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Berber

Berber

Berber (Eigenbezeichnung Imazighen für "Freie") ist ein Oberbegriff für eine Reihe von Gemeinschaften in Nordafrika, die eine berberische Sprache sprechen. Der Name Berber leitet sich ursprünglich vom griechischen/römischen Wort für Barbar oder vom Namen eines (mythischen) Stammesvaters beru-borr ab (in der Antike ist der Ausdruck "Barbar" als Bezeichnung für die Völker Nordafrikas nicht belegt).

Herkunft

Barbar Über die Herkunft der Berber/Imazighen ist kaum etwas bekannt. Sie gelten heute als indigenes Volk Nordafrikas. Als ihre Vorgänger gelten die Numider, Garamanten und Libyer. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot erwähnte sie in seinen Geschichten. Des Weiteren ist zu erwähnen, dass die Imazighen bzw. Berber als europide Bevölkerung Nordafrikas definiert werden (nach Brockhaus, Auflage 2004), was die Frage über deren Ursprung weiter verschleiert und andere Spekulationen ins Auge fasst - zumindest wenn der Begriff europid nicht nur gebraucht wird zur Unterscheidung der Berber von der negriden Bevölkerung Afrikas.

Sprache

Berber oder Imazighen (Amazigh) sind eine semitisch-hamitische (Afroasiatische Sprachen) Sprach- und Völkergruppe in Nordafrika, den Kanaren (Guanchen) und West-Ägypten. Die Mehrheitsbevölkerung Algeriens, Marokkos und Tunesiens ist berberischer Herkunft. Berber gibt es auch in Libyen, Mauretanien, Ägypten und einigen westafrikanischen Staaten, vor allem im Niger, Tchad und Mali (Tuareg).

Kultur

Die Berber sind mutterrechtlich organisiert. Mit Ausnahme der Tuareg sind die Berber sesshaft. Das berberische Nomadenvolk der Tuareg hat eine eigene, aus dem sumerischen entwickelte Schrift, das Tifinagh. Die Berber besitzen einen eigenen Kalender, der fast ganz in Vergessenheit geraten ist. Ihre Zeitrechnung fängt um 950 v. Chr. an. Dieses Datum entspricht der Thronbesteigung eines "Berberkönigs", Scheschonq I. (Libyer, altägyptisch "libu"), in Ägypten (dieser gründete die Dynastie der Bubastiden, nach ihrer Hauptstadt Stadt Bubastis im Nildelta genannt) Die vielfältige Musik der Berber unterscheidet sich sehr von der arabischen. Siehe auch: Kabylen, Rifkabylen, Mauren, Mozabiten, Tuareg, Kabylische Sprache, Siwi, Arudj, Korsaren, Cheir ed-Din Barbarossa

Weblinks


- http://www.mondeberbere.com/ dreisprachig, mit Teilen auf Deutsch
- http://www.congres-mondial-amazigh.org/ Congrès Mondial Amazigh (in französischer Sprache) Kategorie:Afrikanische Ethnie

Nordafrika

Als Nordafrika bezeichnet man das Gebiet des afrikanischen Kontinents Afrika, das nördlich der Wüste Sahara liegt. Es umfasst die Maghrebstaaten und Ägypten und manchen Definitionen zufolge auch den Sudan. Die Sprache ist arabisch und die Bevölkerungsmehrheit hellhäutig. Kontakte zwischen Nord- und Schwarzafrika beschränkten sich, auf Grund der Schwierigkeiten, die Wüste zu durchqueren, fast ausschließlich auf den Handel entlang der Ost- und Westküste des Kontinents und das Befahren des Nils. Dies blieb bis nach der arabischen Expansion und der Ausbreitung des Islam der Fall. Obwohl die nordafrikanische Kultur wie auch seine Einwohner sowohl afrikanische als auch mittelöstliche Wurzeln hat, sind die meisten Nordafrikaner entweder arabisch oder berberisch sprechende Moslems (und nur im Falle der Kopten, Christen). Manche nordafrikanische Länder, vor allem Ägypten und Libyen, werden politisch oft zum Nahen Ostens gezählt, wegen der intensiven Kontakte mit diesem. Zudem gehört die Sinai-Halbinsel (Teil Ägyptens) zu Asien und ist unumstrittener Teil des Nahen Ostens. Sinai-Halbinsel

Staaten Nordafrikas


- Ägypten (Hauptstadt Kairo)
- Algerien (Hauptstadt Algier)
- Libyen (Hauptstadt Tripolis)
- Marokko (Hauptstadt Rabat)
- Sudan (Hauptstadt Khartum)
- Tunesien (Hauptstadt Tunis)
- Demokratisch-arabische Republik Sahara (DARS) (ehem. Westsahara) (Hauptstadt El Aaiun, unter marokkanischer Verwaltung) Manchmal werden Äthiopien, Eritrea und Mauretanien ebenfalls als Teil dieser Region angesehen. Gewöhnlich sind aber Eritrea und Äthiopien ostafrikanische und Mauretanien ein westafrikanischer Staat.

Geschichte

Vorgeschichte

Epipaläolitische Fundstellen sind in Nordafrika selten, viele wurden vermutlich durch den steigenden Meeresspiegel vernichtet. In der Höhle von Haua Fteah (Libyen, Kyrenaika) fanden sich die Reste von wilden Schafen, Auerochsen und Gazellen. Schafknochen stammen auch aus der Höhle von Hagfet ed-Dabba. Aus Fundorten im Maghreb stammen Mahlsteine und Klingen mit Sichelglanz. Aus der Zeit des klimatischen Optimums im frühen Holozän stammen mesolithische Fundstellen mit Knochenharpunen, Mikrolithen und Mahlsteinen. Fische, Muscheln und Schnecken, Krokodile, Süßwasserschildkröten und Flusspferde wurden zur Ernährung genutzt, Knochen von Antilopen und Wildrindern zeigen, dass man auch in der Savanne jagte. In der Sahara wurden wilde Gräser wie Hirse gesammelt, in Nordafrika auch Früchte und Wurzelknollen. Keramik tritt hier sehr früh auf und ist nicht an eine voll-neolithische Wirtschaftsweise gebunden. Fundstellen im östlichen Hoggar in Libyen belegen die Jagd vor allem auf Wildschafe. Ab dem 7. Jahrtausend sind Strukturen wie Pferche und Windschirme belegt, zum Beispiel aus der Höhle von Uan Afuda. Hier fand sich auch mit Wellenlinien verzierte Keramik. Schafkoprolithen mit zerquetschen Samen belegen eine absichtliche Fütterung und daher wohl auch Stallhaltung morphologisch wilder Schafe. Auch wilde Hirse (Panicum und Setaria) wurde nachgewiesen. Aus dem 5. Jahrtausend sind eindeutige Belege domestizierter Rinder bekannt (Ti-n-Torha, Uan Muhuggiag, Aures, Amekni und Meniet in Algerien, Adrar Bous und Arlit im Niger), daneben wurde auch noch gejagt und Gräser und Wurzelknollen gesammelt. Auch Felsbilder stellen solche domestizierten Tiere dar. Sie stammen vor allem aus dem mittleren Holozän, als die Viehzucht immer bedeutender wurde. Felsbilder in der Sahara zeigen teilweise Menschen mit schwarzer Hautfarbe. Ob es sich dabei um die "Urbevölkerung" der Sahara handelt, ist unklar. J. D. Clark (1962, 1964) brachte den Anfang des Ackerbaus in Nordafrika mit einer Einwanderung relativ weniger Menschen aus dem Vorderen Orient über das dem Niltal ca. 4000 v. Chr. in Verbindung. Die Ausbreitung ins Sahel, ausgelöst durch zunehmende Austrocknung, setzt er um 2000 v. Chr. an. Aus Marokko sind Funde der neolithischen Cardial-Kultur bekannt, die auch an den Küsten Italiens, Frankreichs und Spaniens gefunden wurde. Intensiver Ackerbau ist erst seit dem ersten Jahrtausend bekannt, als in den Oasen des südwestlichen Libyens eine dichtere Besiedlung nachzuweisen ist, und Ackerbau mit unterirdischen Bewässerungskanälen (foggara) betrieben wurde. Dies ist vermutlich mit den Garamanten zu verbinden, die aus den Werken des griechischen Schriftstellers Herodot bekannt sind.

Historische Überlieferungen

Die uns geläufige Geschichte Nordafrikas fängt sicherlich mit der Geschichte des Alten Ägyptens an, ist verbunden mit der Geschichte Karthagos und setzt sich fort mit den Eroberungen durch das Römische Reich. Anschließend ließe sich noch etwas über die Wandalen und einige andere Völker berichten, die im Zuge der Völkerwanderung über die Straße von Gibraltar bis nach Nordafrika vorgedrungen und auch hier geblieben waren.

Mittelalter

Nach 632, dem Tod Mohammeds, geriet Nordafrika sehr schnell unter islamischen Einfluss.

Neuzeit

In der frühen Neuzeit kam der Großteil des Gebietes, mit Ausnahme von Marokko und dem Innern der Sahara unter die lockere Kontrolle des Osmanischen Reichs. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde es von Frankreich, Großbritannien, Spanien und Italien besetzt.

Klimaentwicklung

Das Pleniglazial um 18.000 BP war in Nordafrika durch extrem trockene Bedingungen gekennzeichnet. Man geht davon aus, dass die mittlere Temperatur bis zu 9° niedriger war als heute. Die Sahara erstreckte sich 500 km weiter südlich als heute. Das Innere der Wüste wurde unbewohnbar, und die dort ansässigen Jäger und Sammler zogen in feuchtere Gegenden, wie dem Niltal. Am Übergang zum Holozän wanderte der Monsun-Gürtel rasch nach Norden. Dadurch wurde das Klima in Nordafrika plötzlich deutlich feuchter, und zwar feuchter als heute. Schätzungen liegen zwischen 5 und 15x feuchter als heute. Die Seespiegel waren deutlich höher als im Moment. Im mittleren Holozän wurde das Klima zunehmend trockener, obwohl es auch einige feuchtere Klimaperioden gab.

Siehe auch:


- Afrika, Maghreb, Capsien

Quellen


- Graeme Barker, Transitions to farming and pastoralism in North Africa. In: Peter Bellwood/Colin Renfrew, Examining the farming/language dispersal hypothesis (Cambridge 2002) 151-160.
- J. D. Clark, The spread of food production in Sub-Saharan Africa. Journal of African History 3, 1962, 211-228.
- S. di Lernia/G. Manzi (Hrsg.), Before food production in North Africa (Forlí 1998).

