Berlin-Grunewald
Grunewald ist ein Ortsteil im Westen des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin und wurde nach dem gleichnamigen Forst Grunewald benannt.
In den 1880er Jahren verkaufte der Preußische Staat nach persönlicher Intervention von Kanzler Otto von Bismarck 234 Hektar des Forstes Grunewald an ein Bankenkonsortium, das die Villenkolonie oder spätere Millionärskolonie Grunewald errichtete. In diesem Zusammehang wurde auch der Kurfürstendamm ausgebaut.
Aufgrund baulicher Vorgaben waren große Grundstücke erforderlich, die nur zu einem geringen Teil bebaut sein durften. So entwickelte sich Grunewald zu einer der wohlhabendsten Wohngegenden Berlins, obwohl die Villen stilistisch sehr heterogen sind. Im selben Jahr wurden die zum Zwischenurstromtal Grunewaldseenkette gehörenden Seen Hubertussee ('vorher' Torffenn), Herthasee (Rundes Fenn), Koenigssee (Langes Fenn) und Dianasee (Diebsloch) ausgehoben und über artesische Brunnen mit Wasser gefüllt. Man schlug damit zwei Fliegen mit einer Klappe: zum einen beseitigte man damit Moorgebiete (Fenns), die man als Infektionsherde fürchtete, zum anderen legte man gleichzeitig Attraktionen für die potenziellen Bewohner an, da sich die Villen um die Seen gruppierten und die Seeufer und Hangbereiche frei von jeder Bebauung blieben und zu privaten Garten- und Parkanlagen wurden. Erwartungsgemäß zog es in großer Zahl Unternehmer, Bankiers, Professoren und Künstler in das Gebiet.
Bei der Eingemeindung nach Groß-Berlin 1920 wurden in
Berlin-Grunewald-Landgemeinde 6.449 Einwohner und in
Berlin-Grunewald-Forst-Gutsbezirk 507 Einwohner gezählt.
Über den Bahnhof Grunewald besteht ein direkter Anschluss zur S-Bahn; von dort geht es stadteinwärts ins alte, beschauliche Villenviertel oder stadtauswärts direkt in den Wald.
Nicht vergessen werden darf aber, dass während des Zweiten Weltkrieges seit Oktober 1941 die Deportation der Berliner Juden vorwiegend in östlich gelegene Konzentrations- und Vernichtungslager von Berlin-Grunewald erfolgte. Hieran erinnert seit 1998 das Mahnmal Gleis 17.
Bewohner
Die Grunewalder leben sprachlich korrekt in, nicht im Grunewald.
Grunewald hatte viele berühmte Bewohner aus Politik, Wissenschaft, Kultur und Kommerz:
- Ingeborg Bachmann, Hasensprung 2 und Koenigsallee 53
- Walter Benjamin, 1913-1928, Delbrückstr. 23
- Dietrich Bonhoeffer, Wangenheimstr. 14
- Arno Breker, 1940, Koenigsallee 65
- Emma Cotta, Auguste-Viktoria-Str. 4, danach 1945-1957 Caspar-Theyß-Str. 14
- Lion Feuchtwanger, 1930-1933, Regerstr.
- Carl Fürstenberg, Koenigsallee 53
- Maximilian Harden, 1900-1922, Wernerstr. 16
- Heinrich Himmler, Hagenstr. 22
- Gerhart Hauptmann, Trabener Str. und Hubertusallee
- Engelbert Humperdinck, 1901-1912, Trabener Str.
- Harald Juhnke, 1929 - 2005, Lassenstraße 1
- Alfred Kerr, 1912-1933, Douglasstr.
- Harry Graf Kessler, 1925-1930, Höhmannstr. 6
- Hildegard Knef, Bettinastr. 12
- Romy Schneider, Winkler Straße 12
- Else Lasker-Schüler, 1913, Humboldtstr. 13
- Max Pechstein, 1945-1955
- Max Planck, 1905-1944, Wangenheimstr. 21
- Walther Rathenau, 1910-1922, Koenigsallee 65
- Max Reinhardt, 1902-1905, Fontanestr. 8
- Ferdinand Sauerbruch, 1939-1951, Herthastr. 11
- Grethe Weiser, Herthastr. 17a
- Samuel Fischer, Erdener Straße 8
- Artur Brauner, Koenigsallee
- Helmut Käutner, Koenigsallee 18g
- Brigitte Mira, Koenigsallee
- Vicki Baum, Koenigsallee 43-45
Literatur
- Helga Gläser, Karl-Heinz Metzger u.a., 100 Jahre Villenkolonie Grunewald 1889-1989, Bezirksamt Wilmersdorf von Berlin 1988
Grunewald
Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf
Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf ist der 4. Verwaltungsbezirk von Berlin, der durch die Fusion der bisherigen Bezirke Charlottenburg und Wilmersdorf (beide ehemals Westteil) entstanden ist.
Der Bezirk gilt heute als eher bürgerlicher Wohnbezirk. In Charlottenburg-Wilmersdorf befinden sich der Kurfürstendamm, die Technische Universität Berlin und die Deutsche Oper Berlin.
Geschichte
Deutsche Oper Berlin
Charlottenburg ist aus der Gemeinde Lietzenburg (ursprünglich: Lietzow) hervorgegangen, auf deren Territorium zu Ehren von Königin Sophie Charlotte das Schloss Charlottenburg errichtet und 1705 die Stadt Charlottenburg gegründet wurde. Bis zur Eingemeindung zu Groß-Berlin (1920) entwickelte sich Charlottenburg zur reichsten Stadt Preußens.
Nach der Oktoberrevolution wohnten zahlreiche russische Intellektuelle in Charlottenburg, weshalb es von den Berlinern auch Charlottengrad genannt wurde, auch heute befinden sich rund um den Stuttgarter Platz wieder zahlreiche russische Läden.
Am 2. Juni 1967 wurde bei einer Demonstration gegen den Schah von Persien gegenüber der Deutschen Oper Berlin der Student Benno Ohnesorg erschossen, während in der Oper für den Schah die Zauberflöte aufgeführt wurde.
Am Kurfürstendamm wurde am 11. April 1968 Rudi Dutschke, eine
der populärsten Figuren der Studentenbewegung, auf offener Straße
angeschossen. und lebensgefährlich verletzt. Elf Jahre später erlag er als
Spätfolge einem epileptischen Anfall in der Badewanne.
Ortsteile und Ortslagen
Studentenbewegung]
Studentenbewegung]
- 04 Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf (Aufteilung laut Beschluss der BVV vom 30. September 2004)
- 0401 Charlottenburg war bis 1920 eine selbständige Großstadt westlich des alten Berlin.
- Witzleben
- Kalowswerder
- Martinekenfelde
- 0406 Charlottenburg-Nord
- Jungfernheide
- Paul-Hertz-Siedlung
- Plötzensee
- 0404 Grunewald entstand aus der Villenkolonie oder späteren Millionärskolonie Grunewald.
- 0407 Halensee
- 0403 Schmargendorf konnte bis heute seinen eigenständigen, eher kleinstädtischer Charakter mit eigenem Ortszentrum in der Breiten Straße und der Berkaer Straße erhalten.
- 0405 Westend
- Pichelsberg
- Ruhleben
- Siedlung Eichkamp
- Siedlung Heerstraße
- 0402 Wilmersdorf war bis 1920 eine Großstadt südwestlich des alten Berlins. Der historische Kern befindet sich an der Straße Wilhelmsaue.
- Rheingau-Viertel
Sehenswürdigkeiten
Wilmersdorf]
- Grunewaldturm
- Kreuzkirche in Schmargendorf
- Dorfkirche in Berlin-Schmargendorf
- Rathaus Schmargendorf
- Mahnmal Gleis 17 am Bahnhof Grunewald
- Denkmal am Schildhorn für Jaxa von Köpenick
Jaxa von Köpenick]
- Schloss Charlottenburg
- Luisenkirche von Karl Friedrich Schinkel auf dem Gierkeplatz
- Rathaus Charlottenburg
- Funkturm
- Messegelände und ICC Berlin
- Deutsche Oper Berlin
- Theater des Westens
- Schiller-Theater
- Berliner Olympiastadion und das Olympiagelände
- Breitscheidplatz mit Gedächtniskirche, Europa-Center und Wasserklops
- Gedenkstätte Plötzensee
Siehe auch: Sehenswürdigkeiten in Berlin
Weblinks
- [http://www.charlottenburg-wilmersdorf.de/ Homepage des Bezirkes]
- [http://www.charlottenburg-wilmersdorf.de/wissenswertes/geschichte/bezirk.html Geschichte des Bezirks]
Charlottenburg-Wilmersdorf
Grunewald (Forst)
Der Grunewald ist ein rund 4.500 Hektar großes Forstgebiet in den westlichen Berliner Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf und Steglitz-Zehlendorf. Der Wald ist Namensgeber der Villenkolonie und Ortsteils Berlin-Grunewald.
Nach Westen hin wird der Forst Grunewald von der Havel begrenzt. Er wird von einer Kette kleinerer Seen durchzogen, der danach benannten Grunewaldseenkette. Die größten davon sind der Grunewaldsee, der Schlachtensee und die Krumme Lanke. An der Havel gelegen befindet sich auf dem Karlsberg der Grunewaldturm.
Auf dem Gelände des Grunewalds liegt auch die mit 120 m über NN höchste Erhebung Berlins, der aus Trümmerschutt des Zweiten Weltkriegs aufgeschüttete Teufelsberg, und der alte Friedhof Grunewald-Forst.
Geschichte
Überblick
Teufelsberg
In dem zunächst Teltower Heide oder Spandower Heide genannten Waldgebiet wurde im Jahre 1542 vom Baumeister Caspar Theiss ein Jagdschloss für den Kurfürsten Joachim II. von Brandenburg errichtet. Fortan wurde der Grunewald bis zum Jahre 1904 hauptsächlich als herrschaftliches Jagdgebiet genutzt. Mit der Verkehrsanbindung über den Bahnhof Grunewald an der den Grunewald durchschneidenden Wetzlarer Bahn im Jahr 1879 entwickelte sich der Grunewald zum Berliner Naherholungsgebiet. Einige Gebiete des Grunewalds wurden in den folgenden Jahren zum Siedlungsbau umgewidmet, so etwa die gleichnamige Villenkolonie Grunewald im Jahre 1889 und die Siedlung Eichkamp im Jahre 1919.__NOTOC__
Ankauf 1915 im Dauerwaldvertrag
Mit dem so genannten Dauerwaldvertrag, „Dauerwaldkaufvertrag" oder auch „Jahrhundertvertrag" kaufte 1915 der kommunale Zweckverband Groß-Berlin erhebliche Waldflächen in der Berliner Umgebung vom Königlich-Preußischen Staat, darunter auch Teile des Grunewalds. Die heutige Großstadt Berlin, die fünf Jahre später aus dem Zweckverband hervorging, trat als Rechtsnachfolgerin in den Vertrag ein, so dass der Grunewald seither im Besitz Berlins beziehungsweise der Berliner Forsten ist.
