beispiel die trennbaren Verben im Deutschen auf, die sich zwar voneinander trennen lassen, aber trotzdem als Ganzes ersetzbar sind.

Symbolische Bedeutung

Laut der neutestamentalichen Schöpfungsgeschichte am Anfang des Johannesevangeliums begann die Welt durch das Wort (griech. logos, lat. verbum, hebr. dvr): :en archē ēn ho Logos kai ho Logos ēn pros ton Theon kai Theos ēn ho Logos :in principio erat Verbum et Verbum erat apud Deum et Deus erat Verbum :Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort Dieser Wortmythos, die Schöpfung durch Benennung, findet sich schon in uralten Religionen, Mythen und Aberglauben. Zaubersprüche haben als wesentliche Ingredienz mächtige Zauberworte. Flüche, d.h. Verfluchungen sollen angeblich dem Verfluchten anhaften und physische Wirkung zeigen. Zu beachten ist hier, dass die Bedeutung des griechischen Wortes lógos im Originaltext über die des deutschen Wortes „Wort“ hinaus geht. logos bezeichnet u.a. auch Sprache, Rede, Beweis, Lehrsatz, Lehre und Vernunft. Die Übersetzung von logos mit Wort reduziert die Bedeutung. Aus logos stammt auch das deutsche Wort Logik.

Klassifikation

Grammatisch

In der Grammatik werden Wörter nach Wortarten (zum Beispiel Substantiv, Adjektiv, Verb...) unterschieden und hinsichtlich Satzstellung, Flexion, Tonalität (in Tonsprachen wie Mandarin-Chinesisch) et cetera untersucht.

Nach Wortarten

Es gibt verschiedene Ansätze, Wörter nach Wortarten zu gliedern. Es werden syntaktische, morphologische und funktionale Kriterien verwendet. Im Wesentlichen geht die heutige Klassifikation schon auf die Antike (Dionysos Thrax) zurück, hat aber auch deren Probleme mitgeschleppt.

Plural

Für „Wort“ gibt es zwei Pluralformen.
- Wörter bezieht sich auf die Form bzw. die grammatische Einheit „Wort“.
- Worte bezieht sich auf den Inhalt, zum Beispiel für im Sinnzusammenhang stehende Wörter eines bekannten Ausspruchs (siehe Schlagwort (Sprachwissenschaft), Sprichwort). Die Unterscheidung wird inzwischen oft ignoriert, so dass auch im Plural Homonymie auftritt.

Aufbau

Wörter bestehen aus Morphemen, das sind die kleinsten bedeutungstragenden Einheiten im Sprachsystem, in flektierenden Sprachen aus Stamm- + Flexionsmorphem (Haus+es). In einer isolierenden Sprache wie im klassischen Chinesisch oder Vietnamesischen hingegen gibt es keine Flexion.

Geschriebene Wörter

Geschriebene Wörter werden mit Buchstaben, Schriftzeichen oder Symbolen dargestellt und in vielen Sprachen durch Leerzeichen vor dem Wort oder Satzzeichen voneinander abgetrennt. Im klassischen Chinesischen entspricht jedem Zeichen ein Wort, ein Morphem und eine Silbe. Die Schrift und die Schreibrichtung ist abhängig von der Sprache (Deutsch: links>rechts; Arabisch und Hebräisch: rechts>links).

Gesprochene Wörter

Gesprochene Wörter bestehen aus Silben, die wiederum aus einem oder mehreren Phonemen (Lauten) bestehen. In manchen Sprachen kommen bedeutungsunterscheidende Töne hinzu (Mandarin-Chinesisch, Hausa, Vietnamesisch), sie werden Tonsprachen genannt (vgl. auch die Intonation deutscher Interjektionen wie hm). In Akzentsprachen wie Deutsch hat jedes Wort eine Hauptakzenstelle. In der gesprochenen Sprache liegt potenziell vor und hinter dem Wort eine kurze Pause.

Zum Wortschatz

Ein großer Teil des deutschen Wortschatzes besteht aus Wörtern, die anderen Sprachen entstammen, so genannten Fremd- und Lehnwörtern. Mit den 207 häufigsten Wörtern im Wortschatz eines deutschen Muttersprachlers lassen sich bereits 50% eines fast beliebigen Textes darstellen. Davon sind einsilbige Wörter die häufigsten. Je länger ein Wort, desto geringer seine Häufigkeit (wie in nahezu allen Sprachen, das zugrundeliegende Prinzip nennt sich Huffman-Kodierung).

