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Coburg

Coburg

Coburg ist Oberzentrum, kreisfreie Stadt und gleichzeitig Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises in Oberfranken im Norden Bayerns. Coburg gilt als eine der schönsten Städte Deutschlands. Bis 1918 war der Ort bekannt als Residenzstadt der Herzöge von Sachsen-Coburg, heute u.a. durch die in Coburg ansässige Versicherungsgruppe HUK-Coburg. Über Coburg erhebt sich die zweitgrößte erhaltene Burg Deutschlands, die Veste Coburg, auch als "Fränkische Krone" bezeichnet.

Geografie

Die Stadt liegt zwischen dem südlichen Vorland des Thüringer Waldes, den Langen Bergen, sowie dem Maintal und wird von der Itz durchflossen, in die innerhalb des Stadtgebietes die Lauter mündet. Die nächsten Großstädte sind Erfurt, etwa 80 km Luftlinie nördlich, Würzburg, etwa 90 km südwestlich und Nürnberg, etwa 90 km südlich. Die Höhenlage des Marktplatzes ist 296 m über NN, die der Veste 451 m über NN.

Geschichte

NN

Überblick

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Coburg 1056 in einer Schenkungsurkunde des Landes um Coburg von der Polenkönigin Richeza an den Erzbischof Anno von Köln.

Spätmittelalter

Über den Ausbau und die Veränderungen der Stadt im späten Mittelalter gibt es nur wenige Dokumente. Um 1250 wurde ein Franziskanerkloster an der Stelle der heutigen Ehrenburg gegründet. Die ersten Herrscher von Coburg waren die Meranier, 1265 wurden sie von den Hennebergern abgelöst. Das erste Stadtwappen trug folglich die "Henne auf dem Berg". 1331 erhielt Coburg das Stadtrecht und das Recht der eigenen Gerichtsbarkeit von Kaiser Ludwig der Baier verliehen. Von 1330 bis ins 15. Jahrhundert wurde an der Hauptkirche der Stadt, der St.-Moritz-Kirche gebaut.
1353 erbte Markgraf Friedrich IV. von Meißen und somit das Haus Wettin von dem Henneberger Grafen Heinrich die Herrschaft Coburg; Stadtwappen wurde der Meißener Löwe. Seit 1430 ist der Heilige Mauritius Stadtwappen. 1444 fand in der Stadt erstmals ein urkundlich erwähntes Vogelschießen (heute Schützenfest) statt.

16. bis 18. Jahrhundert

1485 wurde Coburg nach der Leipziger Teilung Land der Ernestiner. Da die sächsischen Kurfürsten die Reformation unterstützten, konnte diese schon 1524 in Coburg eingeführt werden. Im Jahr 1530 verweilte Martin Luther ein halbes Jahr auf der Veste, weil er am Reichstag in Augsburg wegen der über ihn verhängten "Acht" nicht teilnehmen konnnte. Coburg war der nächstgelegene sichere Ort zu Augsburg. Mit Fürst Johann Ernst wurde Coburg 1542 erstmals als Residenzsitz gewählt. Bis 1547 ließ er das aufgelöste Barfüßerkloster zum herzoglichen Stadtschloss Ehrenburg umbauen. Mit dem Tod des kinderlosen Johann Ernst 1553 endete Coburgs erste Dekade als Residenz. 1576 bis 1579 erfolgte der Bau des neuen, erweiterten Rathauses. Zwischen 1586 und 1633 war Coburg erstmals Residenz und Hauptstadt des voll selbständigen, eigenstaatlichen Herzogtums Sachsen-Coburg. In dieser Periode gab es unter Herzog Johann Casimir in Coburg eine rege Bautätigkeit. Er ließ zwischen 1597 und 1599 für die herzogliche Behörde das Regierungshaus (heute Stadthaus) am Marktplatz errichten, legte den Grundstein zum 1605 eingeweihten Gymnasium Casimirianum und erbaute von 1616 bis 1621 das Zeughaus in der Herrengasse. Zusätzlich wurde die Veste Coburg zur Festung ausgebaut. Mit der Besetzung der Stadt durch kaiserliche und bayerische Truppen unter Wallenstein 1632 und der erfolglosen Belagerung der Veste Coburg erreichte der Dreißigjährige Krieg auch Coburg. Zwei Jahre später erfolgte durch kaiserliche Truppen unter dem General Graf Lamboy die erneute Besetzung von Stadt und Belagerung der Veste, die diesmal aber aufgrund einer List erfolgreich war. Nach Ende des Krieges war die Anzahl der Einwohner und Häuser um ungefähr die Hälfte reduziert. Ab 1680 wurde Coburg wieder herzogliche Residenz, diesmal von Herzog Albrecht, der allerdings 1699 kinderlos starb. Dieser baute das 1690 niedergebrannte Schlosses Ehrenburg als Barockschloss wieder auf. 1714 erfolgte der Neubau eines größeren Schützenhauses auf dem Anger. Mit Beendigung der Erbstreitigkeiten unter den Ernestinern und der Schaffung des neuen Herzogtums Sachsen-Coburg-Saalfeld wurde 1735 Coburg erneut Residenzstadt eines regierenden Herzogs und blieb es nunmehr bis zum Ende der Monarchie 1918. Von 1803 bis 1804 lebte der Dichter Jean Paul in der Stadt. 1806 bekam Coburg seine erste Straßenbeleuchtung. Zwischen 1806 wurde die Stadt durch französische Truppen besetzt und bis 1807 verwaltet, obwohl das Herzogtum Mitglied im Rheinbund war.

19. Jahrhundert

Im Jahr 1826 hatte Herzog Ernst I. bei der letzten Ernestinischen Landesteilung im Tausch für Sachsen-Saalfeld das Herzogtum Sachsen-Gotha erhalten. Das neue Doppelherzogtum Sachsen-Coburg und Gotha wurde immer in Personalunion regiert. Für Coburg bedeutete dies, dass es nicht mehr alleinige Residenzstadt war, der Hof wechselte nunmehr bis zum Ende der Monarchie regelmäßig zwischen Coburg und dem größeren und wohlhabenderen Gotha hin und her. Allerdings behielt Coburg wie Gotha seinen eigenen Landtag und die eigenständige Landesverwaltung. In der Regierungszeit Herzog Ernst I. erfolgte ab 1816 der Neubau der beiden Nordflügel des Residenzschlosses Ehrenburg und mit der Neugestaltung des Schlossplatzes die Schaffung der heutigen Arkaden sowie des Hofgartens. Zusätzlich wurde von 1837 bis 1840 das Hoftheater (heutiges Landestheater) gebaut. Mit dem Herzoglichen Kunst- und Naturalienkabinett (heutiges Naturkunde-Museum) erhielt die Bevölkerung 1844 einen ersten Zugang zu den Kunstschätzen der Herzöge von Sachsen-Coburg. 1852 wurde in Coburg die herzogliche Baugewerkschule als Vorläuferin der späteren Fachhochschule Coburg gegründet. Bezüglich der Stadtentwicklung muss 1854 mit der ersten Gasfabrik und 1858 mit dem ersten Eisenbahnanschluss durch die Werrabahn genannt werden. Unter der Regentschaft und dem Patronat des liberalen Nachfolgers Herzog Ernst II. wurde in Coburg 1860 das Erste Deutsche Turn- und Jugendfest veranstaltet. 1862 erfolgte die Gründung des Deutschen Sängerbundes, seit 1872 ist Coburg der ständige Tagungsort des Coburger Conventes (Pfingstkongress). Der Walzerkönig Johann Strauß kam 1886 von Wien in die Stadt um Coburger Bürger zu werden, damit er sich scheiden lassen konnte. 1894 waren anlässlich der Fürstenhochzeit des Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein mit der Tochter von Herzog Alfred, Victoria Melita von Sachsen-Coburg und Gotha, deren gemeinsame Großmutter die Königin Viktoria von England, der Deutsche Kaiser Wilhelm II., der spätere Zar Nikolaus II. von Russland und weitere hocharistokratische Verwandtschaft zu Besuch in Coburg.