Literatur

S. Faath (Hrsg.): Demokratie und Menschenrechte in Nordafrika. Hamburg (1992) Kategorie:Nordafrika ja:北アフリカ ko:북아프리카

Barbar

Der Barbar (griech. βάρβαρος, lautmalerisch, wie etwa „blah blah“) war in den Augen der alten Griechen ein Angehöriger eines nichtgriechischen Volkes. Die Sammelbezeichnung Barbaren (bárbaros, Plural bárbaroi) war für alle Nichtgriechen bestimmt, für Völker, die nicht Griechisch sprachen oder auch nicht die Olympischen Götter verehrten. Sie musste durchaus nicht Verachtung ausdrücken, abzulesen bei Homer am Vorbildcharakter des trojanischen (also „barbarischen“) Helden Hektor in der Ilias, bei Aischylos (Die Perser) in deren menschlicher Würdigung. Im antiken Rom übernahm man die Bezeichnung „Barbar“ dann für alle Menschen ohne die klassische, griechisch-römische Bildung. Obwohl die Römer die Griechen endlich besiegt hatten, hielten sie viel von deren Kultur und Bildung, die Griechen waren in den römischen Familien (z. B. der Scipionen) als Erzieher beschäftigt (vgl. Polybios), und die griechische Philosophie und Bildung wurde auch im Römischen Reich hoch geehrt, auch wenn man nicht immer nach ihren Idealen handelte. Für Menschen aus anderen Kulturkreisen verwendete man die Pauschalbezeichnung Barbaren, einen Bürger von Rom "barbarus" zu nennen, war aber bereits eine grobe Beleidigung. Heute gilt die Bezeichnung Barbar hauptsächlich für ungeschliffenes, unzivilisiertes und kulturloses Verhalten, mit dem einen Sprache, Kultur, Ethnie, Bildung eben nicht verbinden. Etwa ähnlich verwendet und oft mit „Barbarei“ verwechselt wird die Bezeichnung: Vandale. Siehe auch: Barbarei, Barbara ja:野蛮

Indigene Völker

Indigene Völker ist eine relativ junge Lehnübersetzung, wahrscheinlich vom spanischen Pueblos indígenas und bezeichnet Gemeinschaften von Ureinwohnern einer Region oder eines Landes. Der Ausdruck "Indigene Völker" hat in Lateinamerika als Sammelbezeichnung für alle Nachkommen der vorkolumbianischen Bevölkerung die auf Kolumbus' Verwechslung mit Indien beruhenden Begriffe Indios/Indianer ersetzt. In internationalen politischen Kontexten ist "Indigene Völker"/"Indigenous Peoples"/"Pueblos Indígenas" die übliche Sammelbezeichnung für Ureinwohnervölker aller Kontinente, während im nationalen Rahmen oft andere Sammelbegriffe verwendet werden (z.B. Aborigines, Native Americans, First Nations, Adivasi).

Definition

Die heute meistgebrauchte Definition dieses Begriffs geht auf UN-Sonderberichterstatter José Martínez-Cobo zurück, der diesen 1986 in seiner grundlegenden Studie über Diskriminierung gegen Indigene Völker (UN-Dokument Nr. E/CN.4/Sub.2/1986/87) an vier Kriterien knüpfte. Der hier gewählte Wortlaut weicht leicht von der Cobo-Definition ab und orientiert sich an der weiter präzisierten Fassung von Erika-Irene Daes, der langjährigen Vorsitzenden der WGIP. (Siehe: Working Paper by the Chairperson-Rapporteur, Mrs. Erica-Irene A. Daes, on the concept of indigenous people[http://www.unhchr.ch/Huridocda/Huridoca.nsf/(Symbol)/E.CN.4.Sub.2.AC.4.1996.2.En?Opendocument]):
- Zeitliche Priorität in Bezug auf die Nutzung oder Besiedlung eines bestimmten Territoriums: Indigene Völker sind relativ die "ersten" Bewohner eines Gebiets.
- Die freiwillige Bewahrung kultureller Besonderheit (voluntary perpetuation of cultural distinctiveness), die die Bereiche Sprache, Gesellschaftsorganisation, Religion und spirituelle Werte, Produktionsweisen und Institutionen betreffen kann: Indigene Völker sind kulturell deutlich von der dominierenden Gesellschaft unterschieden.
- Selbstidentifikation und Anerkennung durch andere als eine distinkte Gemeinschaft: Die Betroffenen müssen selbst mehrheitlich der Ansicht sein, dass sie einer distinkten Gruppe (einem Volk) angehören und dass dieses als "indigen" anzusehen ist. Gleichzeitig muss diese Ansicht von anderen, etwa von Angehörigen anderer indigener Völker in nennenswertem Umfang geteilt werden.
- Eine Erfahrung von Unterdrückung, Marginalisierung, Enteignung, Ausschluss oder/und Diskriminierung, wobei diese Bedingungen fortbestehen oder nicht: Der Grad der heute fortbestehenden Unterdrückung kann höchst unterschiedlich sein - von struktureller Benachteilung bei Aufstiegsmöglichkeiten bis hin zu Zwangsvertreibung und Ausrottung. Als Gruppe erfahrene Unterdrückung ist in jedem Fall konstitutiv für das politische Selbstverständnis indigener Völker. Diese vier Kriterien müssen nicht immer in gleicher Weise zutreffen, sondern es handelt sich hierbei um eine Arbeitsdefinition, die die Mehrzahl der Fälle angemessen beschreibt. Ein exklusive, "harte" Definition des Begriffs "Indigene Völker" kann und soll es nach Ansicht ihrer Vertreter, die aber auch von der UNO-Arbeitsgruppe über indigene Bevölkerungen geteilt wird, nicht geben. (Siehe: Working Paper by the Chairperson-Rapporteur, Mrs. Erica-Irene A. Daes, on the concept of "indigenous people"[http://www.unhchr.ch/Huridocda/Huridoca.nsf/(Symbol)/E.CN.4.Sub.2.AC.4.1996.2.En?Opendocument]) Es kann immer Fälle geben, in denen das Konzept "indigen" Anwendung findet, obwohl einzelne Kriterien nicht bzw. nicht mehr zutreffen. So kann die Selbstidentifikation als "indigen" fortdauern, auch wenn die erlittene Marginalisierung bereits (weitestgehend) überwunden ist, so etwa bei den Inuit Grönlands. Ein zentrales Element der Unterscheidung indigener Gemeinschaften von der nicht-indigenen Mehrheitsgesellschaft ist oftmals die besonders enge Bindung indigener Kulturen an ihr jeweiliges Territorium sowie die besonders enge Beziehung zu diesem, die zumeist auch spirituelle Dimension besitzt. (Siehe auch Indigenous Peoples and their Relationship to Land[http://www.unhchr.ch/Huridocda/Huridoca.nsf/(Symbol)/E.CN.4.Sub.2.2001.21.En?Opendocument], Arbeitspapier von Erika-Irene Daes, der früheren Vorsitzenden der WGIP.) Zentral zum Verständnis des Begriffs ist der Aspekt des Kollektivs. Indigene Völker existieren als Gesellschaften, nicht als bloße Ansammlung von Individuen. Somit sind die Forderungen nach indigenen Rechten überwiegend Forderungen nach Kollektivrechten.

Unterscheidung zu anderen Begriffen

Eingeborene

Die deutsche Übersetzung des Begriffs "indigen" lautet eingeboren. Wegen des kolonialen bzw. romantisierenden Beiklangs ist dieser Begriff jedoch belastet. (Eine weitere, bislang im Deutschen nicht eingebürgerte Variante der Übersetzung wäre "einheimisch", vgl. niederländ.
Inheemse Volken.)

Naturvölker

Der romantisierende Begriff Naturvolk wird im Deutschen oft synonym mit "Indigene Völker" verwandt. Dieser Begriff kennt keine englische Entsprechung und spielt daher international keine Rolle. Während indigen eine
politische Kategorie ist, rekurriert Naturvolk auf das romantische Ideal des Edlen Wilden, der in vollkommener Harmonie mit der Natur lebe. Dabei wird übersehen, dass auch "naturverbundene" menschliche Gemeinschaften stets auch Kultur hervorbringen. So sind beispielsweise auch die tropischen Regenwälder und die Tundren des russischen Nordens Kulturlandschaften, die durch indigene Völker geprägt wurden und werden. "Indigene Völker" bezieht sich zentral auf den Umstand der Diskriminierung und fordert die Realisierung und Respektierung von Menschenrechten ein. Für Anhänger des "Naturvolk"-Begriffs (im deutschsprachigen Raum etwa der Verein Freunde der Naturvölker e.V.[http://naturvoelker.org]) stehen dagegen Menschenrechte nicht im Vordergrund, sondern sie streben die Konservierung einer vermeintlich oder tatsächlich naturnahen, nicht-technisierten Lebensweise an, was die Gefahr des Paternalismus birgt. Wenn sie nach technischen Errungenschaften oder europäischer Bildung streben, begehen "Naturvölker" nach dieser Überzeugung Verrat an sich selbst. Dagegen impliziert das Konzept "indigene Völker" zuallererst das Recht der Betroffenen, selbst über die eigene Entwicklung zu bestimmen, unabhängig davon, ob das Resultat dem Klischee vom Edlen Wilden entspricht, oder nicht.

Nationale Minderheiten/Volksgruppen

Vertreter indigener Völker legen großen Wert auf die Unterscheidung zwischen nationalen Minderheiten bzw. Volksgruppen und "indigenen Völkern". Zu den wichtigsten Unterscheidungsmerkmalen gehören die spezifische Bindung indigener Völker an ihre jeweiligen Territorien, der Umstand der politischen und ökonomischen Marginalisierung, sowie der größere kulturelle und soziale Abstand zur jeweiligen Mehrheitsgesellschaft. Eindeutig um nationale Minderheiten handelt es sich bei Angehörigen einer Ethnie, die in einem anderen Staat die Titularnation stellt, also etwa Ungarn in Rumänien, Dänen in Schleswig-Holstein, Serben in Kroatien oder Polen in Litauen. Gleichzeitig werden aber auch Bevölkerungsgruppen ohne ein solches "Mutterland" oft als "nationale Minderheiten" und keineswegs als "indigene Völker" eingestuft, so etwa Bretonen in Frankreich oder Sorben und Friesen in Deutschland. Im letzteren Fall hängt die Unterscheidung zwischen Minderheit und indigenem Volk wesentlich von ökonomischen und kulturellen Faktoren sowie insbesondere von der Selbsteinschätzung der Betroffenen ab. So haben Vertreter der Sorben eine Selbstidentifikation als "indigen" stets abgelehnt.

Stammesvölker

Der Terminus Stammesvölker wird von der britischen Organisation Cultural Survival bevorzugt und ist in der Praxis zumeist deckungsgleich mit "indigene Völker". Der letztere Terminus hat jedoch den Vorteil, genauer und umfassender definiert und nicht an eine bestimmte Form der Sozialorganisation gebunden zu sein.

Autochthone Völker

Der Begriff "Autochthonen Völker" ist ein Synonym zu "indigene Völker", das v.a. im Französischen häufiger verwendet wird ("peuples autochtones").