Zitate


- „Die meisten Menschen leiden an dieser geistigen Schwäche, zu glauben, weil ein Wort da sei, muß es auch das Wort für etwas sein; weil ein Wort da sei, muß dem Worte etwas Wirkliches entsprechen.“
  - Fritz Mauthner (1849-1923)

Siehe auch


- Wortstamm
- Komposition
- Begriff/Bezeichnung
  - Synonym, Homonym, Polysem, Antonym, Hapax legomenon
- Worthülse
- Abkürzung
- Wort des Jahres
- 100 Wörter des 20. Jahrhunderts
- Semasiologie, Onomasiologie
- Bedeutungswandel, Etymologie
- Ausdruck
- Logos
- Galgenmännchen
- Wortspiel

Weblinks


- http://www.udoklinger.de/Grammatik/inhalt.htm Kategorie:Linguistische Morphologie Kategorie:Syntax ! ja:言葉 simple:Word zh-cn:词汇

Fachsprache

Eine Fachsprache (auch Fachjargon) ist ein Jargon, der in einem bestimmten (meist akademischen) Fachgebiet oder einer Branche benutzt wird. Zur Fachsprache gehören vor allem Fachbegriffe und Fremdwörter (Fachvokabular), die entweder außerhalb des Fachgebietes sehr ungebräuchlich sind oder in diesem eine andere Bedeutung haben. Auch Grammatik und Intonation können sich unterscheiden. In der Soziolinguistik wird die durch eine bestimmte Gruppe (z.B. Altersgruppe) hervorgebrachte linguistische Varietät als Gruppensprache bezeichnet.

Merkmale

Eine Fachsprache unterscheidet sich von der Umgangssprache unter anderem dadurch, dass ihre Begriffe eindeutig bezeichnet sind, aber in der Regel nur innerhalb des betreffenden Faches gelten. In dieser Hinsicht bildet auch jede Fachsprache eine Gruppensprache, nämlich die der Gruppe der jeweiligen Fachleute. Fachsprachen haben meist den Ruf der Unverständlichkeit - was einerseits am Vokabular (Fach- und Fremdwörtern) liegt. Andererseits werden die sprachlichen Besonderheiten vor allem in speziellen Situationen wirksam, die dem Fachfremden oft nicht verständlich sind. Das führt dazu, daß Experten eines bestimmten Fachgebietes häufig von Laien nicht richtig verstanden werden, weshalb der Fachjargon umgangssprachlich manchmal auch als „Fachchinesisch“ bezeichnet wird. Der Ausdruck kommt vermutlich daher, daß Chinesisch in Europa wegen des völlig anderen Sprachaufbaus allgemein als sehr schwierig gilt und zudem selten erlernt wird. Einzelne Fachbegriffe einer Fachsprache werden auch als Terminus technicus bezeichnet. Die Gesamtheit aller Termini eines Gebietes bilden eine Terminologie. Terminologien können beispielsweise in einem Wörterbuch, einem Glossar oder einem Thesaurus formuliert sein. Viele Termini und Fachsprachen sind durch Fortschritte der Wissenschaft in rascher Entwicklung begriffen. Der Sprachgebrauch in verschiedenen Disziplinen ändert sich auch dadurch, dass immer mehr Fachwörter – vor allem englische – in Gebrauch kommen.

Beispiele

Einige Fachsprachen heben sich besonders deutlich von der Umgangssprache ab. Beispiele hierfür sind:
- medizinische Fachsprache von Ärzten, Krankenschwestern, Masseuren usw. (siehe Nomenklatur (Anatomie))
- "Juristendeutsch" oder "Juristenlatein" der Juristen
- Beamtendeutsch
- Technische Fachsprachen und Fachausdrücke
- Computer-"Slang" und EDV-Vokabeln (Netzjargon, Hackerjargon)
- Die Waidmannssprache der Jäger
- Die Seemannssprache der Seeleute
- Die Bergmannssprache der Bergleute
- Kommandosprachen - etwa beim Militär
- Geheimsprachen wie beispielsweise im Verbrechermilieu (Gaunersprache, Rotwelsch)
- Spezialausdrücke in der Musik (besonders in der Popmusik)
- oder in Diplomatie, Soziologie usw.

Verwandte Begriffe

Eine Nomenklatur ist ein Spezialfall einer Terminologie, in der die Benennung von Objekten in einem bestimmten Themengebiet durch Richtlinien festgelegt ist (beispielsweise die. Nomenklatur der Lebewesen in der Biologie oder die Nomenklatur chemischer Verbindungen). Als Wortschatz, Vokabular oder Lexikon bezeichnet man die Gesamtheit aller Wörter, deren eine Person mächtig ist oder die zu einer bestimmten Sprache gehören.
Siehe auch: Institut für Deutsche Sprache, Terminologische Datenbank, Kontrolliertes Vokabular Als Terminologie bezeichnet man die Gesamtheit aller Begriffe und Benennungen (Termini) einer Fachsprache, beziehungsweise die Fachsprache selbst. Die DIN 2342 trifft nähere Festlegungen zur Terminologie.

Weblinks


- [http://linux.infoterm.org/ International Information Centre for Terminology]
- [http://www.rint.org/ Réseau international de néologie et de terminologie (eine Organisation von 20 französischsprachigen Ländern)]
- [http://www.iim.fh-koeln.de/dtp/ Deutsches Terminologie-Portal]
- [http://links-guide.ru/sprachen/lexika/slang.html Wird in jedem Fach eine besondere Sprache gesprochen?]
- [http://www.tekom.de/weiter.jsp?id=412 Unbekannter Fachjargon, verschwommene Formulierung oder literarische Parterreakrobatik?] Kategorie:Soziolinguistik