Berlin
Grund für den Dauerwaldvertrag war unter anderem die ausufernde Bodenspekulation zu Beginn des 20. Jahrhunderts gerade auch im Grunewald, die dadurch verursachte Waldvernichtung sollte aus ökologischen und gesundheitspolitischen Gründen eingedämmt werden. Als Ausdruck der so genannten Ersten Deutschen Umweltbewegung kamen auf Initiative zweier Berliner Zeitungen 1904 30.000 Unterschriften bei einer Protestaktion gegen die Vernichtung des Grunewalds zusammen. An den dennoch weitergehenden Spekulationen beteiligten sich sowohl der Staat wie auch private Waldbesitzer, im Jahr 1909 erreichte die Spekulation mit Waldflächen im Berliner Raum einen Umfang von rund 1800 Hektar. Der „Zweite Berliner Waldschutztag" vom 16. Januar 1909 wandte sich vehement gegen die rücksichtslose Spekulation und Waldvernichtung. Laut Forstrat Martin Klees fand die Beunruhigung der Bevölkerung ... ihren erneuten Niederschlag in einem von einer Groß-Lichterfelder Zeitung herausgebrachten Sonderabzug mit der Überschrift: »DER GRUNEWALD IST DEM VERDERBEN GEWEIHT.«
Der Abschluss des Dauerwaldvertrages mit dem Ankauf auch des Grunewalds geht somit nicht zuletzt auf den Druck der ersten Deutschen Umweltbewegung zurück.
Quellen
Literatur
- Martin Klees, Der Berliner Waldbesitz im Wandel der Zeiten, in: AFZ - Allgemeine Forstzeitschrift 29, 1963, S. 450ff
- Reiner Cornelius, Geschichte der Waldentwicklung", Hrsg. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz Berlin, Reihe Monitoringprogramm Naturhaushalt, Heft 3, Vertrieb durch Kulturbuchverlag Berlin, 1. Aufl. 1995 ISSN 0946-3631
Weblinks
- [http://www.luise-berlin.de/bms/bmstxt99/9901nova.htm Hainer Weißpflug, Das Landeswaldgesetz wird erlassen, in: Edition Luisenstadt 1999, S. 47-49]
- [http://www.stadtentwicklung.berlin.de/forsten/ Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Forsten]
Kategorie:Berlin
Kategorie:Waldgebiet
Preußen
Preußen (lat.: Borussia, Prussia oder Prutenia; poln. Prusy; russ.: Prussija; lit. Prūsija) war ursprünglich das Gebiet des baltischen Volksstamms der Pruzzen, später eines der Länder des Deutschen Ordens und seit dem 16. Jahrhundert ein Herzogtum der Hohenzollern unter polnisch-litauischer Lehenshoheit, das seit 1618 in Personalunion mit der Mark Brandenburg verbunden war. Nachdem Teile Preußens 1660 im Frieden von Oliva souverän geworden waren, bildeten sie ab 1701 ein selbständiges Königreich, dessen Name schließlich alle Herrschaftsgebiete der Hohenzollern bezeichnete. Das Königreich Preußen gehörte von 1815 bis 1866 mit Ausnahme der Provinzen Posen, Ost- und Westpreußen dem Deutschen Bund und von 1867 bis 1871 mit seinem ganzen Territorium dem Norddeutschen Bund an. Von 1871 bis 1945 war Preußen ein Gliedstaat des Deutschen Reiches. 1947 verfügte der Alliierte Kontrollrat de jure die Auflösung Preußens.
Allgemeines
Der Name Preußen bezog sich bis Anfang des 18. Jahrhunderts nur auf die außerhalb der deutschen Reichsgrenzen gelegenen Gebiete zwischen Hinterpommern und Kurland, die den späteren Provinzen West- und Ostpreußen entsprachen. Von 1466 bis 1772 waren diese Gebiete zwischen dem König von Polen einerseits und dem Deutschen Orden beziehungsweise den hohenzollernschen Herzögen und späteren Königen von Preußen andererseits aufgeteilt.
Im 18. Jahrhundert setzte sich allmählich der Gebrauch des Landesnamens Preußen für alle von den Hohenzollern regierten Territorien durch, also auch für jene, die innerhalb des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation lagen. Nach 1866 erstreckte sich das Königreich, seit 1918 der Freistaat, Preußen über nahezu ganz Norddeutschland und nahm etwa zwei Drittel der Fläche des Deutschen Reiches ein. Von preußischem Gebiet waren einige kleinere Staaten vollständig umschlossen. Preußische Haupt- und Residenzstädte waren im Laufe der Zeit das ostpreußische
Königsberg (heute: Kaliningrad), Potsdam und Berlin.
Seine größte Bedeutung erlangte Preußen im 18. und 19. Jahrhundert, als es unter der Regierung Friedrichs II. des Großen (1712–1786) zunächst zur fünften europäischen Großmacht aufstieg und später unter Ministerpräsident Otto von Bismarck die so genannte „kleindeutsche Einigungslösung” betrieb und Österreich als führende Macht in Deutschland ablöste.
Mit Preußen verbinden sich bis heute die von protestantischer Moral geprägten so genannten preußischen Tugenden, wie beispielsweise Zuverlässigkeit, Sparsamkeit, Bescheidenheit, Ehrlichkeit, Fleiß und Toleranz. Nach dem Selbstverständnis vieler Preußen trugen sie maßgeblich zum Aufstieg ihres Landes zur europäischen Großmacht bei. Allerdings war die Betonung dieser sogenannten Sekundär-Tugenden selbst innerhalb Preußens nicht unumstritten.
Die Landesfarben Preußens, schwarz und weiß, leiteten sich von dem mit einem schwarzen Kreuz bestickten weißen Mantel der Ritter des Deutschen Ordens her. Ihre Kombination mit den hanseatischen Farben Weiß-Rot der freien Städte Bremen, Hamburg und Lübeck ergab die schwarz-weiß-rote Handelsflagge des 1867 gegründeten Norddeutschen Bundes, die 1871 als Flagge des Deutschen Reiches übernommen wurde. Der Wappenspruch Preußens lautete seit der Reformation Suum cuique - Jedem das Seine.
Geschichte
Zur Vor- und Frühgeschichte sowie zur Geschichte des Ordensstaates siehe unter Ostpreußen.
Brandenburg-Preußen
Brandenburg-Preußen, das spätere Königreich Preußen, entstand im Wesentlichen aus zwei Landesteilen:
- aus der Mark Brandenburg, die zu den sieben Kurfürstentümern des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gehörte,
- und aus dem 1466-1654 unter polnischer Lehenshoheit stehenden Herzogtum Preußen, das aus dem Staat der Deutschordensritter hervorgegangen war.
Das Kurfürstentum Brandenburg hatte Kaiser Sigismund (1368–1437) 1415 dem Burggrafen von Nürnberg, Friedrich von Hohenzollern (1371–1440), zu Lehen gegeben, nachdem das zuvor regierende Fürstenhaus der Askanier ausgestorben war. Auch das Herzogtum Preußen wurde seit dem 16. Jahrhundert von einer Linie des Hauses Hohenzollern regiert, nachdem der letzte Hochmeister des Deutschen Ordens, Albrecht von Brandenburg-Ansbach (1490–1568), sich auf Anraten Martin Luthers (1483–1546) und mit Billigung des polnischen Königs Sigismund I. des Alten der Reformation angeschlossen und den Ordensstaat in ein erbliches Herzogtum umgewandelt hatte. Wie dessen Herrscher wurde auch die Bevölkerung evangelisch. Der Ordensstaat war bereits seit 1466 nicht mehr souverän gewesen, sondern unterstand der Lehenshoheit der polnischen Krone. Daher leistete Albrecht für das neue Herzogtum dem polnischen König Sigismund I. dem Alten (1467–1548) am 8. April 1525 in Krakau den Lehnseid.
Nach dem Erlöschen der herzoglich-preußischen Linie der Hohenzollern fiel ihr Herzogtum 1618 an ihre nächsten Verwandten, die Markgrafen und Kurfürsten von Brandenburg. Diese regierten von da an beide Länder in Personalunion. Bis zum Vertrag von Wehlau (1657) sollte ihr Herrschaftsgebiet jedoch politisch zweigeteilt bleiben: Brandenburg war Teil des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, Preußen weiterhin ein polnisches Lehen. Die Herrscher von Brandenburg-Preußen waren also sowohl dem deutschen Kaiser als auch der polnischen Krone lehenspflichtig.
Im Dreißigjährigen Krieg stand Brandenburg auf der Seite der evangelischen Union. Weite Teile des Landes wurden damals verwüstet und entvölkert. Kurfürst Friedrich Wilhelm I. (1620–1688), später der "Große Kurfürst" genannt, betrieb nach dem Krieg eine vorsichtige Schaukelpolitik zwischen den Großmächten, um sein wirtschaftlich und militärisch schwaches Land zu entwickeln. Er führte wirtschaftliche Reformen durch, baute ein schlagkräftiges Heer auf, entmachtete die Stände zugunsten einer absolutistischen Zentralverwaltung und holte Tausende aus Frankreich vertriebener Hugenotten ins Land. Er erwarb 1648 Hinterpommern, das restliche Ravensberger Land um Minden und Halberstadt sowie 1680 Magdeburg.
Friedrich Wilhelm betrieb zudem den Aufbau einer eigenen Kurbrandenburgischen Marine und verfolgte Kolonialprojekte in Westafrika und Westindien. Diese Pläne zeitigten aber erst gegen Ende seiner Regentschaft Erfolge. So wurde 1683 die Festung Groß Friedrichsburg im heutigen Guinea gegründet, die bis 1727 bestand.