Konfliktfelder

Land- und Ressourcenkonflikte

Da viele indigene Völker in enorm ressourcenreichen Gebieten der Erde leben, sind Konflikte, v.a. um Landnutzung und -rechte, ein generelles Problem dieser Völker. Ein Großteil der Uran-, Erdöl-, Gold- und Kohleförderung der Erde findet in den Gebieten indigener Völker statt. Ähnliches gilt für einen großen Teil der Atomtests der letzten Jahrzehnte, für Atommüllendlager und Großstaudämme. Dabei ziehen die Aktivitäten transnationaler Konzerne oftmals Militarisierung, Gewalt und bewaffnete Konflikte nach sich, so etwa auf der zu Papua-Neuguinea gehörenden Insel Bougainville, bei der ein Bürgerkrieg um eine Kupfermine des Konzerns Rio Tinto etwa 10 000 Menschen das Leben kostete. Für eine allgemeine Analyse
siehe auch das Arbeitspapier Indigenous Peoples and Conflict Resolution[http://www.ohchr.org/english/issues/indigenous/docs/wgip22/2.pdf ] von Miguel Alfonso Martínez, dem gegenwärtigen Vorsitzenden der UNWGIP

Der Streit um das kleine 's'

Der "Streit ums kleine 's'", also die Frage, ob es indigenous
peoples (Völker) oder nur indigenous people (Menschen) gibt, gehört zu den bis heute am heftigsten umkämpften Fragen. Aus diesem Grund heißt die zuständige UNO-Arbeitsgruppe bis heute Working Group on Indigenous Populations (UNWGIP) und nicht "Working Group on Indigenous Peoples". Ebenso heißt das von der UNO ausgerufene Jahrzehnt der Indigenen Völker offiziell "Decade of the World's Indigenous People" und ein neu eingerichtes UN-Gremium in New York, das ursprünglich den Namen "Permanent Forum on Indigenous Peoples" erhalten sollte, wurde letztendlich unter dem Namen "Permanent Forum on Indigenous Issues" (Ständiges Forum über indigene Angelegenheiten) begründet. Der ernsthafte Hintergrund dieses Streits ist, dass das Völkerrecht mit dem Begriff Volk weitreichende spezifische Rechte verbindet, zuallererst das Recht auf Selbstbestimmung, was die freie Verfügung über Land und Ressourcen einschließt. Da indigene Völker häufig in der ressourcenreichen Regionen leben, fürchten zahlreiche Regierungen, im Falle einer Anerkennung dieses Rechts, die Kontrolle über diese Bodenschätze zu verlieren. Weiterhin besteht in Ländern, wo gewaltsame Konflikte zwischen Regierungen und indigenen Völkern stattfinden, mitunter die Befürchtung einer Sezession der letzteren. Historisch gibt es jedoch zahlreiche Beispiele dafür, dass Kolonialmächte indigene Völker als souveräne Rechtssubjekte anerkannt haben. Dies dokumentieren zuallererst zahlreiche historische Verträge, die etwa zwischen der englischen oder spanischen Krone oder der US-Regierung und indigenen Völkern in Nordamerika abgeschlossen wurden.

Forderungen indigener Völker

Zentrale Forderung der meisten Organisationen indigener Völker ist die verbindliche und uneingeschränkte Anerkennung ihrer Menschenrechte, beginnend mit dem Recht auf Selbstbestimmung, wie es in den ersten Artikeln der Internationalen Pakte über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte sowie über bürgerliche und politische Rechte, also der beiden wichtigsten völkerrechtlich verbindlichen Menschenrechtsdokumente ausdrücklich anerkannt wird. Dabei ist
Selbstbestimmung keineswegs gleichbedeutend mit Sezession und der Gründung eines eigenen Staates, sondern es geht um die prinzipielle Anerkennung eines Rechts. In Fällen, wo z.B. transnationale Konzerne große industrielle Vorhaben (z.B. Bau von Großstaudämmen, Erdöl- oder Uranförderung, Atomtests, Entsorgung von Giftmüll) auf von indigenen Völkern genutzten oder bewohnten Territorien planen, fordern indigene Völker, dass dies nur nach einer Freien, Vorherigen und Informierten Zustimmung ([http://www.ohchr.org/english/issues/indigenous/docs/wgip22/4.pdf Free, Prior and Informed Consent]) geschehen darf. In einigen Ländern ist die Forderung nach Free, Prior and Informed Consent bereits gesetzlich verwirklicht, so etwa auf den Philippinen. Auf der Ebene des internationalen Rechts lauten die wichtigsten Forderungen: Verabschiedung der Erklärung der Rechte der Indigenen Völker sowie die Ratifierung des Übereinkommens Nr. 169[http://www.ilo169.de/index.php?option=content&task=view&id=20&Itemid=31] der Internationalen Arbeitsorganisation.

Indigene Völker weltweit

Die Gesamtzahl der Angehörigen der indigenen Völker der Erde wird auf etwa 350 Millionen Menschen geschätzt. Dabei existieren v.a. in Asien und Afrika erhebliche Unsicherheiten. Denn in diesen beiden vormals fast vollständig kolonisierten Kontinenten stellen sich zahlreiche Regierungen auf den Standpunkt, dass die gesamte Bevölkerung gleichermaßen
indigen sei, wobei sie jedoch übersehen, dass "echte" indigene auch in einer postkolonialen Ära oftmals einer fortdauernden Unterdrückung ausgesetzt sind, von der die Mehrheit nicht mehr betroffen ist. Indigene Völker werden daher oft auch als innere Kolonien oder Vierte Welt bezeichnet. Siehe auch:
- Liste indigener Völker
- Indigene Völker Südamerikas
- Indianer Nordamerikas
- Indigene Völker Mittelamerikas und der Karibik
- Indigene Völker Europas
- Indigene Völker Afrikas
- Indigene Völker Asiens
- Indigene Völker Australien-Ozeaniens

Siehe auch


- Ethnische Minderheit
- Ethnos
- Volksstamm
- Ureinwohner
- Naturvolk
- Arbeitsgruppe über Indigene Bevölkerungen
- Menschenrechte

Weblinks


- [http://www.infoe.de/ Institut für Ökologie und Aktions-Ethnologie e.V. (infoe)]
- [http://www2.gtz.de/indigenas/deutsch/einleitung/index.html GTZ: Wer sind indigene Völker?]
- [http://www.ilo169.de/ Kampagne zur Ratifizierung der ILO-Konvention 169 über indigene Völker]
- [http://www.speaking4earth.com/ Speaking 4 Earth] - Menschenrechtsportal des Netherlands Centre for Indigenous Peoples
- [http://www.iwgia.org/ International Work Group on Indigenous Affairs (IWGIA)]
- [http://www.cwis.org/ Centre for World Indigenous Studies]
- [http://www.pygmies.info/ Indigene Völker Afrikas]
- [http://www.hrusa.org/indig/ Indigenous Peoples' Human Rights Project]
- [http://www.oew.org/de/aktuellesartikel.php?id=227 Eine Definition (Quelle: OEW)]
- [http://www.oew.org/de/aktuellesartikel.php?id=228 Ein gut gehütetes Geheimnis: Die UN-Dekade der Indigenen Völker - ein relatives Scheitern, eine Dekade der Rhetorik? (Quelle: OEW)] ! als:Ureinwohner ja:先住民 nb:Urfolk


Numider

Numidien; Landschaft in Nordafrika, die weite Teile der heutigen Staaten Tunesien und Algerien umfasst. Herrscher:
- Massinissa 201-148 v. Chr.
- Micipsa 148-118 v. Chr.
- Adherbal 118-112 v. Chr.
- Hiempsal 118-117 v. Chr.
- Jugurtha 112-105 v. Chr.
- Gauda 105- v. Chr.
- Iuba I. 60-46 v. Chr. Numidien wurde in der Antike vom Berbervolk der Numider bewohnt. Durch den Aufstieg von Karthago wurden die Numider von den Küstengebieten abgedrängt. Erst am Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. kam es, während des 2. Punischen Kriegs, unter Massinissa zur Bildung des Königreichs Numidien, welches das Hinterland von Karthago beherrschte und im Westen an das Königreich Mauretanien angrenzte. Nach dem Tod seines Sohnes Micipsa wurde das Reich von den Römern unter den Söhnen Adherbal und Hiempsal sowie Jugurtha geteilt. Dies führte zu heftigen Machtkämpfen und zu Kriegen mit der Römischen Republik (Jugurthinischer Krieg). Während des 1. Jahrhunderts v. Chr. stand Numidien unter römischer Vorherrschaft. Der letzte numidische König Iuba I. (60-46 v. Chr.) griff auf der Seite von Pompeius in den Römischen Bürgerkrieg ein, wurde aber von Caesar 46 v. Chr. in der Schlacht bei Thapsus besiegt und beging Selbstmord. Numidien wurde als Provinz in das Römische Reich eingegliedert.

Siehe auch


- Titularbistum Germania in Numidia

Literatur


- Die Numider : Reiter u. Könige nördlich der Sahara (Katalog zur Ausstellung in Bonn 1979/1980) Kategorie:Historisches Territorium Kategorie:Maghreb Kategorie:Geschichte (Algerien) Kategorie:Geschichte Tunesiens ja:ヌミディア

Garamanten

Die Garamanten sind ein im Fessan ansässiges antikes Volk der Berber. Sie besiedelten spätestens seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. das Innere Libyens im heutigen Fessan um den Hauptort Garama (Djerma nördlich von Murzuk). Durch die Pferdezucht und die Nutzung von Streitwagen konnten sie die umliegenden Völker unterwerfen. Von den Garamanten existieren auch Felszeichnungen in der Sahara. Im 1. Jahrhundert v. Chr. kam es zu Kämpfen mit den Römern, welche unter Prokonsul Cornelius Balbus in die Sahara vordrangen und die Hauptstadt Garama zerstörten (20-19 v. Chr.). Zwar kam es in der Folgzeit weiter zu vereinzelten Kämpfen, doch wurde die militärische Überlegenheit der Römer am Ende des 1. Jahrhunderts anerkannt. Auch wenn die Nachrichten mit dem Niedergang des Römischen Reichs nachlassen, scheint das Reich der Garamanten noch bis ins 7. Jahrhundert existiert zu haben. Es fiel erst den Vorstößen der muslimischen Araber in den Fessan zum Opfer. Die Garamanten beherrschten den frühen Transsaharahandel zwischen der Mittelmeerküste Libyens und dem Tschadsee. Gehandelt wurden vor allem Sklaven, Elfenbein und Häute gegen Luxuswaren. Herodot berichtet von der Reise einiger Berber vom Stamm der Nasomonen von der Cyrenaika durch die Sahara bis ins Land der Schwarzen (wohl in die Gebiete des Niger). Nachfahren der Garamanten sollen die Tuareg der zentralen Sahara sein.

Literatur


- Libyen, J. Willeitner, Dumont Kunst Reiseführer, 2001 Kategorie:Historische Ethnie Kategorie:Libyen

Herodot

Herodot von Halikarnassos (griech.: Ηροδοτος Herodotos; ca.
- 484 v. Chr. - † 425 v. Chr.) war ein griechischer Historiker, Geograf und Völkerkundler. Er wurde von Cicero (De leg. 1,5) zugleich als "Vater der Geschichtsschreibung" - pater historiae - und als Erzähler "zahlloser Märchen" - innumerabiles fabulae - bezeichnet.

Leben

Herodot (gr. Herodotos, lat. Herodotus) wurde in Halikarnassos in Kleinasien, heute Bodrum/Türkei, geboren. Er unternahm eigenen Angaben zufolge lange Reisen nach Persien, Ägypten, Babylonien und zum Schwarzen Meer. Zeitweise lebte er auch in Süditalien in Thurioi, an dessen Gründung er mitbeteiligt war. ~447 v.Chr. kam er nach Athen, wo er wohl engen Kontakt zu großen Persönlichkeiten dieser Zeit pflegte. Dazu gehören Sophokles und Perikles.

