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Berber (Ethnie)

Berber (Ethnie)

Berber (Eigenbezeichnung Imazighen für "Freie") ist ein Oberbegriff für eine Reihe von Gemeinschaften in Nordafrika, die eine berberische Sprache sprechen. Der Name Berber leitet sich ursprünglich vom griechischen/römischen Wort für Barbar oder vom Namen eines (mythischen) Stammesvaters beru-borr ab (in der Antike ist der Ausdruck "Barbar" als Bezeichnung für die Völker Nordafrikas nicht belegt).

Herkunft

Barbar Über die Herkunft der Berber/Imazighen ist kaum etwas bekannt. Sie gelten heute als indigenes Volk Nordafrikas. Als ihre Vorgänger gelten die Numider, Garamanten und Libyer. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot erwähnte sie in seinen Geschichten. Des Weiteren ist zu erwähnen, dass die Imazighen bzw. Berber als europide Bevölkerung Nordafrikas definiert werden (nach Brockhaus, Auflage 2004), was die Frage über deren Ursprung weiter verschleiert und andere Spekulationen ins Auge fasst - zumindest wenn der Begriff europid nicht nur gebraucht wird zur Unterscheidung der Berber von der negriden Bevölkerung Afrikas.

Sprache

Berber oder Imazighen (Amazigh) sind eine semitisch-hamitische (Afroasiatische Sprachen) Sprach- und Völkergruppe in Nordafrika, den Kanaren (Guanchen) und West-Ägypten. Die Mehrheitsbevölkerung Algeriens, Marokkos und Tunesiens ist berberischer Herkunft. Berber gibt es auch in Libyen, Mauretanien, Ägypten und einigen westafrikanischen Staaten, vor allem im Niger, Tchad und Mali (Tuareg).

Kultur

Die Berber sind mutterrechtlich organisiert. Mit Ausnahme der Tuareg sind die Berber sesshaft. Das berberische Nomadenvolk der Tuareg hat eine eigene, aus dem sumerischen entwickelte Schrift, das Tifinagh. Die Berber besitzen einen eigenen Kalender, der fast ganz in Vergessenheit geraten ist. Ihre Zeitrechnung fängt um 950 v. Chr. an. Dieses Datum entspricht der Thronbesteigung eines "Berberkönigs", Scheschonq I. (Libyer, altägyptisch "libu"), in Ägypten (dieser gründete die Dynastie der Bubastiden, nach ihrer Hauptstadt Stadt Bubastis im Nildelta genannt) Die vielfältige Musik der Berber unterscheidet sich sehr von der arabischen. Siehe auch: Kabylen, Rifkabylen, Mauren, Mozabiten, Tuareg, Kabylische Sprache, Siwi, Arudj, Korsaren, Cheir ed-Din Barbarossa

Weblinks


- http://www.mondeberbere.com/ dreisprachig, mit Teilen auf Deutsch
- http://www.congres-mondial-amazigh.org/ Congrès Mondial Amazigh (in französischer Sprache) Kategorie:Afrikanische Ethnie

Nordafrika

Als Nordafrika bezeichnet man das Gebiet des afrikanischen Kontinents Afrika, das nördlich der Wüste Sahara liegt. Es umfasst die Maghrebstaaten und Ägypten und manchen Definitionen zufolge auch den Sudan. Die Sprache ist arabisch und die Bevölkerungsmehrheit hellhäutig. Kontakte zwischen Nord- und Schwarzafrika beschränkten sich, auf Grund der Schwierigkeiten, die Wüste zu durchqueren, fast ausschließlich auf den Handel entlang der Ost- und Westküste des Kontinents und das Befahren des Nils. Dies blieb bis nach der arabischen Expansion und der Ausbreitung des Islam der Fall. Obwohl die nordafrikanische Kultur wie auch seine Einwohner sowohl afrikanische als auch mittelöstliche Wurzeln hat, sind die meisten Nordafrikaner entweder arabisch oder berberisch sprechende Moslems (und nur im Falle der Kopten, Christen). Manche nordafrikanische Länder, vor allem Ägypten und Libyen, werden politisch oft zum Nahen Ostens gezählt, wegen der intensiven Kontakte mit diesem. Zudem gehört die Sinai-Halbinsel (Teil Ägyptens) zu Asien und ist unumstrittener Teil des Nahen Ostens. Sinai-Halbinsel

Staaten Nordafrikas


- Ägypten (Hauptstadt Kairo)
- Algerien (Hauptstadt Algier)
- Libyen (Hauptstadt Tripolis)
- Marokko (Hauptstadt Rabat)
- Sudan (Hauptstadt Khartum)
- Tunesien (Hauptstadt Tunis)
- Demokratisch-arabische Republik Sahara (DARS) (ehem. Westsahara) (Hauptstadt El Aaiun, unter marokkanischer Verwaltung) Manchmal werden Äthiopien, Eritrea und Mauretanien ebenfalls als Teil dieser Region angesehen. Gewöhnlich sind aber Eritrea und Äthiopien ostafrikanische und Mauretanien ein westafrikanischer Staat.

Geschichte

Vorgeschichte

Epipaläolitische Fundstellen sind in Nordafrika selten, viele wurden vermutlich durch den steigenden Meeresspiegel vernichtet. In der Höhle von Haua Fteah (Libyen, Kyrenaika) fanden sich die Reste von wilden Schafen, Auerochsen und Gazellen. Schafknochen stammen auch aus der Höhle von Hagfet ed-Dabba. Aus Fundorten im Maghreb stammen Mahlsteine und Klingen mit Sichelglanz. Aus der Zeit des klimatischen Optimums im frühen Holozän stammen mesolithische Fundstellen mit Knochenharpunen, Mikrolithen und Mahlsteinen. Fische, Muscheln und Schnecken, Krokodile, Süßwasserschildkröten und Flusspferde wurden zur Ernährung genutzt, Knochen von Antilopen und Wildrindern zeigen, dass man auch in der Savanne jagte. In der Sahara wurden wilde Gräser wie Hirse gesammelt, in Nordafrika auch Früchte und Wurzelknollen. Keramik tritt hier sehr früh auf und ist nicht an eine voll-neolithische Wirtschaftsweise gebunden. Fundstellen im östlichen Hoggar in Libyen belegen die Jagd vor allem auf Wildschafe. Ab dem 7. Jahrtausend sind Strukturen wie Pferche und Windschirme belegt, zum Beispiel aus der Höhle von Uan Afuda. Hier fand sich auch mit Wellenlinien verzierte Keramik. Schafkoprolithen mit zerquetschen Samen belegen eine absichtliche Fütterung und daher wohl auch Stallhaltung morphologisch wilder Schafe. Auch wilde Hirse (Panicum und Setaria) wurde nachgewiesen. Aus dem 5. Jahrtausend sind eindeutige Belege domestizierter Rinder bekannt (Ti-n-Torha, Uan Muhuggiag, Aures, Amekni und Meniet in Algerien, Adrar Bous und Arlit im Niger), daneben wurde auch noch gejagt und Gräser und Wurzelknollen gesammelt. Auch Felsbilder stellen solche domestizierten Tiere dar. Sie stammen vor allem aus dem mittleren Holozän, als die Viehzucht immer bedeutender wurde. Felsbilder in der Sahara zeigen teilweise Menschen mit schwarzer Hautfarbe. Ob es sich dabei um die "Urbevölkerung" der Sahara handelt, ist unklar. J. D. Clark (1962, 1964) brachte den Anfang des Ackerbaus in Nordafrika mit einer Einwanderung relativ weniger Menschen aus dem Vorderen Orient über das dem Niltal ca. 4000 v. Chr. in Verbindung. Die Ausbreitung ins Sahel, ausgelöst durch zunehmende Austrocknung, setzt er um 2000 v. Chr. an. Aus Marokko sind Funde der neolithischen Cardial-Kultur bekannt, die auch an den Küsten Italiens, Frankreichs und Spaniens gefunden wurde. Intensiver Ackerbau ist erst seit dem ersten Jahrtausend bekannt, als in den Oasen des südwestlichen Libyens eine dichtere Besiedlung nachzuweisen ist, und Ackerbau mit unterirdischen Bewässerungskanälen (foggara) betrieben wurde. Dies ist vermutlich mit den Garamanten zu verbinden, die aus den Werken des griechischen Schriftstellers Herodot bekannt sind.

Historische Überlieferungen

Die uns geläufige Geschichte Nordafrikas fängt sicherlich mit der Geschichte des Alten Ägyptens an, ist verbunden mit der Geschichte Karthagos und setzt sich fort mit den Eroberungen durch das Römische Reich. Anschließend ließe sich noch etwas über die Wandalen und einige andere Völker berichten, die im Zuge der Völkerwanderung über die Straße von Gibraltar bis nach Nordafrika vorgedrungen und auch hier geblieben waren.

Mittelalter

Nach 632, dem Tod Mohammeds, geriet Nordafrika sehr schnell unter islamischen Einfluss.

Neuzeit

In der frühen Neuzeit kam der Großteil des Gebietes, mit Ausnahme von Marokko und dem Innern der Sahara unter die lockere Kontrolle des Osmanischen Reichs. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde es von Frankreich, Großbritannien, Spanien und Italien besetzt.

Klimaentwicklung

Das Pleniglazial um 18.000 BP war in Nordafrika durch extrem trockene Bedingungen gekennzeichnet. Man geht davon aus, dass die mittlere Temperatur bis zu 9° niedriger war als heute. Die Sahara erstreckte sich 500 km weiter südlich als heute. Das Innere der Wüste wurde unbewohnbar, und die dort ansässigen Jäger und Sammler zogen in feuchtere Gegenden, wie dem Niltal. Am Übergang zum Holozän wanderte der Monsun-Gürtel rasch nach Norden. Dadurch wurde das Klima in Nordafrika plötzlich deutlich feuchter, und zwar feuchter als heute. Schätzungen liegen zwischen 5 und 15x feuchter als heute. Die Seespiegel waren deutlich höher als im Moment. Im mittleren Holozän wurde das Klima zunehmend trockener, obwohl es auch einige feuchtere Klimaperioden gab.

Siehe auch:


- Afrika, Maghreb, Capsien

Quellen


- Graeme Barker, Transitions to farming and pastoralism in North Africa. In: Peter Bellwood/Colin Renfrew, Examining the farming/language dispersal hypothesis (Cambridge 2002) 151-160.
- J. D. Clark, The spread of food production in Sub-Saharan Africa. Journal of African History 3, 1962, 211-228.
- S. di Lernia/G. Manzi (Hrsg.), Before food production in North Africa (Forlí 1998).

Literatur

S. Faath (Hrsg.): Demokratie und Menschenrechte in Nordafrika. Hamburg (1992) Kategorie:Nordafrika ja:北アフリカ ko:북아프리카

Berbersprachen

Die Berbersprachen sind ein Zweig der Afro-Asiatischen Sprachen. Älteste berbersprachige Dokumente sind numidische Inschriften um zwischen 1000 v. Chr. und 1500 v. Chr.. Die Abgrenzung der einzelnen Sprachen untereinander ist nicht eindeutig geklärt. Der ISO 639-Alpha-3-Code ist ber.