Unter Kurfürst Friedrich Wilhelm I. wurde Brandenburg das nach Österreich mächtigste Land im Reich. Als infolge schwedisch-polnischer Auseinandersetzungen Polen geschwächt war, konnte er 1657 im Vertrag von Wehlau das Herzogtum Preußen aus der polnischen Oberhoheit lösen. Im Frieden von Oliva von 1660 wurde die Souveränität des Herzogtums endgültig anerkannt. Dies war eine entscheidende Voraussetzung für seine Erhebung zum Königreich unter dem Sohn des Großen Kurfürsten.
Königreich Preußen
Gründung des Königreichs
Rang, Reputation und Prestige eines Fürsten waren in der Zeit des Absolutismus wichtige politische Faktoren. Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg (1657-1713) kam daher die Tatsache sehr gelegen, dass das Herzogtum Preußen seit 1660 keiner anderen Krone mehr unterstand, also souverän war. Das ermöglichte es ihm, dessen Erhebung zum Königreich und seine eigene zum König anzustreben. Es ging ihm dabei vor allem darum, die Ranggleichheit mit dem Kurfürsten von Sachsen, der zugleich König von Polen war und mit dem Kurfürsten von Hannover, der Anwärter auf den englischen Thron war, zu wahren. Kaiser Leopolds I. stimmte daher zu dass er als Herrscher seiner außerhalb des Reichs gelegenen Territorien, also für das bisherige Herzogtum Preußen, den Königstitel führen dürfe. So krönte sich der Kurfürst am 18. Januar 1701 als Friedrich I. in Königsberg eigenhändig zum „König in Preußen“.
Die einschränkende Titulatur „in Preußen“ war nötig, weil die Bezeichnung als „König von Preußen“ als Herrschaftsanspruch auf das gesamte preußische Gebiet verstanden worden wäre. Da das Ermland und Westpreußen damals aber noch polnisch waren, hätte dies Konflikte mit dem Nachbarland heraufbeschworen, dessen Herrscher noch bis 1742 den Titel eines „Königs von Preußen“ beanspruchten. Seit 1701 bürgerte sich aber im allgemeinen deutschen Sprachgebrauch allmählich die Landesbezeichnung „Königreich Preußen“ für alle von den Hohenzollern regierten Gebiete ein – ob innerhalb oder außerhalb des Heiligen Römischen Reiches gelegen.
Friedrich Wilhelm I. – Der Soldatenkönig
Der Sohn Friedrichs I., Friedrich Wilhelm I. (1713–1740) war weniger prunkliebend als sein Vater, sondern sparsam und praktisch veranlagt. Der „Soldatenkönig“ gilt als der eigentliche Schöpfer des preußischen Beamtentums und des stehenden Heers, das er zu einem der schlagkräftigsten in ganz Europa ausbaute. Zudem siedelte er über 20.000 Salzburger, protestantische Glaubensflüchtlinge, im dünn besiedelten Ostpreußen und weitere in anderen Landesteilen an. Von Schweden erwarb er 1720 Vorpommern bis zur Peene.
Friedrich II. - der Große
Peene (mitte) in Sanssouci mit Voltaire (links) und den führenden Köpfen der Berliner Akademie, 1850, ehemalige Nationalgalerie, Berlin, 1945 verbrannt.]]
Am 31. Mai 1740 bestieg sein Sohn Friedrich II. – später auch „Friedrich der Große“ genannt – den Thron. Als Kronprinz eher der Philosophie und den schönen Künsten zugeneigt, ließ er noch in seinem ersten Regierungsjahr die preußische Armee in Schlesien einmarschieren, auf das die Hohenzollern umstrittene Ansprüche erhoben. In den drei Schlesischen Kriegen (1740–1763) gelang es ihm, die Eroberung gegen Österreich zu behaupten, im letzten, dem Siebenjährigen Krieg (1756–1763), sogar gegen eine Koalition aus Österreich, Frankreich und Russland. Dies war der Beginn der preußischen Großmachtstellung in Europa und des preußisch-österreichischen Dualismus im Reich.
In den letzten 23 Jahren seiner bis 1786 währenden Herrschaft förderte Friedrich II., der sich als „erster Diener des Staates“ verstand, den Landesausbau und die weitere Besiedelung brandenburgisch-preußischer Gebiete, etwa des Oderbruchs. Als Vertreter des Aufgeklärten Absolutismus schaffte er die Folter ab, führte die Schulpflicht ein, schuf das Allgemeine preußische Landrecht und lockte mit der Gewährung völliger Glaubensfreiheit weitere Exulanten ins Land. Nach seiner Auffassung sollte in Preußen „jeder nach seiner Fasson selig werden“. Bekannt wurde in diesem Zusammenhang auch sein Ausspruch: „Alle Religionen seindt gleich und gut, wan nuhr die leute, so sie profesieren, Ehrlige leute seindt, und wenn Türken und Heiden kämen und wollten das Land pöplieren, so wollten wir sie Mosqueen und Kirchen bauen.“
Gemeinsam mit Österreich und Russland betrieb Friedrich die Zerstückelung Polens. Bei der ersten polnischen Teilung 1772 fielen Westpreußen, der Netzedistrikt und das Fürstbistum Ermland an Friedrich II., so dass er sich nun König von Preußen nennen konnte. Bereits 1744 war auch Ostfriesland preußisch geworden.
Die Politik gegenüber Polen wurde von Friedrich Wilhelm II. (1786–1797) fortgesetzt. Bei der 2. und 3. Teilung Polens (1793 und 1795) sicherte sich Preußen weitere polnische Gebiete bis nach Warschau.
Niederlage gegen Napoleon, Reformen und Freiheitskriege
Unter Friedrich Wilhelm II. (1786–1797) beteiligte sich Preußen zunächst an den Koalitionskriegen gegen das revolutionäre Frankreich, schied aber nach dem Frieden von Basel 1795 für mehr als ein Jahrzehnt aus der antifranzösischen Allianz aus.
Erst als 1806 Verhandlungen mit Frankreich über die Aufteilung der Machtsphären in Deutschland scheiterten, flammte der Krieg wieder auf. In der Schlacht bei Jena und Auerstedt erlitt Preußen eine vernichtende Niederlage gegen die Truppen Napoleons I.. König Friedrich Wilhelm III. (1797–1840) und seine Familie musste vorübergehend nach Memel fliehen. Der Staat verlor 1807 im Frieden von Tilsit etwa die Hälfte seines Gebietes und musste ein Bündnis mit Frankreich eingehen.
Die Niederlage Preußens hatte eine Erneuerung des Staates unumgänglich gemacht. Mit den Stein-Hardenbergschen Reformen unter Leitung von Freiherr vom Stein, Scharnhorst und Hardenberg wurde die Leibeigenschaft der Bauern aufgehoben (1807), das Bildungswesen neu gestaltet sowie die allgemeine Wehrpflicht und die Selbstverwaltung der Städte eingeführt (1808).
Nach der Niederlage Napoleons in Russland, kündigte Preußen das Bündnis mit Frankreich auf und beteiligte sich ab 1813 in den sogenannten Freiheitskriegen an der anti-französischen Koalition. Preußische Truppen unter Marschall Blücher trugen in der Schlacht von Waterloo 1815 entscheidend zum endgültigen Sieg über Napoleon bei.
Das während der Freiheitskriege seinem Volk gegebene Versprechen, dem Land eine Verfassung zu geben, löste Friedrich Wilhelm III. jedoch nie ein. Statt dessen rief er zusammen mit dem Zaren von Russland und dem Kaiser von Österreich die Heilige Allianz ins Leben, die auf die Unterdrückung aller Demokratiebestrebungen in Europa abzielte.
Beim Wiener Kongress 1815 erhielt Preußen beinahe sein altes Staatsgebiet zurück, zudem den Rest Vorpommerns, den nördlichen Teil des Königreichs Sachsen, Westfalen und die Rheinprovinz. Es behielt zwar die zuvor polnische Provinz Posen, verlor jedoch Gebiete der 2. und 3. polnischen Teilung an Russland. Preußen bestand seitdem aus zwei großen, aber räumlich getrennten Länderblöcken in Ost- und Westdeutschland. Es wurde Mitglied des Deutschen Bundes, des losen Verbandes der deutschen Staaten unter österreichischer Führung, der von 1815 bis 1866 existierte.
Märzrevolution und Industrialisierung
Für Preußen lag aufgrund der Zweiteilung seines Staatsgebiets die wirtschaftliche Einigung Deutschlands nach 1815 im ureigenen Interesse. Das Königreich gehörte daher zu den treibenden Kräften des Deutschen Zollvereins, dessen Mitglied es 1834 wurde. Infolge dessen setzten auch außerhalb des Landes immer mehr Befürworter der deutschen Einigung, insbesondere die Protestanten, ihre Hoffnungen darauf, dass Preußen Österreich als Führungsmacht des Bundes ablösen werde. Es war von „Preußens deutscher Sendung“ die Rede und davon, dass das Land immer mehr nach Deutschland hinein und Österreich aus Deutschland heraus wachse.
Der Regierungsantritt Friedrich Wilhelms IV. (1840–1861) weckte zunächst die Hoffnungen der Liberalen und der Anhänger der deutschen Einigung. Zwar wurden diese Hoffnungen bald enttäuscht, da der König sich lange Zeit weigerte, auch nur für das eigene Territorium einen gemeinsamen Landtag und eine einheitliche Verfassung einzuführen. Aber während der Märzrevolution von 1848 schien sich der König doch noch den Forderungen der Revolutionäre zu beugen. Erstmals wurde ein Vereinigter Landtag für ganz Preußen nach Berlin einberufen. Gleichzeitig fanden Wahlen zum ersten gesamtdeutschen Parlament, der Frankfurter Nationalversammlung, statt.
Dort setzten sich schließlich die Befürworter einer kleindeutschen Einigung unter Preußens Führung durch, da Österreich nicht bereit war, auf seine nichtdeutschen Landesteile zu verzichten. Demokratie und deutsche Einheit scheiterten aber 1849, als Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkrone ablehnte, die ihm die Nationalversammlung angetragen hatte. Die Revolution wurde in Süddeutschland mit Hilfe preußischer Truppen endgültig niedergeschlagen. Preußen erhielt 1850 eine vom König oktroyierte Verfassung.