Werk

Herodot schrieb eine Geschichte der Auseinandersetzung zwischen Griechen und Persern zu Beginn des 5. Jahrhundert v. Chr. (Perserkriege), die unter dem Titel Historien (gleichbedeutend mit: Erkundungen, Forschungen, s. a. Historien von Herodot) bekannt sind. Ursprünglich trug Herodot einzelne inhaltlich in sich geschlossene Abschnitte (so genannte logoi) einem Publikum vor. Seine Schriften wurden als eine neue Form der Literatur bald nach seiner Veröffentlichung anerkannt. Herodots Prosawerk ist zudem auf einem hohen literarischen Niveau verfasst worden, so dass sein Stil noch nachhaltigen Einfluss auf die zukünftige Geschichtsschreibung ausüben sollte. In den Historien befindet sich die Verfassungsdebatte, in der die einzelnen Staatsformen gegeneinander abgewogen werden. Sie haben bis heute eine wichtige Bedeutung in der Demokratieforschung (Herodot 3,80-84 [http://www.gottwein.de/Grie/hdt03080.htm]). Im Rahmen seiner Abhandlungen wird vor der Darlegung des Verlaufs der Perserkriege gleichsam als Bühne des Geschehens das Panorama der Länder und Völker der gesamten damals bekannten Welt aufgespannt. Damit leistete Herodot frühe Beiträge zur Völkerkunde. Herodot legt dar, wie eine Weltkarte seiner Meinung nach aussehen sollte, und verschafft uns somit Einblick in den Welthorizont der gebildeten Menschen seiner Zeit. Seine Beschreibung gehört zu den frühesten Anfängen der Kartografie. Vor Herodot gab es nur Chroniken und Epen als Formen der Geschichtsbeschreibung. Herodot war jedoch der Erste, welcher nicht nur die Vergangenheit registrierte, sondern sie zusätzlich als philosophisches Problem oder Forschungsprojekt behandelte, welche Kenntnisse des menschlichen Verhaltens ergeben konnte. Die Komposition der Historien folgt dabei meist weniger "wissenschaftlichen" Kriterien als vielmehr künstlerischen und philosophischen Überlegungen. Von Teilen der Forschung wird Herodot aber auch sehr kritisch gesehen. Ihm wurde vorgeworfen, nicht zwischen Mythen und historischen Ereignissen unterschieden zu haben, wobei als Gegenentwurf das Werk des Thukydides gelten könne; über die Frage, welchen Wert die Historien als Quelle haben, ist in der Forschung bis heute keine Einigung erzielt worden . Herodot unterscheidet in den Historien die Leitvorstellungen menschlicher Selbstwertsuche. Ungebundenem, bedenkenlosem Handeln, wie in der Rhampsinit-Geschichte, in der zwei Brüder in die Schatzkammer des Königs einbrechen und, um nicht entdeckt zu werden, der eine dem anderen den Kopf abschlägt, nachdem er in eine Falle getreten war aus der er sich nicht mehr befreien kann stellt er Bewusstsein für Verantwortung und Schuldbewusstsein (vgl. Gyges-Geschichte) gegenüber. Ein wichtiger Aspekt in den Historien ist auch die Hybris. Sie wird mit Nemesis, bei Schrankenübertretungen, oder Tisis, bei Unrecht, vergolten - diese Warnung vor Hochmut zieht sich wie ein Leitmotiv durch das gesamte Werk und richtet sich wohl an die Athener, deren Großmachtpolitik Herodot sehr kritisch bewertet. Er will seine Leser offenbar am Beispiel des gescheiterten Angriffs der Perser auf Griechenland davor warnen, einen ähnlichen Fehler zu begehen.

Herodot als Autor

In den Historien will Herodot persönlich historische Fakten ordnen, deuten, kausal verbinden und im Zusammenhang darstellen. Dies ist ein Aspekt des Kontrastes zwischen der rationalen Weltsicht Herodots und beispielsweise Homers archaischer Anschauung. Homer tritt als Erzähler göttlichen Wesen gegenüber zurück und lässt sie berichten: Proömium von Herodots Historien: Von Herodot aus Halikarnaß ist dieser Forschungsbericht, damit weder das, was durch Menschen entstanden ist, durch die Zeit ausstirbt, noch große und wunderliche Taten, die von Hellen und Barbaren ausgeführt wurden, ruhmlos werden, und aus welchem Grund sie gegeneinander kämpften. Proömium von Homers Ilias: Den Zorn singe, Göttin, des Peleus-Sohns Achilleus, Den verderblichen, der zehntausend Schmerzen über die Achaier brachte Und viele kraftvolle Seelen dem Hades vorwarf Von Helden, sie selbst aber zur Beute schuf den Hunden Und den Vögeln zum Mahl, und es erfüllte sich des Zeus Ratschluß... Proömium von Homers Odyssee: Den Mann nenne mir, Muse, den vielgewandten,….

Wichtige Zitate aus den Historien


- „Der Mensch ist Spielball des göttlichen Schicksals.“ (pan esti anthropos symphoré)
- „Der Mensch ist schicksalsverhaftet und sterblich und hat ein Bewusstsein dafür.“
- „Die Götter sind gänzlich neidisch und wankelmütig.“ (to theion pan phthoneron te kai tarachodes) :Zeugt von einer anthropomorphen Göttervorstellung, die dem subjektiven Empfinden eines Geschädigten entspringt. Der Mensch wird durch göttliche Eingriffe in Grenzen verwiesen => Erklärungssuche des Menschen für jedes Geschehen
- „Niemand wird so dumm sein, dass er Krieg statt des Friedens wählt.“ (oudeis gar huto anoétos esti, ostis polemon pro eirénés hairëetai)
- „Friedenspolitik ist Vernunftsache.“

Literatur

Werkausgaben


- Das Geschichtswerk des Herodot von Halikarnassos, Insel Verlag, Frankfurt, 2001, ISBN 3-45834-443-8
- Historien, Reclam Verlag, Ditzingen, 2002, ISBN 3-15018-221-2
- Gesamtausgabe (Buch I-IX) "Historien" von Herodot, ISBN 3520224046

Sekundärliteratur


- Bichler, Reinhold/Rollinger, Robert: Herodot, Hildesheim u. a. 2000. (Das derzeitige Standardwerk)
- Erbse, H.: Fiktion und Wahrheit im Werk Herodots, Göttingen 1991.
- Evans, James A. S.: Herodotus, explorer of the past. Three essays, Princeton 1991.
- Fehling, Detlev: Die Quellenangaben bei Herodot, Berlin/New York 1971. (Eine ebenso einflussreiche wie umstrittene Arbeit, die die These vertritt, Herodot habe die referierten Daten fingiert bzw. erfunden und die angeblichen Forschungsreisen nie unternommen)
- Hart, John: Herodotus and Greek history, London 1993.
- Herodot. Eine Auswahl aus der neueren Forschung, hrsg. v. Walter Marg, Wege der Forschung 26, 3. Aufl., Darmstadt 1982.
- Hose, Martin: Am Anfang war die Lüge? Herodot, der "Vater der Geschichtsschreibung", in: Hose, Martin (Hg.): Große Texte alter Kulturen, Darmstadt 2004, S. 153-174.
- Keller, Werner: Da aber staunte Herodot, Zürich 1972, ISBN 3-426-05571-6
- Pritchett, William K.: The liar school of Herodotos, Amsterdam 1993.
- Schadewaldt, Wolfgang: Die Anfänge der Geschichtsschreibung bei den Griechen, Bd. 2, 3. Aufl., Frankfurt a. M. 1990. ISBN 3-518-27989-0 (Zur Einführung)
- Sélincourt, Aubrey de: Die Welt Herodots, Wiesbaden 1967.

Weblinks


- [http://ancienthistory.about.com/library/bl/bl_text_herodotus.htm Herodots Geschichtswerk (engl.)]
- [http://www.iranica.com/articles/v12f3/v12f3016.html Ausführlicher fachwissenschaftlicher Artikel aus der "Encyclopaedia Iranica" mit reichen Literaturangaben (englisch)]
- [http://www.isidore-of-seville.com/herodotus/ Webportal zu Herodot (engl.)]
- [http://www.gasl.org/as/referenz/alles.php Komplette deutsche Übersetzung der Historien als PDF, ca. 21 MByte] Kategorie:Mann Kategorie:Historiker Kategorie:Grieche Kategorie:5. Jahrhundert v. Chr. ja:ヘロドトス ko:헤로도토스 ms:Herodotus

Semitische Sprache

Die Sprachfamilie der semitischen Sprachen ist Teil der Afro-Asiatischen Sprachen, die sich in Nordostafrika entwickelt haben. Sie werden heute von ca. 280 Millionen Menschen gesprochen. Den Alphabeten oder Abjaden der semitischen Sprachen (außer den semitischen Sprachen Äthiopiens, dem Mandäischen und dem Maltesischen) ist gemein, dass sie nur Konsonanten benennen, während die Vokale im geschriebenen Text meist nicht bezeichnet werden, des Weiteren in vielen Fällen die Schreibweise von rechts nach links. Typische Merkmale aller semitischen Sprachen sind:
- in der Phonologie: das Auftreten zahlreicher Kehl- und emphatischer Laute.
- in der Formenlehre:
  - die Verwendung einer aus drei Radikalen bzw. Konsonanten bestehenden Wortwurzel zur Bildung von Wörtern (Triradikalität).
  - die Verwendung eines bestimmten Artikels vor bzw. nach Substantiven.
  - die Verwendung des Status constructus zur Verbindung von zwei oder mehreren Substantiven (siehe hierzu hebräische Sprache). Substantive in semitischen Sprachen kennen zwei Nominalklassen bzw. Genera, die üblicherweise maskulin und feminin genannt werden. Neben Plural und Singular gibt es in vielen Fällen noch den Dual ("Zweizahl"). Das klassische Arabisch verwendet diese Form in sämtlichen Substantiven und Verben, im Hebräischen hingegen wird sie nur für in der Regel als Paar auftretende Gegenstände verwendet (Augen, Hände etc.). Verben in semitischen Sprachen unterscheiden ursprünglich nur die Aspekte vollendet (perfekt) oder unvollendet (imperfekt). Dafür drücken verbale Ableitungen semitischer Stammformen verschiedene Modifikationen aus, beispielsweise die Intensivierung (im Deutschen selten: stechen – sticheln, streichen – streicheln), die Veranlassung in kausativen Verben (im Deutschen z. B.: fallen – fällen oder trinken – tränken), oder die rückbezügliche Beziehung in reflexiven Verben. Ansonsten kennen semitische Sprachen Entsprechungen für Aktiv und Passiv, Imperativ, Verbalsubstantiv usw. wie andere Sprachen auch. Selbständige Personalpronomen kommen selten vor und dienen der Hervorhebung (ich persönlich, du da). Im Unterschied zum Deutschen können die Personalpronomen mit dem Wort, auf das sie sich beziehen, verschmolzen werden. Dies hat nicht nur orthographische Konsequenzen, da sich das 'Anhängen' auf die gesamte Wortform verändernd auswirkt. (vergleiche biblisches Hebräisch: schamar = behüten, schamreni = behüte mich). Auch Artikel, die Konjunktion und sowie einige Präpositionen sind nicht selbständig, sondern verschmelzen mit dem Wort, auf das sie sich beziehen.