20. und 21. Jahrhundert

Erst 1903 wurden in Coburg die Elektrizitätswerke in Betrieb genommen, aber schon 1907 das Krematorium, als eines der ersten in Deutschland. Im gleichen Jahr war auch die Einweihung des Ernst-Alexandrinen-Volksbades. Der Bau des Hallenbades ging auf eine Initiative der Herzogin Alexandrine (Witwe Ernst II.) zurück und wurde von ihr auch finanziell unterstützt. 1913 wurde auf der Brandensteinsebene vom Deutschen Flugverband zur Unterstützung der Militärluftfahrt der Flugstützpunkt Coburg mit Flughallen, als dritter im Deutschen Reich, eröffnet. Am 14. November 1918 endete mit dem Rücktritt des letzten in Coburg residierenden Herzogs Carl Eduard die Monarchie. In der ersten freien Volksabstimmung in Deutschland votierten 1919 über 88 % der Wähler gegen den Zusammenschluss des Freistaates Coburg mit dem Land Thüringen. Somit kam es im folgenden Jahr, nach mehreren Jahrhunderten staatlicher Eigenständigkeit, zur Vereinigung mit dem Freistaat Bayern. 1919 wurde das Metallwerk Max Brose & Co gegründet, heute als Brose Fahrzeugteile GmbH mit 2200 Mitarbeitern zweitgrößter Arbeitgeber in Coburg. 1926 erfolgte die Einweihung des Freibades an der Rosenauer Straße. Ab 1922 entwickelte sich Coburg zu einer bekannten Hochburg des Nationalsozialismus und wurde im englischen Sprachraum später mit The first Nazi town tituliert. Schon 1929 erhielt die NSDAP zum ersten Mal in einer deutschen Stadt bei den Stadtratswahlen die absolute Mehrheit. Es begann die Karriere des späteren Bürgermeisters und Gauleiters Franz Schwede. Dieser sorgte unter anderem dafür, dass 1932 Coburg als erste deutsche Stadt Adolf Hitler die Ehrenbürgerrechte verlieh. Im gleichen Jahr wurde das sogenannte Coburger-Ehrenzeichen, eine der höchsten Auszeichnungen des NS-Regimes, eingeführt. Zeitgleich mit dem Zuspruch für den Nationalsozialismus entwickelte sich in der Stadt der Antisemitismus. Schon 1923 beklagte sich der jüdische Centralverein bei der Regierung von Oberfranken über Gewalttätigkeiten von NSDAP-Mitgliedern gegen die jüdische Bevölkerung Coburgs. In den folgenden Jahren nahmen die Übergriffe immer mehr zu und fanden einen ersten Höhepunkt schon 1931. 1929 beschloss der Stadtrat die Besteuerung von Warenhäusern und Filialen, diese waren in Coburg generell in jüdischem Besitz. Coburg führte diese Steuer als erste Stadt in Deutschland ein. Am 10. März 1933 begann, zusammen mit Verhaftungen und Misshandlungen, der Boykott sowie die Aufforderung zur Schließung jüdischer Geschäfte. 1933 hatte die jüdische Gemeinde noch 233 Mitglieder, Ende 1942 lebte keiner mehr in der Stadt, da sie entweder ins Ausland geflohen waren oder in Vernichtungslager deportiert wurden. Vernichtungslager Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, den die Stadt relativ unzerstört überstanden hatte, zeigte die Volksabstimmung von 1919 mit dem Anschluss an Bayern unerwartete Folgen. Coburg und der Landkreis Coburg wurden Teil der Amerikanischen Besatzungszone, während das thüringische Hinterland zur Sowjetischen Besatzungszone gehörte und bis 1989 durch die Zonengrenze von Coburg abgeschnitten blieb. Im Jahr 1950 verlegte die Haftpflicht-Unterstützungs-Kasse kraftfahrender Beamter Deutschlands a. G., Erfurt ihren Sitz nach Coburg. Heute heißt die Versicherungsgruppe HUK-COBURG und ist mit über 4400 Mitarbeitern in Coburg der größte Arbeitgeber und Gewerbesteuerzahler. Obwohl keine Residenzsstadt mehr, hat Coburgs Bedeutung für die Region, insbesondere durch die Vereinigung mit Bayern und durch die Wiedervereinigung Deutschlands, zugenommen. Die Stadt, seit 30. Mai 2005 Europastadt, ist Oberzentrum mit wichtiger Infrastruktur, wie Landestheater, Landesbiliothek, Klinikum und vielen verschiedenartigen Schulen. Daneben gibt es in Coburg über 27.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und mit 1240 Euro pro Einwohner hat die Stadt die höchsten gemeindlichen Steuereinnahmen in Deutschland. Siehe auch: Haus Sachsen-Coburg und Gotha, Ernestinische Herzogtümer, Coburger Taler, Itzgründisch (Coburger Mundart)

Religion

Der Coburger Raum gehörte seit der Christianisierung Frankens und Thüringens, wohl erstmals um 768, bis zur Einführung der Reformation 1524 zum Bistum Würzburg. Danach war die Stadt über viele Jahrhunderte eine fast ausschließlich protestantische Stadt. Vorherrschend war das lutherische Bekenntnis. 1910 waren über 96% der Bevölkerung Mitglied der evangelischen Landeskirche. Oberhaupt der Landeskirche war der jeweilige Herzog von Sachsen-Coburg als „summus episcopus“. Dieser ernannte unter anderem die Kirchenregierungen. Die geistliche Leitung hatten die Superintendenten mit Sitz in Coburg. Nach der Vereinigung Coburgs mit Bayern schloss sich 1921 die Evangelische Landeskirche Coburg der Evangelischen-Lutherischen Landeskirche Bayerns an. Innerhalb dieser Landeskirche ist Coburg Sitz des mit über 82.000 Mitgliedern größten Dekanats in Bayern.
Römisch-katholische Gemeindeglieder zogen spätestens im 18. Jahrhundert wieder in die Stadt. Ihnen wurde es ab 1802 gestattet, Gottesdienste abzuhalten, zuerst in einem Zimmer in der Ketschengasse 1, ab 1806 in der Nikolaus-Kapelle. 1860 erhielten die ca. 600 Katholiken unter der Protektion von Prinz August von Sachsen-Coburg-Koháry den Kirchenneubau St. Augustin als eigene Kirche. Ab 1826 war die Kirchengemeinde der Erzdiözese Bamberg zugeteilt worden, 1920 dann endgültig. Neben den beiden großen Kirchen gibt es heute auch Gemeinden, die zu Freikirchen gehören, darunter die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten), die Adventgemeinde (Adventisten) und die Christengemeinschaft. Ferner sind eine Neuapostolische Gemeinde, eine Alt-Katholische Kirchengemeinde, die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage und die Zeugen Jehovas in Coburg vertreten.

Eingemeindungen

1934 erfolgte die Eingemeindung von Ketschendorf, Wüstenahorn, Cortendorf und Neuses, um so wieder Garnisonsstandort werden zu können, wofür 30.000 Einwohner notwendig waren. Die siebziger Jahre waren durch eine größere Zahl von Eingemeindungen gekennzeichnet. 1972 waren dies am Jahresanfang Lützelbuch, Löbelstein, Rögen und Seidmannsdorf sowie in Jahresmitte noch Beiersdorf (bekannt für das Schloss Callenberg), Creidlitz und Scheuerfeld. Abgerundet wurden die Eingemeindungen 1976 mit Neu- und Neershof, Neudörfles sowie 1977 mit Bertelsdorf und Glend. Die Fläche der Stadt hatte sich damit seit 1900 von 11,4 km² auf über 47 km² mehr als vervierfacht.

Einwohnerentwicklung

Von 1875 mit 14.600 Einwohnern bis 1933 mit 25.700 Einwohnern hatte Coburg eine konstante Zunahme an Bürgern. Durch die ersten Eingemeindungen 1934 ergab sich ein Sprung auf 29.000 Einwohner, der Höchststand betrug schließlich 1946 51.000 Einwohner, davon ungefähr 15.000 Flüchtlinge. Seit dem Ende des letzten Jahrhunderts hat sich die Einwohnerzahl wenig verändert und beträgt rund 42.000.

Politik

1946

Wappen

Auf dem Coburger Stadtwappen ist der Heilige Mauritius als Mohr dargestellt, der auch Schutzpatron der Stadt ist. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde ab 1934 der unliebsame Mohr gegen ein Schwert mit Hakenkreuz im Knauf ausgetauscht.

Stadtrat

Knauf Der Stadtrat Coburgs besteht aus dem Oberbürgermeister und der von der Gemeindeordnung gesetzlich vorgeschriebenen Anzahl von 40 Stadtratsmitgliedern. Seit der Kommunalwahl vom 27. März 2002 setzt sich der Stadtrat wie folgt zusammen:
- SPD: 18 Sitze
- CSU: 14 Sitze
- Freie Wählergemeinschaft Coburg: 3 Sitze
- FDP: 2 Sitze
- Bündnis 90/Die Grünen: 2 Sitze
- ÖDP: 1 Sitz

1.Bürgermeister beziehungsweise Oberbürgermeister seit 1900


- 18971924: Gustav Hirschfeld
- 19241931: Erich Unverfähr
- 19311934: Franz Schwede
- 19341937: Otto Schmidt
- 19371938: Wilhelm Rehlein
- 19381945: August Greim
- 1945, kommisarisch: Alfred Sauerteig
- 1945, kommisarisch: Eugen Bornhauser
- 19451948: Ludwig Meyer
- 19481970: Walter Langer, FDP
- 19701978: Wolfgang Stammberger, SPD
- 19781990: Karl-Heinz Höhn, parteilos
- seit 1990: Norbert Kastner, SPD (Bei seiner Wahl mit 31 Jahren jüngster OB Bayerns)

Städtepartnerschaften


- Cobourg (Ontario) (Kanada)
- Oudenaarde (Belgien)
- Niort (Frankreich)
- Isle of Wight (Großbritannien)
- Gais (Italien)
- Garden City (USA)

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bild:Coburg Moritzkirche.jpg|Die Morizkirche in Coburg 2003 Bild:Coburg Altstadt.jpg|Coburger Altstadt 2003 Bild:Veste Coburg 2005.jpg|Veste Coburg vom Hofgarten aus gesehen

Theater und Kinos

Das
Landestheater Coburg wurde in den 1840ern von Herzog Ernst II. als Hoftheater erbaut. Ein nahezu identisches Theater wurde zeitgleich in Gotha errichtet (im 2. Weltkrieg zerstört). Heute zählt das Landestheater zu den schönsten Bauten in Coburg und passt sich in das Gesamtensemble des Schlossplatzes ein. Das mehrteilige klassizistische Bauwerk hat u. a. einen Spiegelsaal und einen schönen Zuschauerraum. Aufgrund der Mitfinanzierung (40 %) durch den Freistaat Bayern kann es auch als drittes bayerisches Staatstheater bezeichnet werden. Es ist ein kleines Drei-Sparten-Theater (Oper/Operette, Schauspiel, Ballett) und hat im Großen Haus 550 Plätze und in der Reithalle 99 Sitzplätze. Das neue Kino Utopolis ist mit 9 Sälen eines der modernsten in der Region. Es wurde 2001 an Stelle des alten Union-Theaters von 1919 eröffnet und erfreut sich nun mit einer Bar, einem Restaurant und einem Musik-Club großer Beliebtheit.

lokale Medien

Coburg hat, obwohl es nicht sehr groß ist, zwei täglich erscheinende Zeitungen. Das 1886 gegründete
Coburger Tageblatt im Ring Nordbayerischer Tageszeitungen und die Neue Presse. Die beiden lokalen Radiosender heißen Radio 1 und Radio Galaxy Coburg, wobei letzterer ein Ableger vom jugendorientierten Radio Galaxy Bayern ist. TV Oberfranken mit Sitz in Hof ist lokaler Fernsehsender für Oberfranken.