Im Zuge der Industrialisierung wurden eine Anzahl von Land-, Wasserwegen und Kanälen gebaut, welche quer durch Deutschland den Westen mit dem Osten verbanden. Im Oberland West- und Ostpreußens entstand der Oberländische Kanal, der die Ostsee und Elbing im Norden mit Masuren im Süden verband. In den 1860er Jahren wurde der Bau der Ostbahn begonnen, die von Berlin über Thorn und Königsberg bis zur Ostgrenze führte und bis zum Zweiten Weltkrieg eine der Hauptverkehrsachsen Preußens bildete.
Verfassungskonflikt um die Heeresreform
Wilhelm I., der schon 1858 die Regentschaft für seinen nach mehreren Schlaganfällen regierungsunfähigen Bruder Friedrich Wilhelm IV. übernommen hatte, bestieg 1861 den preußischen Thron. Mit Kriegsminister Roon strebte er eine Heeresreform an, die längere Dienstzeiten und eine Aufrüstung der preußischen Armee vorsah. Die liberale Mehrheit des Preußischen Landtags, dem das Budgetrecht zustand, wollte die dafür nötigen Gelder jedoch nicht bewilligen. Es kam zu einem Verfassungskonflikt, in dessen Verlauf der König die Abdankung in Erwägung zog. Als letzten Ausweg entschloss er sich 1862, Otto von Bismarck als Ministerpräsident zu berufen. Dieser war ein vehementer Befürworter des königlichen Alleinherrschaftsanspruchs und regierte jahrelang gegen Verfassung und Parlament und ohne gesetzlichen Haushalt.
Bismarck und die Einigungskriege
Aus der Erkenntnis heraus, dass die preußische Krone nur dann Rückhalt im Volk gewinnen könne, wenn sie sich an die Spitze der deutschen Einigungsbewegung setzte, führte Bismarck Preußen in drei Kriege, die König Wilhelm die deutsche Kaiserkrone einbrachten:
Deutsch-Dänischer Krieg 1864: Der König von Dänemark war in Personalunion Herzog von Schleswig-Holstein, das seit 1460 eine Einheit bildete. Nur das Teilherzogtum Holstein gehörte aber zum Deutschen Bund. Der Versuch der Kopenhagener Regierung, Schleswig unter Ausschluss Holsteins in den dänischen Gesamtstaat einzugliedern, führte 1864 unter der Führung Preußens und Österreichs zum Krieg des Deutschen Bundes gegen das nördliche Nachbarland. Nach ihrem Sieg musste die dänische Krone auf Schleswig und Holstein verzichten. Beide Teilherzogtümer wurden nun von Preußen und Österreich gemeinsam verwaltet.
Deutscher Krieg 1866: Der Anlass dieses Krieges waren Konflikte zwischen Österreich und Preußen um die Verwaltung und die Zukunft Schleswig-Holsteins. Die tiefere Ursache war jedoch das Ringen um die Vorherrschaft in Deutschland. Auf der Seite Österreichs standen die mitteldeutschen Staaten, auf Seiten Preußens neben einigen norddeutschen Staaten auch Italien. Nachdem preußische Truppen unter Moltke am 3. Juli 1866 in der Schlacht von Königgrätz den entscheidenden Sieg errungen hatten, verlor Österreich seine Vormachtstellung und schied aus dem Deutschen Bund aus. Der Friede von Prag am 23. August 1866 brachte Preußen das Königreich Hannover, Hessen-Kassel, das Nassau, die Freie Stadt Frankfurt und ganz Schleswig-Holstein ein. Damit waren nun fast alle preußischen Gebiete miteinander verbunden. An die Stelle des Deutschen Bundes trat 1867 der kleinere, von Preußen dominierte Norddeutsche Bund, dessen Verfassung in wesentlichen Punkten die des Deutschen Reiches vorweg nahm. Die süddeutschen Staaten mussten Bündnisverträge mit Preußen eingehen.
Deutsch-französischer Krieg 1870/71: Bismarck spitzte den Streit mit Frankreich um die spanische Thronkandidatur eines katholischen Hohenzollernprinzen bewusst zu (siehe auch Emser Depesche), um die Regierung Napoleons III. zu einer Kriegserklärung zu provozieren. Dies stellte für die süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg und Baden den Bündnisfall dar. Nach dem raschen Sieg waren sie gezwungen, dem Norddeutschen Bund beizutreten. Damit war das Deutsche Reich in der kleindeutschen Version gegründet worden, die schon als eines der Modelle in der Nationalversammlung von 1848/49 gehandelt worden war. Im Spiegelsaal zu Versailles ließ sich Wilhelm I. am 18. Januar 1871 – genau 170 Jahre nach der Königskrönung Friedrichs I. – zum Deutschen Kaiser ausrufen.
Zwischen 1871 und 1887 führte Bismarck den sogenannten Kulturkampf gegen die katholischen Bevölkerungsteile, insbesondere gegen die polnische Bevölkerung, die Bismarck zu germanisieren versuchte. Die Germanisierungspolitik wurde nach Bismarcks Abdanken vom 1894 in Posen gegründeten Deutschen Ostmarkenverein fortgeführt.
Preußen im Deutschen Reich
Deutschen Kaiser
Preußen ging von 1871 an ebenso sehr in Deutschland auf, wie Deutschland preußischen Charakter annahm. Der König von Preußen war auch Deutscher Kaiser und der preußische Ministerpräsident zugleich Reichskanzler. Der Ministerpräsident und Kanzler musste aber nicht unbedingt Preuße sein, wie im Fall von Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst.
Auf Wilhelm I. folgte im März 1888 der bereits schwerkranke Friedrich III., der nach einer Regierungszeit von nur 99 Tagen verstarb. Im Juni des „Drei-Kaiser-Jahres“ bestieg Wilhelm II. den Thron. Bis zur Abdankung des Kaisers im Zuge der Novemberrevolution von 1918 blieben preußische und Reichspolitik aufs engste miteinander verbunden.
Freistaat Preußen
Infolge der Niederlage im Ersten Weltkrieg und der Novemberrevolution von 1918/19 dankte Wilhelm II. als Deutscher Kaiser und König von Preußen ab. Damit endete die Realunion Preußens mit dem Deutschen Reich wie sie seit der Zeit Bismarcks bestanden hatte. Das Land wurde zum eigenständigen Freistaat innerhalb des Reichsverbands proklamiert und erhielt 1920 eine demokratische Verfassung.
Die im Vertrag von Versailles festgelegten Gebietsabtretungen Deutschlands betrafen – bis auf das nach dem deutsch-französischen Krieg gebildete Reichsland Elsass-Lothringen – ausschließlich preußisches Territorium: Eupen-Malmedy ging an Belgien, Nordschleswig an Dänemark, das Memelland an Litauen, das Hultschiner Ländchen an die Tschechoslowakei, große Teile der Gebiete, die Preußen im Rahmen der polnischen Teilungen erhalten hatte und Ost-Oberschlesien an Polen. Danzig wurde Freie Stadt unter Verwaltung des Völkerbunds. Wie schon vor den polnischen Teilungen hatte Ostpreußen keine Landverbindung mit dem übrigen Deutschen Reich und konnte nur per Schiff (Seedienst Ostpreußen) oder per Bahn durch den Polnischen Korridor erreicht werden. Auch das Saargebiet wurde überwiegend aus preußischen Gebietsteilen gebildet.
Von 1919 bis 1932 regierten in Preußen Regierungen der Weimarer Koalition (SPD, Zentrum und DDP), 1921 bis 1925 um die DVP erweitert. Anders als in einigen anderen Ländern des Reichs war die Mehrheit der demokratischen Parteien bei Wahlen in Preußen nie gefährdet. Der von 1920 bis 1932 fast ununterbrochen regierende Ostpreuße Otto Braun, der bis heute als einer der fähigsten sozialdemokratischen Politiker der Weimarer Republik gilt, verwirklichte zusammen mit seinem Innenminister Carl Severing mehrere zukunftsweisende Reformen, die später für die Bundesrepublik beispielgebend waren. Dazu gehörte zum Beispiel das Konstruktive Misstrauensvotum, das die Abwahl des Ministerpräsidenten nur dann ermöglichte, wenn gleichzeitig ein neuer Ministerpräsident gewählt wurde. Auf diese Weise konnte die Preußische Landesregierung solange im Amt bleiben, wie sich im Landtag keine "Positive Mehrheit" bildete, also eine Mehrheit derjenigen Oppositionsparteien, die auch wirklich zusammen arbeiten wollten.
Als Stütze der Weimarer Demokratie wurde Preußen nicht durch die Wähler, sondern erst durch den Preußenschlag des Reichskanzlers Franz von Papen beseitigt. In diesem Staatsstreich setzte die Reichsregierung am 20. Juli 1932 per Verordnung die Preußische Landesregierung unter dem Vorwand ab, sie habe die Kontrolle über die öffentliche Ordnung in Preußen verloren (siehe auch: Altonaer Blutsonntag). Vom Großteil des Staatsapparats begrüßt, übernahm Papen selbst die Macht im Freistaat Preußen als Reichskommissar. Im deutschen Reich war damit die wichtigste Landesregierung entmachtet, die demokratisch-republikanisch ausgerichtet war. Der Preußenschlag hat nur ein halbes Jahr später die Machtergreifung Hitlers entscheidend erleichtert, da ihm von Anfang an die Machtmittel der preußischen Regierung - vor allem der Polizeiapparat - zur Verfügung standen.