Terminologie

Als Terminologie bezeichnet man die Gesamtheit aller Begriffe und Benennungen (Fachwörter bzw. Termini) einer Fachsprache. Fachsprachen selbst werden in neuerer Zeit nicht mehr primär als reine Terminologien angesehen. Terminologien können beispielsweise in einem Wörterbuch, einem Glossar oder einem Thesaurus formuliert sein. Viele Terminologien bilden ein Kontrolliertes Vokabular. Maschinell lassen sich Terminologien in Terminologischen Datenbanken verwalten, die unter Anderem zur Übersetzung verwandt werden. Mit der Untersuchung und Aufstellung von Terminologien beschäftigt sich die Terminologielehre. Die DIN 2342 trifft nähere Festlegungen zur Terminologie. Eine Nomenklatur ist ein Spezialfall einer Terminologie, in der die Benennung von Objekten in einem bestimmten Themengebiet durch Richtlinien festgelegt ist (beispielsweise die. Nomenklatur der Lebewesen in der Biologie oder die Nomenklatur chemischer Verbindungen). Ein Textkorpus ist in der Linguistik eine Sammlung von Texten einer Sprache. Als Wortschatz, Vokabular oder Lexikon bezeichnet man die Gesamtheit aller Wörter, deren eine Person mächtig ist oder die zu einer bestimmten Sprache gehören.

Weblinks


- [http://linux.infoterm.org/ International Information Centre for Terminology]
- [http://www.rint.org/ Réseau international de néologie et de terminologie (eine Organisation von 20 französischsprachigen Ländern)]
- [http://www.iim.fh-koeln.de/dtp/ Deutsches Terminologie-Portal]
- [http://www.iim.fh-koeln.de/webterm/webtermsamm_d.HTM WebTerm - Terminologiesammlungen aus Diplomarbeiten an der Fachhochschule Köln]

Literatur

Arntz, R.; Picht, H.: Einführung in die Terminologiearbeit, Olms, Hildesheim 1995, ISBN 3-487-07235-1 Kategorie:Sprache !Terminologie Kategorie:Dokumentation ja:用語

Homonym

] Ein Homonym (v. griech.: ομόνυμο aus ομο- homo- = gleich- + όνομα ónoma = Name) ist ein Wort, das für verschiedene Begriffe stehen kann. Umgangssprachlich werden solche mehrdeutigen Bezeichnungen auch Teekesselchen genannt. Genauer lassen sich zum einen Homographen (gleiche Schreibweise) und Homophone (gleicher Klang) und zum anderen Polyseme (Bedeutungsverschiebungen) von normalen Homonymen unterscheiden. Diese nicht immer eindeutigen Unterscheidungen sind unter anderem in der Lexikographie von Bedeutung. Aristoteles erläutert "Homonym" in der Kategorienschrift folgendermaßen: Zwei Dinge sind homonym, wenn sie
- dieselbe Bezeichnung und
- verschiedene Definition aufweisen. Das Gegenteil des Homonyms ist das Synonym, bei dem unterschiedliche Bezeichnungen für den selben Begriff verwendet werden. Gegensätzliche Begriffe bezeichnet man als Antonyme. Die japanische Sprache und die chinesische Sprache sind besonders reich an Homonymen, die jedoch oft auf Grund der Zeichen- bzw. Bilderschrift nur Homophone, jedoch keine Homographen sind.

Beispiele

Beispiele für Homographen sind
- das Spiel-ende und der Spielend-e
- modern (verwesen) und modern (neu)
- Wach-stube und Wachs-tube
- Montage (Plural von Montag) und Montage (montieren) Beispiele für Homophone sind
- Wahl und Wal
- Lehre und Leere Beispiele für nicht-polyseme Homonyme sind
- Reif (Ring) und reif (ausgereift)
- Arm (Körperteil) und arm (mittellos)
- Tau (Niederschlag), Tau (Seil) und Tau (griech. Buchstabe)
- Lehre (Berufsausbildung) und Lehre (Messinstrument) Beispiel für Polyseme sind (vgl. Polysemie)
- Schloss (Verriegelung) und Schloss (Gebäude)
- Bank (Geldinstitut) und Bank (Sitzgelegenheit)
- Lehre (Berufsausbildung) und Lehre (Dogma)
- Leiter (Leiter (Gerät)) und Leiter (Leitung (Funktion))

Entstehung von Homonymen

Homonyme können zum einen aus verschiedenen Wörtern entstehen, die sich dahingegend verändern, dass sie schließlich gleich klingen (Homophone) oder gleich geschrieben werden (Homographen). Zum anderen können sich die verschiedenen Bedeutungen eines Wortes so verschieben, dass schließlich unterschiedliche Begriffe entstehen (Polyseme). Zusätzlich kann fast jedes Wort je nach Verwendung unterschiedliche Bedeutungen annehmen und somit zum Homonym werden. Beispiele dafür sind für unterschiedliche Objekte stehende Personalpronomen, mehrdeutige Akronyme, und Metaphern. Siehe auch: Mehrdeutigkeit