Verbreitung

Der Sprachraum streckt sich in Ost-West-Richtung vom Atlantik bis nach Ägypten, in Nord-Süd-Richtung vom Mittelmeer bis nach Niger. Etwa 10 Millionen Menschen sind Muttersprachler, die meisten von ihnen allerdings zweisprachig mit Arabisch, Französisch oder Hausa. Noch in die historische Zeit hinein waren die Berbersprachen ein Dialektkontinuum, das erst durch das Eindringen des Arabischen zersplittert und damit zerstört wurde.

Sprachen

Nach Gruppen unterteilt

Die folgende Unterteilung orientiert sich an der bei [http://www.ethnologue.com/show_family.asp?subid=7 ethnologue.com] vorgenommenen.

Östliche Gruppe


- Awjila-Sokna
  - Awjilah (Libyen: Cyrenaika, 2.000 Sprecher)
  - Sawknah (Libyen: Tripolitanien, vermutlich ausgestorben)
- Siwa
  - Siwi (Ägypten: Oase Siwa, 5.000 Sprecher)

Nördliche Gruppe


- Atlas-Berberisch
  - Judeo-Berberisch (Israel, ehemals Marokko)
  - Tachelhit (3,5 Mio. Sprecher in Marokko und Algerien)
  - Tamazight (2,5 - 3,0 Mio. Sprecher in Marokko und Algerien)
  - Chenoua (15 - 75.000 in Algerien)
- Kabylisch (2,5 Mio. Sprecher in Algerien)
- Zenati
  - östliches Zenati
    - Ghadames (Libyen)
    - Nafusi (167.000 in Libyen und Tunesien)
    - Sened (Tunesien)
  - Ghomara (Marokko)
  - Mzab-Wargla (Sprache der Mzabiten)
    - Taznatit (Algerien)
    - Tumzabt (Algerien)
    - Tagargrent (Algerien)
    - Temacine Tamazight (Algerien)
  - Riff
    - Tarifit (Marokko)
    - Senhaja de Srair (Marokko)
  - Shawiya
    - Chaouia (Algerien)
  - Tidikelt
    - Tidikelt Tamazight (Algerien)

Tamascheq


- nördliches Tamascheq
  - Tamahaq/Tahaggart (Algerien)
- südliches Tamascheq
  - Tamascheq (Mali)
  - Tamascheq/Tayart (Niger)
  - Tamascheq/Tawallammat (Niger)

Zenaga


- Zenaga (Mauretanien)

Sprachen mit unsicherer Zuordnung


- Guanche (Spanien: Kanaren, ausgestorben)
- Numidisch (Altlibysch, ausgestorben)

Von West nach Ost gegliedert


- Guanche, die im 17. Jahrhundert ausgestorbene Sprache der Guanchen auf den Kanarischen Inseln, war eventuell eine Berbersprache
- Tachelhit (auch Schilh, Schlöh oder Chleuh genannt) in Marokko
- Tamazight mit etwa 2,5-3 Mio. Sprechern vor allem in Marokko, aber auch in Algerien
- Tarifit (auch Rif oder Tarifi) mit etwa 2 Mio. Sprechern in Marokko und Algerien, davon 1,5 Mio. in Marokko
- Kabylisch mit etwa 2,5 Mio. Sprechern in Algerien
- Schawiya (auch Chaouiya) in Algerien
- Mzab-Wargla in Algerien
- Tamascheq, die Sprache der Tuareg, mit etwa 1 Mio. Sprechern
- Nafusi in Libyen und Tunesien
- Ghadames mit etwa 2.000 Sprechern in Libyen
- Awjilah mit etwa 2.000 Sprechern in Libyen
- Siwi mit etwa 5.000 Sprechhern in der Oase Siwa in Ägypten

Sprachliche Merkmale und Grammatik

Die Berbersprachen sind in Vokabular und Grammatik sehr einheitlich, unterscheiden sich jedoch in der Phonetik. Die Sprachen besitzen viele Lehnwörter aus dem Arabischen, zudem von alters her aus dem Latein und dem Punischen.

Weblinks


- [http://www.kontrastivlinguistik.de/Kontrastives/Sprachfamilien/Afroasiatisch/Berbersprachen/berbersprachen.html Allgemeines zu den Berbersprachen]
- http://ennedi.free.fr/tifin.htm
- http://amazighworld.net/studies/language/where_learn_tamazight.php Kategorie:Maghreb Kategorie:Sprachgruppe Kategorie:Afrikanische Sprache ja:ベルベル語

Indigene Völker

Indigene Völker ist eine relativ junge Lehnübersetzung, wahrscheinlich vom spanischen Pueblos indígenas und bezeichnet Gemeinschaften von Ureinwohnern einer Region oder eines Landes. Der Ausdruck "Indigene Völker" hat in Lateinamerika als Sammelbezeichnung für alle Nachkommen der vorkolumbianischen Bevölkerung die auf Kolumbus' Verwechslung mit Indien beruhenden Begriffe Indios/Indianer ersetzt. In internationalen politischen Kontexten ist "Indigene Völker"/"Indigenous Peoples"/"Pueblos Indígenas" die übliche Sammelbezeichnung für Ureinwohnervölker aller Kontinente, während im nationalen Rahmen oft andere Sammelbegriffe verwendet werden (z.B. Aborigines, Native Americans, First Nations, Adivasi).

Definition

Die heute meistgebrauchte Definition dieses Begriffs geht auf UN-Sonderberichterstatter José Martínez-Cobo zurück, der diesen 1986 in seiner grundlegenden Studie über Diskriminierung gegen Indigene Völker (UN-Dokument Nr. E/CN.4/Sub.2/1986/87) an vier Kriterien knüpfte. Der hier gewählte Wortlaut weicht leicht von der Cobo-Definition ab und orientiert sich an der weiter präzisierten Fassung von Erika-Irene Daes, der langjährigen Vorsitzenden der WGIP. (Siehe: Working Paper by the Chairperson-Rapporteur, Mrs. Erica-Irene A. Daes, on the concept of indigenous people[http://www.unhchr.ch/Huridocda/Huridoca.nsf/(Symbol)/E.CN.4.Sub.2.AC.4.1996.2.En?Opendocument]):
- Zeitliche Priorität in Bezug auf die Nutzung oder Besiedlung eines bestimmten Territoriums: Indigene Völker sind relativ die "ersten" Bewohner eines Gebiets.
- Die freiwillige Bewahrung kultureller Besonderheit (voluntary perpetuation of cultural distinctiveness), die die Bereiche Sprache, Gesellschaftsorganisation, Religion und spirituelle Werte, Produktionsweisen und Institutionen betreffen kann: Indigene Völker sind kulturell deutlich von der dominierenden Gesellschaft unterschieden.
- Selbstidentifikation und Anerkennung durch andere als eine distinkte Gemeinschaft: Die Betroffenen müssen selbst mehrheitlich der Ansicht sein, dass sie einer distinkten Gruppe (einem Volk) angehören und dass dieses als "indigen" anzusehen ist. Gleichzeitig muss diese Ansicht von anderen, etwa von Angehörigen anderer indigener Völker in nennenswertem Umfang geteilt werden.
- Eine Erfahrung von Unterdrückung, Marginalisierung, Enteignung, Ausschluss oder/und Diskriminierung, wobei diese Bedingungen fortbestehen oder nicht: Der Grad der heute fortbestehenden Unterdrückung kann höchst unterschiedlich sein - von struktureller Benachteilung bei Aufstiegsmöglichkeiten bis hin zu Zwangsvertreibung und Ausrottung. Als Gruppe erfahrene Unterdrückung ist in jedem Fall konstitutiv für das politische Selbstverständnis indigener Völker. Diese vier Kriterien müssen nicht immer in gleicher Weise zutreffen, sondern es handelt sich hierbei um eine Arbeitsdefinition, die die Mehrzahl der Fälle angemessen beschreibt. Ein exklusive, "harte" Definition des Begriffs "Indigene Völker" kann und soll es nach Ansicht ihrer Vertreter, die aber auch von der UNO-Arbeitsgruppe über indigene Bevölkerungen geteilt wird, nicht geben. (Siehe: Working Paper by the Chairperson-Rapporteur, Mrs. Erica-Irene A. Daes, on the concept of "indigenous people"[http://www.unhchr.ch/Huridocda/Huridoca.nsf/(Symbol)/E.CN.4.Sub.2.AC.4.1996.2.En?Opendocument]) Es kann immer Fälle geben, in denen das Konzept "indigen" Anwendung findet, obwohl einzelne Kriterien nicht bzw. nicht mehr zutreffen. So kann die Selbstidentifikation als "indigen" fortdauern, auch wenn die erlittene Marginalisierung bereits (weitestgehend) überwunden ist, so etwa bei den Inuit Grönlands. Ein zentrales Element der Unterscheidung indigener Gemeinschaften von der nicht-indigenen Mehrheitsgesellschaft ist oftmals die besonders enge Bindung indigener Kulturen an ihr jeweiliges Territorium sowie die besonders enge Beziehung zu diesem, die zumeist auch spirituelle Dimension besitzt. (Siehe auch Indigenous Peoples and their Relationship to Land[http://www.unhchr.ch/Huridocda/Huridoca.nsf/(Symbol)/E.CN.4.Sub.2.2001.21.En?Opendocument], Arbeitspapier von Erika-Irene Daes, der früheren Vorsitzenden der WGIP.) Zentral zum Verständnis des Begriffs ist der Aspekt des Kollektivs. Indigene Völker existieren als Gesellschaften, nicht als bloße Ansammlung von Individuen. Somit sind die Forderungen nach indigenen Rechten überwiegend Forderungen nach Kollektivrechten.

Unterscheidung zu anderen Begriffen

Eingeborene

Die deutsche Übersetzung des Begriffs "indigen" lautet eingeboren. Wegen des kolonialen bzw. romantisierenden Beiklangs ist dieser Begriff jedoch belastet. (Eine weitere, bislang im Deutschen nicht eingebürgerte Variante der Übersetzung wäre "einheimisch", vgl. niederländ.
Inheemse Volken.)