Ergebnisse der Landtagswahlen 1919–1933
1919: SPD 36,4 % – 145 Sitze | Zentrum 22,3 % – 94 Sitze | DDP 16,2 % – 65 Sitze | DNVP 11,2 % – 48 Sitze | USPD 7,4 % – 24 Sitze | DVP 5,7 % – 23 Sitze | DHP 0,5 % – 2 Sitze | SHBLD 0,4 % – 1 Sitz 1921: SPD 25,9 % – 109 Sitze | DNVP 18,0 % – 76 Sitze | Zentrum 17,9 % – 76 Sitze | DVP 14,0 % – 59 Sitze | KPD 7,5 % – 31 Sitze | USPD 6,4 % – 27 Sitze | DDP 5,9 % – 26 Sitze | DHP 2,4 % – 11 Sitze | WP 1,2 % – 4 Sitze | Polen 0,4 % – 2 Sitze 1924: SPD 24,9 % – 114 Sitze | DNVP 23,7 % – 109 Sitze | Zentrum 17,6 % – 81 Sitze | DVP 9,8 % – 45 Sitze | KPD 9,6 % – 44 Sitze | DDP 5,9 % – 27 Sitze | NSFP 2,5 % – 11 Sitze | WP 2,4 % – 11 Sitze | DHP 1,4 % – 6 Sitze | Polen 0,4 % – 2 Sitze 1928: SPD 29,0 % – 137 Sitze | DNVP 17,4 % – 82 Sitze | Zentrum 15,2 % – 71 Sitze | KPD 11,9 % – 56 Sitze | DVP 8,5 % – 40 Sitze | WP 4,5 % – 21 Sitze | DDP 4,4 % – 21 Sitze | NSDAP 1,8 % – 6 Sitze | CNBL 1,5 % – 8 Sitze | VRP 1,2 % – 2 Sitze | DVFP 1,1 % – 2 Sitze | DHP 1,0 % – 4 Sitze 1932: NSDAP 36,3 % – 162 Sitze | SPD 21,2 % – 94 Sitze | Zentrum 15,3 % – 67 Sitze | KPD 12,3 % – 57 Sitze | DNVP 6,9 % – 31 Sitze | DVP 1,5 % – 7 Sitze | DStP 1,5 % – 2 Sitze | CSVD 1,2 % – 2 Sitze | DHP 0,3 % – 1 Sitz 1933: NSDAP 43,2 % – 211 Sitze | SPD 16,6 % – 80 Sitze | Zentrum 14,1 % – 68 Sitze | KPD 13,2 % – 63 Sitze | DNVP 8,9 % – 43 Sitze | DVP 1,0 % – 3 Sitze | CSVD 0,9 % – 3 Sitze | DStP 0,7 % – 3 Sitze | DHP 0,2 % – 2 Sitze
An 100 % fehlende = nicht im Parlament vertretene Gruppierungen
Nationalsozialismus und das Ende Preußens
Nach der Machtergreifung Hitlers wurde Hermann Göring 1933 preußischer Ministerpräsident. Damit standen den Nationalsozialisten von Anfang an die Machtmittel der preußischen Landesregierung zur Verfügung, vor allem die Polizeikräfte.
Wenige Wochen später, am 21. März 1933, fand der sogenannte „Tag von Potsdam“ statt. Dabei wurde der am 6. März neu gewählte Reichstag in Anwesenheit des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg symbolträchtig in der Potsdamer Garnisonkirche eröffnet, der Grabstätte der preußischen Könige. Die propagandistische Veranstaltung, in der Hitler und die NSDAP „die Vermählung des alten Preußen mit dem jungen Deutschland“ feierte, sollte preußisch-monarchistische und deutschnationale Kreise für den nationalsozialistischen Staat gewinnen und die Konservativen im Reichstag zur Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz bewegen, die zwei Tage später anstand.
Im nationalsozialistischen Einheitsstaat wurden seit 1933 Preußen wie auch alle übrigen deutschen Länder gleichgeschaltet. Das „Gesetz über den Neuaufbau des Reiches“ vom 30. Januar 1934 und das „Reichsstatthaltergesetz“ vom 30. Januar 1935 lösten die Länder zwar nicht formell auf, beraubten sie aber ihrer Eigenständigkeit. Die Landesregierungen wurden von Reichsstaathaltern kontrolliert, die vom Reichskanzler ernannt wurden. Parallel dazu erlangten die Einteilung in (Partei-)Gaue zunehmend Bedeutung, deren Gauleiter wiederum vom "Führer und Reichskanzler" ernannt wurden, der zugleich Parteichef der NSDAP war. In Preußen ging diese anti-föderalistische Politik noch weiter: Seit 1934 wurden nahezu alle seine Landes- mit den entsprechenden Reichsministerien zusammengelegt. Nur das preußische Finanzministerium, die Archivverwaltung und wenige andere Landesbehörden blieben bis 1945 eigenständig. Reichsstatthalter für Preußen wurde formell Hitler selbst. Seine Funktionen wurden allerdings von Hermann Göring als preußischem Ministerpräsidenten ausgeübt.
Im Zuge des Großhamburg-Gesetzes fanden noch gewisse Gebietsveränderungen statt. Preußen wurde am 1. April 1937 u. a. um die bis dahin Freie und Hansestadt Lübeck erweitert.
Die im Zweiten Weltkrieg annektierten polnischen, vormals preußischen, Gebiete wurden überwiegend nicht in das angrenzende Preußen eingegliedert, sondern sogenannten Reichsgauen zugeteilt.
Mit dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft, der Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen und der Abtretung aller Gebiete östlich von Oder und Neiße hörte Preußen 1945 de facto endgültig auf zu bestehen. Einzelne Gebiete wurden aus dem Land Preußen herausgelöst, um neue Länder zu bilden. Mit dem Kontrollratsgesetz Nr. 46 vom 25. Februar 1947 beschloss der Alliierte Kontrollrat auch formell die Auflösung des verbliebenen preußischen Staates, da er ein „Hort des deutschen Militarismus“ und damit für den Ersten und Zweiten Weltkrieg verantwortlich gewesen sei. (Siehe hierzu auch Kriegsschulddebatte). Die Begründung des Kontrollratsbeschlusses verkannte die rechtsstaatlichen Traditionen des Landes ebenso wie die Tatsache, dass es in der Weimarer Republik bis zum Preußenschlag ein Bollwerk der Demokratie gewesen war.
Räumliche Entwicklung und Gliederung
Verwaltungsgliederung Preußens
Die hohenzollernschen Gebiete, für die sich nach 1701 allmählich der Name "Königreich Preußen" einbürgerte, bestanden Anfang des 18. Jahrhunderts aus den Landesteilen Brandenburg, Pommern, Preußen, Geldern, Kleve, Moers, Krefeld, Tecklenburg, Lingen, Minden, Mark, Ravensberg, Lippstadt, Magdeburg, Halberstadt, Neuenburg und Valangin.
1713 wurden die Landesteile in folgende Provinzen gegliedert: Mittel-, Ucker- und Altmark, Neumark-Pommern-Kassuben, Preußen, Geldern-Kleve, Minden-Mark-Ravensberg, Magdeburg-Halberstadt, Neuenburg (Land) und Valangin (Land).
1740 wurden die Provinzen in Kriegs- und Domänekammern überführt oder neu gegliedert. Auch deren Gestalt änderte sich im Laufe der folgenden Jahrzehnte mehrmals, als weitere Gebiete zu Preußen kamen.
Provinz
Nach dem Wiener Kongress 1815 wurde der Staat Preußen mit der „Verordnung wegen verbesserter Einrichtung der Provinzialbehörden“ vom 30. April 1815 in zehn Provinzen eingeteilt (in Klammern die Hauptstadt), die mit Ausnahme von Ostpreußen, Westpreußen und Posen dem Deutschen Bund beitraten:
# Provinz Brandenburg (Potsdam)
# Provinz Ostpreußen (Königsberg)
# Provinz Westpreußen (Danzig)
# Provinz Pommern (Stettin)
# Provinz Schlesien (Breslau)
# Provinz Posen (Posen)
# Provinz Jülich-Kleve-Berg (Köln)
# Provinz Großherzogtum Niederrhein (Koblenz)
# Provinz Westfalen (Münster)
# Provinz Sachsen (Magdeburg)
Seit 1822 bildeten die Provinzen „Jülich-Kleve-Berg“ und „Großherzogtum Niederrhein“ die Rheinprovinz mit der Hauptstadt Koblenz. 1829 wurden Ost- und Westpreußen zur „Provinz Preußen“ (Hauptstadt Königsberg) vereinigt. Damit verringerte sich die Zahl der Provinzen auf acht.
1849 verzichteten die Fürsten von Hechingen und Sigmaringen auf ihre Herrschaft, wodurch beide Fürstentümer an Preußen fielen. Sie wurden zum Regierungsbezirk Sigmaringen zusammen gefasst, der später auch als „Hohenzollernsche Lande“ bezeichnet wurde.
1853 erwarb Preußen von Oldenburg einen Landstrich an der Jade, auf dem ein Hafen angelegt wurde. 1869 erhielt dieses Gebiet zusammen mit der umliegenden Siedlung den Namen Wilhelmshaven und wurde der 1867 gebildeten Provinz Hannover angegliedert.
Nach dem Deutschen Krieg von 1866 annektierte Preußen das Königreich Hannover, das Kurfürstentum Hessen, das Herzogtum Nassau, die Fürstentümer Schleswig und Holstein sowie die Freie Stadt Frankfurt am Main. Aus diesen Gebieten wurden drei Provinzen gebildet:
- Provinz Hannover (Hannover)
- Provinz Hessen-Nassau (Kassel)
- Provinz Schleswig-Holstein (Kiel, 1879–1917 Schleswig)
Preußen umfasste damit elf Provinzen. Die zahl erhöhte sich auf zwölf, als aus der Provinz Preußen zwei neue hervorgingen: „Ostpreußen“ und
„Westpreußen“.
Nach dem Ersten Weltkrieg verlor Preußen einige seiner Gebiete und wurde Freistaat. Die Provinz Posen wurde nahezu ganz an Polen abgetreten. Die Provinz Westpreußen kam überwiegend an Polen und an die Freie Stadt Danzig. Nur der östliche Teil Westpreußens blieb bei Preußen und wurde der Provinz Ostpreußen angegliedert. Die ebenfalls bei Preußen verbleibenden restlichen Gebiete von Posen und Westpreußen wurden 1922 zu einer neuen (zweigeteilten) Provinz vereinigt, die den Namen „Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen“ erhielt.
Inzwischen waren 1919 die Provinz Schlesien in zwei Provinzen „Niederschlesien“ und „Oberschlesien“ aufgeteilt worden. Ein Jahr später schied Berlin aus dem Provinzialverband Brandenburg aus und bildete eine eigene Provinz.