Museen


- Coburger Puppenmuseum
- Grabungsmuseum Kirchhof
- Kunstsammlung der Veste Coburg
- Naturkunde-Museum
- Pavillon des Kunstverein Coburg mit Wechselausstellungen
- Friedrich-Rückert-Museum

Bauwerke

Veste Coburg Veste Coburg Veste Coburg Veste Coburg Veste Coburg
- Veste Coburg
- Der Marktplatz liegt zwischen Rathaus und Stadthaus. In seiner Mitte steht das Prinz-Albert-Denkmal, ein Geschenk der Königin Victoria 1865 an die Heimatstadt ihres Gatten. Zwischen 2004 und 2005 erfolgte eine Neugestaltung des Platzes.
- Residenzschloss Ehrenburg (16.-19. Jh.)
- Zeughaus (1621)
- Das Münzmeisterhaus war ehemaliger Hof des Geschlechtes der Münzmeister genannt von Rosenau, welche 1288 urkundlich erwähnt wurden. Das Haus besteht seit 1333 und ist eines der ältesten Fachwerkgebäude Deutschlands.
- Die Stadtkirche St. Moriz (1320-1586) ist Hauptkirche der evangelischen Stadtgemeinde. Der älteste Teil der Kirche, der Ostchor, stammt aus 1330. Das Westportal mit den beiden ungleichen Türmen wurde um 1420 gebaut. Und wiederum einhundert Jahre später erfolgte die Aufrichtung des eigentlichen Kirchengebäudes, des Kirchenschiffes. In der Osterwoche 1530 predigte Martin Luther in der Kirche.
- Gymnasium Casimirianum (1605)
- Schlosskirche (18. Jh.)
- Coburger Rathaus (1414)
- Das Stadthaus ließ Herzog Johann Casimir, dem Rathaus gegenüber liegend, 1601 errichten. Die ehemalige herzogliche Cantzley ist ein Gebäude der Spätrenaissance mit einer reichverziehrten Fassade und vielfarbigen Wandmalereien.
- Hofapotheke (1400), mit spätgotischem Erker und Madonna (1500)
- Das Bürglaßschlösschen gehörte einst Friedrich Josias von Sachsen-Coburg-Saalfeld, heute befindet sich darin das Coburger Standesamt.
- Die Katholische Stadtpfarrkirche St. Augustin ist ein neugotisches Gotteshaus mit einer Fürstengruft, welches nach Entwürfen von Vincenz Fischer-Birnbaum zwischen 1855 und 1860 errichtet wurde.
- Der Schlossplatz, umfasst von Schloss Ehrenburg, den Arkaden mit Hofgarten sowie Palais Edinburgh und Landestheater, wurde 1830 bis 1837 gestaltet. In der Mitte steht ein Denkmal Herzog Ernsts I..
- Die St. Nikolauskapelle wurde 1473 als Siechenkapelle für Leprakranke erbaut und ist heute im Besitz der Stadt. Sie war ab 1529 Kapelle der evangelischen Gemeinde, ab 1806 Kapelle der katholischen Gemeinde, von 1873 bis 1932 jüdische Synagoge, ab 1946 Kapelle der freikirchlichen Gemeinde und ist seit 1962 Kapelle der altkatholischen Gemeinde.
- Rosenauschlösschen am Rittersteich (1435), Fachwerkbau
- Hahnmühle (1317), Fachwerkbau
- Schloss Callenberg wurde 1122 erstmals urkundlich erwähnt und war ab 1825 Sommerresidenz der Coburger Herzöge. Die dreiflügelige Schloßanlage ist ein bedeutendes Beispiel für die Neugotik in Bayern. Seit 1998 beherbergt das Schloss die private
Sammlung Herzoglicher Kunstbesitz, ab 2004 wird das Deutsche Schützenmuseum aufgebaut.
- Teilweise erhaltene Stadtmauer mit Juden-, Ketschen- und Spitaltor
- Viele Denkmäler, Brunnen, Gedächtnisstätten und historische Ensembles

Parks


- Der Hofgarten, zwischen Schloßplatz und Festungsberg liegend, wurde 1680 durch Herzog Albrecht als 5,5 Hektar großer Barockgarten angelegt. Seine heutige Gestalt als englischer Landschaftspark, mit einer Vielzahl heimischer wie auch seltener Baumarten, erhielt er mit der Erweiterung bis zur Veste 1857 unter Herzog Ernst II. Heute hat der Park aufgrund seiner zentralen Lage eine wichtige Erholungsfunktion für die Bevölkerung und ist gleichzeitig die Frischluftschneise der Stadt. Der Hofgarten beherbergt das Reiterdenkmal Herzog Ernsts II. von 1899, das Mausoleum für Herzog Franz Friedrich Anton und seine Gemahlin (1816/1817), den Herzog-Alfred-Brunnen (1904) sowie das Ehrenmal des Coburger Convents (1926).
- Der Rosengarten am Kongresshaus war einmal die außerhalb der Stadt liegende Zollbauernwiese. Auf diesem Gelände wurde 1929 die Deutsche Rosenschau mit fast 200.000 Besuchern veranstaltet. Der Ende der achtziger Jahre umgestaltete Garten hat unter anderem um 70 verschiedene Sorten von Rosen und Volieren für exotische Vögel. Außerdem ist im Rosengarten der Sinflutbrunnen des Coburger Künstlers Ferdinand Lepcke aufgestellt.
- Rückert-Park im Stadtteil Neuses
- Josiasanlage am Bürglaßschlösschen

Sport

Neben Fußball, der in 16 Vereinen angeboten wird, und mit dem DVV Coburg in der Landesliga vertreten ist, hat traditionell der Schießsport eine besondere Bedeutung in Coburg. Hier gibt es vier Vereine und die Schützengesellschaft Coburg 1354 ist mit einer Luftgewehrmannschaft in der 2. Bundesliga vertreten. Viele Anhänger hat auch der HSC 2000 Coburg Neuses, dessen 1. Herrenmannschaft in der Handball Regionalliga Süd spielt und bei seinen Heimspielen einen Zuschauerschnitt von mehr als 1000 Zuschauer hat, bei einer maximalen Kapazität von 1270 in der Angersporthalle. Auch Orientierungslauf gewinnt in Coburg immer mehr an bedeutung, so wurde dieses Jahr erstmals in Coburg eine Deutsche Mannschaftsmeisterschaft und ein Bundesranglistenlauf ausgerichtet.

Regelmäßige Veranstaltungen

Mannschaft In Coburg findet jedes Jahr das größte Samba-Festival außerhalb Brasiliens statt, das seit 1992 alljährlich im Juli an drei Tagen weit über 100.000 Besucher anzieht. Knapp 90 Sambagruppen mit mehr als 2500 Sambistas aus neun Nationen sorgten vom 8. bis zum 10. Juli 2005 auf neun Bühnen in der Innenstadt für Stimmung. Das 15. Sambafest findet voraussichtlich vom 7. bis 9. Juli 2006 statt. Daneben ist Coburg der Tagungsort des
Coburger Convents (CC), eines Verbandes von Studentenverbindungen, der jedes Jahr zu Pfingsten seinen Kongress mit Tagungen, Festkommers, Fackelzug und Sportveranstaltungen ausrichtet. Mehrmals jährlich werden klassische Konzerte in der St.-Moriz-Kirche durch den Coburger Bachchor veranstaltet. Außerdem wird Ende Juli das Schlossplatzfest, das sich als „Größte Party Nordbayerns“ bezeichnet, zwischen Ehrenburg und Landestheater gefeiert. Festkommers Auf der Freifläche Anger finden im Frühjahr das Frühlingsfest sowie Anfang August das Vogelschießen (Schützenfest) statt. Dieses wird durch die Schützengesellschaft Coburg 1354 e. V. veranstaltet und hat einen hohen Besuchergrad. Neben dem Weihnachtsmarkt im Dezember finden weitere traditionelle Märkte statt. Der Coburger Flohmarkt, der sich zweimal im Jahr über das gesamte Innenstadtgebiet erstreckt, dauert vom Samstag Abend bis Sonntag. Außerdem finden alle zwei bis drei Jahre die Johann-Strauß-Musiktage und der Internationale Gesangswettbewerb Alexander Girardi in Coburg statt. Damit möchte die Stadt an den Walzerkönig erinnern, der 1887 Coburger Bürger wurde. Die nächsten Musiktage finden vom 19. Juni bis 2. Juli 2006 statt.

Kulinarische Spezialitäten


- Die bekannteste Spezialität aus Coburg ist die
Coburger Bratwurst, das Coburger Nationalgericht schlechthin. Eine Besonderheit ist dabei die Art des Grillens, wozu weder Holz noch Holzkohle, sondern gut getrocknete Kiefernzapfen verwendet werden. Einen geöffneten Bratwurststand gibt es im ganzen Jahr täglich auf dem Marktplatz. Die Länge der Bratwurst soll der Länge des Marschallstabes entsprechen, den die Figur des Stadtheiligen Mauritius auf dem Rathausgiebel in der Hand hält.
- Eine weitere Spezialität sind die
Coburger Klöße. Dies sind Kartoffelklöße je zur Hälfte aus rohen (wie die Thüringer) und aus gekochten Kartoffeln (wie die Fränkischen). Im Inneren enthält jeder Kloß geröstete Weißbrotwürfel.
- Die
Coburger Schmätzchen sind eine Art Honigplätzchen. Die Variante Coburger Goldschmätzchen ist schokoladeumhüllt und mit einem Klecks Goldfarbe versehen.
- Der
Hof-Likör, der in der Hofapotheke nach einem geheimen Rezept hergestellt wird.

Wirtschaft und Infrastruktur

Coburg ist einer der stärksten wirtschaftlichen Bereiche Bayerns und war in der Vergangenheit weitgehend immun gegen wirtschafliche Schwankungen des Umlandes. Dieses erfolgreiche Wirtschaften hat Coburg vor allem seinem breit gefächertem Portfolio an Branchen und einem mannigfaltigen Mix an verschiedenen Betriebsgrößen zu verdanken.

Statistische Daten der Wirtschaft

Die folgenden Daten stammen aus den Industriekennzahlen des Kammerbezirkes der IHK zu Coburg und dem Bayerischen Landesamt für Statistik mit einem Stand 31. Dezember 2002 beziehungsweise 30. Juni 2003:
- 176 Betriebe hatten 24.020 Beschäftigte, die einen Gesamtumsatz von 2.870 Mio € mit einer Exportquote von 37,0% erwirtschafteten.
- Insgesamt waren im zuständigen Bereich 28.023 Arbeitnehmer beschäftigt und 2.592 Personen arbeitslos gemeldet.