Homonymzusätze

Zur Unterscheidung von Homonymen können ihnen so genannte Homonymzusätze oder Qualifikatoren hinzugefügt werden. In Wörterbüchern werden dazu üblicherweise hochgestellte Zahlen verwendet, während beispielsweise in Thesauri verschiedene Zusätze in Klammern angehängt werden. In den Regeln für den Schlagwortkatalog (RSWK) der Schlagwortnormdatei (SWD) werden dafür nach Winkelklammern (< und >) benutzt. Für Absatz gibt es in der SWD zum Beispiel drei Einträge:
- Absatz für den Absatz von Waren, weil dies innerhalb des Einsatzzweckes der SWD (Literaturverschlagwortung) die häufigste Verwendungsform ist
- Absatz 
- Absatz  wobei die Bezeichnung Schuhabsatz vorzuziehen ist Allerdings lassen sich Homonymprobleme in kontrollierten Umgebungen oft auch durch das Ausweichen auf andere Bezeichnungen lösen. Statt Bank (Sitzgelegenheit) kann beispielsweise festgelegt werden, dass eine Bank zum Sitzen immer "Sitzbank" genannt werden muss. Die Homonymzusätze selbst sollten möglichst eindeutig definierte und überschaubare Begriffe sein. Zum Beispiel kann festgelegt werden, dass die Homonymzusätze einzelne Fachgebiete oder Fachsprachen bezeichnen sollen (Ring , Ring , Ring ...) In der Wikipedia werden zur Vermeidung von homonymen Einträgen Homonymzusätze in runden Klammern und so genannte Begriffsklärungsseiten verwendet (näheres siehe dort und in der Liste der Homonymzusätze).

Verschwinden von Homonymen

Homonymie kann eine Ursache für das Verschwinden von Wörtern sein (Homonymenkonflikt durch Mehrdeutigkeit). Beispiele
- Wenn ein Wort sehr viele Bedeutungen hat, es also mehrdeutig wird, verschwinden oft einige Bedeutungen, manchmal auch das ganze Wort, zum Beispiel weil auf andere Bezeichnungen ausgewichen wird.
- Wenn ein Wort in der sprachlichen Ebene sinkt, werden gleich- oder ähnlichlautende andere Wörter oft ebenfalls verdrängt: Ficke - Kleidertasche - wurde unüblich wegen "ficken", einem als "obszön" betrachteten Wort. (Gegenbeispiel: Wenn sich die Kontexte klar unterscheiden, können Homophone auf der normalen Sprachebene auch neben der niedrigeren bestehen bleiben: Das vulgäre "to jack off" im Englischen hat z.B. keinen Einfluss auf die anderen Lesarten von "jack / to jack / Jack-of-all-trades".)
- Im Japanischen ist die Zahl "Vier" homophon mit dem Wort für "Tod" (shi). Daher gibt es eine zweite Aussprache (yon) für "Vier", die in Kontexten gebraucht wird, wo durch die Homophonie eine Mehrdeutigkeit mit negativer Konnotation entstehen könnte. Ähnliche Begriffe mit unterschiedlicher Bedeutung in verschiedenen Dialekten einer Sprache sind Paronyme.

Veränderung von Homographen durch die Rechtschreibreform

Durch die Rechtschreibreform wurden einige Homographen beseitigt.
- Bettuch -> Bettuch, Betttuch oder Bett-Tuch Andererseits wurden neue geschaffen, insbesondere auf dem noch umstrittenen Gebiet von Getrennt- und Zusammenschreibung
- sitzenbleiben, sitzen bleiben -> sitzenbleiben :(Diese Regel wird voraussichtlich zurückgenommen.)

Weblinks


- [http://titan.bsz-bw.de/cms/public/arbeit/agsach/hzliste.pdf Liste der normierten Homonymenzusätze (PDF)] für Personenschlagwörter der Schlagwortnormdatei
- [http://www.phonetik-buero.de/lernmaterial/lernmaterial.htm Liste von Homographen, Homonymen und Homophonen im Deutschen] von Jürgen Trouvain Kategorie:Semantik Kategorie:Dokumentation ja:同音異義語

Synonymie

Synonymie (aus dem Griechischen συνώνυμος synónymos für gleichnamig) ist eine Beziehung zwischen lexikalischen Zeichen. Ein Synonym ist ein lexikalisches Zeichen, das die gleiche Bedeutung hat wie ein anderes lexikalisches Zeichen. Das Synonym für das Synonym ist das Ersatzwort. Eine etwas davon abweichende Bedeutung von Synonym findet man bei Aristoteles (vgl. Kategorienschrift 1): Zwei Dinge sind synonym, wenn sie
- dieselbe Bezeichnung und
- dieselbe Definition aufweisen.

Formen der Synonymie

Man unterscheidet strikte oder partielle Synonymie (Bedeutungsähnlichkeit).

Strikte Synonymie

Strikte Synonymie setzt nicht nur voraus, dass zwei lexikalische Zeichen die gleiche denotative Bedeutung haben, sondern auch, dass sie in allen Kontexten austauschbar sind und in allen Kontexten die gleiche Wirkung haben. Beispiele für strikte Synonymenpaare im Deutschen sind nach allgemeiner Anschauung: Orange – Apfelsine; Streichholz – Zündholz. Allerdings ist hier bereits einzuwenden, dass diese Art von Synonymie beim Paar Orange - Apfelsine nur für die Nordhälfte des deutschen Sprachgebiets gilt. In der Deutschschweiz etwa und in Österreich ist Apfelsine klar als Teutonismus markiert. Das Vorkommen dieses Ausdrucks in einem Text würde diesen klar als in Norddeutschland handelnd situieren, in Texten, die in der Schweiz oder Österreich spielen, würde das Wort befremdlich klingen. Auch dieses Beispiel kann demnach nur als Bedeutungsähnlichkeit gewertet werden. Auch in Bayern würde der Gebrauch des Wortes Apfelsine einen "Zugereisten" oder Urlauber kennzeichnen.