Ab 1922 bestand der Freistaat Preußen somit aus den folgenden 12 Provinzen (in Klammern die Gebietskörperschaften, denen die Gebiete der jeweiligen Provinzen heute entsprechen):
1922
# Berlin (Bundesland Berlin, Deutschland)
# Provinz Brandenburg (Bundesland Brandenburg, Deutschland und Teil der Woiwodschaft Lebus, Polen)
# Provinz Hannover (Teile der Bundesländer Niedersachsen und Hamburg, Deutschland)
# Provinz Hessen-Nassau (Teile der Bundesländer Hessen und Rheinland-Pfalz, Deutschland)
# Provinz Ostpreußen (Oblast Kaliningrad, Russland; Woiwodschaft Ermland-Masuren und Teil der Woiwodschaft Pommern, Polen)
# Provinz Pommern (Teil des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland, Woiwodschaft Westpommern, Polen)
# Grenzmark Posen-Westpreußen (Teil der Woiwodschaft Großpolen, Polen)
# Rheinprovinz (Teile der Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, Deutschland)
# Provinz Sachsen (Teil der Bundesländer Sachsen-Anhalt und Thüringen, Deutschland)
# Provinz Niederschlesien (Woiwodschaft Niederschlesien und Teil der Woiwodschaft Lebus, Polen; Teil des Bundeslandes Sachsen, Deutschland)
# Provinz Oberschlesien (Teil der Woiwodschaften Oppeln und Schlesien, Polen)
# Provinz Schleswig-Holstein (Teile der Bundesländer Schleswig-Holstein und Hamburg, Deutschland)
# Provinz Westfalen (Teil des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, Deutschland)
dabei als Teil der Rheinprovinz die so genannten
- Hohenzollernschen Lande (Teil des Bundeslandes Baden-Württemberg, Deutschland)
1938 wurden die beiden schlesischen Provinzen wieder vereinigt und die Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen aufgelöst auf die Nachbarprovinzen Pommern, Brandenburg und Schlesien aufgeteilt. Somit bestand Preußen bis zu seiner formellen Auflösung 1947 nur noch aus elf Provinzen.
Nicht berücksichtigt sind dabei die Teilungen der Provinzen Hessen-Na
Otto von Bismarck
Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen, genannt der Eiserne Kanzler, ( - 1. April 1815 in Schönhausen (heute Sachsen-Anhalt); † 30. Juli 1898 in Friedrichsruh bei Hamburg), war ein deutscher Staatsmann. Er war der Gründer und erste Kanzler des 2. Deutschen Reiches. Vormals war er Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes.
Norddeutschen Bundes
Er war seit 1865 Graf von Bismarck-Schönhausen, seit 1871 Fürst von Bismarck und seit 1890 Herzog zu Lauenburg. Den Herzogtitel, den er bei seiner Entlassung erhielt, führte er niemals. Er ließ auch Post zurückgehen, die so adressiert war. Angeblich bevorzugte Bismarck eine schlesische Herrschaft und fühlte sich durch die ihm zu Teil gewordene Herzogswürde herabgesetzt.
Leben
Lauenburg
Otto von Bismarck studierte Rechtswissenschaften in Göttingen und war Mitglied des Corps Hannovera Göttingen. Danach war er an Gerichten und Behörden tätig. 1838 verließ er den Staatsdienst, weil ihm der bürokratische Routinebetrieb nicht zusagte, und begann seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger.
Nach dem Tod seiner bürgerlichen Mutter, mit der er in einem gewissen Spannungsfeld lebte, und dem Tod seines Vaters (1845) wurde er Landwirt und übernahm die Bewirtschaftung des Bismarckschen Besitzes Schönhausen. Zwischenzeitlich war die Familie nach Pommern übergesiedelt (ab 1816). Dass er auch darin allein nicht seinen Lebensinhalt finden konnte, zeigte sich in politischen Ambitionen, aber auch in ausgeprägter Beschäftigung mit Philosophie, Kunst, Religion und Literatur. Schon damals war er ein meisterlicher Redner und Briefschreiber. 1847 heiratete er in Reinfeld (Pommern) Johanna von Puttkamer (1824–1894), wie er es seiner wahren Liebe und Johannas bester Freundin, Marie von Thadden, vor deren Tod versprochen hatte. Dieser Ehe entstammen seine Kinder Marie ( - 1848), Herbert (1849–1904) und Wilhelm (1852–1901).
Zu dieser Zeit wurde er auch politisch aktiv als Mitglied des preußischen Vereinigten Landtages. 1849 und 1850 gehörte er der Zweiten Kammer des Landtages an und war Wortführer des äußersten rechten Flügels. Während der Märzrevolution von 1848/49 profilierte er sich als konsequenter Verteidiger des monarchischen Prinzips. Einen auf Volkssouveränität gegründeten deutschen Nationalstaat, wie ihn die Frankfurter Nationalversammlung proklamierte, lehnte er ab - Preußen sollte Preußen bleiben. Obwohl Bismarck keine diplomatische Ausbildung besaß, wurde er 1851 zum preußischen Gesandten beim Bundestag in Frankfurt ernannt. Dieses Mandat behielt er bis 1859. 1859–1862 war er Gesandter in St. Petersburg, 1862 kurzfristig Botschafter in Paris.
Am 23. September 1862 wurde Bismarck von König Wilhelm I. im Verfassungskonflikt zum preußischen Ministerpräsidenten, am 8. Oktober 1862 dann noch zum Außenminister berufen (Die Ernennung zum Außenminister war eine wesentliche Forderung Bismarcks gewesen. Er wollte Außenpolitik machen, wie er es für richtig hielt. Da das preußische Kabinett eine Kollegialverfassung hatte, mußte er dazu auch Außenminister sein.). Bismarck war als Monarchist bekannt und bot als einer der wenigen die Garantie, bedingungslos für den preußischen König gegen das Parlament die notwendige Militärreform durchzusetzen.
Bismarck, der seit seiner Jugend Pommern sehr verbunden war, erwarb 1867 von der ihm wegen des erfolgreichen Deutsch-Österreichischen Krieges bewilligten Dotation von 400.000 Talern das Rittergut Varzin und ließ auf dessen Fluren die Hammermühle und weitere Papierfabriken errichten, die sich bald zum größten Unternehmen Ostpommerns entwickelten und legte somit den Grundstein für die heutige polnische Stadt Kępice.
Einigung Deutschlands unter preußischer Führung
1864 führte Preußen im Bunde mit Österreich erfolgreich den Deutsch-Dänischen Krieg um Schleswig-Holstein. In der Folge zeigte sich, dass ein Konflikt und damit ein Krieg mit Österreich um die Vormachtstellung in Deutschland unausweichlich würde. Der Deutsche Krieg im Jahre 1866 verursachte die Auflösung des Deutschen Bundes, wobei Bismarck gegen den Widerstand des Militärs eine Demütigung Österreichs vermied (Kleindeutsche Lösung). Bismarck setzte sich sogar gegen den König durch, der den Krieg zunächst weiterführen wollte. In der Folge wurde 1867 unter immensen Gebietsgewinnen Preußens der Norddeutsche Bund gegründet; gegenüber den norddeutschen Kleinstaaten war Bismarck weniger großzügig als gegenüber dem besiegten Österreich. Sie wurden kurzerhand aufgelöst und Preußen einverleibt. Mit den süddeutschen Staaten wurden Schutz- und Trutzbündnisse abgeschlossen; Bismarck wurde Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes.
Bundeskanzler
Infolge der Stärkung Preußens steigerten sich die deutsch-französischen Gegensätze. In Spanien kandidierte der mit den in Deutschland regierenden Hohenzollern verwandte Prinzen Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen für den Thron, wodurch Frankreich Angst hatte von den Hohenzollern eingekesselt zu sein, was zum Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 führte (zu den Kriegsgründen vergleiche Emser Depesche). Vor dem Beginn dieses Krieges hatte Bismarck geheime Schutz- und Trutzbündnisse mit den süddeutschen Staaten geschlossen, weshalb Frankreich nach seiner Kriegserklärung an Preussen von deren Eintritt in den Krieg und somit auch der Stärke des Feindes überrascht wurde . Die Bemühungen Bismarcks um die nationale Einigung gipfelten nach dem Sieg der deutschen Truppen in der Kaiserproklamation des preußischen Königs Wilhelms I. am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles und der Gründung des 2. Deutschen Reiches. Der Reichsgründung waren zähe Verhandlungen mit den süddeutschen Fürsten vorangegangen, die sich dabei einige Sonderrechte erstritten. Die meisten Sonderrechte behielt Bayern, dessen Widerstand erst durch eine handfeste Bestechung aus dem Welfenfond überwunden wurde. Jedoch war Bismarck, der bekanntlich Monarchist war, nicht mit der Reichseinigung zufrieden, die mehr oder weniger auch auf Druck der Nationalisten und des Volkes auf ihn als Kanzler "erzwungen" wurde. Insbesondere bei Verlesung zur Proklamation, die Bismarck selber tätigte, soll ihm besonders die Formulierung über Kaiser Wilhelm I. als "Mehrer des Volkes und des Reiches" auf den Magen geschlagen sein, da offiziell seine Bemühungen nicht gewürdigt wurden, stattdessen fiel alles auf Kaiser Wilhelm zurück.
Bismarck erreichte durch den Frieden von Frankfurt zudem den territorialen Zugewinn von Elsaß-Lothringen. Die Gründung des Deutschen Reiches wurde maßgeblich von Bismarck initiiert, wobei sein enger Vertrauter Rudolf von Delbrück die Verhandlungen mit den süddeutschen Staaten führte. Bismarck wurde erster Reichskanzler, blieb aber wie vorgesehen preußischer Ministerpräsident. In dem Zeitraum zwischen dem 18. Januar und dem Inkrafttreten der Reichsverfassung am 16. April 1871 bestand allerdings der Norddeutsche Bund faktisch weiter, nur waren nun die süddeutschen Staaten beigetreten. Bismarck, der weiterhin Bundeskanzler war, kann somit als erster (und strenggenommen einziger)
gesamtdeutscher Bundeskanzler bezeichnet werden.