Ansässige Unternehmen

Die größten Arbeitgeber (bezogen auf die Anzahl der Beschäftigten) der Stadt sind:
- HUK-COBURG (
Versicherung)
- Brose Fahrzeugteile (
Automobilzulieferer)
- Kaeser Kompressoren (
Kompressorenbau)
- Waldrich Coburg (
Werkzeugmaschinen)
- KAPP Gruppe (
Werkzeugmaschinen)
- Gaudlitz (
Kunststofftechnik/Formenbau)
- Dahle (
Bürotechnik)
- Lasco (
Werkzeugmaschinen)
- Schenker - Geschäftsstelle Coburg (
Spedition)
- Hermann Koch Spritz- und Presswerk (
Kunststoffverarbeitung)
- Städtische Werke/Überlandwerke Coburg GmbH
- Prodinger (
Verpackungen)
- Ros (
Kunststofftechnik/Spritzguss)
- Leise (
Großhandel Industrietechnik und Kraftfahrzeugteile )

Verkehr

Coburg ist im Verkehrsnetz derzeit schlecht angebunden, da die Region bis zur Deutschen Einheit 1990 kaum Durchgangsverkehr zu bewältigen hatte. Der Straßenverkehr wird geprägt durch die Bundesstrassen B4, die als Nord-Süd-Achse den Nürnberger Raum mit Thüringen und die B303, die als West-Ost-Achse Schweinfurt mit Tschechien verbindet. Der Schienenverkehr ist nur über Lichtenfels an die Fernstrecken angeschlossen, da die Werrabahn als durchgehende West-Ost-Verbindung nicht mehr existiert. Jetzige Bauprojekte im Rahmen des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit sind die Verlängerung der Bundesautobahn A 73 Nürnberg- Lichtenfels über Coburg nach Suhl und die ICE-Trasse Nürnberg-Lichtenfels-Erfurt-Berlin. Die Autobahn ist zwischen Coburg und Eisfeld schon in Betrieb, 2008 ist voraussichtlich die Strecke durchgehend befahrbar. Ein Zeitpunkt für die Fertigstellung der ICE-Trasse ist derzeit aus finanziellen Gründen nicht vorhersehbar. Der Verkehrslandeplatz Coburg-Brandensteinsebene hat im Jahr durchschnittlich 13.000 Starts und Landungen und kann auf einer Landebahn von über 860 m Länge mit Flugzeugen bis zu einem maximalen Abfluggewicht von 5,7 Tonnen angeflogen werden.

Institutionen und Einrichtungen

Neben den Behörden der Stadtverwaltung befinden sich folgende Institutionen und Einrichtungen in Coburg:
- Amtsgericht
- Arbeitsagentur
- Arbeitsgericht Bamberg - Kammer Coburg
- Bayerisches Rotes Kreuz Kreisverband Coburg
- Die Coburger Landesstiftung verwaltet die herzoglichen Kulturgüter, welche 1919 der Freistaat Coburg durch den Abfindungsvertrag mit Herzog Carl Eduard erhalten hat. Dies sind die Veste mit den Kunstsammlungen, das Naturkundemuseum, die Landesbibliothek, Schloss und Gut Rosenau und Schloss Ehrenburg. Für die Veste und die beiden Schlösser ist heute die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen zuständig.
- Finanzamt
- Forst- und Domänenamt
- Gewerbeaufsichtsamt
- Handwerkskammer
- Industrie- und Handelskammer
- Das Klinikum Coburg, welches auf das 1862 gegründete Landkrankenhaus Coburg zurückgeht, das 1903 an seinen heutigen Standort im Stadtteil Ketschendorf verlegt wurde. Es ist heute Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Würzburg und ein Haus der Schwerpunktversorgung Versorgungsstufe III. Es hat 522 Betten.
- Landbauamt
- Die Einrichtung eines Landgerichtes wurde Coburg bei der Vereinigung mit Bayern zugesagt. Es wurde am 1. April 1921 eröffnet. Der zugehörige Gerichtsbezirk umfasste die coburgischen Amtsgerichtsbezirke Coburg, Neustadt, Rodach und Sonnefeld sowie die bayerischen Kronach und Lichtenfels. Das Landgericht wurde im Gebäude des Herzoglichen Staatsministeriums, mit dem Sitzungssaal des Coburger Landtags, am Ketschentor untergebracht. 1945 wurde dieses zerstört und 1957 als neues Justizgebäude eingeweiht.
- Landratsamt
- Polizeidirektion und -inspektion, Verkehrspolizei-Inspektion
- Staatliches Gesundheitsamt
- Zollamt
- Deutsche Johann Strauß Gesellschaft

Bildungseinrichtungen

Bibliotheken und Archive


- Staatsarchiv
- Stadtbücherei
- Stadtarchiv
- Landesbibliothek

Hochschulen


- Fachhochschule Coburg

Schulen

;Gymnasien
- Albertinum (musisch / neusprachlich)
- Alexandrinum (neusprachlich / sozial und mathematisch / naturwissenschaftlich)
- Casimirianum (humanistisch / neusprachlich / europäisch) (feiert im Juli 2005 sein 400-jähriges Bestehen)
- Ernestinum (mathematisch / naturwissenschaftllich bzw. technologisch / wirtschaftswissenschaftlich) ;Ober- und Berufsschulen
- Staatliche Fachoberschule und Berufsoberschule (Regiomontanus-Schule)
- Freiherr-von-Rast-Schule
- Staatliche Berufsschule II
- Staatliche Berufsfachschule für Wirtschaft
- Staatliche Berufsfachschulen für Hauswirtschaft und Kinderpflege
- Staatliche Landwirtschaftsschule
- Staatliche Wirtschaftsschule ;Grund-, Haupt- und Realschulen
- Heiligkreuzschule
- Heimatringschule
- Jean-Paul-Schule
- Lutherschule
- Melchior-Franck-Schule
- Pestalozzischule
- Rückertschule
- Schule am Hofgarten
- Schule Creidlitz
- Schule Ketschendorf
- Schule Neuses (feierte vom 2. bis 4. Juli 2004 ihr 100-jähriges Bestehen)
- Schule Scheuerfeld
- Sondervolksschule für Lernbehinerte
- Staatliche Realschule I
- Staatliche Realschule II ;Privat- und sonstige Schulen
- ASCO - Auslandskorrespondentenschule
- Medau Schule - Fachschule für Gymnastik, Physiotherapie und Logopädie
- Musikschule
- Rudolf-Steiner-Schule - Waldorfschule
- Sing- und Musikschule im Landkreis Coburg ;Volkshochschulen
- Die Volkshochschulen Coburg

Persönlichkeiten

Ehrenbürger


- 1851:
Eduard Hülbig, Privatier
- 1851:
Vinzenz Fischer-Birnbaum, Architekt
- 1851:
Karl Gustav Zeissig, Hofgärtner
- 1853:
Ernst Ludwig Trompheller, Pädagoge
- 1854:
Ludwig August Riedinger, Finanzrat
- 1861:
Ferdinand Freiherr von Rast, Industrieller
- 1866: Herrmann Julius Meyer, Verleger
- 1866:
Friedrich Hofmann, Schriftsteller
- 1874:
Philipp Schwarzenberg, Industrieller
- 1874:
Richard Camillo von Seebach, Staatsminister
- 1879:
Emil von Pawel-Rammingen, Staatsrat
- 1880:
Eduard Müller, Bildhauer
- 1880:
Gustav Müller, Maler
- 1883:
Hermann Rose, Staatsminister
- 1884:
Karl-Konrad Kraiß, Finanzrat
- 1884:
Friedrich Forkel, Stadtverordneter
- 1887:
Johann F. Emil von Müller, Superintendent
- 1895: Otto von Bismarck, Reichskanzler
- 1897:
Rudolf Muther, Oberbürgermeister
- 1917: Paul von Hindenburg, Feldmarschall
- 1924:
Gustav Hirschfeld, Oberbürgermeister
- 1932: Adolf Hitler, NSDAP-Parteivorsitzender, aberkannt mit einstimmigen Stadtratsbeschluss vom 20. Februar 1946
- 1933: Franz Ritter von Epp, Reichsstatthalter, aberkannt mit einstimmigen Stadtratsbeschluss vom 20. Februar 1946
- 1933: Carl Eduard, Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha, aberkannt mit einstimmigen Stadtratsbeschluss vom 20. Februar 1946
- 1939: Franz Schwede, NSDAP-Gauleiter, aberkannt mit einstimmigen Stadtratsbeschluss vom 20. Februar 1946
- 1941: Ferdinand I. von Bulgarien, Ex-Zar
- 1970:
Walter Langer, Oberbürgermeister
- 2002:
Carl Kaeser, Unternehmer
- 2005: Simeon Sakskoburggotski, Ministerpräsident Bulgariens

Söhne und Töchter der Stadt

Die folgenden Personen wurden in Coburg geboren. Für die Nennung hier ist es unerheblich, ob die Personen ihren späteren Wirkungskreis in Coburg hatten oder nicht. Viele sind andernorts bekannt geworden. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollzähligkeit.
- Sigismund Heusner von Wandersleben (
- 17. April 1592; † 12. April 1645 in Wittenberg),
deutscher Offizier und Politiker, teilweise in schwedischen Diensten.
- Friedrich Josias von Sachsen-Coburg-Saalfeld (
- 26. Dezember 1737; † 26. Februar 1815 in Coburg),
österreichischer Feldmarschall.
- Johann Christian August Clarus (
- 5. November 1774; † 13. Juli 1854) in Leipzig),
Mediziner.
- Ernst I. (Sachsen-Coburg und Gotha) (
- 2. Januar 1784; † 29. Januar 1844 in Gotha),
Herzog von Sachsen-Coburg-Saalfeld und erster Herzog des neu geschaffenen Doppelherzogtums Sachsen-Coburg und Gotha, preußischer General und Vater von Albert von Sachsen-Coburg und Gotha.
- Ferdinand Georg August von Sachsen-Coburg-Saalfeld-Koháry (
- 28. März 1785; † 27. August 1851 in Wien),
Feldmarschallleutnant in österreichischen Diensten.
- Victoria von Sachsen-Coburg-Saalfeld (
- 17. August 1786; † 16. März 1861 in Frogmore House, Windsor)
Mutter der englischen Königin Victoria.
- Christian Friedrich Freiherr von Stockmar (
- 22. August 1787; † 9. Juli 1863 in Coburg),
deutscher Arzt und Staatsmann.
- Leopold I. (
- 16. Dezember 1790; † 10. Dezember 1865 in Laeken),
erster König der Belgier.
- Alexander von Mensdorff-Pouilly (
- 4. August 1813; † 14. Februar 1871 in Prag),
österreichischer Staatsmann.
- Ernst II., Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha (
- 21. Juni 1818; † 2. August 1893 in Reinhardsbrunn bei Gotha).
- Heinrich Rückert (
- 14. Februar 1823; † 11. September 1875 in Breslau),
deutscher Geschichtsschreiber und Germanist.
- Selmar Bagge (
- 30. Juni 1823; † 16. Juli 1896 in Basel),
deutscher Komponist.
- Felix Draeseke (
- 7. Oktober 1835; † 26. Februar 1913 in Dresden),
deutscher Komponist.
- Eduard Study (
- 23. März 1862; † 6. Januar 1930 in Bonn),
deutscher Mathematiker.
- Hans Berger (
- 21. Mai 1873; † 1. Juni 1941 in Jena),
deutscher Neurologe und Psychiater.
- Hans Morgenthau (
- 17. Februar Raumordnung und der Wirtschaftsgeographie einen zentralen Ort der höchsten Stufe nach dem System der Zentralen Orte des deutschen Geographen Walter Christaller. Oberzentren sind in der Regel umgeben von mehreren Mittelzentren, die wiederum für Unterzentren von zentraler Bedeutung sind. Neben dem Grundbedarf und dem periodischen Bedarf kann in Oberzentren auch der spezifische Bedarf gedeckt werden. Das umfasst neben dem Infrastruktur- und Dienstleistungsangebot der Unter- und Mittelzentren insbesondere:
- besondere Warenhäuser
- Spezialgeschäfte
- Fachkliniken
- Theater
- Museen
- Fach- und Hochschulen
- Regionalbehörden Die genaue Funktionsausstattung von Oberzentren wird von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich definiert, auch gibt es Abstufungen, wie etwa Mittelzentren mit oberzentraler Funktion, die nur über einen Teil der geforderten Ausstattung und Angebote verfügen. Daneben gibt es auch Doppelzentren und Städteverbünde, die nur in gegenseitiger Funktionsergänzung den Anforderungen eines Oberzentrums gerecht werden. __NOTOC__