Partielle Synonymie

Ein Beispiel für ein nicht-striktes Synonymenpaar ist durcheinander – wirr, wie an den folgenden Beispielen deutlich wird: :1. Er wirkt heute etwas durcheinander = Er wirkt heute etwas wirr. :2. Seine Rede heute war etwas wirr ≠ Seine Rede heute war etwas durcheinander. Partielle Synonyme werden auch Homoionyme genannt. Folgende Aspekte der konnotativen Bedeutung bewirken, dass zwei lexikalische Zeichen bei gleicher denotativer Bedeutung nicht den strengen Anforderungen strikter Synonymie genügen:
- Regionale Differenzierung: Metzger – Fleischer; Brötchen – Schrippe
- Natives Wort vs. Fremdwort: Fahrstuhl/Aufzug – Lift
- Fachwort vs. Laienwort: Rechner – Computer
- Lateinischer Ursprung vs. germanischer Ursprung: vertikal – senkrecht In den meisten alltäglichen Verwendungssituationen genügt das weniger strikte Kriterium der Ersetzbarkeit salva veritate in typischen Kontexten, um ein Paar lexikalischer Zeichen als Synonyme zu identifizieren: :3. (a) Er sitzt schon wieder am Computer <

> (b) Er sitzt schon wieder am Rechner. Aus dem in Satz 3a beschriebenen Sachverhalt folgt notwendigerweise der in Satz 3b beschriebene Sachverhalt und umgekehrt.

Synonymie zwischen sprachlichen Zeichen verschiedenen Typs

Synonymie besteht nicht nur zwischen lexikalischen Zeichen des gleichen Typs:
- Ein einwortiges lexikalisches Zeichen kann mit einem mehrwortigen lexikalischen Zeichen synonym sein (störendazwischenfunkenin die Quere kommen)
- Ein Wortbildungsmittel kann mit einem einwortigen oder mehrwortigen lexikalischen Zeichen synonym sein (Online-im Netz)
- Eigennamen, vor allem Produktnamen, können sich zu generischen Termen und damit zu Synonymen für die Produktbezeichung entwickeln, zum Beispiel Tempo für Papiertaschentuch. Derartige Synonyme nennt man auch Begriffsmonopol. Es gibt synonymische und nichtsynonymische Kontexte. In synonymischen Kontexten können Wörter einer Synonymgruppe trotz inhaltlicher und stilistischer Nuancen gegeneinander ausgetauscht werden, zum Beispiel "lachen" gegen "wiehern" oder "fotografieren" gegen "aufnehmen/knipsen". In synonymischen Kontexten werden die inhaltlichen Unterschiede nicht aktualisiert, sodass die Grundlage für eine Austauschbarkeit gegeben ist. Nur die Gemeinsamkeiten des Inhalts werden angesprochen. Aus den Spezialsemen (= besonderen Bedeutungsmerkmalen) ergibt sich eine Ähnlichkeit, die sowohl Gleichheit wie Unterschiedlichkeit einschließt. Zu bemerken ist, dass die konnotative (= die Nebenbedeutung, Begleitbedeutung betreffende) Differenz die Synonymitätsstiftung nicht beeinflussen kann, sofern sie die denotative Ähnlichkeit nicht überdeckt. In nichtsynonymischen Kontexten sind die gleichen Wörter jedoch nicht austauschbar, weil ihre speziellen Inhalte aktualisiert, hervorgehoben werden. Man könnte sogar von "Augenblicksantonymen" sprechen, weil in diesem Kontext die unterscheidenden Merkmale Dominanzseme (Sem = Bedeutungsmerkmal)werden, sodass die eigentlichen Synonyme nicht austauschbar sind, sondern in Opposition stehen, zum Beispiel: Dann knipse ich mal. Sonst fotografiere ich ja/Das ist kein Kamm, das ist eine rostige Läuseharke/Ich habe keinen Laden, ich habe einen Salon.

Synonymwörterbücher

Synonymwörterbücher gehören zu den Wörterbüchern mit eingeschränktem Informationsprogramm. Zum jeweiligen Stichwort werden die sinn- und sachverwandten Wörter angegeben. Da absolute Synonymie selten ist, geben die meisten Wörterbücher dieses Typs eher bedeutungsähnliche Wörter an. Benutzer dieser Wörterbücher müssen deshalb über einen hohen Grad von Sprachkompetenz verfügen, um für einen bestimmten Kontext das passende Synonym auswählen zu können. Man unterscheidet zwei Arten von Synonymwörterbüchern:
- distinktive Synonymiken spezifizieren die Lesarten von polysemen Lexemen und ordnen die bedeutungsähnlichen Wörter der jeweiligen Lesart zu (Bsp.: durcheinander (Person) - verwirrt; durcheinander (Sachen) - chaotisch, vermischt, wie Kraut und Rüben); eine distinktive Synonymik des Deutschen ist Schülerduden. Die richtige Wortwahl.
- kumulative Synonymiken ordnen die einem Lexem ähnlichen lexikalischen Zeichen ohne Unterscheidung der Lesarten diesem Lexem zu; eine kumulative Synonymik ist Duden Band 8. Die sinn- und sachverwandten Wörter. Synonymenwörterbücher werden häufig verwendet, um in einem Text zu häufige Wiederholungen eines Wortes zu vermeiden. Sie können auch für die systematische Wortschatzarbeit im Zweitsprachunterricht herangezogen werden. Das Gegenteil der Synonymie ist die Antonymie.