Naturvölker

Der romantisierende Begriff Naturvolk wird im Deutschen oft synonym mit "Indigene Völker" verwandt. Dieser Begriff kennt keine englische Entsprechung und spielt daher international keine Rolle. Während indigen eine
politische Kategorie ist, rekurriert Naturvolk auf das romantische Ideal des Edlen Wilden, der in vollkommener Harmonie mit der Natur lebe. Dabei wird übersehen, dass auch "naturverbundene" menschliche Gemeinschaften stets auch Kultur hervorbringen. So sind beispielsweise auch die tropischen Regenwälder und die Tundren des russischen Nordens Kulturlandschaften, die durch indigene Völker geprägt wurden und werden. "Indigene Völker" bezieht sich zentral auf den Umstand der Diskriminierung und fordert die Realisierung und Respektierung von Menschenrechten ein. Für Anhänger des "Naturvolk"-Begriffs (im deutschsprachigen Raum etwa der Verein Freunde der Naturvölker e.V.[http://naturvoelker.org]) stehen dagegen Menschenrechte nicht im Vordergrund, sondern sie streben die Konservierung einer vermeintlich oder tatsächlich naturnahen, nicht-technisierten Lebensweise an, was die Gefahr des Paternalismus birgt. Wenn sie nach technischen Errungenschaften oder europäischer Bildung streben, begehen "Naturvölker" nach dieser Überzeugung Verrat an sich selbst. Dagegen impliziert das Konzept "indigene Völker" zuallererst das Recht der Betroffenen, selbst über die eigene Entwicklung zu bestimmen, unabhängig davon, ob das Resultat dem Klischee vom Edlen Wilden entspricht, oder nicht.

Nationale Minderheiten/Volksgruppen

Vertreter indigener Völker legen großen Wert auf die Unterscheidung zwischen nationalen Minderheiten bzw. Volksgruppen und "indigenen Völkern". Zu den wichtigsten Unterscheidungsmerkmalen gehören die spezifische Bindung indigener Völker an ihre jeweiligen Territorien, der Umstand der politischen und ökonomischen Marginalisierung, sowie der größere kulturelle und soziale Abstand zur jeweiligen Mehrheitsgesellschaft. Eindeutig um nationale Minderheiten handelt es sich bei Angehörigen einer Ethnie, die in einem anderen Staat die Titularnation stellt, also etwa Ungarn in Rumänien, Dänen in Schleswig-Holstein, Serben in Kroatien oder Polen in Litauen. Gleichzeitig werden aber auch Bevölkerungsgruppen ohne ein solches "Mutterland" oft als "nationale Minderheiten" und keineswegs als "indigene Völker" eingestuft, so etwa Bretonen in Frankreich oder Sorben und Friesen in Deutschland. Im letzteren Fall hängt die Unterscheidung zwischen Minderheit und indigenem Volk wesentlich von ökonomischen und kulturellen Faktoren sowie insbesondere von der Selbsteinschätzung der Betroffenen ab. So haben Vertreter der Sorben eine Selbstidentifikation als "indigen" stets abgelehnt.

Stammesvölker

Der Terminus Stammesvölker wird von der britischen Organisation Cultural Survival bevorzugt und ist in der Praxis zumeist deckungsgleich mit "indigene Völker". Der letztere Terminus hat jedoch den Vorteil, genauer und umfassender definiert und nicht an eine bestimmte Form der Sozialorganisation gebunden zu sein.

Autochthone Völker

Der Begriff "Autochthonen Völker" ist ein Synonym zu "indigene Völker", das v.a. im Französischen häufiger verwendet wird ("peuples autochtones").

Konfliktfelder

Land- und Ressourcenkonflikte

Da viele indigene Völker in enorm ressourcenreichen Gebieten der Erde leben, sind Konflikte, v.a. um Landnutzung und -rechte, ein generelles Problem dieser Völker. Ein Großteil der Uran-, Erdöl-, Gold- und Kohleförderung der Erde findet in den Gebieten indigener Völker statt. Ähnliches gilt für einen großen Teil der Atomtests der letzten Jahrzehnte, für Atommüllendlager und Großstaudämme. Dabei ziehen die Aktivitäten transnationaler Konzerne oftmals Militarisierung, Gewalt und bewaffnete Konflikte nach sich, so etwa auf der zu Papua-Neuguinea gehörenden Insel Bougainville, bei der ein Bürgerkrieg um eine Kupfermine des Konzerns Rio Tinto etwa 10 000 Menschen das Leben kostete. Für eine allgemeine Analyse
siehe auch das Arbeitspapier Indigenous Peoples and Conflict Resolution[http://www.ohchr.org/english/issues/indigenous/docs/wgip22/2.pdf ] von Miguel Alfonso Martínez, dem gegenwärtigen Vorsitzenden der UNWGIP

Der Streit um das kleine 's'

Der "Streit ums kleine 's'", also die Frage, ob es indigenous
peoples (Völker) oder nur indigenous people (Menschen) gibt, gehört zu den bis heute am heftigsten umkämpften Fragen. Aus diesem Grund heißt die zuständige UNO-Arbeitsgruppe bis heute Working Group on Indigenous Populations (UNWGIP) und nicht "Working Group on Indigenous Peoples". Ebenso heißt das von der UNO ausgerufene Jahrzehnt der Indigenen Völker offiziell "Decade of the World's Indigenous People" und ein neu eingerichtes UN-Gremium in New York, das ursprünglich den Namen "Permanent Forum on Indigenous Peoples" erhalten sollte, wurde letztendlich unter dem Namen "Permanent Forum on Indigenous Issues" (Ständiges Forum über indigene Angelegenheiten) begründet. Der ernsthafte Hintergrund dieses Streits ist, dass das Völkerrecht mit dem Begriff Volk weitreichende spezifische Rechte verbindet, zuallererst das Recht auf Selbstbestimmung, was die freie Verfügung über Land und Ressourcen einschließt. Da indigene Völker häufig in der ressourcenreichen Regionen leben, fürchten zahlreiche Regierungen, im Falle einer Anerkennung dieses Rechts, die Kontrolle über diese Bodenschätze zu verlieren. Weiterhin besteht in Ländern, wo gewaltsame Konflikte zwischen Regierungen und indigenen Völkern stattfinden, mitunter die Befürchtung einer Sezession der letzteren. Historisch gibt es jedoch zahlreiche Beispiele dafür, dass Kolonialmächte indigene Völker als souveräne Rechtssubjekte anerkannt haben. Dies dokumentieren zuallererst zahlreiche historische Verträge, die etwa zwischen der englischen oder spanischen Krone oder der US-Regierung und indigenen Völkern in Nordamerika abgeschlossen wurden.

Forderungen indigener Völker

Zentrale Forderung der meisten Organisationen indigener Völker ist die verbindliche und uneingeschränkte Anerkennung ihrer Menschenrechte, beginnend mit dem Recht auf Selbstbestimmung, wie es in den ersten Artikeln der Internationalen Pakte über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte sowie über bürgerliche und politische Rechte, also der beiden wichtigsten völkerrechtlich verbindlichen Menschenrechtsdokumente ausdrücklich anerkannt wird. Dabei ist
Selbstbestimmung keineswegs gleichbedeutend mit Sezession und der Gründung eines eigenen Staates, sondern es geht um die prinzipielle Anerkennung eines Rechts. In Fällen, wo z.B. transnationale Konzerne große industrielle Vorhaben (z.B. Bau von Großstaudämmen, Erdöl- oder Uranförderung, Atomtests, Entsorgung von Giftmüll) auf von indigenen Völkern genutzten oder bewohnten Territorien planen, fordern indigene Völker, dass dies nur nach einer Freien, Vorherigen und Informierten Zustimmung ([http://www.ohchr.org/english/issues/indigenous/docs/wgip22/4.pdf Free, Prior and Informed Consent]) geschehen darf. In einigen Ländern ist die Forderung nach Free, Prior and Informed Consent bereits gesetzlich verwirklicht, so etwa auf den Philippinen. Auf der Ebene des internationalen Rechts lauten die wichtigsten Forderungen: Verabschiedung der Erklärung der Rechte der Indigenen Völker sowie die Ratifierung des Übereinkommens Nr. 169[http://www.ilo169.de/index.php?option=content&task=view&id=20&Itemid=31] der Internationalen Arbeitsorganisation.

Indigene Völker weltweit

Die Gesamtzahl der Angehörigen der indigenen Völker der Erde wird auf etwa 350 Millionen Menschen geschätzt. Dabei existieren v.a. in Asien und Afrika erhebliche Unsicherheiten. Denn in diesen beiden vormals fast vollständig kolonisierten Kontinenten stellen sich zahlreiche Regierungen auf den Standpunkt, dass die gesamte Bevölkerung gleichermaßen
indigen sei, wobei sie jedoch übersehen, dass "echte" indigene auch in einer postkolonialen Ära oftmals einer fortdauernden Unterdrückung ausgesetzt sind, von der die Mehrheit nicht mehr betroffen ist. Indigene Völker werden daher oft auch als innere Kolonien oder Vierte Welt bezeichnet. Siehe auch:
- Liste indigener Völker
- Indigene Völker Südamerikas
- Indianer Nordamerikas
- Indigene Völker Mittelamerikas und der Karibik
- Indigene Völker Europas
- Indigene Völker Afrikas
- Indigene Völker Asiens
- Indigene Völker Australien-Ozeaniens

Siehe auch


- Ethnische Minderheit
- Ethnos
- Volksstamm
- Ureinwohner
- Naturvolk
- Arbeitsgruppe über Indigene Bevölkerungen
- Menschenrechte

Weblinks


- [http://www.infoe.de/ Institut für Ökologie und Aktions-Ethnologie e.V. (infoe)]
- [http://www2.gtz.de/indigenas/deutsch/einleitung/index.html GTZ: Wer sind indigene Völker?]
- [http://www.ilo169.de/ Kampagne zur Ratifizierung der ILO-Konvention 169 über indigene Völker]
- [http://www.speaking4earth.com/ Speaking 4 Earth] - Menschenrechtsportal des Netherlands Centre for Indigenous Peoples
- [http://www.iwgia.org/ International Work Group on Indigenous Affairs (IWGIA)]
- [http://www.cwis.org/ Centre for World Indigenous Studies]
- [http://www.pygmies.info/ Indigene Völker Afrikas]
- [http://www.hrusa.org/indig/ Indigenous Peoples' Human Rights Project]
- [http://www.oew.org/de/aktuellesartikel.php?id=227 Eine Definition (Quelle: OEW)]
- [http://www.oew.org/de/aktuellesartikel.php?id=228 Ein gut gehütetes Geheimnis: Die UN-Dekade der Indigenen Völker - ein relatives Scheitern, eine Dekade der Rhetorik? (Quelle: OEW)] ! als:Ureinwohner ja:先住民 nb:Urfolk


Garamanten

Die Garamanten sind ein im Fessan ansässiges antikes Volk der Berber. Sie besiedelten spätestens seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. das Innere Libyens im heutigen Fessan um den Hauptort Garama (Djerma nördlich von Murzuk). Durch die Pferdezucht und die Nutzung von Streitwagen konnten sie die umliegenden Völker unterwerfen. Von den Garamanten existieren auch Felszeichnungen in der Sahara. Im 1. Jahrhundert v. Chr. kam es zu Kämpfen mit den Römern, welche unter Prokonsul Cornelius Balbus in die Sahara vordrangen und die Hauptstadt Garama zerstörten (20-19 v. Chr.). Zwar kam es in der Folgzeit weiter zu vereinzelten Kämpfen, doch wurde die militärische Überlegenheit der Römer am Ende des 1. Jahrhunderts anerkannt. Auch wenn die Nachrichten mit dem Niedergang des Römischen Reichs nachlassen, scheint das Reich der Garamanten noch bis ins 7. Jahrhundert existiert zu haben. Es fiel erst den Vorstößen der muslimischen Araber in den Fessan zum Opfer. Die Garamanten beherrschten den frühen Transsaharahandel zwischen der Mittelmeerküste Libyens und dem Tschadsee. Gehandelt wurden vor allem Sklaven, Elfenbein und Häute gegen Luxuswaren. Herodot berichtet von der Reise einiger Berber vom Stamm der Nasomonen von der Cyrenaika durch die Sahara bis ins Land der Schwarzen (wohl in die Gebiete des Niger). Nachfahren der Garamanten sollen die Tuareg der zentralen Sahara sein.