Oberzentren in Deutschland

Kategorie:Raumplanung


Landkreis Coburg

Der Landkreis Coburg ist ein Landkreis im Nordwesten des Regierungsbezirks Oberfranken in Bayern. Nachbarkreise sind im Norden die thüringischen Landkreise Hildburghausen und Sonneberg, im Osten der Landkreis Kronach, im Süden die Landkreise Lichtenfels und Bamberg und im Westen der Landkreis Haßberge. Die kreisfreie Stadt Coburg ist ganz vom Landkreis Coburg umgeben.

Geografie

Den Nordwesten des Kreisgebietes bildet eine flachwellige (300 - 500 m ü. NN) Hochfläche, die überwiegend als Ackerland genutzt wird. Der nördliche Teil des Landkreises wird zum Vorland des Thüringer Waldes gezählt und besitzt bereits einen deutlichen Mittelgebirgscharakter; er wird bis auf Rodungsflächen von ausgedehnten Laubwäldern geprägt. Zwischen diesen beiden Landschaften liegt der Muschelkalkzug der Langen Berge, deren karger Boden von Nadelwäldern bedeckt wird. Im Süden erstreckt sich das zum fränkischen Keuper-Lias-Land gehörende Itz-Hügelland (250 - 300 m ü. NN).

Wirtschaft

Die Industrialisierung hat im Landkreis Coburg sehr früh begonnen. Coburg ist bayernweit eine der ältesten Industrieregionen. Heute ist der Coburger Raum eine der am stärksten industrialisierten Regionen Deutschlands (ca. 280 Industriearbeitsplätze auf 1000 Einwohner), vorwiegend geprägt durch Klein- und Mittelbetriebe. Strukturprägend sind vor allem die alten Industrien
- Polstermöbel- und holzverarbeitende Industrie (1/3 der bundesdeutschen Polstermöbelproduktion)
- Spielwarenindustrie und Christbaumschmuckherstellung
- Korbwaren- und Kinderwagenherstellung
- keramische Industrie (Porzellan und Industriekeramik) sowie die Elektrotechnik. Da nach der Deutschen Wiedervereinigung die Zonenrandförderung wegfiel, vollzieht sich derzeit - verstärkt durch die EU-Osterweiterung und die Wirtschaftskrise - ein Strukturwandel, dem viele Arbeitsplätze und Betriebe zum Opfer fallen. Als Folge dieser Entwicklung ist die Arbeitslosenquote von ca. 3 % in den 1980ern auf 10,5 % (November 2003) gestiegen.

Verkehr

Coburg ist im Verkehrsnetz derzeit schlecht angebunden, da die Region bis zur Deutschen Einheit 1990 kaum Durchgangsverkehr zu bewältigen hatte. Der Straßenverkehr wird geprägt durch die Bundesstrassen B4, die als Nord-Süd-Achse den Nürnberger Raum mit Thüringen und B303, die als West-Ost-Achse Schweinfurt mit Tschechien verbindet. Der Schienenverkehr hat derzeit wenig Bedeutung, insbesondere weil die Werrabahn als West-Ost-Verbindung nicht mehr existiert. Jetzige Bauprojekte im Rahmen des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit sind die Verlängerung der Bundesautobahn A 73 Nürnberg- Lichtenfels über Coburg nach Suhl und die ICE-Trasse Nürnberg-Lichtenfels-Erfurt-Berlin. Die Autobahn ist zwischen Coburg und Eisfeld schon in Betrieb, 2008 ist voraussichtlich die Strecke durchgehend befahrbar. Ein Zeitpunkt für die Fertigstellung der ICE-Trasse lässt sich wegen Finanzierungsproblemen derzeit nicht angeben.

Geschichte

Erstmals urkundlich erwähnt wird Coburg und Saalfeld 1012 als Mitgift an Pfalzgraf Ehrenfried (Ezzo) von Lothringen, von dessen Tochter Richeza die Grundherrschaft 1056 an Erzbischof Anno II. von Köln übergeht. In den folgenden 300 Jahren treten Andechs-Meranien, Wildberg und Henneberg, sowie die Klöster Fulda, Hersfeld, Banz, Langheim, Mönchröden, Veilsdorf und Sonnefeld als Besitz- und Herrschaftsträger auf, bis 1353 Markgraf Friedrich III. der Strenge in der Pflege Coburg (Haus Wettin) das Erbe antritt. In der Folge gehört die Region zum Kurfürstentum Sachsen, nach 1547 zu den Sächsischen Herzogtümern und von 1826 bis zum Ende der Monarchie (1918) zum Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha. Nach einer Volksabstimmung 1919 wurde der Freistaat Coburg (im wesentlichen identisch mit Stadt und Landkreis Coburg heute) zum 1. Juli 1920 mit dem Freistaat Bayern vereinigt. Durch die Gebietsreform zur Neugliederung der bayerischen Landkreise (1. Juli 1972) wurden dem Landkreis Coburg die kreisfreie Stadt Neustadt bei Coburg und Teile des früheren Landkreises Staffelstein eingegliedert. In den 1960er Jahren gab es im Kreisgebiet 129 und vor dem Stichtag der Gemeindegebietsreform am 10. Mai 1978 noch 51 Gemeinden. Heute sind davon noch 17 Städte und Gemeinden verblieben.

Bevölkerung

Die Coburger Region wurde bis zum 6. Jahrhundert von den Thüringern besiedelt und während der Völkerwanderung von den Franken erobert. In ostfränkischer Zeit erfolgte die Zuwanderung von slawischen Wenden und Sorben. Die Mundart der Region ist das Itzgründische, ein Dialekt des Mainfränkischen. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließen sich viele Flüchtlinge aus den Ostgebieten in Coburg nieder. 1946 zählte der Landkreis mehr als 61.000 Einwohner, gegenüber 40.000 um Jahre 1939.

Wappen

Beschreibung:
Gespalten; vorne die Bayerischen Rauten, hinten neunmal geteilt von Schwarz und Gold, belegt mit einem schrägen und gebogenen grünen Rautenkranz
Bedeutung:
Die vordere Hälfte des Wappens betont die nach dem Anschluss des Freistaates Coburg an Bayern bestehende staatliche Zugehörigkeit und die Eigenschaft des Wappeninhabers als bayerischer Landkreis. Die hintere Hälfte des Wappens dagegen weist durch das Hauptwappen der Wettiner mit dem Rautenkranz auf die jahrhundertelange Verbindung mit Sachsen hin.

Sehenswürdigkeiten im Landkreis Coburg


- Schloss Ahorn, Ahorn bei Coburg
- Gerätemuseum des Coburger Landes, Ahorn bei Coburg
- Schloss Hohenstein, Gemeindeteil Hohenstein der Gemeinde Ahorn bei Coburg
- Schloss Rosenau (Coburg), Rödental
- Schloss Tambach, Tambach
- Wildpark Tambach, Tambach

Städte und Gemeinden

(Fläche in km² am 31. Dezember 2001, alle Einwohnerzahlen Stand: 30. Juni 2005)

Weblinks


- http://www.landkreis-coburg.de/
- [http://www.coburg-tourist.de/index_d.html Tourismus & Congress Service Coburg] Coburg

Bayern

Der Freistaat Bayern liegt im Süden und Südosten der Bundesrepublik Deutschland und ist das flächenmäßig größte Bundesland. Angrenzend sind (im Uhrzeigersinn) die Länder Baden-Württemberg, Hessen, Thüringen und Sachsen. Im Osten grenzt Bayern an Tschechien, im Süden an Österreich und an den Bodensee. Im Freistaat leben traditionell drei deutsche Volksstämme: die Franken (Ober-, Mittel- und Unterfranken), die Schwaben und die Baiern ("Altbayern").

Geschichte

Siehe die Hauptartikel Vorgeschichte Bayerns, Geschichte Bayerns und Königreich Bayern Die Schreibweise des Landesnamens mit "y" geht auf eine Anordnung von König Ludwig I., König von Bayern vom 20. Oktober 1825 zurück, mit der die ursprüngliche Schreibweise "Baiern" abgelöst wurde. Er "importierte" das Y aus dem griechischen Alphabet, da sein zweiter Sohn, Otto I., König von Griechenland wurde und seinerseits die bayerischen Farben weiß-blau als griechische Nationalfarben etablierte.