Literatur


- D. Alan Cruse: Lexical Semantics. Cambridge:CUP 1987
- Bulitta, Erich und Hildegard: Das große Lexikon der Synonyme. Taschenbuch. Frankfurt. Fischer Verlag, 2005
- Bulitta, Erich und Hildegard: Wörterbuch der Synonyme und Antonyme. Taschenbuch. Frankfurt. Fischer Verlag, 2003
- Bußmann, Hadumod: Lexikon der Sprachwissenschaft. Stuttgart. Alfred Kröner Verlag, 2002
- Kurz, Michael: Das neue Wörterbuch der Synonyme. Taschenbuch. München. Econ-Ullstein-List-Verlag, 2001
- John Lyons: Linguistic Semantics. An Introduction. Cambridge:CUP 1995
- Der Große Duden. Band 8: Vergleichendes Synonymwörterbuch.Bearbeitet von Paul Grebe, Wolfgang Müller und weiteren Mitarbeitern der Dudenredaktion, 1964
- Schülerduden. Die richtige Wortwahl. Hg. von Wolfgang Müller. Mannheim:Dudenverlag, 1977
- Duden. Die sinn- und sachverwandten Wörter. Synonymwörterbuch der deutschen Sprache. Hg. von Wolfgang Müller. Mannheim:Dudenverlag 1997grgqe

Weblinks


- [http://wortschatz.uni-leipzig.de/ wortschatz.uni-leipzig.de/ - Datenbank mit Synonymen der Universität Leipzig]
- [http://www.woerterbuch.info/ www.woerterbuch.info - Deutsch-Englisch Wörterbuch mit 500.000 Übersetzungen und über 125.000 Synonymen]
- [http://dict.leo.org/?lang=de&lp=ende/ http://dict.leo.org - Deutsch-Englisch Wörterbuch]
- [http://www.xipolis.net/ www.xipolis.net - Brockhaus Duden Neue Medien GmbH - Online Bibliothek des Wissens]
- [http://www.duden.de/ www.duden.de - Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG]
- [http://www.ditext.com/quine/quine.html Willard Van Orman Quine, "Two Dogmas of Empiricism" (1951)] Kategorie:Semantik Kategorie:Rhetorischer Begriff ja:類義語 simple:Synonym

Dokumentationswissenschaft

Die Dokumentationswissenschaft oder Dokumentationsbewegung beschäftigt sich mit der Dokumentation als „Sammlung, Ordnung und Nutzbarmachung von Dokumenten aller Art“. Diese Definition stammt wie auch der Begriff „Dokumentation“ von Paul Otlet. Die Dokumentationswissenschaft ist eng verwandt mit der Bibliothekswissenschaft, aus der sie hervorgegangen ist und der Informationswissenschaft, die unter Anderem von dem Informationswissenschaftler Rainer Kuhlen als ihr Nachfolger angesehen wird. Eine anerkannte Definition der Dokumentationswissenschaft, die über Otlets allgemeine Definition hinaus geht, existiert nicht. Die Entstehung der Dokumentation hat mit dem Ende des 19. Jahrhunderts sprunghaft ansteigenden Informationsbedarf in Naturwissenschaft und Technik zu tun, der von herkömmlichen Bibliotheken immer weniger gedeckt werden konnte. Es bildeten sich deshalb Spezialbibliotheken und andere Einrichtungen wie beispielsweise die Zentralstelle für technisch-literarische Information in Preussen, deren Ziel in erster Linie die gezielte Beschaffung von Informationen war. Der theoretische Überbau der Dokumentationswissenschaft entstand Anfang des 20. Jahrhunderts mit Henri La Fontaine und Paul Otlet - allerdings stießen ihre weitreichenden Ideen einer Universellen Bibliothek bald auch auf Ablehnung. Zwischen Bibliothekswesen und Dokumentationsbewegung kam es bald zu Spannungen, die sich vor allem in Deutschland bis Ende des 20. Jahrhunderts fortbestehen. Mit Aufkommen kommerzieller Datenbanken und Methoden des Informationsmanagements verliert die Dokumentationswissenschaft an Bedeutung und geht weitgehend in anderen Fächern auf. Eine Folge des so genanntes Sputnik-Schocks, der in den USA durch den Start des ersten künstlichen Satelliten Sputnik 1 am 4. Oktober 1957 ausgelöst wurde, war, dass die Notwenigkeit einer Dokumentation erstmals ins breitere Bewusstsein gebracht wurde. Die Erfahrung, dass die mit großem Aufwand erfolgte Entschlüsselung des Satellitensignales hätte vermieden werden können, da diese bereits veröffentlicht vorlagen, führte zu einem Ausbau des Informationswesens und der Entwicklung der modernen Dokumentation. Im Weinberg-Report (von Alvin M. Weinberg, Direktor des Oak Ridge National Laboratory, u.a.) wurde 1963 eine Analyse der Dokumentation und Information in den USA und Empfehlungen für einen besseren Wissensaustausch vorgelegt. Diese wurden unter anderem in der Entwicklung digitaler Informationssysteme (Datenbanken) umgesetzt. In der Bundesrepublik Deutschland gab es etwas später das IuD-Programm (1974-1977) zur Förderung der Information und Dokumentation. Die Entwicklung des Internet hat auch für den Bereich der Dokumentation neue Möglichkeiten eröffnet. Während herkömmliche Datenbanken nur "on-line" über einen Fernzugriff zugänglich waren, können Informationen heute "online" direkt abgerufen und automatisch weiterverarbeitet werden.