Literatur


- Libyen, J. Willeitner, Dumont Kunst Reiseführer, 2001 Kategorie:Historische Ethnie Kategorie:Libyen

Herodot

Herodot von Halikarnassos (griech.: Ηροδοτος Herodotos; ca.
- 484 v. Chr. - † 425 v. Chr.) war ein griechischer Historiker, Geograf und Völkerkundler. Er wurde von Cicero (De leg. 1,5) zugleich als "Vater der Geschichtsschreibung" - pater historiae - und als Erzähler "zahlloser Märchen" - innumerabiles fabulae - bezeichnet.

Leben

Herodot (gr. Herodotos, lat. Herodotus) wurde in Halikarnassos in Kleinasien, heute Bodrum/Türkei, geboren. Er unternahm eigenen Angaben zufolge lange Reisen nach Persien, Ägypten, Babylonien und zum Schwarzen Meer. Zeitweise lebte er auch in Süditalien in Thurioi, an dessen Gründung er mitbeteiligt war. ~447 v.Chr. kam er nach Athen, wo er wohl engen Kontakt zu großen Persönlichkeiten dieser Zeit pflegte. Dazu gehören Sophokles und Perikles.

Werk

Herodot schrieb eine Geschichte der Auseinandersetzung zwischen Griechen und Persern zu Beginn des 5. Jahrhundert v. Chr. (Perserkriege), die unter dem Titel Historien (gleichbedeutend mit: Erkundungen, Forschungen, s. a. Historien von Herodot) bekannt sind. Ursprünglich trug Herodot einzelne inhaltlich in sich geschlossene Abschnitte (so genannte logoi) einem Publikum vor. Seine Schriften wurden als eine neue Form der Literatur bald nach seiner Veröffentlichung anerkannt. Herodots Prosawerk ist zudem auf einem hohen literarischen Niveau verfasst worden, so dass sein Stil noch nachhaltigen Einfluss auf die zukünftige Geschichtsschreibung ausüben sollte. In den Historien befindet sich die Verfassungsdebatte, in der die einzelnen Staatsformen gegeneinander abgewogen werden. Sie haben bis heute eine wichtige Bedeutung in der Demokratieforschung (Herodot 3,80-84 [http://www.gottwein.de/Grie/hdt03080.htm]). Im Rahmen seiner Abhandlungen wird vor der Darlegung des Verlaufs der Perserkriege gleichsam als Bühne des Geschehens das Panorama der Länder und Völker der gesamten damals bekannten Welt aufgespannt. Damit leistete Herodot frühe Beiträge zur Völkerkunde. Herodot legt dar, wie eine Weltkarte seiner Meinung nach aussehen sollte, und verschafft uns somit Einblick in den Welthorizont der gebildeten Menschen seiner Zeit. Seine Beschreibung gehört zu den frühesten Anfängen der Kartografie. Vor Herodot gab es nur Chroniken und Epen als Formen der Geschichtsbeschreibung. Herodot war jedoch der Erste, welcher nicht nur die Vergangenheit registrierte, sondern sie zusätzlich als philosophisches Problem oder Forschungsprojekt behandelte, welche Kenntnisse des menschlichen Verhaltens ergeben konnte. Die Komposition der Historien folgt dabei meist weniger "wissenschaftlichen" Kriterien als vielmehr künstlerischen und philosophischen Überlegungen. Von Teilen der Forschung wird Herodot aber auch sehr kritisch gesehen. Ihm wurde vorgeworfen, nicht zwischen Mythen und historischen Ereignissen unterschieden zu haben, wobei als Gegenentwurf das Werk des Thukydides gelten könne; über die Frage, welchen Wert die Historien als Quelle haben, ist in der Forschung bis heute keine Einigung erzielt worden . Herodot unterscheidet in den Historien die Leitvorstellungen menschlicher Selbstwertsuche. Ungebundenem, bedenkenlosem Handeln, wie in der Rhampsinit-Geschichte, in der zwei Brüder in die Schatzkammer des Königs einbrechen und, um nicht entdeckt zu werden, der eine dem anderen den Kopf abschlägt, nachdem er in eine Falle getreten war aus der er sich nicht mehr befreien kann stellt er Bewusstsein für Verantwortung und Schuldbewusstsein (vgl. Gyges-Geschichte) gegenüber. Ein wichtiger Aspekt in den Historien ist auch die Hybris. Sie wird mit Nemesis, bei Schrankenübertretungen, oder Tisis, bei Unrecht, vergolten - diese Warnung vor Hochmut zieht sich wie ein Leitmotiv durch das gesamte Werk und richtet sich wohl an die Athener, deren Großmachtpolitik Herodot sehr kritisch bewertet. Er will seine Leser offenbar am Beispiel des gescheiterten Angriffs der Perser auf Griechenland davor warnen, einen ähnlichen Fehler zu begehen.

Herodot als Autor

In den Historien will Herodot persönlich historische Fakten ordnen, deuten, kausal verbinden und im Zusammenhang darstellen. Dies ist ein Aspekt des Kontrastes zwischen der rationalen Weltsicht Herodots und beispielsweise Homers archaischer Anschauung. Homer tritt als Erzähler göttlichen Wesen gegenüber zurück und lässt sie berichten: Proömium von Herodots Historien: Von Herodot aus Halikarnaß ist dieser Forschungsbericht, damit weder das, was durch Menschen entstanden ist, durch die Zeit ausstirbt, noch große und wunderliche Taten, die von Hellen und Barbaren ausgeführt wurden, ruhmlos werden, und aus welchem Grund sie gegeneinander kämpften. Proömium von Homers Ilias: Den Zorn singe, Göttin, des Peleus-Sohns Achilleus, Den verderblichen, der zehntausend Schmerzen über die Achaier brachte Und viele kraftvolle Seelen dem Hades vorwarf Von Helden, sie selbst aber zur Beute schuf den Hunden Und den Vögeln zum Mahl, und es erfüllte sich des Zeus Ratschluß... Proömium von Homers Odyssee: Den Mann nenne mir, Muse, den vielgewandten,….

Wichtige Zitate aus den Historien


- „Der Mensch ist Spielball des göttlichen Schicksals.“ (pan esti anthropos symphoré)
- „Der Mensch ist schicksalsverhaftet und sterblich und hat ein Bewusstsein dafür.“
- „Die Götter sind gänzlich neidisch und wankelmütig.“ (to theion pan phthoneron te kai tarachodes) :Zeugt von einer anthropomorphen Göttervorstellung, die dem subjektiven Empfinden eines Geschädigten entspringt. Der Mensch wird durch göttliche Eingriffe in Grenzen verwiesen => Erklärungssuche des Menschen für jedes Geschehen
- „Niemand wird so dumm sein, dass er Krieg statt des Friedens wählt.“ (oudeis gar huto anoétos esti, ostis polemon pro eirénés hairëetai)
- „Friedenspolitik ist Vernunftsache.“

Literatur

Werkausgaben


- Das Geschichtswerk des Herodot von Halikarnassos, Insel Verlag, Frankfurt, 2001, ISBN 3-45834-443-8
- Historien, Reclam Verlag, Ditzingen, 2002, ISBN 3-15018-221-2
- Gesamtausgabe (Buch I-IX) "Historien" von Herodot, ISBN 3520224046

Sekundärliteratur


- Bichler, Reinhold/Rollinger, Robert: Herodot, Hildesheim u. a. 2000. (Das derzeitige Standardwerk)
- Erbse, H.: Fiktion und Wahrheit im Werk Herodots, Göttingen 1991.
- Evans, James A. S.: Herodotus, explorer of the past. Three essays, Princeton 1991.
- Fehling, Detlev: Die Quellenangaben bei Herodot, Berlin/New York 1971. (Eine ebenso einflussreiche wie umstrittene Arbeit, die die These vertritt, Herodot habe die referierten Daten fingiert bzw. erfunden und die angeblichen Forschungsreisen nie unternommen)
- Hart, John: Herodotus and Greek history, London 1993.
- Herodot. Eine Auswahl aus der neueren Forschung, hrsg. v. Walter Marg, Wege der Forschung 26, 3. Aufl., Darmstadt 1982.
- Hose, Martin: Am Anfang war die Lüge? Herodot, der "Vater der Geschichtsschreibung", in: Hose, Martin (Hg.): Große Texte alter Kulturen, Darmstadt 2004, S. 153-174.
- Keller, Werner: Da aber staunte Herodot, Zürich 1972, ISBN 3-426-05571-6
- Pritchett, William K.: The liar school of Herodotos, Amsterdam 1993.
- Schadewaldt, Wolfgang: Die Anfänge der Geschichtsschreibung bei den Griechen, Bd. 2, 3. Aufl., Frankfurt a. M. 1990. ISBN 3-518-27989-0 (Zur Einführung)
- Sélincourt, Aubrey de: Die Welt Herodots, Wiesbaden 1967.