Politik

Siehe den Hauptartikel Politisches System Bayerns. Im Bayerischen Landtag sind derzeit drei Parteien vertreten. Nach den Wahlen vom 21. September 2003 ergab sich folgende Sitzverteilung (insges. 180 Sitze):
- CSU 124 Sitze
- SPD 41 Sitze
- Bündnis 90/Die Grünen 15 Sitze
Die Ergebnisse der Landtagswahl 2003 sahen wie folgt aus:

Bayerische Staatsregierung

In Bayern regiert seit 1966 die CSU mit absoluter Mehrheit, seit den Landtagswahlen am 21. September 2003 sogar mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit der Abgeordneten. Amtierender Ministerpräsident ist seit dem 17. Juni 1993 Dr. Edmund Stoiber (CSU). Am 7. Oktober 2003 wurde Edmund Stoiber als Ministerpräsident vom Landtag wiedergewählt, am 14. Oktober das neue Kabinett von ihm ernannt und vom Landtag bestätigt. Der Bayerischen Staatsregierung gehören zurzeit folgende Mitglieder an:

- Edmund Stoiber (CSU), Ministerpräsident des Freistaates Bayern
- Günther Beckstein (CSU), Stellvertreter des Ministerpräsidenten und Staatsminister des Innern
- Erwin Huber (CSU), Leiter der Staatskanzlei und Staatsminister für Bundesangelegenheiten und Verwaltungsreform
- Eberhard Sinner (CSU), Staatsminister für Europaangelegenheiten und regionale Beziehungen
- Beate Merk (CSU), Staatsministerin der Justiz
- Thomas Goppel (CSU), Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst
- Siegfried Schneider (CSU), Staatsminister für Unterricht und Kultus
- Kurt Faltlhauser (CSU), Staatsminister der Finanzen
- Otto Wiesheu (CSU), Staatsminister für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie
- Werner Schnappauf (CSU), Staatsminister für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz
- Josef Miller (CSU), Staatsminister für Landwirtschaft und Forsten
- Christa Stewens (CSU), Staatsministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen
- Georg Schmid (CSU), Staatssekretär im Staatsministerium des Inneren
- Karl Freller (CSU), Staatssekretär im Staatsministerium für Unterricht und Kultus
- Franz Meyer (CSU), Staatssekretär im Staatsministerium der Finanzen
- Hans Spitzner (CSU), Staatssekretär im Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie
- Emilia Müller (CSU), Staatssekretär im Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz
- Jürgen Heike (CSU), Staatssekretär im Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen Siehe auch: Wahlergebnisse und Staatsregierungen in Bayern seit 1945

Staatsaufbau

Grundlage der Landespolitik ist die am 2. Dezember 1946 beschlossene Bayerische Verfassung. Bayern ist demnach Freistaat (Republik) und Volksstaat (Demokratie). Seit dem 1. Januar 2000 existiert nach der Abschaffung des Senats ein parlamentarisches Einkammersystem. Die gesetzgebende Gewalt liegt beim Bayerischen Landtag, dessen Abgeordnete alle fünf Jahre (bis 1998: alle vier Jahre) gewählt werden. Bis Ende 1999 existierte mit dem Senat eine zweite Kammer, mit der Vertreter sozialer und wirtschaftlicher Interessenverbände ein politisches Gegengewicht zum Landtag schaffen sollten. In einem Volksentscheid wurde am 8. Februar 1998 die Abschaffung dieser Kammer beschlossen. Chef der Staatsregierung ist der Bayerische Ministerpräsident, der ihre Geschäfte leitet, die Richtlinien der Politik bestimmt, Bayern nach außen vertritt und die Staatsminister und -sekretäre ernennt. Das oberste bayerische Gericht ist der Bayerische Verfassungsgerichtshof. Des weiteren gibt es noch diverse obere Landesgerichte (Bayer. Oberstes Landesgericht, Bayer. Verwaltungsgerichtshof, Landesarbeits-, Landessozialgericht) sowie die restliche Judikative. Am 20. Oktober 2004 beschloss der Bayerische Landtag die Auflösung des Bayerischen Obersten Landesgerichts mit Wirkung zum 1. Juli 2006. Außer vom Landtag können in Bayern Gesetze und Verfassungsänderungen auch durch Volksbegehren und Volksentscheid beschlossen werden. Ein Volksentscheid ist außerdem zu jeder Änderung der Bayerischen Verfassung notwendig, auch wenn die Verfassungsänderung vom Landtag beschlossen wurde. Siehe auch: Bayerischer Ministerpräsident, Gesetzgebungsverfahren in Bayern

Wahlrecht

Gesetzgebungsverfahren in Bayern] Im Vergleich zu Wahlen auf Bundesebene weist das bayerische Wahlrecht mehrere Besonderheiten auf: Direktkandidaten, die in ihrem Wahlbezirk die Wahl gewonnen haben, können nur in den Landtag einziehen, wenn auch ihre Partei die Hürde von 5 Prozent erreicht hat. Darüber hinaus ergibt sich die Sitzverteilung im Landtag aus der Summe der Erst- und Zweitstimmen. In anderen Bundesländern und bei Bundestagswahlen entscheidet die Erststimme über die Wahl des Direktkandidaten im Wahlbezirk und allein die Zweitstimme bestimmt die Zahl der Sitze im Parlament, was üblicherweise dazu führt, dass Erststimmen häufiger den großen Parteien mit aussichtsreichen Direktkandidaten gegeben werden. Wer nach Bayern umzieht und eine kleinere Partei wählt, sollte also bei Landtagswahlen darüber nachdenken, ihr auch die Erststimme zu geben, die im bayerischen System also nicht "verloren gehen" kann. Eine weitere Besonderheit findet sich im Kommunalwahlrecht. Zum einen besitzt jeder Wähler genau so viele Stimmen wie Sitze zu vergeben sind; sind also im Gemeinderat bzw. Stadt- oder Kreistag z. B. 45 Sitze zu besetzten, so hat jeder Wähler 45 Stimmen. Desweiteren besteht die Möglichkeit des Kumulierens ("Häufeln", mehrere Stimmen können auf einen Kandidaten abgegeben werden) und des Panaschierens (Stimmen können auf Kandidaten verschiedener Listen verteilt werden). Am 21. September 2003 wurde per Volksentscheid die Altersgrenze für das passive Wahlrecht von 21 auf 18 abgesenkt. Daneben gibt es in Bayern zahlreiche direktdemokratische Elemente. Neben dem Volksentscheid auf Landesebene wurde am 1. Oktober 1995 durch eine Volksabstimmung die direkte Demokratie auf Kommunalebene eingeführt. Pro Jahr gibt es in Bayern rund 100 Volksabstimmungen.

Staatswappen, Flagge und Hymne

Hauptartikel: Bayerisches Staatswappen Das bayerische Staatswappen besteht aus sechs heraldischen Komponenten: Der goldene Löwe, ursprünglich mit der wittelsbachischen Pfalz am Rhein verbunden, steht heute für die Oberpfalz, der „fränkische Rechen“ für die drei fränkischen Bezirke, der blaue Panther für die Altbayern und die drei schwarzen Löwen für Schwaben. Das weiß-blaue Herzschild deutet den Gesamtstaat Bayern an, die Volkskrone bezeichnet nach dem Wegfall der Königskrone die Volkssouveränität. Der Freistaat Bayern besitzt zwei gleichgestellte Staatsflaggen: einmal die weiß-blau gerautete Flagge, zum anderen die Flagge mit horizontalen Streifen in den Farben Weiß und Blau. Zur Hymne siehe: Bayernhymne

Verwaltungsgliederung

Regierungsbezirke

Nachstehend die Regierungsbezirke mit Amtlichem Gemeindeschlüssel (AGS) und Abkürzung des Bayerischen Staatsministeriums des Innern: Amtlichem Gemeindeschlüssel (AGS)

Landkreise

Die 7 Regierungsbezirke unterteilen sich in 71 Landkreise und 25 kreisfreie Städte: kreisfreie Städte

Kreisfreie Städte

Städte und Gemeinden

Der Freistaat Bayern besteht aus 2.056 politisch selbständigen Städten und Gemeinden sowie 215 gemeindefreien Gebieten (letztere sind ausnahmslos unbewohnt und auf 44 der 71 Landkreise verteilt). Die Gemeinden verteilen sich wie folgt: 25 kreisfreie Städte und 2.031 kreisangehörige Gemeinden (davon 27 Große Kreisstädte, 262 sonstige Städte, 384 Märkte und 1.358 sonstige Gemeinden (Stand 1. Oktober 2004). Von den 2.031 kreisangehörigen Gemeinden sind 991 Mitgliedsgemeinden in 314 Verwaltungsgemeinschaften, und 1.040 Einheitsgemeinden, Stand 1. Januar 2005).
Änderungen seit dem 1. Januar 2005:
- Erhebung einer Gemeinde zum Markt am 17. September 2005
- Erhebung der Stadt Fürstenfeldbruck zur Großen Kreisstadt am 01. Januar 2006 (geplant)

Größte Städte

Siehe auch: Liste der Orte in Bayern, Große Kreisstadt

Regionen

Geografie

Große Kreisstadt Bayern liegt in Süddeutschland und umfasst:
- die bayerischen Alpen im Süden
- das Alpenvorland bis zur Donau mit den 3 großen Seen Oberbayerns
- das ostbayerische Mittelgebirge und
- die Stufenlandschaft der Schwäbischen und Fränkischen Alb. Die niedrigste Stelle von Bayern befindet sich mit 107 m in Kahl am Main (Unterfranken), die höchste auf dem Gipfel der Zugspitze (2.962 m ü. NN), dem höchsten Berg Deutschlands im Wettersteingebirge (Landkreis Garmisch-Partenkirchen). Hauptfluss ist die Donau, die bei Passau nach Österreich übertritt. Ihre größeren Nebenflüsse sind (von Westen):
- Iller, Lech, Isar und Inn (fließen rechts zur Donau hin)
- Wörnitz, Altmühl, Naab und Regen (fließen links dagegen). Die 4 ersteren entspringen in den Alpen und sind wasserreicher. Der Inn führt (wegen des langen Oberlaufs) bei seiner Mündung in Passau meist etwas mehr Wasser als die Donau. Das Klima geht vom Nordwesten (relativ ausgeglichen) nach Osten ins Kontinentalklima über. An etwa 100 Tagen sind die Temperaturen unter Null, die Westwinde bringen durchschnittlich 70 cm Regen, im Nordstau der Alpen lokal bis 180 cm. Die mittlere Sonnenscheindauer beträgt etwa 1600 bis 1900 Stunden. Eigene Artikel existieren für: Seen in Bayern, Flüsse in Bayern und Landschaften in Bayern, Liste der Berge in Bayern

Wirtschaft

Bayern gilt als sehr wirtschaftsstarkes und reiches Bundesland, es hat sich in den letzten Jahrzehnten vom Agrar- zum Technologieland entwickelt. Die Arbeitslosenquote betrug im Juli 2004 6,5 Prozent. Das Bundesland Bayern weist allerdings auch die größten wirtschaftlichen Unterschiede aller Bundesländer auf. So verteilt sich die Wirtschaftskraft vor allem auf die Regionen um München (mit Oberbayern und Augsburg), so wie auf die Region Nürnberg-Fürth-Erlangen, auf Unterfranken zwischen Würzburg und Aschaffenburg sowie die Region Regensburg. In Regionen wie in Oberfranken oder der nördlichen Oberpfalz geht die Wirtschaftskraft stark zurück. Diese Regionen weisen teilweise Arbeitslosenzahlen von über 10 Prozent auf. In den letzten Jahren konnten hier allerdings sehr gute Fortschritte bei der Verbesserung der Situation vorgewiesen werden. An drei Standorten in Bayern befinden sich Atomkraftwerke, außerdem wird in Garching bei München ein Forschungsreaktor betrieben.