Siehe auch


- Deutsche Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis
- BID-Bereich

Literatur


- Hansjoachim Samulowitz, Marlies Ockenfeld: Bibliothek und Dokumentation - eine unendliche Geschichte. In: Information - Wissenschaft und Praxis 54, 2003, Seite 453-462 [http://eprints.rclis.org/archive/00001914/]

Weblinks


- http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/infowiss/frames/baust/Welcome.html - Tagung zur Geschichte der Dokumentationswissenschaft
- http://www.ib.hu-berlin.de/~wumsta/fern/fern5.html - Geschichte des Dokumentations- und Informationswegung
- Michael Kraus: [http://www.phil.uni-sb.de/fr/infowiss/papers/iwscript/exkurs1.html - Der Sputnik-Schock und die Entwicklung der Informationspolitik in der Bundesrepublik Deutschland]
- http://www.tu-harburg.de/b/hapke/behrends.html - Rezension und Literaturüberblick !

Thesaurus

Ein Thesaurus bzw. Wortnetz ist in der Dokumentationswissenschaft ein kontrolliertes Vokabular, dessen Begriffe durch Relationen miteinander verbunden sind. Die Bezeichnung wird gelegentlich auch für linguistische Thesauri oder wissenschaftliche Wortschatz-Sammlungen verwendet. Der Ausdruck „Thesaurus“ stammt aus dem Griechischen (thesauros für Schatz, Schatzhaus) bzw. aus dem Lateinischen.

Thesaurus

Als Thesaurus bezeichnet man ein Modell, das versucht, ein Themengebiet genau zu beschreiben und zu repräsentieren. Es besteht aus einer systematisch geordneten Sammlung von Begriffen, die in Beziehung zueinander stehen. Der Thesaurus ist ein kontrolliertes Vokabular (Attributwertebereich) für das jeweils zu beschreibende Attribut. Es werden in erster Linie Synonyme, aber auch Ober- und Unterbegriffe verwaltet. Beispiel: Bildnis (Synonym: Abbild, Bild, Spiegelbild), Tischler (Oberbegriff: Handwerker)

Thesaurus zur Dokumentation

In der Dokumentationswissenschaft hat sich der Thesaurus als geeignetes Hilfsmittel zur Sacherschließung und zum Auffinden von Dokumenten erwiesen. Dabei dienen Relationen zwischen den einzelnen Begriffen zum Auffinden bei der Indexierung (Vergabe von Schlagworten) und bei der Recherche. Im Gegensatz zu einem linguistischen Thesaurus enthält ein Thesaurus zur Dokumentation ein kontrolliertes Vokabular, d.h. eindeutige Benennungen (Deskriptoren) für jeden Begriff. Unterschiedliche Schreibweisen (Photo/Foto), Synonyme bzw. als gleichbedeutend behandelte Quasi-Synonyme, Abkürzungen, Übersetzungen etc. werden durch Äquivalenzrelationen miteinander in Beziehung gesetzt. Begriffe werden außerdem durch Assoziationsrelationen und hierarchische Relationen vernetzt. Der Thesaurus dient als Dokumentationssprache zum Indexieren, Speichern und Wiederauffinden von Dokumenten. Die Relationen ermöglichen es, bei der Indexierung und Recherche passende Benennungen für gesuchte Begriffe zu finden. Bei der Suche können Thesauri durch die automatische Erweiterung der Suchanfrage durch Synonyme und Unterbegriffe hilfreich sein. Ein Thesaurus kann damit auch allgemein zur Begriffsklärung dienen und hat im besten Fall die Funktion einer Normdatei inne. Im Gegensatz zu einer monohierarchischen Tabelle oder Datenbank kann der Thesaurus eine polyhierarchische Struktur besitzen (d.h. ein Unterbegriff kann mehrere Oberbegriffe haben). Die Thesaurusnormen DIN 1463-1 bzw. das internationale Äquivalent ISO 2788 sehen folgende Relationsarten und dazugehörige Abkürzungen vor: Die häufigsten Relationen in einem Thesaurus sind Äquivalenz-, Assoziations- und hierarchische Relationen. In der Regel wird ein Element einer Äquivalenzrelation, also eine Benennung, als Vorzugsbenennung festgelegt. Die Nicht-Vorzugsbenennungen erhalten einen Verweis auf die ihnen äquivalente Vorzugsbenennung. :Beispiel: ::Fahrzeug verweist auf die Unterbegriffe LKW und PKW. ::Auto verweist auf die Vorzugsbenennung PKW und mit einer Assoziationsbeziehung („siehe auch“) auf LKW. Siehe auch: semantisches Netz

Thesaurus als Sammelwerk

Früher verstand man unter einem Thesaurus ein wissenschaftliches Sammelwerk mit dem gesamten Wortschatz einer Sprache. Bekannt sind unter anderem der Thesaurus Linguae Graecae und der Thesaurus Linguae Latinae. Bei diesen Werken handelt es sich genaugenommen um Wörterbücher.