Einteilung

Die semitischen Sprachen werden gemeinhin in folgende Gruppen eingeteilt:
- Ostsemitisch
  - Akkadisch (ausgestorben)
    - Babylonisch (ausgestorben)
    - Assyrisch (ausgestorben)
- Nordwestsemitisch
  - Amoritisch (ausgestorben)
  - Eblaitisch (ausgestorben, Zuordnung umstritten)
  - Ugaritisch (ausgestorben)
  - Kanaanäisch (ausgestorben)
    - Phönizisch-Punisch (ausgestorben)
    - Moabitisch (ausgestorben)
    - Ammonitisch (ausgestorben)
    - Hebräisch
      - Neuhebräisch (heute wieder gesprochen)
  - Aramäisch (Aramäer, auch als Gelehrten-, Handels- und Sakralsprache)
    - Westaramäische Dialekte
      - Nabatäisch (ausgestorben)
      - Palmyrenisch (ausgestorben)
      - Jüdisch-Aramäisch (Sprache der Targume, des Palästinischen Talmuds und einiger Midraschim)
      - Samaritanisch (ausgestorben)
      - Christlich-Palästinisch
      - Neuwestaramäisch (in Ma'lula in Syrien heute noch gesprochen)
    - Ostaramäische Dialekte
      - Syrisch
      - Jüdisch-Babylonisch-Aramäisch (Sprache des Babylonischen Talmud)
      - Mandäisch
      - Neuostaramäisch auch Aramoyo genannt (heute noch gesprochen)
- Südsemitisch
  - Äthiopische Sprachen
    - Ge'ez (im Alltag ausgestorben – hat noch als Sakralsprache Bedeutung)
    - Amharisch
    - Tigrinya
    - Tigré
    - Gurage
    - Aderi (die Sprache der Stadt Harar)
  - Nordarabische Sprachen
    - Klassisches Arabisch (Literatur- und Sakralsprache)
    - moderne arabische Dialekte
    - Maltesisch (auf Malta gesprochen, mit modernen maghrebinischen Dialekten verwandt)
  - Südarabische Sprachen
    - Sabäisch (ausgestorben)
    - Minäisch (ausgestorben)
    - Suqutri (heute auf der Insel Sokotra gesprochen)
    - Mehri (heute im Jemen und Oman gesprochen)
    - Dschibbali (heute im Oman gesprochen) ! S ja:セム語派

Afroasiatische Sprachen

Die afroasiatischen Sprachen (früher auch als hamitosemitisch oder semitohamitisch bezeichnet) bilden eine eigene Sprachfamilie, deren Zusammenhang von der vergleichenden Sprachwissenschaft entdeckt wurde. Diese Sprachfamilie ist eine der drei allgemein anerkannten, genetisch nicht miteinander verwandten Sprachfamilien Afrikas. Man unterscheidet folgende Zweige:
- Semitische Sprachen
- Berbersprachen
- Kuschitische Sprachen
- Bedscha (oft noch zu den kuschitischen Sprachen gezählt)
- Ägyptische Sprache
- Omotische Sprachen (lange zu den kuschitischen Sprachen gezählt)
- Tschadische Sprachen Die in Äthiopien gesprochene Sprache Birale gehört auch zur afroasiatischen Familie, die Eingruppierung in einen bestimmten Zweig ist jedoch noch nicht gelungen. Kategorie:Sprachfamilie Kategorie:Afrikanische Sprache ja:アフロ・アジア語族

Nordafrika

Als Nordafrika bezeichnet man das Gebiet des afrikanischen Kontinents Afrika, das nördlich der Wüste Sahara liegt. Es umfasst die Maghrebstaaten und Ägypten und manchen Definitionen zufolge auch den Sudan. Die Sprache ist arabisch und die Bevölkerungsmehrheit hellhäutig. Kontakte zwischen Nord- und Schwarzafrika beschränkten sich, auf Grund der Schwierigkeiten, die Wüste zu durchqueren, fast ausschließlich auf den Handel entlang der Ost- und Westküste des Kontinents und das Befahren des Nils. Dies blieb bis nach der arabischen Expansion und der Ausbreitung des Islam der Fall. Obwohl die nordafrikanische Kultur wie auch seine Einwohner sowohl afrikanische als auch mittelöstliche Wurzeln hat, sind die meisten Nordafrikaner entweder arabisch oder berberisch sprechende Moslems (und nur im Falle der Kopten, Christen). Manche nordafrikanische Länder, vor allem Ägypten und Libyen, werden politisch oft zum Nahen Ostens gezählt, wegen der intensiven Kontakte mit diesem. Zudem gehört die Sinai-Halbinsel (Teil Ägyptens) zu Asien und ist unumstrittener Teil des Nahen Ostens. Sinai-Halbinsel

Staaten Nordafrikas


- Ägypten (Hauptstadt Kairo)
- Algerien (Hauptstadt Algier)
- Libyen (Hauptstadt Tripolis)
- Marokko (Hauptstadt Rabat)
- Sudan (Hauptstadt Khartum)
- Tunesien (Hauptstadt Tunis)
- Demokratisch-arabische Republik Sahara (DARS) (ehem. Westsahara) (Hauptstadt El Aaiun, unter marokkanischer Verwaltung) Manchmal werden Äthiopien, Eritrea und Mauretanien ebenfalls als Teil dieser Region angesehen. Gewöhnlich sind aber Eritrea und Äthiopien ostafrikanische und Mauretanien ein westafrikanischer Staat.

Geschichte

Vorgeschichte

Epipaläolitische Fundstellen sind in Nordafrika selten, viele wurden vermutlich durch den steigenden Meeresspiegel vernichtet. In der Höhle von Haua Fteah (Libyen, Kyrenaika) fanden sich die Reste von wilden Schafen, Auerochsen und Gazellen. Schafknochen stammen auch aus der Höhle von Hagfet ed-Dabba. Aus Fundorten im Maghreb stammen Mahlsteine und Klingen mit Sichelglanz. Aus der Zeit des klimatischen Optimums im frühen Holozän stammen mesolithische Fundstellen mit Knochenharpunen, Mikrolithen und Mahlsteinen. Fische, Muscheln und Schnecken, Krokodile, Süßwasserschildkröten und Flusspferde wurden zur Ernährung genutzt, Knochen von Antilopen und Wildrindern zeigen, dass man auch in der Savanne jagte. In der Sahara wurden wilde Gräser wie Hirse gesammelt, in Nordafrika auch Früchte und Wurzelknollen. Keramik tritt hier sehr früh auf und ist nicht an eine voll-neolithische Wirtschaftsweise gebunden. Fundstellen im östlichen Hoggar in Libyen belegen die Jagd vor allem auf Wildschafe. Ab dem 7. Jahrtausend sind Strukturen wie Pferche und Windschirme belegt, zum Beispiel aus der Höhle von Uan Afuda. Hier fand sich auch mit Wellenlinien verzierte Keramik. Schafkoprolithen mit zerquetschen Samen belegen eine absichtliche Fütterung und daher wohl auch Stallhaltung morphologisch wilder Schafe. Auch wilde Hirse (Panicum und Setaria) wurde nachgewiesen. Aus dem 5. Jahrtausend sind eindeutige Belege domestizierter Rinder bekannt (Ti-n-Torha, Uan Muhuggiag, Aures, Amekni und Meniet in Algerien, Adrar Bous und Arlit im Niger), daneben wurde auch noch gejagt und Gräser und Wurzelknollen gesammelt. Auch Felsbilder stellen solche domestizierten Tiere dar. Sie stammen vor allem aus dem mittleren Holozän, als die Viehzucht immer bedeutender wurde. Felsbilder in der Sahara zeigen teilweise Menschen mit schwarzer Hautfarbe. Ob es sich dabei um die "Urbevölkerung" der Sahara handelt, ist unklar. J. D. Clark (1962, 1964) brachte den Anfang des Ackerbaus in Nordafrika mit einer Einwanderung relativ weniger Menschen aus dem Vorderen Orient über das dem Niltal ca. 4000 v. Chr. in Verbindung. Die Ausbreitung ins Sahel, ausgelöst durch zunehmende Austrocknung, setzt er um 2000 v. Chr. an. Aus Marokko sind Funde der neolithischen Cardial-Kultur bekannt, die auch an den Küsten Italiens, Frankreichs und Spaniens gefunden wurde. Intensiver Ackerbau ist erst seit dem ersten Jahrtausend bekannt, als in den Oasen des südwestlichen Libyens eine dichtere Besiedlung nachzuweisen ist, und Ackerbau mit unterirdischen Bewässerungskanälen (foggara) betrieben wurde. Dies ist vermutlich mit den Garamanten zu verbinden, die aus den Werken des griechischen Schriftstellers Herodot bekannt sind.

Historische Überlieferungen

Die uns geläufige Geschichte Nordafrikas fängt sicherlich mit der Geschichte des Alten Ägyptens an, ist verbunden mit der Geschichte Karthagos und setzt sich fort mit den Eroberungen durch das Römische Reich. Anschließend ließe sich noch etwas über die Wandalen und einige andere Völker berichten, die im Zuge der Völkerwanderung über die Straße von Gibraltar bis nach Nordafrika vorgedrungen und auch hier geblieben waren.

Mittelalter

Nach 632, dem Tod Mohammeds, geriet Nordafrika sehr schnell unter islamischen Einfluss.

Neuzeit

In der frühen Neuzeit kam der Großteil des Gebietes, mit Ausnahme von Marokko und dem Innern der Sahara unter die lockere Kontrolle des Osmanischen Reichs. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde es von Frankreich, Großbritannien, Spanien und Italien besetzt.

Klimaentwicklung

Das Pleniglazial um 18.000 BP war in Nordafrika durch extrem trockene Bedingungen gekennzeichnet. Man geht davon aus, dass die mittlere Temperatur bis zu 9° niedriger war als heute. Die Sahara erstreckte sich 500 km weiter südlich als heute. Das Innere der Wüste wurde unbewohnbar, und die dort ansässigen Jäger und Sammler zogen in feuchtere Gegenden, wie dem Niltal. Am Übergang zum Holozän wanderte der Monsun-Gürtel rasch nach Norden. Dadurch wurde das Klima in Nordafrika plötzlich deutlich feuchter, und zwar feuchter als heute. Schätzungen liegen zwischen 5 und 15x feuchter als heute. Die Seespiegel waren deutlich höher als im Moment. Im mittleren Holozän wurde das Klima zunehmend trockener, obwohl es auch einige feuchtere Klimaperioden gab.

Siehe auch:


- Afrika, Maghreb, Capsien

Quellen


- Graeme Barker, Transitions to farming and pastoralism in North Africa. In: Peter Bellwood/Colin Renfrew, Examining the farming/language dispersal hypothesis (Cambridge 2002) 151-160.
- J. D. Clark, The spread of food production in Sub-Saharan Africa. Journal of African History 3, 1962, 211-228.
- S. di Lernia/G. Manzi (Hrsg.), Before food production in North Africa (Forlí 1998).