Innenpolitik
Bismarck wurde 1862 durch den Konflikt um die Heeresreform zwischen dem preußischen Landtag und dem preußischen König Wilhelm I. trotz des heftigen Widerstands von dessen Gemahlin, der Königin Augusta, zum preußischen Ministerpräsidenten berufen. Um die Heeresreform, die Preußen militärisch stärken sollte, auch ohne die Zustimmung des Parlamentes durchsetzen zu können, berief er sich auf die so genannte Lückentheorie, indem er darlegte, der Fall des unauflöslichen Dissenses zwischen Monarch und Parlament sei in der Verfassung nicht geregelt, es liege also eine Lücke vor, die durch die Prärogative des Königs geschlossen werden müsse. Diese Verfassungsinterpretation ist zumindest stark angreifbar und nach Auffassung vieler ein schlichter Verfassungsbruch. Nach dem Sieg über Österreich brachte Bismarck 1866 die Indemnitätsvorlage im Reichstag ein, um seinen Verfassungsbruch nachträglich zu legitimieren. Die Abstimmung über diese Frage spaltete die liberale Partei(in demokratische Liberale und Nationalliberale). Und B. hatte durch seinen Alleingang auch die demokratische von der nationalen Bewegung getrennt.
Von 1871 bis 1878 führte Bismarck den so genannten Kulturkampf gegen die katholische Kirche und die katholische Zentrumspartei, da er fürchtete, diese seien „Reichsfeinde“ und dem Papst mehr zugetan als dem deutschen Kaiser. Im Zuge dieser Auseinandersetzung wurden Rechte und Machtstellung der Kirche durch Reichs- und preußische Landesgesetze beschnitten (Kanzelparagraph, Brotkorbgesetz) und auch die Zivilehe eingeführt. In diesem Zusammenhang äußerte Bismarck in einer Reichstagsrede den bekannten Satz: „Seien Sie außer Sorge, nach Canossa gehen wir nicht - weder körperlich noch geistig.“Hintergrund des Kulturkampfes war unter anderem auch die Einigungsbewegung Italiens. Durch das junge Königreich Italien war der Kirchenstaat in Gefahr geraten und wurde später sogar auf das Gebiet des heutigen Vatikans verkleinert. Das Zentrum forderte ein Eingreifen zum Schutz des Kirchenstaates. B. aber, in dessen Bündnissystem Italien noch eine wichtige Rolle spielen sollte, hatte gar kein Interesse sich in dieser Angelegenheit auf die Seite des Zentrums zu stellen und bezeichnete dessen Mitglieder daher kurzer Hand als Reichsfeinde.
Bismarcks zunehmend konservative Politik (Verstaatlichungen, Protektionismus, autoritäre Innenpolitik) führte ab 1876 zur Kanzlerkrise: nachdem bereits 1876 sein liberaler Amtsleiter Rudolf von Delbrück unter Protest zurückgetreten war, konnte sich Bismarck im März 1877 beim Kaiser nicht mit seiner Forderung durchsetzen, den preußischen Staatsminister Albrecht von Stosch zu entlassen. Dieser war enger Vertrauter des damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm und wurde von Bismarck als potentieller Nachfolger gefürchtet. Verärgert über seinen Misserfolg beim Kaiser, trat Bismarck bis Januar 1878 einen längeren Urlaub an.
1878 nahm er dann das zweite Attentat auf Kaiser Wilhelm I. zum Anlass, das Sozialistengesetz im Reichstag zu initiieren, das bis 1890 in Kraft blieb. Dieses Ausnahmegesetz, das seinen Zweck letztlich verfehlte, erlaubte es, die sozialistische Agitation zu verbieten, ließ jedoch die politische Arbeit der Sozialdemokratischen Partei in Wahlmandaten wie beispielsweise im Reichstag unangetastet. Die "Peitsche" des Sozialistengesetzes ergänzte er durch das "Zuckerbrot" sozialer Reformen. Bismarck versuchte, die Arbeiterschaft mit dem Staate zu versöhnen, indem er 1881–1889 weitreichende Sozialgesetze zur Kranken-, Unfall-, Renten- und Invaliditätsversicherung durchsetzte. Diese Sozialversicherungen, die heute die Säulen der sozialen Sicherung darstellen, war bis dato weltweit einzigartig. Bismarck war somit maßgeblicher Wegbereiter des Sozialstaats, auch wenn er selbst die Maßnahmen eher aufgrund politischen Kalküls traf. Nachdem das Gesetzeswerk den Zweck, die Sozialdemokratie zu schwächen, verfehlt hatte, verlor Bismarck das Interesse daran; in seinen Gedanken und Erinnerungen widmet er diesem Thema kein einziges Wort.
Außenpolitik
Gedanken und Erinnerungen]]
Voraussetzung für Bismarcks erfolgreiche Außenpolitik war die "Saturiertheit" des Reiches nach der Reichseinigung von 1871, das heißt der Verzicht auf weitere Expansion und weitere Annexionen nach der Krieg-in-Sicht-Krise von 1875. So konnte er durch eine geschickte Bündnispolitik das europäische Mächtegleichgewicht der "Großen Fünf" (Pentarchie) erhalten, einer Isolierung Deutschlands vorbeugen und Kriege der Nachbarn gegen das Deutsche Reich, aber auch gegeneinander verhindern (Berliner Kongress 1878).
Siehe: Bündnispolitik Otto von Bismarcks
Bismarck, der ein entschiedener Gegner des Kolonialismus war ("Frankreich liegt links, Rußland liegt rechts, in der Mitte liegen wir. Das ist meine Karte von Afrika."), ließ sich allerdings doch zu einem Ausflug in die Kolonialpolitik hinreißen. Dies war aber eher innenpolitisch bedingt. Bismarck, der befürchtete, dass der bekanntermaßen englandfreundliche Kronprinz Friedrich Wilhelm bei seinem Amtsantritt ein eher englisch gesinntes Kabinett einrichten würde, wollte bewusst eine eher englandfeindliche Stimmung im Volk schaffen. Daher entdeckte er Afrika als ungefährlichen, aber doch für seine Zwecke wirkungsvollen Konfliktherd mit dem Empire. Somit gründete Bismarck Kolonien in Afrika, die bewusst so lagen, dass sie den englischen Bestrebungen eines zusammenhängenden Kolonialgebiets von Kairo nach Kapstadt offensichtlich im Wege standen. Bismarck wollte mit den Kolonien vor allem neue Rohstoff- und Absatzmärkte erschliessen und „den Deutschen ein neues Ziel setzen, für das sie sich begeistern können.“. 1871 lehnte Bismarck das Angebot der Franzosen ab, Cochinchina – etwa das heutige Vietnam – als Kolonie im Rahmen der Reparationsleistungen übertragen zu bekommen : „O! O! Cochinchina! Das ist aber ein sehr fetter Brocken für uns; wir sind aber noch nicht reich genug, um uns den Luxus von Kolonien leisten zu können.“
„Der Lotse geht von Bord“
Cochinchina
Bismarcks Sturz im Jahr 1890 ist vor allem auf das Scheitern eines von ihm vorgelegten verschärften Sozialistengesetzes im Reichstag zurückzuführen, das er gegen die durch bedeutende Wahlerfolge im Januar erstarkten Sozialdemokraten einsetzen wollte. Zudem wünschte der junge Kaiser Wilhelm II. künftig eine eigene Politik, frei von Bismarcks Einfluss, zu gestalten. Nach seiner entwürdigenden Entlassung (Bismarck selbst: "...die ich ein Leichenbegängnis erster Klasse mit Recht nennen konnte.") am 20. März 1890 durch Wilhelm II. setzte wenig später eine beispiellose Bismarck-Verehrung ein (Bismarck-Türme, Bismarck-Denkmäler, Bismarckstraßen und Bismarckgesellschaften). Bismarck starb am 30. Juli 1898 in Friedrichsruh. Er wurde in einem Mausoleum auf Friedrichsruh neben seiner Frau begraben. Eine Büste wurde in der Walhalla aufgestellt und er ist außerdem Ehrenbürger der Städte Darmstadt, München, Hamburg, Wandsbek, Kassel, Köln, Moers, Detmold, Zwickau, Rathenow sowie seit 1895 aller badischen Städte.
Bismarck selbst wurde 1891 Mitglied des Kreistages von Stormarn. Er kandidierte auch für den Reichstag, wurde gewählt, nahm aber sein Mandat nie wahr.
Bismarck diktierte nach seiner Entlassung seine Memoiren, die unter dem Titel "Gedanken und Erinnerungen" veröffentlicht wurden. Der zweite Teil dieses Buches, in dem er sich sehr kritisch mit seiner Zeit als Kanzler unter Kaiser Wilhelm II. auseinandersetzte, sollte erst nach dessen Tod erscheinen. Mit der Revolution in Deutschland 1918 und dem Exil des Kaisers gingen die gesammelten Memoiren aber gegen den Protest der Bismarck-Familie bereits 1919 in Druck.
Die Nachfolge
In seinem Bestreben, so lange wie möglich selbst Reichskanzler zu bleiben, hatte Bismarck trotz seines Alters nichts unternommen, einen Nachfolger aufzubauen. 1889 erwog er kurz, sich auf das Außenministerium zu beschränken, gab den Gedanken aber bald darauf wieder auf. Es wäre in der Tat auch schwer vollstellbar gewesen, einen Kanzler unter dem Schatten Bismarcks in seinem Kabinett zu haben. Aus dem gleichen Grund war auch seine Vorstellung irreal, seinen Sohn Herbert als Außenminister oder gar Kanzler einzusetzen.
Auf einen früheren Vorschlag von ihm wurde schließlich der politisch unerfahrene General Leo von Caprivi berufen.