Weblinks


- [http://ancienthistory.about.com/library/bl/bl_text_herodotus.htm Herodots Geschichtswerk (engl.)]
- [http://www.iranica.com/articles/v12f3/v12f3016.html Ausführlicher fachwissenschaftlicher Artikel aus der "Encyclopaedia Iranica" mit reichen Literaturangaben (englisch)]
- [http://www.isidore-of-seville.com/herodotus/ Webportal zu Herodot (engl.)]
- [http://www.gasl.org/as/referenz/alles.php Komplette deutsche Übersetzung der Historien als PDF, ca. 21 MByte] Kategorie:Mann Kategorie:Historiker Kategorie:Grieche Kategorie:5. Jahrhundert v. Chr. ja:ヘロドトス ko:헤로도토스 ms:Herodotus

Semitische Sprache

Die Sprachfamilie der semitischen Sprachen ist Teil der Afro-Asiatischen Sprachen, die sich in Nordostafrika entwickelt haben. Sie werden heute von ca. 280 Millionen Menschen gesprochen. Den Alphabeten oder Abjaden der semitischen Sprachen (außer den semitischen Sprachen Äthiopiens, dem Mandäischen und dem Maltesischen) ist gemein, dass sie nur Konsonanten benennen, während die Vokale im geschriebenen Text meist nicht bezeichnet werden, des Weiteren in vielen Fällen die Schreibweise von rechts nach links. Typische Merkmale aller semitischen Sprachen sind:
- in der Phonologie: das Auftreten zahlreicher Kehl- und emphatischer Laute.
- in der Formenlehre:
  - die Verwendung einer aus drei Radikalen bzw. Konsonanten bestehenden Wortwurzel zur Bildung von Wörtern (Triradikalität).
  - die Verwendung eines bestimmten Artikels vor bzw. nach Substantiven.
  - die Verwendung des Status constructus zur Verbindung von zwei oder mehreren Substantiven (siehe hierzu hebräische Sprache). Substantive in semitischen Sprachen kennen zwei Nominalklassen bzw. Genera, die üblicherweise maskulin und feminin genannt werden. Neben Plural und Singular gibt es in vielen Fällen noch den Dual ("Zweizahl"). Das klassische Arabisch verwendet diese Form in sämtlichen Substantiven und Verben, im Hebräischen hingegen wird sie nur für in der Regel als Paar auftretende Gegenstände verwendet (Augen, Hände etc.). Verben in semitischen Sprachen unterscheiden ursprünglich nur die Aspekte vollendet (perfekt) oder unvollendet (imperfekt). Dafür drücken verbale Ableitungen semitischer Stammformen verschiedene Modifikationen aus, beispielsweise die Intensivierung (im Deutschen selten: stechen – sticheln, streichen – streicheln), die Veranlassung in kausativen Verben (im Deutschen z. B.: fallen – fällen oder trinken – tränken), oder die rückbezügliche Beziehung in reflexiven Verben. Ansonsten kennen semitische Sprachen Entsprechungen für Aktiv und Passiv, Imperativ, Verbalsubstantiv usw. wie andere Sprachen auch. Selbständige Personalpronomen kommen selten vor und dienen der Hervorhebung (ich persönlich, du da). Im Unterschied zum Deutschen können die Personalpronomen mit dem Wort, auf das sie sich beziehen, verschmolzen werden. Dies hat nicht nur orthographische Konsequenzen, da sich das 'Anhängen' auf die gesamte Wortform verändernd auswirkt. (vergleiche biblisches Hebräisch: schamar = behüten, schamreni = behüte mich). Auch Artikel, die Konjunktion und sowie einige Präpositionen sind nicht selbständig, sondern verschmelzen mit dem Wort, auf das sie sich beziehen.

Einteilung

Die semitischen Sprachen werden gemeinhin in folgende Gruppen eingeteilt:
- Ostsemitisch
  - Akkadisch (ausgestorben)
    - Babylonisch (ausgestorben)
    - Assyrisch (ausgestorben)
- Nordwestsemitisch
  - Amoritisch (ausgestorben)
  - Eblaitisch (ausgestorben, Zuordnung umstritten)
  - Ugaritisch (ausgestorben)
  - Kanaanäisch (ausgestorben)
    - Phönizisch-Punisch (ausgestorben)
    - Moabitisch (ausgestorben)
    - Ammonitisch (ausgestorben)
    - Hebräisch
      - Neuhebräisch (heute wieder gesprochen)
  - Aramäisch (Aramäer, auch als Gelehrten-, Handels- und Sakralsprache)
    - Westaramäische Dialekte
      - Nabatäisch (ausgestorben)
      - Palmyrenisch (ausgestorben)
      - Jüdisch-Aramäisch (Sprache der Targume, des Palästinischen Talmuds und einiger Midraschim)
      - Samaritanisch (ausgestorben)
      - Christlich-Palästinisch
      - Neuwestaramäisch (in Ma'lula in Syrien heute noch gesprochen)
    - Ostaramäische Dialekte
      - Syrisch
      - Jüdisch-Babylonisch-Aramäisch (Sprache des Babylonischen Talmud)
      - Mandäisch
      - Neuostaramäisch auch Aramoyo genannt (heute noch gesprochen)
- Südsemitisch
  - Äthiopische Sprachen
    - Ge'ez (im Alltag ausgestorben – hat noch als Sakralsprache Bedeutung)
    - Amharisch
    - Tigrinya
    - Tigré
    - Gurage
    - Aderi (die Sprache der Stadt Harar)
  - Nordarabische Sprachen
    - Klassisches Arabisch (Literatur- und Sakralsprache)
    - moderne arabische Dialekte
    - Maltesisch (auf Malta gesprochen, mit modernen maghrebinischen Dialekten verwandt)
  - Südarabische Sprachen
    - Sabäisch (ausgestorben)
    - Minäisch (ausgestorben)
    - Suqutri (heute auf der Insel Sokotra gesprochen)
    - Mehri (heute im Jemen und Oman gesprochen)
    - Dschibbali (heute im Oman gesprochen) ! S ja:セム語派

Afroasiatische Sprachen

Die afroasiatischen Sprachen (früher auch als hamitosemitisch oder semitohamitisch bezeichnet) bilden eine eigene Sprachfamilie, deren Zusammenhang von der vergleichenden Sprachwissenschaft entdeckt wurde. Diese Sprachfamilie ist eine der drei allgemein anerkannten, genetisch nicht miteinander verwandten Sprachfamilien Afrikas. Man unterscheidet folgende Zweige:
- Semitische Sprachen
- Berbersprachen
- Kuschitische Sprachen
- Bedscha (oft noch zu den kuschitischen Sprachen gezählt)
- Ägyptische Sprache
- Omotische Sprachen (lange zu den kuschitischen Sprachen gezählt)
- Tschadische Sprachen Die in Äthiopien gesprochene Sprache Birale gehört auch zur afroasiatischen Familie, die Eingruppierung in einen bestimmten Zweig ist jedoch noch nicht gelungen. Kategorie:Sprachfamilie Kategorie:Afrikanische Sprache ja:アフロ・アジア語族

Nordafrika

Als Nordafrika bezeichnet man das Gebiet des afrikanischen Kontinents Afrika, das nördlich der Wüste Sahara liegt. Es umfasst die Maghrebstaaten und Ägypten und manchen Definitionen zufolge auch den Sudan. Die Sprache ist arabisch und die Bevölkerungsmehrheit hellhäutig. Kontakte zwischen Nord- und Schwarzafrika beschränkten sich, auf Grund der Schwierigkeiten, die Wüste zu durchqueren, fast ausschließlich auf den Handel entlang der Ost- und Westküste des Kontinents und das Befahren des Nils. Dies blieb bis nach der arabischen Expansion und der Ausbreitung des Islam der Fall. Obwohl die nordafrikanische Kultur wie auch seine Einwohner sowohl afrikanische als auch mittelöstliche Wurzeln hat, sind die meisten Nordafrikaner entweder arabisch oder berberisch sprechende Moslems (und nur im Falle der Kopten, Christen). Manche nordafrikanische Länder, vor allem Ägypten und Libyen, werden politisch oft zum Nahen Ostens gezählt, wegen der intensiven Kontakte mit diesem. Zudem gehört die Sinai-Halbinsel (Teil Ägyptens) zu Asien und ist unumstrittener Teil des Nahen Ostens. Sinai-Halbinsel

Staaten Nordafrikas


- Ägypten (Hauptstadt Kairo)
- Algerien (Hauptstadt Algier)
- Libyen (Hauptstadt Tripolis)
- Marokko (Hauptstadt Rabat)
- Sudan (Hauptstadt Khartum)
- Tunesien (Hauptstadt Tunis)
- Demokratisch-arabische Republik Sahara (DARS) (ehem. Westsahara) (Hauptstadt El Aaiun, unter marokkanischer Verwaltung) Manchmal werden Äthiopien, Eritrea und Mauretanien ebenfalls als Teil dieser Region angesehen. Gewöhnlich sind aber Eritrea und Äthiopien ostafrikanische und Mauretanien ein westafrikanischer Staat.

Geschichte

Vorgeschichte

Epipaläolitische Fundstellen sind in Nordafrika selten, viele wurden vermutlich durch den steigenden Meeresspiegel vernichtet. In der Höhle von Haua Fteah (Libyen, Kyrenaika) fanden sich die Reste von wilden Schafen, Auerochsen und Gazellen. Schafknochen stammen auch aus der Höhle von Hagfet ed-Dabba. Aus Fundorten im Maghreb stammen Mahlsteine und Klingen mit Sichelglanz. Aus der Zeit des klimatischen Optimums im frühen Holozän stammen mesolithische Fundstellen mit Knochenharpunen, Mikrolithen und Mahlsteinen. Fische, Muscheln und Schnecken, Krokodile, Süßwasserschildkröten und Flusspferde wurden zur Ernährung genutzt, Knochen von Antilopen und Wildrindern zeigen, dass man auch in der Savanne jagte. In der Sahara wurden wilde Gräser wie Hirse gesammelt, in Nordafrika auch Früchte und Wurzelknollen. Keramik tritt hier sehr früh auf und ist nicht an eine voll-neolithische Wirtschaftsweise gebunden. Fundstellen im östlichen Hoggar in Libyen belegen die Jagd vor allem auf Wildschafe. Ab dem 7. Jahrtausend sind Strukturen wie Pferche und Windschirme belegt, zum Beispiel aus der Höhle von Uan Afuda. Hier fand sich auch mit Wellenlinien verzierte Keramik. Schafkoprolithen mit zerquetschen Samen belegen eine absichtliche Fütterung und daher wohl auch Stallhaltung morphologisch wilder Schafe. Auch wilde Hirse (Panicum und Setaria) wurde nachgewiesen. Aus dem 5. Jahrtausend sind eindeutige Belege domestizierter Rinder bekannt (Ti-n-Torha, Uan Muhuggiag, Aures, Amekni und Meniet in Algerien, Adrar Bous und Arlit im Niger), daneben wurde auch noch gejagt und Gräser und Wurzelknollen gesammelt. Auch Felsbilder stellen solche domestizierten Tiere dar. Sie stammen vor allem aus dem mittleren Holozän, als die Viehzucht immer bedeutender wurde. Felsbilder in der Sahara zeigen teilweise Menschen mit schwarzer Hautfarbe. Ob es sich dabei um die "Urbevölkerung" der Sahara handelt, ist unklar. J. D. Clark (1962, 1964) brachte den Anfang des Ackerbaus in Nordafrika mit einer Einwanderung relativ weniger Menschen aus dem Vorderen Orient über das dem Niltal ca. 4000 v. Chr. in Verbindung. Die Ausbreitung ins Sahel, ausgelöst durch zunehmende Austrocknung, setzt er um 2000 v. Chr. an. Aus Marokko sind Funde der neolithischen Cardial-Kultur bekannt, die auch an den Küsten Italiens, Frankreichs und Spaniens gefunden wurde. Intensiver Ackerbau ist erst seit dem ersten Jahrtausend bekannt, als in den Oasen des südwestlichen Libyens eine dichtere Besiedlung nachzuweisen ist, und Ackerbau mit unterirdischen Bewässerungskanälen (foggara) betrieben wurde. Dies ist vermutlich mit den Garamanten zu verbinden, die aus den Werken des griechischen Schriftstellers Herodot bekannt sind.