Literatur

S. Faath (Hrsg.): Demokratie und Menschenrechte in Nordafrika. Hamburg (1992) Kategorie:Nordafrika ja:北アフリカ ko:북아프리카

Kanaren

Die Kanarischen Inseln sind eine geographisch zu Afrika, politisch aber zu Spanien gehörende Inselgruppe im Atlantik - etwa 150 km westlich des südlichen Marokko gelegen. Ihr gehören Teneriffa, Fuerteventura, Gran Canaria, Lanzarote, La Palma, La Gomera, El Hierro sowie etliche kleinere und teils unbewohnte Inseln an. Die Bezeichnung "Kanaren" geht vermutlich auf lat. canis (= Hund) zurück, da die Inseln der Sage zufolge von großen Hunden bewacht wurden. 350px

Regierung und Verwaltung

Die Inseln bilden zusammen eine der siebzehn autonomen Gemeinschaften Spaniens, die aus zwei Provinzen besteht. Die Provinzhauptstadt Las Palmas de Gran Canaria verwaltet die östlichen Inseln Gran Canaria, Fuerteventura und Lanzarote. Santa Cruz de Tenerife als zweite Provinzhauptstadt verwaltet die westlichen Inseln Teneriffa, La Palma, La Gomera und El Hierro. Das Gobierno Civil von Las Palmas ist die übergeordnete Instanz, der dortige Zivilgouverneur ist gleichzeitig Regierungsdelegierter von Madrid. Lokale Verwaltungsbehörden sind die eigenen Cabildos Insulares jeder der sieben Inseln, deren Zusammenschluss heißt Mancomunidad de Cabildos. Die Cabildos Insulares sind wiederum in Gemeinden mit je einem Rathaus (Ayuntamiento) unterteilt. Als spanisches Gebiet gehören die Kanaren sowohl zur Europäischen Union als auch zum europäischen Zollgebiet, wobei sie in einigen Bereichen von Sonderbedingungen profitieren und eine Reihe von Hilfsprogrammen und Subventionen erhalten. Als Währung löste der Euro am 1. Januar 2002 die Peseta ab. Die spanische Mehrwertsteuer gibt es auf den Inseln nicht, dafür wird eine deutlich niedrigere Inselsteuer auf Waren und Dienstleistungen erhoben. Bei Immobilieneigentum erwirbt man automatisch die residencia, welche Ermäßigungen von 20%, beispielsweise bei innerspanischen Flügen und Fähren, sowie viele weitere Vergünstigungen mit sich bringt. Auf den Inseln gibt es Zweigstellen der wichtigsten spanischen und vieler ausländischen Banken. Desweiteren verfügen die Kanaren über zwei Universitäten, auf Gran Canaria in Las Palmas und auf Teneriffa in San Cristóbal de La Laguna.

Geschichte

Geologisch gesehen sind die Inseln mit einem Alter von etwa 30 Millionen Jahren noch jung. Nach allerersten Überlieferungen soll es nur sechs Kanarische Inseln gegeben haben, ohne die fünf kleinen Inseln im Norden Lanzarotes zu berücksichtigen. Man glaubt, dass Fuerteventura und Lanzarote damals miteinander verbunden waren. Diese beiden Inseln, und auch Los Lobos, werden nicht einzeln erwähnt. In der Anfangszeit der Phönizier wurden die Kanaren Alizuth genannt, das bedeutete soviel wie Glück und Freude. Nach Ankunft der Griechen wurde der Name Elysius Parayso (Land der Illusionen und der Freude) verwendet. Kurz darauf wurde die Inselgruppe als Campos Elyseos (Paradies) bekannt. Es wurde gesagt, dass diese Inseln ein Ort sind, wo die Menschen ein ruhiges, süßes Leben führten. Bald war der Name Campos Elyseos für Poeten und Schriftsteller ein Synonym für die Glücklichen Inseln. Vermutlich um ca. 300 v. Chr. durchstreiften wilde Hunde (lateinisch: canes) die Kanarischen Inseln und veranlassten den römischen Gelehrten Plinius, den Inseln den Namen Canaria zu geben. Seit etwa 2000 v. Chr. waren Menschen auf einigen Inseln präsent. Die Ureinwohner der Kanarischen Inseln fasst man heute unter dem Begriff Guanchen (auch Altkanarier) zusammen. Ob sie als Schiffbrüchige gestrandet waren oder als Opfer einer Strafaktion durch Karthager oder Römer ausgesiedelt wurden, weiß man nicht. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sie aus Nordwest-Afrika kamen und gemäß anthropologischer Übereinstimmungen und nach Erkenntnissen über ihre Sprache, Angehörige von Berber-Völkern waren. Die Eroberung des Archipels Anfang des 15. Jahrhunderts, durch den Normannen Jean de Béthencourt und seinen Gefährten Gadifer de la Salle, wurde gegen Ende desselben Jahrhunderts von den katholischen Königen Ferdinand II. und Isabella I. beendet. Im Verlauf dieser Zeit wurden die Guanchen ausgerottet. Seit dem gehören die Inseln zu Spanien. Christoph Kolumbus machte auf der Insel La Gomera seine letzte Zwischenstation, bevor er 1492 zu seiner Reise über den Atlantik aufbrach. Im 18. Jahrhundert wanderte ein kleiner Teil der spanischsprachigen Bevölkerung nach Louisiana aus. In Amerika wurden sie Isleños genannt. Eine weitere Auswanderungswelle konnte man zwischen 1935 und 1940 beobachten. Damals wanderten viele Kanarier nach Südamerika, insbesondere Venezuela, aus. Viele dieser Auswanderer sind mittlerweile zurückgekehrt, und Elemente der südamerikanischen Kultur und des Sprachgebrauches haben sich auf den Inseln mit den spanischen vermischt. Venezuela wird auf den Kanaren deshalb häufig als "Die achte Insel" bezeichnet.

Geographie

Die Kanarischen Inseln bestehen aus den sieben Hauptinseln Lanzarote, Fuerteventura, Gran Canaria, Teneriffa, La Gomera, La Palma und El Hierro, sechs mittleren Inseln (Alegranza, Graciosa, Montaña Clara, Los Lobos, Roque del Este und Roque del Oeste) und verschiedenen kleineren unbewohnten Inseln und Felsen (wie Anaga, Salmor und Garachico). Sie liegen im Atlantik in einer geographischen Region, die als Makaronesien bezeichnet wird (zusammen mit Kap Verde, den Azoren, und dem Madeira-Archipel). Der höchste Berg der Kanarischen Inseln ist der 3718 m hohe Pico de Teide. Er liegt auf der Insel Teneriffa und ist gleichzeitig Spaniens höchste Erhebung.

Klima

Spanien Das Klima der Kanarischen Inseln ist aufgrund der Äquatornähe zwischen dem 27. und 29. Breitengrad das ganze Jahr über angenehm, was den Kanarischen Inseln den Beinamen "Inseln des ewigen Frühlings" eingebracht hat. Das Meer gleicht die Temperaturen aus und die Passatwinde halten die heißen Luftmassen aus der nahen Sahara fern. Die Tagestemperaturen bewegen sich das ganze Jahr über zwischen ca. 20°C und 30°C. Klimabestimmend ist auch die Wolkenbildung der Passatwinde sowie die Richtung (Nordostpassat), aus der die Passatwinde wehen. Der Nordosten jeder einzelnen Insel ist meist kühler und feuchter ausgeprägt als der trockene und warme Südwesten.

Klimatabelle (Beispiel Gomera) ----------------------------------------------------------------------- Monat JAN FEB MÄR APR MAI JUN JUL AUG SEP OKT NOV DEZ ----------------------------------------------------------------------- Ø Tagestemperatur 21 21 22 23 24 25 27 29 28 26 24 22 Ø Nachttemperatur 15 15 15 16 17 18 20 21 20 19 18 16 Ø Sonnenstunden pro Tag 6 6 7 8 9 9 9 9 8 7 6 5 Ø Regentage/Monat 6 4 3 2 2 1 0 0 2 5 6 7 Ø Wassertemperatur 19 18 18 18 19 20 21 22 23 23 21 20

Verkehr

Das Archipel ist nur zwei Flugstunden von der iberischen Halbinsel, und etwa vier Flugstunden von Zentraleuropa entfernt. Es gibt Direktflüge in die wichtigsten Städte Spaniens, Europas und der Welt. Jede Insel besitzt inzwischen einen eigenen Flughafen, wobei die Flughäfen Tenerife Sur und Gran Canaria zu den verkehrsreichsten Spaniens zählen. Auch untereinander sind die Inseln durch zahlreiche Fluglinien miteinander verbunden. Des Weiteren besitzen die Inseln Teneriffa und Gran Canaria jeweils einen der größten Seehäfen der Welt, gemessen an Ausdehnung, Schiffsaufkommen und Handelstätigkeit. Auch untereinander sind die Inseln wiederum mit zahlreichen Fähren verbunden.

Städte

Die wichtigsten Städte auf den Kanarischen Inseln sind (mit Angabe der Insel, auf der sie liegen, und der Einwohnerzahl 2004): Fähre
- Las Palmas de Gran Canaria (Gran Canaria) 376.953
- Santa Cruz de Tenerife (Teneriffa) 219.446
- San Cristóbal de La Laguna (Teneriffa) 133.340
- Telde (Gran Canaria) 94.862
- Santa Lucía de Tirajana (Gran Canaria) 53.820
- Arrecife (Lanzarote) 51.633
- Arona (Teneriffa) 59.395
- San Bartolomé de Tirajana (Gran Canaria) 44.155
- La Orotava (Teneriffa) 39.909
- Puerto del Rosario (Fuerteventura) 28.357
- Santa Cruz de La Palma (La Palma) 17.857
- Los Llanos de Aridane (La Palma) 19.659

Kulturgüter

Durch die ereignisreiche Vergangenheit des Archipels sind die Kulturgüter der Inseln das Ergebnis einer Kulturvermischung, geprägt durch Guanchen, Berbergruppen, europäische Kolonialherren und die Sitten und Gebräuche, die durch Handelsschifffahrt, hauptsächlich vom amerikanischen Kontinent, auf die Inseln gebracht wurden. Es gibt zahlreiche archäologische Fundstätten, von denen wertvolle Funde in ethnografischen und anthropologischen Museen zu sehen sind. An vielen Plätzen und Straßen kann man historische und künstlerische Monumente bewundern, deren Architektur, Bildhauerei und Malerei die kanarische Identität zum Ausdruck bringen. Das kulturelle Leben wird durch Ausstellungen, Theater- und Musikveranstaltungen von internationalem Rang bereichert. Traditionen drücken sich in Festen mit typischen Trachten und kanarischer Folklore der einzelnen Dörfer aus. Religion und heidnische Riten der Ureinwohner vermischen sich. Erwähnenswert ist der latein-amerikanisch angehauchte Karneval mit Samba-Rhythmen und vielen Farben.

Schätze der Natur

Das Archipel hat in seiner autonomen Gemeinschaft die meisten Nationalparks Spaniens (vier von insgesamt zehn). Hinzu kommen verschiedene Naturschutzgebiete, die etwa 60% der gesamten Inselfläche ausmachen. Diese Tatsache ist Ausdruck des Willens und der Notwendigkeit eine einzigarteige Natur zu schützen. Durch die privilegierte geografische Lage und dem besonderen Klima bildet jede Insel eine Art Mini-Kontinent. Es gibt auf den Kanaren eine Summe aus Strand und Schnee, aus Felsen und Sand, aus Wäldern und Wüsten, aus Hochgebirge und flachen Ebenen. Auf vielen Inseln gibt es endemische Tier- und Pflanzenarten, d.h. dass diese nur hier vorkommen.

Wasserhaushalt

endemisch Der Wasserhaushalt der Inseln, bzw. der Niederschlag, ist vor allem durch die Passatwinde geprägt. Aufgrund der Höhe der Passatwinde (ab ca. 600/700 bis 1700 Meter Höhe über NN) gibt es gravierende Niederschlagsunterschiede auf den einzelnen Inseln. Inseln wie z.B. Lanzarote weisen kaum Erhebungen auf, die diese Höhe erreichen. Der Passatwind mit seiner Feuchtigkeit weht schlichtweg über diese Insel hinweg. Als anderes Beispiel mag La Gomera dienen. Gomera erhebt sich deutlich bis in die Zone der Passatwinde. An den Hängen Gomeras hat sich aufgrund seiner Höhe der so genannte Nebelwald ausgebildet. Die anflutenden Passatwinde steigen hier auf und kondensieren als Nebel oder auch Regen aus (Steigungsregen). 70 % des Wassers auf Gomera stammt so aus dem Nebelwald bzw. der Nebelwaldregion. Die Flechten- und Moosvegetation der Nebelwälder (siehe Bild) ist ein redsames Beispiel für Niederschlag über den Nebel.