Kritik
"Wenn man sagt, dass man einer Sache grundsätzlich zustimmt, so bedeutet es, dass man nicht die geringste Absicht hat, sie in der Praxis durchzuführen." (Otto von Bismarck)
Bismarck war und ist eine Ikone der Konservativen, aber eine Hassfigur der Linken. Seine Machtpolitik bereitete ihm schon zu Lebzeiten zahlreiche Feindschaften, aber auch viele Bewunderer. Seine bedeutenden Erfolge machten ihn jedoch weitgehend unangreifbar. Kritiker wenden heute oft ein, Bismarck habe jene machtpolitischen Verflechtungen geschaffen, die zum Ersten Weltkrieg führten, indem er das Deutsche Reich "nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse, sondern durch Eisen und Blut" schuf (Bismarck in der Budgetkommission 1862). Dagegen war sich Bismarck der besonderen Gefahren bewusst, die vom Balkan schon damals ausgingen: "Die Händel auf dem Balkan sind mir nicht die Knochen eines einzigen pommerschen Musketiers wert." Wird Bismarck für "seine" Sozialgesetzgebung bis heute gerühmt, so wird er wegen der Verfolgung so genannter "Reichsfeinde" durch Kulturkampf und Sozialistengesetz kritisiert. Dass Bismarck die Reichsverfassung von 1871 auf seine Person zuschnitt, hat sich angesichts seiner politisch zumeist schwachen Nachfolger als fatal herausgestellt. Daher verstanden es seine Nachfolger auch nicht, grundlegende (und notwendige) Reformen der Staatsstruktur durchzusetzen, beispielsweise Abschaffung des Dreiklassenwahlrechts in Preußen oder die Parlamentsverantwortlichkeit der Regierung. Der größte Kritikpunkt vieler Historiker heutzutage gilt dem letzten Einigungskrieg und der folgenden Reichgründung. Beide bedeuteten eine Demütigung Frankreichs, welches von diesem Zeitpunkt an auf Revanche aus war. Bismarck erkannte den Revanchegedanken und versuchte, Frankreich zu isolieren, gleichzeitig Krieg in Europa durch ein System mehrerer Allianzen unmöglich zu machen. Auf ewig war dieser Plan jedoch nicht umsetzbar und scheiterte schließlich an der Politik des Kaisers Wilhelm II, der ab 1890 direkt in die Aussenpolitik des Deutschen Reiches eingreiffen sollte.
Recht einmütig loben Historiker Bismarcks außenpolitisches Geschick, das er sich unter anderem als Gesandter in Paris und Petersburg aneignete. So geschickt, wie er außenpolitisch handelte, so ungeschickt handelte er im Inneren, was ihn immer wieder in Bedrängnis brachte.
Auch persönlich hatte er einige recht unangenehme Züge. Personen, die ihm seiner Meinung schaden wollte, konnte er mit unerbittlichem Haß verfolgen. So ruinierte er zum Beispiel das Leben des Grafen Armin, nur weil er glaubte, dieser könnte als Reichskanzler in betracht kommen. In Wirklichkeit hatte der Graf keine Ambitionen und ließ sich Bismarck gegenüber keine Illoyalität zu schulden kommen. Selbst in seinen Memoiren, lange nach Armins Tod, widmet er diesem ein haßerfülltes Kapitel.
Personenkult
Dreiklassenwahlrecht
Bismarck wurden zahlreiche Ehrungen zuteil. Schon zu Lebzeiten errichtete man viele Denkmäler, meist Bronzestandbilder (→Liste der Bismarck-Denkmäler). Aber auch architektonische Monumente widmete man ihm. Der Bismarckturm zwischen Allmannshausen und Assenhausen am Starnberger See wurde zwischen 1896 und 1899 errichtet. Seine Studentenwohnung in Göttingen, das Bismarck-Häuschen, ist als kleines Museum zugänglich.
Bismarck-Häuschen
In der bildenden Kunst wurde er vor allem von Franz von Lenbach und Christian Wilhelm Allers portraitiert.
Nach seinem Tode wurden ihm, finanziert in der Regel durch Spenden der Bevölkerung, zunehmend auch Groß-Monumente gewidmet. Vielerorts wurden Bismarcktürme und -säulen erbaut, teils herkömmliche Aussichtstürme, teils Feuersäulen mit Vorrichtungen, die es erlaubten, ein großes Gedenkfeuer zu entzünden. Viele dieser Bauwerke waren nach dem Entwurf des Architekten Wilhelm Kreis gestaltet, der bei einem Wettbewerb der "Deutschen Studentenschaft" 1899 den ersten Preis erhalten hatte.
Weiterhin wurde Bismarck die Skulptur des so genannten Adlers zugedacht, eine etwa 18 m hohe Aufschichtung von behauenen Steinquadern, die am Rand einer Aussichtsplattform am Hang des Hoyerbergs im gleichnamigen Stadtteil von Lindau (Bodensee) errichtet ist. Erkennbar ist diese Widmung durch Einarbeitung eines etwa 1,50 m großen Bismarck-Reliefs im Sockel.
Das größte Bismarck-Monument in Deutschland ist das 1906 eingeweihte Bismarck-Denkmal in Hamburg-Sankt Pauli (Entwurf: Hugo Lederer), das den ehemaligen Reichskanzler als monumentale Roland-Figur darstellt, mit Rüstung und auf das Schwert gestützt. Der Plan, ein gigantisches Bismarck-Nationaldenkmal bei Bingerbrück zu erbauen, wurde durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs verhindert.
An seinem Geburtsort Schönhausen wurde 1998 mit Mitteln des Landes Sachsen-Anhalt ein Bismarckmuseum eingerichtet.
Am 1. November 2004 wurde in Jever ein weiteres Bismarckmuseum eröffnet.
Die Bundesrepublik Deutschland errichtete ihm zu Ehren 1996 die Otto-von-Bismarck-Stiftung als bundesunmittelbare Stiftung in Friedrichsruh.
Gesprochene Wikipedia
Siehe auch
- Bismarck (Begriffsklärung)
- Otto Fürst von Bismarck (CDU) (1897-1975) - Enkel, MdB (CDU)
- Kissinger Diktat
- Bismarckhering
- Reptilienfonds
Weblinks
-
- http://www.dhm.de/datenbank/ online-Exponate des Deutschen Historischen Museum
- http://www.dhm.de/lemo/objekte/pict/95002614/index.html Bismarck-Statue
- http://www.bismarck-stiftung.de
- http://www.deutsche-schutzgebiete.de/bismarck.htm
- http://www.preussen-chronik.de/person.jsp?key=Person_Otto+Eduard+Leopold+von_Bismarck
- [http://www.schoenhausenelbe.de/museum/frame.html Bismarck Museum Schönhausen (Elbe)]
- [http://www.oldenburgische-landschaft.de/print.php?pv=41&did=350 Bismarck Museum Jever]
- http://www.bismarcktuerme.de/
- [http://janeden.org/2292 Bismarcks Außenpolitik bis zur Reichsgründung]
- http://www.bismarckbund.de
- [http://www.hgstump.de/bismarckturm.htm Bismarckturm in Aachen]
- [http://www.geschichteinchronologie.ch/afrika/kol/N3-2004_Bismarcks-Kongo-konferenz-1884-aufteilung-Afrikas.htm Bismarcks Kongo-Konferenz 1884 - Bismarck als Begünstiger der "Aufteilung" und Ausbeutung Afrikas] Filmprotokoll aus N3 2004
Bismarck, Otto von
Bismarck, Otto von
Bismarck, Otto von
Bismarck, Otto von
Bismarck, Otto von
Bismarck, Otto von
Bismarck, Otto von
Bismarck, Otto von
Bismarck, Otto von
Bismarck, Otto von
Bismarck, Otto von
Bismarck, Otto von
Bismarck, Otto von
ja:オットー・フォン・ビスマルク
ms:Otto von Bismarck
ZwischenurstromtalAls ein Zwischenurstromtal oder Urstromtalung wird eine Verbindung zwischen zwei oder mehreren (Haupt-) Urstromtälern bezeichnet. Zwischenurstromtäler haben alle Merkmale eines Urstromtals, verlaufen aber meist in anderen Richtungen oder aber parallel zu den großen Urstromtälern. Aber auch Verzweigungen des Haupttals können in der wissenschaftlichen Literatur so bezeichnet werden. Eine klare Klassifizierung ist insofern nicht möglich, da der genaue zeitliche Ablauf des Schmelzwasserabflusses während der einzelnen Eiszeiten bzw. deren Stadien wegen fehlender wissenschaftlicher Methoden nicht exakt bekannt ist. Im Übrigen herrschen auch hier unterschiedliche Lehrmeinungen.
Von der Anlage her ist das Zwischenurstromtal (bzw. das Urstromtal) von den Schmelzwasserrinnen streng zu trennen. Während erstere durch den Abfluss der Schmelzwässer vor dem Eisrand entstehen und meistens von Ost nach West, parallel zum Eisrand, verlaufen, sind letztere durch unter dem Inlandeis abfließende Schmelzwässer entstanden und verlaufen meist von Nord nach Süd.
Zu einer Häufung von Urstromtälern und dazwischen liegenden Urstromtalungen kommt es beispielsweise im Gebiet zwischen der Elbe (nördlich von Magdeburg bis Havelberg) im Westen und der Oder im Osten sowie dem Nördlichen (Mecklenburgisch-Brandenburgische Seenplatte) und Südlichen Landrücken (Fläming und Lausitzer Grenzwall).
In der Fachliteratur hat sich der etwas sperrige Begriff Zwischenurstromtal jedoch nicht durchgesetzt. Dort bezeichnet man sie als Urstromtalung oder neutral als (Schmelzwasser-)Abflussbahn.
Siehe auch: Glaziale Serie
Kategorie:Glaziologie
Kategorie:Geomorphologie
Hubertussee (Grunewald)
Der Hubertussee liegt im Westen des Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf in der Villenkolonie Grunewald. Er hat eine langgestreckte Form bei einer Fläche von etwa 25.000 Quadratmetern und gehört zu einer Nebenrinne des Zwischenurstromtals Grunewaldseenkette, die vom Rathaus Schöneberg nach Westen über den Volkspark Wilmersdorf bis zum Herthasee verläuft und am Koenigssee senkrecht auf die Seenkette trifft. Im See liegt eine kleine Insel.
Schutzpatron der Jagd
Gespeist wird der Hubertussee vom Herthasee, mit dem er durch einen Graben direkt verbunden ist. Am Graben entlang führt ein Teil des noch nicht vollendeten „Uferwanderweges Grunewald", der die kleinen Seen und die Innenstadt auf einem durchgehenden Grünzug mit dem Forst Grunewald vernetzen soll. Allein am Hubertussee ist dieser Weg auf der gesamten Länge des Südufers mit rund 730 Metern fertiggestellt. Den Weg und den Wassergraben zwischen Herthasee und Hubertussee überspannt die als Baudenkmal geschützte „Bismarckbrücke" von 1891 mit sehenswerten Skulpturen, Obelisken und kolossalen ägyptischen Sphinxen (Sphingen) aus Sandstein. Die Gründungsväter der Kolonie Grunewald nannten den See nach dem katholischen Heiligen und Schutzpatron der Jagd Hubertus. Die östlich angrenzende Hubertusallee ist Teil des früheren Reitweges, auf dem die Kurfürsten vom Berliner Stadtschloss über den ehemaligen Knüppeldamm |