Historische Überlieferungen

Die uns geläufige Geschichte Nordafrikas fängt sicherlich mit der Geschichte des Alten Ägyptens an, ist verbunden mit der Geschichte Karthagos und setzt sich fort mit den Eroberungen durch das Römische Reich. Anschließend ließe sich noch etwas über die Wandalen und einige andere Völker berichten, die im Zuge der Völkerwanderung über die Straße von Gibraltar bis nach Nordafrika vorgedrungen und auch hier geblieben waren.

Mittelalter

Nach 632, dem Tod Mohammeds, geriet Nordafrika sehr schnell unter islamischen Einfluss.

Neuzeit

In der frühen Neuzeit kam der Großteil des Gebietes, mit Ausnahme von Marokko und dem Innern der Sahara unter die lockere Kontrolle des Osmanischen Reichs. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde es von Frankreich, Großbritannien, Spanien und Italien besetzt.

Klimaentwicklung

Das Pleniglazial um 18.000 BP war in Nordafrika durch extrem trockene Bedingungen gekennzeichnet. Man geht davon aus, dass die mittlere Temperatur bis zu 9° niedriger war als heute. Die Sahara erstreckte sich 500 km weiter südlich als heute. Das Innere der Wüste wurde unbewohnbar, und die dort ansässigen Jäger und Sammler zogen in feuchtere Gegenden, wie dem Niltal. Am Übergang zum Holozän wanderte der Monsun-Gürtel rasch nach Norden. Dadurch wurde das Klima in Nordafrika plötzlich deutlich feuchter, und zwar feuchter als heute. Schätzungen liegen zwischen 5 und 15x feuchter als heute. Die Seespiegel waren deutlich höher als im Moment. Im mittleren Holozän wurde das Klima zunehmend trockener, obwohl es auch einige feuchtere Klimaperioden gab.

Siehe auch:


- Afrika, Maghreb, Capsien

Quellen


- Graeme Barker, Transitions to farming and pastoralism in North Africa. In: Peter Bellwood/Colin Renfrew, Examining the farming/language dispersal hypothesis (Cambridge 2002) 151-160.
- J. D. Clark, The spread of food production in Sub-Saharan Africa. Journal of African History 3, 1962, 211-228.
- S. di Lernia/G. Manzi (Hrsg.), Before food production in North Africa (Forlí 1998).

Literatur

S. Faath (Hrsg.): Demokratie und Menschenrechte in Nordafrika. Hamburg (1992) Kategorie:Nordafrika ja:北アフリカ ko:북아프리카

Guanchen

Die Guanchen (auch Guantschen) waren die Ureinwohner der Kanarischen Inseln. Synonym wird auch der Begriff Altkanarier verwendet.

Geschichte

Es gab mehrere/drei Besiedlungsschübe auf die Kanaren. Die Guanchen wanderten vermutlich ab etwa 3000 v. Chr. von Ost nach West auf die Kanaren ein und brachten Vieh und Saatgut mit. Es ist wahrscheinlich, dass sie von einem Wüstenvolk aus der Sahara abstammen, welches mit Binsenbooten von Nordafrika übersetzte. Außerdem weisen archäologische Ausgrabungen auf eine (weitere) Besiedlung aus Europa hin. Um 1100 v. Chr. erreichten die Phönizier auf der Suche nach Handelsmöglichkeiten die Kanarischen Inseln. Im Zeitraum von 500 - 200 v. Chr. kommen weitere Menschen aus Nordafrika auf die Kanaren. Ein zweiter Besiedlungsschub. Höchstwahrscheinlich finden diese Leute aber schon kleine, existierende Königreiche vor (mehrere auf jeder Insel). Berber erreichten die Kanaren vom 6. Jahrhundert an bis ungefähr ins Jahr 800. Der dritte und letzte große Besiedlungsschub. Während dieser Zeit ging wahrscheinlich das antike Wissen um die Kanaren im mittelalterlichen Europa verloren. Als Kolumbus nach Amerika aufbrach, landete er auf diesen Inseln. Dort wohnten in einer Art steinzeitlicher Kultur die Guanchen. Die Bevölkerung betrug ca. 25.000 - 30.000 Einwohner. Der Eroberungskrieg durch die Spanier dauerte von 1402 bis 1496 und endete in einer für die Guanchen verheerenden Schlacht im Jahre 1495. Sie zogen sich danach ins Hochland zurück, wurden aber dennoch weitestgehend ausgerottet.

Zeittafel

Kultur

Herkunft

Über die Herkunft der Guanchen ist wenig bekannt, jedoch ist sicher, dass die Altkanarier zumindest zum Teil berberischer Herkunft waren. In Betracht kommt ebenso eine teilweise Abstammung von den Phöniziern, die auf ihren Seefahrten im Atlantik die Kanarischen Inseln - dabei aber u.U. eine schon existente Kultur - vorgefunden haben. Für eine Teil-Besiedlung aus Europa spricht die ethnische Beschaffenheit der hochgewachsenen und weißen, hellhäutigen Altkanarier. Es gibt allerdings auch Hinweise, dass ein Zusammenhang mit der ägyptischen Kultur besteht. Hierfür sprechen Bestattungsriten, die viele Parallelen zur ägyptischen Einbalsamierung zeigen. Phöniziern ]]

Sprache und Schrift

Archäologische Funde legen die Existenz einer der libysch-berberischen verwandten Schrift nahe. Auf den meisten Inseln findet man zahlreiche Petroglyphen der Altkanarier. Es sind nur noch wenige Wörter aus ihrer ausgestorbenen Sprache, dem Guanche, bekannt. So bedeutet Guanche eigentlich Mann/Mensch aus Teneriffa und wurde erst später zu einer Sammelbezeichnung. Die Sprache starb im 17. Jahrhundert aus. Allerdings haben sich bis heute Elemente dieser Sprache im Kanarischen Dialekt gehalten. So ist beispielsweise das auf den Kanaren übliche Wort für "Bus" Gua-gua. Dieses Wort ist guanchischen Ursprungs, allerdings ist unbekannt, was es ursprünglich bedeutete.

Leben

Die Guanchen waren Hirten und betrieben Ackerbau. In ihrer bäuerlichen Kultur züchteten sie Ziegen, Schafe und Schweine. Angebaut wurden Gerste, Weizen und Hülsenfrüchte. Da sich für den Ackerbau keine planen Flächen boten, legten sie riesige Terrassentreppen an, die mit Bewässerungsgräben durchzogen waren. Wissenschaftler behaupten, es soll eine Echsenart (Größe ca. 40 cm) gegeben haben, welche bejagt wurde. Metallverarbeitung war ihnen unbekannt. Kleidung und Schuhe wurden aus Tierfellen gefertigt. Bevorzugt nutzten die Ureinwohner der Kanaren kühle Berghöhlen als Wohnstätten und Vorratslager. Es wird aber ebenso von vereinzelten Hüttendörfern berichtet. Sie verwendeten einen langen Stock aus Riesenheideholz, um die extrem zerklüfteten Vulkanlandschaften zu meistern und kleine Schluchten zu überwinden. Ihre Kultur kannte Steingefäße und Kunst (kringelförmige Muster). Experten fanden Schädel mit deutlichen Anzeichen einer Trepanation. Somit mussten die Altkanarier ein gewisses medizinisches Wissen gehabt haben.

Soziale Ordnung

Die Guanchen organisierten sich in Stämmen unter einem König/Stammeshäuptling, dem sogenannten Mencey. Der wohl legendärste von ihnen lebte auf Teneriffa. Es war der Mencey Tinerfe.

Religion/Glaube

Auf Teneriffa befinden sich einige pyramidenähnliche Bauten ("Pyramiden von Güímar"), bei denen es sich möglicherweise um Kultstätten handelt; ebenso auf La Palma. Einige Guanchen wurden mumifiziert bestattet. Sie sind heute z.T. in Museen in Spanien zu besichtigen. Folglich besaßen die Guanchen wohl ein religiöses Verständnis und hatten sicherlich einen Glauben. Inwiefern sich dieser inselübergreifend überschnitt, ist nicht bekannt; d.h. es kann sich sowohl um vereinzelte Stammesreligionen, als auch um eine die ganzen Kanarischen Inseln umspannende Religionsform, gehandelt haben.

Literatur


- Harald Braem: Tanausú - König der Guanchen. Historischer Roman, Zech Verlag, Teneriffa 2003 (geschrieben 1988) ISBN 84-933108-0-8
- Harald Braem: Die Geheimnisse der Pyramiden. Sachbuch, Heyne 1999, ISBN: 345314774X
- Horst Uden: Der König von Taoro - Historischer Roman der Eroberung Teneriffas. Zech Verlag, Teneriffa 2003 (geschrieben 1941) ISBN 84-933108-4-0

Weblinks


- http://www.haraldbraem.de
- http://www.mysteria3000.de/wp/?p=56 Kategorie:Afrikanische Ethnie

Ägypten

Ägypten ( Misr) liegt im Nordosten Afrikas, die zu Ägypten gehörende Halbinsel Sinai wird im allgemeinen zu Asien gezählt. Das Land grenzt an das Mittelmeer, das Rote Meer (Golf von Aqaba), den Gaza-Streifen, Israel, Libyen und den Sudan. Die Landfläche Ägyptens besteht im wesentlichen aus der Stromoase des Nils sowie der Libyschen Wüste im Westen und Süden und der östlichen arabischen Wüste.

Geographie

Der landschaftliche Charakter Ägyptens ist geprägt vom Gegensatz der Wüstengebiete und dem dicht besiedelten, bewässerten Kulturland entlang des Nils. Diese Landfläche macht etwa 5% des Territoriums aus. Im Westen Ägyptens liegt die Libysche Wüste, die rund zwei Drittel der Staatsfläche einnimmt. Im Norden dieser Wüste befindet sich das nur recht niedrig gegliederte Libysche Plateau, das in Ägypten bis 241 m Höhe erreicht. Südöstlich dieses Gebiets senkt sich das Gelände in der Kattara-Senke auf knapp 134 m unter den Meeresspiegel ab, im Südwesten steigt es bis 1.098 m Höhe an. Im Osten Ägyptens, wo sich die Arabische Wüste befindet, erheben sich die Berge bis auf 2.184 m. Die höchste Erhebung des Landes ist mit 2.637 m Höhe der Gabal Katrîna (Katharinenberg) im Gebirge Gabal at- auf der Sinai-Halbinsel, die sich im Nordosten des Landes befindet und durch den Sueskanal vom afrikanischen Festland getrennt ist. Der Mittelteil des Landes erhebt sich bis durchschnittlich 500 m Höhe. Zwischen den beiden zuvor genannten Wüsten durchfließt der Nil, dessen Quellfluss der Kagera im Gebirgsland von Burundi ist, auf etwa 1.550 km Länge in Ägypten von Süden nach Norden, bevor er nach Durchfließen des 24.000 km² großen Nildeltas in das Mittelmeer mündet. Durchschnittlich 100 km südwestlich von Kairo befindet sich das 1.827 km³ große Fayyum-Becken, eine beckenartige Oasenlandschaft, in deren Nordteil sich der 230 km² große Qarun-See befindet. Die Küsten liegen im Norden zum Mittelmeer, im Osten zum Roten Meer, beide sind durch den Sueskanal miteinander verbunden.