Literatur


- Joachim Pott, Joachim Hüppe, Wolfredo Wildpret de la Torre: Die Kanarischen Inseln. Natur- und Kulturlandschaften. Ulmer, Stuttgart 2003, ISBN 3-8001-3284-2 (reichbebilderte Darstellung der Geobotanik)
- Peter Schönfelder, Ingrid Schönfelder: Die Kosmos-Kanarenflora. Über 850 Arten der Kanarenflora und 48 tropische Ziergehölze. Franckh-Kosmos, Stuttgart 1997, ISBN 3440060373

Weblinks


- [http://www.islacanaria.net/ Nachrichten und Infos von- und für die Kanaren]
- [http://www.ulpgc.es/ Universidad de Las Palmas]
- [http://www.ull.es/ Universidad de Tenerife]
- [http://www.palmasport.es/00000/paginas/html/default.htm Puerto de Las Palmas]
- [http://www.laspalmascarnaval.com/ Carnaval de Las Palmas]
- [http://www.festivalcinelaspalmas.com/ Festival de Cine de Las Palmas]
- [http://www.culturacanaria.com/ahplp/ Archivo Historico de Las Palmas]
- [http://www.galeria-la-palma.com/ Bilder der Kanareninsel La Palma]
- [http://www.zech-verlag.com Historische Romane von den Kanarischen Inseln]
- [http://www.biologie.uni-regensburg.de/Botanik/Schoenfelder/kanaren/flora_canaria.html/ Flora der Kanarischen Inseln]
- [http://www.Kanaren-Reisefuehrer.de Reiseführer kanarische Inseln] Siehe auch: Liste der Gemeinden auf den Kanarischen Inseln, Liste der Provinzen Spaniens, Pyramiden von Güímar, Kanarienvogel Kategorie:Inselgruppe Kategorie:Spanische autonome Gemeinschaft ja:カナリア諸島 zh-min-nan:Canaria Kûn-tó

Guanchen

Die Guanchen (auch Guantschen) waren die Ureinwohner der Kanarischen Inseln. Synonym wird auch der Begriff Altkanarier verwendet.

Geschichte

Es gab mehrere/drei Besiedlungsschübe auf die Kanaren. Die Guanchen wanderten vermutlich ab etwa 3000 v. Chr. von Ost nach West auf die Kanaren ein und brachten Vieh und Saatgut mit. Es ist wahrscheinlich, dass sie von einem Wüstenvolk aus der Sahara abstammen, welches mit Binsenbooten von Nordafrika übersetzte. Außerdem weisen archäologische Ausgrabungen auf eine (weitere) Besiedlung aus Europa hin. Um 1100 v. Chr. erreichten die Phönizier auf der Suche nach Handelsmöglichkeiten die Kanarischen Inseln. Im Zeitraum von 500 - 200 v. Chr. kommen weitere Menschen aus Nordafrika auf die Kanaren. Ein zweiter Besiedlungsschub. Höchstwahrscheinlich finden diese Leute aber schon kleine, existierende Königreiche vor (mehrere auf jeder Insel). Berber erreichten die Kanaren vom 6. Jahrhundert an bis ungefähr ins Jahr 800. Der dritte und letzte große Besiedlungsschub. Während dieser Zeit ging wahrscheinlich das antike Wissen um die Kanaren im mittelalterlichen Europa verloren. Als Kolumbus nach Amerika aufbrach, landete er auf diesen Inseln. Dort wohnten in einer Art steinzeitlicher Kultur die Guanchen. Die Bevölkerung betrug ca. 25.000 - 30.000 Einwohner. Der Eroberungskrieg durch die Spanier dauerte von 1402 bis 1496 und endete in einer für die Guanchen verheerenden Schlacht im Jahre 1495. Sie zogen sich danach ins Hochland zurück, wurden aber dennoch weitestgehend ausgerottet.

Zeittafel

Kultur

Herkunft

Über die Herkunft der Guanchen ist wenig bekannt, jedoch ist sicher, dass die Altkanarier zumindest zum Teil berberischer Herkunft waren. In Betracht kommt ebenso eine teilweise Abstammung von den Phöniziern, die auf ihren Seefahrten im Atlantik die Kanarischen Inseln - dabei aber u.U. eine schon existente Kultur - vorgefunden haben. Für eine Teil-Besiedlung aus Europa spricht die ethnische Beschaffenheit der hochgewachsenen und weißen, hellhäutigen Altkanarier. Es gibt allerdings auch Hinweise, dass ein Zusammenhang mit der ägyptischen Kultur besteht. Hierfür sprechen Bestattungsriten, die viele Parallelen zur ägyptischen Einbalsamierung zeigen. Phöniziern ]]

Sprache und Schrift

Archäologische Funde legen die Existenz einer der libysch-berberischen verwandten Schrift nahe. Auf den meisten Inseln findet man zahlreiche Petroglyphen der Altkanarier. Es sind nur noch wenige Wörter aus ihrer ausgestorbenen Sprache, dem Guanche, bekannt. So bedeutet Guanche eigentlich Mann/Mensch aus Teneriffa und wurde erst später zu einer Sammelbezeichnung. Die Sprache starb im 17. Jahrhundert aus. Allerdings haben sich bis heute Elemente dieser Sprache im Kanarischen Dialekt gehalten. So ist beispielsweise das auf den Kanaren übliche Wort für "Bus" Gua-gua. Dieses Wort ist guanchischen Ursprungs, allerdings ist unbekannt, was es ursprünglich bedeutete.

Leben

Die Guanchen waren Hirten und betrieben Ackerbau. In ihrer bäuerlichen Kultur züchteten sie Ziegen, Schafe und Schweine. Angebaut wurden Gerste, Weizen und Hülsenfrüchte. Da sich für den Ackerbau keine planen Flächen boten, legten sie riesige Terrassentreppen an, die mit Bewässerungsgräben durchzogen waren. Wissenschaftler behaupten, es soll eine Echsenart (Größe ca. 40 cm) gegeben haben, welche bejagt wurde. Metallverarbeitung war ihnen unbekannt. Kleidung und Schuhe wurden aus Tierfellen gefertigt. Bevorzugt nutzten die Ureinwohner der Kanaren kühle Berghöhlen als Wohnstätten und Vorratslager. Es wird aber ebenso von vereinzelten Hüttendörfern berichtet. Sie verwendeten einen langen Stock aus Riesenheideholz, um die extrem zerklüfteten Vulkanlandschaften zu meistern und kleine Schluchten zu überwinden. Ihre Kultur kannte Steingefäße und Kunst (kringelförmige Muster). Experten fanden Schädel mit deutlichen Anzeichen einer Trepanation. Somit mussten die Altkanarier ein gewisses medizinisches Wissen gehabt haben.

Soziale Ordnung

Die Guanchen organisierten sich in Stämmen unter einem König/Stammeshäuptling, dem sogenannten Mencey. Der wohl legendärste von ihnen lebte auf Teneriffa. Es war der Mencey Tinerfe.

Religion/Glaube

Auf Teneriffa befinden sich einige pyramidenähnliche Bauten ("Pyramiden von Güímar"), bei denen es sich möglicherweise um Kultstätten handelt; ebenso auf La Palma. Einige Guanchen wurden mumifiziert bestattet. Sie sind heute z.T. in Museen in Spanien zu besichtigen. Folglich besaßen die Guanchen wohl ein religiöses Verständnis und hatten sicherlich einen Glauben. Inwiefern sich dieser inselübergreifend überschnitt, ist nicht bekannt; d.h. es kann sich sowohl um vereinzelte Stammesreligionen, als auch um eine die ganzen Kanarischen Inseln umspannende Religionsform, gehandelt haben.

Literatur


- Harald Braem: Tanausú - König der Guanchen. Historischer Roman, Zech Verlag, Teneriffa 2003 (geschrieben 1988) ISBN 84-933108-0-8
- Harald Braem: Die Geheimnisse der Pyramiden. Sachbuch, Heyne 1999, ISBN: 345314774X
- Horst Uden: Der König von Taoro - Historischer Roman der Eroberung Teneriffas. Zech Verlag, Teneriffa 2003 (geschrieben 1941) ISBN 84-933108-4-0

Weblinks


- http://www.haraldbraem.de
- http://www.mysteria3000.de/wp/?p=56 Kategorie:Afrikanische Ethnie

Algerien

Algerien (arabisch: الجزائر al-Ğazā’ir ) ist ein Staat im Nordwesten Afrikas. Das zum Maghreb zählende Land grenzt an das Mittelmeer, Marokko, Mauretanien, Mali, Niger, Libyen und Tunesien. Algerien war bis zum Unabhängigkeitskrieg französisches Gebiet und ist neben dem Sudan und der Demokratischen Republik Kongo einer der größten Staaten Afrikas mit einem großen Anteil an der Sahara. Nach Jahren des Bürgerkrieges zwischen islamischen Fundamentalisten und der Regierung ist Algerien nun relativ befriedet und darum bemüht, gesellschaftliche und wirtschaftliche Reformen zu verwirklichen.

Geographie

Algerien ist nach der Republik Sudan das zweitgrößte Land Afrikas und erstreckt sich von der 1.100 km langen Mittelmeer-Küste bis in die Sahara. Nordalgerien umfasst das hinter dem Küstensaum ansteigende Gebirgsland des Tellatlas (2.308 m), dem inneren Hochland der Schotts, dem Hauptteil des Saharaatlas (2.328 m). Südalgerien (80 % der Staatsfläche) wird eingenommen von Sanddünen (Großer Erg), den Plateaus der Hammada, schluchtenreichen Stufenlandschaften (Tassili n'Ajjer) und dem Gebirgsmassiv Ahaggar (2.918 m) in der zentralen Sahara. Der Norden hat Mittelmeerklima, das Atlasgebiet kontinentales Hochlandklima, der Süden Wüstenklima. Es gibt nur wenige ganzjährig fließende Flüsse. An der Nordseite des Tellatlas wachsen mediterrane Sträucher (Macchie), Aleppokiefern, Korkeichen und Steineiche.

Bevölkerung

Vorwiegend Algerier und verschieden Berberstämme, die zum Teil arabisiert sind, bevölkern Algerien. Die Zahl der Europäer sank nach Erlangung der Unabhängigkeit bis auf etwa 20000. Die Bevölkerungsdichte im nördlichen Algerien beträgt 50 Einwohner je km², dagegen liegt sie in den Saharagebieten unter einem Einwohner. Der Anteil der städtischen Bevölkerung (etwa 60%) nimmt ständig zu. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug während der letzten Jahre durchschnittlich 2,3 %.

Sprache

Allgemeine Umgangssprache ist das Algerisch-Arabische. Daneben spielt das Französische noch eine wichtige Rolle. Schriftsprache ist entweder Französisch oder Hocharabisch, wobei es eine Initiative der Regierung zum Gebrauch des Hocharabischen gibt. Etwa 83% der Bevölkerung spricht Arabisch als Muttersprache. Daneben spricht ein großer Teil, 16%, der Bevölkerung Berbersprachen, vor allem im Süden des Landes, der fast nur von Tuareg bewohnt ist. Die am meisten gesprochene Berbersprache ist Kabylisch. Die Berberische Sprache wird nicht nur im Süden gesprochen, sondern auch im Nord-Osten von Algier (Kabylei).