Kultur

Die Bayern können auf eine über 1000 Jahre alte Kultur- und Geistesgeschichte zurückblicken. Laut Art. 3 der Verfassung des Freistaates Bayern ist Bayern ein Kulturstaat. Der Freistaat fördert in seinem Haushalt 2003 Kunst und Kultur mit jährlich über 500 Mio. €, zusätzlich kommen erhebliche Leistungen der bayerischen Kommunen und privater Träger hinzu.

Museen

Theater, Schauspiel und Oper

Bayern verfügt über vier staatliche und 18 kommunale Theater mit eigenen Ensembles sowie eine Vielzahl privater Bühnen und freier Gruppen. Als letzte große Neugründung ging 2004 aus den Städtischen Bühnen Nürnberg das Staatstheater Nürnberg hervor. Insgesamt gibt es 35 feste Schauspiel-, Opern- und Operettenbühnen, 41 Freilicht- und Festspielunternehmen und 17 Puppentheater mit mehr als 14.000 Vorstellungen und über 4,8 Millionen Zuschauern jährlich. Unter diesen Bühnen befinden sich so renommierte Häuser wie:

Musik

Operetten] Bayern ist nicht nur das Land der traditionellen Volksmusik, der Jodler und Schuhplattler, sondern auch die Heimat so bekannter Komponisten wie
- Max Reger
- Carl Orff
- Richard Strauss
- Christoph Willibald Gluck Zu den besten in Bayern beheimateten klassischen Orchestern zählen
- die Münchner Philharmoniker
- das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
- die Bamberger Symphoniker, Bayerische Staatsphilharmonie
- das Bayerisches Staatsorchester am Nationaltheater
- die Münchner Symphoniker
- das Münchner Kammerorchester
- die Nürnberger Philharmoniker am Staatstheater Nürnberg
- die Nürnberger Symphoniker
- die Hofer Symphoniker
- das Philharmonisches Orchester Bad Reichenhall
- und das Kammerorchester Schloss Werneck Unter den Musikfestspielen herausragend sind die Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth und die Münchner Opernfestspiele. Münchner Opernfestspiele

Küche

Durch das Nebeneinander der drei bayerischen Stämme Altbaiern, Franken und Schwaben ist die bayerische Küche sehr vielfältig. Auch wenn die bayerische Küche deutlich mehr bietet als deftige und rustikale Spezialitäten, so sind es dennoch besonders diese Gerichte, die weit über die bayerischen Landesgrenzen hinweg bekannt geworden sind:
- Schweinsbraten, Schweinshaxe, Kalbshaxenbraten, Spanferkelbraten
- Semmelknödel, Kartoffelknödel, Leberknödel
- Sauerkraut, Kohlroulade, Krautwickel, Krautspätzle, Krautkrapfen
- Leberknödelsuppe, Leberspätzlesuppe, Speckknödelsuppe, Pfannkuchensuppe
- Weißwurst, Wollwurst, Stockwurst, Regensburger (Wurst), Nürnberger Rostbratwurst
- Apfelstrudel, Topfenstrudel, Kaiserschmarrn, Dampfnudeln, Rohrnudeln, Schmalznudeln, Bayerisch Creme
- Bayrischer Kartoffelsalat, Bayrischer Wurstsalat
- Obazda oder fränkisch: Grupfter
- Leberkäse, Leberkässemmel

Religion, Stämme und Sprache

Leberkässemmel
- röm.-katholisch 58,50% Stand 2003 (1950 71,9 %)
- evangelisch 23 % (1950 26,8 %)
- andere Konfessionen und Religionen etwa 4 % Jüdische Gemeinden gab es bis zum 19. Jahrhundert vor allem in ländlichen Gebieten Frankens und Schwabens sowie den freien Reichsstädten wie z. B. Nürnberg und Regensburg. Im wittelsbachischen Altbayern gab es so gut wie keine Juden; seit der Judenemanzipation zunehmend in bayerischen Städten. Von fast 200 jüdischen Gemeinden existieren heute in Bayern noch bzw. wieder 12 Gemeinden. Das bayerische Volk setzt sich aus vier staatlich anerkannten Stämmen zusammen: Zu den drei alten Stämmen, den Altbayern, Franken und Schwaben, kamen nach 1945 über zwei Millionen Flüchtlinge und Heimatvertriebene, vor allem Sudetendeutsche. Auch Sinti und Roma haben eine sehr lange Tradition in Bayern. Daneben sind auch Jenische in Bayern beheimatet. Gesprochen werden mehrere Dialekte aus drei großen Dialektfamilien:
- Bairisch im Großteil des Landes (Nord- und Mittelbairisch, am Rand zu Tirol auch Südbairisch)
- Fränkisch von etwa 3 Millionen im nördlichen und westlichen Landesteil
- Alemannisch von 2 Millionen Schwaben im Westen Ferner gibt es kleinere Gebiete, in denen Südostthüringisch sowie hessische Mundarten gesprochen werden. Sudetendeutsche Mundarten konnten sich nur in einzelnen Gemeinden, wo Sudetendeutsche angesiedelt wurden, vorübergehend halten. siehe: Dialekte in Bayern, Liste bayerischer Klöster

Literatur


- Max Spindler (Hg.): Handbuch der bayerischen Geschichte, München, 1971-1975 (4 Bände)
- Max Spindler (Hg.), Gertrud Diepolder: Bayerischer Geschichtsatlas, München, 1969
- Wilhelm Volkert, Richard Bauer: Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte: 1799-1980, München, 1983 ISBN 3-406-09669-7 Siehe auch: Portal:Bayern

Weblinks


- [http://www.bayern.de/ Bayerische Staatsregierung]
- [http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/ Bayerische Landesbibliothek Online]
- [http://www.digitalis.uni-koeln.de/Merianb/merianb_index.html Topographia Bavariae] Kupfertafeln von Matthäus Merian 1622
- [http://www.geschichte.hdbg.de Geschichte Bayerns (Haus der Bayerischen Geschichte)]
- [http://www.bayernviewer.de/ Bayern Viewer: Luftbilder und Karten flächendeckend]
- [http://www.bis.bayern.de/ Detaillierte Karten flächendeckend]
-
als:Bayern ja:バイエルン州 ko:바이에른 주 simple:Bavaria

Burg

Als Burg wird ein verteidigungsfähiger Bau bezeichnet der den technischen Verteidigungsmöglichkeiten des Mittelalters entspricht und auf einen einzelnen Burgplatz beschränkt ist. In Europa wird darunter überwiegend ein bewehrter Wohnsitz eines Adligen im Mittelalter verstanden. Neben der Adelsburg komme noch Volksburgen, Kirchenburgen (Wehrkirchen), Klosterburgen und Stadtburgen vor. Eine ältere Bezeichnung für Burg ist das Wort "Veste".

Geschichtliche Entwicklung

Vorgeschichtliche Befestigungsanlagen

Befestigte Anlagen wurden seit dem Neolithikum errichtet und sind aus nahezu allen ur- und frühgeschichtlichen Perioden bekannt. Die Befestigungen waren zumeist aus Holz, Erde und Stein erbaut und sind heute als Burgwälle erhalten, die zumeist als Bodendenkmal unter Schutz stehen. Selten war der Hauptzweck einer solchen Anlage die Verteidigung, weshalb die Bezeichnung als Burgen irreführend ist. Viele Forscher bevorzugen die Bezeichnung "Erdwerk", oder spezifischere Ausdrücke wie z.B. Kreisgrabenanlage, Schlackenwall oder Abschnittswall. Die Kelten hinterließen in Süddeutschland und Frankreich große, stark befestigte Burgstädte, die "Oppidae". Keltische Viereckschanzen hatten dagegen in der Regel keine Verteidigungseinrichtungen. Viele frühgeschichtliche Burg- und Stadtanlagen wurden über sehr lange Zeiträume bewohnt und immer wieder ausgebaut oder erneuert. Bei vielen dieser Denkmäler fehlen jegliche historischen Überlieferungen, so dass ihre Zeitstellung und Geschichte nur durch aufwändige archäologische Grabungen festgestellt werden kann. Im Römischen Reich waren Kastell oder Burgus (spätrömisch) als befestigte Truppenstandorte gebräuchlich. Die Außengrenzen des Reiches wurden teilweise mit aufwändigen Grenzbefestigungen gesichert (Limes).