Klima

Am Nildelta und an der Mittelmeerküste herrscht mediterranes Klima, dort gehen im Winter die Temperaturen herunter und es kommt zu Regenfällen. Der Rest des Landes unterliegt dem Wüstenklima: Heiß und trocken im Sommer, mild im Winter, kaum Regen.

Bevölkerung

Die Bevölkerung Ägyptens siedelt primär im Niltal, im Nildelta, am Sueskanal und am touristisch bedeutsamen Roten Meer. In den westlichen Oasen Fajum, Dachla, Farafra, Siwa und Charga leben nur wenige Menschen. Die größten Städte sind (Mio. Einwohner, Stand 1. Januar 2005): Kairo (7,7), Alexandria (3,8) und Gizeh (2,4), Assuan und Sues. Siehe auch: Liste der Städte in Ägypten

Ethnien

Die Mehrheit der ägyptischen Bevölkerung sind Araber. Darüber hinaus sind im Süden Ägyptens Nubier ansässig. In der libyschen Wüste lebten einst Berberstämme, von denen heute jedoch nur noch wenige in der Oase Siwa eine Berbersprache sprechen, in den Wüsten östlich des Nils leben arabisch- und Bedscha-sprachige Nomaden.

Religionen

Ägypten ist der Verfassung nach ein islamischer Staat und der Islam ist Staatsreligion, die Scharia ist die Hauptquelle der Gesetzgebung. Neben der sunnitischen Mehrheit findet man jedoch in Kairo und Alexandria, aber auch auch in Mittel- und Oberägypten, christliche, vor allem Kopten, die nicht selten in überwiegend christlichen Dörfern leben. Eine amtliche Zählung der Christen wird bewusst nicht durchgeführt, obwohl die Religion im Pass eingetragen sein muss. 90,7 % der Ägypter sind Muslime (meist Sunniten) , 8,5 % sind Christen (meis Kopten) und 0,8 andere. Besonders in Oberägypten sind die Kopten Ziel des Terrors radikaler Muslime geworden, häufig mit Wissen und Billigung der lokalen Behörden. Muslime die zum Christentum übertreten, müssen mit staatlichen Zwangsmaßnahmen rechnen. Neue Kirchen dürfen nicht gebaut werden, auch kleinere Reparaturen bedürfen eines Präsidialerlasses. Ägypten ist seit Jahrzehnten, neben Saudi-Arabien, Zentrum des islamischen Fundamentalismus.

Sprachen

Die Sprache des alten Ägyptens, die sich im Koptischen fortsetzt, wird heute nur noch als Sakralsprache gesprochen. Heute spricht man Ägyptisch-Arabisch, einen neuarabischen Dialekt. Schriftsprache ist seit der arabischen Eroberung im 7. Jh. das Hocharabische, nur in der koptischen Kirche wird als Liturgiesprache noch das Koptische verwendet, das in eigener Schrift, die von der griechischen abgeleitet ist, geschrieben wird. In der Oase Siwa (auch Siwah) spricht man noch eine Berbersprache, das so genannte Siwi. Im Süden und in der Oase Charga sprechen viele Menschen Nubisch. Im Südosten gibt es auch Bedscha-Sprecher. Als Fremdsprache ist Englisch und in der Oberschicht auch noch Französisch verbreitet. In Ägypten gibt es auch orthodoxe religion.

Bevölkerungsentwicklung

Französisch Die Bevölkerung Ägyptens wächst sehr schnell und stellt das ohnehin schon in seinen fruchtbaren Teilen sehr dicht besiedelte Land vor große Probleme. Um 1800 hatte das Land nur etwa 2,5 Millionen Einwohner. Im Jahre 1900 erreichte die Bevölkerung etwa 12 Millionen Einwohner, 2000 schon fast 68 Millionen. In der Vergangenheit, etwa in sicheren Zeiten unter den Pharaonen hatte das Land zwischen 4 bis maximal 12 Millionen Einwohner, eine Bevölkerungszahl, die wohl auch in der Spätantike erreicht wurde.

Geschichte

Die Anfänge der ägyptischen Zivilisation liegen ca. 7.000 Jahre in der Vergangenheit. Die ägyptische Geschichte wird in viele Epochen gegliedert: Epochen]
- Vordynastische Zeit bis 3150 v. Chr.
- Pharaonenzeit
  - Frühdynastische Zeit 3032 - 2707 v. Chr.
  - Altes Reich 2707 - 2216 v. Chr.
  - Erste Zwischenzeit 2216 - 2025 v. Chr.
  - Mittleres Reich 2010 - 1793 v. Chr.
  - Zweite Zwischenzeit 1648 - 1550 v. Chr.
  - Neues Reich 1531 - 1075 v. Chr.
  - Dritte Zwischenzeit 1075 - 652 v. Chr.
  - Spätzeit 652 - 332 v. Chr.
  - Griechisch-Römische Zeit 332 v. Chr. - 395 395]
- Byzantinische Zeit 395 - 638
- Frühislamische Zeit 640 - 968
- Fatimidenzeit 969 - 1171
- Ayyubidenzeit 1171 - 1250
- Mamlukenzeit 1250 - 1517
- Osmanenherrschaft in Ägypten 1517 - 1801
- Ägyptische Expedition 1798 - 1802
- Dynastie des Muhammad Ali 1805 - 1882
- Britische Herrschaft in Ägypten 1892 - 15. März 1922
- Königreich Ägypten 19. April 1922 - Juli 1952
- Republik Ägypten seit Juli 1953 Speziell die Einteilung der geschichtlichen Perioden der vorchristlichen Zeit geht auf Manetho zurück, der die Herrscherlisten des alten Ägyptens bis zum letzten ägyptischen Pharao in 30 Dynastien eingeteilt hat. Siehe dazu auch den Hauptartikel: Geschichte des Alten Ägypten Aus der altägyptischen Kultur sind bis heute eine Reihe von Bauwerken erhalten. Die wohl bekanntesten sind die Pyramiden von Gizeh, das einzige noch erhaltene der 7 antiken Weltwunder. Die Zentrum der Wissenschaften, vor allem der jüdischen und christlichen Theologie und Philosophie (siehe auch Alexandrinische Schule). In späterer Zeit wurden christliche Kirchen und Klöster gebaut. Das bekannteste Kloster ist das auf der Sinai-Halbinsel liegende Katharinenkloster. Die meisten der in islamischer Zeit errichteten Moscheen stehen in Kairo. Deren bedeutendste Moschee ist wohl die zur gleichnamigen Universität gehörige Al-Azhar-Moschee.

Politik

Siehe auch: Politisches System Ägyptens Ägypten ist seit dem 18. Juni 1953 eine Republik. Das Staatsoberhaupt ist seit 14. Oktober 1981 Muhammad Husni Mubarak, der gleichzeitig Führer der regierenden Nationaldemokratischen Partei (NDP) ist. Ein Referendum über die Wahl eines vom Parlament vorgeschlagenen Präsidentschaftskandidaten findet alle 6 Jahre statt, nach einer Ankündigung von Mubarak vom 26. Februar 2005 sollen daraus jedoch in Zukunft freie Wahlen mit mehreren zugelassenen Kandidaten werden. Die nächsten Parlamentswahlen (alle 5 Jahre) sollen im Oktober/November 2005 stattfinden. Die letzten Wahlen (2000) zum 454 Sitze umfassenden "Rat des Volkes" (10 Sitze werden vom Präsidenten vergeben) gewann die NDP mit 86%, es folgten die Unabhängigen (darunter die Kandidaten der Muslim-Bruderschaft) mit 8%, die Neue Wafd-Partei (NWP) mit 2%, die Nationalprogressive Gewerkschaftsvereinigung Al-Tagammu‘ (NPUG) mit 1% und die Nasseristische Partei sowie die Liberale Partei mit jeweils weniger als 1%. Der Präsident ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte und hat das Recht, Dekrete zu erlassen. Beratendes Legislativorgan ist die Schura. Hauptquelle der Gesetzgebung ist die Scharia. Ein Verfassungsgericht überwacht die konstitutionelle Ordnung.

Verwaltungsgliederung

Siehe hierzu: Gouvernorate Ägyptens

Wirtschaft

Gouvernorate Ägyptens Die Wirtschaft Ägyptens wird auch heute noch durch die Landwirtschaft geprägt, die sich hauptsächlich auf die Regionen entlang des Nils, im Nildelta und an einzelnen Oasen befinden. Dabei hat sich der landwirtschaftliche Anbau von einer Subsistenz- zu einer Exportorientierung gewandelt, so dass relativ betrachtet weniger landestypische Nahrungsmittel wie Hirse, Saubohnen und Kohl geerntet werden. Dennoch ist Ägypten nicht fähig, seine stark anwachsenden Bevölkerung zu ernähren, so dass riesige Mengen an Lebensmitteln importiert werden müssen - im Jahr 1980 wurden über 5 Mio. Tonnen Weizen aus dem Ausland eingeführt bzw. dreimal soviel, wie in Ägypten selbst angebaut wurde. Die Lebensmitteleinführung macht etwa einen Viertel der Gesamteinfuhr aus, was etwa 3 Mrd. US-Dollar entspricht. Zudem existiert ein riesiges Missverhältnis zwischen Im- und Export, was zu einer enormen Auslandsverschuldung geführt hat. Dieses Problem wird sich auch nicht so schnell beenden lassen, da Ägypten bis auf die bereits genutzten Flächen für die Landwirtschaft kaum bis gar nicht nutzbar ist, da sie sehr arid sind und kaum Wasserquellen für künstliche Bewässerung vorhanden sind. Ein weiterer negativer Punkt für den Lebensmittelanbau in Ägypten ist die Errichtung des Assuan-Staudamms; er sorgte dafür, dass die Überflutung des Nils fast nicht mehr existiert und somit die Ernten bzw. Ernteflächen kleiner und unfruchtbarer wurden. Zurzeit werden jedoch im Rahmen des Toshka-Projekts Teile der ägyptischen Wüste westlich des Nils für die Landwirtschaft nutzbar gemacht. Die wichtigsten Exportgüter Ägyptens sind Erdöl, Baumwolle und Aluminium, die wichtigsten Importgüter sind Nahrungsmittel, chemische Produkte, Metalle und Maschinen. Ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig ist der Tourismus, der nach den Terroranschlägen in Luxor am 17. November 1997 und in den USA am 11. September 2001 jedoch starke Einbrüche verkraften musste.