Religion

Die Staatsreligion ist der Islam,der von fast 100% der Bevölkerung praktiziert wird. Es gibt katholische und protestantische Minderheiten.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Algeriens Seit Beginn der historischen Überlieferung wurde das Gebiet Algeriens von Berber-Stämmen besiedelt. Alsbald kam die Region unter römische Herrschaft. Nach dem Untergang des Römischen Reichs im 5. Jahrhundert gewannen die Berber wieder ihre Unabhängigkeit, wurden aber im 7. Jahrhundert von den muslimischen Arabern unterworfen. Als im 16. Jahrhundert Spanien die algerischen Küstenstädte eroberte, griffen Korsaren unter der Hoheit des osmanischen Sultans in Istanbul an und konnten mit dessen Hilfe die Spanier in langwierigen Kämpfen vertreiben. In Algerien setzten die Osmanen Paschas als Regenten ein. Allerdings verloren diese bald die wirksame Kontrolle über Algerien, so dass die Korsaren und die osmanischen Janitscharen den Dey in Algier einsetzten. 1830 besetzten französische Truppen Algier, Oran und Bone und begannen mit der Eroberung des Landes. Nun begann die Umwandlung Algeriens in eine französische Provinz. Bis 1906 war auch die algerische Sahara von den Franzosen unterworfen worden. Zum Aufschwung der Unabhängigkeitsbewegung kam es, als 1945 nach Unruhen in Setif und Guelma zehntausende Algerier von der französischen Armee massakriert wurden. Im November 1954 begann der Unabhängigkeitskrieg (Algerienkrieg) gegen Frankreich. 1962 erreichte Algerien mit dem in Evian geschlossenen Vertrag die Unabhängigkeit nach einem achtjährigen blutigen Krieg, der auf beiden Seiten hohe Verluste forderte. Bald brachen Machtkämpfe über den politischen Kurs aus, der aber bald damit endete, dass alle Behörden und die verstaatlichte Wirtschaft von der Einheitspartei FLN kontrolliert wurden. 1988 kam es zu schweren sozialen Unruhen. Ursache waren unter anderem die hohe Arbeitslosigkeit und die Wohnungsnot. Eine Demokratisierung wurde eingeleitet und 1989 eine neue demokratische Verfassung, die die Trennung von Partei und Staat, parlamentarische Verantwortung, Pluralismus, politische Freiheiten und Garantien der Menschenrechte vorsah, geschaffen. 1991 kam es bei den ersten freien Wahlen zu einem Putsch des Militärs, aufgrund des drohenden Wahlsieges der islamischen Partei FIS (Front islamique du salut) im zweiten Wahldurchgang. Dies führte zum Ausbruch eines blutigen Bürgerkriegs zwischen radikalen Islamisten und der Armee, dem seither über 120.000 Menschen zum Opfer gefallen sind. Zu den Hintergründen siehe auch Hinweise zu Algerien unter Strategie der Spannung. Nach dem Abflauen des Bürgerkriegs initiierte die Regierung 1999 eine Volksabstimmung über eine Versöhnungspolitik. In dieser Politik wird die ehemalige Einheitspartei FLN bei den Parlamentswahlen 2002 bestätigt. Im Jahr 2003 mussten die Minister Mourad Medelci und Abdelhamid Temmar und dem massivem Druck des Gewerkschaftsdachverbands UGTA zurücktreten. UGTA hatte im Februar jenes Jahres - zum zweiten Mal seit Beginn des Jahrzehnts – einen dreitägigen Generalstreik durchgeführt, der sich gegen das Privatisierungsprogramm der Regierung richtete. An dem Streik nahmen über 90 Prozent der Arbeiter teil. Am 8. April 2004 fand eine erneute Präsidentenwahl statt. Nach einem Wahlkampf, in dem der gesamte Staatsapparat inklusive der staatlichen Massenmedien für eine maßgeschneiderte Darstellung des Präsidenten mobilisiert wurde, ließ Abd al-Asis Bouteflika der 1999 mit Rückendeckung des Militärs gewählt worden war, das absurde Wahlergebnis von 83 Prozent der Stimmen verkünden. Bouteflika ist damit der erste Präsident Algeriens, der ein zweites Mandat erhält. Präsidentschaftskandidat Benflis sprach von Betrug. Wahlbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusamenarbeit in Europa sprachen aber von einer fairen Wahl. Am 1. Mai 2005 kommt es zu einer Regierungsumbildung. Mehrere Minister wurden durch ihre jeweiligen Vorgänger ersetzt, die nun vor allem in Schlüsselpositionen der Wirtschaftspolitik sitzen. Die Modernisierer Mourad Medelci und Abdelhamid Temmar übernahmen das Finanzressort bzw. das Ministerium für Investitionsförderung. Sie setzen sich für die Privatisierung öffentlicher Betriebe und die Öffnung des Erdöl- und Erdgassektor für private Investitionen ein. Am 30. September 2005 stimmen die algerischen Wähler für Versöhnung. Bei einem Referendum zur nationalen Versöhnung über die "Charte pour la paix et la réconciliaion nationale" stimmten 97 Prozent der Wähler für den Plan der Regierung von Präsident Bouteflika. Dieser bedeutet eine Amnestie für viele islamische Extremisten. Die Mehrheit der Algerier will einen Schlussstrich unter die Bürgerkiegsära ziehen. Die Opposition, die zu einem Boykott des Volksentscheides aufgerufen hatte, kritisierte die Ergebnisse als Wahlfälschung.

Politik

Die Staatspräsidenten von Algerien (seit 1963)

Algerien hat ein Zwei-Kammern-System, es besteht aus der Nationalen Volksversammlung und einem Oberhaus (Nationalrat).

Provinzen

Der Staat besteht aus 48 Provinzen, genannt Wilaya: Adrar, Ain Defla, Ain Temouchent, Alger, Annaba, Batna, Bechar, Bejaia, Biskra, Blida, Bordj Bou Arreridj, Bouira, Boumerdes, Chlef, Constantine, Djelfa, El Bayadh, El Oued, El Tarf, Ghardaia, Guelma, Illizi, Jijel, Khenchela, Laghouat, Mascara, Medea, Mila, Mostaganem, M'Sila, Naama, Oran, Ouargla, Oum el Bouaghi, Relizane, Saida, Setif, Sidi Bel Abbes, Skikda, Souk Ahras, Tamanghasset, Tebessa, Tiaret, Tindouf, Tipaza, Tissemsilt, Tizi Ouzou, Tlemcen.

Wirtschaft

Landwirtschaft ist der wichtigste Erwerbszweig, wird jedoch allmählich vom produzierenden Gewerbe überholt. Intensive agrarische Nutzung ist nur in den Küsten- und Talebenen der Tellregion möglich. Angebaut werden vor allem Getreide, Zuckerrüben, Kartoffeln, Hülsenfrüchte; in Treibhäusern Frühgemüse für den Export. Im Nahrungsmittelsektor werden weniger als 40 % des Bedarfs durch Eigenproduktion gedeckt. Algerien ist Mitglied der OPEC. Basis für die Entwicklung waren Erdöl (drittgrößtes Vorkommen Afrikas) und Erdgas in der Sahara. Weitere Rohstoffe sind meist noch nicht erschlossen. Erdöl- und Erdgasverarbeitung machen mehr als 90 % der Exporterlöse aus. Die Öleinnahmen sind teils in Prestigeobjekte investiert worden und teils der Oberschicht zugeflossen. Mit dem Rückgang der Öleinnahmen kam es zu einer Krise, da die Exporterlöse für die Rückzahlung von Auslandsschulden eingesetzt werden mussten. Liberalisierung schließt die Gefahr politischer Rückschläge ein. Das Verkehrsnetz ist auf Nordalgerien konzentriert. Die Straßen gehen südlich des Atlas meist in Wüstenpisten über. Der Tourismus ist, verglichen mit dem der Nachbarländer, noch wenig entwickelt. Erdgas Wirtschaftliche Daten (geschätzte Werte für 2003):
- BIP: 160 Milliarden Euro
- Durchschnittliches Jahreseinkommen je Einwohner: 5000 Euro
- Arbeitslosigkeit: 26,2 %
- Inflationsrate: 3,5 %
- Staatseinnahmen: 21 Milliarden Euro
- Staatsausgaben: 20 Milliarden Euro
- Auslandsverschuldung: 19 Milliarden Euro
- Empfangene Entwicklungshilfe: 150 Millionen Euro

Kultur

Die algerische Literatur ist das arabische Kulturerbe. Allerdings gibt es auch ein Kulturerbe der berberischen Minderheit. Viele berberische Autoren schreiben in Sprache und Schrift der Berber. Dem steht der Arabisierungsgedanke konservativer Kräfte entgegen, weswegen es in den 90er Jahren immer wieder zu Auseinandersetzungen kam, bei denen bekannte berberische Schriftsteller ums Leben kamen. Im Zuge der 2004 angestrebten Parlamentswahlen machte die Regierung Bouteflika den Berbern Zugeständnisse (masierisch an Schulen), die Spannungen dauern jedoch an.(Alexander Wesner, Berlin)

Sport

Bislang konnten vier algerische Sportler bei Olympischen Spielen eine Goldmedaille erreichen: # Hassiba Boulmerka - (1992 - Leichtathletik, 1500 m, Frauen) # Noureddine Morceli - (1996 - Leichtathletik, 1500 m, Männer) # Hocine Soltani - (1996 - Boxen, Mittelgewicht 71-75 kg, Männer) # Nouria Merah-Benida - (2000 - Leichtathletik, 1500 m, Frauen)

Literatur


- Bernhard Schmid: Algerien - Frontstaat im globalen Krieg? Neoliberalismus, soziale Bewegungen und islamistische Ideologie in einem nordafrikanischen Land. Münster, 2005. ISBN 3-89771-019-6
- Thomas Hasel: Machtkonflikt in Algerien (Nahost-Studien 3, hrsg. von Friedemann Büttner), 284 S., Verlag Hans Schiler, Berlin, 2002, ISBN 3-89930-190-0
- Habib Souaidia: Schmutziger Krieg in Algerien - Bericht eines Ex-Offiziers der Spezialkräfte der Armee (1992-2000), Chronos Verlag, 2001, ISBN 3-0340-0537-7

Weblinks


- [http://www.algerische-botschaft.de/ Botschaft der Demokratischen Volksrepublik Algerien in Deutschland]
- [http://algerie.el-annabi.com/ Alle Städte von Algerien]
Kategorie:Staat Kategorie:Mittelmeer ja:アルジェリア ko:알제리 ms:Algeria simple:Algeria zh-min-nan:Algeria

Marokko

---Sidenote START---
Das Königreich Marokko (المملكة المغربية ) ist ein Staat in Nordwest-Afrika. Es grenzt an Algerien, Mauretanien, die beiden spanischen Exklaven Ceuta und Melilla, den Atlantik und das Mittelmeer. Marokkos Südgrenze bleibt jedoch wegen des Westsaharakonfliktes bis zum Abhalten eines UNO-Referendums über die zukünftige Zugehörigkeit der Westsahara international umstritten.

Landesname

Während sich das Land in der eigenen offiziellen Staatsbezeichnung "al-Mamlakah al-Maghribiyah" anspruchsvoll und eher allgemein als "Maghrebinisches Königreich" bezeichnet (bis i