Linguistische Thesauri

In einem linguistischen Thesaurus sind statt Begriffen Wörter ähnlicher und verwandter Bedeutung durch Verweise verknüpft. Diese Art von lexikalisch-semantisch organisiertem Nachschlagewerk kann unter anderem als Formulierungshilfe benutzt werden. Es gibt Nachschlagewerke dieser Art in gedruckter Form (z.B. DUDEN Band 8, Sinn- und sachverwandte Wörter) oder in elektronischer Form, hier zumeist als Hintergrundressource von Textverarbeitungsprogrammen.

Beispiele


- Getty Thesaurus of Geographic Names
- UNESCO Thesaurus
- INFODATA Thesaurus

Siehe auch


- Terminologische Datenbank, Kontrolliertes Vokabular

Weblinks


- http://www.openthesaurus.de/ - OpenThesaurus (Projekt zur Erstellung eines deutschsprachigen linguistischen Thesaurus)
- [http://europa.eu.int/celex/eurovoc/cgi/sga_doc?eurovoc_dif!SERVEUR/menu!prod!MENU&langue=DE eurovoc] - Ein mehrsprachiger Thesaurus, der sämtliche Tätigkeitsbereiche der Europäischen Gemeinschaften abdeckt.
- [http://www.drze.de/BELIT/thesaurus/index_html?la=de Thesaurus Ethik in den Biowissenschaften] - dreisprachig (deutsch, englisch, französisch), online zugänglich
- Standard-Thesaurus Wirtschaft [http://www.hwwa.de/Ueberblick/Organisation/Abteilungen/Thesaurus/Standard-Thesaurus-Wirtschaft1.htm]
- http://www.din.de/ - Deutsches Institut für Normung e.V.
- http://www.bluerider.com/randomwordservice.php - free online thesaurus
- http://wortschatz.uni-leipzig.de/ - Wortschatz-Lexikon der Uni Leipzig
- http://thesaurus.reference.com/ - Thesaurus.com, Synonym- und Antonymlexikon (auf Englisch)
- http://www.m-w.com/thesaurus.htm - Merriam-Webster Online Thesaurus, Synonym- und Antonymlexikon (auf Englisch)
- [http://www.woerterbuch.info/ woerterbuch.info] - Deutsch-Englisch Wörterbuch, Thesaurus-/Synonym-Datenbank
- [http://aiksaurus.sourceforge.net/ aiksaurus] - Englisches Thesaurus-Programm Kategorie:Dokumentationssprache Kategorie:Bibliothekswissenschaft ja:シソーラス

Semiotisches Dreieck

Mit der Bezeichnung semiotisches Dreieck verweist man in der Sprachwissenschaft auf einen wichtigen Sachverhalt der Semiotik.

Das semiotische Dreieck bei Aristoteles

Bei Aristoteles ist ein Zeichen (semeion, damit meint er ein Wort) ein Symptom für eine Seelenregung, d.h. für etwas, das der Sprecher sich vorstellt. Diese Vorstellung des Sprechers ist dann ein Ikon für ein Ding. Dies sind für ihn die primären Zeichenrelationen (rot in der untenstehenden Figur). Davon abgeleitet ist die sekundäre Zeichenrelation (schwarz in der Figur). 200px Das Semiotische Dreieck bei Aristoteles

Spätere Interpretationen

Spätere Interpretationen halten daran fest, dass zwischen dem Wort (der Zeichenform, d.h. dem Schriftbild oder dem Lautbild) und dem Bezeichneten im Allgemeinen keine direkte Beziehung besteht. Die Beziehung wurde irgendwann willkürlich festgelegt. Diese Beziehung bezeichnet man dann als Bedeutung (oder Begriff). Referent /\ / \ / \ / \ / \ Signifikant ---------- Signifikat Signifikant / Signifikand: Das Bezeichnende. Signifikat: Das Bezeichnete In der Sprachphilosophie der Scholastik finden sich Überlegungen zum Dreierschema res (Gedanken, Begriff), intellectus, vox (Wortzeichen). In der Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts tauchen verschiedene Dinge unter der Bezeichnung Semiotisches Dreieck auf. Die Ecken sind jeweils anders bezeichnet. Es geht aber immer um Abbildung und Interpretation. Die obenstehende Abbildung zeigt eine mögliche Fassung. Die unterschiedlichen Definitionen von elementaren Begriffen bei den verschiedenen Autoren erschweren den Diskurs erheblich. Es folgt eine Aufzählung anderer Varianten: Oben könnte auch stehen:
- Interpretant (Peirce)
- Referenz (Odgen-Richards)
- Sinn (Frege)
- Intension (Carnap)
- Designatum (Morris, 1938)
- Significatum (Morris, 1946)
- Begriff (Saussure)
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