Tourismus

11. September 2001 Der Tourismus ist eine der wichtigsten wirtschaftlichen Einnahmequellen im Land. Besonders die ägyptischen Altertümer sind ein großer Anziehungsmagnet für ausländische Besucher. Neben Gizeh und Kairo wird auch Luxor gern besucht, von wo aus unter anderem das Tal der Könige erreicht werden kann. Luxor ist auch der Ausgangspunkt für Nilkreuzfahrten bis nach Assuan. Von dort werden Flüge und Bus- Touren nach Abu Simbel angeboten. Die meisten Reiseveranstalter bieten dann einen Inlandsflug nach Kairo und nach diesem Kairo- Aufenthalt einen Badeurlaub in Hurghada an. Die Touristenhochburg ist unbestreitbar Hurghada am Roten Meer. Der moderne Touristenort Sharm El-Sheikh an der Südspitze der Sinai-Halbinsel ist besonders bei Freunden des Tauchsports sehr beliebt. Allerdings ist der Touristenansturm auf Sharm El-Sheikh und die Sinai-Halbinsel an sich seit den Anschlägen im Oktober 2004 und Juli 2005 stark zurückgegangen. Durch den allgemein weiter steigenden Tauch-Tourismus werden auch Orte im Süden, entlang der westlichen Küste des Roten Meeres, erschlossen. Hierzu zählen El Quesir und Marsa Alam, sowie kurz vor der sudanesischen Grenze Zabargad.

Kultur

Siehe auch: Musik Ägyptens Das Deutsche Welle-TV strahlt ab dem 28. Februar 2005 täglich drei Stunden arabisches Programm über den ägyptischen Satelliten NileSat in den Nahen Osten aus.

Literatur


- [http://susi.e-technik.uni-ulm.de:8080/Meyers2/seite/werk/meyers/band/1/seite/0209/meyers_b1_s0209.html#%C4gypten Ägypten], Meyers Konversationslexikon, 4. Aufl., 1888, Band 1, Seite 209 ff. Zum alten Ägypten siehe:
- Umfangreiche Literaturliste zum Thema
- Hermann A. Schlögl: Das alte Ägypten (Beck Wissen), München 2003 (knappe Einführung mit Literatur).

Weblinks


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- [http://www.sis.gov.eg/ Offizielle Webseite]
- [http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?type_id=14&land_id=2 Informationsseite des Auswärtigen Amtes (D) über Ägypten]
- [http://www.mein-altaegypten.de/ Das Alte Ägypten] Für Ägypten-Interessierte, die sich für die pharaonische Vergangenheit interessieren.
- [http://www.chufu.de/ Ägypten - Land am Nil] Informationen über das Land und seine Sehenswürdigkeiten. Mit Pharaonenliste, Erläuterungen zu Pyramiden, Städten, Tempeln, Nil und Totenkult, Reiseberichte und Reisetipps.
- [http://www.faszination-aegypten.de Faszination Ägypten]: ein weiteres Portal zum alten Ägypten
- [http://www.evdaniken.com/index-g.htm Ägypten aus mystischer Sicht]: Mysterien im alten Ägypten
- [http://www.antikreisen.de/egypt/ Antikes Ägypten] Geschichte, Geographie, Religion, Schrift, Fotos und Rezepte
- [http://anaconda-forum.de/wew00.html Bildergalerie Wüste]
Agypten Agypten Kategorie:Mittelmeer als:Ägypten ja:エジプト ko:이집트 ms:Mesir simple:Egypt th:ประเทศอียิปต์ zh-min-nan:Ai-ki̍p

Marokko

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Das Königreich Marokko (المملكة المغربية ) ist ein Staat in Nordwest-Afrika. Es grenzt an Algerien, Mauretanien, die beiden spanischen Exklaven Ceuta und Melilla, den Atlantik und das Mittelmeer. Marokkos Südgrenze bleibt jedoch wegen des Westsaharakonfliktes bis zum Abhalten eines UNO-Referendums über die zukünftige Zugehörigkeit der Westsahara international umstritten.

Landesname

Während sich das Land in der eigenen offiziellen Staatsbezeichnung "al-Mamlakah al-Maghribiyah" anspruchsvoll und eher allgemein als "Maghrebinisches Königreich" bezeichnet (bis in die 1960er übrigens "Scherifisches Maghrebinisches Königreich") hat sich international die europäische Ableitung des Namens der ehemaligen Hauptstadt Marrakesch für das gesamte Königreich Marokko durchgesetzt.

Geographie

Die wichtigsten Städte sind (Stand Volkszählung 2. September 2004): # Casablanca: 2.933.684 Einwohner # Rabat: 1.622.860 Einwohner # Fès: 946.815 Einwohner # Marrakesch: 823.154 Einwohner # Agadir: 678.596 Einwohner Siehe auch: Liste der Städte in Marokko

Bevölkerung

Rund 60% (Januar 2005) der Bevölkerung leben in Städten. Nordmarokko mit der alten Metropole Fes sind eher arabisch, Südmarokko und dessen Metropole Marrakesch eher berberisch geprägt.

Sprache

Die landesweite Amtssprache ist Arabisch. Von Marokkanern berberischer Abstammung werden auch diverse Berbersprachen (Tachelhit, Tamazight, Ghomara, Tarifit, Senhaja de Srair, und ehemals auch Judeo-Berberisch) gesprochen. Französisch wird im gesamten Land als Geschäfts- und Bildungssprache benutzt, verliert aber langsam an Bedeutung bei der Bevölkerung. Im Norden Marokkos wird zusätzlich Spanisch gebraucht (aber auch andere westliche Sprachen). Im Süden ist Französisch sehr angebracht um sich zu verständigen. Englisch ist kaum verbreitet.

Religion

98% der Bevölkerung sind Muslime, 1,4% Christen und 0,6% Juden. Der Islam in Marokko ist durchaus liberaler als in anderen arabischen Staaten, was vermutlich mit der engen Bindung an Europa zusammenhängt. Nicht mehr alle Frauen tragen ein Kopftuch oder Schleier. Besonders in den Städten kleiden sich immer mehr Frauen nach europäischen Vorbild betont modisch. Auch alleine Ausgehen ist für Frauen zumindest in den Städten kein Problem mehr.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Marokkos Marokko wurde seit Beginn der historischen Überlieferung von Berberstämmen bewohnt, die im 3. Jahrhundert v. Chr. das Königreich Mauretanien bildeten. Nach der römischen Herrschaft mussten sich die Berber am Ende des 7. Jahrhunderts den Muslimen unterwerfen. Schnell wurde der Islam von den Berbern übernommen, doch kam es wegen Diskriminierungen durch die arabischen Muslime bald zu Aufständen. Diese führten schon im 8. Jahrhundert zur Bildung eigenständiger Reiche. Die bedeutendsten Dynastien im Mittelalter waren die Almoraviden, die Almohaden und Meriniden. Den Almoraviden gelang im 12. Jahrhundert sogar die erstmalige Vereinigung des Maghreb unter dem Einschluss von Andalusien. Die folgenden Dynastien blieben in ihrer Herrschaft weitgehend auf Marokko beschränkt. Seit dem 15. Jahrhundert war die Berberbevölkerung auch weitgehend arabisiert. Mit den Alawiden kam im 17. Jahrhundert die bis heute in Marokko regierende Dynastie an die Macht. Sie konnte die Unabhängigkeit des Landes gegenüber den europäischen Kolonialmächten lange behaupten und musste erst 1912 das französische Protektorat anerkennen. Doch schon bald nach dem Zweiten Weltkrieg war Frankreich gezwungen, Marokko in die Unabhängigkeit zu entlassen (1956). Im selben Jahr gab auch Spanien sein 1912 besetztes an der marokkanischen Mittelmeerküste gelegenes Protektorat Spanisch-Marokko zurück. 1976 annektierte Marokko nach dem Grünen Marsch von 1975, an dem über 350.000 unbewaffnete marokkanische Zivilisten teilnahmen, die benachbarte Westsahara, die bisher als Kolonie von Spanien verwaltet wurde und vorher unter weitgehendem marokkanischem und (gebietsweise) mauretinischem Einfluss stand. Der damalige König Marokkos, Hassan II., bat den internationalen Gerichtshof in Den Haag um ein Urteil, das die historische Zugehörigkeit der Westsahara zu Marokko belegen sollte. Der internationale Gerichtshof in Den Haag sprach Marokko jedoch sämtliche Besitzansprüche auf die besetzten Gebiete ab, worauf Marokko das Urteil schlicht ignorierte. Die UNO forderte Marokko auf, in einer Volksabstimmung die verbliebene und die vertriebene Bevölkerung der Westsahara über Freiheit oder Zugehörigkeit zu Marokko entscheiden zu lassen. Hassan II. stimmte diesem Vorgehen zu, die Abstimmung hat jedoch bis heute nicht stattgefunden. Indes betreibt Marokko eine umfassende Besiedlungspolitik in der Sahara, wohl um den marokkanischen Bevölkerungsanteil bis zur Abstimmung groß genug werden zu lassen. Ein Teil der saharouischen Bevölkerung lebt in Flüchtlingslagern in der algerischen Sahara. Wegen der Aufnahme der Arabischen Demokratischen Republik Sahara in die Afrikanische Union (AU) hat Marokko als einziger afrikanischer Staat es vorgezogen, nicht Mitglied der AU zu sein. Siehe auch: Westsaharakonflikt, Liste der Könige Marokkos, Liste der französischen Generalresidenten für Marokko, Liste der Premierminister von Marokko.

Politik

Marokko ist eine konstitutionelle Monarchie, deren derzeitiges Staatsoberhaupt, seit dem 23. Juli 1999, König Mohammed VI. ist. König Mohammed VI. gehört der Dynastie der Alawiden an, die seit über drei Jahrhunderten über Marokko herrscht. Er ist nicht nur weltliches, sondern als Führer der Gläubigen auch geistiges Oberhaupt der marokkanischen Bevölkerung. Der König ernennt nicht nur den Premierminister, der in der Regel von der stärksten politischen Partei des Parlamentes vorgeschlagen wird, sondern auch das gesamte Kabinett und verfügt daneben über zahlreiche Befugnisse, die seine Position als mächtigste Instanz des Staates untermauern. Im Vergleich zu europäischen Monarchien hat der marokkanische König weitergehendere Kompetenzen, wobei jedoch in der Praxis der Premierminister die politischen Tagesgeschäfte führt. Derzeitiger Premierminister ist seit dem 7. November 2002 der parteilose Driss Jettou. Marokko verfügt seit einer konstitutionellen Reform von 1996 über ein parlamentarisches Zweikammernsystem a