Burgen im frühen Mittelalter

Im Frühmittelalter kamen die Burgen als Wehrbauten wieder auf, falls diese Tradition jemals unterbrochen war. Der Geschichtsschreiber Paulus Diaconus erwähnt im 8. Jahrhundert in seiner Langobardengeschichte, auf der Historiola des Abtes Secundus von Trient fußend, für das Jahr 590 zahlreiche Castra im mittleren Alpenraum. Ein solches Castrum wird heute meist als befestigte Höhensiedlung aus ostgotischer, byzantinischer oder langobardischer Zeit angesehen. Als Beispiele dafür können Loppio im Trentino, der Vigiliusbühl bei Perdonig oder Castelfeder bei Auer, beide im Etschtal gelegen, angeführt werden. Im Fränkisches Reich setzte der Burgenbau spätestens in der Karolingerzeit wieder ein. Große Gaugrafenburgen entstanden, teilweise durch den Ausbau vorgeschichtlicher Wallanlagen. Zur gleichen Zeit, das heißt im späten 8. Jahrhundert und im 9. Jahrhundert, begannen auch die Slawen mit dem Bau von Burgen. Im 10. Jhdt. wurden in Südwestdeutschland riesige "Ungarnwälle" aufgeworfen. Im Vorfeld wurden ausgeklügelte Reiterannäherungshindernisse angelegt, um das Reitervolk zum Fußkampf zu zwingen. Nach der Schlacht auf dem Lechfeld bei Augsburg (955), wurde der Ausbau mancher dieser Wallanlagen abrupt abgebrochen, da die Gefahr durch die Niederlage der Ungarn beseitigt war. Viele hochmittelalterliche Burgen stehen innerhalb älterer, wesentlich großflächigerer Wallanlagen, deren Zeitstellung nicht immer zweifelsfrei zu klären ist. Fortifikatorisch günstige Plätze wurden oft über Jahrtausende hinweg benützt. Bedingt durch klimatische Verbesserungen kam es am Ende des frühen Mittelalters im deutschen Sprachraum zu einem raschen Bevölkerungswachstum, das die Entstehung einer neuen Gesellschaftsschicht ermöglichte, der Ministerialen. Diese anfangs noch unfreien Dienstleute dokumentierten ihren neuen Status oft durch die Errichtung einer Turmhügelburg, der Motte. Dieser Bautypus war ursprünglich in Westeuropa beheimatet.

Hoch- und Spätmittelalter

Die Blütezeit des Burgenbaus war das Hoch- und Spätmittelalter. Aus dieser Zeit stammt der größte Teil der heute erhaltenen Burgen und Burgruinen. Der Burgenbau gehörte aufgrund der schwachen Infrastruktur des mittelalterlichen Europas zu den wichtigsten Mitteln der Machtausübung, weshalb er zu den Königsrechten (Regalien) zählte. Manche Herrscher ließen Zwingburgen in aufrührerischen Gebieten oder auch Städten errichten. Die Pfalzbauten des Hochadels und der Kaiser waren allerdings ursprünglich nur schwach befestigt. Waren die Könige der meisten europäischen Länder stark auf den Erhalt ihres Vorrechts zum Burgenbau bedacht, ging dieses Recht im Heiligen Römischen Reich während des Spätmittelalters auf die Territorialfürsten über. Über den Einfluss arabischer und muslimischer Wehrarchitektur auf die Entwicklung der europäischen Burglagen ist viel gestritten worden. Sicherlich ist jedoch die eine oder andere Anregung während der Kreuzzüge zu uns gelangt. Bei vielen spanischen Burgen ist dieser Einfluss, bedingt durch die Geschichte des Landes, natürlich offensichtlich. Aus diesem Grunde ist es im spanischen Burgenbau oft zu eigenständigen, ja phantastischen Ergebnissen gekommen. Bauten wie etwa die atemberaubende Burg Coca suchen im Rest Europas ihresgleichen. Die Rheinstrecke von Mainz bis Bonn ist wohl das bekannteste Beispiel einer deutschen Burgenlandschaft. Klassische "Burgennester" sind weiterhin der Pfälzer Wald, die Schwäbische und die Fränkische Alb, die fränkischen Hassberge, u.a. Im deutschsprachigen Teil des ehemaligen Österreich ist hier vor allem Südtirol zu nennen. Demjenigen, der sich einen raschen Überblick über nahezu tausend Jahre Entwicklung des mitteleuropäischen Wehrbaus verschaffen möchte, sei die Region um das Allgäuer Grenzstädtchen Füssen empfohlen. Von der Motte (Seeg) über die Höhlenburg (Loch bei Pinswang) über die spätgotische Schloßburg Füssen reicht das "Angebot" bis hin zur barocken Festungsanlage (Schloßkopf bei Reutte) und der romantischen Märchenburg Neuschwanstein. Nicht zuletzt aus diesem Grunde wurde die Region als Standort für das Europäische Burgenmuseum ausgewählt, das zur Zeit in der Klause unterhalb des Burg- und Festungsensembles Ehrenberg (Reutte) eingerichtet wird. In dem Umland einer Burg galt der so genannte Burgfriede, der Fehden streng untersagte. Durch den Burgbann war die im Einzugsbereich einer Burg lebende Bevölkerung dazu verpflichtet, zu baulichen Tätigkeiten und der Verteidigung der Burg beizutragen. Dafür durfte die Bevölkerung bei fremder Bedrohung in der Burg Schutz suchen. Im Spätmittelalter wurden viele Burgen aufgrund des Niedergangs des Rittertums zum Stützpunkt von so genannten Raubrittern. Die meisten Burgen wurden von gutbezahlten Bauspezialisten und Handwerkern errichtet, selten durch die harte Fronarbeit der untertänigen Bevölkerung. Viele Bauherren mussten sich extrem verschulden, um sich eine Burg leisten zu können, die ihrem tatsächlichen oder eingebildeten Status entsprach. Die Bauzeiten bewegten sich zwischen wenigen Wochen für eine kleine Holz- und vielen Jahrzehnten für eine große Feudalburg. Eine kleinere Steinburg dürfte in drei bis fünf Jahren bezugsfertig gewesen sein und wurde später meist noch ausgebaut. Die Bautrupps zogen von einer Baustelle zur anderen. So erklären sich identische Baudetails und Steinmetzzeichen an oft weit voneinander entfernten Burgen. (Es wurde meist keine Bauzeichnungen erstellt, sondern lediglich einzelne Skizzen in den Sand gemalt.) Im Idealfall verwendete man natürlich das am Ort anstehende Baumaterial. Die Werksteine wurden teilweise bereits beim Grabenaushub gewonnen, oft haben sich auch die alten Steinbrüche in unmittelbarer Nähe der Burg erhalten. Manchmal wurde das Baumaterial allerdings auch über weite Strecken zur Baustelle transportiert. In steinarmen Gebieten (etwa Norddeutschland) verwendete man meist Backsteine oder Feldsteine. Das verwendete Steinmaterial hatte natürlich großen Einfluss auf die Konzeption und Ausstattung der Burganlage. Auch die Baukosten und die Bauzeit hingen hiervon ab. In den Außenmauern finden sich oft in regelmäßigen Abständen kleine "Rüstlöcher". Beim Hochmauern wurden hölzerne Stangen in diese Löcher geschoben. Auf diese Stangen wurden dann Balken gelegt und rückwärtig ein Geländer angebracht. Von dieser Gerüstebene konnte dann in Mannshöhe nach oben gemauert werden. Dieses Prinzip wurde so lange fortgeführt, bis die endgültige Mauerhöhe erreicht war. Die oft in den Rüstlöchern verbliebenen Holzreste geben oft Aufschluss über das Alter des Bauabschnittes (Dendrochronologie). Selbstverständlich kamen auch kleinere Standgerüste vor, besonders in Innenräumen. Die Außenmauern vieler Burgen waren - im Gegensatz zu ihrem heutigen Erscheinungsbild - meistens verputzt. Es gab im Mittelalter wesentlich mehr Burgen, als heute gemeinhin angenommen. Auch heute auf den ersten Blick so burgenarme Gebiete wie etwa Oberbayern waren im Hochmittelalter übersät mit mehr oder weniger wehrhaften Adelssitzen. Besonders in den ersten Jahrzehnten des Territorialausbaues fand sich in oder bei nahezu jedem größeren Dorf eine kleine Burg oder zumindest eine befestigte Hofanlage. Diese Anlagen dienten als Wohnstätten und vor allem als Statussymbole der zahlreichen Ministerialen, dem neu entstandenen Dienstadel. Viele dieser manchmal winzigen Burgen sind noch als Burgställe erhalten, andere in Meierhöfen oder Schlössern aufgegangen. Die "Herren" dieser Miniaturburgen waren oft wirtschaftlich nicht stark genug, um sich dauerhaft im Niederadel zu etablieren. Oft findet man auch mehrere ehemalige Burgen in einer Gemeinde. Besonders im Grenzbereich zwischen den Gebieten mächtiger Territorialherren wurden zahlreiche Burgen zur Sicherung des eigenen Einflusses errichtet. Ein gutes Beispiel ist die auffallende Burgendichte in den fränkischen Hassbergen, wo sich die beiden Hochstifte Bamberg und Würzburg rivalisierend gegenüberstanden. Hier schreckte man auch vor Falschanklagen nicht zurück, um die Burgen des Rivalen in den eigenen Besitz zu bringen. Wegen der unterschiedlichen Entwicklung des Lehenswesens und anderer geographischer und politischer Faktoren unterscheiden sich die Burgen der verschiedenen Kulturkreise deutlich. In Deutschland werden die oft gigantischen Ausmaße der englischen und französischen Wehrbauten meist bei weitem nicht erreicht, die Anlagen fallen überwiegend vergleichsweise bescheiden aus. Auch hier bestätigt die Ausnahme die Regel: Europas längste Burg ist in Bayern zu finden (Burg zu Burghausen). Die Anlage ist über 1200 m lang. Auch die gigantischen "Ritterkasernen" des Deutschen Ordens sind als Eroberungsburgen im feindlichen Umland nicht für die deutsche Burg repräsentativ. Im (ehemaligen) deutschen Sprachraum dürften insgesamt etwa 20000 mittelalterliche Burgen angelegt worden sein. Einfache Turmburgen und Motten stehen hier neben kleineren Stein- und großen Feudalburgen. Die meisten dieser Wehranlagen sind im Laufe ihrer langen Geschichte verschwunden oder nur noch als Burgställe erhalten. Die Zahl der ganz oder teilweise erhaltenen Burganlagen liegt hier bei über 4000. (Krahe verzeichnet in seinem Grundrisslexikon etwa 4500). Diese beeindruckenden Zahlen lassen sich durch die Sonderentwicklung des Lehenswesens im "deutschen" Reichsgebiet erklären, der Entwicklung eines "Dienstadels", der den Großteil der Ritter und Edelknechte stellte. Hinzu kommt die territoriale Zersplitterung in kleine und kleinste Herrschaften. Das Land mit der im Verhältnis zu seiner Fläche größten Burgendichte ist allerdings Böhmen. Die Evolution der Adelsburg verlief größtenteils parallel zu der Entwicklung der Stadtbefestigungen in Europa. Leider werden die zahlreichen Wechselwirkungen zwischen beiden Bautypen von der Forschung noch zu wenig beachtet. Eigentlich sind die Städte des Mittelalters nichts anderes als riesige Burgen, die Einwohner nannte man folgerichtig auch "Bürger". Typische Elemente der Burgenarchitektur finden sich in den Städten wieder, sogar die Bergfriede oder